Neu im Kino/Filmkritik: „Cry Macho“, Clint Eastwood

Oktober 21, 2021

Clint Eastwood hat es wieder getan: einen Film mit sich als Hauptdarsteller inszeniert. Und wie sein letzter Film mit ihm in der Hauptrolle, „The Mule“, spielt er im Süden der USA. Dieses Mal, bis auf die ersten Minuten, südlich der Grenze in Mexiko. Gedreht wurde beide Male in New-Mexiko.

Ranchbesitzer Howard Polk (Dwight Yoakam) bittet 1980 seinen früheren Angestellten Mike Milo (Clint Eastwood), einen legendären Rodeoreiter, der für ihn über viele Jahre Pferde zuritt und zuletzt von ihm wegen allgemeiner Unzuverlässigkeit entlassen wurde, um einen Gefallen. Milo seinen Sohn Rafo (Eduardo Minett) aus Mexiko City in die USA bringen. Polk hat ihn noch nie gesehen. Er hat nur ein schon sieben Jahre altes Foto von dem inzwischen dreizehnjährigem Rafo, der in irgendwelchen Schwierigkeiten stecken soll. Über seine Mutter sagt er nur, dass sie keine richtige Mutter sei.

In Mexico City lebt Rafo in einem riesigen Anwesen. Seine überaus gutaussehende und sexgierige Mutter wirkt bei einem Gespräch mit Milo, als sei sie mindestens am Rand in illegale Geschäfte verwickelt. Woher sie ihr Vermögen hat, wird nie genau gesagt, aber sie verfügt über gute Verbindungen zur Polizei und sie kann einige Schläger bezahlen, die beide später Milo, Rafo und Rafos Hahn Macho durch Mexiko jagen werden.

Er hat Rafo, aufgrund eines Tipps seiner Mutter, bei einem illegalem Hahnenkampf entdeckt. Gemeinsam fahren sie dann Richtung Texas. Weil sie sich vor ihren Verfolgern verstecken müssen und ihr Auto beschädigt ist, stranden sie in einem Dorf. Dort treffen sie die überaus feinfühlige und warmherzige Cantina-Besitzerin Marta (Natalia Traven) und Milo kann Rafo das Reiten beibringen.

Cry Macho“ ist ein seltsam aus der Zeit gefallener Film. Das liegt nicht daran, dass er 1980 spielt, sondern an seiner Entstehungsgeschichte und an Clint Eastwood; oder genauer gesagt dem Mythos Clint Eastwood.

Beginnen wir mit der Entstehungsgeschichte. N. Richard Nash (1913 – 2000) ist vor allem bekannt als Theater- und Drehbuchautor. Zu seinen Werken gehören sein auch verfilmtes Theaterstück „The Rainmaker“ und das Drehbuch für die George-Gershwin-Oper „Porgy and Bess“. In den Siebzigern schrieb er ein Drehbuch, das niemand wollte. Das schrieb er zu einem Roman um, der 1975 erschien. „Cry Macho“ war so erfolgreich, dass Hollywood Interesse an einer Verfilmung hatte. Nash gab wieder sein Drehbuch ab und in den folgenden Jahren gab es immer wieder Versuche, das Buch zu verfilmen. 1988 sollte es schon einmal ein Clint-Eastwood-Film werden. Eastwood wollte den Film allerdings nur inszenieren. Er schlug Robert Mitchum für die Hauptrolle vor. Zu verschiedenen Zeiten waren auch Roy Scheider (Yep, der mit dem Weißen Hai), Burt Lancaster und Arnold Schwarzenegger im Gespräch.

Jetzt nahm Eastwood sich das Buch wieder vor. Nick Schenk, der bereits die Bücher für die Clint-Eastwood-Filme „Gran Torino“ und „The Mule“ schrieb, überarbeitete Nashs Drehbuch. Allerdings scheint sich seine Überarbeitung in Grenzen gehalten zu haben. Zur Geschichte kommen wir später. Jedenfalls wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus dem zeitgenössischem Stoff ein historischer Stoff.

Für Eastwood ist die Rolle von Mike Milo natürlich eine dankbare Rolle, die ihm wie ein handgefertigter Schuh passt. Außerdem ist es eine positive Figur mit einigen kleinen Marotten. In seinem vorherigen Leinwandauftritt „The Mule“ spielte er einen Drogenkurier, der ohne Gewissensbisse Tonnen Rauschgift in die USA schmuggelt und sich so finanziell saniert. Da ist der grummelige Macho-Cowboy, der zum liebevollen Ersatz-Daddy und dem guten Onkel in einem mexikanischem Dorf wird, ein richtiggehend positiver Held, der auch das gesamte Machotum seiner Jugend in Frage stellt. Es ist auch eine Rolle, die Eastwood in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten schon mehrere Male spielte. Eigentlich kann sein gesamtes Spätwerk, das ungefähr mit seinem letzten „Dirty Harry“-Film „Das Todesspiel“ (The Dead Pool, 1988) begann, als eine konsequente Demystifizierung seiner früheren Heldenfiguren gesehen werden. Und auch einige seiner früheren Filme, wie „Der Texaner“ (The Outlaw Josey Wales, 1976) oder „Honkytonk Man“ (1982), hinterfragten dieses Heldentum. Diesen Filmen fügt er mit „Cry Macho“ nichts Wesentliches bei.

Und damit kommen wir zur Geschichte, die vor vierzig, fünfundvierzig Jahren ein aktueller Kommentar zum Mannsein gewesen wäre und heute seltsam antiquiert wirkt. Nicht weil heute keine Ersatzvater/Sohn-Geschichten mehr erzählt werden können – Liam Neeson tat dies vor wenigen Wochen in der Clint-Eastwood-Pastiche „The Marksman – Der Scharfschütze“ -, sondern weil „Cry Macho“ immer wirkt, als habe man das alte Drehbuch einfach aus dem Regal genommen, abgestaubt und fünfundvierzig Jahre zu spät verfilmt. Da fallen die, höflich formuliert, seltsame Figurenpsychologie, die gestelzt-altmodischen Dialoge und die Drehbuchlöcher epischen Ausmaßes (aus vollkommen rätselhaften Gründen sind die Bösewichter mal da, mal nicht) negativ auf.

Es wird auch nicht versucht, die Filmgeschichte als einen Vorlauf für die Gegenwart zu sehen. Denn die heutige Gegenwart ist eine Zukunft, die N. Richard Nash nicht kannte und die Nick Schenk jetzt nicht in das Drehbuch hineinschrieb. Daher erfolgt keine Neubetrachtung damaliger Bilder von Männlichkeit. Stattdessen werden uns Gedanken aus den siebziger Jahren über männliche Rollenbilder als neu verkauft. Und so bleibt „Cry Macho“ ein Kommentar zu den Siebzigern aus der Perspektive der Siebziger.

Um nicht falsch verstanden zu werden: „Cry Macho“ ist kein wirklich schlechter Film. Er ist sogar, wenn man über die aus heutiger Sicht idiotische Prämisse, die hölzernen Dialoge und die doch etwas unglaubwürdige Liebesgeschichte hinwegsieht, ein ganz vergnüglicher und sehr versöhnlicher Neo-Western. Clint Eastwood inszenierte ihn gewohnt souverän als weiteres Alterswerk. Dieses Mal mit epischen Bildern des Wilden Westens und gefälliger Countrymusik.

