TV-Tipp für den 11. Juli: Bronson

Juli 11, 2014

3sat, 22.35
Bronson (Großbritannien 2008, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Brock Norman Brock, Nicolas Winding Refn
Auf Tatsachen basierender Film über den Knacki Charles Bronson (Tom Hardy! Grandios!) und den Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt im Gefängnis. Nichts für Zartbesaitete.
„Der dänische Regisseur lässt in seinem zweiten britischen Film seinen inszenatorischen Mitteln freien Lauf, was zunächst zu einem visuellen Feuerwerk voller Gewaltausbrüche und anderer drastischer Szenen führt, später aber zur Abstumpfung führt.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tom Hardy, Kelly Adams, James Lance
Wiederholung: Samstag, 12. Juli, 02.05 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Bronson“
Wikipedia über „Bronson“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Monsieur Jeunet entwirft „Die Karte meiner Träume“

Juli 10, 2014

T. S. Spivet lebt nicht gerade in einer normalen Familie und normal ist der selbst ernannte „Leonardo da Vinci von Montana“ auch nicht. Immerhin ist T. S. Spivet der Erzähler in Jean-Pierre Jeunets neuem Film „Die Karte meiner Träume“ – und wem seine vorherigen Filme „Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“, „Alien – Die Wiedergeburt“ (sein Big-Budget-Hollywood-Film), „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „Mathilde – Eine große Liebe“ und „Micmacs – Uns gehört Paris!“ gefallen haben, dem wird auch „Die Karte meiner Träume“ gefallen. Auch wenn es dieses Mal in die USA geht, die Landschaft schöner als eine Postkarte aussieht und Jeunet den Film realistisch nennt, was unbedingt als Jeunet-Realismus verstanden werden muss.
T. S. Spivet, eigentlich Tecumseh Sparrow Spivet, lebt auf einer Ranch in Montana. Er ist hochbegabt und publiziert auch in wissenschaftlichen Magazinen. Zuletzt erfand er das Perpetuum Mobile. Dafür möchte das Smithosonian Museum, das Forschungs- und Bildungszentrum der Nation, ihm den prestigeträchtigen Baird-Preis verleihen. Das Telefonat mit der Kuratorin des Museums gestaltet sich zwar etwas schwierig, aber Genies dürfen ihre Spleens haben. Immerhin hat er das Perpetuum Mobile erfunden. Was die Kuratorin in dem Moment allerdings nicht ahnt, ist, dass Spivet ein zehnjähriger Junge ist, der sich allein auf die Reise nach Washington, D. C., begibt.
Jeunet erzählt Spivets Erlebnisse auf seiner Ranch mit seiner Mutter, einer verschrobenen Insektenforscherin, seinem Vater, einem echten Cowboy und das komplette Gegenteil seiner Mutter, seiner Celebrity-süchtigen Schwester, die unbedingt ins Fernsehen will, und seinem dummen Zwillingsbruder, der bei einem von Spivets Experimenten stirbt, Spivets Reise nach Washington und seine Erlebnisse in der Hauptstadt voller Sympathie für seine etwas neben der Realität lebenden Charaktere und sehr verspielt. Denn Spivets Zeichnungn, Gedanken und Berechnungen, wenn er zum Beispiel als Blinder Passagier den Zug besteigt, visualisiert Jeunet immer und die 3D-Effekte kommen in diesen Momenten auch gut zur Geltung. Allerdings sind sie oft auch nervig effekthascherisch, weil immer wieder Gegenstände und Teile der Landschaft in den Vordergrund geschoben werden, um uns zu zeigen, dass wir einen 3D-Film sehen. Ebenso nervig, und wahrscheinlich ebenfalls dem Experimentieren mit dem 3D-Effekt geschuldet, ist das Einflechten der Untertitel in das Bild, das dazu führt, dass die Untertitel sich vorwärts und rückwärts durch die Grashalme Montanas bewegen.
Ein weiteres Problem des Films ist der dritte Akt, wenn Spivet in Washington den Preis erhält und als Wunderkind ins Fernsehen kommt. Das ist dann in seinen Konflikten und den Lösungen viel zu nah an bekannten kitschigen Hollywood-Mustern, die eben genau die Andersartigkeit des vorherigen Films vermissen lassen.
Doch bis dahin ist „Die Karte meiner Träume“ ein wundervoll warmherziger, humorvoller und bezaubernder Film für Kinder jeden Alters.

Die Karte meiner Träume - Plakat -4

Die Karte meiner Träume (The young and prodigious T. S. Spivet, Frankreich/Kanada 2013)
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
LV: Reif Larsen: The Selected Works of T.S. Spivet, 2009 (Die Karte meiner Träume)
mit Kyle Catlett, Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, Jakob Davies, Niamh Wilson, Jakob Davies, Dominique Pinon
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Die Karte meiner Träume“
Moviepilot über „Die Karte meiner Träume“
Metacritic über „Die Karte meiner Träume“
Rotten Tomatoes über „Die Karte meiner Träume“
Wikipedia über „Die Karte meiner Träume“ (deutsch, englisch)
Homepage von Reif Larsen
Perlentaucher über „Die Karte meiner Träume“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Science-Fiction-Film „The Signal“

