TV-Tipp für den 9. Juli: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Juli 8, 2017

3sat, 20.15
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
3sat zeigt heute den ganzen Tag Krimis: viel Agatha Christie (u. a. um 16.35 Uhr und 01.25 Uhr den „Mord im Orient-Express“), um 13.00 Uhr „Wachtmeister Studer“ (die Verfilmung von 1939), um 18.40 Uhr „Es geschah am hellichten Tag“ (die bekannte Rühmann/Fröbe-Verfilmung), um 22.00 Uhr „Broken City – Stadt der Verbrechen“ und um 23.40 Uhr „22 Kugeln – Die Rache des Profis“.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

TCM über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 7, 2017

Wer den Film vor einigen Tagen verpasste:

One, 21.45

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Montag, 10. Juli, 01.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Miss Sloane und „Die Erfindung der Wahrheit“

Juli 7, 2017

Elizabeth Sloane ist ein Star in der Lobbyisten-Branche in Washington, D. C.. Skrupel kennt sie nicht. Wenn sie einen Auftrag übernimmt, ist der Wunsch des Auftraggebers bereits Gesetz. Deshalb freut sich die Waffenlobby über ihr Engagement gegen den von ihr abgelehnten Heaton-Harris-Bill. Das ist ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf zur stärkeren Kontrolle des Verkaufs von Schusswaffen; – okay, im heutigen Washington ist ein solcher Gesetzesvorschlag sehr fiktiv.

Mitten während der Verhandlungen zu dem Gesetz wechselt Sloane aus für ihre Kollegen und auch für uns Zuschauer nicht nachvollziehbaren Gründen die Seiten. Sie geht mit fast ihrem gesamten Team zu einer deutlich kleineren, moralisch integeren Lobby-Firma. Ab diesem Moment kämpft sie gegen ihre früheren Arbeitgeber und Kunden.

Irgendetwas muss bei ihrem Kampf für das Gesetz allerdings schief gegangen sein. Denn am Filmanfang muss sich Elizabeth Sloane in einer öffentlichen Anhörung eines Senatsuntersuchungsausschusses verteidigen. Sie soll gegen die Verhaltensregeln für Lobbyisten verstoßen haben. Dafür könnte sie mit einem Berufsverbot bestraft werden.

Während der deutsche Titel „Die Erfindung der Wahrheit“ vieldeutig ist, gibt der Originaltitel des von „Best Exotic Marigold Hotel“-Regisseur John Madden inszenierten Films schon eine eindeutige Richtung an. „Miss Sloane“ ist er und damit ist klar, dass Elizabeth Sloane, glänzend gespielt von Jessica Chastain, im Mittelpunkt des Dramas steht, das auch einen Blick hinter die Kulissen des Lobby-Geschäfts in Washington wirft.

Die mit dem Porträt von Miss Sloane verbundene Geschichte funktioniert allerdings nur bedingt. Das beginnt mit ihrem plötzlichen Jobwechsel, der so unvermittelt kommt – Rodolfo Schmidt, der Chef der Konkurrenzfirma spricht sie nachts auf offener Straße an und gibt ihr einen Zettel, dessen Inhalt wir erst am Filmende erfahren und der sie dazu bringt, die Firma zu wechseln –, dass man bei dem Wechsel des Arbeitgebers nie glaubt, dass sie wegen ihres Gewissens die Seiten wechselte. Aber einen besseren Grund findet man nicht. So bleibt dieser Wechsel bis zum Schluss eine nicht in ihrem Charakter begründete Drehbuchidee. Auch das Komplott, das zu ihrer Ladung vor den Ausschuss führte, und Miss Sloanes genialer Plan, um ihr Ziel (oder ihre Ziele) zu erreichen, enttäuschen. Von einer Meisterstrategin wäre da mehr zu erwarten gewesen.

Unklar bleibt auch, warum das Gesetz unbedingt jetzt beschlossen werden muss; – wobei Elizabeth Sloane zuerst auf den Seiten der Verhinderer, der Status-Quo-Bewahrer, kämpft. Sie haben inen guten Grund, um gegen die jetzige Verabschiedung des Gesetzes zu kämpfen. Die Befürworter des Gesetzes, die eine stärkere Waffenkontrolle wollen, könnten mit etwas zeitlichem Abstand oder über andere Wege einfach wieder versuchen, ihr Anliegen durchzusetzen. Sie haben keine Eile. Sie müssen einfach nur einige weitere Menschen von ihrem Anliegen überzeugen. Trotzdem inszeniert Madden, nach einem Drehbuch des Debütanten Jonathan Perera, einen Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen, in dem es um jede Stimme geht. Und für jede Lobbyfirma steht ihre Existenz auf dem Spiel. Das ist nicht besonders glaubwürdig, weil eine Lobbyfirma, wie eine Werbefirma, sich normalerweise nicht sonderlich mit ihrem Produkt identifiziert. Der zentrale Konflikt wird dann einerseits furchtbar aufgeblasen als ein weltbewegendes Gesetz, während er bei genauerer und distanzierter Betrachtung eher bedeutungslos ist. Das liegt auch daran, dass der Inhalt des Gesetzes nur oberflächlich angesprochen wird. In „Die Erfindung der Wahrheit“ geht es nicht um die Frage, ob man für oder gegen Waffenkontrolle ist. Es geht um die Arbeit und die Winkelzüge von Lobbyfirmen, die teils in der Öffentlichkeit, teils in Hinterzimmern, stattfinden.

Dieser Kampf zwischen zwei Lobbyfirmen über die Verabschiedung eines Gesetzes ist nur der Vorwand für ein verschachteltes Porträt einer sehr ambitionierten Frau in einer Männerwelt, die einen fordernden Job hat, für den sie lebt. Ein Privatleben hat sie, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, nicht. Außer man nennt den Sex im Hotelzimmer mit einem Callboy Privatleben; – aber dann könnte man auch die Pinkelpause Privatleben nennen. Und eine Erklärung für ihren Arbeitseifer gibt es auch nicht. Jesscia Chastain verleiht dieser eiskalten, zu Empathie und Mitarbeiterführung gänzlich ungeeigneten Karrierefrau, die leicht zu einer Parodie hätte werden können, dennoch eine emotionale Tiefe.

Als Porträt von „Miss Sloane“ (Originaltitel) funktioniert „Die Erfindung der Wahrheit“ gut. Als Polit-Thriller lässt einen der kühle, in den entscheidenden Momenten zu naive und zu plakative Film dann doch etwas unbefriedigt zurück. Trotz überraschender Enthüllungen und langfristig angelegter Fallen und Finten.

