3sat, 22.25 Das finstere Tal(Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute. Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner
Die lesenswerte Vorlage
Thomas Willmann: Das finstere Tal Ullstein, 2014 320 Seiten
9,99 Euro
– Erstausgabe
Liebeskind, 2010
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Seit einigen Monaten veröffentlicht der Goldmann Verlag die noch ausstehenden Myron-Bolitar-Romane. Im Dezember erschien „Preisgeld“ (Back Spin), der vierte Bolitar-Roman. Für September ist „Böses Spiel“ (The final detail), der sechste Bolitar-Roman, und für Januar 2018 „Seine dunkelste Stunde“ (The darkest fear), der siebte Bolitar-Roman, angekündigt.
Myron Bolitar ist der erste Seriencharakter von Harlan Coben. Zwischen 1995 und 2000 veröffentlichte er in den USA sieben Kriminalromane mit dem Sportagenten, der auch, zum Schutz seiner Klienten, als Privatdetektiv arbeitet. Vor allem sein Freund Windsor Horne Lockwood III, kurz Win, gutaussehend, sehr vermögend und sehr kompetent (in jeder denkbaren Beziehung), hilft ihm dabei.
Mit diesen flotten PI-Romanen erschrieb Coben sich in der Krimi-Szene schnell einen guten Namen, bevor er mit seinen Standalone-Romanen zum Bestseller-Autor wurde. Sein erstes, auch verfilmtes Einzelwerk „Kein Sterbenswort“ stand unter anderem auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Seitdem schrieb er zahlreiche Einzelromane und vier weitere Bolitar-Romane, die auch schnell übersetzt wurden. Aber einige seiner alten Bolitar-Romane, wie „Abgeblockt“, wurden nicht übersetzt. Im Original erschien der Krimi 1998 als „One false move“ und er ist, aus heutiger Sicht, eine Reise in die Vergangenheit, als es noch kein Google und Facebook gab, das Internet in den Kinderschuhen steckte (falls überhaupt) und Ermittlungen mit Telefonen, Archivbesuchen und, wie es sich für einen richtigen Hardboiled-Roman gehört, Schlägereien erledigt wurden.
Myron soll die junge, gutaussehende und sehr talentierte Basketballspielerin Brenda Slaughter beschützen. Sie erhält anonyme Anrufe und ihr Vater, ein ehemaliger Spieler, Trainer (auch von Myron) und ihr Manager, ist spurlos verschwunden.
Er hat zwar keine Erfahrung als Bodyguard, aber er hofft, Brenda, die gerade keinen Agenten hat, als neue Kundin zu gewinnen. Also nimmt er den Auftrag an.
Er vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Brendas Vater und den Anrufen gibt und dass die Lösung in der Vergangenheit liegt.
„Abgeblockt“ ist ein typischer Bolitar- und Coben-Roman: flott geschrieben, witzig, unterhaltsam und mit einer Lösung, die man hätte erraten können, wenn man die Puzzleteile richtig zusammengefügt hätte. Ein echter Pageturner und die ideale Lektüre für den Sommerurlaub. Egal wo er verbracht wird.
Weil bei Serien ja immer wieder die Frage aufkommt. „Abgeblockt“ kann vollkommen unabhängig von den anderen Bolitar-Romanen gelesen werden. Auch wenn Bolitar-Fans alten Bekannten wieder begegnen und, was erst bei den vier nach 2000 erschienenen Bolitar-Romanen auffällt, Coben seine Charaktere in Echtzeit altern lässt.
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Harlan Coben: Abgeblockt
(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)
Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.
Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.
Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.
„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde
Für den neuen Alien-Film „Alien: Covenant“ durfte Alan Dean Foster wieder den Roman zum Film schreiben und das ist eine gute Nachricht. Der Science-Fiction-Autor schrieb in den vergangenen Jahrzehnten, neben seinen vielen eigenen Romanen, zahlreiche Filmromane, unter anderem für den ersten „Krieg der Sterne“-Film (als George Lucas), „Dark Star“ und zu den ersten drei Alien-Filmen. Er zählt zu den besten Filmroman-Autoren, weil er nicht nur die Filmgeschichte packend nacherzählt, sondern sie auch an den richtigen Punkten vertieft. Und das gilt auch für „Alien: Covenant“.
