In einer nahen dystopischen Zukunft ist Paris in drei Zonen unterteilt, die die Habenichtse von den Vermögenden trennt. Die Verbrechensbekämpfung wird von der Künstlichen Intelligenz ALMA gesteuert. Als ALMAs Schöpfer ermordet wird und der Täter in die Zone 3 flüchtet, müssen die Zone-2-Elitepolizistin Salia (Adèle Exarchopoulos) und der desillusionierte Zone-3-Polizist Zem (Gilles Lellouche), der in seinem Viertel jeden kennt, zusammenarbeiten. Schnell stoßen die beiden Ermittler auf ein die Gesellschaft bedrohendes Komplott.
„Zone 3“ von Cédric Jimenez ist ein hoch budgetierter französischer Science-Fiction-Thriller, der gekonnt und kurzweilig bekannte Dystopie-Muster im Rahmen einer Actiongeschichte nach Frankreich überträgt.
Zone 3 (Chien 51, Frankreich 2025)
Regie: Cédric Jimenez
Drehbuch: Olivier Demangel, Cédric Jimenez
LV: Laurent Gaudé: Chien 51, 2022 (Hund 51)
mit Gilles Lellouche, Adèle Exarchopoulos, Louis Garrel, Romain Duris, Valeria Bruni Tedeschi, Artus, Stéphane Bak
In den 80er Jahren treffen sich Clotaire und Jackie in Nordfrankreich. Der 17-jährige Clotaire ist ein aus einem Problembezirk kommender Halbstarker, der statt die Schulbank zu drücken, mit seinen Freunden vor der Schule posiert und eine Karriere als Verbrecher anvisiert. Die 15-jährige Jackie ist eine neue, strebsame Schülerin. Sie kommt aus einem gutbürgerlichen Haus und lässt sich von ihm und seinen Jungs nicht einschüchtern. Sofort verliebt er sich in die schlagfertige Schönheit. Auch sie verliebt sich in ihn.
Während sie immer mehr Zeit miteinander verbringen, rutscht er immer weiter ins kriminelle Milieu ab. Als er für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat, zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird, trennen sich ihre Wege.
Zehn Jahre später wird er entlassen. Die inzwischen 25-jährige Jackie ihr eigenes bürgerliches Leben. Der 28-jährige Ex-Sträfling besucht sie nicht, sondern versucht sein eigenes Leben auf die Reihe zu bekommen und dabei einige alte Rechnungen begleichen.
Und mehr soll, nachdem ich jetzt fast den gesamten Film verraten habe, verraten werden. „Beating Hearts“ ist der neue Film von Gilles Lellouche, der vor allem für die nette Komödie „Ein Becken voller Männer“ bekannt ist. Sein neuester, fast drei Stunden langer Film ist dagegen ein wild pulsierendes Drama, das gerade bei den in den 80er Jahren spielenden Szenen einen starken „Betty Blue“-Vibe verströmt. Auch später befolgt Lellouche das „Mehr ist mehr“-Prinzip. Aber die vielen Szenen, in denen Jackie und Clotaire nach Clotaires Gefängnisaufenthalt getrennt ihr Leben leben, sind größtenteils langweilige Zeitfüller bis sie sich endlich wieder begegnen und ihre Beziehung wieder aufnehmen.
Trotzdem ist „Beating Hearts“ ein insgesamt gelungener, keine Exzesse scheuender Liebesfilm und Gangsterfilm.
mit Adèle Exarchopoulos, François Civil, Mallory Wanecque, Malik Frikah, Alain Chabat, Benoît Poelvoorde, Vincent Lacoste, Élodie Bouchez, Karim Leklou
Ein Becken voller Männer(Le grand bain, Frankreich 2018)
Regie: Gilles Lellouche
Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini
Der dauerkrankgeschriebene antriebslose Bertrand schließt sich einer Gruppe vor sich hin dilettierender Synchronschwimmer an. Das ändert sich, als sie an der Weltmeisterschaft teilnehmen wollen.
TV-Premiere. Bekannte Geschichte, anderes Land. In der französischen Variante von „Männer im Wasser“ und „Swimming with Men“ (oder, wenn wir das Wasser verlassen, „Ganz oder gar nicht“) wird die flott erzählte Geschichte mit einer Top-Besetzung mehr dramatisch und melancholisch als witzig durchgespielt.
