Neu im Kino/Filmkritik: Ibrahim Gezer ist „Der Imker“

Januar 29, 2014

Flüchtlinge – letzte Woche porträtierten Judith Keil und Antje Kruska in „Land in Sicht“ drei Männer, die in der ostdeutschen Provinz auf eine Entscheidung über ihr Asylverfahren warten. Diese Woche porträtiert Mano Khalil den Rentner Ibrahim Gezer, der aus der Türkei in die Schweiz flüchtete und Imker ist. Im türkischen Teil Kurdistans war der 1946 Geborene als Bienenzüchter sogar ein vermögender, verheirateter Mann mit elf Kindern, die alle zur Schule gingen und später studieren sollten. Eines Tages geriet er in den Neunzigern, weil PKKler immer wieder bei ihm übernachteten und seine Tochter PKK-Mitglied war, in den Fokus der Polizei. Er tauchte unter, zuerst in den Bergen, später in Istanbul und flüchtete in die Schweiz. Zwei seiner Söhne wurden als Mitglieder der PKK verhaftet, ein Sohn tauchte unter, seine Frau brachte sich um, die anderen Söhne flüchteten nach England und in die Schweiz. Sie alle sind als Flüchtlinge anerkannt. Ibrahim Gezer ebenso.

In Khalils mehrfach ausgezeichneter Dokumentation wird Gezer als freundlicher, weltoffener Mann, der seinem Hobby nachgeht und schweizer Freunde hat, porträtiert. Neben dem privaten Umfeld zeigt Regisseur Mano Khalil seinen Protagonisten auch im Kampf mit der Bürokratie, weil er ein falsches Geburtsdatum angab. Er ist nämlich älter, als er ursprünglich sagte und deshalb muss er auch in einer Behindertenwerkstatt stupide Akkordarbeit verrichten. Das soll seiner Integration in die schweizer Gesellschaft dienen. Einen Kredit, den er für den Kauf von Bienenvölkern aufnehmen möchte, bekommt er nicht, weil es für dieses Hobby keine Kredite gibt. Dass er als Imker vielleicht sogar Geld verdienen könnte, wird nicht beachtet.

Der Imker“ ist ein warmherziges Porträt eines älteren Mannes, das ihn als netten Onkel mit lebensphilosophischen Anwandlungen zeigt, der zufällig als Flüchtling seine Heimat verlassen musst. Regisseur Khalil, der selbst ebenfalls Kurde ist, fragt ihn nicht nach seiner Vergangenheit in Kurdistan. Dabei wäre gerade das, wenn man sich Gezers Biographie im Presseheft durchliest, der interessante Punkt gewesen: Warum geriet er in den Fokus des Militärs? Warum musste er flüchten? Wie ist die Situation im Osten der Türkei? Ist Ibrahim Gezer wirklich der nette Onkel?

Der Imker - Plakat

Der Imker (Schweiz 2013)

Regie: Mano Khalil

Drehbuch: Mano Khalil

mit Ibrahim Gezer, Anita Wyrsch-Gwerder, Max Wyrsch, Barbara Bienz, Nicole Hohl, Viktor Krummenacher, Gabriele Schneier Krummenacher

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Imker“

Moviepilot über „Der Imker“

Cicero: Interview mit Mano Khalil (29. Januar 2014)


TV-Tipp für den 29. Januar: Geheimring 99

Januar 29, 2014

HR, 23.15

Geheimring 99 (USA 1955, R.: Joseph H. Lewis)

Drehbuch: Philip Yordan

Lieutenant Diamond will den Gangsterboss Mr. Brown unschädlich machen. Der Krieg zwischen beiden eskaliert immer weiter.

Dieses späte Noir-Juwel ist vom ersten bis zum letzten Moment mit sexueller Spannung aufgeladen. „Nahezu unverhüllt thematisierte B-Film-Regisseur Joseph H. Lewis den engen Zusammenhang zwischen unterdrückter Sexualität, sexueller Frustration und exzessiver Gewalt. (…) Es ist eine Welt sexueller Perversion und fatalistischer Abhängigkeit.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms, 1985/1993)

Mit Cornel Wilde, Richard Conte, Lee Van Cleef, Brian Donlevy, Jean Wallace, Robert Middleton, Earl Holliman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Geheimring 99“

Turner Classic Movies über „Geheimring 99“

Wikipedia über „Geheimring 99“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Geheimring 99“

Film Noir über „Geheimring 99“ (mächtig begeistert)

Archive.org: der Film


TV-Tipp für den 28. Januar: Blue Valentine – Vom Ende einer Liebe

Januar 28, 2014

WDR, 23.15

Blue Valentine (USA 2010, R.: Derek Cianfrance)

Drehbuch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis

Die Liebesgeschichte von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams, Oscar-nominiert).

Feines Independent-Kino.

mit Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel

Hinweise

Film-Zeit über „Blue Valentine“

Moviepilot über „Blue Valentine“

Metacritic über „Blue Valentine“

Rotten Tomatoes über „Blue Valentine“

Wikipedia über „Blue Valentine“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond the Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)


TV-Tipp für den 27. Januar: Inspektor Jury: Der Tote im Pub

Januar 26, 2014

 

ZDF, 20.15

Inspektor Jury: Der Tote im Pub (Deutschland/Österreich 2013)

Regie: Edzard Onneken

Drehbuch: Günter Knarr

LV: Martha Grimes: The Man With A Load Of Mischief, 1981 (Inspektor Jury schläft außer Haus)

In Long Piddleton wird im Keller des Pubs ein Ermordeter entdeckt. Inspektor Richard Jury, bester Mann von Scotland Yard, ermittelt mit seinem verschnupften Assistenten Sergeant Wiggins in dem Dorf. Wegen weiterer Morde nimmt die Zahl der Verdächtigen dann rapide ab – und Fans der „Inspektor Jury“-Romane haben auch schon etliche Verdächtige gestrichen, weil sie zum Stammpersonal der Jury-Romane gehören.

Die erste Verfilmung eines Inspektor-Jury-Romans, gleichzeitig des ersten Jury-Romans, gefällt der 1931 geborenen Jury-Erfinderin Martha Grimes, wie sie auf einer Vorabvorführung des Films (bei der ich war) sagte, gut.

