Natürlich basiert „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ auf einer wahren Begebenheit, die für den Film, weil man von dieser wahren Begebenheit eigentlich nichts weiß, kräftig ausgeschmückt wurde bis von der wahren Begebenheit nur noch die Inspiration für einen Film blieb, der auch ohne die wahre Begebenheit funktioniert. Also: am 8. Mai 1945, dem Tag der deutschen Kapitulation und der entsprechenden Siegesfeiern, verließen Prinzessin Elizabeth (seit Jahrzehnten bekannt als Königin Elizabeth II) und Prinzessin Margaret, damals neunzehn und vierzehn Jahre alt, den Buckingham Palast. Sie gingen, begleitet von einem kleinen Hofstaat, zu einem Tanz in das Hotel Ritz und waren kurz nach Mitternacht wieder zu hause.
In „A Royal Night – Ein königliches Vergnügen“ verlassen die supervernünftige Elizabeth (Sarah Gadon) und die hemmungslos vergnügungssüchtige Margaret (Bel Powley) durch einige dumme Zufälligkeiten das Ritz. Elizabeth sucht nun, mitten in Londons feiernden Massen ihre jüngere Schwester. Dabei trifft sie auf den Soldaten Jack (Jack Reynor), der Elizabeth selbstlos hilft. Denn sie hat kein Geld und sie kennt sich in London nicht aus. Vor allem nicht im London der kleinen Leute. Jack erkennt die künftige Königin nicht.
Julian Jarrold, der neben historischen Filmen, wie „Wiedersehen mit Brideshead“, „Geliebte Jane“ und „Great Expectations“, auch die grandiose David-Peace-Verfilmung „Red Riding: Yorkshire Killer 1974“ inszenierte, orientiert sich in seinem neuen Film an den Screwball-Komödien der fünfziger Jahre und selbstverständlich war „Ein Herz und eine Krone“ (Roman Holiday, USA 1953) eine der Inspirationen für „A Royal Night“, der ein rundum harmloser und geschmackvoller Spaß für queentreue Royalisten ist.
Das hat durchaus gelungene Momente, aber letztendlich handelt es sich um eine unbedeutende historische Episode, die höchstens weiter zur Legendenbildung beiträgt. Denn Prinzessin Elizabeth taumelt als besorgte und überragend vernünftige große Schwester, ohne sich jemals von der Feierlaune anstecken zu lassen, durch die Stadt und alle Menschen sind in diesem Kulissenlondon furchtbar nett.
Arte, 20.15 Banklady(Deutschland 2013)
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Silber, Kai Hafemeister
Bonnie & Clyde in der deutschen Version.
Ein überraschend gelungener Gangsterfilm, der, mit viel Sixties-Flair, die vergessene Geschichte von Deutschlands erster Bankräuberin Gisela Werner erzählt. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Nadeshda Brennicke, Charly Hübner, Ken Duken, Andreas Schmidt, Hein Hoenig, Henny Reents, Niels Bruno Schmidt, Heinz Struck
Das, wofür Don Winslow zuletzt in „Das Kartell“ über achthundert Seiten und eine sich über ein Jahrzehnt mäandernde Geschichte brauchte, erzählt Denis Villeneuve in seinem hochspannenden Action-Thriller „Sicario“ innerhalb von zwei Stunden anhand einer auf den ersten Blick eher kleinen Episode im mexikanisch-amerikanischen Drogenkrieg.
Kate Macer (Emily Blunt), FBI-Expertin für Geiselbefreiungen, stößt bei einem Einsatz zufällig auf ein Kartellhaus. In den Wänden stapeln sich die Leichen. Eine Sprengfalle tötet mehrere ihrer Kollegen.
Danach erhält sie das Angebot, in dem Team von Matt Graver (Josh Brolin) mitzuarbeiten. Graver versichert ihr, dass sie mit seiner Hilfe gegen die Hintermänner, die für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich sind, vorgehen kann. Sie könne das Drogenübel an der Wurzel packen. Macer ist einverstanden – und sie betritt eine Welt, in der die normalen Regeln der Polizeiarbeit nicht mehr gelten.
Ihren ersten Einblick in Gravers Welt erhält sie bei einer Gefangenenüberstellung von Juárez in die benachbarte USA. In dem Autokonvoi ist neben Graver und etlichen schwer bewaffneten Männern, die auf den ersten Blick mehr Erfahrung im Kampf in Kriegsgebieten als mit der regulären Polizeiarbeit haben, auch Alejandro (Benicio Del Toro), ein südamerikanischer Ex-Staatsanwalt mit dunkler Vergangenheit. Genau wie Graver sagt er ihr nur das Nötigste und es ist immer unklar, ob sie ihr die Wahrheit sagen, Wichtiges verschweigen oder sie einfach belügen.
Schockiert beobachtet sie bei der Rückfahrt in die USA, wie einige Drogen-Killer, während sie im Stau vor der Grenze stehen, sie überfallen wollen. Aber Gravers Männer sind schneller. Skrupellos töten sie am helllichten Tag auf offener Straße alle, die sie bedrohen oder ihre Mission gefährden könnten. Danach verlassen sie, entgegen allen Regeln der Polizeiarbeit, die von Macer bislang akribisch befolgt wurden, den Tatort.
