LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)
Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.
Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.
Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.
Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt
Catch me if you can (USA 2002, Regie: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt kurzweilig die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Normalerweise fasse ich ja die Handlung einer Geschichte selbst zusammen, aber bei „Shocking Shorts 2014“, einer Sammlung von zehn deutschen Kurzfilmen, die vor allem spannend sein sollen, wurde das bereits vom Verleih und der Presseagentur gut erledigt. Deshalb gibt es jetzt, mit kleinen Ergänzungen, erst einmal die Filmzusammenfassungen und danach meine Kritik: 1) Au Pair
Regie: Marc Schießer
Drehbuch: Marc Schießer
Deutschland, 2013
Länge: 25:03 Minuten
Darsteller: Pia Slomczyk, Yvonne Yung Hee, Darell Montoya, Janina Grün
Das französische Au-Pair-Mädchen Joline (Pia Slomczyk) kommt für einige Zeit nach Deutschland, um im chinesischen Restaurant „Blue Dragon“ zu arbeiten. Zwischen ihr und ihrer Gastmutter Frau Zhou (Yvonne Yung Hee) entsteht ein zunehmend angespanntes Verhältnis, das sich schnell zu einem Psycho-Duell zuspitzt.
– 2) Dunkler Wald
Regie: Felix F. Walz
Drehbuch: Florian Wentsch
Deutschland, 2013
Länge: 05:15 Minuten
Darsteller: Sarah Maria Besgen, Oliver Franck
Die junge Simone (Sarah Maria Besgen) erwacht in ihrem Badezimmer. Die Wände sind blutverschmiert und irgendwo in ihrem Haus ertönen merkwürdige Geräusche. Ängstlich und zugleich von Neugier getrieben macht sich Simone auf, um herauszufinden, was geschehen ist. Die Spuren scheinen sie zuerst in die Irre zu führen. Doch als sie einem Auto in den nahen Wald folgt, macht sie eine schockierende Entdeckung.
– 3) Vollnarkose
Regie: Johannes Furrer
Drehbuch: Johannes Furner
Deutschland, 2013
Länge: 12:53 Minuten
Darsteller: Christian Furrer, Jonas Müller-Liljeström, Bernd Michael Straub, Carolin Freund
Der junge Anästhesist Peter (Christian Furrer) wird bei einer OP mit seiner Vergangenheit konfrontiert: Auf dem Operationstisch liegt ein Mann, mit dem Peter noch eine Rechnung offen hat. Hin- und hergerissen zwischen seiner ärztlichen Pflicht und seinen Rachegelüsten, kämpft er mit der Erinnerung.
– 4) Revolve
Regie: Andreas Olenberg, Nils Klatt
Drehbuch: Andreas Olenberg, Nils Klatt, Daniel Littau
Deutschland, 2013
Länge: 17:36 Minuten
Darsteller: Alwin Barg, Martin Geuer, Hans Morgeneyer, Sebastian Sellner
Sechs Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in einem abgelegenen Gasthaus zusammengekommen sind, eint ein Ziel: Sie wollen die Nacht überleben. Sie spielen mit hohen Einsätzen und kompromisslosen Regeln. Eine Waffe in der Mitte, in jeder zweiten Kammer eine Patrone, 50 Prozent Überlebenschance, für den, der an der Reihe ist. Und nur ein Gewinner. Wozu ist der Mensch bereit, wenn er nichts zu verlieren hat?
– 5) Anti Cupido
Regie: Andreas Pakull
Drehbuch: Andreas Pakull
Deutschland, 2014
Länge: 15:00 Minuten
Darsteller: Thomas Krutmann, Meike Gottschalk, Christof Düro, Laurenz Dietz
Ein Ehepaar wird von einer bizarren Gestalt (Thomas Krutmann) aus dem Schlaf gerissen und mit einer Armbrust bedroht. Doch der Fremde will das Ehepaar nicht berauben, sondern ein Gespräch erzwingen. Schnell stellt sich heraus, dass „Anti Cupido“ mehr über die beiden weiß, als ihnen recht ist.
– 6) Antlitz des Bösen
Regie: Jasmin Lord
Drehbuch: Jasmin Lord, Marco J. Riedl
Deutschland, 2014
Länge: 17:00 Minuten
Darsteller: Tamara Rohloff, Philipp Danne, Francisco Medina
Die erfolgreiche Autorin Nina Sanders (Tamara Rohloff) lädt den jungen Journalisten Daniel (Philipp Danne) zu einem ihrer seltenen Interviewtermine ein. Daniel recherchiert über einen Serienmörder, der in der Stadt sein Unwesen treibt. Auch Nina wurde als junges Mädchen von einem Psychopathen gefangen gehalten und missbraucht, konnte jedoch fliehen. Während des Interviews stellt sich heraus, dass Daniel mehr als nur Hintergrundwissen eines ehemaligen Opfers will.
– 7) Malik
Regie: Gregor Bös
Drehbuch: Gregor Bös, Thomas Bünger, Laurenz Lerch
Deutschland, 2013
Länge: 08:00 Minuten
Darsteller: Hubert Burczek, Laurenz Lerch, Canan Kir
David (Laurenz Lerch) arbeitet als Barkeeper. Beim Flirt mit der hübschen Sophie (Canan Kir) wird er von einem mysteriösen Mann (Hubert Burczek) gestört, der ihm eine perfide Wette vorschlägt: Er verspricht David einen Sportwagen, sollte sein Feuerzeug zehnmal hintereinander funktionieren. Doch bleibt die Flamme nur einmal aus, verliert David etwas viel Wertvolleres.
– 8) Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod
Regie: Florian von Bornstädt, Martin Czaja
Drehbuch: Florian von Bornstädt
Deutschland, 2013
Länge: 17:19 Minuten
Darsteller: Cornelia Werner, Alexx Grimm, Vivien Ciskowska
Als Markus (Alexx Grimm) vor seinem Wohnhaus ein verdrecktes Mädchen (Vivien Ciskowska) entdeckt und es mit in seine Wohnung nimmt, ahnt seine Frau Annika (Cornelia Werner) schnell, dass mit diesem Kind etwas nicht stimmt. Sie fühlt sich nicht wohl bei dem Gedanken, es über Nacht in der Wohnung zu haben und soll schnell Recht behalten. Das Mädchen kennt intime Geheimnisse des Ehepaars. Bald beginnt ein Psychospiel, das blutig enden soll.