Viel mehr Positives fällt mir zu dieser rundum missglückten, witzlosen Crime-Comedy, bei der die Darsteller hemmungslos chargieren und grenzdebile Dialoge aufsagen durften, nicht ein. Selten ist ein witzig gemeinter Rätselkrimi wohl erbärmlicher auf jeder Ebene gescheitert. „Der Tote im Pub“ ist ungefähr so amüsant wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung.

Die Jury-Romane sind bei Rowohlt und Goldmann erschienen.

mit Fritz Karl, Götz Schubert, Arndt Schwering-Sohnrey, Julia Brendler, Julia Stemberger, Katharina Thalbach, Bernhard Schir, Christoph Tomanek, Peter Lerchbaumer, Anatole Taubman, Michael Schweighöfer, John Harding

Hinweise

ZDF über „Inspektor Jury: Der Tote im Pub“

Homepage von Martha Grimes

Krimi-Couch über Martha Grimes

Goldmann: Martha-Grimes-Special

Wikipedia über Martha Grimes (deutsch, englisch)

Berühmte Detektive über Richard Jury


TV-Tipp für den 26. Januar: Westfront 1918

Januar 26, 2014

3sat, 22.30

Westfront 1918 (Deutschland 1930, R.: G. W. Pabst)

Drehbuch: Ladislaus Vajda

LV: Ernst Johannsen: Vier von der Infanterie

Westfront 1918“ zeigt das Schicksal von vier deutschen Infanteristen während der letzten Kriegstage.

Extrem selten gezeigter Kriegsfilmklassiker, der in einem Atemzug mit „Im Westen nichts Neues“ genannt wird und Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ entscheidend beeinflusste. Einer ganz großen Antikriegsfilme.

mit Fritz Kampers, Gustav Diessl, Hans Joachim Moebius, Claus Clausen, Gustav Püttjer

Hinweise

Filmportal über „Westfront 1918“

Senses of Cinema über „Westfront 1918“

Turner Classic Movies über „Westfront 1918“

Wikipedia über „Westfront 1918“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Land in Sicht“ für drei Flüchtlinge?

Januar 25, 2014

 

Es wurde viel gelacht bei der Berlin-Premiere von „Land in Sicht“. Dabei gibt es eigentlich nichts zu lachen. Denn Judith Keil und Antje Kruska („Der Glanz von Berlin“) porträtieren drei Asylbewerber, die in Bad Belzig im Übergangswohnheim leben. Bad Belzig ist eine Gemeinde mit elftausend Einwohnern in Brandenburg, die alles hat, was Kleinstädte haben, aber Abdul Nasser Jarada, Brian Ngopan und Farid Sahimi keine Perspektive bietet. Sowieso haben sie keine, weil sie als Asylbewerber in einem langwierigem Behördenverfahren feststecken, nicht arbeiten und sich auch nicht frei bewegen dürfen, weil es in Deutschland die Residenzpflicht gibt, die Asylbewerbern ein Verlassen eines bestimmten Gebietes, teils Bundesland, teils Regierungsbezirke und Landkreise verbietet. Inzwischen wurde diese Regel zwischen Brandenburg und Berlin gelockert.

Das sympathische Schlitzohr Abdul ist ein Beduinenscheich aus dem Jemen, der vor sieben Jahren mit einer schweren Schussverletzung nach Deutschland kam, immer noch kaum Deutsch spricht und den herrischen Gestus eines Scheichs und Befehlshabers immer noch nicht abgelegt hat, auch wenn die Umstände anders sind.

Der Teheraner Farid musste seine Frau und seinen Sohn verlassen, nachdem er bei einer Demonstration gegen die Regierung dabei war und nachts seine Wohnung von Unbekannten, die auch ihn mitnehmen wollten, durchsucht wurde. Er flüchtete, landete in Deutschland und möchte doch nur wieder mit seiner Familie zusammen sein.

Brian ist aus Kamerun. Er kam nach Deutschland, um seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen und weil Kamerun derzeit kein Krisengebiet ist, hat er kaum Chancen auf Asyl.

Alle drei leben jetzt in Bad Belzig und von den Filmemacherinnen Keil und Kruska wurden sie eher zufällig ausgewählt, weil sie einen guten Kontakt zur Heimleiterin hatten, sie die Lage des Heims für einen Film gut fanden und andere Flüchtlinge aus verschiedenen Gründen nicht mitmachen wollten. Denn in ihrem Film kommen sie den Porträtierten sehr nah. Wenn sie immer wieder deren Bemühungen um Aufnahme in der Gesellschaft mit der deutschen Wirklichkeit konfrontieren und wenn sie sie im Kontakt mit Deutschen zeigen, spitzen sie immer wieder gelungen zu. Wenn der Hauswart sich über Essensgerüchte beschwert und dann doch herzhaft das fremde Gericht isst. Wenn Party-Beate eine Single-Party veranstaltet. Wenn Abdul beim Arbeitsamt seine Kompetenzen anpreist und dabei einerseits an seinem mangelhaftem Deutsch, andererseits an den Formulierungen der Anträge, scheitert. So war das Lachen auch immer ein Lachen mit Abdul, Farid und Brian, die mit oft konsterniertem Blick sich die deutschen Sitten und Gebräuche ansehen und auch ein Lachen der Selbsterkenntnis. Denn die Filmemacherinnen wollen niemanden demaskieren oder blosstellen.

Es gibt aber auch die zupackende Sozialarbeiterin Rose Dittfurth, die den Dreien ins Gewissen redet, ihnen aber auch Möglichkeiten eröffnet. So stellt sie Farid in einem Fitnessstudio vor, wo er selbst und eine Gruppe trainieren darf.

Es wird auch die deutsche Willkommenskultur gezeigt, die das komplette Gegenteil einer Willkommenskultur ist.

Ein ganz schlechtes Zeugnis in Punkto „Öffentlichkeitsarbeit“ stellte sich während der zweijährigen Dreharbeiten die Ausländerbehörde aus. Denn während Keil und Kruska an erstaunlich vielen Orten drehen durften, verweigerte die Ausländerbehörde jede Mitarbeit. „Die haben strikt abgelehnt und wollten auch mit keinem unserer Protagonisten gedreht werden“, sagt Keil. „Die haben sogar richtig Stimmung gemacht gegen unsere Protagonisten, die sie offenbar irgendwie als Kriminelle empfanden“, ergänzt Kruska.

