LV: Uwe Erichsen: Das Leben einer Katze, 1984 (später “Die Katze”)
In der Düsseldorfer Innenstadt endet ein Bankraub in einer Geiselnahme. Die Polizei umstellt die Filiale und ein nervenzerfetzendes Duell beginnt. Aber die Polizisten wissen nicht, dass sie von Probek beobachtet werden und dieser alles geplant hat.
Grandioser deutscher Action-Thriller, der sich nicht vor amerikanischen Vorbildern verstecken muss.
“Für einen bundesdeutschen Spielfilm zeigt ‘Die Katze’ eine erstaunliche Professionalität: präzise Kamera- und Schauspielerführung, eine funktionelle Dramaturgie, eine funktionierende Geschichte.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe)
Beim Cognac Festival du Film Policier gab’s dafür den “Grand Prix” und den “FR3 Grand Prix” (Unwichtige Bonus-Information: Guy Hamilton war der Juryvorsitzende).
mit Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Ralf Richter
Am Ende von „John Wick: Kapitel 2“ hatte der ehemalige Profikiller John Wick (Keanu Reeves) es sich mit der Hohen Kammer, dem obersten Entscheidungsgremium der streng geheimen, obskuren Regeln folgenden und Killern umfassenden Schutz gebenden Assassinen-Gilde, gründlich verscherzt. Er hatte am falschen Ort ein anderes Mitglied der Profikiller-Gilde getötet. Die Strafe dafür ist ein Ausschluss aus dem Verein. Und als ob das noch nicht genug wäre, setzt die Hohe Kammer ein Kopfgeld von vierzehn Millionen auf ihn aus.
„John Wick: Kapitel 3“ beginnt unmittelbar danach. In einem verregneten „Blade Runner“-New York läuft John Wick um sein Leben. In wenigen Minuten, um 18.00 Uhr, ist er excommunicado und damit Freiwild. Ab diesem Moment werden aller Killer und Möchtegernkiller in der Millionenstadt versuchen, ihn zu töten.
Nach dem ersten Kampf, einer epischen, in einer Bibliothek beginnenden Schlacht durch halb Manhattan, geht Wick zum Angriff über. Er will ein Gespräch mit The Elder, einem der wichtigsten und respektiertesten Mitglieder der Hohen Kammer. Er will, dass sein Todesurteil rückgängig gemacht wird.
Sein Reise führt ihn zunächst nach Marokko, wo schon die nächsten Killer auf ihn warten.
Viel mehr Plot benötigen Autor Derek Kolstad und Regisseur Chad Stahelski, von denen auch die ersten beiden „John Wick“-Filme sind, nicht. Der erste Film erzählte noch eine klassische B-Picture-Rachegeschichte, in der John Wicks Rache für seinen toten Hund für einen grotesk-blutigen Gewaltexzess sorgte. In „John Wick: Kapitel 3“ haben sie sich von traditionellen Hollywood-Erzählmustern verabschiedet. Die Geschichte und damit die Logik des Filmplots gehorcht der Dramaturgie von Comicheften, die weitgehend unabhängig voneinander gelesen werden können. Es gibt grandiose Actionszenen, garniert mit kurzen Auftritten bekannter Schauspieler (als überzeugende und erinnerungswürdige Neuzugänge sind Anjelica Huston und Halle Berry dabei), und einem Minimalplot, der der Action immer vor einem Abgleiten in das reine l’art pour l’art abhält. Dabei sind die Charaktere höchst sparsam charakterisiert. Laurence Fishburne heißt nur Bovery King, Anjelica Huston ist The Director (vom der Tarkovsky Ballettschule/Theater), Asia Kate Dillon ist The Adjudicator, Mark Dascados ist Zero, Saïd Taghmaoui ist The Elder, Ian McShane ist immer noch Winston, der Manager des New Yorker Continental Hotel, und Lance Reddick ist immer noch Charon, der überaus diskrete und höfliche Concierge des Continental Hotel.
Allein schon die Namen deuten an, wie viel Spaß die Macher beim Entwerfern ihrer Comicwelt hatten, in der Killer Mitglieder einer quasi-religiösen Gilde sind, deren Regeln befolgen und niemals Ärger mit der Polizei haben. Denn in der Welt von John Wick gibt es keine Polizei.
Und die Action – mit Fäusten, Messern, Schusswaffen, zu Fuß, auf dem Pferd und Motorrad – ist mal wieder grandios mit wenigen Schnitten und viel Stilbewusstsein inszeniert. Sie sind hyper-ästhetisiert, einfallsreich, abwechslungsreich und sie liefern den Fans der ersten beiden „John Wick“-Filme das, was sie und Actionfilmfans lieben: handgemachte Action, die zwar unwahrscheinlich, aber nicht vollkommen unmöglich ist. Sie wurde auch, teils mit der Hilfe von Drähten, durchgehend live vor Kamera ausgeführt.
Neben den Kämpfen in „John Wick: Kapitel 3“ wirkt der Schlusskampf in „Avengers: Endgame“ wie ein schlecht choreographiertes, zu dunkel inszeniertes, mit CGI zugekleistertes laues Lüftchen.
Insgesamt entwickelt „John Wick: Kapitel 3“ konsequent die Stärken der vorherigen beiden „John Wick“-Filme weiter. Stahelski nimmt sich dabei noch mehr Zeit für die Actionszenen. Die stilisierte Neo-Noir-Optik gefällt. Die von Kolstak erfundene Mythologie entwirft eine vergnügliche, aber auch vollkommen abstruse Parallelwelt. Und die Schauspieler sind mit offensichtlichem Vergnügen dabei. Mit 132 Minuten ist „John Wick: Kapitel 3“ der längste Film der Serie.