– 9) die Prüfung
Regie: Claudio Franke
Drehbuch: Claudio Franke
Deutschland, 2014
Länge: 06:00 Minuten
Darsteller: Markus Knüfken, Valentin Teufel, Melanie Herbe
„Weil du jetzt zwölf bist. Jeder muss diese Prüfung ablegen.“ Als Léon (Valentin Teufel) zwölf wird, steht die Prüfung an. Der Staat, in dem er lebt, testet jeden Bürger im Alter von zwölf Jahren. Léons Mutter (Melanie Herbe) erklärt ihm, dass es eine Art Intelligenztest sei. Da er immer ein guter Schüler war, macht sich der Junge keine Sorgen. Doch seine Eltern verhalten sich merkwürdig.
– 10) Abbitte eines Mörders
Regie: Julian Cohn
Drehbuch: Julian Cohn
Deutschland, 2013
Länge: 21:30 Minuten
Darsteller: Olaf Krätke, Bernd Gnann, Ludwig Blochberger, David Heim, Marc Adler
Eine Kirche. Ein junger Pater (Ludwig Blochberger) im Beichtstuhl. Ein alter Mann (Olaf Krätke) in der Nachbarkabine. Er will Buße tun – so scheint es zumindest. Doch schon bald wird klar, dass keiner der beiden, der ist, der er vorgibt zu sein.
–
Na, das klingt doch ganz spannend und insgesamt fallen die zehn Kurzfilme auch überraschend spannend aus, sind kurzweilig und haben eine gelungene Pointe, auch wenn einige überdeutlich von bekannten Vorbildern inspieriert sind („Malik“ von einer Episode aus „Four Rooms“) oder die Pointe absehbar ist, vor allem bei den Psychodramen „Abbitte eines Mörders“ oder „Anlitz des Bösen“, dem Gewinner des diesjährigen Shocking Shorts Award, der seit fünfzehn Jahren vom TV-Sender 13th Street vergeben wird.
Ansonsten geht es quer durch die Genres und Genrevarianten zwischen Crime und Horror. Mal mehr, mal weniger ernst. So erzählt „Anti Cupido“, grotesk übersteigert und witzig, von einer Paartherapie der anderen Art. Der Horrorfilm „Dunkler Wald“ beeindruckt durch seine expressionistische SW-Noir-Kamera – und ist der stilistische Gewinner. „die Prüfung“ ist eine hundsgemeine Dystopie, die auf einer Kurzgeschichte von Henry Sleaser, einem Meister der kurzen Form, basiert.
Das sind die drei besten Filme, aber auch das stilisierte „Au Pair“, „Revolve“ (letztendlich ein lupenreiner Gangsterkrimi), die als Drogentrip abfallende „Vollnarkose“ und das in Richtung Fantasy gehende „Rotkäppchen: Eine Erzählung von Blut und Tod“ brauchen sich nicht zu verstecken.
Als Bonusmaterial gibt es einen gut neunminütigen „Bericht vom Shocking Shorts Award 2013“, der ungefähr die Tiefe einer Boulevard-Reportage hat. Da wären einige Hintergrundinformationen zu den für wenig Geld herstellten Kurzfilmen und den Machern deutlich spannender gewesen.
3sat, 22.25 Sperling und die letzte Chance (Deutschland 2003, Regie: Thomas Jahn)
Drehbuch: Lars Becker, Thomas Jahn
Heute wird Sperling (Dieter Pfaff) von seiner Vergangenheit eingeholt und wir erfahren, weshalb er eine Abneigung gegen Waffen hat.
Denn ein alter Freund will das Geld für eine lebensrettende Operation beschaffen, indem er einen seiner Geldtransporter ausraubt.
Ein weiterer grandioser „Sperling“-Krimi, der anscheinend seit seiner Erstausstrahlung nicht wiederholt wurde und heute zum Auftakt des 3sat-Krimisommers gezeigt wird.
„Ein sehr persönlicher Fall des sympathischen Fernseh-Kommissars, der allein seinem Gewissen verantwortlich ist.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Dieter Pfaff, Philipp Moog, Hans-Joachim Gruber, Anna Böttcher, Carin C. Tietze, Walter Kreye, Anneke Kim Sarnau Hinweise Fernsehserien über „Sperling“ Wikipedia über „Sperling“
Am Ende einer Flucht – The Statement (Kanada(Frankreich/Großbritannien 2003, Regie: Norman Jewison)
Drehbuch: Ronald Harwood
LV: Brian Moore: The Statement, 1995 (Hetzjagd)
Frankreich, 1991: Staatsanwältin Livi will den Vichy-Kollaborateur Pierre Brossard fangen. Doch dieser wird seit Jahrzehnten von einem reaktionären katholischen Orden beschützt.
Im Kino kaum gezeigter Politthriller, der im Fernsehen etwas öfter gezeigt wird. Die meisten Kritiker lobten die Leistung von Michael Caine und ließen an der vorhersehbaren Geschichte kein gutes Haar.
Mit Michael Caine, Tilda Swinton, Jeremy Northam, Alan Bates, Charlotte Rampling, John Neville
Tele 5, 00.20/04.05 Sie küßten und sie schlugen ihn (Frankreich 1959, Regie: Francois Truffaut)
Drehbuch: Francois Truffaut, Marcel Moussy
1959 erhielt der siebenundzwanzigjährige Francois Truffaut für seinen ersten Spielfilm, „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (Les quatre cents coups), den Großen Preis von Cannes für die Regie. In dem Film begann er den von ihm formulierten Anspruch für einen neuen Spielfilm in die Tat umzusetzen. Denn die Geschichte von Antoine Doinel (verkörpert von dem Dreizehnjährigen Jean-Pierre Léaud) weist etliche Gemeinsamkeiten mit seiner Biographie auf. In dem Film erzählt Truffaut von Antoine, der in einer dysfunktionalen Familie aufwächst. Seine Mutter geht fremd. Sein Stiefvater flüchtet sich in sein Hobby und Antoine Doinel, der nach einem Vorbild sucht, flüchtet in die Welt des Kinos und der Bücher. Er beginnt zu stehlen, wird erwischt und landet in einem Erziehungsheim, aus dem er wieder flüchtet. Ein Klassiker der Nouvelle Vague – und der erste Antoine-Doinel-Film (die ich hier ausführlich besprochen habe).
mit Jean-Pierre Léaud, Albert Rémy, Claire Maurier, Patrick Auffay
RTL II, 20.15 Iron Sky (Finnland/Deutschland/Australien 2012, Regie: Timo Vuorensola)
Drehbuch: Michael Kalesniko, Johanna Sinisalo (nach einem Konzept von Jarmo Puskala)
Irre! Die Nazis landeten 1945 auf dem Mond und bereiten 2018, nachdem sie von einem afroamerikanischem Astronauten (den sie gleich bleichen) entdeckt werden, ihre Rückkehr auf die Erde vor. Jetzt soll gelingen, was 1945 scheiterte.