Die Geschichte dürfte inzwischen ja bekannt sein: Zehn Jahre nach den Ereignissen von „Prometheus“ fliegt das Raumschiff Covenant durch das All. Es ist ein Siedlungsschiff, das den Planeten Origae-6 besiedeln soll. Auf dem Weg dorthin, nach einem kleineren Unfall, der Reparaturarbeiten nötig machte, empfängt die Covenant Signale von einem erdähnlichen Planeten, der in der Nähe ihrer jetzigen Position ist. Die Besatzung entschließt sich, sich den Planeten anzusehen – und trifft auf Aliens und David, den überlebenden Android der Prometheus, der ein Vorläufermodell des Covenant-Androiden Walter ist.
Während im Film die Figuren immer etwas unglaubwürdig im luftleeren Raum schweben, sind sie im Roman dreidimensionale Charaktere mit einer Vergangenheit und glaubwürdigen Beziehungen zueinander. Dabei baut Foster ihre Biographie nicht aus, sondern er erzählt, welche Aufgabe sie im Raumschiff und bei der Besiedlung von Origae-6 haben und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Vor allem wer mit wem verheiratet ist. Auch ihr Verhalten erscheint im Roman weniger idiotisch als im Film.
Und die Geschichte, die sich im Film doch etwas langsam und für das „Alien“-geschulte Publikum vorhersehbar entwickelte (immerhin wissen wir ab der Titelsequenz, dass irgendwann die mörderischen Aliens auftauchen), entwickelt sich der Roman schnell zu einem Pageturner. Dabei ist es egal, ob man den Film kennt oder nicht kennt. Man will unbedingt wissen, was als nächstes passiert mit den Raumfahrern und den beiden Androiden.
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Und hier ein schöner Dialog aus dem Roman:
Ricks sah zu ihm herüber: „Was soll das eigentlich überhaupt sein, West Virginia?“
„Altertümliche Stammes-Demarkation“, erklärte Walter, ohne von seiner Station aufzusehen. „Davon gab es sehr viele, damals, als man so etwas noch als relevant betrachtete. Die Welt war voller kleiner politischer Instanzen, die alle an gegensätzlichen Interessen arbeiteten anstatt am Gemeinwohl ihrer Art oder des Planeten.“
Ricks dachte darüber nach. „Wie haben die Menschen da jemals etwas zuwege gebracht?“
„Das haben sie nicht“, antwortete Walter tonlos.
(Alan Dean Foster: Alien: Covenant, Seite 109)
Alan Dean Foster: Alien: Covenant
(übersetzt von Peter Mehler)
Luzifer Verlag, 2017
396 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
Alien: Covenant
Titan Publishing Group Ltd., 2017
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Die Vorlage
Alien: Covenant (Alien: Covenant, USA 2017)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper (nach einer Geschichte von Jack Paglen und Michael Green) (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)
mit Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bechir, Carmen Ejogo, Nathaniel Dean, Benjamin Rigby, Callie Hernandez, James Franco, Guy Pearce
Dritter und letzter Einsatz von Kommissar Schmidt (Martin Hirthe). Dieses Mal muss er herausfinden, wer für den Brand auf der Werft des erfolgreichen Rennbootfahrers Kastrup verantwortlich ist. Bei dem Feuer starb einer von Kastrups Angestellten.
Ein schon lange, sehr lange nicht mehr gezeigter „Tatort“, der im Rahmen der kleinen Reihe von restaurierten Berlin-Tatorten läuft.
mit Martin Hirthe, Heinz Weiss, Günter Pfitzmann, Bettina Schön, Ilse Biberti, Peter Seum, Harry Wüstenhagen, Anita Kupsch
R. i. P. George A. Romero (4. Februar 1940 – 16. Juli 2017)
Eben via The Hollywood Reporter erfahren: George A. Romero ist tot. Er hatte Lungenkrebs. Er starb im Schlaf.
