LV: Richard Matheson: Duel (Kurzgeschichte, Playboy, April 1971)
Auf einem Highway irgendwo im Nirgendwo überholt Handelsvertreter David Mann einen Truck. Der König der Landstraße beginnt Mann zu verfolgen.
Steven Spielbergs erster Kinofilm. Naja, fast. Denn „Duell“ war zuerst ein in zwei Wochen gedrehter ABC-TV-Film (es werden mal 12, mal 13, mal 16 Drehtage genannt, wobei anscheinend nur 10 Drehtage geplant waren), der für die Kinoauswertung um einige Szenen erweitert wurde.
„Duell“ ist ein kleiner, knackiger Highway-Thriller, bei dem die Geschichte auf das Gerüst reduziert wurde. Mit einer guten Idee und einem guten Drehbuch, beides von Richard Matheson.
„Offen gesagt ist der Film voll technischer Spielereien und logischer Brüche. Aber am Ende der neunzig Minuten scheint kaum Zeit vergangen.“ (Fob, Variety)
mit Dennis Weaver, Eddie Firestone, Charles Seel, Lucille Benson
Mein Film ist eine Hommage an die ultimative Liebesgeschichte: voller Ambitionen, unmöglich, eine Liebe, die spektakulär und grenzenlos sein soll. Die Liebe, von der wir nicht zu träumen wagen, die Liebe, die nur im Kino, in Büchern und in der Kunst vorkommt.
„Laurence Anyways“ ist eine Hommage an die Zeit in meinem Leben, bevor ich Regisseur wurde, als ich ein Mann werden musste.
Xavier Dolan
Während andere gerade ihren ersten Film drehen, dreht der 1989 geborene Kanadier Xavier Dolan nach „I killed my Mother“ (2009) und „Herzensbrecher“ (2010) bereits seinen dritten Spielfilm „Laurence Anyways“, der, wie seine vorherigen Filme, in Cannes Preise gewann wurde und für den César als bester ausländischer Film nominiert war. Und während Gleichaltrige laue, in der Provinz spielende, autobiographische Coming-of-Age-Dramen abliefern, dreht Dolan einen Film über die Liebe, der zutiefst persönlich, aber nicht autobiographisch ist.
Denn Xavier Dolan ist nicht transsexuell.
Aber im Mittelpunkt seiner sich über ein Jahrzehnt erstreckenden Liebesgeschichte steht Laurence Alia (Melvil Poupaud), ein eloquenter, lebensbejahender, beliebter Frauenschwarm, Dichter und Schullehrer, der mit 35 Jahren feststellt, dass er eigentlich eine Frau sein möchte. Das sagt er seiner Freundin Fred (Suzanne Clément), mit der er seit zwei Jahren zusammen ist. Sie fragt sich, ob sie Laurence auch noch liebt, wenn er eine Frau ist. Denn sie ist nicht lesbisch und auch nicht bisexuell. Aber sie unterstützt den Menschen, den sie liebt. Ebenso seine Mutter (Nathalie Baye in einer kleinen, aber prägnanten Rolle), die ihr Kind als ihr Kind liebt.
Laurence stürzt sich voller Hoffnungen in das Abenteuer der Geschlechtsumwandlung und ausgehend von Laurences Geständnis entfaltet Dolan einen knapp dreistündigen Film, der wegen seiner Maßlosigkeit für sich einnimmt und auch deswegen verärgert. Denn „Laurence Anyways“ ist mit 159 Minuten einfach zu lang geraten. In dem ersten und längsten Teil erzählt Dolan, wie Laurence und seine Freunde mit seinem Geständnis umgehen. Da ist der Film eine mitreißende und für sich einnehmende Eloge an die Freundschaft, die Liebe und die Lebensfreude, unterlegt mit einer fetzigen Mischung aus damals aktuellen Popsongs und klassischer Musik.
Aber nach diesem grandiosen ersten Teil, in dem Xavier Dolan fast schon traumwandlerisch immer den richtigen Ton trifft, entgleitet ihm in den wesentlich kürzeren, 1995 und 1998 spielenden Teilen die Geschichte. Sie verliert ihren Schwung. Denn jetzt geht es um das Ende der Beziehung von Laurence und Fred. Sie verließ ihn in den frühen Neunzigern. Aber er verfolgt sie, die für ihn die große Liebe ist, mit teils behutsamer, teils penetranter Hartnäckigkeit. Gleichzeitig sind nicht alle seine Wünsche in Erfüllung gegangen. Diesen traurigen Teil, der auch radikal mit der vorherigen Stimmung bricht, will man nicht unbedingt sehen. Auch weil die Geschichte jetzt episodisch wirkt und zerfasert. So als ob Dolan nicht wüsste, wie er den Film beenden soll.
