Vor fünfzehn Jahre drehte Peter Thorwarth „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“. Vor acht Jahren drehte er „Goldene Zeiten“, den Abschluss seiner Unna-Trilogie und seinen bislang letzten Spielfilm.
Mit „Nicht mein Tag“ kehrt er zurück und ist, mit leicht veränderten Vorzeichen, wieder in der Welt von „Bang Boom Bang“, der kultigen Ruhrpott-Kleingangsterkomödie, gelandet. Nappo Navroki (Moritz Bleibtreu) war einige Jahre im Bau. Das liefert sofort die Vorlage für einen „im Bau“/“auf dem Bau“-Witz, der das Niveau des Films gleich ziemlich tief legt. Mit einem Bankkredit will er sein neues Auto, einen Ford Mustang Fastback GT, Baujahr 1968, finanzieren. Sein Bankberater Till Reiners (Axel Stein) gibt ihm, wegen fehlender Sicherheiten, das Geld nicht. Ach ja: Reiners Name wird öfters mit Til Schweiger verwechselt. Das ist, bis der andere Til kurz auftaucht, der Running Gag des Films.
Nappo der unbedingt den Ford Mustang will, um dann mit seiner Freundin nach Cherbourg zu fahren (den Gag könnt ihr euch denken), raubt kurzentschlossen und gänzlich improvisiert die Bank aus und nimmt, weil alles schief geht, Till als Geisel.
Jetzt könnte ein flottes Road-Movie beginnen, in dem Geisel und Geiselnehmer sich näher kommen, während sie von der Polizei verfolgt werden. Nappo und Till kommen sich zwar näher, entdecken Gemeinsamkeiten (wie die Liebe zur Rockband Donar [gespielt von „Cowboys on Dope“]), aber die Verfolger spielen keine Rolle. Auch Tills Frau steckt gerade, wegen Beziehungsstress, in einem Mega-Nachrichtenloch und bekommt, weil der Drehbuchautor es so will, absolut nichts von der Geiselnahme mit. Damit hat die Geiselnahme dann auch ungefähr die Spannung eines Landausflugs. Immerhin verbringen Nappo und Till in einer Gartenlaube einen bierseligen Abend mit Klampfenmusik und Lagerfeuer.
Nach dem ersten Drittel lässt Nappo seine Geisel frei – und damit ist die Filmgeschichte eigentlich zu Ende. Der Konflikt ist gelöst und beide könnten wieder getrennte Wege gehen.
Nur weil Nappo von einem Verbrecherkumpel das Angebot für ein illegales Geschäft in Amsterdam erhält, bei dem auch ein „Zivilist“ zwecks Studium der Papiere benötigt wird (weil der Drehbuchautor es so will), und Till, als er in sein Reihenhaus zurückkehrt einen fremden Mann im Ehebett entdeckt und glaubt, dass seine Frau gerade duscht (es ist ihre Freundin, die den Irrtum allerdings nicht aufklärt; ebenfalls weil der Drehbuchautor es so will), dann Nappo nach Amsterdam begleitet, geht der Film in einer sich endlos hinziehenden Abfolge von Episoden und Episödchen weiter, in der beste Witz im Trailer verraten wird: „Das ist wie Osten. Nur im Westen.“ Ansonsten sind die Witze und der Humor aus dem letzten Jahrhundert.
Axel Stein, der bislang als Schauspieler noch nicht wirklich auffiel, überzeugt als biederer und begriffsstutziger Bankbeamter. Jedenfalls am Anfang. Nachdem er sich freiwillig mit Nappo auf den Amsterdam-Ausflug begibt, gibt es dann das Standardprogramm von Alkohol, Drogen, Ausfällen, Action, Chaos und entsprechenden Witzen. Moritz Bleibtreu, der zuletzt in „Inside Wikileaks“ und „Vijay und ich – Meine Frau geht fremd mit mir“ schauspielerisch überzeugte, liefert hier nur das Klischees eines Proll-Gangsters mit überschüssiger Macker-Allüre und arg beschränktem Verstand, das schon zu „Bang Boom Bang“-Zeiten anachronistisch war und seine wahre Heimat in deutschen Kriminalfilmen aus den Siebzigern und Achtzigern hat, die manchmal im Spätprogramm laufen.
Nicht mein Tag (Deutschland 2014)
Regie: Peter Thorwarth
Drehbuch: Stefan Holtz
LV: Ralf Husmann: Nicht mein Tag, 2008
mit Axel Stein, Moritz Bleibtreu, Jasmin Gerat, Anna Maria Mühe, Nele Kiper, Ben Ruedinger, Kasem Hoxha, Ralf Richter
Takeshi Kitano hatte mal wieder Lust auf einen richtig blutigen Yakuza-Film und den lieferte er dann mit „Outrage“ auch ab.
Im Gegensatz zu seinen früheren Filmen, wie „Hana-Bi“, „Kikujiros Sommer“, „Brother“, „Dolls“ und „Zatoichi – Der blinde Samurai“, lief „Outrage“ nicht in unseren Kinos.
mit Takeshi Kitano, Kippei Shiina, Ryo Kase, Tomokazu Miura
Was soll nach einem Kinderfilm, einer Liebeserklärung an das Kino, kommen? Martin Scorsese entschied sich für eine Rückkehr zu seinen Wurzeln: nach über zehn Jahren spielt die Geschichte, die er erzählt, wieder in New York, ein Charakter steht im Mittelpunkt und es wird ein Milieu porträtiert, das die meisten Menschen wahrscheinlich nur aus der Zeitung kennen. Dieses Mal ist es der titelgebende „The Wolf of Wall Street“, wie sich Jordan Belfort gänzlich unbescheiden selbst nennt und wie er folgerichtig seine Autobiographie betitelte, und das Milieu der Börsenspekulanten, die Millionen verdienen und die bürgerliche Moralvorstellungen ungefähr so sehr beachten, wie Mafiosi, die sich aber auch gegenseitig umbringen.
„The Wolf of Wall Street“ schließt auch stilistisch und erzählerisch an „GoodFellas“ und „Casino“, zwei frühere Scorsese-Klassiker, an. Nur das dieses Mal die Gangster keine Mörder, sondern Weiße-Kragen-Kriminelle sind.