Mit seinem Spielfilmdebüt „The Night of the Living Dead“ (Die Nacht der lebenden Toten; Die lebenden Toten) erfand er 1968 das Genre des Zombie-Horrorfilms und seitdem wissen wir, wie Zombies sich bewegen.
Danach drehte er auch einige andere Filme, wie „The Crazies“ (Crazies, 1973) und „The Dark Half“ (Stark – The Dark Half; Stephen Kings Stark, 1993). Sie alle standen und stehen im Schatten seiner Zombie-Filme. Denn er kehrte immer wieder zu ihnen zurück und er benutzte seine Filme für ätzende Gesellschaftskritik. Das unterscheidet seine Filme von denen seiner zahlreichen Nachahmer, die sich in ihren Zombiefilmen die Gesellschaftskritik sparten und sich nur auf die „Kotztüten-Szenen“ konzentrierten.
Romeros letzter Spielfilm war 2009 „Survival of the Dead“.
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis (USA 1987, Regie: Richard Donner)
Drehbuch: Shane Black
Erster Auftritt der Cops Martin Riggs (Mel Gibson), suizidgefährder und vollkommen durchgeknallter Single, und Roger Murtaugh (Danny Glover), besonnener, den Ruhestand herbeisehnender, glücklich verheirateter Familienvater. Sie untersuchen den Tod eines Callgirls, stoßen auf einen von Vietnam-Veteranen organisierten Drogenring und hinterlassen zu unserer Freude, gepfeffert mit flotten Sprüchen, ein Meer der Verwüstung.
Der Actionthriller war ein Kassenknüller und beeinflusste das Actionkino der späten achtziger und neunziger Jahre. In vier Fortsetzungen wurden die Sprüche und die Action noch weiter gesteigert.
„‚Zwei stahlharte Profis‘ ist ein hochgezüchtetes Action-Spektakel, das sich weniger um die stimmige Entwicklung von Charakteren oder Story bemüht, sondern effektvolle Szenen aneinanderreiht, in denen die Stuntmen ihre Waghalsigkeit beweisen können.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)
mit Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitchell Ryan, Tom Atkins
Kiss Kiss Bang Bang (USA 2005, Regie: Shane Black)
Drehbuch: Shane Black
LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941
Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.
Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).
“first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar
In „The First Avenger: Civil War“ hatte Tom Holland bereits seinen ersten Auftritt als Spider-Man und das erspart uns jetzt, in seinem ersten Solofilm im Marvel Cinematic Universe, innerhalb weniger Jahre die dritte Wiederholung seiner Origin Story. In „Spider-Man: Homecoming“ ist Peter Parker bereits vertraut mit seinen Kräften und er möchte sie für die gute Sache einsetzen. Dummerweise meldet sich sein Mentor Tony Stark (aka Iron Man) nicht. Und Starks rechte Hand, Happy Hogan, ist damit beschäftigt, die zahllosen unerbetenen Anrufe des Teenagers abzuwehren.
Also beginnt Peter auf eigene Faust Bösewichter zu jagen. Meistens sehr kleine Bösewichter. Oft nervt er auch einfach nur die Nachbarschaft, während er lernt, mit seinen Kräften und dem ihm von Tony Stark geschenkten, mit zahlreichen Special Features ausgestattetem Spider-Man-Anzug umzugehen und sich tödlich langweilt. Denn eigentlich will er nur ein weiteres Abenteuer mit den Avengers erleben. Immerhin ist Captain America regelmäßig bei ihm in der Schule. Als Videoaufzeichnung mit erbaulichen Sprüchen, die die Schüler gelangweilt über sich ergehen lassen.
Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge stolpert er in einen Waffendeal. „The Vulture“ Adrian Toomes verkauft hochgefährliche Waffen an Kleingangster. Toomes tut das schon seit Jahren, aber in einem so kleinen Maßstab, dass er bis jetzt von den Avengers ignoriert wurde. Und das würde Toomes, der über keinerlei Superkräfte verfügt, gerne auch weiterhin so halten.
