Perry Rhodan – S. O. S. aus dem Weltall (Deutschland/Italien/Spanien 1967, R.: Primo Zeglio)
Drehbuch: Karl-Heinz Vogelmann, Federico d’Urutia
LV: Carl Darlton: Unternehmen Stardust, 1961
Buch zum Film: Carl Darlton: Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall, 1967
Bei dem ersten Mondflug stößt Perry Rhodan auf eine außerirdisches Raumschiff mit zwei Passagieren. Die Schönheit Thora und den an Leukämie leidenden Crest. Rhodan kann ihn überzeugen, dass es auf der Erde ein Heilmittel gibt. Aber bevor er ihm helfen kann, muss er sich noch einigen Schurken herumschlagen, die die Technik der Außerirdischen gerne für ihre Zwecke benutzen würden.
Der locker auf den ersten Perry-Rhodan-Roman basierende Film sollte den Erfolg der seit 1961 erscheinenden Heftserie (die später um mehrere Romanreihen erweitert wurde) im Kino wiederholen. Tat er aber nicht. Stattdessen verschwand er ziemlich schnell aus den Kinos, wurde im TV nur selten, zuletzt anscheinend für fast zwanzig Jahren von Sat.1, gezeigt.
Unfreiwillig witziger Science-Fiction-Trash, dessen deutsche Fassung 15 Minuten kürzer als die internationale Fassung ist.
„Das Ergebnis ist ein trivialer Film, der Bond-ähnliche Situationen mit Science-Fiction kombiniert und wiederverwertet (…) Die einzig bemerkenswerte Tatsache am Film ist, dass der unbeständige, aber zuweilen visuell sehr interessante Regisseur Margheriti für die Spezialeffekt verantwortlich war.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Enzyklopädie)
„Gemessen an seiner Entstehungszeit technisch aufwendiger, ansonsten aber kümmerlicher Science-Fiction-Film.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Lang Jeffries, Essy Persson, Pinkas Braun, Ann Smyrner, Joachim Hansen, Luis Davila
Ein „Cinema Treasure“ ist „Boomer – Überfall auf Hollywood“ wahrlich nicht. Der zerstörungswütige Actionfilm gehört zu den Spätwerken von Sidney J. Furie, der in den sechziger Jahren mit dem Harry-Palmer-Spionagethriller „Ipcress – Streng geheim“ (The Ipcress File, mit Michael Caine) und dem Western „Südwest nach Sonora“ (The Appaloosa, mit Marlon Brando) vielversprechend seine Karriere startete und irgendwann in den achtziger Jahren im Feld von prinzipiell uninteressanten, politisch indiskutablen, teilweise kommerziell erfolgreichen Produktionen wie „Der stählerne Adler“ und den Fortsetzungen landete.
Es ist auch der letzte Film von Ken Wahl, der in den frühen achtziger Jahren ein aufstrebender Star mit Filmen wie „The Wanderers“ und „The Bronx“ war, und der 1992 einen Motorradunfall mit lebensgefährlichen Verletzungen hatte, der seine Filmkarriere (abgesehen von drei weiteren Filmauftritten) beendete. 2004 sagte er in einem Interview, dass die Geschichte mit dem Motorradunfall nicht stimmte, sondern er bei der Freundin von Rodney Dangerfield eine Treppe hinuntergefallen war. An den gesundheitlichen Problemen, die er nach dem Unfall hatte, änderte das nichts.
Das dürften die filmhistorisch wichtigen Punkte bei „Boomer – Überfall auf Hollywood“ sein; einer ziemlich ärmlichen „Stirb langsam“-Variation, die ihr Story-Potential grundlos in einer explosionshaltigen Zerstörungsorgie verschenkt. Denn die Dialoge sind zu einfältig. Die Story ist einfach zu unlogisch. Der Plan der Bösewichter erscheint nicht besonders durchdacht. Und dass Boomer sofort beginnt, gegen die Bösewichter zu kämpfen, ist vor allem dem Drehbuch geschuldet. Es gibt zu viele lose Enden. So verschwindet der Beverly-Hills-Polizeichef aus dem Film, nachdem er sich im Hotel mit einem der Bösewichter, der sich sehr amateurhaft als Polizist ausgab, ein sehr seltsames Gespräch führte, das eigentlich jeden Polizisten in Alarmbereitschaft versetzen sollte.
