Neu im Kino/Filmkritik: über das Ösi-Roadmovie „Toni und Helene“

Dezember 4, 2024

Toni ist die herzensgute, laute, unsensible, übergewichtige Mutter aus der Kaschemme um die Ecke. Nach einem Sturz hat die die ehemalige Pflegerin eine Reha-Maßnahme in einer teuren Seniorenresidenz erhalten. Neugierig wie ein kleines Kind erkundet sie die Residenz und nimmt begeistert jedes Angebot mit. In der Residenz trifft die Seniorin auf Helene.

Helene ist eine über achtzigjährige, früher bekannte, sehr auf Etikette bedachte Theaterdiva. Sie ist unheilbar krank und hat bereits einen Termin in einer Sterbeklinik in Zürich organisiert. Schon bei der ersten Begegnung mit der Toni empfindet sie eine heftige Abneigung gegenüber der nervig-aufdringlichen, auf dem Balkon rauchende und trinkende Proletin, die eindeutig nicht in dieses noble Etablissement gehört.

Nachdem ihr Neffe, ein konservativer Politiker, ihr kategorisch erklärt, dass er sie nicht quer durch Österreich nach Zürich fahren wird, ist sie auf Tonis Hilfe angewiesen. Sie soll sie in die Sterbeklinik fahren.

Kurz nachdem sie losgefahren sind, streiten sie sich weiter über die richtige Fahrgeschwindigkeit und die Route. Helene hat alles präzise durchgeplant. Toni will dagegen Österreich kennen lernen.

Das Roadmovie „Toni und Helene“ ist eine warmherzige Komödie mit einem arg kitschigem, aber verzeihbarem Tränendrüsen-Ende. Das liegt vor allem an den beiden Hauptdarstellerinnen – Christine Ostermayer als Helene und Margarethe Tiesel als Toni – die gelungen die Gegensätze zwischen ihren Figuren betonen, aber auch die Gemeinsamkeiten aufzeigen. Die Geschichte selbst fährt dann, fast als hätte Helene den Plan gemacht und Toni ihn etwas verschmutzt, auf der vertraut-erwartbaren in Richtung Tod in Zürich.

Toni und Helene (80 Plus, Deutschland/Österreich 2024)

Regie: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl

Drehbuch: Sabine Hiebler, Gerhard Ertl

mit Christine Ostermayer, Margarethe Tiesel, Manuel Rubey, Thomas Mraz, Julia Koschitz

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Kinostart: 5. Dezember 2024

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Toni und Helene“

Moviepilot über „Toni und Helene“

Wikipedia über „Toni und Helene“


TV-Tipp für den 4. Dezember: Capote

Dezember 3, 2024

Arte, 20.15

Capote (Capote, USA 2005)

Regie: Bennett Miller

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für den True-Crime-Bestseller “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte die brandneue knapp einstündige Doku „Eine mörderische Nacht – Truman Capotes ‚Kaltblütig'“ (Frankreich 2024).

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino, Amy Ryan

Hinweise

Moviepilot über „Capote“

Metacritic über „Capote“

Rotten Tomatoes über „Capote“

Wikipedia über „Capote“ (deutsch, englisch) und Truman Capote (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bennett Millers „Foxcatcher“ (Foxcatcher, USA 2014)

Meine Besprechung von Ande Parks/Chris Samnee Bildergeschichte „Capote in Kansas“ (Capote in Kansas, 2005) (Yep, ebenfalls über die Arbeit an „Kaltblütig“)


Cover der Woche

Dezember 3, 2024

Prost!


TV-Tipp für den 3. Dezember: Don’t Breathe

Dezember 2, 2024

Nitro, 00.00

Don’t Breathe (Don’t Breathe, USA 2016)

Regie: Fede Alvarez

Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues

Schnell mal einen Einbruch begehen und mit der Kohle abhauen wollen die drei jugendlichen Kleinkriminellen. Dummerweise kehrt der Hausbesitzer zurück. Zum Glück ist er blind. Dummerweise hört er sehr gut und er ist extrem stinkig.

Fieser kleiner Spannungsthriller, der genau das hält, was er verspricht.

Danach drehte Fede Alvarez den Elisabeth-Salander-Thriller „Verschwörung“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik

Hinweise

Moviepilot über „Don’t Breathe“

Metacritic über „Don’t Breathe“

Rotten Tomatoes über „Don’t Breathe“

Wikipedia über „Don’t Breathe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Don’t Breathe“ (Don’t Breathe, USA 2016)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Verschwörung“ (The Girl in the Spider’s Web: A New Dragon Tattoo Story, USA 2018)

Meine Besprechung von Fede Alvarez‘ „Alien: Romulus“ (Alien: Romulus, USA 2024)


TV-Tipp für den 2. Dezember: Der heilige Berg

Dezember 1, 2024

Arte, 23.35

Der heilige Berg (Deutschland 1926)

Regie: Arnold Fanck

Drehbuch: Arnold Fanck

Zwei Bergsteiger sind in die Tänzerin Diotima (Leni Riefenstahl) verliebt. Das kann nicht gut enden – und die Berge schauen stumm zu.

