Neu im Kino/Filmkritik: „Dido Elizabeth Belle“ sucht ihren Platz in der Gesellschaft

August 14, 2014

Der Film endet mit einem Gemälde, auf dem zwei junge Frauen uns, in einem Garten stehend, anlächeln. Die eine ist schwarz, die andere weiß. Heute ist das nichts besonderes, aber als das Bild gemalt wurde, waren weiße Frauen die Hausherrinen und schwarze Frauen bestenfalls unsichtbare Angestellte im Haushalt. Auf einem Gemälde durften sie höchstens die Hausherrin knieend anbeten. In dem Gemälde stehen sie nebeneinander. „Dido Elizabeth Belle“ erzählt auch die Geschichte von diesem Bild, das Drehbuchautorin Misan Sagay und Regisseurin Amma Asante zu ihrem Film inspirierte.

Die Geschichte der beiden Porträtierten Dido Elizabeth Belle (1761 – 1804) und ihrer Halbcousine Elizabeth Murray (1760 – 1825) beginnt als Sir John Lindsay, Admiral der königlichen britischen Marine, die junge Dido aus den Slums im Hafenviertel von Bristol holt. Das Kind ist seine Tochter und als Vater wird er sich um sie und ihr finanzielles Wohlbefinden kümmern. Vor einer längeren Schiffsreise bringt er sie in das Haus von Lord Mansfield. Sie soll bei seiner Familie auf dem damals ländlich gelegenem Kenwood House bei London leben.

Lindsay stirbt auf der Reise. Die Mansfield erziehen Dido wie ihre eigene Tochter in einem erstaunlich vorurteilsfreiem Haushalt, wovon auch das 1779 entstandene Gemälde zeugt. Kenwood House war ein Kokon, in dem Dido und Elizabeth lebten und ausgebildet wurden.

Erst als Erwachsene, als Dido verheiratet werden soll, bemerkt sie wirklich, in welcher Gesellschaft sie lebt und wie ungewöhnlich ihre Hautfarbe ist. Jedenfalls in dieser Gesellschaftsschicht. Sie könnte damals die einzige gemischtrassige Dame der adligen Gesellschaft im gewesen sein. Die meisten Schwarzen waren damals Sklaven.

Ähnlich wie Steve McQueens etwas später in den USA spielendes Drama „12 Years a Slave“ thematisiert Amma Asantes Film die Sklaverei. Aber während McQueen ein formal strenges und auch ungemütliches Drama inszenierte, geht Asante einen anderen Weg. Sie nimmt die bekannte und beliebte Jane-Austen-Welt der Schönen und Reichen, die prächtigen Paläste und Kostüme und erzählt innerhalb dieser Welt von einem Mischlingskind, das um seinen Platz in dieser Gesellschaft kämpft. Sie muss sich zwischen einer Vernunftheirat und einer Liebesheirat mit einem aufstrebendem, idealistischen Pfarrerssohn und Rechtsgelehrten, der öfters im Kenwood House war, entscheiden. Asante zeigt, wie sehr Hochzeiten damals wirtschaftliche Vereinbarungen waren, die nichts mit Liebe zu tun hatten, weshalb Didos großes Erbe sie zu einer begehrenswerten Frau und ihre arme, ebenfalls gutaussehende Halbcousine zu einem hässlichen Entlein macht.

Neben den eher konfliktfreien Liebesbanden steht der Gerichtsprozess über den Tod von 142 afrikanischen Sklaven 1781 auf dem Sklavenschiff „Zong“, der Didos Bewusstsein für ihre Lage und die Sklaverei schärft, im Zentrum des Films.

Lord Mansfield war damals der oberste Richter Englands. Er musste 1783 in dem aufsehenerregenden und umstrittenen Prozess das Urteil sprechen. Die Sklaven waren während der Schiffspassage über Bord geworfen worden. Die Versicherung weigerte sich, die fälligen zwanzig Pfund pro toten Sklaven, die damals einfach eine versicherungsfähige Fracht waren, zu bezahlen, weil die Reederei die Sklaven niemals bis zum Ziel befördern wollte. Die Reederei zog vor Gericht. Die Gegner der Sklaverei versuchten den Prozess um ein Wirtschaftsverbrechen in einen Prozess gegen die Sklaverei umzuwidmen.

Wenn man „Dido Elizabeth Belle“ aus dieser Jane-Austen-Perspektive betrachtet, entfaltet das brave, auf Tatsachen basierende, gut gespielte Historiendrama mit einer aus heutiger Sicht eher passiven Protagonistin, ständigen und nach dem zweiten Mal ermüdenden Wiederholungen der ökonomischen Dimension von Hochzeiten (was dann fast wie Überlegungen für Firmenfusionen klingt) und dem vorhersehbaren Gerichtsverfahren (jedenfalls in punkto Versicherungsbetrug) ungeahnte Qualitäten. Denn in einer rosarot-kitschigen Friede-Freude-Eierkuchenwelt geht es plötzlich um Menschen und wirkliche Probleme, die ein Publikum, das sich nur an schönen Menschen, die in schöner Landschaft schöne Dinge tun, erfreuen will, zum Nachdenken anregt.

Dido Elizabeth Belle - Poster

 

Dido Elizabeth Belle (Belle, Großbritannien 2013)

Regie: Amma Asante

Drehbuch: Misan Sagay

mit Gugu Mbatha-Raw, Tom Wilkinson, Emily Watson, Sam Reid, Sarah Gadon, Miranda Richardson, Penelope Wilton, Tom Felton, James Norton, Matthew Goode

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dido Elizabeth Belle“

Moviepilot über „Dido Elizabeth Belle“

Metacritic über „Dido Elizabeth Belle“

Rotten Tomatoes über „Dido Elizabeth Belle“

Wikipedia über „Dido Elizabeth Belle“ und Dido Elizabeth Belle 

 


TV-Tipp für den 15. August: Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod

August 14, 2014

Eins Festival, 23.15

Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod (USA 1995, Regie: Mike Figgis)

Drehbuch: Mike Figgis

LV: John O’Brien: Leaving Las Vegas, 1990 (Leaving Las Vegas)

Ben ist Drehbuchautor und Trinker. Er macht sich auf den Weg nach Las Vegas, um sich dort zu Tode zu trinken. Da trifft er Sera, eine Hure, die seine Begleiterin auf seinem Trip in den Tod wird.

Beeindruckendes Trinkerdrama, das nach einem autobiographischem Roman entstand und für das Nicolas Cage unter anderem einen Oscar als bester Darsteller erhielt. Im Nachhinein beendete „Leaving Las Vegas“ die Phase in Cages Leben, in der er ein ernstzunehmender Schauspieler war. Danach trat er in „The Rock“, „Con Air“ und „Face/Off – Im Körper meines Feindes“ (der im Vergleich zu den beiden vorherigen Filmen ein tiefsinniges Drama ist) auf und es wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, noch viel schlimmer. Ich sage nur „Ghost Rider“.

mit Nicolas Cage, Elizabeth Shue, Julian Sands, Emily Procter, Valeria Golino, Mike Figgis, R. Lee Ermey, Mariska Hargitay, Danny Huston, Bob Rafelson, Xander Berkeley, Lou Rawls, Julian Lennon

Hinweise

Drehbuch “Leaving Las Vegas” von Mike Figgis (Shooting Script September 1994)

Rotten Tomatoes über „Leaving Las Vegas“

Wikipedia über „Leaving Las Vegas“ (deutsch, englisch)

Filmcritic: Interview mit Mike Figgis (18. Februar 1996)

The Hollywood Interview mit Mike Figgis (ursprünglich erschienen in Venice Magazine Juni 1999)