Juli 10, 2014

Dass man für einen guten Science-Fiction-Film nicht unbedingt Unsummen ausgeben muss, haben zuletzt, um nur drei neuere Filme zu nennen, unter anderem „Moon“, „District 9“ und „Looper“ bewiesen.
Auch „The Signal“ könnte daher ein guter Science-Fiction-Film und ein guter Paranoia-Thriller sein. Das Plakat weckt Interesse und auch der Stilwechsel nach dem etwas zähen Filmanfang, der sich etwas zu viel Zeit für die Reise- und Beziehungsprobleme von Nic (Brenton Thwaites), seiner Freundin Haley (Olivia Cooke) und seinem Freund Jonah (Beau Knapp) nimmt, ist interessant.
Die drei Collegestudenten Nic, Jonah und Haley fahren durch die USA in Richtung Kalifornien zu Haleys neuer Universität. Mitten im ländlichen Nevada wollen sie Nomad, einem rivalisierendem Hacker, den die Computernerds Nic und Jonah nur über das Netz kennen, besuchen. Dafür verfolgen sie sein Signal zurück – und landen, natürlich mitten in der Nacht, in der Einöde in einem verlassenem Haus.
Da geschieht etwas, das wir im schönsten „The Blair Witch Project“-Found-Footage-Stil sehen, und als Nic aufwacht, ist er in einem etwas altmodischem Hochsicherheitskrankenhaus in Quarantäne isoliert von anderen Menschen und seinen beiden Freunden. Haley sieht er einmal bewußtlos in einem Krankenbett liegend. Das Personal, immer in Schutzanzügen, redet nicht mit ihm.
Dr. Wallace Damon (Laurence Fishburne), der Laborleiter, sagt ihm, dass er und seine beiden Freunde Kontakt mit einem Alien gehabt hätten, jetzt überprüft werden müsse, ob er noch gesund sei und er unbedingt bei den kindisch wirkenden Tests kooperieren solle. Nur so könne festgestellt werden, ob er kontaminiert sei.
Spätestens jetzt fragt sich der versierte Genrefan, was Damon vor Nic verheimlicht und welches miese Spiel der Vertreter der Staatsmacht mit ihm treibt.
Aus dieser Frage zieht Regisseur William Eubank, obwohl „The Signal“ fast ein Zwei-Personen-Film ist, auch eine Zeit lang eine durchaus beträchtliche Spannung. Aber anstatt irgendwann mit dem Beantworten der Fragen zu beginnen, türmt er Rätsel auf Rätsel, was dazu führt, dass das Interesse schnell erlahmt und schon früh der Eindruck entsteht, dass die Macher die Lösung selbst nicht kennen, aber munter die Stile wechseln und sich durch die halbe Filmgeschichte plündern.
In den letzten Minuten, wenn wir die Wahrheit erfahren, bestätigt sich das. Denn „The Signal“ hat eines dieser überraschenden Enden irgendwo zwischen Verzweiflungstat und Verlegenheitslösung, das vor allem deshalb überraschend ist, weil es mit dem vorherigen Film nichts zu tun hat und aus der Logik der Geschichte heraus nicht stimmt.
Genausogut hätte Regisseur Eubank Nic am Ende in einem Krankenbett aus einem Alptraum erwachen lassen können.
Dass man für einen guten Science-Fiction-Film ein gutes Drehbuch braucht, zeigt „The Signal“; – wie viele andere schlechte Science-Fiction-Filme.

The Signal - Plakat

The Signal (The Signal, USA 2014)
Regie: William Eubank
Drehbuch: William Eubank, Carlyle Eubank, David Frigerio
mit Brenton Thwaites, Olivia Cooke, Beau Knapp, Laurence Fishburne, Lin Shaye, Robert Longstreet
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Signal“
Moviepilot über „The Signal“
Metacritic über „The Signal“
Rotten Tomatoes über „The Signal“
Wikipedia über „The Signal“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Wara No Tate – Die Gejagten“ sorgen für Hochspannung