Wegen eines Sturmtief stellt die Bahn ihren Betrieb ein und verteilt Taxi-Gutscheine an die am Abend in München im Hauptbahnhof gestrandeten Passagiere. Die pensionierte Professorin und verbal rüstige Alt-Prostlerin Marianne (Iris Berben), das zerstrittene Pärchen Tiana (Nilam Farooq), die am nächsten Vormittag eine für ihr Start-Up wichtige Präsentation, und Freund, der tiefenentspannte Schluffi Philipp (Ben Münchow), und die geistig behinderte Susi (Lena Urzendowsky) entern Josephs Taxi. Jeder von ihnen muss aus einem anderen wichtigen Grund am nächsten Tag in Hamburg sein.
Als der notorisch schlecht gelaunte Joseph (Joachim Król) die Taxi-Gutscheine sieht und erfährt, dass er jeden Gutschein einzeln abrechnen kann, ist er bereit von München nach Hamburg zu fahren.
In seinem Feelgood-Film „791 km“ erzählt Tobi Baumann („Faking Hitler“), wie die fünf Menschen, die sich zufällig getroffen haben, sich auf der nächtlichen Fahrt quer durch Deutschland näher kommen. Und wie es das Drehbuch so will, sind sie alle gegensätzliche und sich entsprechnd gut ergänzende Archetypen, die auch ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft sind. Das ist immer eine Spur zu didaktisch erzählt und zu sehr in Richtung TV-Bildschirm erzählt, um auf der großen Kinoleinwand zu begeistern.
791 km (Deutschland 2023)
Regie: Tobi Baumann
Drehbuch: Gernot Gricksch (nach einer Idee von Tobi Baumann)
mit Iris Berben, Joachim Król, Nilam Farooq, Ben Münchow, Lena Urzendowsky, Langston Uibel, Barbara Philipp, Denis ‚Marschall‘ Ölmez, Götz Otto
In einem Stuhlkreis sitzen Täter und Opfer eines Verbrechens und reden darüber. ‚restorative justice‘ nennt sich die Methode. Es geht um einen formalisierten Prozess des gegenseitigen Verstehens und auch Verzeihens. Sie ähnelt dem bei uns als Täter-Opfer-Ausgleich bekannten Modell.
In seinem Spielfilm „All eure Gesichter“ zeigt Jeanne Herry („In sicheren Händen“) mehrere dieser Prozesse und sie zeigt die Chancen, die diese Methode hat. Sie geht auch auf die Voraussetzungen, aber nicht auf die Beschränkungen ein.
Trotzdem ist „All eure Gesichter“ als karg inszeniertes, sich auf seine Schauspieler, die sich teils im Stuhlkreis, teils direkt gegenüber sitzen, konzentrierendes Dialogdrama sehenswert. Das Kammerspiel für die große Leindwand regt zum Nachdenken über Schuld, Sühne und verschiedene Methoden einer Verarbeitung an.
All eure Gesichter (Je verrai toujours vos visages, Frankreich 2023)
Regie: Jeanne Herry
Drehbuch: Jeanne Herry, Chloé Rudolf
mit Birane Ba, Leïla Bekhti, Dali Benssalah, Elodie Bouchez, Suliane Brahim, Jean-Pierre Darroussin, Adèle Exarchopolous, Gilles Lellouche, Miou-Miou, Denis Podalydès
Massachusetts im Winter 1964: die schüchterne Eileen Dunlop (Thomasin McKenzie) lebt noch bei ihrem Vater, einem jähzornigem Alkoholiker, und arbeitet im Jugendgefängnis als Sekretärin. Ihr triester Alltag verändert sich schlagartig, als die neue Psychologin des Gefängnisses eintrifft. Rebecca Saint John (Anne Hathaway) ist ein Marilyn-Monroe-Lookalike, die sofort allen Männern den Kopf verdreht. Aber dann lädt die Femme Fatale Eileen zu einem Drink ein.
„Eileen“ ist die langweilige Arthaus-Version eines Noirs. Für einen gelungenen Noir entwickelt sich die Geschichte viel zu langsam und nebulös. Ehe dann im dritten Akt plötzlich alles anders wird.