Zum Start schrieb Siegfried Kracauer in der Frankfurter Zeitung: „Dieser von Dr. Arnold Fanck in anderthalb Jahren geschaffene Film ist eine gigantische Komposition aus Körperkultur-Phantasien, Sonnentrottelei und kosmischem Geschwöge.“

Später urteilte das Lexikon des internationalen Films: „Ein vor allem von zahlreichen Landschaftsaufnahmen lebender Stummfilm.“

„Der heilige Berg“ ist der erste Film von Leni Riefenstahl, die hier nur schauspielerte. Der Rest ist Geschichte – und kann aktuell im Kino in Andres Veiels „Riefenstahl“ betrachtet werden.

mit Leni Riefenstahl, Luis Trenker, Ernst Petersen, Hannes Schneider

Hinweise

Arte über den Film

Filmportal über „Der heilige Berg“

Rotten Tomatoes über „Der heilige Berg“

Wikipedia über „Der heilige Berg“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 1. Dezember: Agenten sterben einsam

November 30, 2024

Ich könnte auch die TV-Premieren „The Batman“ (Pro 7, 20.15 Uhr; der neueste, überlange Batman-Film) oder „King Richard“ (Sat.1, 20.15 Uhr; Biopic über die Tennisspielerinnen Serena und Venus Williams und ihren Vater Richard Williams) zum Tagestipp auswählen. Oder „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (RTL II, 20.15 Uhr) oder ich wähle einen Film, der zuletzt 2010 der Tagestipp war

Arte, 20.15

Agenten sterben einsam (Where Eagles Dare, USA/Großbritannien 1969)

Regie: Brian G. Hutton

Drehbuch: Alistair McLean

LV: Alistair McLean: Where Eagles Dare, 1967 (Agenten sterben einsam)

Winter 1944: Einige alliierte Soldaten sollen einen von den Nazis in einer unzugänglichen Alpenfestung festgehaltenen US-General befreien. Ein Himmelfahrtskommando.

Wendungsreiches, etwas langatmiges Spionageabenteuer mit dem Krieg als Abenteuerspielplatz für echte Männer.

„Es geht um Krieg, Helden, Verrat und Gegenverrat…Es ist weniger eine Handlung als vielmehr ein Vorwand für ziemlich viel Gewalt und meist bedeutungslose Action“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

mit Richard Burton, Clint Eastwood, Mary Ure, Patrick Wymark, Michael Hordern, Donald Houston, Peter Barkworth, William Squire, Robert Beatty, Ingrid Pitt, Neil McCarthy, Anton Diffring

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Agenten sterben einsam“

Wikipedia über „Agenten sterben einsam“ (deutsch, englisch) und Alistair MacLean (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Deutsche Fanpage über Alistair MacLean

Meine Besprechung von Alistair MacLeans „Geheimkommando Zenica“ (Force 10 from Navarone, 1968)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Hongkong-Action in der „City of Darkness“

November 30, 2024

Chan Lok-kwan flüchtet nach Kowloon Walled City und hat dort sofort Ärger mit den lokalen rivalsierenden Gangsterbanden. Er will einen neuen Pass haben, sich aus Schwierigkeiten heraushalten und hat eine gestohlene Tasche mit Drogen.

Kowloon Walled City war ein 2,7 Hektar großer Stadtteil von Hongkong. 1987 lebten dort 33.000 Menschen. Oder umgerechnet 1,3 Millionen Menschen pro Quadratkilometer. Es war der Ort mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt. Und ein Zufluchtsort für chinesische Flüchtlinge. 1987 wurde mit einer mehrere Jahre andauernden Räumung des Ortes begonnen. 1993 und 1994 folgte der Abriss und ein Jahr später wurde ein Garten errichtet.

Soi Cheang führt in seinem neuesten Actionfilm „City of Darkness“ in die Vergangenheit Hongkongs in die achtziger Jahre, als Kowloon Walled City noch stand, und in die Vergangenheit des Hongkong-Actionkinos, das von Regisseuren wie John Woo und Ringo Lam geprägt wurde. Die Vorlage ist der Comic „City of Darkness“ von Yuyi.

Die sich daraus entwickelnde Geschichte besteht aus langen, sehr langen Kämpfen in einer Stadt, die wie die improvisierte Kulisse für den nächsten „Blade Runner“-Film aussieht. Das sieht ziemlich gut aus. Aber so richtig begeistern tut es nicht. Dafür wird die effektbewusst erzählte Geschichte mit Verrat und Doppelverrat schnell zu konfus und die Figuren bleiben zu blass. Die Action fasziniert dann nur noch als artistische Leistungen, bei denen es egal ist, wer gewinnt, weil man in diesem Moment schon vergessen hat, wer warum gegen wen kämpft. Die Stadt wird zu einem Abenteuerspielplatz.

In Hongkong steht „City of Darkness“ der Liste der umsatzträchtigsten einheimischen Filme auf dem zweiten Platz. Er wurde außerdem für die Oscars als bester internationaler Film eingereicht.

