Mark Millars neue Werke „Jupiter’s Circle“ und „The Magic Order“

September 11, 2019

Im August 2017 kaufte Netflix Mark Millars Comiclabel Millarworld. Seitdem darf Netflix die meisten bei Millarworld bereits veröffentlichten Geschichten verfilmen und auch anderweitig weiterverwenden. Bis auf „Kick-Ass“ und „Kingsman“. Außerdem präsentiert Millar seine künftigen Ideen zuerst Netflix. Einige dieser Ideen darf er zuerst als Comic veröffentlichen.

The Magic Order“ ist das erste Werk, das er unter dem neuen Vertrag veröffentlichte und die Absicht, die Geschichte als Vorlage für eine TV-Serie zu nehmen, ist ihm überdeutlich anzusehen. Auch wenn Millar bei den Werken, über die er die kreative Kontrolle hat, schon immer, und ziemlich oft erfolgreich, auf eine Verfilmung spekulierte.

Im Mittelpunkt von „The Magic Order“ steht die Familie Moonstone. Sie sind Zauberer, die mit ihren magischen Kräften unsere Welt vor Monstern und sonstigem Unheil beschützen. Wie jede Familie hat sie Ärger mit ihren Kindern, die nicht das Familienerbe übernehmen wollen. Eine Tochter ist drogensüchtig. Ein Sohn hat die Zauberei zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Trotzdem sind die Moonstones die Vorsitzenden des Magischen Ordens.

Aber jetzt hat Madame Albany, die die Macht über den Orden übernehmen will, einen Zaubererkiller entfesselt, der auch die besten Magier tötet.

Doch bevor dieser Kampf wirklich beginnt, vergeht viel Zeit, in der Millar die Moonstone-Großfamilie und die anderen Zauberer und ihre fantastische, neben und in der uns bekannten Welt existierenden Welt, vorstellt.

Das liest sich, dank Millars Humor und Ideenreichtum beim Ausmalen der Welt des magischen Ordens, vergnüglich, aber auch immer wie die Pilotfolge einer TV-Serie, in der uns erst einmal alle Charaktere vorgestellt werden. Diese Serie soll es auch geben und James Wan soll die Pilotfolge inszenieren.

Im Januar 2019 kündigte Millar bereits eine Comicfortsetzung von „The Magic Order“ an.

Jupiter’s Circle“ erschien bereits 2015/2016. Panini veröffentliche jetzt die gesamte Vorgeschichte zu „Jupiter’s Legacy“ in einem eigenständig zu lesendem Band. Bereits 2016 wurde mit der Entwicklung einer Verfilmung der Saga begonnen. 2018 sagte Netflix, es habe eine Verfilmung von „Jupiter’s Legacy“ in Auftrag gegeben.

In „Jupiter’s Circle“ erzählen Millar und die Zeichner Wilfedo Torres, Davide Gianfelice (bei einigen Heften) und Chris Sprouse (ein Heft), wie die Superhelden Utopian (Sheldon Sampson), Lady Liberty (seine Frau Grace), Brainwave (sein Bruder Sampson), Skyfox (George Hutchence), Blue-Bolt (Richard Conrad) und Flare (Familienvater Fitz), die 1932 auf einer Insel erstaunliche Kräfte erhielten, als Union of Justice für eine bessere Welt kämpften. Ihre wahre Identität kennt die Öffentlichkeit, wie es sich für Superhelden gehört, nicht.

Millars epische Neuerzählung der US-Nachkriegsgeschichte beginnt 1959 und erstreckt sich über die nächsten Jahre. Die Superhelden stehen dabei auch vor der Frage, wofür sie ihre Kräfte einsetzen und wie sehr sie dabei mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Immerhin sind die USA die Guten.

FBI-Chef J. Edgar Hoover will allerdings ihre Identität wissen und schreckt dabei auch vor Erpressung nicht zurück.

Und die Alternativkultur stellt das Selbstbild der USA in Frage.

Damit stehen die Mitglieder der Union of Justice, individuell und als Kollektiv, vor der Frage, für welche Weltanschauung sie ihre Kräfte einsetzen. Diese Frage, die zuletzt auch in den „Avengers“-Filmen behandelt wurde, behandelt Millar vor dem Hintergrund der sechziger Jahre, als in Superheldencomics darüber noch nicht gesprochen wurde.

Wie „The Magic Order“ ist „Jupiter’s Circle“ nicht schlecht, aber die gut dreihundert Seiten umfassende Geschichte kann nie verleugnen, dass sie mit ihren vielen Charakteren und damit verbundenen Plots und Subplots primär eine Ideensammlung für eine künftige Serien ist. Millar konzentriert sich in beiden Büchern mehr auf einzelne Episoden, die Beziehung der Familienmitglieder und ihres nahen Umfelds zueinander und das Ornamentale. Da ist dann eine einzelne Episode wichtiger als das große ganze und gerade bei „Jupiter’s Circle“ wird von Episode zu Episode gesprungen, ohne dass ersichtlich wird, was der zentrale Konflikt ist und auf welches Finale das alles zusteuert. Das hat dann schon fast James Ellroysche Dimensionen, der in seinen umfangreichen Romanen die Geschichte der USA neu erzählt. Ohne Superhelden, aber mit vielen Verschwörungen und einer Melange aus erfundenen und realen Charakteren.

Mark Millar/Olivier Coipel: The Magic Order

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

180 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

The Magic Order # 1 – 6

Millarworld/Image, 2018/2019

Mark Millar/Wilfredo Torres: Jupiter’s Circle

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

300 Seiten

29 Euro

Originalausgabe

Jupiter’s Circle # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015

Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6

Millarworld/Image, 2015/2016

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)


TV-Tipp für den 11. September: Eine fantastische Frau

September 10, 2019

Arte, 20.15

Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Regie: Sebastián Lelio

Drehbuch: Sebastián Lelio, Gonzalo Maza

Marina ist in Orlando verliebt. Als er stirbt, muss die die Transsexuelle um einen würdevollen Abschied von ihrer großen Liebe kämpfen. Genau das will Orlandos Familie verhindern.

