Schaurig. Ungemütlich ist es in „Batmans Grab“

Oktober 30, 2020

Das Team von „Stormwatch“ und „The Authority“, Autor Warren Ellis und Zeichner Bryan Hitch, hat sich wieder zusammengetan für die zwölfteilige Batman-Miniserie „Batmans Grab“. Die ersten sechs Hefte sind jetzt in einem Band auf Deutsch erschienen.

Bruce Wayne bekämpft in Gotham City als Batman immer noch das Verbrechen. Mit Hightech, Gewalt und seinem Butler Alfred Pennyworth. Neu ist allerdings, dass Wayne sich in die Opfer von Verbrechen hineinversetzt und er so Hinweise auf den Tathergang und den Täter erhält.

Jetzt entdeckt er in einem billigem Apartment die Leiche eines ehemaligen Mitarbeiters des stellvertretenden Staatsanwalts von Gotham. Über ihn und einige weitere Leichen kommt Batman auf die Spur der Scorn-Armee. Diese geheimnisvolle Organisation ist gut vernetzt und übt einen beträchtlichen Einfluss auf seine Mitglieder aus.

Was sie allerdings wollen ist am Ende des ersten Bands von „Batmans Grab“ noch unklar.

Letztendlich sind die ersten sechs Kapitel dieser Miniserie eine groß angelegte Einführung wichtiger und vermeintlich wichtiger Personen. Erst in den nächsten sechs Kapiteln werden die Geheimnisse gelüftet. Das gelingt Ellis und Hitch gut. Die Story bewegt sich flott voran. Die Actionszenen sind lang und äußerst dynamisch gezeichnet. Die Lesegeschwindigkeit ist entsprechend hoch.

Der zweite Band ist für 2021 angekündigt.

Warren Ellis/Bryan Hitch: Batmans Grab – Band 1 (von 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini, 2020

164 Seiten

19 Euro

Originalausgabe

The Batman’s Grave – Chapter 1 – 6

DC Comics, Dezember 2019 – Mai 2020

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Hexen hexen“ – im Buch, Comic und Film

Oktober 29, 2020

Echte Hexen tragen ganz normale Kleider und sehen auch wie ganz normale Frauen aus. Sie wohnen in normalen Häusern, und sie üben ganz normale Berufe aus.

Eine echte Hexe hasst Kinder so glühend, dass es zischt, und dieser Hass ist verzehrender und verheerender als alle anderen Gefühle, die ihr euch selbst in euren ärgsten Träumen vorstellen könntet.“

(der Erzähler in Roald Dahl: Hexen hexen)

1983 veröffentlichte Roald Dahl „The Witches“, das bei uns den viel schöneren Titel „Hexen hexen“ hat. Ein Kinderbuch, in dem Junge gegen eine böse Oberhexe kämpft, die alle Kinder in Mäuse verwandeln will.

Das Buch war ein Erfolg. Bereits vor über dreißig Jahren wurde es von Nicolas Roeg mit Anjelica Huston als böser Hexe und Figuren von „Muppets“-Erfinder Jim Henson verfilmt. Roegs in der Gegenwart spielender Film beeindruckt durch Hensons lebensechte Figuren und erstaunt, jedenfalls für einen Kinderfilm, durch mehrere furchterregend orgiastische Hexenszenen, die an entsprechende Orgien-Szenen aus Siebziger-Jahre-Filme erinnern. Und er besitzt eine ordentliche Portion schwarzen Humors. Da verzeiht man auch das neue Ende.

Jetzt wurde Dahls Buch wieder verfilmt. Dieses Mal von Robert Zemeckis, dem Regisseur von „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“, „The Walk“ und, für „Hexen hexen“ besonders wichtig, „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, „Der Tod steht ihr gut“, „Der Polarexpress“, „Die Legende von Beowulf“ und „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“. Auch in seinem neuesten Film verknüpft Zemeckis reale mit animierten Szenen. Wobei es sich, der Zeit folgend, nicht mehr um gezeichnete Szenen oder traditionelle Spezialeffekte, sondern um computergenerierte Animationen handelt. Und das ist eines der Probleme von seinem Film.

Doch beginnen wir mit der Geschichte, die auch in diesem Film Dahls Geschichte ziemlich genau folgt.

Ginder sind zum Gotzen! Wir werden sie alle verschwinden lassen! Wir werden sie wegpusten vom Angesicht der Erde. Ginder riechen nach Hündegötteln!“

(die Hoch- und Großmeisterhexe in Roald Dahl: Hexen hexen)

1968 verliert in der Nähe von Chicago ein achtjähriger afroamerikanischer Junge bei einem Autounfall seine Eltern. Seine in Demopolis, Alabama, lebende Großmutter nimmt ihn auf. Sie ist eine strenge, aber auch herzensgute Raucherin, die viel über Hexen weiß. Sie entwickelt einen asthmatischen Husten, der sie zu einem Aufenthalt an der Küste bewegt.

Sie steigen im mondänen Grand Orleans Imperial Island Hotel ab. Der Junge stromert durch das Hotel. In einem leeren Ballsaal, in dem die Königliche Gesellschaft zur Verhinderung von Kindesmissbrauch ihr Jahrestreffen abhalten will, beginnt er seine beiden Mäuse Kunststücke zu trainieren. Währenddessen stürmen die Kinderschützerinnen in den Saal und beginnen ihr Treffen. Erschrocken bemerkt der Junge, als sie ihre Handschuhe und Schuhe ausziehen und ihre Perücken absetzen, dass diese Damen keine Kinderschützerinnen sind. Sie sind Hexen, die ihre nächsten Aktionen planen.

Die Hoch- und Großmeisterhexe, eine extrem herrische, ungeduldige und bösartige Person, will, dass die Hexen alle Kinder mit einem von ihr gebrautem Elixier in Mäuse verwandeln. Die Wirksamkeit ihres Elixiers demonstriert sie an dem ständig essendem Bruno Jenkins, der sich vor ihren Augen schwuppdiwupp in eine Maus verwandelt.

Als sie kurz vor dem Ende ihrer Versammlung den Jungen entdecken, verwandeln sie ihn ebenfalls in eine Maus, die sie sofort töten wollen. Er kann ihnen entkommen.

Jetzt will er den teuflischen Plan der Oberhexe vereiteln. Seine Großmutter und Bruno Jenkins, wenn er nicht gerade mit Essen beschäftigt ist, sollen ihm helfen.

Kinder sollten niemals baden. Es ist eine lebensgefährliche Gewohnheit.“

(die Großmutter in Roald Dahl: Hexen hexen)

Soweit die Filmgeschichte. Im Roman ist die Großmutter eine Norwegerin, das Hotel ist in England und der Junge ist ein Weißer. Davon abgesehen veränderten die Macher nicht viel.

Trotzdem ist Robert Zemeckis „Hexen hexen“ eine ziemliche Enttäuschung. Der eine Grund sind die schon erwähnten Spezialeffekte. Bei Roeg waren es liebevoll hergestellte Puppen und traditionelle Spezialeffekte. Bei Zemeckis stammt dagegen alles aus dem Computer und das sieht in diesem Fall, vor allem bei den Hexen, sehr künstlich und wenig furchterregend aus. Das kann auch an dem fehlendem schwarzen Humor liegen.

Das zweite Problem ist das Drehbuch. Es dauert zu lange, bis die Oberhexe auftaucht und die eigentliche Filmgeschichte beginnt. Erst ungefähr in der Filmmitte wird der Junge verwandelt. Entsprechend wenig Zeit bleibt dann für seine Versuche, den teuflischen Plan der Hexe zu vereiteln. Die Figuren sind arg eindimensional gezeichnet. Das durch den Handlungsort und -zeit und die Hautfarbe des Jungen und seiner Großmutter angedeutete Thema ‚Rassismus‘ wird nicht weiterverfolgt.

So ist die neueste Version von „Hexen hexen“ eine seelenlose CGI-Schau mit vielen verpassten Chancen, die niemals auch nur den Hauch des Schreckens von Roegs Version versprüht.

Wenige Wochen vor Zemeckis Version erschien Pénélope Bagieus Comicversion von „Hexen hexen“. Auch sie hält sich an Dahls Geschichte. Aber sie verändert das Geschlecht von Bruno Jenkins. Im Comic ist Bruno Jenkins ein Mädchen, das weniger als Bruno isst (was leicht ist) und schlauer ist. Damit verändert sich auch die Beziehung zwischen ‚Bruno‘ und dem Jungen. Diese behutsame Modernisierung und ihre Zeichnungen machen diese Version zu einem witzigen Lesevergnügen.

Hexen hexen (The Witches, USA 2020)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: Robert Zemeckis, Kenya Barris, Guillermo del Toro

LV: Roald Dahl: The Witches, 1983 (Hexen hexen)

mit Jahzir Bruno, Octavia Spencer, Anne Hathaway, Stanley Tucci, Charles Edwards, Morgana Robinson, Codie-Lei Eastick, Chris Rock (im Original eine wichtige Stimme)

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Roald Dahl: Hexen hexen

(übersetzt von Sybil Gräfin Schönfeldt)

rowohlt rotfuchs, 2020

240 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstübersetzung 1986

Der aktuellen Ausgabe liegt die Neuausgabe von September 2016 zugrunde

Originalausgabe

The Witches

Jonathan Cape Ltd., London, 1983

Der Comic

Pénélope Bagieu: Hexen hexen

(übersetzt von Silv Bannenberg)

Reprodukt,2020

304 Seiten

29 Euro

Originalausgabe

Sacrées sorcières

Gallimard Jeunesse, 2020

Die erste Verfilmung

Hexen hexen (The Witches, Großbritannien 1989)

Regie: Nicolas Roeg

Drehbuch: Allan Scott

LV: Roald Dahl: The Witches, 1983 (Hexen hexen)

mit Anjelica Huston, Mai Zetterling, Jasen Fisher, Rowan Atkinson, Bill Paterson

Hinweise

Moviepilot über „Hexen hexen“

Metacritic über „Hexen hexen“

Rotten Tomatoes über „Hexen hexen“

Wikipedia über „Hexen hexen“ (deutsch, englisch)

Homepage von Roald Dahl

Homepage von Pénélope Bagieu

Meine Besprechung von Steven Spielbergs Roald-Dahl-Verfilmung „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)


„Stadt, Land, Raub“ und Cash sucht verschwundene Frauen

Oktober 28, 2020

Es beginnt mit einer spurlos verschwundenen College-Studentin und endet mit der Aufklärung des Verbrechens. Denn die Studentin verschwand nicht freiwillig.

Aber ein Krimi, in dem ein Ermittler emsig Spuren und falsche Fährten verfolgt, ist „Stadt, Land, Raub“ von Marcie Rendon nicht. Es ist eher die Entwicklungsgeschichte einer jungen Frau mit einer minimalen Krimibeilage. Diese Frau ist Cash Blackbear, eine neunzehnjährige Waise, die quasi von Sheriff Wheaton adoptiert wurde und der sie am Ende von „Am roten Fluss“ nachdrücklich aufforderte, das College zu besuchen.

Am Anfang von „Stadt, Land, Raub“ lernt Cash die für sie sehr ungewohnten und teils abstrusen Regeln des College-Betriebs kennen, während sie weiterhin Rübenlaster fährt, Billard spielt und Bier trinkt. Letztendlich lebt sie das unstudentische Leben, das sie bereits in „Am roten Fluss“ lebte, weiter. Jedenfalls versucht sie das zunächst. Aber dann wird sie gefragt, ob sie im AIM (American Indian Movement) mitmacht, ihr schon vor Ewigkeiten von ihr getrennter Bruder – inzwischen ein Vietnam-Veteran mit postraumatischer Belastungsstörung – klopft bei ihr überraschend an die Tür und ein Professor reicht eines ihrer Essays bei einem Wettbewerb ein. Cash gerät in die Endauswahl und sie muss mit dem Professor und einigen Mitstudenten in die Citys fahren, wie die Städte Minneapolis und St. Paul in Minnesota normalerweise genannt werden. Für Cash, die bislang nie die mehr als ländliche Gegend um Fargo, den Red River und das Valley verließ, sind die wenigen Kilometer von ihrem Revier in die Stadt mehr als eine halbe Weltreise. Immerhin kann sie sich dort die Getreidebörse, die sie bislang nur aus dem Radio kannte, ansehen und sich überzeugen, dass sie wirklich existiert. Und sie trifft auf Prostituierte.

Natürlich gibt es einen Kriminalfall und natürlich hängen Cashs Erlebnisse, Visionen und Beobachtungen ihrer Mitstudentinnen mit der Lösung des Falls zusammen. Auch wenn Cash dieses Mal nicht ermittelt, sondern eher in den Fall hineinstolpert.

Lesenswert ist Marcie Rendons Roman vor allem wegen der Schilderung des Lebens einer deutlich älter wirkenden Frau (Cash ist Neunzehn!), die am Beginn einer neuen Phase ihres Lebens steht. Garniert mit einer ordentlichen Portion Siebziger-Jahre-Zeitkolorit und einer eindrücklichen Beschreibung des damaligen Lebens im US-amerikanischen Hinterland.

Man sollte nur keinen Krimi erwarten; – obwohl „Stadt, Land, Raub“ dann doch ein Krimi ist. Nur halt anders.

Außerdem war Rendons Roman bei den diesjährigen Edgars für den G.P. Putnam’s Sons Sue Grafton Memorial Award nominiert und er steht auf der aktuellen Krimibestenliste.