City of Darkness (九龙城寨之围城, China/Hongkonk 2024)

Regie: Soi Cheang

Drehbuch: Kin-Yee Au, Tai-Lee Chan, Li Jun, Kwan-Sin Shum

LV: Yi Yu: City of Darkness

mit Louis Koo, Sammo Hung, Raymond Lam, Richie Ren, Philip Ng, Terrance Lau, Tony Wu, German Cheung

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Englischer Titel: Twilight of the Warriors: Walled In

Hinweise

Moviepilot über „City of Darkness“

Metacritic über „City of Darkness“

Rotten Tomatoes über „City of Darkness“

Wikipedia über „City of Darkness“


TV-Tipp für den 30. November: Serpico

November 29, 2024

Wegen der Uhrzeit

One, 21.45

Serpico (Serpico, USA 1973)

Regie: Sidney Lumet

Drehbuch: Waldo Salt, Norman Wexler

LV: Peter Maas: Serpico, 1971

Serpico ist ein junger, idealistischer Polizist, der auch gegen die Korruption im System vorgehen will. Seine Kollegen und Vorgesetzten findet das nicht gut.

Grandioser, auf Tatsachen beruhender, vor Ort gedrehter, pessimistischer Cop-Thriller mit Al Pacino

„Die Karriere von Frank Serpico…erlaubt Lumet einen breiten, aber detaillierten Angriff auf die in der Stadt ausgebreitete Korruption und die frustrierenden Mechanismen der Bürokratie bei ihrer Selbstverteidigung, während die emotionalen Kräfte seines Films, dieses Mal, denen des Helden treffend angepasst sind.“ (Richard Combs in Monthly Film Bulletin)

mit Al Pacino, Tony Roberts, John Randolph, Cornelia Sharpe, M. Emmet Walsh, Judd Hirsch, F. Murray Abraham

Wiederholung: Montag, 2. Dezember, 23.15 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Serpico“

Wikipedia über Frank Serpico und „Serpico“ (deutsch, englisch)

Blog von Frank Serpico

Village Voice (Nat Hentoff): The Return of Frank Serpico (16. Juni 1998)

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Seltsame Ereignisse am „Caddo Lake“

November 29, 2024

Caddo Lake ist ein Bayou an der Grenze von Texas und Louisiana.

Caddo Lake“ ist auch der Name eines dort spielenden Horrorfilms, der jetzt im Kino anläuft. Produziert wurde der Film von „The sixth Sense“ M. Night Shyamalan. Sein Name weckt Erwartungen, die das von Celine Held und Logan George geschriebene und inszenierte Werk nur teilweise einlöst.

Im Mittelpunkt des Films stehen Ellie (Eliza Scanlen) und Paris (Dylan O’Brien). Sie sucht ihre im Bayou spurlos verschwundene achtjährige Schwester Anna. Er fühlt sich schuldig am Tod seiner vor Jahren bei einem Unfall im See ertrunkenen Mutter. Beide entdecken, unabhängig voneinander, in der Sumpflandschaft ein Portal durch das sie, scheinbar zufällig, in die Vergangenheit und die Zukunft gelangen können. Was das Portal mit Annas Verschwinden zu tun hat und wie die Geschichten von Ellie und Paris miteinander zusammenhängen, kristallisiert sich erst im Finale halbwegs heraus.

Davor punktet der langsam erzählte Film mit viel authentischer Bayou-Atmosphäre. Die Ausstattung lässt sich, außer man gehört zu den Menschen, die jedes US-amerikanische Auto kennen, zeitlich nicht genau zuordnen. Jeder Gegenstand wirkt, als sei er schon seit mindestens zehn Jahren im Gebrauch. Entsprechend schwierig ist das Zuordnen der einzelnen Episoden zu einer bestimmten Zeit zwischen den fünfziger Jahren und der Gegenwart. Im Bayou ist das noch schwieriger. Bäume und Wasserwege sehen heute wie damals aus. Die Kleider der Einheimischen sind funktional und unmodisch. Handys werden kaum benutzt, weil der gesamte Bayou wahrscheinlich ein einziges Funkloch ist.

Zur gelungenen Atmosphäre tragen auch die Schauspieler mit ihren nicht nach Hollywood aussehenden Gesichtern bei. Das sieht in weiten Teilen wie ein mit Laienschauspielern vor Ort gedrehtes Sozialdrama aus.

Weniger überzeugend gerät dann die Geschichte, die eigentlich nur eine auf Spielfilänge aufgeblasene „Twilight Zone“-Episode ist. Dass Celine Held und Logan George die Geschichte von Ellie und Paris parallel erzählen und sie beide durch das Portal in verschiedene Zeiten gelangen, hilft nicht. Es sind einfach zwei nicht miteinander verbundene Geschichten.

Das Portal selbst bleibt nur ein Gimmick. Held und George interessieren sich nicht für die damit verbundenen Fragen und Probleme, die zum festen Bestandteil jeder Zeitreisegeschichte gehören. Denn in dem Moment, in dem die Menschen durch das Portal gehen und den Bayou verlassen, beginnen die Probleme.

Caddo Lake“ ist ein arg langsam, primär auf Atmosphäre setzender Horrorfilm, der das Potential seiner Idee nie ausschöpft.

Zwiespältig.