Diese Überstellung des mexikanischen Gefangenen ist nur der erste Schritt auf Macers Weg in die Finsternis, in das Land der Wölfe, wie es mal halbpoetisch genannt wird. Denn Graver, der mal sagt, er arbeite für die CIA, und seine Männer kümmern sich, im Gegensatz zu Macer, herzlich wenig um Recht und Gesetz. Bei ihnen zählt nur die Effektivität bei ihrer Jagd nach einem Drogenboss.
Denis Villeneuve, zuletzt „Enemy“, zeigt wieder einmal, dass er keine Lust hat, den gleichen Film zweimal zu drehen. Dieses Mal inszenierte er einen knallharten Thriller, der eine kleine Episode aus dem schon seit Jahrzehnten andauernden, erfolglosen Drogenkrieg erzählt. Die nur auf den ersten Blick geradlinige und einfache Geschichte wird schnell zu einem breiten Panorama des Krieges an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, bei dem alle moralischen Gewissheiten verschwinden und der genau deshalb zum Nachdenken anregt.
Das macht „Sicario“ zum Action-Polit-Thriller für den denkenden Menschen, der sich über die gelungene Verknüpfung von grandiosen, hochspannenden Action-Szenen, auch dank der Kamera von Veteran Roger Deakins und der effektiven Musik von Jóhann Jóhannsson, treffender politischer Analyse, genauem Einblick in eine für uns fremde Welt und dem Aufwerfen vielfältiger moralischer Fragen freut. Denn in dem Film hat jeder gute Gründe für seine Taten. Ob wir am Ende in Macers oder Alejandros Welt leben wollen, müssen wir selbst beantworten. All das sichert „Sicario“ einen Platz in meiner Jahresbestenliste; – wenn ich dazu komme, eine solche zu erstellen.
„Sicario“ kann, auch weil Benicio Del Toro eine ähnliche Rolle spielt (jedenfalls können wir uns mit einigen kleineren gedanklichen Verrenkungen vorstellen, dass der „Traffic“-Polizist Javier Rodríguez heute Alejandro ist), als Fortsetzung von „Traffic – Macht des Kartells“ (USA 2000, Regie: Steven Soderbergh) gesehen werden. So wie Soderberghs Film vor fünfzehn Jahren eine Bestandsaufnahme des Scheiterns des US-amerikanischen „war on drugs“ war, ist „Sicario“ eine aktualisierte Bestandsaufnahme dieses inzwischen grandiosen Scheiterns, die zeigt, wie sehr sich, im Schatten des „wars on terror“, die Lage verschlimmerte und der Drogenkrieg jegliches Maß verlor.
Als Ergänzung zu „Sicario“ empfehle ich die ab 6. Oktober als VoD erhältliche (ansehbare?) und in einigen Kinos laufende Doku „Cartel Land“ von Matthew Heineman. Er porträtiert den Ex-Soldaten Tim ‚Nailer‘ Foley, Anführer einer Bürgerwehr gegen mexikanische Einwanderer und Drogenkuriere in Arizona, und Doktor José ‚El Doctor‘ Mireles, Anführer der Autodefensas, einer Gruppe Bürger, die sich im mexikanischen Bundesstaat Michoacan gegen die Macht der dortigen Drogenkartelle wehren. Mit einem überraschendem Ergebnis.
Arte, 23.15 Finsterworld(Deutschland 2013)
Regie: Frauke Finsterwalder
Drehbuch: Frauke Finsterwalder, Christian Kracht
Perfekte Einstimmung auf die Feierlichkeiten zur Einheit. Denn Frauke Finsterwalder und Christian Kracht toben sich in ihrem Episodenfilm so richtig gemein in deutschen Befindlichkeiten (echten und falschen, alten und neuen) aus. Denn das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
Das ist zwar nicht durchgehend gelungen, hat aber erfrischend wenig mit den gängigen deutschen Komödien zu tun; was schon einmal eine gute Sache ist.
mit Johannes Krisch, Michael Maertens, Margit Carstensen, Sandra Hüller, Ronald Zehrfeld, Corinna Harfouch, Bernhard Schütz, Christoph Bach, Carla Juri, Leonard Scheicher, Jakub Gierszal, Max Pellny, Markus Hering, Dieter Meier
Arte, 20.15 Hotel Ruanda (Südafrika/Großbritannien/Italien/Kanada 2004, Regie: Terry George)
Drehbuch: Keir Pearson, Terry George
Ruanda, 1994: Mitten während des Völkermordes der Hutu an den Tutsi versucht Paul Rusesabagina, Manager des in der Hauptstadt gelegenen 113-Zimmer Vier-Sterne-Luxushotels Les Milles Collines, den Hotelbetrieb aufrecht zu erhalten. Seine Gäste: Über 1200 Hutu und Tutsi, die um ihr Leben fürchten.
Starkes, auf wahren Ereignissen basierendes Drama.