Also, die Story: In Beverly Hills leben die Schönen und Reichen. Eines Tages beschließen einige ehemalige Polizisten und ein Mastermind im Hintergrund (keine Überraschung: es ist James-Bond-Bösewicht Robert Davi) in einer Nacht den gesamten Ort auszurauben. Dafür inszenieren sie einen Chemieunfall, sperren Beverly Hills ab und evakuieren die Bewohner in ein naheliegendes Hotel. Durch einen dummen Zufall bekommt Football-Spieler und Frauenschwarm Boomer Hayes (Ken Wahl) die Evakuierung nicht mit. Er und ein Polizist (Matt Frewer), der bei dem Überfall mitmachte und plötzlich sein Gewissen entdeckt, versuchen jetzt, weil alle Telefone gekappt sind (und es 1991 noch keine Handys gab), aus Beverly Hills zu flüchten und von draußen Hilfe zu holen. Die Gangster verfolgen sie gnadenlos – und dabei werden jede Menge Gebäude und Luxusautos zerstört. Teils von einem Panzer überrollt, teils fotogen in die Luft gejagt.
Eben diese handgemachten Actionszenen erfreuen dann auch das Herz des Nostalgikers.
Jan Hammer schrieb die Musik.
Zwei zeitgenössische Stimmen
Pyromanen-Inferno (…) Eine der größten Materialschlachten des Action-Kino-Jahres, in der ungefähr jede Minute ein Straßenzug in die Luft geht. (Fischer Film Almanach 1993 – und das trotz „Brennpunkt L. A. 3 – Die Profis sind zurück“ [Lethal Weapon 3] und „Terminator II“)
Spannungsarm, dafür explosionsreich bleibt der Film lediglich für unbedingte unkritische Fans des Actiongenres unterhaltsam. (multimedia)
Boomer – Überfall auf Hollywood (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)
Regie: Sidney J. Furie
Drehbuch: Rick Natkin, David Fuller, David J. Burke (nach einer Geschichte von Sidney J. Furie, Rick Natkin und David Fuller)
mit Ken Wahl, Robert Davi, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Lee Ving James, Branscombe Richmond, Lyman Ward
Johnny Cash at Folsom Prison (USA 2008, R.: Bestor Cram)
Drehbuch: Michael Streissguth
Anfang 1968 war Johnny Cash am Ende. Er hatte gerade einen Entzug hinter sich und niemand wollte ihn hören. Also erklärte er sich bereit, am 13. Januar 1968 vormittags in einem kalifornischem Hochsicherheitsgefängnis aufzutreten. Die beiden Auftritte wurde aufgenommen und als „At Folsom Prison“ (teilweise) veröffentlicht. Die LP wurde ein Bestseller.
Die spielfilmlange Doku zeichnet die Hintergründe und Auswirkungen des Auftritts nach.
Während des Bürgerkriegs bot US-Präsident Abraham Lincoln gefangenen Südstaaten-Soldaten an, dass sie ihre Freiheit erlangen könnten, wenn sie den Nordstaatlern im Kampf gegen die Indianer helfen. Colonel Clay Tucker (Joseph Cotten) und seine Männer lassen sich auf das Angebot ein. In Fort Thorn werden sie von Major Henry Kenniston (Jeff Chandler) frostig empfangen. Der Lagerkommandant misstraut den Südstaatlern. Gleichzeitig hat er sich inzwischen zu einem hasserfüllten Mann verwandelt, der Indianer grundlos ermordet und Elena Kenniston (Linda Darnell), die schöne Frau seines gefallenen Bruders, quasi gefangen hält.
Trotz der prominenten Besetzung ist „Vorposten in Weltwest“ heute fast unbekannt. Ein Grund ist sicher, dass der Film nie im Fernsehen läuft. Ein anderer, dass der Western sich eher an ein erwachsenes Publikum richtet. Immerhin geht es vor allem um Fragen von Ehre und Gewissen. Soll man sich an ein gegebenes Wort halten? Welchen Befehlshabern soll man folgen? Und wann soll man sich gegen unfähige Vorgesetzte auflehnen? Fragen, die Robert Wise nicht endgültig beantwortet. Und einige Antworten fallen ziemlich ernüchternd aus. So ist der auf den ersten Blick glänzende Held und kluge Südstaaten-Colonel Tucker doch eher ein biederer, von den Ereignissen getriebener Befehlsempfänger, der aus verschiedenen Gründen Chancen für eine Flucht und den Kampf gegen die verhassten Nordstaatler nicht nutzt. Sein Gegenspieler Kenniston ist ein Lügner und eine Gefahr für alle in dem Fort lebenden Menschen.
