TV-Tipp für den 17. März: Badlands – Zerschossene Träume

März 17, 2014

Arte, 22.25

Badlands – Zerschossene Träume (USA 1973, Regie: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

In seinem Regiedebüt erzählt Terrence Malick seine Version des Starkweather/Fugate-Falles von 1958: die 15-jährige Holly Sargis brennt mit dem Arbeiter Kit Carruthers durch, nachdem er ihren Vater ermordete. Auf ihrer Flucht ermorden sie, ohne Schuldgefühle, weitere Menschen.

Auch Oliver Stones „Natural Born Killers“, der einen vollkommen anderen Zugang wählte, basiert auf dem Starkweather/Fugate-Fall.

Badlands ist Malicks einfachster, am geradlinigsten erzählter Film; dennoch ist er zugleich auf irritierende Weise uneinnehmbar: Die Perspektive auf das gewaltvolle Geschehen bleibt eigentümlich gelassen, entrückt, bar jeder moralischen Empörung.“ (Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick)

Badlands“, mit wunderschönen Bildern von Tak Fujimoto, Stevan Larner und Brian Probyn aus dem amerikansichen Hinterland, ist mein Lieblings-Malick.

mit Martin Sheen, Sissy Spacek, Warren Oates, Ramon Bieri

Wiederholungen

Samstag, 22. März, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 2. April, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Badlands“

Wikipedia über „Badland“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Terrence Malick in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Bücherdiebin“ ist ein nettes Mädchen in einer schlimmen Zeit

März 16, 2014

Bestsellerverfilmungen.

Nächste Runde.

Dieses Mal mit „Die Bücherdiebin“.

Markus Zusak schrieb den seitenstarken Roman, der ewig auf den Bestsellerlisten blieb und daher natürlich verfilmt werden musste. Ebenso natürlich, dass die Änderungen – immerhin kennen Millionen das Jugendbuch – sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen. Drehbuchautor Michael Petroni sagt dazu: „Das Buch folgt keiner linearen Chronologie. Häufig macht der Erzähler den Leser mit kleinen Informationshappen neugierig, die später dann in der Geschichte eine Rolle spielen werden. Deshalb musste ich zunächst einmmal diese Struktur aufbrechen, die Geschichte chronologisch ordnen und dann bestimmte Szenen modifizieren, damit sie im Film emotional auch die größte Wirkung erzielen konnten. Dafür musste ich allerdings manchmal die Chronologie der Geschichte, wie man sie aus dem Buch kennt, verändern. Ich wage zu bezweifeln, dass das überhaupt jemandem auffallen wird – trotzdem bereiten gerade diese Änderungen immer große Probleme.“ Trotzdem wirkt der Film von der ersten bis zur letzten Minute wie eine sklavische Illustration des Buches, die deshalb als Film nie funktioniert.

In dem Film geht es um die elfjährige Liesel Meminger (Sophie Nélisse), die in den dreißiger Jahren, zu Pflegeeltern aufs Dorf kommt. Ihre Mutter konnte nicht alle Kinder durchfüttern. Hans Hubermann (Geoffrey Rush) ist ein liebevoller, geduldige Pflegevater, während seine Frau Rosa (Emily Watson) sich zunächst als fluchender Hausdrache profiliert. Bei Hans lernt Liesel, die bis dahin eine Analphabetin war, das Lesen. Die Leselust des aufgeweckten Mädchens wird weiter befördert von der Frau des Bürgermeisters. Sie haben eine große Bibliothek und Liesel darf sich dort durch die abendländische Kultur lesen.

Gleichzeitig freundet Liesel sich mit ihrem Schulkameraden Rudi (Nico Liersch), der gerne ein großer Sprinter wäre, an.

Und dann – immerhin spielt der Film während des Tausendjährigen Reichs – muss Liesel auch mit den bücher- und judenfeindlichen Nazis zurechtkommen. Es gibt sogar eine Bücherverbrennung mit allem Drum und Dran.

Außerdem verstecken die herzensguten Hubermanns in dieser schwierigen Zeit im Keller den jungen Juden Max (Ben Schnetzer). Hans trägt so eine Ehrenschuld aus dem ersten Weltkrieg dessen Familie ab.

Regisseur Brian Percival und Drehbuchautor Michael Petroni pendeln unentschlossen zwischen diesen drei Hauptplots hin und her, wobei gerade der quasi-titelgebende Plot mit Liesels Leselust der schwächste ist. Denn zwischen Lesestunden im Keller mit Max und Nachmittagen in der freien Natur mit Rudi bleibt keine Zeit, um die Faszination des Lesens visuell erfahrbar zu machen.

Dazu kommt noch – wie im Roman – als allwissender Erzähler, der sich in teilnehmender Beobachtung übende Tod. Diese Erzählerstimme, die im Roman vielleicht funktioniert, bricht dem Film das Genick. Prätentiös schwafelt der Tod von der ersten Minute an über sein Leben, seine Taten und seine Gefühle. Später gleitet die Kamera über das ansprechend ausgeleuchtete Kriegselend, der Tod salbadert, dass er damals reiche Ernte hielt und der Zuschauer windet sich angesichts solcher Platitüden. Redundanter hätte auch ein Michael Bay keine Botschaft formulieren können.

So zeigt „Die Bücherdiebin“ das gesamtes Elend gediegener Literaturverfilmungen. Die Schauspieler sind gut. Auch gut ernährt. Die Ausstattung gefällt. Sie sieht vielleicht etwas zu sauber, zu unbenutzt und zu gut für einen unter armen Leuten spielenden Film aus. Auch dieser Film wurde in Babelsberg gedreht und die Ausstattung wirkt so vertraut, dass ich inzwischen glaube, dass es gibt bei der Ausstattung und Ausleuchtung einen wiedererkennbaren Babelsberg-Touch gibt. Gegen die Musik – sie ist von John Williams – kann auch nichts gesagt werden.

Nur ist nichts davon emotional berührend. Der gesamte Film erinnert von der ersten bis zur letzten Minute an die Besichtigung einer Musterwohnung: sauber, ordentlich, aufgeräumt, leblos, und der Makler preist die Vorzüge der Wonung an.

Die Bücherdiebin - Plakat

Die Bücherdiebin (The Book Thief, USA/Deutschland 2013)

Regie: Brian Percival

Drehbuch: Michael Petroni

LV: Markus Zusak: The Book Thief, 2005 (Die Bücherdiebin)

mit Sophie Nélisse, Geoffrey Rush, Emily Watson, Ben Schnetzer, Nico Liersch, Barbara Auer, Rainer Bock, Oliver Stokowski, Matthias Matschke, Ben Becker (nur Stimme)

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Bücherdiebin“

Moviepilot über „Die Bücherdiebin“

Metacritic über „Die Bücherdiebin“

Rotten Tomatoes über „Die Bücherdiebin“

Wikipedia über „Die Bücherdiebin“ (deutsch, englisch)

Homepage von Markus Zusak

Perlentaucher über Markus Zusaks Roman „Die Bücherdiebin“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Flugzeug-Thriller „Non-Stop“ hilft nicht gegen Flugangst

März 16, 2014

Als Liam Neeson 2008 mit „96 Hours“ (Taken) seinen ersten reinrassigen Actionfilm drehte, war er bereits seit Ewigkeiten ein respektierter Schauspieler, dessen Ausflug in das „Star Wars“-Universum galant zugunsten von „Schindlers Liste“ verschwiegen wurde und der damals durchaus glaubhauft sagte, er wolle in einem Actionfilm mitspielen ehe er zu alt für diese Rollen werde. „96 Hours“ war so erfolgreich, dass inzwischen auch offiziell eine zweite Fortsetzung in Arbeit ist und Neeson zu einem veritablen Action-Darsteller wurde.