TV-Premiere. Fantastisches Drama, das auf der Berlinale mehrere Preise und, einige Monate später, den Oscar als bester ausländischer Film erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit mehreren Interviews).

Anschließend, um 21.55 Uhr, zeigt Arte die einstündige Doku „Trans is Beautiful!“ (Frankreich 2016).

mit Daniela Vega, Francisco Reyes, Luis Gnecco, Aline Küppenheim, Nicolás Saavedra, Amparo Noguera, Trinidad González, Néstor Cantillana, Alejandro Goic, Antonia Zegers

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Eine fantastische Frau“

Metacritic über „Eine fantastische Frau“

Rotten Tomatoes über „Eine fantastische Frau“

Wikipedia über „Eine fantastische Frau“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Eine fantastische Frau“

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria“ (Gloria, Spanien/Chile 2012)

Meine Besprechung von Sebastiàn Lelio „Eine fantastische Frau – Una Mujer Fantastica“ (Una Mujer Fantastica, Chile//USA/Deutschland/Spanien 2017)

Meine Besprechung von Sebastián Lelios „Gloria – Das Leben wartet nicht“ (Gloria Bell, USA 2019)


Cover der Woche

September 10, 2019


Wem gehört „Der Schatz der Black Swan“?

September 10, 2019

Als Kind hat man begeistert Geschichten von gefährlichen Schatzsuchen gelesen. Die Schätze lagen in Höhlen oder auf dem Meeresgrund. Und natürlich starben bei diesen Schatzsuchen einige der Schatzsucher.

Wer eine solche Geschichte erwartet, wenn er den von Guillermo Corral und Paco Roca erzählten Comic „Der Schatz der Black Swan“ aufschlägt, kann das Buch gleich wieder zuklappen. Schon auf den ersten Seiten entdeckt die Besatzung der „Explorer“ 2007 in der Straße von Gibraltar den Schatz und bringt ihn wohlbehalten nach Florida. Kurz darauf präsentiert die Bergungsfirma Ithaca ihn stolz der Weltöffentlichkeit.

In dem Moment ist die Geschichte vorbei. Wenn nicht die spanische Regierung annähme, dass die Silber- und Goldmünzen, deren Wert sich auf 500 Millionen Dollar beläuft, nicht in internationalen, sondern in spanischen Gewässern gefunden wurden. Damit wäre Spanien der Eigentümer der Münzen. Um sie von der Bergungsfirma zu bekommen, müssen sie nachweisen, wo der Schatz im Meer lag und von welchem vor Jahrhunderten gesunkenem Schiff er stammt.

Álex Ventura, ein junger Beamter im Ministerkabinett des Kulturministeriums, und Elsa, die Leiterin und einzige Beschäftigte des Amt zum Schutz des Unterwassererbes, sollen die nötigen Beweise beschaffen.

Diese Suche in alten Unterlagen und die juristischen und politischen Winkelzüge zwischen Spanien, den USA und der halbseidenen, gut vernetzten, vermögenden und skrupellosen Firma, die den Schatz der Black Swan gefunden hat, entfaltet schnell beträchtliche Pageturner-Qualitäten.

Guillermo Corral, der Autor der Geschichte, war Diplomat, Generaldirektor für Kulturpolitik und -wirtschaft und Kulturattaché der spanischen Botschaften in Washington, D. C., und Havanna. Die Geschichte vom Schatz der Black Swan beruht auf persönlichen Erfahrungen Corrals und wahren Begebenheiten, dem „Black Swan Project“. Wie nah jetzt der Comic an der Realität ist, kann ich nicht sagen, aber Corrals Fachwissen bei der Darstellung der Arbeit einer Verwaltung und den Abwägungen vor Entscheidungen ist spürbar. Und das Ende erinnert in seiner bürokratischen Absurdität an „Jäger des verlorenen Schatzes“.

Paco Roca (u. a. „Kopf in den Wolken“) setzte die Geschichte in oft monochromen und wie ausgewaschen aussehenden Bildern um, die auf jedes überflüssige Detail verzichten.

Guillermo Corral/Paco Roca: Der Schatz der Black Swan

(übersetzt von André Höchemer)

Reprodukt, 2019

216 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

El Tesoro del Cisne Negro

Astiberri Ediciones, Bilbao, 2018

Hinweise

Reprodukt über „Der Schatz der Black Swan“

Perlentaucher über „Der Schatz der Black Swan“


TV-Tipp für den 10. September: Verleugnung

September 9, 2019

ARD, 22.45

Verleugnung (Denial, USA/Großbritannien 2016)

Regie: Mick Jackson

Drehbuch: David Hare

LV: Deborah E. Lipstadt: History on Trial: My Day in Court with a Holocaust Denier, 2005

Damit hat die Historikerin Deborah E. Lipstadt nicht gerechnet, als sie in ihrem neuesten Buch den Holocaust-Leugner David Irving scharf angreift. 1996 reicht Irving beim höchsten englischen Zivilgericht eine Verleumdungsklage gegen sie ein. Jetzt muss sie vor Gericht beweisen, dass es den Holocaust wirklich gab.