„Laurence Anyways“ ist, wie alle großen Liebesfilme, letztendlich ein Film über die Unmöglichkeit der großen Liebe, bei dem die ordnende Hand eines Regisseurs fehlt, der beherzt Szenen aus dem Film entfernt, den Film auf verträgliche zwei Stunden gekürzt und die Vision klarer herausgearbeitet hätte.
LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)
Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.
Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)
Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.
Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“
In China ist „The Grandmaster“ der erste Kassenhit von Wong Kar-Wai, dem Regisseur von so Perlen wie „Chungking Express“, „Fallen Angels“, „In the Mood for Love“, „2046“ und der Schwertkämpfer-Saga „Ashes of Time“. Und, auch wenn es für unser Hollywood-verwöhntes CGI-Auge nicht so aussieht, ist „The Grandmaster“ ein Blockbuster. Die Produktion dauerte drei Jahre. Für die Kung-Fu-Szenen trainierten die Schauspieler lange und echte Kung-Fu-Kämpfer berieten die Filmemacher bei den furiosen Kämpfen, in denen es immer wieder Kompromisse zwischen der Kampfkunst und den Anforderungen an einen Film gab. Denn in der Wirklichkeit wären einige Kämpfe, nach einem Schlag, einfach zu schnell vorbei. Der beeindruckende Kung-Fu-Kampf am Filmanfang wurde in dreißig (!) aufeinanderfolgenden Nächten im Regen, im Matsch, im Oktober und November gedreht.
„Ein oder zwei Jahre drehten wir nur Kämpfe, keine von den anderen Szenen. Ich wusste nicht mal, warum es in der Story ging. Erst in den letzten sechs Monaten der Filmaufnahmen drehte ich die Drama-Szenen“, erzählt Hauptdarsteller Tony Leung, der bereits mehrfach mit Wong Kar-Wai zusammen arbeitete. Neben dem Kampftraining beschäftigte Leung sich auch viel mit Bruce Lee, dem heute immer noch bekannten Schüler von Ip Man (1893 – 1972), dessen Leben in „The Grandmaster“ erzählt wird, wobei er in dem Film eine Mischung aus Ip Man und Bruce Lee ist und nicht alle Szenen auf wahren Ereignissen beruhen.
Der Film beginnt 1936 in der südchinesischen Stadt Foshan. Dort gibt es einen Wettbewerb zwischen Vertretern der verschiedenen Kampfschulen, den Ip Man gewinnt und er eine Beziehung zu Gong Er, der ebenfalls kampfeskundigen Tochter seines Gegners, beginnt. 1938 marschieren die Japaner in Foshan ein. Ip Man verliert seinen gesamten Besitz. Er geht nach Hongkong.
Währenddessen wird Gong Ers Vaters von seinem Meisterschüler Ma San, der mit den Japanern kollaboriert, getötet. Sie schwört Rache. Auf einem Bahnsteig kommt es vor einem abfahrendem Zug (der gefühlt mindestens einen Kilometer lang ist) zu einem Kampf zwischen den Beiden.
1952 treffen Ip Man und Gong Er sich wieder in der britischen Kronkolonie Hongkong. Sie ist inzwischen Ärztin. Er leitet eine Kung-Fu-Schule. Einer seiner Schüler ist Bruce Lee.
Wong Kar-Wai erzählt diese Geschichte in erlesenen Bildern, sich immer wieder in Nebensträngen verlierend, elliptisch und auch arg fragmentarisch. Immerhin ist Ip Man in Hongkong eine bekannte Person und auch sein Leben und die politischen Hintergründe, wie der Krieg zwischen China und Japan, sind bekannt. Bei uns ist er dagegen, wie die damaligen politischen Wirren, ziemlich unbekannt und daher fallen die Probleme in der Filmgeschichte noch mehr auf.