Neesons neuester Film „Non-Stop“, wieder unter der Regie von „Unknown Identity“-Regisseur Jaume Collet-Serra, führt diesen Strang von seiner Arbeit, auf die er sich die vergangenen Jahre konzentrierte, gelungen fort. Dieses Mal spielt er Bill Marks, einen U. S. Air Marshal und Trinker, der allerdings als großstadtgeschulter Ex-NYPD-Cop noch im Terminal die potentiell bedrohlichen Passagiere identifiziert. In der voll besetzten 747 plaudert der Flugbegleiter notgedrungen mit seiner Sitznachbarin Jen Summers (Julianne Moore), bis er eine Textnachricht auf sein Telefon erhält. Der Absender der Nachricht fordert 150 Millionen Dollar auf ein Bankkonto. Wenn seine Forderung nicht erfüllt wird, stirbt nach zwanzig Minuten der erste Passagier.

Marks versucht den Absender, der im Flugzeug sein muss und über jeden Schritt von Marks informiert ist, vor dem Verstreichen des Ultimatums zu identifizieren. Wenige Sekunden bevor die Zeit verstrichen ist, entdeckt er den mutmaßlichen Täter und stürmt auf ihn zu. Er bringt ihn um und muss wenige Minuten später, mit der nächsten Textnachricht, feststellen, dass er sich geirrt hat.

In den nächsten Minuten verschlimmert sich seine Lage immer mehr. Denn so sehr er sich auch bemüht, den oder die Erpresser zu finden, kann er nichts gegen ihr 20-Minuten-Ultimatum tun. Es sterben weitere Passagiere. Außerdem glauben seine Vorgesetzten, dass er die Maschine entführte. Immerhin soll das Geld auf ein unter seinem Namen laufendes Konto überwiesen werden. Und Marks‘ Handlungen erscheinen zunehmend irrational.

Non-Stop“ bewegt sich spannend in den durchaus bekannten Genrepfaden. Die Schaupieler und die Regie bieten hochenergetische Suspense, die sich bis auf die ersten und letzten Filmminuten im Flugzeug spielt und quasi in Echtzeit abläuft. Das Drehbuch forciert spannungsfördernd das Tempo. Die falschen Fährten sind klug gelegt und der Film steuert, mit etlichen unlogischen Punkten, die einem beim Ansehen eben wegen des Erzähltempos gar nicht so sehr auffallen, zielstrebig auf das große Finale zu, bei dem es dann auch ordentlich kracht und die Täter und ihr pseudo-politisches Motiv enthüllt werden. Tricktechnisch ist das Ende allerdings eher mau realisiert. Da wünschte ich mir wieder eine Rückkehr zur Prä-CGI-Ära.

Unlogisch ist, zum Beispiel, dass die unbekannten Erpresser präzise wie ein Schweizer Uhrwerk alle zwanzig Minuten einen Menschen sterben lassen. Dabei können sie sich oft auf die Hilfe von Unbeteiligten verlassen und so den Verdacht in andere Richtungen lenken. So entdeckt Marks genau vor dem Ablauf des ersten Ultimatums einen Verdächtigen, den er dann auch gleich umbringt. Nur: woher wussten die Entführer, dass er ihn entdeckt, dass es zu einem Kampf kommt und dass Marks den Kampf gewinnt? Denn wenn Marks nicht gewonnen hätte oder der Verdächtige etwas gesagt hätte, wäre der Film wohl ziemlich schnell vorbei gewesen.

Und so gibt es noch etliche weitere Punkte, bei denen man nicht allzu genau nachdenken sollte. Aber mit Liam Neeson und Julianne Moore gelingt das ziemlich einfach.

Jaume Collet-Serra liefert, wie schon bei seiner ersten Zusammenarbeit mit Liam Neeson „Unknown Identity“, viel Suspense, ein gutes Gefühl für den Schauplatz und etwas krachige Action.

P. S.: Eine Meldung für die Lawrence-Block-Fans: Endlich ist die lange geplante Matt-Scudder-Verfilmung „A Walk among Tombstones“ nicht mehr ein Mär aus Hollywoods-Entwicklungshölle, sonden Realität. „Out of Sight“-Autor Scott Frank verfilmte sein Drehbuch mit Liam Neeson in der Hauptrolle. US-Kinostart ist am 19. September. Der deutsche Kinostart ist noch unklar.

Non-Stop - Teaser

Non-Stop (Non-Stop, USA 2013)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: John W. Richardson, Chris Roach, Ryan Engle (nach einer Geschichte von John W. Richardson und Chris Roach)

mit Liam Neeson, Julianne Moore, Scoot McNairy, Tom Bowen, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Nate Parker, Corey Stoll, Omar Metwally, Jason Butler Harner, Linus Roache, Shea Whigham, Anson Mount

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Non-Stop“

Moviepilot über „Non-Stop“

Metacritic über „Non-Stop“

Rotten Tomatoes über „Non-Stop“

Wikipedia über „Non-Stop“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 16. März: Mord in Barcelona

März 15, 2014

 

Arte, 20.15

Mord in Barcelona (Frankreich 1978, Regie: Jacques Deray)

Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Tonino Guerra, Jacques Deray

LV: John Gearon: The Velvet Well, 1946

Marineoffizier Roland Fériaud will in Barcelona nur drei Tage mit seiner Frau verbringen. Er wird er in seinem Hotelzimmer niedergeschlagen und als er in einem Sanatorium erwacht, befindet er sich in einem Alptraum. Denn er soll einen Mord beobachtet haben, seine Frau wird entführt und ein Koffer spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.

Toller, selten gezeigter atmosphärischer Thriller, der anscheinend mit der Vorlage nur wenig zu tun und ein durchaus umstrittenes Ende hat.

Ein dichter, spannender Film, der in manchem an Hitchcock erinnert: Die Ordnung der Welt ist zerbrechlich, durch ihre Risse bricht unversehens das Grauen über die Bürger. Ein Film von großer Präzision und stilistischem Können.“ (Zoom-Filmbeobachter)

mit Lino Ventura, Claudine Auger, Paul Crauchet, Jean Bouise, Nicole Garcia, Roland Bertin

Wiederholungen

Dienstag, 18. März, 13.50 Uhr

Freitag, 28. März, 13.50 Uhr

Mittwoch, 2. April, 13.45 Uhr

Hinweise

Arte über „Mord in Barcelona“

Wikipedia über „Mord in Barcelona“

Jacques Deray in der Kriminalakte

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Lino Ventura in der Kriminalakte


Blu-Ray/DVD-Kritik: Der Western-Klassiker „Der große Treck“

März 15, 2014

 

In den ersten Tagen des Tonfilms drehte Raoul Walsh seinen Western-Klassiker „Der große Treck“ mit einem gewissen Marion Michael Morrison in der Hauptrolle. Walsh und die Fox-Produktionschefs meinten allerdings, dass dieser Name nicht gut klänge, also wurde er in den amerikanisch klingenden Namen „John Wayne“ geändert – und der Rest ist, auch wenn das Epos damals an der US-Kinokasse floppte und John Wayne erste einige Jahre später mit „Ringo/Höllenfahrt nach Santa Fé“ (Stagecoach, USA 1939) zum Star wurde, Geschichte.