„Ein überzeugender Film, dem der Balanceakt zwischen historischer Rekonstruktion und bewegender Erzählung souverän gelingt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Don Cheadle, Sophie Okonedo, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Desmond Dube, David O’Hara Wiederholung: Freitag, 2. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Hotel Ruanda“
Wikipedia über „Hotel Ruanda“ (deutsch, englisch)
Tele 5, 20.15 Rum Diary (USA 2011, Regie: Bruce Robinson)
Drehbuch: Bruce Robinson
LV: Hunter S. Thompson: The Rum Diary, 1998 (Rum Diary)
Puerto Rico, 1960: der erfolglose US-Journalist Paul Kemp ergattert auf der Insel einen Reporterjob, der ihn schnell in Kontakt mit den schmutzigen Geschäften seiner Landsleute und Drogen, vielen Drogen, sehr vielen Drogen bringt.
Bruce Robinsons „Rum Diary“ ist die sehr brave Version von „Fear and Loathing in Las Vegas“ (Angst und Schrecken in Las Vegas), das ebenfalls auf einem Buch von Thompson basiert. „Rum Diary“, ein lange verschollen geglaubter Roman von Thompson, ist zwar ein Roman, aber man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass er mehr als nur inspiriert von Hunter S. Thompsons Erlebnissen als Journalist auf Puerto Rico ist.
Die dank vieler gelungener Episoden durchaus kurzweilige, aber auch etwas belanglose Verfilmung selbst hat mit einem plätscherndem bis nicht vorhandenem Plot zu kämpfen. Johnny Depp als dreißigjähriger Journalist ist zu alt für die Rolle (was besonders bei seinen Szenen mit Aaron Eckhart, der einen deutlich erfahreneren und “älteren” Mann spielt, auffällt) und der Journalist Kemp ist auch etwas zu naiv für einen Dreißigjährigen gezeichnet. Er wirkt eher wie ein Zwanzigjähriger, also wie ein Alter Ego des 1937 geborenen Hunter S. Thompson, der 1960 auf der Insel arbeitete.
mit Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard, Richard Jenkins, Giovanni Ribisi, Amaury Nolasco, Marshall Bell, Bill Smitrovich
In der Mojave-Wüste will der vermögende Geschäftsmann John Madec (Michael Douglas) ein seltenes Dickhornschaf jagen. Der junge Fährtenleser Ben (Jeremy Irvine) soll ihn im einsam gelegenen Jagdgebiet begleiten. Aber dann erschießt Madec zufällig einen Einsiedler und weil er auf Bens Schweigsamkeit letztendlich nicht vertraut, will er jetzt auch ihn töten.
Die Jagd ist eröffnet – und Jean-Baptiste Léonettis „The Reach – In der Schusslinie“ bewegt sich wohltuend im Umfeld der Siebziger-Jahre-Survival-Thriller, in denen man nicht mehr als einen Jäger, einen Gejagten und eine ländliche Landschaft benötigte.
Dieses Mal stammt die Vorlage von Robb White. Sein mit dem Edgar ausgezeichneter Jugendroman „Deathwatch“ wurde bereits 1974 von Lee H. Katzin als TV-Film „Savages“ mit Andy Griffith und Sam Bottoms in den Hauptrollen verfilmt. Auch in dem Remake veränderte man die Geschichte bis auf einige Details und Aktualisierungen (so telefoniert Madec immer wieder mit einem Satellitentelefon) nicht. Es geht nur um eine Jagd in einer Landschaft, in der der Mensch nur als Gast geduldet ist, einen Gejagten und einen Jäger, der vor allem sein Opfer beobachtet, während die Natur den Rest erledigen soll. Allerdings kennt Ben die Landschaft verdammt gut.
Mit seiner Konzentration auf zwei Personen gehört „The Reach“ auch zu den reduziertesten Exemplaren des Genres. Auch die Laufzeit mit knapp neunzig Minuten ist sehr reduziert, was ja nicht schlecht ist. Denn damals benötigte der Regisseur, auch weil auf überflüssige Subplots verzichtet wurde, bei einem B-Picture keine neunzig Minuten, um seine Geschichte zu erzählen.
Und Michael Douglas gefällt sich, wieder einmal, in der Rolle des erschreckend sympathischen und normalen Unsympathen, auf die er während seiner großen Zeit in den Achtzigern und Neunzigern, nach der TV-Serie „Die Straßen von San Francisco“ , abonniert war.
The Reach – In der Schusslinie (Beyond the Reach, USA 2014)
Regie: Jean-Baptiste Léonetti
Drehbuch: Stephen Susco
LV: Robb White: Deathwatch, 1972
mit Michael Douglas, Jeremy Irvine, Ronny Cox, Hanna Mangan Lawrence, Patricia Bethune, Martin Palmer, David Garver
– DVD
Universum Film
Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Trailer, Wendecover
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Moviepilot über „The Reach“ Metacritic über „The Reach“ Rotten Tomatoes über „The Reach“
Wikipedia über „The Reach“ und Robb White
–
Ein Interview mit Jean-Baptiste Léonetti (Regie), Michael Douglas (Hauptrolle, Produzent) und Jeremy Irvine (Hauptrolle) und Tonproblemen
Und noch ein Interview mit den Jungs, kürzer und mit besserem Ton
Und eines mit Jean-Baptiste Léonetti über sein US-Debüt
Der dritte Mann (Großbritannien 1949, Regie: Carol Reed)
Drehbuch: Graham Greene
LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)
Wien, kurz nach dem Krieg: Holly Martins kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.
Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.
Arte zeigt die in Cannes präsentierte Fassung des Films und anschließend, um 21.55 Uhr, die Doku „Orson Welles – Tragisches Genie“ (Frankreich 2014) über, nun, Orson Welles (6. Mai 1915 – 10. Oktober 1985)
Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger
Arte, 20.15 Ein Mann für gewisse Stunden (USA 1980, Regie: Paul Schrader)
Drehbuch: Paul Schrader
„American Gigolo“ Julian (Richard Gere) lebt in Los Angeles als Callboy für die Damen der Oberschicht. Das ist kein Problem, bis sich eine Politkergattin in ihn verliebt und er in ein Mordkomplott hineingezogen wird.
Für Richard Gere war der an der Kinokasse erfolgreiche Film der große Durchbruch als Schauspieler und Paul Schrader, der davor unter anderem das Drehbuch für „Taxi Driver“ schrieb, hatte als Regisseur plötzlich ein ganz anderes Standing in Hollywood.
Heute ist die Charakterstudie eines einsamen Mannes ein Klassiker, der damals allerdings von der Kritik nicht so geliebt wurde: „Paul Schrader hat so gut wie alle Möglichkeiten des Themas verschenkt. (…) Das Produkt verkommt in der Kulisse.“ (Fischer Film Almanach 1981) oder „Elegant inszeniert, mit überlegenswerten Zwischentönen, aber insgesamt in der Behandlung des Themas zu oberflächlich, kommt der Film über anspruchsvollere Unterhaltung nicht hinaus.“ (Lexikon des intenationalen Films)
Dabei ist Julian doch der Prototyp eines oberflächlichen Mannes, der sich (auch berufsbedingt) durch Äußerlichkeiten definiert und der in einer Welt des schönen Scheins lebt. Und Schraders Film eine Vorschau auf die achtziger Jahre.
2007 drehte Paul Schrader mit „The Walker – Ein Freund gewisser Damen“ ein Quasi-Remake/Fortsetzung. Woody Harrelson spielt darin den eleganten Beglücker älterer Damen.
Mit Richard Gere, Lauren Hutton, Hector Elizondo, Nina von Pallandt, Bill Duke Wiederholung: Montag, 28. September, 14.00 Uhr Hinweise Rotten Tomatoes über „Ein Mann für gewisse Stunden“
Wikipedia über „Ein Mann für gewisse Stunden“ (deutsch, englisch) Paul Schrader in der Kriminalakte
ServusTV, 20.15 James Dean – Ein Leben auf der Überholspur (USA 2001, Regie: Mark Rydell)
Drehbuch: Israel Horovitz
Durchaus gelungenes Biopic über James Dean (8. Februar 1931 – 30. September 1955).
James Franco erhielt für sein Spiel einen Golden Globe.
mit James Franco, Michael Moriarty, Valentina Cervi, Enrico Colantoni, John Pleshette, Barry Primus Wiederholung: Sonntag, 27. September, 15.35 Uhr Hinweise Rotten Tomatoes über „James Dean“
Wikipedia über James Dean (deutsch, englisch) und „James Dean“ (deutsch, englisch)
Nachdem in der vierten Staffel der legendären Serie „The Twilight Zone“ (USA 1959 – 1964) das Format von halbstündigen auf einstündige Geschichten (mit Werbung) verändert wurde, was nicht unbedingt zum Vorteil der Geschichten war, ist in der fünften und letzten Staffel der Serie (es gab später Wiederbelebungen und Kinofilme) wieder die Welt in Ordnung. Wenn man Intro, Rod Serlings Ansagen und den Abspann weglässt, wird in etwas über zwanzig Minuten eine unwahrscheinliche, immer spannende Geschichte, die fast immer ein ebenso überraschendes, wie überzeugendes Ende hat, erzählt. Meistens handelt es sich dabei um eine Science-Fiction- oder Horrorgeschichte.
Dabei ist die Auftaktepisode „Ein Leben für ein Leben“ (In Praise of Pip) eher schwach geraten. Im Mittelpunkt steht ein Spieler, der, als er erfährt, dass sein über alles geliebter Sohn in Vietnam im Sterben liegt, Gott um einen Tauschhandel bittet, während er schwerverletzt und von Visionen geplagt über einen Vergnügungspark stolpert. Da ist das Ende dann doch arg absehbar. Aber Jack Klugman darf schauspielerisch brillieren.
Die zweite Folge „Ein Halbschwergewicht aus Stahl“ (Steel) ist dann ein kleiner Klassiker, der 2011 als „Real Steel“ (Real Steel) wieder verfilmt wurde. Lee Marvin spielt einen Ex-Boxer und Box-Promoter, der – nachdem Boxkämpfe zwischen Menschen verboten sind und menschenähnliche Roboter gegeneinander kämpfen –, weil er das Geld braucht, als „Roboter“ gegen einen anderen Roboter in den Ring steigt.
