R. i. P. Doris Gercke

Juli 28, 2025

Doris Gercke (7. Februar 1937, Greifswald – 25. Juli 2025, Hamburg)

Soeben erreichte mich vom Argument Verlag, ihrem aktuellen Verlag, die traurige Meldung, dass Doris Gercke verstorben ist.

Ihr Krimidebüt „Weinschröter, du musst hängen“, 1988 im Verlag am Galgenberg erschienen, machte sie sofort in der Krimiszene bekannt. Das war nicht der nächste Ermittlerkrimi, sondern ein Spiel mit den Konventionen und einer Kommissarin, die wenig Lust verspürte, die Mörderin zu überführen. Gerckes dünnes Debüt wurde seitdem in zahlreichen Verlagen nachgedruckt. Die von ihr erfundene Ermittlerin Bella Block (zuerst Polizistin, schnell Privatdetektivin) löste bis zu ihrem letzten Auftritt 2012 in „Zwischen Nacht und Tag“ insgesamt siebzehn Fälle. Sie ist „eine der genialsten Erfindungen der deutschen Nachkriegs-Kriminalliteratur“ (Klaus-Peter Walter, Hrsg.: Reclams Krimi-Lexikon, 2002)

Bundesweit bekannt wurde Bella Block durch die erfolgreiche, sich immer weiter von ihrem literarischem Vorbild entfernende ZDF-Krimireihe „Bella Block“. Hannelore Hoger spielte die Kommissarin von 1993 bis 2018 in 38 TV-Filmen.

Doris Gercke entstammt einer Arbeiterfamilie. 1949 flüchtete ihre Familie nach Hamburg. Sie absolvierte eine Ausbildung als Verwaltungsbeamtin, heiratete mit zwanzig Jahren und wurde nach der Geburt ihres zweiten Kindes Hausfrau. 1980 holte sie ihr Abitur nach und studierte erfolgreich Jura. Nach dem Studium schrieb sie „Weinschröter, du musst hängen“. Für den Krimi, in dem Bella Block im Umland von Hamburg einen Doppelmord aufklären soll und dabei einige Dorfgeheimnisse entdeckt, erhielt sie 1991 den Schwedischen Krimipreis. 2000 erhielt sie den Ehren-Glauser.

Neben den Kriminalromanen schrieb sie, teils als Marie-Jo Morell, auch Kinder- und Jugendbücher, Romane und Lyrik.

Sie ist Mitbegründerin des Netzwerk „Herland – Feminstischer Realismus in der Kriminalliteratur“. Sie war Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und sie stand politisch immer eindeutig links.

Kurz vor ihrem Tod plante Gercke mit Else Laudan (Argument Verlag mit Ariadne) die Veröffentlichtung eines Buches mit neuen Prosatexten und Gedichten. Es wird posthum erscheinen.

Hinweise

Herland über Doris Gercke und der Nachruf von Else Laudan

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Doris Gercke

Wikipedia über Doris Gercke


R. i. P. Martin Cruz Smith

Juli 18, 2025

Martin Cruz Smith ( 3. November 1942,Reading, Pennsylvania – 11. Juli 2025 in San Rafael, Kalifornien)

Erst jetzt, via einer Mitteilung seines Verlags Simon & Schuster, macht die Nachricht von seinem Tod die Runde. Martin Cruz Smith, der Erfinder von Arkadi Renko, starb bereits am 11. Juli. Er hatte Parkinson.

Arkadi Renko hatte seinen ersten Auftritt 1981 in dem in Moskau spielendem Thriller „Gorki Park“. Der mit dem CWA Gold Dagger ausgezeichnete Roman war für Smith, der in den siebziger Jahren bereits mehrere Spannungsromane, teils unter Pseudonym (u. a. Simon Quinn und Nick Carter), veröffentlichte, der große, weltweite Durchbruch. In dem Roman 1980 spielendem Thriller muss Chefinspektor Arkadi Renko den Mord an drei im Gorki Park ermordeten Menschen aufklären. Eine Verfilmung und in den folgenden Jahren zehn weitere Renko-Romane folgten. Der letzte, „Hotel Ukraine“, erschien im Original am 8. Juli. In den elf Renko-Thrillern, die unabhängig voneinander gelesen werden können, zeichnet Martin Cruz Smith die Entwicklungen in der Sowjetunion in den vergangenen Jahrzehnten nach.

Parallel dazu schrieb er vier historische Standalone-Thriller, die ebenfalls von der Kritik gelobt und seinen Lesern geliebt wurden.

Hinweise

Wikipedia über Martin Cruz Smith (deutsch, englisch)

Homepage von Martin Cruz Smith

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Gorki Park“ (Gorky Park, 1981)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Die goldene Meile“ (Three Stations, 2010)

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Tatjana“ (Tatjana, 2013)


R. i. P. Frederick Forsyth

Juni 10, 2025

Frederick Forsyth (25. August 1938 in Ashford, Kent, England – 9 Juni 2025 in Jordans, Buckinghamshire, England)

Sein erster Roman, der Thriller „Der Schakal“ (The Day of the Jackal), ist immer noch sein bekanntester Roman und auch der Roman, dessen Geschichte am bekanntesten ist. Frederick Forsyth erzählt in dem 1971 erschienenem Thriller die Geschichte eines geplanten Attentats. Der nur als „Der Schakal“ bekannte Profikiller soll 1963 im Auftrag der von Offizieren gegründeten französischen Terrorgruppe OAS den französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle töten. Der Anschlag geht schief; – das ist heute vielleicht ein Spoiler, aber damals wusste jeder, dass de Gaulle am 9. November 1970 eines natürlichen Todes starb. Forsyth schildert in dem Thriller akribisch die Vorbereitungen des Täters und wie der erst spät im Buch auftretende Kommissar Claude Lebel ihn jagt. 1973 verfilmte Fred Zinneman das Buch mit Edward Fox und Michael Lonsdale in den Hauptrollen. Sein Film war ein Kassenhit. 1997 gab es mit Bruce Willis und Richard Gere ein prominent besetztes, vermurkstes Kino-Update. Und 2024 gab es mit Eddie Redmayne als Schakal eine Streaming-Serie.

