TV-Tipp für den 7. Februar: James Bond 007: Sag niemals nie

Februar 6, 2025

Vox, 22.15

James Bond 007: Sag niemals nie (Never say never again, USA 1983)

Regie: Irvin Kershner

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika. Dort kämpft er gegen den Schurken Largo, der zwei Atombomben klauen will.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.

mit Sean Connery, Klaus Maria Brandauer, Kim Basinger, Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey, Rowan Atkinson, Alec McCowen

Die Vorlage

Ian Fleming: Feuerball

(übersetzt von Anika Klüver und Stephanie Pannen)

Cross-Cult, 2013

384 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Thunderball, 1961

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Sag niemals nie“

Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie“ (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond: Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: GoldenEye“ (GoldenEye, 1995)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond: KALT“ (COLD, 1996)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022) (ein Spionageroman aus der Welt von James Bond)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

Meine Besprechung von Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick (Being Bond: A Daniel Craig Retrospective, 2024)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Maria“ Callas, gesehen durch die Augen von Pablo Larraín

Februar 6, 2025

Maria“ ist der dritte Film in Pablo Larraíns Trilogie über bedeutende Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie begann gelungen mit „Jackie“ und ging furios mit „Spencer“ weiter. „Jackie“ schildert die Stunden und Tage nach der Ermordung von John F. Kennedy und wie seine Witwe Jackie Kennedy (gespielt von Natalie Portman) damit umgeht. „Spencer“ schildert ein Weihnachten am englischen Königshaus, als die Ehe von Prinz Charles und Prinzessin Diana, bzw. Lady Diana, geborene Diana Spencer (gespielt von Kristen Stewart) schon am Ende war. „Maria“ schildert die letzte Woche im Leben der heute immer noch bekannten Opernsängerin Maria Callas. Gespielt wird sie von Angelina Jolie, die sich in den vergangenen Jahren als Schauspielerin rar machte, für diesen Film singen lernte und niemals hinter der Rolle verschwindet. Sie bleibt immer Angelina Jolie, die Maria Callas spielt.

Maria Callas wurde am 2. Dezember 1923 in New York City geboren. Sie starb in Paris am 16. September 1977. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Paris in einer von ihr prunkvoll eingerichteten Wohnung. Ihr Kammerdiener Ferruccio (Pierfrancesco Favino) und ihre Köchin Bruna (Alba Rohrwacher) kümmern sich um sie und erfüllen jeden ihrer Wünsche. Meist noch, bevor sie ihn äußert. Ein junger, möglicherweise nur in ihrer Fantasie existierender TV-Reporter interviewt sie zu ihrem Leben. Sie streift allein durch Paris. Sie probt in der Oper wieder für einen großen öffentlichen Auftritt. Der Pianist, der sie bei den Proben unterstützt, geht ebenfalls auf jeden ihrer Wünsche ein. Die tablettensüchtige Diva selbst hat sich in dem Moment schon in eine Scheinwelt geflüchtet, die Larraín in seinem Film zeigt. Schließlich spielt „Maria“, bis auf wenige Momente, im Kopf von Maria Callas. In dieser Welt kämpft die alternde Opernsängerin gegen Widerstände, Selbstzweifel und Dämonen, die es in der realen Welt nicht gibt. Sie fühlt sich fremd in ihrem Leben.

Damit führt Larraín Überlegungen aus „Jackie“ und „Spencer“ fort, verändert sie aber an einem entscheidenden Punkt. Jackie und Spencer mussten auch gegen äußere Widerstände kämpfen. In beiden Filmen versuchen mächtige Institutionen der Frau ihren Willen aufzuzwingen. Sie soll passiv tun, was die primör von Männern geleiteten Institutionen von ihr verlangen. In „Jackie“ ist es der politische Apparat, genaugenommen die Politiker und hohen Beamten, die für John F. Kennedy arbeiteten und jetzt überlegen, wie sie mit der Ermordung des Präsidenten der USA umgehen, und die Öffentlichkeit, die ein bestimmtes Bild von einer trauernden Witwe verlangt. In „Spencer“ ist es das Königshaus, das mit klinischer Präzision das königliche Protokoll eines Weihnachtsfestes durchzieht, das Spencer die Luft zum Atmen nimmt. In dem Landsitz Sandringham House kämpft sie um kleinste Freiheiten. Da wird, weil auf Anordnung der Königin schon bei der Ankunft das Gewicht gemessen wird, sogar der Griff nach einer Süßigkeit zu einem Akt des Widerstandes. Auch Prinzessin Diana kämpft gegen eine Öffentlichkeit, die von der Frau eines künftigen Königs ein bestimmtes Verhalten erwartet.