Caddo Lake (Caddo Lake, USA 2024)

Regie: Celine Held, Logan George

Drehbuch: Celine Held, Logan George

mit Dylan O’Brien, Eliza Scanlen, Diana Hopper, Caroline Falk, Sam Hennings, Eric Lange, Lauren Ambrose

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Caddo Lake“

Metacritic über „Caddo Lake“

Rotten Tomatoes über „Caddo Lake“

Wikipedia über „Caddo Lake“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. November: Die Faust im Nacken

November 28, 2024

3sat, 22.30

Die Faust im Nacken (On the Waterfront, USA 1954)

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: Budd Schulberg, Robert Siodmak (ungenannt) (nach einer Originalgeschichte von Budd Schulberg; angeregt durch „New York Sun“-Artikel von Malcolm Johnson)

New York: Gewerkschaftsboss Johnny Friendly (Lee J. Cobb) ist im Hafen der große Zampano. Nichts geht gegen ihn. Jeder, der ihm gefährlich werden könnte, stirbt bei einem Unfall. Als Terry Malloy (Marlon Brando), ein erfolgloser Ex-Boxer mit beschränkter Intelligenz, in einen solchen Mord verwickelt wird, muss er sich entscheiden.

Klassiker, gedreht an Originalschauplätzen und nach ausführlichen Recherchen.

„‚On the Waterfront‘ ist eine unerschrockene Verurteilung des labor rackeering, der Entartung gewerkschaftlicher Organisationen zu Mafia-ähnlichen Gruppierungen, und eine Anklage von Einzelpersonen, die zum Zwecke ihres eigenen Profits die Massen der ungebildeten und unartikulierten Arbeiter, in diesem Fall die Dockarbeiter von New York, manipulieren.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme)

„Die Faust im Nacken“ war 1955 der große Abräumer bei den Oscars: Bester Film, Beste Haupdarsteller (Marlon Brando), Beste Hauptdarstellerin (Eva Marie Saint), Beste Regie (Elia Kazan), Bestes Drehbuch (Budd Schulberg), Beste Kamera (SW) (Boris Kaufman), Bestes Szenenbild (SW) (Richard Day) und Bester Schnitt (Gene Milford). Nominiert als Bester Nebendarsteller waren Lee J. Cobb, Karl Malden und Rod Steiger und Leonard Bernstein war für seine Musik nominiert. Golden Globes und Baftas gab es auch.

mit Marlon Brando, Karl Malden, Lee J. Cobb, Eva Marie Saint, Rod Steiger, Pat Henning, Leif Erickson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Faust im Nacken“

AMC Filmsite über „Die Faust im Nacken“

Wikipedia über „Die Faust im Nacken“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Emilia Pérez“, früher Gangsterboss, jetzt Wohltäterin

November 28, 2024

Auf dem Papier kann Jacques Audiards neuer Film nicht funktionieren. Im Kino funktioniert diese Mischung aus Musical, Gangsterfilm, Drama über eine Geschlechtsumwandlung, realistischem Sozialdrama und soapige Geschichte einer Wohltäterin mit dunkler Vergangenheit dann überraschend gut.

Alles beginnt damit, dass der gefürchtete mexikanische Kartellboss Manitas del Monte aus dem Verbrecherleben aussteigen möchte. Lebendig. Dafür engagiert er die junge Anwältin Rita Mora Castro (Zoe Saldaña). Sie ist hochintelligent und als kleine Zuträgerin in einer großen Kanzlei sträflich unterfordert. Die dankbare Kundschaft der Kanzlei besteht vor allem aus Schwerverbrechern und Drogenbossen.

Rita organisiert, fürstlich bezahlt und ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten, del Montes Ausstieg aus dem Gangsterleben. Sie ordnet Finanzen und organisiert für seine Familie ein neues Leben in der Schweiz.

Außerdem organisiert sie noch die Erfüllung eines speziellen Wunsches von del Monte. Er will sein Geschlecht ändern und so endlich die Person werden, die er schon immer sein wollte. Außerdem: wer würde vermuten, dass sich hinter dem Gesicht einer attraktiven Frau ein brutaler, allseits gefürchteter, hässlicher Macho-Gangster verbirgt? Als zusätzliche Sicherheit für seine Familie und für sich inszeniert er seinen Tod.

Nach der Geschlechtsumwandlung ist Manitas del Monte Emilia Pérez (Karla Sofía Gascón). Aber die Vergangenheit lässt sie nicht los. Sie will wieder Kontakt zu ihren Kindern und ihrer Frau Jessi (Selena Gomez) haben. Rita organisiert das.

Außerdem kehrt Emilia wieder an ihren alten Wirkungsort zurück (was ich für sehr unglaubwürdig halte) und beginnt sich als Wohltäterin für ihre Gemeinschaft einzusetzen. Das halte ich für noch unglaubwürdiger; also nicht, dass sie ihr Geld für Wohltaten ausgibt und für ihre früheren Taten büßen möchte, sondern dass sie ihr Geld für Wohltaten an dem Ort ausgibt, an dem es von alten Bekannten wimmelt und an jeder Ecke mindestens eine Person ist, die del Monte umbringen möchte.

Die Story von „Emilia Pérez“ ist reinster Pulp. Gesang und Tanz sind, auch wenn der Film dann nicht oder nur verschämt als Musical beworben wird, im Moment sehr beliebt bei Regisseuren. Aber Audiard nimmt nicht den Weg in Richtung Fantasie, sondern in Richtung Edel-Telenovela.