Neu im Kino/Filmkritik: Der düster-dunkle Anti-Thriller „Night Moves“

August 14, 2014

Leichte Koste ist „Night Moves“ definitiv nicht und gerade zwischen den vielen schreiend bunten Blockbustern und Feelgood-Movies fällt Kelly Reichardts neuer Film, nach dem Anti-Western „Meek’s Cutoff“, wie ein verschrummelter Bio-Apfel in einem prächtig hergerichteten Buffet auf. Denn in ihrem Film wird kaum geredet, die Farben sind fahl, die Bilder meistens sehr dunkel und schon von der ersten Sekunde schwebt ein Hauch von Fatalismus und Verzweiflung über dem Film. In dem Moment stehen Josh Stamos (Jesse Eisenberg) und Dena Brauer (Dakota Fanning) auf einem Staudamm irgendwo in South Oregon. Es ist nicht unbedingt, die Gegend, die man sich für seinen nächsten Sommerurlaub aussucht. Beide haben ein ökologisches Bewusstsein und sie haben einen Plan; – wobei es lange unklar ist, warum sie das Motorboot „Night Moves“ (nicht benannt nach dem Klassiker von Arthur Penn) kaufen und sich im Wald mit Harmon (Peter Sarsgaard) treffen, der überhaupt nicht von Denas Anwesenheit begeistert ist. Er kennt sie nicht und Josh hat ihm nichts über sie gesagt.

Gemeinsam wollen sie mit dem Boot, das sie mit explosiven Düngermischung präparieren, einen Staudamm in die Luft jagen.

In der ersten Stunde, in der die Vorbereitungen des Trios und der Anschlag (den wir nicht sehen) gezeigt werden, herrscht eine atemlose Thrillerspannung, die in der zweiten Stunde nicht durchgehalten wird. Dann zeigt Reichardts die Rückkehr der drei Feierabend-Terroristen, über die wir fast nichts erfahren, in ihren Alltag und wie das Bündnis zerbricht, weil bei dem Anschlag auch ein unterhalb des Staudamms campierender Mann getötet wurde und damit aus dem politischen Fanal etwas anderes wurde. Wobei wir nicht wirklich erfahren, warum Josh, Dena und Harmon den Anschlag verübten und warum Josh und Dena von Jugendlichen mit Öko-Bewusstsein zu Terroristen wurden. Denn während des gesamten Films sehen wir sie nicht einmal bei einer politischen Handlung, wie beispeilsweise bei einer Demonstration oder einer Diskussion. Über den Anschlag diskutieren sie auch nicht untereinander, weil sie das bereits vor längerem getan haben und nach dem Anschlag können sie mit anderen nicht darüber reden. Stattdessen wird viel geschwiegen.

Wir sehen auch nicht, wie der Staudamm zerstört wird (in dem Moment befinden wir uns mit dem Trio auf der Flucht vom Tatort), welche Zerstörung sie an der Umwelt anrichten und die Ermittlungen der Polizei finden ebenfalls vollkommen im Off statt, weshalb nach der Tat für Josh, Dena und Harmon nur eine abstrakte Entdeckungsgefahr besteht, die auch nicht dadurch größer wird, dass Dena sich der Polizei stellen will. Denn das Hören wir nur von Harmon, der das gegenüber Josh behauptet, damit Josh sich um seine Freundin kümmert.

„Night Moves“ ist ein ziemlich düsteres, pessimistisches, minimalistisches Drama mit eher unsympathischen, introvertierten und schweigsamen Charakteren das aufgeschlossene Zuschauer verlangt, die gerne die Lücken ausfüllen.

Night Moves - Plakat - 4

 

Night Moves (Night Moves, USA 2013)

Regie: Kelly Reichardt

Drehbuch: Jon Raymond, Kelly Reichardt

mit Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat, Logan Miller, Kai Lennox, Katherine Waterston, James Le Gros

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Night Moves“

Moviepilot über „Night Moves“

Metacritic über „Night Moves“

Rotten Tomatoes über „Night Moves“

Wikipedia über „Night Moves“ 

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Kelly Reichardt spricht bei der Film Society des Lincoln Centers über ihren Film

Andrew Klevan (Universität Oxford) unterhält sich mit Kelly Reichardt (Mai 2014)

Und ein kurzes Q&A mit Kelly Reichardt, Jesse Eisenberg und Dakota Fanning auf dem Toronto Film Festival


Neu im Kino/Filmkritik: „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ oder Die Suche nach tiefschürenden Erkenntnissen

August 14, 2014

Hector ist ein erfolgreicher Psychiater in London, glücklich verheiratet und in einer ausgewachsenen Sinnkrise. Denn er glaubt, dass er seine Patienten nicht wirklich glücklich macht. Aber was ist „Glück“? Um das Herauszufinden, macht sich Hector auf den Weg um den Globus. Seine Gattin lässt er in London zurück. Seine Erkenntnisse notiert er in einer Kladde. Gerne mit einer niedlichen Zeichnung.

Na, das ist doch eine hübsche Idee, die schon als Roman ein Bestseller war und als Feelgood-Movie nur dann funktioniert, wenn man keine Fragen stellt, sich naiver als ein Fünfjähriger gibt und sich nicht an den Klischees und Kalendersprüchen stört, die noch nicht einmal ein vulgärphilosophisches Niveau erreichen. Denn Hectors ekletische Erkenntnisse über das Glück passen auf alles und nichts, regen höchstens zum zustimmenden Nicken, aber nie zum Nachdenken, geschweige denn zum Widerspruch oder zu einer Diskussion über den Begriff „Glück“ ein.

Und die Erlebnisse, die der für einen erfolgreichen Psychiater arg naive Hector hat und die ihn zu Glückskeks-Erkenntnissen wie „Unglück vermeiden ist nicht der Weg zum Glück“ oder „Glück ist, wenn man sich rundum lebendig fühlt“ führen, sind keine netten kleine Episoden, sondern eine einzige Klischeeparade, die man sich aus banalen Komödien der fünfziger und sechziger Jahre zusammensuchte und die wohlig vertraut, aber doch ziemlich antiquiert sind.

So trifft der vollkommen lebensuntüchtig wirkende Hector (Simon Pegg, liebenswert) auf dem Flug nach Shanghai Edward, einen Investmentbanker, der nur ans Geldverdienen denkt und Hector (was im wirklichen Leben nie passiert) großmütig durch das pulsierende Nachtleben führt. In der Nacht bandelt Hector mit Ying Li an, verliebt sich sofort in diese junge, überaus willige Schönheit und muss am nächsten Tag – Überraschung! – feststellen, dass sie eine Prostituierte ist. Seine Erkenntnis aus diesem Erlebnis: „Manchmal bedeutet Glück, etwas nicht zu wissen.“

Dann wandert Hector zu tibetanischen Mönchen, die den Errungenschaften der Moderne nicht abgeneigt sind. In Südafrika trifft er einem befreundeten Arzt, der jetzt Bedürftigen hilft und mit seinem Freund zusammen lebt. Unser Hans im Glück gerät in typisch afrikanische Kriegswirren und er befreundet sich mit einem gefürchteten kolumbianischen Drogenhändler. Auf seiner letzten Reisestation, in Los Angeles, trifft Hector seine großer Liebe wieder, zu der er seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hatte und die jetzt eine glücklich verheiratete Mutter ist.

Aber diese Ortswechsel führen nie zu tieferen Erkenntnissen oder einer sich auf ein bestimmtes Ende hin bewegenden Geschichte. Sie sind nur die weitgehend austauschbare Kulisse für die Auftritte bekannter Schauspieler wie Veronica Ferres (im Original mit einem schönen deutsch-englischem Sprachmischmasch), Stellan Skarsgard, Jean Reno, Toni Colette und Christopher Plummer.