Juli 10, 2014

Endlich hat es wieder ein Film des überaus produktiven Takashi Miike („Audition“ und gut einhundert weitere Filme) in unsere Kinos geschafft und er liefert – wie eigentlich immer – großes Kino.
In „Wara No Tate – Die Gejagten“ sollen vier Polizisten Kunihide Kiyomaru zum Gericht bringen. Der nur auf den allerersten Blick alltägliche Auftrag ist ein Himmelfahrtskommando. Denn Kiyomaru ermordete bestialisch eine Siebenjährige und stellte sich auf seiner Flucht der Polizei, weil der todkranke, steinreiche Großvater der Toten ein absurd hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Seitdem möchte anscheinend ganz Japan Kiyomaru bereits vor der Gerichtsverhandlung ermorden.
Schon im Krankenhaus können die Polizisten, die durchaus verschiedene Auffassungen über diesen Auftrag haben, den ersten Mordanschlag verhindern. Eine Krankenschwester wollte Kiyomaru mit einer Spritze töten.
Als nächstes wird, kurz nach ihrer Abfahrt, ein Anschlag auf den gut gesicherten Gefangenenkonvoi verübt – und das ist der Anfang eines fast zweistündigen Action-Feuerwerks in dem die Polizisten, die schnell, vor allem durch ihre Taten, zu dreidimensionalen Charakteren werden, ihren Gefangenen auf 1200 höllischen Kilometern, mit wechselnden Fortbewegungsmitteln, quer durch Japan nach Tokio bringen sollen. Dabei wissen sie nicht, ob sie sich gegenseitig vertrauten können und ob sie die Fahrt überleben werden.
Allein schon mit dieser Story könnte Miike eine Cinemascope-Actionoper abfeiern. Weil Miike sich in jeder Szene mit der Frage, was die Aufgabe des Rechtsstaats ist und wie das Verhältnis von Recht und Selbstjustiz ist, beschäftigt, hat „Wara no Tate – Die Gejagten“ eine philosophische Dimension, die man zuletzt in Actionfilmen oft vermisste. Dabei ist Kiyomaru ein Extrembeispiel, das gerade deshalb zum Prüfen von moralischen Gesetzen und Prinzipien taugt. Er ist eindeutig schuldig. Er bereut nichts. Er genießt die Aufmerksamkeit und auch bei all den Leichen, die sich während der Fahrt um ihn herum stalpen, scheint diese Inkarnation des Bösen nichts außer Genugtuung zu empfinden. Wenn jemand den Tod verdient hat, dann er.
Aber rechtfertigt das Lynchjustiz? Dürfen Polizisten dafür Richter und Henker spielen? Oder sollen sie das Leben eines Schuldigen schützen und dafür unschuldige, rechtschaffene Bürger in Lebensgefahr bringen oder sogar töten? Immerhin verkörpern sie den liberaldemokratischen Rechtstaat und die damit verbundenen Prinzipien, wie dem Recht auf ein faires Verfahren und die Unschuldsvermutung. Aber gelten diese Prinzipien absolut? Oder gibt es eine Grenze?
Diese abstrakten Fragen behandelt Miike innerhalb eines Thrillers, der eindeutig Partei für den Rechtsstaat ergreift und ein, auch storybedingt, sehr pessimistisches Bild von den Menschen und ihrem Vertrauen in den Staat hat. Denn schon das Versprechen auf etwas Geld verwandelt zivilisierte Menschen in Bestien, die sich kaum von Kiyomaru unterscheiden.
Miike behandelt sein Thema innerhalb eines elegant erzählten kühlen Polizeithrillers, der durch seine zahlreichen Action-Szenen, und durchstrukturierten, oft sehr poetischen Bilder (weshalb man den Film auf einer großen Leinwand sehen sollte) beeindruckt. Die Story selbst läuft einerseits geradlinig wie ein Hochgeschwindigkeitszug ab, andererseits schlägt sie immer wieder überraschende Hacken und verweist gelungen auf bekannte Vorbilder, wie den Clint-Eastwood-Film „Der Mann, der niemals aufgibt“ (The Gauntlet, USA 1977).

Wara No Tate - Die Gejagten - Plakat

Wara No Tate – Die Gejagten (Wara No Tate, Japan 2013)
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tamio Hayashi
LV: Kazuhiro Kiuchi: Kazuhiro Kiuchi, 2004
mit Nanako Matsushima, Tatsuya Fujiwara, Takao Ohsawa, Gorô Kishitani, Masatô Ibu, Kento Nagayama, Tsutomu Yamazaki, Kimiko Yo, Hirotarô Honda
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise

Japanische Homepage zum Film
Deutsche „Homepage“ zum Film
Film-Zeit über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Moviepilot über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Metacritic über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Rotten Tomatoes über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Wikipedia über „Wara No Tate – Die Gejagten“
Cannes Filmfestival über den Film (unter anderem mit der Pressekonferenz im englischen Voiceover)

Meine Besprechung von Takashi Miikes „13 Assassins“ (Jûsan-nin no shikaku, Japan 2010)

Meine Besprechung von Takashi Miikes „Phoenix Wright – Ace Attorney“ (Gyakuten saiban, Japan 2012)


TV-Tipp für den 10. Juli: Fear X

Juli 9, 2014

3sat, 22.25
Fear X (USA 2003, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
Der introvertierte Sicherheitsbeamte Harry Caine sucht den Mörder seiner Frau. Er glaubt, dass er den Täter auf den Überwachungsbändern einer Shopping-Mall findet. Da entdeckt er in einen Nachbarhaus einen Hinweis und er macht sich auf den Weg nach Montana.
„Fear X“ ist ein zunehmend surrealer Thriller, der gerade wegen seiner Andersartigkeit gefällt.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre
Wiederholung: Samstag, 12. Juli, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fear X“

Wikipedia über „Fear X“

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)

 