Eileen (Eileen, USA 2023)
Regie: Willliam Oldroyd
Drehbuch: Ottessa Moshfegh, Luke Goebel
LV: Ottessa Moshfegh: Eileen, 2015 (Eileen)
mit Thomasin McKenzie, Anne Hathaway, Shea Whigham, Marin Ireland, Owen Teague
In seinem Biopic „Munch“ über den Künstler Edvard Munch (12. Dezember 1863 – 23. Januar 1944) (Ja, das ist der mit dem Bild „Der Schrei“, das die Ghostface-Maske in den „Scream“-Filmen inspirierte.) erzählt Henrik M. Dahlsbakken das schwierige Leben des Künstlers zwischen Alkoholismus, Genie und Wahnsinn nicht chronologisch nach. Er zersplittert es auf mehrere Zeitebenen, zwischen den er kontextlos hin und her springt und er lässt Munch von drei Schauspielern und einer Schauspielerin spielen. Sie spielen ihn als 21-, 29-, 45- und 80-jährigen Mann. Und für jeden Munch-Schauspieler gibt es einen eigenen Stil.
Das Ergebnis ist ein sich experimentell gebendes Biopic, das wenig über den Künstler verrät und einen erstaunlich unberührt lässt.
Munch (Munch, Norwegen 2023)
Regie: Henrik M. Dahlsbakken
Drehbuch: Mattis Herman Nyquist, Gina Cornelia Pedersen, Fredrik Høyer, Eivind Sæther
mit Alfred Ekker Strande, Mattis Herman Nyquist, Ola G. Furuseth, Anne Krigsvoll, Anders Baasmo Christiansen, Lisa Carlehed, Jesper Christensen
Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt (Mesrine: L’Instinct de mort, Frankreich/Kanada/Italien 2008)
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: Abdel Raouf Dafri, Jean-François Richet
LV: Jacques Mesrine: L’instinct de mort, 1977 (Der Todestrieb)
Zweiteiliges Biopic über Jacques Mesrine (1936 – 1979), einen im benachbarten Frankreich heute immer noch legendären Verbrecher. Im ersten Teil von „Public Enemy No. 1“ (ein sehr deutscher Titel) erfahren wir, wie Jacques Mesrine nach seiner Rückkehr aus dem Algerienkrieg 1959 den Respekt von Gangsterboss Guido gewinnt, in der Kriminellenhierarchie aufsteigt, nach Kanada fliehen muss, inhaftiert wird und aus einem Hochsicherheitsgefängnis flieht.
Im zweiten Teil „Todestrieb“, der am kommenden Freitag, den 27. Oktober, um 22.25 Uhr gezeigt wird, erfahren wir dann, wie die Geschichte weitergeht.
In Frankreich war „Public Enemy No. 1“ ein mit drei Césars ausgezeichneter Kinohit. Cassel und Richet, der zuletzt das Remake von „Assault on Precint 13“ drehte, erhielten je eine Trophäe. Vincent Cassels Leistung, der für Darstellung mehrere Preise erhielt, wird noch bemerkenswerter, wenn man weiß, dass der Film chronologisch rückwärts gedreht wurde. So konnte er während des Drehs Gewicht verlieren, während er im Film immer älter und schwerer wird.
mit Vincent Cassel, Cécile de France, Gérard Depardieu, Gilles Lellouche, Roy Dupuis, Ludivine Sagnier
Jetzt also wieder als Realfilm und ohne Gérard Depardieu, der viermal Obelix spielte, und ohne Alain Delon, der einmal Julius Cäsar spielte.
Dafür sind Vincent Cassel (als Cäsar) und Marion Cotillard (als Kleopatra) dabei. Obelix wird von Gilles Lellouche (u. a. „Ein Becken voller Männer“) gespielt. Asterix von Guillaume Canet. Er übernahm auch die Regie; – genaugenommen übernahm er zuerst die Regie und dann die Hauptrolle. Zu seinen früheren Werken als Regisseur gehören die Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ und der Thriller „Blood Ties“. Beide Filme gefielen mir.
Das kann über „Asterix & Obellix im Reich der Mitte“ nicht gesagt werden.
Die Story könnte aus einem Asterix-Comic sein, aber es handelt sich um eine Originalstory. Und die geht so: 50 v. Chr. erreicht die tapferen Gallier ein Hilferuf. Die Kaiserin von China ist nach einem Staatsstreich in Gefangenschaft. Asterix und sein Freund Obelix (Uh, muss ich die vorstellen? Eigentlich kennt sie doch jeder.) machen sich auf den Weg nach China.
Zur gleichen Zeit macht sich Cäsar ebenfalls auf den Weg nach China. Der Feldherr ist außerdem todunglücklich, weil Kleopatra ihn gerade verlassen hat.
Aus dieser Idee kann man etwas machen.