Land in Sicht“ ist ein intimer, kurzweiliger und sehr vergnüglicher Einblick in das Leben von drei Männern, die hier in einer kafkaesken Wartehalle leben und mit dieser auf die Dauer entmutigenden Situation verschieden umgehen, einen Blick auf die absurde deutsche Asylpolitik (Warum dürfen sie nicht arbeiten? Warum müssen sie irgendwo im nirgendwo bleiben?) und den deutschen kleinstädtischen Alltag wirft, bei dem leider – wie es derzeit in Dokumentarfilmen üblich ist – auf erklärende Off-Kommentare, die schnell einige Informationen hätten vermitteln können, verzichtet wird.

Für das Fernsehen (rbb und Arte sind Koproduzenten) wurde auch eine kürzere Fassung erstellt, aber man sollte sich schon die Kinofassung, die keine Längen hat, ansehen.

Land in Sicht - Plakat

Land in Sicht (Deutschland 2013)

Regie: Judith Keil, Antje Kruska

Drehbuch: Judith Keil, Antje Kruska

mit Abdul Nasser, Jarada, Brian Ngopan, Farid Sahimi, Rose Dittfurth

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Kino-Zeit über „Land in Sicht“

Moviepilot über „Land in Sicht“

 

 


TV-Tipp für den 25. Januar: Billy Bathgate – Im Sog der Mafia

Januar 25, 2014

ZDFneo, 23.15

Billy Bathgate – Im Sog der Mafia (USA 1991, R.: Robert Benton)

Drehbuch: Tom Stoppard

LV: E. L. Doctorow: Billy Bathgate, 1989 (Billy Bathgate)

Ebenso erlesene wie leblose Beschreibung der Glanzzeit und des Endes von Dutch Schultz aus der Perspektive des Bronx-Jungen Billy, der ab 1935 als Handlanger für den Gangster arbeitet.

Das Buch soll wesentlich besser sein.

mit Dustin Hoffman, Nicole Kidman, Loren Dean, Bruce Willis (der – ähm – schnell untertaucht), Steve Buscemi, Stanley Tucci, Steven Hill, Billy Jaye, Frances Conroy, Xander Berkeley

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Billy Bathgate“

 Wikipedia über „Billy Bathgate“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. Januar: Cash – Abgerechnet wird zum Schluss

Januar 24, 2014

ZDFneo, 22.00

Cash – Abgerechnet wird zum Schluss (Frankreich 2008, R.: Eric Besnard)

Drehbuch: Eric Besnard

Trickbetrüger Cash bestiehlt besonders gerne Verbrecher. Jetzt will der Gentleman-Gauner Maxime bestehlen. Dummerweise interessiert sich auch eine Europol-Polizistin für Maxime.

Es muss nicht immer „Ocean’s Eleven“, „Die Unfassbaren“, „Der Clou“ oder „Ihr Auftritt, Al Mundy!“ (It takes a Thief) sein für einen vergnüglichen Abend mit sich gegenseitig bestehlenden, betrügenden und belügenden Gaunern.

Unterhaltsame Kriminalkomödie voller überraschender Charaden.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jean Dujardin, Jean Reno, Valeria Golino, Alice Taglioni, Francois Berléand, Ciarán Hinds

auch bekannt als „Ca$h – Wer zuletzt lacht…“

Hinweise

Wikipedia über „Cash“ (deutsch, englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „I, Frankenstein“, du Gargoyle oder Dämon

Januar 23, 2014

I, Frankenstein“ ist eine Comicverfilmung, die sich anscheinend sehr weit von der Vorlage, die ziemlich interessant klingt, entfernt und wieder einmal sehr überzeugend allle Vorurteile, über Comicverfilmungen bestätigt. Denn das „Underworld“/Frankenstein-Mash-Up, natürlich in 3D (nachträglich aufgepimpt), ist einfach nur schlecht.

Die lieblos aus anderen Werken zusammengeklaubte Geschichte beginnt mit der Erschaffung von Frankensteins Monster, dem Tod von Dr. Victor Frankenstein und der ersten Begegnung von Monster, Gargoyles (naja, wir könnten auch Engel sagen) und Dämonen, die sich, mitten in der Nacht, auf einem Friedhof kloppen. Dann erzählen die Gargoyles dem Monster, das den Vornamen Adam und, weil er von Dr. Frankenstein erschaffen wurde, den Nachnamen Frankenstein erhält und so zum titelgebenden „Frankenstein“ wird, dass sich Gargoyles und Dämonen schon lange bekämpfen und er auf der Seite der Guten mitmachen soll. Frankenstein lehnt dankend ab und zieht sich die nächsten Jahre, bis zur Gegenwart, in die Einsamkeit zurück.

In der Gegenwart trifft er in Darkhaven, einer lauschigen Metropole mit Mittelalter-Flair, wieder auf die Gargoyles und die Dämonen.

Das Oberhaupt der Dämonen, Prinz Naberius (Bill Nighy, der offensichtlich seinen Spaß hatte und etwas lebendiges Leben in die Bude bringt), möchte herausfinden, wie Dr. Frankenstein sein Monster erschaffen konnte und die Methode bei weiteren Toten anwenden. Weil Tote seelenlos sind, können die Dämonen sie, hm, beseelen (dämonisieren?) und die Weltherrschaft übernehmen. Naberius hat schon ein riesiges Lager Toter im Keller seines Anwesens. Das ist zwar bescheuert, sieht aber gut aus. Und er beschäftigt eine nichtsahnenden blonde Wissenschaftlerin, deren Experimente zwar kurz vor einem Durchbruch stehen, die aber mit dem Tagebuch von Dr. Frankenstein, das sein Sohn Adam hat, oder der DNA von Adam Frankenstein zu einem schnelleren, erfolgreichen Abschluss gebracht werden können. Also will Naberius beides haben und er schickt seine Dämonen los.

Adam Frankenstein, der inzwischen doch irgendwie eine Seele hat, entschließt sich, den Gargoyles zu helfen und gegen die Dämonen zu kämpfen – und wenn nicht gerade irgendein esoterischer Schwurbel gelabert wird, wird gekämpft bis die Pixel glühen.