Cry Macho (Cry Macho, USA 2021)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk, N. Richard Nash

LV: N. Richard Nash: Cry Macho, 1975

mit Clint Eastwood, Eduardo Minett, Natalia Traven, Dwight Yoakam, Fernanda Urrejola, Horacio Garcia Rojas

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Cry Macho“

Metacritic über „Cry Macho“

Rotten Tomatoes über „Cry Macho“

Wikipedia über „Cry Macho“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino (naja einigen Kinos in einigen Bundesländern)/Filmkritik: Clint Eastwood erzählt „Der Fall Richard Jewell“

Juni 25, 2020

Am 27. Juli 1996 hatte Richard Jewell seine fünfzehn Minuten Ruhm. Der 34-jährige arbeitete bei einer privaten Wachfirma. Im Centennial Olympic Park entdeckt er bei einem Kenny-Rogers-Konzert, das während der Olympischen Spiele in Atlanta, Georgia, stattfinded, eine unter einer Parkbank versteckte Tasche. Er informiert die Polizei und leitet sofort erste Maßnahmen zum Schutz der Zuschauer ein, indem er sie aus dem Gefahrenbereich trieb. Kurz darauf explodiert die Bombe. Eine Frau stirbt. Ein Mann hat einen Herzinfarkt. Über hundert Menschen werden verletzt. Ohne sein beherztes Eingreifen wären mehr Menschen gestorben.

Die Presse und die Öffentlichkeit feiert ihn als Helden.

Währenddessen fragt das FBI sich, ob der Möchtegern-Gesetzeshüter der Täter sein könnte. Jewell hat anscheinend jede Verfahrensvorschrift der Polizei verinnerlicht, besteht penetrant auf der Einhaltung von Regeln, spielt Computerspiele wie „Defender“ und „Mortal Kombat II“ (das war damals etwas für Kinder und seltsame Nerds), hortet Waffen und lebt bei seiner Mutter. Damit passt der unterwürfige, sich nach Anerkennung von seinen Polizistenkollegen sehnende Jewell perfekt in das Profil des rechten, nach Aufmerksamkeit gierenden Einzeltäters.

Als Kathy Scruggs, eine überaus ambitionierte, 2001 verstorbene Journalistin der Zeitung „The Atlanta Journal-Constitution“, von den Ermittlungen gegen Jewell erfährt, schreibt sie einen reißerischen Artikel, der Jewell zum Hauptverdächtigen macht.

Trotzdem versucht der gutmütige Jewell weiter, den Ermittlern zu helfen. Was ihn nur noch verdächtiger macht. Und seinen Autoritäten verachtenden Anwalt Watson Bryant, der bis zu diesem Zeitpunkt keine Erfahrung mit solchen Strafverfahren hat, verzweifeln lässt. Das hindert ihn aber nicht daran, wortgewaltig für Jewell zu kämpfen.

Mit „Der Fall Richard Jewell“ setzt Clint Eastwood die Reihe seiner auf wahren Ereignissen basierenden Filme fort. Es ist auch eine weitere Heldengeschichte, die von ihren überzeugenden Schauspielern lebt. Die Hauptrolle übernahm Paul Walter Hauser. Bislang spielte er Nebenrollen. Unter anderem in „I, Tonya“, „BlacKkKlansman“ und „Late Night“. Einen größeren Eindruck hinterließ er in diesen Filmen bei mir nicht. Als Richard Jewell zeigt er jetzt, was er kann. Und das ist verdammt viel.

Die anderen Schauspieler – Sam Rockwell als Jewells Anwalt, Kathy Bates als Jewells Mutter, Jon Hamm als FBI-Ermittler (seine Figur basiert auf mehreren realen Ermittlern) – überzeugen ebenfalls. Das liegt am Drehbuch, ihrem Spiel und Eastwoods gewohnt unprätentiöser Inszenierung, die sich auf die Geschichte und die Schauspieler verlässt.

In diesem Umfeld fällt die von Olivia Wilde gespielte Journalistin – auch wenn man den wahren Fall nicht kennt – äußerst negativ auf. Die von ihr gespielte Figur ist eine karrieregeile, für eine Schlagzeile über Leichen gehende Schönheit. Sie ist ein eindimensionaler Watschenmann für primitive Medienkritik; mit telegener und vollkommen unglaubwürdiger Wandlung am Filmende. Die durchaus beunruhigenden und skandalträchtigen wahren Ereignisse in der Redaktion der Provinzzeitung und die Reaktionen der überregionalen Medien hätten diese Dramatisierung nicht benötigt. Der restliche Film bleibt dagegen nah an den Fakten und zeichnet ein differenziertes Bild der Monate nach dem Bombenanschlag.

Der Fall Richard Jewell“ ist eine packende David-gegen-Goliath-Geschichte, in der ein unschuldiger und gegenüber der Polizei überaus naiver Mann um seinen Ruf kämpfen muss. Freunde hat er nur wenige. Seine Gegner sind das FBI, das vorurteilsbehaftet ermittelt und den Ruf eines Unschuldigen irreparabel schädigt, und die Medien, die für eine Schlagzeile schlampig recherchieren. Beide bleiben bei ihrer einmal gefassten Überzeugung. In der Öffentlichkeit war Jewell danach ‚der Bombenleger‘. 2003 wurde der wahre Täter, der christlich-fundamentalistisch Terrorist Eric Rudolph, verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Richard Jewell starb 2007 aufgrund mehrerer durch seine Diabetes verursachten gesundheitlicher Probleme.

Der Fall Richard Jewell (Richard Jewell, USA 2019)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Billy Ray

LV: Marie Brenner: American Nightmare: The Ballad of Richard Jewell (Vanity Fair, Februar 1997), Kent Alexander, Kevin Salwen: The Suspect, 2019

mit Paul Walter Hauser, Sam Rockwell, Olivia Wilde, Jon Hamm, Kathy Bates, Nina Arianda, Ian Gomez, Niko Nicotera

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Der Fall Richard Jewell“

Metacritic über „Der Fall Richard Jewell“

Rotten Tomatoes über „Der Fall Richard Jewell“

Wikipedia über „Der Fall Richard Jewell“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Der Fall Richard Jewell“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)


Über Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“

Juni 4, 2020

Pünktlich zum neunzigsten Geburtstag von Clint Eastwood (der war am 31. Mai) erschien die von Kai Bliesener geschriebene Werkbiographie „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“. Das Buch ist ein konzentrierter, weitgehend chronologischer Gang durch Clint Eastwoods filmisches Werk bis zu „The Mule“. Eastwoods neuestes, noch nicht in den deutschen Kinos gestartetes, äußerst sehenswertes, auf Tatsachen basierendes und sich nahtlos an seine vorherigen Filme anschließendes Drama „Der Fall Richard Jewell“ fehlt. Ergänzt wird Blieseners Text um ein Essay von Georg Seeßlen und Interviews mit den Eastwood-Fans Frank Brettschneider, Wolf Jahnke, Jo Schuttwolf und Tobias Hohmann über ihr Idol.