Herrlich abgedrehter, liebevoll gemachter Science-Fiction-Spaß mit Trash-Faktor und einigen Polit-Satiren, die wahrscheinlich schon heute erklärungsbedürftig sind. Mehr, auch über die Finanzierung, in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Julia Dietze, Götz Otto, Udo Kier, Christopher Kirby, Tilo Prückner, Peta Sergeant, Stephanie Paul Wiederholung: Sonntag, 20. Juli, 00.55 Uhr (Taggenau!)
Nachdem Anne wegen Eigenbedarf (die Tochter der Vermieterin studiert) aus ihrer Wohnung fliegt, hat sie eine Idee: Zurück in die Vergangenheit! Sie will wieder mit ihren alten WG-Genossen aus Studientagen zusammenziehen. Macho Eddi und Softie Johannes sind nach kurzem Zögern dabei und als sie in ihre alte WG einziehen, erleben die drei Sixty-Somethings ihr blaues Wunder. Die drei über ihnen wohnenden Studierenden sind wahre Spießer, die nur an ihren Studienabschluss, Ehe und Karriere denken. Sie sind jetzt schon angepasster als Anne, Eddie und Johannes es jemals sein werden.
In seinem neuen Film „Wir sind die Neuen“ zelebriert Ralf Westhoff (Shoppen, Der letzte schöne Herbsttag) das Aufeinandertreffen der Generationen mit Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach und Michael Wittenborn als den junggebliebenen Alten und Claudia Eisinger, Karoline Schuch und Patrick Güldenberg als den erschreckend alten Jungen, die sich zunächst mit herrlich gemeinen Sätzen bekämpfen, ehe die Fassade der Jungen bröckelt. Wobei auch bei den Alten in ihrer Zweckgemeinschaft nicht alles in Ordnung ist. Aber sie nehmen ihr Schicksal in die Hand, feiern, haben Lust auf Neues und sie haben auch die besseren Pointen gegenüber den blassen Jungen, die schon bei den kleinsten Problemen überfordert sind.
Dass die Komödie dabei die Ästhetik eines TV-Films hat, kann man da verzeihen.
Wir sind die Neuen (Deutschland 2014)
Regie: Ralf Westhoff
Drehbuch: Ralf Westhoff
mit Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Claudia Eisinger, Karoline Schuch, Patrick Güldenberg, Julia Koschitz, Gustav Peter Wöhler
Länge: 92 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Wir sind die Neuen“ Moviepilot über „Wir sind die Neuen“
Nach drei „Transformers“-Filmen von Michael Bay sind die Eckpunkte gesetzt und es wäre schon arg scheinheilig über diese Eckpunkte zu meckern, als ob sie einen überraschen würden. Denn selbstverständlich ist auch Michael Bays vierter „Transformers“-Film ein überlanges, überlautes und alogisches Effektspektakel, bei dem Roboter wegen irgendeines wichtigen Dingsbumms munter aufeinander einschlagen, dabei mindestens eine Metropole verwüsten und einige bekannte Schauspieler durch das Bild laufen. Ihre Dialoge beschränken sich auf Varianten von „Oh, nein. Nein, oh, nein.“. Auch die Dialoge der Roboter erreichen gerade mal so das Niveau einer schlechten Kinderserie. Die Handlung macht ungefähr null Sinn. Dafür sind die Tricks gut und in die Transformers steckten die Programmierer deutlich mehr Liebe als die Macher in das Drehbuch. Das ist bekannt und trifft auch auf den vierten „Transformers“-Film „Transformers: Ära des Untergangs“ zu,
Dieses Mal empfiehlt Michael Bay, den Film in 3D in einem IMAX zu genießen. Da würde er sein volles Potential entfalten – und auch den höchsten Eintritt kosten.
Diese zusätzliche Ausgabe – falls überhaupt ein IMAX in Ihrer Nähe ist – lohnt sich allerdings absolut nicht. Denn in 3D im IMAX sah der ungefähr 210 Millionen Dollar teure Film erschreckend schlecht aus und hörte sich furchtbar an.
Die wichtigste Meldung bei „Transformers: Ära des Untergangs“ ist, dass Bay seinen kompletten menschlichen Cast auswechselte. Jetzt sind Mark Wahlberg (blass), Stanley Tucci (unterfordert), Kelsey Grammer, Titus Welliver (beide ebenfalls verschwendet), Nicola Peitz (nicht wirksames Eye-Candy), Bingbing Li, Sophia Myles und Jack Reynor dabei. Auch storytechnisch wurde ein Neustart versprochen. Der beschränkt sich darauf, dass Mark Wahlberg einen armen, aber ehrlichen, in Texas auf dem Land lebenden Bastler spielt, der zufällig den guten Autobots-Anführer Optimus Prime in der Inkarnation eines alten Lasters findet. In einem alten Kino; – vielleicht wollte Optimus sich ein, zwei Filmklassiker ansehen. Der Bastler hat auch eine schöne Tochter, die er wie seinen Augapfel hütet. Sie hat einen Freund, den der Witwer natürlich ablehnt. Aber ehe zu lang Familienprobleme gewälzt werden (und sie werden viel zu lang gewälzt), taucht der Geheimdienst auf und die Endlosklopperei beginnt. Zuerst zwischen Mensch und Maschine im schönen Texas, wo immer die Sonne fotogen untergeht. Dann in Chicago (wieder einmal) kloppen die Maschinen, also die guten Autobots und die bösen Deceptions, auch, wieder einmal, aufeinander ein und im laaaangen Finale in Hongkong und Peking (Bitte kommt mir jetzt nicht mit Geographie!) verkloppen sich die guten und bösen Transformers. Es tauchen auch Dinobots (also Transformers, die wie Dinosaurier aussehen) auf. Optimus Prime darf auf so einem Dinobots reiten und wir dürfen auch einen Blick in das Raumschiff der Transformers werfen. Es sieht wie ein verlassenes „Alien“-Set aus.
Dazwischen läuft Stanley Tucci als Unternehmer, der Transformers herstellen will, durchs Bild. Irgendwie gehört er zuerst zu den Bösen, aber nach einem Gespräch mit Daddy Wahlberg besinnt er sich seiner Erfindergene und er wird zu einem der Guten.
Wie schon in den vorherigen „Transformers“-Filmen ist die Story unlogischer Mumpitz, der kaum seine Funktion als Entschuldigung für die Action erfüllt. Aber bei „Transformers: Ära des Untergangs“ fehlt der Humor der vorherigen Filme.