Mit dem von Michael Keaton gespielten „Vulture“ Adrian Toomes gibt es im Marvel-Universum endlich einmal einen Bösewicht, der einem länger als bis zum Abspann im Gedächtnis bleibt und der auch ein sehr nachvollziehbares Motiv für seine Taten hat: er ist ein Unternehmer, der sich um seine Angestellten kümmert. Mit seiner kleinen Firma hatte er nach der Schlacht von New York (dem Finale des ersten „The Avengers“-Films) einen lukrativen Räumungsauftrag von Alien-Schrott und -Waffen erhalten. Als das von Tony Stark initiierte U.S. Department of Damage Control (D.O.D.C.) ihn fristlos rauswirft, beschließt er sich zu wehren. Das funktioniert auch bis zu dieser Nacht, in der Peter Parker über ihn stolpert und ihn besiegen möchte.
Dieser Kampf zwischen Spider-Man und The Vulture steht allerdings nicht im Mittelpunkt des Films.
„Spider-Man: Homecoming“ ist in erster Linie eine Highschool-Komödie. Es geht um Freundschaften, die erste Liebe und Geheimnisse vor den Eltern. Im Superheldenmilieu läuft die Pubertät allerdings etwas anders ab als unter normalen Jugendlichen. Und Jon Watts erzählt das, sehr entspannt, mit viel Feingefühl für die Sorgen und Nöte eines Teenagers. Das ist vergnüglich, kurzweilig, witzig und durchgehend für ein jugendliches Publikum inszeniert. Er lässt sich, weil er die Geschichte nicht unerbittlich vorantreiben will, auch immer wieder mehr Zeit als nötig. Teilweise bis zum Stillstand. Am Ende dauert der Film über 130 Minuten. Watts behandelt Parkers Konflikte in der Schule allerdings durchgehend etwas oberflächlich. Er spitzt sie nie so zu, wie er könnte.
Es ist auch ein Film, der durchgehend wie die jugendfreie Version von „Kick-Ass“ (allerdings ohne Hit-Girl) oder, dank der unzähligen selbstironischen Bemerkungen von Peter Parker, „Deadpool“ in der jugendfreien Version wirkt. Einige Bilder wurden sogar direkt aus „Deadpool“ geklaut.
In den USA hat sich der Film, wenig verwunderlich, an die Spitzen der Kinocharts gesetzt und Marvel-Studios-Chef Kevin Feige schon weitere Filme mit Spider-Man angekündigt. Derzeit plant er eine sich über fünf Filme erstreckende Entwicklung für Peter Parker. „Homecoming“ ist der zweite Teil dieser Geschichte.
Spider-Man: Homecoming (Spider-Man: Homecoming, USA 2017)
Regie: Jon Watts
Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley, Jon Watts, Christopher Ford, Chris McKenna, Erik Sommers (nach einer Geschichte von Jonathan Goldstein und John Francis Daley)
LV: Charakter von Stan Lee und Steve Ditko
mit Tom Holland, Michael Keaton, Robert Downey Jr., Marisa Tomei, Jon Favreau, Gwyneth Paltrow, Zendaya, Donald Glover, Jacob Batalon, Laura Harrier, Tony Revolori, Bokeem Woodbine, Tyne Daly, Abraham Attah, Kenneth Choi, Chris Evans, Stan Lee
Mit „Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie“ legt Peter Vignold die überarbeitete Fassung seiner Magisterarbeit an der Ruhr-Universität Bochum vor. In der Arbeit beschäftigt er sich mit der Frage, wie die einzelnen Filme und TV-Serien des Marvel Cinematic Universe miteinander verbunden sind und was diese Filme von anderen Serien, wie „Matrix“, „Harry Potter“ und „X-Men“ unterscheidet. Denn die Marvel-Filme sind bei Kritikern beliebt, Fans vertiefen sich in die Filme, um auch wirklich jede Verbindung zwischen den Filmen und zu den Comics aufzuspüren und sie sind weltweit erfolgreich. Damit hat Marvel, seitdem es nicht mehr die Rechte an seinen Comicfiguren für die Verfilmungen verkauft, sondern die Filme selbst produziert, die Regeln für Hollywood-Blockbuster geändert. Inzwischen möchte jedes Studio sein eigenes Cinematic Universe von miteinander zusammenhängenden Filmen und Figuren schaffen, in dem, wie eine eierlegende Wollmilchsau, jeder Film zum Erfolg der anderen beiträgt. Bislang mit bescheidenem Erfolg.