Eine sehr gute, sehr ehrenwerte und in jeder Sekunde honorige, aber auch etwas bieder geratene Geschichtsstunde.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere, die einen besseren Sendeplatz verdient hat.

mit Rachel Weisz, Timothy Spall, Tom Wilkinson, Andrew Scott, Jack Lowden, Caren Pistorius, Alex Jennings, Harriet Walter

Wiederholung: Mittwoch, 11. September, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Verleugnung“

Metacritic über „Verleugnung“

Rotten Tomatoes über „Verleugnung“

Wikipedia über „Verleugnung“ (deutsch, englisch)

Wer gerade Zeit hat: die Dokumentation des Prozesses

Meine Besprechung von Mick Jackson „Verleugnung“ (Denial, USA/Großbritannien 2016)


„Knock down the House“ – am Mittwoch in Berlin, mit anschließender Diskussion

September 9, 2019

Weil ich einer der beiden Moderatoren bin, ist das jetzt Eigenwerbung – und Werbung für eine gute Doku (bei Rotten Tomatoes hat sie einen Frischegrad von 100. %) und eine hoffentlich spannende Diskussion nach dem Film:

Am Mittwoch, den 11. September, präsentieren die Humanistische Union – Landesverband Berlin-Brandenburg und American Voices Abroad (AVA), im Rahmen der monatlichen Veranstaltungsreihe „One World Berlin: Menschenrechte aktuell“ um 19.00 Uhr im Aquarium am Südblock (Skalitzer Straße 6, Berlin-Kreuzberg, U-Bahnhof Kottbusser Tor) den Dokumentarfilm „Knock Down the House“ (USA 2019, Regie: Rachel Lears). Die Doku wird im Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Es ist nicht außergewöhnlich, dass bei den US-Kongresswahlen zur Halbzeit des amtierenden Präsidenten die Oppositionspartei die Oberhand bekommt, zur Kontrolle des Regierungschefs. Aber 2018, im Jahre 2 AT (After Trump), schien es beim Wahlkampf vieler demokratischer Kandidat*innen um mehr zu gehen als sonst – die humanitäre Katastrophe an der US-mexikanische Grenze zu beenden, strengere Waffenkontrolle durchzusetzen, das Gesundheitssystem gerechter zu gestalten, Abtreibungsrecht zu schützen und überhaupt dem menschenverachtenden Klima in der Politik Hoffnung und Aufbruchsstimmung entgegenzusetzen. Für diesen frischen Wind sorgen einige junge Politikerinnen, oft „of color“ oder mit Migrationshintergrund, alle „regular people“ ohne Anbindung an die Politeliten oder Big Business. Alexandria Ocasio-Cortez, Amy Vilela, Cori Bush und Paula Jean Swearengin vertreten ein anderes Amerika als Trump: vielfältig, solidarisch und zukunftsorientiert. Der Film begleitet die Graswurzel-Wahlkämpfe der vier Kandidatinnen, denen zunächst wenig Chancen auf Erfolg prognostiziert wurden. Im Laufe der Vorwahlen stellt sich jedoch heraus, dass die Botschaften der Progressiven immer mehr Gehör finden…

Anschließend Diskussion. Für US-Bürger*innen besteht die Möglichkeit, sich über die Anmeldung zur Briefwahl zu informieren.

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When tragedy struck her family in the midst of the financial crisis, Bronx-born Alexandria Ocasio-Cortez had to work double shifts in a restaurant to save her home from foreclosure. After losing a loved one to a preventable medical condition, Amy Vilela didn’t know what to do with the anger she felt about America’s broken health care system. Cori Bush was drawn into the streets when the police shooting of an unarmed black man brought protests and tanks into her neighborhood. Paula Jean Swearengin was fed up with watching her friends and family suffer and die from the environmental effects of the coal industry.

At a moment of historic volatility in American politics, these four women decide to fight back, setting themselves on a journey that will change their lives and their country forever. Without political experience or corporate money, they build a movement of insurgent candidates challenging powerful incumbents in Congress. Their efforts result in a legendary upset.

Followed by a panel discussion. Voter registration assistance for U.S. citizens available throughout the event.

In Kooperation mit/in cooperation with: Humanistische Union, American Voices Abroad Berlin (AVA-Berlin)

Zusagen gerne via Facebook.

Ein Gespräch mit Rachel Lears über ihren Film

 


TV-Tipp für den 9. September: Eine neue Freundin

September 8, 2019

Arte, 20.15

Eine neue Freundin (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Regie: Francois Ozon

Drehbuch: Francois Ozon

LV: Ruth Rendell: The new girlfriend (in „The new girlfriend and other Stories“, 1985) (Die neue Freundin, Kurzgeschichte)

Nach dem Tod ihrer besten Freundin verspricht Claire sich um den Witwer David zu kümmern. Diese Freundschaft entwickelt sich anders als erwartet.

Lange überfällige TV-Premiere eines weiteren sehr gelungenen Films von Francois Ozon.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.00 Uhr, zeigt Arte mit „Die Zeit die bleibt“ (Le temps qui reste, Frankreich 2005) einen weiteren Ozon-Film.

Und am 26. September läuft in unseren Kinos sein neuester Film „Gelobt sei Gott“ an. Ein sehr sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film über den Umgang der katholischen Kirche mit Geistlichen, die Kinder missbrauchen.

mit Romain Duris, Anaïs Demoustier, Raphaël Personnaz, Isild Le Besco, Aurore Clément, Jean-Claude Bolle-Reddat, Bruno Pérard, Claudine Chatel

Hinweise
Moviepilot über „Eine neue Freundin“
AlloCiné über „Eine neue Freundin“
Rotten Tomatoes über „Eine neue Freundin“
Wikipedia über „Eine neue Freundin“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Francois Ozon

Meine Besprechung von Francois Ozons “In ihrem Haus” (Dans la Maison, Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Francois Ozons ”Jung & Schön” (Jeune & jolie, Frankreich 2013)

Meine Besprechung von Francois Ozons „Eine neue Freundin“ (Une nouvelle amie, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von François Ozons „Frantz“ (Frantz, Deutschland/Frankreich 2016)

Meine Besprechung von François Ozons „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Amanda Sthers „Die Wurzeln des Glücks“

September 8, 2019

Harry Rosenmerck züchtet in Nazareth Schweine – und wer auch nur eine Ahnung vom Verhältnis des Judentums zu diesen Tieren hat oder Sylvain Estibals gelungene Komödie „Das Schwein von Gaza“ (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011) gesehen hat, weiß, dass das eine Provokation ist. Deshalb bemüht sich Rabbi Moshe Cattan um ein Gespräch mit dem erst seit Kurzem in Israel lebendem Rosenmerck.