Die Erfindung der Wahrheit (Miss Sloane, Frankreich/USA 2016)

Regie: John Madden

Drehbuch: Jonathan Perera

mit Jessica Chastain, Mark Strong, John Lithgow, Alison Pill, Gugu Mbatha-Raw, Michael Stuhlbarg, Sam Waterston, Jake Lacey

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Erfindung der Wahrheit“

Metacritic über „Die Erfindung der Wahrheit“

Rotten Tomatoes über „Die Erfindung der Wahrheit“

Wikipedia über „Die Erfindung der Wahrheit“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot – Gnadenlose Jagd“ (Killshot, USA 2008)

Meine Besprechung von John Maddens „Eine offene Rechnung“ (The Debt, USA 2010) (ebenfalls mit Jessica Chastain)

–

DP/30 unterhält sich in Los Angeles im November 2016 (wenige Tage vor der US-Präsidentenwahl) mit John Madden und Jessica Chastain über den Film

Ein Publikumsgespräch mit den Schauspielern Jessica Chastain und John Lithgow, Regisseur John Madden und Autor Jonny Perera, moderiert von Jenelle Riley (Variety) (SAG-AFTRA Foudation, 5. November 2016; Ton ist am Anfang nicht so toll)


TV-Tipp für den 7. Juli: Edgar Wallace: Neues vom Hexer

Juli 7, 2017

3sat, 22.35

Neues vom Hexer (Deutschland 1965, Regie: Alfred Vohrer)

Drehbuch: Herbert Reinecker

LV.: Edgar Wallace: Again the ringer, The ringer returns, 1929 (Neues vom Hexer)

Der Hexer ist stinkig: irgendein Nachahmer benutzt bei den Morden am Curtain-Clan seine Visitenkarte. Das schreit nach Vergeltung. Und so wird aus einem Verbrecher ein Verbrecherjäger.

„Neues vom Hexer“ ist die ziemlich lahme Fortsetzung von „Der Hexer“. Herbert Reinecker ließ bei seinem Drehbuch die Romanvorlage (eigentlich eine Story-Sammlung) links liegen.

Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, René Deltgen, Eddi Arent, Brigitte Horney, Margot Trooger, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg

Hinweise

Filmportal über „Neues vom Hexer“

Wikipedia über „Neues vom Hexer“ (deutsch, englisch)

3sat über seinen Krimisommer

Filmportal über „Der Zinker“

Wikipedia über „Der Zinker“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (D 1934)


Neu im Kino/Filmkritik: „Small Town Killers“ vor mörderischen Problemen

Juli 6, 2017

Beruflich läuft es für Edward und Ib gut. Auch weil sie als Handwerker am liebsten schwarz arbeiten.

Privat läuft es bei ihnen nicht so gut. Ihre Ehefrauen Ingrid und Gritt flirten lieber mit dem Tanzlehrer als ihren ehelichen Pflichten nachzukommen.

Etwas muss sich ändern, denken sich die beiden frustrierten Männer, die nicht gerade übermäßig intelligent sind. Eine Scheidung ist für sie keine Option. Denn dann müssten sie ihr schwer verdientes Schwarzgeld mit ihren Frauen teilen und das wäre dann doch zu teuer. Aber ein Profikiller könnte das Problem lösen. Betrunken organisiert Edward einen aus dem Osten kommenden Killer. Igor heißt er und er ist trinkfreudig, wie man es von einem Russen erwartet.

Schon bevor er zur Tat schreiten kann, plagt die beiden Auftraggeber das schlechte Gewissen. Immerhin haben sie ja nichts gegen ihre Frauen und den Tod haben sie auch nicht verdient. Daher würden sie den Doppelmord-Auftrag gerne abbrechen. Bevor es dazu kommt, erzählt Igor Ingrid und Gritt unwissentlich, dass er sie umbringen soll.

Nach einer Schrecksekunde beauftragen sie Miss Nippleworthy, ihre beiden Männer umzubringen. Miss Nippleworthy kommt, wie man bei ihrem Namen ahnt, aus England ins dänische Nibe. Sie sieht wie eine Schwester von Miss Marple aus und am liebsten bringt sie Menschen mit einer Portion Gift um.

Ole Bornedal erzählt seine schwarze Komödie „Small Town Killers“ im gemächlichen Rhythmus des ländlichen Lebens. Man kennt sich schon seit Ewigkeiten. Man hat sich in seinem Leben eingerichtet, bis dann eine ungute Mischung aus Langeweile, sexueller Frustration, Tagträumereien und einer Schnapsidee ein tödliches Karussell in Gang setzt. Denn die beiden Killer wollen ihren Auftrag ausführen. Dass sie dafür vielleicht noch ein, zwei Leute, die sie bei ihrer Arbeit behindern, umbringen müssen, stört sie nicht. Die Auftraggeber schon. Sie beginnen auch über ihr Leben nachzudenken.

So entsteht in neunzig Minuten ein kleines Sittengemälde, das nie mehr als eine kleine Skizze sein will. Und genau in diesem bescheidenem Anspruch gefällt die Kleinstadtfarce mit ihren absehbaren Entwicklungen.

Small Town Killers (Dræberne fra Nibe, Dänemark 2016)

Regie: Ole Bornedal

Drehbuch: Ole Bornedal

mit Nicolas Bro, Ulrich Thomsen, Mia Lyhne, Lene Maria Christensen, Marcin Dorocinski, Gwen Taylor, Søren Malling, Birthe Neumann, Ole Thestrup

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Small Town Killers“

 


Neu auf Netflix/Filmkritik: „Okja“, der Film über den Cannes sich ärgerte

Juli 6, 2017

 

„Okja“, der neue Film von „Snowpiercer“-Regisseur Bong Joon Ho, lief dieses Jahr in Cannes im Wettbewerb und er wurde – Filmfestivals haben in ihrer Gruppendynamik etwas von Musikfestivals – mit Buhrufen begrüßt. Jury-Präsident Pedro Almodóvar sagte zum Festivalauftakt, dass er sich nicht vorstellen könne, eine Film auszuzeichnen, der nicht auf der großen Leinwand laufe. Es gab eine Diskussion über die Regeln für eine Teilnahme am Cannes Filmfestival.

Wir erfuhren, dass in Frankreich Filme, erst 36 Monate (3 Jahre!) nach dem Kinostart als VoD ausgewertet werden dürfen.

Für das Cannes-Filmfestival wurden die Regeln geändert. Ab nächstem Jahr müssen Filme, die im Wettbewerb gezeigt werden, einen Kinostart in Frankreich haben.

Der Grund für diese Aufregung war, dass „Okja“ von Netflix produziert wurde und der Streamingdienst zum ersten Mal am Festival teilnahm. Und wie alle Netflix-Produktionen wird auch „Okja“ nicht im Kino, sondern nur auf Netflix gezeigt. Leider. Denn „Okja“ ist ein guter Film.