Vignold zeichnet nach, wie Marvel sein filmisches Universum gestaltet. In der ersten Phase („Iron Man“, „The Incredible Hulk“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“, „The Avengers“) gelang das vor allem über wiederkehrende Nebencharaktere und die Post-Credits-Szenen, in denen es mehr oder weniger kryptische Hinweise auf kommende Filme gibt. In der zweiten Phase („Iron Man 3“, „Thor: The dark World“, „Captain America: The Winter Soldier“, „Guardians of the Galaxy“, „Avengers: Age of Ultron“, „Ant-Man“) verflechten sich die Filme immer mehr miteinander, es werden neue Charaktere eingeführt und die „Avengers“ wird zur dominierenden Binnenserie, der sich die anderen Serien unterordnen. Die TV-Serien liefern ergänzende, aber zum Verständnis der Kinofilme nicht notwendige Informationen. Das gilt vor allem für die ABC-Serien „Agents of S.H.I.E.L.D.“ und „Agent Carter“. Die Netflix-Serien „Daredevil“, „Jessica Jones“ und „Luke Cage“ reproduzieren, mit minimalen Hinweisen auf die Kinofilme, dagegen die im Kino etablierte Erfolgsformel beim Verknüpfen verschiedener Serien in einem anderen Medium.
Mit dem Ende der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe endet Vignolds doch sehr akademisch geschriebene Studie.
Im Kino sind wir mit „Captain America: Civil War“, „Doctor Strange“, „Guardians of the Galaxy, Vol. 2“ (immer noch abgekoppelt vom Avengers-Kosmos) und „Spider-Man: Homecoming“ (der zwar ohne die Kenntnis der Avengers-Filme verstehbar ist, aber davon ausgeht, dass man die Avengers-Filme kennt) in der dritten Phase, die 2019 mit einem „Avengers“-Film enden soll.
Und danach geht es in die vierte Phase.
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Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie
Air Force One (USA 1997, Regie: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood. Jedenfalls damals. Denn inzwischen ist er anscheinend im Ruhestand.
Andrew W. Marlowe erfand später die TV-Serie „Castle“.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Wer „Berlin Falling“ im Kino sehen will, muss sich beeilen. Denn der Thriller läuft nur am 13., 14. und 15. Juli im Kino und danach; – nun Sky Deutschland ist einer der Produzenten des Thrillers über ein in Berlin geplantes Attentat.
Frank (Ken Duken) ist ein im Berliner Umland lebender Ex-Afghanistan-Soldat, Alkoholiker und geschieden. Kurz: er ist das Paradebeispiel für eine verkrachte Existenz.
Jetzt, kurz vor Weihnachten, fährt er nach Berlin, um seine Tochter und seine Ex-Frau am Hauptbahnhof zu treffen. Seine Tochter soll einige Tage bei ihm verbringen.
Auf dem Weg dorthin nimmt er an einer Raststätte den Anhalter Andreas (Tom Wlaschiha) mit. Und weil „Berlin Falling“ ein Thriller ist, ist Andreas kein harmloser Anhalter. In seinem Rucksack hat er eine Bombe und Frank wurde, wie er später erfährt, bewusst ausgewählt. Er soll bei einem Attentat der Sündenbock sein.
„Berlin Falling“ ist ein optisch ansprechender, effizient erzählter Genrefilm, der souverän all die Fettnäpfe vermeidet, in die deutsche Thriller zwischen Pseudo-Coolness und Thesenhaftigkeit gerne tappen.