Das fehlt in „Maria“. Maria Callas kämpft nur gegen innere Widerstände. Äußere Widerstände sind im Rahmen der Filmgeschichte, die sich auf ihre letzten Tage konzentriert, nicht vorhanden.

Eben diese Konstruktion, in der auf den äußeren Konflikt verzichtet wird, beraubt den Film eines großen Teils der Spannung, die „Jackie“ und „Spencer“ haben. In dem Geisterfilm „Maria“ gibt es nur noch einen inneren Konflikt. Larraíns Biopic ist dann nur noch das Porträt einer etwas anstrengenden, tablettensüchtigen Diva (ja, das ist fast schon der berühmte ‚weiße Schimmel‘), die an einem Herzinfarkt stirbt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: „Maria“ ist kein schlechter Film, aber es ist mit Abstand der schwächste Film der Trilogie.

Grandios ist, wieder einmal, Pierfrancesco Favino als Kammerdiener. Während des gesamten Films muss er nur, mit ausdrucksloser Miene, dienstbeflissen anwesend sein und seiner launenhaften Arbeitgeberin jeden Wunsch erfüllen. Und dabei sagt er, ohne etwas zu sagen, unglaublich viel.

Maria (Maria, Deutschland/Italien/USA 2024)

Regie: Pablo Larraín

Drehbuch: Steven Knight

mit Angelina Jolie, Pierfrancesco Favino, Alba Rohrwacher, Haluk Bilginer, Kodi Smit-McPhee, Valeria Golino, Vincent Macaigne, Aggelina Papadopoulou, Jörg Westphal

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Maria“

Moviepilot über „Maria“

Metacritic über „Maria“

Rotten Tomatoes über „Maria“

Wikipedia über „Maria“ (deutsch, englisch) und Maria Callas (deutsch, englisch)

AllMusic über Maria Callas

Meine Besprechung von Pablo Larrains „El Club“ (El Club, Chile 2015)

Meine Besprechung von Pablo Larraíns „Jackie: Die First Lady“ (Jackie, USA 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrains „Neruda“ (Neruda, Chile/Argentinien/Frankreich/Spanien 2016)

Meine Besprechung von Pablo Larrins „Spencer“ (Spencer, Deutschland/Großbritannien 2021)


TV-Tipp für den 6. Februar: L’Immensità – Meine fantastische Mutter

Februar 5, 2025

ZDF, 00.45

L’Immensità – Meine fantastische Mutter (L’Immensità, Italien/Frankreich 2022)

Regie: Emanuele Crialese

Drehbuch: Emanuele Crialese, Francesca Manieri, Vittorio Moroni

TV-Premiere zu einer unmöglichen Uhrzeit. Porträt einer dysfunktionalen, zur gehobenen römischen Mittelschicht gehörenden Familie in den siebziger Jahren, das trotzt guter Momente in seine Einzelteile zerfällt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Penélope Cruz, Luana Giuliani, Vincenzo Amato, Patrizio Francioni, Maria Chiara Goretti, Penelope Nieto Conti

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „ L’Immensità – Meine fantastische Mutter“

AlloCiné über „ L’Immensità – Meine fantastische Mutter“

Metacritic über „ L’Immensità – Meine fantastische Mutter“

Rotten Tomatoes über „ L’Immensità – Meine fantastische Mutter“

Wikipedia über „ L’Immensità – Meine fantastische Mutter“ (deutsch, englisch, französisch, italienisch)

Meine Besprechung von Emanuele Crialeses „L’Immensità – Meine fantastische Mutter“ (L’Immensità, Italien/Frankreich 2022)


„Die Schatten von Prag“, gejagt in Egon Erwin Kischs erstem Fall

Februar 5, 2025

Der Klappentext verspricht den Auftakt einer 1910 in Prag spielenden furiosen Krimi-Serie mit Egon Erwin Kisch, den es wirklich gab, und Lenka Weißbach, eine Erfindung des Autorenduos Martin Beck/Tabea Soergel, als Protagonisten. Das klingt doch verheißungsvoll. Kisch lebte von 1885 bis 1948. Er ist ein legendärer Reporter, der auch ‚der rasende Reporter‘ genannt wurde. Der renommierte Egon-Erwin-Kisch-Preis, der jedes Jahr die beste deutschsprachige Reportage auszeichnet, ist nach ihm benannt.