Marcie Rendon: Stadt, Land, Raub

(übersetzt von Jonas Jakob)

Ariadne/Argument Verlag, 2020

240 Seiten

13 Euro

Originalausgabe

Girl Gone Missing: A Cash Blackbear Mystery

Cinco Puntos Press, El Paso, 2019

Hinweise

Homepage von Marcie Rendon

The Authors Guild über Marcie Rendon

Ariadne über Marcie Rendon

Meine Besprechung von Marcie Rendons „Am roten Fluss“ (Murder on the Red River, 2017)


„Ein perfider Plan“, „Mord in Highgate“ – und Detektiv Hawthorne ermittelt

Oktober 21, 2020

Wie geht’s Sportsfreund? Hier ist Hawthorne. (…) Wir werden viel Spaß haben.“

Anthony Horowitz ist ein erfolgreicher Autor. Er schreibt die bei Jugendlichen beliebten Alex-Rider-Romane, in denen ein Jugendlicher James-Bond-artige Abenteuer erlebt. Er schrieb zwei erfolgreiche Sherlock-Holmes-Romane, zwei ebenso erfolgreiche James-Bond-Romane (alle im Auftrag der Erben) und weitere Kriminalromane, von denen etliche zu Serien wurden. Er erfand mehrere TV-Serien und Miniserien. Die wichtigsten sind „Foyle’s War“ (bei uns nie gelaufen) und „Inspector Barnaby“ (Midsomer Murders) . Er schrieb und schreibt Drehbücher für beliebte Krimiserien wie „Agatha Christie’s Poirot“.

Und er begleitet Daniel Hawthorne bei seinen Ermittlungen. Hawthorne ist ein ehemaliger Polizist, der jetzt als freier Berater für die Polizei arbeitet. Er wird immer zu den Fällen hinzugezogen wird, die für die normalen Mordermittler zu schwierig sind. Das sind ungefähr alle Fälle, bei denen der Mörder nicht mit der Tatwaffe in der Hand neben der Leiche steht und seine Tat gesteht.

Horowitz lernte Hawthorne als Drehbuchberater für eine TV-Serie kennen. Jetzt, also schon vor einigen Jahren, aber die Bücher erschienen erst vor kurzem, schlug Hawthorne Horowitz vor, dass Horowitz ihn bei seinem neuesten Mordfall begleitet, alles aufschreibt und dann einen True-Crime-Bestseller schreibt, der beide reich macht. Horowitz ist einverstanden und begleitet als Dr. Watson seinen Sherlock Holmes.

In ihrem ersten Fall „Ein perfider Plan“ wird Diana Cowper, eine wohlhabende, allein lebende Frau in den Sechzigern, in ihrer Wohnung erdrosselt. Mysteriös und damit zu einem Fall für Hawthorne wird der Mord an Cowper, weil sie einige Stunden vor ihrem Ableben in einem Beerdigungsinstitut alles für ihren Tod regelte. Hawthorne glaubt nicht an einen Zufall. Und, soviel kann verraten werden, es handelt sich auch nicht um einen Zufall.

In ihrem zweiten gemeinsamen Fall „Mord in Highgate“ wird der Scheidungsanwalt Richard Pryce in seinem Haus mit einer teuren Weinflasche erschlagen. Der erste Verdacht richtet sich gegen Akira Anno. Wenige Tage vor Pryces Tod drohte sie ihm lautstark in einem vollen Nobelrestaurant. Pryce hatte kurz davor in dem Scheidungsverfahren den Mann der prominenten feministischen Autorin vertreten und eine für ihn günstige finanzielle Regelung erreicht. Damit hätte Anno ein gutes Motiv und auch das entsprechende Temperament. Aber es führt, wie bei „Ein perfider Plan“, auch eine Spur in die Vergangenheit zu einem Unfall, bei dem ein Mensch starb.

Mit seinen bis jetzt erschienenen beiden Hawthorne-Rätselkrimis (in „Mord in Highgate“ schreibt Horowitz, dass er einen Vertrag für drei Hawthorne-True-Crime-Romane abgeschlossen habe) setzt Anthony Horowitz die schöne Erzähltradition fort, in der der Ich-Erzähler identisch mit dem Autor des Romans ist und er in Mordfälle verwickelt wird. Das bekannteste Beispiel sind die momentan nur antiquarisch erhältlichen Kult-Krimis von Kinky Friedman, in denen der Musiker und Freigeist mit seinen Freunden, viel Humor und einigen anderen Dingen in New York Morde aufklärt. Und genau wie in Friedmans Krimis gibt es in den beiden Hawthorne-Krimis viele Informationen aus dem Leben von Anthony Horowitz. Mehr oder weniger nah an den Fakten. Dieser intime Einblick in das Leben eines Schriftstellers ist ein Teil des Spaßes bei „Ein perfider Plan“ und „Mord in Highgate“.

Die Fälle sind beide Male Rätselkrimis mit vielen falschen Fährten und Hinweisen auf die großen, von Horowitz verehrten Klassiker und Ermittler der Kriminalliteratur. Vor allem Sherlock Holmes ist hier zu nennen.

Dabei ist „Ein perfider Plan“ der gelungenere Roman. Außerdem haben Steven Spielberg und Peter Jackson einen kurzen, für die Ermittlung nicht wichtigen aber – jedenfalls für uns Leser – sehr witzigen Auftritt. „Mord in Highgate“ wirkt dagegen oft wie eine etwas lustlose Wiederholung des Plots von „Ein perfider Plan“ mit anderen Figuren und weniger Humor.

Bis jetzt hatte ich schon drei wichtige Hinweise übersehen und zwei andere falsch gedeutet.

Und es sollte noch schlimmer kommen.“

(Anthony Horowitz über seine detektivischen Fähigkeiten in „Mord in Highgate“ auf Seite 57)

Anthony Horowitz: Mord in Highgate – Hawthorne ermittelt

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2020

352 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

The Sentence is Death

Penguin Random House UK, London, 2018

Anthony Horowitz: Ein perfider Plan – Hawthorne ermittelt

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

Insel Verlag, 2019

368 Seiten

22 Euro

Taschenbuch-Ausgabe

Insel Taschenbuch, 2020

11 Euro

Originalausgabe

The Word is Murder

Penguin Random House UK, London, 2017

Hinweise

Homepage von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Die “Inspector Barnaby”-Fälle von Anthony Horowitz

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes“ (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond – Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)


„Quantenträume“ aus China

Oktober 15, 2020

Cixin Liu ist Schuld. Seine mit „Die drei Sonnen“ fulminant beginnende Trisolaris-Trilogie war ein weltweiter Erfolg dank einer Übersetzung ins Englische 2014, einem gewonnenem Hugo Award als bester Roman, Nominierungen für den Nebula Award, den Locus Award, den Prometheus Award und den John W. Campbell Memorial Award, und Lob von Präsident Barack Obama, Mark Zuckerberg und George R. R. Martin. Diese Übersetzung ins Englische führte zu weiteren Übersetzungen (die deutsche Ausgabe erschien 2017). Science-Fiction-Fans verschlangen Cixin Lius dicke Bücher. Aber auch Leser außerhalb der Science-Fiction-Szene griffen zu und waren begeistert. Das Interesse an Zukunftsgeschichten aus China stieg. Nur: welche Autoren sollen gelesen werden?

Um sich einen schnellen Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene zu verschaffen und um neue Autoren zu etablieren, ist daher ein Sammelband eine gute Gelegenheit. Vor allem wenn der Sammelband genau mit dem Ziel zusammengestellt wurde, um chinesische Science-Fiction-Autoren einem nicht-chinesischem Publikum vorzustellen.

Mit „Quantenträume – Erzählungen aus China über Künstliche Intelligenz“ legt der Heyne-Verlag jetzt innerhalb eines halben Jahres einen zweiten Band mit chinesischen Science-Fiction-Geschichten vor. Der erste Sammelband „Zerbrochene Sterne“, zusammengestellt von Ken Liu, gab (und gibt) einen guten Überblick über die chinesische Science-Fiction-Szene hinsichtlich wichtiger Autoren, Stile und Themen. Es wird auch deutlich, wie sehr sich chinesische Science-Fiction-Geschichten von den uns vertrauteren angloamerikanischen Science-Fiction-Geschichten unterscheiden. Die Geschichten reflektieren auch immer die Gesellschaft in der sie spielen und wie in ihnen das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft gesehen wird. In den in „Zerbrochene Sterne“ gesammelten Geschichten ist das Individuum öfter Teil eines Kollektivs. Außerdem spielen sie oft in der Vergangenheit oder in Fantasy-Welten.

Quantenträume“ konzentriert sich dagegen auf das Thema der künstlichen Intelligenz und der damit verbundenen Frage, was eine künstliche Intelligenz von einem Menschen unterscheidet. Also ob eine Künstliche Intelligenz einen eigenen Willen haben kann und ob ihr die Rechte zugeschrieben werden können und sollen, die ein Mensch hat. Oder ob eine Künstliche Intelligenz letztendlich nur eine Sache ist, die wie ein Staubsauger benutzt werden kann. Die von Xia Jia, Liu Yang, Fei Dao, Sun Wanglu, Luo Longxiang, Shuang Chimu, Qiufan Chen, Gu Shi, Liu Weijia, Wang Jinkang, Hao Jingfang, Baoshu, A Que, Ling Chen und Han Song geschriebenen Geschichten sind dabei deutlich weniger von einem bestimmten Gesellschaftsbild geprägt als die in „Zerbrochene Sterne“ publizierten Geschichten. Künstliche Intelligenz, Computer und die Ideen für eine Interaktion zwischen Mensch und Computer unterscheiden sich in ihrer Anwendung und theoretischen Diskussion darüber zwischen dem Westen und China kaum. Im Westen werden diese Fragen in Geschichten (und uns hier nicht interessierenden Sachbüchern, Aufsätzen, Essays und Berichten) schon lange diskutiert, während Myriaden mehr oder weniger intelligenter und bedrohlicher Roboter den Menschen helfen oder ihnen das Leben zur Hölle machen. Manchmal machen sie ihnen das Leben zur Hölle, indem sie ihnen helfen wollen.

Auch wenn die Autoren in ihren zwischen 2000 und 2020 in der Zeitschrift „Renmin Wenxue – Volksliteratur“ erschienenen Geschichten immer wieder eigene Akzente setzen, drängt sich immer wieder der Eindruck auf, dass man diese Geschichten so ähnlich schon einmal gelesen hat und die Pointe deshalb kennt.

Im Gegensatz zu „Zerbrochen Sterne“, der die Tür weit aufstieß zu einer bislang unbekannten Science-Fiction-Kultur, ist „Quantenträume“ insgesamt etwas enttäuschend. Die fünfzehn Geschichten sind okay, aber keine begeistert wirklich. Letztendlich wirken sie oft wie die Versuche eines durchaus begabten Schülers, der seinen Meister nachahmt.

Jing Bartz, Shi Zhanjun, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift ‚Renmin Wenxue – Volksliteratur‘ (Hrsg.): Quantenträume – Erzählungen aus China über künstliche Intelligenz

(mit einem Vorwort von Cixin Liu)

(übersetzt von Karin Betz, Johannes Fiederling, Marc Hermann, Michael Kahn-Ackermann und Eva Lüdi Kong)

Heyne, 2020

512 Seiten

15,99 Euro

 


„Das Jahr des Schurken“ mit Auftritten der bekannt-beliebt-gefürchteten DC-Bösewichtern

Oktober 14, 2020

Der Joker, Black Mask, Sinestro, der Riddler, Harley Quinn, Lex Luthor und Ocean Master sind die Namen einiger Bösewichter, die DC-Fans aus unzähligen Comics und inzwischen sehr vielen Filmen kennen. Besiegt werden diese Bösewichter immer wieder von den DC-Helden Batman, Superman, Green Lantern und Aquaman, die ihre sinistren Pläne immer wieder in letzter Minute verhindern.

Um frisches Leben in diese Routine der Verbrechensbekämpfung zu bringen, hat Bösewicht Lex Luthor jetzt „Das Jahr des Schurken“ ausgerufen. Damit das Jahr ein voller Erfolg für das Verbrechen wird, bietet er den Superbösewichtern alles an, um ihre Träume zu verwirklichen und ihren Heldenerzfeind endgültig zu vernichten.

Das ist die Prämisse, die den jetzt in zwei Sammelbänden vorliegenden Geschichten zugrunde liegt. Die kurzen Geschichten können unabhängig voneinander gelesen werden.

Im ersten Sammelband sind „Der Joker. Das Jahr des Schurken“ (geschrieben von John Carpenter [der bekannte Horrorfilmregisseur] und Anthony Burch, gezeichnet von Philip Tan), „Black Mask: Das zweite Gesicht“ (geschrieben von Tom Taylor, gezeichnet von Cully Hamner), „Sinestro: Mikronen-Management“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Yildiray Cinar) und „Der Riddler: Danke für Nichts“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Scott Godlweski) enthalten.

Im zweiten Sammelband sind „Lex Luthor: Nur Luthor“ (geschrieben von Jason Latour, gezeichnet von Bryan Hitch), „Ocean Master: König“ (geschrieben von Dan Watters, gezeichnet von Miguel Mendonca) und „Harley Quinn: Harley Quinns Schurke des Jahres“ (geschrieben von Mark Russell, gezeichnet von Mike Norton) enthalten.

Auf den ersten Blick ist es eine schöne Idee, den bekannten Schurken eine eigenständige Geschichte zu geben. Sie zum Protagonisten einer Geschichte zu machen und ihre Wünsche Realität werden lassen. Auf den zweiten Blick bemerkt man schnell ein Problem, das in den Geschichten nicht oder nur unbefriedigend gelöst wird. Denn jetzt müssen die Bösewichter irgendwie zu einem Werkzeug für das Gute werden oder sich einem bislang unbekanntem persönlichen Problem, das einem bis dahin herzlich egal war, stellen. Die Bösewichter dürfen letztendlich das Angebot von Lex Luthor, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gegner zu töten, nicht annehmen.

