TV-Tipp für den 12. März: Peaky Blinders – Gangs of Birmingham: Geschenk des Teufels/Waffenpoker

März 12, 2015

Arte, 20.15
Peaky Blinders – Gangs of Birmingham: Geschenk des Todes/Waffenpoker (Großbritannien 2013, Regie: Otto Bathurst)
Drehbuch: Steven Knight
Birmingham, 1919: Tommy Shelby und seine Straßengang, die Peaky Blinders, sind die ungekrönten Herrscher in ihrem Viertel. Als seine Männer durch Zufall eine Waffenlieferung des Militärs erbeuten, glauben sie, das große Los gezogen zu haben. Aber der skrupellose Chief Inspektor Chester Campbell von der Royal Irish Constabulary wird aus London in die Industriestadt geschickt. Er soll die Waffen finden. Egal wie. Und dabei gleichzeitig unter den Verbrecherbanden, Gewerkschaften, den Linken, der IRA und allen Feinden der Krone aufräumen.
Ab heute zeigt Arte in Doppelfolgen die erste Staffel von „Peaky Blinders“, einer aufwenig produzierten Gangstersaga, die zwar vor gut hundert Jahren spielt, aber in der Wahl ihrer filmischen Mittel und der Musik ist die Serie absolut zeitgenössisch. Der Titelsong „Red Right Hand“ ist von Nick Cave and The Bad Seeds und es gibt noch mehr Alternative Rockmusik. Auch die starke Rolle der Frauen, die während des Krieges die Verbrecherbanden führten, wäre so in älteren Filmen nicht vorgekommen.
Die Story selbst zitiert immer wieder lustvoll Gangsterfilmklassiker und Steven Knight („Eastern Promises“) entwirft ein reichhaltiges Bild der damaligen Zeit und der politischen Wirren, die in den kommenden Jahrzehnten die Geschichte Englands bestimmten. Ich sage nur: IRA.
Und so ist „Peaky Blinders“ gleichzeitig mitreisendes Gangsterepos und Sozialstudie.
Die dritte Staffel ist bereits bestellt.
mit Cillian Murphy, Sam Neill, Helen McCrory, Paul Anderson, Joe Cole, Sophie Rundle, Eric Campbell, Ned Dennehy, Annabelle Wallis, Tony Pitts

Die DVD ist bei Koch Media erschienen
Peaky Blinders - Staffel 1 - DVD-Cover
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of
Länge: 322 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
BBC Two über „Peaky Blinders“
Moviepilot über „Peaky Blinders“
Arte über „Peaky Blinders“
Wikipedia über „Peaky Blinders“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Pierce Brosnan ist „The November Man“

März 11, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=pgMW9Lmp810

Mit seinem neuesten Film „The November Man“ kehrt Pierce Brosnan zurück in die Welt der Geheimagenten und, auch wenn die Story ziemlich verwickelt ist, steht der Film eher in der James-Bond- als in der „Der Schneider von Panama“-Tradition.
Brosnan spielt Peter Devereaux, einen Ex-CIA-Agenten, der jetzt in Lausanne als Gastwirt eine ruhige Kugel schiebt. Da bittet ihn sein alter Vorgesetzter Hanley um Hilfe. Natalia Ulanova hat Beweise, die dem zukünftigen russischen Präsidenten Arkady Federov die Macht kosten könnten und die sie an den Westen weitergeben möchte. Wenn sie – Schöne Grüse von „Liebesgrüße aus Moskau“ – von Devereaux aus Moskau herausgeholt wird. Devereaux lehnt ab. Er ist dann aber doch im richtigen Moment in Moskau und kann sie vor ihren russischen Verfolgern retten. Auf ihrer Flucht wird sie allerdings von dem US-amerikanischen Rettungsteam, das ebenfalls vor Ort ist, erschossen.
Weil Natalia eine alte Freundin von Devereaux ist, will er sie rächen und die Hintergründe für den ganzen Schlamassel herausfinden. Seine beste Spur ist Alice Fournier (Olga Kurylenko), eine Sozialarbeiterin, die minderjährigen Prostituierten hilft.
In Belgrad beginnt ein leichengesättigtes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Devereaux und der CIA und seinem ehemaligen Schüler David Mason (Luke Bracey) und einem russischen Ein-Frau-Killerkommando, bei dem nicht auffällt, dass Roger Donaldsons Film auf einem dreißig Jahre altem Agenten-Thriller basiert.
Bill Granger schrieb zwischen 1979 und 1993 dreizehn Romane mit Devereaux, einem Agenten für die R Sektion, die von Präsident Kennedy gegründet wurde, um die Überwacher zu überwachen. Für den Film wurde – was ja nicht immer der Fall ist – die Geschichte von „There are no spies“ umfassend modernisiert und in die Gegenwart verlegt. Die Konflikte, die politischen Hintergründe und die Technik ebenso. Denn als Granger den siebten „November Man“-Roman schrieb waren Handys und die modernen Überwachungstechniken noch Science-Fiction. Dafür gab es den Ostblock noch.
Roger Donaldson, der bereits mit „No Way Out“, „Der Einsatz“ und „Bank Job“ (wobei hier der Gangsterfilm im Vordergrund steht) gelungene, im Agentenmilieu spielende Thriller inszenierte und Pierce Brosnan vor „Dante’s Peak“ vulkanös in Szene setzte, hat mit seinem neuesten Film wieder gutes Erzählkino abgeliefert. Es ist grundsolide Genreware, für die sich niemand zu schämen braucht und die vor allem auf die Cleverness des Helden setzt.
An „The November Man“ sieht man aber die verheerenden Folgen von „24“ für solche sich mit mittleren Budgetrahmen bewegende Spionagethriller. Denn „24“ und einige andere hochkarätige TV-Serien sehen so gut aus, dass sie sich vor Kinofilmen nicht mehr verstecken müssen. Im Gegenzug sehen die Kinofilme dann zu sehr nach TV aus und irgendwie erwartet man noch ein, zwei Wendungen, gleichzeitig mehr und weniger Handlung und der Protagonist soll noch etwas zwiespältiger sein. Dabei ist Devereaux, wie man es aus den Siebziger-Jahre-Thrillern kennt, ein eiskalter, illusionsloser Killer, der gnadenlos und ohne Gewissensbisse Gewalt einsetzt. Sein schlechtes Gewissen, falls er überhaupt eines hat, bekämpft er mit Alkohol. Jedenfalls trinkt er Schnäpse wie andere Menschen Säfte. Und er würde niemals zu einem Therapeuten gehen oder sich von seinem Land für deren Politik einspannen lassen. Das unterscheidet ihn von einem Jack Bauer oder einem Jason Bourne.
Auch wenn die Kritiken gemischt waren – vor allem wurde bemängelt, dass der Film nicht mehr als ein solider Genrefilm sein will -, haben die Produzenten bereits einen zweiten Film mit Devereaux ankündigt.
Und das ist eigentlich eine gute Nachricht für den Genrejunkie, der natürlich darauf hofft, dass das Potential des Charakters stärker ausgeschöpft wird.

The November Man - DVD-Cover

The November Man (The November Man, USA 2014)
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Michael Finch, Karl Gaydusek
LV: Bill Granger: There are no spies, 1986 (Wiederveröffentlichung mit dem Filmtitel „The November Man“; was dummerweise auch der Titel des ersten Devereaux-Romans ist, der dafür jetzt einen anderen Titel hat)
mit Pierce Brosnan, Olga Kurylenko, Luke Bracey, Bill Smitrovich, Will Patton, Lazar Ristovski, Amila Terzimehic, Mediha Musliovic

DVD
Universum Film
Bild: 1,40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch für Horgeschädigte
Bonusmaterial (27 Minuten): Featurettes „Pierce Brosnan ist zurück!“, „Schauplatz Belgrad“, Making Of, Trailer, Wendecover
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „The November Man“
Metacritic über „The November Man“
Rotten Tomatoes über „The November Man“
Wikipedia über „The November Man“ (deutsch, englisch) und Bill Granger
SpyGuysAndGals über Devereaux

https://www.youtube.com/watch?v=B0q8cKvLZN0


TV-Tipp für den 11. März: Who killed Marilyn?