Vor „John Wick: Kapitel 3“ sagten die Macher zwar, dass sie das „John Wick“-Franchise nicht bis in alle Ewigkeit fortführen würden und deuteten an, dass der dritte „John Wick“-Film auch der letzte sei.
Das Ende von „John Wick: Kapitel 3“ ist allerdings so, dass es unbedingt nach einem vierten „John Wick“-Film verlangt. Inzwischen und nach dem überaus erfolgreichen Kinostart in den USA ist der vierte „John Wick“-Film für den 21. Mai 2021 angekündigt.
John Wick: Kapitel 3 (John Wick: Chapter 3 – Parabellum, USA 2019)
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad, Shay Hatten, Chris Collins, Marc Abrams (nach einer Geschichte von Derek Kolstad) (basierend auf von Derek Kolstad erfundenen Charakteren)
mit Keanu Reeves, Halle Berry, Ian McShane, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Tobias Segal, Anjelica Huston, Saïd Taghmaoui, Jerome Flynn, Randall Duk Kim, Margaret Daly, Robin Lord Taylor, Susan Blommaert
Das ist kein Guy-Ritchie-Film. Weder einer seiner guten, noch einer seiner schlechten Filme.
„Aladdin“ ist ein Disney-Musical für Kinder. Ritchie selbst nennt seinen Film „ein Musical in seiner reinsten traditionellen Form“.
Dummerweise bin ich zwar Musikfan, aber kein Freund von Musicals.
Die Geschichte dürfte bekannt sein. Aladdin (amerikanisiert, bei uns Aladin), ein junger, überaus sympathischer Tagdieb in der irgendwo im Orient liegenden Hafenstadt Agrabah, verliebt sich in die Prinzessin Jasmin, die er zunächst für die Zofe der Prinzessin hält. Er zeigt ihr seine Wohnung mit fabelhaftem Blick über die Stadt.
In der Nacht schleicht er sich in den gut bewachten Hof des Sultans und, nachdem er sich von Jasmin verabschiedet, wird er von der Palastwache erwischt. Der böse Zauberer Jafar, zweiter Mann im Staat mit Ambitionen auf die Herrschaft über das Sultanat, zwingt Aladdin, aus einer Höhle eine besondere Lampe zu stehlen.
Als Aladdin in der Höhle den Staub von der Lampe abreibt, befreit er aus der Wunderlampe den dort seit Ewigkeiten gefangenen Flaschengeist. Dieser Flaschengeist soll Aladdin drei Wünsche erfüllen.
Neben dem altbekannten Märchen basiert Guy Ritchies Film vor allem auf Disneys enorm erfolgreichen Zeichentrickfilm „Aladdin“ (USA 1992). Nur dass jetzt, wie in den letzten Jahren bei vielen anderen Disney-Klassikern, aus dem Trickfilm ein Realfilm wird. Mit viel CGI. Wobei Aladdins Flüge mit dem Fliegenden Teppich erstaunlich schlecht animiert sind. Die Lieder von Disney-Komponist Alan Menken wurden von dem 1992er „Aladdin“ übernommen, neu eingespielt und um den neuen Song „Speechless“ ergänzt.
Um dem Vorwurf des White-Washing zu begegnen, wurden die verschiedenen Rollen mit Menschen besetzt, die mehr oder weniger aus dem Orient kommen oder entsprechende Vorfahren haben. Am Ende ist „Aladdin“ der diversest besetzte Film in der Geschichte Disneys. Bis auf Will Smith, der den meistens computeranimierten, ständig gut gelaunten, nervigen, blauen Flaschengeist spielt, sind die anderen Schauspieler weitgehend unbekannt. Aber durchgehend liebenswert.
Auf die sattsam bekannten Orient-Klischees wurde allerdings nicht verzichtet. „Aladdin“ sieht wie einer dieser „Geschichten aus 1001 Nacht“-Filme aus den vierziger Jahren aus. Alles ist bunt. Alles entspricht dem Klischeebild des Westens vom Orient. Nichts davon hat etwas mit der Realität zu tun.
In einem neuen Film ist ein so altmodisches Klischee-Orient-Bild einfach nur ärgerlich. Denn das in „Aladdin“ vermittelte Fantasie-Orientbild ist für Kinder das erste Bild, das sie vom Orient erhalten.
Für Erwachsene ist dann erstaunlich, wie mühelos man den Kampf zwischen dem bösen, machtgierigen Zauberer und dem edlen Aladdin tagespolitisch interpretieren kann. Jafar hat aufgrund seiner Herkunft keinen Anspruch auf den Thron, aber er ist machtgeil, skrupellos und er will überkommene Traditionen und einen schwachen, Kriegen abgeneigten Sultan beseitigen. Jafar will Agrabah zu einem Staat machen, der sich nicht von anderen ausbeuten lässt, der stark ist und über andere dominiert. Notfalls mit Gewalt und Abschottung. Das ist das Bild, das Donald Trump von sich inszeniert; auch wenn es mit seiner Vita nichts zu tun hat. Jasmin, die Tochter des Sultans und Thronfolgerin, will dagegen auf ihr Volk hören, weshalb sie sich immer wieder unter unerkannt unter die normalen Leute mischt, und sie will das Land reformieren. Da ist Alexandria Ocasio-Cortez nicht weit weg. Auch wenn sie erst nach dem Ende der Dreharbeiten, die von August 2017 bis Januar 2018 waren, die politische Bühne betrat.
Der nicht nach Macht strebende Aladdin will als Mann von der Straße nur das Herz der Prinzessin erobern. Im Gegensatz zu einem Wähler muss er nicht mehr von ihren Ansichten überzeugt werden. Er steht auch nicht vor der Frage, ob er Jasmins oder Jafars Pläne für das Königreich besser findet.