Seine Premiere hatte „Emilia Pérez“ im Hauptwettbewerb des 77. Filmfestivals von Cannes. Dort erhielt er unter anderem den Preis der Jury und den für die beste Schauspielerin, der in diesem Fall an Karla Sofía Gascón, Selena Gomez, Adriana Paz und Zoe Saldaña ging. Danach lief er erfolgreich auf mehreren Festivals. Aktuell ist er für mehrere Europäische Filmpreise noniniert, unter anderem als bester Film, beste Regie und beste Darstellerin. Und er ist Frankreichs Einreichung bei den Oscars als bester internationaler Film.

Emilia Pérez (Emilia Pérez, Frankreich 2024)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard

LV (frei nach): Boris Razon: Ecoute, 2018

mit Zoe Saldaña, Karla Sofía Gascón, Selena Gomez, Adriana Paz, Mark Ivanir, Édgar Ramírez

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Emilia Pérez“

AlloCiné über „Emilia Pérez“

Metacritic über „Emilia Pérez“

Rotten Tomatoes über „Emilia Pérez“

Wikipedia über „Emilia Pérez“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (Les Olympiades, Frankreich 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächster Film: „Vaiana 2“

November 28, 2024

2016 brach in dem sehenswertem Film „Vaiana“ die polynesische Häuptlingstochter Vaiana (im Original Moana) von ihrer Insel Motunui auf, um hinter dem Horizont Nahrung für ihr Volk, das am Verhungern ist, zu finden.

Der Animationsfilm war für Disney ein riesiger Erfolg. Weltweit spielte er fast 700 Millionen US-Dollar ein.

In „Vaiana 2“ muss sie aufbrechen, um einen alten Fluch zu beenden, der sie daran hindert andere Völker zu treffen. Mit einigen Vertrauten, die teils aus dem vorherigen Film bekannt sind, macht sie sich auf den Weg. Ein am Himmel stehender Schweif zeigt ihr den Weg. Auf ihrer Reise trifft sie auch den aus dem ersten Film bekannten Halbgott Maui wieder.

Auf den ersten, zweiten und dritten Blick wiederholt „Vaiana 2“ die Geschichte des erstens Films wieder. Nur ist dieses Mal der Grund für Vaianas Reise weniger überzeugend. Er ist abstrakter, diffuser und weniger drängend. Beim ersten Mal ging es ganz konkret um das Überleben ihres Stammes. Dieses Mal um den Wunsch, andere Menschen zu treffen, und um einen ominösen und sehr alten Fluch, der sie daran hindert. Entsprechend ergebnislos verlaufen ihre Besuche auf anderen Inseln. Das könnte ewig so weitergehen.

Eines Tages sagt ihr eine göttliche Stimme, dass bald ein Signal am Himmel auftauchen werde, dem sie folgen solle. Es werde sie zu dem Ort führen, an dem sie den Fluch, der auf ihrem Volk laste, brechen könne.

Bis dieser Wegweiser am Ende des ersten Filmdrittels aus dem Nichts auftaucht und Vaianas zweite große Reise beginnt, zeigen die Regisseure David Derrick Jr., Jason Hand und Dana Ledoux Miller ausführlich das paradiesische Inselleben und die polynesische Kultur. Die Reise führt sie dann ohne große Umwege schnell an den Ort, an dem Vaiana den Fluch brechen kann.

Vaiana 2“ ist kein schlechter Film. Er ist weitgehend unterhaltsam, immer wieder auf eine einfache Art witzig, er hat fünf neue Songs, eine durchaus sympathische Botschaft und eine liebenswert taffe Heldin. Es ist aber auch kein Film, der nötig gewesen wäre. Denn „Vaiana 2“ füllt die Erfolgsformel des ersten Films ohne erkennbare größere Ambitionen wieder aus. Das Ergebnis ist passable, überraschungsfreie und letztendlich überflüssige Disney-Unterhaltung. „Vaiana 2“ gibt es nur wegen des großen finanziellen Erfolgs von „Vaiana“. Ein anderer Grund ist nicht erkennbar. Denn „Vaiana“ erzählte eine in sich abgeschlossene Geschichte. Wie bei „E. T. – Der Außerirdische“ oder „Titanic“ ist eine Fortsetzung überflüssig.

Das hindert die Macher nicht daran, im Abspann in der Mid-Credit-Scene deutlich einen dritten Film anzuteasern.

Und gibt es noch die bereits für Sommer 2026 angekündigte Realverfilmung in der Dwayne Johnson dann Halbgott Maui nicht nur spricht, sondern auch spielt.

Vaiana 2 (Moana 2, USA 2024)

Regie: David Derrick Jr., Jason Hand, Dana Ledoux Miller

Drehbuch: Jared Bush, Dana Ledoux Miller (nach einer Geschichte von Jared Bush, Dana Ledoux Miller und Bek Smith)

mit (im Original den Stimmen von) Auliʻi Cravalho, Dwayne Johnson, Hualālai Chung, Rose Matafeo, David Fane, Awhimai Fraser, Khaleesi Lambert-Tsuda, Temuera Morrison, Nicole Scherzinger, Rachel House, Gerald Ramsey, Alan Tudyk

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Lina Larissa Strahl, David Mayonga

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Vaiana 2“

Metacritic über „Vaiana 2“

Rotten Tomatoes über „Vaiana 2“

Wikipedia über „Vaiana 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Clements/John Musker/Don Hall/Chris Williams‘ „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (Moana, USA 2016)


