Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“
Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.
In Deutschland wurde “Berüchtigt”in den Fünfzigern als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler. Später wurde die Synchronisation geändert.
Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern
Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)
LV: Robert Hichens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)
Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradin verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise für ihre Schuld sind eindeutig.
„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.
P. S.: In der deutschen Fassung wurde aus ‚Paradine‘ ‚Paradin‘.
Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll
Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“
Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.
In Deutschland wurde “Berüchtigt”in den Fünfzigern als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler. Später wurde die Synchronisation geändert.
Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern
Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)
LV: Robert Hichens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)
Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradin verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise für ihre Schuld sind eindeutig.
„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.
P. S.: In der deutschen Fassung wurde aus ‚Paradine‘ ‚Paradin‘.
Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll
LV: Ernest Haycox: Stage to Lordsburg, 1937 (Postkutsche nach Lordsburg, Erzählung)
1880: Einige Menschen, unter anderem eine Schwangere, eine Prostituierte, ein betrügerischer Banker, ein Spieler, ein Säufer, ein ängstlicher Whiskyvertreter und der Sheriff müssen die durch das Apachengebiet fahrende Postkutsche nach Lordsburg nehmen. Unterwegs nehmen sie als weiteren Passagier den aus dem Knast geflüchteten John Ringo (John Wayne) auf. Dieser will in Lordsburg eine Rechnung mit den Plummer-Brüdern begleichen.
Weil die Apachen auf dem Kriegspfad sind und die Reisenden untereinander zerstritten sind, ist ungewiss, ob sie überhaupt ihr Ziel erreichen.
„Stagecoach“ ist ein zeitloser Western-Klassiker, der damals John Wayne zum Star machte, den Western nach einer jahrelangen Dürrezeit rundum erneuerte und zahllose Western beeinflusste.
Auch heute (ich konnte ihn vor einigen Jahren in einem Studentenkino sehen) wirkt er immer noch frisch: wenn John Wayne das erste Mal auftaucht, die Konflikte in der Reisegruppe, der Kampf gegen die Indianer am Ende des Films, die präzise komponierten Bilder und das pointierte Drehbuch mit so gemeinen Sätzen: „Was für die Banken gut ist, ist auch für die Nation gut!“
mit John Wayne, Claire Trevor, John Carradine, Thomas Mitchell, Andy Devine, Donald Meek, George Bancroft
auch bekannt als „Höllenfahrt nach Santa Fe“ (Yep, hat mit dem Film nichts zu tun.)
Sehr Noir: Zwei Filme mit Rita Hayworth, die Männer ganz…
Arte, 20.15
Gilda (Gilda, USA 1946)
Regie: Charles Vidor
Drehbuch: Marion Parsonnet, Jo Eisinger (Adaption), Ben Hecht (ungenannt) (nach einer Geschichte von E. A. Ellington)
In Buenos Aires trifft der glücklose Spieler Farrell auf seine frühere Geliebte Gilda und das Unheil nimmt seinen Lauf.
„Gilda“ zählt inzwischen zu den Noir-Klassikern. Nicht wegen der mittelprächtigen Story, sondern wegen Rita Hayworth. Sie zieht ihre Handschuhe aus und wir wissen, was wahre, auch heute noch knisternde, Erotik ist.
Die Lady von Shanghai (The Lady from Shanghai, USA 1948)
Regie: Orson Welles
Drehbuch: Orson Welles
LV: Sherwood King: If I die before I wake, 1938
Michael O’Hara heuert als Matrose und Mädchen für alles auf der Jacht der Bannisters an. Schnell erliebt er sich in Elsa Bannister und wird von ihr in ein Mordkomplott hineingezogen.
Heute zählt „Die Lady von Shanghai“ zu den zeitlosen und unumstrittenen Noir-Klassikern. Die grandiose, immer wieder zitierte Schlusssequenz im Spiegelkabinett gehört zu den Glanzstücken der Filmgeschichte: die Kontrahenten stehen sich gegenüber, ihr Bild wird in unzähligen Spiegeln gespiegelt und erst als bei der Schießerei die Spiegel zerschossen werden, können wir langsam erkennen, wer ein Mensch und was sein Abbild ist.