Dabei gefällt einem bei den Comicbösewichtern gerade, dass sie so unverhohlen, ungebremst, radikal Böse sind. Und ihre grandiosen Pläne in schönster Regelmäßigkeit scheitern, weil die Superhelden doch schlauer sind. .

Das Jahr des Schurken – Band 1

Panini Comics, 2020

140 Seiten

16,99 Euro

enthält

The Joker: Year of tje Villain 1 (Dezember 2019)

Black Mask: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)

Sinestro: Year of the Villain 1 (Oktober 2019)

The Riddler: Year of the Villain (Dezember 2019)

Das Jahr des Schurken – Band 2

Panini Comics, 2020

108 Seiten

13 Euro

enthält

Lex Luthor: Year of the Villain 1 (November 2019)

Ocean Master: Year of the Villain 1 (Februar 2020)

Harley Quinn’s Villain of the Year 1 (Februar 2020)


Über Sven Heucherts „Alte Erde“

Oktober 5, 2020

Thies Frühreich kehrt mit seiner Freundin Monique und einem Koffer voller nicht legal erworbenem Geld zurück in seine alte Heimat. In dem menschenleeren Gebiet zwischen Vierheilig und Altglück veränderte sich in den vergangenen vierzehn Jahren, in denen er fort war und keinen Kontakt zu seiner Familie hatte, wenig. Erst jetzt, durch den geplanten Bau eines riesigen Warenlagers für einen Internetversandhändler, scheint sich seine alte Heimat grundlegend zu verändern.

Dort trifft Thies seinen Bruder Karl, den alte Revierjäger Wouter Bisch und einige weitere alte Bekannte. Und er erinnert sich an seine Vergangenheit in der deutschen Provinz.

Als vor drei Jahren Sven Heucherts Debütroman „Dunkels Gesetz“ erschien, war die Begeisterung groß. Auch bei mir. „Dunkels Gesetz“ ist zwar kein perfekter Roman, aber ein sehr gelungener Versuch, Noir- und Hardboiled-Topoi nach Deutschland und in die deutsche Provinz zu versetzen, ohne beim biederen Regiokrimi zu enden. Heuchert gelang nicht alles, aber er machte so viel richtig, dass ich mich auf seinen nächsten Roman freute.

Der liegt jetzt vor, heißt „Alte Erde“ und ist eine riesige Enttäuschung. Der Klappentext und auch die ersten Seiten versprechen einen Noir, der wieder in der deutschen Provinz spielt, ohne provinziell zu sein. Aber dann hat Heuchert an diesem Krimiplot kein Interesse. Der Koffer mit dem Geld wird anfangs noch heimlich von einem Zimmer zum nächsten Zimmer transportiert. Aber nachdem Karl das Geld entdeckt und sofort verbrennt, löst sich in dem Moment, der auf Seite 73 ist, der auf den ersten Seiten angekündigte Konflikt über die Beute in Luft auf.

Im folgenden – und es spricht prinzipiell nichts dagegen, Erwartungen zu enttäuschen, einen ganz anderen Weg zu beschreiten, als es Anfangs aussieht, oder sogar das Genre zu wechseln – verschwindet jeglicher Krimiplot zugunsten einer in Gegenwart und Vergangenheit spielenden Abfolge von unzusammenhängenden Episoden, in denen teils nicht erkennbar oder nur erahnbar ist, wer gerade „er“ oder „sie“ ist. Es werden auch viele Menschen und Tiere getötet. Auch hier ist im ersten Moment nicht immer klar, ob gerade ein Mensch oder ein Tier erschossen wurde. Dieses Töten geschieht so beiläufig, dass man schon einmal einen Tod überlesen kann. Weil man überhaupt keine emotionale Verbindung zu dem Getöteten hat, ist auch egal, wer gerade gestorben ist. Es hat auch keinerlei Auswirkung auf die in diesem Moment nicht mehr erkennbare Handlung.

Alte Erde“ reiht nämlich schnell Episoden aneinander, die auch in jeder anderen Reihenfolge stehen könnten. Entsprechend zäh gestaltet sich die Lektüre des Romans, den ich nur zu Ende las, weil mir Heucherts Debüt so gut gefiel und er mit zweihundert Seiten erfreulich kurz ist.

Sven Heuchert: Alte Erde

Ullstein, 2020

224 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Sven Heuchert

Meine Besprechung von Sven Heucherts „Dunkels Gesetz“ (2017)


Alles Gute zum Geburtstag, Colin Dexter

September 29, 2020

Die Legende geht so: In den frühen siebziger Jahren verbringt Colin Dexter einen Familienurlaub in Wales. Es regnet ununterbrochen. Er schreibt zwei Kriminalgeschichten, die ihn nicht überzeugen. Er meint, er könne es besser. Er schreibt „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock) mit Inspector Morse als Ermittler. Der Roman wird 1975 veröffentlicht und ist ein Erfolg.

Bis zu seinem Tod schreibt Colin Dexter (29. September 1930 in Stamford, England – 21. März 2017 in Oxford, England) zwölf weitere Morse-Kriminalromane und einige Kurzgeschichten. Einige mit, einige ohne Inspector Morse.

Der von Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist einer der großen Ermittler der Kriminalliteratur. Sein Vorname wird erst in „ Der Tod ist mein Nachbar“ (Death is now my Neighbor, 1997) enthüllt. Bis dahin ist sein Vorname wahlweise ‚Inspector‘ oder ‚Morse‘. Bei Morse fällt vor allem seine Normalität auf. Morse ist angenehm unbelastet von privaten und psychischen Problemen. Er hat kein nennenswertes, die Ermittlungen störendes Privatleben. Er ist überzeugter Single. Er liebt Kreuzworträtsel, klassische Musik, ist gebildet und ein leidenschaftlicher Biertrinker. Das sind letztendlich nette Marotten, die beim Leser schnell ein Gefühl von Vertrautheit vermitteln und nicht weiter von dem Rätselplot ablenken. Denn die Morse-Krimis sind traditionsbewusste Rätselkrimis, die wohlige Erinnerungen an die Vergangenheit heraufbeschwören als es noch kein Internet, keine Mobiltelefone, keine DNA-Analyse und keine Videokameras an jeder Ecke gab.

So geht es in seinem jüngst vom Unionsverlag wiederveröffentlichen Morse-Krimis „Der Weg durch Wytham Woods“ (The Way through the Woods, 1992) um eine vor einem Jahr spurlos verschwundene schwedische Studentin. Während der Ermittlungen stößt Morse auf eine Gruppe von Männern, die in ihrer Freizeit gerne freizügige Aufnahmen von jungen Frauen machen und, wenn die Dame aufgeschlossen ist, auch einen Schritt weitergehen.

Dieser Sexkreis erinnert dann doch weniger an die frühen neunziger Jahre, in denen der Roman spielt, sondern an die siebziger Jahre, als die sexuelle Befreiung auch auf dem Land praktiziert wurde und die Kinos mit erotischen Filmen und Pornos überschwemmt wurden „Deep Throat“ wurde sogar zu einem Must-see-Film.

Das, vor allem die Heimlichtuerei und die Schuldgefühle der Männer, wirkte vor knapp dreißig Jahren vielleicht etwas altmodisch. Heute, wo wir den direkten Vergleich zu den damaligen Bestellern (wie „Das Schweigen der Lämmer“ und dem ganzen Serienkillergedöns), nicht mehr haben, liest sich auch dieser Morse-Krimi angenehm nostalgisch. Er ist, wie die anderen Morse-Krimis, gut geschrieben, gut geplottet und mit einem vertrackten Rätsel im Mittelpunkt. Auch wenn man in „Der Weg durch Wytham Woods“ die Zusammenhänge rasch erahnt.

Heute zählt der Roman zu den besten Morse-Krimis. Unter anderem in der „Good Reading Guide to Crime Fiction“ und der „The Rough Guide to Crime Fiction“ wird er als bester Morse-Krimi genannt. Er wurde von der CWA mit dem „Gold Dagger“ ausgezeichnet. In der „Rough Guide to Crime Fiction“ wird außerdem John Maddens Verfilmung für die „Inspector Morse“-TV-Serie gelobt.

Dexters Romane waren in England die Grundlage für die dort sehr erfolgreiche Krimiserie „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford“ (Inspector Morse). John Thaw spielte Morse. Regisseure waren Peter Hammond, Jack Gold, John Madden, Danny Boyle und Antonia Bird. Anthony Minghella gehörte zu den Drehbuchautoren. Die Serie entstand von 1987 bis 2000. In Deutschland ist sie fast unbekannt.

Später entstanden die Spin-Offs „Lewis – Der Oxford-Krimi“ (mit dem aus der „Inspektor Morse“-Serie vertrauten Kevin Whately als Lewis) und „Der junge Inspektor Morse“ (gespielt von Shaun Evans).Und Colin Dexter hatte auch in ihnen zahlreiche Cameo-Auftritte.

Alles Gute zum Geburtstag, Colin Dexter! (wenn auch posthum, aber dafür vom Herzen kommend)

Zuletzt erschienen in der Neuausgabe des Unionsverlags, für die Eva Berié die alten Übersetzungen überarbeitet:

Colin Dexter: Der Wolvercote-Dorn

(übersetzt von Ute Tanner)

Unionsverlag, 2020

288 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Jewel that was ours

Macmillan, London 1991

Deutsche Erstausgabe

Tod für Don Juan

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1992

Colin Dexter: Der Weg durch Wytham Woods

(übersetzt von Karin Pelz)

Unionsverlag, 2020

352 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Way through the Woods

Macmillan, London 1992

Deutsche Erstausgabe

Finstere Gründe

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1992

Die Inspector-Morse-Romane

Last Bus to Woodstock, 1975 (Der letzte Bus nach Woodstock)

Last seen wearing, 1976 (… wurde sie zuletzt gesehen; Zuletzt gesehen in Kidlington)

The silent World of Nicholas Quinn, 1977 (Die schweigende Welt des Nicholas Quinn)

Service of Aal the Dead, 1979 (Eine Messe für all die Toten)

The Dead of Jericho, 1981 (Die Toten von Jericho)

The Riddle of the Third Mile, 1983 (Das Rätsel der dritten Meile)

The Secret of Annexe 3, 1986 (Hüte dich vor Maskeraden; Das Geheimnis von Zimmer 3)

The Wench is dead, 1989 (Mord am Oxford-Kanal; Gott sei ihrer Seele gnädig)

The Jewel that was ours, 1991 ( Tod für Don Juan; Der Wolvercote-Dorn)

The Way through the Woods, 1992 (Finstere Gründe; Der Weg durch Wytham Woods)

The Daughter of Cain, 1994 (Die Leiche am Fluss; Die Töchter von Kain – Neuausgabe für Februar 2021 angekündigt)

Death is now my Neighbour,1996 (Der Tod ist mein Nachbar – Neuausgabe für Februar 2021 angekündigt)

The remorseful Day, 1999 (Und kurz ist unser Leben; Der letzte Tag – Neuausgabe für Juli 2021 angekündigt)

zusätzlich und um die Liste komplett zu machen, erscheint im Juli 2021 im Unionsverlag

Ihr Fall, Inspector Morse (6 Kurzgeschichten – angekündigt für Juli 2021)

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)


Über Sam Hawkens grandiosen Noir „Vermisst“

September 22, 2020

Brauchen wir wirklich noch eine Geschichte, in der im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet ein US-Amerikaner in Mexiko für Gerechtigkeit sorgt? Nach der Lektüre von Sam Hawkens bei uns neuem Roman „Vermisst“ lautet die Antwort: eindeutig Ja.

Außerdem kann „Vermisst“ als gelungener und überfälliger Gegenentwurf zu dem letzten Rambo-Film „Rambo: Last Blood“ gesehen werden. Dabei erschien in den USA „Vermisst“ bereits 2014 und damit lange vor dem letzten Rambo-Film. An seiner Aktualität hat Hawkens Roman nichts eingebüßt.

Jack Searle ist in Laredo, Texas, ein Handwerker und Witwer, der seine beiden pubertierenden Stieftöchter liebevoll aufzieht. Er trifft sich auch regelmäßig mit den mexikanischen Verwandten seiner verstorbenen Frau, die in Nuevo Laredo leben; einer Grenzstadt, die sich in den Händen von Verbrecherkartellen befindet.

Eines Abends gehen seine Tochter Marina und die etwas ältere, mit ihr verwandte Patricia Sigala in Nuevo Laredo zu einem Konzert. Nach dem Konzert verschwinden sie spurlos.

Searle und Patricias Vater Bernardo wenden sich an die Polizei. Dort wird Gonzalo Soler mit dem Fall betraut. Und, im Gegensatz zu anderen Polizisten, legt er den Fall nicht zu den Akten, sondern er ermittelt und findet erste Spuren.

Diesen Teil seiner Noir-Geschichte erzählt Hawken indem er einfach der normalen Ermittlungsroutine folgt. Dank seiner klaren Sprache und der detaillierten Beschreibung der Ermittlungen von Soler und den Gefühlen und Aktionen von Searle und Sigala entsteht schon auf diesen Seiten eine beträchtliche Spannung. Das liegt auch daran, dass Sam Hawken die Gegend und die Menschen gut kennt. Schon seine vorherigen auf Deutsch erschienen Romane „Die toten Frauen von Juárez“ und „Kojoten“ spielen im amerikanisch-mexikanischen Grenzgebiet. Er erzählt seine Kriminalgeschichten vor dem Hintergrund wahrer Ereignisse und Entwicklungen.