Dass er als Protagonist einer mehr oder weniger erfundenen Krimiserie fungiert, ist auch nicht schlecht. Diese Verbindung von Fact und Fiction gibt es ja öfters. Mal näher an den Fakten und tatsächlichen Ereignissen, mal weiter weg von der Realität. Und die Jahre, in denen Kisch als Reporter arbeitete, waren politisch so unruhig, dass genug Material für spannende Geschichten vorhanden ist.

Auch der Anfang – eine stimmungsvolle Nachtszene auf der Franzens-Brücke in Prag und dem Hinweis auf das vermeintlich drohende Unheil durch die Ankunft des Halleyschen Kometen – liest sich gut. Vor allem weil das erste Kapitel nach sechs Seiten mit der ersten Leiche, einem Mann, der mit entsetzt aufgerissenen Augen in den Sternenhimmel starrt, endet.

Auf den nächsten Seiten führen Martin Becker und Tabea Soergel in ihrem Roman „Die Schatten von Prag“ die beiden Protagonisten ein. Zuerst Lenka Weißbach. Sie ist eine junge Frau, die aus Berlin nach Prag zu ihrer zunehmend pflegebedürftigen Mutter zurückkehrt. Auf der Hinfahrt im Zug trifft sie die Frau, die für die bald in Prag stattfindenden Morde verantwortlich ist. Das wird auch im Roman schon so früh enthüllt, dass der gestandene Krimileser eine falsche Fährte vermutet.

In Prag trifft Lenka kurz darauf wieder auf Egon Erwin Kisch. Er ist ein nimmermüder Journalist, der für Tageszeitung „Bohemia“ über Verbrechen und das Leben in Prag schreibt. Er bietet ihr eine Stelle in der Redaktion an. Sie akzeptiert und schnell recherchieren sie in einer Mordserie, in der der Mörder seine Morde als Suizide tarnt.

Ungefähr in diesem Moment, irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten Mord, begibt der Roman sich in die falsche Richtung. „Die Schatten von Prag“ ist kein historischer Kriminalroman. Dafür ist die Kriminalgeschichte viel zu nebensächlich. Immer wieder, über Dutzende von Seiten wird er nicht beachtet. Über die Opfer erfahren wir nichts. Es werden keine Spuren zum Täter verfolgt und es gibt auch keine Verdächtigen. Es gibt nichts, was zu einer Kriminalgeschichte gehört.

Auch auf den letzten Seiten, wenn die Geschichte eigentlich zum Höhepunkt, zur Enttarnung des Täters, schreiten sollte, ist Zeit für längliche Abschweifungen, die die dreihundertseitige Kriminalgeschichte in keinster Weise voranbringen. Stattdessen dürfen wir auf den Seiten 241 bis 256 lesen, wie Lenka den Tag und den Abend mit ihrer Freundin verbringt. Davor verbringt Kisch mit Brodersen mehrere Seiten beim lockeren Gespräch über Banalitäten in einem Lokal.

Viel mehr als der Kriminalfall interessieren Becker und Soergel sich für Lenkas Leben und Liebesleben zwischen dementer Mutter, nicht besuchten Vorlesungen an der Universität, Bekanntschaft und vor der Mutter angekündigter Heirat mit ihrem Arbeitskollegen Heinrich Brodesser und ihrer wahren Liebe. Denn Lenka liebt nicht Brodesser, sondern Frauen. Das ist alles nicht so wahnsinnig interessant, füllt aber zuverlässig viele Seiten.

Kisch wird beschrieben als Trinker, der in seinen Reportagen bedenkenlos flunkert und lügt. Als er auf Seite 105, also am Ende des ersten Drittels des Romans, von seinem neuen Chef Gruber für den Rest der Geschichte von seinen Aufgaben als Kriminalreporter entbunden wird, sucht er nicht auf eigene Faust nach dem Täter. Schließlich ist die Suche nach dem Mörder nicht mehr seine Aufgabe. Er ertrinkt im Selbstmitleid und wird zum Vollzeittrinker. Erst kurz vor Schluss beginnt er wieder den oder die Täter zu suchen. Aber in diesem Moment ist bereits jedes Interesse an diesem Nicht-Kriminalroman, der auch über keine anderen Qualitäten verfügt, erloschen.