Bliesener trennt seine Eastwood-Werkschau in zwei Teile. Einmal steht mehr der Regisseur (und damit sein Spätwerk), einmal mehr der Schauspieler im Mittelpunkt. In beiden Teilen bespricht Bliesener dann (bis auf Eastwoods frühe Miniauftritte in B-Pictures und seinen Auftritt in dem Episodenfilm „Hexen von heute“) chronologisch jeden Eastwood-Film, mal kürzer, mal länger. Weil er die, bei Eastwoods umfangreichem Werk auch nicht wirklich mögliche und sinnvolle Trennung zwischen Schauspieler und Regisseur nicht durchgängig durchhält, hätte er auf diese Teilung getrost verzichten und einfach vom „Für eine Handvoll Dollar“-‚Fremder ohne Namen‘ bis zu „The Mule“ Earl Stone die Entwicklung des Schauspielers, Produzenten (Eastwood gründete schon 1967 seine Filmproduktionsfirma „Malpaso“) und Regisseur (seit „Sadistico“ [Play Misty for me, 1971]) nachzeichnen können.

Wegen der nun gewählten Struktur wäre zum schnellen Finden der einzelnen Filme ein Register vorteilhaft gewesen. Und, weil nicht jeder die Handlung jedes Eastwood-Films kennt, wären in der Filmographie kurze Inhaltsangaben sinnvoll gewesen.

Bei der Bewertung der einzelnen Filme folgt Bliesener weitgehend dem Konsens. Weil er seine Bewertungen oft um weitere Bewertungen ergänzt und er hier meistens deutschsprachige Kritiken zitiert, eröffnet er auch einen etwas anderen Blick auf Eastwoods Schaffen als die meist US-amerikanischen Biographien.

Auf fast jeder Seite spricht Bliesener Eastwoods konservative Weltsicht an (er ist bekennender Republikaner, der sich inzwischen eher als libertär sieht) und fragt bei fast jedem Film, was die politische Aussage des Films ist und wie sie sich mit der konservativ-republikanischen Ideologie verträgt. Das ist natürlich eine berechtigte Frage, verkürzt aber viele Eastwood-Filme auf eine platte politische Aussage, die einfach in eine Pro- oder Contra-Position und in ein Links-Rechts-Schema gepresst wird.

Gewinnbringender für eine Analyse und Interpretation von Eastwoods Werk wäre dagegen die Frage gewesen, wie Eastwood sich mit seinen Filmen und Figuren zu US-Mythen, dem Selbstbild der USA, was vor allem das des weißen Mannes ist, und aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen, also dem Zeitgeist, verhalten.

Dieser Konflikt ist schon in Eastwoods ersten wichtigen Rollen angelegt. Seinen Durchbruch als Kinoschauspieler hat er in drei Italo-Western, die den klassischen Hollywood-Western gründlich demystifizieren. Hohe Ideale werden als hohle Ideale enttarnt. Dreck und Schmutz bestimmen das Bild. Kapitalismuskritik, Revolutionspathos, burleske Übertreibungen und übertriebene Gewalt waren gern benutzte Stilmittel. Damals – wir reden von den sechziger Jahren, als die Gegenkultur die Straßen und die Gesellschaft eroberte – reflektierten diese Western den Zeitgeist. In diesen Jahren wurde der alte Westernheld John Wayne zu einem reaktionären alten Sack, der den Vietnamkrieg-Propagandafilm „Die grünen Teufel“ drehte. Eastwoods nächste bahnbrechende Figur ist der Polizist ‚Dirty Harry‘ Callahan. Don Siegels grandioser Cop-Thriller wurde sofort als faschistoid beschimpft. Er zeichnet ein düsteres Bild der US-Gesellschaft – und Callahan ist ein Polizist, der im ständigen Konflikt mit Autoritäten steht. „Dirty Harry“ ist auch, wie ihre Vorstudie „Coogans großer Bluff“ (Cccgan’s Bluff), eine Verlagerung des Western und der damals verübten Rechtsdurchsetzung in die Gegenwart und in den Polizeifilm und in die Großstadt.

In seinen nächsten Filmen begann Eastwood verstärkt die Mythen der US-Gesellschaft und das Verhältnis von Individuum und Institution bzw. Gesellschaft zu hinterfragen. In seinen neueren Filmen behandelt er diese Fragen, ohne endgültige Antworten zu geben, anhand wahrer Geschichten von oft problematischen ‚Helden‘.

In seinem Text „Clint Eastwood – Eine amerikanische Ikone“ beschäftigt Georg Seeßlen sich mit diesem Spannungsfeld, das Clint Eastwoods Schaffen seit seinem Aufstieg zum Star auszeichnet und über die Jahrzehnte, trotz etlicher Fehltritte, auch so bemerkenswert macht.

Der bekennende Eastwood-Fan, der schon einige Eastwood-Biographien gelesen hat, wird in „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ wenig bis nichts neues erfahren. Aber das ist auch nicht Blieseners Ziel. Sein Buch ist eine gelungene, konzentrierter Überblick über das Schaffen des traditionellen Geschichtenerzählers Clint Eastwood.

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Schüren über das Buch

Homepage von Kai Bliesener

Wikipedia über Clint Eastwood (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juni: Space Cowboys/Die Clint Eastwood Story/Erbarmungslos

Juni 1, 2020

Und noch ein Abend mit Clint Eastwood

Kabel 1, 20.15

Space Cowboys (Space Cowboys, USA 2000)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Ken Kaufman, Howard Klausner

Wenn 1958 nicht ein Affe ins All geschossen worden wäre, wären Frank Corvin und sein Team die ersten Lebewesen im All gewesen. Jetzt droht ein russischer Satellit (ausgestattet mit geklauter Ami-Technik) abzustürzen und nur Corvin und seine Jungs kennen noch die alte Technik. Sie sollen nun die jungen Spunde beraten, aber das hindert Corvin und die anderen nicht daran, mit allen Mitteln zu versuchen, endlich ihren Jugendtraum vom Weltraumflug zu verwirklichen.

Köstlich entspannte Komödie von Clint Eastwood mit einer All-Star-Besetzung, die damals uralt erschien (Clint Eastwood, geb. 1930, Donald Sutherland, geb. 1935, James Garner, geb. 1928, Tommy Lee Jones, geb. 1946). Heute nicht mehr so sehr.

mit Clint Eastwood, Tommy Lee Jones, James Garner, Donald Sutherland, James Cromwell, Marcia Gay Harden, William Devane, Courtney B. Vance, Rade Serbedzija, Jay Leno (als er selbst)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Space Cowboys“

Wikipedia über „Space Cowboys“ (deutsch, englisch)

Kabel 1, 22.45

Die Clint Eastwood Story (Deutschland 2018)

Mit Werbung einstündiges Porträt des Regisseurs von „Begegnung am Vormittag“.

Wiederholung: Mittwoch, 3. Juni, 04.20 Uhr (Taggenau!)

Kabel 1, 23.50

Erbarmungslos (Unforgiven, USA 1992)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: David Webb Peoples

Wyoming, 1880: Als der ehemalige Revolverheld William Munny erfährt, dass die Huren von Big Whiskey ein Kopfgeld von 1000 Dollar auf zwei Cowboys aussetzten, die eine von ihnen verstümmelte, schnallt er wieder seinen Colt um. Denn er braucht das Geld für sich und seine beiden Kinder; – auch wenn er es mit zwei Gefährten teilen muss.

