Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.
Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine
Wiederholung: Donnerstag, 24. April, 04.05 Uhr (Taggenau!)
No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
ZDF, 19.30 Strafsache Jesus – Faktencheck mit Petra Gerster (Deutschland 2014, Regie: Daniel Sich, u. a.)
Drehbuch: Daniel Sich
45-minütige Doku, die die aus der Bibel bekannte Geschichte über den Tod von Jesus nacherzählt als seien es Gerichtsakten (was sie nicht sind), sie um einige Expertenaussagen ergänzt (davon hätte es mehr geben können) und Petra Gerster durch historische Gemäuer schlendern lässt (davon hätte es weniger geben können). Insgesamt ist der Informationsgehalt eher spärlich. Aber als wenig Aufmerksamkeit beanspruchende Auffrischung okay. Hinweis ZDF über „Strafsache Jesus“
3Sat, 21.00 Goldrausch (USA 1925, Regie: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
1898 macht der Tramp Charlie sich auf den Weg nach Alaska. Denn dort wurde Gold gefunden.
Grandiose Stummfilmkomödie, über die Chaplin sagte: „Das ist der Film, mit dem ich meinen Namen für immer verknüpft sehen möchte.“
3Sat zeigt die von Chaplin 1942 hergestellte Version, deutsch synchronisiert.
mit Charlie Chaplin, Georgia Hale, Mack Swain, Tom Murray
Mut, Schuld, Sühne, Rache, Vergebung. Große Themen, die Srdan Golubovic in seinem neuen Film „Circles“ (Krugovi) vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges behandelt.
Der Film beginnt an einem sonnigen Tag während des Bosnienkrieges, als ein serbischer Offizier und drei weitere Soldaten auf dem Marktplatz in Trebinje einen muslimischen Kioksbesitzer bedrohen und attackieren. Ein junger serbischer Soldat greift deeskalierend ein und bevor wir erfahren, wie der Streit endet, springt der Film zwölf Jahre in die Zukunft und Golubovic verfolgt das Leben von einigen Männern, die etwas mit dem damaligen Ereignis zu tun haben.
Ranko, ein älterer Mann, will eine Kirche wieder aufbauen. Dabei will ihm ein Jugendlicher helfen. Aber Ranko lehnt diese Hilfe – zunächst – wegen des früheren Ereignisses ab.
Haris lebt inzwischen als Arbeiter und glücklich verheirateter Vater in Deutschland. Er will einer Frau helfen, die vor ihrem gewalttätigen Mann aus Serbien flüchtete.
Nebojsa ist inzwischen Arzt. Er soll Todor operieren, aber aufgrund des Ereignisses fragt er sich, ob er die Operation machen soll.
Das klingt jetzt alles etwas nebulös, aber im Gegensatz zum Presseheft, das die Hintergründe und Motive verrät, enthüllt der Film nur langsam die moralischen Dilemma der Charaktere und erst ganz am Ende des Films erfahren wir, was damals geschah. Wir können es uns zwar denken, aber weil wir es nicht wissen, bleiben bis zu den letzten Minuten unklar, warum die Männer sich so verhalten, wie sie sich verhalten. Wir wissen nicht, warum Ranko gegenüber dem Jungen so ablehnend reagiert. Wir wissen nicht, warum Nebojsa sich fragt, ob er die Operation leiten soll. Wir wissen nicht, warum Haris der Frau hilft. Wir wissen nur, dass es etwas ist, worüber sie nicht sprechen wollen.
Deshalb und weil die Männer weitgehend schweigsam mit ihrem Schicksal hadern, betrachtet man sie auch immer sehr distanziert. Denn es geht um etwas Wichtiges, aber es ist nicht wirklich greifbar, weil Golubovic die Hintergründe erst viel zu spät enthüllt. Jedenfalls für ein Publikum, das nicht im ehemaligen Jugoslawien lebt und von dem Bürgerkrieg betroffen ist.