Nach dem Erfolg von „Der Schakal“ – der Roman wurde ein internationaler Bestseller, er stand 1972 vom 10. April bis zum 17. September auf dem ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste, war nach meinem Gefühl im Original und in der deutschen Übersetzung nie ‚out of print‘, und er erhielt den Edgar Allan Poe Award und den Schwedischen Krimipreis – gab Forsyth seinen Job als Journalist auf. Fortan schrieb er Thriller, die sich gut verkauften und manchmal verfilmt wurden. Selten sehr gut, oft bestenfalls mittelmäßig und einige Male miserabel.

Zu seinen späteren Werken, die nach dem Konsens der Kritik, nie die überragende Qualität und Wirkung seines Debüts hatten, gehören „Die Akte Odessa“ (The Odessa File, 1972), „Die Hunde des Krieges“ (The Dogs of War, 1974), „Des Teufels Alternative“ (The Devil’s Alternative, 1979), „Das vierte Protokoll“ (The Fourth Protocol, 1984), „Die Faust Gottes“ (The Fist of God, 1994) und, sein letzter Roman, „Der Fuchs“ (The Fox, 2018). Sehr erfolgreich war außerdem seine hochgelobte Kurzgeschichtensammlung „In Irland gibt es keine Schlangen – Zehn Storys“ (No Comebacks, 1982; mein erstes Buch von Forsyth). In ihr ist auch die mit dem Edgar Award ausgezeichnete Kurzgeschichte „There are no Snakes in Ireland“ enthalten. 2015 veröffentlichte er seine Autobiographie „Outsider“ (The Outsider: My Life in Intrigue).

2012 erhielt er von der britischen Crime Writers’ Association (CWA) für sein Lebenswerk den Cartier Diamond Dagger.

Frederick Forsyth starb am 9. Juni 2025 im Alter von 86 Jahren in Jordans, Buckinghamshire, England, nach kurzer Krankheit.

Nachtrag

Lee Child über Frederick Forsyth und „Der Schakal“ (The Guardian, 10. Juni 2025)


Cover der Woche/R. i. P. Ken Bruen

April 8, 2025

R. i. P. Ken Bruen (3. Januar 1951, Galway – 29. März 2025, Galway)

Der „Godfather of the Modern Irish Crime Novel“ (Irish Times) starb am 29. März mit 74 Jahren.

Seine wundervoll knapp und lyrisch geschriebenen schwarzhumorigen Noirs wurden, teils mehrmals, mit dem Shamus Award, dem Macavity Award, dem Barry Award, dem Grand prix de littérature policière und dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet und für zahlreiche weitere Preise, unter anderem zweimal für den Edgar Award, nominiert.

Bruen has a surreal mind and an unusual writing style of short, sharp, often one-word sentences. It shouldn’t work, but it does, delightful.“ (The Times)

Jeder seiner Noirs, die nur teilweise ins Deutsche übersetzt wurden und oft nur noch antiquarisch erhältlich sind, ist lesenswert und ein guter Startpunkt für ein Ken-Bruen-Fantum.

Besonders gute Startpunkte sind sein erster, in Galway spielender Jack-Taylor-Privatdetektivroman „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001), sein erster Brant-Polizeiroman „Saubermann“ (A White Arrest, 1998; alle Brant-Romane sind auf Deutsch im Polar Verlag erhältlich), sein erster, zusammen mit Jason Starr geschriebener Max-Fisher/Angela-Petrakos-Roman „Flop“ (Bust, 2006 – eigentlich eine brüllend komische Noir-Komödie; sie schrieben drei weitere genial durchgeknallte Fisher/Petrakos-Noirs [Bei ihrem Deutschlandbesuch durfte ich sie interviewen.]) und seine Einzelromane, wie „London Boulevard“ (London Boulevard, 2001) und „Once were Cops“ (2008).

Mehrere seiner Bücher wurden verfilmt. „London Boulevard“ 2010 von William Monahan mit Colin Farrell, Keira Knightley und Ray Winstone.

Sein vierter Brant-Roman „Brant“ (Blitz, 2002) 2011 als „Blitz – Cop-Killer vs. Killer-Cop“ von Elliott Lester mit Jason Statham (als Brant), Paddy Considine, Aidan Gillen und David Morrissey.

Und für das Fernsehen wurden mit Iain Glen als Privatdetektiv Jack Tayler neun Jack-Taylor-Romane verfilmt. Die Serie lief auch im deutschen Fernsehen.

Hinweise

Wikipedia über Ken Bruen (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Aliens Bändigung“ (Taming the Alien, 1999)

Meine Besprechung von Ken Bruens „McDead“ (The McDead, 2000)

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Scharfe Munition“ (Ammunition, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Once were Cops“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte

 


R. i. P. Val Kilmer

April 2, 2025

R. i. P. Val Kilmer (31. Dezember 1959 in Los Angeles, Kalifornien – 1. April 2025 in Los Angeles, Kalifornien)

Val Kilmers große Zeit waren die achtziger und neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. In dieser Zeit spielte er die Hauptrolle oder die wichtigste Nebenrolle in Kritiker- und Publikumserfolgen wie „Top Secret!“ (1984), seinem Filmdebüt, „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (Top Gun, 1986), „Willow“ (1988), „Kill me again“ (1989, ein Neo-Noir mit seiner damaligen Frau Joanne Whalley-Kilmer), „The Doors“ (1991), „Halbblut“ (Thunderheart, 1992), „True Romance“ (1993), „Tombstone“ (1993), „Batman Forever“ (1995) und „Heat“ (1995) und, mit Abstrichen, „The Saint – Der Mann ohne Namen“ (The Saint, 1997).

Nach den beiden Mega-Flops „DNA – Die Insel des Dr. Moreau“ (The Island of Dr. Moreau, 1996), dessen Dreh eine inzwischen legendäre Katastrophe war, und „Red Planet“ (2000) versandete seine Karriere, auch weil er am Set als ’schwierig‘ galt, in Nebenrollen und Direct-to-DVD-Filmen.

