Neu im Kino/Filmkritik/Buchkritik: „Kick-Ass 2“ kickt in Jeff Wadlows Actionkracher und Mark Millars Comics ass

August 16, 2013

Wer mit „Kick-Ass“, der grandiosen und sehr respektlosen Liebeserklärung an die Superhelden, nichts anfangen konnte, sollte um „Kick-Ass 2“ einen großen Bogen machen. Denn der Film und der ihm zugrunde liegende Comic „Kick-Ass 2“ von Autor Mark Millar und Zeichner John S. Romita, Jr., ergänzt um etliche Szenen aus „Hit-Girl“ (die im Comic eine Elfjährige, im Film eine Fünfzehnjährige, ist) ist brutal, oft vulgär, zynisch, schwarzhumorig und nie wirklich jugendfrei. Deshalb ist „Kick-Ass 2“ auch „frei ab 18 Jahre“ und er hat sich diese Freigabe ehrlich verdient.

Nach dem Ende von „Kick-Ass“ ist Frank D’Amico (Mark Strong) tot. Kick-Ass (Aaron Taylor-Johnson), ein Möchtegern-Superheld mit dem Talent, sich verprügeln zu lassen, und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz), ein Mädchen, das lässig ganze Legionen böser Jungs verprügelt und tötet, töteten den Mafia-Boss D’Amico und seine Männer. Dabei starb Hit-Girls Vater Big Daddy (Nicholas Cage in einem seiner besten Leinwandauftritte der vergangenen Jahre).

Hit-Girl Mindy McCready lebt jetzt bei Detective Marcus Williams (Morris Chestnut), der mit ihrem Vater befreundet war, und besucht die Schule. Eine für sie fremde Welt. Denn anstatt ihrer Bestimmung folgend, Verbrecher zu vermöbeln, muss sie jetzt Soap-Operas gucken und sich für Justin Bieber begeistern.

Aber die meiste Zeit schwänzt sie die Schule (Keine Panik. Sie hat den Schulcomputer gehackt und ist deshalb auf dem Papier immer anwesend.) und bildet Kick-Ass Dave Lizewski aus. Denn Daves Ambitionen sind größer als seine kämpferischen Fähigkeiten.

Als Marcus herausbekommt, dass Mindy nicht zur Schule geht, muss sie ihm versprechen, zur Schule zu gehen. Weil Big-Daddy sie erzogen hat, gegebene Versprechen zu halten, hält sie sich auch daran.

Dave, der schon immer davon träumte, zu einem Team von Superhelden zu gehören, schließt sich Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) an. Der zum Gläubigen konvertierte Gangster hat die Gruppe „Justice Forever“ gegründet. Gemeinsam gehen sie mit ziemlich drastischen Methoden gegen Gangster vor. Meistens patrouillieren sie allerdings, wie eine Bürgerwehr in kindischen Verkleidungen, durch die Straßen, geben Autogramme und helfen in der Suppenküche aus.

Währenddessen will Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), der Sohn von Frank D’Amico und der in „Kick-Ass“ Red Mist war, seinen Vater rächen. Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt er eine Ledermontur in ihrem Nachlass, zieht sie an und nennt sich jetzt „The Motherfucker“. Weil seine verbrecherischen Fähigkeiten proportional zu seinen Ambitionen sind, kauft er sich eine Bande von Schlägern ein, die ihm bei seiner Mission helfen sollen. Seine beste Waffe ist „Mother Russia“, wie er eine muskelbepackte Ex-KGB-Agentin nennt und deren Spitznamen man nicht mit „Mütterchen Russland“ übersetzen sollte. Sie ist die böse Schwester, die Ivan Drago (Dolph Lundgren) vor dem Frühstück vermöbelt und dann – vielleicht – verspeist.

Der große Spaß an „Kick-Ass 2“, in dem er auch um das Erwachsen-Werden geht, ist, dass Mark Millar, John Romita, Jr. und Jeff Wadlow jedes Superhelden-Klischee nehmen und es vom Kopf auf die Füße stellen, einem Realitätscheck unterziehen, die Superheldenmythologie kräftig entstauben und dann doch wieder – irgendwie – bestätigen. Aber halt auf eine zynisch-schwarzhumorige, pathosfreie Art.

Zur Vorlage oder Die gezeichneten Abenteuer von Kick-Ass und Hit-Girl

Der Film folgt ziemlich genau, bis auf das Finale, der Comicvorlage „Kick-Ass 2“, ergänzt um große Teile aus „Hit-Girl“, wobei im Film Hit-Girl älter als in den Vorlagen ist, weil die Hauptdarstellerin älter wurde. Die Namen einiger Charaktere wurden geändert. So wurde aus Chris Genovese Chris D’Amico. Naja, eine alte Hollywood-Weisheit sagt: „You can always change the name.“

Und der gesamte Film spielt mit Insider-Gags, Zeichen und Insignien, die das Herz des Fans erfreuen, ohne die Geschichte zu stören oder allzu besserwisserisch rüberzukommen. So hängt Daves Vater in einer Szene ein Plakat auf, während er ihm etwas von Verantwortung und den Unterschieden zwischen Comics und dem echten Leben erzählt. Auf dem Plakat ist das Cover von Mark Millar/Leinil Yus „Superior“ abgebildet. In diesem Comic möchte der an MS erkrankte Simon gerne ein Superheld sein. Ormon erfüllt ihm diesen Wunsch. Aber nach einer Woche hätte er gerne seine Seele, sonst wird Superior wieder der kranke Junge. Millar erzählt seine Version von der Verführbarkeit des Einzelnen in seinem typischen Stil – und gleichzeitig liefert er eine Liebeserklärung an Superman, der Simon für Superior als Vorbild diente.

Mark Millar und Leinil Yu widmeten „Superior“ Christopher Reeve und Richard Donner.

Die Comics sind genauso lesenswert wie „Kick-Ass 2“ sehenswert ist. Jedenfalls wenn man auf diese Art von Humor steht.

Kick-Ass 2 - Hauptplakat

Kick-Ass 2 (Kick-Ass 2, USA 2013

Regie: Jeff Wadlow

Drehbuch: Jeff Wadlow

LV: Mark Millar/John S. Romita Jr.: Kick-Ass 2, 2010/2012 (Kick-Ass 2)

mit Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Morris Chestnut, Christopher Mintz-Plasse, Jim Carrey, Yancy Butler, John Leguizamo, Clark Duke, Augustus Prew, Lyndsy Fonseca, Donald Faison, Lindy Booth, Robert Emms, Monica Dolan, Steven Mackintosh, Olga Kurkulina, Daniel Kaluuya, Tom Wu, Andy Nyman, Iain Glen

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Die direkte Vorlage für den Film und damit zusammenhängende Werke von Mark Millar

Millar - Kick-Ass 2 - Band 1

Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

108 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4

Icon Comics, Dezember 2010 – November 2011

Millar - Kick-Ass 2 - Band 2

Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 2)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

100 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7

Icon Comics, Januar – Mai 2012

Millar - Kick-Ass 2 - Gesamtausgabe

Die beiden „Kick-Ass 2“-Einzelbände erschienen auch Sammelband.

Millar - Hit-GirlMillar - Hit-Girl - Limitiertes Hardcover

Mark Millar/John Romita, Jr.: Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2013

124 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl, Issue 1 – 5

Icon Comics, August 2012 – April 2013

Millar - Superior 2

Mark Millar/Leinil Yu: Superior – Band 2

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2012

100 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Superior, Issue 5 – 7

Icon Comics, Dezember 2011 – März 2012

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kick-Ass 2“

Metacritic über „Kick-Ass 2“

Rotten Tomatoes über „Kick-Ass 2“

Wikipedia über „Kick-Ass 2“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Die Charakterposter

Kick-Ass 2 - Kick-Ass

Kick-Ass 2 - Hit-Girl

Kick-Ass 2 - Motherfucker

Kick-Ass 2 - Colonel Stars and Stripes

Ein brandneues Interview mit Jeff Wadlow und Christopher Mintz-Plasse


Friedrich Anis „Verzeihen“ ist jetzt „Süden und die Stimme der Angst“

August 14, 2013

Ani - Süden und die Stimme der Angst - 2

Für einen „Süden und“-Roman ist „Süden und die Stimme der Angst“ mit 352 Seiten erstaunlich umfangreich. Immerhin ist die Standardlänge für einen „Süden und“-Roman 208 Seiten. Daran änderte sich auch nichts, als Friedrich Anis Held Tabor Süden von der Vermisstenstelle der Polizei zur Detektei Liebergesell wechselte. Immer noch gräbt er sich in kurzen Geschichten in das unspektakuläre Leben der kleinen Leute, die man in München in der U-Bahn oder der Kneipe nicht weiter beachtet.

Aber neben den „Süden und“-Büchern schrieb Ani auch einige längere Romane mit Tabor Süden, seinem ersten, erfolgreichsten und beliebtesten Ermittler.

So entstanden vor der zehnbändigen „Süden und“-Serie drei Einzelromane, in denen andere Charaktere im Mittelpunkt standen und nach dem Ende der ursprünglichen „Süden und“-Serie, die zwischen 2001 und 2005 erschien, 2011 „Süden“ und zwei weitere „Süden und“-Romane und für den 1. Oktober ist „M“, ein weiterer Roman mit Tabor Süden, bei Droemer als Hardcover angekündigt.

Süden und die Stimme der Angst“ gehört zu diesen älteren Werken. Der Roman erschien 2001 als Hardcover unter dem Titel „Verzeihen“ und wurde bis jetzt noch nicht als Taschenbuch veröffentlicht.

Im Mittelpunkt stehen Ariane Jennerfurt, eine HIV-infizierte Ex-Prostituierte, und Niklas Schilff, ein Ex-Starjournalist (es ging um Fake-Interviews mit US-Promis), der sie vergewaltigt, von ihrer Infektion erfährt und sie entführt. Tabor Süden und seine aus den „Süden und“-Büchern bekannten Kollegen von der Vermisstenstelle der Münchner Kripo suchen die „Frau, der die Liebe abhandengekommen ist“ (Klappentext).

Damals kam das Buch bei der Kritik gut an und ebnete mit den „Süden und“-Romanen Friedrich Anis Weg in die Herzen der Krimifans und der Literaturkritiker.

Friedrich Ani: Süden und die Stimme der Angst

Knaur, 2013

352 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Verzeihen

Droemer Verlag, 2001

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Das Finale von „Haunt“, der Serie von Robert Kirkman und Todd McFarlane

August 12, 2013

McFarlane - Kirkman - Fox - Haunt 5

Erfunden wurde die Serie „Haunt“ von „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman, der mit seinem Idol, „Spawn“-Erfinder Todd McFarlane, der sich ziemlich aus dem Comicgeschäft (jedenfalls als Autor) zurückgezogen hatte, zusammen arbeiten wollte. Sie erfanden „Haunt“.

Im Mittelpunkt der Serie steht Daniel Kilgore, ein Ex-Priester, der mit seinem totem Bruder Kurt, einem US-Geheimagenten, redet und der in gefährlichen Momenten von einem fremden Geist übernommen und zu Haunt wird. Dieses Wesen kann man am Einfachsten als Symbiose der beiden Brüder zu einem quasi unbesiegbarem Superwesen beschreiben.

In den vergangenen vier „Haunt“-Sammelbänden wurde Daniel wegen dieser Fähigkeit in die Agency, die schon seinen Bruder beschäftigte, aufgenommen. Denn als Haunt ist er ein besonders effektiver Agent.