Man kann auch, mit viel Geld, einen Film machen, der wie ein Überbleibsel aus den Achtzigern wirkt. Denn „Asterix & Obelix im Reich der Mitte“ ist ein seltsam reaktionärer Klamauk mit abgestandenen Witzen über Vegetarier und Klischees über fremde Kulturen. Das in diesem Film gezeigte China ist kein reales Land, sondern ein Best-of alter Hollywood-B-Picture-Klischees, als im Studio die Dekorateure einfach alles, was irgendwie chinesisch aussieht, zu einem pseudo-authentischem Bild von China zusammenfügen. Dazu gibt es einen beliebigen Mix schlechter alter Pop-Songs, eindimensionale Figuren (herrje, sogar die Comicfiguren sind dreidimensionaler) und eine Geschichte, bei der sich öfter die Frage stellt, warum die Macher sich das so ausgedacht haben. So reisen Asterix, Obelix und einige Mitreisende in einem Streitwagen, der an einen Citroën 2CV erinnert (der letzte 2CV, vulgo Ente, wurde 1990 produziert), nach China. Und wahrscheinlich damit sie nicht vor Cäsar, der mit seiner riesigen Streitmacht den Landweg nimmt, in China ankommen, nehmen Asterix und Obelix einen vollkommen unverständlichen Umweg durch das Mittelmeer und Nordafrika.
Auch wenn vieles, wie die bekannten Running Gags über den untalentierten Dorfsänger und die Kraft des Zaubertranks, aus den Asterix-Comics übernommen wurden und Canet sich immer um eine an Comics erinnernde Bildsprache bemüht, zum Beispiel wenn Asterix und Obelix mal wieder einige Römer verkloppen, stellt sich nie der Spaß ein, der sich beim Lesen der Comics einstellt. Jedenfalls soweit ich mich noch an die Comics erinnere.
Asterix & Obelix im Reich der Mitte( Astérix & Obélix: L’Empire du Milieu, Frankreich 2023)
Regie: Guillaume Canet
Drehbuch: Philippe Mechelen, Julien Hervé
LV: Figuren von René Goscinny und Albert Uderzo
mit Guillaume Canet, Gilles Lellouche, Marion Cotillard, Vincent Cassel, Pierre Richard, Zlatan Ibrahimović, Jonathan Cohen, Julie Chen, Leana Chea
Habe ich den Film nicht schon einmal gesehen? Und ist es nicht, wieder einmal, „Ganz oder gar nicht“ unter Synchronschwimmern?
Irgendwie schon. „Ein Becken voller Männer“ erzählt die Geschichte von Bertrand (Mathieu Amalric), der an einer ausgewachsenen Midlife Crisis leidet. Er ist seit Ewigkeiten arbeitslos, schluckt Antidepressiva und hängt meistens deprimiert und antriebslos in der Wohnung herum. Niemand will etwas von ihm und niemand möchte ihm einen Job geben. Immerhin liebt ihn seine Frau.
Eines Tages entdeckt er einen Zettel, mit dem eine Synchronschwimmer-Gruppe nach neuen Mitgliedern sucht. Irgendetwas spricht ihn an und er wird Mitglied der städtischen Synchronschwimmer-Mannschaft. Sie besteht aus mittelalten Männern, die sich zwar redlich, aber glücklos bemühen, so etwas wie eine stimmige Performance zu kreieren. Trotzdem entschließen sie sich, an einer Meisterschaft teilzunehmen.
Davor müssen sie, was sie bis jetzt nicht taten, zielstrebig trainieren. Denn bis zu der Schnapsidee mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft waren die Treffen zum Synchronschwimmen für sie eine angenehm ambitionslose Ersatzfamilie, in der sie sich vorbehaltlos akzeptierten und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wurde. Denn sie sind alle an ihren hochfliegenden Träumen gescheitert. So sieht der eine sich immer noch als erfolgreichen Unternehmer, während er ständig Ärger mit der Bank hat. Der andere träumt immer noch von einer Karriere als Rockmusiker, während er in einer Kantine arbeitet und in einem Wohnwagen lebt.
Diese Synchronschwimmermannschaft wird unter anderem von Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde und Jean-Hugues Anglade gespielt. Und allein diese hochkarätige Besetzung ist einen Blick wert.
Die ordentlich flott erzählte Geschichte nimmt sich viel Zeit für ihre Charaktere. Sie bewegt sich dabei, mehr dramatisch und melancholisch als witzig, in den etablierten Bahnen zum Finale. Bei dem erstaunt dann vor allem die Leistung der Provinz-Synchronschwimmer-Mannschaft, die wir bis dahin ins Herz geschlossen haben und die sich bis dahin kaum über Wasser halten konnte. In diesem Moment wachsen sie, angesichts der ihnen haushoch überlegenen Konkurrenz, über sich hinaus.