März 11, 2015

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=FRbOlC6SEAE

Arte, 20.15
Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)
Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Drehbuch: Gérald Hustache-Mathieu, Juliette Sales (Mitarbeit)
Jura: Der Krimi-Autor David Rousseau will herausfinden wer die Dorfschönheit und Wetterfee Candice Lecoeur ermordete.
Und weil Candice eine große Bewunderin von Marilyn Monroe war, gibt es in dieser gelungenen Krimikomödie auch zahlreiche Anspielungen auf MMs Leben.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot, Arsinée Khanjian, Eric Ruf
Wiederholung: Donnerstag, 12. März, 13.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Who killed Marilyn?“

Rotten Tomatoes über „Who killed Marilyn?“

Wikipedia über „Who killed Marilyn?“

Meine Besprechung von Gérald Hustache-Mathieus „Who killed Marilyn?“ (Poupoupidou, Frankreich, 2011)


Cover der Woche

März 10, 2015

Gosling - Töten ist ein einsames Geschäft


TV-Tipp für den 10. März: Black Tiger

März 10, 2015

Herzlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag, Chuck Norris!
Deshalb

https://www.youtube.com/watch?v=yv82NzTa9wg
Tele 5, 20.15
Black Tiger (USA 1979, Regie: Ted Post)
Drehbuch: Bruce Cohn, Mark Medoff (nach einer Geschichte von Joseph Fraley)
1973, während der Friedensverhandlungen zur Beendigung des Vietnamkrieges, geht eine Befreiung von amerikanischen Kriegsgefangenen aus einem nordvietnamesischem Lager schief. Einige Jahre später erfährt John T. Booker (Chuck Norris), dass seine Einheit verraten wurde und jetzt auch seine damals überlebenden Kameraden sterben sollen. Das – ähem – gefällt ihm überhaupt nicht.
„Black Tiger“ (Good Guys wear black) war einer der ersten „Missing in Action“-Filme, die einige Jahre später äußerst populär waren. Davon abgesehen ist Ted Posts Film ein nicht sonderlich bemerkenswerter billiger Action-Film, der immerhin mit Siebziger-Jahre-Flair punkten kann.
Eigentlich hat sich Chuck Norris 2001, nach dem Ende der TV-Serie „Walker, Texas Ranger“, die es immerhin auf gut zweihundert Folgen und neun Staffeln brachte, zur Ruhe gesetzt. In „The Expendables II“ hatte er dann seinen bislang letzten Auftritt, der vor allem ein Fan-Service war (und er für seine actionarme Rolle einen eigenen Stuntman hatte). Seine popkulturell wichtigste Zeit waren die achtziger Jahre, als er zuverlässig einen Action-Kracher nach dem nächsten ablieferte, oft mit einer politisch bedenklichen Botschaft: „Missing in Action“ (mehrere Filme), „Invasion U. S. A.“, „Delta Force“, „McQuade, der Wolf“ und „Cusack, der Schweigsame“ sind seine bekanntesten Werke.
Im Anschluss, um 22.05 Uhr, läuft – anscheinend zum ersten Mal im TV und vielleicht sogar ungekürzt – mit „Octagon – Die Rache der Ninja“ (The Octagon, USA 1980) ein weiterer Chuck-Norris-Film.
mit Chuck Norris, Anne Archer, James Franciscus, Lloyd Haynes, Dana Andrews, Jim Backus
Wiederholung: Freitag, 13. März, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Black Tiger“
Wikipedia über „Black Tiger“ und Chuck Norris
Chuck Norris in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Julianne Moore sucht die „Maps to the Stars“

März 9, 2015

Während in den USA David Cronenbergs neuer Film gerade in den Kinos anläuft, erscheint er bei uns schon auf DVD – und ich nehme die Gelegenheit wahr, mir den Film wieder ansehen und meine erste Meinung zu überprüfen.
Zum Kinostart schrieb ich:

Natürlich muss in einem Film nicht alles logisch sein. Manchmal muss man halt die Logik links liegen lassen und wenn der Rest stimmt, habe ich als alter Alfred-Hitchcock-Fan kein Problem damit. Auch eine Abfolge absurder Zufälle kann ich akzeptieren. Wenn der Rest stimmt.
In David Cronenbergs neuem Film „Maps to the Stars“ gibt es eine überschaubare Zahl absurder Zufälle, aber viel zu viele vollkommen unlogische Momente; sowohl in der Realität als auch in der Fantasie und wie beide Welten miteinander zusammenhängen. Denn „Maps to the Stars“ spielt in Hollywood. Die Traumfabrik ist natürlich Thema des Films und fast alle Charaktere haben Probleme mit der Realität. Sie haben immer wieder Visionen und Geister hängen überall herum in der Stadt der Engel. Insofern zeigt Cronenberg wieder einmal eine dystopische Welt, in der Schauspieler von ihren Alpträumen verfolgt werden und sie ein gestörtes Verhältnis zu sich und ihrem Körper haben.
So will Havanna Segrand (Julianne Moore), deren Karriere vor sich hin dümpelt, in einem Biopic unbedingt ihre Mutter, zu der sie keine gute Beziehung hatte, spielen. In ihren Tagträumen wird sie von ihrem Geist verfolgt.
Auch der dreizehnjährige Jungstar Benji Weiss (Evan Bird) sieht Geister. Denn der drogensüchtige, frisch aus der Therapie entlassene Kotzbrocken glaubt, dass alle jüngeren Schauspieler ihm die Show stehlen wollen.
Seine Eltern kümmern sich, abgesehen von seiner Karriere, nicht um ihn. Sie pflegen die Fassade des heilen Familienlebens. Benjis Mutter Cristina (Olivia Williams) managt seine Karriere und damit ihr Einkommen. Sein Vater Stafford (John Cusack) ist ein gut verdienender Selbsthilfeguru mit einer TV-Show, der seine Hollywood-Patienten mit einer Gaga-Therapie therapiert, die – immerhin sind wir in einem Cronenberg-Film – an eine Vergewaltigung, bei der das Opfer Geld dafür bezahlt, erinnert.
Ihre Tochter verleugnen sie so gut, dass anscheinend niemand etwas über sie weiß. Sie wurde einfach vor einigen Jahren aus der Familie ausradiert.
Agatha (Mia Wasikowska), die diese Tochter ist, was wir allerdings erst relativ spät im Film erfahren (bis dahin ist sie nur eine junge, schüchterne Frau mit Verbrennungen), kehrt am Filmanfang aus einer geschlossenen Anstalt (auch das erfahren wir erst sehr spät und noch später erfahren wir, warum sie dort war) vom anderen Ende des Landes in einem Greyhound-Bus nach Hollywood zurück, lässt sich von einem Chaffeur (Robert Pattinson), der natürlich in Hollywood Karriere machen möchte, in einer Nobellimousine wie ein Landei, das zum ersten Mal in Hollywood ist, durch die Stadt kutschieren, steigt dann in einem billigem Motel ab und erhält zufällig eine Arbeit bei Havanna Segrand.
Bei ihren Eltern meldet sie sich nicht. Die erfahren auch nur zufällig, dass ihre Tochter wieder zurück ist.
Gerade am Anfang sieht „Maps to the Stars“ wie eine weitere Satire auf Hollywood auf, die gelungen und mit offensichtlichen Anspielungen an Meisterwerke wie Billy Wilders „Sunset Boulevard – Boulevard der Dämmerung“, Robert Altmans „The Player“ oder David Lynchs „Mulholland Drive“ anknüpft. Schon früh bewegt Cronenberg sich allerdings von der Hollywood-Satire weg zu einem Geisterfilm. Plötzlich hängen überall Geister herum und sie erscheinen auch jedem; oft ohne dass ein direkter und konkreter Bezug zu den Taten, Wünschen und Ängsten der Person, die sie sieht, erkennbar ist. Eben diese Beliebigkeit, die eine gute Szene mehr schätzt als eine sinnvolle Gesamtkonstruktion der Geschichte, lässt das Interesse schnell erlahmen. Denn ein irgendwie nachvollziehbarer Ursache-Wirkungszusammenhang ist nicht mehr zu erkennen.
Aber das ist noch nicht die letzte Drehung in dieser Geschichte, die zunächst wie ein Ensemblefilm angelegt ist. Die verschiedenen Plots laufen, ziemlich gewollt, zu einem Porträt einer dysfunktionalen und vollkommen verkorksten Familie zusammen, das allerdings wenig interessiert, weil in dem Moment nur noch ein Anything-goes-Gefühl herrscht. Entsprechend wenig schockierend fallen dann die letzten Enthüllungen der Geheimnisse der Familie Weiss aus.
Sie bestätigen nur den Eindruck, dass Regisseur David Cronenberg und Autor Bruce Wagner („Wild Palms“) nicht wussten, was sie letztendlich erzählen wollten.
Wenn man den Film allerdings als einen surrealen Traum sieht, bei dem nichts wirklich zusammenpasst, bei dem jede Erklärung von dem nächsten Bild sabotiert wird, bei dem man sich nur auf den Augenblick konzentriert, dann entwickelt er sicher ungeahnte Qualitäten.