Auch die dritte Folge „Porträt eines ängstlichen Mannes“ (Nightmare at 20.000 Feet), ebenfalls von Richard Matheson geschrieben, erhielt 1983 in dem Spielfilm „Unheimliche Schattenlichter“ (Twilight Zone: The Movie) ein von „Mad Max“ George Miller inszeniertes Remake. Es geht um einen von William Shatner gespielten Mann, der panische Flugangst hat. Als er während des Fluges aus dem Fenster blickt, sieht er ein koboldähnliches Wesen, einen Gremlin, auf der Tragfläche herumwerkeln. Das kann doch nur ein Alptraum sein.
Wie auch in den 33 anderen Geschichten aus der Dimension zwischen Licht und Schatten konfrontieren sie in jeder neuen Geschichte einen anderen Protagonisten mit seinen Ängsten oder Wünschen und einem Twist-Ende. Dabei fällt Robert Enricos Verfilmung von Ambrose Pierces Kurzgeschichte „Zwischenfall an der Eulenfluss-Brücke“ (Occurence at Owl Creek Bridge) aus dem Rahmen. Denn es ist eine französische Produktion, die für die US-Ausstrahlung bearbeitet wurde, während die anderen Geschichten alle für ein überschaubares Budget in Hollywood realisiert wurden. Auch von Regisseuren, die heute noch bekannt sind.
Don Siegel, Jacques Tourneur, Ida Lupino, Elliot Silverstein, Robert Butler, Richard C. Sarafian, Ted Post, Joseph M. Newman und Richard Donner inszenierten teils mehrere Episoden.
Wie immer schrieb Rod Serling die meisten Geschichten. Manchmal kam auch ein anderer Autor zum Zug. Neben dem schon erwähnten Richard Matheson waren das Charles Beaumont, Martin M. Goldsmith (der auch das Drehbuch für den Noir-Klassiker „Detour“ schrieb) und, am Anfang seiner Karriere, Earl Hamner, Jr. (der Erfinder der langlebigen TV-Serien „Die Waltons“ und „Falcon Crest“).
Und neben den schon erwähnten Schauspielern hatten Mickey Rooney, Telly Savalas, James Coburn, Warren Oates, Greg Morris, Patrick O’Neal, Michael Constantine, Jackie Cooper, Martin Landau, Barry Nelson (der allererste James-Bond-Darsteller), George Takei, John Mitchum, Robert Lansing und Don Gordon (okay, die beiden sind als Nebendarsteller, als Ich-kenne-das-Gesicht-aber-nicht-den-Namen, bekannt) prägnante Auftritte.
Am Ende wurden in fünf Jahren 156 Geschichten erzählt, die durchweg sehenswert sind und die heute immer noch als Schule für Autoren dienen können. Rod Serling, der Erfinder und Präsentator der Serie, schrieb insgesamt 92 Geschichten, vierzehn davon für die fünfte, aus 36 Geschichten bestehende Staffel.
Die Staffelbox ist mit Bonusmaterial, das sich dieses Mal vor allem auf die zahlreichen Audiokommentare konzentriert, gewohnt gut ausgestattet. Bei so einer alten Serie muss man sogar von überragend sprechen. Wie die aus der „Twilight Zone“ gekommene Serie.
The Twilight Zone – Staffel 5 (The Twilight Zone, USA 1963/1964)
Erfinder: Rod Serling
–
DVD
Koch Media
Bild: 1.33:1 (4:3) (SW)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentare, isolierte Musikspure
Länge: 879 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
700 Meilen westwärts (USA 1975, Regie: Richard Brooks)
Drehbuch: Richard Brooks
Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.
„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks’ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‘Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt’, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)
mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart
Das ikonischen Bild von James Dean auf dem Times Square in New York, das als Plakat in vielen Wohnungen hing, ist bekannt.
Aber den Fotografen dürfte niemand kennen; was sich mit „Life“ ändern könnte. In dem Spielfilm erzählt Anton Corbijn die Geschichte hinter diesem und einigen anderen bekannten James-Dean-Bildern. Corbijn schoss, was sein Interesse an dieser Geschichte erklärt, selbst jahrelang ikonische Bilder von Stars, wie Herbert Grönemeyer, Depeche Mode und U2. James Dean (8. Februar 1931 – 30. September 1955) war damals, nach einigen kleinen TV-Arbeiten und dem Dreh von Elia Kazans „Jenseits von Eden“, in den Augen des 26-jährigen Magnum-Fotograf Dennis Stock ein aufstrebender Star. Weil Stock (Robert Pattinson) dringend einen großen Auftrag brauchte, der seiner Karriere einen entscheidenden Schub verpassen sollte, überzeugte er seinen Chef, ihm bei dem legendären Life Magazine Platz für eine Bildstrecke über James Dean (Dane DeHaan) zu besorgen. Weil Dean sehr sprunghaft war, gestalteten sich die Fotografien schwierig. Sie wurden teils in New York und in Fairmount, Indiana, auf dem Bauernhof von Deans Onkel, wo er aufwuchs, gemacht.