Gleichzeitig mäandert, eben weil die Konflikte eher angesprochen als ausgetragen werden, die Geschichte ziemlich planlos in netten Episoden vor sich hin und bis auf den großen Kampf gegen die Indianer am Filmende gibt es kaum Action. Stattdessen wird endlos geredet. Das ist dann nur mäßig unterhaltsam. Der ambitionierte Kavallerie-Western „Vorposten in Wildwest“ gehört sicher nicht zu Robert Wises besten Werken.
Wer war Robert Wise?
Wahrscheinlich hat jeder schon einige Filme von Robert Wise (10. September 1914 – 14. September 2005) gesehen und obwohl er einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods war, ist er auch, obwohl er selbst zahlreiche prestigeträchtige Preise, unter anderem vier Oscars, erhielt und seine Filme durch mehrere Jahrzehnte hindurch mit Preisen überschüttet wurden, einer der unterschätztesten und unbekanntesten Regisseure. Denn eine Auteurschaft, wie seinen Kollegen Alfred Hitchcock, John Ford oder Howard Hawks, wurde ihm nie zugesprochen.
So schrieb John Russell Taylor: „Robert Wise zählt zu den erstaunlich vielseitigen Handwerkern Hollywoods, die sich jedem Genre mit Erfolg zuwenden können, stets eine sehr achtbare Arbeit abliefern und eine lange Reihe hervorragender Filme aufweisen, ohne in ihnen je ein persönliches Zeichen von sich zu hinterlassen zu haben – vielleicht hat Wise dies auch gar nicht versucht.“
Er schnitt für Orson Welles „Citizen Kane“ (1941) und „Der Glanz des Hauses Amberson“ (The magnificent Ambersons, 1942). Später inszenierte er den Boxfilm-Klassiker „Ring frei für Stoker Thompson“ (The Set-Up, 1949), den Science-Fiction-Klassiker „Der Tag, an dem die Erste stillstand“ (The Day the Earth stood still, 1951), das Boxer-Biopic „Eine Handvoll Dreck/Die Hölle ist in mir“ (Somebody up there likes me, 1956, mit Paul Newman), das Todesstrafe-Drama „Lasst mich leben“ (I want to live, 1958), das grandiose Heist-Movie „Wenig Chancen für morgen“ (Odds against tomorrow, 1959, mit Harry Belafonte), das mit zehn Oscars ausgezeichnete Musical „West Side Story“ (1961, unter anderem gab es einen Oscar für die Regie und den Oscar als bester Film), den Horrorfilmklassiker „Bis das Blut gefriert“ (The Haunting, 1963), den Science-Fiction-Klassiker „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, 1971), den Katastrophenfilm „Die Hindenburg“ (The Hindenburg, 1975), den Horrorfilm „Audrey Rose – Das Mädchen aus dem Jenseits“ (Audrey Rose, 1977) und „Star Trek – Der Film“ (Star Trek – The Motion Picture, 1979).
Die zahlreichen Remakes von seinen Filmen sind durchgehend schlechter.
Vorposten in Wildwest (Two Flags West, USA 1950)
Regie: Robert Wise
Drehbuch: Casey Robinson (nach einer Geschichte von Frank S. Nugent und Curtis Kenyon)
mit Joseph Cotten, Jeff Chandler, Linda Darnell, Cornel Wilde, Dale Robertson, Jay C. Flippen, Noah Beery
„Der unbestechliche Blick – Robert Wise und seine Filme“ von Lars-Olav Beier, mit einem Werkstattgespräch und vielen Bildern. Das 1996 bei Bertz (der Vorläufer von „Bertz + Fischer“) erschienene Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.
Mux ist jung. Mux sieht aus wie ein braver Student. Mux hat eine Mission. Er will den Menschen wieder Ideale und Verantwortungsbewusstsein beibringen. Gnadenlos geht er in Berlin gegen Schwarzfahrer, Hundehalter, Graffiti-Sprayer und Schwimmbad-Pinkler vor, bricht Gesetze und wird immer mehr zum Volkshelden.
Die schwarze, mit wenig Geld hergestellte, grandiose Satire war 2004 mit über 292.000 Besuchern der Überraschungserfolg im Kino.
Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (USA 2002, R.: George Clooney)
Drehbuch: Charlie Kaufman
LV: Chuck Barris: Confessions of a Dangerous Mind: An Unauthorized Autobiography, 1984
Fulminantes Regiedebüt von George Clooney über Chuck Barris, einen in den USA legendären TV-Produzenten (u. a. The Dating Game/Herzblatt), der in seiner Biographie behauptete, dass er in den Sechzigern und Siebzigern auch ein Auftragskiller für die CIA war.
Ob das stimmt, wissen wir nicht, aber das ist, jedenfalls für diesen angenehm durchgeknallten Film, auch ziemlich egal.
mit Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Rutger Hauer, Maggie Gyllenhaal, Kristen Wilson, Brad Pitt, Matt Damon
Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte von „Vijay & ich“ nicht besonders vielversprechend: nachdem man den Protagonisten für tot hält, geht er verkleidet zu seiner Beerdigung und bringt danach das Leben der Hinterbliebenen durcheinander. Gleichzeitig wird es für ihn immer schwieriger, die Charade aufzudecken.
Das ist uralter Verwechslungskomödienstoff.
Auf den zweiten Blick könnte „Vijay & ich“ durchaus ein sehenswerter Film sein. Denn Sam Garbarski inszenierte den Film nach seinem Drehbuch. Er drehte auch den märchenhaften Berlinale-Liebling „Irina Palm“ mit Marianne Faithfull als ältliche Hausfrau, die in einem Soho-Sex-Club das dringend benötigte Geld für eine lebensrettende Operation ihres Enkels erarbeitet, zum Star des Clubs wird und sich mit den Vorwürfen ihres Sohnes, der mit ihrer Arbeit durchaus nachvollziehbare Probleme hat, auseinandersetzten muss. Garbarski inszenierte damals sehr geschmackvoll Anzügliches und gewann der Geschichte von der Mutter, die für ihre Kinder über sich hinauswächst, einige neue Aspekte ab.
Warum also nicht auch jetzt?
Aber nach der hübsch atmosphärisch animierten Titelsequenz im Stil von Komödien aus den fünfziger und sechziger Jahren gelingt es dem Film dann nie, einen auch nur annähernd zeitgenössischen oder auch nur halbwegs originellen Zugriff auf die Geschichte zu entwickeln.
Moritz Bleibtreu spielt den deutschen Schauspieler Wilhelm ‚Will‘ Wilder, der in New York in einer Kinderfernsehsendung das „Grüne Pechkaninchen“ spielt. An seinem vierzigsten Geburtstag hofft er auf eine große Geburtstagsfeier. Aber niemand gratuliert ihm und beim Dreh wird er von den kryptischen Vorschlägen der Regie zu seinem Spiel weiter gedemütigt. Entnervt verlässt er den TV-Sender, bekommt daher nichts von der pompös geplanten Überraschungsgeburtstagsfeier mit, und an einer Tankstelle wird ihm sein Auto geklaut. Wilder hat das Leben gründlich satt und als er bei seinem Freund Rad (Danny Pudi) übernachtet, erfährt er aus den Nachrichten, dass der Autodieb in seinem Auto tödlich verunglückte und bis zur Unkenntlichkeit verbrannte.
Wilder will sich nun an all denen, die ihm nicht zum Geburtstag gratulierten, rächen. Er klärt den Irrtum nicht auf, sondern verkleidet sich als Vijay Singh, einem angeblichen Freund von Wilder, und geht zu Wilders Beerdigung. Daraus entwickelt sich eine Beziehung zu seiner Frau Julia (Patricia Arquette), die sich natürlich sofort in den geheimnisvollen Inder verliebt.
Dieser hoffnungslos veraltete und klischeetriefende Komödienstoff – Garbarski hat wahrscheinlich kein verzopftes Indien-Klischee ausgelassen – könnte unterhaltsam sein, wenn er die Klischees wenigstens ironisch brechen oder ihnen irgendetwas neues hinzu fügen würde. Aber er tut es nicht. Auch Situationskomik gibt es höchstens in homöopathischen Dosen.
„Vijay und ich“ sieht wie ein Heinz-Erhardt-Film aus den fünfziger Jahren aus. Aber während man diese Filme und ihre Klischees, Vorurteile, Unwahrscheinlichkeiten und schlecht verkleideten Schauspieler inzwischen durch die nostalgische Brille betrachten kann, trifft das auf „Vijay & ich“ nicht zu. Garbarskis Films ist banal-biederes, witzloses Retrokino, dessen Zeit vor einem guten halben Jahrhundert war.