DVD-Kritik: Verbrecherjagd in der „Ripper Street“

Juli 9, 2014

London, East End, April 1889: Jack the Ripper pausiert seit einem halben Jahr, aber nicht das Verbrechen in Whitechapel, weshalb es für Inspector Edmund Reid und die von ihm geleitete H Division, die eigentlich den Frauenmörder finden sollte, genug zu tun gibt. Die BBC-Serie „Ripper Street“ erzählt die Abenteuer der Polizeieinheit, ihres Privatlebens und des Lebens in Whitechapel.
Dabei gelingt den Machern in den einzelnen Episoden der ersten, aus acht Folgen bestehenden Staffel ein saftiges Sittenporträt mit einer ordentlichen Portion Sex und Gewalt. Es ist ein schonungsloser Blick auf das damalige Verbrechen, die Zustände in London und das damalige Leben in einer für uns heute oft unvorstellbaren Armut. Es geht um Straßenbanden, Krankheiten (beziehungsweise Terror mit der Cholera), revolutionäre Umtriebe, Arbeiterkämpfe, Sklavenhandel und Pornographie. Auch die Polizeimethoden waren noch sehr archaisch. So wurde schon einmal ein Geständnis aus einem Verdächtigen herausgeprügelt. Aber – immerhin haben wir unseren Sherlock Holmes gelesen – die moderne Wissenschaft wurde damals auch in der Kriminalitätsbekämpfung immer wichtiger. Reid, der Chef der Einheit, weiß das. Deshalb nimmt er sich Homer Jackson, einen zwiespältigen, aus der USA geflohenen Charakter, der mit einer Bordellbesitzerin zusammenlebt, als Gehilfen. Jackson untersucht die Leichen und auch an den Tatorten ist er eine große Hilfe. Seiner Vergangenheit müssen er und seine Freundin Long Susan sich in „Einer meiner Männer“ stellen, als Besuch aus den USA kommt und die Pinkerton-Männer London als einen Teil des Wilden Westens betrachten.
Für die normale Arbeit, verstanden als Lauf- und Schlagarbeit, hat Reid Sergeant Bennet Drake und die anderen Polizisten der Polizeistation.
„Ripper Street“ ist eine spannende Krimiserie, die auch ein Blick ins Geschichtsbuch ist, das immer wieder wahre Begebenheiten anspricht, und dabei durchaus interessante Parallelen zwischen der damaligen Zeit und der Gegenwart aufzeigt. Immerhin mussten die Menschen damals und heute mit gewaltigen Umwälzungen umgehen. Doch in erster Linie sind die lose miteinander verknüpften „Ripper Street“-Episoden spannende Unterhaltung, wobei die Episoden, in denen die Ermittler und ihre Probleme im Mittelpunkt stehen zu den schwächeren gehören.
In England wurde bereits eine zweite Staffel ausgestrahlt. Eine dritte Staffel war wegen der hohen Kosten eine Zeit lang fraglich. Aber jetzt laufen die Dreharbeiten.

Ripper Street - Staffel 1 - DVD-Cover

Ripper Street – Staffel 1 (Ripper Street, Großbritannien 2012)
Erfinder: Richard Warlow
mit Matthew Macfadyen (Det. Insp. Edmund Reid), Jerome Flynn (Det. Sgt. Bennet Drake), Adam Rothenberg (Captain Homer Jackson), David Wilmot (Sgt. Donald Artherton), MyAnna Buring (Long Susan), David Dawson (Fred Best), Charlene McKenna (Rose Erskine), Jonathan Barnwell (P.C. Dick Hobbs), Clive Russell (Chief Inspector Fred Abberline)
–
DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: WAS (12 Minuten)
Länge: 400 Minuten (8 x 50 Minuten, 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Die ersten bluttriefenden Besuche in der „Ripper Street“
Ich brauche Licht (I need light)
Regie: Tom Shankland
Drehbuch: Richard Warlow
–
Der schweigende Junge (In my Protection)
Regie: Tom Shankland
Drehbuch: Richard Warlow
–
König Cholera (The King came calling)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Declan Croghan, Richard Warlow
–
Die Edlen der Stadt (The God of this City)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Julie Rutterford, Richard Warlow
–
Das Totengericht (The Weight of One Man’s Heart)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Toby Finlay
–
Die Schatten (Tournament of Shadows)
Regie: Colm McCarthy
Drehbuch: Toby Finlay
–
Einer meiner Männer (A Man of My Company)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Richard Warlow
–
Wozu die Mühe? (What Use Our Work?)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Richard Warlow
–
Hinweise
BBC über „Ripper Street“
ZDF über „Ripper Street“
Fernsehserien über „Ripper Street“
Wikipedia über „Ripper Street“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Juli: Walhalla Rising

Juli 9, 2014

3sat, 00.00
Walhalla Rising (Dänemark/Großbritannien 2009, Regie: Nicolas Winding Refn)
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Roy Jacobsen
Nordeuropa zu Zeiten der Wikinger: ein einäugiger Kampfsklave kann sich befreien. Er schließt sich einer Gruppe christlicher Wikinger an, die das gelobte Land befreien wollen.
Fabelhaft bebilderter, eruptiv gewalttätiger, fast stummer Alptraum mit rudimentärer Geschichte, die an Werner Herzogs „Aguirre, der Zorn Gottes“ erinnert, aber sich für meinen Geschmack zu sehr auf die Bilder von stummen, bewegungslosen Männern in der Naturlandschaft verlässt.
Am Donnerstag zeigt 3sat um 22. 25 Uhr „Fear X“ (mit John Turturro) und am Freitag um 22.35 Uhr „Bronson“ (mit Tom Hardy), zwei weitere Filme von Nicolas Winding Refn.
mit Mads Mikkelsen, Jamie Sives, Gary Lewis, Maarten Stevenson, Gordon Brown

Wiederholung: Donnerstag, 10. Juli, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Walhalla Rising“

Rotten Tomatoes über „Walhalla Rising“

Wikipedia über „Walhalla Rising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Fear X“ (Fear X, USA 2003)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Drive“ (Drive, USA 2011)

Meine Besprechung von Nicolas Winding Refns „Only God Forgives“ (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)