Auch die deutlich erkennbaren politischen Anspielungen und der durchaus vorhandene politische Subtext, der in den vorherigen Filmen vorhanden war und sich von Film zu Film änderte, fehlt hier vollständig. Was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Es gibt nur noch einen Geheimdienstler, der unterschiedslos alle Transformers umbringen will, weil sie böse sind – und ihre Meinungsverschiedenheiten bevorzugt in belebten Großstädten austragen. Und Transformers, die sich gegenseitig eins auf die Hauptplatine geben.
Die Drehorte, vor allem Hongkong und China, bleiben austauschbar. Während man in den vorherigen „Transformers“-Filmen noch die Landschaft, wie die Pyramiden in Ägypten, bewundern konnte, ist dieses Mal der Dreh vor Ort komplett verschenkt. Außer einigen austauschbaren Postkartenansichten wird Hongkong auf einen Hinterhof (der immerhin sehr unamerikanisch aussieht) und Kämpfe in austauschbaren Straßenschluchten reduziert. Nur das Product Placement ist überbordend und die Actionszenen sind gewohnt konfus inszeniert.
Die Special-Effects sind allerdings erstaunlich schlecht. Da war Michael Bay in den vorherigen Filmen schon weiter.
Die Bilder – was auch teilweise an dem IMAX-Format liegt, das dem TV-Bild gleicht – sind schlecht. Der Bildaufbau lässt jede Finesse vermissen. Michael Bays Marotte, fast jedes Bild mit Lens Flares zu verschönern, weil J. J. Abrams das in „Star Trek“ und „Super 8“ ja auch gemacht hat, nervt. Und oft gibt es im Bildhintergrund Unschärfen und irritierende Doppelbelichtungen, die aussehen, als ob man sich einen 3D-Film ohne 3D-Brille ansieht.
Der Ton ist vor allem laut. Sehr laut. Was natürlich auch daran liegt, dass die meiste Zeit gute gegen böse Transformers kämpfen, Soldaten rumballern, vieles in die Luft geht und Gebäude einstürzen. Da darf es schon etwas rummsen und scheppern. Aber hier rummst und scheppert es wie in einem schlecht abgemischtem Heavy-Metal-Konzert. Es sind keine Differenzen zu hören. Vom der Leinwand kommt eine einzige Soundwand, während die anderen Boxen meistens pausieren.
„Transformers: Ära des Untergangs“ ist ein 166 Minuten langer Film, der sich viel länger anfühlte und schlechter als die vorherigen „Transformers“-Filme ist, die auch nicht gut waren. Immerhin weiß man nach diesem humorlosen Desaster, wie gut die Schauspieler der ersten drei „Transformers“-Filme waren und wie viel Shia LaBeouf im Gegensatz zu Mark Wahlberg aus der vollkommen undankbaren Heldenrolle heraus holte.
ARD, 22.45 Wer wenn nicht wir (Deutschland 2011, Regie: Andres Veiel)
Drehbuch: Andres Veiel
LV: Gerd Koenen: Vesper, Ensslin, Baader – Urszenen des deutschen Terrorismus, 2003
Drama über die Beziehung zwischen Schriftsteller Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, die ihn später wegen Andreas Baader verließ und RAF-Terroristin wurde.
Ein sehenswerter, facettenreicher Blick auf die bundesdeutsche Vergangenheit der sechziger und siebziger Jahre und die Anfänge des Linksterrorismus von Andreas Veiel (Black Box BRD).
mit August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling, Thomas Thieme, Imoge Kogge, Michael Wittenborn, Susanne Lothar Wiederholungen
Eins Festival, Freitag, 18. Juli, 20.15 Uhr
Eins Festival, Samstag, 19. Juli, 01.25 Uhr (Taggenau!) Hinweise
Sommer vorm Balkon (Deutschland 2005, Regie: Andreas Dresen)
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase
Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.
Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld
Als ein führerloses Schiff die Dänemark und Schweden verbindende Öresundbrücke rammt und in ihm fünf bewußtlose junge Menschen aus den beiden Ländern entdeckt werden, haben Saga Norén (Sofia Helin) und Martin Rohde (Kim Bodna) wieder einen Grund, um zusammen zu arbeiten. Für Rohde ist es auch der Versuch, mit seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen. Denn am Ende der ersten Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ war sein Sohn August tot und der Mörder, ein ehemaliger Kollege, kam ins Gefängnis. Dabei hätte Rohde ihn am liebsten getötet. Norén verhinderte das.
Auch die zweite Staffel von „Die Brücke – Transit in den Tod“ besteht wieder aus fünf spielfilmlangen Episoden. In insgesamt gut zehn Stunden erzählt Hans Rosenfeldt, der Erfinder und Hauptautor der Serie, wieder einen Fall, der schnell ziemlich unüberschaubare Dimensionen annimmt. Das entwickelt, wie bei „Kommissarin Lund“, einen enormen Sog. Auch weil der Fall schnell größer wird: die im Schiff betäubten dänischen und schwedischen Jugendlichen waren mit der Pest infiziert, im Internet bekennt sich eine Öko-Terrorgruppe dazu und kündigt weitere Anschläge an, Lebensmittel werden vergiftet, ein Tanklaster wird in Malmö im Hafen in die Luft gejagt und weitere, größere Anschläge sind geplant.
Dieser Krimiplot wird mit Episoden aus dem Privatleben der Ermittler und weiterer Personen, die in den Fall involviert sind, großzügig angereichert. Denn neben den Terroristen, die von einem Hintermann gesteuert werden, und den Polizisten werden etliche Charaktere eingeführt, deren Bedeutung für die Geschichte teilweise über mehrere Folgen vollkommen unklar bleibt. Das gilt vor allem für eine Verlegerin, eine todkranke Firmenbesitzerin, ihren Bruder, eine Veranstaltungsmanagerin, ihren fremd gehenden Ehemann, einen Gigolo und einen jungen Schüler, der mit dem Tod seines Bruders aus der Geschichte verschwindet. Einerseits wissen wir, dass sie für die Geschichte irgendwann wichtig werden, aber Eheprobleme und die Arbeit an einer Biographie sind nicht sonderlich spannend, auch wenn natürlich – wie in einem Dorf – alle Charaktere irgendwie etwas miteinander zu tun haben.