Aber während der Produktion sah es ganz anders aus: Orson Welles machte aus einem einfachen Krimi ein verschachteltes Vexierspiel, schrieb ständig Szenen um, das Studio mischte sich ein, es gab Probleme mit dem Geld und Insekten betrachteten die Filmcrew als Jagdrevier. Und, als sei das alles nicht genug, machte Welles aus dem Sexsymbol und Columbia-Star Hayworth eine kalte und berechnende Mörderin. Alle Zeichen waren für einen Flop gesetzt und das Studio schloss den Film, nachdem auch mit Umschneiden nichts mehr zu retten war, erst einmal in seinen Giftschrank.
Regie: Val Guest, Ken Hughes (als Kenneth Hughes), John Huston, Joseph McGrath, Robert Parrish
Drehbuch: Wolf Mankowitz, John Law, Michael Sayers, Woody Allen (ungenannt), Val Guest (ungenannt), Ben Hecht (ungenannt), Joseph Heller (ungenannt), Terry Southern (ungenannt), Billy Wilder (ungenannt), Peter Sellers (ungenannt)
LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953
Sir James Bond wird aus dem Ruhestand geholt, um die nach der Weltherrschaft strebende Gangsterorganisation SMERSH zu besiegen. Sir James Bond entwirft einen genialen Plan: er schickt mehrere James Bonds los.
Albert Broccoli und Harry Saltzman gelang es nicht, sich die Rechte an diesem Bond-Roman zu sichern. So konnte Charles K. Feldman diesen Bond produzieren. Weil Feldman nicht einfach nur Flemings Buch verfilmen wollte, entschloss er sich zu etwas vollkommen anderem.
Feldman: „Wir hatten die Idee von vielen Bonds, vielen Regisseuren, vielen Autoren und vielen Sets, so wie das auch bei [dem Kriegsfilm] ‚Der längste Tag’ geschah. Das war der einzige Weg, den Film zu realisieren. Ich hatte die Vision eines gigantischen Happenings mit Bonds, soweit das Auge reicht, mit ganzen Armeen von Girls, in wilder Pop-Art ausgemalt und von wilder Pop-Musik erfüllt.“
Letztendlich gab es bis zu fünfzehn verschiedene Drehbücher. Drei Wochen vor Drehbeginn gab es noch kein endgültiges Drehbuch, aber bereits ein veritables Chaos, das sich durch die gesamte Produktion zog. Die Drehbarbeiten zogen sich in die Länge, spontan wurden Gaststars engagiert, Drehbücher umgeschrieben und das Budget überzogen.
Das Ergebnis war niederschmetternd.
„Casino Royale ist ein Ian-Fleming-Titel, aber nur ein falsch nachgemachter Pseudo-Bond-Film…Casino Royale ist ein Alptraum.“ (Michael Scheingruber: Die James-Bond-Filme)
„Ich glaube, ich kann – mit der Hand in der Magengrube – ehrlich sagen, dass Casino Royale der schlechteste Film ist, den ich je genossen habe.“ (Donald Zec, Daily Mirror)
Und das zahlende Publikum ging lieber in die echten Bond-Filme.
Mit Peter Sellers, Ursula Andress, David Niven, Orson Welles, Joanna Pettet, Daliah Lavi, Woody Allen, Deborah Kerr, William Holden, Charles Boyer, John Huston, George Raft, Jean-Paul Belmondo, Jacqueline Bisset, Anjelica Huston (Hände von Agent Mimi; Debüt), Peter O’Toole (ungenannt), David Prowse (ungenannt, Debüt von „Darth Vader“)
Scarface (Scarface – Shame of the Nation, USA 1932)
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Ben Hecht
LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)
USA während der Prohibition: Tony Camonte will zum Gangsterboss aufsteigen.
Der Klassiker des Gangsterfilms. Seine deutsche Premiere hatte er erst am 14. Februar 1981 hatte. Immerhin im Kino.