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch an Julianne Moore, die vor wenigen Tagen für ihre Rolle in „Still Alice“ den schon lange verdienten Oscar gewonnen hat. Für „Maps to the Stars“ hätte sie ihn, wenn der Film nicht erst vor einigen Tagen regulär in den US-Kinos angelaufen wäre, auch bekommen können. Für die nächste Oscar-Preisverleihung dürfte Cronenbergs Film dann schon etwas zu alt sein.
Und jetzt zu David Cronenbergs „Sunset Boulevard“ (Boulevard der Dämmerung). Auch beim zweiten Sehen ist erschreckend, wie sehr „Maps to the Stars“ in der zweiten Hälfte in sich zusammenfällt. Denn anstatt bei der Hollywood-Satire zu bleiben, wird „Maps to the Stars“ über weite Strecken zu einem Familiendrama, das nicht sonderlich interessiert. Dafür sind die Charaktere zu eindimensional und zu sehr auf Satire getrimmt. Die Enthüllungen aus der Familie Weiss, die uns schockieren sollen, sind in diesen Momenten zu beliebig. Anstatt zu schockieren, lösen sie höchstens das Da-will-aber-jemand-unbedingt-ein-Tabu-brechen-Achselzucken aus. Denn im Gegensatz zu „Chinatown“, wo am Ende Privatdetektiv J. J. Gittes (Jack Nicholson) mit der Fassung ringt, gibt es in „Maps to the Stars“ nur gähnende Langeweile. In diesen Momenten wird die Filmgeschichte nicht mehr von den Charakteren, sondern nur noch vom Willen des Drehbuchautors nach einer einer weiteren Plotwendung vorangetrieben. Also gibt es eine Enttarnung (Inzest!), ein, zwei Morde, Tote und einen erschossenen Hund, dessen Tod von seinem Besitzer wirklich betrauert wird. Im Gegensatz zu all den anderen Toten.
Das ist schade. Denn gerade in der ersten Hälfte gelingen Cronenberg herrlich verdichtete Szenen aus einer sonnigen Vorhölle, in denen alles stimmt.
Das Bonusmaterial besteht hauptsächlich aus Interviews mit den Beteiligten, die vor dem Filmstart für das EPK (Eletronic Press Kit) gemacht wurden. Deshalb konzentriert es sich weniger auf das Informative, sondern mehr auf das Werbliche. Aber gerade die insgesamt gut 33 Minuten Interviewschnipsel geben auch einige Einblick in die Filmgeschichte, ohne etwas Grundlegendes zu verraten. Immerhin sollen die Interviewclips ja in Berichten über den Film verwandt werden und da wäre es blöd, wenn das Ende verraten würde.
Die beiden Featurettes sind in knapp vier Minuten angesehen und die dreizehn Minuten B-Roll sind halt B-Roll.

Maps to the Stars - DVD-Cover 4

Maps to the Stars (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
mit Julianne Moore, Robert Pattinson, Mia Wasikowska, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Carrie Fisher
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

DVD
MFA
Bild: 1.85:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DTS HD 5.1),
Unertitel: Deutsch, SDH (Untertitel für Hörgeschädigte)
Bonusmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack; Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz; B-Roll; Zwei Featurettes; Zwei TV-Spots; Trailer
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Die „Maps to the Stars“-Pressekonferenz vom Toronto International Film Festival (TIFF)


Bonushinweis

Cronenberg - Verzehrt - 4

Immer noch nicht gelesen, aber David Cronenbergs erster Roman „Verzehrt“ erhielt schon einige lobende Worte und ganz schlecht kann er nicht sein. Er erzählt von einer Journalistin und einem Fotograf, die viel miteinander skypen. Sie recherchiert in Paris einen Mordfall: der berühmte Philosoph Aristide soll seine Frau ermordet haben. Er fotografiert in Budapest eine riskante Operation und verliebt sich in die Patientin.
Er drehte auch, obwohl sie nichts Ungewöhnliches zeigen, einige sehr verstörende Trailer zum Buch:

Oder, länger, diesen Kurzfilm „The Nest“:

https://www.youtube.com/watch?v=odFh5LbTPI4

David Cronenberg: Verzehrt
(übersetzt von Tobias Schnettler)
S. Fischer Verlag, 2014,
400 Seiten
22,99 Euro

Originalausgabe
Consumed
Hamish Hamilton (Penguin Canada Books Inc.), 2014

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Maps to the Stars“
Moviepilot über „Maps to the Stars“
Metacritic über „Maps to the Stars“
Rotten Tomatoes über „Maps to the Stars“
Wikipedia über „Maps to the Stars“ 

Meine Besprechung von Marcus Stigleggers “David Cronenberg” (2011)

Meine Besprechung von David Cronenbergs „Cosmopolis“ (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)

Meine Besprechung von David Cronenbergs “Maps to the Stars” (Maps to the Stars, Kanada/USA/Deutschland/Frankreich 2014)

David Cronenberg in der Kriminalakte

Und zum Abschluss einige Worte vom Meister. Alle gesprochen im Umfeld der Veröffentlichung von „Verzehrt“:

Er liest aus seinem Roman vor und spricht über ihn (St. Francis College, 2. Oktober 2014)

Ein Gespräch zum Roman „Verzehrt“; nicht nur über den Roman (aufgenommen Ende September in Toronto bei einer öffentlichen Prösentation; Bild und Ton sind – naja):

Und Wired hat sich ebenfalls mit David Cronenberg über seinen Roman unterhalten:

 


TV-Tipp für den 9. März: Der gläserne Schlüssel

März 9, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=3t9fD9sfrTc

Arte, 22.20
Der gläserne Schlüssel (USA 1942, Regie: Stuart Heisler)
Drehbuch: Jonathan Latimer
LV: Dashiell Hammett: The Glass Key, 1932 (Der gläserne Schlüssel)
Ist der korrupte Politiker Paul Madvig auch ein Mörder? Sein Assistent Ed Beaumont versucht die Unschuld seines Chefs zu beweisen.
Ein Noir-Klassiker, der zuletzt vor Ewigkeiten im TV lief und an den ich mich nur noch vage erinnere. Aber Buch (Hammett!) und Film (Ladd! Lake!) haben mir damals verdammt gut gefallen.
„Die politischen Bezüge, die enge Verbindung zwischen Verbrechen und Politik sind weniger explizit als in Hammetts Roman (…), werden aber benannt und machen aus ‚Der gläserne Schlüssel‘ eines der wenigen Kriminaldramen des ‚Film noir‘ mit einem konkreten gesellschaftspolitischen Hintergrund.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
„Zwar keine sehr werkgetreu, aber nach ‚The Maltese Falcon‘ die wohl interessanteste Umsetzung einer Hammett-Vorlage.“ (Paul Werner: Film noir)
Nächsten Montag, den 16. März, zeigt Arte zwei weitere, selten gezeigte Noir-Klassiker: um 20.15 Uhr „Die blaue Dahlie“ und um 21.50 Uhr „Unter falschem Verdacht“ – und, wenn man so will, um 00.55 Uhr „Chinatown“.
Alle Filme laufen im Rahmen des Arte-Krimifrühling, der heute beginnt und uns bis Ende März einige Filmperlen zeigt.
Mit Brian Donlevy, Veronica Lake, Alan Ladd, Bonita Granville, Joseph Calleia, Richard Denning, William Bendix