Für Anfang Oktober ist „Die Feuer von Prag – Kischs zweiter Fall“ angekündigt. Ich bin nicht neugierig.

P. S.: Schönes Cover.

Martin Becker/Tabea Soergel: Die Schatten von Prag – Kischs erster Fall

Kanon Verlag, 2024

312 Seiten

24 Euro

Hinweise

Perlentaucher über „Die Schatten von Prag“

Wikipedia über Egon Erwin Kisch


TV-Tipp für den 5. Februar: Nur eine Frau

Februar 4, 2025

HR, 22.25

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

Beeindruckendes Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

Wiederholungen

WDR: Donnerstag, 6. Februar, 22.45 Uhr

RBB: Freitag, 7. Februar, 22.00 Uhr

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur eine Frau“

Moviepilot über „Nur eine Frau“

Wikipedia über „Nur eine Frau“

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „Nur eine Frau“ (Deutschland 2019)


Cover der Woche und Lachtipp: Elizabeth Pich: Fungirl

Februar 4, 2025

Fungirl ist – – – ein in einer Wohngemeinschaft vor sich hin lümmelnder und mit sich spielender weiblicher Slacker. Nur noch verpeilter als die männlichen Vorbilder, wenn sie fröhlich von einer Katastrophe zum nächsten Fettnapf springt und in einem Beerdigungsinstitut anfängt. Tote können sich ja nicht mehr wehren…

Ein großer, absolut respektloser und tabuloser Cartoon-Spaß für die sinnesfreudigen Freunde des guten schlechten Geschmacks.

Dafür gab es eine Nominierung für den Max und Moritz-Preis 2024.

Elizabeth Pich: Fungirl

(aus dem Englischen von Christoph Schuler)

Edition Moderne, 2024

256 Seiten

26 Euro

Hinweise

Edition Moderne über „Fungirl“

Homepage von Elizabeth Pich

Wikipedia über Elizabeth Pich


TV-Tipp für den 4. Februar: Carlito’s Way

Februar 3, 2025

HR, 22.35

Carlito’s Way (Carlito’s Way, USA 1993)

Regie: Brian De Palma

Drehbuch: David Koepp

LV: Edwin Torres: Carlito’s Way, 1975 und After Hours, 1979 (auf Deutsch zum Filmstart als Doppelband „Carlito’s Way“ bei Heyne erschienen)

Drogenhändler Carlito Brigante wird vorzeitig aus der Haft entlassen und will fortan ehrlich bleiben. Aber er hat nicht mit den Umständen und seinem Anwalt gerechnet.

Machen wir es kurz: De Palmas Period-Picture der Siebziger ist ein grandioser Gangsterfilm

mit Al Pacino, Sean Penn, Penelope Ann Miller, John Leguizamo, Luis Guzman, Viggo Mortensen

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Carlito’s Way“

Wikipedia über „Carlito’s Way“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Koepps „Mortdecai – Der Teilzeitgauner“ (Mortdecai, USA 2015)

Meine Besprechung von David Koepps „Cold Storage – Es tötet“ (Cold Storage, 2019)


Über Georges Simenons „Der Passagier der Polarlys“ und die Comicversion von José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux

Februar 3, 2025

Die Polarlys ist ein Dampfer der von Hamburg nach Hammerfest fährt und dabei primär Waren an Orte in Norwegen befördert, die über Land nur schwer oder, mangels Straßen, nicht erreichbar sind. Das Schiff nimmt bei jeder Fahrt auch immer einige Passagiere mit. Dieses Mal sind es fünf Menschen. Einer von ihnen, Polizeirat von Sternberg, wird kurz nach der Abfahrt in seiner Kabine ermordet. Er verfolgte die Polarlys von Hamburg nach Cuxhaven, um noch an Bord zu gelangen. An Bord versteckt er sich in seiner Kabine.

Als Kapitän Petersen die Leiche sieht, weiß er, dass der Täter noch an Bord ist.