Zwischen all den vertrauten Elementen und überraschenden, wenn auch nicht immer plausiblen Wendungen und Zufällen (Was wäre, wenn Frank nicht an dieser Tankstelle angehalten hätte?) entwickelt Ken Duken in seinem Spielfilmdebüt (nach einem Kurzfilm und einigen Musikvideos) einen Thriller, der sich auf das Duell zwischen zwei Personen konzentriert. Auf engstem Raum kämpfen Frank und Andreas gegeneinander. Mal mit Worten, mal mit Fäusten.
Fast der gesamte Film spielt in Franks Auto und in einem Kellerraum. Diese Beschränkung auf wenige Orte ist budgetschonend, aber auch etwas theaterhaft. Vor allem wenn Andreas gegen Filmende seinen Plan erklärt, legt der Bösewicht in schönster Info-Dump-Manier in wenigen Minuten alle Hintergründe des Anschlags offen. In dem Moment fällt auch auf, dass einige Punkte im Zusammenhang mit den Anschlag nie so vertieft werden, wie es möglich wäre. Vor allem weil Frank und Andreas während der Autofahrt genug Zeit haben, um über ihre Ansichten zu diskutieren.
Aber das sind kleinere Schwächen in einem Film, der eine normale Kinoauswertung verdient hätte. Und nicht nur drei Tage in ausgewählten Kinos.
Berlin Falling (Deutschland 2017)
Regie: Ken Duken
Drehbuch: Christoph Mille (nach einer Idee von Ken Duken und Norbert Kneißl)
mit Ken Duken, Tom Wlaschiha, Marisa Leonie Bach, Greta Nedelmann, Amelie Plaas-Link, Tim Wilde, Kida Khodr Ramadan
Das passiert selten: in den USA erscheint ein Bericht über das Einspiel eines deutschen Films in Deutschland. Aber „Berlin Falling“ hat an seinem ersten Spieltag einen Platz in den Top 10 erreicht und damit die Tür für eine weitere Kinoauswertung geöffnet. Der Hollywood Reporter schreibt unter anderem:
„Berlin Falling, a low-budget indie thriller about a terrorist attack in Germany, has opened in the top 10 on the German box-office charts on its first day of release.
The debut feature from actor turned director Ken Duken grossed $24,000 across 136 theaters on Thursday, enough to squeeze into the top 10, just behind Marc Webb’s Gifted, starring Chris Evans and Lindsay Duncan.“
Die im Zweiten Weltkrieg in die USA geflohene Jüdin Maria Altmann hätte gerne wieder das titelgebende Klimt-Gemälde von ihre Tante Adele. Dummerweise ist das Jugendstilgemälde inzwischen zu einer Ikone der österreichischen Identität geworden und Österreich denkt gar nicht daran, Altmann das Gemälde zurückzugeben.
TV-Premiere. Gutes, gefällig inszeniertes, auf einem wahren Fall basierendes britisches Schauspielerkino mit entsprechend pointierten Dialogen und einem noblen Anliegen.
mit Helen Mirren, Ryan Reynolds, Daniel Brühl, Max Irons, Elizabeth McGovern, Katie Holmes, Tatiana Maslany, Antje Traue, Justus von Dohnányi, Tom Schilling, Charles Dance, Jonathan Pryce, Frances Fisher, Moritz Bleibtreu
Wir erinnern uns: der letzte „Star Wars“-Film „Rogue One“ erzählt, wie die Rebellen an die Pläne für den Todesstern kommen, der in dem ersten „Star Wars“-Film „Krieg der Sterne“ (so hieß er, als er 1978 in die deutschen Kinos kam) zerstört wird.
„Rogue One“ beginnt auf dem Planeten Lah’mu. Dort leben der geniale Wissenschaftler Galen Erso, seine Frau Lyra und seine Tochter Jyn. Er wird von seinem alten Freund Orson Krennic, einem Offizier des Imperiums, und seinen Sturmtrupplern besucht und gefangen genommen. Nur Jyn kann entkommen und viele Jahre später, als junge Frau, zieht sie, auf der Suche nach ihrem Vater, in den Kampf gegen das Imperium. Das ist die Geschichte des Films.