Erzählt wird – wir ahnen es bei dem Titel – die Geschichte eines Trecks von Siedlern vom Mississippi nach Kalifornien und den Herausforderungen, denen sie auf dem Weg nach Westen begegnen. Ihr erfahrener Scout ist Breck Coleman (John Wayne), der auch Ärger mit dem Treckführer Red Flack hat, den er für den Mörder seines väterlichen Freundes und einiger anderer Menschen hält. Außerdem hat er ein Auge auf Ruth Cameron geworfen.

Die künstlerischen und technischen Probleme waren nun so weit gelöst, dass sich die Studios daranmachen konnten, all talking epics herzustellen. ‚The Big Trail‘ (Der große Treck, 1930, Regie: Raoul Walsh) ist bekannt geworden als der erste Film mit John Wayne in einer Starrolle. Aber er ist auch einer der ersten Tonfilm-Western, die sich mit der Rekonstruktion der Geschichte des Westens beschäftigen, ohne die Strapazen und das Leid der Pioniere zu verharmlosen.

(…) mehr eine Abfolge komponierter Tableaus als die Konstruktion einer Geschichte ist.“ (Georg Seeßlen: Filmwissen Western, 2011)

Der große Treck“ erzählt die archetypische Reisegeschichte, die seitdem unzählige Male immer wieder erzählt wurde, mal als Spielfilm, mal als TV-Serie und deren Bilder und Konflikte aus dem Bildfundus von diesem Film (und seinen inzwischen wohl ziemlich im Grab des Vergessens verschwundenen Stummfilm-Vorgängern) schöpfen. Aus heutiger Sicht ist die Kamera in der 70-mm-Fassung (aka Grandeur-Widescreenfassung oder im heutigen Sprachgebrauch Cinemascope) oft, vor allem aufgrund der damals unhandlichen Technik, ungewohnt statisch und fern der handelnden Personen. Die Halbtotale mit einer Tendenz zur Totalen herrscht vor. Auch das extrem exaltierte Spiel der Schauspieler ist noch deutlich vom Stummfilm und vom Theater beeinflusst. Die Dialoge sind reinste Theaterdialoge, vorgetragen in der entsprechenden Diktion und, wegen des raumergreifenden Spiels, ziemlich überflüssig. Auch die zahlreichen Zwischentitel weisen auf das Erbe des Stummfilms hin. Insofern ist „Der große Treck“ ein Film des Übergangs mit einprägsamen Landschaftsaufnahmen, die oft wie Bilder aus einem Fotoalbum wirken.

Der Klassiker liegt jetzt, in exzellenter Bild- und Tonqualität, in der uneingeschränkt lobenswerten „Masterpieces of Cinema“-Reihe vor. Koch Media veröffentlichte, so mein Eindruck, alle erhältlichen Fassungen des Films, vor allem natürlich die zweistündige 70-mm-Fassung und die kürzere 35-mm-Fassung, die sich auch in ihrer Laufzeit unterscheiden. Die 70-mm-Fassung besteht vor allem aus Totalen, während in der 35-mm-Fassung öfter zwischen den Schauspielern geschnitten wird. Weil die Fassungen gleichzeitig entstanden und mit verschiedenen Kameras gefilmt wurden, unterscheidet sich auch der Bildausschnitt.

Der große Treck“ war der erste Film, der im 70-mm-Format gedreht wurde, das mit seinem großen Bild die Zuschauer überwältigen sollte. Allerdings konnten damals in den USA nur wenige Kinos das Format zeigen.

Auch die gleichzeitig von Walsh gedrehte deutsche Fassung „Die große Fahrt“, in der deutsche Schauspieler die US-Schauspieler ersetzten, ist auf der DVD/Blu-Ray enthalten. Gleichzeitig drehte er eine spanische Version, während für die italienische und die französische Fassung andere Regisseure genannt werden. Diese Fassungen, die sich wiederum teilweise in der Laufzeit von der Originalversion unterscheiden, scheinen allerdings verloren zu sein.

Dazu gibt es noch eine gute Tonne Bonusmaterial und einen sehr informativen Audiokommentar von Filmjournalist Richard Schickel.

Der große Treck - Blu-ray-Cover

Der große Treck (The big Trail, USA 1930)

Regie: Raoul Walsh

Drehbuch: Jack Peabody, Marie Boyle, Florence Postal, Hal G. Evarts

mit John Wayne, Marguerite Churchill, El Brendel, Tully Marshall, Tyrone Power sr., Ward Bond

DVD

Koch Media – Masterpieces of Cinema

Bild: 2.20:1 (16:9)

Ton: Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Alternative Fassung mit deutschsprachigen Schauspielern, Trailer, 35mm-Fassung in 1.37:1, Audiokommentar von Richard Schickel, Featurettes, John Waynes Anfänge, Making of

Länge: 126 min

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der große Treck“

Turner Classic Movies über „Der große Treck“

Wikipedia über „Der große Treck“ (deutsch, englisch)

Peter Bogdanovich über Raoul Walsh (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6 [hier bespricht er „The big Trail“] – im wesentlichen Kurzkritiken von Peter Bogdanovich über die von ihm gesehenen Walsh-Filme)

Meine Besprechung von Raoul Walshs „Drei Rivalen“ (The Tall Men, USA 1955)

Raoul Walsh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. März: Minority Report

März 15, 2014

Sat.1, 22.35

Minority Report (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Sonntag, 16. März, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. März: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

März 14, 2014

3sat, 22.35

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

„Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Wiederholung: Mittwoch, 19. März, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ghost Dog“

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Arte über „Ghost Dog“

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über „Ghost Dog“ (September 2002)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Keanu Reeves trifft den „Man of Tai Chi“

März 13, 2014

 

Man of Tai Chi“, das Regiedebüt von Keanu Reeves ist ein überraschend gelungener Film, ohne ein guter Film zu sein. Denn die Geschichte von Chin Lin-Hu, aka „Tiger Chen“, ist erschreckend vorhersehbar und altbekannt. Unser Held ist ein grundsympathischer, herzensguter junger Mann, der sich in Beijing als Kurier über Wasser hält und ein begeisterter Tai-Chi-Schüler ist. Tai Chi ist ein Kampfsport, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er nicht als Kampfsport, sondern als Meditation, praktiziert wird. Das predigt Master Yang seinem einzigen Studenten in seinem historischen Tempel immer wieder. Aber Tiger Chen möchte die Botschaft des Tai Chi in die Welt tragen. Er nimmt an einem Wettbewerb teil und gewinnt. Sein Lehrer ist enttäuscht. Donaka Mark, ein unglaublicher reicher Kapitalist, ist begeistert. Er möchte Tiger Chen als Kämpfer in seinen illegalen Untergrundkämpfen (Doppelt gemoppelt? Nun, so subtil ist der Film.) haben und beginnt Tiger Chen mit Geld und Versprechen zu manipulieren. Immerhin könne er doch jetzt endlich den Menschen, die er liebt, helfen und auch den vom Abriss bedrohten Tempel, in dem er Tai Chi praktiziert, retten.

Gleichzeitig wird Mark von Suen Jing-Si, einer unbestechlichen Hongkong-Polizistin, die sich auf der Jagd nach ihm auch über Vorschriften hinwegsetzt, verfolgt. Denn Mark hat die unangenehme Gewohnheit, Kämpfer, die ihn enttäuschen, umzubringen. Zum Beispiel wenn sie am Ende eines Kampfes den Verlierer nicht töten.

Nein, einen Innovationspokal wird „Man of Tai Chi“ nicht erhalten. Die Geschichte bewegt sich durchgängig auf dem Niveau einschlägiger Hongkong-Filme, in denen artistische Kampfszenen, weshalb man sich die Filme ansieht, mit einer grenzdebilen Geschichte und idiotischen Dialogen erzählt werden.