Und der Sultan steht, wenn wir in dem Bild bleiben, für die republikanische Partei, die dem Bösewicht keinen Widerstand entgegensetzt.
Aber wahrscheinlich ist das eine hemmungslose Überinterpretation. Denn letztendlich ist „Aladdin“ ein buntes Nichts.
Aladdin(Aladdin, USA 2019)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: John August, Guy Ritchie
mit Will Smith, Mena Massoud, Naomi Scott, Marwan Kenzari, Navid Negahban, Numan Acar, Nasim Pedrad, Billy Magnussen
Länge: 129 Minuten (Wer hat noch einmal behauptet, Kinder könnten heute keine fünf Minuten mehr still sitzen?)
Ruhrpottjungen Theo Gromberg, bekannt aus dem in den letzten Jahren öfter gezeigten TV-Film „Aufforderung zum Tanz“, ist inzwischen stolzer LKW-Besitzer. Dummerweise wird ihm der Brummi während einer Pinkelpause geklaut. Aber der Dieb hat nicht damit gerechnet, dass Theo ihn durch halb Europa verfolgt.
Wundervolles, witziges Road-Movie, das damals ein Kinohit war. 1980 war „Theo gegen den Rest der Welt“ der erfolgreichste Film des Jahres, der „hemmungslos in Actionkino- und Hollywoodmustern schwelgte (…) diese Zutaten sind so alt wie das Kino selbst. Sich auf sie besonnen zu haben und aus ihnen einen unverbraucht wirkenden Film mit unvergesslichen Typen und herrlich haarsträubenden Situationen geschaffen zu haben, ist das große Verdient von Regisseur Bringmann und Brechbuchautor Matthias Seelig.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film, 1981)
mit Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi, Claudia Demarmels,, Peter Berling, Horst Bergmann, Marquard Bohm
Personal Shopper(Personal Shopper, Frankreich/Deutschland 2016)
Regie: Olivier Assayas
Drehbuch: Olivier Assayas
Maureen ist die persönliche Einkäuferin für die ständig durch die Welt jettende Kyra. Neben diesem Brotjob wartet sie auf ein Zeichen von ihrem verstorbenen Zwillingsbruder und vertreibt Geister aus Häusern.
Olivier Assayas‘ Version eines Geisterfilms: sehr europäisch, sehr träumerisch und mit zahlreichen Anspielungen. Sehr sehenswert.
Am 6. Juni läuft sein neuer Film „Zwischen den Zeilen“ (Doubles vies, u. a. mit Juliette Binoche und Guillaume Canet) bei uns an (und dann gibt es die Besprechung). Seine dialoglastige Bestandsaufnahme der Gegenwart ist wie ein Eric-Rohmer-Film, der die Gespräche über Liebe und Beziehungen durch Gespräche über die Literatur, das Internet, und die Befindlichkeiten der Bourgeoisie ersetzt.
Wenige Stunden bevor Keanu Reeves wieder als John Wick gegen Bösewichter kämpft, zeigt er in seinem Regiedebüt ebenfalls seine Fähigkeiten als Kämpfer
Nitro, 22.10
Man of Tai Chi(Man of Tai Chi, USA/Volksrepublik China 2013)
Regie: Keanu Reeves
Drehbuch: Michael G. Cooney
Das überraschend gelungene Regiedebüt von Keanu Reeves. Er erzählt, mit vielen Kämpfen, die Geschichte von dem arglosen Paketboten und talentiertenTai-Chi-Kämpfer Chen Tiger Hu Chen), der von Donaka Mark (Keanu Reeves) immer mehr in die Szene illegaler und tödlicher Kämpfe hineinmanipuliert wird.
Teheran, Gegenwart: Der beliebte Lehrer Emad inszeniert mit seiner Ehefrau Rana in der Hauptrolle Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“. Eines Abends wird sie in ihrer gemeinsamen neuen Wohnung überfallen und verletzt. Geplagt von Schuldgefühlen beginnt Emad den Täter zu suchen. Außerdem verschwimmen in seiner freien Adaption von Millers Stück die Grenze zwischen dem Stück und der Realität immer mehr.
Mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film 2017 ausgezeichnetes tolles Drama. Im Iran war der Film ein Kassenhit.
Wenige Tage bevor John Wick wieder im Kino kämpft (Jubelarie zum Filmstart), gibt es heute den zweiten John-Wick-Actionkracher. So als Vorbereitung.
RTL, 23.00
John Wick: Kapitel 2 (John Wick: Chapter 2, USA 2017)
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
Der Kampf geht weiter. Wir erfahren mehr über John Wicks Welt. Es gibt mehr Kämpfe und Tote – und am Ende von „Kapitel 2“ läuft John Wick um sein Leben.
„John Wick: Kapitel 3“ schließt am 23. Mai im Kino nahtlos daran an.
Wenige Tage bevor John Wick wieder im Kino kämpft (Jubelarie zum Filmstart), gibt es heute und morgen die ersten beiden John-Wick-Filme. So als Vorbereitung.
Pro7, 22.30
John Wick(John Wick, USA 2014)
Regie: Chad Stahelski, David Leitch (ungenannt)
Drehbuch: Derek Kolstad
Als der missratene Sohn eines Mafiosos den Hund von John Wick tötet, packt der Ex-Killer John Wick seine eingelagerten Waffen wieder aus.
Actionfilm der wegen seines Stils und seiner furiosen Actionszenen begeistert.
mit Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Toby Leonard Moore, Daniel Bernhardt, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane
Tara, eine verwitwete Mutter, betreibt in Mumbai ein kleines Restaurant. Zu ihren Kunden gehört der allein in einem Hochhaus-Apartment lebende Filmstar Amar. Er bestellt täglich Essen bei ihr. Gesehen hat sie ihn bis jetzt nur auf der großen Leinwand. Aber sie telefonieren häufig miteinander. Über die Zeit werden ihre langen Telefonate immer intimer. Nur getroffen haben sie sich noch nicht.