„‘Erbarmungslos’ ist offensichtlich ein feinfühlig gemachter und ausbalancierter Film, und, wenn man seine Einsichten in die menschliche Natur bedenkt, so düster, wie ein Genrefilm überhaupt nur sein kann. Aber er präsentiert sich nicht finster, was er teilweise seinen Autoren verdankt. (…) Abgesehen von ‘revisionistisch’ , war das von den Kritikern am häufigsten verwendete Wort ‘Meisterstück’.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

„ein vorzüglicher Spätwestern, der wie seit Peckinpahs ‘The Wild Bunch’ nicht mehr verstört.“ (Fischer Film Almanach 1993)

„Erbarmungslos“ erhielt vier Oscars, unter anderem als bester Film. Clint Eastwood erhielt für seine Regie und sein Spiel zahlreiche Preise und Nominierungen.

Das Drehbuch war für den Edgar, Oscar, Golden Globe und WGA Award nominiert und erhielt von den Western Writers of America den Spur Award als bestes Western-Drehbuch.

Außerdem erhielt „Erbarmungslos“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards.

Bei Rotten Tomatoes liegt der Frischegrad für diesen Western bei 96 Prozent.

Auf einer 2008 veröffentlichten Liste der zehn besten Western setzte das American Film Institute „Erbarmunglos“ auf den vierten Platz.

Und 2013 gab es ein verdammt gelungenes japanisches Remake.

mit Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris, Jaimz Woolvett, Saul Rubinek, Francis Fisher, Jeremy Ratchford

Zum Lesen (ausführliche Besprechung in Arbeit)

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Erbarmungslos”

Wikipedia über „Erbarmungslos“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Unforgiven“ von David Webb Peoples (Production Draft Sript, 23. April 1984)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Mai: Die Letzten beißen die Hunde (+ Buchhinweis: Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften)

Mai 28, 2020

3sat, 22.25

Die Letzten beißen die Hunde (Thunderbolt and Lightfoot, USA 1974)

Regie: Michael Cimino

Drehbuch: Michael Cimino

Tresorknacker John ‚Thunderbolt‘ Doherty (Clint Eastwood) will zusammen mit dem Herumtreiber Lightfoot (Jeff Bridges) und seinen Ex-Kumpanen Red (George Kennedy) und Goody (Geoffrey Lewis), die glauben, dass er sie betrogen habe, die unter einer Schule gut versteckte Beute von ihrem letzten gemeinsamen Banküberfall wiederbeschaffen. Was gar nicht so einfach ist.

Michael Ciminos Regiedebüt ist ein entspannt-witziges, Mythen demontierendes Roadmovie, das damals an der Kinokasse gut ankam. Danach drehte Cimino die Klassiker „Die durch die Hölle gehen“ und „Heaven’s Gate“.

Ciminos Einstand zeichnet sich dabei aus durch einen weitgehenden Verzicht auf Gewalttätigkeiten, durch amüsante, lakonische Dialoge, rasant gefilmte Action und ausgezeichnete Leistungen der Darsteller.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Michael Ciminos Werk war eher ein Kommentar zu den Genrekonventionen als ein Wiederaufgreifen. Außerdem meditiert der Film über das amerikanische Mannsein unmittelbar nach Vietnam und ist damit eine Kritik an gewissen amerikanischen Traditionen, die normalerweise in derartigen Filmen nicht in Frage gestellt werden. Zudem ist er ziemlich abgedreht – schlüpfrig, verwildert, vollgepackt mit abgefahrenen Vorfällen, die aus dem Nichts entstehen und uns in erstaunliche Richtungen führen.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood, 1998)

mit Clint Eastwood, Jeff Bridges, George Kennedy, Catherine Bach, Geoffrey Lewis, Gary Busey (als Garey Busey)

Frisch aus der Druckerpresse: Das Buch zum neunzigsten Geburtstag von Clint Eastwood (der ist am 31. Mai) ist ein konzentrierter, weitgehend chronologischer Gang durch Clint Eastwoods filmisches Werk bis zu „The Mule“ (Eastwoods neuestes, äußerst sehenswertes, noch nicht in den deutschen Kinos gestartetes auf Tatsachen basierendes Drama „Der Fall Richard Jewell“ fehlt). Ergänzt wird Blieseners Text um ein Essay von Georg Seeßlen und Interviews mit Frank Brettschneider, Wolf Jahnke, Jo Schuttwolf und Tobias Hohmann über Clint Eastwood.

Der erste Eindruck ist positiv. Auch wenn ich, nachdem ich schon einige Bücher über Clint Eastwood gelesen habe, wahrscheinlich wenig neues erfahren werde über diesen Mann, der als TV-Seriendarsteller anfing, als Fremder ohne Namen und Dirty Harry ein Star wurde, schon früh immer wieder sein Image in Frage stellte („Der Texaner“), 1993 für den Western „Erbarmungslos“ seine ersten Oscars erhielt und seitdem ein in jeder Beziehung beeindruckendes und abwechslungsreiches Spätwerk vorlegte..

Kai Bliesener: Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften

Schüren, 2020

232 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Letzten beißen die Hunde“

Wikipedia über „Die Letzten beißen die Hunde“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Clint Eastwood ist „The Mule“

Januar 31, 2019

Als Schauspieler trat Clint Eastwood seit „Blood Work“ (2002) kaum noch auf. So waren seine Hauptrollen in „Million Dollar Baby“ (2004), „Gran Torino“ (2008) und „Back in the Game“ (Trouble with the Curve, 2012) immer auch sein möglicherweise letzter Leinwandauftritt.

Als Regisseur war er dagegen gut beschäftigt mit einem Arbeitspensum von ungefähr einem Film pro Jahr. Munter zwischen den Genres wechselnd, meistens sehr gelungen und auch an der Kinokasse erfolgreich. Es sind Filme für Erwachsene, die nichts mit Superheldengedöns, epischen Weltraumschlachten und Pennälerhumor anfangen können.

Auch sein neuester Film „The Mule“, wieder mit ihm als Regisseur und Hauptdarsteller, wieder nach einem Drehbuch von „Gran Torino“-Autor Nick Schenk und mit einer beeindruckenden Riege guter Schauspieler – Dianne Wiest als seine Ex-Frau, Andy Garcia als Kartellboss, Bradley Cooper, Laurence Fishburne und Michael Peña als DEA-Ermittler (alle drei mit Eastwood-Erfahrung) – ist vor allem traditionsbewusstes, gewohnt unprätentiöses Hollywood-Erzählkino.

Wie bei Eastwoods vorherigen Filmen ist eine wahre Geschichte die Inspiration für den Film. Während er in „J. Edgar“, „Jersey Boys“, „American Sniper“, „Sully“ und „The 15:17 to Paris“ nah an der Wirklichkeit bleibt, nimmt er in „The Mule“ die wahre Geschichte als eine Inspiration für seine Fabel

Die Inspiration für „The Mule“ ist die Geschichte von Leo Sharp. Der 1924 geborene, nicht vorbestrafte Weltkrieg-II-Veteran, Urgroßvater und anerkannte Züchter von Taglilien wurde zu dem ältesten und erfolgreichsten Drogenkurier des Sinaloa-Kartells. Tata, Großvater, war sein Spitzname im Kartell. Spätestens ab 2000 fuhr er Drogen durch die USA. Im Februar 2010 waren es, nach den Notizen des Kartells, 246 Kilo, im März 250 Kilo, im April wieder 250 Kilo und in den folgenden Monaten jeweils 200 Kilo. Pro befördertes Kilo soll er tausend Dollar erhalten haben. Am 21. Oktober 2011 wurde er während einer Drogentour verhaftet.