Okja ist ein elefantengroßes Schwein, das in den abgelegenen Bergen von Südkorea aufwächst. Es gehört zu einer Gruppe von gentechnisch modifizierten Schweinen, die vor zehn Jahren von Lucy Mirando (Tilda Swinton) an verschiedene Orte auf dem Globus verteilt wurden. So soll herausgefunden werden, was in jeder Beziehung die optimalen Bedingungen für die Aufzucht eines Schweins mit sind. Es ist ein Projekt der Mirando Coprporation, das den Menschen mit einer sentimentalen Geschichte gentechnisch verändertes Fleisch schmackhaft machen soll. Nach zehn Jahren soll das schönste Schwein prämiert und der staunenden Öffentlichkeit präsentiert werden.

Jetzt ist es soweit und Mija (An Seo Hyun) erfährt, dass ihr bester Freund Okja sie verlassen muss – und als Schnitzel enden wird. Um sie zu retten verfolgt sie sie um die halbe Welt bis nach New York.

In dem Moment ist die Freundschaft zwischen Mija und Okja fest etabliert. Gerade am Anfang, wenn die zwei durch den Wald toben, erinnern die Bilder in ihrer Verspieltheit und Warmherzigkeit an, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, Walt Disneys „Elliot, der Drache“ (ein sehr loses Remake des Trickfilms „Elliot, das Schmunzelmonster“); einem anderen Film über die Freundschaft zwischen einem Kind und einem sehr großem Tier, das es eigentlich nicht geben dürfte. Man könnte auch jeden anderen Film über die unzertrennliche Freundschaft zwischen einem Kind und einem Tier nennen.

Bong Joon Ho erzählt Mija und Okjas Geschichte als einen kindgerechten Abenteuerfilm für die ganze Familie, der mit eindeutigen Bildern von der Massentierhaltung endet. Spätestens in dem Moment beginnt man über seine Ernährung nachzudenken.

Die Fronten zwischen Gut und Böse sind eindeutig verteilt, aber Bong Joon Ho und sein Co-Drehbuchautor Jon Ronson (der auch die Vorlagen für „Männer, die auf Ziegen starren“ und „Frank“ schrieb) verurteilen und dämonisieren niemand, während sie die Massentierhaltung und genetische Experimente (Okja ist nur deshalb so groß, damit sie besonders viel Fleisch liefern kann) eindeutig ablehnen.

Während des Films gibt es zahlreiche satirische Spitzen gegen das Fernsehen, Unterkategorie Tierdokus, internationale Konzerne, die Fleischindustrie und radikale Tierschützer. Die lustvoll übertrieben spielenden Schauspielern wie Jake Gyllenhaal (als TV-Tierdokumoderator), Paul Dano (als Anführer der friedlichen „Animal Liberation Front“ [ALF]) und Tilda Swinton (als Firmenchefin, die ihrer Firma ein neues Image verpassen will) genießen erkennbar ihre Rollen. Swinton spielte schon in „Snowpiercer“ einen hemmungslos überzeichneten Charakter. In „Okja“ ist sie eine Firmenchefin, die gleichzeitig schutzbedürftig, visionär, eiskalt, berechnend und auch etwas dumm,aber sehr von ihren Plänen überzeugt ist. Und Paul Dano als Sprecher der friedlich-radikalen, nicht vor Straftaten zurückschreckende Tierschützer ist ein wirklich netter Kerl. Wenn auch etwas realitätsfern; – was aber für fast alle Erwachsenen in dem Film gilt.

Nach „Snowpiercer“ ist Bong Joon Ho mit „Okja“ eine weitere zum Nachdenken anregende, treffsichere und pointierte Satire und Gesellschaftskritik gelungen. Dieses Mal auch und vor allem für ein jüngeres Publikum. „Snowpiercer“ hat ja nicht umsonst eine FSK-16-Freigabe erhalten.

P. S.: In den USA läuft der Film in einigen Kinos. Vielleicht gelingt es einigen deutschen Kinos, den Film zu zeigen. Denn „Okja“ ist ein Film für die große Leinwand. Zur Not auch in einem Open-Air-Kino.

Okja (Okja, USA/Südkorea 2017)

Regie: Bong Joon Ho

Drehbuch: Bong Joon Ho, Jon Ronson (nach einer Geschichte von Bong Joon Ho)

mit Tilda Swinton, Paul Dano, An Seo Hyun, Byun Heebong, Steven Yeun, Lily Collins, Yoon Je Moon, Shirley Henderson, Daniel Henshall, Devon Bostick, Woo Shik Choi, Giancarlo Esposito, Jake Gyllenhaal

Länge: 120 Minuten

FSK: ? (Neflix meint „not for kids“)

–

Hinweise

Netflix über „Okja“

Moviepilot über „Okja“

Metacritic über „Okja“

Rotten Tomatoes über „Okja“

Wikipedia über „Okja“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bong Joon-hos „Snowpiercer (Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich 2013)

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Die Cannes-Pressekonferenz

Ein TIFF-Skype-Gespräch mit dem Regisseur


TV-Tipp für den 6. Juli: Edgar Wallace: Der Hexer

Juli 6, 2017

3sat, 22.25

Der Hexer (Deutschland 1964, Regie: Alfred Vohrer)

Drehbuch: Herbert Reinecker

LV: Edgar Wallace: The gaunt stranger, The ringer, Police Work, 1925 (Der Hexer)

Scotland Yard jagt den Meisterverbrecher Milton, genannt “Der Hexer”. Dieser jagt den Mörder seiner Schwester.

“Der Hexer” ist einer der bekanntesten Film der Serie und „eines der amüsantesten kriminalistischen Kammerspiele des deutschen Nachkriegsfilms“ (Florian Pauer: Die Edgar Wallace-Filme).

Mit Joachim Fuchsberger, Heinz Drache, Sophie Hardy, Siegfried Lowitz, Margot Trooger, Eddi Arent, René Deltgen, Siegfried Schürenberg

Hinweise

Filmportal über „Der Hexer“

Wikipedia über „Der Hexer“ (deutsch, englisch)

3sat über seinen Krimisommer

Filmportal über „Der Zinker“

Wikipedia über „Der Zinker“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (D 1934)


TV-Tipp für den 5. Juli: Edgar Wallace: Der Zinker

Juli 4, 2017

3sat, 22.25

Der Zinker (Deutschland 1963, Regie: Alfred Vohrer)

Drehbuch: H. G. Petersson

LV: Edgar Wallace: The Squeaker, The Squeaker: The sign of the leopard, 1927 (Der Zinker)

Scotland Yard jagt den Zinker. Eine Raubtierhandlung spielt dabei eine wichtige Rolle.

H. G. Petersen verarbeitete in seinem ersten Drehbuch neben dem Wallace-Buch auch ein Treatment von Trygve Larsen, einem Pseudonym von Egon Eis, der bereits bei der ersten deutschen Verfilmung von „Der Zinker“ 1931 am Drehbuch mitarbeitete. Vohrer machte aus dem Drehbuch einen handwerklich passablen Krimi.

„Wie bei den meisten anderen Wallace-Filmen der Rialto setzte der Regisseur auch hier auf ein Reservoir bekannter Schauspieler, legte zahlreiche irreführende Fährten und baute falsche Verdächtige auf, einzig, um die Geschichte zu verschleiern.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Die Musik ist von Peter Thomas.