Für Amanda Sthers, die hier, nach ihrem Drehbuch, ihren Roman „Schweine züchten in Nazareth“ verfilmte, ist Rosenmercks Schweinezucht nicht der Auftakt für einen Film, der sich primär mit Religion und dem heutigen Israel beschäftigt, sondern der Beginn eines Porträts der jüdischen Familie Rosenmerck, die über die halbe Welt verstreut lebt. Harry Rosenmerck ist ein pensionierter New Yorker Kardiologe. Seine Ex-Frau lebt noch in New York und ist an einem Hirntumor erkrankt. Sein Sohn ist ein homosexueller Bühnenautor, der mit seinem Partner gerne ein Kind adoptieren würde. Seine Tochter ist eine ziellose, zwischen Brüssel und New York pendelnde, Langzeitstudentin. Sprechen tun sie kaum miteinander. Und so ist „Die Wurzeln des Glücks eine Familienaufstellung von Familienmitgliedern, die sich nichts zu sagen haben. Sie sind, weil jeder sein eigenes Leben lebt, größtenteils desinteressiert aneinander. Über sie und ihre Beweggründe erfahren wir fast nichts und, gerade die Hauptgeschichte, wird an den falschen Stellen elliptisch erzählt. So werden, um nur das aus dem Trailer bekannte Beispiel zu nennen, aus Rosenmerck und Rabbi Cattan zwischen zwei Bildern aus Feinden beste Freunde.

Letztendlich ist „Die Wurzeln des Glücks“ ein langweiliges und nichtssagendes Porträt einer jüdischen Familie, die keinerlei finanzielle Sorgen hat.

Die Wurzeln des Glücks (Holy Lands, Frankreich/Belgien 2018)

Regie: Amanda Sthers

Drehbuch: Amanda Sthers

LV: Amanda Sthers: Les terres saintes, 2000 (Schweine züchten in Nazareth)

mit James Caan, Tom Hollander, Rosanna Arquette, Jonathan Rhys Meyers, Efrat Dor, Patrick Bruel, Thierry Harcourt

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Die Wurzeln des Glücks“

Metacritic über „Die Wurzeln des Glücks“

Rotten Tomatoes über „Die Wurzeln des Glücks“

Wikipedia über „Die Wurzeln des Glücks“ 


TV-Tipp für den 8. September: ’71 – Hinter feindlichen Linien

September 7, 2019

3sat, 00.35

71 – Hinter feindlichen Linien (’71, Großbritannien 2014)

Regie: Yann Demange

Drehbuch: Gregory Burke

Der junge englische Soldat Gary Hook muss 1971 noch nicht einmal sein Land verlassen, um mitten in einem Krieg zu landen. Damals herrschte in Nordirland Bürgerkrieg. Bei einem Routineeinsatz in Belfast wird Gary von seiner Einheit getrennt und er muss sich, zwischen allen Fronten, in einer Nacht zu seiner Einheit durchschlagen. Dabei weiß er nicht, wem er vertrauen kann.

Ein hochspannender, wortkarger Thriller, der bei der Berlinale gut ankam und dann doch nur eine DVD-Veröffentlichung erlebte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jack O’Connell, Paul Anderson, Richard Dormer, Sean Harris, Barr Keoghan, Martin McCann, Charlie Murphy, Sam Reid, Killian Scott, David Wilmot

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „’71“
Metacritic über „’71“
Rotten Tomatoes über „’71“
Wikipedia über „’71“ (deutsch, englisch)
Berlinale über „’71

Meine Besprechung von Yann Demanges „’71 – Hinter feindlichen Linien“ (’71, Großbritannien 2014)


TV-Tipp für den 7. September: Zoomania

September 6, 2019

Sat.1, 20.15

Zoomania (Zootopia, USA 2016)

Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush (Ko-Regisseur)

Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston, Dan Fogelman (zusätzliches Material) (Nach einer Geschichte von Byron Howard, Jared Bush, Rich Moore, Phil Johnston, Jennifer Lee, Josie Trinidad und Jim Reardon)

Als Jung-Polizistin und Karnickel Judy Hopps mit dem verbrecherischen Fuchs Nick Wilde (Hey, er ist ein Fuchs!) den spurlos verschwundenen Mr. Otterton sucht, entdecken sie ein riesiges, Zoomania bedrohendes Komplott.

Äußerst gelungener Disney-Film mit sympathischer Botschaft und unzähligen Anspielungen, die jüngere Zuschauer übersehen werden. Aber die sollten um diese Uhrzeit auch im Bett sein.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit vielen Tieren und vielen Sprechern

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Zoomania“
Metacritic über „Zoomania“
Rotten Tomatoes über „Zoomania“
Wikipedia über „Zoomania“ (englisch)

Meine Besprechung von Byron Howard/Rich Moore/Jared Bushs „Zoomania“ (Zootopia, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Ist „Hot Air“ mehr als heiße Luft?

September 6, 2019

Lionel Macomb (Steve Coogan) ist ein erfolgreicher Radiomoderator, der in seiner täglichen Sendung konservative und reaktionäre Ansichten verbreitet, gegen Politiker und Ausländer hetzt und die Nation weiter spaltet. Auch in seinem Privatleben versucht er ein möglichst großes Arschloch zu sein, das für nichts und niemand Verantwortung übernimmt.

Eines Tages steht eine junge Frau in seiner Wohnung. Sie ist seine sechzehnjährige Nichte Tess (Taylor Russell), die er nicht kennt und die sich, wegen einer familiären Notsituation, bei ihm einquartiert. Außerdem ist sie eine Afroamerikanerin, die kurz vor der Aufnahme in eine Elite-Universität steht.

Am liebsten würde Macomb Tess sofort rauswerfen. Aber Tess ist gewitzt, Macombs Vertraute Valerie Gannon (Neve ‚Scream‘ Campbell) hilft ihr und man muss wirklich kein Genie sein, um zu wissen, wie „Hot Air“ endet.