Gleichzeitig war unklar, welche Auswirkungen dieses Mischwesen auf Daniel haben wird. Wie sich seine Psyche verändern wird und was er dagegen tun kann, dass er als Haunt immer schneller seine Kräfte verliert.

Der fünfte „Haunt“-Sammelband, geschrieben von Joe Casey, bringt nun diese Geschichte zum Ende und entpuppt sich auf den letzten Seiten als Prequel für „Spawn“.

Die meiste Zeit muss Daniel sich in dem Serienfinale, nachdem die Basis der Agency und alle Mitarbeiter über Nacht verschwanden und Daniel von der „Zweiten Kirche“ entführt wurde, mit einem geheimnisvollen Mann, dessen Ziele bis zum Schluss unklar bleiben, herumschlagen. Denn Tubman, ein seltsamer Hippie, benimmt sich wie ein nervender Geist.

Letztendlich ist „Haunt“ als Vorgeschichte für einen neuen Charakter des „Spawn“-Universums – jedenfalls liest sich das Ende so – okay, aber damit fehlt ihm dann auch am Ende der richtige Abschluss.

Obwohl Todd McFarlanes Name als Autor auf dem Cover steht, hat er nur drei Seiten getextet. Der Rest ist von Joe Casey, der bereits Geschichten für „Cable“ und Adventures of Superman“ schrieb. Derzeit schreibt er die Image-Serie „Sex“; ein Titel, der bestimmt für einige erheiternde Gespräche im Comic- oder Buchladen sorgt.

Todd McFarlane (Autor)/Joe Casey (Autor)/Nathan Fox (Zeichner): Haunt – Band 5

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2013

140 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Haunt # 23 – 28

Image, 2013

Hinweise

Homepage von Todd McFarlane

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)


Erster Materialrundumschlag für „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz

Juli 31, 2013

Edgar Reitz (Homepage), der in den Achtzigern mit seiner TV-Serie „Heimat“ (einer Chronik des Jahrhunderts, spielend in dem fiktiven Hunsrück-Ort Schabbach) zeigte, was im Fernsehen alles möglich und heute unvorstellbar ist, mit „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) und „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004) würdig fortsetzte, hat jetzt, für das Kino, „Die andere Heimat“ gedreht.

Die Weltpremiere ist auf dem Internationalen Film Festival Venedig. Der deutsche Kinostart ist am 3. Oktober und ich freue mich schon riesig auf den Film

Die offizielle Synopse:

Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte, Armut und Willkürherrschaft die Menschen niederdrückten, sind Hunderttausende aus Deutschland ins ferne Südamerika ausgewandert. Auch Jakob versucht alle Grenzen hinter sich zu lassen, die einem Bauernjungen in dieser Zeit gesetzt sind. Er liest jedes Buch, dessen er habhaft werden kann, er studiert die Sprachen der Urwaldindianer, er entwirft Pläne für die romantischsten Abenteuer in den Wäldern Brasiliens und beschreibt seinen Aufbruch aus dem Hunsrück in einem erstaunlichen Tagebuch, das nicht nur seine Geschichte und seine Gedanken wiedergibt, sondern das Lebensbild einer ganzen Zeit. In den Strudel von Jakobs Träumen werden alle gesogen, die ihm begegnen: Seine von Mühsal und Arbeit geplagten Eltern, sein streitbarer, älterer Bruder Gustav und vor allem das schöne Jettchen, die Tochter eines verarmten Edelsteinschleifers und ihre beste Freundin Florinchen. Was kann es in dieser kargen Bauernwelt schöneres geben, als Jakobs Erzählungen zu folgen und mit ihm Pläne zu schmieden für ein glücklicheres Leben jenseits des Weltmeeres? Die Sehnsucht der jungen Menschen droht immer wieder zu zerbrechen – an der Unwissenheit der Zeit und an Krankheiten; an Tod und Naturkatastrophen, die über das Land hereinbrechen. Die Rückkehr des Bruders Gustav aus dem preußischen Militärdienst gibt den Anstoß für Ereignisse, die die Liebe zwischen Jakob und Jettchen jäh erschüttern und Jakobs Leben in eine völlig unerwartete Richtung lenken wird.

Edgar Reitz ist mit seinem neuen Film ein Ausnahmewerk, ein filmisches Epos gelungen, das in der heutigen Filmlandschaft kaum einen Vergleich finden wird. Auf Breitwand gedreht, entstanden unter der Kamera von Gernot Roll gewaltige Bilder, die ein Hunsrückdorf aus dem 19. Jahrhundert lebendig werden lassen und den Zuschauer auf eine Zeitreise einladen. Detailversessen in Ausstattung, Szenenbild und Kostüm, unterstützt durch ein junges Schauspieler-Ensemble, allen voran Jan Schneider als Jakob, Maximilian Scheidt als Gustav, Antonia Theresa Bill als Jettchen und Philine Lembeck als Florinchen, sowie Marita Breuer („Heimat“) als Mutter Simon, ist DIE ANDERE HEIMAT – CHRONIK EINER SEHNSUCHT eine bewegende Familien- und Liebesgeschichte voller Emotionalität und Sinnlichkeit.
„Edgar Reitz ist ein großes episches Werk gelungen, das zeitlos in die Filmgeschichte eingehen wird“, beurteilt die Jury der FBW zur Vergabe des Prädikats „besonders wertvoll“.
Darüber hinaus wirft der Film wie selbstverständlich genau die Fragen auf, die aktueller kaum sein könnten: die Frage nach Zugehörigkeit, Freiheit der Gedanken, und was man heute noch als Heimat benennen und wie stark eine Sehnsucht nach einem besseren Leben sein kann.

Die ersten drei Trailer:

Bei den Trailern ist klar, dass „Die andere Heimat“ ein ungewöhnlicher Film sein wird, der in jedem Fall grandios sein wird. Entweder grandios grandios oder grandios gescheitert.

Es gibt den Mitschnitt der Pressekonferenz zum Drehstart:

Ein kurzer Bericht vom Drehort

Und im September erscheint ein Buch zum Film:

Reitz - Die andere Heimat - Filmbuch

Edgar Reitz: Chronik einer Sehnsucht – Die andere Heimat

Schüren, 2013

240 Seiten

19,90 Euro

 

 


„Hallo. Ich bin der Doktor.“ – Doctor Who und das „Rad aus Eis“

Juli 24, 2013

 

Baxter - Doctor Who - Rad aus Eis

Auf der Insel ist „Doctor Who“ Kult. Bei uns ist er höchstens ein obskures Fan-Phänomen. Denn während in England seit einem halben Jahrhundert die Science-Fiction-TV-Serie, mit einer Unterbrechung von 1989 bis 2005, die mit Büchern, Hörspielen und Sondersendungen gefüllt wurde, läuft, der Doktor von verschiedenen Schauspielern gespielt wurde, etliche TV-Macher und Autoren, wie Douglas Adams und Ben Aaronovitch, durch die „Doctor Who“-Schule gingen, „Sherlock“-Erfinder Steven Moffat derzeit verantwortlich für die Serie ist, sie etliche Preise und einen Eintrag ins Guiness-Buch als erfolgreichste TV-Science-Fiction-Serie erhielt und für November zum fünfzigjährigem Jubiläum unter anderem ein Kinofilm geplant ist, liefen im deutschen TV nur einige Folgen.

Es wurden auch einige „Doctor Who“-Romane übersetzt, die inzwischen zu teils astronomischen Preisen antiquarisch angeboten werden. Und es gibt auch in Deutschland eine kleine Gruppe von „Doctor Who“-Fans, die wirklich alles über den geheimnisumwitterten Doktor wissen.

Der Doktor ist ein über tausendjähriger, menschlich aussehender Time Lord vom Planeten Gallifrey, der in einer Polizei-Notrufzelle, die eigentlich das Raumschiff TARDIS ist, mit verschiedenen Gefährten, durch die Zeit reist und versucht Katastrophen zu verhindern. Dabei nähert er sich friedfertig, aber mit nimmermüdem Forschergeist und britischem Humor (oder gallifreydscher Noblesse) den Phänomenen. Im Lauf der Jahre wurde er im TV von elf Schauspielern gespielt.

Stephen Baxter nahm für seinen jetzt erschienenen „Doctor Who“-Roman „Rad aus Eis“ den zweiten Doktor als Vorbild. Deshalb ist der Doktor hier ein Endvierziger mit Koteletten, der von Jamie McCrimmon, einem waschechten Schotten im Kilt aus dem achtzehnten Jahrhundert, und Zoe Heriot, einer aus der zweiten Hälfte des einundzwanzigsten Jahrhunderts kommenden Frau, begleitet wird. Die TARDIS schickt sie im Strudel jenseits von Raum und Zeit zu einen Saturnmond, weil es dort eine relative Kontinuum-Dislokationszone, vulgo einem Loch in der Zeit, das zu einer direkten Kontinuumsimplosion führen kann, entdeckte, die unser Sonnensystem vernichten kann.

Auf dem titelgebenden Rad aus Eis leben Menschen in drei Klassen und einer vierten für die Verbrecher, die die ganz unangenehmen Aufgaben übernehmen müssen. Letztendlich beherrscht wird die Minenkolonie, obwohl es einen fünfköpfigen inneren Rat für die Angelegenheiten des Mnemosyne-Gürtels gibt, von Florian Hart, der örtlichen Chefin des Bergbaukonsortiums, das auf dem Eismond Mnemosyne unglaublich seltenes Bernalium abbauen lässt.

In letzter Zeit häuften sich allerdings die Fälle von Sabotage und die Jugendlichen, die im Bergwerk arbeiten müssen, werden verdächtigt. Aber schon nach wenigen Minuten entdecken der Doktor und seine Gefährten, dass es kleine, blaue Wesen gibt. Deren Existenz wird von den Bewohnern geleugnet.

Als eigenständiger Roman zu einer bestehenden Serie muss „Rad aus Eis“ den Vorgaben der TV-Serie folgen und wahrscheinlich auch deshalb liest sich Stephen Baxters Roman von der Dramaturgie, der knappen Handlungszeit und den Personenkonstellationen immer wie eine Serienfolge. Gleichzeitig dient die Geschichte auch dazu, ordentlich Sozialkritik zu üben und damit verschiedene Gesellschaftsentwürfe gegenüberzustellen: den rein ökonomischen von Florian Hart, den liberal-humanistischen von dem Doktor, den aufbegehrenden Jugendlichen und den Erwachsenen, die sich bedingungslos an die Verhältnisse angepasst haben.

Es gibt eine ordentliche Portion Action und einen schönen Blick für die Absurditäten der verschiedenen Situationen. Das macht Spaß und lässt sich flüssig weglesen als kurzweilige Science-Fiction-Unterhaltung mit einem gesellschaftlichem Bewusstsein und britischem Humor. Auch für Menschen, die noch keine einzige „Doctor Who“-Folge gesehen haben. Denn Stephen Baxters Roman lässt sich auch einfach als humanistisch geprägte, in der Zukunft spielende Abenteuergeschichte lesen.

P. S.: Im Heyne Verlag, der bereits mehrere Bücher von Stephen Baxter veröffentlichte, erscheint im Dezember in der Reihe „Meisterwerke der Science-Fiction“ Stephen Baxters „Evolution“.