Jordan Belfort kommt 1987 an die Wall Street und wird kurz darauf beim Börsencrash entlassen. Er eröffnet, abseits der Wall Street, Stratton Oakmont, eine Firma, die mit den Pennystocks ein Vermögen macht und mit immer mehr Angestellten in immer größere Büros expandiert. Belfort faszinierte bei den Pennystocks, Aktien von prinzipiell wertlosen Unternehmen, die nicht an der regulären Börse gehandelt werden und oft nur ein Betrug sind, dass er eine wesentlich höhere Provision als bei sonstigen Verkäufen erhält.
Belfort und seine engsten Freunde, eine erschreckend hohe Zahl von Schulabbrechern und Kleingangstern und in jedem Fall von Menschen, die keinerlei ökonomisches Wissen haben, aber gut das von Belfort geschriebene Verkaufsskript vorlesen können, verdienen mit ihrer aggressiven Verkaufsstrategie schnell unglaublich viel Geld und geben es ebenso schnell, maßlos und hemmungslos für Frauen, Drogen und ihre pubertären Träume aus.
Gleichzeitig sind sie Betrüger und Steuerhinterzieher im großen Stil, die – wie Gangster – Tonnen von Geld über die Grenze schmuggeln.
„The Wolf of Wall Street“ zeichnet, nach einem Drehbuch von „The Sopranos“- und „Boardwalk Empire“-Autor Terence Winter, in einem atemlosem, dreistündigen Strudel von Voice-Over, Ansprachen, grellen Bildern und absurden Geschichten das Leben der Yuppies, die glauben über dem Gesetz zu stehen, nach – und wir finden sie durchaus sympathisch. Fast wie große Jungs, die ihren Spaß haben und nicht fassen können, dass sie Geld wie Heu verdienen.
Das liegt auch daran, dass die Gegenseite von dem humorlosen FBI-Agenten Patrick Denham verkörpert wird, der Belfort anscheinend nur verfolgt, weil er ihm sein Geld nicht gönnt; weil die Opfer von Belforts Spekulationen, die kleinen Menschen, die ihr mühsam Erspartes in wertlosen Aktien anlegen, nie vorkommen und weil, auch wenn Belfort am Ende vor Gericht steht, die Verhandlung auf einen kurzen Gag zusammengestrichen wird. Da fragt man sich dann doch, was Belfort, außer etwas Steuerhinterziehung, so schlimmes getan hat. Aber das fragte man sich auch bei Tony Soprano.
Beim Drehbuch merkt man, dass Terence Winter vom Fernsehen kommt. Denn es gibt viele, für Kino-Verhältnisse, unglaublich lange Szenen, in denen wenige Schauspieler in einem Raum sitzen und reden – und wir fasziniert zuhören, weil die Schauspieler und die von Winter geschriebenen Dialoge, Monologe und das fast pausenlose Voice-Over grandios sind. Wenn Wall-Street-Broker Mark Hanna dem jungen Jordan Belfort, der an seinen Lippen hängt, erzählt, wie die Wall Street funktioniert, dann darf Matthew McConaughey in wenigen Minuten einen vollkommen wahnsinnigen Menschen porträtiert, dem Andere ihr Geld anvertrauen. Oder wenn Leonardo DiCaprio als Jordan Belfort eine seiner zahlreichen Ansprachen vor seinen Angestellten hält oder er einen massiven Quaaludes-Drogenrausch hat. Oder wenn er in der Schweiz sein Schwarzgeld anlegen will und an einen von Jean Dujardin hübsch skrupellosen, aber sehr charmanten Banker gerät.
Langweilig ist Martin Scorseses Film nie. Trotzdem ist „The Wolf of Wall Street“ mit drei Stunden, je nach Sichtweise, entweder zu lang geraten, weil man wirklich nicht die fünfte Belfort-Ansprache braucht, weil die Geschichte eher ein unfokussierter, eklektischer Reigen von grellen und absurden Episoden ist, oder zu kurz, weil es trotzdem nie langweilig wirkt und man gerne noch etwas mehr über Belfort und sein maßloses Leben in einem ebenso maßlosem Film erfahren hätte.
Aktueller Stand: fast hundert gewonnene Filmpreise, unter anderem den Golden Globe als bester Film des Jahres, 142 Nominierungen und es dürften bis zur Oscar-Nacht noch einige Preise hinzukommen. Dieser beeindruckende Preisregen, der auch mit der Inflation von Filmpreisen in den vergangenen Jahren zusammenhängt, sagt vor allem eines: „12 Years a Slave“ ist ein guter Film; was niemand, der Steve McQueens beiden vorherigen Filme „Hunger“ und „Shame“ gesehen hat, bezweifelt. Es ist auch sein zugänglichster Film, der am nächsten an den bekannten Hollywood-Erzählkonventionen ist.
McQueen erzählt nach einem Drehbuch von John Ridley („U-Turn“, „Three Kings“, mehrere Romane, vor allem in Richtung Noir) die wahre Geschichte von Solomon Northup, der 1841 gesellschaftlich anerkannt und glücklich verheiratet mit zwei Kindern in Saratoga, New York, lebt. Als er einen gut bezahlten Job als Geiger in Washington, DC, annimmt, beginnt seine Leidensgeschichte. Denn er wird betäubt, gefangen genommen und in die Südstaaten nach Louisiana verschifft. Jetzt ist er ein Sklave, dem niemand glaubt, dass er in New York ein freier Mann war.
In den kommenden zwölf Jahren arbeitet er auf verschiedenen Plantagen unter Besitzern, die ihn verschieden schlecht behandeln, ihm aber immer seiner Würde berauben, ihn nicht als Menschen, sondern als Sache, über die sie nach Belieben verfügen können, betrachten.