Der Weg dorthin ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber Frank Coraci, der Regisseur mehrerer Adam-Sandler-Filme, erzählt die Geschichte flott und die Schauspieler sind sympathisch engagiert dabei. Vor allem Steve Coogan, der zuletzt Stan Laurel in „Stan & Ollie“ war, darf als blasierter Zyniker und Menschenhasser nach Herzenslust jeden, den er trifft, kunstvoll und wortgewaltig beleidigen. Er ist einer der Menschen, die man in einem Film mühelos, aus tiefstem Herzen hassen kann. Die zahlreichen Szenen von Macombs Radiosendungen erinnern an Oliver Stones grandioses, fast unbekanntes und analytisch schärferes Drama „Talk Radio“ (1988). In dem Einpersonenstück spielte Eric Bogosian einen Radiomoderator, der seine Zuhörer provoziert.

Taylor Russell (TV-Serie „Lost in Space“) ist ein sympathischer Wildfang und in jeder Beziehung das Gegenteil von Macomb. Die Filmgeschichte kann als „Annie“ im Talkradio-Milieu und ohne Songs beschrieben werden.

Hot Air (Hot Air, USA 2018)

Regie: Frank Coraci

Drehbuch: Will Reichel

mit Steve Coogan, Neve Campbell, Taylor Russell, Skylar Astin, Judith Light, Tina Benko

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Hot Air“

Metacritic über „Hot Air“

Rotten Tomatoes über „Hot Air“

Wikipedia über „Hot Air“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 6. September: Toni Erdmann

September 6, 2019

One, 21.00

Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)

Regie: Maren Ade

Drehbuch: Maren Ade

Winfried, ein Alt-68er, will die sich auf dem Tiefpunkt befindende Beziehung zu seiner Tochter verbessern. Diese berät in Bukarest eine Firma bei geplanten Massenentlassungen. Er besucht sie und, als sie die väterliche Nervensäge loswerden will, wird er zu Toni Erdmann, der schlechten Parodie eines Unternehmensberaters.

Feelbad-Movie mit unzähligen Fremdschäm-Momenten, das zu einem Kassenhit wurde. „Toni Erdmann“ ist kein Film, den man unbedingt zweimal sehen will, aber unbedingt einmal sehen sollte.

Über ein Hollywood-Remake wird immer noch gesprochen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Peter Simonischek, Sandra Hüller, Michael Witterborn, Thomas Loibl, Trystan Pütter, Hadewych Minis, Lucy Russell

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Toni Erdmann“

Moviepilot über „Toni Erdmann“

Rotten Tomatoes über „Toni Erdmann“

Wikipedia über „Toni Erdmann“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Maren Ades „Toni Erdmann“ (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Es Kapitel 2“ wird aufgeschlagen

September 6, 2019

Am Ende von „Es“ versprachen sich die sieben Jugendlichen feierlich, wenn das Grauen in 27 Jahren wieder auftaucht, zurückzukehren und es endgültig zu besiegen.

Kurz davor hatten sie den Horrorclown Pennywise getötet. Er war in den vergangenen Jahrzehnten alle 27 Jahre aus der Kanalisation in die Kleinstadt Derry zurückgekehrt und holte sich einige Kinder der Stadt. Die Erwachsenen verdrängten die verschwundenen Kinder aus ihrem Bewusstsein. Nur die Teenager Bill Denbrough (Jaeden Lieberher), Ben Hanscom (Jeremy Ray Taylor), Beverly Marsh (Sophia Lillis), Richie Tozier (Finn Wolfhard), Stanley Uris (Wyatt Oleff), Mike Hanlon (Chosen Jacobs) und Eddie Kaspbrak (Jack Dylan Grazer), die sich „Club der Verlierer“ nennen, sahen und bekämpften ihn.

Stephen King erzählte in seinem Roman „Es“ (It, 1986), der in der aktuellen deutschen Ausgabe 1536 Seiten umfasst, diese Geschichte. Der Roman spielt 1957/58 und 1984/85.

Andy Muschietti verfilmte in „Es“ einen Teil des Romans. Nämlich den Teil, der im Roman 1957/58 spielt. Er verlegte die Geschichte ins Jahr 1989 und erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die gegen ein Monster kämpft und es besiegt. Der Film, eine Coming-of-Age-Geschichte und die Horrorversion von „Stand by me“, war überaus gelungen und erfolgreich an der Kinokasse.

In „Es – Kapitel 2“ erzählen er und Drehbuchautor Gary Dauberman (der auch einer der Autoren von „Es“ ist), mit einigen eher kurzen Rückblenden, den zweiten Teil des Romans.

27 Jahre nach den Ereignissen von „Es“ kehrt Pennywise zurück. Mike Hanlon (Isaiah Mustafa), der als Bibliothekar in Derry blieb, telefoniert den über die USA verstreuten Club der Verlierer – Bill Denbrough (James McAvoy), Beverly Marsh (Jessica Chastain), Richie Tozier (Bill Hader), Ben Hanscom (Jay Ryan), Eddie Kaspbrak (James Ransome) und Stanley Uris (Andy Bean) – zusammen. Sie sind jetzt in verschiedenen Berufen erfolgreich, aber keiner von ihnen hat Kinder und als sie den Anruf erhalten, hat jeder von ihnen eine Panikattacke. Auch wenn sie die damaligen Ereignisse verdrängt haben und seit Ewigkeiten nicht mehr in ihrer Heimatstadt waren, wissen sie in ihrem Unterbewusstsein, dass damals schreckliche Dinge geschahen. Bei Stanley führt die Panikattacke zum Suizid.