Bemerkenswerte und wichtige Filme in den vergangenen 25 Jahren, in denen er in mehr oder weniger kleinen Rollen mitspielte, waren „The Missing“ (2003), David Mamets „Spartan“ (2003), „Alexander“ (2004), „Kiss Kiss, Bang Bang“ (2005), „Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit“ (Déjà Vu, 2006), Werner Herzogs „Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen“ (Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans, 2009), Francis Ford Coppolas „Twixt“ (2011) und Terrence Malicks „Song to Song“ (2017). Eigentlich keinen dieser Filme sah man sich wegen ihm an und selbstverständlich sind „Spartan“, „Twixt“ und „Song to Song“ primär wegen des Regisseurs interessant.

Seine letzte Rolle war 2022, stark unterstützt von Hauptdarsteller Tom Cruise, ein kurzer Auftritt als Admiral Tom ‚Iceman‘ Kazansky in „Top Gun: Maverick“.

Arte zeigt am Donnerstag, den 3. April, um 00.17 Uhr die spielfilmlange Doku „Val Kilmer – Ein Leben zwischen ‚Top Gun‘ und ‚The Doors’“ (USA 2021). Sie ist anschließend in der Mediathek verfügbar.

Und vielleicht sehen wir uns auch wieder einen von Val Kilmers großen Filmen an.


R. i. P. Gene Hackman

Februar 28, 2025

R. i. P. Gene Hackman (30. Januar 1930, San Bernardino, Kalifornien/USA – Februar 2024, Santa Fe, New Mexico/USA)

Am Mittwoch, den 26. Februar, wurden die Leichen von Gene Hackman, seiner Frau Betsy Arakawa, mit der seit 1991 in zweiter Ehe verheiratet war, und einem ihrer Hunde in ihrem Haus in Santa Fe gefunden. Das genaue Todesdatum und die genaue Todesursache sind noch unklar.

Seinen letzten Film drehte Hackman 2004. Die eher belanglose Polit-Komödie „Willkommen in Mooseport“ (Welcome to Mooseport) war ein okayer Abschluss einer langen Karriere mit etlichen Klassikern, inszeniert von einigen der besten damals in Hollywood arbeitenden Regisseure und mit einigen der größten Stars. Teils wurden sie erst mit diesen Filmen zu Stars.

Zu den wichtigsten Filmen des Charakterdarstellers Hackman gehören (und das ist jetzt eine kleine, unvollständige Liste mit Filmempfehlungen. Denn auch wenn der Film kein unbedinger Klassiker ist, ist es ein Film mit Gene Hackman)

Bonnie und Clyde (Bonnie & Clyde, 1967 – Klassiker!)

Bullen, wie lange wollt ihr leben (The Split. 1968 – eine Richard-Stark-Verfilmung)

Die den Hals riskieren (The Gypsy Moths, 1969)

Schußfahrt (Downhill Racer, 1969)

Brennpunkt Brooklyn (The French Connection, 1971 – Klassiker! Oscar als bester Hauptdarsteller)

Der Dialog (The Conversation, 1974 – Klassiker! Und immer noch brennend aktuell.)

Frankenstein Junior (Young Frankenstein, 1974)

French Connection II (1975 – nicht jede Fortsetzung ist schlecht)

700 Meilen westwärts (Bite the Bullet, 1975)

Die heiße Spur (Night Moves, 1975 – Klassiker!)

Superman (1978 – naja, ein Superheldenfilm…Hackman spielte noch in zwei weiteren „Superman“-Filmen mit)

Reds (1981)

Under Fire (1983)

Target – Zielscheibe (Target, 1985 – nach „Bonnie und Clyde“ und „Die heiße Spur“ seine letzte Zusammenarbeit mit Arthur Penn)

No Way Out – Es gibt kein Zurück (No Way Out, 1987 – ein immer wieder im TV gezeigter Noir.)

Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses (Mississippi Burning, 1988 – Klassiker!)

Eine andere Frau (Another Woman, 1988 – ein Treffen mit Woody Allen)

Erbarmungslos (Unforgiven, 1992 – Klassiker von Clint Eastwood; Oscar als bester Nebendarsteller)

Die Firma (The Firm, 1993 – nach einem Roman von John Grisham)

Geronimo – Eine Legende (Geronimo: An American Legend, 1993)

Wyatt Earp – Das Leben einer Legende (Wyatt Earp, 1994)

Crimson Tide – In tiefster Gefahr (Crimson Tide, 1995 – mit einigen von Quentin Tarantino geschriebenen Szenen)

Schnappt Shorty (Get Shorty, 1995 – Klassiker! Und eine gelungene, immer wieder gern gesehene Elmore-Leonard-Verfilmung)

The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel (The Birdcage, 1996 – erfolgreiches Remake einer erfolgreichen französischen Komödie, mit Robin Williams)

Absolute Power (1997 – eine weitere Zusammenarbeit mit Clint Eastwood)

Der Staatsfeind Nr. 1 (Enemy of the State, 1998 – damals zutreffend als Update von „Der Dialog“ gesehen)

Die Royal Tenenbaums (The Royal Tenenbaums, 2001 – Regie: Wes Anderson. Muss ich noch mehr sagen?)

Heist – Der letzte Coup (Heist, 2001 – vielleicht noch kein Klassiker, aber ein David-Mamet-Film)

Das Urteil (Runaway Jury, 2003 – noch eine John-Grisham-Verfilmung und der erste gemeinsame Film von Gene Hackman und Dustin Hoffman, die seit ihrem Schauspielstudium miteinander befreundet waren)

undsoweiter


„William“, KI-Roboter mit mörderischen Absichten

Januar 29, 2025

Künstliche Intelligenz. Bis vor kurzem war das noch ein Thema für Science-Fiction-Geschichten, aber seitdem ChatGPT am 30. November 2022 veröffentlicht wurde, ist es ein Mainstream-Thema, das, wie Marc-Uwe Kling in seinem Kriminalroman „Views“ zeigt, altbekannten Geschichten einen ganz neuen und, in diesem Fall, äußerst beunruhigenden Dreh geben kann. Bei Mason Coile ist es in seinem Roman „William“ über weite Strecken eine aus der Zeit gefallene Wiederholung altbekannter Topoi.