Aber Keanu Reeves erzählt sie flott, es gibt einige interessante Aufnahmen, die Schauspielerführung ist gut, Reeves als wirklich böser Bösewicht überzeugt und – auch in diesem Fall der Grund um sich den Film anzusehen – die Kämpfe sind gut inszeniert und Leben vom Können der Kämpfer, die, wie Hauptdarsteller Tiger Hu Chen, schon bei den „Matrix“-Filmen als Stuntmänner dabei waren. Damals trainierte Tiger Hu Chen Keanu Reeves. Seitdem sind sie befreundet.

Nur der Schlusskampf, wenn Tiger Chen und Keanu Reeves sich gegenüberstehen, ist als Kampf vollkommen unglaubwürdig, aber in der Logik des kindischen Drehbuchs begründet.

Insgesamt macht Keanu Reeves das Beste aus dem Material indem er einen altmodisches B-Picture, von dem niemand irgendetwas erwartet, inszeniert und er so die Erwartungen übertrifft.

Man of Tai Chi - Plakat

Man of Tai Chi (Man of Tai Chi, USA/Volksrepublik China 2013)

Regie: Keanu Reeves

Drehbuch: Michael G. Cooney

mit Tiger Hu Chen, Keanu Reeves, Karen Mok, Hai Yu, Simon Yam

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

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Film-Zeit über „Man of Tai Chi“

Moviepilot über „Man of Tai Chi“

Metacritic über „Man of Tai Chi“

Rotten Tomatoes über „Man of Tai Chi“

Wikipedia über „Man of Tai Chi“ 


Neu im Kino/FiImkritik: Gottseidank! Menschen dürfen nicht an die „Vampire Academy“

März 13, 2014

 

Woher wissen Vampire, wie sie sich verhalten müssen? Eine schwierige Frage, die aber bislang nicht besonders beachtet wurde. Irgendwie waren die Gebissenen entweder nach dem Vampirbiss tot oder sie wussten es einfach.

Heute ist das alles etwas komplizierter und wenn es dann noch eine große Mythologie mit Vampiren verschiedenen Grades und verschiedener Fähigkeiten und einem Dutzend königlicher Familien gibt, wie in den „Vampire Academy“-Young-Adult-Büchern von Richelle Mead, dann lohnt sich ein bildungsfördernder Schulbesuch. Denn bei Meads gibt es nicht nur Vampire und Menschen, sondern Moroi und ihre Bodyguards, die Dhampire, die eine Mischung aus Vampir und Mensch sind, die Strigoi, die wirklich bösen Vampire (die nie auf die Schule gehen), und halt noch die Menschen. Außerdem gelten viele der altbekannten Regeln, wie die mit dem Sonnenlicht, nicht mehr.

Also lohnt sich für die guten Vampire ein Besuch in der „Vampire Academy“, die irgendwo im Wald liegt, hübsche historische Gebäude und einen durchaus unklaren Internetanschluss hat. Menschen sind nicht in dieser Schule.

Weil das Drehbuch von Daniel Waters ist, weckt der Film Erwartungen, die er nie einlöst. Er schrieb auch die Bücher für die mit dem Edgar-Allan-Poe-Award ausgezeichnete schwarze High-School-Komödie „Heathers“, „Ford Fairlane“, „Hudson Hawk“, „Batmans Rückkehr“ und „Demolition Man“ und in den Filmen gab es immer etwas zum Lachen. Aber in „Vampire Academy“, der als High-School-Komödie unter Vampiren beworben wird (was eigentlich ein todsicheres Rezept für eine gelungene Komödie ist), gibt es nichts zu lachen. Erschreckend unkomisch und unkonzentriert wird die Geschichte von Lisa Dragomir (aka Prinzessin Vasilisa Dragomir), der künftigen Herrscherin der Vampire, und ihrer Beschützerin Rose Hathaway erzählt. Als sie nach ihrer Flucht zurück zur Vampire Academy gebracht werden, geschehen Dinge, die etwas mehr als die üblichen Schulstreiche sind und sie glauben, dass es um etwas größeres geht.

Nun, ich verrate nichts überraschendes, wenn ich sage, dass die Mädels recht haben.

Allerdings ist die Story ein einziger Mischmasch aus zusammengeklauten Teilen, die einfach, wie Unterrichtsstunden, nebeneinander drapiert werden: etwas Vampirfilm, etwas Schulkomödie, etwas Liebesfilm, einige Kämpfe (keine Schule ohne Sportunterricht und Schulhofkeilerei) und eine ebenso ausufernde wie uninteressante Mythologie im Geschichtsunterricht. Dabei kann der Film sich nie entscheiden was er sein will und was er erzählen will. Eher schon, was er nicht will, indem er zielsicher die schlechtesten Elemente aus den bekannten Filmen und Serien, die einem zu dem Thema sofort einfallen, nimmt und alle Möglichkeiten, die in dem durchaus interessantem Stoff und der Ausgangsidee liegen, verschenkt. Nach dem Besuch der „Vampire Academy“ erscheinen die ebenfalls nicht besonders gelungenen „Percy Jackson“-Filme, in denen in der Gegenwart ein griechischer Halbgott in die Schule geschickt wird, wie Meisterwerke der Filmkunst.

Nur in einem Punkt ist die ungenießbare „Vampire Academy“ interessant. Während in den erfolgreichen Vampirschmonzetten die Mädels immer nur schmachtend nach Mr. Right suchen und ihn züchtig anhimmeln, wird hier – wir reden von einem Mainstream-Film – erfrischend unbefangen mit dem Thema „Sex“ umgegangen und Rose bietet sich ihrer Freundin immer wieder und ohne negative Folgen als Blutlieferantin an. Das ist dann eine doch sehr offensichtliche Metapher für lesbischen Sex.

Das Ende des Films spekuliert zwar schamlos auf einen zweiten Teil, der sich nach dem enttäuschenden Kinoumsatz in den USA die Fortsetzung erledigt haben dürfte.

Vampire Academy - Plakat

Vampire Academy (Vampiry Academy, USA 2013)

Regie: Mark Waters

Drehbuch: Daniel Waters

LV: Richelle Mead: Vampire Academy, 2007 (Blutschwestern; Vampire Academy)

mit Zoey Deutch, Lucy Fry, Danila Kozlovsky, Olga Kurylenko, Gabriel Byrne

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vampire Academy“

Moviepilot über „Vampire Academy“

Metacritic über „Vampire Academy“

Rotten Tomatoes über „Vampire Academy“

Wikipedia über „Vampire Academy“ (deutsch, englisch)

Homepage von Richelle Mead

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Der Fanservice „Veronica Mars“

März 13, 2014

 

Was bisher geschah: Als TV-Serie lief „Veronica Mars“ von 2004 bis 2007 im US-TV und sie hatte eine überschaubare, aber sehr treue Fanbasis, zu der auch Stephen King und Ed Brubaker gehörten. In der Serie ist die Heldin eine Privatdetektivin, die auch Schülerin ist und das Ganze wird aus der Hardboiled-Noir-Perspektive, mit einer Prise Humor, erzählt. Eine einfache, aber ziemlich geniale Idee.

Im deutschen TV lief die Serie ab 2006 im ZDF. Zuerst am Samstag Nachmittag, dann Freitag Nacht, beide Male gut versteckt, mit wechselnden Anfangszeiten, vor einem überschaubarem Publikum, das nicht das Zielpublikum der Serie, nämlich Teenager, war. Ich gab bei dieser „Sopranos“-würdigen Programmierung schnell auf.