Dahinter verschwindet der Fall immer wieder. Teilweise vollkommen. Vor allem nachdem am Ende der zweiten Folge die Terroristen – jedenfalls die erste Gruppe – von einem Unbekannten ermordet wurde, gibt es in der dritten und vierten Folge viele verschiedene Taten, die teilweise schnell aufgeklärt werden und so den Eindruck hinterlassen, dass alles furchtbar kompliziert ist, es eine große Verschwörung gibt und die verschiedenen Taten und Zusammenhänge unmöglich noch sinnvoll logisch rekonstruiert werden können. Es sind einfach zu viele Verbrechen und zu viele Täter, die teilweise nach einem kurzen Auftritt von der Bildfläche verschwinden, was aber die Spannung auf einem konstanten Level hält, auch wenn die Ermittler in ihrem Hauptfall nicht voran kommen und die letzte Stunde von „Die Brücke“ dann – immerhin geht es um das Verhindern eines Terror-Attentates und damit um ein „24“-Szenario – doch eher vor sich hin plätschert. Da spielt die Thriller-Serie „24“ dann doch in einer anderen Liga, aber „Die Brücke“ schlägt sich als Krimi-Serie wacker.
Im Zentrum stehen dabei die schon aus der ersten „Die Brücke“-Staffel bekannten Ermittler Sofia Norén und Martin Rohde. Er ist ein stinknormaler Kriminalpolizist aus Dänemark, der derzeit, weil er noch mit den psychischen Nachwirkungen des vorherigen „Die Brücke“-Falls zu kämpfen hat, getrennt von seiner Frau lebt, sie aber regelmäßig besucht und ein gutes Verhältnis zu ihr und ihren zahlreichen gemeinsamen Kindern hat. Und er hat, wie es sich für skandinavische Ermittler gehört, ein mehr als erfülltes Sexualleben und einen anscheinend unwiderstehlichen Sex-Appeal auf das andere Geschlecht.
Die Schwedin Norén ist dank ihres ihr Asperger-Syndroms eine begnadete Ermittlerin (sie kann sich wirklich alles merken), aber auch vollkommen beziehungsgestört. Dennoch lebt sie jetzt mit einem Comic-Zeichner zusammen. Aber ihr sprunghaftes und vollkommen undiplomatisches Verhalten deutet schon schnell das Ende der Beziehung an. So findet sie es okay, dass er bei ihr lebt, aber er soll seine Kartons nicht auspacken und auch nichts in der Wohnung verändern. Auch in der Arbeit agiert sie oft wie ein Terminator, der stur sein Ziel verfolgt und überhaupt nicht versteht, dass Menschen Gefühle haben. Das sorgt immer wieder für absurde Situationen. Aber mir erschien diese Situationskomik hier oft etwas zu dick aufgetragen. Denn Norén benimmt sich wie ein kleines Kind oder ein gerade aus einer fremden Galaxie gekommener Alien.
Das klingt jetzt alles furchtbar negativ, dabei ist „Die Brücke“ insgesamt nicht schlecht. Immerhin gelingt es den Machern, die Spannung und das Interesse über gut zehn Stunden aufrecht zu erhalten.
Der Drehstart der dritten Staffel ist im September und die meisten Stammschauspieler sind wieder dabei.
Die Brücke – Transit in den Tod – Staffel 2 (Bron; Broen, Schweden/Dänemark/Deutschland 2013)
Regie: Kathrine Windfeld, Morten Arnfred, Mikael Hansson
Drehbuch: Hans Rosenfeldt, Nikolaj Scherfig, Maren Loiuse Kaehne, Camilla Ahlgren
Erfinder: Mans Marlind, Hans Rosenfeldt, Björn Stein
mit Sofia Helin, Kim Bodnia, Dag Malmberg, Sarah Boberg, Rafael, Pettersson, Henrik Lundström, Vickie Bak Laursen, Lars Simonsen, Camilla Bendix
– DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Dänisch/Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern (circa 30 Minuten)
Länge: 578 Minuten (5 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
ZDFneo, 20.15 Silk: Ein Anwalt kommt selten allein/Eine Hand vertritt die andere (Großbritannien 2011, Regie: Michael Offer
Drehbuch: Peter Moffat
Überzeugender Auftakt zu einer britischen Justiz-Krimiserie, die es auf drei Staffeln (à sechs Folgen) brachte. Im Mittelpunkt steht die Strafverteidigerin Martha Costello (Maxine Peake), die Queen’s Counsel (Kronanwalt) werden möchte. Doch bis dahin muss sie jeden Fall übernehmen und ihr Chef gibt ihr gerne in letzter Minute die unmöglichsten Fälle. So muss sie in den ersten beiden Episoden einen Einbrecher, der einen alten Weltkrieg-II-Veteran überfallen und gefoltert haben soll, eine junge Drogenkurierin, die mehrfache Mutter ist, und einen Vergewaltiger, der seine Unschuld beteuert, verteidigen.
Für die Serie, die vor allem im Gerichtssaal, in den Gängen und Hinterzimmern des Gerichts und der Kanzlei spielt, nimmt vor allem in den ersten Minuten das enorm hohe Tempo ein, das einiges vom Arbeitsdruck verrät. Später, vor allem wenn sie den Weltkrieg-II-Veteran und das Vergewaltigungsopfer befragt, wird auch einiges von den moralischen Dilemma, vor denen ein Verteidiger steht, deutlich. Sowieso stehen diese Vernehmungen, die Plädoyers und die verfahrenstechnischen Tricks der Anwälte im Mittelpunkt der ersten beiden Episoden von „Silk“. Forensische und damit eindeutige Beweise werden zugunsten von moralischen Abwägungen links liegen gelassen.
Insgesamt wirkt „Silk“, auch wenn Costello im Gerichtssaal beide Male gegen einen Kanzleikollegen antreten musste (was schon etwas seltsam ist), wie ein ziemlich realistischer Blick in das Rechtssystem, was auch daran liegen kann, dass „Silk“-Erfinder Peter Moffat selbst Anwalt war.
Zum Ende von „Silk“ nach achtzehn Folgen sagte Peter Moffat: „The main characters in Silk all have personal and professional stories which are coming to a natural conclusion at the end of this current series – it would be dishonest as a writer, and unfair to the integrity of the show and everyone involved in it, to prolong the series beyond what I hope is a powerful and compelling denouement.“
An den kommenden Dienstagen zeigt ZDFneo die nächsten Fälle von Martha Costello.
mit Maxine Peake, Rupert Penry-Jones, Neil Stuke, John Macmillan, Theo Barklem-Biggs Hinweise ZDFneo über „Silk“ BBC über „Silk“ Wikipedia über „Silk“
LV: Martin Booth: A very private Gentleman, 1991 (The American)
Nach einem missglückten Auftrag will ein Killer will aussteigen. Er zieht sich in die Abruzzen zurück und trifft die Vorbereitungen für seinen letzten Auftrag.