Beginn einer kleinen 3sat-Reihe von Edgar-Wallace-Filmen, die morgen um 22.25 Uhr mit „Der Hexer“ und übermorgen um 22.35 Uhr mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wird und die man sich endlich, mal wieder, ohne Werbepausen ansehen kann.

Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg

Hinweise

3sat über seinen Krimisommer

Filmportal über „Der Zinker“

Wikipedia über „Der Zinker“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (D 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (D 1934)


Cover der Woche

Juli 4, 2017


DVD-Kritik: Unschöne Urlaubserinnerungen „Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert?“

Juli 4, 2017

Während des Karibikurlaubs will Kevin Riley seinem Sohn etwas Besonderes bieten. Der Arzt leiht sich von einem Einheimischen ein Boot aus und fährt mit ihm und seiner Frau auf eine der zahlreichen einsamen und unbewohnten Inseln. Als sie wieder zum Hotel zurückkehren wollen, streikt der Motor. Und sie haben kein Wasser und kein Handy dabei.

Als letzte Hoffnung auf eine Rettung lassen sie sich im Boot von der Strömung wegtreiben. Sie haben Glück und werden, fast tot, von zwei Fischern gefunden. Der eine Fischer sieht die Chance, schnell an viel Geld zu gelangen. Er will von Riley für seine und die Rettung seiner Familie eine Million Dollar haben. Um das Geld von Riley zu bekommen, versteckt er Rileys Frau und Sohn auf einer Insel.

Nachdem der Erpresser einen Teil des Geldes hat (Riley ist halt kein Millionär), entschließt er sich, den unliebsamen Zeugen zu töten.

Riley kann aus der Kabine des auf offener See sinkenden Bootes entkommen. Er wird gerettet und erzählt der Polizei alles. Weil ihm die Suchaktion der Polizei zu lange dauert, beginnt er auf eigene Faust den Erpresser und seinen Freund zu suchen.

„Erpressung“ ist ein kleiner, äußerst unterhaltsamer Thriller. Große Überraschungen gibt es in dieser Geschichte zwar nicht, aber sie ist gut entwickelt, schlüssig erzählt und der Protagonist wird in der zweiten Filmhälfte nicht zum waffenschwingenden und mordenden Supermann. Riley bleibt immer ein ganz normaler Familienvater ohne besondere Fähigkeiten, für den alles, streng nach Thriller-Lehrbuch, immer schlimmer wird. Denn obwohl er nichts wirklich falsch macht, wird es durch seine Handlungen immer unwahrscheinlicher, dass er seine Frau und seinen Sohn retten kann.

Phil Volken, der auch das Drehbuch schrieb, drehte den Film auf Puerto Rico und er bemüht sich, möglichst viel von der Landschaft und den Menschen einzufangen. Auch abseits des Luxushotels und der paradiesischen Strände.

Als Bonusmaterial gibt es eine Bildergalerie und ein siebenminütiges, informatives „Making of“.

Erpressung – Wie viel ist deine Familie wert? (Extortion, USA 2017)

Regie: Phil Volken

Drehbuch: Phil Volken

mit Eion Bailey, Barhad Abdi, Danny Glover, Bethany Joy Lenz, Tim Griffin, Mauricio Alemañy

–

DVD

Ascot Elite

Bild: 2,39:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Bildergalerie, Trailer, Wendecove

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Erpressung“

Rotten Tomatoes über „Erpressung“

Wikipedia über „Erpressung“

 


TV-Tipp für den 4. Juli: Rächer der Unterwelt

Juli 4, 2017

3sat, 23.55 (VPS 23.54)
Rächer der Unterwelt (USA 1946, Regie: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Die Killer“
–
Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “The Killers”

Noir of the Week: Bill Hare über „The Killers“

Meine Besprechung von Robert Siodmaks „Rächer der Unterwelt“ (The Killers, 1946)

Meine Besprechung von Don Siegels Remake „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964)

 


DVD-Kritik: In die „Ambulance“ mit Larry Cohen

Juli 3, 2017

Josh Baker (Eric Roberts) arbeitet in New York als Comiczeichner bei Marvel und sein Chef ist Stan Lee, der von Stan Lee gespielt wird. Es war sein erster Auftritt in einem Spielfilm.

Josh zeichnet die Panels für den Comic „Dr. Strong“ (hm, strange) – und alles das hat herzlich wenig mit der Filmgeschichte zu tun.

Als wir Josh das erste Mal begegnen, verfolgt er in Manhattan auf der 5th Avenue (beim Trump Tower) mitten durch das mittägliche Gewühl eine Frau. Er flirtet mit ihr. Sie will nichts von ihm wissen. Da bricht sie auf dem Bürgersteig zusammen, wird von einem Krankenwagen abgeholt und in ein Krankenhaus gebracht. Nur in welches? Der über beide Ohren verliebte Josh beginnt die Krankenhäuser abzuklappern. Aber er findet sie nicht.

Und die Polizei hält ihn nicht für besonders glaubwürdig. Immerhin sucht er eine Frau, deren Namen er nicht kennt und die von einem Krankenwagen entführt würde. Vielleicht für verbotene Experimente. Denn sie hat Diabetes.

Mit „Ambulance“ hat Larry Cohen einen schnörkellosen B-Thriller inszeniert, der gelungen mit den Ängsten der Großstädter spielt. Denn was könnte normaler als ein Krankenwagen sein? Was könnte schlimmer sein, als der Verdacht, dass die Ambulanz einen nicht in das nächste Krankenhaus, sondern an einen ganz anderen Ort bringt?

Die aus dieser Frage entstehende, allumfassende Paranoia ist auch heute noch gut nachvollziehbar. Die teils mit versteckter Kamera gedrehten Straßenaufnahmen bieten eine Blick in die Vergangenheit. Es ist das New York der späten achtziger Jahre. Und die Frisuren und Kleider, vor allem von Hauptdarsteller Eric Roberts, haben aus heutiger Sicht ein ganz eigenes Schockpotential.

Dazwischen gibt es etwas polizeiliche Ermittlungen von James Earl Jones als der fluchende Bulle der schon alles gesehen hat, und Megan Gallagher als junge Polizistin, die die abstruse Geschichte von Eric Roberts glaubt. Und Veteran Red Buttons als pensionierter Zeitungsreporter der alten Sorte ist für den Humor zuständig. Vor allem die erste Begegnung zwischen Roberts und Buttons im Krankenhaus ist eine komödiantische Szene, die die Haupthandlung nicht weiterbringt, durchgehend improvisiert wirkt und einfach Spaß macht. Wie der gesamte Film, der schon damals in weiten Teilen, vor allem wenn der Krankenwagen mit eingeschalteter Sirene durch das nächtliche Manhattan fährt und Angst und Schrecken bei den Wissenden verbreitet oder wenn der Bösewicht am Krankenbett seine Forschungen in schönster Mad-Scientist-Manier erklärt oder, im Finale, eine Discothek zu einem Schlachtfeld zwischen den Guten und Bösen umfunktioniert wird, angenehm altmodisch inszeniert war.