Nach dem Ende der Serie ließ die Beliebtheit von „Veronica Mars“ nicht nach, die Macher und Schauspieler wurden immer wieder auf die Serie angesprochen – und als Serienerfinder Rob Thomas auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter eine Seite veröffentlichte, um das echte Interesse der Fans an einer „Veronica Mars“-Neuauflage zu testen, war, wie bei „Stromberg“, das Spendenziel schnell erreicht. Genaugenommen sollten bei der Kickstarter-Kampagne zwei Millionen Dollar gesammelt werden. Das erreichten sie innerhalb eines Tages. Am Ende wurden es 5,7 Millionen, die Kampagne brach sämtliche Rekorde und einem „Veronica Mars“-Spielfilm, der neun Jahre nach dem Ende der Serie spielt, stand nichts mehr im Weg.

Die Gegenwart: Veronica arbeitet schon lange nicht mehr als Privatdetektivin. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, einen gut dotierten Job in einer Kanzlei in Manhattan in Aussicht und sie hat einen Freund. So einen richtig braven Typen. Kurz: ihr Leben verläuft endlich in ruhigen und gesitteten Bahnen. Da erfährt sie, dass Bonnie DeVille, früher Klassenkameradin, später Sängerin, ermordet wurde und ihr Ex-Freund Logan verdächtigt wird, sie getötet zu haben. Veronica fliegt von der Ostküste zurück nach Neptune, Kalifornien. Eigentlich will sie Logan nur bei der Suche nach einem Anwalt helfen, aber dann beginnt sie doch mit der Mörderjagd.

Außerdem steht das zehnjährige Klassentreffen an, bei dem sie unter keinen Umständen dabei sein will.

Aber auch ohne das Klassentreffen (bei dem sie – das ist jetzt nicht wirklich überraschend – teilnimmt) ist der Spielfilm „Veronica Mars“ vor allem eine Begegnung mit alten Bekannten, die man mehrere Jahre nicht gesehen hat, und die man jetzt, wenn man wieder seinen Heimatort besucht, wieder trifft, sich mit ihnen über die Vergangenheit und die Gegenwart, in der die damaligen Träume an der Gegenwart gemessen werden, unterhält und bemerkt, was sich in den vergangenen Jahren veränderte. In der „Red Harvest“-Kommune Neptune veränderte sich wenig und die Seriennostalgie wird auch dadurch befördert, dass viele alte Serienbekannte wieder dabei sind.

Diese Reunion ist dann schon fast wichtiger als der vernachlässigbare Fall – und knüpft nahtlos an die „Veronica Mars“-TV-Serie an, die ja auch immer ein selbstironischer und stilbewusster Clash zwischen Teenager-Drama und Hardboiled-Privatdetektivkrimi (inclusive dem Voice-Over) ist und die Fälle (jedenfalls in den mir bekannten Episoden) eher mau sind.

Auch optisch bewegt sich „Veronica Mars“ immer auf dem gewohnten TV-Standard, der auf der Kinoleinwand doch etwas deplatziert wirkt.

So ist der Spielfilm nur eine überlange Auftaktepisode für eine neue „Veronica Mars“-TV-Serie, die auch als Einzelfilm, als Nachklapp zur Serie, eigentlich ins Fernsehen gehört, aber wegen der Vorgeschichte im Kino läuft.

Veronica Mars“ ist von der ersten bis zur letzten Minute Fanservice, der kaum geeignet ist, neue Fans zu gewinnen.

Die Zukunft: In jedem Fall erscheint am 25. März der Roman „The Thousand Dollar Tan Line“ von Rob Thomas und Jennifer Graham. Es ist er erste „Veronica Mars“-Roman einer geplanten Serie und er spielt nach dem Ende des Films. Eine deutsche Übersetzung ist noch nicht angekündigt.

Veronica Mars - Plakat 4

Veronica Mars (Veronica Mars, USA 2014)

Regie: Rob Thomas

Drehbuch: Rob Thomas, Diane Ruggiero (nach einer Geschichte von Rob Thomas)

mit Kristen Bell, Jason Dohring, Krysten Ritter, Ryan Hansen, Francis Capra, Percy Daggs III, Chris Lowell, Tina Majorino, Enrico Colantoni, Sam Huntington, Jerry O’Connell, Jamie Lee Curtis, James Franco

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Veronica Mars“

Moviepilot über „Veronica Mars“

Metacritic über „Veronica Mars“

Rotten Tomatoes über „Veronica Mars“

Wikipedia über „Veronica Mars“ 

Thrilling Detective über Veronica Mars


TV-Tipp für den 13. März: Broken Flowers – Blumen für die Ex

März 13, 2014

3sat, 22.25

Broken Flowers – Blumen für die Ex (USA/Frankreich 2005, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch (inspiriert von einer Idee von Bill Raden und Sara Driver)

Don Johnston (Stoneface Bill Murray) lungert nur noch in seiner Wohnung herum und träumt von seinen früheren Frauen. Eines Tages erhält er einen anonymen Brief, in dem steht, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Don, der bislang von seinem Vaterglück nichts wusste, macht sich auf den Weg quer durch die USA zu seinen alten Freundinnen, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat und von denen eine die Mutter sein muss.

Jim Jarmusch erhielt für sein lakonisches Road-Movie über verpasste Chancen den Großen Preis der Jury in Cannes, einige weitere Preise, viel Kritikerlob – und an der Kinokasse lief der Film auch gut.

Mit Bill Murray, Julie Delpy, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Chloë Sevigny, Jessica Lange, Tilda Swinton

Hinweise

Film-Zeit über „Broken Flowers“

Metacritic über „Broken Flowers“

Rotten Tomatoes über „Broken Flowers“

Wikipedia über „Broken Flowers“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Only Lovers left alive“ (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)


DVD-Kritik: Die „Drecksau“ schlägt jetzt auch im Wohnzimmer zu

März 12, 2014

 

Als die schwarzhumorige Irvine-Welsh-Verfilmung „Drecksau“, mit James McAvoy (Wanted, Trance – Gefährliche Erinnerung, X-Men: Erste Entscheidung) war ich ziemlich begeistert über diesen vollkommen durchgeknallten Polizisten mit der verschobenen Selbstwahrnehmung.

Damals schrieb ich:

Nein, zum Vorbild taugt Detective Sergeant Bruce Robertson (James McAvoy) nicht. Er ist auch kein Aushängeschild für die Polizei von Glasgow. Er ist ein egozentrisches, überhebliches, frauenverachtendes, reaktionäres Arschloch, das zwischen Drogenkonsum, Onanieren, Schulhofintrigen und Sex mit allen Frauen, die seinem Charme erliegen oder, weil sie Minderjährig sind, von ihm dazu erpresst werden, noch schnell einige obszöne Anrufe tätigt und, immerhin ist der Film, wie Irvine Welshs Roman, aus Robertsons Perspektive erzählt, alle anderen für Idioten, Trottel oder Spastis hält. Deshalb steht nur ihm die Beförderung zum Detective Inspector zu. Und den Mordfall an dem Japaner wird er auch mit links lösen. Es gibt ja genug Typen, die einen Knastaufenthalt verdient haben.

So malt sich Bruce Robertson seine Welt aus. Dummerweise sehen die anderen ihn nicht als glorreichen Helden, sondern als Drogenwrack, das in psychiatrischer Behandlung ist; wobei einige dieser Sitzungen bei Dr. Rossi auch in seinem Kopf stattfinden könnten. Aber diese Irritationen, wozu auch die pulpigen Auftritte seiner Frau gehören, schleichen sich langsam in die Geschichte ein und lassen – im Film früher und subtiler als im Roman – immer mehr an der Zuverlässigkeit des Erzählers zweifeln.