Vijay & ich – Meine Frau geht fremd mit mir (Vijay and I, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2012)
Regie: Sam Garbarski
Drehbuch: Philippe Blasband, Matthew Robbins, Sam Garbarski (nach einer Idee von Sam Garbaski)
mit Moritz Bleibtreu, Patricia Arquette, Danny Pudi, Catherine Missal, Michael Imperioli, Jeannie Berlin, Moni Moshonov, Hanna Schygulla, Michael Gwisdek
Drehbuch: Stuart Hazeldine (nach einer Geschichte von Simon Garrity und Stuart Hazeldine)
Acht Bewerber fragen sich bei einem Einstellungstest, welche Frage sie beantworten sollen. Denn auf dem Fragebogen steht keine Frage. Aber ihnen wurde vorher gesagt, dass es nur eine Antwort gibt und dass nur einer den heißbegehrten Job erhält.
Spannendes Kammerspiel, das nicht zur Nachahmung empfohlen wird.
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)
In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.
Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.
Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.
mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini
Immer Ärger mit Harry (USA 1955, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes
LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949
Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.
Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt
Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers
Die Karibikinsel Saint-Marie sieht wie das Paradies aus. Aber auch im Paradies wird gemordet und Detectiv Inspector Richard Poole (Ben Miller), aus London nach dem Tod eines Kollegen auf die Insel versetzt, muss eine ganze Menge Morde aufklären. Und mit den laxen Sitten auf der Insel kämpfen. Denn Tee und Anzug gehören nun einmal zum guten Leben.
Britischer Humor trifft karibische Lässigkeit in der kurzweiligen zweiten Staffel von „Death in Paradise„, von der ich eine Box, die die gesamte zweite Staffel enthält, verlose.
Wer also bei den acht Mordfällen mit DI Poole und Camille Bordey (Sara Martins) miträtseln will, schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung Death in Paradise“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de
Die Verlosung endet am Sonntag, den 15. September, um 23.59 Uhr. Dann beginnt für mich die Arbeitswoche als Glücksfee.
Durch Ereignisse, die ich nicht beeinflussen konnte, landeten vier (Ja, VIER!) Boxen von „Inspector Barnaby – Volume 18“ (Edel) auf meinem Schreibtisch und die werde ich jetzt verlosen.
Inspector Tom Barnaby (John Nettles) dürfte inzwischen ja bekannt sein. In dieser Box sind die vier spielfilmlangen Barnaby-Fälle „Sportler und Spione“, „Sag ja und stirb!“, Böse kleine Welt“ und „Über den Dächern von Chattham“ (und wie in „Über den Dächern von Nizza“ macht ein Einbrecher die Gegend unsicher). Vergnügliche in der Grafschaft Midsomer spielende Krimiunterhaltung mit vielen Leichen ist also garantiert.
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Die Teilnahmebedingungen:
Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung Barnaby“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de
Die Verlosung endet am Sonntag, den 15. September, um 23.59 Uhr. Dann beginnt für mich die Arbeitswoche als Glücksfee.
Mit „White House Down“ und „Olympus has fallen“ starteten innerhalb weniger Wochen zwei Spielfilme, die von bekannten Regisseuren mit einem hochkarätigem Ensemble inszeniert wurden und letztendlich, mit minimalen Variationen die gleiche Geschichte erzählen. Denn beide Male wird das Weiße Haus von Terroristen besetzt und ein Mann erledigt die Terroristen im Alleingang. Das ist „Stirb langsam“ im Weißen Haus. Nur unwahrscheinlicher. Beide Male, wenn man die Prämisse akzeptiert, unterhaltsam und welche Version einem besser gefällt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Also welche Schauspieler einem besser gefallen, ob man es lieber etwas kürzer und blutig („Olympus has fallen“) oder etwas länger und jugendfrei hat („White House Down“).
Wobei dies ein Problem von Roland Emmerichs Film ist. Denn obwohl in „White House Down“ wild um sich geschossen wird und das Mobiliar fotogen zerstört wird, treffen die Bösewichter nur die Couch, aber nicht den sich dahinter versteckenden Mann und Blut fließt bei diesem Massaker auch nicht.
Channing Tatum spielt in „White House Down“ John Cale (nicht zu verwechseln mit dem Musiker, eher schon mit John McClane), der unbedingt Leibwächter des US-Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx als James Stewart meets Tom Sawyer) werden möchte. Dummerweise entspricht sein Lebenslauf nicht den Anforderungen des Secret Service, wie ihm Carol Finnerty (Maggie Gyllenhaal) im Vorstellungsgespräch unmissverständlich sagt. Sie ist auch eine Ex-Freundin von ihm – und hier zeigt sich, dass Cale sich wohl arg schlampig auf das Gespräch vorbereitet hat.