Stephen Baxter: Doctor Who – Rad aus Eis

(übersetzt von Claudia Kern)

Cross Cult, 2013

416 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Doctor Who – The Wheel of Ice

BBC Books, 2012

Hinweise

Homepage von Stephen Baxter

BBC über „Doctor Who“ (englisch, deutsch)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

 

 


Düster. Dave Zeltserman verbringt „28 Minuten“ mit dem „Paria“

Juli 22, 2013

Zeltserman - Paria - 2Zeltserman - 28 Minuten

Fans von beschaulich-lustigen Heimatkrimis, von normalen Ermittlerkrimis und bluttriefenden Serienkillerthrillern sollten einen großen Bogen um die Werke von Shamus-Gewinner Dave Zeltserman machen. Der in Boston lebende Noir-Autor wird in seiner Heimat seit Jahren von Kollegen, wie Ken Bruen, Allan Guthrie, Tom Piccirilli, Steve Hamilton und Adrian McKinty, um nur einige auch bei uns bekannte Namen zu nennen, und Kritikern abgefeiert. Auf deutsch liegen erst „28 Minuten“ und „Paria“, der zweite Band der drei „Man out of Prison“-Romane (auch bekannt als „Badass Gets Out of Jail“-Trilogie), vor. In dieser Trilogie erzählt Zeltserman, ausgehend von der Situation, dass jemand aus dem Gefängnis entlassen wird und er noch einige Rechnungen zu begleichen hat, vollkommen verschiedene Noir-Geschichten.

In „Paria“ kommt Kyle Nevin nach acht Jahren frei. Der einst gefürchtete South-Boston-Gangster hat nur einen Gedanken: er will sich an Red Mahoney rächen. Denn dieser verriet ihn damals und brauchte ihn so ins Gefängnis. Red ist allerdings untergetaucht und Kyle benötigt etwas Startkapital mit einer perfekt geplanten Geiselnahme. Nun, wie es sich für einen Noir gehört, geht diese perfekt geplante Geiselnahme grandios schief und Kyle steckt, vor allem nachdem ihn die Polizei verdächtigt, tief in der Klemme.

Kyle ist ein ziemliches Großmaul und Arschloch, aber das ist auch gerade ein Grund, diesen Noir zu lesen. Denn es ist schnell klar, dass der South-Boston-Gangster Kyle an chronischer Selbstüberschätzung leidet, aber auch in der Lage ist, sich skrupellos den Weg freizuschießen oder Beweise zu manipulieren. Und eigentlich ist „Paria“ kein richtiger Gangsterthriller, sondern in der ersten Hälfte vor allem die Geschichte eines Mannes, der aus dem Gefängnis entlassen wird und wie er seine ersten Tage in Freiheit erlebt. Einer Freiheit, die vor allem eine ausgedehnte Sauftour und ein Besuchen alter Freund, die oft nichts mehr mit ihrem früheren Verbrecherleben zu tun haben wollen, ist. In der zweiten Hälfte, wenn Kyle aufgrund seines Lebens ein Buchvertrag angeboten wird, wird „Paria“ zu einer Satire auf den Buchbetrieb und den amerikanischen Celebrity-Wahn, in dem ein Gangster zu einem Star aufsteigen kann, wenn er über sein Leben als Gangster Bücher schreibt. Und „Paria“ ist, mit den verstreut eingefügten Anmerkungen für das Lektorat, auch ein schöngefärbter Tatsachenbericht über Kyles erste Tage nach seinem Knastaufenthalt.

The Washington Post nannte „Paria“ eines der besten Bücher des Jahres 2009 und das reale Vorbild für den untergetauchten Red Mahoney ist Whitey Bulger, der auch das Vorbild für Frank Costello in Martin Scorseses Gangsterdrama „Departed – Unter Feinden“ (The Departed, USA 2006) war.

In „28 Minuten“ geht es um den perfekten Banküberfall, der dann – Überraschung! – doch nicht so perfekt ist. Dabei hatte der arbeitslose Softwareexperte Dan Wilson alles perfekt geplant. Beim Überprüfen eines Codes in einer Bank stellte er fest, dass während des Selbsttests die Zeit zwischen dem Auslösen des Alarms in der Bank und der Benachrichtigung der Polizei nicht 2,8 Sekunden sondern 28 Minuten beträgt. Genug Zeit, um in aller Ruhe mit einigen arbeitslosen Kollegen, die als Mittfünziger zum alten Eisen gehören, die Bank zu überfallen und die Schließfächer des russischen Verbrechers Viktor Petrenko auszuräumen. Denn, so sein Plan, der Gangster wird der Polizei nicht sagen, was in seinen Schließfächern war und, weil sie sich während des Überfalls als Mafiosi verkleiden, wird der Überfall der Mafia in die Schuhe geschoben.

Während des Überfalls tötet Gordon allerdings zwei Geisel – und damit wird der gesamte Plan hinfällig und aus den Programmierern, die mit einem Überfall für ihr Alter vorsorgen wollten, werden von Polizisten und Gangstern gejagte Amateure, deren Überlebenschancen gegen Null tendieren. Auch weil sie sich selbst nicht grün sind.

Zeltserman treibt die Geschichte in knappen Szenen voran, wechselt dabei immer wieder zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und wir können atemlos verfolgen, wie einige gute Männer sich immer mehr in Schuld verstricken. Kein Wunder, dass Hollywood sich direkt die Rechte an dieser Geschichte sicherte.

28 Minuten“ ist ein spannender Gangsterroman und eine Abrechnung mit dem Kapitalismus, der schonungslos Menschen, die er nicht mehr braucht, aussortiert. „Outsourced“ ist dann auch der Originaltitel,

Für Zeltserman-Fans und die, die es werden wollen, gibt es eine erfreuliche Nachricht. Bei pulp master soll noch in diesem Herbst der dritte „Badass Gets Out of Jail“-Roman „Killer“ erscheinen. Dann verfolgen wir, wie ein Mafiakiller, der 28 Morde verübte und einen Deal mit dem Staatsanwalt abschloss, sich in sein neues Leben als Reinigungskraft einfügt. Zunächst.

Dave Zeltserman: Paria

(mit einem Vorwort von Roger Smith, übersetzt von Frank Nowatzki und Angelika Müller)

Pulp Master, 2013

384 Seiten

13,80 Euro

Originalausgabe

Pariah

Serpent’s Tail, 2009

Dave Zeltserman: 28 Minuten

(übersetzt von Ulrich Hoffmann)

Suhrkamp, 2011

336 Seiten

9,95 Euro (Erstauflage)

7,99 Euro (zweite Auflage im Rahmen einer Sommerkrimireihe)

Originalausgabe

Outsourced

Serpent’s Tail, 2010

Hinweise

Homepage von Dave Zeltserman

Blog von Dave Zeltserman


Buchkritik & Filmkritik: „Paperboy“ – ein Roman von Pete Dexter, ein Film von Lee Daniels

Juli 17, 2013

Der Plot von „Paperboy“ klingt gut und hat sich schon in zahlreichen Büchern und Filmen bewährt: ein Fremder kommt in die Stadt und räumt auf. In Pete Dexters Roman kommen zwei Reporter in den sechziger Jahren in eine US-Kleinstadt, um den Mörder des Sheriffs zu finden. Denn sie glauben nicht, dass der zum Tode verurteilte Hillary Van Wetter der Mörder ist.

Auch die ersten Zeilen von Peter Dexters „Paperboy“ sind gut. In ihnen führt er pointiert seine Charaktere und die Konflikte ein. Thurmond Call, der ermordete Sheriff von Moat County, einem Flecken Land in den Sümpfen von Florida, war ein Mann, „der in Ausübung seines Amtes eine selbst für die Verhältnisse von Moat County unangemessen hohe Anzahl von Schwarzen umgebracht hatte“. Nachdem er einen Weißen zu Tode trampelte, wird er bestialisch ermordet und Hillary Van Wetter, ein Verwandter des Toten, einer seit Ewigkeiten in den Sümpfen lebenden Hinterwäldlersippe, wird zum Tode verurteilt.

Während er im Gefängnis sitzt, verliebt sich Charlotte Bless in ihn und will ihn freibekommen. Zwei Reporter der Miami Times, Ward James und Yardley Acheman, sollen mit ihrer Hilfe eine Reportage über ihn schreiben, die den damaligen Fall wieder aufrollt. Ward ist der eine Sohn des Herausgebers der örtlichen Tageszeitung. Jack ist sein zweiter Sohn und der Erzähler von „Paperboy“. Der Junge verdient, nachdem er kurz nach Studienbeginn wegen Vandalismus von der University of Florida exmatrikuliert wurde, sein Geld als Zeitungsausfahrer und dann als Fahrer von seinem Bruder und Yardley. Außerdem verliebt er sich in die Mittvierzigerin Charlotte, der Inbegriff eines „Heißen Fegers“, einer Frau, die Männer reihenweise den Kopf verdreht und immer den falschen Mann auswählt.

Sie beginnen den Fall aufzurollen und stoßen schnell auf einige Ungereimtheiten. Van Wetter scheint unschuldig im Gefängnis zu sitzen.

Aber der Krimiplot und das Aufdecken der kleinstädtischen Bigotterie steht nicht wirklich im Mittelpunkt von Pete Dexters mit dem Literary Award des PEN Center USA ausgezeichneten Romans.

Stattdessen geht es auch um das sexuelle Erwachen von Jack, der sich in Charlotte verliebt, die Beziehung zwischen den beiden Brüdern und zu ihrem Vater William Ward James und verschiedene kleinere Erlebnisse von Jack, die die Haupthandlung nicht voranbringen. Jedenfalls wenn man die Recherchen von Ward und Yardley als die Haupthandlung betrachtet und nicht das Leben von Ward (immerhin beginnt Dexter seinen Roman mit dem Satz „Mein Bruder Ward war einmal berühmt.“) oder die Entwicklungsgeschichte des Ich-Erzählers oder die Geschichte der Familie James. Sowieso ist der Ich-Erzähler eher ein passiver Beobachter der Recherchen als ein aktiver Teil. Wichtige Erkenntnisse erfährt er, und damit auch wir, sogar nur vom Hörensagen.

Und nach zwei Dritteln ist der Krimiplot ziemlich abgehandelt. Denn nachdem auf Seite 205 die beiden Journalisten ihre Recherche-Ergebnisse veröffentlichen, kommt Van Wetter frei – und anstatt jetzt im letzten Drittel des Romans den Krimiplot, den Dexter auch auf den vorherigen Seiten eher mitschleppte als energisch zu entwickeln, weiter voranzutreiben, lässt er ihn links liegen und erzählt zunehmend langatmig vor sich hin plätschernd von dem weiteren Leben der Hauptcharaktere. Dabei wird die Geschichte von Wards Berühmtheit durch den Artikel über Van Wetter, für den er sogar den Pulitzer-Preis erhielt, zunehmend beliebiger und langweiliger. Denn plötzlich geht es nur noch über gefühlt tausende von Seiten um die Befindlichkeiten von Jack, Ward und Yardley, aber es ist auch vollkommen unklar, welches Ende Pete Dexter ansteuert; also was er erzählen will.

Auch die Verfilmung von „Paperboy“ ist eine überraschend große Enttäuschung. Pete Dexter schrieb eine frühere Fassung des Drehbuchs. Regisseur Lee Daniels („Precious“) überarbeitete sie, so erzählt er im Bonusmaterial der DVD, und wahrscheinlich stammt die starke Betonung der Rassenkonflikte, die so im Buch nicht vorhanden ist, von ihm. Obwohl dieses Thema auch in Dexters Werk wichtig ist und dem Film eine durchaus interessante Dimension beifügt.

Indem sich stärker auf den Krimiplot konzentriert wird, unterscheidet die Filmgeschichte, die von der afroamerikanischen Haushälterin der Jansens erzählt wird, sich – zu ihrem Vorteil – kräftig vom Roman. Ebenso wird Jacks Verliebtheit in Charlotte Bless und sein damit verbundenes Coming-of-Age-Drama klarer herausgearbeitet. Es geht auch deutlicher um die damaligen Umbrüche, vulgo Rassenkonflikte, Alltagsrassismus, Homosexualität und Homophobie.