Daher ist auch die nächste Entwicklung von „Vermisst“ historisch verbürgt. Das Militär übernimmt die Stadt. 2011 wurde in Nuevo Laredo die gesamte Polizei suspendiert, um sich „Professionalisierungsmaßnahmen und Umschulungen“ zu unterziehen. Drei Jahre später, als Hawken seinen Roman beendete, war die Polizei immer noch suspendiert und die Stadt ein „kriminelles Irrenhaus“ (Hawken).

Währenddessen soll das Militär gegen die Drogenkartelle kämpfen und gleichzeitig die normale Polizeiarbeit übernehmen. Denn, so die Regierung, die Korruption in der Polizei und die Verflechtung zwischen ihnen und den Kartellen verhindere einen erfolgreichen Kampf gegen sie. Dass das Militär keine Ahnung von der normalen Polizeiarbeit hat, ist egal. Soler wird der Fall entzogen. Er wird, wie alle Polizisten, bis zum Ende seiner Überprüfung in den unbezahlten Urlaub geschickt.

Searle engagiert Soler und gemeinsam beginnen sie nach den verschwundenen Mädchen zu suchen.

Diese gemeinsame Suche führt dann zu einem schon im Klappentext angedeuteten blutgetränkten Rachefeldzug von Searle gegen die Verbrecherkartelle, der auch in „Rambo: Last Blood“ gut aufgehoben wäre. Für mein Empfinden kommt Searles Blutrausch, weil nichts in seinen vorherigen Handlungen einen darauf vorbereitet, zu unvermittelt.

Aber das ist nur ein kleiner Einwand gegen einen hochspannenden Thriller, der eine kleine, alltägliche Geschichte mit differenziert und lebensnah gezeichneten Figuren, äußerst detailliert und mit viel gut präsentiertem Hintergrundwissen (in Teilen liest sich „Vermisst“ wie eine gute Zeitungsreportage) präsentiert. Zu Recht wurde „Vermisst“ für den CWA Gold Dagger Award und den CWA Ian Fleming Award nominiert.

Sam Hawken: Vermisst

(übersetzt von Karen Witthuhn)

Polar, 2020

400 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Missing

Serpent’s Tail, 2014

Mehr von Sam Hawken auf Deutsch

Sam Hawken: Die toten Frauen von Juárez

(übersetzt von Joachim Körber)

Tropen, 2012

320 Seiten

19,95 Euro (vergriffen)

Originalausgabe

The Dead Women of Juárez

Serpent’s Tail, 2011

Sam Hawken: Kojoten

(übersetzt von Karen Witthuhn)

Polar, 2015

304 Seiten

14,90 Euro

Originalausgabe

La Frontera

Betimes Books, 2013

Hinweise

Homepage von Sam Hawken

Polar über Sam Hawken

Perlentaucher über Sam Hawken


„Rainer Werner Fassbinder Transmedial“ analysiert

September 14, 2020

Allein schon die Menge von, je nach Zählung, irgendetwas zwischen deutlich über dreißig und knapp unter fünfzig Filmen für das Kino und das Fernsehen in dreizehn Jahren ist beeindruckend. Auch wenn alle diese Filme nur billiger Schund wären. Aber sogar die schwächeren oder unbekannteren Spielfilme von Rainer Werner Fassbinder sind einen Blick wert. Seine allseits bekannten und kanonisierten Filme sowieso.

Daneben inszenierte er mehrere TV-Filme und (Mini-)Serien, die inzwischen auch zu Klassikern wurden. Ich sage nur „Welt am Draht“ und Berlin Alexanderplatz“. „Martha“ nimmt eine interessante Zwischenstellung ein. Ursprünglich war das Noir-Drama als TV-Film geplant und verschwand nach zwei TV-Ausstrahlungen wegen Rechtsstreitigkeiten im Archiv. Als diese geklärt waren, lief der Film im November 1997 in einer restaurierten Fassung im Kino und wurde breit als Meisterwerk rezipiert.

Vor seinen Spielfilmen arbeitete er im; – gut, eigentlich leitete er das Kollektiv betriebene antiteater. Er schrieb die Stücke, inszenierte sie und verfilmte einige dieser Stücke in einer veränderten Form. Seine Texte waren für ihn immer ein work in progress; eine Spielanweisung, die verschieden interpretiert werden konnte. „Katzelmacher“ ist für dieses Vorgehen, aus einem Theaterstück einen Film zu machen, sicher das bekannteste Werk.

Nach dem Ende des antiteaters 1970 arbeitete Fassbinder weiter am Theater. Einige seiner Stücke verfilmte er. Andere wurden von anderen Regisseuren verfilmt. Manchmal wurde nichts aus der geplanten Verfilmung.

Und, als ob das nicht genug wäre, schrieb er auch Stücke, die von anderen Regisseuren inszeniert wurden, und er arbeitete für das Radio. Wobei sein Hörspielwerk überschaubare vier Werke umfasst.

Das ist viel Stoff, der immer noch erforscht und interpretiert werden kann.

In ihrem Sammelband „Rainer Werner Fassbinder Transmedial“ nehmen sich die Herausgeber Werner C. Barg und Michael Töteberg die unbekannteren, nicht kanonisierten und die aus verschiedenen Gründen die Grenzen der verschiedenen Medien überschreitenden Werke vor. Der Sammelband besteht, bis auf eine Ausnahme, auf Vorträgen und Gesprächen, die in der Abteilung Medien- und Kommunikationswissenschaft am Institut für Musik, Medien- und Sprechwissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) 2017 und 2018 gehalten wurden.

Nach einem informativen Überblick von Michael Töteberg über die transmedialen Arbeiten von Fassbinder, wie seine Theaterstücke, die Filme wurden und seine Arbeit für das Fernsehen, geht es in den folgenden Aufsätzen um Einzelaspekte bei bestimmten Werken und auch um geplatzte oder von anderen Künstlern vollendete Projekte.

Alexandra Vasa beschäftigt sich mit Schuldverhältnissen in Fassbinders frühen Filmen „Katzelmacher“, „Warum läuft Herr R. Amok?“ und „Händler der vier Jahreszeiten“. Rolf Giesen schreibt über „Adolf und Marlene“. Das anscheinend ziemlich missratene B-Picture über Adolf Hitler und Marlene Dietrich wurde von Fassbinder produziert und von Ulli Lommel („Die Zärtlichkeit der Wölfe“) inszeniert. Michael Töteberg schreibt über Fassbinders Theaterinszenierung von „Bremer Freiheit“, einem von Fassbinder rasch nach historischen Dokumenten niedergeschriebenem Auftragswerk, das zu seinem meistgespieltem Theaterstück wurde. Töteberg beschäftigt sich auch mit Adriana Hölszkys 1988 uraufgeführter Interpretation des Stückes, die andere Akzente setzt. Hans J. Wulff schreibt über Fassbinders Bearbeitung von „Bremer Freiheit“ für das Fernsehen. Christine Ehardt nimmt sich Fassbinders Hörspiele vor. Gerhard Lampe Fassbinders bekannte, textnahe Literaturverfilmung „Fontane Effi Briest“. Werner C. Barg analysiert die ersten Minuten von Fassbinders „Die dritte Generation“. Bianca Dommes ruft die Diskussion um Fassbinders Skandalstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ und Daniel Schmids vergessene Verfilmung „Schatten der Engel“ in Erinnerung. Werner C. Barg nähert sich Fassbinders letztem Film „Querelle“ aus filmphilosophischer Sicht.

Gespräche mit Rolf Giesen und Werner C. Barg (der in seinem Dokumentarfilm „Casting“ Schauspieler Ausschnitte aus Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ sprechen lässt) und eine kommentierte Bibliographie über die in den letzten zwanzig Jahren über Fassbinder und sein Werk erschienenen Texte runden den lesenswerten Sammelband, der sich primär an Fassbinder-Kenner richtet, ab.

Werner C. Barg/Michael Töteberg (Hrsg.): Rainer Werner Fassbinder Transmedial

Schüren, 2020

224 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Schüren über das Buch

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder

Homepage der Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte


Später als erwartet kommt er: am 5. September ist der Gratis Comic Tag 2020

September 4, 2020

Am zweiten Samstag im Mai sollte der zehnte Gratis Comic Tag für viel Leben in den spezialisierten Comicgeschäften, normalen Buchläden und Stadtbüchereien (die Comics nicht verkaufen, aber Bildergeschichten verleihen und auch Veranstaltungen über grafische Literatur machen) sorgen. Aber am 9. Mai 2020 stand das Leben still.

Weil in dem Moment die 700.000 Gratis-Comics schon gedruckt waren und nur noch auf ihre Verteilung an 650 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz warteten, war klar, dass es auch dieses Jahr einen Gratis Comic Tag geben wird. Nur wann und in welcher Form war unklar.

Am Ende entschieden die Macher sich für eine Verschiebung des Termins auf den 5. September. An diesem Samstag sollen dann, natürlich unter Beachtung der Hygiene-Auflagen, die Gratis-Comics verteilt werden. Mit begleitenden Aktionen und die Fans dürfen selbstverständlich verkleidet kommen. Dabei sind einige Outfits bekannt-beliebter Comicfiguren, wie Spider-Man, perfekte Kostüme für die Pandemie.

Zum diesjährigen Gratis Comic Tag gibt es 34 verschiedene Hefte, die zeigen, wie vielfältig die Comicwelt ist. Denn Comics sind nicht nur die Bildergeschichten, mit denen man als Kind anfing zu lesen, oder Superheldengeschichten oder, wenn man als Erwachsener wieder einen Comic in die Hand nimmt, „Werner“-Blödeleien (dieses Jahr mit einem Heft dabei). Sondern Comics sind heute auch Geschichten für Erwachsene, die sich mit ihrem Leben beschäftigen. Stilistisch und thematisch ist in der inzwischen schon zehnten Ausgabe des Gratis Comic Tags wieder alles vertreten. Dabei gibt es einige speziell für den Tag zusammengestellte Hefte, einige Hefte, die eine abgeschlossene Geschichte erzählen und für meinen Geschmack zu viele Hefte, die nur den Anfang einer längeren Geschichte erzählen. Sie spekulieren offen darauf, dass das kostenlose Heft zum Kauf der weiteren Hefte führt. Denn, und das ist kein Geheimnis, der Gratis Comic Tag ist auch eine Verkaufsveranstaltung, die Menschen zum Kauf von Comics bewegen soll. In den vergangenen Jahren erzielten die Buchhandlungen an dem Tag hohe Umsätze. Jedes Jahr beteiligten sich mehr Geschäfte und es wurden mehr Hefte gedruckt.

Wer einen Blick auf die Umschläge der 34 Gratis-Hefte wirft, wird viele aus den vorherigen Gratis Comic Tagen bekannte Figuren, Serien und Verlage wieder sehen (selbstverständlich sind die „Horrorschocker“ wieder dabei) und etliche neue Comics und Mangas sehen. Einige, wie der französische Slapstick-Comic „Valerian“ (von René Goscinny und Jean Tabary, die ihren sympathischen Landstreicher durch eine wüste Kriminalgeschichte stolpern lassen) und „Onkel Dagobert und Donald Duck“ (Don Rosas 1987 erschienene Geschichte „Der Sohn der Sonne“ [vielleicht für einige schon keine Kindheitserinnerung mehr]) wecken wohlige Erinnerungen an die Kindheit.

Blueberry“ ist zwar nicht für Kinder, aber ein Klassiker, der seit über fünfzig Jahren immer wieder neu aufgelegt wird und den guten Ruf des francobelgischen Comics mit begründete. Als Gratis-Comic wird heuer die von Jean ‚Moebius‘ Giraud und Jean-Michael Charlier erzählte Geschichte „Der Sheriff“ präsentiert.

Für Westernfans gibt es außerdem Paolo Eleuteri Serpieris unveröffentlichte Geschichte „Der Bote“. Sie ist Teil der „Serpieri Collection“ und ziemlich düster. Weniger düster ist der erste Auftritt von „Lincoln“. Das liegt aber daran, dass der maulfaule Verbrecher Lincoln in „Auf Teufel komm raus“ ständig schlecht gelaunt ist und Gott und der Teufel mit ihm böse Spiele treiben.

Im Bereich „Comics für Kids“ gibt es außerdem die „Minions“, die von Fußballspieler Cristiano Ronaldo erfundene Serie „Strike Force 7“ (mit dem Fußballer als Helden; naja) und in den Heften „Hallo Justice League“ und „Harley Quinn“ gibt es jeweils drei Leseproben in denen bekannte Superhelden kindgerechte Abenteuer erleben.

Die Superhelden sind auch bei den Erwachsenen vertreten mit „Spider-Man“ (zwei abgeschlossene Geschichten), „Invincible“ (eine neue Serie von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman) und dem ersten Auftritt der „Teenage Mutant Ninja Turtles“. Der war 1984. Damals waren die Turtles noch kein infantiles Hollywoodabenteuer, sondern tiefster Underground.

Bei den Superhelden gibt es auch bayerische und österreichische Gewächse wie „Tracht Man“ und „Ash Austrian Superheroes“, die für mich dann doch zu sehr in den altbekannten Klamauk gehen, bei dem regionale Befindlichkeiten und Traditionen starkbierig mit Superhelden aufgehübscht werden. Das war mir schon als Jugendlicher zu infantil.

Werke wie das Historienepos „ Die Ilias“ (Teil 1 von 3), „Ein Leben für den Fußball – Die Geschichte von Oskar Rohr“ (ein deutscher Torschützenkönig, der 1932 für den FC Bayern spielte, nach Frankreich ging und später in eine Konzentrationslager interniert wurde; auch hier gibt es leider nur die ersten Seiten) und, ebenfalls nur die ersten Seiten von Pénélope Bagieus Roald-Dahl-Interpretion „Hexen hexen“ sind dann nur der vielversprechende Anfänge.