Henry und Lily leben gemeinsam in einem großen viktorianischem Haus. Seitdem sie ihre Firma verkaufte, haben sie keine Geldsorgen mehr. Sie finanziert auch Henrys Hobbyprojekt. Ihr Mann Henry ist ein begabter Ingenieur. Er hat panische Angst, das Haus zu verlassen. Im Umgang mit anderen Menschen, wozu auch Lily gehört, empfindet er sich als schwierig. Er ist halt etwas nerdig. Sein neuestes Projekt ist William, ein selbst lernender autonomer Roboter.

Als sie von Lilys Freunden besucht werden, beschließt Henry spontan, ihnen William zu zeigen. Die erste Begegnung mit William läuft aus dem Ruder. Lily und ihre Freunde Davis und Paige verlassen panisch das Haus. Kurz darauf kehren sie um, um auch Henry aus dem Haus zu holen. Als sie wieder drin sind, verschließt Willliam alle Ausgänge. Ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Ab diesem Moment passieren in dem kurzen Roman Dinge, Menschen rennen Treppen rauf und runter, betreten und verlassen, manchmal, Zimmer – und der Leser langweilt sich. Daran ändert auch die Schlußpointe nichts.

Henry, Lily, Davis und Paige sind kaum mehr als austauschbare Namen ohne besondere Eigenschaften. Spielfiguren eben. Über William, den Bösewicht der Geschichte, erfahren wir ebenfalls nichts. Er tut, was er tut, weil der Autor es sich so ausgedacht hat.

Es wird sich nicht weiter um im Rahmen der Geschichte offensichtliche Fragen, Problemen und Gefahren der Anwendung von KI-Programmen gekümmert. Es wird auch nicht weiter auf die Frage eingegangen, was ein Mensch und was eine Machine ist. Also ob eine selbst lernende, sich wie ein Mensch verhaltende KI ein eigenständiges Wesen ist. Das thematisiert beispielsweise Alex Garland in seinem Spielfilm „Ex Machina“ ( USA/Großbritannien 2014).

Bei Coile ist der Roboter einfach nur ein mordgieriger Roboter, der sich plötzlich entschließt, die Kontrolle über die Hauselektronik zu übernehmen. Das erstaunt die eingeschlossenen Menschen, weil William ja nur ein autonomer Roboter ohne Beine und ohne eine Schnittstelle zu einem anderen Computer, geschweige denn zum Internet, ist. Diese Konstruktion des Roboters verleiht der in der Gegenwart oder nahen Zukunft spielenden Horrorgeschichte eine seltsam aus der Zeit gefallene Aura. Vor hundert Jahren wäre ein Roboter wie William eine furchterregende Vorstellung und Warnung vor dem Machbarkeitswahn seines Erschaffers gewesen. Heute ist so ein William ein Kinderspielzeug mit Fehlprogrammierung.

Coile erzählt die primär aus Henrys Perspektive erzählte Geschichte im Präsens und wieder einmal zeigt sich, wie schwierig es ist, in dieser Zeitform gut und flüssig zu erzählen.

Willliam“ ist der erste Roman von Mason Coile und der letzte, der zu seinen Lebzeiten erschien. Im September 2025 soll in Nordamerika „Exiles“, sein zweiter und letzter Coile-Roman erscheinen.

Mason Coile ist ein Pseudonym des kanadischen Thrillerautors Andrew Pyper. Er wählte es, um Bücher zu veröffentlichen, die sich von seinen normalen Kriminalromanen unterscheiden. Sie sollen kürzer und schwarzhumoriger sein und mehr in Richtung Horror, mit einer Prise Science-Fiction, tendieren. Unter seinem Namen veröffentlichte er elf Romane, die teilweise auch ins Deutsche übersetzt wurden, u. a. „Die Stunde des Sandmanns“.

Pyper erhielt den Arthur Ellis Award for Best First Novel und den ITW Award for Best Hardcover Novel und war für den Shirley Jackson Award for Best Novel, den Shamus Award for Best First PI Novel und den John Creasey (New Blood) Dagger nominiert.

Pyper starb am 3. Januar 2025 in seinem Haus in Toronto an Komplikationen von einem Gallengangskarzinom, einer seltenen Krebsform. Er wurde 56 Jahre alt.

Mason Coile: William

(übersetzt von Thomas Salter)

Heyne, 2024

304 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

William

Putnam, 2024

Hinweise

Homepage von Andrew Pyper

Wikipedia über Andrew Pyper


Cover der Woche – R. i. P. David Lynch

Januar 21, 2025

R. i. P. David Lynch (20. Januar 1946, Missoula, Montana – 15. Januar 2025, Los Angeles, Kalifornien)

Zehn Spielfilme, die meisten unumstrittene Klassiker („Eraserhead“, „Der Elefantenmensch“, „Der Wüstenplanet“, „Blue Velvet“, „Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula“, „Twin Peaks – Der Film“. „Lost Highway“, „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“, „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ und „Inland Empire“), die bahnbrechende TV-Serie „Twin Peaks“, viele kürzere Arbeiten (unter anderem lange Zeit ein täglicher Wetterbericht), einige Auftritte als Schauspieler, zuletzt als John Ford in Steven Spielbergs „The Fabelmans“, weitere künstlerische Tätigkeiten und eine sehr eigene Weltsicht, für die es auch ein Wort gibt.