Jon S. Bairds rabenschwarze, satirisch überspitze, surreale Komödie ist, knapp gesagt, „Trainspotting“ im Polizeimilieu und Bairds Film muss den Vergleich mit Danny Boyles Klassiker nicht scheuen. Außerdem ist die Vorlage für beide Filme von Irvine Welsh. Mit „Drecksau“ schrieb er einen Polizeiroman, der an die düsteren britischen Polizeikrimis von G. F. Newman anknüpft, der in seinen Inspector-Sneed-Romanen (auch bekannt als Bastard-Romane) die Welt der Polizei als korrupten Augiastall porträtiert. Und natürlich ist Robertson das britische Gegenstück zu dem namenlosen Polizisten (Harvey Keitel) in Abel Ferraras „Bad Lieutenant“ (1992), dessen Drogenkonsum auch beachtlich war.

Die Änderungen zum mit vierhundertfünfzig Seiten zu langen Roman sind eher miminal. Statt in Edinburgh spielt die Geschichte in Glasgow, aus dem ermordeten Afrikaner wurde ein ermordeter Japaner, aus der Sauftour nach Amsterdam wurde ein Hamburg-Besuch, aus dem Bandwurm, der im Roman das Geschehen kommentiert, wird im Film ein sich sehr seltsam benehmender Psychiater, es wurde einiges weggelassen, bei den Frauen gibt es einige Änderungen, die aber den Film nicht weniger schwarzhumorig-zynisch machen als die Vorlage und sie sogar verbessern. Denn Jon S. Baird bleibt dem Geist der Vorlage treu und porträtiert einen wirklich abstoßenden Polizisten, der dank der beachtlichen Leistung von James McAvoy, sogar einige fast schon sympathische Seiten hat.

Inzwischen erhielt McAvoy den British Independent Film Awards als bester Schauspieler und auch beim zweiten Ansehen macht die Komödie Spaß. Eigentlich sogar noch mehr als beim ersten Sehen.

Das Bonusmaterial

Das Bonusmaterial ist überschaubar und mit ungefähr vierzig Minuten auch nicht besonders umfangreich ausgefallen. Die meiste Zeit nehmen dabei gut 15 Minuten Interviewschnipsel mit James McAvoy und etwas über elf Minuten mit Jon S. Baird ein. Der Regisseur und Drehbuchautor verrät einige Hintergründe über seine Entdeckung des Romans, wie er sich die Rechte sicherte und das Drehbuch schrieb. Gute sechs Minuten gehen dann noch für die B-Roll drauf.

In der UK-Fassung gibt es außerdem einen Audiokommentar von Jon S. Baird, ein über zwanzigminütiges Interview mit Irvine Welsh, mehrere geschnittene und erweiterte Szenen.

Drecksau - DVD-Cover

Drecksau (Filth, Großbritannien 2013)

Regie: Jon S. Baird

Drehbuch: Jon S. Baird

LV: Irvine Welsh: Filth, 1998 (Drecksau)

mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Eddie Marsan, Jim Broadbend, Gary Lewis, Shirley Henderson

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.40:1/16:9 (PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit James McAvoy, Jamie Bell, Imogen Poots, Jon S. Baird, Featurette, B-Roll, Trailer (englisch, deutsch

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Welsh - Drecksau

Irvine Welsh: Drecksau

(übersetzt von Clara Drechsler und Harald Hellmann)

KiWi, 2011

464 Seiten

9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Kiepenheuer und Witsch, 1999

Originalausgabe

Filth

Jonathan Cape, 1998

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Drecksau“

Moviepilot über „Drecksau“

Metacritic über „Drecksau“

Rotten Tomatoes über „Drecksau“

Wikipedia über „Drecksau“ 

Homepage von Irvine Welsh

Perlentaucher über „Drecksau“

Meine Besprechung von Jon S. Bairds „Drecksau“ (Filth, Großbritannien 2013 – mit weiteren Videoclips)


TV-Tipp für den 12. März: Tatort: Der Mann auf dem Hochsitz

März 12, 2014

WDR, 22.15

Tatort: Der Mann auf dem Hochsitz (D 1978, R.: Ulrich Neureuther)

Drehbuch: Richard Hey

LV: Richard Hey: Feuer unter den Füßen, 1984

Wurde ein Jäger auf seinem Hochsitz von einem Italiener angeschossen? Kommissarin Buchmüller ermittelt.

Nicole Heesters gebührt der Verdienst, die erste „Tatort“-Kommissarin (und die erste deutsche TV-Kommissarin) gewesen zu sein. Insofern ist sie das Vorbild für alle weiteren Kommissarinnen.

„Nicole Heesters verleiht ihrer Figur eine Art weltäufige Eleganz, sie erscheint klar, kühl und ohne Falsch. Gefühle kommen bei der Grand Dame des Verbrechns nur wohldosiert zum Tragen. Sie besteht auf einer klaren Trennung zwischen Beruf und Privatleben. (…) Im Subtext von ‚Der Mann auf dem Hochsitz’ geht es um das Scheitern von traditonellen Rollenvorgaben. (…) Das vielschichtige Gesellschaftsporträt von Autor Richard Hey gibt einen gelungenen Rahmen für den ersten Auftritt der Kommissarin ab.“ (Sabine Holtgreve: Supergirls – Die Geschichte der TATORT-Kommissarinnen, in Eike Wenzel, Hrsg.: Ermittlungen in Sachen TATORT, 2000)

Richard Hey verarbeitete später sein Drehbuch zum Roman „Feuer unter den Füßen“, der sich (so meine Erinnerung) zu stark auf die teilweise lange zurückreichenden Beziehungen der einzelnen Charaktere konzentriert, um als Krimi noch zu überzeugen.

Mit Nicole Heesters, Peter Nassauer, Jörg Fallheier, Stephan Orlac, Klaus Höhne (Gastauftritt als Kommissar Konrad)

Hinweise

Tatort-Fundus

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Richard Hey

Wikipedia über Richard Hey


TV-Tipp für den 11. März: Fukushima – Nichts ist, wie es war

März 11, 2014

BR, 22.45

Fukushima – Nichts ist, wie es war (Deutschland 2014, R.: Patrick Hörl, Kei Matsumot)

Drehbuch: Patrick Hörl, Kei Matsumoto

Zum dritten Jahrestag der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zeigt der BR diese spielfilmlange Doku und, danach, um 00.20 Uhr „Meine Tante aus Fukushima“ und um 01.35 Uhr „Die Welt danach“.

Zwei Millionen Menschen verloren damals ihre Heimat und auch heute ist in dem Katastrophengebiet noch nicht allzu viel geschehen.

Der BR über die Doku: Drei Jahre nach der sichtbaren Katastrophe bemächtigen sich die wahren Folgen des Desasters der Region und ihrer Menschen. Mehr noch als die kalten Fakten des „Unfalls“ beleuchtet der Film das Trauma, das die Menschen dort erlebt haben und immer noch erleiden. In diesem Film geht es um die emotionalen Folgen eines Unglücks, das mit einer Naturkatastrophe begonnen hat, um sich in die oft unsichtbaren Auswirkungen einer bis heute anhaltenden Nuklearkatastrophe zu steigern.