Hinweise

Noir of the Week über „Der gläserne Schlüssel“

Der Film Noir über „Der gläserne Schlüssel“

Rotten Tomatoes über „Der gläserne Schlüssel“

Turner Classic Movies über „Der gläserne Schlüssel“

Wikipedia über „Der gläserne Schlüssel“ (deutsch, englisch)

Dashiell Hammett und Jonathan Latimer in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. März: Fargo – Blutiger Schnee

März 8, 2015

Tele 5, 20.15

Fargo – Blutiger Schnee (USA 1996, Regie: Joel & Ethan Coen)

Drehbuch: Joel & Ethan Coen

Minnesota, im Winter: Autoverkäufer Jerry Lundegaard will an die Kohle von seinem Schwiegervater gelangen. Er lässt seine Frau von zwei strohdumm-gewalttätigen Verbrechern kidnappen. Selbstverständlich geht alles, was schief gehen kann, schief und die hochschwangere Polizeichefin Marge Gunderson darf Leichen einsammeln.

„Oh, jeez“, was für ein herrlich doppelbödiger, schwarzhumoriger Kriminalfilm. „Fargo“ gehört unbestritten zu den besten Werken der Coen-Brüder.

Mit Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, Bruce Campbell (ungenannt)

Wiederholung: Montag, 9. März, 02.10 (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Fargo”

Wikipedia über “Fargo” (deutsch, englisch)

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Der klassische Horrorfilm „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“

März 7, 2015

https://www.youtube.com/watch?v=nxyCdPPE5Tc

Ich habe keine Ahnung, warum „Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen“ keinen deutschen Kinostart bekommen hat. Denn an der Besetzung und der Story kann es nicht liegen. Brad Anderson, zuletzt „The Call – Leg nicht auf“, liefert hier wieder einen spannenden Genrefilm. Dieses Mal ist es ein fast schon klassischer Horrorfilm, der auf der Kurzgeschichte „Das System des Doktors Pech und des Professors Feder“ von Edgar Allan Poe basiert, die etwas modernisiert und ordentlich erweitert wurde.
Weihnachten 1899 trifft der junge Arzt Edward Newgate (Jim Sturgess) in der abgelegenen Irrenanstalt Stonehearst ein. Der Anstaltsleiter Dr. Lamb (Ben Kingsley) führt ihn durch die Anstalt und macht ihn mit seinem Therapiekonzept bekannt: die Patienten genießen maximale Freiräume. Sie dürfen ihren Wahn ausleben und sind glücklich. Lamb gibt ihnen ein sicheres Umfeld. Denn was ist besser: ein glücklicher Mann, der sich für ein Pferd hält oder ein therapierter, aber unglücklicher Mann? Newgate ist fasziniert. Vor allem von der bildschönen Pianistin Eliza Graves (Kate Beckinsale).
Als er in der Nacht durch das riesige Haus streift, entdeckt er im Keller eine Gruppe Gefangener, die behaupten, dass sie von ihren Patienten im Keller eingesperrt wurden, sie vollkommen normal seien und er ihnen helfen solle. Aber wie? Und sagen sie ihm die Wahrheit? Denn natürlich behauptet jeder Irre, dass nicht er, sondern die anderen verrückt sind.
Neben den schon erwähnten Stars Jim Sturgess, Kate Beckinsale und Ben Kingsley sind auch Michael Caine (als einer der im Keller Eingesperrten), David Thewlis, Brendan Gleeson (eigentlich nur eine Nebenrolle) und Jason Flemying bei diesem Trip in den Wahnsinn dabei.
Anderson inszenierte die Geschichte ohne neumodische Effekthaschereien gediegen altmodisch wie einen klassischen Horrorfilm, der genau deshalb gefällt und der, im Gegensatz zu „Die Frau in Schwarz 2: Engel des Todes“ allemal einen Kinostart verdient hätte. Denn „Stonehearst Asylum“ ist in jeder Beziehung der bessere Film.

Stonehearst Asylum - DVD-Cover

Stonehearst Asylum – Diese Mauern wirst du nie verlassen (Stonehearst Asylum, USA 2014)
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Joe Gangemi
LV: Edgar Allan Poe: The System of Doctor Tarr and Professor Fether, 1845 (Das System des Doktors Pech und des Professors Feder, Kurzgeschichte)
mit Jim Sturgess, Kate Beckinsale, Ben Kingsley, Michael Caine, David Thewlis, Brendan Gleeson, Jason Flemying

DVD
Universum Film
Bild: 2.40:1 (16:9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Wendecover
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Moviepilot über „Stonehearst Asylum“
Rotten Tomatoes über „Stonehearst Asylum“
Wikipedia über „Stonehearst Asylum“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brad Andersons „The Call – Leg nicht auf!“ (The Call, USA 2013)


TV-Tipp für den 7. März: Der Falke und der Schneemann

März 7, 2015

ServusTV, 22.15

Der Falke und der Schneemann (USA 1984, Regie: John Schlesinger)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Robert Lindsey: The Falcon and the snowman, 1979

Musik: Pat Metheny (und dem David Bowie-Hit „This is not america“)

Auf Tatsachen basierendes Drama über zwei Jugendliche, die mäßig brisante Geheimdokumente an die UdSSR verkauften und 1977 zu lebenslanger beziehungsweise 40-jähriger Haft verurteilt wurden. Inzwischen sind sie auf Bewährung entlassen.

Nach 9/11, der Hatz auf islamistische Terroristen und ihr Umfeld und den Whistleblowern der vergangenen Jahre, zuletzt Edward Snowden, ist „Der Falke und der Schneemann“ als düsteres Drama über jugendlichen Idealismus wieder sehr aktuell.

Mit Sean Penn, Timothy Hutton, Pat Hingle, Joyce Van Patten

Wiederholung: Sonntag, 8. März, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Falke und der Schneemann“

Wikipedia über „Der Falke und der Schneemann“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Die französische Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“