TV-Tipp für den 8. Juli: Bildnis einer Trinkerin

Juli 8, 2014

ZDFkultur, 20.15
Bildnis einer Trinkerin (Deutschland 1979, Regie: Ulrike Ottinger)
Drehbuch: Ulrike Ottinger
Experimenteller Spielfilm von Ulrike Ottinger (auch Kamera), aus feministischer Perspektive, über eine wohlhabende Trinkerin, die sich in Westberlin zu Tode trinken will. Dort trifft sie auf eine arme Trinkerin und beide Frauen ziehen gemeinsam durch die Stadt.
„Grell werden in diesem Melodrama die Stationen zweier Trinkerinnen aneinandergereiht.“ (Fischer Film Almanach 1980)
Die Musik ist von Peer Raben.
Beginn eines Ulrike-Ottinger-Abends. Nach dem „Bildnis einer Trinkerin“ (Wiederholung um 00.55 Uhr) folgen um 22.00 Uhr „Ulrike Ottinger – Die Nomadin vom See“ (D 2012, Wiederholung um 02.40 Uhr) und um 23.05 Uhr „Die koreanische Hochzeitstruhe“ (D/Rok 2009, Wiederholung um 03.45 Uhr).
Mit Tabea Blumenschein, Lutze, Magdalena Montezuma, Orpha Termin, Monika von Cube, Paul Glauer, Nina Hagen, Kurt Raab, Volker Spengler, Eddie Constantine
Hinweise
Homepage von Ulrike Ottinger
Filmportal über „Bildnis einer Trinkerin“
Wikipedia über „Bildnis einer Trinkerin“ und Ulrike Ottinger


TV-Tipp für den 7. Juli: Ziemlich beste Freunde

Juli 6, 2014

ARD, 20.15
Ziemlich beste Freunde (Frankreich 2011, Regie: Eric Toledano, Olivier Nakache)
Drehbuch: Eric Toledano, Olivier Nakache
Ein wohlhabender, körperlich schwerbehinderter Franzose engagiert einen jungen, gerade aus dem Gefängnis entlassenen Migranten als Pfleger. Dieser behandelt ihn nämlich ohne falschen Respekt.
Mit fast neun Millionen Besuchern war „Ziemlich beste Freunde“ 2012 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos. Jetzt können alle, die den Film im Kino verpassten, das Versäumte nachholen.
„Charmantes Buddy-Movie (…) Konzipiert als schwungvoller Wohlfühlfilm, mangelt es ihm allerdings an Glaubwürdigkeit, zumal die Konflikte und Probleme recht naiv verharmlost werden.“ (Lexikon des internationalen Films)
Auftakt vom ARD-Sommerkino, das uns in den kommenden Wochen noch einige gute Filme ins heimische Kino bringt.
mit Francois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Molllet
Widerholung: Dienstag, 8. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Film-Zeit über „Ziemlich beste Freunde“
Moviepilot über „Ziemlich beste Freunde“
Rotten Tomatoes über „Ziemlich beste Freunde“
Wikipedia über „Ziemlich beste Freunde“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 6. Juli: Cowboys & Aliens

Juli 5, 2014

Pro 7, 20.15

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Wiederholung: Montag, 7. Juli, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

 Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)


TV-Tipp für den 5. Juli: Nicht auflegen!

Juli 4, 2014

Sat.1, 22.10
Nicht auflegen! (USA 2002, Regie: Joel Schumacher)
Drehbuch: Larry Cohen
Als Stuart Shepard das Telefon in der Telefonzelle abnimmt, wird sein Tag zum Alptraum. Denn es meldet sich ein Erpresser, der sagt, er werde ihn erschießen, wenn er die Telefonzelle verlässt.
Spannender Thriller, dessen erste Idee („ein Film, der in einer Telefonzelle spielt“) Larry Cohen („Die Wiege des Bösen“ [It’s alive], Maniac Cop“, „Final Call“) bereits in den Sechzigern Alfred Hitchcock erzählte. Aber sie wussten nicht, wie sie den Protagonisten in der Telefonzelle festhalten sollten. Michael Bay, dem die Idee auch einmal erzählt wurde, wollte nur wissen, wie man den Protagonisten aus der Telefonzelle bringt. Joel Schumacher („Falling Down“, „Batman forever“) ließ den Protagonisten in der Telefonzelle und inszenierte einen straffen kleinen, herrlich gemeinen Thriller.
mit Colin Farrell, Forest Whitaker, Katie Holmes, Radha Mitchell, Kiefer Sutherland (Erpresserstimme im Original)
Widerholung: Sonntag, 6. Juli, 01.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Nicht auflegen!“
Wikipedia über „Nicht auflegen!“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Juli: Wild Bill

Juli 3, 2014

Servus TV, 22.15
Wild Bill (USA 1995, Regie: Walter Hill)
Drehbuch: Walter Hill
LV: Pete Dexter: Deadwood, 1986 (Deadwood), Thomas Babe: Fathers and Sons, 1978 (Theaterstück)
Walter Hills Biopic über Wild Bill Hickock, das der Revolverheld sich in seinen Opiumträumen zusammenspinnt. Ein top besetzter, ziemlich abgefahrener und auch zerfahrener Western, der an der Kinokasse selbstverständlich kein Erfolg war, aber für Western-Fans einiges zu bieten hat.
Hill drehte die Helden-Demystifikation zwischen dem Western „Geronimo – Eine Legende“ und dem Quasi-Western „Last Man Standing“.
Die Musik ist von Van Dyke Parks.
mit Jeff Bridges, Ellen Barkin, John Hurt, Diane Lane, Keith Carradine, Christina Applegate, Bruce Dern, James Gammon, James Remar
Wiederholung: Samstag, 5. Juli, 01.50 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Wild Bill“
Turner Classic Movies über „Wild Bill“
Wikipedia über „Wild Bill“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills „Straßen in Flammen“ (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Donald Rumsfeld erklärt „The Unknown Known“