Innerhalb von zwei Wochen schoss Stock einige Bilder, die im Life Magazine am Tag vor der Times-Square-Premiere von „Jenseits von Eden“ veröffentlicht wurden.
Trotz der gewohnt gut gestalteten Bilder, den guten Schauspieler, der guten Ausstattung und dem, als Nebenschauplatz, interessanten Porträt des Starkults und wie ein Schauspieler von Hollywood zu einem Star aufgebaut wird, ist „Life“ letztendlich ein banaler Film. Denn er erzählt einfach nur die Geschichte eines Foto-Auftrages, der sich, abgesehen von Deans schwieriger Persönlichkeit, nicht weiter von irgendeiner anderen journalistischen Auftragsarbeit unterscheidet. Schließlich war Stock kein Groupie, sondern ein Fotograf, der einige Bilder machen wollte, die er verkaufen konnte. Und Dean, der sich der Medienmaschine entziehen wollte, war intelligent genug, um zu wissen, dass er am Anfang einer großen Karriere stand. Das hatte ihm Jack Warner (Ben Kingsley) klar gemacht. Er konnte als Chef von Warner Bros. über seine künftigen Rollen und damit seine Karriere in Hollywood bestimmen.
Doch als Stock Dean fotografierte, ahnte niemand, dass er einige Monate später bei einem Autounfall sterben sollte. Auch in den USA waren die Premiere von „…denn sie wissen nicht, was sie tun“ und „Giganten“ erst nach seinem Tod.
Wie eigentlich immer bei Corbijn gerät die sehr sehenswerte Oberfläche überzeugender als der Inhalt. Denn dieser ist in seiner Nachstellung der damaligen Ereignisse, einer kleinen Episode, letztendlich nicht so wahnsinnig interessant.
Um Liebe geht es in Nancy Meyers‘ neuem Film nicht. Jedenfalls nicht um die Liebe zwischen den beiden Hauptfiguren. Und trotztdem ist „Man lernt nie aus“ das, was man heute RomCom nennt. Der Film ist romantisch, witzig, geschmackvoll und hoffnungslos altmodisch in der Tradition klassischer Hollywood-Filme, die damals Prestigeprodukte waren und heute kaum noch gemacht werden. Robert De Niro spielt, zugegeben auf Autopilot und mit Deadpan-Anwandlungen, den siebzigjährigen, gut situierten Witwer Ben Whitaker, der aus reiner Langeweile ein Praktikum annimmt. Die Modefirma „About the Fit“ (ATF), die ihre Waren aus einem trendigen Büroloft in Brooklyn ausschließlich über das Internet vertreibt, hat aus Imagegründen Praktika für Senioren ausgeschrieben und unter all den Bewerbern ist der steife Anzugträger die beste Wahl. Er wird zum persönlichen Praktikanten der leicht schusseligen Firmengründerin Jules Ostin (Anne Hathaway), glücklich verheiratete Mutter, die von Sonnenaufgang bis Morgengrauen arbeitet, während ihr Mann ihre Tochter behütet.
Während Ostin ihn zuerst weitgehend ignoriert, macht Whitaker sich auf seine zurückhaltenden Art nützlich. Die Jungs fragen ihn schnell um Rat in Sachen Kleidung und Benehmen. Die Haus-Masseurin Fiona (Rene Russo), die nur deshalb in der Firma ist, damit Whitaker sich in sie verlieben kann, findet unter all den Unter-25-jährigen den älteren Mann äußerst attraktiv.
Und dann beginnt Whitaker auch Ostin zu helfen. Zuerst beruflich, später auch privat, oft hinter den Kulissen und mit der Weisheit des Alters.
Nach „Prakti.com“ (The Internship, USA 2013), wo Owen Wilson und Vince Vaughn als glücklose Verkäufer ein Praktikum bei Google ergatterten und mit ihrem Verkäuferwissen und ihrer Party-Erfahrung die Jugendlichen überzeugten, und „Morning Glory“ (Morning Glory, USA 2010), wo Rachel McAdams als junge TV-Produzentin Harrison Ford zu einer Rückkehr in den Moderatorenstuhl bewegte, erzählt Nancy Meyers eine ähnlich Geschichte, die gerade am Anfang auch all die inzwischen arg abgestandenen Witze über Zwanzigjährige herunterleiert, die sich schon mit 25 für uralt halten und Über-Fünfzigjährige wie Außerirdische betrachten, als hätten die Jungen noch nie eine ältere Person gesehen und mit ihr gesprochen. Diese Witze sind nicht mehr neu, nicht witzig (auch wenn der Gag beim ersten Mal gut war) und nicht abendfüllend. Dass Meyers diese Witze selbst ad absurdum führt, wenn die Haus-Masseurin auftaucht, die die Großmutter einiger Angestellter sein könnte und wir Ostins Fahrer, der auch die Dreißig deutlich überschritten hat, kennenlernen, spricht immerhin für eine gewisse Einsicht in die fehlende Grundlage dieser Witze.