Eines Tages begibt Amar sich auf den Weg zu Taras Restaurant.
Im Mittelpunkt von „Once again – Eine Liebe in Mumbai“ stehen zwei schüchtern-introvertierte, einsame Menschen, die mehr schweigen als reden. Immer wieder starren die Schauspieler lange sehr ernst und nachdenklich in die Gegend, während wir uns überlegen können, was Tara und Amar gerade denken. Das erschwert eine emotionale Verbindung zu den beiden Figuren, die sich ihre Liebe nicht gestehen.
„Once again“ hat damit die Probleme, die fast alle Filme mit passiven und schweigsamen Figuren haben: die Geschichte wirkt träge, weil nichts passiert und die Figuren bleiben einem fremd, weil man ihre Probleme und Gefühle mehr erahnt und vermutet als durch ihre Handlungen erfährt.
Vor allem wenn Kamera und Regie das Verhalten und Innenleben der Figuren spiegeln.
Einige mögen bei den nächtlichen Bildern von Mumbai eine poetische Note erkennen. Mich spricht diese Liebe in Mumbai überhaupt nicht an.
Once again – Eine Liebe in Mumbai (Deutschland/Indien/Österreich 2018)
Regie: Kanwal Sethi
Drehbuch: Kanwal Sethi
mit Shefali Shah, Neeraj Kabi, Rasika Dugal, Bidita Bag, Priyanshu Painyuli, Bhagwan Tiwari
So ein Baum im Garten spendet Schatten. Er kann in einer Reihenhaussiedlung auch für Ärger sorgen, wenn die neue, junge und sportbegeisterte Frau des Nachbarn sich gerne sonnen würde und der Baum das verhindert. Also sollte er mindestens gestutzt werden. Aber Baldvin und vor allem Inga, auf deren Grundstück der Baum steht, denken nicht daran. Inga, schon auf den ersten Blick das Gegenteil von Eybjörg, ist eine wirklich schlecht gelaunte, grantige, nicht wahnsinnig auf ihr Äußeres achtende Großmutter. Sie begegnet der neuen Nachbarin mit blanker Abneigung.
Während dieser Konflikt, angetrieben von den Frauen, langsam über die normalen Stufen eines Nachbarschaftsstreit eskaliert, quartiert sich Ingas Sohn wieder bei ihnen ein.
Atli wurde nämlich eines Nachts von seiner Frau beim Ansehen eines Pornos erwischt. Weil der Sexfilm zeigt, wie Atli mit einer anderen, ihr ebenfalls bekannten Frau Geschlechtsverkehr hat, wirft sie Atli sofort aus der gemeinsamen Wohnung und verbietet ihm jeden Kontakt zu ihrem gemeinsamen Kind. Er möchte, allerdings denkbar ungeschickt, den Ehestreit wieder beenden.
„Under the Tree“ hat auf den ersten Blick alles, was zu einer Schwarzen Komödie gehört. Aber eine Schwarze Komödie ist das Drama erst am Ende, wenn der Konflikt um den Baum grotesk, blutig und rasant innerhalb weniger Minuten eskaliert und endet. In dem Moment wirkt dieses Blutbad allerdings weniger wie eine lange überfällige Eruption unterdrückter Gefühle, sondern wie eine Verzweiflungstat von Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurðsson, um seinen bis dahin sehr drögen Film zu beenden.
Die Figuren sind – abgesehen von der Idee, dass die Frauen die treibenden Kräfte und die Männer eher passiv sind – blass und eindimensional. Die Handlung ist, abgesehen von einigen abschweifenden Episoden, wie die Mieterversammlung in Atlis Haus, vorhersehbar.
Und schwarzhumorig ist letztendlich nur das Ende. Bis dahin gibt es keinen Humor, sondern Tristesse und Schwermut, die einen Ingmar-Bergman-Film wie ein fröhliches Fest des Lebens wirken lässt.
Under the Tree (Undir trénu, Island 2017)
Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson
Drehbuch: Huldar Breiðfjörð, Hafsteinn Gunnar Sigurðsson (nach einer Idee von Huldar Breiðfjörð)
mit Steinþór Hróar Steinþórsson, Edda Björgvinsdóttir, Sigurður Sigurjónsson, Þorsteinn Bachmann, Selma Björnsdóttir, Lára Jóhanna Jónsdóttir, Dóra Jóhannsdóttir, Sigrídur Sigurpálsdóttir Scheving
Bei einer Razzia wird der Biogenetiker Dr. Berthold Hoffmann (Bruno Ganz) von einem Polizisten angeschossen. Durch den Kopfschuss hat er sein Gedächtnis verloren. Die Polizei behauptet, dass Hoffmann ein gefährliche Terrorist sei und den Polizisten angegriffen habe. Seine Freunde sagen, er sei ein harmloser Bürger und Opfer des Polizeiterrors.
Packender Polit-Thriller, der das damalige Klima des Deutschen Herbst aufgreift und immer mehr zu einem intelligentem Psychodrama wird, das bis zum letzten Bild (und darüber hinaus) zum Nachdenken über die eigene Position anregt.