„Ambulance“ ist ein spannender B-Thriller.

Der 1941 geborene Larry Cohen ist seit Jahrzehnten als Drehbuchautor und Regisseur eine feste Größe im Genrekino. Vor allem von Thrillern, Kriminal- und Horrorfilmen. In seinen B-Pictures benutzt er das geringe Budget für teils ätzende Gesellschaftskritik und er spielt mit kollektiven Ängsten, ohne jemals im Verdacht zu stehen, Kino für das elitäre Bildungsbürgertum zu machen. Er macht keine Arthouse-Fime, sondern Genrefilme. Es sind Filme von einem Genreliebhaber für Genreliebhaber und immer intelligent genug für einige weitergehende Gedanken. Auch wenn nicht jeder Film gelungen ist.

Zu seinen Werken zählen, als Regisseur, „Black Caesar“ (die afroamerikanische Version des Gangsterfilms „Little Caesar“), „Hell up in Harlem“ und „It’s alive“ (ein Horrorfilm mit mehreren Fortsetzungen), und, nur als Drehbuchautor, „I, the Jury“ („Ich, der Richter“, eine Mike-Hammer-Verfilmung), „Maniac Cop“ (und die Fortsetzungen), „Guilty as Sin“ („Jenseits der Unschuld“, verfilmt von Sidney Lumet), „Phone Booth“ (Nicht auflegen!“, ein Mann in einer Telefonzelle) und „Cellular“ („Final Call – Wenn er auflegt, muss sie sterben“).

Die jetzt von Koch Media veröffentlichte DVD-Ausgabe des Films ist ein Mediabook, das den Film auf DVD und Blu-ray enthält, ergänzt um eine Bildergalerie, den deutschen und den Originaltrailer und, als Herzstück, einen brandaktuellen Audiokommentar und ein ebenso aktuelles, siebzigminütiges Interview mit Larry Cohen.

Ambulance (The Ambulance, USA 1989)

Regie: Larry Cohen

Drehbuch: Larry Cohen

mit Eric Roberts, James Earl Jones, Megan Gallagher, Red Buttons, Janine Turner, Jim Dixon, Stan Lee

–

DVD/Blu-ray

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DVD: Dolby Digital 2.0) (Blu-ray: PCM 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Larry Cohen, Cohen on Cohen (Interview mit Larry Cohen), Bildergalerie, Deutscher und Originaltrailer

Länge: 92 Minuten (DVD) 95 Minuten (Blu-ray)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Ambulance“

Wikipedia über „Ambulance“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „John Wick: Kapitel 2“: Viele Leichen, Regeln und die Ehre unter Dieben

Juli 3, 2017

Vor drei Jahren war „John Wick“ ein Überraschungserfolg mit einem offenem Ende. Man konnte darüber diskutieren, ob er überlebt oder stirbt.

Er überlebte und in den ersten Minuten von „John Wick: Kapitel 2“ erledigt er einige weitere Schergen von Abram Tarasov und Tarasov. Sein Sohn hat in „John Wick“ Wicks Hund getötet und seinen 1969er Ford Mustang March 1 gestohlen. Wick, ein sich im Ruhestand befindender Über-Profikiller, begab sich auf eine Rachemission.

Jetzt, nachdem sie erledigt ist, will er endgültig seinen Ruhestand genießen. Deshalb lehnt er auch den mit einer Schuldmünze (Marker im Original) bekärftigten Auftrag von Santino D’Antonio ab. Dabei ist Wick durch den Kodex der Profikillervereinigung, zu der er gehört, verpflichtet, den Auftrag anzunehmen. Und hier kommen wir zu einem Problem des Films: John Wick muss sich mehrmals vollkommen unlogisch verhalten. Jedenfalls solange man ihm keinen verkappten Todeswunsch unterstellt. Das geschieht am Ende des Films, wenn das dritte Kapitel vorbereitet wird, wieder. Denn wieder verstößt er bewusst gegen eine der fundamentalen Regeln des Ordens. Und wieder muss der intelligente Killer sich unglaublich dumm verhalten.

Nachdem Wick den D’Antonios Auftrag ablehnt, zerstört dieser Wicks Haus. Angesichts der nach den Ordensregeln möglichen Bestrafung (D’Antonio dürfte Wick töten) ist das eine sehr milde Strafe. Der Obdachlose Wick übernimmt dann den Auftrag und fliegt nach Rom, um D’Antonios Schwester Gianna zu töten.

Sie nimmt ihm durch einen Suizid die Arbeit ab. Dennoch tötet er sie mit einem Kopfschuss (keine Ahnung warum) und, schon in Rom, kämpft er gegen D’Antonios Schergen, die ihn töten wollen.

Zurück in New York eskaliert der Kampf.

In „John Wick: Kapitel 2“, wieder geschrieben von David Kolstad und inszeniert von Chad Stahelski, einem Stuntman und Second Unit Director (zuletzt „Captain America: Civil War“), ist alles eine Spur größer als in „John Wick“. In diesem Fall gibt es einen willkommen Ausflug nach Rom und etliche Action-Set-Pieces in großen Locations mit vielen Statisten. Die schon im ersten Film etablierte Welt von John Wick wird liebevoll um einige weitere Details ergänzt. Es ist die Welt von Geheimgesellschaften, Verbindungen und Organisationen, die sich an ein jahrhundertelanges Regelwerk halten und so nur in Pulp-Romanen oder Comics existieren. Auch der Bildaufbau (Kamera: Dan Laustsen [„Crimson Peak“]) orientiert sich immer wieder gelungen an Comic-Panels. Im Finale wird auch die legendäre Spiegelkabinett-Szene aus dem Noir-Klassiker „Die Lady von Shanghai“ gelungen zitiert.

Und, wie im ersten Film gibt es etliche Actionszenen, in denen man die Stuntmänner bei der Arbeit beobachten kann. Neben den üblichen Kämpfen mit Fäusten, Messern, Schusswaffen und Autos gibt es, in Rom, auch einen langen Kampf, in dem John Wick und sein Gegner miteinander kämpfend eine Steintreppe hinunterrollen. Staheski inszeniert die Actionszenen wieder mit wenigen Schnitten.

Insgesamt ist „John Wick: Kapitel 2“ eine gute Fortsetzung, die mit einigen Storyschwächen (wenn Wick gegen die Regeln des Ordens der Auftragskiller verstößt) zu kämpfen hat. Aber die Action und die prägnanten Auftritte von bekannten Schauspielern, wie, dieses Mal, Franco Nero und Laurence Fishburne, reißt es dann heraus.

Ein drittes „John Wick“-Kapitel ist angesichts der positiven Resonanz und des überzeugenden Einspiels schon beschlossen. Es ist nur unklar, wann die Dreharbeiten beginnen.