Juli 3, 2014

Der Mann ist ein netter Onkel.
Der Mann ist Donald Rumsfeld – und er ist kein netter Onkel. Jedenfalls wenn es um Politik geht. Er ist ein Falke, ein Rechtsaussleger, der nach dem 11. September 2001 seinen mehr als beträchtlichen Teil zum Krieg gegen den Terror beitrug, der Folter rechtfertigte und mehrere Kriege befürwortete. Davor war der 1932 geborene Protestant jahrzehntelang ein wichtiger Mann in Washington, ein Vertrauter von Richard Nixon, Gerald Ford, Ronald Reagan und George W. Bush, zweimal Verteidigungsminister (1975 – 1977, 2001 – 2006) und seit 1954 mit Joyce Pierson verheiratet. Während seines Lebens schrieb er zehntausende Notizen und Memoranden. Allein 20.000 während der Präsidentschaft Bushs als er Verteidigungsminister war. Rumsfeld sagte, er schrieb die Texte, um sich über sein Denken, seine Positionen, klar zu werden. Aus heutiger Sicht sind die Papiere, auch wenn ihr genauer Status für künftige Historikergenerationen und sicher auch für den Verfasser unklar ist, ein Einblick in Rumsfelds Denken und die Geschichte der USA.
Dokumentarfilmer Errol Morris („A Thin Blue Line“ [Der Fall Rachel Adams], „The Fog of War“ und sein Abu-Ghraib-Film „Standard Operating Procedure“) nahm diese Papiere zur Grundlage für sein 33-stündiges Interview mit Donald Rumsfeld, in dem Rumsfeld seine Sicht der Dinge erzählt. Morris konfrontiert ihn dabei fast nie direkt mit seinen früheren Aussagen. Dennoch wird schnell deutlich, dass Rumsfeld wirklich kein Denker ist. Er ist auch kein Mann, der zu seinen Entscheidungen und damit auch Fehlern steht. Sogar wenn er auf widersprüchliche Aussagen von ihm hingewiesen wird, negiert er die älteren Aussagen als ob es sie überhaupt nicht gäbe. Er blendet einfach die ihm ungenehmen und nicht in sein Weltbild passenden Dinge aus. Diese absolut fehlende Selbstkritik wird besonders deutlich, wenn er auf die von ihm damals zunächst negierte, später gerechtfertigte Folter von US-Streitkräften nach 9/11 oder den von ihm forcierten Einmarsch in den Irak angesprochen wird.
Der glänzent inszenierte Film ist auch ein Rückblick auf Rumsfelds Leben. 1962 wurde er erstmals in das Repräsentatenhaus gewählt. Seitdem verbrachte er, mit kurzen Ausflügen in die Wirtschaft, sein Leben in Washington, D. C., und Morris gelingt es in dichten Montagen diese Jahrzehnte Revue passieren zu lassen.
Wie ein musikalisches Leitmotiv zieht sich dabei Donald Rumsfeld Spruch von dem „unbekannte Bekannte“ durch den gesamten Film und am Ende des Films hat mein eine durchaus erschreckende Kenntnis über „jene Dinge, die wir zu wissen glauben, wobei es sich herausstellt, dass dies nicht der Fall ist“. Rumsfeld glaubten wir zu kennen. Wir glaubten auch, dass er eine tiefergehende, uns verborgene Agenda hat. Aber genau das hat er nicht. Er ist wie ein gut verschlossener Tresor, in dem Nichts drin ist.
Errol Morris‘ Frau Julia vergleicht Donald Rumsfeld mit der Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“.
Die meisten Deutschen dürften diese gedankliche Leere von Donald Rumsfeld in „The Unknown Known“ nur spüren. Denn Errol Morris erwähnt nur die nötigsten Hintergründe, während er von einem informierten Publikum ausgeht, das den Vietnam-Krieg, die Reagan- und Bush-Präsidentenjahre und die ideologischen Hintergründe der US-Politik kennt. Insofern empfiehlt es sich durchaus, vor dem Filmbesuch ein wenig im Geschichtsbuch zu blättern. Der Film wird dadurch noch besser – und auch erschreckender.

The Unkown Kown - Plakat - 4

The Unknown Known (The Unknown Known, USA 2013)
Regie: Errol Morris
Drehbuch: Errol Morris
mit Donald Rumsfeld
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 12 Jahre (Original mit deutschen Untertiteln)
–
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Berlinale: Pressekonferenz zum Film
Film-Zeit über „The Unknown Known“
Moviepilot über „The Unknown Known“
Metacritic über „The Unknown Known“
Rotten Tomatoes über „The Unknown Known“
Wikipedia über „The Unknown Known“ und Donald Rumsfeld (deutsch, englisch)

Homepage von Errol Morris

–
Und jetzt – als inoffiziellesMega-Making-of – noch einige Interviews mit Errol Morris über „The Unknown Known“

DP/30 unterhält sich mit Errol Morris

Harvard University: Homi Bhabha, Direktor des Mahindra Humanities Center, unterhält sich mit Errol Morris nach einer Präsentation des Films

Reason TV unterhält sich mit Errol Morris

Vice TV: Reihan Salam unterhält sich mit Errol Morris

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Tammy – Voll abgefahren“, aber etwas ziellos