Man kann dem Film nicht wirklich böse sein, weil er so harmlos, nett und gefällig wie ein Heinz-Erhardt-Film ist. Aber gerade diese durchaus gut präsentierte durchgehende Ambitionslosigkeit verärgert auch. Immerhin drehte Regisseur Peter Chelsom unter anderem „Hear my Song“ und „Funny Bones“.

Dagegen ist „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ nur das filmische Äquivalent zu einem Buch, das man jemand schenkt, den man nicht kennt.

Mein Tipp: Besser noch einmal Ben Stillers fantastisches „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ über dessen Suche nach der Essenz des Lebens ansehen.

Hectors Reise - Plakat

 

Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück (Hector and the Search for Happiness, Kanada/Deutschland 2014)

Regie: Peter Chelsom

Drehbuch: Maria von Heland, Peter Chelsom, Tinker Lindsay

LV: Francois Lelord: Le voyage d’Hector ou la recherche du bonheur, 2002 (Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück)

mit Simon Pegg, Toni Collette, Rosamund Pike, Stellan Skarsgard, Jean Reno, Veronica Ferres, Christopher Plummer, Ming Zhao, Barry Atsma

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (keine Ahnung warum es keine FSK-6 wurde)

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hectors Reise“

Moviepilot über „Hectors Reise“

Metacritic über „Hectors Reise“

Rotten Tomatoes über „Hectors Reise“

Wikipedia über „Hectors Reise“ 

Perlentaucher über den Roman „Hectors Reise“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Lucy“ terminiert alle

August 14, 2014

Endlich! Nach einigen eher vernachlässigbaren Ausflügen in andere Genres kehrt Luc Besson zum Actionfilm zurück. Mit einer Frau als Protagonistin. Das weckt sofort wohlige Erinnerungen an „Nikita“. Aber auch „Subway“, „Leon, der Profi“, „Das fünfte Element“ und „Johanna von Orleans“ sind nicht weit. Immerhin hatte Besson nie Probleme mit starken Frauen.

Aber beim Drehbuch, das er im Alleingang schrieb, beschränkte er sich auf die Qualität seiner Drehbücher der letzten Jahre, die normalerweise auf einen feuchten Bierdeckel passen.

Deshalb ist „Lucy“ mit Scarlett Johansson als Heldin im Terminator-Modus eine bestenfalls halbgare bis idiotische Angelegenheit. Nach dem flotten Anfang wird der Film nämlich ziemlich schnell ärgerlich unglaubwürdig und mündet in Paris in ein Finale, bei dem Besson wohl vollkommen die Lust an seiner Idee verloren hat. Stattdessen stellt er mit einer Scheißegal-Haltung die Plotlöcher, Unglaubwürdigkeiten und Unwahrscheinlichkeiten innerhalb der eh schon kruden Geschichte aus und hofft, dass die Zuschauer dank der gut inszenierten Action und der Anwesenheit von „The World’s Sexiest Body“ Scarlett Johansson aufhören nachzudenken. Nun, es funktioniert nach dem ersten Drittel nur bedingt und gegen Ende überhaupt nicht mehr.

Dabei ist die Ausgangsfrage „Was wäre, wenn du anstatt zehn Prozent deiner Gehirnkapazität hundert Prozent nutzen könntest?“ eine interessante Science-Fiction-Frage. Zuletzt vergrößerte Johnny Depp in dem interessant gescheiterten Science-Fiction-Film „Transcendence“ sein Gehirn, indem er es vor seinem Tod in einen Computer kopierte und größenwahnsinnige Machtphantasien entwickelte. Besson geht allerdings nicht den Weg des intellektuellen Science-Fiction-Films, sondern des Action-Thriller mit leichter Science-Fiction-Beilage.

Der Anfang von „Lucy“ ist furios. Bester Besson. Lucy steht mit ihrer halbseidenen Urlaubsbekanntschaft vor einem Nobelhotel in Taipeh. Er versucht sie zu überzeugen, dass sie für ihn einen Koffer im Hotel abgeben soll. Während des Gesprächs sehen wir kurze Rückblenden zu gemeinsamen Partynächten und kommentierende Bilder aus dem Tierreich. Die Bilder sind Lucys Gedanken zu dem Spruch ihres Freundes, dass ihr nichts geschehen werde: eine Meute Raubtiere, die sich ihrer Beute nähern. Und die nette Lucy sieht sich nicht als das Raubtier.

Nachdem ihr Freund sie an den Aktenkoffer kettet, tut sie es doch. Als sie in der Lobby steht, wird ihr Freund erschossen. Sie wird von einer Gruppe Bodyguards abgeholt und in ein Hotelzimmer gebracht, wo sie in eine höchst seltsame Verhandlung mit dem Gangster Mr. Jang (Choi Min-sik) verwickelt wird. Er hat gerade in einem Nebenzimmer jemanden sehr blutig umgebracht. Er kann kein Englisch, weshalb ein Übersetzer per Telefon übersetzt, dass sie den Koffer öffnen soll, nachdem Mr. Jang und seine Bodyguards in Deckung gehen. In dem Koffer ist dann doch keine Bombe, sondern die erwarteten Päckchen mit blauem Granulat. Zur Qualitätskontrolle werden sie an einem Junkie ausprobiert, der von der synthetischen Droge auf einen höllischen Trip kommt, ehe er stirbt. Mr. Jang ist zufrieden und Lucy, die jetzt auch mit etwas Blut besudelt ist, erfährt, dass sie zu einer kleinen Gruppe Auserwählter gehört, die diese Drogen nach Europa bringen sollen.

Als sie später in einer Gefängniszelle wach wird, bemerkt sie eine Wunde im Bauchbereich und wehrt sich gegen einen Wärter, der sie vergewaltigen will. Er schlägt sie, die Droge, die sie päckchenweise in ihrem Bauch hatte, gelangt in ihren Körper. Aber sie stirbt nicht. Ihr Körper nimmt die Droge an. Ihre Gehirnleistung verbessert sich rapide, während ihre Lebenserwartung genauso rapide sinkt. Die der Bösewichter ebenfalls.

Und ungefähr hier, nach dem ersten Drittel, wird „Lucy“ zu einem beliebigen Thriller, der zunehmend spannungsfrei verschiedene bekannte Szenen und Handlungsabläufe sinnfrei zusammenkloppt. Lucy begibt sich auf einen Rachefeldzug. Sie sucht die Männer, die ihr das antaten. Dabei tötet sie jeden, der sich ihr in den Weg stellt. Manchmal mit, manchmal ohne die Superkräfte, mit denen sie ihre nähere und weitere Umwelt beeinflussen kann. Sie darf Super-Schnell durch Paris fahren, weil zu einem Luc-Besson-Film halt eine Autoverfolgungsjagd gehört. Gerne in der Stadt mit dem Eiffelturm. Und natürlich gibt es einige Ballereien und Kloppereien.

Gleichzeitig will sie herausfinden, was mit ihr geschieht, weshalb sie den gerade in Paris dozierenden Professor Norman kontaktiert. Dieser kluge Wissenschaftler wird von Morgan Freeman gespielt, der auch in „Transcendence“ dabei war. Aber damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen „Transcendence“ und der  an der US-Kinokasse erfolgreichen pseudo-philosophischen Action-Klamotte „Lucy“ auch auf.