John Ridley sagt dazu: „Wenn man heute über die Sklaverei spricht, geht man landläufig davon aus, dass Schwarze in den Baumwollfeldern unter besseren oder unter schlechteren Bedingungen schufteten. Fertig! Aber das ganze System war viel komplexer. Es zielte auf eine totale Entmenschlichung ab. Den Weißen gegenüber wurde behauptet, dass Schwarze dazu geboren waren, Sklaven zu sein. Sie wurden als minderwertige Rasse dargestellt, der von Geburt an überhaupt keine Rechte zustanden. Davon wollten Steve und ich erzählen – und gleichzeitig zeigen, welches Unrecht Solomon zugefügt wurde.“
Auf den Plantagen kann McQueen, der „12 Years a Slave“ strikt chronologisch und aus der Perspektive von Northup erzählt, eine kleine Starparade abfeiern. Denn die Sklavenhalter werden von Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender gespielt. Paul Dano spielt einen gemeinen Vorarbeiter und Brad Pitt einen aus Kanada kommenden Zimmermann.
Getragen wird der Film allerdings von Chiwetel Ejiofor, für den die Rolle der Durchbruch sein könnte. Denn als Solomon Northup ist er von der ersten bis zur letzten Minute das Zentrum der Geschichte.
Im Gegensatz zu „Django Unchained“ oder „Lincoln“, die sich zuletzt mit der Sklaverei beschäftigten, ist Steve McQueens Film kein poppiger Rache-Western mit Hang zum plakativen Spaghetti-Western-Humor oder ein wortlastig-gediegenes Hinterzimmer- und Parlamentskammerspiel, sondern die nüchtern erzählte Geschichte eines Mannes, der vom freien Mann zum Sklaven wird und der sich nur durch eine glückliche Begegnung aus seinem Martyrium befreien kann. Dabei zeigt McQueen, der schon in „Hunger“ und „Shame“ kompromisslos seine künstlerische Vision verfolgte und auch dort nie vor unangenehmen Bildern zurückschreckte, die er aber, ohne das Leiden seiner Protagonisten kunstgewerblich zu ästhetisieren, wie wunderschöne Visionen des Leidens inszenierte und die deshalb durchaus in einer Ausstellung einen adäquaten Platz finden könnten. In beiden Filmen verlangte er dabei seinem Hauptdarsteller Michael Fassbender auch körperlich einiges ab. In seinem neuen Film, der das System Sklaverei nüchtern analysiert, nimmt Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor diesen Platz ein. Besonders unangenehm sind dabei die Auspeitschungen, die, teils in paradiesischer Landschaft, in langen, ungeschnittenen Szenen als Marter gezeigt werden. Oder als Northup, mit einem Strick um seinen Hals, eine Ewigkeit auf seinen Zehen tänzeln muss, bis darüber entschieden ist, ob er gehängt wird oder nicht. Im Hintergrund geht dabei das normale Plantagenleben weiter.
Wie werden aus ganz normalen jungen Männern Massenmörder? Diese Frage will Stefan Ruzowitzky in seinem neuen Film „Das radikal Böse“ beantworten und selbstverständlich spielt der Titel auf Hannah Arendts Überlegungen zum radikal Bösen, die von der Vernichtung der Juden im zweiten Weltkrieg ausgingen, an.
Deshalb beschäftigt er sich den Exekutionen von deutschen Einsatzgruppen in Osteuropa. Die Soldaten erschossen damals systematisch alle Juden, die sie antrafen. Insgesamt ungefähr zwei Millionen Menschen. Tagsüber. In der Öffentlichkeit, teils vor Zuschauern. Die Täter waren ganz normale junge und weniger junge Männer, die nicht zu ihren Taten gezwungen wurden und keine negativen Folgen zu befürchten hatten. Trotzdem folgten fast alle freiwillig dem Befehl und freuten sich über eine zusätzliche Ration Alkohol.
Ruzowitzky verknüpft in „Das radikal Böse“ Spielszenen mit Statisten und Laien bei alltäglichen Verrichtungen, in denen bekannte deutsche Schauspieler, wie Devid Striesow und Benno Fürmann, Briefe von Soldaten vorlesen mit Interviews mit Wissenschaftlern und, kurz visualisierten, Nachstellungen von bahnbrechenden Experimenten, wie das Konformitätsexperiment von Solomon Asch, das Stanford-Experiment und das Milgram-Experiment. Diese Experimente werden allerdings sehr knapp zusammengefasst, fasst wie ein Infokasten bei einer Reportage. Dabei hätte man schon gerne mehr über die Experimente und inwiefern die Erkenntnisse sich in späteren Experimenten bestätigten, erfahren.
Wesentlich interessanter sind die langen Interviews mit Fachleuten. Es sind der Historiker Christopher Browning, der „Ganz normale Männer“ und „Die Entfesselung der ‚Endlösung‘. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939 – 1942“ schrieb, Sozialpsychologe Roy Baumeister, der „Evil – Inside Human Violence and Cruelty“ schrieb, Benjamin Ferencz, der als junger Mann Chefankläger in Nürnberg war, Psychiater Robert Jay Lifton, der Begründer der Psychohistory, Priester Patrick Desbois, der mit „Yahad – In Unum“ die Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa erforscht, und Militärpsychologe Dave Grossman, der „Über das Töten“ schrieb und sehr anschaulich erklärt, wie das Militär junge Männer dazu bringt, Befehlen zu gehorchen.
Bei den Gesprächspartnern – was wahrscheinlich mit der Spekulation auf internationale Verkäufe erklärt werden kann – fällt allerdings auf, dass sie alle aus dem angloamerikanischen Raum kommen und englisch sprechen. Sowieso können ihre Erkenntnisse und auch die Aussagen über den Gruppendruck innerhalb der deutschen Armee locker auf andere Armeen im Auslandseinsatz übertragen werden.
„Das radikal Böse“ liefert nur einen ersten, oberflächlichen Einblick in das Thema, aber gerade dadurch lädt er auch zu Diskussionen ein.