TV-Tipp für den 28. November: The Danish Girl

November 27, 2024

RBB, 20.15

The Danish Girl (The Danish Girl, Großbritannien/Deutschland/USA 2015)

Regie: Tom Hooper

Drehbuch: Lucinda Coxon

LV: David Ebershoff: The Danish Girl, 2000 (Das dänische Mädchen)

Einar Wegener (Eddie Redmayne) ist in Kopenhagen in den zwanziger Jahren ein erfolgreicher Landschaftsmaler. Nachdem er für seine Frau Gerda Wegener (Alicia Vikander) für ein Gemälde in Frauenkleidern Modell steht, entdeckt er seine Liebe zu Frauenkleidern. Er verkleidet sich als Frau und besucht als Lili Elbe auch öffentliche Veranstaltungen. 1930/31 unterzieht sie sich als einer der ersten Menschen einer geschlechtsangleichenden Operation.

The Danish Girl“ erzählt eine wahre Geschichte, die immer wie eine aus populären Schlagworten zusammengestellte erfundene Geschichte wirkt. Hooper konzentriert sich in seinem Film auf die Beziehung zwischen Einar/Lili Elbe und Gerda. Gut gespieltes und gut inszeniertes Drama, das nichts wirklich falsch macht, aber auch nicht wirklich begeistert oder, Gott bewahre!, verunsichert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Amber Heard, Matthias Schoenaerts, Ben Whishaw, Sebastian Koch

Wiederholung: Freitag, 29. November, 23.30 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Danish Girl“

Metacritic über „The Danish Girl“

Rotten Tomatoes über „The Danish Girl“

Wikipedia über „The Danish Girl“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Danish Girl“

Meine Besprechung von Tom Hoopers „The Danish Girl“ (The Danish Girl, Großbritannien/Deutschland/USA 2015)


Joe R. Lansdale bietet „More better Deals – Tödliche Geschäfte“ an

November 27, 2024

Ed Edwards soll einen kürzlich verkauften Cadillac zurückholen. Der Käufer Frank Craig ist mit den Raten in Verzug. Als Ed den Auftrag ausführen will, trifft er auf Franks jüngere, überaus gutaussehende und mit dem Zustand ihrer Ehe sehr unzufriedene Ehefrau. Mit ihrem Mann führt sie ein Autokino und einen daneben liegenden Tierfriedhof. Ihr Mann ist meistens als Lexikonverkäufer unterwegs; was anscheinend nur eine Umschreibung für „längere Sauftouren und rumhuren mit anderen Frauen“ ist.

Ed ist Korea-Kriegsveteran, als Verkäufer von gebrauchten, meistens schrottreifen Autos bei Smiling Dave angestellt und, obwohl er noch lange keine dreißig Jahre alt ist, unzufrieden mit seinem Leben. Er denkt sich, dass ein Leben mit Nancy als Besitzer des Autokinos und Tierfriedhofs eine gute Sache sei. Doch das ist eine Tagträumerei, bis Nancy ihm vorschlägt, ihren gewalttätigen und trunksüchtigen Mann umzubringen und außerdem die Versicherungspolice einzustreichen. Ed ist nach einer kurzen Bedenkpause einverstanden. Ihr Plan ist, jedenfalls auf dem Papier, todsicher.

Nicht nur Noir-Fans dürften den Grundplot von Joe R. Lansdales auf Deutsch neuem Roman „More better Deals – Tödliche Geschäfte“ kennen. Denn selbstverständlich gibt es nach Franks Tod für das Liebespaar weitere Probleme, die zu weiteren Morden, Sex und Lügen führen. Genauso selbstverständlich ist nichts dagegen zu sagen, wenn eine vertraute Geschichte noch einmal, mit kleinen Variationen, gut erzählt wird. Und genau das tut Joe R. Lansdale. Er erzählt die Geschichte mit Ed als Ich-Erzähler zügig, schnörkellos und mit dem für ihn typischen trockenem Humor auf wenigen Seiten und mit kleinen, überraschenden Variationen. So ist Ed, Kind einer Beziehung zwischen einer Weißen und einem Schwarzen, ein hellhäutiger Schwarzer, der in seiner Geburtsurkunde seine Rassenzugehörigkeit in Weiß änderte. Das war damals – die Geschichte spielt in Texas in den frühen sechziger Jahren – die einzige Möglichkeit, bessere Jobs zu bekommen und in der Gesellschaft aufzusteigen. Er hat eine trunksüchtige Mutter und eine jüngere neunzehnjährige Schwester, die intelligent genug für ein College ist. Als Schwarze hat sie allerdings keine Chance, angenommen zu werden.

Lesenswert; – wie alle Geschichten von Joe R. Lansdale.