Lucy - Plakat

 

Lucy (Lucy, Frankreich 2014)

Regie: Luc Besson

Drehbuch: Luc Besson

mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Amr Waked, Choi Min-sik

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

 

Englische Homepage zum Film 

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lucy“

Moviepilot über „Lucy“

Metacritic über „Lucy“

Rotten Tomatoes über „Lucy“

Wikipedia über „Lucy“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Luc Bessons „The Lady – Ein geteiltes Herz“ (The Lady, Frankreich/Großbritannien 2011)


TV-Tipp für den 14. August: Lachsfischen im Jemen

August 14, 2014

ZDF, 22.55

Lachsfischen im Jemen (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Regie: Lasse Hallström

Drehbuch: Simon Beaufoy

LV: Paul Torday: Salmon Fishing in the Yemen, 2006 (Lachsfischen im Jemen)

Dr. Alfred Jones, Lachsexperte und Angestellter des englischen Fischereiministeriums, hält die Idee des Scheichs, Lachse im Jemen heimisch zu machen, für absolut hirnverbrannt. Aber viel Geld und der eiserne Wille der Politik, eine dringend benötige positive anglo-amerikanische Geschichte zu produzieren, zwingen Jones dazu, sich dem idiotischen Projekt zu widmen. Außerdem ist der Scheich sehr sympathisch und die Projektleiterin äußerst liebenswert.

„Lachsfischen im Jemen“ ist ein herrliches Feelgood-Movie mit einem ordentlichen Schuss politischer Satire.

Kommenden Donnerstag läuft Lasse Hallströms neuer Film „Madame Mallory und der Duft von Curry“ mit der großartigen Helen Mirren an. Wieder ein herrliches Feelgood-Movie.

mit Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Amr Waked, Catherine Steadman, Tom Mison, Rachael Stirling, Tom Beard

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lachsfischen im Jemen“

Rotten Tomatoes über „Lachsfischen im Jemen“

Wikipedia über „Lachsfischen im Jemen“

Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Lachsfischen im Jemen“ (Salmon Fishing in the Yemen, Großbritannien 2011)

Meine Besprechung von Lasse Hallströms Lars-Kepler-Verfilmung „Der Hypnotiseur“ (Hypnotisören, Schweden 2012)

 Meine Besprechung von Lasse Hallströms „Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht“ (Safe Haven, USA 2012)


TV-Tipp für den 13. August: Zerrissene Umarmungen

August 12, 2014

Eins Plus, 22.15

Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, Regie: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodóvar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Wiederholung: Donnerstag, 14. August, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Zerrissene Umarmungen“

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)


TV-Tipp für den 12. August: The Beatles – A Hard Day’s Night

August 11, 2014

BR, 22.00

The Beatles – A Hard Day’s Night (Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: Alun Owen

Yeah! Yeah! Yeah! Heute gibt es einen stilprägenden Musikfilmklassiker mit und über die Beatles im Mockumentary-Stil, den Richard Lester quasi im Alleingang erfand und der heute immer noch frisch wirkt.

Über die Musik muss ich wohl nichts sagen.

Der BR zeigt die brandneue restaurierte Fassung, allerdings in der deutschen Synchronisation.

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


TV-Tipp für den 11. August: Amigo – Bei Ankunft Tod

August 10, 2014

ZDF, 20.15

Amigo – Bei Ankunft Tod (Deutschland/Italien 2010, Regie: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

LV: Lars Becker: Amigo, 1991

Zwei BKA-Ermittler sollen in Neapel einen vor zwanzig Jahren untergetauchten RAFler verhaften. Die Verhaftung geht schief und der RAFler macht sich auf den Weg nach Hamburg. Dort will er den Mann, der ihn an die Polizei verriet, zur Strecke bringen.

Seltsam, seltsam, dass Lars Becker seinen zwanzig Jahre alten Krimi, bei dem das Zeitkolorit sehr wichtig war, erst 2010 verfilmt. Entsprechend aus der Zeit gefallen und anachronistisch wirkt “Amigo” dann auch über weite Strecken.

mit Tobias Moretti, Jürgen Prochnow, Florian David Fitz, Luca Ward, August Zirner, Ina Weisse, Uwe Ochsenknecht

Hinweise

Arte über “Amigo – Bei Ankunft Tod”

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte

–

Und danach (also um 21.45 Uhr) umschalten zu Arte und dort „Der König von Bastoy/King of Devil’s Island“ ansehen.


TV-Tipp für den 10. August: George Gently – Der Unbestechliche: Tödliches Verlangen

August 9, 2014

ZDF, 22.00

George Gently – Der Unbestechliche: Tödliches Verlangen (Großbritannien 2011)

Regie: Nicholas Renton

Drehbuch: Stewart Harcourt, Peter Flannery

Erfinder: Peter Flannery

LV: Charakter von Alan Hunter

Chief Inspector George Gently ist zurück mit sechs Fällen, die heute und an den kommenden Sonntagen um 22.00 Uhr gezeigt werden. In England liefen die neunzigminütigen Filme bereits 2011 und 2012. Wann die vier dieses Jahr dort ausgestrahlten Episoden bei uns gezeigt werden, ist noch unklar. Aber bis dahin können wir mit diesen Fällen zurückkehren in den ländlichen Norden von England in die sechziger Jahre.

„Tödliches Verlangen“ (das im Original den schönen Titel „Gently Upside Down“ hat) spielt 1966 in Durham. Dort wird die Leiche einer Schülerin gefunden. Gently und sein deutlich jüngerer Kollege Detective Sergeant John Bacchus (mit „Beatles“-Frisur) suchen den Mörder an der Schule und im Umkreis der populären Musik-TV-Sendung „Upside Down“, in der Bands live vor tanzenden Teenagern spielen. Denn die Tote, die öfters in der Show war, war schwanger und sie hatte einen älteren Freund, den ihre Freundinnen nicht kannten.

Wie in den vorherigen Fällen (die ich hier und hier ausführlich besprochen habe) sind die sechziger Jahre und die damaligen gesellschaftlichen Probleme essenziell für die Fälle. So ist „Tödliches Verlangen“ ohne die Auswirkungen der Swinging Sixties in der Provinz (mit viel Musik) und die Abhängigkeiten von Schülerinnen zu ihren Lehrern nicht denkbar. Davon abgesehen folgt diese Episode etwas zu sehr den vertrauten Rätselkrimipfaden.

mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Vincent Regan, Kate Bracken, Jade Byrne, Neil Morrissey, Sean Gilder

Wiederholung: Montag, 11. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)

Wikipedia über “George Gently – Der Unbestechliche” (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 1)

Meine Besprechung von „George Gently – Der Unbestechliche“ (Staffel 2 und 3)


TV-Tipp für den 9. August: A Gang Story – Eine Frage der Ehre

August 9, 2014

Servus TV, 22.10

A Gang Story – Eine Frage der Ehre (Frankreich 2011, Regie: Olivier Marchal)

Drehbuch: Olivier Marchal, Edgar Marie

LV: Edmond Vidal

Momon Vidal, der schon seit Jahren ein bürgerliches Leben lebt, will seinen Kumpel Serge Suttel, die beide als „Bande von Lyon“ früher große Gangster waren, aus dem Gefängnis befreien – was gar nicht so einfach ist.

Französischer Gangsterkrimi, der bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde.