Davon abgesehen wirkt „The Grandmaster“ wie ein edles Stück Dekor, bei dem alles liebevoll von Meisterhand gefertigt wurde, aber letztendlich bewundert man die dunklen, oft ins bräunliche tendierenden Bilder, wie Ausstellungsstücke, nur. Nie entsteht eine emotionale Bindung. Dafür bleiben die Charaktere zu rätselhaft. Gerade in den dramatischen Szenen bleiben die Schauspieler zu sehr in sich gekehrt und so bewegungslos, dass man glaubt, eine Fotografie zu betrachten. Entsprechend blass und behauptet bleibt die Liebesgeschichte zwischen Ip Man und Gong Er, die eine Erfindung der Filmemacher ist. Auch der soziale Abstieg von Ip Man von einem wohlhabenden chinesischen Landbesitzersohn, der als Vierzigjähriger alles, auch seine Familie, verliert und in Hongkong vollkommen verarmt als Bettler ankommt, ist eher behauptet. Denn Ip Man erträgt diesen Abstieg stoisch ohne eine Miene zu verziehen. Und weil er sich auch in seiner Heimatstadt Foshan meistens in einem kargen Trainingsraum oder im „Gold Pavillon“, einem Freudenhaus, in dem das gesellschaftliche Leben und die Kämpfe stattfinden, aufhält, fällt nicht auf, dass er plötzlich auf seinen Besitz verzichten muss.
Die Kamera verstärkt diese Distanz weiter. Denn Zeitlupe und Zeitraffer sind die bestimmenden Stilmittel, die gefühlt während des gesamten Films angewandt werden und so ihre eigentliche Wirkung verfehlen. Denn anstatt stärker in den Film involviert zu werden, fühlt man sich außen vor.
Die Kämpfe sind zwar einerseits spektakulär, weil man schon mehr ahnt als sieht, dass hier wirkliche Könner am Werk sind. Aber andererseits auch enttäuschend, weil sie eben so zerschnipselt sind, dass man ihnen kaum folgen kann und am Ende, nach den vielen Gesprächen über die verschiedenen Kampfstile, die ungefähr so interessant wie eine „Raumschiff Enterprise“-Fan-Diskussion sind, hat man den Eindruck, dass Kung Fu der Kampf ist, in dem Menschen in Zeitlupe rückwärts durch Fensterscheiben fliegen.
So ist „The Grandmaster“ letztendlich eine artifizielle und auch museale Liebeserklärung an den Kung-Fu-Film und das Kino der dreißiger Jahre, als die Kamera unbeweglicher war und seltener geschnitten wurde. Beim Sehen hat man immer das Gefühl, durch einen erlesenen Fotobildband zu blättern. Und als Bildband oder auch Comic würde „The Grandmaster“ mir sicher besser gefallen.
The Grandmaster (Yi Dai Zong Shi, Hongkong/China 2013)
Regie: Wong Kar-Wai
Drehbuch: Zou Jing-Zhi, Xu Hao-Feng, Wong Kar-Wai
mit Tony Leung, Zhang Zi-Yi, Chang Chen, Song Hye-Kyo, Wang Qing-Xiang, Zhao Beh-Shan, Zhang Jin, Shang Tie-Long
Wahrscheinlich gibt es in Hollywood irgendwo eine Abteilung, die einfach die Filmrechte an den neuesten Bestsellern kauft. Immerhin wurde auch Mark Kermodes Bestseller „The Good, the Bad and the Multiplex – What’s wrong with modern movies?“ optioniert und sogar Kermode gibt zu, dass er keine Ahnung hat, warum und wie Hollywood sein Buch verfilmen will.
Max Brooks hat sich das sicher auch gefragt, als Hollywood noch vor der Veröffentlichung von „World War Z“ die Filmrechte kaufte. Denn er erzählt, anhand von Gesprächen mit Überlebenden des Krieges gegen Zombies den weltweiten Krieg gegen die Untoten von den Anfängen in China bei dem Staudamm der drei Schluchten über die Ausbreitung bis zum Ende. Das ist eine faszinierende Lektüre, die allerdings nichts hat, was sie für eine Verfilmung prädestiniert. Außer man möchte eine Ansammlung von Kurzfilmen mit ständig wechselnden Charakteren sehen. Sogar Steven Soderberghs Seuchenthriller „Contagion“ begleitete seine Charaktere (sofern sie nicht starben) durch die gesamte Pandemie. Entsprechend entspannt sah Max Brooks, der Sohn der Hollywood-Legenden Mel Brooks und Anne Bancroft, der Verfilmung entgegen. Er wusste, dass die Verfilmung sich stark von seinem Buch unterscheiden wird und er hatte recht. Die Verfilmung hat mit dem Buch, außer Zombies (mit einigen entscheidenden Änderungen), dem globalen Fokus und einigen Details nichts mit dem Buch gemein. Das ist, wie gesagt, wenig überraschend, aber als Fan sollte man keine Verfilmung des Buchs erwarten.