Der Feelgood-Ensemblefilm „Ein Becken voller Männer“ ist das Solo-Regiedebüt von Gilles Lellouche. Er war Co-Regisseur und Autor von „Die wunderbare Welt des Gustave Klopp“ und „Männer und die Frauen“. Außerdem ist er Schauspieler. In den Krimis „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ und „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ (der Film erhält gerade ein US-Remake) übernahm er Hauptrollen.
Angesichts der derzeitigen Temperaturen ist „Ein Becken voller Männer“ besonders empfehlenswert. Immerhin entführen diese schwimmenden Männer einen über zwei Stunden in einen dunklen, angenehm kühlen Saal.
Ein Becken voller Männer (Le grand bain, Frankreich 2018)
Regie: Gilles Lellouche
Drehbuch: Gilles Lellouche, Ahmed Mamidi, Julien Lamroschini
mit Mathieu Amalric, Guilaume Canet, Benoit Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginia Efira, Leila Bekhti, Marina Fois, Philippe Katerine, Félix Moati, Alban Ivanov
Und gleich schon wieder Drogen.
Aber dieses Mal, nach dem Thriller „Sicario“ und dem Dokumentarfilm „Cartel Land“, geht es in die Vergangenheit und ins benachbarte Frankreich. Die „French Connection“ (die wir ja immer noch aus den beiden grandiosen US-Spielfilmen kennen) ist in den sechziger und siebziger Jahren für einen großen Teil des Drogenschmuggels in die USA verantwortlich. Verschifft werden die Drogen in Marseille.
1975 wird der Jugendrichter Pierre Michel (Jean Dujardin) zum Richter für Organisierte Kriminalität befördert. Er beginnt mit den ermittelnden Polizisten den Kampf gegen Gaetano Zampa (Gilles Lellouche), den Anführer der im Film immer „La French“ genannten Verbrecherbande und damit dem Kopf des illegalen Drogenhandels.
Cédric Jimenez erzählt in „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ den sechsjährigen Kampf von Michel gegen Zampa als sattes Gangsterdrama, das dank seines hohen Budgets (laut IMDB 26 Millionen US-Dollar), mit prächtiger Siebziger-Jahre-Ausstattung punktet. Das und die packende Geschichte, die natürlich auch die bekannten Klischees, Topoi und Bilder bedient, erinnert immer wieder an die damaligen Gangster- und Polizeifilme aus Frankreich und auch Italien. Und wie in den besten dieser Filme sind die Grenzen zwischen Gut und Böse durchlässig, die Politik spielt auch eine Rolle und es gibt, vor der fotogenen südfranzösischen Kulisse, immer wieder knallharte Actionszenen.
Am Ende des über zweistündigen, äußerst kurzweiligen Trips bleibt nur eine Frage: Warum lief diese grandiose Geschichtsstunde nur während des Fantasy Filmfests in unseren Kinos?
Das Bonusmaterial ist zwar quantitativ umfangreich, aber qualitativ enttäuschend. Es gibt eine handvoll geschnittener Szenen und ein fünfzigminütiges Making-of, das vor allem ausführlich die Dreharbeiten beobachtet; was nicht so wahnsinnig interessant ist. Die wenigen, willkürlich eingestreuten Statements vom Regisseur und den Hauptdarstellern sind zwar informativ, aber eigentlich hätte man gerne auch etwas über die wahren Hintergründe von „Der Unbestechliche“ erfahren. Darüber haben die Macher allerdings das Gebot des Schweigens gelegt.
Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (La French, Frankreich/Belgien 2014)
Regie: Cédric Jimenez
Drehbuch: Audrey Diwan, Cédric Jimenez
mit Jean Dujardin, Gilles Lellouche, Céline Sallette, Mélanie Doutey, Benoît Magimel, Guillaume Gouix, Bruno Todeschini, Féodor Atkine, Moussa Maaskri
lief 2015 auf dem Fantasy Filmfest als „The Connection“
– DVD
Koch Media
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Originaltrailer, Deutscher Trailer
Länge: 130 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise AlloCiné über „Der Unbestechliche“ Rotten Tomatoes über „Der Unbestechliche“
Wikipedia über „Der Unbestechliche“ (englisch, französisch)