„Glaubwürdig und mit Verve gespielte, souverän in Rückblenden erzählte Gangster-Saga, die den epischen Atem französischer Genreklassiker atmet, dabei aber mit mehr zeitgenössischem Tempo und viel Action erzählt wird.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Gérard Lanvin, Tchéky Karyo, Daniel Duval, Dimitri Storoge, Patrick Catalifo

Hinweise

AlloCine über „A Gang Story – Eine Frage der Ehre“

Wikipedia über „A Gang Story – Eine Frage der Ehre“ (deutsch, französisch, englisch)

Meine Besprechung von Edgar Maries „Paris Countdown – Die Zeit läuft ab“ (Paris Countdown/Le jour Attendra, Frankreich 2013)


TV-Tipp für den 8. August: Du kannst anfangen zu beten

August 8, 2014

3sat, 22.35
Du kannst anfangen zu beten (Frankreich/Italien 1968, Regie: Jean Herman)
Drehbuch: Sébastien Japrisot, Jean Herman
LV/Buch zum Film: Sébastien Japrisot: Adieu l’Ami, 1968 (Weekend im Tresor)
Dino Barran (Alain Delon) und Franz Propp (Charles Bronson), zwei Veteranen des Algerienkrieges, die nichts voneinander wissen wollen, rauben notgedrungen an einem langen Wochenende in einem Bürohaus einen Safe aus.
Ein bei uns, trotz der Besetzung, fast unbekannter Klassiker des Caper-Films, in dem Blicke mehr als Worte sagen. Sowieso wird hier nicht besonders viel geredet, was bei den begnadeten Schweigern Alain Delon und Charles Bronson okay ist.
mit Alain Delon, Charles Bronson, Olga Georges-Picot, Bernard Fresson, Brigitte Fossey
auch bekannt als „Bei Bullen singen Freunde nicht“
Hinweise
Wikipedia über „Du kannst anfangen zu beten“ (deutsch, englisch) und  Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Die Affen rasen durch den Wald in „Planet der Affen: Revolution“

August 6, 2014

Als Charlton Heston am Ende von „Planet der Affen“ entdeckte, dass der fremde Planet, auf dem er nach einem ewig langem Flug durch das Weltall gelandet war und auf dem Affen Menschen bestenfalls als Haustiere betrachten, die Erde war, war der Anblick der Freiheitsstatue ein Schock und eines der ikonischen Filmenden. In den nächsten Jahren gab es etliche Fortsetzungen, ehe die Begeisterung für menschliche Affen nachließ.

Als vor drei Jahren mit „Planet der Affen: Prevolution“ (Rise of the Planet of the Apes) die Vorgeschichte, natürlich im Reboot-Modus, zum „Planet der Affen“ erzählt wurde, war Rupert Wyatts Film ein Publikums- und Kritikererfolg. Erzählt wurde die Geschichte des Forschers Will Rodman (James Franco), der nach einem Mittel gegen Alzheimer sucht, das an Tieren ausprobiert, auch an seinem Hausaffen Caesar (Andy Serkis), und dabei ein Mittel findet, das Alzheimer aufhalten kann und das Caesar intelligenter macht. Das Mittel wird dann in der Biotech-Firma GenSys an anderen Affen ausprobiert. Der Affe kann sogar sprechen! Die Versuche haben fatale Nebenwirkungen und am Ende brechen die Affen mit der Hilfe von Caesar aus. Es kommt zu einer Schlacht mit der Polizei auf der Golden-Gate-Brücke und die Affen verschwinden im Redwood-Nationalpark

So gelungen „Planet der Affen: Prevolution“ auch war, es war immer nur die Vorgeschichte zu einer größeren Erzählung mit bekanntem Ausgang. Ein Prolog eben, der jetzt in „Planet der Affen: Revolution“ das erste Kapitel einer größeren Geschichte erzählt. Denn obwohl „Planet der Affen: Revolution“ mit über zwei Stunden ziemlich lang geraten ist, ist es eigentlich nur eine zu lang geratene Episode einer TV-Serie, in der es neben der Geschichte der Woche auch etliche episodenübergreifende Handlungsstränge gibt.

Matt Reeves‘ Film beginnt zehn Jahre nach „Planet der Affen: Prevolution“. Mit dem Ausbruch der Affen aus dem Forschungslabor wurde auch ein Virus, die Simianische Grippe, freigesetzt, der die meisten Menschen tötete. Es gibt weltweit nur noch vereinzelte Enklaven. In San Francisco gibt es eine, die von Dreyfus (Gary Oldman) angeführt wird. Der Ex-Polizeipräsident und Kurzzeitbürgermeister von San Francisco ist ihr ruhig und überlegt handelnder Anführer. Ihm zur Seite steht der besonnene Malcolm (Jason Clarke), der jetzt mit einer handvoll Gefährten den Staudamm im Wald, der ihnen Strom liefern soll, wieder in Betrieb setzen soll.

Dabei treffen sie auf Caesar – und wenn wir uns jetzt an die abertausend Western erinnern, in denen Siedler auf Indianer trafen und sie zu fragilen Abkommen kamen, dann können wir uns den weiteren Plot von „Planet der Affen: Revolution“ in bester Malen-nach-Zahlen-Manier ausmalen. Dass die Dialoge der Affen, ihre Handlungen und natürlich ihre Fortbewegung (wobei ein Affe mit Gewehr auf einem Pferd natürlich cool aussieht) dabei direkt aus dem letzten Western geklaut wurde, verstärkt den Eindruck, eine in die nahe Zukunft verlegte Geschichte von einer gut abgehangenen Endlos-TV-Serie wie „Tausend Meilen Staub“ (Rawhide) oder Filmen wie „Der große Treck“ (The big Trail), in denen Siedler auf ihrem Weg durch den Wilden Westen unzählige Abenteuer erleben, sehen.

Allerdings bleibt diese Indianer-Analogie trotz ihres Potentials für die Geschichte und auch die damit verbundene Frage, wie Affen und Menschen miteinander umgehen, an der Oberfläche. Es ist bestenfalls auf dem Niveau der ersten Indianerwestern aus den Fünfzigern, in denen die Botschaft war, dass Indianer auch Menschen und keine Wilden sind, die von dem tapferen weißen Mann dutzendweise abgeknallt werden. Hier sehen wir sogar die ersten Ursprünge einer sich entwickelnden Affengesellschaft.

In diesen Momenten bleibt die Filmgeschichtesträflich unter ihren Möglichkeiten. Statt den Rassenkonflikts intelligent zu thematiseren und auf die Gegenwart zu beziehen (wie es zum Beispiel die neue Version von „Battlestar Galactica“ tat), bleibt es bei einer rein illustrativen Verwendung, bei der wir zwar Affen und Menschen sehen, es sich aber genausogut um Nachbarn handeln könnte, die ein Wasserproblem mit einigen wenigen Verhandlungen lösen, während in beiden Familien die Söhne etwas Randale machen.

Immerhin wissen wir, wie die Geschichte auf lange Sicht endet; – wenn es nicht dank der Änderung des Ursprungs der Affenherrschaft von einem Atomkrieg in dem Original-Planet-der-Affen-Film zu einer Seuche in diesem Film und des damit verbundenen Reboots, der dann auch, wie in „Star Trek“, auf einer anderen Zeitlinie spielt, in den kommenden Filmen zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Affen und Menschen kommt, was immerhin für die Menschen (vulgo: die weißen Siedler) eine gute Nachricht wäre.

Die Tricks sind gelungen, obwohl die Affen sich in den Massenszenen immer noch merkwürdig synchron bewegen, die Proportionen in der 3D-Version öfter falsch sind und einige Bewegungen unnatürlich erscheinen. Aber insgesamt gelingt die Verbindung von realen Drehorten, oft mitten im Wald, und Spezialeffekten. Auch der Sound, der alle Boxen des Kinos, vor allem in den im Dorf der Affen spielenden Szenen, sinnvoll und differenziert ausnutzt gefällt.

Insgesamt ist „Planet der Affen: Revolution“ gelungenes Blockbuster-Kino, bei dem man sein Gehirn nicht am Eingang abgeben muss. Im Gegenteil!

Planet der Affen - Revolution - Plakat

 

Planet der Affen: Revolution (Dawn of the Planet of the Apes, USA 2014)

Regie: Matt Reeves

Drehbuch: Mark Bomback, Rick Jaffa, Amanda Silver

mit Andy Serkis, Jason Clarke, Keri Russell, Gary Oldman, Judy Greer, Toby Kebbell, Kodi Smit-McPhee

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Affen zum Lesen (und meine Gedanken zu diesen Werken)

Boulle - Planet der Affen - CrossCult

Pierre Boulle: Planet der Affen

(übersetzt von Merle Taeger)

Cross Cult, 2014

272 Seiten

12,80 Euro

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Originalausgabe

La Planète des Singes

Editions Julliard, Paris, 1963

–

Der Roman erschien schon in einer anderen Übersetzung in mehreren Ausgaben.