Lief seit Ewigkeiten nicht mehr im TV.
mit Bruno Ganz, Angela Winkler, Hans-Christian Blech, Heinz Hönig, Hans Brenner, Udo Samel, Eike Gallwitz, Hans Noever
In einer Höhle in den USA öffnen einige Höhlenforscher einen Hohlraum, in dem seit Jahrhunderten Lebewesen leben, die später „Avispa“ (spanisch für Wespe) genannt werden. Obwohl sie mehr wie eine missgelaunte Kreuzung aus Fledermaus und Hähnchen aussehen. Sie sehen nichts, aber sie haben ein sehr gutes Gehör und sie stürzen sich auf jedes Geräusch. Für diese Monster sind andere Lebewesen Nahrung. Sie verbreiten sich rasend schnell über die USA. Ob sie auch nach Europa, Afrika und Asien kommen, wissen wir nicht.
Schnell veröffentlicht die Regierung eine Warnung: „Schließen Sie alle Fenster und Türen. Machen Sie keine Geräusche. Fahren Sie nicht mit dem Auto. Gehen Sie nicht aus dem Haus. Bringen Sie sich in Sicherheit und verhalten Sie sich absolut still. Nehmen Sie diese Hinweise ernst und setzen Sie nicht Ihr Leben aufs Spiel!“
In diesem Moment denkt man an John Krasinskis Horrorfilm „A quiet Place“, der das Zeug zum Klassiker hat, den Kinosaal wirklich in einen quiet Place verwandelte und mindestens einen sehr interessanten Subtext hatte. All das hat der laute „The Silence“ nicht.
Außerdem inszenierte Krasinski seinen Horror-Thriller so gut, dass man erst lange nach dem Abspann über die nicht plausiblen Momente nachdachte. Zum Beispiel warum die Menschen die außerirdischen Monster nicht mit Geräuschen an bestimmte Orten lockten und dort töteten.
Immerhin tun das in „The Silence“ die Andrews‘ ab und an, aber halt nicht immer. Sie sind eine ganz normale, glückliche US-Familie. Der Vater Hugh Andrews (Stanley Tucci) ist ein Architekt. Er ist glücklich verheiratet mit Kelly (Miranda Otto). Sie haben zwei Kinder: die fast erwachsene, seit einem Unfall vor einigen Jahren taube Ally (Kiernan Shipka) und ihr zwölfjähriger Bruder Jude (Kyle Breitkopf). Kellys Mutter Lynn (Kate Trotter) lebt ebenfalls bei ihnen. Und sie haben einen Hund. Hughs bester Freund und Arbeitskollege Glen (John Corbett) begleitet sie am Anfang ihrer Reise. Denn die Andrews‘ ignorieren jede Warnung der Regierung. Sie verlassen ihr Haus und die Stadt und machen sich auf den Weg an irgendeinen Ort, der sicher vor den Avispas sein soll.
Später erfahren sie, dass es im Norden sicher sein soll, weil die Avispas Kälte nicht vertragen.
„Annabelle“-Regisseur John R. Leonetti inszeniert das als Reisegeschichte, die ihre eigene Prämisse und ihre Figuren niemals ernst nimmt.
Das beginnt schon damit, dass bei vielen Gesprächen mit der gehörlosen Ally alle sich gleichzeitig in Gebärdensprache unterhalten und miteinander reden. Nur ist es vollkommen unsinnig, etwas zu sagen, wenn man es gerade mit seinen Fingern zeigt. Im wirklichen Leben tut man das nicht, weil es keinen Grund dafür gibt.
Weiter geht es damit, dass die Menschen in Massen ihre Wohnungen verlassen und mit ihren Autos die Highways blockieren. So ein Megastau sieht zwar gut aus. Aber warum die geräuschsensiblen Avispas nicht alle Autofahrer auf der Autobahn attackieren, bleibt rätselhaft. Dafür werden die Andrews‘ und Glen später auf einer Waldstraße von den Avispas angegriffen.
Sowieso reagieren die Viecher mal auf Geräusche, mal nicht. Halt wie es gerade passt.
Entsprechend sorglos verursachen die Menschen immer wieder Geräusche und unterhalten sich.
Und die Idee, dass eine Person, die nichts hört, besonders gut gegen die Tiere, die auf jedes Geräusch reagieren, kämpfen kann, ist kompletter Blödsinn. Denn Ally, die die Protagonistin sein soll, hört überhaupt nicht, welche Geräusche sie verursacht. Sie ist die am wenigsten geeignete Person, um gegen Tiere zu kämpfen, die jede Geräuschquelle hemmungslos attackieren.
Dieser laxe Umgang mit der Prämisse fällt im Film schnell auf. Durchgehend ignorieren die Macher die von ihnen aufgestellten Regeln. Sie klatschen die bekannten Dystopie-Standard-Situationen lustlos und ohne irgendein Gefühl für Stimmung und Spannung hintereinander. Und auch wenn gerade einige Menschen von den Monstern angegriffen werden, bleibt es erstaunlich unblutig. Da ist jede Folge von „The Walking Dead“ brutaler.
„The Silence“ ist ein deprimierend einfallsloses B-Picture, das sogar beinharte Genre-Fans getrost ignorieren können.
The Silence (The Silence, USA/Deutschland 2018)
Regie: John R. Leonetti
Drehbuch: Shane Van Dyke, Carey Van Dyke
LV: Tim Lebbon: The Silence, 2015 (The Silence)
mit Stanley Tucci, Kiernan Shipka, Miranda Otto, Kate Trotter, John Corbett, Kyle Breitkopf, Billy MacLellan
Sark ist eine zu Großbritannien gehörende Insel im Ärmelkanal, die, so erzählt uns Regisseurin Bettina Borgfeld in ihrem Dokumentarfilm „Was kostet die Welt“, bis vor einigen Jahren ein Paradies war. Formal gehört die Insel zur britischen Krone, was bedeutet, dass die Inselbewohner sich nicht an britisches und nicht an EU-Recht halten müssen. Sie können sich ihre Gesetze selbst geben. Und das taten sie. Die knapp sechshundert Bewohner lebten damals einträchtig zusammen, halfen sich, zahlten keine Steuern und mussten auch sonst kaum Geld ausgeben. Die Politik wurde, ohne dass sich jemand beschwerte, von den wenigen Grundbesitzern, die auch nur ein Grundstück haben durften, gemacht. Sark war damals auch ein Feudalstaat. Weil aber niemand dagegen protestierte, lebten alle Sarker friedlich zusammen. Die Touristen, die das urige Inselleben ohne nervige Autoverkehr und mit viel Matsch genießen wollten, sorgten für gute Einnahmen für die Insel.