Minimalistische Thriller, der weniger wegen der Story und mehr wegen der Bilder sehenswert ist. Immerhin kommt Corbijn von der Fotografie.
Bei rororo erschien zum Filmstart die deutsche Übersetzung von Booths Roman. Natürlich mit dem schönen Retro-Cover.
Corbijns nächster Film, die John-le-Carré-Verfilmung „A most wanted man“ startet im September.
mit George Clooney, Violante Placido, Johan Leysen, Thekla Reuten, Paolo Bonacelli
Ein dickes Dankeschön nach Bayern für die heutige Westernnacht. Nach dem selten gezeigten „700 Meilen westwärts“ (sogar zu einer guten Uhrzeit) gibt es um 22.35 Uhr „Über den Todespass“ (mit James Stewart“, um 00.10 Uhr „Zwei Companeros“ (mit Franco Nero und Tomas Milan) und um 02.05 Uhr „Sam Whiskey (das ist Burt Reynolds).
BR, 20.15
700 Meilen westwärts (USA 1975, Regie: Richard Brooks)
Drehbuch: Richard Brooks
Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.
„Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks’ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‘Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt’, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)
mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart
Nachdem Edgar Reitz‘ Alterswerk „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ bereits etliche Preise abräumte (was erwartbar war) und auch an der Kinokasse ein veritabler Erfolg war (was so nicht erwartbar war), erscheint der vierstündige Film jetzt auf DVD und Blu-ray. Allein letztes Kalenderjahr sahen sich über 120.000 Menschen den Film an, was wegen der Länge (es gibt eine Pause), des SW und der antidramatischen Erzählweise beachtlich ist. Zum Kinostart schrieb ich über den Film und das zum Film erschienene Buch:
Schwarzweiß und gut vier Stunden. Das sind die Eckdaten, die den neuen Film von Edgar Reitz zu einem Film für eine ausgewählte Zuschauermenge machen. Da hilft es auch nicht, dass „The Artist“ (der sogar ein Stummfilm war) erfolgreich war und dass Hollywood-Blockbuster immer länger werden und deshalb manchmal gleich als Zweiteiler ins Kino kommen. Auch Reitz hat ungefähr in der Filmmitte eine Pause eingefügt, die vor allem für einige Dehn- und Streckübungen gut ist. Denn im Gegensatz zu Quentin Tarantinos Racheepos „Kill Bill“, das als Zweiteiler im Kino lief, dessen Teile sich stark unterscheiden und so sogar die kommerzielle Entscheidung rechtfertigte (zwei getrennte Teile sind zwei Filme, ergo zweimal Eintritt), ist Edgar Reitz’ „Die andere Heimat“ die epische Chronik einer sich für den Protagonisten Jakob Simon nicht erfüllenden Sehnsucht, die während der großen Auswanderungswelle im Hunsrück in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts und vor der deutschen Revolution von 1848 spielt. 1842 will der Neunzehnjährige, eine vergeistigte Leseratte, nach Brasilien, in das Land seiner Träume, auswandern. Diese Welt erscheint ihm viel spannender als das Leben in dem Hunsrückdorf Schabbach. Edgar Reitz erzählt die Geschichte von Jakob und den Schabbachern betont undramatisch. Oft treffen die Charaktere wichtige Entscheidungen außerhalb des Films und auch viele Hintergründe zu Politik, Wirtschaft und dem alltäglichen Leben werden als bekannt vorausgesetzt oder erschließen sich durch die Beobachtung des damaligen Alltags. Entsprechend viel Zeit nimmt sich der Film, der fast wie eine Dokumentation über das damalige Leben wirkt, auch für das Zeigen von alltäglichen Arbeiten. Die damit verbundene Ruhe ist anfangs faszinierend, weicht aber mit zunehmender Laufzeit einer gewissen Langeweile. Denn „Die andere Heimat“ erzählt nicht nur von Jakob, sondern auch von seinem Bruder Gustav, den beiden jungen Frauen Jettchen und Florinchen, die in die Brüder verliebt sind, aber die Beziehung ganz pragmatisch angehen, dem Graveur Franz Olm und dem Leben im Wandel der Jahreszeiten zwischen Geburt und Tod, wobei die einzelnen Ereignisse, wie in einer Chronik, nebeneinander stehen und sich nicht immer beeinflussen. Reitz erzählt, mit großer Ruhe, beobachtend von den Zufälligkeiten des Lebens und gibt für die Hauptgeschichte nebensächlichen Ereignissen einen breiten Raum, während wichtige Entscheidungen im Off oder schweigend getroffen werden. Im Kino funktioniert diese epische Erzählweise, im Gegensatz zur im Schüren-Verlag erschienenen, von Edgar Reitz geschriebenen Filmerzählung, nur bedingt. Hier hätte die Konzentration auf den Protagonisten und eine ordentliche Kürzung auf eine publikumsfreundliche Laufzeit gut getan. Im Fernsehen, als Vierteiler, dürfte „Die andere Heimat“, trotz der die große Leinwand fordernden Cinemascope-Bilder des „Heimat“-erfahrenen Kameramanns Gernot Roll, die dem Hunsrück eine ungeahnte, fast schon Western-hafte Weite verleihen, als ein fast schon willkürlicher Ausschnitt aus zwei Jahre im Leben von Jakob Simon deutlich besser funktionieren. Immerhin entstanden auch seine anderen „Heimat“-Filme für das Fernsehen und gerade „Heimat – Eine deutsche Chronik“ (1984), die erste „Heimat“-Serie, die Edgar Reitz einen „Zyklus von 11 Spielfilmen“ nannte, spielt auch in Schabbach und erzählt vom Leben der Familie Simon von 1919 bis 1982. Im Zentrum steht die 1900 geborenen Maria (Marita Breuer). „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) erzählt die Geschichte von Hermann Simons (Henry Arnold) Studienjahren von 1960 bis 1970 in München. Ähnlichkeiten mit Edgar Reitz’ Leben, der am 1. November 1932 in dem Hunsrückdorf Morbach geboren wurde und nach München zog, sind nicht zufällig. Mit „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004), die von 1989 bis 2000 spielt, kehrt er, wieder mit Hermann Simon als Protagonisten, in den Hunsrück zurück und erzählt, etwas konfus (was auch an den vom Fernsehen veranlassten Kürzungen auf 90-Minuten-Happen liegen kann), von den neunziger Jahren und dem Vereinigungsprozess. „Die andere Heimat“ bildet jetzt, mit einer Rückkehr in den Hunsrück und in die Vergangenheit der Familie Simon den würdigen Abschluss seines Lebenswerkes. Denn dass er noch einen weiteren Spielfilm dreht, dürfte unwahrscheinlich sein. Die Musik ist von Michael Riessler, der auch für „Heimat 3“ die Musik schrieb.