Das ist schade, denn davon abgesehen findet Golubovic, der auch „Klopka – Die Falle“ inszenierte, einprägsame Bilder aus dem heutigen Serbien, Bosnien und Herzegowina und einem anonymen Deutschland. Gedreht wurde in Halle. Die Schauspieler sind gut. Aber alles in „Circles“ bleibt zu abstrakt und thesenhaft. Es ist ein spröder Film, der grundlos zu viel von seinem Potential verschenkt; – jedenfalls beim ersten Ansehen.
Wenn man allerdings weiß, was damals auf dem Dorfplatz geschah, man die Motive und Gefühle der Charaktere kennt und weiß, wie ihre Beziehungen zueinander sind, dann ist „Circles“ eine sehr interessante Meditation über Schuld, Sühne, Rache und Vergebung, die auf der Berlinale den Preis der Ökomenischen Jury erhielt und der Vorschlag Serbiens für den Oscar als bester fremdsprachiger Film war.
Nur: wer sieht sich einen Film zweimal an?
Alles das, was Ron Howard in „Rush“ über den erbitterten Kampf um den Weltmeistertitel zwischen den Formel-1-Piloten Niki Lauda und James Hunt oder Brian Helgeland in „42“ über Jackie Robinson, der als erster Afroamerikaner, trotz massiver Vorurteile, in der Major League Baseball spielte oder Margarethe von Trotta in „Hannah Arendt“ über die Philosophin und ihr Werk „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ richtig machten und auch noch Justin Chadwick in „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ über den südafrikanischen Freiheitskämpfer mit Einschränkungen gelang, macht Jalil Lespert in seinen Biopic „Yves Saint Laurent“ falsch. Denn bei ihm wird nie deutlich, warum wir uns für den Modeschöpfer interessieren sollten, was wir aus seinem Leben lernen könnten oder auch nur gegen welche Widerstände er kämpfte.
Im Film wirkt Yves Saint Laurent wie das geborene Glückskind. Er ist modebegeistert. Als 21-jähriger übernimmt er 1957, nach dem plötzlichen Tod von Christian Dior, das Haute-Couture-Haus. Er trifft Pierre Bergé, der sein Freund, Geliebter und Geschäftspartner wird. Bergé, der auch der Erzähler des Films ist, ist die Frau im Hintergrund. Als sie 1961 das Modelabel „Yves Saint Laurent“ gründen, lässt er Yves Saint Laurent in der Öffentlichkeit und hält ihm die alltäglichen Geschäftsprobleme vom Hals. Laurents Kollektionen werden begeistert aufgenommen. Sie sind glücklich und genießen ihren Reichtum, ohne mit ihm zu protzen. In dieser rosaroten Modewelt ist alles perfekt und alle haben sich lieb.
Dass die Wirklichkeit nicht so rosig war, erfährt man im Film nicht. Im Film hat Yves Saint Laurent keine Probleme und er muss auch gegen keine Widerstände kämpfen. Im Film hatte er ein vollkommen langweiliges Leben. Das ist dann für einen Film, vor allem wenn man über Yves Saint Laurent nur weiß, dass er ein bedeutender Modeschöpfer war, einfach nur todlangweilig. Denn man erfährt im Film nicht, warum die gezeigten Kollektionen so wichtig sind. Man erfährt auch nicht, warum Laurent sich als Künstler sah, er die Mode als eine Kunst ansah und seine Kollektionen so revolutionär waren.
Und die im Zentrum des Films stehende Liebesgeschichte ist für einen Film ziemlich uninteressant. Denn für einen Film ist „Konflikt“ der notwendige Treibstoff. In Konflikten und wie sie damit umgehen, zeigt sich der Charakter der verschiedenen Personen. Die perfekte Liebe, die man natürlich jedem gönnt, ist dagegen die vollkommene Abwesenheit von Konflikt.
Für ein Biopic ist das dann aber nicht besonders lehrreich. Denn, wie gesagt, bei einem Biopic wollen die Macher uns Zuschauern erzählen, warum dieses Leben so ungewöhnlich war und was wir aus diesem Leben lernen können. Auch was wir anders machen würden oder wo der Porträtierte das vollkommen falsche getan hat. Am Ende des Films sollten wir mehr über den Protagonisten wissen, seine Handlungen verstehen und auch wissen, warum er eine so ungewöhnliche Person ist.
„Yves Saint Laurent“ versagt hier leider komplett.