März 6, 2015

Die Béliers sind eine ganz normale Bauernfamilie mit einem kleinen Handicap. Bis auf ihre Tochter Paula sind sie alle taub. Deshalb muss der Teenager nicht nur auf dem Wochenmarkt dolmetschen, sondern auch – neben der Schule – alle Telefonate mit den Geschäftspartnern erledigen. Dennoch ist sie zufrieden. Sie hat eine tolle Familie, die eisern zusammen hält, und gute Freunde. Vor allem mit ihrer Freundin kann sie den Frust, nicht zu einer Party eingeladen werden, zu der sie eh nicht hingehen wollte, weglästern.
Den Musikkurs an der Schule belegt sie dann auch nicht, weil sie singen will, sondern weil sie in der Nähe von ihrem Schwarm sein will. Der fliegt allerdings schon beim Vorsingen aus dem Chor und der Chorleiter, Monsieur Thomasson, ist von ihrer Stimme begeistert. Endlich hört er eine talentierte Stimme. Paula könnte sogar in Paris an einer renommierten Musikakademie aufgenommen werden. Paris würde natürlich bedeuten, dass sie ihre Familie verlassen muss.
Zur gleichen Zeit entschließt sich ihr Vater gegen den von allen gehassten Bürgermeister zu kandidieren. Rodolphe sieht keine Probleme bei diesem Selbstmordkommando. Dass er sich bislang nicht politisch engagierte, dass er von Politik keine Ahnung hat, dass er in keiner Partei ist, dass er taub ist; all das stört ihn nicht. Er hat ja Paula, die seine Reden übersetzen kann. Seine Frau Gigi hält zu ihm. Und dann ist da ja noch Paulas Bruder Quentin.
Außerdem steht dieser Polit-Plot, der im Trailer ja ausführlich angesprochen wird, nicht im Mittelpunkt der Komödie „Verstehen Sie die Béliers?“. Es ist ein verzichtbarer Subplot, der nur für einige schnelle Lacher eingefügt wurde. Was schade ist. Denn aus diesem Wahlkampf hätten die Macher viel Komödiengold schöpfen können. Da wäre ein kleines Sittenbild der Provinzpolitik und ein differenziertes Statement zum Umgang der Gesellschaft mit Behinderten möglich gewesen.
Im Mittelpunkt steht dagegen die Tochter Paula, die sich entscheiden muss, ob sie bei ihrer Familie auf dem Land bleibt oder ihr Glück in Paris versuchen soll. Außerdem verliebt sie sich in einen Klassenkameraden.
Éric Lartigau reichert diese durchaus feinfühlig erzählte Coming-of-Age-Geschichte mit einigen witzigen bis klamaukigen Episoden an, die sich immer um die tauben Mitglieder der glücklichen Familie Béliers drehen. Sie unterhalten sich in Gebärdensprache lauter als einige normale Familien. Leider – auch wenn im Presseheft gesagt wird, dass alle Hauptdarsteller längere Zeit in der Gebärdensprache unterrichtet wurden – erinnert ihr Spiel vor allem an das übertriebene, nervig exaltierte Spiel von Stummfilmschauspielern.
Und immer wieder spricht Paula laut aus, was sie ihren Eltern oder ihrem Bruder in Gebärdensprache sagt. Das ist als Service am Untertitel-lesefaulen Publikum zwar okay, aber es stört mich immer wieder, weil es unrealistisch ist. Genauso wie ein normaler Mensch sich selbst keinen Text laut vorliest. Und es zeugt vom mangelnden Mut der Macher, eine Idee konsequent durchzuhalten.
Wobei „Verstehen Sie die Béliers?“ auch kein tiefschürendes Drama sein will. Es ist eine auf Harmonie getrimmte Sommerkomödie, die einige ungewöhnliche Menschen in den Mittelpunkt stellt, ihre Behinderung vor allem als Anlass für Witze sieht und eine ziemlich biedere Moral hat, die so ähnlich auch in anderen französischen Erfolgskomödien auftaucht, die wenig bis nichts mit der aktuellen Wirklichkeit zu tun haben. Denn das glückliche Leben der Béliers auf ihrem Bauernhof und das lauschige Provinzdorf gehören in die fünfziger Jahre, als die Welt noch in Ordnung war.
In Frankreich wurde Lartigaus Film inzwischen von fast sieben Millionen Zuschauern gesehen.

Ach ja: die Idee von Monsieur Bélier, in die Politik zu gehen, ist gar nicht so unrealistisch. In Deutschland zog 2011 Martin Zierold als erster Gehörloser in ein deutsches Parlament, in Berlin in die Bezirksverordnetenversammlung Mitte ein. Und, ich kenne ihn von einigen Veranstaltungen: er ist ein sehr ruhiger Typ.

Verstehen Sie die Beliers - Plakat

Verstehen Sie die Béliers? (La Famille Béliers, Frankreich 2014)
Regie: Éric Lartigau
Drehbuch: Victoria Bedos, Stanislas Carré de Malberg, Éric Lartigau (Adaption), Thomas Bidegain (nach einer Originalgeschichte von Victoria Bedos)
mit Karin Viard, Francois Damiens, Éric Elmosnino, Louane Emera, Luca Gelberg, Roxane Durand, Ilian Bergala, Stephan Wojtowicz
Länge: 106 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verstehen Sie die Béliers?“
Moviepilot über „Verstehen Sie die Béliers?“
Rotten Tomatoes über „Verstehen Sie die Béliers?“
AlloCine über „Verstehen Sie die Béliers?“
Wikipedia über „Verstehen Sie die Béliers?“ (englisch, französisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Chappie“ – oder „Robocop“ in Johannesburg

März 6, 2015

„Chappie“ – damit wir diese Blödelei gleich hinter uns haben – hat nichts mit dem Hundefutter zu tun. „Chappie“ ist der neue Film von Neill Blomkamp, der mit „District 9“ und „Elysium“ zwei überzeugende Science-Fiction-Filmen ablieferte, in denen es neben satten Portionen Action auch immer eine sozialkritische Botschaft gab. Die hat „Chappie“ auch. Allerdings nur in homöopathischen Dosen. Denn im Kern ist er, wie „Real Steel“ (ebenfalls mit Hugh Jackman), eine Kindergeschichte über richtige und falsche Vorbilder mit für Kindern zu brutalen Kampfszenen.
Gleich bei dem ersten Einsatz der wie menschliche Skelette aussehenden Polizeiroboter, die in Johannesburg, Südafrika, gegen Verbrecher eingesetzt werden, gibt es von beiden Seiten keine Gnade. Die Roboter knallen die Verbrecher ab. Die Verbrecher wehren sich ebenso gnadenlos und jagen schon einmal mit einer Panzerfaust einen Roboter durch mehrere Wände.
Danach wird Modell 22 (Sharlto Copley) als Totalverlust von Deon Wilson (Dev Patel) abgeschrieben. Deon ist der Erfinder und Programmierer dieser Droiden. Er forscht auch in Richtung Künstlicher Intelligenz und als er ein Programm fertig stellt, das aus den Droiden lernfähige Wesen machen könnte, blockiert seine Vorgesetzte Michelle Bradley (Sigourney Weaver) seinen Wunsch nach Tests mit Robotern ab. Zu teuer und ihre Auftraggeber, die Stadt Johannesburg und die Polizei, sind mit den bisherigen Modellen von Tetra Vaal vollauf zufrieden.
Also – wir ahnen es – stiehlt Deon den abgeschriebenen und zur Verschrottung freigegebenen Droiden und die notwendigen Ersatzteile. Bei sich zu Hause will er an Modell 22 sein Programm ausprobieren.
Dummerweise wird er auf dem Heimweg entführt. Das Verbrechertrio, das wie ein Überbleibsel aus einem „Mad Max“-Film aussieht, möchte an die Programmcodes für die Roboter kommen. Das ist aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen unmöglich, aber Deon kann Modell 22 wieder herrichten. Mit seinem Programm als Software. Gesagt. Getan. Und jetzt müssen die Verbrecher dem Roboter, den sie Chappie nennen, alles für sein Leben wichtiges beibringen. Ninja und Yo-Landi (die im echten Leben als Ninja und Yo-Landi das Rap-Duo „Die Antwoord“ sind) wollen ihn zum besten Streetgangster der Stadt machen. Chappie ist lernwillig und ein auf Gangster machender Roboter ist immer einen Lacher wert. Auch, dass er von Anfang an Fähigkeiten und Kräfte hat, die seine beiden Adoptiveltern nicht haben. Yo-Landi entdeckt ihre mütterliche Seite und Ninja versucht der Vater zu sein, der seinem Sohn aus seiner Sicht alles für das Leben wichtige beibringt, wie Schießen, den richtigen Gang und die richtige Sprache. Ihr Kumpel Yankie (Jose Pablo Cantillo) ist da nur der stille Beobachter.
Gleichzeitig ist das schnell lernende Roboter-Kind zwischen seiner Loyalität zu seinen Zieheltern, Ninja und Yo-Landi, und seinem Erschöpfer Deon, der ihm auch ein moralisches Bewußtsein vermitteln will, hin und her gerissen.
Und während Chappie immer mehr lernt, hat Deon immer mehr Ärger mit seinem Arbeitskollegen Vincent Moore (Hugh Jackman mit gruseliger Haartracht), der als alter Militär an menschliche Intelligenz und überdimensionierte Waffen glaubt. Seine neueste Erfindung, die er unbedingt an die Polizei verkaufen möchte, ist der Moose, eine zweibeinige Version der AT-AT-Walker aus „Das Imperium schlägt zurück“ oder eine Kopie einiger Robotermodelle aus „Robocop“, wie dem ED-209.
Böswillig gesprochen ist „Chappie“ eine Nacherzählung von „Robocop“ mit kleinen Änderungen und ohne die ätzende Gesellschaftskritik, viel „Mad Max“-Endzeitästhetik bei den Bösewichtern und, bei den Roboterkämpfen, etwas „Transformers“. Allerdings in der dreckigen Straßenkampfversion. Was auch daran liegen kann, dass „Chappie“ vor Ort in Johannesburg auf der Straße gedreht wurde und die Geschichte auch wirklich, wie Neill Blomkamps Debüt „District 9“, mit diesem Ort verbunden ist.
In dieser Hinsicht schöpft „Chappie“ vor allem aus dem Bekannten und verleiht ihm mit der Idee eines lernfähigen Roboter-Kindes, das in der falschen Umgebung aufwächst, einen neuen Twist. Blomkamp erzählt diese Geschichte nach seinem Drehbuch, das er mit „District 9“-Autorin Terri Tatchell schrieb, mit einem Blick auf die durch die Situation entstehenden absurden Züge. Denn so kindisch, naiv, begeisterungsfähig und gefährlich war schon lange kein Roboter mehr.
Allerdings ist „Chappie“ auch Blomkamps unpolitischster Film, der ohne Not all die politischen, moralischen, gesellschaftskritischen und ethischen Implikationen und Fragen zugunsten einer banalen, mit Filmzitaten, Gewalt und zwiespältigem Humor gewürzten Erziehungsgeschichte links liegen lässt.