Die Besetzung, unter anderem Matthew McConaughey, Nicole Kidman, John Cusack, Scott Glenn und Ned Bellamy, ist hochkarätig und spielfreudig. Die unbekannteren Schauspieler Zac Efron und David Oyelowo, die als Jack Warden und Yardley Acheman wichtige Rollen spielen, sind ebenfalls gut. Aber sie alle werden von Nicole Kidman als Charlotte Bless und John Cusack als Hillary Van Wetter in den Schatten gestellt. Beide sind konträr zu ihrem Typ besetzt und sie werfen sich lustvoll in ihre Rollen. Sie spielen unsympathische Charaktere, die auch unsympathisch bleiben. So ist Hillary Van Wetter ein Arschloch vor dem Herrn, das sich in seiner Rolle gefällt und überhaupt nicht sympathisch sein will. Er ist einfach nur ein notgeiler, dummer, bauernschlauer Hinterwädler und ziemlich böse.

Die Locations, vor allem die Bilder aus den Sümpfen, gefallen und verleihen dem Film eine fiebrige Atmosphäre.

Aber all die Teile bleiben Splitter, die sich nie zu einem kohärentem Ganzen zusammenfügen. „Pete Dexters The Paperboy“ wird somit schnell zu einem zähen Drama irgendwo zwischen Coming-of-Age-Drama und Film Noir, das sich nie wirklich entscheiden kann, wessen Geschichte erzählt wird, weil Lee Daniels irgendwie alles erzählen will.

Letztendlich ist die Verfilmung – wie das Buch – eine große Enttäuschung. Nicht weil sie so schlecht ist, sondern weil sie so viel besser hätte sein können. Aber als Camp funktioniert der hysterisch-schwüle „The Paperboy“, mit etlichen abgedrehten Szenen (meistens mit Kidman und Cusack) prächtig.

Dexter - Paperboy

Pete Dexter: Paperboy

(übersetzt von Bernhard Robben)

Liebeskind, 2013

320 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Paperboy

Random House, 1995

Verfilmung

The Paperboy - DVD-Cover

Pete Dexters The Paperboy (The Paperboy, USA 2012)

Regie: Lee Daniels

Drehbuch: Pete Dexter, Lee Daniels

mit Zac Efron, Matthew McConaughey, Nicole Kidman, John Cusack, Macy Gray, David Oyelowo, Scott Glenn, Ned Bellamy

DVD

Studiocanal

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making Of, Hinter den Kulissen, Interviews mit Cast und Crew, Trailer, Wendecover

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Krimi-Couch über Pete Dexter

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Paperboy“

Metacritic über „The Paperboy“

Rotten Tomatoes über „The Paperboy“

Wikipedia über Pete Dexter (deutsch, englisch) und „The Paperboy“ 


Der „Goon“ begibt sich an den „Ort, an dem das Unheil gedeiht“

Juli 10, 2013

Powell - The Goon 8 - Der Ort an dem das Unheil gedeiht

Puh, das hat aber lange gedauert. Die letzten Abenteuer von dem Goon, dem schlagkräftigen Haudrauf aus der Lonely Street, erschienen vor zwei Jahren.

Aber das Warten hat sich gelohnt. Denn der achte „The Goon“-Sammelband „Der Ort, an dem das Unheil gedeiht“ hat wieder alles, was wir an dem „Goon“ so lieben: abgedrehte Geschichten, Humor, irgendwo zwischen Schwarzem Humor und intelligenten Zoten, liebenswerte Charaktere, denen man nachts auf einer einsamen Straße nicht begegnen möchte, und Maulsperren und andere nicht normal menschliche Wesen, die im Zweifelsfall eine aufs Maul bekommen.

Dieses Mal erklären sich der Goon und sein verlässlicher Kumpel Franky bereit, Ralph, einen echten Trottel und Schwachkopf vor dem Herrn, der bei ihnen mit 200 Mäusen in der Kreide steht, zu suchen. Er wurde von einigen Frauen in eine Falle gelockt und ist jetzt irgendwo in Madame Elsa’s Burlesque verschwunden. Bei ihrem ersten Besuch entdeckt Franky auf der Bühne die Bösen Vogelweiber, die eigentlich tot sein sollten. Aber Franky ist sich sicher: „Nie könnte ich sie vergessen! Nie!! Denn sie sehen aus wie rattenscharfe Bräute, aber es sind böse Satansweiber, die einem mit ihren Möpsen vorm Gesicht rumwackeln und sich dann in Monstervögel verwandeln!“

Da hilft nur ein herzhaftes Zugreifen und Zuschlagen vom Goon. Vor allem nachdem er in einem Hinterzimmer des Amüsierschuppens die sprechende Leiche von dem Magier Drakston Entity entdeckt.

Eric Powells wunderschön gezeichneten „The Goon“-Geschichten spielen in einer Dreißiger-Jahre-Welt, die eine Kreuzung aus einem Gangster- und einem Horrorfilm, versetzt mit einer großen Portion respektlosem, schwarzen Humor, ist.

Als Bonusmaterial gibt es ein Vorwort von Horrorschriftsteller Joe Hill und Christian Endres schreibt über Eric Powells langen Weg nach Hollywood. Denn die schon lange geplante Verfilmung ist immer noch in der Entwicklungshölle.

Eric Powell: The Goon: Der Ort, an dem das Unheil gedeiht (Band 8)

(übersetzt von Frank Neubauer)

Cross Cult 2013

128 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

The Goon: A Place of Heartache and Grief

Dark Horse Comics, 2009

Hinweise

Homepage von Eric Powell

Wikipedia über „The Goon“

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Meine mörderische Kindheit (Band 3)“ (The Goon: My murderous childhood [and other grievious yarns], 2004)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Bergeweise Trümmer (Band 4)“ (The Goon: Heaps of Ruination, 2005)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Über die schrecklichen Konsequenzen von Tugend (Band 5)“ (The Goon: Virtue and the grim consequences thereof, 2006/2010)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Böses Blut (Band 6)“ (The Goon: Wicked Inclinations, 2007/2010)

Meine Besprechung von Eric Powells „The Goon: Chinatown und das Geheimnis des Mr. Wicker (The Goon 7)“ (The Goon: Chinatown and the mystery of Mr. Wicker, 2007)


„Before Watchmen“ stöbert im „Watchmen“-Universum

Juli 8, 2013

 

Azzarello - Before Watchmen - Rorschach - HCAzzarello - Before Watchmen - Rorschach - SC

Cooke - Before Watchmen - Minutemen - HCCooke - Before Watchmen - Minutemen - SC

In den Achtzigern schrieb Alan Moore die Comicserie „Watchmen“, die eigentlich von Anfang an ein riesiger backsteingroßes Epos war, das so gut war, dass es als erster und bislang einziger Comic den Hugo-Award (der heilige Gral der Science-Fiction-Gemeinde) erhielt und vom Time Magazine in die Liste der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde. Eine Bildergeschichte als Teil des Literaturkanons. Wow. Aber auch nachvollziehbar. Denn Alan Moore entwarf ein Paralleluniversum, das ganz klar eine Kritik an der damaligen Politik war, er spielte mit Querverweisen und Anspielungen, die sich nicht vor der „Großen Literatur“ zu verstecken brauchte und er gehörte mit zu den Autoren, die mit ihren Werken Comics als ernstzunehmende Literatur etablierten. Denn „Watchmen“ hat mit Donald Duck, Fix und Foxi und den normalen Superheldengeschichten (wir reden von den Achtzigern!) nichts gemein.

Die lange geplante Verfilmung kam 2009 in die Kinos und sie ist, zwar gut besetzt und mit atemberaubenden Bildern, gerade wegen ihrer sklavischen Werktreue gescheitert. Regisseur Zack Snyder gelingt nie ein eigenständiger Zugriff auf Moores Geschichte.

Das gelingt den jetzt auch bei uns veröffentlichten „Before Watchmen“-Comics viel besser. Bislang liegen „Rorschach“ (geschrieben von Brian Azzarello, gezeichnet von Lee Bermejo) und „Minutemen“ (von Darwyn Cooke) auf Deutsch vor und sie überzeugen als spannende Vorgeschichten zu Moores „Watchmen“, ohne den politischen Ballast, der als ätzende Zeitkritik heute doch etwas veraltet und ohne Erklärungen wahrscheinlich kaum nachvollziehbar ist.

Rorschach“ spielt 1977 vor und während des legendären Stromausfalls in New York, als die Stadt zunehmend unbewohnbarer wurde und Vigilanten wie Paul Kersey („Ein Mann sieht rot“) und „Taxi Driver“ Travis Bickle, unter den Augen einer jubelnden Bevölkerung, kaltblütig Verbrecher erschossen. Der Taxi Driver hat auch einen kurzen Auftritt in Brian Azzarellos Geschichte, in der Rorschach den „Barden“, einen Frauenmörder, jagt, der ein überraschend zäher Gegner für den Rächer mit der Maske ist.

Die spannende Vigilantengeschichte wurde von Lee Bermejo hübsch düster gezeichnet wurde und im Krimibereich ist „100 Bullets“- und „Jonny Double“-Autor Brian Azzarello eine verlässliche Noir-Größe.

Das komplette Gegenprogramm ist „Minutemen“, geschrieben und gezeichnet von Darwyn Cooke, der schon in seinen „The Spirit“-Geschichten gelungen die Vergangenheit aufleben ließ. „Minutemen“ erzählt, in poppig bunten Panels, über mehrere Jahrzehnte, die Geschichte der Minutemen, einer Gruppe von normalen Menschen, die sich ab 1939 als Superhelden verkleideten, gegen Verbrecher kämpften und den New Yorkern die nötige Hoffnung auf eine bessere Welt gaben. Auch wenn die über sie erzählten Geschichten mehr Fabeln als Reportagen waren.

In der Öffentlichkeit traten sie immer als Team auf, das sie in Wirklichkeit nie waren.

Und Darwyn Cooke kann über die Diskrepanz zwischen Realität und Wunsch und, weil er die Biographie der Minutemen anhand einer von Minutemen-Mitglied Hollis T. Mason, der ersten Nite Owl, 1962 geschriebenen Biographie über ihre gemeinsame Zeit erzählt, auch über die Bewahrung ihres Erbes nachdenken. Wie sehr soll der Mythos erhalten bleiben oder die Minutemen als ein sehr gewöhnlicher, eher chaotischer Haufen von Aufschneidern entmystifiziert werden? Ein Frage, die schon den „Mann, der Liberty Valance erschoss“ beschäftigte.

Das ist auch, wenn auch vielleicht nicht so deutlich, ein Thema von „Rorschach“ und von „Watchmen“. Insofern sind die von Brian Azzarello und Darwyn Cooke geschriebenen Geschichten gelungen Ergänzungen zu Alan Moore und Dave Gibbons‘ „Watchmen“.