Das Bonusmaterial der DVD besteht aus einem Audiokommentar von Chad Stahelski und Keanu Reeves und zwei Featurettes, die es auf insgesamt knapp neun Minuten Laufzeit bringen. Für die Blu-ray sind über siebzig Minuten Bonusmaterial angekündigt.

John Wick: Kapitel 2 (John Wick: Chapter 2, USA 2017)

Regie: Chad Stahelski

Drehbuch: Derek Kolstad

mit Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Ian McShane, Ruby Rose, Common, Claudia Gerini, Lance Reddick, Laurence Fishburne, John Leguizamo, Bridget Moynahan, Franco Nero, Peter Stormare

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DVD

Concorde Home Entertainment

Bild: 2,39:1 816:9)

Ton: Deutsch (Doly Digital 5.1, Dolby Digital 2.0, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Audiokommentar von Keanu Reeves und Regisseur Chad Stahelski, RetroWick: Der unerwartete Erfolg von „John Wick“ (Featurette), Die Verbrecherwelt des John Wick (Featurette), Deutscher und Original-Kinotrailer

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „John Wick: Kapitel 2“

Metacritic über „John Wick: Kapitel 2“

Rotten Tomatoes über „John Wick: Kapitel 2“

Wikipedia über „John Wick: Kapitel 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Chad Staheskis „John Wick“ (John Wick, USA 2014)


Die Krimibestenliste Juli 2017

Juli 3, 2017

Welche mörderischen Werke stehen auf der allmonatlichen Krimibestenliste der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und von Deutschlandfunk Kultur?

Nun, diese:

1(9) Monika Geier: Alles so hell da vorn

2(–) Carsten Jensen: Der erste Stein

3(–) Don Winslow: Corruption

4(2) Tom Bouman: Auf der Jagd

5(7) Adrian McKinty: Rain Dogs

6(6) Candice Fox: Fall

7(–) Jess Kidd: Der Freund der Toten

8(–) Paula Hawkins: Into theWater

9(–) Zoë Beck: Die Lieferantin

10(–) George Pelecanos: Hard Revolution

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In Klammern ist die Platzierung vom Vormonat.

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Winslow, McKinty und Fox liegen bei mir rum. Ebenfalls der neue Jack-Reacher-Roman „Der letzte Befehl“ von Lee Child. Seine ersten beiden Reacher-Romane „Größenwahn“ und „Ausgeliefert“ sind jetzt in einer Neuausgabe ebenfalls bei Blanvalet erhältlich.

George Pelecanos wird demnächst abgefeiert. Schön, dass er wieder einen deutschen Verlag gefunden hat.

Und Zoë Beck stellt am Montag, den 10. Juli, dem Erscheinungstag von „Die Lieferantin“ (Platz 9 der Liste), um 20.00 Uhr im English Theatre (Fidicinstraße 40, Berlin) ihren neuen Roman vor.


TV-Tipp für den 3. Juli: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

Juli 3, 2017

ARD, 20.15

The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Graham Moore

LV: Andrew Hodges: Alan Turing: The Enigma, 1983 (Alan Turing – Enigma)

Hübsch verschachteltes Biopic, getarnt als gediegenes Thrillerdrama, über den genialen Mathematiker Alan Turing, der den Enigma-Code der Nazis entschlüsselte,

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit der TIFF-Pressekonferenz und einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern).

mit Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Mark Strong, Rory Kinnear, Charles Dance, Allen Leech, Matthew Beard, Alex Lawther

Wiederholung: Dienstag, 4. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Imitation Game“
Moviepilot über „The Imitation Game“
Metacritic über „The Imitation Game“
Rotten Tomatoes über „The Imitation Game“
Wikipedia über „The Imitation Game“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Imitation Game“
Drehbuch „The Imitation Game“ von Graham Moore
Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Morton Tyldums „Passengers“ (Passengers, USA 2016)


TV-Tipp für den 2. Juli: Dirty Harry

Juli 2, 2017

Arte, 20.15

Dirty Harry (USA 1971, Regie: Don Siegel)

Drehbuch: Harry Julian Fink, Rita M. Fink, Dean Reisner, John Milius (ohne Credit)

LV: Harry Julian Fink, Rita M. Fink: Dead Right (Story)

Buch zum Film: Phillip Rock: Dirty Harry, 1971 (Dirty Harry)

In San Francisco knallt Scorpio wahllos Menschen ab. Dirty Harry Calahan nimmt die Fährte auf.

Klassiker des harten Polizeifilms und Blaupause für unzählige Kopien.

„Ein Plädoyer für mehr und härtere Polizeigewalt ist Siegels Film nur an der Oberfläche. Der Kreislauf der Gewalt bringt zwangsläufig solche Charaktere wie Dirty Harry hervor. Er ist auf seine Weise ein Produkt seiner Umwelt und einer, dem, um seine Integrität zu bewahren, nichts anderes übrig bleibt, als zu handeln wie ein Outlaw mit dem Stern des Gesetztes…Es ist ein Film über einen rechten Charakter, nicht aber ein rechter Film“ (Georg Seesslen: Copland)

Danach, um 21.55 Uhr, zeigt Arte „Dirty Harry kehrt zurück“ (USA 1983, Regie: Clint Eastwood), den vierten Dirty-Harry-Film.

Mit Clint Eastwood, Harry Guardino, John Mitchum, John Vernon, Andy Robinson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dirty Harry“

Wikipedia über „Dirty Harry“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Deborah Allison über Don Siegel

Meine Besprechung von Don Siegels „Die rote Schlinge (The big Steal, USA 1949)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Juli: Ein Fisch namens Wanda

Juni 30, 2017

ZDFneo, 22.00
Ein Fisch namens Wanda (Großbritannien 1988, Regie: Charles Crichton)
Drehbuch: John Cleese, Charles Crichton
Eine der großen Komödien: weil ihr Anführer vor seiner Verhaftung die Beute an einem unbekannten Ort versteckte, wollen drei Juwelendiebe über den sehr britischen Anwalt Archie Leach herausfinden, wo die Beute versteckt ist. Dabei setzen sie von Verführung über Gewalt bis Mord (auch von Tieren) alles ein – und das macht auch beim x-ten Sehen Spaß.
„In einer Mischung aus schwarzem britischen Humor und amerikanischem Slapstick, entwickelt sich ein turbulentes Spektakel um Mißverständnisse, Verwechslungen und schlichte Albernheiten. Die Gags sitzen meist an der richtigen Stelle, das Tempo des Films ist furios.“ (Fischer Film Almanach 1990)
„Ein Fisch namens Wanda“ ist der letzte Film von Charles Crichton (1910 – 1999), einem TV-Veteranen, der auch einige Folgen für „Mit Schirm, Charme und Melone“ drehte. Und John Cleese kenne wir natürlich von Monty Python.
mit John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken, Tom Georgeson
Wiederholung: Sonntag, 2. Juli, 02.40 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Ein Fisch namens Wanda“
Wikipedia über „Ein Fisch namens Wanda“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Über Wes Cravens „Tödlicher Segen“

Juni 30, 2017

Heute ist Wes Craven vor allem für seine vier „Scream“-Filme bekannt. Auch sein „A Nightmare on Elm Street“ (Nightmare – Mörderische Träume) ist bekannt, einflussreich und immer noch beängstigend. Dabei ist der Horrorfilm von 1984.