Während der geschiedene Vater Cale anschließend mit seiner naseweisen Tochter Emily (Joey King), ein wahrer Polit-Junkie, eine Führung durch das Weiße Haus mitmacht, wird das Gebäude von Terroristen besetzt. Angeführt werden sie von Emil Stenz (Jason Clarke) und Secret-Service-Chef Martin Walker (James Woods), der seinen letzten Arbeitstag denkwürdig gestalten will.
Cale versucht jetzt, streng nach „Stirb langsam“-Drehbuch, aber ohne Schimpfworte, die Geisel, seine Tochter und den Präsidenten zu retten.
Als erstes fällt bei James Vanderbilts Drehbuch, der Mann schrieb immerhin das Buch für David Finchers „Zodiac“, auf, dass mit den länglichen, formelhaften und dialoglastigen Einführungen der Charaktere viel zu viel Zeit vergeht, bis die Terroristen nach einer halben Stunde das Weiße Haus besetzten. Da hätte man ruhig einiges kürzen können.
Während der Geiselnahme fällt immer wieder auf, dass Vanderbilt fast schon ängstlich wirkliche Konflikte vermeidet. Cale trifft zwar immer wieder auf die Bösewichter. Es gibt Kämpfe. Es gibt Action. Es gibt Spannung. Aber es ist immer nur die oberflächliche Spannung von Guten, die gegen die Bösen mit Fäusten und Schusswaffen kämpfen. Als in einer Szene der Anführer der Terroristen die Tochter von Cale erschießen will, wenn Cale ihm nicht den Präsidenten übergibt, ergibt dieser sich sofort freiwillig – und Cale muss sich nicht entscheiden, ob ihm seine Tochter oder der Präsident wichtiger ist. Er muss keine Idee haben, um die Situation zu entschärfen. Hier wurde ohne Not eine potentiell grandiose Szene verschenkt, in der sich sein Charakter hätte zeigen können.
Der Grund für die Besetzung des Weißen Hauses und der damit kolportierte politische Hintergrund (es geht um irgendwelche multilateralen Friedensverhandlungen und einen im Auslandseinsatz gefallenen Sohn) ist nicht mehr als ein MacGuffin, der noch nicht einmal besonders originell ist. Denn während die „White House Macher“ teilweise fast schon stolz darauf hinweisen, dass bei ihnen die Bösewichter keine Asiaten oder Islamisten, sondern weiße Amerikaner sind, die nicht mit der Politik des Präsidenten einverstanden sind, ist das für Fans der TV-Serie „24“ ein verdächtig vertrauter Topoi, inclusive der Verbindung mit dem Militärisch-Industriellen Komplex. Und spätestens seit „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ (USA 2006, R.: Clark Johnson, nach dem Roman von Gerald Petievich) wissen wir auch, dass man den Leibwächtern des Präsidenten nicht immer trauen kann.
Auch afroamerikanische Präsidenten sind spätestens seit „24“ kein Aufreger mehr. Dennis Haysbert war, neben Morgan Freeman, der in „Olympus has fallen“ den Ersatzpräsidenten spielt, eine überzeugende Verkörperung eines Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Das waren – dank der Drehbuchautoren – kluge Männer.
In „White House Down“ tritt Jamie Foxx in ihre Fußstapfen und sie sind zu groß für ihn. Denn hier wird der Präsident zu einer Lachnummer mit verquältem Buddy-Humor.
Einen solchen Buddy-Humor hätte sich „Olympus has fallen“-Präsident Aaron Eckhart verbeten.
Auch Maggie Gyllenhaal und Richard Jenkins, der in der Krisensituation das Amt des Präsidenten übernehmen muss, sind blasser als ihre „Olympus has fallen“-Verkörperungen. Jenkins hat einfach das schlechtere Drehbuchmaterial als Morgan Freeman. Und Maggie Gyllenhaal hat dann doch nicht die Statur von Angela Bassett als Chef des Secret Service.
Die Tricks bei der Zerstörung des Weißen Hauses und umliegender Gebäude sind in „White House Down“ nicht besser als in „Olympus has fallen“. Dabei hat Emmerichs Film das deutlich größere Budget.