Das radikal Böse (Deutschland 2013)
Regie: Stefan Ruzowitzky
Drehbuch: Stefan Ruzowitzky
mit den Experten Christopher Browning, Roy Baumeister, Benjamin Ferencz, Robert Jay Lifton, Patrick Desbois, Dave Grossman
mit den Stimmen von Volker Bruch, Alexander Fehling, Benno Fürmann, Hanno Koffler, Lenn Kudrjawizki, Andreas Schmidt, Simon Schwarz, Devid Striesow, Arnd Schwering-Sohnrey, Sebastian Urzendowsky, Nicolette Krebitz
Wahrscheinlich hat jede Generation ihre „Fünf Freunde“. Denn Enid Blyton schrieb die Geschichten mit den fünf Freunden Julian (bzw. Julius), Richard ‚Dick‘, Georgina (bzw., weil sie lieber ein Junge wäre, George), Anne und dem Hund Timmy in den Vierzigern und Fünfzigern; die erste deutsche Übersetzung erschien 1952 und seitdem wurden die Bücher von Kindern verschlungen. Auch ich las die Romane und mir gefiel die englische „Fünf Freunde“-TV-Serie von 1978/1979.
Die Hörspiele ließ ich links liegen. Ebenso die Post-Enid-Blyton-Fünf-Freunde-Bücher und die TV-Serie aus den Neunzigern.
2012 kam dann „Fünf Freunde“ in die Kinos und weil der Film erfolgreich war, gibt es jetzt schon den dritten „Fünf Freunde“-Spielfilm, mit der aus den vorherigen Filmen bekannten Besetzung vor und hinter der Kamera.
Dieses Mal fliegen George (Valeria Eisenbart), Julian (Quirin Oettl), Dick (Justus Schlingensiepen), Anne (Neele Marie Nickel) und Timmy nach Thailand, wo Onkel Quentin (Michael Fitz) schnell im Labor eines alten Studienkollegen und aus der Geschichte verschwindet.
Die fünf Freunde wollen einen gemütlichen Urlaub verbringen. Aber schon am ersten Tag entdecken sie in der Black Shark Bay in einem alten Wrack die Leiche eines Piraten und einen Kompass, der sie zu dem berühmten Schatz von One-Arm-Ted führt. Der Schatz ist irgendwo im gefährlichen Dschungelgebiet des Noteka versteckt. Mit dem einheimischen Mädchen Joe (Davina Weber) machen sie sich auf den Weg. Joe braucht den Schatz um ihr Dorf vor den Baggern des aasigen Hotelbesitzers Mr. Haynes (Sky du Mont) zu retten.
Verfolgt werden die abenteuerlustigen Kinder bei ihrer Schatzsuche von Cassi (Nora von Waldstätten) und Nick (Michael Kessler), zwei Kleingangster mit großen Plänen und beschränktem Intellekt. Vor allem Nick gehört zur doofen Sorte. Aber auch die anderen Bösewichter, Cassi und Mr. Haynes, sind nicht unbedingt Geistesgrößen, was immerhin zu einigen vergnüglichen Szenen führt, wenn sie sehr übertrieben Böse sind oder, dank eines Schlangengiftes, gelähmt sind. Auch Nicks sprechender Kakadu Hugo ist immer für einen Witz oder sarkastischen Kommentar gut.
Natürlich ist die vor exotischer Kulisse spielende Abenteuergeschichte vorhersehbar, aber sie wird kurzweilig präsentiert, die Spannungsmomente sind gut gesetzt, es gibt eine ordentliche Portion Action und die Schauspieler sind rundum sympathisch.
Außerdem ist der dritte „Fünf Freunde“-Film angenehm altmodisch erzählt. Es wird auf überflüssige Modernismen, wie Wackelkamera, Sekundenschnitte, übermäßigen CGI-Einsatz und krachend laute Musik, verzichtet. Computer sind zwar, wenn sie die Geschichte des Piraten recherchieren, vorhanden, könnten aber genausogut aus der Filmgeschichte gestrichen werden; was ich bevorzugt hätte. Denn eine Piratengeschichte erfährt man doch lieber aus einem alten Buch als über eine Wikipedia-ähnliche Homepage. Die Schauspieler hatten ihren Spaß und Tiere gibt es auch.
„Fünf Freunde 3“ ist ein flott erzählter Kinderfilm, der kindgerecht spannend unterhält. Nur bei dem Titel, der eine nackte Produktbezeichnung ist, hätten die Macher sich mehr Mühe geben können. Zum Beispiel „Fünf Freunde und der Piratenschatz“ hätte besser geklungen.
Fünf Freunde 3 (Deutschland 2013)
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Peer Klehmet, Sebastian Wehlings
LV: Charaktere von Enid Blyton
mit Valeria Eisenbart, Quirin Oettl, Justus Schlingensiepen, Neele Marie Nickel, Davina Weber, Nora von Waldstätten, Michael Kessler, Michael Fitz, Sky du Mont
Small Town Murder Songs (Kanada 2010, R.: Ed Gass-Donnelly)
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.
Die geheimen Deals der Rohstoffhändler (Frankreich 2014, R.: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris)
Drehbuch: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris
Warum sind Lebensmittel und Rohstoffe so teuer? Warum müssen Menschen hungern? Radio-France-Chefredakteur Jean-Pierre Boris (u. a. „(Un)Fair Trade: Das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen“) und Dokumentarfilmer Jean Crépu (u. a. „Krieg um Reis“) versuchen diese Fragen zu beantworten – und stoßen auf die von der Politik nicht kontrollierten Geschäfte von Investmentbankern, die mit allem spekulieren.
Am Donnerstag startet „The Wolf of Wall Street“ (frei übersetzt „Der Wolf der Wall Street“), der neue, grandiose Film von Martin Scorsese, der an seine Klassiker „GoodFellas“ und „Casino“ anknüpft, nur dass er sich dieses Mal auf einen Finanzschwindler konzentriert. Ein dreistündiger Husarenritt. Leonardo DiCaprio, der vor wenigen Stunden den Golden Globe als bester Hauptdarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle und er ist wirklich atemberaubend als skrupelloser, egozentrischer Schwindler.
Der Film basiert auf der Biographie von Jordan Belfort, die jetzt bei Goldmann als Taschenbuch erschien:
Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone
(übersetzt von Egbert Neumüller)
Goldmann Taschenbuch, 2014
640 Seiten
9,99 Euro
–
Die Originalausgabe erschien 2007.
–
Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.
–
Hier einige Interviews mit Jordan Belfort, dessen Art mir nicht gefällt. Aber irgendetwas muss der Verkäufer ja richtig machen.