Der Passagier der Polarlys“ ist einer der frühesten Romane von Georges Simenon (1903 – 1988). Er schrieb ihn 1930. Veröffentlicht wurde er 1932. Die deutsche Erstausgabe war 1935 unter dem Titel „Flucht nach dem Nordkap“. Im Werk von Simenon bedeutet dieser Roman, zusammen mit den zeitgleich geschriebenen Romanen, wozu auch mehrere Maigrets gehören, den Wandel vom unter 27 Pseudonymen in atemberaubendem Tempo schreibendem Groschenromanautor zum ernsthaften Autor, der eine ähnliche Schreibgeschwindigkeit vorlegte.

Insgesamt veröffentlichte Simenon ab 1931, als sein erster Roman unter seinem Namen erschien, 75 Romane mit Kommissar Maigret, 117 Non-Maigrets und zahlreiche weitere Erzählungen und Reportagen. Im deutschsprachigen Raum werden sie regelmäßig, teils in neuen Übersetzungen, veröffentlicht. Aktuell erscheinen sie, als Kooperation der Verlage ‚Hoffmann und Campe‘ und ‚Kampa‘, im Rahmen der ersten deutschsprachigen Gesamtausgabe von Simenons erzählerischem Werk; – wozu dann auch eigentlich die fast bis vollständig unbekannten Kurzgeschichten gehören.

Szenarist José-Louis Bocquet und Zeichner Christian Cailleaux nahmen sich jetzt diesen frühen Roman von Simenon für ihre überzeugende, werkgetreue Comic-Adaption vor. Sie veränderten vor allem den Ort, an dem dem Leser ein großer Teil des Motivs enthüllt wird. Im Roman geschieht dies in einer Rückblende. Kapitän Petersen entdeckt bei dem ermordeten von Sternberg eine Pariser Tageszeitung. Er vermutet, dass der Zeitungsbericht über den Tod einer jungen Frau, die in einem Künstleratelier in Montparnasse an einer Überdosis Drogen starb, der Grund für von Sternbergs Tod ist und dass der Mörder der Frau an Bord ist. Der Comic beginnt mit der Schilderung des Todes der jungen Frau.

Im 192-seitigem Roman und im 80-seitigem Comic entwickelt der Plot sich flott vom Beladen des Schiffes in Hamburg, über die Entdeckung der Leiche und die verschiedenen anderen Ereignisse an Bord, die hier nicht verraten werden sollen, bis hin zur Auflösung. Formal folgt er rudimentär den Rätselkrimi-Konventionen mit falschen Fährten und Verdächtigen. Er verlässt sich allerdings nicht auf einen Ermittler und dessen detektivischen Spürsinn. Der ab Stavanger als Beobachter an Bord anwesende Inspektor Jennings ist bestenfalls eine Nebenfigur. Kapitän Petersen ist zwar aktiver, aber mehr ein Beobachter als ein tatkräftig Spuren verfolgender und Befragungen durchführender Ermittler. Simenon verlässt sich in der Geschichte auf Zufälle, überraschende Wendungen und grundlose Geständnisse.

Die Stärke der Geschichte liegt nicht im Rätselplot und der Auflösung, sondern in der intensiven Schilderung des Lebens an Bord und den farbig gezeichneten Passagieren.

Der Comic hat ein sehr informatives Nachwort von José-Louis Bocquet über den Roman, seine Entstehung und seine Stellung im Werk von Georges Simenon.

Georges Simenon: Der Passagier der Polarlys

(übersetzt von Stefanie Weiss, mit einem Nachwort von Hansjörg Schertenleib)

Hoffmann und Campe, 2019

192 Seiten

21,90 Euro

Taschenbuchausgabe

Atlantik, 2024

13 Euro

Neuauflage der Diogenes-Übersetzung von 1986

Frühere deutsche Auflagen, teilweise in anderen Übersetzungen, unter

Flucht nach dem Nordkap

Der Passagier der Polarlys

Originalausgabe

Le passager du Polarlys

Fayard, Paris 1932

José-Louis Bocquet/Christian Cailleaux: Simenon – Der Passagier der Polarlys

(übersetzt von Christoph Haas)

Carlsen, 2025

80 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Simenon – Le Passager du Polarlys

Hors Collection Dargaud, 2023

Hinweise

Carlsen über „Der Passagier der Polarlys“

Hoffman und Campe über Georges Simenon

Homepage von Christian Cailleaux

Wikipedia über Georges Simenon (deutsch, englisch, französisch), den Roman, José-Louis Bocquet und Christian Cailleaux

Deutsche Georges-Simenon-Fanseite

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)