Patriotisch sind beide Filme. Aber das kommt jetzt nicht wirklich überraschend.
Trotzdem habe ich mich auch bei „White House Down“ nicht gelangweilt. „Olympus has fallen“ hat mir etwas besser gefallen, weil die Schauspieler präsenter sind, es keinen falschen Buddy-Humor gibt und er etwas kraftvoller ist. Aber „White House Down“ ist ordentliches Blockbuster-Kino mit Action, Humor, einer, nach Blockbuster-Standard, schlüssigen Geschichte und Jason Clarke und James Woods als Bösewichter. Das ist viel mehr als einige andere Blockbuster in diesem Sommer hatten.
White House Down (White House Down, USA 2013)
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: James Vanderbilt
mit Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal, Jason Clarke, Richard Jenkins, James Woods, Joey King
The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)
Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris
Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.
„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)
Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)
Auf dem Fantasy-Filmfest hat „Wrong“ einige Kinoaufführungen, bevor er am 7. November auf DVD erscheint. Es ist der neue Film von Quentin Dupieux, der schon mit dem Fantasy-Filmfest-Liebling „Rubber“ (das war der Film mit dem Autoreifen) sein Gespür für schräge Geschichten bewies.
Im Mittelpunkt steht dieses Mal allerdings kein Reifen, sondern Dolph Springer (Jack Plotnick), ein auf den ersten Blick normal-biederer Angestellter, dessen Wecker um 7:60 (kein Tippfehler) klingelt. Eines Tages ist sein Hund spurlos verschwunden. Nachdem er keinen Erfolg bei seiner Suche hat, erhält er eine Nachricht von Master Chang (William Fichtner), der ihm erzählt, dass man erst durch das Verlieren von etwas merkt, wie viel einem die verlorene Sache bedeute. Deshalb habe er Paul entführt.
Dieser Handlungsfaden dient allerdings nur dazu, eine vollkommen verdrehte Welt zu zeigen. Eine Welt in der alles falsch ist – und dieses stimmungsvolle Bild schon alles verrät:
In dieser Welt geht dann auch ein Mann zur Arbeit, obwohl er schon vor Wochen entlassen wurde, eine Palme verwandelt sich über Nacht in eine Tanne und eine Frau hält zwei sehr verschiedene Männer für einen Mann. Es geht aber noch absurder: In dem Büro regnet es. Aber die Angestellten gehen stoisch ihrer Arbeit nach. Dupieux hat noch viele solch absurder Ideen. Auch seine Dialoge sind herrlich absurd und schräg.
Eigentlich ist „Wrong“ ein grundsympathischer Film: die Prämisse der falschen Welt gefällt, die daraus entstehenden Ideen und Situationen sind oft komisch, aber insgesamt agieren alle Schauspieler zu unterkühlt, die Regie präsentiert alles gleich stoisch, das Erzähltempo ist eher langsam und mit der Zeit wird es dann doch etwas monoton.
Wrong (Wrong, Frankreich/USA 2012)
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
mit Jack Plotnick, William Fichtner, Eric Judor, Alexis Dziena, Steve Little, Regan Burns, Mark Burnham, Arden Myrin
Staatsfeinde – Mord auf höchster Ebene (Frankreich 2009, R.: Eric Valette)
Drehbuch: Alexandre Charlot, Franck Magnier, Eric Valette
Nachdem illegale Waffendeals auffliegen könnten, startet ein Vertrauter des Präsidenten eine Vertuschungsaktion. Dummerweise spielt eine Polizistin nicht mit.
„Spannender Politthriller, der die hintergründige Geschichte mit Eleganz und Plausibel gezeichneten Charakteren erzählt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Was soll ich da noch sagen? Außer dass der Franco-Thriller seine deutsche Premiere selbstverständlich auf DVD erlebte.
mit André Dussollier, Thierry Frémont, Rachida Brakni, Christine Boisson, Gérald Laroche
Und noch ein Found-Footage-Film. Aber dieses Mal von Barry Levinson („Rain Man“, „Sphere“, „Wag the dog“) und definitiv nicht im wackeligen, betont amateurhaften „The Blair Witch Project“-Stil, sondern als professionell aufbereitete Dokumentation, die verschiedene Quellen, wie TV-Aufnahmen, Amateurvideos, Überwachungskameras und Smartphone-Aufnahmen, zu einer Reportage zusammenstellt, die von Donna Thompson kommentiert wird. Die junge TV-Reporterin war am 4. Juli 2009 in Claridge, Maryland. An diesem Tag kam es zu einem seltsamen bakteriellem Ausbruch, der aus den Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag ein Massensterben machte. Die Regierung vertuschte es und jetzt ist im Internet diese Zusammenstellung von damals gefilmtem Material erschienen.