Grant Lewers (The Room Live) spricht mit Belfort:
Der Google-Hangout vom 11. Januar (am Anfang spricht Belfort auch über Scorseses Film)
Belfort erzählt, wie man Dinge verkauft:
–
Zum Ausgleich gibt es einige Interviews mit den am Film beteiligten Menschen:
The Hollywood Reporter (THR) spricht mit Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Drehbuchautor Terence Winter („Boardwalk Empire“, „The Sopranos“)
The LipTV/Media Mayhem spricht mit Drehbuchautor Terence Winter
DP/30 spricht mit Martin Scorsese (Ton ungewöhnlich schlecht)
Charlie Rose spricht mit Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio (der Ton ist leider Mülltonne)
Eine ziemlich überfüllte Academy Conversation, vom 18. Dezember 2013, mit den Schauspielern Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Margot Robbie, Regisseur Martin Scorsese, Autor Terrence Winter, Editor Thelma Schoonmaker, Köstumdesignerin Sandy Powell and Casting Director Ellen Lewis
–
Zum Film erscheint auch ein Soundtrack (digital ab dem 10. Januar, als CD ab dem 17. Januar) und, wie gewohnt, hat Martin Scorsese die Filmsongs passend ausgewählt. Auf die CD haben es
1. Mercy, Mercy, Mercy – Cannonball Adderley
2. Dust My Broom – Elmore James
3. Bang! Bang! – Joe Cuba
4. Movin’ Out (Anthony’s Song) – Billy Joel
5. C’est Si Bon – Eartha Kitt
6. Goldfinger – Sharon Jones and the Dap Kings
7. Pretty Thing – Bo Diddley
8. Moonlight In Vermont (Live At The Pershing Lounge/1958) – Ahmad Jamal
9. Smokestack Lightning (Album Version) – Howlin’ Wolf
10. Hey Leroy, Your Mama’s Callin’ You – The Jimmy Castor Bunch
In der Gegend um Fort Clark töten Indianer Weiße. Der Fortkommandant unternimmt nichts; außer das eigene Lager zu sichern. Aber Major Howell Brady, der den Auftrag hat, etwas gegen die Indianerangriffe zu unternehmen, beginnt zuerst durch die Gegend zu patrouillieren und verfällt dann auf einen verwegenen Plan: er will Indianer mit Indianern (wenn auch von einem anderen Stamm) bekämpfen.
Dazu gibt es noch etwas Liebe (was wir uns ja mit einem Blick auf die Besetzungsliste denken konnten), Führungsgerangel im Fort, einige Witze (denn ein Sidekick darf nicht fehlen), einige Landschaftsaufnahmen und am Schluss, wenn dann auch das Rätsel um den Tod von Armeeoffizier Corwin, der während einer Erkundungsmission getötet wurde, geklärt ist, eine große Schlacht um das Fort.
„Verschwörung auf Fort Clark“ ist ein Routinewestern. Von der ersten bis zur letzten Minute, der verdächtig an „Vorposten im Wilden Westen“ erinnert und einfach der Reihe nach, durchaus kurzweilig, aber nicht besonders innovativ, die Standardsituationen abruft. Der Western ist wirklich kein Film, den man gesehen haben muss.
Auch wenn die Besetzung mit Jeff Chandler (hier mal als Weißer), Maureen O’Hara und Henry Brandon (nach dem „Western-Lexikon“ von Joe Hembus der einzige Western, in dem Brandon einen sympathischen Indianer spielt. Er war in John Fords „Der schwarze Falke“ Chief Scar [Häuptling Schwarzer Falke].) prominent ist. Auch wenn George Sherman Inszenierte. Er war ein versierter Direktor, aber auch ein Routinier, der unter anderem „Die Teufelspassage“, „Duell in Socorro“ und „Big Jake“ (mit John Wayne) drehte. Auch wenn das Drehbuch von John Michael Hayes stammt, der danach für Alfred Hitchcock „Das Fenster zum Hof“, „Über den Dächern von Nizza“, „Immer Ärger mit Harry“ und „Der Mann, der zuviel wusste“ schrieb.
Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, USA 1953)
Regie: George Sherman
Drehbuch: John Michael Hayes
mit Jeff Chandler, Maureen O’Hara, Suzan Ball, John McIntire, Henry Brandon, Dennis Weaver, Noah Beery
Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von
Steven Spielberg)
Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.
Das ist wohl ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Tobe Hooper, der am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, das Licht der Welt erblickte, mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte schrieb und mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film inszenierte (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.
Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.
mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein
Ursprünglich sollte „Gangs of Wasseypur“ als ein Film gezeigt werden. Aber dreihundert Minuten war dann, sogar für Bollywood-Verhältnisse, etwas lang. Auch weil „Gangs of Wasseypur“ kein Musical (obwohl es genug Musik gibt), sondern ein Gangsterepos ist, das – anscheinend ziemlich nah an der Realität – die Geschichte des Verbrechertums in der nordostindischen Kohle- und Bergbaustadt Wasseypur erzählt.
Regisseur Anurag Kashyap konzentriert sich dabei auf die miteinander verfeindeten Verbrecherclans von Shahid Khan und Ramadhir Singh und ihren jahrzehntelangen Kampf von den vierziger Jahren, kurz vor dem Ende der Kolonialzeit, bis in die Gegenwart. Allein schon der zeitliche Umfang, sowohl in Erzählzeit als auch in Filmzeit, weckt Erinnerungen an Francis Ford Coppolas „Der Pate“-Saga oder Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“, aber Anurag Kashyap erzählt konventioneller, indem er chronologisch die Geschichte erzählt und mit viel Musik, vor allem im zweiten Teil, garniert. Der zweite Teil, der nach der Jahrtausendwende, nach der Ermordung von Shahid Khan auf offener Straße beginnt, erzählt, wie sein drogensüchtige Enkel Faizal die Macht übernimmt und der Kampf zwischen den beiden Familien zu einem Krieg eskaliert, Dieser Teil ist poppiger geraten, weil sich optisch und erzählerisch an neuen westlichen Gangsterfilmen orientiert und die Geschichte mit viel Bollywood-Musik unterlegt wird, der indischen Variante von Ethno-Euro-Disco, was für meine Ohren eine ziemlich gruselige Musik ist und weshalb ich auch kein Bollywood-Fan bin.