Darwyn Cooke: Before Watchmen: Minutemen

(übersetzt von Peter Thannisch)

Panini, 2013

176 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Minutemen (Chapter One – Six)

DC Comics, August 2012 – März 2013

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Before Watchmen: Rorschach

(übersetzt von Joachim Körber)

Panini, 2013

104 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four)

DC Comics, Oktober 2012 – April 2013

Die „Before Watchmen“-Geschichten

Rorschach (von Brain Azzarello und Lee Bermejo)

Minutemen (von Darwyn Cooke)

Comedian (von Brian Azzarello und J. G. Jones) (erscheint im Juli)

Nite Owl (von J. Michael Straczynski, Andy Kubert und Joe Kubert) (erscheint im August)

Ozymandias (von Len Wein und Joe Lee) (erscheint im September)

Silk Spectre (von Darwyn Cooke und Amanda Conner) (erscheint im Oktober)

Dr. Manhattan (von J. Michael Straczynski und Adam Hughes) (erscheint im November)

Crimson Corsair (von Len Wein und John Higgins) (erscheint im Dezember)

Hinweise

DC über „Before Watchmen“

Panini über „Before Watchmen“

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos „Wonder Woman: Blut (Band 1)“ (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Blog von Darwyn Cooke

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/J. Bone/Dave Stewarts “Will Eisner’s The Spirit – 1” (The Spirit, No. 1 – 6, 2007)

Meine Besprechung von Darwyn Cooke/Walter Simonson/Jimmy Palmiottis “Will Eisner’s The Spirit – 2” (The Spirit, No. 7 – 12, 2007/2008)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Comic „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)


„Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ – Ehrlich?

Juli 1, 2013

Goettges - Häusler - Du sollst den Wähler für dumm verkaufen - 2

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des vielversprechenden Plakats ansahen?

Erinnern Sie sich an den Film, den Sie zuletzt wegen des grandiosen Trailers ansahen – und dann enttäuscht waren, weil all die atemberaubenden Szenen aus dem Trailer im Film gar nicht mehr so atemberaubend waren?

Nun, so ähnlich erging es mir mit „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ von Ulf C. Goettges und Martin Häusler. Guter Titel, der nach einer ordentlichen Portion Politiker-Bashing klingt.

Auch die „10 ungeschriebenen Gebote der Politik“ stoßen in das gleiche Horn:

  1. Du sollst deine Macht verteidigen – der Parteifreund ist dein bester Feind

  2. Du sollst dir einen Clan suchen – ohne Seilschaft stürzt du ab!

  3. Du sollst nichts können – Minister kann jeder

  4. Du sollst hilfsbereit sein – wer sagt schon gern ‚korrupt‘?

  5. Du sollst Schauspieler sein – allein als Politiker packst du es nicht

  6. Du sollst Journalisten zensieren – Pressefreiheit ist gefährlich

  7. Du sollst nicht denken – die Partei regelt dein Leben schon

  8. Du sollst Steuern verschwenden – es ist ja nicht dein Geld

  9. Du sollst dich dumm stellen – der U-Ausschuss ist nur Theater

  10. Du sollst die Verfassung nicht so ernst nehmen – benutze sie, wie du sie brauchst

Na, das klingt doch nach einer ordentlichen Generalabrechnung mit den Idioten aus dem Bundestag. Aber dann singen das Autorenduo fast schon unverhohlen das Loblied auf den tapferen Abgeordneten, erzählen von den Arbeitsbelastungen eines Politikers, den Anfeindungen, wie der parlamentarische Betrieb funktioniert, wie wichtig Ausschüsse sind, welche Fähigkeiten man für ein Ministeramt benötigt und auch dem Desinteresse des Wählers. So bietet der CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt in seinem Wahlkreis in Solingen einen Diskussionsabend zur damals heftig umstrittenen Griechenlandhilfe an und niemand kommt. So wird in den TV-Talkshows, wie „Günther Jauch“, „Anne Will“ und all den anderen Nachfolgern von „Sabine Christiansen“ durch die Inszenierung das Desinteresse an der Politik befördert. Dummerweise sind, auch durch die Sendezeiten und Ausstrahlungsorte, die Einschaltquoten bei diesen Inszenierungen besser als bei den gehaltvolleren Gesprächen, die zum Beispiel auf Phoenix (haben Sie den Sender schon auf ihrer Fernbedienung entdeckt?) laufen.

Dass das Buch von Ulf C. Goettges und Martin Häusler so differenziert wurde, liegt sicher auch an den zahlreichen von ihnen geführten Interviews, aus denen sie ausführlich zitieren. Auch wenn Gregor Gysi (Linkspartei) und Wolfgang Bosbach (CDU) öfter zitiert werden, haben sie sich mit Politikern aus allen Parteien, gefühlt mit einem leichten Grünen-Bias (viele Gesprächspartner, die aber oft nur ein-, zweimal vorkommen), wenigen FDPlern und Sozialdemokraten, teils aktiv, teils mehr oder weniger freiwillig aus der Politik ausgeschieden, fast immer Bundespolitiker, unterhalten. Dazu kamen noch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, wie Lobbycontrol und dem Bund der Steuerzahler, und die Wissenschaftler Karl-Rudolf Korte und Arnulf Baring, die man als Allzweckwaffen ja aus diversen TV-Auftritten kennt.

Auch sind viele der Gebote und die von Goettges und Häusler gewählten Beispiele für sich selbst bedienende und die Wähler für dumm verkaufende Politiker auf andere Berufe übertragbar; wobei – und das sagen sie auch – man als Politiker bestimmte Fähigkeiten braucht, die man als Unternehmer nicht benötigt: Verhandlungsgeschick (mit vielen mehr oder weniger gleichberechtigten Akteuren. Denn eine Fraktion ist eine Ansammlung von Profilneurotikern.), Einsatzbereitschaft (auch und vor allem Abends und an Wochenenden) und Leidensfähigkeit. Immerhin müssen Politiker sich von anderen Parlamentariern und den Wählern beleidigen lassen, ohne danach gleich eine Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede zu stellen. Sie können, wenn sie ein Amt haben, jederzeit, teils aus nichtigen und sachfremden Gründen, entlassen werden. Und eine Wiederwahl ist nicht wirklich garantiert. Da ist dann die Entlohnung gar nicht mehr so hoch, wie es zunächst scheint.

Das macht dann „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ als aufklärerische Form des Etikettenschwindels richtig sympathisch.

Allerdings bleibt „Du sollst den Wähler für dumm verkaufen“ im anekdotischen Stecken. Denn es fehlt ein theoretischer Rahmen, der eben die „Gebote“ in eine größere Perspektive einordnet und auch zeigt, wo die neue Qualität (sofern es sie gibt) ist. Colin Crouchs Theorie der „Postdemokratie“ wäre ein möglicher Startpunkt, der dann auch das System Parlament und Parlamentspolitik in einem größeren Kontext verorten würde. So stehen die von Goettges und Häusler formulierten Gebote, obwohl sie sich auf aktuelle Beispiele konzentrieren, als mehr oder weniger ewig gültige Spielregeln der Politik etwas abgehoben im politischen Raum, der nach Ansicht der beiden Autoren höheren moralischen Maßstäben folgen sollte, weil Politiker Vorbilder für die restliche Gesellschaft seien. Darüber könnte treffend diskutiert werden und gerade der derzeitige Trend, dass Politiker sagen, dass sie gegen keine Gesetze verstoßen hätten, hätte auch Goettges und Häusler die Möglichkeit eröffnet, genauer über die Grenze von Legalität und Legimität zu reflektieren. Denn, im Kapitel über Korruption wird es ja explizit angesprochen, nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Aber das ist ein anderes Buch.

Ulf C. Goettges/Martin Häusler: Du sollst den Wähler für dumm verkaufen – Die 10 ungeschriebenen Gebote der Politik

Bastei-Lübbe 2013

240 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage zum Buch

Homepage von Ulf C. Goettges und Martin Häusler

Homepage von Martin Häusler


Kurzkritik: die Comicversion von Jerome Charyns „Marilyn the Wild“

Juni 24, 2013

Charyn - Rebena - Marilyn the WildCharyn - Das Isaac-Quartett

Als ich vor vielen Jahren „Marilyn the Wild“, den zweiten Isaac-Sidel-Roman von Jerome Charyn, gelesen habe, fand ich die Geschichte eher chaotisch und kryptisch als wirklich befriedigend oder auch spannend. Dabei wusste ich nicht, ob dieses Chaos eine bewusste Entscheidung des Autors war, weil er eine chaotische, irrationale, vom Zufall bestimmte Welt in seinem Roman reflektieren wollte oder mir einfach viele Informationen aus seinem ersten Isaac-Sidel-Roman „Blue Eyes“ fehlten und ich die Dummheit begangen hatte, einfach Mitten in eine Geschichte einzusteigen.

Jetzt, mit der Graphic Novel „Marilyn the Wild“, gezeichnet von Frederic Rebena nach einem Szenario von Jerome Charyn, konnte ich mein damaliges Urteil überprüfen – und kann es teilweise revidieren. Denn auch in dem Comic gibt es eigentlich keine wirklich nacherzählbare Geschichte, sondern nur Schlaglichter aus dem Leben von Deputy Chief Isaac Sidel, dem Herrscher der Lower East Side, der sich mit seiner liebestollen Tochter Marilyn, die im Moment eine von ihm abgelehnte Affäre mit seinem Untergebenen Manfred „Blue Eyes“ Coen hat, Kleingangstern und rivalisierenden Gangs in einem gewalttätig-chaotischem Stadtteil in einer korrupten Gesellschaft auseinandersetzen muss. Und alle Charaktere sind in verschiedenen Schattierungen Arschlöcher.

Als Vision einer Gesellschaft hat das was. Als Comic ist das auch gelungen. Als Roman – nun, da müsste ich mich vielleicht mal einige Stunde mit dem Sammelband „Das Isaac-Quartett“, der die vier ersten Sidel-Romane enthält, auf die Couch legen. Charyn schrieb nach einer zwölfjährigen Pause in den Neunzigern sechs weitere Sidel-Romane und, wieder nach einer, diesmal über zwölfjährigen Pause 2012 „Under the Eye of God“ einen weiteren Sidel-Roman, der im September bei Diaphanes als „Unter dem Auge Gottes“ angekündigt ist.

Auch ja, und dieses Chaos ist von Charyn gewollt, wie er im Vorwort zu „Das Isaac-Quartett“ schreibt: „Meine Texte waren unausgegoren und geheimniskrämerisch wie eine Schlange. (…) Für mich bestehen die vier Bücher aus einem gewaltigen Durcheinander von Vätern und Söhnen.“

Oder in den Worten von Tobias Gohlis in seinem Nachwort zu „Das Isaac-Quartett“: „Charyns Zyklus ist kein Entwicklungsroman. Sidel bleibt immer derselbe Straßenjunge aus der Bronx. In beinahe jedem Roman durchleidet er das gleiche Schicksal: Er verwickelt sich in einen (meist privaten) wahnhaften Feldzug, stürzt, wird erniedrigt und taucht unter, um am Ende umso strahlender rehabilitiert zu werden – doch ist er einsamer denn je.“

Kein Wunder, dass ich mich damals etwas verloren fühlte.