Als er 1981 „Tödlicher Segen“ drehte, war er vor allem für „Last House on the Left“ und „The Hills have Eyes“ bekannt. Das sind zwei billig produzierte, wenig zimperliche Horrorfilme, die Kultstatus haben und prägend für das Genre waren. „The Last House on the Left“ ist in Deutschland indiziert und beschlagnahmt. „The Hills have Eyes“ ist „frei ab 18 Jahren“.

Auch „Tödlicher Segen“ war, – erstaunlich, aber wahr -, indiziert. Einmal als „Die Gesichter des Teufels“ ab dem 31. Juli 1985. Einmal als „Tödlicher Segen“ ab dem 31. Oktober 1985. Beide Indizierungen wurden am 31. August 2007 aufgehoben.

Der Horrorfilm war für Wes Craven, trotz einiger ekliger Szenen, ein gewaltiger Schritt in Richtung Mainstream-Horror. Gegen die aktuelle FSK-16-Freigabe kann daher nichts gesagt werden.

Im Zentrum steht Martha (Maren Jensen) Sie ist mit Jim Schmidt (Douglas Barr, danach „Ein Colt für alle Fälle“) verheiratet. Er war ein Mitglied der Hittites, einer strenggläubigen Sekte, die die Amish People als einen Haufen fortschrittsgläubiger, sexbessessener Freigeister erscheinen lässt. Isaiah Schmidt (Ernest Borgnine, Razzie-Nominierung als schlechtester Nebendarsteller) ist das unumstrittene Oberhaupt der Sekte. Er behauptet immer wieder, dass ein Incubus, ein Dämon, aufgetaucht sei. Und solange wir nicht an Dämonen glauben, kann nur Martha der Incubus sein. Jedenfalls für die Hittiten.

Als Jim in seiner Scheune ermordet wird, scheint sich der Fluch zu bewahrheiten.

Denn auch Marthas aus der Stadt gekommenen Freundinnen – Vicky Anderson (Susan Buckner) und Lana Marcus (Sharon Stone in einem ihrer ersten Filmrollen) (yep, alle Frauen sind jung und schön) – werden anscheinend vom Incubus bedroht.

Abgesehen von dem, nach dem Erfolg von „Carrie“, auf Wunsch des Studios eingefügten Endes, ist „Tödlicher Segen“ ein Horrorfilm, in dem es eine rationale Erklärung für die Morde und damit für den Incubus gibt. Denn in dem ländlich gelegenem Gebiet geht ein Mörder um, der seine Morde als mehr oder weniger seltsame Unfälle tarnt, und man muss nicht Sherlock Holmes sein, um ihn schnell zu erraten.

Aber für die Mördersuche interessiert sich Wes Craven nicht sonderlich. Auch nicht für die Hittites. Er interessiert sich für das, wofür das Jugendliche Publikum ins Kino: junge, schöne, mehr oder weniger knapp bekleidete Frauen in Not. Und Craven baut immer wieder eine beträchtliche Horrorfilmspannung auf. Zum Beispiel wenn sich eine Scheune zu einer klaustrophobischen Falle mit vielen Spinnweben und riesigen Spinnen entwickelt, eine Badende lange nicht die Schlange in ihrer Badewanne bemerkt, ein Pärchen beim Knutschen im Auto beobachtet und getötet wird oder, und das dürfte die bekannte Szene aus dem Film sein, die ’schlafende‘ Sharon Stone eine Spinne verschluckt.

Diese wirkungsvollen Szenen ändern nichts daran, dass „Tödlicher Segen“ immer nur aus ihren Einzelteilen, den Horrorszenen, den Bildern vom ländlichen Leben und der Sekte, der derangierten Atmosphäre eines, nun, gottverlassenen Landstrichs, besteht. Im Finale, wenn der Mörder enttarnt wird, werden diese Teile mehr schlecht als recht zusammengefügt in seinem von den Schauplätzen und Handlungen sehr konfusem Ende. Als habe plötzlich das Geld nicht mehr gereicht.

Zu dem negativen Eindruck trägt auch die Musik von James Horner („Titanic“) bei. Es ist einer seiner ersten Soundtracks. Es ist eine laute, enervierende, zunehmend nervende, niemals schweigende Dauer-Horrorfilmberieselung.

Die Ausstattung der DVD ist deutlich gelungener als der Film. Es gibt die VHS- und die TV-Synchronisationen, einen hörenswerten Audiokommentar von Wes Craven (befragt von Sean Clark) und eine gute Stunde Bonusmaterial: Interviews mit Susan Buckner und Michael Berryman (sehr interessant), den Drehbuchautoren Glenn Benest und Matthew Barr (dito) und dem Creature Designer Jonathan Naulin (dito, auch wenn er nur etwas zum Filmende erzählen kann und sonst über seine Arbeit redet) eine Bildergalerie, Trailer, TV- und Radiospots. Die Interviews sind von 2012 und wurden von der Shout! Factory für die damalige US-DVD-Veröffentlichung erstellt.

Der Film wurde in Deutschland als „Tödlicher Segen“ (VHS-Titel), „Die Gesichter des Todes“ (VHS-Titel) und, mit einer anderen Synchronisation, „Dem Tode geweiht“ bzw. „Wes Cravens Dem Tode geweiht“ (TV-Titel) gezeigt. Auf der DVD sind, wie gesagt, beide Synchronisationen enthalten. Und das Bild ist prächtig.

Tödlicher Segen (Deadly Blessing, USA 1981)

Regie: Wes Craven

Drehbuch: Glenn M. Benest, Matthew Barr, Wes Craven (nach einer Geschichte von Glenn M. Benest und Matthew Barr)

mit Maren Jensen, Sharon Stone, Susan Buckner, Ernest Borgnine, Michael Berryman, Jeff East, Colleen Riley, Douglas Barr, Lisa Hartman, Lois Nettleton

–

DVD

Koch Media

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch (TV- und VHS-Synchronisation), Englisch (Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Wes Craven, Interviews mit Darstellerin Susan Bruckner, Darsteller Michael Berryman, Drehbuchautoren Glenn Benest und Matthew Barr und Creature Designer Jonathan Naulin, Trailer, TV-Spots, Radiospots, Bildergalerie, Wendecover