Hinweise

Wikipedia über David Lynch (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert

Meine Besprechung von David Lynchs „Twin Peaks – Fire walk with me“ (Twin Peaks: Fire walk with me, USA 1992)

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)

Meine Besprechung von David Lynchs „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)

 


R. i. P. Carla Bley

Oktober 18, 2023

R. i. P. Carla Bley (11. Mai 1936, Oakland, Kalifornien – 17. Oktober 2023, Willow, New York)

Die US-amerikanische Pianistin wurde vor allem als Leiterin verschiedener größerer Ensembles bekannt. Dabei spielte sie auch in kleineren Besetzungen wundervolle Aufnahmen ein. Musikalisch bewegte sie sich, kompositorisch und spielerisch auf höchstem Niveau, zwischen Free Jazz, Avantgarde, Kammermusik und Humor. Ihr immer noch bekanntestes Werk ist die ursprünglich auf 3 LPs veröffentlichte Oper „Escalator over the Hill“ (1971).

Ein wunderschönes Gespräch mit ihr und ihrem Lebenspartner Steve Swallow

und einige ihrer Auftritte

https://www.youtube.com/watch?v=AQUHXCEflK0

Hinweise

All about Jazz über Carla Bley

AllMusic über Carla Bley

Wikipedia über Carla Bley (deutsch, englisch)


R. i. P. Hermann-Josef Emons

August 22, 2023

Vor einigen Stunden erreichte mich die traurige Nachricht, dass Hejo Emons tot ist. Er gründete den nach ihm benannten Emons Verlag. Seine Bedeutung für den „Regiokrimi“ kann nicht überschätzt werden. Friedrich Ani und Frank Schätzing veröffentlichten ihre ersten Kriminalromane bei Emons.

Der Emons Verlag schreibt zum Tod seines Verlegers Hermann-Josef Emons:

Mit großer Trauer und Fassungslosigkeit gibt der Kölner Emons Verlag den Tod seines Verlegers Hermann-Josef (»Hejo«) Emons bekannt. Geboren 1950 in Köln, verstarb er am 20. August in seiner Heimatstadt, zwei Tage nach seinem 73. Geburtstag.

1984 gründete er in Köln den Emons Verlag, verlegte noch im selben Jahr den ersten Köln Krimi und gilt seither als einer der Wegbereiter des Kriminalromans in Deutschland und als Erfinder des Regionalkrimis. Seine Liebe zur Kriminalliteratur hielt ihn nicht davon ab, auch jenseits des Genres immer nach innovativen verlegerischen Ideen zu suchen. Mit der Buchreihe »111 Orte, die man gesehen haben muss« gelang ihm 2008 eine Neuerfindung des Reiseführers. Darüber hinaus hat sich der Verlag mit exzellenten Bildbänden einen Namen gemacht.

2007 gründete der bekennende Italien-Fan mit Partnern in Rom den Verlag »Emons Italia«. Zudem war er Teilhaber der Produktionsgesellschaft »Wüste Film West«. 2012 rief er mit Kollegen das Kölner Krimifestival »Crime Cologne« ins Leben.

2014 wurde Hejo Emons für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur mit dem Ehrenglauser-Preis der Autorenvereinigung Syndikat ausgezeichnet. 2019 übernahm er den Dortmunder Grafit Verlag, dessen Krimiprogramm unter dem Dach von Emons weitergeführt wird. 2022 erhielt Emons den Deutschen Verlagspreis.

Fast 40 Jahre leitete Hejo Emons mitbemerkenswerter Weitsicht, verlegerischem Instinkt und großem Erfolg den Verlag, der zu den 100 größten Verlagen in Deutschland gehört. Die Zukunft hatte er frühzeitig geregelt: Seine Tochter Franziska Emons-Hausen wird den Verlag in seinem Sinne fortführen.

Hinweise

Homepage des Emons Verlag

Wikipedia über den Emons Verlag

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Hejo Emons über die von ihm herausgegebene „Tatort“-Filmroman-Reihe

 


R. i. P. Peter Brötzmann

Juni 26, 2023

R. i. P. Peter Brötzmann (6. März 1941 in Remscheid – 22. Juni 2023 in Wuppertal)

Wenige Tage vor seinem Tod unterhielt Peter Brötzmann sich mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ und dem Magazin „JazzThing“. Dort ist er mit den Worten „Der letzte Romantiker“ der Coverboy. In den Interviews geht es um sein Leben, sein Spiel und seine neue CD „Catching Ghosts“ (ACT), einem Mitschnitt von seinem Konzert beim letztjährigen JazzFest Berlin. Mit dem Guembri-Spieler Majid Bekkas und dem Schlagzeuger Hamid Drake improvisierte der Saxophonist gewohnt hörenswert.

Brötzmann gehört zu den Begründern des deutschen Free Jazz. „For Adolphe Sax“ war 1967 seine Debüt-LP. Eine Trio-Aufnahme. Legendär ist seine zweite LP „Machine Gun“. Eingespielt mit, aus heutiger Sicht, einem All-Star-Ensemble des europäichen Free Jazz. Neben ihm spielen Pianist Fred van Hove, die Saxophonisten Willem Breuker und Evan Parker, die Bassisten Peter Kowald und Buschi Niebergall und die Schlagzeuger Han Bennink und Sven-Åke Johansson. Die Platte ist hochenergetischer Free Jazz. Gespielt wird eine Musik, die damals alles, was man unter ‚Musik‘ verstand, in Frage stellte, alles zertrümmerte, um sich danach an den Wiederaufbau zu machen. Es war Punk, bevor es Punk gab. Auch heute hat die Aufnahme eine immer noch verstörende und aufputschende Energie. 1985 schrieb Steve Lake in den Liner Notes zu einer Wiederveröffentlichung: „It is both an inspiring and a punishing experience for the listener. Also a useful self flagellant on hangover mornings, when you need to confront your own lethargy and lack of discipline. Impossible to play ‚Machine Gun‘ and remain indifferent to life.“ Sehr, sehr empfehlenswert.

Ebenfalls empfehlenswert und legendär sind seine späteren, etwas langlebigeren Ensembles/Projekte „Last Exit“, „Die like a Dog“ (mit der Musik von Albert Ayler) und „Ruf der Heimat“.