In der zweiten Hälfte fällt auch auf, wie lange Wasseypur von der westlichen Kultur verschont blieb. Bis vor wenigen Jahren schien dort seit den Dreißigern die Zeit stehen geblieben zu sein.
Die Teilung des dreihundert minütigen Films in zwei gleich lange Teile ist sinnvoll, denn jeder Teil erzählt eine durchaus eigenständige, stilistisch klar unterscheidbare Geschichte. Aber seine volle Pracht entfaltet „Gangs of Wasseypur“ nur, wenn man beide Teile sieht, die sich auch gar nicht wie fünf Stunden anfühlen.
Für uns Genrejunkies ist das Epos ein feiner Blick in eine fremde Verbrecherwelt. Denn es muss ja nicht immer die italienische Mafia in God’s own Country sein.
Gangs of Wasseypur – Teil 1 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (2,35:1)
Ton: Deutsch, Hindi (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer
Länge: 154 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Gangs of Wasseypur – Teil 2 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)
Regie: Anurag Kashyap
Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri
mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda
Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller
LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905
Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.
Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.
„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)
Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.
Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu “Der Untertan”) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:
„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“
Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers
ZDFneo, 23.15 Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello
Als 2001 der erste Jack-Taylor-Roman „The Guards“ von Ken Bruen erschien, wurde er in der angloamerikanischen Krimigemeinde euphorisch aufgenommen. „The Guards“ und der Folgeband „The Killing of the Tinkers“ räumten die wichtigen Krimipreise ab. Unter anderem Edgar- und Anthony-Nominierungen, Shamus- und Macavity-Gewinner. Seinen zweiten Shamus erhielt er für „The Dramatist“.
Und obwohl es auch in Deutschland schon damals einige bekennende Ken-Bruen-Fans gab, erschien erst 2009 die Übersetzung von „The Guards“ als „Jack Taylor fliegt raus“. Übersetzt von Harry Rowohlt, einem der wenigen Übersetzer, dessen Name es auch auf den Buchumschlag schafft und der Käufer anlockt. Dummerweise ist er auch ein Übersetzer mit einem beträchtlichen Ego und entsprechend umstritten sind die Übersetzungen; – wobei die echten Ken-Bruen-Fans seine Noirs eh im Original lesen, weil seine lyrisch-knappe Sprache eben nur im Original (auch wenn man nicht jede Anspielung und jedes Wortspiel versteht) ihren wirklichen Reiz entfaltet. Die Geschichten sind nebensächlich. Denn in einem Jack-Taylor-Roman geht es immer um Jack Taylor, Ex-Polizist, Trinker, Privatdetektiv, der seine Fälle nicht löst, weil er gut ermittelt, sondern trotz seiner Ermittlungen. Er ist ein herumstreifendes Katastrophengebiet, das sich bevorzugt auf die heiligen Kühe von Galway stürzt: Schwäne, die Kirche (die späteren Taylor-Romanen sind undenkbar ohne die Religion; in „The Devil“ trifft er sogar den Leibhaftigen) und den Hass gegen die Tinker, dem herumfahrenden Volk, das dort ungefähr so beliebt ist, wie bei uns die Sinti und Roma (beziehungsweise früher Zigeuner). Seine Freunde sind letztendlich die lesbische Polizistin Ridge, der zum Zen-Meister halbwegs konvertierte Drogenhändler Stewart und Father Malachy, seine Nemesis, Fluch seines Lebens und enger Freund von Jack Taylors Mutter.
Für die Verfilmung durfte Jack Taylor erstaunlich viele Ecken und Kanten behalten. Trotzdem wurde einiges geändert. So hat Taylor in der TV-Serie zwar auch eine Freundin bei der Polizei. Aber seine Vertraute bei der Polizei, Kate Noonan, erscheint nicht besonders lesbisch, eher schon asexuell. Und Cody ist als Privatdetektiv-begeisterter Jüngling, der in der Serie immer dabei ist, der typische Sidekick des Helden, der vor allem die Laufarbeit erledigen darf und mehr schlecht als recht die Detektei von Jack Taylor am Laufen hält.
Außerdem wurden, was bei den Taylor-Fans von der Insel für Kritik sorgte, die Innenaufnahmen in Bremen im Studio gedreht, weil auch die deutsche Firma Molten Rock Media mitproduzierte und es einen Zuschuss von Nordmedia gab. Und mit den Dialekten scheint es auch zu hapern, aber das kann auf der jetzt veröffentlichten DVD-Box mit den ersten sechs Jack-Taylor-Filmen nicht überprüft werden, weil auf die englische Tonspur verzichtet wurde.
Aber der wichtigste Unterschied zwischen Bruens Romanen und den Verfilmungen ist, dass in den Romanen der Ich-Erzähler Jack Taylor der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist, die vor allem Charakterstudien sind und Taylor die Fälle normalerweise nicht aufgrund eigener Ermittlungen löst. Ken Bruen meinte mal: „He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.“
Für die Verfilmungen wurde das geändert. Die Geschichten sind geradliniger und konventioneller, aus verschiedenen Perspektiven erzählt (obwohl Ken Bruen in den späteren Jack-Taylor-Romanen mit verschiedenen Perspektiven experimentiert) und Taylor ist der Ermittler, der die Fälle löst. In den Filmen werden die Fälle wegen Jack Taylor gelöst.
Und natürlich fehlt, auch wenn es etwas Voice-Over gibt und Dialoge übernommen wurden, Ken Bruens knappe, schwarzhumorig-lakonische Sprache, die Zitate und die Leselisten der Leseratte Jack Taylor, die veritable Einkaufslisten sind.
In „Der Ex-Bulle“ soll er ein spurlos verschwundenes Mädchen suchen. Weil kurz vorher vier Mädchen, deren Leichen aus dem Wasser gezogen wurden, sich angeblich selbst umbrachten, befürchtet Taylor, dass bald eine fünfte Wasserleiche gefunden wird.
In „Auge um Auge“ gerät Jack Taylor an die Pikemen, eine Bürgerwehr, die Verbrecher, die vor Gericht nicht verurteilt wurden, final bestraft.