Das Filmbuch
Pünktlich zum Filmstart erschien im Schüren-Verlag auch das Buch zum Film, in dem Edgar Reitz die Filmgeschichte nacherzählt, die im Buch besser funktioniert als im Kino, und um einige Details und Hintergründe ergänzt, die die Lücken im Film ausfüllen, die Reitz bewusst gelassen hat: „Ich könnte tausend Gelegenheiten aufzählen, bei denen das Drama auf der Hand lag und wo ich nur hätte zugreifen müssen, um den Film zu machen, den die akademischen Dramaturgen mit Freuden aufgenommen hätten. Aber warum mache ich so etwas nicht? Die Antwort ist einfach, und es ist eine Antwort, die mich mein ganzes Leben begleitet hat: Weil ich mit meinen Filmen das reale Leben besser verstehen lernen will. An erster Stelle steht für mich das genaue Beobachten, das Wissen von den Menschen und ihren Verhaltensweisen. Ich weiß einfach, wie die Dinge in einer Hunsrücker Bauernfamilie früher geregelt wurden. Da läuft es anders als im Kino oder in der Psychoanalyse. Diese von wahrer Not und täglichem Existenzkampf gezeichneten Menschen empfinden Dinge wie Verliebtheiten, Bildungshunger, Rivalität unter Geschwistern als vermeidbare Luxusprobleme. Die tödliche Krankheit der Mutter oder eines der Kinder ist eine Bedrohung der gesamten Familie, und es geht um jede Stunde, die die Kranke noch lebt und zur Arbeit gehen kann. (…) Weil es mir nicht um Zuspitzung geht, sondern um die Schilderung von Lebensklugheit, die meist darin besteht, Ambivalenzen auszuhalten. Die Gesetze des Lebens sind mir heilig und ich würde es für eine unverzeihliche Tat halten, diese Wahrheiten, um deren Darstellung ich kämpfe, der Kinodramaturgie zu opfern. (…) Ich bestehe auf dem Recht, den Weg des epischen Erzählens ins Kino einzuführen, auch wenn ich manchen Zuschauer damit strapazieren sollte.“ Außerdem gibt es im letzten Drittel des Buches zahlreiche Hintergrundinformationen zum Film, den Dreharbeiten und der Geschichte, die das spartanisch illustrierte Buch zu einer idealen Ergänzung zum Film machen.
Was soll ich ergänzend dazu sagen? Beim zweiten Ansehen auf dem kleinen Bildschirm bleibt die Faszination erhalten. Das Bild ist allerdings deutlich kleiner (wobei ich den Film auch in einem großen Kinosaal sehen durfte). Der Rhythmus und die Möglichkeit, jederzeit Pausen einzulegen, passt eigentlich besser zum Fernsehen. Denn jetzt kann man bei einem Bild verweilen und sich die vier Filmstunden in der Zeit ansehen, in der man die vier Jahre aus dem Leben der Familie Simon ansehen möchte.
Da ist dann auch der Hinweis von Edgar Reitz im Gespräch mit Thomas Koebner, dass der erste Schnitt fünfeinhalb Stunden war, keine Drohung, sondern das Versprechen auf ein noch tieferes Eintauchen in das 19. Jahrhundert. Diese Fassung, aus der man im Bonusmaterial einige Bilder sieht, sei, so Reitz, fertig geschnitten, aber nicht fertig bearbeitet.
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde Laufzeit erfreulich umfangreich geraten. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Gespräche mit Edgar Reitz, die insgesamt vierzig Minuten dauern. Der Blick hinter die Kulissen der Filmpremiere, die Vorstellung der Schauspieler während der Premiere und auch die, oft kurzen Interviews mit den Schauspielern Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Philine Lembeck, Marita Breuer, Mélanie Fouché und Barbara Philipp sind dagegen deutlich uninteressanter und bewegen sich irgendwo zwischen dem Chronologischem und dem Werblichen.
In dem informativen Booklet werden dann weitere Hintergründe zum Film und den Drehbarbeiten erklärt. Das sind teilweise Texte, die aus dem bereits erwähntem Filmbuch übernommen wurden, einige historische Hintergründe und Erklärungen zu den im Film verwandten Dialekten: dem Hunsrücker Platt und der von Jakob Simon gesprochenen Indiandersprachen, die für den Film erfunden wurden.
Die zum Film entstandene zweistündige Dokumentation „Making of Heimat“ von Jörg Adolph und Anja Pohl, die zum Filmstart einmal im TV gezeigt wurde, befindet sich leider nicht auf der DVD.
Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht(Deutschland 2013)
Regie: Edgar Reitz
Drehbuch: Edgar Reitz, Gert Heidenreich
mit Jan Dieter Schneider, Antonia Bill, Maximilian Scheidt, Marita Breuer, Rüdiger Kriese, Philine Lembeck, Mélanie Fouché, Eva Zeidler, Reinhard Paulus, Christoph Luser, Werner Herzog
– DVD
Concorde
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Regisseur Edgar Reitz im Gespräch mit Medienwissenschaftler Thomas Koebner, Hinter den Kulissen der Filmpremiere, Bühnenpräsentation von Edgar Reitz, Interview mit Edgar Reitz, Interviews mit Darstellern, Kinotrailer, Weitere Trailer (insgesamt über eine Stunde), 38-seitiges Booklet
Länge: 222 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
3sat, 22.35 Bronson (Großbritannien 2008, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Brock Norman Brock, Nicolas Winding Refn
Auf Tatsachen basierender Film über den Knacki Charles Bronson (Tom Hardy! Grandios!) und den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt im Gefängnis. Nichts für Zartbesaitete.
„Der dänische Regisseur lässt in seinem zweiten britischen Film seinen inszenatorischen Mitteln freien Lauf, was zunächst zu einem visuellen Feuerwerk voller Gewaltausbrüche und anderer drastischer Szenen führt, später aber zur Abstumpfung führt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tom Hardy, Kelly Adams, James Lance Wiederholung: Samstag, 12. Juli, 02.05 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Bronson“
Wikipedia über „Bronson“ (deutsch, englisch)
T. S. Spivet lebt nicht gerade in einer normalen Familie und normal ist der selbst ernannte „Leonardo da Vinci von Montana“ auch nicht. Immerhin ist T. S. Spivet der Erzähler in Jean-Pierre Jeunets neuem Film „Die Karte meiner Träume“ – und wem seine vorherigen Filme „Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“, „Alien – Die Wiedergeburt“ (sein Big-Budget-Hollywood-Film), „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Mathilde – Eine große Liebe“ und „Micmacs – Uns gehört Paris!“ gefallen haben, dem wird auch „Die Karte meiner Träume“ gefallen. Auch wenn es dieses Mal in die USA geht, die Landschaft schöner als eine Postkarte aussieht und Jeunet den Film realistisch nennt, was unbedingt als Jeunet-Realismus verstanden werden muss.