Nach seiner Verhaftung stieg in Detroit der Straßenpreis für das Kilo Kokain von 30.000 Dollar auf 43.000 Dollar.

Sharp wurde zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Die mögliche Höchststrafe wären zwanzig Jahre gewesen. Aber Sharp war damals schon ein alter Mann, dessen Gesundheit sich rapide verschlechterte. Deshalb verbüßte er nur ein Jahr in Haft. Er starb am 12. Dezember 2016.

Der Film verlegt jetzt die Geschichte in die Gegenwart, verändert Namen und Hintergrundgeschichten und auch viele weitere, mehr oder weniger wichtige Details. Vieles, zum Beispiel, wann, wie und warum Sharp Drogenkurier wurde (Gier ist das wahrscheinlichste Motiv), wie das Verhältnis zu seiner Familie war und was er während seiner Fahrten durch die USA erlebte, ist unklar.

Earl Stone, wie Leo Sharp im Film heißt, ist ein netter, allseits beliebter Taglilien-Züchter. Mit seiner Ex-Frau und seiner Tochter ist er zerstritten. Seine Enkeltochter mag ihn. Aber auch sie sieht ihn fast nie. Denn Stone ist ein Meister darin, alle für die Familie wichtigen Termine zu vergessen.

Als er zufällig bei der Hochzeitsfeier seiner Tochter auftaucht, macht ihm einer der Gäste ein Angebot, das er nicht ablehnen will. Er soll einfach Dinge von einem Ort zu einem anderen Ort fahren und er wird dafür bezahlt. Dass die netten Mexikaner in der Autowerkstatt schwer bewaffnet sind und dass die Bezahlmodalität – das Geld wird in einem Umschlag in das Auto gelegt – seltsam ist, stört ihn nicht. Es ist viel Geld, das Stone für ein neues Auto, Luxusgegenstände, Frauen und für seine Freunde ausgibt. Seltsamerweise fragt sich niemand, woher Stones plötzlicher Reichtum kommt. Während Stone mit jeder Fahrt mehr Drogen transportiert, mehr Geld erhält und sich mit den Verbrechern befreundet, ermitteln zwei DEA-Agenten gegen ihn.

Clint Eastwood erzählt diese Geschichte als wunderschön entspanntes Schauspielerkino und garniert es mit leinwandfüllenden Bildern des US-amerikanischen Hinterlandes.

Bei Stones Drogenfahrten durch die USA entsteht so auch ein kleines, sehr harmonisches Bild der USA, das keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat oder etwas erklären oder eine These belegen will. Es sind nur Reisebeobachtungen und Erlebnisse mit einem ebenso knorrigem, wie gewitztem Protagonisten. Denn selbstverständlich begegnet er bei seinen Fahrten auch Polizisten.

The Mule“ ist kein welterschütterndes Drama, sondern nur eine kleine Geschichte, erzählt im Rhythmus eines Talking-Blues oder eines Folksongs, in dem Beobachtungen und Reiseerlebnisse locker aneinandergereiht werden, während der Sänger auch mal eine Strophe vergisst, austauscht oder ausbaut. Dabei erzählt der Erzähler die Legende über einen Fahrer, der mehr Drogen befördert, als alle anderen Fahrer. Mit der Realität hat das dann wenig zu tun. Und aus der Realität hätte man auch einen ganz anderen Film machen können.

Schauspielerisch übernimmt Clint Eastwood in Earl Stones Gestik und Mimik viel, sehr viel von seinem „Gran Torino“-Charakter Walt Kowalski. Nur sein Gang ist unsicherer. Stone ist, wie Kowalski, ein Sturkopf, der sich nichts sagen lässt und sich mit seiner gesamten Familie zerstritten hat. Er ist ein Einzelgänger, der auf den langen Fahrten durch die USA das allein sein genießt. Allerdings hat er kein Gewissen. Er denkt nicht einmal über seine Taten nach.

Auch der Film ignoriert die Frage, was die von Earl Stone beförderten Drogen bei ihren Konsumenten, ihren Familien und in den Städten anrichten.

The Mule“ erzählt nur die erstaunliche Geschichte über einen alten Mann, der etwas tut, was niemand von ihm erwartet hätte.

The Mule (The Mule, USA 2018)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk

LV: Sam Dolnick: The Sinaloa Cartel’s 90-Year-Old Drug Mule (The New York Times Magazine, 2014)

mit Clint Eastwood, Bradley Cooper, Laurence Fishburne, Michael Peña, Dianne Wiest, Andy Garcia, Alison Eastwood, Taissa Farmiga, Ignacio Serricchio, Loren Dean, Eugene Cordero

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Mule“

Metacritic über „The Mule“

Rotten Tomatoes über „The Mule“

Wikipedia über „The Mule“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood prüft den Wahrheitsgehalt der Moritat

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Clint Eastwood philosophiert über „Hereafter – Das Leben danach“

Januar 28, 2011

In diesem Film hat jede Hauptfigur etwas, was die anderen brauchen – nicht unbedingt die richtigen Antworten, aber einen Ausgangspunkt, von dem aus man sein Leben fortsetzen kann. Sie alle müssen sich einfach nur nach Kräften bemühen, so lange sie sich noch im Diesseits befinden.

Clint Eastwood

 

Ein bestimmtes Niveau wird Clint Eastwood nie unterschreiten. Auch in seinem neuesten Film „Hereafter – Das Leben danach“ gibt es viele gelungene Momente. Aber insgesamt enttäuscht der überlange Film über das Ende des Lebens. Er erzählt nach einem Drehbuch von Peter Morgan (Frost/Nixon, The Dammed United, The Queen) parallel drei Geschichten.

Die einer französischen Journalistin (Cécile de France), die in Indonesien einen Tsunami überlebt, dabei eine Nahtoderfahrung hat und zurück in Frankreich das Erlebnis nicht vergessen kann und beginnt weiter über Nahtoderfahrungen zu forschen.

Die eines englischen Jungen (die Zwillinge Frankie und George McLaren), der seinen Zwillingsbruder in London bei einem Autounfall verliert und den Verlust nicht überwinden kann. Außerdem wird seine drogenabhängige Mutter in eine Therapieeinrichtung und er in eine sehr liebevolle Pflegefamilie gesteckt.

Und in San Francisco lebt ein Hafenarbeiter(Matt Damon). Der verdiente früher als Medium, der Gespräche mit Verstorbenen vermittelte, viel Geld. Aber die Arbeit strengte ihn zu sehr an. Deshalb versucht er jetzt seine Gabe, die er als Fluch empfindet, zu ignorieren und ein normales Leben zu leben. Während eines Kochkurs entwickelt sich eine Beziehung zu einer Teilnehmerin. Nachdem sie von seiner Gabe erfährt und ihn zu einer Sitzung auffordert, zerbricht die Beziehung. Er wird entlassen und, nachdem ihm sein Bruder stolz das neu eingerichtete Büro zeigt, in dem er wieder als Medium arbeiten kann, haut er ab. Er will sich selbst finden.

Am Filmende werden dann die drei Geschichten sehr gewollt auf der Londoner Buchmesse, garniert mit einem kurzen Auftritt von Derek Jacobi als Charles-Dickens-Vorleser, zusammengefügt.