Soweit die wirklich wahre Geschichte, die – Überraschung! – natürlich vollkommen erfunden ist, bis auf die realen Hintergründe. Denn die Chesapeake Bay hat gewaltige ökologische Probleme. Levinson versucht in seinem Horrorfilm darauf aufmerksam zu machen und widmet diesem Thema in einem Spielfilm, der vor allem auf der Horror-Ebene funktionieren soll, ungewöhnlich viel Raum und vieles basiert, wie er in seinem Audiokommentar sagt, auf Tatsachen.
Außerdem wollte Levinson etwas für ihn neues ausprobieren, indem er den Film im Found-Footage-Stil inszenierte. Besonders im Audiokommentar erzählt er dann von den Dreharbeiten und den spezifischen Herausforderungen des Found-Footage-Stils, wie die Auswahl der Schauspieler (sie sollten erfahren, aber unbekannt sein), dem Kamerastil (so mussten die erfahrenen Kameramänner bewusst amateurhaft arbeiten), dem Mischen von verschiedenen Bildquellen und der Gestaltung bestimmter Szenen. So musste es immer einen nachvollziehbaren Grund geben, weshalb in dem Moment eine Kamera läuft. Bei Überwachungskameras bestimmte die Position der Kamera auch den Bildausschnitt. Es war fast nie ein traditioneller Gegenschnitt, in dem die Reaktion eines Schauspielers auf das Geschehen gezeigt wird, möglich. Außerdem wurde während dem Dreh mehr improvisiert, als bei einem normalen Film. Teils weil Amateure filmten und deren Aufnahmen immer wieder darauf überprüft wurden, ob sie auch das zeigten, was Levinson sich ungefähr vorstellte. Teils weil viele Szenen, vor allem die Massenszenen, weitgehend improvisiert wurden.
Von diesen Herausforderungen, die vor allem auf der technischen Ebene liegen, abgesehen, macht die Geschichte, vor allem die nachträgliche Aufräumaktion der Regierung, wenig Sinn. Denn im Film sehen wir, wie am Unabhängigkeitstag fast eine gesamte Kleinstadt und viele Besucher innerhalb weniger Stunden sterben. Wir sollen jetzt glauben, dass niemand nach den Toten fragte, keiner der wenigen Überlebenden redete und das Leben in der Bucht danach normal weitergeht.
Außerdem zerfällt der Film in zahlreiche Erzählstränge und Episoden, die durch die nachträgliche Erzählung von Donna zusammengehalten werden. Das ist dann mehr eine Dokumentation über ein Ereignisses, als ein auch nur halbwegs traditioneller Horrorfilm. Entsprechend distanziert folgt man den Charakteren.
Auch als Öko-Horrorfilm kann „The Bay“ nie leugnen, dass er gedreht wurde, um vor der Umweltverschmutzung an der Flussmündung zu warnen und er diese aufklärerische Warnung in eine rudimentäre Geschichte kleidet, die die Horrorelemente nur benutzt, um eben vor der Umweltverschmutzung zu warnen.
Gleichzeitig zeigt er auch, wo die Grenzen eines Found-Footage-Films liegen. Denn in einem normalen Horrorfilm oder einem Thriller hätte man auch gezeigt, wer warum die Aufräumaktion befiehlt. Vielleicht hätte man auch einen Polit-Thriller gedreht, in dem ein tapferer Journalist herausfinden will, was damals in Claridge passierte.
Aber wegen des ernsthaften Umgangs mit den selbst gesetzten Grenzen ist Barry Levinsons Film eben wegen dem erzählerisch-technischem Aspekt durchaus sehenswert. Und es gibt auch ein wenig Aufklärung über die Umweltverschmutzung in der Chesapeake Bay.
The Bay – Nach Angst kommt Panik (The Bay, USA 2012)
Regie: Barry Levinson
Drehbuch: Michael Wallach (nach einer Geschichte von Barry Levinson und Michael Wallach)
mit Kristen Connolly, Christopher Denham, Michael Beasley
Kabel 1, 20.15 (wahrscheinlich gekürzt, weil FSK 16)
Panic Room (USA 2002, R.: David Fincher)
Drehbuch: David Koepp
Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.
Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.
David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.
Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)
Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)