Chappie - Plakat

Chappie (Chappie, USA/Mexiko 2014)
Regie: Neill Blomkamp
Drehbuch: Neill Blomkamp, Terri Tatchell
mit Sharlto Copley, Dev Patel, Ninja, Yo-Landi Visser, Jose Pablo Cantillo, Sigourney Weaver, Hugh Jackman, Brandon Auret, Johnny Selema
Länge: 120 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Chappie“
Moviepilot über „Chappie“
Metacritic über „Chappie“
Rotten Tomatoes über „Chappie“
Wikipedia über „Chappie“ (deutsch, englisch) und „Die Antwoord“

All Music über „Die Antwoord“

Eigentlich gefällt mir das Teaser-Plakat besser

Chappie - Teaser

„Die Antwoord“ bei ihrer normalen Arbeit

 


TV-Tipp für den 6. März: Kein Koks für Sherlock Holmes

März 6, 2015

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=rn6LhCckKRU

ARD, 01.20

Kein Koks für Sherlock Holmes (USA/Großbritannien 1976, Regie: Herbert Ross)

Drehbuch: Nicholas Meyer

LV: Nicholas Meyer: The Seven-per-cent Solution, 1975

Dr. Watson bugsiert Sherlock Holmes nach Wien zu einer Therapie bei Dr. Sigmund Freud. Als sie in einen mysteriösen Kriminalfall stolpern erwachen die kleinen grauen Zellen des Meisterdetektivs.

Vergnügliche Liebeserklärung an Holmes und Watson und eine vergangene Zeit.

Mit Alan Arkin, Nicol Williamson. Robert Duvall, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave, Samantha Eggar, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über “Kein Koks für Sherlock Holmes” (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Kein Koks für Sherlock Holmes”

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (GB 2012)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der „Seventh Son“ kämpft gegen Hexen, Dämonen und böse Geister

März 5, 2015

Fans von Jeff Bridges und Julianne Moore können getrost auf „Seventh Son“ verzichten.
Auch die Fans von Joseph Delaneys Jugendbuch „Spook – Der Schüler des Geisterjägers“ dürften von „Seventh Son“ enttäuscht sein. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Delaneys Roman, der der Auftakt einer erfolgreichen Kinder-/Jugendbuch-Serie, die es inzwischen auf dreizehn Romane gebracht hat, so schlecht wie Sergei Bodrovs Verfilmung ist. Und, wenn wir gerade dabei sind, Sergei Bodrovs vorherige Filme, wie „Der Mongole“, dürften auch alle besser als dieses halbgare Fantasy-Abenteuer sein, das nie weiß, welche Geschichte es denn nun erzählen möchte, während die Programmierer sich im Pixelrausch austoben.
In der „Seventh Son“-Fantasy-Welt gibt es natürlich Hexen und sonstige nicht ganz menschliche Wesen. Als Kämpfer gegen sie und die Schwarze Magie gibt es sogenannte Spooks. Einer von ihnen ist John Gregory (Jeff Bridges im „True Grit“-Modus), dessen Schüler gerade von der Hexe Mutter Malkin (Julianne Moore in „Razzie“-Hoffnung) getötet wurde. Also sucht Gregory einen neuen Schüler, der der siebte Sohn eines siebten Sohns sein muss. Das sind nämlich ganz starke Jünglinge. Tom (Ben Barnes) ist der Auserwählte, der auch der Sohn einer Hexe ist; was für seine seherischen Qualitäten gut ist. Ach ja: es gibt drei Arten von Hexen: die Guten, die Bösen und die, die es noch nicht wissen. – – – Kein Kommentar zu diesem Hexenkonzept. Immerhin ist nicht jede Frau eine Hexe.
Jedenfalls bandelt der Jüngling auch mit einer Schönheit an, die sich als Hexe entpuppt. Sie sagt, dass sie keine böse Hexe sei und schon steht ihrer Liebe nichts mehr im Weg. Außerdem ist seine Mutter auch eine Hexe.
Weil es demnächst wieder einen Blutmond gibt und Mutter Malkin dann halt tun will, was böse Hexen so tun, muss Gregory Tom schnell ausbilden und mit dem Jüngling in die Schlacht ziehen.
Und irgendwann erfahren wir auch, dass Toms Lehrmeister und Mutter Malkin eine gemeinsame Vergangenheit haben.
Bodrov erzählt diese Geschichte nach einem Drehbuch von Charles Leavitt („The Mighty – Gemeinsam sind sie stark“, „K-PAX – Alles ist möglich“, „Blood Diamond“) und Steven Knight („Tödliche Versprechen – Eastern Promises“, „No turning back“, „Peaky Blinders – Gangs of Birmingham“), die hier wohl ihr schlechtestes Werk ablieferten. Denn nie kann sich der Film entscheiden, ob er jetzt die Geschichte von John Gregory, dem Lehrer, der gegen seine frühere Geliebte kämpfen muss, und der einen großen Verschleiß an Auszubildenden hat, oder die von Tom, der von Jungen zum Mann wird, erzählen will. Also werden einfach einige Szenen nacheinander abgehandelt, die wohl so etwas wie die Origin Story von Tom ergeben sollen, die aber vor allem langweilen. Und – auch wenn das Drehbuch vielleicht viel besser war – ist der Film einfach nur eine lustlose Abfolge sattsam bekannter Szenen mit viel CGI und wenig Herz. Natürlich in 3D.
Da sieht man sich besser noch einmal Percy Jackson an.
P. S.: Gedreht wurde der Film bereits 2012. Danach gab es zwischen den Studios etwas Hin und Her.

Seventh Son - Plakat
Seventh Son (Seventh Son, USA/Großbritannien 2014)
Regie: Sergei Bodrov
Drehbuch: Charles Leavitt, Steven Knight, Matt Greenberg (Filmgeschichte)
LV: Joseph Delaney: The Spook’s Apprentice, 2004 (US-Titel: The Last Apprentice: Revenge of the Witch) (Spook – Der Schüler des Geisterjägers)
mit Jeff Bridges, Ben Barnes, Julianne Moore, Alicia Vikander, Antje Traue, Olivia Williams, John DeSantis, Kit Harington, Djimon Hounsou, Gerard Plunkett, Jason Scott Lee
Länge: 102 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Seventh Son“
Moviepilot über „Seventh Son“
Metacritic über „Seventh Son“
Rotten Tomatoes über „Seventh Son“
Wikipedia über „Seventh Son“ (deutsch, englisch)
Homepage von Joseph Delaney

Auf der Comic-Con. 2011. Vor dem Start der Dreharbeiten reden Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes und Alicia Vikander über den Film

2013 waren sie wieder auf der Comic-Con. Sergei Bodrow, Jeff Bridges, Ben Barnes, Antje Traue und Kit Harrington reden über den Film (Bild- und Tonqualität sind nicht so gut)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Afrika – Das magische Königreich“ liefert schöne Postkartenbilder