In seinem Roman „Der Auslöser“ erzählt James Luceno, der bereits etliche „Star Wars“-Romane schrieb, die Vorgeschichte zu den Ereignissen auf Lah’mu.
Der Roman beginnt wenige Monate vor Jyns Geburt. Galen und Lyra Erso forschen auf einem abgelegenem Planeten für die Zerpen-Industriewerke, wie aus Kyber-Kristallen Energie gewonnen werden kann. Das sind lebendige Kristalle, die auch die Energiequelle für die Lichtschwerter der Jedi sind.
Die Ersos werden von Separatisten (den späteren Rebellen), die von seinem Wissen profitieren wollen, gefangen genommen. Krennic befreit ihn. Er ist ein alter Studienkamerad von Galen Erso und er tut das nicht aus altruistischen Motiven. Er möchte Galen Erso überzeugen, für die Republik (dem Vorläufer des Imperiums) zu arbeiten und die ultimative Waffe einsatzfähig zu machen: den Todesstern, der mit Kyber-Kristallen funktioniert.
Weil Erso ein überzeugter Pazifist ist und nur für friedliche Zwecke forschen will, muss Krennic ihn mit Argumenten überzeugen. Letztendlich muss er eine Situation schaffen, die dazu führt, dass Erso freiwillig für die Republik arbeitet.
Denn Krennic weiß, dass er auf die schnelle und harte Tour bei Erso nichts erreichen wird. Also nimmt er sich Zeit. Er macht Angebote, lässt sich Vorschläge des Wissenschaftlers ein und verändert auch Teile seines Plans, solange er so sein Ziel erreichen kann.
Luceno erzählt diese sich über Jahre hinziehende Verführung sehr episodenhaft und mit vielen Subplots. Diese sind zwar alle irgendwann mehr oder weniger wichtig für Ersos Entscheidungen und ständig passiert im Haupt- oder einem Subplot etwas, das manchmal auch, wie in einer Chronik, zusammengefasst wird. Dann erleben wir nicht den Kampf um eine Planeten, sondern lesen nur die kurze Zusammenfassung des Kampfes oder verfolgen ein Gespräch von Schmugglern, die über die veränderten Rahmenbedingungen für ihr Gewerbe reden. Das führt dazu, dass „Der Auslöser“ nie Pageturner-Qualitäten entwickelt, sondern vor sich hin plätschert, während Jyn noch ein Jahr älter wird und Galen Erso etwas weiter forscht.
Der Roman selbst liefert für die Kenner des Films etliche zusätzliche Informationen über Orson Krennic, Galen Erso, seine Frau und die Welt, in der sie Leben. Ihre Tochter ist als Baby und Kleinkind nur das intelligente, schweigsam in der Ecke sitzende Kind. Das sind Informationen, die man für das Verständnis der Filmgeschichte in keinster Weise benötigt. Aber das dürfte Star-Wars-Fans und Komplettisten, die wirklich jede Brotkrume an Information über diese Welt haben wollen, nicht stören. Für sie hat Luceno seinen Roman geschrieben.
Als Einzelwerk ist „Der Auslöser“ aus der Nicht-Star-Wars-Fanperspektive ein Roman, den man nicht lesen muss. Es passiert zwar einiges, man bleibt mild interessiert dabei, aber es wird nie wirklich spannend. Dafür bleibt die Geschichte dann doch zu episodisch und zu vieles passiert aus heiterem Weltall.
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James Luceno: Star Wars – Der Auslöser: Ein Rogue One Roman
Madame Mallory und der Duft von Curry (The Hundred-Foot Journey, USA 2014)
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Steven Knight
LV: Richard C. Morais: The Hundred-Foot Journey, 2010 (Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef; Madame Mallory und der Geschmack von Curry)
Madame Mallory betreibt in der südfranzösischen Provinz ein Edelrestaurant. Da eröffnen gegenüber von ihrem Sternerestaurant eine indische Familie ein Restaurant mit indischer Küche – und die Probleme beginnen.