Jerome Charyn (Szenario)/Frederic Rebena (Zeichnungen): Marilyn the Wild

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber & Leser, 2013

80 Seiten

18,80 Euro

Originalausgabe

Marilyn la dingue

Editions Denoel, 2009

Die Vorlage

Jerome Charyn: Das Isaac-Quartett

Rotbuch, 2010

16,95 Euro

(nur noch antiquarisch erhältlich)

enthält

Blue Eyes, 1974 (Ping Pong Päng; Blue Eyes)

Marilyn the Wild, 1976 (Die wilde Marilyn; Marilyn the Wild)

The Education of Patrick Silver, 1976 (Die Erziehung des Patrick Silver; Patrick Silver)

Secret Isaac, 1978 (Secret Isaac)

Hinweise

Homepage von Jerome Charyn

Krimi-Couch über Jerome Charyn

Wikipedia über Jerome Charyn (deutsch, englisch)

Jerome Charyn in der Kriminalakte


„Die langbeinige Fliege“ ist jetzt „Stiller Zorn“

Juni 22, 2013

Sallis - Stiller Zorn

Langjährige James-Sallis-Leser können sich beruhigt zurücklehnen. „Stiller Zorn“ ist kein neuer Roman von James Sallis. Es ist auch keine neue Übersetzung eines älteren Romans von ihm, sondern eine Neuveröffentlichung von „Die langbeinige Fliege“, dem ersten Roman mit Privatdetektiv Lew Griffin, der 1999 in der kurzlebigen DuMont-Noir-Reihe erschien und bei einigen Menschen ein wahres James-Sallis-Fantum auslöste. 2000 erschien „Nachtfalter“, der zweite Lew-Griffin-Roman, der im Februar 2014 neu aufgelegt wird. Die vier weiteren Griffin-Romane wurden nicht übersetzt. Aber vielleicht, – immerhin stirbt die Hoffnung zuletzt -, bedeutet die Neuauflage, dass das jetzt geschieht und wir auf Deutsch alle Abenteuer des afroamerikanischen, zynischen Privatdetektiv Lew Griffin lesen. Er ist auch ein Professor, Poet, Autor, Blues-Liebhaber und Alkoholiker (irgendwann auch abstinent), der oft vermisste Personen im Vergnügungsviertel French Quarter sucht.

In „Stiller Zorn“ sucht er vier Mal nach vermissten Personen. 1964 sucht er die bekannte Schwarzenführerin Corene Davis, 1970 die sechzehnjährige Ausreiserin Cordelia Clayson, 1984 Cherie, die Schwester von Jimmi Smith, einem pädophilen Ex-Lehrer, und 1990 seinen Sohn David, den er selten sieht und der irgendwo in Europa verschwunden ist.

Aber wichtiger als die Fälle ist für James Sallis der Charakter Lew Griffin und die Stadt New Orleans, lange vor den Verwüstungen des Hurrikans Katrina.

Das ist, wie immer bei James Sallis, der auch Dichter und Musiker ist, poetisch geschrieben, erinnert von seiner Konstruktion und Erzählweise eher an ein Musikstück mit musikalischen Verweisen, Call-and-Response-Strukturen und refrainartig wiederauftauchenden Themen, als an einen traditionellen Privatdetektivroman, in dem der Detektiv zielstrebig den Fall aufklärt.

Wie sagt man so schön: Lesebefehl!

James Sallis: Stiller Zorn

(übersetzt von Georg Schmidt)

DuMont, 2013

192 Seiten

8,99 Euro

Sallis - Die langbeinige Fliege - 2

Deutsche Erstausgabe

Die langbeinige Fliege

DuMont, 1999

Originalausgabe

The Long-Legged Fly

Avon Books, 1992

Die Lew-Griffin-Romane

Stiller Zorn/Die langbeinige Fliege (The Long-Legged Fly, 1992)

Nachtfalter (Moth, 1993)

Black Hornet (1994)

Eye of the Cricket (1997)

Blue Bottle (1998)

Ghost of a Flea (2001)

Hinweise

Homepage von James Sallis

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Dunkle Vergangenheit“ (Cripple Creek, 2006)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Dunkles Verhängnis” (Salt River, 2007)

Meine Besprechung von James Sallis’ “Der Killer stirbt” (The Killer is dying, 2011)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Driver 2“ (Driven, 2012)

Meine Besprechung der James-Sallis-Verfilmung “Drive” (Drive, USA 2011)

James Sallis in der Kriminalakte (natürlich mit vielen weiterführenden Links und Videos)

Thrilling Detective über Lew Griffin


Kurzkritik: Guido Rohm: Untat

Juni 19, 2013

Rohm - Untat - 2

Zwei Journalisten wollen einen Kidnapper bei der Arbeit beobachten und eine Reportage darüber schreiben. Aber, wie wir spätestens seit „Mann beißt Hund“ wissen, ist die teilnehmende Beobachtung eines Verbrechers gar nicht so einfach. Zuerst muss natürlich ein Verbrecher gefunden werden, der sich bei seinen Verbrechen beobachten und einen Bericht darüber schreiben lässt. Dann muss man als Journalist natürlich die professionelle Distanz wahren – und damit haben die beiden Journalisten in Guido Rohms Noir „Untat“ ihre Probleme. Denn schnell lassen sie sich auf den Lebensstil von Oscar, so nennt sich der Entführer, ein. Sie trinken – entgegen ihren Gewohnheiten – Bier, essen Junkfood, rauchen, sehen sich Pornos und dumme Actionfilme an und, was allerdings an den mangelnden sanitären Anlagen in ihrem Versteck, einem einsam gelegenen Bauernhof, liegt, waschen sich nicht mehr.

Aber bald bemerkt man, dass der Ich-Erzähler immer „wir“ sagt, aber niemals seinen Partner zu Wort kommen lässt oder seinen Namen verrät und wir fragen uns, ob dieser Partner überhaupt existiert. Auch weil der Erzähler immer weniger Fantasien, Filmrealität und Realität voneinander unterscheiden kann.

Und so wird aus einem kleinen Roman von 130 Seiten über eine Kindesentführung schnell eine Reflektion über Realität und Fantasie – und wie das eine das andere beeinflusst.

Guido Rohm erzählt diese irgendwo in Deutschland spielende Geschichte flott, mit viel schwarzem Humor und einem bitterbösem Ende, das „Untat“ zu einem wirklich gelungenem Noir aus Deutschland macht.

Ein Wort noch zum Cover: Auf den ersten Blick hielt ich es für ein harmlos-austauschbares Verlegenheitscover. Aber nach der Lektüre muss ich sagen, dass es – versteckt – einige Hinweise auf die Handlung gibt und es, ebenso wie die ersten Seiten, herrlich bieder einlullt. Chapeau!

Guido Rohm: Untat

Conte, 2013

140 Seiten

10,90 Euro

Hinweise

Homepage von Guido Rohm

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Guido Rohm

 

Wikipedia über Guido Rohm 

Krimikulturarchiv interviewt Guido Rohm (Januar 2013)


Verfilmte Bücher: Aus „Operation Zombie“ wird „World War Z“

Juni 17, 2013

 

Brooks - Operation Zombie - 2Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Nach dem großen Zombiekrieg, auch bekannt als „Die Krise“, „Die dunklen Jahre“, Die wandelnde Pest“, „Z-Weltkrieg“ und „Erster Z-Weltkrieg“, machte Max Brooks, für den der Krieg einfach immer der „Zombie-Krieg“ bleiben wird, sich im Auftrag der Vereinten Nationen auf den Weg. Wie Studs Terkel, der für sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Buch „Der gute Krieg: Amerika im Zweiten Weltkrieg – Zeitzeugen sprechen“ (The Good War, 1984) Teilnehmer des zweiten Weltkriegs interviewte und deren Aussagen unkommentiert publizierte, unterhielt Max Brooks sich für sein Oral-History-Buch mit Menschen, die während des Zombiekriegs gegen die Zombies kämpften. Dafür reiste er um die Welt und es entstand ein vielschichtiges Panorama des Krieges von seinen Anfängen, die wahrscheinlich in China waren, über seine weltweite Ausbreitung mit Millionen Toten, bis zu seinem Ende.

Das ist für ein Sachbuch flott zu lesen, wurde ein Bestseller und Hollywood kaufte noch vor der Publikation die Rechte an diesem eigentlich unverfilmbarem Buch. Denn es hat keinen Helden, keine Geschichte, sondern viele Geschichten von Menschen, die meistens nur einen kleinen Ausschnitt des Kampfes mitbekamen. Es sind vor allem Geschichten von kleinen Leuten, wie einer Pilotin, die sich nach einem Absturz durch die USA kämpfte, Astronauten, die die Kommunikation aufrecht erhielten, Familien, die ihr Hab und Gut auf der Flucht nach Kanada oder auf das Meer zurücklassen mussten und Geheimdienstler und Soldaten, die an verschiedenen Fronten kämpften. Die großen Forscher, Wissenschaftler und Staatsoberhäupter wurden von Max Brooks nicht befragt. Denn ihre Geschichten kennen wir ja. Insofern erzählt Brooks die eher unbekannte Seite des Zombie-Krieges, in der er nicht auf den Ursprung der Zombie-Plage eingeht und die Zombies sich, wie es schon George Romero in seinem Film „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead) zeigte, langsam vorwärtsbewegen, nur noch von der Gier nach Menschenfleisch angetrieben werden, blind einem Geräusch oder einem anderen Zombie folgen, und nur durch einen Kopfschuss (oder halt einer anderen Methode, die endgültig den Kopf vom Restkörper entfernt) besiegbar sind.

Operation Zombie“, oder „World War Z“, wie Max Brooks‘ Buch jetzt wegen der Verfilmung auch in Deutschland heißt, ruft diesen Kampf, und was er für die kleinen Leute bedeutete, wieder zurück in unser Gedächtnis.

Die Verfilmung ist natürlich wieder einmal die typische Hollywood-Heldengeschichte, die das Buch nur als Inspiration für eine ziemlich erfundene Geschichte nimmt. Denn im Buch reist kein Gerry Lane um die halbe Welt und sucht ein Heilmittel gegen die Zombies. Trotzdem macht die Verfilmung, die am 27. Juni startet, Spaß.

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

Verfilmung

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof, (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 27. Juni 2013

Zum Filmstart gibt es dann die Filmkritik.

Hinweise

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ und Max Brooks (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Und hier das ganze Gespräch von Dennis Miller (Mansfield University Public Relations Director) mit Max Brooks, aus dem der obige Ausschnitt zur Verfilmung ist

 

 


Ein Rückblick auf ein Filmjahr mit dem „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Juni 5, 2013

Lexikon des internationalen Films 2012 - 2

Auch für die neueste Ausgabe des „Lexikon des internationalen Films“ änderte die herausgebende katholische Filmzeitschrift „Filmdienst“ nicht das bewährte Konzept. Es gibt Kurzkritiken der im vergangenen Jahr in Deutschland im Kino angelaufenen, auf DVD/Blu-ray veröffentlichten und im TV als Premiere gezeigten über 2000 Spielfilmen und spielfilmlangen Dokumentarfilmen, Hinweise auf besonders gelungene DVD/Blu-ray-Veröffentlichungen (wie die „Ultimate Collector’s Edition“ von „The Texas Chainsaw Massacre“), Preisträgerlisten, einen Rückblick auf das vergangene Kinojahr, ein Schwerpunktthema (dieses Mal „Martin Scorsese“ mit Reprints von „Film-Dienst“-Artikeln, die zwischen 1992 und 2013 erschienen und sich mit dem Regisseur beschäftigen) und außerdem die Lieblingsfilme der Redaktion, die ausführlicher besprochen werden. Es waren 2012 „Attenberg“, „Der Aufsteiger“, „Beasts of the Southern Wild“, „Cosmopolis“, „Dame, König, As, Spion“, „Drive“, „Faust“, „Holy Motors“, „Der Junge mit dem Fahrrad“, „Liebe“, „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“, „Moonrise Kingdom“, „Oh Boy“, „Shame“, „The Artist“, „Was bleibt“, „Work Hard – Play Hard“ und „We need to Talk about Kevin“.

Als Nachschlagewerk ist das „Lexikon des Internationalen Films“ mit seinen fundierten Kritiken und Informationen essentiell. Und weil es im deutschsprachigen Raum nach dem Ende der anderen Filmjahrbücher nichts vergleichbares gibt und auch im Netz noch kein Ersatz geschaffen wurde, ist das Jahrbuch seit Jahren ein Solitär.