Juli 3, 2014

„Tammy – Voll abgefahren“ ist eine Mogelpackung. Denn der neue Film von und mit Melissa McCarthy ist nur am Anfang eine Komödie. Da wird ihr Auto von einem Hirsch gestoppt. Das Tier überlebt, Ihr Auto ist dagegen ziemlich demoliert. Kurz darauf wird sie von ihrem Chef (Ben Falcone) gefeuert. In einem sinnlosen Wutanfall wirft sie mit Lebensmitteln (soweit das über Fastfood-Kost gesagt werden kann) um sich. Sie fährt nach Hause und erwischt ihren Göttergatten mit einer anderen Frau.
Tammy hat genug. Sie will abhauen, aber nur ihre Oma Pearl (Susan Sarandon, auf steinalt frisiert) verfügt über genug Geld und, was noch wichtiger ist, ein Auto. Die beiden gegensätzlichen Frauen, die in den vergangenen Jahrzehnten wahrscheinlich keine drei Worte miteinander wechselten, machen sich auf den Weg zu den Niagara-Fällen, die Pearl schon immer besuchen wollte. Sagt sie. Außerdem ist Pearl Trinkerin, sexuellen Freuden nicht abgeneigt und sie vergisst schon einmal ihre Tabletten. Einige Tabletten hat sie auch durch wirksamere Medikamente bei dem jugendlichen Drogenhändler um die Ecke eingekauft. Kurz: sie ist vollkommen verantwortungslos.
Bei dieser Prämisse könnte „Tammy“ eine weitere „Hangover“-Variante mit Frauen werden. Auch der Trailer schlägt in diese Kerbe und damit weit daneben. Denn ziemlich schnell wird „Tammy“ immer ernster und zu einer sehr interessanten Variante von Alexander Paynes grandiosem Road-Movie „Nebraska“. Denn beide Male geht es bei dieser Reise, die ein Kind mit einem Elternteil (beziehungsweise Großelternteil) unternimmt, um ein letztes Kennenlernen der Generationen, um Versöhnung und auch um neue Lebensperspektiven. In „Nebraska“ sagt der Sohn auch ausdrücklich, dass diese Reise die letzte Gelegenheit sei, um mit seinem zunehmend dement werdendem Vater, der auch ein Alkoholiker ist, noch einige Tage zu verbringen. In „Tammy“ ist die Reise für Tammy wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, aus ihrem Leben auszubrechen. Denn bislang endete jede ihrer Fluchtversuche an der Stadtgrenze. Für Pearl ist es die letzte Möglichkeit, noch einmal etwas anderes zu sehen. Dabei geht es in beiden Filmen um die Reise und die Selbsterkenntnisse der Charaktere. Denn das Ziel – ein falscher Lottogewinn, ein Besuch der Niagara-Fälle – ist nebensächlich. Beide Male geht es auch um Familienbeziehungen. So treffen Tammy und Pearl auf ihrer Reise auch Pearls Cousine Lenore (Kathy Bates), die als bekennende Lesbe ein Leben weitab der Konventionen von Tammys Leben führt.
Aber während „Nebraska“ ein in sich geschlossenes melancholisches SW-Drama ist, ist „Tammy“ eine Komödie, die zu einem Drama wird und die mehr aus Einzelteilen als aus der Summe der Teile besteht. So ist „Tammy“ nie so gut, wie er sein könnte, aber die Komödie ist doch ein Schritt weg von dem inzwischen bekannten Melissa-McCarthy-Fahrwasser. Ich sage nur „Brautalarm“, „Voll abgezockt“ und „Taffe Mädels“.
Wieder beweist Melissa McCarthy einen herrlichen Hang zu unvorteilhaften Kleidern, wilden Frisuren und Schminkkatastrophen. Hässlicher sah wohl schon lange kein Star mehr aus. Wenn man weiß, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann Ben Falcone das Drehbuch schrieb, sie den Film mitproduzierten und Falcone hier sein Regiedebüt gab, dann sagt das einiges über die Eitelkeit von Melissa McCarthy aus. Und wohin sie sich in kommenden Filmen bewegen könnte. Denn unter der Komödie scheint auch immer eine gesellschaftskritische und liberale Agenda durch, die auch einen Traum von einem anderen Amerika zeigt.
Insofern ist „Tammy“ ein sehr interessanter filmischer Bastard, den ich trotz seiner Fehler mag. Dazu trägt auch die gute Besetzung bei. Neben Susan Sarandon und Kathy Bates spielen auch Dan Akroyd, Toni Colette und Sandra Oh in kleinen, aber wichtigen Rollen mit. Und „The Descendants“- und „Ganz weit hinten“-Drehbuchautor Nat Faxon spielt Tammys Ehemann, der für die falsche Frau Essen kocht.

Tammy - Plakat

Tammy – Voll abgefahren (Tammy, USA 2014)
Regie: Ben Falcone
Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone
mit Melissa McCarthy, Susan Sarandon, Allison Janney, Gary Cole, Dan Akroyd, Kathy Bates, Nat Faxon, Toni Colette, Sandra Oh, Ben Falcone
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Tammy“
Moviepilot über „Tammy“
Metacritic über „Tammy“
Rotten Tomatoes über „Tammy“
Wikipedia über „Tammy“
Meine Besprechung der Melissa-McCarthy-Filme „The Nines – Dein Leben ist nur ein Spiel“ (The Nines, USA 2007), „Voll abgezockt“ (Identity Thief, USA 2013) und „Taffe Mädels“ (The Heat, USA 2013)

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Zwei Interviews mit Melissa McCarthy über „Tammy“


TV-Tipp für den 3. Juli: Die Truman Show

Juli 3, 2014

Kabel 1, 22.25

Die Truman Show (USA 1998, Regie: Peter Weir)

Drehbuch: Andrew Niccol

Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.

Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.

„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti

Wiederholung: Freitag, 4. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Truman Show“

Wikipedia über „Die Truman Show“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Truman Show” von Andrew Niccol

Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013)

Meine Besprechung der „Peter Weir Collection“ (mit „Die Autos, die Paris auffrassen“, „Picknick am Valentinstag“, „Die letzte Flut“ und „Wenn der Klempner kommt“)


TV-Tipp für den 2. Juli: Lolita

Juli 2, 2014

3sat, 23.15

Lolita (Großbritannien/USA 1962, Regie: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Wiederholung: Sonntag, 6. Juli, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte: Lars Penning über „Lolita“

Rotten Tomatoes über „Lolita“

Wikipedia über “Lolita” (deutsch, englisch)

Stanley Kubrik in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juli: Aurelio Zen: Vendetta

Juli 1, 2014

ZDFneo, 21.40
Aurelio Zen: Vendetta (Großbritannien 2010, Regie: John Alexander)
Drehbuch: Simon Burke
LV: Michael Dibdin: Vendetta, 1991 (Vendetta)
Aurelio Zen soll sich noch einmal die Beweise in einem abgeschlossenen Mordfall ansehen. Der Bauunternehmer Faso wurde in seiner Villa ermordet und es gibt auch einen Täter, der die Tat allerdings hartnäckig leugnet. Als Zen sich auf Sardinien den Tatort ansieht, entdeckt er eine neue Spur. Gleichzeitig will Tito Spadola sich an den Menschen rächen, die ihn aus seiner Sicht unschuldig in den Knast brachten. Einer von ihnen ist Aurelio Zen.
Erster von nur drei „Aurelio Zen“-Krimis, die alle als elegante südländische Kriminalfilme mit tiefen Verbeugungen in Richtung Noir und Neorealismus überzeugen.
Mit Rufus Sewell, Caterina Murino, Stanley Townsend, Ben Miles, Vincent Riotta, Catherine Spaak

Hinweise

BBC über „Aurelio Zen“

BBC Germany über “Aurelio Zen”

Wikipedia über „Aurelio Zen“

Krimi-Couch über Michael Dibdin

Kriminalakte über Michael Dibdin

Meine Besprechung von „Aurelio Zen“ (Aurelio Zen, Großbritannien 2010)


Die besten und schlechtesten Filme des Kinojahres 2014 – bis jetzt

Juni 30, 2014

Wie war das erste Kinohalbjahr 2014? Was waren für mich die besten und schlechtesten Filme?
Ohne besondere Reihenfolge, die Top Five:
Grand Budapest Hotel
All is lost
Nebraska
The Wolf of Wall Street
Philomena
–
Und, ebenfalls ohne besondere Reihenfolge, die Bottom Five:
I, Frankenstein
…und Äktschn!
Vaterfreuden (aka „Der neue Schweighöfer!“)
Tarzan 3D
Noah
–
In die Top-Five hat es kein deutscher Film geschafft. Noch nicht einmal in die engere Auswahl, aber dafür sind drei deutsche Filme bei den Bottom-Five und weitere waren in der engeren Auswahl. In der engeren Auswahl waren auch einige Action-Filme, bei denen anscheinend auf ein Drehbuch verzichtet wurde und im Schnitt die Action-Szenen zerschrettert wurden. Das schlechte Abschneiden der deutschen Filme liegt vor allem an den grottenschlechten Drehbüchern. Da helfen dann auch nicht mehr die Schauspieler, die Kamera, undsoweiter.
Und wenn ich mir meine engere Auswahl bei den Bottom-Five ansehe, wird „Transcendence“ am Jahresende sicher eine Erwähnung als größte Enttäuschung des Jahres finden. „Noah“ dagegen, der Bibel-Film von Darren Aronofsky, ist einfach ein schlechter Film.
Zu den Top-Five gibt es eigentlich wenig zu sagen: es ist halt meistens grandioses Schauspielerkino mit guten Geschichten und guten Schauspielern.
Und das „Grand Budapest Hotel“ macht einfach glücklich.


TV-Tipp für den 30. Juni: Du kannst anfangen zu beten

Juni 29, 2014

Hessen, 01.10 (VPS 01.05 Uhr)
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“
Hinweise
Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Juni: Mel Brooks‘ Spaceballs

Juni 28, 2014

RTL II, 20.15

Spaceballs (USA 1987, R.: Mel Brooks)

Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham

Mel Brooks verarscht „Krieg der Sterne“ – und den ganzen Rest.

George Lucas las vor dem Dreh das Buch und er gab Mel Brooks sein Okay.

Mit Mel Brooks, John Candy, Rick Moranis, Bill Pullman, Daphne Zuniga, Dick Van Patten, Michael Winslow, John Hurt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Spaceballs“

Wikipedia über „Spaceballs“ (deutsch, englisch)

Umfangreiche „Spaceballs“-Fanseite