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Tödlicher Segen“

Rotten Tomatoes über „Tödlicher Segen“

Wikipedia über „Tödlicher Segen“


TV-Tipp für den 30. Juni: Oh Boy

Juni 30, 2017

Arte, 00.40
Oh Boy (Deutschland 2012, Regie: Jan-Ole Gerster)
Drehbuch: Jan-Ole Gerster
Der Endzwanziger und gescheiterte Langzeitstudent Niko driftet durch Berlin. Er trifft seltsame Menschen und fragt sich nach dem Sinn des Lebens.
Wunderschöne Berlin-Komödie, die bei Kritik und Publikum gleichermaßen gut ankam. Wir warten immer noch auf Jan-Ole Gerstes zweiten Spielfilm.
mit Tom Schilling, Marc Hosemann, Friederike Kempter, Justus von Dohnány, Ulrich Noethen, Katharina Schüttler, Frederick Lau, Michael Gwisdek
Wiederholung: BR, Samstag, 1. Juli, 23.30 Uhr
Hinweise
Filmportal über „Oh Boy“
Film-Zeit über „Oh Boy“
Moviepilot über „Oh Boy“
Rotten Tomatoes über „Oh Boy“
Wikipedia über „Oh Boy“


Neu im Kino/Filmkritik: „Overdrive“ – röhrende Motoren, hübsche Jungs, hübsche Mädels

Juni 29, 2017

Andrew Foster (Scott Eastwood) und sein Halbbruder Garrett (Freddie Thorp), der nervende Sidekick, sind Autofanatiker und professionelle Autodiebe. Bevorzugt klauen sie im „Fast & Furious“-Stil die besonders teuren Autos, die locker für einige Millionen verkauft werden.

In Südfrankreich verärgern sie mit einem Autodiebstahl die lokale Gangstergröße Jacomo Morier (Simon Abkarian). Er will sie, nach einer dieser pompösen Bösewichtreden, umbringen. Sie schlagen ihm den Diebstahl von wertvollen Autos aus dem Anwesen von seinem Erzfeind Max Klemp (Clemens Schick), einem wirklich, wirklich bösem deutschen Verbrecher, vor. Morier gibt ihnen nur wenige Stunden für die Planung und Ausführung des extrem schwierigen Diebstahls, für den sie einige örtliche Verbrecher anheuern müssen.

Auf den ersten Blick sieht „Overdrive“ wie ein weiteres Werk aus Luc Bessons kommerziell erfolgreicher Firma aus: Frankreich, vor allem das fotogene Südfrankreich, als Handlungsort, eine vertraute Geschichte, viel Action und ein bekannter, aber bezahlbarer Hollywood-Star. Der heißt in diesem Fall Scott Eastwood. Er war zuletzt in „Fast & Furious 8“ (The Fate of the Furious) als Little Nobody der willkommene Watschenmann. Er ist ein Sohn von Clint Eastwood. Und in „Overdrive“ soll er als Hauptdarsteller seinem Vater möglichst ähnlich sehen. Darum muss er durchgehend wie ein junger Clint Eastwood aussehen. Aber er hat nicht das Charisma seines Vaters. In „Overdrive“ hat er noch nicht einmal das Charisma eines Brötchens vom Vortag.

Die Story der von Antonio Negret inszenierten Actionplotte ist von der ersten bis zur letzten Minute einfach nur haarsträubend abstrus. Das beginnt mit dem ersten Autodiebstahl der Foster-Brüder. Andrew will aus einem auf einer Autobahn fahrendem LKW einen sehr wertvollen Oldtimer stehlen. Der Diebstahl ist dann eine Actionsause, die es nur darauf anlegt, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen und es billigend in Kauf nimmt, dass der Oldtimer als ein Haufen Schrott endet. Wobei schon ein Kratzer oder eine Beule den Wert des Autos drastisch minimieren würde.

Später gibt es dann noch einige Überraschungen, die überraschend wären, wenn man sich wenigstens für einen Charakter interessieren würde. Wobei diese „Überraschungen“ im Rahmen eines Heist-Movies auch gar nicht so überraschend sind. Betrug, Verrat und Doppelspiele sind ein essentieller Bestandteil ihrer DNA. Um den Genrefan zu unterhalten, müssen sie einfach nur richtig ausgespielt werden. In „Overdrive“ wird das noch nicht einmal im Ansatz versucht.

Aber in einem Besson-Film fragt man ja auch nie nach der Logik oder einer feinsinnig durchdachten Geschichte. Solange die ganze Schose Spaß macht, war, siehe „The Transporter“, alles in Ordnung.

Und genau der fehlt in „Overdrive“. Denn „Overdrive“ ist kein Besson-Film. Da hilft auch nicht die Beteiligung von „96 Hours – Taken“-Regisseur Pierre Morel als einer der Produzenten. Er kommt aus Bessons Actionschmiede. Wobei unklar ist, wie sehr Morel trotz Produzentennennung in den jetzigen Film involviert ist. Als die Verfilmung des Drehbuchs von Michael Brandt und Derek Haas („Todeszug nach Yuma“, „Wanted“ [beide Male mit einem weiteren Autor]) im Mai 2011 angekündigt war, wurde Morel als Produzent und Antonio Negret als Regisseur genannt. Seitdem ging der Film durch einige Hände und etliche bekannte Schauspieler waren als Hauptdarsteller im Gespräch.

Regisseur Antonio Negret inszenierte die letzten Jahre Episoden für Serien wie „The Flash“, „Arrow“, „Lethal Weapon“ und „MacGyver“. Und wie ein x-beliebiges Auftragswerk, das man mit minimalem persönlichem Einsatz herunterreißt, wirkt der gesamte Film. Die Teile sind da, aber es fehlt die Besson-Essenz. Selbst in den vielen schlechten, beliebigen, austauschbaren, hemmungslos von Klassikern und Kinohits mehr schlecht als recht stehlenden Besson-Filmen, die hier nicht genannt werden müssen, weil sie ja allgemein bekannt sind, vermitteln Besson als Produzent (seltener als Regisseur) und seine wechselnden Regisseure immer auch ein Gefühl von Dringlichkeit und von Freude am Werk. Sie treten auf, als sei der Film ein Meisterwerk und der beste Film, den man für sein Geld sehen kann. Immer ist auch eine ehrliche, kindische Begeisterung für den Film spürbar.

Und genau dieses Engagement vermisst man bei „Overdrive“. Dann wäre es immer noch kein guter Film, aber ein vergnüglicher Film, der einen mit schönen Landschaften, schönen Autos, schonen Menschen, lauter Action und Klischees über französische Verbrecher unterhält. Man könnte sich sogar über den Film ärgern.

Bei „Overdrive“ langweilt man sich nur.

Overdrive (Overdrive, Frankreich/USA 2017)

Regie: Antonio Negret

Drehbuch: Michael Brandt, Derek Haas

mit Scott Eastwood, Freddie Thorp, Clemens Schick, Ana de Armas, Gaia Weiss, Simon Abkarian

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Overdrive“

Metacritic über „Overdrive“

Rotten Tomatoes über „Overdrive“

Wikipedia über „Overdrive“