Das änderte sich, als 2007 die Barclay-Zwillingsbrüder David und Frederick in großer Menge Land aufkauften. Es hieß, sie wollten ein Luxusressort für Reiche schaffen. Nur, so fragten sich die Bewohner von Sark, warum sollen Menschen, die in Monaco und London in den besten Hotels absteigen, auf ihrer Insel Urlaub machen?
Borgfeld fragte sich das auch. Mit „Was kostet die Welt“ liegt jetzt ihre in vier Jahren Drehzeit entstandene Langzeitstudie über den Kampf zwischen den Inselbewohnern und dem internationalen Finanzkapital vor. Es ist ein klassischer David-gegen-Goliath-Kampf, in dem die mächtigen Bösewichter, die Barclay-Brüder, mit großzügig bezahlten Aufträgen und Jobs Inselbewohner einkaufen, in einer Zeitung rabiat und verleumderisch gegen die anderen Bewohner vorgehen und vor Gericht Reformen durchsetzen. So schaffen sie das Feudalsystem ab. Ab jetzt muss es einen demokratisch legitimierte und gewählte Inselregierung geben. Am 10. Dezember 2008 gibt es die ersten Wahlen auf Sark. Weil in den Wahlen die gegen die Barclay-Brüder eingestellten Kandidaten die Mehrheit der Sitze gewinnen, eskaliert der Konflikt in den nächsten Tagen – die Barclays schließen alle ihre Hotels – und Jahren.
Diesen auf den ersten Blick aussichtslosen Kampf zeichnet Borgfeld aus Sicht der Inselbewohner chronologisch bis in die Gegenwart nach. Dabei ist ihre Sympathie für die oft älteren Inselbewohner, deren Leben sie über Jahre verfolgt, immer spürbar und sie verklärt das Inselleben zur konfliktfreien, schützenswerten Idylle. Ein längeres Interview mit den Barclay-Brüdern oder einem ihrer hochrangigen Vertretern hätte für einen Ausgleich sorgen können. Aber die klagefreudigen und öffentlichkeitsscheuen Barclays verweigerten für den Film jedes Gespräch. Nur deren Statthalter kommt zu Wort. Er sagt das, was Angestellte sagen müssen und, nach der Qualität des Filmmaterials, musste Borgfeld hier auf andere Quellen zurückgreifen.
Ihre überzeugende These ist, dass die Barclays Sark kaufen, um die Insel zu einer Steueroase zu machen, die mit dem Hubschrauber von Paris und London erreichbar ist. Klassischer Tourismus spielt da keine Rolle.
Borgfeld zeigt in ihrer Fallstudie eindrücklich, wie internationale Finanzinvestitionen funktionieren und rücksichtslos gewachsene Beziehungen zerstören. Dieser Wandel geschieht auf Sark auf Druck der Barclay-Brüder schneller als an anderen Orten.
Am 6. Juni läuft „Push – Für das Grundrecht auf Wohnen“ in unseren Kinos an. In der ebenfalls sehenswerten Dokumentation wird gezeigt, wie internationale Investmentfirmen Wohnungen aufkaufen und leerstehen lassen, um sie so schnell gewinnbringend weiterzuverkaufen.
Natürlich kann Glaube in einem Film behandelt werden und natürlich kein ein solcher Film auch für Atheisten oder am Glauben vollkommen desinteressierte Menschen interessant sein. Der Film kann sogar ein Filmklassiker werden. Zum Beispiel Robert Bressons „Tagebuch eines Landpfarrers“, Ingmar Bergmans „Das siebente Siegel“, Pier Paolo Pasolinis „Das 1. Evangelium – Matthäus“, Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ oder auch Mel Gibsons sehr umstrittene „Die Passion Christi“. In diesen Filmen wird der christliche Glaube in verschiedenen Facetten thematisiert. Die Figuren hadern mit sich, ihrem Glauben, Gott und der christlichen Botschaft, nach der sie bestimmte Dinge tun sollten, und ihrem Leben. Diese Filme stellen Fragen nach dem Sinn des Lebens.
„Breakthrough – Zurück ins Leben“ tut das nicht. Er versucht es noch nicht einmal. Denn es handelt sich um einen glaubensbasierten Film (bzw. „faith-based movie“ oder „Christian Movie“). In den USA sind diese Filme ein kommerziell sehr erfolgreiches Marktsegment, das nur die Zuschauer im Bible Belt begeistern soll. Das Budget ist überschaubar. Bekannte Schauspieler, Autoren und Regisseure sind nicht involviert. Die Filme sind meistens in jeder Beziehung grottenschlecht. Bei uns in Deutschland laufen diese Filme fast nie im Kino und sie werden auch nur selten auf DVD veröffentlicht.