T. S. Spivet, eigentlich Tecumseh Sparrow Spivet, lebt auf einer Ranch in Montana. Er ist hochbegabt und publiziert auch in wissenschaftlichen Magazinen. Zuletzt erfand er das Perpetuum Mobile. Dafür möchte das Smithosonian Museum, das Forschungs- und Bildungszentrum der Nation, ihm den prestigeträchtigen Baird-Preis verleihen. Das Telefonat mit der Kuratorin des Museums gestaltet sich zwar etwas schwierig, aber Genies dürfen ihre Spleens haben. Immerhin hat er das Perpetuum Mobile erfunden. Was die Kuratorin in dem Moment allerdings nicht ahnt, ist, dass Spivet ein zehnjähriger Junge ist, der sich allein auf die Reise nach Washington, D. C., begibt.
Jeunet erzählt Spivets Erlebnisse auf seiner Ranch mit seiner Mutter, einer verschrobenen Insektenforscherin, seinem Vater, einem echten Cowboy und das komplette Gegenteil seiner Mutter, seiner Celebrity-süchtigen Schwester, die unbedingt ins Fernsehen will, und seinem dummen Zwillingsbruder, der bei einem von Spivets Experimenten stirbt, Spivets Reise nach Washington und seine Erlebnisse in der Hauptstadt voller Sympathie für seine etwas neben der Realität lebenden Charaktere und sehr verspielt. Denn Spivets Zeichnungn, Gedanken und Berechnungen, wenn er zum Beispiel als Blinder Passagier den Zug besteigt, visualisiert Jeunet immer und die 3D-Effekte kommen in diesen Momenten auch gut zur Geltung. Allerdings sind sie oft auch nervig effekthascherisch, weil immer wieder Gegenstände und Teile der Landschaft in den Vordergrund geschoben werden, um uns zu zeigen, dass wir einen 3D-Film sehen. Ebenso nervig, und wahrscheinlich ebenfalls dem Experimentieren mit dem 3D-Effekt geschuldet, ist das Einflechten der Untertitel in das Bild, das dazu führt, dass die Untertitel sich vorwärts und rückwärts durch die Grashalme Montanas bewegen.
Ein weiteres Problem des Films ist der dritte Akt, wenn Spivet in Washington den Preis erhält und als Wunderkind ins Fernsehen kommt. Das ist dann in seinen Konflikten und den Lösungen viel zu nah an bekannten kitschigen Hollywood-Mustern, die eben genau die Andersartigkeit des vorherigen Films vermissen lassen.
Doch bis dahin ist „Die Karte meiner Träume“ ein wundervoll warmherziger, humorvoller und bezaubernder Film für Kinder jeden Alters.
Dass man für einen guten Science-Fiction-Film nicht unbedingt Unsummen ausgeben muss, haben zuletzt, um nur drei neuere Filme zu nennen, unter anderem „Moon“, „District 9“ und „Looper“ bewiesen.
Auch „The Signal“ könnte daher ein guter Science-Fiction-Film und ein guter Paranoia-Thriller sein. Das Plakat weckt Interesse und auch der Stilwechsel nach dem etwas zähen Filmanfang, der sich etwas zu viel Zeit für die Reise- und Beziehungsprobleme von Nic (Brenton Thwaites), seiner Freundin Haley (Olivia Cooke) und seinem Freund Jonah (Beau Knapp) nimmt, ist interessant.
Die drei Collegestudenten Nic, Jonah und Haley fahren durch die USA in Richtung Kalifornien zu Haleys neuer Universität. Mitten im ländlichen Nevada wollen sie Nomad, einem rivalisierendem Hacker, den die Computernerds Nic und Jonah nur über das Netz kennen, besuchen. Dafür verfolgen sie sein Signal zurück – und landen, natürlich mitten in der Nacht, in der Einöde in einem verlassenem Haus.
Da geschieht etwas, das wir im schönsten „The Blair Witch Project“-Found-Footage-Stil sehen, und als Nic aufwacht, ist er in einem etwas altmodischem Hochsicherheitskrankenhaus in Quarantäne isoliert von anderen Menschen und seinen beiden Freunden. Haley sieht er einmal bewußtlos in einem Krankenbett liegend. Das Personal, immer in Schutzanzügen, redet nicht mit ihm.
Dr. Wallace Damon (Laurence Fishburne), der Laborleiter, sagt ihm, dass er und seine beiden Freunde Kontakt mit einem Alien gehabt hätten, jetzt überprüft werden müsse, ob er noch gesund sei und er unbedingt bei den kindisch wirkenden Tests kooperieren solle. Nur so könne festgestellt werden, ob er kontaminiert sei.
Spätestens jetzt fragt sich der versierte Genrefan, was Damon vor Nic verheimlicht und welches miese Spiel der Vertreter der Staatsmacht mit ihm treibt.
Aus dieser Frage zieht Regisseur William Eubank, obwohl „The Signal“ fast ein Zwei-Personen-Film ist, auch eine Zeit lang eine durchaus beträchtliche Spannung. Aber anstatt irgendwann mit dem Beantworten der Fragen zu beginnen, türmt er Rätsel auf Rätsel, was dazu führt, dass das Interesse schnell erlahmt und schon früh der Eindruck entsteht, dass die Macher die Lösung selbst nicht kennen, aber munter die Stile wechseln und sich durch die halbe Filmgeschichte plündern.
In den letzten Minuten, wenn wir die Wahrheit erfahren, bestätigt sich das. Denn „The Signal“ hat eines dieser überraschenden Enden irgendwo zwischen Verzweiflungstat und Verlegenheitslösung, das vor allem deshalb überraschend ist, weil es mit dem vorherigen Film nichts zu tun hat und aus der Logik der Geschichte heraus nicht stimmt.
Genausogut hätte Regisseur Eubank Nic am Ende in einem Krankenbett aus einem Alptraum erwachen lassen können.
Dass man für einen guten Science-Fiction-Film ein gutes Drehbuch braucht, zeigt „The Signal“; – wie viele andere schlechte Science-Fiction-Filme.