–

Keyes - Planet der Affen - Feuersturm

Greg Keyes: Planet der Affen – Revolution: Feuersturm

(übersetzt von Susanne Döpke)

Cross Cult, 2014

384 Seiten

12,80 Euro

–

Originalausgabe

Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm

Titan Books, 2014

–

Hinweise

Wikipedia über Pierre Boulle (deutsch, englisch, französisch) und  Greg Keyes (deutsch, englisch)

Amerikanische Homepage zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Deutsche Facebook-Seite zum Film „Planet der Affen: Revolution“

Film-Zeit über „Planet der Affen: Revolution“

Moviepilot über „Planet der Affen: Revolution“

Metacritic über „Planet der Affen: Revolution“

Rotten Tomatoes über „Planet der Affen: Revolution“

Wikipedia über „Planet der Affen: Revolution“ (deutsch, englisch)

“Planet der Affen”-Wiki

 

Meine Besprechung von Pierre Boulles „Planet der Affen“ (La Planète des Singes, 1963)

Meine Besprechung von Greg Keyes‘ „Planet der Affen – Revolution: Feuersturm“ (Dawn of the Planet of the Apes: Firestorm, 2014)


TV-Tipp für den 7. August: Black Gold

August 6, 2014

ZDF, 23.15

Black Gold (Frankreich/Katar 2011, Regie: Jean-Jacques Annaud)

Drehbuch: Menno Meyjes, Jean-Jacques Annaud (Adaption), Alain Godard (Adaption)

LV: Hans Ruesch: The Great Thirst, 1957 (anscheinend auch als “South of the heart” und “The Arab” veröffentlicht. Deutscher Titel “Der schwarze Durst”)

Damals, vor über achtzig Jahren, stritten sich zwei Beduinenführer über ein Stück Land, auf dem das schwarze Gold Öl gefunden wurde. Der eine will, dass alles so bleibt, wie früher. Der andere will Geld verdienen. Und dann gibt es da noch den jungen, belesenen Prinz Auda, Sohn von einem der Beduinenführer, der versucht, den Streit für sich zu entscheiden.

Episches und episch einfaches, aber prominent besetztes, farbenprächtiges Wüstendrama von Jean-Jacques Annaus (Der Name der Rose, Sieben Jahre im Tibet), der schon deutlich bessere Filme drehte. Hier verklärt er die Vergangenheit der Ölscheichs und liefert viel Orient-Kitsch ab.

mit Tahar Rahim, Freida Pinto, Antonio Banderas, Mark Strong, Riz Ahmed, Jamal Awar, Lotfi Dziri, Eriq Ebouaney, Mostafa Gaafar, Akin Gazi, Ziad Ghaoui , Corey Johnson, Liya Kebede

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Black Gold“

Rotten Tomatoes über „Black Gold“

Wikipedia über „Black Gold“

 

Meine Besprechung von Jean-Jacques Annauds „Black Gold“ (Black Gold, Frankreich/Katar 2011)


DVD-Kritik: Cozy, cozy, die Welt des „Father Brown“

August 6, 2014

Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb dauerte es, jedenfalls bei mir, einige Zeit, bis ich Mark Williams (Arthur Weasley in den „Harry Potter“-Filmen) als Geistlichen akzeptierte. Er spielt in der neuen, in den Fünfzigern spielenden BBC-Serie „Father Brown“ den titelgebenden Geistlichen ähnlich verschmitzt und liebenswürdig wie Heinz Rühmann, bringt aber eine Pfunde mehr auf die Waage.

Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alec Guiness als Priester und die ITV-TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast vollkommen unbekannt.

Alle diese Filme basieren auf dem von Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) erfundenem Charakter.

Er schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalfen den Geschichten zum Klassikerstatus. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten und Verstöße gegen die zehn Gebote anhören und dann den Sündern, im Namen Gottes, verzeihen musste.

Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.

Die erste Staffel der von Tahsin Guner und Rachel Flowerday erfundenen BBC-Serie „Father Brown“ verlegt Chestertons Geschichten in die fünfziger Jahre in ein malerisches englisches Städtchen irgendwo auf dem Land mit einer intakten religiösen Gemeinde, einer Adligen und einem Kriminalpolizisten, der auch als Gemeindepolizist (sozusagen die weltliche Ausgabe von Father Brown, mit weniger Witz und mehr harter Polizistenschale) fungiert, und immer versucht, den Geistlichen aus den Ermittlungen herauszuhalten. Erfolglos.

Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet. Und genau wie „Inspector Barnaby“ richtet „Father Brown“ sich schnell in einer Parallelwelt ein, die ein verklärtes Bild vom Leben auf dem Land in den Fünfzigern zeichnet. „George Gently – Der Unbestechliche“ (neue Fälle gibt es ab Sonntag, den 10. August, um 22.00 Uhr im ZDF) ist da ganz anders: in dieser in den Sechzigern spielenden Serie werden die damaligen Konflikte und gesellschaftlichen Veränderungen zum Ausgangspunkt der Fälle genommen. „George Gently“ ist ohne den sozialpolitischen und historischen Hintergrund nicht denkbar. Für „Father Brown“ ist das Gegenteil konstitutiv.

Außerdem ist der religiöse Anteil in den „Father Brown“-Episoden auf ein allgemeinverträgliches Maß hinuntergebrochen worden. Eigentlich zeugt nur noch das große Verständnis des weltoffenen und neugierigen Geistlichen für die menschlichen Schwächen und sein Glaube an das Gute im Menschen, auch bei einem Verbrecher, von einem religiösem Hintergrund. So will er in „Das blaue Kreuz“ einen Profidieb von einem Diebstahl abhalten. In anderen Episoden will er den Mörder zu einem Geständnis bewegen.

In England wurden bereits zwanzig Fälle mit Mark Williams als Father Brown gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit.

„Father Brown“ ist eine mehr entspannende als spannende TV-Serie, garantiert jugendfrei, durchaus witzig und mit einigen Einblicken in das Leben vor sechzig Jahren auf dem Land, als es noch keinen Fernseher gab.

Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover

 

Father Brown – Staffel 1 (Großbritannien 2013)

Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday

LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton

mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine), Kasia Koleczek (Susie Jasinski)

–

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 466 Minuten (10 x 46 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

–

Die ersten Bekehrungen von Father Brown

Der Hammer Gottes (The Hammer of God)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Tahsin Guner

–

Die fliegenden Sterne (The Flying Stars)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Rachel Flowerday

–

Die falsche Form (The wrong Shape)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

–

Der Mann im Baum (The Man in the Tree)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Rebecca Wojciechowski

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Das Auge Apollos (The Eye of Apollo)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Tahsin Guner

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Die Braut Christi (The Bride of Christ)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Jude Tindall

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Der Staub des Teufels (The Devil’s Dust)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Dan Muirden

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Im Angesicht des Todes (The Face of Death)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Lol Fletcher

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Der Bürgermeister und der Zauberer (The Mayor and the Magician)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

–

Das blaue Kreuz (The blue Cross)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Paul Matthew Thompson

–

Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


TV-Tipp für den 6. August: Cloud Atlas – Der Wolkenatlas

August 6, 2014

ARD, 22.45

Cloud Atlas – Der Wolkenatlas (USA/Deutschland 2012, Regie: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer)

Drehbuch: Lana & Andy Wachowski, Tom Tykwer

LV: David Mitchell: Cloud Atlas, 2004 (Der Wolkenatlas)

„Cloud Atlas“ ist ein dreistündiger, auf sechs Zeitebenen zwischen 1849 und 2346 spielender Trip, bei dem sechs miteinander verwobene Geschichten, die auch alle unterschiedliche Genres bedienen, zu einer Vision verbunden werden, die auch den Eindruck von viel Lärm um Nichts hinterlässt. Aber die Wachowski-Geschwister und Tom Tykwer liefern einen kurzweiligen, immer interessanten und sehenswerten Film ab, bei dem die Stars, teils kaum erkennbar, in verschiedenen Rollen auftreten.