Bis dahin plätschern die drei Geschichten, die sich alle irgendwie mit der Frage des Todes, dem Leben nach dem Tod und dem Umgang der Hinterbliebenen mit dem Tod beschäftigen, reichlich ziellos vor sich hin. Sicher, es gibt gute Szenen. Die Schauspieler sind gut. Die Kamera, wie schon bei Eastwoods vorherigen Filmen, Tom Stern, ist ebenfalls gut. Ebenso die von Clint Eastwood geschriebene Musik. Die Ausstattung ist stimmig.

Aber das Drehbuch von Peter Morgan wirkt wie ein willkürlicher Zusammenschnitt von drei Episoden einer lahmen Mystery-Serie mit dem Titel „Der Tod und ich“.

Gerade weil Clint Eastwood sich in den vergangenen Jahren in einer Reihe grandioser Filme immer wieder und wesentlich inspirierter mit dem Tod in all seinen Schattierungen und Variationen beschäftigte, ist der halbgare Mystery-Film „Hereafter – Das Leben danach“ so enttäuschend und, wenn man nicht wüsste, dass der Film von Clint Eastwood ist, würde man ihn wahrscheinlich noch weniger mögen.

Der nächste Clint-Eastwood-Film, ein Biopic über den FBI-Chef J. Edgar Hoover, nach einem Drehbuch von „Milk“-Autor Dustin Lance Black und mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, befindet sich in den letzten Zügen der Vorproduktion und das dürfte ein wesentlich besserer Film werden.

Herafter – Das Leben danach (Hereafter, USA 2010)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Peter Morgan

mit Matt Damon, Cécile de France, Frankie McLaren, George McLaren, Jay Mohr, Bryce Dallas Howard, Marthe Keller, Thierry Neuvic, Derek Jacobi

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Herafter – Das leben danach“

Wikipedia über „Hereafter“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Coming Soon: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Cinema Blend: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Deadline Hollywood: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Washington City Paper: Interview mit Peter Morgan und Clint Eastwood über „Hereafter“

 


Happy Birthday, Clint Eastwood

Mai 31, 2010

1955 begann es mit einem kleinen Auftritt in Jack Arnolds „Die Rache des Ungeheuers“ (Revenge of the Creature)

Von 1959 bis 1966 spielte er in der TV-Serie „Rawhide“ (Cowboys, Tausend Meilen Staub) Rowdy Yates:

1964 bestieg er den Flieger nach Italien und spielte in Sergio Leones „Für eine Handvoll Dollar“ (Per un Pugno di Dollari) Joe, besser bekannt als ‚Fremder ohne Namen‘:

Sein Debüt als Regisseur gab  er 1971  mit „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“ (Play Misty for Me):

Ebenfalls 1971 spielte er „Dirty Harry“ in Don Siegels Copthriller:

1976 war er „Der Texaner“ (The Outlaw Josey Wales):

1979 endete seine langjährige Zusammenarbeit mit Don Siegel mit dem Knastthriller „Flucht von Alcatraz“ (Escape from Alcatraz).

1982 entdeckte ich Clint Eastwood in „Firefox“:

1988 überließ er, aus nachvollziebaren Gründen, Forest Whitaker die Hauptrolle in „Bird“:

1992 erhielt er für „Erbarmungslos“ (Unforgiven) seinen ersten Oscar als bester Regisseur. Außerdem erhielt er den Oscar für den besten Film:

2004 wiederholte sich bei „Million Dollar Baby“ das Spiel: Clint Eastwood erhielt die Trophäe in den Kategorien „bester Film“ und „beste Regie“:

Seine bislang letzte Hauptrolle hatte er 2008  in „Gran Torino“:

Danach drehte er „Invictus“ (bereits im Kino) und „Hereafter“ (Postproduktion) und als nächstes will er ein Biopic über den FBI-Chef J. Edgar Hoover inszenieren.

Alles Gute zum achtzigsten Geburtstag, Clint Eastwood!

Mehr Infos über Clint Eastwood.


TV-Tipp für den 25. Mai: Kennwort Kino: Clint Eastwood – Eine Legende wird 80

Mai 25, 2010

3sat, 22.25

Kennwort Kino: Clint Eastwood – Eine Legende wird 80 (D 2010, R.: Peter Paul Huth, Maik Platzen)

Drehbuch: Peter Paul Huth, Maik Platzen

Halbstündige Doku über Clint Eastwood, die sich vor allem auf sein Werk ab „Erbarmungslos“ konzentriert und, anlässlich von Eastwoods Geburtstag am kommenden Montag, eine sehr kleine 3sat-Reihe einläutet.

Auch die anderen TV-Sender zeigen demnächst etliche Filme von und mit Clint Eastwood.

Anschließend


Hinweise

3sat über die Clint-Eastwood-Reihe

Wikipedia über Clint Eastwood (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Besprechung „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ online

Oktober 2, 2008

Meine Besprechung des wunderschönen Bildbandes „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (herausgegeben von Pierre-Henri Verlhac, mit einem biographischen Essay von Peter Bogdanovich, Henschel Verlag) ist online in der Berliner Literaturkritik.


TV-Tipp für den 21. November: J. Edgar

November 21, 2021

Arte, 20.15

J. Edgar (J. Edgar, USA 2011)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Dustin Lance Black

TV-Premiere. Clint Eastwoods doch ziemlich zähes Biopic über J. Edgar Hoover (1895 – 1972), der ab 1924 bis zu seinem Tod Chef des Bureau of Investigation (BOI), das 1935 in Federal Bureau of Investigation (FBI) umbenannt wurde, war. Eastwood schildert das gesamte Berufs- und Privatleben dieser umstrittenen Persönlichkeit.

mit Leonardo DiCaprio, Armie Hammer, Naomi Watts, Damon Herriman, Jeffrey Donovan, Judi Dench, Josh Lucas, Adam Driver (sein Kinodebüt)

Wiederholung: Freitag, 26. November, 14.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „J. Edgar“

Wikipedia über „J. Edgar“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell“ (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Cry Macho“ (Cry Macho, USA 2021)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. November: Für ein paar Dollar mehr

November 19, 2021

3sat, 22.25

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 12. November: Für eine Handvoll Dollar

November 11, 2021

3sat, 22.25

Für eine Handvoll Dollar (Per un pugno di dollari, Italien/Deutschland/Spanien 1964)

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Duccio Tessari

Musik: Ennio Morricone

Sergio Leones erster richtiger Film (davor übte er bei Monumental- und Sandalenfilmen) und gleich ein genreprägender Klassiker, der für einen TV-Schauspieler den Weg zum Weltstar ebnete.

Die Story: In einer mexikanischen Kleinstadt taucht ein Fremder ohne Namen (Clint Eastwood, der öfter als Joe angesprochen wird) auf und spielt kaltschnäuzig die das Dorf beherrschenden Gangsterbanden gegeneinander aus.