Das verklärende Biopic ist nur ein vollkommen unkritischer Werbefilm. Aber wer will zwei Stunden Werbung sehen, wenn er im Fernsehen schon nach zwei Minuten den TV-Kanal wechseln würde?
Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.
Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.
Mit Steve McQueen, Dustin Hoffmann, Dalton Trumbo (Nebenrolle)
Zu Dom Hemingway hält man am besten einen ordentlichen Sicherheitsabstand. Denn er ist ein wandelndes Katastrophengebiet und etwas aus der Zeit gefallen. Immerhin sitzt er, als wir ihn das erste Mal sehen, seit zwölf Jahren im Gefängnis.
Diese erste Begegnung mit ihm setzt dann auch den Ton für den restlichen Film: Jude Law, der Dom Hemingway ist, steht mit nackten Oberkörper da, blickt starr in die Kamera und hält einen mehrminütigen, ungeschnittenen Monolog an sein bestes Teil, während dieses, wie wir später sehen, gerade von einem Mithäftling liebkost wird.
Danach wird Dom Hemingway entlassen. Als erstes verprügelt er in aller Öffentlichkeit den letzten Freund seiner verstorbenen Frau, versucht in einer Nacht den gesamten Drogen- und Sexkonsum der vergangenen zwölf Jahre nachzuholen und begibt sich mit seinem schweigsamen Freund Dickie (Richard E. Grant) nach Frankreich zu Mr. Fontaine (Demian Bichir). Er will seinen Anteil aus dem Bruch, für den der Safeknacker verurteilt wurde. Plus Zuschlag für sein Schweigen.
Mit „Dom Hemingway“ inszenierte Richard Shepard, von dem auch die durchgeknallte Killer-Komödie „Mord und Margaritas“ und der unterschätzten Polit-Thriller „Hunting Party“ sind, eine schwarzhumorige Gaunerkomödie voller Geschmacklosigkeiten. Denn Dom Hemingway mit seine abrupten Stimmungswechseln ist vollkommen unfähig für ein normales Leben. Das ist anfangs in seiner Kompromisslosigkeit grandios. Aber Shepard lässt seine Charakterstudie mit zunehmender Laufzeit immer stärker in eine beliebige Abfolge von Episoden aus dem Leben von Dom Hemingway münden. Denn Dom lebt nur für den Augenblick. Er zieht keine Konsequenzen aus seinen Taten. Da helfen auch nicht die gelegentlichen Anfällen von überbordendem Selbstmitleid. Das wird besonders deutlich nach der Frankreich-Episode.
Dom will sein Geld haben, aber ob der aalglatte und gefährlich höfliche Mr. Fontaine es ihm wirklich geben wird, ist unklar. Der Konflikt darüber, auch weil Dom natürlich sofort mit Fontaines gut aussehender Freundin Sex haben will, würde bei anderen Regisseuren für einen abendfüllenden Film ausreichen. Bei Shepard ist es nur eine Episode und nachdem Fontaines Freundin mit dem gesamten Geld verschwindet, verbucht Dom den Verlust achselzuckend als Pech und kehrt mittellos nach London zurück, wo er sich wieder als Safeknacker versucht. Dabei kann er überhaupt nicht verstehen, dass andere Menschen ihm sein asoziales Verhalten vorhalten und seine Tochter keinen Kontakt zu ihm haben möchte.
Aber spätestens nach dem Frankreich-Ausflug erfahren wir nichts wesentlich Neues mehr über Dom Hemingway. Eigentlich hat schon der Eröffnungsmonolog, der mich wirklich neugierig auf den Charakter und seine Erlebnisse außerhalb der Gefängnismauern machte, alles wichtige über ihn verraten.
So ist „Dom Hemingway“ nach einer grandiosen Eröffnung nur eine zunehmend langweilige Nummernrevue und eine Jude-Law-Soloshow. Denn der großmäulige, egozentrische Hohlkopf Dom Hemingway degradiert alle zu Stichwortgebern in seiner Welt.