Auch „Pik As – Die fantastische Detektei“ (die erste Hälfte des ersten Falls, der um die Jahrhundertwende in Paris spielt und in dem eine junge naseweise Frau Detektivin sein möchte und daher mit dem Meisterdetektiv Auguste Dupin ermitteln möchte. Der glaubt allerdings, auf weibliche Hilfe verzichten zu können) und das von Alan Moore initiierte Projekt „Cinema Purgatorio“ fungieren vor allem als Appetitanreger.

Das kann über die höchst vergnügliche „Die Rückkehr auf Land: Das wahre Leben“, in dem Jean-Yves Ferri und Manu Larcenet ihre Stadtflucht humorvoll verarbeiten, nicht gesagt werden. Eine dicke Empfehlung für diesen Comic.

Insgesamt zeigen die 34 Hefte, wie vielfältig die aktuelle Comicwelt ist.

Hier geht es direkt zu den teilnehmenden Orten.

Und als Einstimmung eine Covergalerie:

 


Wallace Stroby ist „Zum Greifen nah“

August 31, 2020

Mitten in einer Oktobernacht erschießt Billy Flynn auf einer einsamen Landstraße im ländlichen Florida den jungen Afroamerikaner Derek Willis. Auf den ersten Blick ist Billys Schusswaffeneinsatz während der Routine-Verkehrskontrolle gerechtfertigt gewesen. Immerhin wollte Willis fliegen, neben der Leiche liegt ein Revolver und im Kofferraum des Autos finden sich in einer Nylontasche weitere Schusswaffen. Außerdem gehört das Auto nicht Willis.

Aber Sara Cross, die frühere Freundin von Billy und, nach Billys Meldung in die Zentrale, erste Beamtin am Tatort, fragt sich trotzdem, ob es wirklich so war, wie Billy erzählt. Immerhin ist der zweiundzwanzigjährige Willis bislang ein unbescholtener Bürger, der brav in Newark, New Jersey, an der Universität studiert und eine Familie gründen will. Cross fragt sich, was Willis auf der einsamen Landstraße so weit weg von seiner Heimat gesucht hat.

Währenddessen beauftragt in Newark der Drogenboss Mikey-Mike den Killer Morgan, ihm sein Geld wieder zu besorgen. Denn in Willis‘ Auto sind neben den Waffen 350.000 Dollar versteckt. Mit dem Geld sollten Drogen bezahlt werden. Morgan soll, wenn er schon in Florida ist, auch gleich Billy und Sara töten. Immerhin sind sie die Polizisten, die als erste am Tatort waren, und damit für den Tod seines Kuriers verantwortlich sind.

Auf dem Cover von „Zum Greifen nah“ steht „Sara-Cross-Krimi“. Das erweckt den Eindruck, dass es sich um den Auftakt einer Serie handelt. Dabei ist „Zum Greifen nah“ ein Einzelroman. Die alleinerziehende Cross ist nur die Protagonistin von diesem Krimi, den Wallace Stroby genauso schnörkellos wie seine vier Romane um die Profieinbrecherin Crissa Stone erzählt. Nur dass dieses Mal, wie man es aus den Romanen von George Pelecanos kennt, Musik und damit verbundene popkulturelle Referenzen eine wichtige Rolle spielen. Besonders Morgan achtet immer auf den richtigen Soundtrack. Die Story selbst läuft, mit kleinen Überraschungen geradlinig auf das finale Duell zwischen Morgan und Sara Cross hinaus.

Bis es dazu kommt, steigt in Hopedale die Mordrate kräftig.

Für die Hardboiled-Fans ist „Zum Greifen nah“ ein echter Pageturner, der für seine Story nicht allzu viele Seiten und Worte benötigt.

Hoffentlich entschließt der Pendragon-Verlag sich noch, die anderen Romane von Wallace Stroby zu übersetzen. Im Moment sind nämlich keine weiteren Übersetzungen geplant. Bis dahin kann man die schon übersetzten Crissa-Stone-Gangsterromane lesen. Die Reihenfolge ist egal. Sie sind als zeitgemäßes, menschliches Update von Richard Starks Parker eine ausgezeichnete, spannende und sehr kurzweilige Lektüre.

Wallace Stroby: Zum Greifen nah

(übersetzt von Bernd Gockel)

Pendragon, 2020

360 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

Gone ‚til November

Minotaur Books/St. Martin’s Press, 2010

Die bisherigen Verbrechen des Herrn Stroby

Harry Rane

1. The Barbed-Wire Kiss (2003)

2. The Heartbreak Lounge (2005)

 

Crissa Stone

1. Kalter Schuss ins Herz (Cold Shot to the Heart, 2011)

2. Geld ist nicht genug (Kings of Midnight, 2012)

3. Fast ein guter Plan (Shoot the Woman First, 2013)

4. Der Teufel will mehr (The Devil’s Share, 2015)

 

Einzelwerke

Zum Greifen nah (Gone ‚Til November, 2010)

Some Die Nameless (2018)

Hinweise

Homepage von Wallace Stroby

Blog von Wallace Stroby

Wikipedia über Wallace Stroby

Meine Besprechung von Wallace Strobys „Kalter Schuss ins Herz“ (Cold Shot to the Heart, 2011)

Meine Besprechung von Wallace Strobys „Geld ist nicht genug“ (Kings of Midnight, 2012)


„Töchter des Todes“ und das Leben in einer Kleinstadt

August 30, 2020

Auf dem Cover wird Ulrike Blatters neues Buch „Töchter des Todes“ „Roman“ genannt und auch im Klappentext steht „Roman“, obwohl es um einen islamistischen Anschlag in dem nah an der Grenze zur Schweiz liegendem Ort Taufingen geht und eine der Töchter der Stadt, die seit kurzem als Kämpferin für den Islamischen Staat aus dem Kalifat hetzerische Videos postet, in den Anschlag verwickelt ist.

Aber dann interessiert die Krimiautorin Blatter sich nicht für den Krimiplot. Den erzählt sie fast ausschließlich über einige, im Roman verstreute Zeitungsartikel. Bei ihr stehen dieses Mal die Menschen im Mittelpunkt der Geschichte, die das Geschehen nur vom Rand beobachten. Aylin, Jordan, Kristina und Stefanie dürfen die Geschichte erzählen. Die fünfte Erzählstimme gehört einer Frau, die Star genannt wird, im Kalifat lebt und von dort flüchten möchte. Wie Stars Geschichte mit den Ereignissen in Taufingen zusammen hängt, wird erst am Ende des Romans deutlich.

Von den Erzählerinnen ist Aylin Hodzic sicherlich die wichtigste Erzählerin. Sie ist die jüngere Schwester von Semina. Ihre Eltern flüchteten in den neunziger Jahren aus Bosnien nach Deutschland. Semina ist nach Aylins Ansicht die am besten angepasste Migrantin, die man sich vorstellen kann. Zum Sozialpädagogikstudium geht sie nach Köln, schließt sich dem Islamischen Staat an, reist in das Kampfgebiet, postet IS-Videos und verübt jetzt, während des Solidaritäts- und Bürgerfest, in Taufingen in der Metzgerei ein Selbstmordattentat. Jedenfalls gehen die Polizei, die Medien und die Öffentlichkeit sofort davon aus. Aylin will dagegen nicht glauben, dass ihre weltliche Schwester zur Terroristin wurde. Aylin hat gerade Abitur gemacht und sich jetzt in den einige Jahre älteren Jordan verliebt. Er ist ihre erste große Liebe.

Jordan studiert Theaterpädagogik und macht ein Praktikum an Aylins Schule. Dort leitet er, nachdem die Leiterin der Theater-AG erkrankte, einen Theaterworkshop zum Thema „Deine Menschenrechte – Meine Träume“. Aylin hilft bei dem Projekt mit.

Kristina ist Aylins Mutter und arbeitet im Kindergarten. Und Stefanie ist die rechte Hand des Baudezernenten. Sie ist schon seit Ewigkeiten mit Kristina und ihrer Familie befreundet. Außerdem ist Aylin die Babysitterin von ihrem Sohn Tim.

Durch sie und ihr Umfeld entsteht ein Porträt des linksliberalen Bürgertums von Taufingen, ihren Befindlichkeiten und Problemen. Und des Lebens in einer sehr gewöhnlichen Kleinstadt und wie sich durch von außen kommende Ereignisse und Stimmungen verändert. Den Fortgang der Ermittlungen erfahren sie (und wir) aus der Zeitung.

Töchter des Todes“ ist ein Kleinstadtporträt, das den Thrillerplot als MacGuffin benutzt, und davon erzählt, welche Auswirkungen ein Verdacht auf die Familie und die Bekannten der Täterin haben kann. Diese ist in „Töchter des Todes“, abgesehen von kryptischen Textnachrichten abwesend. Die von Blatter gewählte Perspektive, die genaugenommen eine Komposition aus fünf Ich-Erzähler*innen ist, eröffnet einen neue Sicht auf eine vertraute Geschichte.

Und, ja, am Ende gibt es einige Überraschungen. Denn der Gesellschaftsroman ist auch ein Kriminalroman; nur halt kein Kriminalroman im vertrauten „Tatort“-Format. Und das ist gut so.

Ulrike Blatter: Töchter des Todes

Leinpfad Verlag, 2019

340 Seiten

14 Euro

Hinweise

Homepage von Ulrike Blatter

Blog von Ulrike Blatter

Literaturport über Ulrike Blatter

Wikipedia über Ulrike Blatter


Über Thomas Gallis „Weggesperrt – Warum Gefängnisse niemandem nützen“

August 25, 2020

Gefängnisse sind (…) heute als menschenunwürdige Institutionen zu bezeichnen. Sie verletzten systematisch Art. 1 unseres Grundgesetzes. Sie sind weder notwendig noch geeignet zur Reduzierung von Kriminalität. In ihrer plumpen und schädlichen Art zu strafen sind sie unter unser aller Würde“, schreibt Thomas Galli in seinem neuen Buch „Weggesperrt – Warum Gefängnisse niemandem nützen“. Diese Sätze stehen steht in der Mitte des Buches und fassen seine zentrale Aussage sehr gut zusammen.

Warum unsere Gefängnisse menschenunwürdige Institutionen sind und wie das geändert werden kann, also wie ein anderes und wahrscheinlich besseres System des Umgangs mit Verbrechern aussehen kann, erklärt er vor und nach diesen Sätzen.

Galli war von 2001 bis 2016 im Strafvollzug in verschiedenen Anstalten in verschiedenen Positionen tätig. Ab 2013 war er Leiter der JVA Zeithain. 2015 war er für ein halbes Jahr zusätzlich Leiter der JVA Torgau. Um diese Arbeit bewarb er sich, wie er in der Einleitung schreibt, weil er nach dem Jurastudium nach einer Arbeit suchte und der Staatsdienst mit seinen Anforderungen (überschaubare Arbeit, gesichertes Einkommen, gesicherter Aufstieg) vielversprechend aussah. Über Gefängnisse, die inzwischen Justizvollzugsanstalten (JVA) genannt werden, wusste er nichts.

Während seiner Arbeit lernte er die Regeln kennen, die in der Praxis immer wieder den postulierten Resozialisierungsauftrag des Gefängnisses sabotieren. Er sah, wer warum im Gefängnis saß. Er fragte sich, ob eine Haftstrafe für diese Menschen das geeignete Mittel ist, um eine Resozialisierung zu erreichen. Also ob durch die Haft und die Maßnahmen in der Haft der Verurteilte zu einem straffreien Leben befähigt werden kann und so die Gesellschaft insgesamt sicherer wird.

Während seiner Arbeit wuchs bei ihm die Erkenntnis, dass in dem jetzt bestehenden System eine erfolgreiche Resozialisierung nicht erfolgen kann. Stattdessen empfiehlt er eine Mischung aus gemeinnütziger Arbeit (wie den ‚Schwitzen statt Sitzen‘-Programmen), sozialarbeiterischen und therapeutischen Maßnahmen, die sich erfolgreich mit den Problemen der Täter beschäftigen (wozu auch fehlende Schulabschlüsse und damit fehlende Berufsaussichten gehören), verschiedene alternative Formen der Streitschlichtung, die erfolgreich in anderen Ländern praktiziert werden, und für die wenigen Menschen, die besonders grausame Taten begangen haben und wenigstens für eine bestimmte Zeit inhaftiert werden sollten, empfiehlt Galli Anstalten wie die norwegische Gefängnisinsel Bastøy, die nach einem liberalen Konzept betrieben wird und die Inhaftierten auf ein Leben in Freiheit vorbereiten soll.

Für die jetzt im Strafvollzug Beschäftigten würde sich vor allem der Zuschnitt ihrer Arbeit und die Anforderungen an ihren Beruf massiv ändern. Galli sieht diese Änderungen als positiv für alle Betroffenen an.

Außerdem würde endlich geprüft werden, ob die Maßnahmen erfolgreich sein. Also ob sie geeignet sind, das genannte Ziel zu erreichen und ob sie es erreichen. Das erfolgt heute nicht. Es gibt, – Galli moniert das auch – , erschreckend wenig Zahlen über das Strafvollzugssystem.