Die Story lieh Leone sich von Akira Kurosawas „Yojimbo“. Der könnte auch mal wieder gezeigt werden.

mit Clint Eastwood, Marianne Koch, Gian Maria Volonté, Sieghardt Rupp, Antonio Prieto, Wolfgang Luckschy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für eine Handvoll Dollar“

Wikipedia über „Für eine Handvoll Dollar“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Oktober: Für ein paar Dollar mehr

Oktober 14, 2021

Bayern, 22.45

Für ein paar Dollar mehr (Per qualche dollari i piu,, Italien/Deutschland/Spanien 1965 [restaurierte Fassung 2003])

Regie: Sergio Leone

Drehbuch: Sergio Leone, Luciano Vincenzoni

Musik: Ennio Morricone

Zwei miteinander konkurrierende Kopfgeldjäger wollen das auf einen Bankräuber ausgesetzte Kopfgeld kassieren. Dafür infiltrieren sie seine Bande und ein ziemlich blutiges Spiel mit viel Betrug, Verrat und coolen Sprüchen beginnt.

Nach dem Erfolg von „Für eine Handvoll Dollar“ hatte Sergio Leone ein paar Dollar mehr zur Verfügung, die er für seinen nächsten stilbildenden Western-Klassiker investierte.

mit Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Gian Maria Volonté, Klaus Kinski, Josef Egger, Kurt Zips, Rosemarie Dexter

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Für ein paar Dollar mehr“

Wikipedia über „Für ein paar Dollar mehr“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. September: Tarantula

September 27, 2021

HR, 23.15

Tarantula (Tarantula, USA 1955)

Regie: Jack Arnold

Drehbuch: Robert M. Fresco, Martin Berkeley

In der Wüste experimentiert ein Biochemiker an einer Formel, die das Welthungerproblem lösen soll. Als es im Labor zu einem Unfall kommt, entkommt eine riesige, immer größer und gefräsiger werdende Tarantel.

Fünfziger-Jahre-Monster-Heuler, der inzwischen als Klassiker gilt.

mit John Agar, Mara Corday, Leo G. Carroll, Nestor Paiva, Ross Elliott, Clint Eastwood (Kurzauftritt am Filmende als die Welt rettender Armee-Pilot)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Tarantula“

Wikipedia über „Tarantula“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 13. September: Flucht von Alcatraz

September 12, 2021

One, 22.30

Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz, USA 1979)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Richard Tuggle

LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963

Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Am 11. Juni 1962 gelingt dem Sträfling die Flucht; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.

„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.

Danny Glover gibt hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.

Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover

Wiederholung: Dienstag, 14. Februar, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“

Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)

Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


DVD-Kritik: Liam Neeson ist „The Marksman – Der Scharfschütze“

August 22, 2021

Jim Hanson ist Witwer, Vietnam-Veteran und Rancher in Arizona. Sein Land direkt liegt an der Grenze zu Mexiko. Seine Tochter arbeitet bei der Grenzpolizei. Täglich meldet er der Polizei Illegale. Das will er auch jetzt tun, aber die beiden Flüchtlinge, Rosa und ihr Sohn Miguel, werden von einigen Kartellmännern gejagt, die schnell zu den Waffen greifen. Spontan wehrt Jim sich. Am Ende der Grenzschießerei sind die Mutter und einer der Verbrecher tot. Der tote Verbrecher war der Bruder von Mauricio, dem Anführer der kleinen Gruppe von Kartellmännern.

Als Jim kurz darauf erfährt, dass Miguel zurück nach Mexiko in den sicheren Tod geschickt werden soll, befreit er ihn aus dem Polizeigewahrsam. Er will den Zehnjährigen, dem Wunsch seiner toten Mutter folgend, zu Verwandten nach Chicago bringen.

Auf ihrer Fahrt werden sie von Mauricio und seinen Männern verfolgt. Denn er will den Tod seines Bruder rächen. Und die Tasche mit Geld haben, die sich in Miguels Besitz befindet und das dem Kartell gestohlen wurde.

Spätestens ab diesem Moment entwickelt sich die Handlung von „The Marksman“ so gradlinig wie die Autobahn nach Chicago. Das ist nie innovativ, aber druckvoll und mit einem engagiertem Ensemble erzählt. Im Mittelpunkt des Road-Movies steht die sich entwickelnde Freundschaft zwischen Jim und Miguel, die natürlich zwei sehr gegensätzliche Charaktere sind, und ihrer Flucht vor den Bösewichtern, die auf ihrer Jagd nach Jim und Miguel über Leichen gehen. Sie bringen sogar Jims Hund um!

Schon von der ersten Minute an, wirkt „The Marksman“ wie ein Thriller, der ursprünglich als Vehikel für Clint Eastwood geplant war. Dazu hätte es der Szene aus dem Clint-Eastwood-Western „Hängt ihn höher“ (Hang ‚em high), den Jim und Miguel sich in einem Motel ansehen, nicht bedurft.

Der Eindruck, dass der Thriller mit Clint Eastwood als Hauptdarsteller im Hinterkopf geschrieben wurde, verstärkt sich, wenn man weiß, dass Robert Lorenz seit den „Brücken am Fluss“ (The Bridges of Madison County) zu Clint Eastwoods Crew gehört. Meistens als Second Unit Director oder Producer. Sein Regiedebüt war „Back in the Game“ (Trouble with the curve) mit, ihr ahnt es, Clint Eastwood in der Hauptrolle. Trotzdem war Eastwood niemals offiziell in das Projekt involviert.

Jedenfalls hat jetzt Liam Neeson die Hauptrolle des konservativen Haudegen, der tut, was ein rechtschaffener Mann tun muss, übernommen. Und das ist, den letzten Wunsch einer sterbenden Frau erfüllen, einen Jungen zu seinen Verwandten bringen und dabei böse Verbrecher töten. Denn auf den Staat, verkörpert durch korrupte Polizisten, kann man sich dabei nicht verlassen.

The Marksman“ ist gut abgehangenes Thriller-Kino, das man wie einen Country-Song schon beim ersten Mal mitsingen kann.Und das ist nicht unbedingt schlecht.

Das vernachlässigbare Bonusmaterial besteht aus einem Making of mit den üblichen Werbe-Statements und einem Video-Interview mit Liam Neeson.

(c) 2021 LEONINE Studios

The Marksman – Der Scharfschütze (The Marksman, USA 2021

Regie: Robert Lorenz

Drehbuch: Chris Charles, Danny Kravitz, Robert Lorenz

mit Liam Neeson, Jacob Perez, Juan Pablo Raba, Katheryn Winnick, Teresa Ruiz

Blu-ray

Leonine Studios

Bild: 2,40:1 (1080p/24)

Ton. Deutsch, Englisch (DTS-HD MA 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interview – Liam Neeson. Trailer

FSK: ab 16 Jahre

Länge: 108 Minuten

DVD identisch. Außerdem als Download erhältlich.

Hinweise

Moviepilot über „The Marksman“

Metacritic über „The Marksman“

Rotten Tomatoes über „The Marksman“

Wikipedia über „The Marksman“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 28. Juli: Sully

Juli 27, 2021

ZDF, 20.15

Sully (Sully, USA 2016)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Todd Komarnicki

LV: Chesley Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Highest Duty, 2009 (Man muss kein Held sein; Sully: Das Wunder vom Hudson)

Sehenswertes Biopic über Captain Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der am 15. Januar 2009 sein Passagierflugzeug kurz nach dem Start auf dem Hudson River notlanden musste. Die fast unmögliche Notladung gelang. Alle Passagiere konnten gerettet werden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Mike O’Malley, Jamey Sheridan, Anna Gunn, Holt McCallany, Chris Bauer, Jane Gabbert, Ann Cusack, Molly Hagan, Patch Darragh, Michael Rapaport

Hinweise

Moviepilot über „Sully“

Metacritic über „Sully“

Rotten Tomatoes über „Sully“

Wikipedia über „Sully“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Sully“: Gelungene Notlandung oder Totalcrash im Realitätscheck?