Bei dem Ansehen von diesem wahrscheinlich ausschließlich im Studio gedrehtem Desaster, bei dem noch nicht einmal Schadensfreude aufkommt, will man nicht glauben, dass das Drehbuch von Stuart Beattie ist. Genau der Beattie, der mit seinem Drehbuch für „Collateral“ vor zehn Jahren einen wahren Klassiker abliefert. Aber das scheint, wenn man sich seine späteren Arbeiten „Entgleist“, „Fluch der Karibik“, „30 Days of Night“ und „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ ansieht, vor allem der Verdienst von Regisseur Michael Mann gewesen zu sein. Eine solche Hilfe hatte er bei „I, Frankenstein“ nicht. Beattie übernahm auch die Regie.

Immerhin ist seine zweite Regiearbeit mit neunzig Minuten erfreulich kurz geraten und es gibt, man gibt sich ja mit wenig zufrieden, einige Bilder, die eine Noir-Atmosphäre heraufbeschwören und an Comic-Panels erinnern.

I Frankenstein - Plakat

I, Frankenstein (I, Frankenstein, USA/Australien 2013)

Regie: Stuart Beattie

Drehbuch: Stuart Beattie, Kevin Grivioux

LV: Kevin Grivioux: I, Frankenstein, 2009 (Comic)

mit Aaron Eckhart, Bill Nighy, Yvonne Strahovski, Miranda Otto, Jai Courtney, Socratis Otto, Aden Young, Caitlin Stasey

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „I, Frankenstein“

Moviepilot über „I, Frankenstein“

Metacritic über „I, Frankenstein“

Rotten Tomatoes über „I, Frankenstein“

Wikipedia über „I, Frankenstein“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Erbarmen“ – ein weiterer skandinavischer Thriller

Januar 23, 2014

Nach einem missglückten Einsatz wird Carl Mørck befördert und gleichzeitig abgeschoben. Er soll das neue Sonderdezernat Q leiten, das alte, nicht aufgeklärte Fälle noch einmal untersucht. Das Dezernat ist irgendwo im Keller des Kopenhagener Polizeigebäudes und erst nach Protesten erhält er einen Assistenten, der sich vor allem um die Aktenablage kümmern soll. Aber Assad ist nicht auf den Kopf gefallen. Der Flüchtling erweist sich schnell als unersetzliche Hilfe für Mørck.

Gemeinsam nehmen sie sich den Fall Merete Lyngaard noch einmal vor. Die Politikerin verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Die ermittelnden Beamten schlossen den Fall als mutmaßlichen Suizid ab.

Aber Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten und Lücken in den Ermittlungen. Sie gehen von einem Mord aus.

In dem Moment wissen wir allerdings, dass Merete seit Jahren in einer Druckkammer gefangen gehalten wird. Ihr Entführer, der nicht mit ihr redet, will, dass sie ihm sagt, warum er sie einsperrte.

Erbarmen“ ist die Verfilmung von Jussi Adler-Olsens erstem Sonderdezernat-Q-Roman. Für die Verfilmung wurden die Ermittlungen von Mørck und Assad in eine stringente Form gebracht und auch einige Szenen wurden verändert. So gelingt es im Film Assad die Schutzmauer von Meretes geistig behindertem Bruder Uffe zu durchbrechen, indem er geduldig eine Beziehung zu ihm aufbaut. Im Roman versucht das Mørck mit der Sensibilität einer Dampfwalze. Es gibt allerdings immer noch mehrere Szenen zwischen Mørck und seinem Sohn, die nur deshalb im Film sind, weil sie in einer längeren TV-Fassung (wenn es sie gibt) oder den nächsten Adler-Olsen-Verfilmungen wichtiger werden. Immerhin ist der zweite Sonderdezernat-Q-Roman schon verfilmt und Adler-Olsen will insgesamt zehn Sonderdezernat-Q-Romane schreiben.

Allerdings hat der Film, wie schon der Roman, mit einem vollkommen unglaubwürdigem Bösewicht zu kämpfen, was den Film, der von Mikkel Nørgaard in bester Skandinavischer-Thriller-Tradition inszeniert wurde, von einem spannenden Polizeithriller zu einer hanebüchenen Kriminalgeschichte werden lässt.

Erbarmen - Plakat - 4

Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Regie: Mikkel Nørgaard

Drehbuch: Nikolaj Arcel

LV: Jussi Adler-Olsen: Kvinden i buret, 2008 (Erbarmen)

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter, Mikkel Boe Følkstar, Søren Pilmark, Troels Lyby

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Adler-Olsen - Erbarmen - Movie-Tie-In

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv premium 2009

420 Seiten

14,90 Euro (dtv premium)

9,95 Euro (Taschenbuch)

Zum Filmstart erschien ein Movie-Tie-In.

Originalausgabe

Kvinden i buret

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Erbarmen“

Moviepilot über „Erbarmen“

Rotten Tomatoes über „Erbarmen“

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Meine Besprechung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ (Kvinden i buret, 2008)


Neu im Kino/Filmkritik: Jason Statham sorgt an der „Homefront“ für Ordnung

Januar 23, 2014

 

Schon der Blick auf die Besetzung verrät, dass „Homefront“ nicht das übliche hirnlose Jason-Statham-Actionfeuerwerk ist. Denn neben Jason Statham spielen James Franco, Winona Ryder und Kate Bosworth mit. Gary Fleder ist der Regisseur. Er inszenierte vorher die durchaus sehenswerten Thriller „Das Leben nach dem Tod in Denver“, die James-Patterson-Verfilmung „Denn zum Küssen sind sie da“ und die John-Grisham-Verfilmung „Das Urteil“.

Auch „Homefront“ ist sicher kein künftiger Klassiker, aber ein sehenswerter, angenehm altmodischer Action-Film in dem die Charaktere, ihre oft durchaus vollkommen vernünftige Absichten, ihre Beziehungen und die daraus entstehende, letztendlich tödliche Dynamik im Mittelpunkt stehen. Die Geschichte beginnt mit einer alltäglichen Schulhofrauferei. Die neue Klassenkameradin Maddy (Izabela Vidovic) lässt sich die Sticheleien von einem Mitschüler nicht gefallen und, nachdem sie ihn mehrmals warnte, schickt sie ihn mit einem geübten Selbstverteidigungsgriff auf den Boden. Eigentlich hat sie alles richtig gemacht. Dummerweise ist der Junge der Sohn von Cassie Bodine Klum (Kate Bosworth), der drogensüchtigen Schwester von Gator Bodine (James Franco), einem lokalen Chrystal-Meth-Hersteller, der auch die Polizei bezahlt. Cassie möchte, dass Gator etwas gegen die Brokers, die sie und ihre Familie gedemütigt haben, unternimmt.