Horst Peter Koll/Filmdienst (Hrsg.): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012

Schüren, 2013

544 Seiten

24,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Meine Besprechung vom „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung vom „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung vom “Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“


Ian Rankin lässt John Rebus ein „Mädchengrab“ suchen

Mai 29, 2013

 

Rankin - Mädchengrab - 2

John Rebus ist nach einer sechsjährigen Pause zurück. Damals musste Ian Rankin seinen allseits beliebten Detective Inspector mit „Ein Rest von Schuld“ (Exit Music) in Rente schickten, weil er die Pensionsgrenze erreichte. Rankin hatte Rebus in seinen ersten Romanen vor über zwanzig Jahren ein präzises Alter verpasst und ihn in Echtzeit altern gelassen. Anfangs war das noch kein Problem, aber als die Romane Bestseller wurden und Rankin ein Buch nach dem nächsten schrieb, wurde aus dem vierzigjährigen ein sechzigjähriger Mann. Nach „Ein Rest von Schuld“ schrieb er den Einzelroman „Der Mackenzie-Coup“ (Doors Open), einen netten Heist-Roman, und die Romane „Ein reines Gewissen“ (The Complaints) und „Die Sünden der Gerechten“ (The Impossible Dead) mit dem internen Ermittler Malcolm Fox, den er als Gegenteil von John Rebus entwarf und die nicht wirklich überzeugten.

 

Währenddessen konnten in der Wirklichkeit – und die Rebus-Romane leben gerade von ihrem Bezug zur Realität – pensionierte Polizisten in Cold Case Units alte Fälle noch einmal bearbeiten und es gibt auch, weil das Rentenalter geändert wurde, die Möglichkeit einer Wiedereinstellung. So hat Rebus jetzt einen Antrag auf Wiedereinstellung gestellt und Malcolm Fox, der in „Mädchengrab“ noch mehr als humorloser Paragraphenreiter erscheint als in den Fox-Romanen, überprüft John Rebus, der sich inzwischen alle zwei Wochen auf ein Bier mit dem stadtbekannten Gangsterboss Big Ger Cafferty, seinem alten Intimfeind, trifft.

 

Außerdem arbeitet Rebus in der Serious Crime Review Unit (SCRU), die sich alte Fälle noch einmal vornimmt. Als die fünfzehnjährige Annette McKie an der A 9 verschwindet kommt Nina Hazlitt zu ihm. Ihre Tochter Sally verschwand Silvester 1999 fast an der gleichen Stelle und seitdem verschwanden in dieser Gegend, immer an der A 9, mehrere Mädchen. Sie glaubt, dass ein Serientäter am Werk ist – und Rebus glaubt ihr. Er kann seine alte Partnerin Shioban Clarke, die in dem neuen Fall ermittelt, überzeugen, dass die Fälle miteinander zusammen hängen.

 

Es ist schön, dass John Rebus wieder zurück ist, auch wenn der Fall eher schwach ist und der Subplot mit Malcolm Fox nervt. Denn Fox wird hier von Ian Rankin als biederer Paragraphenreiter porträtiert, für den ein Leben nur innerhalb der Paragraphen existiert, die er buchstabengetreu und ohne Gefühle anwendet, und der Rebus manisch verfolgt, weil dieser einem Verbrecher die Tür aufhält. Das liest sich dann schon wie eine Parodie auf den Biedermann, der in jedem System seine Arbeit verrichtet, aber nicht wie ein Charakter aus einer anderen Serie; – wobei die Fox-Romane daran leiden, dass Fox zu sehr ein Anti-Rebus sein soll.

 

Das lässt für den nächsten Rebus-Roman „Saints of the Shadow Bible“, der im November in England erscheint, das Schlimmste befürchten. Denn dann ist – so die Ankündigung – Rebus wieder zurück im Polizeidienst und Malcolm Fox will ihn wegen eines alten Falles zur Rechenschaft ziehen; vulgo als korrupten Polizisten überführen. Das könnte ein spannender Ausflug in die Vergangenheit von Rebus und ein Sittenbild der Polizei werden, der einem durch Fox versalzen wird.

 

Der Fall selbst in „Mädchengrab“, das spurlose Verschwinden von mehreren Mädchen, leidet daran, dass es um die Suche nach einem Einzeltäter geht, der eigentlich nur zufällig oder durch langwierige, kleinteilige Ermittlerarbeit gefunden werden kann. Das ist für die Rebus-Methode, die gerne für Unruhe bei den Verdächtigen sorgt und dann abwartet, was geschieht, denkbar ungünstig.

 

Aber am Ende fügen sich die verschiedenen Teile der Ermittlungen und die Nebenstränge mit den Edinburgher Gangsterclans fein zusammen und „Mädchengrab“ ist eine mehr als willkommene Rückkehr von John Rebus. 

 

 

Ian Rankin: Mädchengrab

 

(übersetzt von Conny Lösch)

 

Manhattan, 2013

 

512 Seiten

 

19,99 Euro

 

 

Originaltitel

 

Standing in another Man’s Grave

 

Orion Books, 2012

 

 

Hinweise

 

 

 

Homepage von Ian Rankin

 

Deutsche Homepage von Ian Rankin (Goldmann-Verlag)

 

Ian Rankin: The very last drop (16. – 18. Februar 2010; – eine neue Inspector-Rebus-Geschichte)

Meine Besprechung von Ian Rankins „Ein reines Gewissen“ (The Complaints, 2009)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der Mackenzie Coup“ (Doors Open, 2008)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Rebus’s Scotland – A personal journey“ (2005)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Eindeutig Mord – Zwölf Fälle für John Rebus“ (A good hanging, 1992)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins “Ein Rest von Schuld“ (Exit Music, 2007)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Im Namen der Toten” (The Naming of the Dead, 2006)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Die Seelen der Toten“ (Dead Souls, 1999)

 

Meine Besprechung von Ian Rankins „Der diskrete Mr. Flint“ (Watchman, 1988)

 

Ian Rankin in der Kriminalakte

 

 

 

 

 

 


Ist „Am Ende des Tages“ das Ende für Robert Hültners Inspektor Paul Kajetan?

Mai 25, 2013

 

Hueltner - Am Ende des Tages - 2

Nachdem Paul Kajetans Flucht über die Alpen wetterbedingt schief ging, meldet er sich beim Meldeamt zurück und behauptet, dass sein Pass gestohlen wurde und deshalb jemand anderes an seiner Stelle vergraben wurde. Dass er diese andere Person, einen Kripo-Beamten, der sich den Nazis als Agent andiente und der Kajetan umbringen wollte, tötete und ihm seinen Pass unterschob, verschweigt er. Immerhin hatte er in den vergangenen Jahren ziemlich viel Pech gehabt.

Aber jetzt scheint sich alles zum Besseren zu wenden. Regierungsrat Dr. Rosenauer will, nachdem sich frühere Anschuldigungen gegen Kajetan als falsch herausstellten und die allgemeine politische Lage sich änderte, seine Wiedereinstellung in den Polizeidienst forcieren und der Tote gehörte eh zu den Nazis und war ein wenig beliebter Kollege.

Bis das erledigt ist, soll Kajetan für Anwalt Dr. Leopold Herzberg in einem alten Mordfall recherchieren. Der Bauer Ignaz Rotter wurde, trotz dünner Beweise, vor über zehn Jahren für schuldig befunden, kaltblütig seine Frau ermordet zu haben.

Zur gleichen Zeit soll Sonderermittler Gustav Kull aus Berlin (und damit im ständigen Kampf mit den hinterwäldlerischen Bayern) herausfinden, warum in den Chiemgauer Alpen ein Flugzeug weit ab von seiner Flugroute und ohne erkennbaren Grund abstürzte. Es transportierte eine Kiste voll Geld aus einem Reptilienfonds des Außenministeriums für einen klandestinen Verein, der behauptet, im Ausland das Deutschtum zu unterstützen, in Wahrheit aber an einem Sturz der Weimarer Republik arbeitet.

Als Paul Kajetan, damals noch Polizeiinspektor, 1993 in „Walching“ seinen ersten Auftritt hatte, war ich begeistert. Da schrieb ein deutscher Autor über einen Mordfall in den Alpen kurz nach dem Ersten Weltkrieg, verband Zeitkolorit mit Politik mit einem spannendem Kriminalfall – und versackte dabei nicht im Sumpf des Regiokrimis oder versuchte krampfhaft amerikanische Vorbilder zu imitieren. Nein, „Walching“ war absolut eigenständig, spannend und gut. In den nächsten Jahren schrieb Hültner weitere Kajetan-Romane und jetzt, mit dem sechsten Kajetan-Roman, der in den späten Zwanzigern spielt, können wir wieder in das pralle bayerische Leben zwischen München und dem ländlichen Umland eintauchen.

Robert Hültner erzählt beide Fälle, was in einem Roman besser als in einem Film funktioniert, fast bis zum Schluss parallel und auch danach ermitteln Kajetan und Kull eher neben- als miteinander, bis sie am Ende gemeinsam gegen „die Nazen“ kämpfen.

Neben den beiden ziemlich vertrackten Kriminalfällen zeichnet Hültner auch ein Bild der damaligen Zeit, als die Regierung unter der Hand rechte, regierungsfeindliche Gruppen unterstützte und die Gefahr durch die NSDAP sträflich unterschätzte. So betonten Beamte immer wieder, dass Hitlers Gruppe auf dem absteigenden Ast sei. Ein Irrtum.

Der sechste Kajetan-Roman „Am Ende des Tages“ wird auch als der letzte Kajetan-Roman beworben.

Einerseits viel zu früh. Andererseits ist es gut, wenn eine Serie nicht bis zum Überdruss ausgereizt wird und „Am Ende des Tages“ ist ein würdiger Abschluss; – wobei wir inzwischen aus zahlreichen Büchern, Filmen und Serien gelernt haben, dass es keine endgültigen Abschiede gibt.

Robert Hültner: Am Ende des Tages

btb, 2013

320 Seiten

19,99 Euro

Die Ermittlungen von Paul Kajetan

Walching, 1993

Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski, 1995

Die Godin, 1997

Inspektor Kajetan und die Betrüger, 2004

Inspektor Kajetan kehrt zurück, 2009

Am Ende des Tages, 2013

Hinweise

Homepage von Robert Hültner

Wikipedia über Robert Hültner

Meine Besprechung von Robert Hültners „Ende der Ermittlungen“ (2007)

 

 


„Fürchte dich nicht“ orakelt der siebzehnte „The Walking Dead“-Sammelband

Mai 20, 2013

 

Kirkman - The Walking Dead 17

Jetzt ist der hundertste „The Walking Dead“-Band auch auf Deutsch erschienen und ein Ende der Geschichte von Rick Grimes, seinem Sohn und einigen weiteren Überlebenden in einer von Zombies beherrschten Welt, in der die uns bekannten Institutionen nicht mehr existieren, ist immer noch nicht in Sicht; was auch daran liegt, dass die von Robert Kirkman geschriebenen Comics, die darauf basierende TV-Serie, Romane und Computerspiele einen konstant hohen Zuspruch haben.