Joe R. Lansdale: More better Deals – Tödliche Geschäfte

(übersetzt von Wulf Bergner)

Festa, 2024

336 Seiten

22,99 Euro

Originalausgabe

More better Deals

Mulholland Books, 2020

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Stuttgarter Zeitung: Thomas Klingenmaier hat Joe R. Lansdale getroffen (25. März 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Kahlschlag” (Sunset and Sawdust, 2004)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Gauklersommer” (Leather Maiden, 2008)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Ein feiner dunkler Riss” (A fine dark Line, 2003)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Dunkle Gewässer“ (Edge of Dark Water, 2012)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Straße der Toten“ (Deadman’s Road, 2010)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Machos und Moneten“ (Captains Outrageous, 2001)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Mein Interview mit Joe R. Lansdale zu „Das Dickicht“ (The Thicket, 2013)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Mucho Mojo“ (ursprünglich „Texas Blues“) (Mucho Mojo, 1994)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Bissige Biester! (Rusty Puppy, 2017)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Hap & Leonard – Die Storys“ (Hap and Leonard, 2016)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Moon Lake“ (Moon Lake, 2021)


TV-Tipp für den 27. November: Jeanne Dielman

November 26, 2024

Arte, 23.40

Jeanne Dielman (Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles, Belgien/Frankreich 1975)

Regie: Chantal Akerman

Drehbuch: Chantal Akerman

Chantal Akerman erzählt, minutiös nachgezeichnet, drei fast ereignislose Tage aus dem Leben der Gelegenheitsprostituierten, Mutter und Witwe Jeann Dielman (Delphine Seyring).

Das sperrige 200-minütige Slow-Cinema-Sozialdrama hatte seine Premiere auf der Berlinale und verschwand danach aus dem öffentlichen Bewusstsein. Lobpreisungen von Regisseuren, wie Sofia Coppola, Kelly Reichardt, Céline Sciamma, Todd Haynes und Gus Van Sant änderten daran nichts.

Erst in den vergangenen Jahren änderte sich das. Im Dezember 2022 landete „Jeanne Dielman“ in der alle zehn Jahre von der Filmzeitschrift „Sight & Sound“ unter Filmkritikern durchgeführten Umfrage nach den hundert besten Filmen aller Zeiten auf dem ersten Platz. In der gleichzeitig unter Regisseuren durchgeführten Umfrage landete der Film auf dem vierten Platz.

Heute Abend, naja eigentlich Nacht, kann dieses extrem selten gezeigte Slow-Cinema-Drama genossen werden. Und danach kann darüber gestritten werden, ob das wirklich der beste Film aller Zeiten ist.

mit Delphine Seyrig, Jan Decorte, Henri Storck, Jacques Doniol-Valcroze, Yves Bical

Hinweise

Arte über den Film (online bis 23. Februar 2025 – dort gibt es aktuell auch weitere Filme von Chantal Akerman)

AlloCiné über „Jeanne Dielman“

Rotten Tomatoes über „Jeanne Dielman“

Wikipedia über „Jeann Dielman“ (deutsch, englisch, französisch)

Chantal Akerman (1950 – 2015) über ihren Film damals und heute (naja, genaugenommen 2009)

Eva Kuhn (damals Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft der Universität Lüneburg, heute Vertretungsprofessur für die Kunstgeschichte der Moderne an der Humboldt Universität, Berlin) analysiert 2019 im Deutschen Filmmuseum den Film


Cover der Woche

November 26, 2024


TV-Tipp für den 26. November: The Drop – Bargeld

November 25, 2024

Tele 5, 20.15

The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)

Regie: Michaël R. Roskam

Drehbuch: Dennis Lehane

LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)

Bob ist etwas langsam und arbeitet als allseits beliebter Barkeeper in der Bar von seinem Vetter Marv, die von der Mafia auch als Ablageort für Bargeld benutzt wird. Als einige Gangster die Bar überfallen und das Geld stehlen, beginnen die Mafia und die Polizei die Diebe zu suchen. Zur gleichen Zeit lernt Bob Nadia kennen.

Langsam erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der sich mit seiner hochkarätigen Besetzung förmlich in der Atmosphäre suhlt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd

Der Roman zum Film

Dennis Lehane: The Drop – Bargeld

(übersetzt von Steffen Jacobs)

Diogenes, 2014

224 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe

The Drop

William Morrow, New York, 2014

Hinweise

Moviepilot über „The Drop“

Metacritic über „The Drop“

Rotten Tomatoes über „The Drop“

Wikipedia über „The Drop“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Dennis Lehane in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. November: Verbotene Spiele

November 24, 2024

Arte, 20.15

Verbotene Spiele (Jeux interdits, Frankreich 1951)

Regie: René Clément

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, René Clément

LV: Francis Boyer: Les Jeux Inconnus, 1947

Während des 2. Weltkriegs beginnen die fünfjährige Paulette, eine Kriegswaise, und der etwas ältere Michel mit seltsamen Beerdigungsritualen, in denen sie den Krieg nachspielen.

„‚Vergessene Spiele‘ gilt als René Cléments Meisterwerk und als einer der besten Filme über die Auswirkungen des Krieges überhaupt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

„Ein erschütternder Film, der in der Stilisierung und Idealisierung einer ‚heilen‘ Kinderwelt schonungslos die Grausamkeit und Gedankenlosigkeit des alltäglichen Lebens aufzeigt. Zugleich beklagt er eindringlich den Verlust der Unschuld durch den Krieg und denunziert vehement pseudoreligiöses Verhalten.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clément inszenierte auch „Nur die Sonne war Zeuge“, „Der aus dem Regen kam“, „Brennt Paris?“ und „Wie Raubkatzen“.

mit Brigitte Fossey, Georges Poujouly, Lucien Hubert, Suzanne Courtal, Jacques Marin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verbotene Spiele“

Wikipedia über „Verbotene Spiele“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 24. November: Die Kairo-Verschwörung

November 23, 2024

Arte, 20.15

Die Kairo-Verschwörung (Boy from Heaven, Schweden/Frankreich/Finnland 2022)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: Tarik Saleh

Kaum ist der Fischersohn Adam in Kairo an der renommierten Al-Azhar-Universität ankommen, stirbt der Großiman, das geistige Oberhaupt der Universität und des sunnitischen Islams. Ein skrupellos geführter Machtkampf um die Nachfolge entbrennt. Adam gerät zwischen die Fronten.