Hinweise

BR über die Doku (und weiteren Infos zum Themenabend)

Wikipedia über Fukushima


TV-Tipp für den 10. März: Die Konsequenz

März 10, 2014

 

NDR, 23.15

Die Konsequenz (Deutschland 1977, R.: Wolfgang Petersen)

Drehbuch: Alexander Ziegler, Wolfgang Petersen

LV: Alexander Ziegler: Die Konsequenz, 1975

Selten gezeigter Film, der heute einen aufschlussreichen Blick in die Vergangenheit wirft und der damals ein veritabler Skandal war, der den Zuschauern in Bayern vorenthalten wurde, weil der Bayerische Rundfunk sich aus der ARD-Erstausstrahlung am 8. November 1977 ausklinkte. Das hatte der BR damals, als es pro Bundesland nur drei TV-Programme gab, öfter gemacht, um das schöne Bayernland vor Schmuddelkram und falschen Meinungen zu schützen. Wenige Tage nach der TV-Ausstrahlung lief der von Bernd Eichinger produzierte Film im Kino.

Wolfgang Petersen (noch vor „Das Boot“ und seinem Gang nach Hollywood) erzählt die Liebesgeschichte von Martin, der sich im Gefängnis in den sechzehnjährigen Thomas, den Sohn eines Gefängniswärters, verliebt. Als Thomas‘ Eltern davon erfahren, schicken sie ihren Sohn in ein Erziehungsheim. Dort soll ihm das Schwulsein ausgetrieben werden.

Der Film berührt da am unmittelbarsten, wo er am peinlichsten hätte entgleisen können: in der Beziehung Mann-Mann.“ (Klaus Umbach, Der Spiegel)

Die Konsequenz“, ein Aufruf zur Toleranz, war einer der wichtigen Filme für die Selbstfindung der deutschen Homosexuellen in einer repressiven Gesellschaft.

mit Jürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Walo Lüönd, Edith Volkmann, Alexander Ziegler

Hinweise

Filmportal über „Die Konsequenz“

Wikipedia über „Die Konsequenz“

Queerkino über „Die Konsequenz“

Follow me now: Ulrich Behrens über „Die Konsequenz“


TV-Tipp für den 9. März: Der Dritte im Hinterhalt

März 9, 2014

BR, 23.45

Der Dritte im Hinterhalt (USA 1969, R.: Paul Bogart)

Drehbuch: Stirling Silliphant

LV: Raymond Chandler: The little sister, 1949 (Die kleine Schwester)

Im Auftrag einer mysteriösen Blondine soll Marlowe deren Bruder finden.

Ziemlich langweilige Chandler-Verfilmung, aber ein Privatdetektivkrimi mit „Jim Rockford“ kann nicht ganz schlecht sein.

Mit James Garner, Rita Moreno, Jackie Coogan, Bruce Lee (vor allem Stunts)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. März: Killshot – Gnadenlose Jagd

März 8, 2014

RBB, 22.25

Killshot – Gnadenlose Jagd (USA 2008, R.: John Madden)

Drehbuch: Hossein Amini

LV: Elmore Leonard: Killshot, 1989 (Beruf: Killer; Killshot)

Carmen und Wayne Colson beobachten den indianischstämmigen Auftragskiller Armand bei einem Verbrechen. Sie werden in des Zeugenschutzprogramm des FBI gesteckt. Aber Armand sucht sie weiter.

Ein interessanter Torso, der den Ton von Elmore Leonard ziemlich gut trifft und der nach dem Dreh so heftig umgeschnitten wurde, dass unklar ist, ob die Fehler des Films schon in der ersten Fassung vorhanden waren oder erst später hinzu kamen. Jedenfalls würde ich von diesem Film gerne einen Director’s Cut sehen.

mit Mickey Rourke, Diane Lane, Thomas Jane, Joseph Gordon-Levitt, Hal Holbrook, Rosario Dawson

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Saving Mr. Banks“ und Mary Poppins vor Walt Disney

März 7, 2014

Mary Poppins kennen wir alle. Jedenfalls das Musical aus dem Hause Walt Disney. Auch die Songs, wie „A Spoonful of Sugar“, „Chim Chim Cheree“, „Feed the Birds“, „Let’s go fly a Kite“ und natürlich „Supercalifragilisticexpialidocious“. Aber den Roman von P. L. Travers, der die Vorlage für „Mary Poppins“ war, dürften nur wenige kennen. Er und auch die anderen „Mary Poppins“-Bücher sind derzeit auf Deutsch nicht erhältlich. Und den Kampf zwischen P. L. Travers und Walt Disney, bevor sie die Verfilmungsrechte verkaufte, kennen wir nicht. Denn Valerie Lawsons Buch „Out of the Sky she came: The Life of P. L. Travers“ und Ian Collies TV-Dokumentation „The Shadow of Mary Poppins“, die sich auch mit der Entstehung des Films damit beschäftigten, sind neueren Datums und wurden nicht in Deutschland veröffentlicht. Sie dienten, neben dem Disney-Archiv, als Quellen für „Saving Mr. Banks“, einer ziemlich wahren Dramedy, die zeigt, wie vor den Dreharbeiten Welten aufeinander prallten. Auf der einen Seite war Walt Disney, ein erfolgreicher Produzent, der seinen Kindern versprach, „Mary Poppins“ zu verfilmen und in seinen Filmen für Kinder alles in Rosarot zeichnete. Zwanzig Jahre lang fragte er Travers immer wieder, ob er „Mary Poppins“ verfilmen dürfe. Die steife Engländerin lehnte standhaft ab, bis sie Anfang der sechziger Jahre Geld benötigte.

1961 fliegt sie für einige Tage nach Hollywood. Disney will ihr zeigen, dass er ihren Charakter ernsthaft und feinfühlig behandeln wird. Er sichert ihr sogar zu, dass sie beim Drehbuch das letzte Wort habe. Travers hasst alles an Hollywood: die fröhliche Mentalität, das mit Disney-Plüschtieren vollgestopfte Hotelzimmer, die ständige Dutzerei („Walt, you gotta call me Walt, ya know.“) und das Wetter, das sie an ihre Jugend 1906 in Australien erinnert. Vor allem an ihre grenzenlose Bewunderung für ihren Vater, einen begnadeten Geschichtenerzähler, Hallodri und Alkoholiker. Ihr so urbritisches Kindermädchen Mary Poppins, das die Banks-Kinder erziehen soll, ist nämlich die verklärte Version ihrer eigenen Kindheit, die sie vom heißen Australien in ihr geliebtes London verlegte. Und weil sie ihre Erinnerungen nicht von Hollywood verunstaltet lassen will, ist ihr typisch britisches Verhalten, gepaart mit Zickigkeit und Rechthaberei, für den Drehbuchautor Don DaGradi und die beiden Komponisten Richard und Robert Sherman eine Tortur, von der – auf ihren Wunsch – Tonbänder existieren. Denn egal was sie tun, es ist falsch. Es wurden die falschen Schauspieler ausgewählt, die Lieder der Sherman-Brüder lehnte sie rundheraus ab, Animationen passten auch nicht zu ihrer Mary Poppins, der Familienvater Mr. Banks sollte in einem positiven Licht erscheinen und sie verbat sich auch die Farbe Rot. Dazwischen korrigierte sie penibel die Grammatik und das Versmaß und selbstverständlich lehnte sie Neologismen ab. Schon bei „responstable“ meinte sie, das sei kein Wort. Das war noch bevor sie „ Supercalifragilisticexpialidocious“ sah. Mit ihrem asozialen Verhalten verstörte sie Walt Disney und seine Angestellten.

Nur ihr Fahrer, ein immer gut gelaunter Familienvater, scheint mit ihr auszukommen. Jedenfalls lässt er sich von ihren schnippischen Bemerkungen nicht die Laune verderben.