In dem Film soll Gerry Lane (Brad Pitt), ein supertaffer Ex-UN-Ermittler, der jetzt auf glücklicher Familienvater macht, den Patient Null finden. Die US-Regierung (jedenfalls die wenigen Personen, die noch menschlich sind) hofft, dort die Erklärung für die Seuche und ein Gegenmittel zu finden. Lane macht sich auf den Weg um den halben Globus. Nach Korea. Nach Israel. Nach Wales. Und wieder zurück in die USA. Genaugenommen Nova Scotia im benachbarten Kanada. Dabei muss er immer wieder vor Zombies flüchten, weil in dem Film Menschen sich nach einem Biss in Sekundenbruchteilen in einen Zombie verwandeln, der wie irre hinter anderen Menschen herrennt. Das erinnert dann doch eher an den Rage-Virus, den wir aus „28 Days later“ und der Fortsetzung „28 Weeks later“ kennen.
In dem Buch verwandeln sich die Menschen nur langsam in Zombies. Manchmal dauert es Tage oder sogar Wochen. Außerdem sind die Zombies, wie bei Zombie-Guru George A. Romero, eine träge schlurfende Masse, die gerade deshalb so furchterregend ist. In dem Film, wenn die Zombies in Israel über eine hochhaushohe Mauer stürmen, oder sich, wie die Wassermassen eines gebrochenen Staudamms, über umstürzende Busse und die engen Gassen einer Stadt ergießen, oder sie in einem Flugzeug die Passagiere flugs in Zombies verwandeln, dann ist das zwar optisch beeindruckend, aber ohne viel Suspense. Die gibt es dann im letzten Drittel des Films, wenn Lane sich in einem WHO-Forschungslabor an einigen Zombies vorbeischleichen muss, um an ein Serum zu gelangen und jedes Geräusch die in den Gängen sinnlos herumstolpernden Zombies zu menschenfressenden Bestien machen kann.
Die rudimentäre Filmgeschichte dient natürlich vor allem dazu, den Helden um die halbe Welt zu schicken und die Auswirkungen der Katastrophe zu betrachten. Auch wenn es arg unglaubwürdig ist, dass ausgerechnet er und nur er den Ursprung der Seuche und ein Gegenmittel finden kann – und um ihn zu schützen, Dutzende Elitesoldaten brav in den Tod gehen und Passagierflugzeuge, wenn gerade eine Horde Zombies über das Rollfeld stürmt, abwarten, bis Mr. Lane eingestiegen ist.
Aber im Gegensatz zu seinem komplett vergurkten James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ gelingt Marc Forster („Monster’s Ball“, „Schräger als Fiktion“, „Drachenläufer“) es in „World War Z“ die Actionszenen mit den intimen Momenten zu verbinden. Die Massenszenen sind schick choreographiert. Die Telefonate von Gerry Lane mit seiner Frau sind nicht allzu schwülstig geraten. Und die Action geht nicht in einem Schnittgewitter unter.
„World War Z“ ist ein absolut okayer Zombiefilm, der – erwartungsgemäß – kaum etwas mit der Buchvorlage gemein hat.
Vom Buch wurde, wie gesagt, wenig übernommen. Eigentlich nur die abgeänderte Geschichte vom ersten Auftauchen eines Zombies in Asien, die Flucht auf Schiffe, die Eingangskontrolle nach Israel und, in dem Passagierflugzeug, der Hund, der die Zombies riechen kann. Wobei diese beiden Elemente im Film keinen richtigen Sinn mehr ergeben, weil die Macher sich dazu entschlossen, – und das ist die schwerwiegendste Änderung -, die Zombies rennen zu lassen. Es sind nicht mehr die Romero-artig schlurfenden Zombies. Ebenso wurde auf den multiperspektivischen Ansatz der Vorlage, der besser in einer TV-Serie oder einem Ensemblefilm, wie „Traffic“, „Syriana“ oder „Contagion“ (um einige neuere Beispiele zu nennen), funktioniert, aber auch kommerziell schwierig ist, verzichtet.
Übernommen wurde allerdings die Idee aus der Buchvorlage, dass in diesem Zombiefilm der weltweite Krieg der Menschen gegen die Zombies gezeigt wird. Aber die Macher entschieden sich, kommerziell sicher eine richtige Entscheidung, für einen Protagonisten und erzählen ganz traditionell dessen Geschichte als kurzweiliges Blockbuster-Kino.