Maddys Vater Phil Broker (Jason Statham) will dagegen in der Louisiana-Kleinstadt Rayville nur seine Ruhe haben und als einfacher Schreiner Geld verdienen. Seit kurzem ist er Witwer und er war Undercover-Agent der Polizei. Zuletzt gegen die Rockerbande „The Outlaws“, deren Festnahme zu einer für etliche Rocker tödlichen Schießerei wurde.

Als Gator von Brokers Vergangenheit erfährt, informiert er die Biker, die sich an Broker rächen wollen. Gator hofft mit ihnen ins Geschäft zu kommen und vom lokalen Meth-Hersteller zu einem überregionalem Lieferanten aufzusteigen. Aber er setzt jetzt endgültig eine tödliche Dynamik in Gang.

Homefront“ ist, wie Dwayne Johnsons „Snitch – Ein riskanter Deal“, ein sich an den Actionfilmen der siebziger Jahre orientierender Thriller, der seine Geschichte langsam, aus heutiger Sicht sogar sehr langsam und auch, wie bei einem Western, vorhersehbar zum großen Showdown hin erzählt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Charaktere, ihre Motive und wie sie und die daraus erwachsenden Taten sich verhängnisvoll, konsequent und in ihrer Alltäglichkeit erschreckend nachvollziehbar zum tödlichen Showdown hin entwickeln. Hätte Maddy sich nicht gewehrt, wäre Cassie Bodine Klum nicht so hasserfüllt und obergluckenhaft, hätte Gator Bodine nicht so große Pläne, könnten sie alle noch friedliche miteinander Leben. Broker nimmt dabei, wie in einem klassischen Western, die Rolle des Außenseiters ein, der nur seine Ruhe haben will, sich aber wehrt, wenn er oder seine Tochter bedroht werden und so letztendlich auch seinen Teil zur tödlichen Dynamik beiträgt. „Homefront“ ist auch eine Studie in Dummheit und Starrköpfigkeit.

Sylvester Stallone, der das Drehbuch ursprünglich für sich schrieb und auch daran dachte, ein John-Rambo-Abenteuer daraus zu machen, knüpft gelungen an sein Frühwerk, zwischen „Rocky“ und „Rambo“, an.

Gary Fleder inszenierte seinen ruhigen Thriller solide mit einem Blick für die Landschaft und die Struktur der Dorfgemeinschaft, aber auch etwas hektisch geschnittenen Action-Sequenzen.

So ist „Homefront“ ein guter Action-Thriller, der sich an Siebziger-Jahre-Thrillern orientiert, ohne ihnen etwas wirklich neues hinzuzufügen, und traditionsbewusste Genrejunkies gut unterhält. Jason-Statham-Fans, die ihn vor allem als „Transporter“ oder „Crank“-JoJo-Männchen sehen wollen, dürften dagegen wieder einmal enttäuscht sein: zu Ernst, zu viel Set-Up, zu wenig Action und die ist dann auch noch von der realistisch handgemachten Sorte.

Homefront - Plakat

Homefront (Homefront, USA 2013)

Regie: Gary Fleder

Drehbuch: Sylvester Stallone

LV: Chuck Logan: Homefront, 2005

mit Jason Statham, James Franco, Winona Ryder, Kate Bosworth, Frank Grillo, Izabela Vidovic, Rachelle Lefevre, Clancy Brown

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Facebook-Seite zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Homefront“

Moviepilot über „Homefront“

Metacritic über „Homefront“

Rotten Tomatoes über „Homefront“

Wikipedia über „Homefront“ 

Homepage von Chuck Logan

Blu-ray: Interview mit Chuck Logan (24. November 2013)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Hannas Reise“ nach Israel

Januar 23, 2014

 

Das lief nicht gut. Zuerst erzählt Hanna bei einem Vorstellungsgespräch etwas von einem Praktikum mit Behinderten in Israel, was ihre zukünftigen Arbeitgeber wegen ihres sozialen Engagements beeindruckt, und dann will ihre Mutter, die Chefin von „Aktion Friedensdienste“ ist, ihr nicht einfach eine Bestätigung ausstellen, sondern verschafft ihr den Praktikumsplatz.

Stinkig bis zum Anschlag fliegt Hanna nach Israel. Bis jetzt hatte die BWL-Studentin nur ihre Karriere und ihre Kleider im Kopf. In Tel Aviv soll sie sich um Behinderte kümmern und mit Holocaust-Überlebenden reden. Übernachten kann sie in einer WG, die von „Aktion Friedensdienste“ bezahlt wird, in der zwei weitere Praktikanten leben und die wie eine typische, abbruchreife Studentenbude aussieht. Via Skype klagt sie ihrem Freund, der ebenfalls seine Banker-Karriere fest im Blick hat, ihr Leid.

Aber dann beginnt sie sich – notgedrungen – zu arrangieren und die Reise folgt, erwartungsgemäß, den Pfaden des Entwicklungsromans.

In „Hannas Reise“ erzählt Julia von Heinz feinfühlig und ohne allzu hoch erhobenen Zeigefinger die Geschichte einer Studentin, die zum ersten Mal über ihr Leben und ihre Ziele nachdenken muss. Gleichzeitig wirft sie einen Blick in die israelische Gesellschaft, die seit Jahrzehnten in einem ständigen Kriegszustand lebt und wie das das Leben der Jüngeren beeinflusst. So wollte Itay, der nette Leiter der Behindertengruppe, eigentlich mit einem Freund nach Berlin ziehen. Aber wegen seiner Familie blieb der Ex-Soldat in Tel Aviv. Dieser Blick in das Irrenhaus Jerusalem gewinnt in „Hannas Reise“ allerdings niemals die schwarzhumorige Verzweiflung von „45 Minuten bis Ramallah“. Außerdem spricht „Hannas Reise“ den Holocaust-Praktikumstourismus an. Denn Hannas WG-Genossen, die auf den ersten Blick wie linksorientierte, sozial engagierte Studenten wirken, haben das Praktikum auch nur als den Lebenslauf schönende Station angenommen.