Daher beginnen wir mit einem persönlichen Eindruck von Galli: „Mindestens die Hälfte der Gefangenen, mit denen ich zu tun hatte, waren drogenabhängig. Viele hatten keinen Schulabschluss absolviert, keinen Beruf erlernt und die weitgehende Mehrheit hatte in ihrer Kindheit und Jugend mit deutlich größeren sozialen und emotionalen Problemen zu kämpfen als der Durchschnitt der Bevölkerung.“

Diesen Eindruck bestätigen auch die wenigen vorhandenen Zahlen zum Strafvollzug, die ich jetzt aus Gallis Buch übernehme.

Jedes Jahr verbüßen ungefähr 50.000 Menschen eine Ersatzfreiheitsstrafe. Sie können schlichtweg ihre Strafe, beispielsweise für das ‚Schwarzfahren‘, nicht bezahlen und sie sind nur wenige Wochen in Haft. Sie sitzen ihre Zeit einfach ab und kosten viel Geld. Denn ein Haftplatz ist teuer. Dagegen wäre ein Ausbau von Programmen, in denen sie durch gemeinnützige Arbeit ihre Strafe abarbeiten könnten, für alle Seiten vorteilhafter.

Viele Häftlinge sind drogensüchtig. So sollen in Niedersachsen über die Hälfte der Inhaftierten vor ihrer Haft abhängig gewesen sein. In der Haft scheint die Zahl der Süchtigen noch zu steigen. Hier wäre eine Therapie und, falls nötig, eine Ausbildung sinnvoller. Beides wird in Gefängnissen nicht oder nicht im nötigen Umfang angeboten.

Dabei wären gerade solche Angebote nötig. So haben etwa zwei Drittel der Jugendstrafgefangenen zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung keinen Schulabschluss. Fast neunzig Prozent haben keine berufliche Qualifikation. Bei den Erwachsenen ist zum Zeitpunkt der Inhaftierung über die Hälfte arbeitslos. Auch hier wäre eine Ausbildung und eine Vorbereitung auf das Leben nach der Strafe sinnvoller. In der Haft geschieht dies normalerweise nicht oder erst am Ende der Haft.

Die meisten Gefangenen sind nur für eine kurze Zeit inhaftiert. Nur dreißig Prozent erwarten eine Haftdauer von über zwei Jahren. Alle anderen werden, mit allen denkbaren Folgen, für eine kürzere Zeit aus ihrem normalen Leben herausgerissen.

Zwischen vierzig und fünfzig Prozent sind wegen Eigentums- und Vermögensdelikten, wozu Diebstahl, Unterschlagung, Betrug und Untreue gehören, verurteilt. Bei diesen Tätern wäre sicherlich eine Strafe, die dazu führt, dass er bei seinen Opfern den finanziellen Schaden ausgleicht, sinnvoller als eine Haft. Denn in der Haft kann der Täter seine finanziellen Schulden nicht bezahlen und ob er danach eine Arbeitsstelle findet, die ihm das ermöglicht, ist zweifelhaft.

Die Rückfallquote ist, wenn man sich die wenigen existierenden Studien und Zahlen ansieht, ziemlich hoch. Ein Drittel der entlassenen Strafgefangenen werden im Lauf von neun Jahren nach ihrer Entlassung erneut zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Bei Raub und Erpressung beträgt die Rückfallquote über fünfzig Prozent. Das sind erschreckend hohe Zahlen, die in anderen Institutionen zu umfassenden Diskussionen und Reformen führen würden. Oder können Sie sich eine Schule vorstellen, in der ein Drittel der Schüler keinen Abschluss macht? Und in der in bestimmten Fächern die Hälfte der Schüler sitzen bleibt?

Galli leitet seine Einsichten, Ansichten und Empfehlungen vor allem aus persönlichen Erfahrungen im Strafvollzug her und grundiert sie mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Historische Bewegungen zur Abschaffung der Haftstrafe werden daher kaum erwähnt. Das ist ein kleines Manko des lesenswerten Buches. Denn vieles, was er kritisiert und empfiehlt, wird schon länger diskutiert. Manchmal mehr, meistens weniger im öffentlichen Fokus.

Weggesperrt“ ist eine lohnende Lektüre, die an die Befürworter von Haftstrafen, die oft auch längere Haftstrafen fordern, die drängende Frage richtet: Was soll mit einer Haft erreicht werden? Kann dieses Ziel mit einer Haft erreicht werden?

Wer ein Interesse an einer sicheren Gesellschaft und an weniger Verbrechen hat, wird Gallis Antworten für sehr einleuchtend halten. Dabei will er noch nicht einmal unbedingt alle Strafen senken und Gefängnisse abschaffen. Auch dazu hat er ein Konzept entwickelt, das er am Ende des Buches vorstellt. Er entwirft ein an unsere Gesetze angelehntes System von Unrechtskategorien, die auch die Motivation des Täters und die Folgen der Tat für das Opfer berücksichtigen. Die danach erfolgten Verurteilungen sollen zu einer effektiven Vermeidung künftiger Straftaten und der effektiven Heilung der Schäden führen.

Thomas Galli: Weggesperrt – Warum Gefängnisse niemandem nützen

Edition Körber, 2020

312 Seiten

18 Euro

Hinweise

Edition Körber über „Weggesperrt“ (Gespräch mit Thomas Galli)

Homepage von Thomas Galli

Wikipedia über Thomas Galli


Zoë Beck besucht „Paradise City“

August 19, 2020

Zoë Beck schreibt keine banalen, humoristisch geprägten Regiokrimis, keine Serienkillerthriller und bei ihr ermittelt auch kein Kommissar, der in jedem neuen Roman der Serie mehr persönliche Probleme und in blutige Verbrechen involvierte Freunde und Familienmitglieder hat. Becks Romane sind Einzelwerke, Standalones, bei denen schon der Klappentext das Interesse und die Hoffnung auf ein ungewöhnliches Leseerlebnis weckt. Ihre Romane erhalten hymnische Kritiken, stehen regelmäßig auf der Krimibestenliste und erhalten Preise, wie den Friedrich-Glauser-Preis, den Deutschen Krimi Preis und den Radio-Bremen-Krimipreis.

Auch ihr neuester Roman „Paradise City“ steht auf der Krimibestenliste. Aktuell auf dem ersten Platz. Und es gibt euphorische Kritiken. Unter anderem weil der Thriller in einer Zukunft spielt, in der Deutschland nach mehreren Pandemien anders aussieht als wir es kennen.

In diesem Deutschland ist Deutschland eine Überwachungsgesellschaft, in der die Regierung alles kontrolliert und die Gesundheitsdaten der Bevölkerung pausenlos überwacht werden. Frankfurt am Main ist die Hauptstadt. Sie liegt mitten in einer Rhein-Main-Megacity. Das Hinterland ist in der Entwicklung zurückgeblieben.

Liina arbeitet für eines der wenigen noch bestehenden unabhängigen Nachrichtenportale, die nicht die Regierungspropaganda, sondern die Wahrheit verbreiten. Als sie in der Uckermark die Hintergründe über eine wahrscheinlich erfundene Wolfsattacke recherchiert, wird ihr Chef Yassin Schiller in Frankfurt vor eine U-Bahn gestoßen. Schwer verletzt und nicht ansprechbar liegt er im Krankenhaus. Liina und ihre Kollegen vermuten, dass auf ihren Chef ein gezielter Mordanschlag verübt wurde und dass dieser Anschlag mit einer aktuellen Recherche zusammenhängt. Nur mit welcher?

In die eher lustlos und entsprechend träge erzählte Geschichte dieser Mörderjagd streut Beck Rückblenden in Liinas Vergangenheit ein, die auf den ersten, zweiten und dritten Blick nichts mit der Haupthandlung zu tun haben. Dass diese Kindheits- und Jugenderinnerungen doch irgendwie wichtig sind, ahnt man bereits beim Lesen. Das gleiche gilt für die Rückblenden, in denen erzählt wird, wie Liina ihr neues Herz erhielt, das aus ihren Stammzellen gewonnen wurde. Schließlich ist „Paradise City“ ein Thriller und keine episodische Coming-of-Age-Geschichte oder ein hochliterarischer, ein ganzes Leben erzählender Roman. Diese Zusammenhänge zwischen den Rückblenden, den Anschlag auf Yassin in Frankfurt und den Wolfsattacken in der Uckermarck werden erst auf den letzten Seiten klar. Bis dahin stochert Liina im Nebel herum. Auch wir Leser sind nicht schlauer.

Das ist dann in all seiner Rätselhaftigkeit nicht sonderlich spannend. Bei mir hat eine so konstruierte Thrillergeschichte sogar einen Not-Pageturner-Effekt.

Paradise City“ ist ein enttäuschender Thriller, der selbstverständlich mit der aktuellen Coronavirus-Pandemie nichts zu tun hat. Es wurde schon lange vor der Pandemie geschrieben.

Zoë Beck: Paradise City

Suhrkamp, 2020

288 Seiten

16 Euro

Hinweise

Homepage von Zoë Beck

Wikipedia über Zoë Beck

Perlentaucher über „Paradise City“


Alter Scheiß? Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig

August 2, 2020

Inspector Morse – – – ist bei uns wohl am bekanntesten aus zwei Spin-off-TV-Serien. Die eine heißt „Lewis – Der Oxford Krimi“. In ihr ermittelt DI Robert „Robbie“ Lewis in Oxford. Davor war er der Assistent von Inspector Morse. Die andere ist „Der junge Inspektor Morse“ und sie erzählt von Fällen, die Morse als junger Polizist in den sechziger Jahren in Oxford aufklärte. Der Ursprung für beide Serien ist die bei uns fast unbekannte Serie „Inspektor Morse“. Diese Serie basiert auf dem von Colin Dexter erfundenem Ermittler, der vor seinem TV-Leben in einigen hochgelobten Kriminalromanen Verbrecher jagte.

Sein erster literarischer Auftritt war 1975 in „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock, 1975).

Einige Jahre später schrieben die Krimikritiker Rudi Kost und Thomas Klingenmaier in „Steckbriefe“ über Colin Dexter und Inspector Morse: „Es gibt ihn noch, den guten alten englischen Krimi, mit all seinen Tugenden: Gepflegter Stil, sophisticated bis ironisch, schrullige Figuren, jede Menge falscher Fährten, die Verrätselung bis zum verblüffenden Schluss. Colin Dexter bedient sich ungeniert in der Trickkiste, mit der Selbstsicherheit eines Autors, der sich der Tradition, der Spielregeln, bewusst ist, aber auch der gutgeölten Mechanismen, die eine Geschichte am Laufen halten und der deswegen mit ihnen augenzwinkernd spielen kann. Seine Bücher sind mit einem Wort zu kennzeichnen: gepflegt. Colin Dexter nimmt eine bekannte Formel auf, misst sie an modernen kriminalistischen und psychologischen Erkenntnissen und passt sie sodann geschmeidig an.“

Der von Colin Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist, wie es sich für einen traditionellen Rätselkrimi gehört, ein von privaten und psychischen Problemen angenehm unbelasteter Ermittler. Er hat kein Privatleben, das die Ermittlung stört und den Roman um Dutzende, wenn nicht sogar hunderte Seiten verlängert. Er lebt allein. Hat keine Beziehung. Hört gern klassische Musik. Liest gerne. Löst leidenschaftlich Kreuzworträtsel. Das alles ist nicht so wahnsinnig interessant, macht ihn aber in seiner Gewöhnlichkeit sehr sympathisch. Vor allem ist er ein schlauer Ermittler.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist der achte Morse-Roman. Er erhielt den „Gold Dagger“ und ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Morse-Roman.

Morse wird mit einem Magengeschwür und -blutungen ins Krankenhaus eingeliefert und sofort notoperiert. Sein jahrelanger übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, gepaart mit einem Hang zur körperlichen Bewegungslosigkeit, forderten ihren Tribut. Im Krankenbett liest er, zwischen den Kontrollbesuchen von Ärzten und Schwestern, einem Bericht über einen historischen Mordfall. Bei der Beschreibung des Tathergangs fallen ihm einige Unstimmigkeiten auf. Daher vermutet er, dass 1859 die falschen Männer für den Mord an Joanne Franks gehenkt wurden. Also beginnt er vom Krankenbett aus, unterstützt von einigen ihm bei der Beschaffung historischer Dokumente helfenden Hände, den Täter zu suchen. Denn Mord verjährt nicht.

Und, da verrate ich jetzt kein Geheimnis, er kann den Fall lösen.

Dabei war für Morse diese Ermittlung zunächst nur eine Ablenkung vom Klinikalltag mit seinen Regeln, die ihn dazu zwingen, bestimmte feste (ein Schundroman mit eindeutigem Cover) und flüssige Gegenstände (etwas Alkohol) vor neugierigen Augen zu verbergen. In diesen Momenten liefert Colin Dexter eine wunderschön süffige des damals (der Roman erschien 1989) wohl schon etwas der Vergangenheit angehörenden drakonischen Krankenhausalltags mit festen Besuchszeiten, Peinlichkeiten bei der Lektüre der falschen Literatur, strengen Schwestern und Ärzten, die Aufgrund der medizinischen Werte sofort den Alkoholkonsum des Patienten treffend einschätzen. Bei dem Aufnahmegespräch gab Morse selbstverständlich zu geringe Mengen an.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist auch die Geschichte eines alten Mannes, der noch einige neue Dinge entdeckt. Inzwischen sind diese Second Chances-Geschichten ja ein etabliertes Genre, in dem Sechzigjährige (oder noch ältere) es noch einmal wissen wollen oder die wirklich große Liebe entdecken.

Außerdem: welche unsportliche Leseratte wäre nicht gern wie der alleinstehende, übergewichtige Inspector Morse, dem auf dem Krankenbett fast alle Frauenherzen zufliegen?