Warum das so ist, zeigt „Breakthrough – Zurück ins Leben“ fast schon exemplarisch. Und dabei gehört er dank des straffen Drehbuchs, der professionellen Regie und der engagierten Schauspieler noch zu den besseren Faith-based-Werken. Der Film erzählt die wahre Geschichte von John Smith aus Lake St. Louis, einem Vorort von St. Louis, Missouri. Der vierzehnjährige Junge bricht im Eis ein. Fünfzehn Minuten ist er unter Wasser. In der Notaufnahme wird später erfolglos versucht, ihn wiederzubeleben. Als Johns Adoptivmutter Joyce Smith ins Krankenhaus kommt, sagt der Arzt ihr, sie solle von John Abschied nehmen. Stattdessen beginnt Joyce Smith, aktives Mitglied einer Pfingstler-Gemeinde, Gott anzuflehen, ihren Sohn am Leben zu lassen. Ihr Gebet wird prompt erhört. Jetzt muss John nur noch aus dem Koma erwachen. Das geht, so erzählt uns der Film todernst, am Besten mit Gebeten.
Heute ist John wieder mopsfidel. Und seine Mutter schrieb ein Buch darüber, wie ihr Sohn von dem Tod zurückkehrte.
Das Problem des durchaus kompetent auf TV-Serienniveau gemachten Films (Roxann Dawson ist eine erfahrene TV-Serienregisseurin, Grant Nieporte schrieb „Sieben Leben“ und er hat seinen Syd Field gelesen, die Schauspieler stolpern nicht hilflos aus dem Bild) ist dabei nicht unbedingt seine Botschaft, sondern wie sie präsentiert wird und was für eine Art Glauben präsentiert wird. Präsentiert wird sie humorfrei und pathosgetränkt mit dem Holzhammer, der nur die eh schon Überzeugten in ihrer Meinung bestätigt.
Der christliche Glaube, der hier und in allen faith-based Movies, gezeigt wird, ist ein hoffnungslos naiver, kindischer Glaube. So fleht Joyce Smith Gott an, ihren Sohn vom Tod zurückzuholen und weil ihr Sohn überlebte, ist ihr Glauben gefestigt. Allerdings ist ihr Glaube rein zweckmäßig auf ein egoistisches Ziel ausgerichtet. Beim Tod ihres Sohnes hätte sie ohne zu Zögern von ihrem vorher wie eine Monstranz vor sich her getragenem Glauben abgeschworen. Schließlich hat Gott ihren Wunsch nicht erfüllt.
Es ist auch ein Glaube, der nicht reflektiert wird, über den nicht diskutiert wird und der auch keine rationalen Argumente für sich hat, sondern der nur überwältigen soll. Alles Gute wird auf Gottes Tun reduziert. Andere Erklärungen gibt es nicht oder sie werden in einem Nebensatz als idiotische Meinung eines Experten abgetan. So ist es, was auch ein Arzt im Film sagt, vollkommen normal, wenn eine im Koma liegende Person zuckt. Für Johns Mutter ist das kein Reflex, sondern eine von ihrem Sohn bewusst getätigte Bewegung.
Dieser primitive und von der Richtigkeit der eigenen Meinung überzeugte Laienglaube steht im Mittelpunkt von „Breakthrough“ (und auch anderen Faith-based Movies) und macht den Film zu einem Pamphlet, das noch nicht einmal zur Sonntagspredigt taugt.
Breakthrough – Zurück ins Leben (Breakthrough, USA 2019)
Regie: Roxann Dawson
Drehbuch: Grant Nieporte
LV: Joyce Smith: The Impossible: The Miraculous Story of a Mother’s Faith and Her Child’s Resurrection, 2017
mit Chrissy Metz, Josh Lucas, Topher Grace, Mike Colter, Marcel Ruiz, Sam Trammell, Dennis Haysbert
History vs. Hollywood über das Wunder – und warum es nicht auf die Richtigkeit von Fakten, sondern auf deren Interpretation ankommt erfahren wir in der nächsten Folge von…
Das Duell in Spielfilmlänge: in der linken Ecke Manfred Weber (CSU, Europäische Volkspartei), in der anderen Frans Timmermans (Europäische Sozialdemokraten). Welcher Spitzenkandidat wirbt überzeugender für die Europäische Union?
Um 22.15 Uhr treten dann die Spitzenkandidatinnen von Linken, Grünen, FDP und AfD gegeneinander an. Eine Stunde lang sprechen Özlem Demirel (Die Linke), Ska Keller (Bündnis 90/Die Grünen), Nicola Beer (FDP) und Jörg Meuthen (AfD) über ihre Ideen für die EU.
Als Julieta in Madrid zufällig eine Jugendfreundin ihrer Tochter, die vor zwölf Jahren gruß- und spurlos aus ihrem Leben verschwand, trifft, erinnert sie sich an ihr Leben und die Entscheidungen, die sie getroffen hat.
Ruhiges, komplexes Drama von Almodóvar, das er bescheiden eine Hommage an die Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro nennt. Die Grundlage für Julietas Geschichte sind die in „Tricks“ veröffentlichten Erzählungen „Entscheidung“, „Bald“ und „Schweigen“.
Als Rocker Gerd aus dem Knast entlassen wird, hat seine Freundin ihn verlassen. Sie ist jetzt mit dem Kleinkriminellen Ulf zusammen. Der hat gerade ein Auto geklaut und Probleme beim Finden eines Käufers.
Und schon sind wir mitten drin im Hamburger Kiezleben, das Klaus Lemke mit Laiendarstellern, Improvisationen und Feeling inszenierte. „Rocker“ ist ein in Hamburg immer wieder gern gezeigter Kultfilm.
mit Hans-Jürgen Modschiedler, Gerd Kruskopf, Paul Lys, Marianne Mim
Obwohl ihre Filme nicht mehr so oft im Fernsehen laufen, sind Stan Laurel und Oliver Hardy immer noch bekannt. Auch wenn man in Deutschland das Komikerduo lange Zeit vor allem als „Dick & Doof“ kannte und damit die Qualität ihrer Sketche konsequent auf Blödelniveau hinuntersanierte. Bis auf ein, zwei Ausnahmen entstanden ihre Filme zwischen 1927 und 1945.