Und Hanna, die bei Gesprächen mit Holocaust-Überlebenden auch einiges über ihre Familiengeschichte erfährt, fragt sich, wie sehr die Vergangenheit doch etwas mit ihr zu tun hat. Mit ihrer Mutter, mit der sie sich nicht besonders gut versteht, hat sie nie darüber gesprochen.

Hannas Reise“ hat etwas von einem wohl abgewogenem Kommissionsfilm: gut gemacht, ausgewogen und brav den Konventionen folgend. Vieles ist gelungen, nichts ist wirklich misslungen, aber nichts begeistert wirklich und nichts bringt einen wirklich zum Nachdenken. Ein Film, der wahrscheinlich Fünfzigjährigen besser als Zwanzigjährigen gefällt.

Hannas Reise - Plakat

Hannas Reise (Deutschland/Israel 2013)

Regie: Julia von Heinz

Drehbuch: John Quester, Julia von Heinz (frei nach Motiven von Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages“)

mit Karoline Schuch, Doron Amit, Max Mauff, Lore Richter, Trystan Pütter, Lia König, Suzanne von Borsody

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hannas Reise“

Moviepilot über „Hannas Reise“

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Sechs Profiler werfen einen „Blick in den Abgrund“

Januar 23, 2014

Profiler – das sind doch diese Typen, die für die Polizei aus dem Nichts supergenaue Profile von Serienmördern erstellen, sich in unterirdischen Verliesen mit Typen wie Hannibal Lector treffen und dann im Alleingang die Mörder zur Strecke bringen.

Nun, ganz so nervenzerrend wie in „Das Schweigen der Lämmer“ ist die Arbeit von Profilern in der schnöden Realität dann doch nicht. Obwohl es, wie Barbara Eder in ihrer sehenswerten Dokumentation „Blick in den Abgrund“ zeigt, auch kein Job für Jeden ist. So wurde Gérard Labuschagne mit 29 Jahren der Leiter der Investigative Psychology Section der südafrikanischen Polizei, weil seine Vorgängerin die Arbeit nicht mehr ertrug. In den vergangenen elf Jahren ermittelte er in über 110 Serienmorden und über 200 Serienvergewaltigungen.

Neben ihm porträtiert Eder die finnische forensische Psychologin Helinä Häkkänen-Nyholm, die zur Entspannung mit ihrem Freund angeln geht und sich dabei doch ständig mit der Arbeit beschäftigt. In Deutschland begleitet sie Kriminalhauptkommissar Stephan Harbort, der bei uns auch als Buchautor bekannt ist, der in Berlin einen Tathergang rekonstruiert, indem er den Tatort besucht. Er unterhält sich auch mit einem Serientäter. In den USA unterhielt sie sich mit der forensischen Psychiaterin Helen Morrison, die inzwischen auch als Buchautorin bekannt ist, und den beiden ehemaligen FBI-Agenten Roger L. Depue und Robert R. Hazelwood, die Thomas Harris bei seinem Roman „Das Schweigen der Lämmer“ berieten. Inzwischen haben sie die Academy Group, einen Zusammenschluss ehemaliger Profiler, gegründet und erstellen weiterhin Profile von Serientätern.

Eder porträtiert in ihrer gut gemachten und informativen Doku, die von ihrer Struktur und den Bildern genausogut im TV laufen könnte, die Profiler bei der Arbeit und im Privatleben und weil sie die Porträts ineinander verschränkt, entsteht das Bild einer globalen Beschäftigung mit dem Thema Serienmord und wie die einzelnen Profiler sich ihrem Täterprofil, das keine exakte Wissenschaft ist, nähern.

Einen viel zu großen Raum nimmt dabei Helen Morrison ein, die ihre Theorie von dem Serienmörder-Gen, beziehungsweise Anomalien, die nur im Gehirn von Serienmördern vorkommen, ausführlich vorstellen darf. Sie möchte es finden und isolieren.

Immerhin verwerfen die anderen Profiler, wenn sie darauf angesprochen werden, diese abstruse Theorie. Dafür seien die Unterschiede zwischen den Serienmördern zu groß und die meiste Zeit sei auch ein Serienmörder ein ganz normaler Nachbar.

Blick in den Abgrund - Plakat

Blick in den Abgrund (Österreich/Deutschland 2013)

Regie: Barbara Eder

Drehbuch: Barbara Eder

mit Roger L. Depue, Helinä Häkkänen-Nyholm, Stephan Harbort, Robert R. Hazelwood, Gérard N. Labuschagne, Helen Morrison

Länge: 88 Minuten (Original mit deutschen Untertiteln)

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Blick in den Abgrund“

Moviepilot über „Blick in den Abgrund“

Stephan Harbort in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Januar: Easy Money

Januar 23, 2014

Arte, 21.45

Easy Money (Schweden/Dänemark/Deutschland 2009, R.: Daniel Espinosa)

Drehbuch: Maria Karlsson

LV: Jens Lapidus: Snabba Cash – Hatet Drivet Jakten, 2006 (Spur der Angst)

Einige Männer wollen mit Drogendeals das große Geld verdienen. Dummerweise durchkreuzen sich ihre Pläne und aus dem „Easy Money“ wird ein blutiger Bandenkrieg in Stockholms Unterwelt.