Colin Dexter erzählt dies alles mit süffigem Humor. Er weiß, welche Klischees er bedient. Er tut dies mit spürbarer Wonne. Und der Fall ist gut geplottet.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ bewegt sich, wie seine anderen Romane, im Feld des traditionellen Rätselkrimis, der heute in dieser Form kaum noch gepflegt wird. Einerseits, weil zwei-/dreihundertseitige Bücher zugunsten dickerer Bücher aus der Mode gekommen sind. Andererseits – und das ist der wichtigere Grund -, ist es verdammt schwierig, einen guten Rätselplot mit überzeugenden falschen Fährten und einer ebenso logischen, wie überraschenden Auflösung zu erfinden.

In Deutschland erschienen die Morse-Krimis zuerst im Rowohlt-Verlag und seit zwei Jahren im Unionsverlag. Diese überarbeiteten Neuauflagen machen die Krimis so einer neuen Leserschaft zugänglich.

Und „Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist ein guter Einstieg in die Morse-Welt. Denn, auch das ist etwas aus der Mode gekommen, die Morse-Romane können in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden.

Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Christiane Friederike Bamberg, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

208 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Wench is dead

Macmillan, London, 1989

Deutsche Erstausgabe

Mord am Oxford-Kanal

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1990

Ebenfalls wieder neu erschienen

Colin Dexter: Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Marie S. Hammer, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

272 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Secret of Annexe 3

Macmillan, London, 1986

Deutsche Erstausgabe

Hüte dich vor Maskeraden

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1988

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine


Roman zum Film: Rae Carson: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Juni 29, 2020

Bei meiner Besprechung von Rae Carsons Roman zum neuesten „Star Wars“-Film „Der Aufstieg Skywalkers“ gehe ich davon aus, dass inzwischen alle die Filmgeschichte, die verschiedenen Überraschungen und das Ende kennen. Wer also das Ende immer noch nicht kennt und es immer noch nicht erfahren möchte, sollte meine spoilerfreie Besprechung des Films lesen.

Rae Carson hat eine lesenswerte und gut lesbare Fassung des Films, ergänzt um einige Hintergrundinformationen und Erklärungen, geschrieben. An den grundsätzlichen Problemen der Filmgeschichte kann sie dagegen nichts ändern.

Der Aufstieg Skywalkers“ ist der neunte „Star Wars“-Spielfilm. Der erste war 1977 „Krieg der Sterne“ (Star Wars). In den nächsten Jahren erzählte George Lucas in drei Filmen die Geschichte von Luke Skywalker und seinem erfolgreichen (jedenfalls dachten wir das damals) Kampf gegen Darth Vader und die dunkle Seite der Macht. Später erzählte George Lucas die Vorgeschichte zu „Krieg der Sterne“. Wieder in drei Filmen, in denen er die Geschichte von Luke Skywalkers Vater erzählt, der zu dem Bösewicht Darth Vader wird. Danach verkaufte George Lucas seine enorm lukrative Schöpfung an Disney und Disney begann mit „Das Erwachen der Macht“ 2015 eine neue Trilogie, die dreißig Jahre nach dem Ende von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ spielt. Diese dritte Trilogie war von Anfang an als der Abschluss der vorherigen sechs Filme geplant. Auch George Lucas hatte von Anfang an eine Serie von neun Spielfilmen geplant. Aus kommerziellen Erwägungen und weil die Idee einer aus neun miteinander verbundenen Spielfilmen undurchführbar erschien, begann er mit „Krieg der Sterne“ in der Mitte.

In „Das Erwachen der Macht“ und der Fortsetzung „Die letzten Jedi“ sind Han Solo, Prinzessin Leia Organa (seine Frau und Anführerin der Rebellen) und Luke Skywalker (ihr Bruder, inzwischen als Eremit auf einer Insel auf einem abgelegenem Planeten lebend) älter geworden. In den letzten Jahren gelang es den Bösewichtern, die sich jetzt Erste Ordnung nennen, fast die gesamte Galaxis zu erobern. Der Hauptgegner der guten Rebellen ist Kylo Ren, der Sohn von Han Solo und Leia Organa. Der überaus ehrgeizige, aber auch zutiefst unsichere Ren möchte unbedingt das Erbe von Darth Vader antreten.

Auf der Seite der Guten wird ebenfalls eine jüngere Generation in die Schlacht geschickt. Im Mittelpunkt steht Rey, die ihr bisheriges Leben als Schrottsammlerin auf einem Wüstenplaneten verbrachte und eine ungewöhnlich starke Verbindung zur Macht hat. Zusammen mit ihren Freunden, dem desertierten Sturmtruppler Finn, dem wagemutigen Piloten Poe Dameron und, ab „Die letzten Jedi“, der Mechanikerin Rose kämpft sie gegen die Bösewichter.

In „Der Aufstieg Skywalkers“ soll jetzt die Geschichte der Familie Skywalker zu Ende erzählt werden. Das war jedenfalls die Ankündigung, die die Macher dann – falls nicht auf irgendwelchen Wüstenplaneten weitere Skywalker-Kinder ausgesetzt wurden – auf die denkbar einfachste Art erfüllten: sie bringen einfach alle bekannten Mitglieder der Familie Skywalker um. Luke Skywalker starb ja schon in „Die letzten Jedi“. Leia Organa und ihr Sohn Kylo Ren sterben in „Der Aufstieg Skywalkers“. Auch sie opfern sich mit Macht für die gute Sache. Rey, die die ganze Zeit herausfinden wollte, wer ihre Eltern sind, überlebt. Denn sie gehört nicht zur Skywalker, sondern zur Palpatine-Familie und, oh Wunder, der in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ gestorbene Imperator Palpatine ist nicht tot, sondern hing über Jahrzehnte auf dem gut versteckten Planeten Exegol. Dort ließ er eine Flotte von Raumschiffen bauen, von denen jedes Raumschiff Planeten zerstören kann. Anstatt des Todessterns (die ultimative Waffe der Bösewichter in den vorherigen „Star Wars“-Filmen), gibt es jetzt eine ganze Armada von Todessternen, die am Ende des Films vernichtet werden.

Bis es soweit ist, müssen Rey und ihre Freunde innerhalb weniger Stunden zuerst einen Sith-Wegfinder, der ihnen den Weg nach Exegol zeigt, finden und dann zu Exegol fliegen. Diese planetarische Schnitzeljagd steht im Mittelpunkt des Films und damit auch des Romans. Etwas psychologische Tiefe erhält die Geschichte durch Kylo Rens und Reys periodisch eingestreute Selbstzweifel.

Dabei beschränken sich Reys Selbstzweifel auf ihre Befürchtung, der dunklen Seite der Macht nicht widerstehen zu können. Und sie will herausfinden, wer ihre Eltern sind. Dass ihre Eltern, wie Ren sagt, Niemande sind, will sie nicht akzeptierten.

Das klingt doch nach einem zünftigem Abenteuer. Es passiert auch viel. Alle paar Dutzend Seiten sind sie auf einem neuen Planeten. Alle paar Seiten passiert etwas. Eine wichtige Person gerät in Lebensgefahr, stirbt – und ist dann, wie wir einige Seiten später erfahren, doch nicht tot. Mal, weil der falsche Transporter zerstört wird, mal weil irgendetwas mit der Macht angestellt wird, mal aus unbekannten Gründen. Nachdem man sich an das Erzählprinzip gewöhnt hat, dass inzwischen im „Star Wars“-Universum kein Tod endgültig ist, investiert man auch keine Gefühle mehr in das Ableben einer geliebten Figur.

Dazu kommt – Logik war sicher noch nie eine Stärke des „Star Wars“-Universums, das schon immer nach den Regeln der Fantasy und nie nach den Regeln der Science-Fiction funktionierte – der laxe Umgang mit der „Macht“. Mal wird sie eingesetzt, mal nicht. Halt wie es dem Drehbuchautor gerade passt. Mal können Rey und Keylo Ren, die sich gerade an verschiedenen Enden des Universums befinden, in einem Raum miteinander kämpfen, mal nicht. Und ihre Verbindung funktioniert wie eine gestörte Telefonverbindung, die immer dann nicht funktioniert, wenn der Drehbuchautor es so will.

Diese Willkürlichkeit ist das größte Problem von „Der Aufstieg Skywalkers“. Anstatt dass sich die Geschichte aus den Figuren heraus ergibt, anstatt dass Handlungen Konsequenzen haben, anstatt dass ein klar definierter Konflikt im Zentrum der Geschichte steht, anstatt dass die Figur mit dem konfliktreichsten Problem im Mittelpunkt steht (das wäre, so wie die Figuren entworfen wurden und die Geschichte in der aktuellen Trilogie erzählt wurde, nicht Rey, sondern Keylo Ren gewesen), spürt man in jedem Moment den Willen des Drehbuchautors, der einfach alle paar Minuten, immer dann wenn es langweilig werden könnte, eine weitere Überraschung präsentiert. Zum Beispiel, dass die Bösewichter gerade jetzt auftauchen und die Rebellen in ein weiteres Gefecht verwickeln.

Das kann Rae Carson in ihrem Filmroman nicht ändern. Aber es gibt, wie gesagt, einige Hintergrundinformationen, Erklärungen und Verbesserungen im Detail. So erfahren wir im Roman schon bevor C-3POs Festplatte (vulgo Gedächtnis) von seinen Freunden gelöscht wird, dass das schon einmal gemacht wurde und dass die Festplatte natürlich wieder mit den alten Informationen bespielt werden kann. Die Daten wurden ja vorher gesichert.

Mit „Der Aufstieg Skywalkers“ endet eine Trilogie, die nie den Eindruck erweckte, von Anfang an als Trilogie geplant gewesen zu sein. Dafür war jeder Film zu sehr bemüht, möglichst alles, was im vorherigen Film erzählt wurde, zu negieren. Am Ende wurde keine eigenständige, neue Einsichten und Erkenntnisse vermittelnde Geschichte erzählt, sondern blinder Fanservice betrieben. Die aktuelle Trilogie, und vor allem Abschlussfilm „Der Aufstieg Skywalkers“, erschöpft sich im Präsentieren bekannter Figuren und Gegenstände und dem einfallslosem Wiederholen bereits erzählter Geschichten. Das Prinzip mag an der Kinokasse erfolgreich sein und die Fans befriedigen, aber neugierig auf die nächsten „Star Wars“-Filme macht das nicht.

Rae Carson: Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Penhaligon, 2020

352 Seiten

16 Euro

Originalausgabe

Star Wars – The Rise of Skywalker

DelRey, 2020

Die Vorlage

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)

Regie: J.J. Abrams

Drehbuch: J.J. Abrams, Chris Terrio, Colin Trevorrow (Ko-Autor), Derek Connolly (Ko-Autor) (basierend auf von George Lucas erfundenen Figuren)

mit Carrie Fisher, Mark Hamill, Adam Driver, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Anthony Daniels, Naomi Ackie, Domhnall Gleeson, Richard E. Grant, Lupita Nyong’o, Keri Russell, Joonas Suotamo, Kelly Marie Tran, Billy Dee Williams

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die „Star Wars“-Hauptfilme

Krieg der Sterne (Star Wars, später Star Wars: Episode IV – A New Hope, 1977)

Das Imperium schlägt zurück (The Empire strikes back, später Star Wars: Episode V – The Empire Strikes Back, 1980)

Die Rückkehr der Jedi-Ritter (Return of the Jedi, später Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi 1983)

Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung (Star Wars: Episode I – The Phantom Menace, 1999)

Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger (Star Wars: Episode II – Attack of the Clones, 2002)

Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith (Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith, 2005)

Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force Awakens, 2015)

Star Wars: Die letzten Jedi (Star Wars: The Last Jedi, 2017)

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (Star Wars: The Rise of Skywalker, 2019)

Hinweise

Homepage von Rae Carson (Achtung: im Moment erhalte ich den Hinweis, dass es sich um eine gefährliche Webseite handelt.)

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Kanal zum Film

Moviepilot über „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“

Metacritic über „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“

Rotten Tomatoes über „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“

Wikipedia über „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)

Meine Besprechung von Rian Johnsons „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The last Jedi, USA 2017)

Meine Besprechung von J. J. Abrams „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ (Star Wars: The Rise of Skywalker, USA 2019)

Meine Besprechung von Gareth Edwards‘ „Rogue One: A Star Wars Story“ (Rogue One: A Star Wars Story, USA 2016)

Meine Besprechung von Ron Howards „Solo: A Star Wars Story“ (Solo: A Star Wars Story, USA 2018)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Imperium in Trümmern (Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht“) (Star Wars: Shatterd Empire # 1 – 4, Disney/Lucasfilm 2015)

Meine Besprechung von Greg Ruckas „Star Wars: Vor dem Erwachen“ (Star Wars: Before the Awakening, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Michael Kogges „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Jugendroman zum Film“ (Star Wars: The Force awakens, 2016)

Meine Besprechung von James Lucenos „Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman“ (Star Wars: Catalyst: A Rogue One Novel, 2016)

Meine Besprechung von Alexander Freeds „Rogue One – Eine Star Wars Story“ (Rogue One. A Star Wars Story, 2016) (Filmroman)

Meine Besprechung von James Frys „Star Wars: Die letzten Jedi“ (Star Wars: The Last Jedi, 2018) (Filmroman)

Meine Besprechung von J. J. Abrams’ “Super 8” (Super 8, USA 2011)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Star Trek into Darkness“ (Star Trek into Darkness, USA 2013)


„Firefly – Die glorreichen Neun“ kämpfen für einige Bauern/Siedler

Juni 24, 2020

Eine Nominierung in der Kategorie Original Novel Speculative für „Die glorreichen Neun“ beim diesjährigen Scribe Award, das ist der Preis der International Association of Media Tie-In Writers, also der Vereinigung der Autoren, die die ‚Romane zum Film‘ oder die ‚Romane, inspiriert von der Serie XYZ‘ schreiben, und die Lust, den Tag nicht mit weiteren Webinare zu verbringen, ließ mich endlich zu James Lovegroves zweitem „Firefly“-Roman greifen.