World War Z (World War Z, USA 2013)
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)
Minnie und Moskowitz (USA 1971, R.: John Cassavetes)
Drehbuch: John Cassavetes
Parkplatzhelfer Moskowitz verliebt sich in die kunstsinnige Museumsangestellte Minnie – und wir erleben die Cassavetes-Version von „Gegensätze ziehen sich an“: eine improvisierte Screwball-Comedy ohne RomCom-Schwülstigkeiten.
Indie-Klassiker, der nie in Deutschland verliehen wurde und der so selten im TV läuft, dass er noch nicht einmal unter „selten gezeigt“ abgelegt werden kann. Also: Anseh- und Aufnahmebefehl.
mit Gena Rowlands, Seymour Cassel, Val Avery, Tim Carey, Katherine Cassavetes, John Cassavetes
Zwischen den TV-Serien „Solo für O.N.K.E.L.“ (The Man from U.N.C.L.E., 1964 – 1968), mit der David McCallum als russischer Agent Illya Kuryakin zum Weltstar aufstieg, und „Navy CIS“, in der er seit zehn Jahren den Gerichtsmediziner Dr. Donald Mallard spielt, war er unter anderem Dr. Daniel Westin in der kurzlebigen Science-Fiction-Serie „Der Unsichtbare – The Invisible Man“, die jetzt komplett, inclusive der damals in Deutschland nur gekürzt ausgestrahlten Pilotfolge in voller Länge und den zwei bei uns nicht ausgestrahlten Folgen, auf DVD vorliegt.
Die von Steven Bochco („Polizeirevier Hill Street“, „NYPD Blue“) und Produzent Harve Bennett („Der sechs Millionen Dollar Mann“, die „Star Trek“-Filme II, III, IV, V) erfundene Serie basiert auf H. G. Wells‘ Roman „The Invisible Man“, übernahm von ihm allerdings nur die Prämisse, nämlich dass ein Wissenschaftler bei einem Experiment unsichtbar wird und jetzt verzweifelt nach einem Gegenmittel sucht. Bei Wells diente diese Unsichtbarkeit auch dazu, moralische Fragen zu stellen: vor allem, ob wir uns auch dann an Gesetze halten, wenn wir für eine Übertretung nicht bestraft werden und welche Folgen Unsichtbarkeit auf unsere Psyche hat.
Das ist Bochco und Bennett, auch wenn es im Pilotfilm in Schwundstufen angedacht wird, herzlich egal. Bei ihnen ist der Unsichtbare ein ausgeglichener, glücklich verheirateter Mann, der vor allem als Quasi-Geheimagent unterwegs ist; dies aber eigentlich nur im sonnigen Kalifornien tun kann, weil die Unsichtbarkeit sich nur auf seinen Körper erstreckt. Das heißt: unser Held muss ständig nackt durch die Landschaft laufen.
Und das muss er ziemlich oft tun für die Klae Resource, einem klandestinen Teil der Klae Corporation, einem – hm – Teil des militärisch-industriellen Komplexes, der gleichzeitig so eine Art Mini-CIA ist und auch in schmutzige Geschäfte verwickelt ist. Jedenfalls wird das im Pilotfilm angedeutet. Denn Westin, der mit seiner Frau für sie forscht, und der sich bei seinem Unsichtbarkeitsforschungen permanent unsichtbar machte, will zunächst nicht weiterforschen, weil er befürchtet, dass seine Erkenntnisse für militärische Zwecke verwandt werden. Laborleiter Walter Carlson kann ihn allerdings überzeugen, für die Klae Resource gelegentlich spezielle Aufgaben, bei denen seine Unsichtbarkeit vorteilhaft ist, zu übernehmen. Dafür kann er an einem Mittel gegen seine Unsichtbarkeit forschen. In einigen der späteren Folgen steht Dr. Westin dann auch forschend in seinem Labor.