 

Als Robert Kirkman vor zehn Jahren Jahren die erste „The Walking Dead“-Geschichte schrieb, war das nicht absehbar. Damals kämpfte der gerade aus einem Koma erwachte Ex-Polizist Rick Grimes in einer alptraumhaften, menschenleeren Gegend ums Überleben. Er suchte seine Frau (inzwischen tot) und seinen Sohn Carl (inzwischen einäugig) und Rick hat schon lange nur noch eine Hand. Trotzdem ist er aufgrund seines Charakters der ziemlich unumstrittene Führer einer kleinen Gruppe, die zuletzt in Alexandria, einer kleinen Gemeinde, Zuflucht gefunden haben. Auf einem ihrer Erkundungstrips begegneten sie Paul „Jesus“ Monroe, einem Einzelkämpfer, der ihnen sagte, dass er der Gesandte der „Anhöhe“ sei, einer größeren Gruppe von Menschen, die mit anderen Gemeinschaften Handel treiben und die gerne die Bewohner von Alexandria in ihre Gemeinschaft aufnehmen würden.

 

In dem vorherigen „The Walking Dead“-Sammelband „Eine bessere Welt“ machte Rick sich mit einigen Verbündeten auf den Weg zur Anhöhe und der dortige Wortführer Gregory konnte ihn zur Zusammenarbeit überreden. Als Gegenleistung soll er ihnen im Kampf gegen Negan, den Anführer der Erlöser, der die Bewohner der Anhöhe terrorisiert, helfen. Rick ist einverstanden. Die erste Begegnung mit Mitgliedern von Negans Gruppe verläuft für Rick und seine Verbündeten erfreulich.

 

Dann kommt es zur zweiten Begegnung…

 

Auch der siebzehnte „The Walking Dead“-Band „Fürchte dich nicht“ folgt dem vertrauten „The Walking Dead“-Prinzip nach dem es keine Garantie für das Überleben eines bestimmten Charakters gibt (wobei natürlich die Überlebenschancen des Helden Rick Grimes, wie schon die von Jack Bauer in „24“, extraordinär hoch sind). Deshalb sterben in diesem Sammelband auch zwei beliebte „The Walking Dead“-Charaktere und Rick trifft eine schwere Entscheidung.

 

Das knüpft von der Geschichte (obwohl ein Neueinstieg problemlos möglich ist) und von er erzählerischen Qualität nahtlos an die vorherigen Bände an. Aber die Toten, die Entscheidungen und damit auch einige – wahrscheinlich – künftige Entwicklungen sind dann doch gar nicht so überraschend, wie einem die Vorankündigungen glauben lassen. Immerhin kennen wir inzwischen Rick und Carl Grimes, Andrea, Michonne, Glenn, Abraham ‚Abe‘ Ford undsoweiter. Schlimme Gegner und gefährliche Situationen haben sie schon einige hinter sich und da ist „Fürchte dich nicht“ nur das Set-Up für einen künftigen Gegner.

 

Denn Negan, der Anführer einer religiös erleuchteten Gruppe, deren Mitglieder sich als Teil eines gesamten Körpers sehen, könnte nach Philip, dem Gouverneur von Woodbury, ein neuer großer Gegner für unsere Helden werden.

 

 

Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead: Fürchte dich nicht (Band 17)

 

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

 

Cross Cult, 2013

 

152 Seiten

 

16 Euro

 

 

Originalausgabe

 

The Walking Dead, Vol. 17: Something to Fear

 

Image Comics, 2013

 

 

enthält

 

The Walking Dead # 97 – 102

 

 

 

Hinweise

 

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

 

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

 

AMC-Blog zu „The Walking Dead“

 

„The Walking Dead“-Fanseite

 

„The Walking Dead“-Wiki

 

Spiegel Online: Interview mit Charlie Adlard (21. Oktober 2011)

 

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns “The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe” (The Walking Dead Vol. 15: We find ourselves, 2012)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead: Eine größere Welt (Band 16)“ (The Walking Dead, Vol. 16: A larger world, 2012)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

 

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

 

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 2“ (USA 2011/2012)

 

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

 

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

 

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) “Haunt – Band 3″ (Haunt, Vol. 13 – 18, 2011)

 

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Nick Spencer (Autoren)/Shawn Martinbroughs (Zeichner) „Dieb der Diebe: „Ich steige aus“ (Band 1)“ (Thief of Thieves # 1 – 7, 2012)

 

 


Kurzkritik: Jeffery Deaver: Die Angebetete

Mai 16, 2013

 

Deaver - Die Angebetete - 2

Nach seinem durchwachsenen Ausflug in internationale Gefilde mit dem James-Bond-Roman „Carte Blanche“ ist Jeffery Deaver wieder zurück in den USA und Kinesik-Expertin Kathryn Dance darf, mit etwas Hilfe von Lincoln Rhyme und Amelia Sachs, ihren dritten Fall lösen.

Dabei wollte sie nur einige Tage Urlaub nehmen und in Fresno eine alte Bekannte, die erfolgreiche Country-Sängerin Kayleigh Towne, besuchen. Kaum ist sie dort eingetroffen, erfährt sie, dass Kayleigh von Edwin Sharp gestalkt wird. In der Nacht wird Bobby Prescott, der Chef der Roadcrew und langjährige Freund von Kayleigh, ermordet und Sharp ist der Hauptverdächtige, der als Stalker von seiner Sicht der Wirklichkeit, nämlich dass Kayleigh ihn liebt und sie von ihrer Entourage beeinflusst und in Quasi-Haft gehalten wird, bedingungslos überzeugt und schlau genug ist, keine Spuren zu hinterlassen.

Aber ist er wirklich der Mörder? Immerhin befinden wir uns in einem Roman von Jeffery Deaver, der für seine wendungsreichen Enden bekannt ist, und Sharp ist eigentlich viel zu verdächtig, um der Mörder zu sein.

Wie Deaver ihn dann über gut fünfhundertfünfzig kurzweilige Seiten immer wieder be- und entlastet und die Gesichtsleserin Kathryn Dance bei der Mörderjagd auch einige andere Übeltäter überführt, die mehr oder weniger Trittbrettfahrer der Taten des Mörders sind, der nach der Ermordung von Bobby Prescott weitere Menschen in Kayleighs Umfeld tötet, ist gutes Spannungshandwerk, bei dem man auch einiges über die Country-Musik, das Musikgeschäft und die Veränderungen des Geschäfts durch das Internet lernen kann. Denn, wie immer, hat Deaver seine Recherche gemacht.

Mir kamen allerdings einige der Wendungen in der zweiten Hälfte von „Die Angebetete“ zu plötzlich, einige Subplots wurden zu schnell abgehandelt und einige Szenen, wie die Begegnung von Kayleigh und Sharp ungefähr in der Buchmitte, hätten gewinnbringender verarbeitet werden können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Jeffery Deaver: Die Angebetete

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2013

576 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

XO

Simon & Schuster, 2012

 

Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Wikipedia über Jeffery Deaver (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte


Über „Secret Service – Jahrbuch 2013“

Mai 15, 2013

 

Syndikat - Secret Service Jahrbuch 2013

Am bewährten Konzept von seinem Jahrbuch „Secret Service“ hat das Syndikat, Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur AIEP/IACW, nichts geändert: es gibt oft erstaunlich kurzweilige Erlebnisberichte von Autoren von ihren Lesungen und Veranstaltungen während der Criminale, dem, hm, jährlichen Klassentreffen der Krimiautoren, Kurzkrimis, etwas Gehirnfutter, dieses Mal vor allem von Prof. Dr. med. Burkhard Madia über „Rechtsmedizin – unerkannte Morde“, Thomas Przybilkas Überblick über „Wichtige Sekundärliteratur zur Kriminalliteratur“ und die immer lesenswerten Befragungen der 2012er Glauser-Preisträger, bei denen die Herausgeber immer noch verschweigen, welche Glauser-Preise Michael Theurillat, Lena Avanzini, Nina George, Maja von Vogel und Thomas Przybilka erhielten.

 

Also: Michael Theurillauts „Rütlischwur“ (Ullstein) war der beste Roman, Lena Avanzinis „Tod in Innsbruck“ (emons) das beste Debüt, Nina Georges „Das Spiel ihres Lebens“ (in „Scharf geschossen“ [KBV]) der beste Kurzkrimi, Maja von Vogels „Nachtsplitter“ (dtv) erhielt den Hansjörg-Martin-Preis (aka bester Kinder- und Jugendkrimi) und Thomas Przybilka erhielt – verdient – den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur.

 

Witzig ist Andreas Grubers „Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt“. Ich befürchte allerdings, dass einige die ironisch gemeinten Ratschläge für bare Münze nehmen.

 

Viel zu knapp ist Marc Ritters „Das E-Book: Gestern – Heute – Morgen“. Der auf einem zweistündigem Vortrag basierende Text bleibt nämlich zu sehr an der Oberfläche.

 

Ziemlich ärgerlich ist „UrhG! Auch das noch“ von Angela Eßer und Nina George, die die Aktionen des Syndikats zum Urheberrecht Revue passieren lassen und marktschreierisch auf dem Debattenstand von vor ungefähr einem Jahr verharren, inclusive Selbstwidersprüchen. So polemisieren sie zuerst über „krude Ideen von der Kulturflatrate, der Kulturmark, ‚Freemium-Geschäftsmodellen’“, die von den „Hardlinern gegen das Urheberrecht“, die da wären „von der Netzpolitik, von einer Handvoll dauerpublizierender Netzaktivisten, unterstützt von Giganten wie Google, Amazon und Apple“, verfochten werden. Wenige Seiten später, nachdem sie das derzeitige Modell von Bibliothekstantiemen und sonstigen Abgaben (dass Studiengebühren auch dazu gehören, war mir neu), die über die VG Wort an die dort gemeldeten Autoren (aufgrund der von ihnen gemeldeten Texte) jährlich ausgeschüttet werden, erläutert haben, fordern sie „die Übertragung dieses Rechte-Kreislaufs auf das Internet“. Hm, klingt irgendwie nach Kulturflatrate.

 

Der gesamte Text ist nicht besonders zielführend, wenig zukunftsweisend, rennt lautstark mit einem „JA zum Urheberrecht!“ offene Scheunentüre ein, ohne auf die wirklich interessante Frage, wie das Urheberrecht an die digitale Welt angepasst werden soll, einzugehen.

 

Aber auch die von VG Wort jüngst initiierte und im Netz ziemlich lautlos verhallte Initiative „Wir geben 8“ ist da in ihrem Festhalten am Bestehenden keinen Schritt weiter, spricht sich aber gegen Fair Use (als ob Google Books ein Standard-Fair-Use-Fall wäre) und Remixe (als ob Romane, wie Filme oder Songs, in einer Cut-and-Paste-Technik geremixed würden) aus.

 

Und gerade nachdem letztes Jahr so engagiert über das Urheberrecht diskutiert wurde, hätte das Syndikat in der diesjährigen Ausgabe seines Jahrbuchs das Thema durchaus mit sich widersprechenden Meinungen in einem Streitgespräch oder verschiedenen Texten behandeln oder einen von diesen „Hardlinern gegen das Urheberrecht“ um einen Text bitten können.

 

Aber aus den vielen Mafia-Filmen wissen wir, dass das Syndikat keine anderen Meinungen zulässt und Störenfriede gerne in der Wüste verbuddelt oder den nächsten Fluss, gerne mit Betonschuhen, wirft.

 

 

Zwei Lesetipps: Anne Chaplet, aka Cora Stephan, hat in ihrer Kolumne über die diesjährige Criminale ähnliche Punkte mit einem ähnlichen Tenor angesprochen.

 

Stefan Niggemeier hat bei der VG Wort mal nachgefragt – und keine richtige Antwort auf seine Fragen zur „Wir geben 8“-Kampagne erhalten.

 

 

Syndikat (Hrsg.): Secret Service – Jahrbuch 2013

 

Gmeiner, 2013

 

320 Seiten

 

9,99 Euro

 

 

Hinweise

 

Homepage vom Syndikat

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“