Sehr für Meyers spricht, dass sie auf den bei US-Komödien inzwischen schon üblichen, verklemmten Vulgärhumor verzichtet und ihre Charaktere, soweit das innerhalb des zuckersüßen RomCom-Kontextes möglich ist, ernst nimmt. Deshalb geht es um die Einsamkeit im Alter und wie man damit umgeht und es geht um den Konflikt zwischen Beruf und Privatleben und auch darum, wie ein Mann, der seine Karriere für seine Frau opferte, damit umgeht. Meyers („Was das Herz begehrt“, „Liebe braucht keine Ferien“, „Wenn Liebe so einfach wäre“) behandelt diese Themen mit leichter Hand, auch etwas oberflächlich, und den erwartbaren RomCom-Lösungen. Und die Schauspieler helfen ihr dabei.
So ist „Man lernt nie aus“ ein durchgehend angenehm anzusehender Film, der ziemlich genau das hält, was er verspricht. Es ist aber auch ein Film, der furchtbar belanglos und rundum nett ist, wenn er gleichzeitig alle anspricht, die, nun, über zwanzig Jahre sind.
Ihr merkt: das ist einer dieser „Kann man ansehen“-Filme, die man beim Ansehen durchaus genießt. Aber es gibt letztendlich keinen wirklichen Grund, ihn sich anzusehen. Auch wenn er einer der gelungensten Robert-De-Niro-Filme der letzten Jahre ist.
3sat, 22.25 Local Hero(Großbritannien 1983, Regie: Bill Forsyth)
Drehbuch: Bill Forsyth
Ölmagnat Happer (Burt Lancaster!) schickt den Jungmanager MacIntyre wegen seines schottischen Namens nach Schottland. Dort soll er die Bewohner eines kleinen Dorfes von einer Ölraffinierie in Sichtweite überzeugen. Dummerweise stellt sich ein am Strand lebender Einsiedler quer.
Wunderschönes, damals auch an der Kinokasse sehr erfolgreiches Märchen. Denn es ist „eine nuancenreiche Komödie voller origineller Figuren, deren Schwächen nie verletzend geschildert werden, und voller wehmütiger Sehnsucht nach einem anderen Leben“ (Fischer Film Almanach 1984)
Chris Menges war der Kameramann und Mark Knopfler („Dire Straits“) schrieb die Musik.
mit Burt Lancaster, Peter Riegert, Fulton Mackay, Denis Lawson, Peter Capaldi, Norman Chancer Wiederholung: Freitag, 25. September, 02.15 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Local Hero“
Wikipedia über „Local Hero“ (deutsch, englisch)
LV: Marie Brenner: The Man who know too much, 1996 (Artikel Vanity Fair)
TV-Journalist Lowell Bergman will eine Story über die miesen Geschäfte der Zigarettenindustrie landesweit ausstrahlen. Sein Kronzeuge ist Jeffrey Wigand, ehemaliger Chef der Forschungsabteilung eines Zigarettenkonzerns. Dummerweise wollen die Senderbosse und die Zigarettenindustrie die Story verhindern.
Hochspannender 157-minütiger Thriller, der einen gelungen Einblick in die Medienwelt und die Wirtschaft und ihre Strukturen liefert, getragen von einem fantastischen Ensemble.
mit Al Pacino, Russell Crowe, Christopher Plummer, Diane Venora, Philip Baker Hall, Lindsay Crouse, Debi Mazar
Seit Jahren ist die Royal Albert Hall in London so etwas wie Eric Claptons Wohnzimmer, in dem er regelmäßig vor Freunden spielt. Manchmal veröffentlicht er danach einen Konzertmitschnitt, wie „24 Nights“ (1991), dem umfangreiche Aufnahmen 1990 und 1991 voraus gingen, weil Clapton mit der musikalischen Qualität der ersten Konzerte unzufrieden war. Insgesamt ist die Doppel-CD ein Best-of aus 42 Konzerten, gespielt von vier verschiedenen Bands.