Meistens läuft er allerdings nackt und unsichtbar durch die Gegend und holt für die Klae Resource die Kastanien aus dem Feuer. Dabei sind die Fälle eher für einen durchtrainierten Geheimagenten als für einen Forscher geeignet. Er muss herausfinden, wie in Washington eine hochrangige Mitarbeiterin Geheimunterlagen aus dem Parlament schmuggelt. Er muss Überläufern helfen. Er muss herausfinden, wie und warum ein Geisterbeschwörer einen wichtigen Abgeordneten beeinflusst. Er soll herausfinden, ob ein Diplomat Gemälde aus dem Weißen Haus geklaut hat. Er sucht die Entführer der Firmenchefin. Er entlarvt eine korrupte Kleinstadtspitze, die ihn, wie viele andere Menschen, wegen des Vorbeifahrens an einem Schulbus, der als Dummenfalle aufgestellt wurde, zu einer hohen Strafe verurteilt. Er hilft einer Klae-Putzfrau, die sich Sorgen um ihren in Texas in einem Gefängnis sitzenden Sohn macht, diesen zu befreien und die korrupte Gefängnisleitung hinter Gitter zu bringen. Und in „Klimpergeld“ hilft er Carlsons Tante, die sich bei Kartenspielen hoch verschuldete und Geld aus ihrer Bank entwendete. Um ihr zu helfen, inszeniert Westin einen Banküberfall und gerät in einen weiteren Banküberfall. In dieser Folge wird am stärksten mit surrealen Comedy-Elementen gespielt, wenn die Westins die Tante besuchen und überall Geldscheine herumflattern und liegen und alle die Scheine ignorieren oder wenn bei dem Banküberfall alle in ikonischen Frankensteins-Monstermasken (die Boris-Karloff-Ausgabe) herumlaufen.
Das alles ist, auch für den Siebziger-Jahre-Standard, ziemlich träge geschrieben, lahm inszeniert, reichlich unlogisch und weitgehend humorfrei gespielt. Da helfen auch nicht die netten Unsichtbarkeitstricks weiter.
Immerhin bleibt so reichlich Zeit, darüber nachzudenken, warum die Macher nicht einen Geheimagenten unsichtbar machten, warum niemand den Unsichtbaren neben sich spürt und warum eine so alltagsuntaugliche Form der Unsichtbarkeit entdeckt wurde. Ich meine: wer will schon nackt und barfuss durch die Gegend laufen?
Der Unsichtbare – The Invisible Man (The Invisible Man, USA 1975/1976)
Erfinder: Harve Bennett, Steven Bochco
LV: H. G. Wells: The Invisible Man, 1897 (Der Unsichtbare)
Musik: Henry Mancini, Pete Rugolo
mit David McCallum (Dr. Daniel Westin), Melinda O. Fee (Dr. Kate Westin), Craig Stevens (Walter Carlson)
Gaststars: John Vernon, Farley Granger, Monte Markham, Oskar Homolka
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 1,33:1/4:3
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Pilotfolge in der Langfassung (teilweise Originalton mit festen Untertiteln)
Länge: 657 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
–
„Der Unsichtbare“ Dr. Daniel Westin in Action
Experiment mit Folgen (The Invisible Man)
Regie: Robert Michael Lewis
Drehbuch: Steven Bochco (nach einer Geschichte von Harve Bennett und Steven Bochco)
–
Armer, reicher Mann (The Klae Resource)
Regie: Robert Michael Lewis
Drehbuch: Steven Bochco
–
Ein seltener Vertreter seines Fachs (The Fine Art of Diplomacy)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: James D. Parriott
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Hokuspokus im Senat (Man of Influence)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Seeleg Lester, Rick Blaine (nach einer Geschichte von Rick Blaine)
–
Sie macht’s nur mit den Augen (Eyes Only)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Leslie Stevens
–
Barnard will raus (Barnard wants out)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: James D. Parriott
–
Blinde sehen mehr (Sight Unseen)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Brian Rehak (nach einer Geschichte von Brian Rehak und Kandy Rehak)
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Im Kittchen ist ’ne Zelle frei (Go directly to Jail)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Steven Bochco
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Rotes Licht wird teuer (Stop when Red Lights flash)
Regie: Gene Nelson
Drehbuch: Seeleg Lester
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Klimpergeld (Pin Money)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: James D. Parriott
–
Familienkrieg (The Klae Dynasty)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Philip DeGuere
–
Power Play (Power Play)
Regie: Alan J. Levi
Drehbuch: Leslie Stevens
–
Auf der Suche nach dem verlorenen Gesicht (An Attempt to Save Face)
Regie: Don Henderson
Drehbuch: James D. Parriott, Leslie Stevens (nach einer Geschichte von Leslie Stevens)
Pina – tanzt, tanzt sonst sind wir verloren (D 2010, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
Spielfilmlange poetisch-stimmungsvolle Liebeserklärung an die 2009 verstorbene Choreographin Pina Bausch. Im Zentrum stehen vier Inszenierungen der Künstlerin, die vom Wuppertaler Tanzensemble auch abseits der Theaterbühne präsentiert werden.
Im Anschluss, um 21.55 Uhr, läuft das Tanzstück „Pina Bausch: Vollmond“.
Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).
Mit ihrem Edgar-nominierten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.
Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.
Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David
Hamburg: Einbruchsspezialist Joe Collins will die Bank ausrauben, die ein von ihm konstruiertes todsicheres Sicherheitssystem hat.
Unterhaltsames Caper-Movie, das nicht mit den Klassikern mithalten kann, aber Hamburg, eine gute Besetzung und die Musik von Quincy Jones auf der Habenseite hat.
Für die Planung des Einbruchs setzte Richard Brooks sich mit einem Ingenieur, der für eine Panzerschrankfirma arbeitete zusammen, ließ ihn eine uneinnehmbare Bank entwerfen und gemeinsam überlegten sie, wie sie diese Bank ausrauben könnten.
mit Warren Beatty, Goldie Hawn, Gert Fröbe, Robert Webber, Scott Brady, Artur Brauss, Wolfgang Kieling
Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)
Drehbuch: José Giovanni
LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965
Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen finden.
Ein selten gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.
„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)
Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin
Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)
Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.
Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone
Harry Deane (Colin Firth), ein kleiner, biederer und in jeder Beziehung ziemlich gehemmter Kurator für den vermögenden Kunstmäzen Lord Lionel Shahbandar (Alan Rickman), hat genug. Er will sich von dem arroganten Medienmogul Shahbandar nicht länger demütigen und ausnutzen lassen. Daher ersinnt er einen perfekten Plan, der rabiat mit der Wirklichkeit kollidiert und die Gegensätze, vor allem zwischen britischem Snobismus und amerikanischer Haudrauf-Mentalität, verkörpert durch das Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz), aufeinanderprallen.
„Gambit – Der Masterplan“ hätte eine witzige Gaunerkomödie werden können, wenn nicht irgendwo in der Entwicklung etwas vollkommen schiefgelaufen wäre. Und dabei sind die größten Probleme des Films nicht, dass er jahrelang in der Entwicklungshölle war, oder dass er ein Remake ist. Denn Joel und Ethan Coen, die das Drehbuch schrieben, übernahmen erstaunlich wenig vom Original „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (Gambit, USA 1966). Ronald Neame inszenierte die eher unbekannte Komödie mit Michael Caine als Harry Deane, Shirley MacLaine als Nicole Chang und Herbert Lom als Scheich Shahbandar, der immer noch seiner vor Jahren verstorbenen Frau hinterhertrauert und eine wertvolle Büste hat, die Harry Deane klauen will. Damit Deane seinen Diebstahl durchziehen kann, soll Chang, die der Toten wie ein Zwilling ähnelt, Shahbandar ablenken. Aber der sehr weltliche Araber hat das Gaunerpärchen durchschaut.
Außer den Namen, dem Zusammenprall unterschiedlicher Mentalitäten und Bildungsniveaus (damals Prostituierte – Scheich, heute Cowgirl – Medienmogul), dem Tausch von Original und Fälschungen (wobei es in der Auflösung zwischen Original und Remake einige Unterschiede gibt) und der Idee, dass wir am Anfang, in einer Fantasie von Harry Deane sehen, wie der Coup ablaufen soll, und dann sehen, dass eigentlich nichts von seinem Plan funktioniert, haben die Coens herzlich wenig vom „Mädchen aus der Cherry-Bar“ übernommen.
Dafür haben sie ihre Version, wie schon ihre fast zeitgleich entstandene unlustige Screwball-Komödie „Ein (un)möglicher Härtefall“ (Intolerably Cruelty, USA 2003) und ihre ebenfalls unlustige „Ladykillers“-Version „Ladykillers“ (USA 2004), mit viel veraltetem Sechziger-Jahr-Humor angereichert. Es gibt einen hübsch animierten Vorspann, wie wir es aus den „Der rosarote Panther“-Filmen kennen. Es gibt snobistisches Hotelpersonal. Es gibt eine lange Sequenz, in der Harry Deane aus reiner Geldnot aus einem Nobelhotel eine wertvolle Vase stehlen will, dabei zum Fassadenkletterer wird, sich in verschiedene Hotelzimmer verirrt, den Verdacht amouröser Abenteuer provoziert und seine Hose verliert. Es gibt Klassengegensätze, wie wir sie aus Komödien der fünfziger und sechziger Jahre kennen, als die britischen Briten abschätzig auf die ungebildeten Amerikaner herab blickten. Es gibt Witze, die damals vielleicht witzig waren, aber heute ungefähr so zündend wie ein nasser Silvesterkracher sind.