In meiner Besprechung gehe ich ausführlicher auf die Probleme ein, die ich mit dem Film habe. Dort gibt es auch etliche Clips mit Hintergrundinformationen.

mit Tom Hanks, Halle Berry, Jim Broadbent, Hugo Weaving, Jim Sturgess, Doona Bae, Ben Whishaw, James D’Arcy, Zhou Xun, Keith David, Susan Sarandon, Hugh Grant, David Gyasi, Martin Wuttke, Götz Otto, David Mitchell (Cameo als Spion)

Wiederholungen

Eins Festival, Montag, 11. August, 20.15 Uhr (das ist doch eine vernünftige Uhrzeit!)

Eins Festival, Dienstag, 12. August, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cloud Atlas“

Metacritic über „Cloud Atlas“

Rotten Tomatoes über „Cloud Atlas“

Wikipedia über „Cloud Atlas“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lana & Andy Wachowski/Tom Tykwers „Cloud Atlas“ (Cloud Atlas, USA/Deutschland 2012)


TV-Tipp für den 5. August: Ein neuer Tag im Paradies

August 4, 2014

ZDFkultur, 22.00

Ein neuer Tag im Paradies (USA 1998, Regie: Larry Clark)

Drehbuch: Christopher B. Landon, Stephen Chin

LV: Eddie Little: Another Day in Paradise, 1998 (Ein neuer Tag im Paradies)

Empfehlenswertes, unsentimentales, hartes und schon lange nicht mehr gezeigtes Gangster-Roadmovie und Erziehungsgeschichte mit James Woods und Melanie Griffith als Ersatz-Eltern.

Eddie Little (25. August 1955 – 20. Mai 2003) verarbeitete in seinem Debütroman „Another Day in Paradise“ autobiographische Erlebnisse. Er war ein Drogensüchtiger und Krimineller.

Mit James Woods, Melanie Griffith, Vincent Kartheiser, Natasha Gregson Wagner, James Otis, Peter Sarsgaard, Lou Diamond Phillips (Cameo)

Wiederholung: Mittwoch, 6. August, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein neuer Tag im Paradies“

Wikipedia über „Ein neuer Tag im Paradies“

L. A. Weekly (Johnny Angel): Paradise Lost (über den Film, Little und Clark; 24. Dezember 1998)

Los Angeles Times (Mary Rourke): Nachruf auf Eddie Little (23. Mai 2003)


TV-Tipp für den 4. August: Claires Knie/Meine Nacht bei Maud

August 4, 2014

Arte, 20.15

Claires Knie (Frankreich 1970, Regie: Eric Rohmer)

Drehbuch: Eric Rohmer

mit Jean-Claude Brialy, Aurora Cornu, Béatrice Romand, Laurence de Monaghan

Wiederholung: Donnerstag, 21. August, 13.40 Uhr

–

Arte, 21.55 (VPS 22.00)

Meine Nacht bei Maud (Frankreich 1969, Regie: Eric Rohmer)

Drehbuch: Eric Rohmer

Um der Kritik, die sich immer auf den einzelnen Film bezieht und ihn gerne zum einzigartigen Meisterwerk hochjubelt, ein Schnippchen zu schlagen, stellte der frühere „Cahiers du Cinema“-Filmkritiker Eric Rohmer seine Filme immer zu verschiedenen Zyklen zusammen. „Claires Knie“ und „Meine Nacht bei Maud“ sind der vierte und fünfte Film seiner „Sechs Moralischen Erzählungen“, was natürlich eine alles und nichts sagende Klammer ist für einige dialoglastige und sehr unterhaltsame Filme ist, die moralische Fragen behandeln.

In „Claires Knie“ ist das Objekt der Begierde für den Diplomaten Jérôme, der seinen Sommerurlaub vor der Heirat allein in den Alpen verbringt, das Knie der 17-jährigen Claire. Wie soll er mit seiner Obsession umgehen?

In „Meine Nacht bei Maud“ verbringt der streng gläubige Katholik Jean-Louis eine Nacht bei der geschiedenen Schönheit Maud, die ihn becirct. Aber er will die keusche Francoise heiraten. Was wird Jean-Louis tun?

Arte zeigt die beiden Rohmer-Klassiker hintereinander zu einer zivilisierten Uhrzeit.

mit Jean-Louis Trintignant, Françoise Fabian, Marie-Christine Barrault, Antoine Vitez, Léonide Kogan

Wiederholung: Dienstag, 19. August, 02.05 Uhr (Taggenau!)

–

Hinweise

Arte über „Claires Knie“ und „Meine Nacht bei Maud“ (beide Filme sind die nächsten sieben Tage auch in der Mediathek zu finden)

Wikipedia über Eric Rohmer (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 3. August: Blitz

August 2, 2014

Pro7, 23.05

Blitz (Großbritannien 2011, Regie: Elliott Lester)

Drehbuch: Nathan Parker

LV: Ken Bruen: Blitz or Brant Hits the Blues, 2002

London: Detective Sergeant Brant jagt einen Polizistenmörder und kümmert sich dabei wenig um Recht und Gesetz.

Harter Copfilm nach einem harten Polizeiroman von Ken Bruen, dem Erfinder von Jack Taylor. Seine sieben „Inspector Brant“-Romane sind bis jetzt noch nicht übersetzt.

mit Jason Statham, Paddy Considine, Aidan Gillen, David Morrisey, Luke Evans

Wiederholung: Montag, 4. August, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blitz“

Wikipedia über „Blitz“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „Jack Taylor“ (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Veronica Mars“ ist wieder zurück Neptune, Kalifornien

August 2, 2014

Für die „Veronica Mars“-Fans bestanden die letzten Jahren aus persönlichen Wiederholungen der DVDs auf dem heimischen Bildschirm. Aber jetzt gibt es neues Futter. Nämlich einen Spielfilm, der nach einem kurzen Gastspiel in den Kinos jetzt auf DVD erschien und den Roman „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“, der am 11. August erscheint. Bis dahin kann man sich den Spielfilm „Veronica Mars“ ansehen. Zum Kinostart schrieb ich:

Was bisher geschah: Als TV-Serie lief „Veronica Mars“ von 2004 bis 2007 im US-TV und sie hatte eine überschaubare, aber sehr treue Fanbasis, zu der auch Stephen King und Ed Brubaker gehörten. In der Serie ist die Heldin eine Privatdetektivin, die auch Schülerin ist und das Ganze wird aus der Hardboiled-Noir-Perspektive, mit einer Prise Humor, erzählt. Eine einfache, aber ziemlich geniale Idee.

Im deutschen TV lief die Serie ab 2006 im ZDF. Zuerst am Samstag Nachmittag, dann Freitag Nacht, beide Male gut versteckt, mit wechselnden Anfangszeiten, vor einem überschaubarem Publikum, das nicht das Zielpublikum der Serie, nämlich Teenager, war. Ich gab bei dieser „Sopranos“-würdigen Programmierung schnell auf.