TV-Premiere. Während wir im Kino gerade erfahren, wie ein Papst gewählt wird, erfahren wir im Fernsehen, wie ein Großiman gewählt wird. Und das ist ein ziemlicher Kuddelmuddel zwischen religiösen und weltlichen Interessen. Tarik Saleh verbindet diese Intrigen mit einer Coming-of-Age-Geschichte. Sehenswerter Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die brandneue, knapp einstündige Making-of-Doku „Es war einmal…Die Kairo-Verschwörung“ (Frankreich 2024).

mit Tawfeek Barhom, Fares Fares, Mohammad Bakri, Makram J. Khoury, Sherwan Haji, Mehdi Dehbi

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Kairo-Verschwörung“

Rotten Tomatoes über „Die Kairo-Verschwörung“

Wikipedia über „Die Kairo-Verschwörung“

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)

Meine Besprechung von Tarik Salehs „The Contractor“ (The Contractor, USA 2022)

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Kairo-Verschwörung (Boy from Heaven, Schweden/Frankreich/Finnland 2022)


Alex Beer erhält „Krimifuchs 2024“ für ihre Felix-Blom-Krimireihe

November 23, 2024

Alex Beer erhält im Rahmen der 31. Reinickendorfer Kriminacht den Reinickendorfer Krimipreis „Krimifuchs“ für ihre Felix-Blom-Krimireihe, die aktuell aus „Der Häftling aus Moabit“ und „Der Schatten von Berlin“ besteht. Die Hauptpersonen der 1878 und 1879 spielenden unterhaltsamen Kriminalromane sind Felix Blom, ein ehemaliger Einbrecher, und Mathilde Voss, eine ehemalige Prostituierte. Jetzt arbeiten sie gemeinsam als Privatdetektive. In ihrem ersten Fall suchen sie einen Mörder, der seine Taten mit einer an das Opfer geschickten Karte ankündigt: „Binnen dreißig Stunden musst Du eine Leiche sein.“ Auch Blom erhält so eine Karte.

In ihrem zweiten Fall sollen sie herausfinden, warum ein Grabräuber den sich auf dem St.-Hedwig-Friedhof in der Krypta befindenden Sarg des Archäologie-Professors Eduard Rohland öffnete. Zur gleichen Zeit sucht Kommissar Heinrich Schlesinger, frisch aus dem sonnigen Afrika ins kalte Berlin gekommen, den Mörder eines bestialisch ermordeten Kleinganoven. Und wir Leser wissen von Anfang an, dass beide Fälle miteinander zusammenhängen und Verbrecherkönig Arthur Lugowski ebenfalls in die Sache verwickelt ist.

Die Preisverleiher begründen ihre Wahl so: „Der Preis würdigt die gelungene Verbindung von exzellenter historischer Recherche, vielschichtigen Charakteren und einem fesselnden, unterhaltsamen Plot. Mit ihrem unkonventionellen Ermittlerduo – dem charmanten Ex-Kriminellen Felix Blom und der selbstbewussten Mathilde Voss, einer ehemaligen Prostituierten – schafft Alex Beer eine spannende und zugleich humorvolle Dynamik. Ihre detaillierte und authentische Darstellung des Berlins der 1870er-Jahre macht die Krimireihe zu einer perfekten Mischung aus Spannung, Zeitgeschichte und literarischem Anspruch.“

Zu den früheren „Krimifuchs“-Preisträgern gehören Johannes Groschupf, Zoë Beck, Elisabeth Herrmann, Rainer Wittkamp, Sascha Arango, Oliver Bottini, Fred Breinersdorfer, Thea Dorn, Felix Huby, Pieke Biermann und Horst Bosetzky.

Die Preisverleihung ist am Samstag, den 23. November, um 19.00 Uhr im Ernst-Reuter Saal (Eichenborndamm 215, 13437 Berlin) während der 31. Reinickendorfer Kriminacht. Literaturkritiker Elmar Krekeler hält die Laudatio. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) überreicht den Preis. Alex Beer wird aus den beiden Felix-Blom-Büchern und ihrem neuesten August-Emmerich-Roman „Die weiße Stunde“ lesen. Ihre Kollegen Jakob Nolte, Marc Raabe und Andreas Winkelmann und das „Premier Swingtett“ stehen ebenfalls auf der Bühne.

Alex Beer: Felix Blom: Der Schatten von Berlin

Limes, 2023

336 Seiten

18 Euro

Alex Beer: Felix Blom: Der Häftling aus Moabit

Blanvalet, 2024

384 Seiten

13 Euro

Erstausgabe

Limes, 2022

Hinweise

Homepage von Alex Beer

Penguin Random House (ihr Verlag) über Alex Beer

Wikipedia über Alex Beer