Erstens: die spoilerfreie Besprechung. „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ ist ein weiterer Marvel-Film, der alles das enthält, was man von einem Marvel-Film erwartet und, im Gegensatz zu „The Amazing Spider-Man“, der nur Sam Raimis ersten Spider-Man-Film nacherzählte, ist der zweite „Amazing Spider-Man“-Film von Marc Webb mit Andrew Garfield als Spider-Man erfrischend eigenständig.
Zweitens: er hat natürlich auch etliche Probleme, die teilweise an Sam Raimis dritten Spider-Man-Film erinnern, die teilweise auch typisch Marvel sind – und die ich nur sinnvoll ansprechen kann, indem ich auch mehr oder weniger viel von der Handlung verrate. Obwohl die Überraschungen dann doch, jedenfalls für alle, die Raimis Filme, die Comics und die Spider-Man-Mythologie kennen, gar nicht so groß sind.
Jedenfalls: ab jetzt folgt die Filmbesprechung mit Irgendwie-Spoilern.
Peter Parker (Andrew Garfield) hat sich inzwischen an sein Leben als Spider-Man gewohnt. Lässig turnt er durch die Schluchten von New York, telefoniert mit seiner Freundin Gwen Stacy (Emma Stone), die ihn zur Schulabschlussfeier erwartet, rettet nebenbei einige Menschen, unter anderem Max Dillon (Jamie Foxx), und spielt mit den Bösewichtern, die irgendeine supergefährliche Flüssigkeit klauen wollen und als unauffälligste Methode für ihren Diebstahl fiel ihnen eine Straßenschlacht ein. Am Ende sind sie mit Spinnenfäden festgesetzt und Peter kommt fast pünktlich zur Abschlussfeier.
Nach diesem optisch ziemlich furiosen Auftakt (davor haben wir bereits erfahren, was mit Peters Eltern geschah, nachdem sie ihn bei seiner Tante May und Onkel Ben zurückließen) gibt es eine von vielen Verschnaufpause; eigentlich ist der gesamte Film bis zum finalen dritten Akt eine einzige, unnötig lang geratene und erzählerisch unnötig überladene, oft wenig zielführende Verschnaufpause, in der vieles aus dem Spider-Man-Universum angesprochen wird, die Macher sich die Freiheit für Abschweifungen nehmen und auch einiges für die nächsten Filme vorbereitet wird, weil die Macher wissen, dass sie ein folgsames, zahlungswilliges und mit der Mythologie vertrautes Publikum haben, was dazu führt, dass in dem Film einfach zu viel angesprochen wird, ohne dass es in diesem Film wirklich konsequent weitererzählt wird. Wichtige Stationen in Peters Leben werden dagegen fast schon lieblos erledigt, wie die Verarbeitung der Geschichte aus dem Comic „The Amazing Spider-Man # 121/122“ im Film.
Denn der Plot ist, mal wieder, so kompliziert, dass er sinnvoll kaum nacherzählbar ist. Wenn man es versucht, stellt man fest, dass die Geschichte als in sich schlüssige und stringente Geschichte nicht sonderlich viel Sinn ergibt. Das fällt beim Ansehen nicht so sehr auf, weil jede Szene für sich funktioniert. Nur halt in der Gesamtheit nicht.
Das mag auch daran liegen, dass Spider-Man in „Rise of Electro“ gegen drei Gegner kämpfen muss. Das war schon in Sam Raimis „Spider-Man 3“ eine schlechte Idee, die aus einem Spielfilm eine Zusammenstellung von drei Kurzfilmen machte. In „Rise of Electro“ kämpft Spider-Man daher nicht nacheinander gegen die drei Superschurken, sondern erst am Ende, mit einer kleinen Unterbrechung, hintereinander gegen die Bösewichter. Dummerweise besiegt er im Schlusskampf zuerst den titelgebenden Electro, der als titelgebender Bösewicht, wie wir es aus den James-Bond-Filmen kennen, eigentlich als letzter sterben sollte.