In „Gefallene Mädchen“ wühlt Jack Taylor in der Vergangenheit von Galway. Denn er soll eine Nonne finden, von der er nur ihren Spitznamen „Lucifer“ kennt, und die in einem Magdalenen-Heim, in dem „Gefallene Mädchen“ wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollten, ein besonders drakonisches Regime führte.
In „Königin der Schmerzen“ beauftragt ein sich merkwürdig verhaltender Literaturprofessor Jack Taylor den Tod einer Studentin aufzuklären. Am Ende gerät Taylors Freundin Kate Noonan in Lebensgefahr.
In „Tag der Vergeltung“ wird Father Royce, der lange in den USA war, ermordet. Father Malachy möchte, dass Taylor den Fall aufklärt. Denn Father Royce verging sich an Messdienern – und das könnte das Motiv sein.
In „Das schweigende Kind“ wird Jack Taylor von einem Tinker-Clan beauftragt, den Mörder von Rosies Mutter zu finden. Rosie, die den Mord beobachtete, schweigt und die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für diesen Streit unter Tinkern.
Letztendlich sind die Jack-Taylor-Filme ordentliche Privatdetektiv-Filme mit einem kantigen Helden und Fällen, die sich tief in die unschönen Seiten der irischen Geschichte begeben. Aber die Bücher sollte man trotzdem lesen. Denn sie sind etwas ganz anderes.
Die DVD-Ausgabe
Eigentlich ist die deutsche DVD-Ausgabe der ersten sechs Jack-Taylor-Filme ein Fall für die Mülltonne. Denn es gibt keine Untertitel und keinen Originalton. Beides gehört für mich zur Standardausstattung.
Es gibt Interviews mit Hauptdarsteller Iain Glen, Noonan-Darstellerin Nora Jane Noone, Cody-Darsteller Killian Scott, Regisseur Stuart Orme, Produzent Ralph Christians, Drehbuchautor Marteinn Thorisson und Kameramann John Conroy, teils untertitelt, teils mit Voiceover, teilweise auch ohne Nennung des Interviewten.
Nein, einen besonders liebevollen Eindruck hinterlässt die „Jack Taylor“-Box nicht.
Dummerweise sieht die Situation in anderen Ländern nicht viel besser aus. In England gibt es nur die ersten drei Filme auf DVD.
Es gibt außerdem eine „Complete Collection One & Two“ mit den ersten fünf Fällen. Denn „Das schweigende Kind“ wurde bislang in Irland noch nicht gezeigt.
Jack Taylor (Irland 2010/2011/2013)
mit Iain Glen (Jack Taylor), Nora Jane Noone (Kate Noonan), Killian Scott (Cody), Frank O’Sullivan (Superintendent Clancy), Paraic Breathnach (Father Malachy)
–
DVD
Edel
Bild: Pal 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern und Machern der Serie
Länge: 540 Minuten (6 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Jack Taylors Ermittlungen
Der Ex-Bulle (The Guards, Irland 2010)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians
LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)
–
Auge um Auge (The Pikemen, Irland 2011)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
–
Gefallene Mädchen (The Magdalen Martyrs, Irland 2011)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: The Magdalen Martyrs, 2002 (Jack Taylor fährt zur Hölle)
–
Königin der Schmerzen (The Dramatist, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marcus Fleming
LV: Ken Bruen: The Dramatist, 2004 (Ein Drama für Jack Taylor)
–
Tag der Vergeltung (Priest, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: Priest, 2006 (Jack Taylor und der verlorene Sohn)
–
Das schweigende Kind (Cross; Shot Down, Irland 2013)
Regie: Stuart Orme
Drehbuch: Marteinn Thorisson
LV: Ken Bruen: Cross, 2007 (Jack Taylor auf dem Kreuzweg)
–
Die Jack-Taylor-Romane
1) Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)
2) Jack Taylor liegt falsch (The Killing Of The Tinkers, 2002)
3) Jack Taylor fährt zur Hölle (The Magdalen Martyrs, 2003)
4) Ein Drama für Jack Taylor (The Dramatist, 2004)
5) Jack Taylor und der verlorene Sohn (Priest, 2006)
6) Jack Taylor auf dem Kreuzweg (Cross, 2007)
7) Jack Taylor gegen Benedictus (Sanctuary, 2008)
8) Jack Taylor geht zum Teufel (The Devil, 2010)
9) Ein Grabstein für Jack Taylor (Headstone, 2011)
Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter (USA 2012, R.: Christopher Chulack, Michael Uppendahl)
Drehbuch: Hunt Baldwin, John Coveny, Sarah Nicole Jones
Erfinder: Hunt Baldwin, John Coveny
LV: Charakter von Craig Johnson
Wyoming, wo sich seit den Tagen des Wilden Westens wenige änderte: Sheriff Walt Longmire sorgt für Recht und Ordnung – und wir können eine in den USA hochgelobte Krimiserie genießen.
RTL Nitro zeigt die erste Staffel in Doppelfolgen.
In den USA wird dieses Jahr die dritte Staffel gezeigt.
Die Serie basiert auf Craig Johnsons Longmire-Romanen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Die Pilotfolge wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Die Serienerfinder Hunt Baldwin und John Coveny waren vorher bei „The Closer“ beschäftigt.
mit Robert Taylor, Katee Sackhoff, Lou Diamond Phillips, Bailey Chase, Cassidy Freeman, Adam Bartley, Louanne Stephens
Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.
J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.
Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.
Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.
Verkauft wurde „Zwei vom alten Schlag“ wahrscheinlich als „Rocky“ trifft „Wie ein wilder Stier“ Jake La Motta mit Sylvester Stallone und Robert De Niro in den Hauptrollen. Nach diesem Besetzungscoup ist die Sache dann ein Selbstläufer: andere bekannte Schauspieler machen gerne mit und bei der geballten Starpower winkt dann auch ein gutes Einspielergebnis. Diese Rechnung ging in den USA an der Kinokasse nicht auf; – was durchaus verständlich ist. Denn außer dem Besetzungscoup, der sich wie ein Gag in einer TV-Show liest, hat das Starvehikel nichts zu bieten.