1953 war ihre große Zeit als Hollywood-Duo vorbei. Die Wiederentdeckung im Fernsehen lag noch in der Zukunft. Stan Laurel (Steve Coogan) kann seinen früheren Arbeitskollegen Oliver Hardy (John C. Reilly), mit dem er sich vor Jahren verkrachte, überreden, eine Theatertour durch England zu machen. Dabei kann er mit den Finanziers für einen neuen Laurel-und-Hardy-Film sprechen. Und beide könnten ihre klammen Finanzen aufbessern.
Jon S. Baird („Drecksau“) erzählt, nach einem Drehbuch von Jeff Pope („Philomena“), die Geschichte dieser Tour und wie aus den Arbeitskollegen Freunde werden. Und es gibt einige immer noch vergnügliche Sketche von Laurel und Hardy, die hier von Steve Coogan und John C. Reilly mit einem beeindruckendem Timing präsentiert werden.
Dazwischen bemühen sich die beiden, wieder ihr Publikum zu erreichen. Stan Laurel ist die kreative Kraft des Duos, die an den Sketchen feilt und das Geld für einen Film auftreiben will. Oliver Hardy der gesundheitlich schwer angeschlagene Lebemann. Beide sind sie, einzeln und als Duo, Schnee von Gestern. Am Anfang sind in dem kleinen Provinztheater, in dem sie auftreten, die meisten Plätze frei und das Hotel, in dem sie übernachten sollen, ist eine billige Absteige. Nachdem sie während der Tour kräftig die Werbetrommel rühren, werden die Säle voller und größer.
Baird erzählt das betont altmodisch und sich dabei auf die Chemie zwischen Coogan und Reilly und die Laurel-und-Hardy-Sketche verlassend. Das so entstehende Tourtagebuch ist ein sehr vergnügliches Biopic mit etlichen garantierten Lachern und etwas Sentiment.
Stan & Ollie (Stan & Ollie, Großbritannien/Kanada/USA 2018)
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jeff Pope
LV (Inspiration): A.J. Marriot: Laurel and Hardy – The British Tours, 1993
mit Steve Coogan, John C. Reilly, Nina Arianda, Shirley Henderson, Danny Huston, Rufus Jones
Und dann gibt es noch „Ray & Liz“, ein Film, der ungefähr so vergnüglich wie eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung ist.
Richard Billingham, der bereits als Fotograf Preise erhielt und für den Turner-Preis nominiert war, erzählt in seinem Spielfilmdebüt die Geschichte seiner Kindheit und die seiner Eltern. Sie waren auch die Motive seiner ersten hochgelobten Bilder und Doku-Videos.
Dabei ist „Ray & Liz“ nicht offensichtlich platt autobiographisch, wie man es von anderen Erstlingswerken kennt, in denen die Debütanten ihre Geschichte und ihre Probleme mit sich, der Welt und ihren Eltern aufschreiben und sich als den Mittelpunkt der Welt sehen.
Im Gegenteil. Wenn man nicht wüsste, dass Billingham Szenen aus dem Leben seiner Eltern in den späten siebziger und achtziger Jahren, als er ein Kind war, und der Gegenwart nachinszeniert, würde man sie für dystopische Visionen aus einem anderen England halten. Ein England, das vollkommen aus der Zeit gefallen ist und aussieht, als habe man noch nicht den Schutt vom letzten Krieg weggeräumt. Nicht den vom II., sondern den vom I. Weltkrieg.
Es sind quälend langer Szenen aus einem deprimierendem Milieu. Es ist die untere Arbeiterklasse, die den Konsum von Alkohol für Bildung hält. Ray, Richard Billinghams Vater, hat eine Abfindung erhalten, die er in Alkohol umsetzt. Seine Frau Liz sitzt vor allem am Tisch, wo sie puzzelt und näht. Ob sie jemals etwas davon fertigstellt, wissen wir nicht. Sie raucht, schweigt und ist der fleischgewordene Inbegriff schlechter Laune. Ihre mütterliche Fürsorge besteht darin, ihre Kinder meistens nicht zu beachten. Den Alkoholvorrat bewacht sie dagegen mit Argusaugen.
In einer Rahmenhandlung begegnen wir einem älteren Ray, der immer noch billigen Schnaps in rauen Mengen trinkt und niemals sein Zimmer verlässt. Schließlich ist erhält er problemlos seine tägliche Dosis Fusel.
Billingham gestaltet diese Szenen wie detailgenaue Fotografien. Er beobachtet. Er erklärt nichts. Er verurteilt sie nicht. Er entschuldigt auch nichts. Er bemüht sich auch nicht, seine Figuren sympathisch zu gestalten. Und gerade das macht „Ray & Liz“ so großartig als absolut unsentimentaler Blick in das Leben in Armut, die hier keinen Glamour hat. Die Armen sind auch keine besseren Menschen. Sie sind Trinker. In jungen Jahren funktionierende Trinker. Später nur noch Trinker.
„Ray & Liz“ ist ein wichtiger und sehenswerter Film. Als Filmkunst. Es ist auch ein Film, der nur wenige Zuschauer finden wird.
Daran ändern die Preise, die das Drama bis jetzt erhielt, nichts. „Ray & Liz“ erhielt unter anderem in Locarno den Spezialpreis der Jury und bei den British Independent Film Awards 2018 den Douglas Hickox Award (Best Debut Director).
Ray & Liz (Ray & Liz, Großbritannien 2018)
Regie: Richard Billingham
Drehbuch: Richard Billingham
mit Ella Smith, Justin Salinger, Patrick Romer, Deirdre Kelly, Tony Way, Sam Gittins, Joshua Millard-Lloyd