Da kann die hochkarätige Besetzung nichts mehr retten. Colin Firth hat es dabei am Schlechtesten erwischt. Denn nachdem ich wusste, dass Michael Caine im Original (das ich damals noch nicht kannte) die Rolle gespielt hatte, fragte ich mich während des Films ständig, wie Michael Caine die Rolle gespielt hätte – und diese Fantasie gefiel mir besser als Colin Firth in einer witzlosen Komödie.
Nachdem ich jetzt auch das Original gesehen habe, weiß ich, dass Caine die Rolle besser spielte – und dass ein Remake von einer weitgehend unlustig-zähen Gaunerkomödie nicht unbedingt zu einem besseren Film führt.
„Gambit – Der Masterplan“ ist eine unwitzige Retro-Komödie.
Gambit – Der Masterplan (Gambit, USA 2012)
Regie: Michael Hoffman
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
mit Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci, Cloris Leachman
Auf dem Papier klingt das ziemlich Gaga (eine Nonne, die in New York Pornoschriftstellerin ist, hilft einem international gesuchtem Gangster mit Gedächtnisverlust; während sie von den Killern eines Syndikats verfolgt werden, treffen sie unter anderem einen frustrierten Pornostar und einen linkisch-psychopathischen Steuerberater), aber auf der Leinwand ist „Amateur“ ein wunderschöner Independent-Film von dem damals sehr populärem Hal Hartley, der in den letzten zehn Jahren ziemlich von der Bildfläche verschwand.
„‘Amateur’ ist kein eindeutiges Genrekino, sondern ein übergreifendes, in dem die Charaktere scheinbar willkürlich modelliert, demontiert oder deformiert werden. Viele Zitate verweisen auf filmgeschichtliche Zusammenhänge, aber Hartleys Versuchsanordnung ist mehr als nur eine Anspielung, da er ein Handlungskaleidoskop anbietet, in dem bewusst nicht die Logik, sondern der Zufall bestimmt.“ (Fischer Film Almanach 1995)
mit Isabelle Huppert, Martin Donovan, Elina Lowensohn, Damian Young, Chuck Montgomery
Snatch – Schweine und Diamanten (GB/USA 2000, R.: Guy Ritchie)
Drehbuch: Guy Ritchie
Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.
Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.
Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie
Endstation Bad Kleinen – Vom Versagen deutscher Sicherheitsorgane (D 2013, R.: Anne Kauth)
Drehbuch: Anne Kauth
Gut einstündige Doku über den missglückten, chaotischen und nie vollständig aufgeklärten Polizeieinsatz in Bad Kleinen am 27. Juni 1993 bei dem der gesuchte RAF-Terrorist Wolfgang Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella im Kugelhagel starben – und die Sicherheitsbehörden mit ihrer ebenso chaotischen Pressearbeit Öl ins Feuer der Verschwörungstheorien gossen.
Innenminister Rudolf Seiters (CDU) übernahm die politische Verantwortung für den desaströsen Einsatz und trat zurück. Daran sollten sich einige Politiker, die fester als Patex an ihrem Stuhl kleben, ein Beispiel nehmen.
Kauth unterhielt sich für ihre Rekonstruktion der Ereignisse mit den damals Verantwortlichen.
Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)
Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.
In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.
Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.
Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.
Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack
Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?
Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).
Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr
Der Knochenmann (Aus 2009, R.: Wolfgang Murnberger)
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
LV: Wolf Haas: Der Knochenmann, 1997
Brenner fährt auf’s Land. Eigentlich soll er ein geleastes Auto zurückholen. Aber dann gefällt’s ihm im Wirtshaus von Löschenkohl zu gut, er verliebt sich in die Schwiegertochter des Wirts und stolpert in eine veritable Mordgeschichte. Denn der Löschenkohl wird erpresst, beseitigt seine Erpresser und muss auch auf seinen blöden, aber ambitionierten Sohn aufpassen.
Die dritte Auflage der Ösi-Variante eines Action-Films, eines Whodunit und einer Krimikomödie hat weniger bekannte Namen und weniger Lacher als „Komm, süßer Tod“ und „Silentium“. Dafür ist „Der Knochenmann“ noch desillusioniert-gemeiner in seinem Blick auf die Menschen und Josef Hader hat im Privatdetektiv Brenner die Rolle seines Lebens gefunden.
Mit Josef Hader, Josef Bierbichler, Simon Schwarz, Birgit Minichmayr, Stipe Erceg, Christoph Luser, Dorka Gryllus