Die banale Filmgeschichte wird überraschungsfrei und ziemlich nachlässig bis zum abschließenden Boxkampf erzählt: Henry ‚Razor‘ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy ‚The Kid‘ McDonnen (Robert De Niro) sind zwei Boxer aus Pittsburgh. In den frühen Achtzigern kämpften sie zweimal gegeneinander. Weil jeder einen Kampf gewann, sollte ein dritter Kampf endgültig zeigen, wer der bessere Boxer ist. Aber noch vor dem Kampf zog sich Razor zurück und wurde zu einem Stahlschweißer in einer Fabrik. Kid ging es finanziell besser, aber wirklich glücklich ist er als Unternehmer und Kneipier mit seiner unwitzigen Stand-Up-Comedy-Show auch nicht.
Dreißig Jahre später soll jetzt dieser Kampf ausgetragen werden. Vor dem Kampf muss dann noch etwas Ballast aus dem Weg geräumt werden: einerseits Gewichtsballast, weil beide nicht mehr sonderlich fit sind, andererseits emotionaler Ballast, weil natürlich eine Frau der Grund für Razors Rückzug war. Sally (Kim Basinger, anscheinend seit „9 1/2 Wochen“ nicht gealtert) war Razors Freundin, sprang aber auch einmal mit Kid ins Bett und aus diesem One-Night-Stand entstand ein Sohn (Jon Bernthal, gewohnt zuverlässig), der sich jetzt bei Kid meldet und dann sein Trainer wird.
Und beide Boxer sind spinnefeind, was dazu führt, dass jede ihrer Begegnungen schnell von einem Wortgefecht zu einer Schlägerei führt.
Alle drei Geschichten plätschern, garniert mit einigen halbgaren Witzen, meist zwischen Kalauer und Zote, lustlos die Plot-Points abhakend, bis zu ihrem absehbaren Ende vor sich hin. Dass, zum Beispiel, der verantwortungslose Single Kid, wenn er auf seinen Enkelsohn aufpassen soll, dann nicht mit ihm ins Kino geht, sondern sich in seiner Kneipe hoffnungslos betrinkt und mit der erstbesten Schönheit ins Bett springt (auch wenn das Bett die Rückbank von seinem Auto ist), dürfte nur die überraschen, die noch nie eine Familienkomödie gesehen haben. Dass Razor und Sally wieder zusammenkommen, dass Kid und sein Sohn, den er noch nie gesehen hat, zusammenkommen, ist ebenso vorhersehbar.
Eigentlich gibt es nur eine Überraschung in dem Film: während des finalen Boxkampfes zwischen Razor und Kid, die beide für ihr Alter in überraschend guter Form sind, kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die vielleicht Harmoniegefühle befriedigt, aber vollkommen out of character ist.
Sowieso vermeidet der Film konsequent jeden Konflikt und jeden Anschein von Realismus. So ist die romantisierte Blue-Collar-Arbeiterwelt mit dampfenden „Flashdance“-Stahlwerken, die in Bruce-Springsteen-Songs besungen wird, inzwischen hemmungslos anachronistisch. Nach der Stahlkrise der siebziger Jahre und dem auch in Pittsburgh seitdem stattgefundenem Strukturwandel wird dort in anderen Branchen Geld verdient. Aber ein echter Razor hält die Zeit einfach bei 1983 an.
„Zwei vom alten Schlag“ überzeugt weder als Drama, noch als Komödie. Es ist das filmische Äquivalent zum Junk TV, das als anspruchsloser Zeitvertreib spätestens mit dem Verlassen des Kinosaals vergessen ist.
Zwei vom alten Schlag (Grudge Match, USA 2013)
Regie: Peter Segal
Drehbuch: Tim Kelleher, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Tim Kelleher)
mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Allan Arkin, Jon Bernthal, Kim Basinger, Camden Gray, LL Cool J, Barry Primus
Nach der Trennung von Prinz Charles langweilt Prinzessin Diana sich im Kensington Palast, wartet auf die Scheidung und wird von Fotografen verfolgt. Da begegnet sie im Krankenhaus Hasnat Khan, einem jungen pakistanischen Herzchirurgen, der sie nicht als Berühmtheit, sondern als ganz normale Frau behandelt. Sie verliebt sich in ihn, er in sie und Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) konzentriert sich in seinem Biopic „Diana“ auf diese Liebesgeschichte, die er mit ihrem Unfalltod zu einer Geschichte über ihre letzten beiden Jahre aufplustert und ihr so wohl eine größere Bedeutung verleihen will.
Dennoch bleibt der Film reinstes, strunzdoofes Kitschkino: Das von allen verfolgte It-Girl, das in den starken Armen eines aus dem fernen Orient kommenden Arztes ihr Glück findet. Das ist der Stoff, aus dem eindimensionale Soaps gestrickt sind und genau das ist „Diana“.
Dabei hätte es durchaus viele Aspekte im Leben von Lady Di gegeben, die man in einem Biopic hätte ansprechen können. Aber das Königshaus kommt überhaupt nicht vor. Die Rolle der Medien, die Einsamkeit einer von allen verfolgten Person, die Suche nach einem Lebensinhalt, ihr Engagement gegen Landminen, ihr Verhältnis zu Männern – das alles kommt in dem Kitschfest nur in Nebensätzen vor, um noch einmal, allerdings nie den richtigen Ton treffend, die Geschichte von der Prinzessin und dem Bürgerlichen zu erzählen, während die Macher alle auch nur halbwegs interessanten Aspekte im Leben von Diana weiträumig umschiffen.
Aber dafür hätten sie auch eine Haltung zu dem Leben von Prinzessin Diana finden müssen. Sie hätten sich darüber verständigen müssen, was sie an ihrem Leben besonders fasziniert, warum sie gerade diese Geschichte erzählen wollen und was wir daraus lernen können. Kurz: wir müssten irgendetwas Neues aus dem Leben von Prinzessin Diana erfahren. Eine austauschbare Liebesgeschichte, die schon vor einem halben Jahrhundert mehr als abgenudelt war, kann es nicht sein.
Diana (Diana, GB/USA 2013)
Regie: Oliver Hirschbiegel
Drehbuch: Stephen Jeffreys
mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James, Charles Edwards, Cas Anvar, Juliet Stevenson