Souverän und spannend inszenierter düsterer Thriller. (…) überzeugt (…) als moderne ‚Film Noir‘-Variante über den Preis des Geldes.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Roman war ein Bestseller, der Film ein Erfolg, ein US-Remake ist geplant und Daniel Espinosa drehte seinen nächsten Film „Safe House“ (mit Denzel Washington und Ryan Reynolds) mit Hollywood-Geld in Südafrika. Derzeit ist er in der Postproduktion seiner Tom-Rob-Smith-Verfilmung „Child 44“ (nach einem Drehbuch von Richard Price). Auch Hauptdarsteller Joel Kinnamann verschlug es nach Hollywood. Er ist der neue „Robocop“.

mit Joel Kinnamann, Matias Padin Varela, Dragomir Mrsic, Mahmut Suvakci, Jones Danko, Lisa Henni, Fares Fares

Hinweise

Film-Zeit über „Easy Money“

Moviepilot über „Easy Money“

Metacritic über „Easy Money“

Rotten Tomatoes über „Easy Money“

Wikipedia über „Easy Money“ (deutsch, englisch)

Homepage von Jens Lapidus

Krimi-Couch über Jens Lapidus

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Sebastian Bergman – Spuren des Todes 1“

Meine Besprechung von Daniel Espinosas „Safe House“ (Safe House, USA 2012)


TV-Tipp für den 22. Januar: Heist – Der letzte Coup

Januar 22, 2014

Kabel 1, 22.40

Heist – Der letzte Coup (USA 2001, R.: David Mamet)

Drehbuch: David Mamet

Nachdem Meisterdieb Joe Moore bei einem Diebstahl von einer Überwachungskamera gefilmt wird, will er aussteigen. Aber sein Hehler Mickey Bergman erpresst ihn zu einem letzten großen Coup. Ab diesem Moment kämpfen sie gegeneinander.

Dank der guten Schauspieler und des wendungsreichen Drehbuchs von Regisseur David Mamet ist dieser Film vom letzten großen, perfekt ausgeführten Coup und den sich gegenseitig betrügenden Gaunern ein einziges Vergnügen. Denn „Heist – Der letzte Coup“ ist gutes Genrekino, präsentiert von einem Meister, der hier tief in seiner Trickkiste wühlt.

Mit Gene Hackman, Danny DeVito, Delroy Lindo, Sam Rockwell, Rebecca Pidgeon

Wiederholung: Donnerstag, 23. Januar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Drehbuch von David Mamet

Moviepilot über „Heist“

Metacritic über „Heist“

Rotten Tomatoes über „Heist“

Wikipedia über „Heist“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. Januar: The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer

Januar 21, 2014

 

RTL, 20.15

The Blacklist: Raymond Reddingtons schwarze Liste/Der Freelancer (USA 2013)

Regie: Joe Carnahan, Jace Alexander

Drehbuch/Erfinder: Jon Bokenkamp

Serienhit aus den USA, der schon jetzt eine zweite Staffel erhalten hat, dort auch bei der Kritik gut ankam und die ohne James Spader ein Fall für die Mülltonne wäre. Er spielt Raymond ‚Red‘ Reddington, einen seit Ewigkeiten vom FBI weltweit gesuchten Topverbrecher und Ex-FBI-Agent, der sich im Serienauftakt freiwillig stellt (Warum?) und dem FBI anbietet, ihm bei der Jagd nach Verbrechern zu helfen (Warum?). Er hat dafür eine ziemlich lange Blacklist von besonders gefährlichen Verbrechern, deren Existenz teilweise sogar FBI, CIA und alle anderen Geheimdienste nicht kennen. Er wird allerdings nur, in schönster „Das Schweigen der Lämmer“-Tradition, mit Elizabeth Keen (Megan Boone), einer blutjungen Profilerin, reden. Und er hat noch einige andere Forderungen, die allerdings ein Ablenkungsmanöver sein können. Denn selbstverständlich ist vollkommen unklar, wie ehrlich der notorische Lügner Reddington ist und welche Agenda er verfolgt.

Die ersten beiden Folgen sind, abgesehen von James Spader (Grandios!), enttäuschend. Die anderen Schauspieler sind Stichwortgeber, die mit banalen Dialogen zu kämpfen haben. Der Serienauftakt ist eine einzige hektische, nicht nacherzählbare Hatz, die zweite Episode ist dann etwas ruhiger, aber beide Episoden sind unglaublich unlogisch und kaum nachvollziehbar. Auch weil es außer den Behauptungen von Reddington über die Bösewichter keinerlei Beweise gibt und es vollkommen unklar ist, wie sehr die Ereignisse von ihm manipuliert werden. So behauptet er in „Der Freelancer“, das ein vollkommen unbekannter Attentäter seine Anschläge als Unfälle kaschiert (zum Beispiel eine Zugentgleisung mit hunderten Toten – und, oh Wunder, bei solchen Katastrophen sterben auch immer wieder wichtige Personen, die von Reddington behaupteten Ziele des Freelancers). Jetzt soll er einen Anschlag auf eine Menschenrechtsaktivistin planen, der während eines Wohltätigkeitsdinners stattfinden soll; selbstverständlich getarnt als Unfall und nach dem MO des Täters mit vielen unschuldigen Opfern. Der Täter soll auch während des Dinners dabei sein – und am Ende kommt heraus, dass Reddington das alles geplant hat, um die Aktivistin, die in Wirklichkeit ein ganz böser Gangster ist (was niemand wusste), umzubringen. Der titelgebende Freelancer spielt am Ende keine Rolle mehr; wobei sogar unklar ist, ob es ihn überhaupt gibt. Es könnte auch sein, dass Reddington ihn einfach erfunden hat, nachdem er am Anfang der Episode einen Zug entgleisen ließ.

Ich werde mir noch ein, zwei Folgen ansehen, aber bis jetzt überwiegt eindeutig das Negative. Denn ohne Spader hätte ich es nicht bis zur zweiten Folge geschafft.

Mit James Spader (Raymond ‚Red‘ Reddington), Megan Boone (Elizabeth Keen), Ryan Eggold (Tom Keen), Diego Klattenhoff (Donald Ressler), Harry Lennix (Harold Cooper), Parminder Nagra (Agent Meera Malik), Hisham Tawfiq (Dembe), Deborah S. Craig (Luli)

Wiederholung: Mittwoch, 22. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

NBC über „The Blacklist“

Metacritic über „The Blacklist“

Rotten Tomatoes über „The Blacklist“

Wikipedia über „The Blacklist“ (deutsch, englisch)

 

 


TV-Tipp für den 20. Januar: Kein Platz zum Leben – No Place on Earth

Januar 20, 2014

 

ARD, 22.45

Kein Platz zum Leben (GB/D/USA 2012, R.: Janet Tobias)

Drehbuch: Paul Laikin, Janet Tobias

Die ergreifende Doku „No Place on Earth“ (Original- und Kinotitel) von Janet Tobias beschäftigt sich mit dem Schicksal der Familien Stermer und Dodyk, die im Oktober 1942 in der Ukraine vor der Gestapo in die riesige Verteba-Höhle flüchteten und dort und in der Priestergrotte 511 Tage unter Tage verbrachten. Diese Geschichte des längsten bekannten Aufenthalts von Menschen unter der Erde wird in einer gelungenen Mischung aus nachgestellten Szenen und Interviews mit den heute noch Lebenden erzählt.