Er muss auch gegen seinen alten Freund Harry Osborn (Dane DeHaan in bester „Kill your Darlings“-Stimmung), der ziemlich spät im Film zu Green Goblin mutiert, kämpfen. Und dann ist da noch The Rhino, gespielt von Paul Giamatti, der hier vollkommen verschenkt ist und am Ende als Überraschungsei auftaucht, nachdem er schon im ersten Action-Set-Piece einer der Bösewichter war, der von Spider-Man festgesetzt wurde und anschließend vollständig aus der Geschichte verschwindet. Sowieso stehen sich die drei Bösewichter; – naja, eher zweieinhalb, denn The Rhino zählt nicht wirklich -, gegenseitig im Weg. Electro bleibt blass. Sein in Hass umschlagendes Spider-Man-Fantum ist eine eher schwache Motivation für einen Superbösewicht, der auch nicht weiß, was er mit seiner Superkraft anfangen soll und, nach seinem ersten Auftritt auf dem Times Square, sowieso die meiste Zeit des Films im Ravencroft Institute for the Criminally Insane festsitzt, wo ihn Dr. Kafka mit Stromstößen foltert. Harry Osborn ist dagegen als schnöseliger, todkranker Firmenerbe wesentlich interessanter und er wäre auch ein würdiger Hauptgegner für Spider-Man. Wenn da nicht eben der als Bösewicht furchtbar blasse Electro wäre.
Im Mittelpunkt steht eigentlich die Liebesbeziehung zwischen Peter und Gwen, die vielleicht demnächst in Oxford ihr Studium beginnt. Was Peter vor das gewaltige Problem stellt, dass er New York nicht verlassen will. Sowieso ist der Film ein ziemlicher Männerfilm, in dem nur die Geliebte und die Mutter (verkörpert durch Peters Tante) ein halbwegs individuelles Gesicht gewinnen, aber weitgehend auf die bekannten Klischees festgelegt sind.
Bei den Action-Set-Pieces sind die einzelnen Bilder beeindruckender, als die gesamte Szene. Die Kämpfe von Spider-Man gegen die Bösewichter sind sowieso ziemlich enttäuschend geraten. Denn sie sind ziemlich kurz und, dafür dass sie beeindrucken sollen, erstaunlich lieblos inszeniert. Denn es ist immer nur ein hastiges aneinanderfügen von Bildern, aber nie ein Ablauf von nachvollziehbaren Bewegungen, von Handlungen, die nachvollziehbare Folgen haben, von Kämpfen, die eine Geschichte erzählen. Es entsteht auch nie das Gefühl, dass hier Schauspieler wirklich in Gefahr sind. Stattdessen wirken alle „Action-Szenen“ wie Trickfilme.
Dabei schwingt Spider-Man sich vorher schwerelos durch die Schluchten von Manhattan.
Am Ende des mit 143 Minuten zu lang geratenen Films bleibt das Gefühl zurück, dass es besser gewesen wäre, sich auf einen Gegner, eine Geschichte, eine Laufzeit von unter zwei Stunden und eine gute Action-Regie zu konzentrieren.
Eins Festival, 00.55 Fräulein Smillas Gespür für Schnee (Deutschland/Dänemark/Schweden 1996, Regie: Bille August)
Drehbuch: Ann Biderman
LV: Peter Høeg: Frøken Smillas fornemmelse for sne, 1992 (Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Für die Polizei ist der Tod des kleinen Jungen ein tragischer Unfall. Für Fräulein Smilla ist es Mord. Die Suche nach dem Mörder führt sie in die Arktis.
Erstklassig besetzte, eher durchschnittliche Literaturverfilmung. Ist halt Qualitätskino ohne Ecken und Kanten.
Mit Julia Ormond, Gabriel Byrne, Richard Harris, Vanessa Redgrave, Robert Loggia, Mario Adorf Hinweise Rotten Tomatoes über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“
Wikipedia über „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ (deutsch, englisch)
Als Edmond Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, hätte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt, dass wir diesen Charakter heute immer noch kennen und es immer noch Pläne für eine Verfilmung gibt, wie Christian Alvart in Interviews anlässlich seines neuen Films „Banklady“ bestätigte. Denn als Hamilton die „Captain Future“-Geschichten schrieb, erschienen die meisten Romane der Serie im zwischen 1940 und 1944 vierteljährlich erschienenem „Captain Future Magazine“ und als Pulps waren sie, nun, potentielles Altpapier. Sie waren nicht für die Ewigkeit bestimmt und irgendwelche höheren literarische Ansprüche, geschweige denn Zeitungskritikerherzen, sollten auch nicht befriedigt werden. Es ging um Ablenkung von der rauhen Wirklichkeit. Unterhaltung eben.