John Lee Hancock erzählt, nach einem vorzüglichem Drehbuch von Kelly Marcel und Sue Smith, in „Saving Mr. Banks“ kurzweilig und humorvoll die Geschichte dieses Kampfes zwischen zwei Egos (grandios gespielt von Tom Hanks und Emma Thompson) um widerstreitende künstlerische Visionen. Denn selbstverständlich sind die Charaktere auch ein Teil ihres Erfinders, aber die Leser und Zuschauer eignen sie sich wiederum anders an. So gibt es in dem Film P. L. Travers, die ihre Erfindung beschützen will, Walt Disney, der sie der ganzen Welt geben will und einen anderen Blick auf Mary Poppins hat als P. L. Travers. Und es gibt, als Stellvertreter für ihre Fans, Travers‘ Fahrer, für den die Erlebnisse von Mary Poppins eine ganze besondere Bedeutung haben, die nichts mit der ursprünglichen Intention von Travers zu tun haben. Dabei nimmt Hancock sich, vor allem gegen Ende des Films einige Freiheiten. So war P. L. Travers nicht besonders begeistert von der Verfilmung, an der sie, dank einer prozentualen Beteiligung, prächtig verdiente. Und die Erinnerungen an ihre Kindheit sind auch eher kitschig geraten.

Davon abgesehen ist „Saving Mr. Banks“ prächtiges Schauspielerkino, bei dem viele Interna aus den Disney-Studios, die ihnen von Insidern verraten wurden, verwandt wurden. Auch die Ausstattung entspricht anscheinend genau der Originalausstattung, weil die mitproduzierende Walt Disney Company, Zugang zu ihren Archiven gewährte und auch dafür sorgte, dass ein echter Walt-Disney-Film entstand.

Außerdem sieht man danach, mit einem breiten Lächeln, „Mary Poppins“ mit anderen Augen.

Saving Mr Banks - Plakat

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Länge: 126 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Eine Pressekonferenz mit einem vollen Podium

Academy Conversations zum Film, ebenfalls gut besucht

DP/30 unterhält sich mit Regisseur John Lee Hancock

DP/30 unterhält sich mit Drehbuchautor Kelly Marcel

Die BBC-Doku „The Secret Life of Mary Poppins“


TV-Tipp für den 7. März: Der fremde Sohn

März 7, 2014

ZDFneo, 20.15

Der fremde Sohn (Changeling, USA 2008)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: J. Michael Straczynski

Los Angeles, 1928: Ein Kind verschwindet. Als die Polizei es unverletzt nach fünf Monaten findet, behauptet die Mutter, dass das nicht ihr Sohn sei. Ist sie, wie die Polizei über die Nervensäge behauptet, verrückt oder versucht die Polizei etwas zu vertuschen?

Nach gut 140 Minuten ist diese Frage beantwortet.

Just another Period-Picture mit Stars, stilechter Ausstattung, Überlänge (oder Blockbuster-Länge) und, natürlich, basierend auf einem wahren Fall. Insgesamt okaye Unterhaltung.

Mit Angelina Jolie, Gattlin Griffith, John Malkovich, Jeffrey Donovan, Amy Ryan, Colm Feore

Wiederholung: Samstag, 8. März, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Drehbuch „Changeling“ von J. Michael Straczynski

Film-Zeit über „Der fremde Sohn“

Moviepilot über „Der fremde Sohn“

Metacritic über „Der fremde Sohn“

Rotten Tomatoes über „Der fremde Sohn“

Wikipedia über „Der fremde Sohn“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Für Doris Dörrie ist „alles inklusive“

März 6, 2014

 

Apple (Nadja Uhl) schickt ihre Mutter Ingrid (Hannelore Elsner) in den spanischen Ort Torremolinos zur Reha. Wobei Reha nicht ganz richtig ist. Denn Ingrids Hotel ist keine mondäne Reha-Klinik, sondern ein All-Inclusive-Hotel, durch das sie sich nach einer Hüft-Operation mit Krücken mehr schlecht als recht bewegt. Den Rest besorgt ihre Laune. Denn, wie schon ihre wallenden Gewänder verraten, ist Ingrid eine Überlebende der Hippie-Ära, die jetzt unter genau den Spießern sitzt, zu denen sie nie gehören wollte. Wie dieser Helmut (Axel Prahl), ein aufdringliches Großmaul, das sich durch das Buffet frisst und mit einer Arschbombe für gute Laune sorgt. Nicht bei ihr. Mit der Transe Tina (Hinnerk Schönemann), die allabendlich dem deutschen Publikum per Playback Schlager serviert, kann sie ebenfalls nichts anfangen. So muss die Vorhölle aussehen.

Dabei war sie schon einmal in Torremolinos: als sie noch jung und schön war, in der deutschen Hippie-Kommune den schönsten Busen hatte, den freien Sex exzessiv praktizierte und ihre Tochter vernachlässigte.

In Doris Dörries neuem Film „alles inklusive“ sind gerade die dokumentarischen Impressionen aus dem All-inclusive-Hotel und die fein aufspielenden Schauspieler, mit einer grandiosen Sexszene zwischen Hannelore Elsner und Axel Prahl (und einer Gitarre als wichtigem Accessoire) äußerst gelungen. Auch die eher impressionistischen Rückblenden in die Vergangenheit, die die Hippie-Kommune als einen alternativen Club Med zeichnen, sind gut. Aber in ihrem episodischen Film verzettelt Dörrie sich schnell zwischen ihren Geschichten und Episoden. Denn sie erzählt auch von Tinas Versuchen, zusammen mit seiner Freundin, mit Betrügereien genug Geld zusammen zu bekommen, um aus Torremolinos zu flüchten. Außerdem ist Tina, also eigentlich Tim, der Sohn von einem ihrer früheren Liebhaber. Tims Vater wohnt, inzwischen ein Rentner, in Torremolinos in einem Seniorenheim – und selbstverständlich begegnen sie sich. Tim, der Ingrid abgrundtief hasst, ist davon natürlich nicht begeistert.

Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es noch die Erlebnisse von Ingrids Tochter Apple in München. Im Gegensatz zu ihrer Mutter hat sie ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis und ist überfürsorglich. Auch gegenüber ihrem Hund Dr. Sigmund Freud, den sie solange verhätschelte, bis er sich überhaupt nicht mehr bewegte. Sie verliebt sich auch sofort in Freuds Tierarzt Dr. Fellborn (Fabian Hinrichs), den sie bis zum gehtnichtmehr zuquasselt. Dieser Plot hat, bis auf das Ende, wenn Apple nach Spanien zu ihrer Mutter fährt, mit dem Hauptplot absolut nichts zu tun und könnte genausogut gestrichen werden. Was auch besser gewesen wäre. Denn Apples Geschichte ist erkennbar für die billigen, schnellen Lacher gedacht, die in eine dieser typischen deutschen Komödien (ich sage nur Schweighöfer) passen.

Im dritten Akt fliegt Apple dann nach Spanien – und alle Konflikte lösen sich länglich auf. Denn bevor sie alle friedlich bis an ihr Lebensende zusammenleben dürfen, werden ihnen noch einige Steinchen in den Weg geräumt.

alles inklusive“ ist ein zu lang geratenes, sich verzettelndes, episodisches Werk über Eltern, Kinder, Beziehungen und Sex.

Alles Inklusive - Plakat

alles inklusive (Deutschland 2013)

Regie: Doris Dörrie

Drehbuch: Doris Dörrie

LV: Doris Dörrie: Alles inklusive, 2011

mit Hannelore Elsner, Nadja Uhl, Hinnerk Schönemann, Axel Prahl, Fabian Hinrichs, Peter Striebeck, Maria Happel, Robert Stadlober

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Alles inklusive“

Moviepilot über „Alles inklusive“

Wikipedia über „Alles inklusive“