Die Writers Guild of America nominierte das Drehbuch in der Kategorie „Bestes Drehbuch für einen Dokumentarfilm“.

Wiederholung: Dienstag, 21. Januar, 04.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „No Place on Earth“

Moviepilot über „No Place on Earth“

Metacritic über „No Place on Earth“

Rotten Tomatoes über „No Place on Earth“

Wikipedia über „No Place on Earth“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 19. Januar: Mein großer Freund Shane

Januar 19, 2014

Arte, 20.15

Mein großer Freund Shane (USA 1953, R.: George Stevens)

Drehbuch: A. B. Guthrie jr., Jack Sher

LV: Jack Schaefer: Shane, 1949 (Mein großer Freund Shane)

Revolverheld Shane hilft einigen Siedlern gegen einen Viehzüchter.

Ein Westernklassiker für Erwachsene mit einem mythologischen Helden. Sowohl Roman als auch Film eroberten Publikum und Kritik im Sturm.

Mit Alan Ladd, Jean Arthur, Van Heflin, Brandon De Wilde, Jack Palance, Ben Johnson, Elisha Cook jr.

Wiederholung: Donnerstag, 23. Januar, 23.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Mein großer Freund Shane“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Shane”

Rotten Tomatoes über „Shane“

Filmsite: Tim Dirks über “Shane”

Western-Autor Richard S. Wheeler über „Shane“ von Jack Schaefer


TV-Tipp für den 18. Januar: Der Pate III

Januar 18, 2014

 

ZDFneo, 22.15

Der Pate III (USA 1990, R.: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola

1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.

Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.

Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Nebraska“ – Alexander Payne reist mit Bruce Dern durch Amerika

Januar 17, 2014

 

Ein alter Mann geht eine Straßen entlang. Er hat offensichtlich ein Ziel, auch wenn er von einem freundlichen Polizisten aufgehalten wird und seine Familie genervt ist, weil der Mann 900 Meilen nach Lincoln, Nebraska, gehen will. Denn von dort erhielt er einen Brief, dass er im Lotto eine Million gewonnen habe und der alte Sturkopf, ein Trinker mit nachlassendem Gedächtnis, hat jetzt endlich ein Ziel. Er will seinen Gewinn abholen. Dass Woody Grant nichts gewonnen hat, will er nicht wahrhaben. Irgendwann entschließt sich sein Sohn David, der von seiner Freundin verlassen wurde und in einem Job als Hifi-Anlagenverkäufer feststeckt, seinen Vater dorthin zu fahren. Es könnte die letzte gemeinsame Zeit mit ihm sein. Jedenfalls solange er noch – halbwegs – geistig gesund und nicht pflegebedürftig ist.

Wie es sich für ein richtiges Road-Movie gehört, ist auch in „Nebraska“ der Weg das Ziel und es geht auch nicht um den Lottogewinn, sondern um Beziehungen, Träume und Enttäuschungen. Denn während der Reise besuchen sie auch Woodys Familie in seinem Geburtsort Hawthorne. Dort erfährt David vieles über seinen Vater und seine Mutter und ihre alten Freunde, die, wie bei Alexander Payne üblich, zu einem großen Teil mit Laien besetzt sind und so der in stilvollen Schwarzweiß gedrehten poetisch-wahrhaftigen Geschichte eine zusätzliche Erdung verschaffen. Denn die einsilbigen Gespräche in Woodys Familie, die er lange nicht mehr gesehen hat, und das anschließende gemeinsame Genießen des TV-Programms sind gleichzeitig genau beobachtet und wahr, weil Familientreffen genau so sind, urkomisch, weil sie die Situation zuspitzen und eine Gruppe normal aussehender, hauptsächlich älterer Männer, die sich auf eine zu kleine Couch quetschen und gebannt auf den Bildschirm und damit in den Kinosaal starren, einfach absurd ist, bitter, weil es die ganze Traurigkeit des Lebens normaler Menschen in einer Szene zusammenfasst, und lebensbejahend, weil sie alle durchaus zufrieden sind. Sie müssen nicht endlos miteinander reden, weil sie sich auch schweigend verstehen. Auch die Dialoge sind oft herrlich lakonisch und lebensweise – und wenn alles nichts mehr hilft, feuert Woodys Frau Kate eine spitze Bemerkung ab. Sie wird von June Squibb, die Payne-Fans als Frau von Jack Nicholson in „About Schmidt“ kennen, gespielt.

Im Zentrum von „Nebraska“ steht allerdings Bruce Dern, der hier seiner langen Karriere von exzellenten Charakterstudien eine weitere hinzufügt und dafür jetzt eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhielt. Allein schon sein Spiel rechtfertigt den Besuch des warmherzigen Films über Familien und den amerikanischen Mythos, mit der wundervollen Musik von „Tin Hat Trio“-Mitglied Mark Orton.

Außerdem wurde „Nebraska“ als bester Film, Alexander Payne als bester Regisseur, June Squibb als beste Nebendarstellerin, Bob Nelson für sein Drehbuch, Phedon Papamichael als bester Kameramann für den Oscar nominiert. Alle Nominierungen sind verdient, aber die Konkurrenz ist – immerhin kenne ich die meisten nominierten Filme – stark; auch wenn einige Filme, wie „All is lost“ (nur Ton), „Inside Llewyn Davis“ (nur Bild und Ton), „Rush“ und „Saving Mr. Banks“ (nur eine Musik-Nominierung) seltsamerweise nicht oder nur in Nebenkategorien dabei sind.

Nebraska - Plakat

Nebraska (Nebraska, USA 2013)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Bob Nelson

mit Bruce Dern, Will Forte, June Squibb, Stacy Keach, Bob Odenkirk, Tim Driscoll, Davin Ratray, Angela McEwan

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Nebraska“

Moviepilot über „Nebraska“

Metacritic über „Nebraska“

Rotten Tomatoes über „Nebraska“

Wikipedia über „Nebraska“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Alexander Payne in der Kriminalakte

und einige Interviews mit Alexander Payne, Bruce Dern, Will Forte und June Squibb