In den Fünfzigern gab es einige deutsche Übersetzungen von „Captain Future“-Romanen als „Captain Zukunft“ im Erich Pabel Verlag. Die Romane dürften kaum noch erhältlich sein. Besser sieht es in den Antiquariaten mit den in den frühen Achtzigern erschienenn „Captain Future“-Romanen bei Bastei Lübbe aus, aber auch da muss man manchmal tief in den Geldbeutel greifen.
Am Bekanntesten dürfte bei uns natürlich die 1978/1979 entstandene japanische Zeichentrickserie sein, die ab September 1980 im ZDF ausgestrahlt wurde und sehr beliebt war; – was dann auch zur Veröffentlichung der Romane bei Bastei Lübbe führte.
Und seit einigen Jahren gibt der Golkonda-Verlag die „Captain Future“-Geschichten in originalgetreuen Ausgaben mit den Zeichnungen und ergänzenden Materialien aus dem „Captain Future Magazin“ heraus.
Jetzt ist der dritte „Captain Future“-Roman „Die Herausforderung“ erschienen. In ihm zerstören mehrere schwarze Raumkreuzer fast gleichzeitig die Gravium-Minen auf dem Merkur, dem Mars und dem Saturn. Gravium ist für die interplanetare Raumfahrt überlebenswichtig, weil mit Gravium die Schwerkraftregler hergestellt werden. Mit ihnen bewegt man sich auf jedem Planeten mit dem von seinem Heimatplaneten vertrautem Körpergewicht und ohne Schwerkraftregler würde man auf fremden Planeten krank.
Gleichzeitig wird Curtis Newton, auch bekannt als Captain Future, aus seiner Mondbasis entführt. Er ist die einzige Person, die den Plan der Angreifer vereiteln kann.
Dennoch gelingt Newton die Flucht aus dem Raumschiff seiner Entführer und er beginnt mit seinen treuen Gefährten, den Futuremen, die unbekannten Bösewichter und ihren Hintermann zu verfolgen.
Dabei führt die Spur ihn zum Neptun, wo die letzten verbliebenen Gravium-Minen sind.
Edmond Hamilton ist einer der Begründer der Space Opera, diesen Science-Fiction-Abenteuergeschichten, in denen Raumfahrer exotische Welten in der ganzen Galaxis besuchen und oft haarsträubende Abenteuer erleben.
Die Charaktere sind ziemlich eindimensional und klischeefest: der tapfere Captain Future, der keine Gefahr fürchtet und der ein Wissenschaftsgenie in allen Disziplinen ist. Seine ebenso tapferen Gefährten, die Futuremen, die mit wenigen Worten zum Leben erweckt werden: der Androide Otho und der Roboter Grag, die sich immer zanken. Und natürlich das Gehirn Simon Wright, das nur ein Gehirn in einem durchsichtigen, es am Leben erhaltenden Kasten ist.
Aber die 1940 geschriebene Geschichte bewegt sich mit Sieben-Planeten-Stiefeln vorwärts, ist voller Überraschungen und Ideen über Welten, Wesen und technische Erfindungen, die heute teilweise Alltag sind. Einiges ist aus heutiger Sicht auch herrlich falsch, weil bestimmte Probleme, mit denen Captain Future und seine Männer kämpfen, längst gelöst sind oder kein Problem sind.
Die Sprache steht der Handlung nie im Weg und die Geschichte ist ein wirklich kurzweiliger Spaß mit echten Pageturner-Qualitäten.
– Edmond Hamilton: Captain Future – Die Herausforderung (übersetzt von Frauke Lengermann) Golkonda, 2014 220 Seiten
14,90 Euro
– Originalausgabe
Captain Future’s Challenge
Captain Future Magazine, Sommer 1940
– Hinweise
Arte, 22.30 Storyseller – Wie Amazon den Buchmarkt aufmischt (D 2014, Regie: Brigitte Kleine)
Drehbuch: Brigitte Kleine
Gut einstündige Doku über Amazons neuen Anschlag auf die deutsche Buchwelt: der Buchhändler will jetzt auch Bücher verlegen – und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist davon nicht begeistert.