Nach dem Ende der Serie ließ die Beliebtheit von „Veronica Mars“ nicht nach, die Macher und Schauspieler wurden immer wieder auf die Serie angesprochen – und als Serienerfinder Rob Thomas auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Seite veröffentlichte, um das echte Interesse der Fans an einer „Veronica Mars“-Neuauflage zu testen, war, wie bei „Stromberg“, das Spendenziel schnell erreicht. Genaugenommen sollten bei der Kickstarter-Kampagne zwei Millionen Dollar gesammelt werden. Das erreichten sie innerhalb eines Tages. Am Ende wurden es 5,7 Millionen, die Kampagne brach sämtliche Rekorde und einem „Veronica Mars“-Spielfilm, der neun Jahre nach dem Ende der Serie spielt, stand nichts mehr im Weg.

Die Gegenwart: Veronica arbeitet schon lange nicht mehr als Privatdetektivin. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, einen gut dotierten Job in einer Kanzlei in Manhattan in Aussicht und sie hat einen Freund. So einen richtig braven Typen. Kurz: ihr Leben verläuft endlich in ruhigen und gesitteten Bahnen. Da erfährt sie, dass Bonnie DeVille, früher Klassenkameradin, später Sängerin, ermordet wurde und ihr Ex-Freund Logan verdächtigt wird, sie getötet zu haben. Veronica fliegt von der Ostküste zurück nach Neptune, Kalifornien. Eigentlich will sie Logan nur bei der Suche nach einem Anwalt helfen, aber dann beginnt sie doch mit der Mörderjagd.

Außerdem steht das zehnjährige Klassentreffen an, bei dem sie unter keinen Umständen dabei sein will.

Aber auch ohne das Klassentreffen (bei dem sie – das ist jetzt nicht wirklich überraschend – teilnimmt) ist der Spielfilm „Veronica Mars“ vor allem eine Begegnung mit alten Bekannten, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat, und die man jetzt, wenn man wieder seinen Heimatort besucht, wieder trifft, sich mit ihnen über die Vergangenheit und die Gegenwart, in der die damaligen Träume an der Gegenwart gemessen werden, unterhält und bemerkt, was sich in den vergangenen Jahren veränderte. In der „Red Harvest“-Kommune Neptune veränderte sich wenig und die Seriennostalgie wird auch dadurch befördert, dass viele alte Serienbekannte wieder dabei sind.

Diese Reunion ist dann schon fast wichtiger als der vernachlässigbare Fall – und knüpft nahtlos an die „Veronica Mars“-TV-Serie an, die ja auch immer ein selbstironischer und stilbewusster Clash zwischen Teenager-Drama und Hardboiled-Privatdetektivkrimi (inclusive dem Voice-Over) ist und die Fälle (jedenfalls in den mir bekannten Episoden) eher mau sind.

Auch optisch bewegt sich „Veronica Mars“ immer auf dem gewohnten TV-Standard, der auf der Kinoleinwand doch etwas deplatziert wirkt.

So ist der Spielfilm nur eine überlange Auftaktepisode für eine neue „Veronica Mars“-TV-Serie, die auch als Einzelfilm, als Nachklapp zur Serie, eigentlich ins Fernsehen gehört, aber wegen der Vorgeschichte im Kino läuft.

„Veronica Mars“ ist von der ersten bis zur letzten Minute Fanservice, der kaum geeignet ist, neue Fans zu gewinnen.

Die Zukunft: In jedem Fall erscheint am 25. März der Roman „The Thousand Dollar Tan Line“ von Rob Thomas und Jennifer Graham. Es ist er erste „Veronica Mars“-Roman einer geplanten Serie und er spielt nach dem Ende des Films. Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

 

Nun, die Zukunft zeichnet sich jetzt etwas deutlicher ab. Denn die deutsche Übersetzung von „The Thousand Dollar Tan Line“ erscheint in wenigen Tagen. Ob es weitere Film-Auftritte von Veronica Mars gibt, ist dagegen immer noch unklar. Jedenfalls wären die Macher und Veronica-Mars-Darstellerin Kristen Bell bereit.

Und der Spielfilm, der eine sehr vergnügliche Angelegenheit für die „Veronica Mars“-Fans und Fans von angenehm altmodischen Privatdetektiv-Krimis ist (wie ich, der ohne seine jährliche Dosis Continental Op, Sam Spade, Philip Marlowe, Lew Archer, Jim Rockford undsoweiter nicht leben kann), bei denen Wortwitz wichtiger als Action sind (vor allem Action von der unrealistischen Sorte), funktioniert auf dem inzwischen gar nicht mehr so kleinem kleinen Bildschirm besser als im Kino.

Als Bonusmaterial gibt es auf der DVD (die Blu-ray hat etwas mehr) die 53-minütige Doku „Von den Fans: Das Making-of Veronica Mars“, in dem die Geschichte des Films von der Kickstarter-Kampagne über die Dreharbeiten bis zur Präsentation auf der San Diego Comic-Con erzählt wird. Der Schwerpunkt liegt dabei bei den Fans, denen es wirklich gelang, den Film Realität werden zu lassen. Einige waren auch bei den Dreharbeiten als Statisten dabei und bei der Vorstellung auf der Comic-Con feierten sie die Schauspieler und Rob Thomas frenetisch, bei einem Panel in der für 5000 Leute ausgelegten, vollbesetten Halle H. In der Doku kommen einige der Fans ausführlicher zu Wort. Außerdem werden die Macher, vor allem „Veronica Mars“-Erfinder Rob Thomas und die Schauspieler, die größtenteils auch schon bei der Serie dabei waren, nicht müde, die große Bedeutung der Fans für die Serie zu betonen. Und man muss ihnen zustimmen: denn „Veronica Mars“ ist das erste Beispiel für eine im TV gecancelte Serie, die durch den Willen der Fans, die sich hier auch finanziell am Film beteiligten, wieder zum Leben erweckt wurde.

Veronica Mars - DVD-Cover - 4

 

Veronica Mars (Veronica Mars, USA 2014)

Regie: Rob Thomas

Drehbuch: Rob Thomas, Diane Ruggiero (nach einer Geschichte von Rob Thomas)

mit Kristen Bell, Jason Dohring, Krysten Ritter, Ryan Hansen, Francis Capra, Percy Daggs III, Chris Lowell, Tina Majorino, Enrico Colantoni, Sam Huntington, Jerry O’Connell, Jamie Lee Curtis, James Franco

–

DVD

Warner Home Video (Warner Brothers)

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Spanisch (5.1)

Untertitel: Spanisch, Finnisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch

Untertitel für Hörgeschädigte: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Von den Fans: Das Making of Veronica Mars

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Der erste „Veronica Mars“-Roman erschien in den USA Ende März und bei uns am 11. August. Zeitlich spielt er nach dem Spielfilm. Veronica arbeitet jetzt als Privatdetektivin in Neptune und ihr Vater ist davon nicht sonderlich begeistert. In „Zwei Vermisste sind zwei zu viel“ sucht sie, im Auftrag der Handelskammer von Neptune, zwei während des Spring-Break-Besäufnisses verschwundene Teenager.

Ich bin gerade beim Lesen und die erste Hälfte hat sich sehr angenehm weggelesen. Die – wenn kein Unglück geschieht – Jubelrezension gibt es dann in einigen Tagen.

Der zweite“Veronica Mars“-Roman „Mr. Kiss and Tell“ (wieder ein schöner Originaltitel) erscheint am 28. Oktober und wenn die Verkaufszahlen gut sind, wird es sicher weitere Romane mit der Privatdetektivin gegen.

Thomas - Veronica Mars - 4

Rob Thomas/Jennifer Graham: Veronica Mars: Zwei Vermisste sind zwei zu viel

(übersetzt von Silvia Kinkel)

script 5, 2014

336 Seiten

14,95 Euro

–

Originalausgabe

Veronica Mars: The Thousand Dollar Tan Line

Alloy Entertainment, 2014

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“

Thrilling Detective über Veronica Mars

Meine Besprechung von Rob Thomas‘ „Veronica Mars“ (Veronica Mars, USA 2014)