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell! (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Die Vorlage

Zum Filmstart erschien Chesley B. Sullenbergers Biographie mit einem neuen Titel und neuem Cover

Sully von Chesley B Sullenberger

Chesley B. Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Sully – Das Wunder vom Hudson

(übersetzt von Michael Bayer, Norbert Juraschitz und Henning Dedekind)

Penguin Verlag, 2016

352 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstausgabe als „Man muss kein Held sein – Auf welche Werte es im Leben ankommt“

Originalausgabe

Highest Duty – My Search for what really matters

William Morrow, New York, 2009


TV-Tipp für den 26. Juli: The Mule

Juli 25, 2021

ARD, 20.15

The Mule (The Mule, USA 2018)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk

LV: Sam Dolnick: The Sinaloa Cartel’s 90-Year-Old Drug Mule (The New York Times Magazine, 2014)

TV-Premiere. Clint Eastwood spielt einen Lilienzüchter, der mit dem Transport von Drogen für ein Drogenkartell Geld verdient. Denn niemand würde einen tüteligen Opa für einen Schmuggler von riesigen Mengen Drogen halten.

The Mule“ ist, auf einer wahren Geschichte basierend und hervorragend besetzt, traditionsbewusstes, gewohnt unprätentiöses Hollywood-Erzählkino. Halt genau das, was man von einem Clint-Eastwood-Film erwartet.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Der nächste Film von und mit Clint Eastwood, die Verfilmung von N. Richard Nashs Roman „Cry Macho“, soll am 21. Oktober in Deutschland im Kino anlaufen. In dem 1978 spielendem Neowestern soll Eastwood einen Jungen von seiner in Mexiko lebenden, alkoholsüchtigen Mutter zu seinem Vater nach Texas bringen.

mit Clint Eastwood, Bradley Cooper, Laurence Fishburne, Michael Peña, Dianne Wiest, Andy Garcia, Alison Eastwood, Taissa Farmiga, Ignacio Serricchio, Loren Dean, Eugene Cordero

Hinweise

Moviepilot über „The Mule“

Metacritic über „The Mule“

Rotten Tomatoes über „The Mule“

Wikipedia über „The Mule“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood prüft den Wahrheitsgehalt der Moritat

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Der Fall Richard Jewell! (Richard Jewell, USA 2019)

Meine Besprechung von Kai Blieseners „Clint Eastwood – Mann mit Eigenschaften“ (2020)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Cop Denzel Washington entdeckt „The little Things“

Juli 8, 2021

Kleinstadt-Cop Joe ‚Deke‘ Deacon (Denzel Washington) fährt von Kern County nach Los Angeles. Er soll einige Beweismittel abholen. Dort, nach einer zweieinhalbstündigen Autofahrt, trifft der Mann mit dem Blick für Details auf seine alten, ihn betont reserviert begrüßende Kollegen (sein Abschied war wohl etwas problematisch), seinen strebsamen Nachfolger, Sergeant Jim Baxter (Rami Malek), und einen Mordfall, der ihn an einige andere Fälle erinnert. Baxter bittet ihm, gegen den Rat seiner Kollegen, um Mitarbeit in dem Serienkillerfall und der gestandene Krimifan fragt sich, ob die Welt wirklich noch einen weiteren Serienkillerthriller benötigt. In den neunziger Jahren waren sie, beginnend mit „Das Schweigen der Lämmer“, fortgesetzt mit unzähligen Variationen, wenige sehr gelungene, wie „Se7en“, etliche okaye, wie „Copykill“ („Copycat“) und „Der Knochenjäger“ („The Bone Collector“, ebenfalls mit Denzel Washington), ein Trend im Kino, in dem die Morde, die Motive und auch die Täter immer exzentrischer wurden. Seitdem sind sie vor allem in TV-Krimis zu finden.

Da wirkt „The little Things“ wie ein weiterer, mindestens zwanzig Jahre zu spät kommender Nachklapp. Aber in diesem Fall ist es etwas anders. Denn Regisseur John Lee Hancock schrieb das Drehbuch für die 1990 spielende Geschichte bereits in den frühen Neunziger. Verschiedene Versuche, es zu verfilmen, unter anderem mit Clint Eastwood, scheiterten. Warum es gerade jetzt gelang, ist etwas rätselhaft. Der Plot folgt brav den inzwischen sattsam vertrauten Konventionen und der spätestens seit „Se7en“ etablierten Idee, einen älteren, erfahrenen, illusionslosen Ermittler und einen jungen, unerfahrenen, naiven, in diesem Fall christlich überzeugten Ermittler, gemeinsam ermitteln zu lassen. Etwas überraschend in Hancocks ruhig erzähltem Film ist, wie sehr die Ermittler sich auf die Arbeit des Kriminallabors verlassen. Das wurde erst 2000 mit den zahlreichen „CSI“-TV-Serien zu einem Standard im Genre.

Der Mörder, oder, um jetzt nichts zu spoilern, den Mann, den Deacon und Baxter für den Täter halten, ist ein intelligenter Psychopath mit Charles-Manson-Gedächtnisfrisur. Gespielt wird Albert Sparma von Jared Leto angenehm bedrohlich. Also mehr so bedrohlich wie der nervige, ständig aus dem Fenster stierende, wahrscheinlich illegale Drogen konsumierende Nachbar und weniger wie der mörderisch-axtschwingende Nachbar.

Hancock ist mit Filmen wie „Blind Side – Die große Chance“, „Saving Mr. Banks“ und „The Founder“ vor allem als Schauspielerregisseur und nicht als Thriller-Regisseur aufgefallen. Wobei auch in dem Neo-Noir „The little Things“ der Fokus nicht auf der eigentlich nicht vorhandenen Action und dem kaum vorhandenen Thrill liegt. Viel mehr interessiert er sich für seine Figuren. Er zeigt sie auch in ihrer Freizeit und mit ihrer Familie und ihren Freunden. Den Fall entwickelt er äußerst geduldig, Schritt für Schritt und mit einem Blick auf die titelgebenden Kleinigkeiten.

Das ist nicht schlecht. Aber letztendlich bleibt alles zu sehr in den inzwischen zweihundertprozentig etablierten Genrestandards (das war 1993 anders), um wirklich zu begeistern. Die immer wieder eingestreuten christlichen Symbole, Kreuze, Kirchtürme und Gebete deuten eine christlich konnotierte Behandlung von Schuld und Sühne an, ohne dass sie in der Filmgeschichte konsequent vertieft wird. So ist „The little Things“, nach all den Serienkillerthrillern der vergangenen Jahrzehnte ein überflüssiger Nachklapp.

The little Things (The little Things, USA 2021)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: John Lee Hancock

mit Denzel Washington, Rami Malek, Jared Leto, Natalie Morales, Terry Kinney, Chris Bauer, Josis Jarsky, Isabel Arraiza, Michael Hyatt

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The little Things“

Metacritic über „The little Things“

Rotten Tomatoes über „The little Things“

Wikipedia über „The little Things“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)

 


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