Meine Besprechung von Mathieu Amalrics Georges-Simenon-Verfilmung „Das blaue Zimmer“ (La chambre bleue, Frankreich 2014)

Meine Besprechung von Patrice Lecontes Georges-Simenon-Verfilmung „Maigret“ (Maigret, Frankreich/Belgien 2022)

Meine Besprechung von José-Louis Bocquets „Papas Musik“ (La musique de papa, 2007)


TV-Tipp für den 3. Februar: The Straight Story – Eine wahre Geschichte

Februar 2, 2025

NDR, 23.15

The Straight Story – Eine wahre Geschichte (The Straight Story, USA 1999)

Regie: David Lynch

Drehbuch: John Roach, Mary Sweeney

Kamera: Freddie Francis

Musik: Angelo Badalamenti (Wer sonst?)

Der 73-jährige Alvin Straight will sich nach jahrelangem Schweigen mit seinem Bruder aussöhnen. Dafür nimmt er eine 240 Meilen lange Fahrt auf sich. Auf einem Rasenmäher- Auto darf er nicht mehr fahren und andere Arten der Fortbewegung lehnt er ab.

David Lynchs ungewöhnlichster Film und gleichzeitig einer seiner schönsten Filme: ein die Langsamkeit und die Landschaft und Menschen zelebrierendes Roadmovie mit einem wunderschönen Ende: zwei Männer sitzen auf einer Veranda und blicken in den Nachthimmel.

„Auf eine gewisse Weise ist ‚The Straight Story‘ der extremste Film, den ich je gemacht habe.“ (David Lynch, Interview in Zitty 25/99)

mit Richard Farnsworth, Sissy Spacek, Harry Dean Stanton, John Farley, Everett McGill

auch bekannt als „Eine wahre Geschichte – The Straight Story“

Hinweise

Rotten Tomateos über „The Straight Story“

Wikipedia über „The Straight Story“ (deutsch, englisch)

Homepage von David Lynch

Meine Besprechung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ (Dune, USA 1984) und der gleichnamigen Vorlage von Frank Herbert

Meine Besprechung von David Lynchs „Twin Peaks – Fire walk with me“ (Twin Peaks: Fire walk with me, USA 1992)

Meine Besprechung von David Lynchs „Lost Highway“ (Lost Highway, USA 1997)

Meine Besprechung von David Lynchs „Mulholland Drive – Straße der Finsternis“ (Mulholland Dr., USA/Frankreich 2001)


TV-Tipp für den 2. Februar: Falsches Spiel mit Roger Rabbit

Februar 1, 2025

Disney Channel, 20.15

Falsches Spiel mit Roger Rabbit (Who framed Roger Rabbit?, USA 1988)

Regie: Robert Zemeckis

Drehbuch: Jeffrey Price, Peter S. Seaman

LV: Gary K. Wolf: Who censored Roger Rabbit?, 1981

Roger Rabbit ist eifersüchtig. Also soll Privatdetektiv Eddie Valiant Rabbits sexy Frau beschatten. Valiant stolpert dabei in einen Mordfall und über ein Komplott, das die heile Welt von Toon Town bedroht.

Gut, das klingt jetzt nicht besonders aufregend. Aber Roger Rabbit ist eine Cartoon-Figur. Seine Frau ebenso. Wie viele Toon-Town-Charaktere. Einige sind auch Menschen, wie der Bob Hoskins gespielte Privatdetektiv.

Roger Zemeckis gelang eine köstliche Melange aus Disney Zeichentrickfilmen und Schwarzer Serie, die damals ein echter Hit war und heute schon ein Klassiker ist. Ein köstlicher Spaß mit vielen Zitaten.

Mit Bob Hoskins, Christopher Lloyd, Joanna Cassidy, Stubby Kaye, Joel Silver

Wiederholung: Donnerstag, 6. Februar, 22.05 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“

Wikipedia über „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (deutsch, englisch)

Homepage von Gary K. Wolf

Meine Besprechung von Robert Zemeckis “Flight” (Flight, USA 2012)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „The Walk“ (The Walk, USA 2015)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Allied – Vertraute Fremde“ (Allied, USA 2016)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Willkommen in Marwen“ (Welcome to Marwen, USA 2018)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis Roald-Dahl-Verfilmung „Hexen hexen“ (The Witches, USA 2020)

Meine Besprechung von Robert Zemeckis „Here“ (Here, USA 2024)