Davor, danach und dazwischen spielte er immer wieder, teils im Duo, teils in größeren Besetzungen, oft über viele Jahre, mit einem festen Stamm gleichgesinnter Free Jazzer. Auf den Plattencovern stehen dann einfach die Namen der Musiker nebeneinander.

Und er gehörte zum Ensemble von Alexander von Schlippenbachs legendärem Free-Jazz-Orchester „Globe Unity Orchestra“.

Fortan brötzt er bei den Engeln. Uns bleiben seine Platten, CDs und Aufnahmen seiner Auftritte.

 

Weitereführende Hinweise

Homepage von Peter Brötzmann

AllMusic über Peter Brötzmann

Wikipedia über Peter Brötzmann (deutsch, englisch)

Nachrufe gibt es, unter anderem, im Spiegel, der taz, der FAZ, NZZ und Jazzthing.

Damals, 1967, im WDR: der Doldinger spielt, der Brötzmann spielt, die Experten reden


R. i. P. Wayne Shorter

März 2, 2023

R. i. P. Wayne Shorter (25. August 1933, Newark, New Jersey – 2. März 2023, Los Angeles, Kalifornien)

Einer der großen Jazzmusiker ist mit 89 Jahren gestorben.

Der Saxophonist spielte von 1964 bis 1970 im Miles Davis Quintett (und war bei „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“ dabei). Er gehörte davor zu Art Blakey & The Jazz Messengers,  danach zu „Weather Report“ und Herbie Hancocks VSOP. Er spielte auf mehreren Platten von Joni Mitchell (unter anderem „Mingus“) und veröffentlichte etliche grandiose Platten unter seinem Namen.

Seine Musik bleibt.

https://www.youtube.com/watch?v=3LAUnxxu-bs

Hinweise

AllMusic über Wayne Shorter

Wikipedia über Wayne Shorter (deutsch, englisch)


R. i. P. Pharoah Sanders

September 25, 2022

R. i. P. Pharoah Sanders (geb. 13. Oktober 1940 in Little Rock, Arkansas, gest. 24. September 2022 in Los Angeles, Kalifornien)

Der Saxophonist war einer der großen Musiker des Free Jazz. Sein bekanntestes Stück ist „The Creator has a master plan“, gut 33 Minuten spirituelle Erleuchtung (auf der 1969 erschienenen Impulse!-LP „Karma“). Als Mitspieler kann er außerdem auf LPs von Sun Ra, Ornette Coleman, Alice Coltrane und John Coltrane gehört werden.


R. i. P. Jean-Paul Belmondo

September 7, 2021

Jean-Paul Belmondo (9. April 1933, Neuilly-sur-Seine – 6. September 2021, Paris)

Bebel, wie er genannt wurde, ist tot.

Über seine Biographie und damit auch über sein Leben schrieb ich:

Wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag am 9. April erschien bei Heyne die deutsche Übersetzung von ‚Bebel‘ Jean-Paul Belmondos Autobiographie „Meine tausend Leben“.

Auf etwas über dreihundert Seiten lässt der 1933 in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geborene Schauspieler sein Leben Revue passieren. Vor seinem Durchbruch 1960 als Hauptdarsteller in Jean-Luc Godards Klassiker „Außer Atem“ (darüber erzählt Belmondo ab Seite 155) arbeitete er vor allem am Theater. Danach, in den Sechzigern spielte er in etlichen künstlerisch wertvollen Filmen und Klassikern, wie „Eva und der Priester“, „Der Teufel mit der weißen Weste“, „Elf Uhr nachts“, „Der Dieb von Paris“ und „Das Geheimnis der falschen Braut“ mit.

In den Siebzigern (so ab Seite 262) verlegte er sich dann, aus finanzieller Sicht, sehr erfolgreich auf Actionfilme, wie „Angst über der Stadt“ und Komödien, wie „Ein irrer Typ“, in denen er seine Stunts selbst ausführte. Die Kritiker waren von seinen Filmen nicht mehr so wahnsinnig begeistert und Belmondo kümmerte sich nicht mehr um die Kritiker, weil er Filme für die breite Masse machte. In den Achtzigern wurden die Filme, wie „Das As der Asse“ und „Der Profi 2“, platter. Er wurde auch langsam zu alt, um die Stunts noch selbst auszuführen. Über seine Filmkarriere erzählt er in dem auch schon aus älteren Interviews bekanntem Duktus, dass der kommerzielle Erfolg eines Filmes auch ein Qualitätsmerkmal sei. Eine Reflexion darüber erfolgt nicht. Er nimmt auch keine Neubewertung seines damaligen Schaffens vor oder beschäftigt sich intellektuell mit seinem Werk, für das er auch als Produzent verantwortlich war und das vor allem und oft nur das Publikum unterhalten wollte. Es gibt ab und an kleine Anekdoten von den Dreharbeiten, die ihm immer dann besonders gut gefielen, wenn er mit Freunden zusammenarbeiten konnte und ‚viele sportliche Szenen absolvieren‘ konnte. Über sein Privatleben, seine beiden Ehefrauen, seine Partnerinnen, seine Kinder und seinen Schlaganfall 2001, erfährt man dagegen fast nichts.

Ende der Achtziger zog er sich fast vollständig aus dem Filmgeschäft zurück. Die wenigen Filme, in denen er seitdem mitspielte, kamen auch nicht mehr in unsere Kinos. Ab 1987 trat er dann wieder öfter im Theater auf.

Jean-Paul Belmondo: Meine tausend Leben – Die Autobiographie

(unter Mitarbeit von Paul Belmondo und Sophie Blandinières)

(übersetzt von Pauline Kurbasik und Dr. Bettina Seifried)

Heyne, 2018

320 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Mille Vies Valent Mieux Qu’une

Librairie Arthème Fayard, Paris, 2016


R. i. P. John le Carré

Dezember 14, 2020

R. i. P. John le Carré (19. Oktober 1931 als David John Moore Cornwell in Poole, Grafschaft Dorset – 12. Dezember 2020 in Truro, Cornwall)

Am Sonntag wurde bekannt, dass John le Carré am Samstag in Cornwall, nach einem kurzen Kampf gegen die Krankheit, an einer Lungenentzündung starb. In der Pressemitteilung betont seine Familie, dass le Carrés Tod nichts mit Covid-19 zu tun habe.