Firefly“ ist der Titel einer kurzlebigen, aber kultigen Science-Fiction-Western-TV-Serie, die so viele Fans hat, dass nach dem Ende der TV-Serie ein Spielfilm gedreht, mehrere Comics und jetzt auch Romane veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt der Serie steht die Besatzung der Serenity. Auf dem Weltraumfrachter leben Captain Malcolm ‚Mal‘ Reynolds, seine kampferprobte rechte Hand Zoë Washburne, ihr Ehemann Hoban ‚Wash‘ Washburne, der furchtlose Pilot der Serenity, der einfach gestrickte Söldner und Waffennarr Jayne Cobb, die begnadete Mechanikerin Kaywinnit Lee ‚Kaylee‘ Frye, die verständnisvolle Companion (was ein anderes Wort für Luxusprostituierte ist) Inara Serra, die mental und körperlich äußert begabte und extrem verhaltensauffällige River Tam, ihr sie beschützender Bruder Dr. Simon Tam, der auch der Schiffsarzt ist, und Shepherd Derrial Book, ein Prediger mit unklarer Vergangenheit.

Sie sind eine selbstgewählte, angenehm dysfunktionale und damit höchst funktionale Familie. Ihr Geld verdienen sie mit mehr oder weniger legalen Aufträgen. Entsprechend zahlreich und skrupellos sind ihre Gegner. Eine deutliche Inspiration für die von Joss Whedon erfundene Serie ist der wirklich vergnügliche Teil von „Star Wars“: Han Solo, Chewbacca, ihr Raumschiff, der Millennium Falke, und ihr Leben; wenn sie nicht gerade mit Luke Skywalker die Galaxie retten müssen.

Die glorreichen Neun“ ist, nach „Großer, verdammter Held“, James Lovegroves zweiter „Firefly“-Roman und der Titel gibt schon einen Hinweis auf die Geschichte, die ihre Prämisse direkt von „Die sieben Samurai“ bzw. und präziser dem US-Western-Remake „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven) geklaut hat.

Die Serenity dümpelt gerade, zwischen zwei Aufträgen, im Weltraum herum, als Jayne Cobb eine Wave-Nachricht von Temperance McCloud erhält. Sie bittet ihn um Hilfe. Elias Vandal und seine Scourer wollen das Städtchen Coogan’s Bluff auf dem Wüstenplaneten Thetis übernehmen.

Jayne und seine Freunde machen sich auf den Weg nach Coogan’s Bluff, einem Ort, dessen Sachwert, so Lovegrove, nicht weit über dem einer Sandburg liegen konnte. Der von Temperance in Aussicht gestellte Lohn ist nicht viel höher. Der Kampfgeist der in keinster Weise kampferprobten Dorfbewohner deutlich niedriger. Aber nach der ersten Begegnung zwischen Mal und Vandal beschreitet die Geschichte dann Wege, die von den glorreichen Sieben nicht beschritten wurden.

Lovegrove erzählt diese Geschichte äußerst flott, humorvoll und mit einigen hübschen Anspielungen (so heißt der örtliche Kneipier Billy Kurosawa). Damit trifft er die Stimmung der Serie, die sich vor allem als selbstironischer Weltraum-Western verstand. Es gibt, vor allem gegen Ende der Geschichte, einige Enthüllungen, die den Figuren mehr Tiefe geben. In dem Moment verknüpft Lovegrove die verschiedenen Figuren, ihre Vergangenheit und ihre aktuelles Handeln gelungen miteinander. Bis dahin gibt es auf gut dreihundert Seiten etliche überraschende Wendungen, die das Abenteuer der glorreichen Neun auf Thetis zu einer spannenden Lektüre machen.

Außerdem habe ich mich inzwischen an die Besatzung der Serenity gewöhnt und ich verbringe gerne einige Stunden mit ihnen.

James Lovegrove: Firefly – Die glorreichen Neun

(übersetzt von Claudia Kern)

Panini, 2019

320 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Firefly: The magnificent Nine

Titan Books, 2019

Hinweise

Homepage von James Lovegrove

Wikipedia über „Firefly“ (deutsch, englisch) und James Lovegrove (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Lovegroves „Firefly: Großer, verdammter Held“ (Firefly: Big Damn Hero, 2018)


„Der Ermittler“ Jack Reacher 1996 in Hamburg auf Terroristenjagd

Juni 20, 2020

Neunziger Jahre: Jack Reacher trampt noch nicht auf eigene Faust durch die USA, sondern er wird als Militärpolizist von der US Army quer durch die Welt geschickt. Sein neuester Auftrag führt ihn nach Hamburg. Dort gab es ein Treffen zwischen einem unbekanntem Verkäufer und einer islamistischen Terrorgruppe. Er will ihnen etwas für hundert Millionen US-Dollar (das war damals noch viel mehr Geld als heute) verkaufen. Was es ist und wer auf US-Seite in den Handel involviert ist, ist unklar. Damit ist ungefähr jeder US-Amerikaner, der in diesem Moment in Deutschland war, verdächtig.

Reacher und seine Kollegin, Sergeant Frances Neagley, machen sich, unterstützt von einem CIA- und einem FBI-Beamten als Dienste überschreitende, streng geheime Arbeitsgruppe und, immerhin sind sie bei diesem Geheimauftrag direkt dem US-Präsidenten unterstellt, weitestreichenden Kompetenzen, auf die Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen.

Schnell schließen sie die offensichtlichen Verkaufsgegenstände aus. Das normale militärische Equipment ist entweder keine hundert Millionen US-Dollar wert oder ohne Ausbildung zu kompliziert zu bedienen oder zu groß für einen Terroranschlag, der natürlich vor der Tat kein öffentliches Aufsehen erregen soll. Außerdem bekommt man die meisten Waffen, nach dem Ende des Kalten Kriegs, günstig auf dem Schwarzmarkt. Daher ist ihre erste erfolgversprechende Vermutung, dass der unbekannte Verkäufer einen Computercode verkaufen will, der pünktlich zur Jahrtausendwende für einen großen Crash sorgen wird.

Als Jack Reacher in „Größenwahn“ (Killing Floor, 1997) die literarische Bühne betrat, war er kein Soldat mehr, sondern ein Drifter, der sich durch die USA treiben ließ. Über seine Vergangenheit, also seine Arbeit beim Militär, war wenig bekannt. Die leuchtete Lee Child erst in späteren Reacher-Romanen aus.

In „Der Ermittler“ begibt Lee Child sich erneut in Jack Reachers Vergangenheit als Soldat und erstmals spielt die Geschichte in Deutschland. Angesichts der Verbindungen von Hamburg zu 9/11 ist das eine nachvollziehbare Wahl. Außerdem kann Child die weltpolitischen Veränderungen nach dem Ende des Kalten Kriegs beleuchten und Reacher in Hamburg einige Nazis verkloppen lassen. Sowieso spielen, ohne jetzt zu viel von der Geschichte zu verraten, Nazis und alte Seilschaften in wichtigen Positionen im deutschen Sicherheitsapparat bei Reachers Ermittlungen eine wichtige, den Ermittlungserfolg behindernde, Rolle.

Unterstützt wird Reacher bei seinen Ermittlungen von dem Hamburger Kriminaldirektor Griesmann, der den Mörder einer Prostituierten sucht. Was beide zu Beginn ihrer Zusammenarbeit nicht wissen, aber der Leser weiß: die Prostituierte wurde von dem unbekannten Verkäufer ermordet.

Der 21. Jack-Reacher-Roman ist ein gewohnt spannender, sauber geplotteter Thriller, der, wenn er zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und her springt, seine makellos funktionierende Mechanik etwas zu deutlich zeigt. Außerdem besteht, immerhin sind wir alle noch sehr lebendig und Jack Reacher reist seit Jahren unverletzt und unbeschwert durch die USA, nie der Hauch eines Zweifels am Erfolg von Reachers Mission. An der Pageturner-Qualität ändert sich dadurch nichts.

Störend ist allerdings immer wieder Wulf Bergners in Details erstaunlich unkonzentrierte Übersetzung. So regierte in den Neunzigern Bundeskanzler Helmut Kohl. Eine „Bundeskanzlerin“ (Seite 86) gab es damals nicht. „Dispatcher“ (Seite 47, 363 und 364) und „Cop Car“ (Seite 131) sind in Deutschland für die Leitstelle der Polizei und Polizeiautos auch heute keine gebräuchlichen Begriffe.

Parallel zu „Der Ermittler“ erschien, ebenfalls bei Blanvalet, Lee Childs Essay „Der Held“. Es handelt sich um einen kurzen, mit Zeichnungen und einer Leseprobe auf über hundert Seiten aufgepimpten Text, in dem Child erzählt, wie über Generationen vom vor dem Beginn der Menschheit bis zur Gegenwart kleine Veränderungen teilweise zu großen Veränderungen führten, welche Bedeutung Geschichten für uns haben (ebenfalls beginnend bei den Erzählungen am Lagerfeuer der Urmenschen) und wie sich die Bedeutung einige Worte im Lauf der Zeit veränderte. Das hat wenig mit dem Titel und dem Untertitel „Wie Helden die Welt verändern, und warum wir sie heute mehr als je zuvor brauchen“ zu tun. Jedenfalls wenn man erwartet, mehr über die Figur Jack Reacher und Helden im konventionellem Sinn (also wie der Held Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der 2009 eine vollbesetzte Passagiermaschine auf dem Hudson River notlandete und so alle Passagiere rettete) zu erfahren. So ist „Der Held“ vor allem etwas für die Menschen, die alles von Lee Child lesen wollen.

Lee Child: Der Ermittler – Ein Jack-Reacher-Roman

(übersetzt von Wulf Bergner)

Blanvalet, 2020

416 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Night School (21 Reacher)

Bantam Press, London, 2016

Lee Child: Der Held

(übersetzt von Wulf Bergner)

Blanvalet, 2019

112 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

The Hero

HarperCollins Publishers Ltd., 2019

Hinweise

Homepage von Lee Child

Wikipedia über Lee Child (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs “Outlaw” (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Gejagten“ (Never go back, 2013)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Meine Besprechung von Edward Zwicks „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ (Jack Reacher: Never go back, USA 2016)

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“


TV-Tipp für den 19. Juni: Django Unchained

Juni 18, 2020

Pro7, 20.15
Django Unchained (Django Unchained, USA 2012)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Wilder Westen: Nachdem der Kopfgeldjäger Dr. King Schultz Django aus der Sklaverei befreite und sie das erkleckliche Kopfgeld für die Brittle-Brüder kassierten, machen sie sich auf die Suche nach Djangos Frau Broomhilda (oder Brunhilde). Ihre Suche führt sie nach Candyland, der Farm des durchtriebenen Südstaatlers und Sklavenhalters Calvin Candie.
„Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film, mit vielen bekannten Gesichtern, teilweise in Kleinstrollen, die dieses Mal unter der Maske von Bart und Dreck kaum bis überhaupt nicht erkennbar sind. Als Tarantino- und Western-Fan hat mir die Nummernrevue, bei der Tarantino einfach die vertrauten Pfade in einem anderen Setting abschreitet, durchaus gefallen. – Mehr in meiner ausführlichen Filmbesprechung.
mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, Don Johnson, Laura Cayouette, James Remar, James Russo, Nichole Galacia, Dana Gourrier, Don Stroud, Bruce Dern, Lee Horsley, Zoe Bell, Michael Bowen, Robert Carradine, Tom Savini, Rex Linn, Ned Bellamy, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero
Wiederholung: Sonntag, 21. Juni, 22.45 Uhr (Dann wahrscheinlich ungekürzt. Immerhin ist der Film FSK-16.)

Die Bildergeschichte zum Film

Tarantino - Django Unchained - Comic - 4

Mehr oder weniger parallel zum Film erschien auch eine Comic-Version von „Django Unchained“, über die Quentin Tarantino sagt: „Dieser Comic ist im Grunde die erste Entwurfsfassung des Drehbuchs. Sämlichtes Material, das es am Ende doch nicht in den Film geschafft hat, ist in der vorliegenden Ausgabe sehr wohl enthalten.“ Dafür wurde dann an anderen Stellen, vor allem bei den Dialogen, gekürzt. Aber insgesamt ist der Comic eine schöne Ergänzung zum Film, die für Tarantino- und Western-Fans eine unterhaltsame Lektüre ist.
Dass die Geschichte mir im Comic schlüssiger als im Film erschien, hat wohl damit zu tun, dass ich die Spaghettiwestern-Geschichte schon bis zur letzten Wendung kannte und, so meine Erinnerung an den Film, einige Szenen umgestellt wurden.
In jedem Fall ist „Django Unchained“ ein großer Spaß für den Western-Fan.

Quentin Tarantino (Originaldrehbuch)/Reginald Hudlin (Adaption)/R. M. Guéra/Jason Latour/Denys Cowan/Danijel Zezelj/John Floyd (Zeichnungen): Django Unchained
(übersetzt von Dietmar Schmidt)
Eichborn, 2013
272 Seiten
19,99 Euro

Originalausgabe
Django Unchained
Vertigo/DC Comics, 2013

Hinweise

Metacritic über „Django Unchained“

Rotten Tomatoes über „Django Unchained“

Wikipedia über „Django Unchained“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder, Pressekonferenz)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Once upon a Time in…Hollywood“ (Once upon a Time in…Hollywood, USA 2019)