Trotz ihrer Angst vor dem damals erlebten und verdrängten Grauen kehren die verbliebenen Mitglieder des Clubs der Verlierer nach Derry zurück. Zuerst nur zu einem gemeinsamen Abendessen, bei dem sie Erinnerungen austauschen. Das Essen endet mit schrecklichen Visionen. Hanlon kann sie trotzdem überzeugen, ihr damals gehaltenes Versprechen zu halten. Sie nehmen wieder den Kampf gegen den mörderischen Clown Pennywise (Bill Skarsgård) auf.

In dem gut dreistündigem Film gibt es die erwartbaren Schockmomente für den Horrorfan. Aber sie sind eher kurz und mehr Pflicht als Kür. Im Mittelpunkt steht nämlich das Psychogramm von einigen Menschen, die alle einen psychischen Knacks haben und ständig mit ihren größten Ängsten konfrontiert werden. Nach dem gemeinsamen Abendessen trennen sich ihre Wege. Denn sie können Pennywise nur besiegen, wenn sie ihre Ängste kennen lernen. Dieser Mittelteil, in dem sie mit ihren Ängsten und Traumata konfrontiert werden, ist die Ouvertüre für das Finale, in dem sie weiter mit ihren Ängsten konfrontiert werden und gleichzeitig versuchen Pennywise zu besiegen. Die sechs Jugendfreunde sind in einem konstanten, sich steigerndem Schockzustand. Jede Minute des Films zeigt sie nicht als strahlende Sieger, die ein Monster besiegten und ein Dorf retteten, sondern als gebrochene und zutiefst traumatisierte Menschen. Pennywise hat sie damals nicht getötet, aber seelisch gebrochen.

Wenn sie dann im Finale von „Es Kapitel 2“ Pennywise besiegen, verlassen sie nicht als stolze Gewinner das bereits aus „Es“ in Teilen bekannte unterirdische Schlachtfeld, sondern als gebrochene Gestalten, die tief in ihrem Innern fürchten, dass das Grauen wieder zurückkehren wird.

Dieser erzählerische Ansatz ist als düstere, bis auf einen Running Gag konsequent humorfreie künstlerische Vision beeindruckend. „Es Kapitel 2“ ist eine Charakterstudie, bei der die typischen Horrorfilmmomente eher störend sind. Weil die Macher davon ausgehen, dass man „Es“ gesehen hat, werden die Ereignisse aus „Es“ nur kurz angesprochen und zu Pennywises Geschichte fast nichts gesagt. Von der jugendlichen Aufbruchstimmung und der damit verbundenen Hoffnung auf eine glückliche Zukunft ist in „Es Kapitel 2“ nichts mehr vorhanden.

Es Kapitel 2 (It Chapter 2, USA 2019)

Regie: Andy Muschietti

Drehbuch: Gary Dauberman

LV: Stephen King: It, 1986 (Es)

mit Jessica Chastain, James McAvoy, Bill Hader, Isaiah Mustafa, Jay Ryan, James Ransone, Andy Bean, Bill Skarsgård, Jaeden Martell, Wyatt Oleff, Jack Dylan Grazer, Finn Wolfhard, Sophia Lillis, Chosen Jacobs, Jeremy Ray Taylor, Teach Grant, Nicholas Hamilton, Xavier Dolan, Stephen King, Peter Bogdanovich

Länge: 170 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage (mit neuem Cover)

Es von Stephen King

Stephen King: Es

(übersetzt von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber, bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann)

Heyne, 2017 (Movie Tie-In)

1536 Seiten

14,99 Euro

Erstausgabe der ungekürzten Übersetzung: 2011

Ältere Ausgaben enthalten eine gekürzte Übersetzung.

Originalausgabe

It

Viking, 1986

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film (Dein Kinoticket)

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Es Kapitel 2“

Metacritic über „Es Kapitel 2“

Rotten Tomatoes über „Es Kapitel 2“

Wikipedia über „Es Kapitel 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis „Mama“ (Mama, Spanien/Kanada 2012)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Der dunkle Turm: Schwarz“ (The Dark Tower: The Gunslinger, 1982) und von Nikolaj Arcels Romanverfilmung „Der dunkle Turm“ (The dark Tower, USA 2017)

Meine Besprechung von Andy Muschiettis Stephen-King-Verfilmung „Es“ (It, USA 2017)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, 1983) und Kevin Kölsch/Dennis Widmyers Romanverfilmung „Friedhof der Kuscheltiere“ (Pet Sematary, USA 2019)

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour


Neu im Kino/Filmkritik: „Petting statt Pershing“, damals, in der Provinz

September 5, 2019

https://www.youtube.com/watch?v=_N4WXvHuHC0

1983: Helmut Schmidt beginnt gerade seine Karriere als Mitherausgeber der „Zeit“, Helmut Kohl beschwört die geistig-moralische Wende und in den Reihenhaussiedlungen der Provinz werden langsam, sehr langsam, also wirklich sehr langsam die Gedanken der Hippies von freier Liebe, Drogen und Frieden aufgenommen. „Petting statt Pershing“ war ein damals bekannter Slogan – und ist jetzt der Titel der neuen Komödie von Petra Lüschow. In den vergangenen Jahren schrieb sie die Drehbücher für „Nachbeben“ „Tannöd“, „Tatort: Schmutziger Donnerstag“ und den von ihr inszenierten Kurzfilm „Der kleine Nazi“. „Petting statt Pershing“ ist ihr Spielfilmdebüt, das auch auf eigenen Erinnerungen basiert und irgendwo in der westdeutschen Provinz, eher in Nord- als Süddeutschland (und nach den Autokennzeichen in Hessen im Landkreis Groß-Gerau), spielt.

Im Mittelpunkt steht die siebzehnjährige Ursula Mayer, die intelligent, aber noch Jungfrau ist. Das möchte sie unbedingt ändern. Die Erfahrungen mit Gleichaltrigen sind allerdings desaströs. Als neues Objekt der Begierde bietet sich der neue Lehrer Siegfried Grimm an. Er ist als linksalternativer, verständnisvoller und kluger Lehrer das Gegenteil der alten Lehrer, die noch den Krieg erlebten und Kadavergehorsam für eine Tugend halten. Außerdem soll der auf einem Bauernhof in einer Kommune lebende Lehrer bei der Wahl seiner Sexpartnerinnen sehr offen zu sein. Er soll noch nie „Nein“ gesagt haben.