Nach seinem Studium arbeitete Le Carré von 1958 bis 1964 für den Geheimdienst. Zunächst für den MI5 und ab 1960 für den MI6, den Auslandsgeheimdienst. Der Erfolg von seinem dritten Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (The Spy Who Came In From The Cold, 1963) führte zu einem Berufswechsel. Bis zu seinem Tod schrieb er, bis auf wenige Ausnahmen, Spionageromane und Politthriller, die weltweit gelesen und abgefeiert wurden. Unbestritten ist er einer der großen Autoren von Spionageromanen – und Brexit-Gegner.

Das zeigen auch die zahlreichen Ehrungen. Le Carré ist Grand Master der Mystery Writers of America. Er erhielt den CWA Diamond Dagger und die Goethe-Meaille für sein Lebenswerk. In den vergangenen Jahrzehnten wurden seine Romane immer wieder ausgezeichnet. Und die meisten Verfilmungen sind, was nicht selbstverständlich ist, gelungen.

Die nächsten Tage wird es zahlreiche längere Nachrufe geben.

Hinweise

Homepage von John le Carré

Wikipedia über John le Carré (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John le Carrés „Schatten von gestern“ (Call for the Dead, 1961)

Meine Besprechung von John le Carrés „Ein Mord erster Klasse“ (A Murder of Quality, 1962)

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten“ (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung von John le Carrés “Empfindliche Wahrheit” (A delicate truth, 2013)

Meine Besprechung von John le Carrés „Das Vermächtnis der Spione“ (A Legacy of Spies, 2017)

Meine Besprechung von John le Carrés „Federball“ (Agent running in the Field, 2019)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “Bube, Dame, König, Spion” (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung “A most wanted man” (A most wanted man, Deutschland/Großbritannien 2014) und der DVD

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, Großbritannien 2016)

Meine Besprechung der ersten beiden Episoden von Susanne Biers „The Night Manager“ (The Night Manager, Großbritannien/USA 2016) und der gesamten Miniserie

John le Carré in der Kriminalakte


R. i. P. Sean Connery

Oktober 31, 2020

R. i. P. Sir Thomas Sean Connery (25. August 1930 in Fountainbridge bei Edinburgh, Schottland – 31. Oktober 2020 auf den Bahamas)

James Bond ist tot. Das war jedenfalls die Rolle, mit der Sean Connery zum Weltstar wurde. Schon während seiner Zeit als James Bond spielte er auch andere Rollen, beispielsweise in Alfred Hitchcocks „Marnie“ oder Sidney Lumets „Ein Haufen toller Hunde“. Danach wurde er, dank seiner klugen Rollenwahl, zunehmend auch als Schauspieler akzeptiert. Zu seinen wichtigsten Filmen gehören, neben den Bond-Filmen „007 jagt Dr. No“, „Liebesgrüße aus Moskau“, „Goldfinger“, „Feuerball“, „Man lebt nur zweimal“, „Diamantenfieber“ und „Sag niemals nie“, „Der Anderson-Clan“, „Zardoz“, „Mord im Orient-Express“, „Der Wind und der Löwe“, „Der Mann, der König sein wollte“, „Robin und Marian“, „Der erste große Eisenbahnraub“, „Outland – Planet der Verdammten“, „Highlander – Es kann nur einen geben“ (und dann gab es doch einen zweiten Film), „Der Name der Rose“, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“, „Das Russland-Haus“ und „Forrester – Gefunden“. Um nur einige Filme zu nennen und dabei die Regisseure und Co-Stars ignorierend. 2003, nach den desaströsen Dreharbeiten für „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, zog er sich vom Filmgeschäft zurück und genoss seinen Ruhestand.

Ausfürhliche Nachrufe wird es überall im Netz geben.

Hinweise

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Homepage von Sean Connery

Sean Connery in der Kriminalakte

Mein Text zu einem früheren Geburtstag von Sean Connery (2010)


R. i. P. Horst Bieber

Juni 5, 2020

Horst Bieber (12. Januar 1942 in Essen – 27. Mai 2020 in Hamburg)

Durch den Nachruf in der aktuellen Druckausgabe der „Zeit“ (im Wirtschaftsteil; inzwischen auch online) habe ich erfahren, dass Hort Bieber bereits am 27. Mai gestorben ist.

Horst Bieber war lange Jahre, von 1970 bis 1997 „Zeit“-Redakteur in allen Ressorts, ungefähr zur gleichen Zeit und immer sehr kompetent. Jedenfalls schwärmen noch heute Journalisten, die ihn kannten, über das enzyklopädische Wissen des ‚Chefs vom Dienst‘. Diese Position hatte er von 1990 bis 1997.

Ab 1982 mit „Sackgasse“ bei rororo veröffentlichte er auch Kriminalromane, schrieb mehrere Hörspiele und auch das Drehbuch für einen „Tatort“. „Tod eines Mädchens“ wurde von Jürgen Roland mit den Kommissaren Stoever (Manfred Krug) und Brockmöller (Charles Brauer) verfilmt. 1987 erhielt er für „Sein letzter Fehler“ den Deutschen Krimipreis. Und er war einer der Gründer der „Vereinigung der deutschsprachigen Krimiautoren“ (aka „Das Syndikat“).

Auch wenn er heute kaum noch bekannt ist, gehört er zu den Großen der deutschen Kriminalliteratur. Bei ihm stimmten Recherche, Plot und Sprache. Außerdem gelang es ihm, populäre Genretopoi und Figuren, wie den Privatdetektiv, nach Deutschland zu importieren und mit der bundesdeutschen Wirklichkeit zu verbinden. Dabei legte er sich nie auf ein Subgenre fest. Das hätte seine Fantasie dann doch zu sehr beschränkt.

Neben dem Nachruf in der Zeit gibt es einen beim Syndikat und im Krimiblog.