März 5, 2015

Eigentlich braucht man keine Vorwarnung bei diesen Filmen. Man weiß ja, was man bekommt: schöne Bilder, gemäßigte Ethno-Musik und, manchmal, einen Sprecher auf den man gerne verzichten würde. Nicht, dass Christian Brückner, der deutsche Sprecher, eine schlechte Stimme hätte. Er muss nur einen arg banalen Text über die Schönheit Afrikas und die gezeigten Tiere ablesen, der so ungelenk und fernab jedes literarischen Anspruches ist, dass ich mich fragte, wer für den Text verantwortlich ist und warum nicht ein poetischerer und auch informativerer Text geschrieben wurde.
Für die Bilder drehten Patrick Morris und Neil Nightingale (WERKE) 573 Tage in Afrika in Botswana, Äthiopien, Ägypten, Gabun, Kenia, Namibia, Ruanda, Südafrika, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe. Sie besuchten mehrere Nationalparks und, wenn man im Presseheft liest, welche Strapazen sie für die an entlegenen Orten aufgenommenen Bilder auf sich genommen haben, ist das schon beeindruckend. Auch die technischen Herausforderungen, die sie meistern mussten, waren beachtlich. Jedenfalls wenn man weiß, wie es gemacht wurde. Um, zum Beispiel, an den Viktoriafällen die Kamera wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche dem Flußlauf folgen und den Wasserfall hinabstürzen zu lassen, mussten sie Gerüste bauen und mehrere hundert Meter Kabel über den Fluss spannen. Im Kino ist dann nur noch das Bild von riesigen Wassermassen vorhanden.
Außerdem drehten Morris und Nightingale die BBC Earth Films Produktion „Afrika – Das magische Königreich“ in 3D, was hier wirklich immer wieder eine beeindruckende Wirkung entfaltet, die wahrscheinlich in 2D genauso beeindruckend wäre.
Patrick Doyle schrieb einen Soundtrack, der immer an entsprechende Werke von Peter Gabriel erinnert. Sie ist okay in ihrer Verschmelzung von westlichen und traditionellen afrikanischen Klängen.
Der Film selbst reiht, auch wenn im Presseheft etwas von sieben Welten und einer Geschichte steht, einfach die verschiedenen Drehorte hintereinander. Eine Landschaft folgt der nächsten. Ein Tier dem nächsten. Mal alleine, mal in einer mehr oder weniger großen Gruppe. Der Erkenntnisgewinn bleibt, bestenfalls, gering. Wenn nicht gerade sattsam bekannte Afrika-Klischees von der wilden Tierwelt und der unberührten Landschaft reproduziert werden. Denn auch auf jedem anderen Kontinent findet man eine reichhaltige Tierwelt, verschiedene Klimazonen, Berge, Flachland und Wasser.
„Afrika – Das magische Köngreich“ ist klassisches Tapetenkino, das man in einigen Monaten – dann besser in 2D und ohne den Sprecher – im Kaufhaus oder auf dem heimischen Riesen-Bildschirm im Hintergrund vor sich plätschern lässt.

Afrika - Plakat

Afrika – Das magische Königreich (Enchanted Kingdom, Großbritannien 2014)
Regie: Patrick Morris, Neil Nightingale
Drehbuch: Patrick Morris, Neil Nightingale
mit Elefanten, Pawianen, Gorillas, Löwen, Nilkrokodilen, Wanderameisen, Zwergflamingos, Zebras, Wüstenchamäleons, Zwergpuffottern (Keines der Tiere erhielt irgendwelche Zahlungen für seine Mitwirkung.)
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Film-Zeit über „Afrika – Das magische Königreich“
Moviepilot über „Afrika – Das magische Königreich“
Rotten Tomatoes über „Afrika – Das magische Königreich“


DVD-Kritik: „Orphan Black“ geht in die zweite Runde

März 5, 2015

Am Ende der ersten Staffel der Science-Fiction-Serie „Orphan Black“ verschwanden Sarah Mannings Tochter Kira und ihre Pflegemutter, Mrs. S, spurlos.
Die zweite Staffel beginnt wenige Sekunden später und, nachdem die erste Staffel öfter etwas ziellos vor sich hin plätscherte, thrillt die zweite Staffel von der ersten Sekunde an. Sarah Manning ist – für alle, die die erste Staffel nicht gesehen oder meine Besprechung nicht gelesen haben – ein Klon. Das erfährt sie zufällig, als sie auf einem Bahnsteig einen Suizid beobachtet, die Tasche ihrer Doppelgängerin klaut und deren Identität annimmt. Kurz darauf trifft sie auf eine weitere Doppelgängerin und, ehe sie komplett den Überblick über ihre Zwillinge verliert, erfährt sie von einer der Doppelgängerinnen, dass sie alle Klone sind und in verschiedenen Städten auf verschiedenen Kontinenten leben. Eigentlich hätten sie sich niemals begegnen dürfen. Sie wollen jetzt herausfinden, wer ihr Erzeuger ist und warum sie geklont wurden. Es gibt einige Hinweise, die alle zum Dyad-Konzern und Doktor Leekie führen.
Diese Hinweise werden in der zweiten Staffel konkreter, es gibt einige überraschende Enthüllungen, Sarah Manning trifft auch auf ihren Erzeuger und sie und ihre geklonten Schwestern müssen sich mit einer christlichen Sekte herumschlagen, während die Hintergründe, inklusive den Verwicklungen zwischen privater Wirtschaft und Militär, immer komplexer werden.
Und weil Klone gleich aussehen, werden sie alle von Tatiana Maslany gespielt, die hier eindrücklich ihr Können zeigt. Nicht nur, dass es immer wieder Szenen gibt, in denen die Klone im gleichen Raum miteinander diskutieren, was dann schon einmal ein halbes Dutzend Frauen sind. Das ist vor allem eine logistische Herausforderung beim Dreh. Viel beeindruckender ist, wie Maslany die verschiedenen Klone spielt. Sie sind sofort klar unterscheidbare, glaubwürdige Charaktere, die man nie miteinander verwechselt: die Straßengöre, die Vorstadtmutter, die Wissenschaftlerin, die Psychopathin und neue Klone, wie die eiskalte Geschäftsfrau und der Transgender-Klon. Und sicher habe ich jetzt einige von ihr gespielte Klone vergessen.
Nachdem die erste Staffel öfters seltsam ziellos vor sich hin plätscherte, haben die Macher in der zweiten Staffel ihren Rhythmus gefunden, in dem sie vor allem auf Thriller-Spannung setzen und pausenlos zwischen den verschiedenen Handlungssträngen (vulgo Klonen) hin und her wechseln und jeder Klon vor der Frage steht, wem sie vertrauen kann. Das führt dann zu einigen grandiosen Wendungen, die hier nicht verraten werden.
Jedenfalls machen sie neugierig auf die dritte „Orphan Black“-Staffel, die in Kanada und den USA am 18. April anläuft.