„Howard Hawks gelingt in diesem frühen Tonfilm das Kunststück, mit einem ganz und gar kalten, dreckigen und bösen Plot eine für damalige Verhältnisse ungewohnte Kritik an gesellschaftlichen Zuständen zu üben und gleichzeitig sein Publikum perfekt zu unterhalten.“ (Fischer Film Almanach 1982)
Arte zeigt den Film heute als unter dem neuen Titel „Narbengesicht“.
mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, George Raft, Boris Karloff
3sat, 22.00 Berüchtigt (USA 1946, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ben Hecht
Ein romantischer Thriller über eine Frau, die als Tochter eines Nazis zwischen zwei Männern steht (naja, am Ende eher liegt): einem FBI-Agenten, der Nazis jagt und sie daher undercover zu einem Freund ihres Vaters schicken will, und einem Schurken, der sie heiraten will. Oder in den Worten der großen Filmkritikerin Frieda Grafe: in dem Film geht es „um Männer, die Frauen verachten, weil sie tun, wozu Männer sie zwingen.“
Truffaut nannte „Notorious“ Hitchcocks Quintessenz. Recht haben beide.
In Deutschland wurde “Berüchtigt” zuerst, in den Fünfzigern, als “Weißes Gift” gestartet und aus den Nazis wurden Drogenhändler.
Anschließend, um 23.35 Uhr, gibt es, ebenfalls von Hitchcock, den „Fall Paradin“.
Mit Ingrid Bergman, Gary Grant, Claude Rains, Louis Calhern
3sat, 22.45 Der Fall Paradin (USA 1947, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: David O. Selznick, Alma Reville (Adaption), Ben Hecht (ungenannt), James Bridie (ungenannt)
LV: Robert Hitchens: The Paradine case, 1933 (Wege im Zwielicht)
Der verheiratete Staranwalt Keane soll die des Mordes angeklagte Mrs. Paradine verteidigen. Er verliebt sich in die Angeklagte und möchte ihre Unschuld beweisen. Aber die Beweise sprechen eine andere Sprache.
„Der Fall Paradin“ war ein Lieblinsprojekt von David O. Selznick. Hitchcock hielt nie besonders viel von dem Stoff, aber er drehte den Film, um seinen Vertrag mit Selznick zu erfüllen. Selznick begann die Dreharbeiten ohne ein vollständiges Drehbuch, mischte sich immer wieder in die Drehbarbeiten ein (er gab Hitchcock täglich die zu drehenden Seiten), es wurde endlos unnützes Material gedreht, die Drehbarbeiten dauerten 92 Tage, die Kosten explodierten. Mit vier Millionen Dollar, so Donald Spoto in seiner Hitchcock-Biografie, kostete „Der Fall Paradin“ etwas mehr als Selznicks Epos „Vom Winde verweht“. Das kostete 3,9 Millionen Dollar; die allerdings auch im Film zu sehen sind. Eine erste Fassung von „Der Fall Paradin“ war fast drei Stunden. Für die Kinoauswertung wurde dann eine Stunde herausgekürzt. Dennoch ist „Der Fall Paradin“ immer noch ein dröger, langatmiger Gerichtsfilm. Halt zu viel Selznick und zu wenig Hitchcock.
Mit Gregory Peck, Ann Todd, Charles Laughton, Ethel Barrymore, Louis Jordan, Alida Valli, Leo G. Carroll
Wiederholung: Mittwoch, 8. April, 02.50 Uhr (Taggenau!)
Ich kämpfe um dich (USA 1945, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ben Hecht, Angus MacPhail (Adaption)
LV: Francis Beeding: The house of Dr. Edwardes, 1927 (Pseudonym von John Palmer und Hilary St. George Sanders)
Dr. Edwardes kommt als neuer Direktor in die Psychiatrie. Seine Kollegin Constance Petersen findet heraus, dass der wirkliche Dr. Edwardes ermordet wurde. Der Falsche behauptet, er könne sich an nichts erinnern.
Hitchcock wollte den ersten Film über die Psychoanalyse drehen. Nach eigenen Worten gelang ihm allerdings nur ein Thriller mit einer imposanten, von Salvador Dali gestalteten, Traumsequenz.
Davor, um 20.15 Uhr, zeigt 3sat den Hitchcock-Film „Berüchtigt“. Ebenfalls mit Frau Bergman in Trouble.
Mit Ingrid Bergman, Gregory Peck, Rhonda Fleming, Leo G. Carroll