Während Ursula sich an Grimm heranpirscht, springt dieser mit seinen Mitbewohnerinnen, Ursulas Mutter und Ursulas Sportlehrerin ins Bett oder ins Gebüsch. Auch Ursulas Vater, der biedere Dorfdoktor, ist einem Seitensprung nicht abgeneigt. Und Ursulas Großvater, ein Weltkrieg-II-Veteran, steckt immer noch in der Vergangenheit fest. Der neue Feind ist der Öko-Bauernhof.

Das sind eigentlich genug Konflikte für eine Provinzkomödie, die einen Blick auf einen filmisch bislang wenig aufgearbeiteten Teil der bundesdeutschen Geschichte wirft. Trotzdem will der Film nicht begeistern. Er ist eine Komödie ohne Witz. Vieles wird bei dem mild verklärenden Blick in die eigene Vergangenheit zwar angesprochen, aber nicht weiter vertieft oder zugespitzt zu einer Vision über die damalige Zeit und das Erwachsenwerden in den Achtzigern. Dafür wäre eine Haltung zur Vergangenheit und auch zur Geschichte nötig.

In „Petting statt Pershing“ wird allerdings alles gezeigt, ohne dass jemals jemand verurteilt oder in einem Gag herabgesetzt wird. Bei der augenfällig übergewichtigen Ursula ist es schön, dass es keine Witze über Dicke gibt und sie auch keine Frustessen-Szene hat. Eher schon wird ihre Intelligenz bezweifelt. Lehrer Grimm ist vor allem ein netter Hallodri. Gegenüber keiner seiner Sexpartnerinnen hat er irgendwelche weitergehenden Ansprüche. Für ihn ist die Ideologie der freien Liebe die Entschuldigung, Sex zu haben, ohne sich emotional engagieren zu müssen und ohne dafür bezahlen zu müssen. Mit ihm und den anderen im Film auftauchenden Männern hätte Lüschow über männliche Besitzansprüche, wie sie Macht über Frauen ausüben und wie Frauen sich dagegen wehren erzählen können. Das tut sie höchst halbherzig, während die frühen achtziger Jahre vor allem eine beliebig austauschbare Kulisse für einige Liebesgeschichten sind, die nie das Niveau von echten Liebeswirren erreichen.

Wie es besser geht zeigen, um nur einige neuere europäische Filme zu nennen, „Die wilde Zeit“, „Die göttliche Ordnung“ und „La belle saison – Eine Sommerliebe“, die alle in den siebziger Jahren spielen und Geschichten von einem Aufbruch erzählen. Das wäre auch in „Petting statt Pershing“ möglich gewesen.

Stattdessen gibt es unwitzigen Provinzklamauk über fremdgehende Männer und Frauen, etwas Coming of Age, ein, zwei Witze über die damals noch lebenden Nazis, mehr oder weniger passendes, oft beliebig wirkendes Zeitkolorit (so lief „Donnerlippchen“ zwischen 1986 und 1988 im TV) und viele verpasste Chancen.

Petting statt Pershing (Deutschland 2018)

Regie: Petra Lüschow

Drehbuch: Petra Lüschow

mit Anna Hornstein, Florian Stetter, Christina Große, Thorsten Merten, Hermann Beyer, Britta Hammelstein, Leon Ulrich, Barbara Phillip

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

frühere Titel waren „Es ist aus, Helmut“ und „Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Petting statt Pershing“

Moviepilot über „Petting statt Pershing“

 


TV-Tipp für den 5. September: Das Versprechen

September 4, 2019

HR, 23.15

Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich (The Promise, Deutschland 2016)

Regie: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Drehbuch: Marcus Vetter, Karin Steinberger

Informative, spannende und sehr akribische Doku über den deutschen Diplomatensohn Jens Söring, der seit 1990 in den USA im Gefängnis sitzt. Er soll am 30. März 1985 die Eltern von seiner Freundin und ersten großen Liebe Elizabeth Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia bestialisch ermordet haben. Er behauptet, unschuldig zu sein und die neueren Beweise unterstützen seine Version.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Jens Söring, Gail Marshall, Tom Elliott, William Sweeney, Ricky Gardner, Gail Ball, Chuck Reid, Rich Zorn, Dave Watson, Tony Buchanan, Carlos Santos, Steven Rosenfield

und den Stimmen von Imogen Poots und Daniel Brühl

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Das Versprechen“

Moviepilot über „Das Versprechen“

Wikipedia über „Das Versprechen“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „The Forecaster“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Marcus Vetter/Karin Steinbergers „Das Versprechen – Erste Liebe lebenslänglich“ (The Promise, Deutschland 2016) und der DVD

The New Yorker: ausführliche Reportage von Nathan Heller über den Mordfall (9. November 2015)

Michael Remke: Neue Beweise für Unschuld des Diplomaten-Sohns? (Die Welt, 5. Mai 2017)


Schöne Musik: Steve Coleman & Five Elements

September 4, 2019

https://www.youtube.com/watch?v=K1-CQyeEHLg

Am 23. Juli 2016 spielte Steve Coleman mit seiner Band „5 Elements“ auf der Heineken Jazzaldia in Donostia, Spanien.

Die Band: Steve Coleman (alto sax), Jonathan Finlayson (trumpet), Miles Okazaki (guitar), Anthony Tidd (electric bass), Sean Rickman (drums); Gastmusiker: Ravi Coltrane (tenor sax)


TV-Tipp für den 4. September: Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge

September 3, 2019

ZDF, 20.15

Stunden der Entscheidung – Angela Merkel und die Flüchtlinge (Deutschland 2019)

Regie: Christian Twente

Drehbuch: Sandra Stöckmann, Marc Brost

Am 4. September 2015 machen sich Flüchtlinge von Budapest, Ungarn, zu Fuß auf den Weg nach Deutschland. Weil der ungarische Präsident Viktor Orbán weiterhin auf eine Eskalation gegenüber den Flüchtlingen setzt, muss Angela Merkel sich innerhalb weniger Stunden entscheiden, wie sie mit den in Richtung Deutschland marschierenden Flüchtlingen umgehen wird.

Das Dokudrama erzählt chronologisch die Ereignisse dieses Tages, indem es unveröffentlichte Archivaufnahmen mit Interviews von Zeitzeugen und wenig überzeugenden nachinszenierten Szenen mixt. Statt dieser nachgestellten Szenen hätten die Macher besser die Zeit für die vertiefende Analyse und Einordnung des „March of Hope“ in die allgemeine Flüchtlingspolitik des Jahres 2015 und der rechtlichen Rahmenbedingungen benutzen sollen.

In „Stunden der Entscheidung“ wird der Prozess dargestellt, wie Angela Merkel an dem Tag zu dem Entschluss kam, die Flüchtlinge aufzunehmen. Die Regierung und ihre Berater sind da nur Stichwortgeber.

Für die Doku unterhielten die Macher sich mit Mohamed Amjahid (Journalist, Reporter der „ZEIT“ im Sommer 2015 live vor Ort), Sigmar Gabriel (Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler 2013–2018), Martin Kaul (Journalist, 2015 Reporter der „taz“, live vor Ort), Gerald Knaus (Vorsitzender der „Europäischen Stabilitätsinitiative“), Thomas de Maizière (Bundesminister des Innern, 2013–2018), Reinhold Mitterlehner (Vizekanzler der Republik Österreich, 2014 – 2017), Gerhard Schindler (Präsident des Bundesnachrichtendienstes, 2012–2016), Manfred Schreiner (Leiter Landesleitzentrale Burgenland, Major), Peter Tauber (Generalsekretär der CDU, 2013–2018) und Mohammad Zatareih (Flüchtling aus Syrien, Initiator des „March of Hope“).

mit (Schauspieler) Heike Reichenwallner, Aram Arami, Emre Aksizoglu, Stefan Mehren, Tilla Kratochwil, Gerhard Meseke, Manfred Callsen,

(Interviewpartner) Mohamed Amjahid, Sigmar Gabriel, Martin Kaul, Gerald Knaus, Thomas de Maizière, Reinhold Mitterlehner, Gerhard Schindler, Manfred Schreiner, Peter Tauber, Mohammad Zatareih

Hinweis

ZDF über „Stunden der Entscheidung“


Cover der Woche

September 3, 2019


TV-Tipp für den 3. September: Die Brücke

September 3, 2019

3sat, 20.15

Die Brücke (Deutschland 1959)

Regie: Bernhard Wicki

Drehbuch: Michael Mansfeld, Karl-Wilhelm Vivier (d. i. Heinz Pauck), Bernhard Wicki

LV: Manfred Gregor: Die Brücke, 1958

In den letzten Kriegstagen erhalten sieben Oberschüler ihre Einberufung. Sie sollen eine militärisch unwichtige Brücke in ihrer Heimat verteidigen.

Klassiker und brutaler Antikriegsfilm

Heldentum ist nur etwas wert, wenn es für die richtige Sache geschieht. Und für mich, aus meinem persönlichen Schicksal heraus, war die Verteidigung der Brücke nicht erst 1959, sondern auch schon während des Krieges die falsche Sache.

Ich habe in den Jahren sei der ‚Brücke‘ Tausende von Briefen von jungen Männern bekommen, die mir schrieben, dass sie auch aufgrund meines Films den Kriegsdienst verweigert haben. Das zählt zu den wenigen Dingen in meinem Leben, auf die ich wirklich stolz bin.“ (Bernhard Wicki in Robert Fischer: Bernhard Wicki – Regisseur und Schauspieler, 1994)

mit Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Karl Michael Balzer, Volker Lechtenbrink, Günther Hoffmann, Cordula Trantow, Wolfgang Stumpf, Günter Pfitzmann, Heinz Spitzner, Siegfried Schürenberg, Loriot (Was für eine Besetzung!)

Hinweise

Filmportal über „Die Brücke“

Rotten Tomatoes über „Die Brücke“

Wikipedia über „Die Brücke“ (deutsch, englisch)


Die Krimibestenliste September 2019

September 2, 2019

Die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur empfehlen in ihrer September-Krimibestenliste für die länger werdenden Nächte unter der Leselampe etwas kultivierten Mord und Totschlag:

1. Garry Disher – Kaltes Licht (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Unionsverlag, 314 Seiten, 22 Euro.

2. Tawni O’Dell – Wenn Engel brennen (Plazierung im Vormonat: 8)

Aus dem Englischen von Daisy Dunkel.Ariadne im Argument-Verlag, 350 Seiten, 21 Euro.

3. Denise Mina – Klare Sache (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Zoë Beck. Ariadne im Argument-Verlag, 352 Seiten, 21 Euro.

4. Max Annas – Morduntersuchungskommission (Plazierung im Vormonat: 3)

Rowohlt, 346 Seiten, 20 Euro.

5. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

6. Selim Özdogan – Der die Träume hört (Plazierung im Vormonat: /)

Edition Nautilus, 288 Seiten, 18 Euro.

7. Adrian McKinty – Cold Water (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Peter Torberg.Suhrkamp Nova, 378 Seiten, 15,95 Euro.

8. Garry Disher – Hitze (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller.Pulp Master, 278 Seiten, 14,80 Euro.

9. George Pelecanos – Prisoners (Plazierung im Vormonat: 10)

Aus dem Englischen von Karen Witthuhn.Ars Vivendi, 230 Seiten, 18 Euro

10. Friedrich Ani – All die unbewohnten Zimmer (Plazierung im Vormonat: 2)

Suhrkamp, 495 Seiten, 22 Euro.