Aber das war, glaube ich, auch nicht, als Amazon den deutschen Markt betrat und als erstes dafür sorgte, dass englische Bücher überall in Deutschland schnell und zu vernünftigen Preisen erhältlich waren. Und dann warf Amazon diesen E-Book-Reader auf den Markt… Hinweis Arte über die Doku
Tele 5, 23.00 Kalifornia(USA 1993, Regie: Dominic Sena)
Drehbuch: Tim Metcalfe
Ein junges Paar unternimmt eine Überlandreise, auf der sie – für ein Buch – Orte besuchen, an denen Serienkiller mordeten. Um Benzingeld zu sparen, nehmen sie ein junges Paar mit. Was sie nicht wissen: sie haben das Objekt ihres Buches als Mitfahrer eingeladen.
„’Kalifornia‘ ist ein Roadmovie und variiert ohne eigene Qualitäten das zur Zeit im amerikanischen Kino beliebte Serienmörderthema.“ (Fischer Film Almanach 1994)
„Wir raten ab.“ (Lexikon des internationalen Films)
Nun, mir gefiel der kleine, gemeine Thriller mit dem genreüblichen Action-Showdown. In den USA gab es drei Saturn-Nominierungen der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, unter anderem als bester Horrorfilm und für das Drehbuch.
mit Brad Pitt, Juliette Lewis, David Duchovny, Michelle Forbes, Sierra Pecheur Wiederholung: Freitag, 18. April, 00.20 Uhr (Taggenau!) Hinweise Rotten Tomatoes über „Kalifornia“
Wikipedia über „Kalifornia“ (deutsch, englisch)
Das lief im Fernsehen wahrscheinlich zu der Zeit, zu der sogar Nachtarbeiter den Fernseher ausschalten, und eine so benutzerfreundliche Mediathek, wie der WDR für die Rockmusik hat, kenne ich für den Jazz nicht.
Die Band:
Pat Metheny (Gitarre)
Lyle Mays (Piano)
Mark Egan (Bass)
Dan Gottlieb (Schlagzeug)
Aufgezeichnet am 8. Juli 1980 im Onkel Pö, Hamburg.
–
Feine Musik, die gegen alles (auch Erkältung!) hilft.
Don Winslow wechselt den Verlag. Mal wieder, denkt der langjährige Fan, während sein Blick über das Don-Winslow-Regal wandert. Piper, Goldmann, Heyne (sein Trevanian-Ausflug) und Suhrkamp, der ihn in Deutschland in den vergangenen Jahren, nach einer elend langen Publikationspause, in der Don Winslow in den USA wichtige Preise erhielt und abgefeiert wurde, wieder aufbaute und erfolgreich machte. Als Winslow 2012 in Berlin sein neuestes Buch vorstellte, war der ziemlich große Saal bis auf den letzten Stehplatz ausverkauft. Muss ich noch mehr sagen?
Nun wechselt er von Suhrkamp zu Droemer Knaur, dem aktuellen Verlag von Michael Connelly und Friedrich Ani.
Don Winslow sagt zum Verlagswechsel: „Ich blicke gerne auf die jahrelange Zusammenarbeit mit Suhrkamp zurück und bin den Mitarbeitern sehr dankbar für alles, was sie für mich getan haben. Trotzdem haben mich die aktuellen Entwicklungen sowie der Abgang meiner zentralen Ansprechpartner dort veranlasst, mir einen neuen Verlagspartner in Deutschland zu suchen. Ich freue mich sehr darauf, mit Hans-Peter Übleis und dem Team von Droemer Knaur zusammenzuarbeiten. Ich freue mich außerdem bekanntzugeben, dass bei Droemer Knaur zahlreiche neue Bücher von mir erscheinen werden, darunter auch die Fortsetzung von Tage der Toten.“
Und Droemer Knaur freut sich über diesen Fang.
ZDF, 22.15 Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“ und „Verblendung“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery Hinweise Metacritic über „Sieben“ Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)