Mehr über ihn im Lexikon der deutschen Krimi-Autoren und bei Wikipedia.


R. i. P. Burkhard Driest

Februar 28, 2020

Burkhard Driest (28. April 1939 in Stettin – 27. Februar 2020 in Berlin)

Bekannt wurde Burkhard Driest 1974 mit seinem Debütroman „Die Verrohung des Franz Blum“, in dem er aus eigener Erfahrung über das Leben im bundesdeutschen Gefängnis schrieb. Kurz vor seinem mündlichen Jura-Examen überfiel er eine Bank. Für diesen Banküberfall wurde er am 1. Juli 1966 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. 1968 wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen und schlug sich danach mit Gelegenheitsjobs durch.

Das autobiographische Buch wurde im gleichen Jahr von Reinhard Hauff verfilmt. Driest schrieb das Drehbuch und übernahm im Film eine wichtige Rolle. Das war der Beginn seiner Karriere als Autor, Schauspieler und Regisseur. Mit Hauff arbeitete er in den folgenden Jahren öfter zusammen. Unter anderem in dem autobiographischen Gangsterdrama „Endstation Freiheit“ (1980), für das Driest das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle übernahm.

Zu seinen weiteren Drehbüchern gehören „Paule Pauländer“ (1976), „Querelle“ (1982), „Annas Mutter“ (1984, auch Regie), „Sanfte Morde“ (1997) und „Schande“ (1999).

Zu seinen Romanen gehören „Mann ohne Schatten“ (1981), „Sanfte Morde“ (1997) und die auch verfilmten, auf Ibiza spielenden Kommissar-Toni-Costa-Krimis, „Der rote Regen“ (2003), „Liebestod“ (2005), „Brennende Schuld“ (2006), „Sommernachtsmord“ (2008) und „Küchenkunst“ (2010). In seinem letzten Buch „Die Maikäfer und der Krieg“ (2011) schrieb er über seine Kindheit.

Driest starb in Berlin nach langer Krankheit.

Hinweise

Homepage von Burkhard Driest

Wikipedia über Burkhard Driest


R. i. P. Larry Cohen

März 25, 2019

R. i. P. Larry Cohen (15. Juli 1941, Manhattan, New York – 23. März 2019, Los Angeles, Kalifornien)

Der 1941 geborene Larry Cohen war spätestens seit den frühen siebziger Jahren als Drehbuchautor und Regisseur eine feste Größe im Genrekino. Vor allem von Thrillern, Kriminal- und Horrorfilmen. In seinen B-Pictures benutzte er das geringe Budget für teils ätzende Gesellschaftskritik und er spielte mit kollektiven Ängsten, ohne jemals im Verdacht zu stehen, Kino für das elitäre Bildungsbürgertum zu machen. Er machte keine Arthouse-Fime, sondern Genrefilme. Es sind Filme von einem Genreliebhaber für Genreliebhaber und immer intelligent genug für einige weitergehende Gedanken. Auch wenn nicht jeder Film gelungen ist.

Zu seinen Werken zählen, als Regisseur, „Black Caesar“ (die afroamerikanische Version des Gangsterfilms „Little Caesar“), „Hell up in Harlem“ und „It’s alive“ (ein Horrorfilm mit mehreren Fortsetzungen), und, nur als Drehbuchautor, „I, the Jury“ („Ich, der Richter“, eine Mike-Hammer-Verfilmung), „Maniac Cop“ (und die Fortsetzungen), „Guilty as Sin“ („Jenseits der Unschuld“, verfilmt von Sidney Lumet), „Phone Booth“ (Nicht auflegen!“, ein Mann in einer Telefonzelle) und „Cellular“ („Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben“).

Am Samstag starb der 77-jährige in Los Angeles im Kreis seiner Freunde.

Nachrufe gibt es im The Hollywood Reporter, Variety, IndieWire, Slashfilm, Rolling Stone (US), A. V. Club, Roger Ebert, Filmstarts und Spiegel.

Mehr

Homepage von Larry Cohen

Wikipedia über Larry Cohen (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Larry Cohens „Ambulance“ (The Ambulance, USA 1989)


R. i. P. Brian Garfield

Januar 5, 2019

R. i. P. Brian Garfield (26. Januar 1939, New York City, New York – 29. Dezember 2018, Pasadena, Kalifornien)

Brian Garfield ist vor allem für seinen Roman „Ein Mann sieht rot“ (Death Wish, 1972) bekannt. Der Thriller wurde einmal mit Charles Bronson (die sehr erfolgreiche, einflussreiche, umstrittene und auch ‚gute‘ Verfilmung von 1974), einmal mit Bruce Willis (die grottige Verfilmung von 2018) als Vigilant verfilmt.

Garfield schrieb, teils unter verschiedenen Pseudonymen, hauptsächlich zwischen 1960 und 1990, zahlreiche weitere Western und Thriller. Für „Hopscotch“ erhielt er den Edgar. In die Verfilmung „Agenten-Poker“ war er als Produzent und Drehbuchautor involviert. Dabei wurde aus dem Thriller eine Komödie mit Walther Matthau in der Hauptrolle. Die weiteren Verfilmungen seiner Romane sind unbekannter.

Weil er mit der Perzeption und der Aussage des Films „Ein Mann sieht rot“, dass gegen Gewalt nur Gewalt hilft und dass normale Bürger Selbstjustiz üben sollen, nicht einverstanden war, schrieb er zu „Death Wish“ die Fortsetzung „Death Sentence“. In dem Thriller schildert er die Folgen von Selbstjustiz für den Täter und sein Umfeld. James Wans gleichnamige Verfilmung zeigt das ebenfalls. In mehreren Romane erzählt er, wie die Protagonisten sich mit nicht gewalttätigen Mitteln gegen Gewalt wehren.

Nachrufe erschienen in Mysterious Press, The Rap Sheet, The Hollywood Reporter, Variety und der Washington Post.

In deutschen Medien habe ich keinen Nachruf gefunden.

Hier ein sehr schönes, im August 2013 geführtes Gespräch mit ihm (nur Ton):