Zu seinem siebzigsten Geburtstag, der am 30. März war, gab er mit seiner Band zwischen dem 14. und 23. März sieben Konzerte in der Royal Albert Hall. Die Konzerte wurden aufgenommen und – nun, hier beginnen die Probleme. Denn ich sah das Konzert in sehr reduzierter Ton- und Bildqualität und dem bildschirmfüllenden, zweizeiligen Wasserzeichen „Property of Eagle Rock Entertainment – All Rights reserved“ in der Bildmitte, weshalb ich über Bild und Ton nichts sagen will. Und vielleicht kaum deshalb bei mir beim Ansehen niemals eine Konzertstimmung auf. Die einzelnen Stücke standen, immer mit ungefähr der gleichen Länge an Applaus und menschenleeren Aufnahmen von Instrumenten- und Hallenteilen, unverbunden nebeneinander. Zwischen der Band und dem Publikum entwickelt sich, abgesehen von dem vorletzten Stück „Cocaine“, bei dem plötzlich die Hütte brennt, keine Interaktion. Das Publikum ist zwischen den Songs nur spärlich zu hören und während der Songs hört man, bis auf wenige Ausnahmen, überhaupt nichts von ihm. So entsteht nie eine Live-Dynamik. Deshalb erscheint das plötzlich bei „Cocaine“ im ganzen Saal tanzende Publikum umso merkwürdiger. Immerhin präsentierte Clapton bereits vorher einige seiner Hits, die eher zu so einer Reaktion einladen würden. Claptons Ansagen beschränken sich durchweg auf ein prosaisches „Thank you“ und er stellt fast keinen seiner Mitmusiker vor. Dabei gehört es zum guten Ton, wenigstens einmal die Band vorzustellen. So wirkt „Live at the Royal Albert Hall“, auch wenn sich ziemlich an die von Abend zu Abend kaum variierte Set-List gehalten wird, immer wie ein Zusammenschnitt mehrere Konzerte (obwohl nur die Konzerte am 20. und 21. Mai 2015 aufgenommen wurden), die für eine Reihe von Geburtstagskonzerte, überraschend und angenehm schmucklos daherkommen. Denn der zu erwartende Star-Auftrieb bleibt aus. Es gibt auch nichts „Besonderes“, was bei so Gelegenheiten ja gerne präsentiert wird.
Es sind Konzerte, in denen Clapton und Paul Carrack, Chris Stainton (beide Keyboard), Nathan East (Bass), Steve Gadd (Schlagzeug), die Background-Sängerinnen Michelle John und Sharon White, und, bei „High Time we went“, Andy Fairweather Low (Gitarre), die alle schon seit Ewigkeiten zu Eric Claptons Band gehören, gut aufeinander eingespielt, ein kleines Best-of von Claptons bekanntesten Lieder entspannt blues-rockig und mit vielen Soli spielen. Halt wie man es spätestens seit Claptons Doppel-Live-LP „Just one Night“ (1980) kennt.
Wobei gerade die Acoustic-Versionen von „Driftin‘ Blues“, „Nobody knows you when you’re down and out“ (eine sehr enttäuschende Pflichterfüllung), „Tears in Heaven“ (mit Reggae-Anklängen) und „Layla“ (ohne stilprägende E-Gitarre) wie eine ungeliebte Pflichtaufgabe heruntergespielt werden. Dagegen wirken die davor gespielten Versionen von „Somebody’s knockin‘ on my Door“, „Key to the Highway“, „Pretending“, „Hoochie Coochie Man“, „Can’t find my Way home“ und, nur mit einem ganz leichten Reggae-Touch, „I shot the Sheriff“ wesentlich inspirierter. Aber „Let it Rain“, der im Film erste Song nach dem 22-minütigem Acoustic-Set, beginnt arg langsam. Als müssten sie sich erst wieder warm spielen, ehe es mit „Wonderful Tonight“, „Crossroads“ und „Cocaine“ in die Schlussrunde geht.
„Eric Clapton: Live at the Royal Albert Hall – Slowhand at 70“ läuft noch in einigen Kinos (hier findet ihr die aktuellen Kinos) und wird am 13. November auf DVD und Blu-ray (in verschiedenen Ausgaben) veröffentlicht.
ZDF, 22.15 Die Anstalt
Die Anstaltsleiter Max Uthoff und Claus von Wagner begrüßen einige Gäste (Anny Hartmann, Michael Altinger und Timo Wopp), lästern über Gott und die Welt und die Politik und nennen es Satire.
Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 2003, Regie: Carl Franklin)
Drehbuch: David Collard
Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.
Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.
Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.
Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley
Arte, 20.15 Inspektor Lavardin oder Die Gerechtigkeit (Frankreich/Schweiz 1986, Regie: Claude Chabrol)
Drehbuch: Claude Chabrol, Dominique Roulet
In der Bretagne wird die nackte Leiche eines Schriftstellers gefunden. Inspektor Lavardin soll den Fall aufklären.
Nach dem Erfolg des ersten Lavardin-Filmes „Hühnchen in Essig“ entschloß sich Chabrol einen zweiten Film mit Lavardin zu drehen. Dominique Roulet, der die Vorlage zu dem ersten Film schrieb, arbeitete am Drehbuch mit und schrieb die Dialoge.
Chabrol zum Film: „Während Hühnchen in Essig die Adaption eines Romans war, ist Inspektor Lavardin ein freieres Spiel der Fantasie um diesen Helden herum. Ich habe meine eigene Welt und meine Ticks wiedergefunden, Voyeurismus und Heuchelei – das eine ist die Kehrseite des anderen – in den kleinen Provinzstädten, das ist eine kleine Welt, die mir gehört: mit der homosexuellen lustigen Witwe oder dem verlogenen katholischen Schriftsteller, die sehr wohl meine Geschöpfe sind.“ Und Inspektor Lavardin sorgt mit seinem eigenwilligen Gerechtigkeitssinn für eine Lösung.
Ein galliges Vergnügen
Mit Jean Poiret, Jean-Claude Brialy, Bernadette Lafont, Jean-Luc Bideau, Jacques Dacqmine Wiederholung: Montag, 21. September, 14.00 Uhr