Orphan Black - Staffel 2 - DVD-Cover 4

Orphan Black – Ein Klon ist niemals allein: Staffel 2 (Orphan Black, Kanada 2014)
Regie: John Fawcett, T. J. Scott, David Frazee, Helen Shaver, Brett Sullivan, Ken Girotti
Drehbuch: Graeme Manson, Karen Walton, Alex Levine, Russ Cochrane, Tony Elliott, Chris Roberts, Aubrey Nealon
Erfinder: John Fawcett, Graeme Manson
Mit Tatiana Maslany (Sarah Manning/Alison Hendrix/Cosima Niehaus/Rachel Duncan/Helena), Dylan Bruce (Paul Dierden), Jordan Gavaris (Felix Dawkins), Kevin Hanchard (Detective Art Bell), Evelyne Brochu (Delphine Cormier), Maria Doyle Kennedy (Mrs. S), Matt Frewer (Dr. Aldous Leekie), Skyler Wexler (Kira), Kristian Bruun (Donnie Hendrix), Inga Cadranel (Detective Angela DeAngelis)

DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Featurette „A look inside“
Länge: 450 Minuten (10 Folgen à 45 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Orphan Black“

BBC America über “Orphan Black”

Space über “Orphan Black”

ZDF über “Orphan Black”

Moviepilot über “Orphan Black”

Rotten Tomatoes über “Orphan Black” (bei Serien ist die Bewertung einfach zu positiv)

Wikipedia über „Orphan Black“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Orphan Black – Ein Klin ist niemals allein: Staffel 1“ (Orphan Black, Kanada 2013)

Und so geht es weiter


Die KrimiZeit-Bestenliste März 2015

März 5, 2015

Die März-Empfehlungen der KrimiZeit-Bestenliste sind:
1 (-) William McIlvanney: Die Suche nach Tony Veitch
2 (-) Alan Carter: Prime Cut
3 (-) Mike Nicol: Bad Cop
4 (-) Dave Zeltserman: Killer
5 (6) Norbert Horst: Mädchenware
6 (3) Dennis Lehane: The Drop – Bargeld
7 (4) Tana French: Geheimer Ort
8 (8) Tony Parsons: Dein finsteres Herz
9 (-) Zoë Beck: Schwarzblende
10 (2) Jesper Stein: Weißglut

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Und nächsten Monat müsstem die neuen Romane von James Lee Burke und James Ellroy (gut tausend Seiten!) auf der Liste stehen.


TV-Tipp für den 5. März: Back in the Game

März 5, 2015

Vox, 20.15
Back in the Game (USA 2012, Regie: Robert Lorenz)
Drehbuch: Randy Brown
Clint Eastwoods bislang letzter Leinwandauftritt, für den er die Regie einem seiner langjährigen Mitarbeiter überließ, ist eine vorhersehbare Vater-Tochter-Schmonzette, in der er, wieder einmal, den grumpy old man spielt.
In Berlin war „Back in the Game“ nach einer Woche aus den Kinos verschwunden. Und das lag nicht nur daran, dass uns Baseball herzlich egal ist. Denn ohne die charmanten Schauspieler wäre der vor sich hin plätschernde Film ein Totalreinfall.
Sein neuester Film „American Sniper“ ist gerade angelaufen.
mit Clint Eastwood, Amy Adams, John Goodman, Justin Timberlake, Matthew Lillard, Robert Patrick, Ed Lauter
Wiederholung: Freitag, 6. März, 00.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Film-Zeit über „Back in the Game“
Moviepilot über „Back in the Game“
Metacritic über „Back in the Game“
Rotten Tomatoes über „Back in the Game“
Wikipedia über „Back in the Game“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. März: Das Schwein von Gaza

März 4, 2015

Arte, 20.15
Das Schwein von Gaza (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011)
Regie: Sylvain Estibal
Drehbuch: Sylvain Estibal
Palästina, Gegenwart: Jafaar ist ein glücklich verheirateter, aber glückloser Fischer, dessen Pech nur noch von seinem letzten Fang übertroffen wird: einem Schwein! Dummerweise ist ein Schwein ein bei seinen Glaubensbrüdern und den Juden geächtetes Tier. Dummerweise kann er, ebenfalls wegen der Religion, das Schwein nicht töten. Aber irgendwie muss das Tier verschwinden.
Herrlich abgedrehte Parabel über den Nahostkonflikt und religiöse Befindlichkeiten, die ich zum Kinostart gebührend abgeierte.
mit Sasson Gabay, Baya Belal, Myriam Tekala, Gassan Abbas, Khalifa Natour, Lotfi Abdelli, Ulrich Tukur

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das Schwein von Gaza“

AlloCiné über „Das Schwein von Gaza“

Wikipedia über „Das Schwein von Gaza“ (deutsch, französisch)

Kultura Extra: Interview mit Sylvain Estibal zum Film

Meine Besprechung von Sylvain Estibals „Das Schwein von Gaza“ (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011)


Verhindert James Bond die „Kernschmelze“?

März 3, 2015

Gardner - James Bond - Kernschmelze

1981, sechzehn Jahre nachdem Ian Flemings letzter James-Bond-Roman „Der Mann mit dem goldenen Colt“ posthum erschienen war und Kingsley Amis als Robert Markham bereits 1968 mit „Colonel Sun“ ein einmaliges Gastspiel als Bond-Autor gab, übernahm John Gardner für sechzehn Romane (inclusive zwei Filmromane), die bis 1996 erschienen und die nicht alle ins Deutsche übersetzt wurden, das Zepter.
In seinem ersten Bond-Roman „Kernschmelze“, der jetzt in neuer Übersetzung vorliegt, knüpft Gardner dann auch an die klassischen Bond-Romane an und, nach der Lektüre der Bond-Wiederbelebungsversuche der letzten Jahre, die alle, aus verschiedenen Gründen, enttäuschten, ist es eine Wohltat einen richtig altmodischen James-Bond-Roman zu lesen, der genau das liefert, was man von einem Bond-Roman erwartet: technische Spielereien, schöne und willige Frauen, einen Superschurken, skrupellose Handlanger, einen diabolischen Plan und Orte, an denen man seine Ferien verbringen möchte. Wie ein im malerischen Nirgendwo in Schottland liegendes Schloß mit allen möglichen Extras, wie einem Kommandostand (weil der Bösewicht ja stilgerecht seine Befehle geben muss) und einem Folterkeller (weil James Bond ja gefoltert werden muss).
Der Schloßherr ist Dr. Anton Murik, Laird of Murcaldy, ein brillianter Kernphysiker, der ein hundertprozentig sicheres Kernreaktorsystem erfunden hat. Um die restliche Welt von seinem Murik-Ultrasicher-Reaktor zu überzeugen, plant er mit dem internationalen Terroristen Franco (da stand wohl ‚Carlos, der Schakal‘ Pate) eine gleichzeitige Besetzung von sechs, über den gesamten Globus verteilten Kernkraftwerken. Er will eine horrende Summe von den Regierungen erpressen. Aber James Bond und der grundgute britische Geheimdienst ist ihm schon auf der Fährte. Mit einem Trick schleicht Bond sich bei Murik ein und wird auf den altehrwürdigen Familiensitz in den Highlands eingeladen.
„Kernschmelze“ überzeugt vor allem als James-Bond-Roman, der die vertrauten Elemente aus Ian Flemings Bond-Romanen und den klassischen James-Bond-Filmen gut anrichtet und, bei einer überschaubaren Geschichte, die vor allem durch ihre Detailtreue besticht, flott unterhält, weil sie sich ständig weiter auf die finale Konfrontation zwischen den beiden Kontrahenten hin bewegt. Damit liefert die einfache Story genau das, was der Bond-Fan will: einen ordentlichen Kampf zwischen dem tapferen Agenten mit der Lizenz zum Töten und einem durchgeknallten Bösewicht, der vor allem die Welt vernichten will, grundiert mit etwas Zeitkolorit. Denn Murik sieht sich mit seinem Plan auch als Kämpfer für eine saubere Umwelt und gegen die globale Erwärmung.
John Gardners Einstieg in die James-Bond-Welt ist ziemlich pulpig, ziemlich fantastisch, ziemlich unterhaltsam – und fernab der John-le-Carré-Spionagewelt.
Da akzeptiert man auch den Saab 900 Turbo als James Bonds neues Auto. Immerhin hat er einige Extras einbauen gelassen.

John Gardner: James Bond – Kernschmelze
(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)
Cross Cult, 2014
384 Seiten
12,80 Euro

Originalausgabe
James Bond – Licence Renewed
Jonathan Cape, 1981

Deutsche Erstausgabe
Countdown für die Ewigkeit
Scherz, 1982

Hinweise

Homepage von John Gardner

Wikipedia über John Gardner (deutsch, englisch)

Wired for Books unterhält sich mit John Gardner (1984 und 1985 – zwei Audiofiles)

Universal Exports: Interview mit John Gardner (ungefähr von 2004 – und nach dem Ende seiner Bond-Serie)

Dr. Shatterhand’s The Question Room – befragt John Gardner (ebenfalls nach dem Ende seiner Bond-Serie, aber natürlich über seine Bond-Romane)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte