3sat, 20.15
Cannabis – Medizin oder Droge? (Deutschland 2016)
45-minütige Doku, die herausfinden will, was an den Wundergeschichten über Cannabis dran ist und daher auch der Frage nachgeht, wie sehr Cannabis auch eine Medizin sein kann und warum es immer noch verboten ist.
Anschließend diskutiert „scobel“ mit Gästen zum Thema.
Weitere Informationen hier.
TV-Tipp für den 28. Januar: Cannabis – Medizin oder Droge?
Januar 28, 2016Lauren Beukes erzählt vom „Moxyland“
Januar 27, 2016Jetzt ist, nachdem ihre späteren Werke, wie der mit dem Arthur-C.-Clarke-Preis ausgezeichnete Roman „Zoo City“ oder der Dagger-nominierte „Shining Girls“ schon länger auf Deutsch erhältlich sind, auch Lauren Beukes‘ 2008 erschienener Debütroman auf Deutsch erhältlich. „Moxyland“ spielt in Südafrika in Kapstadt in naher Zukunft.
Im Mittelpunkt stehen die Analog-Fotografin und Künstlerin Kendra, die mittels Nanobots zu einer Werbebotschafterin für einen Softdrink wird; der Videoblogger Toby, der immer alles aufzeichnet und, um seine Reichweite in den Sozialen Netzwerken zu steigern, auch mit Systemgegnern zusammenarbeitet und besonders gerne möglichst spektakuläre Aktionen filmt; Tendeka, der mit antikapitalistischen Aktionen das System stürzen will und die systemkonforme Programmiererin Lerato, die Toby bei seinen Aktionen hilft. Toby und Tendeka verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit in globalen Internet-Computerspielen und in Alternate Reality Games. Die großen Konzerne sind natürlich auch Teil dieser Spiele.
Und jetzt nähern wir uns dem großen Problem des Romans. Denn selbstverständlich hängen ihre Schicksale miteinander zusammen und alles bewegt sich auf eine große Umwälzung zu, in die sie irgendwie involviert sind. Dieses Ereignis ist natürlich der Höhepunkt und das Ende des Romans. Davor, auch wenn man schnell ahnt, auf was es hinausläuft, gibt es nur Zufälligkeiten und Betrachtungen aus dem Leben der vier Hauptpersonen, deren Wichtigkeit für das Ende oft nicht erkennbar ist. Was auch oft daran liegt, dass bestimmte Ereignisse einfach nicht wichtig sind. Daher passiert die ersten Zweidrittel des Romans fast nichts und auch danach bleiben wichtige Dinge rätselhaft, weil „Moxyland“ aus den Perspektiven von Tendeka, Toby, Kendra und Lerato, die alle Ich-Erzähler sind, erzählt wird.
Sie sind eher Beobachter, Herumgestoßene und Mitgerissene (im Guten wie im Schlechten) als aktiv Handelnde. Keiner von ihnen hat auch nur halbwegs einen Überblick über das doch nicht so weltbewegende Komplott, in das sie hineingezogen werden.
Dummerweise sprechen die Vier so ähnlich, dass man sie ohne die ihren Kapiteln vorangestellten Namen, ihre Arbeit und ihrer sehr unterschiedlichen Lebenswelten nicht auseinanderhalten kann. Glücklicherweise hat Lauren Beukes einen angenehmen, leicht schnodderigen Tonfall, der zum Weiterlesen einlädt und auch auf ihre nach ihrem Debüt erschienenen drei Science-Fiction-Romane „Broken Monsters“, „Shining Girls“ und „Zoo City“ neugierig macht.
Ihr Cyberpunk-Roman „Moxyland“ selbst ist von der Konstruktion seiner Geschichte her eine eher dröge Angelegenheit, die, wie wir spätestens aus dem Nachwort erfahren, eng mit der südafrikanischen Realität verknüpft ist.
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Lauren Beukes: Moxyland
(übersetzt von Mechthild Barth)
rororo, 2016
368 Seiten
9,99 Euro
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Originalausgabe
Moxyland
Jacana Media, Johannesburg, 2008 (und)
Angry Robot/Osprey Group, Oxford, 2008
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Hinweise
Homepage von Lauren Beukes
Wikipedia über Lauren Beukes (deutsch, englisch)
TV-Tipp für den 27. Januar: Letters from Iwo Jima
Januar 27, 2016
Kabel 1, 23.30
Letters from Iwo Jima (USA 2006, Regie: Clint Eastwood)
Drehbuch: Iris Yamashita (nach einer Geschichte von Iris Yamashita und Paul Haggis)
LV: Tadamichi Kuribayashi/Tsuyoko Yoshido: Picture Letters from Commander in Chief
Unglaublich, aber wahr: heute ist die TV-Premiere von Clint Eastwoods „Letters from Iwo Jima“, den er 2006, direkt im Anschluss, als Gegenstück zu seinem Film „Flags of our fathers“ inszenierte. In dem Film zeigte er die US-amerikanische Seite und Interpretation des Kampfes um die Pazifikinsel Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg. In „Letters from Iwo Jima“ schildert er die japanische Seite, auf der sich die Soldaten in eine aussichtslose Schlacht begaben. Auf japanisch. Dafür gab es, neben einigen anderen Preisen, den Golden Globe in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Auch bei uns kam der Film als „Original mit Untertiteln“ in die Kinos.
Und: Nein, das Sterben auf der Vulkaninsel ist nicht ehrenhaft.
mit Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryô Kase, Shidou Nakamura, Hiroshi Watanabe, Takumi Bando, Yuki Matsuzaki
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Letters from Iwo Jima“
Wikipedia über „Letters from Iwo Jima“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)
TV-Tipp für den 26. Januar: Open Range – Weites Land
Januar 26, 2016
Pro7 Maxx, 20.15
Open Range – Weites Land (USA 2003, Regie.: Kevin Costner)
Drehbuch: Craig Storper
LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)
Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.
Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.
mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates
Wiederholung: Mittwoch, 27. Januar, 01.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über “Open Range”
Wikipedia über „Open Range“ (deutsch, englisch)
Buchkritik: Über Evelyn Waughs „Tod in Hollywood“
Januar 25, 2016Normalerweise hätte ich Evelyn Waughs „Tod in Hollywood – Eine anglo-amerikanische Tragödie“ nicht zu Ende gelesen, aber mit unter hundertfünfzig Seiten ist der Roman so kurz, dass ich fertig war, ehe ich es weglegen konnte. Das lag natürlich auch daran, dass ich wissen wollte, warum das Buch so vielen Menschen gefällt.
In der Geschichte geht es um den jungen englischen Dichter Dennis Barlow, der nach dem Krieg nach Hollywood geht. Dort hofft er auf den großen Durchbruch. Die meiste Zeit verbringt er allerdings mit anderen Briten auf dem Kricketplatz. Dort pflegen sie ihr Britischsein und die älteren Herrschaften, die schon länger in der Traumfabrik keine Karriere haben, blicken voller Verachtung auf die ungebildeten Amerikaner herab. Sie haben zwar kein Geld, aber dafür die besseren Manieren. Sein Geld verdient Barlow in dem Tierbestattungsunternehmen „Die ewigen Jagdgründe“. Als sein Vermieter stirbt, soll er im Auftrag der Kricketclubmitglieder die Trauerfeier arrangieren. Natürlich in dem besten Bestattungsunternehmen von Los Angeles und Umgebung: den „Elysischen Gefilde“. Dort wird für die Toten alles von der Trauerfeier bis zur Beerdigung auf dem zu den Gefilden gehörendem Friedhof (wobei man genaugenommen zwischen mehrere Friedhofslandschaften und Inseln wählen kann) getan. Als Barlow sich dort als Tierbestatter auch aus beruflichem Interesse umsieht, trifft er eher zufällig die junge Leichenkosmetikerin Aimée Thanatogenos und die beiden feinfühligen Geister finden mehr oder weniger zueinander.
Der Klappentext von „Tod in Hollywood“ (ein guter, aber auch in die Irre führender Titel) lässt eine Satire auf Hollywood und die Engländer, zusammengehalten von einer Liebesgeschichte, erwarten. Aber eigentlich ist der Roman eine Abfolge eher unzusammenhängender Betrachtungen, in denen gerade die ersten gefallen. Hier beschreibt Waugh, der selbst in einer ähnlichen Situation in Hollywood war (ein Produzent wollte seinen Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ verfilmen und Waugh, der die Filmrechte nicht verkaufen wollte, ließ sich mehrere Wochen aushalten), in meist langen Monologen das Leben und die Weltsicht der snobistischen Engländer in Hollywood. Diese Beschreibungen sind wahrscheinlich nur leicht überspitzt. Aber schon die ellenlangen Beschreibungen des Umgangs mit verstorbenen Haustieren, die schon damals in Kalifornien eine würdige (lies „menschenähnliche“) Beerdigung erhielten, langweilen. Die noch längeren Beschreibungen der Bestatter, ihres Handwerks und der kalifornischen Beerdigungssitten und -rituale in den „Elysischen Gefilden“ langweilen noch mehr. Jedenfalls wenn man kein gesteigertes Interesse an einer inzwischen historischen Betrachtung dieses Gewerbes hat. Irgendwann nach der Mitte gibt es dann eine ebenfalls nicht sonderlich interessante Liebesgeschichte zwischen der Leichenkosmetikerin Aimée Thanatogenos und ihren beiden Liebhabern, dem Einbalsamierer Mr. Joyboy und dem Dichter Dennis Barlow. Sie kann sich nicht zwischen den beiden Männern entscheiden und sucht Rat bei der Lebensberatung einer Zeitschrift. Das ist dann mehr eine Abfolge von Episoden, die oft auf verschiedenen Perspektiven und mit Zeitsprüngen erzählt werden, die vor allem Waughs Desinteresse an einer durchgehenden Geschichte zeigen.
Trotzdem war der Roman ein Bestseller. 1965 wurde er, sehr frei, von Tony Richardson, nach einem Drehbuch von Terry Southern und Christopher Isherwood, als „Tod in Hollywood“ (The Loved One) verfilmt. Der Trailer des fast unbekannten Films sieht nach einer ziemlich durchgeknallten Nummernrevue aus. Der Roman ist das Gegenteil.
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Evelyn Waugh: Tod in Hollywood
(neu übersetzt von Andrea Ott)
Diogenes, 2015
160 Seiten
20 Euro
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Originalausgabe
The Loved One
Chapman & Hall, London, 1948
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Deutsche Erstausgabe
Die Arche, Zürich, 1950
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Hinweise
Wikipedia über Evelyn Waugh (deutsch, englisch) und „Tod in Hollywood“
Perlentaucher über „Tod in Hollywood“
TV-Tipp für den 25. Januar: Den Mörder trifft man am Buffet
Januar 25, 2016
Arte, 20.15
Den Mörder trifft man am Buffet (Frankreich 1979, Regie: Bertrand Blier)
Drehbuch: Bertrand Blier
Alphonse hat Mordfantasien. Als ein Buchhalter mit seinem Messer erstochen wird, kann er sich nicht an die Tat erinnern. Ein Inspektor will den Mord nicht aufklären. Und da geschieht der nächste Mord.
„Ein kleines Meisterwerk des Nonsense, in dem weder Logik noch Zynismus, sondern allein das Absurde zählt, Alice im Wunderland der Mörder auftritt und Jack the Ripper in die Burlesken eines W. C. Fields gerät.“ (Fischer Film Almanach 1993)
Die deutsche Premiere war 1992 im ZDF und seitdem wurde der Film kaum wiederholt.
Blier erhielt für seinen Drehbuch einen César.
Bertrand Blier inszenierte unter anderem „Die Ausgeblufften“, „Frau zu verschenken“, „Abendanzug“, „Zu schön für Dich!“, „Mein Mann – Für deine Liebe mache ich alles“ und „Und wie sehr liebst du mich?“. Immer spielt er in seinen Komödien sehr gelungen mit den gesellschaftlich-bürgerlichen Konventionen, die er lustvoll negiert.
Anschließend, um 21.45 Uhr, läuft Maurice Pialats „Der Bulle von Paris“ (Frankreich 1985). Ebenfalls mit Depardieu, ebenfalls selten gezeigt, ebenfalls sehenswert.
mit Gérard Depardieu, Jean Carmet, Bernard Blier, Geneviève Page, Michel Serrault, Carole Bouquet
Hinweise
Arte über „Den Mörder trifft man am Buffet“
Wikipedia über „Den Mörder trifft man am Buffet“ (englisch, französisch)
TV-Tipp für den 24. Januar: Flucht von Alcatraz
Januar 24, 2016
Arte, 20.15
Flucht von Alcatraz (USA 1979, Regie: Don Siegel)
Drehbuch: Richard Tuggle
LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963
Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Und am 11. Juni 1962 gelingt es ihm; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.
„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.
Danny Glover gab hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.
Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover
Wiederholung: Montag, 25. Januar, 13.55 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“
Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)
Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“
Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)
Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)
TV-Tipp für den 23. Januar: Tatort: Acht Jahre später
Januar 23, 2016HR, 22.45 (VPS 21.40)
Tatort: Acht Jahre später (Deutschland 1974, Regie: Wolfgang Becker)
Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei
Nach acht Jahren wird der Einbrecher Brossberg aus der Haft entlassen. Er schwor damals, sich an seiner Ex-Geliebten und an Kommissar Heinz Haferkamp (der seinen Bruder erschoss) zu rächen.
Der feine Einstand von dem beliebtesten „Tatort“-Kommissar der siebziger Jahre und auch ohne Nostalgie-Bonus immer noch besser als die meisten aktuellen „Tatorte“.
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Christine Ostermayer, Relja Basic, Herbert Bötticher, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar)
Hinweise
Wikipedia über „Tatort: Acht Jahre später“
Tatort-Fundus über Kommisar Haferkamp
Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Karl-Heinz Willschrei
Neu im Kino/Filmkritik: Über Charlie Kaufmans Puppenfilm „Anomalisa“, der nicht für Kinder ist
Januar 22, 2016
Michael Stone ist Bestsellerautor und Motivationstrainer, aber eigentlich ist er nur ein Handlungsreisender, der zu viel Zeit in anonymen Hotelzimmern verbringt. Damit steht er in der Tradition von Willy Loman (aus „Der Tod eines Handlungsreisenden“) und Ryan Bingham (aus „Up in the Air“) oder all den anonymen Anzugträgern, die sich zu jeder Rush Hour in den Zug drängen. Dass Stone dann auch noch am Fregoli-Syndrom, einer Krankheit, die dazu führt, dass für ihn alle anderen Menschen gleich aussehen, leidet, verstärkt dieses Gefühl des Immer gleichen.
Nur: wie inszeniert man im Film eine große Menge gleich aussehender Menschen? Natürlich kann man den gleichen Schauspieler alle Rollen spielen lassen; was dann zu einer logistischen Aufgabe für den Kameramann und einem Showcase für den Schauspieler wird. Oder man lässt diese Arbeit von einem Computer erledigen, was vor allem die Programmierer begeistert. Oder man verfilmt die Geschichte mit Puppen.
Charlie Kaufman, der die grandiosen Drehbücher für „Being John Malkovich“, „Adaptation“ und „Vergiss mein nicht!“ schrieb, entschied sich bei der Verfilmung seines „Theaterstücks“ (das Stück wurde 2005 zweimal im Rahmen von Carter Burwells „Theater of the New Ear“-Projekt im Theater als Hörspiel aufgeführt) für letzteres, was der eher dünnen Geschichte einen neuen Dreh verleiht. Denn letztendlich erzählt „Anomalisa“ nur die Geschichte einer Nacht in einem anonymen Hotel, in dem Fremde sich begegnen. Hier ist es der ausgebrannte, leicht übergewichtige, an einer ausgedehnten Midlife-Crisis leidende Michael Stone, der am nächsten Tag eine Rede halten soll. Er begegnet Lisa Hesselman, einer Call-Center-Mitarbeiterin, die ihn abgöttisch bewundert, und ihrer Freundin. Weil Lisa ein individuelles Gesicht und eine individuelle Stimme hat, ist sie für Stone eine Anomalie (damit dürfte der Filmtitel erklärt sein). In der Hotelbar reden sie miteinander. Im Hotelzimmer haben sie Sex. In den Hotelfluren sind sie einsam und, weil der Film aus Stones Perspektve erzählt wird, sehen alle Menschen (bis auf Lisa) letztendlich gleich aus, sie haben auch die gleiche Stimme. Im Original spricht Tom Noonan alle Charaktere bis auf Stone, der von David Thewlis gesprochen wird, und Lisa, die von Jennifer Jason Leigh gesprochen wird. Manchmal verlieren die Figuren auch Teile ihres Gesichts. Sie lassen die Maske fallen, ohne dass dahinter eine große Entdeckung liegt.
Die in Stop-Motion-Technik animierten Puppen bewegen sich in hyperrealistischen, detailgetreu nachgebauten Hotelinnenräumen, die jede Individualität vermissen lassen.
Das ist, wie Charlie Kaufmans andere Werke, kein gewöhnliches Kino. Wobei „Anomalisa“, wie gesagt, an seiner kaum vorhandenen Geschichte krankt. Da eine Puppe sich nicht bewegt, kann ihr Gesicht, was durchaus gewollt ist, auch nichts verraten. Es sieht immer gleich aus. Und exzessiver, anatomisch korrekt dargestellter, Sex von und zwischen Puppen hat in den USA vielleicht ein Schockpotential. Hier langweilt es eher. Auch wenn es, wie alles in dem Film, erstaunlich realistisch aussieht und der Film mit seinen Querverweisen und Anspielungen in sich geschlossen ist. Was natürlich auch daran liegt, dass wir in „Anomalisa“ die Welt sehen, wie Michael Stone sie sieht und er keinen Ausweg aus seiner Welt, seinem Wahn, sieht.
Anomalisa (Anomalisa, USA 2015)
Regie: Charlie Kaufman, Duke Johnson
Drehbuch: Charlie Kaufman (nach seinem als Francis Fregoli veröffentlichtem Theaterstück)
mit (im Original den Stimmen von) David Thewlis, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Facebookseite zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Anomalisa“
Metacritic über „Anomalisa“
Rotten Tomatoes über „Anomalisa“
Wikipedia über „Anomalis“
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DP/30 unterhält sich mit Charlie Kaufman und Duke Johnson über „Anomalisa“
Neu im Kino/Filmkritik: Saoirse Ronan ist in „Brooklyn“
Januar 22, 2016
Irland, fünfziger Jahre. Keine Gegend, in der man unbedingt leben möchte. Immerhin ist es die tiefste Provinz, in der jeder jeden kennt und alles über einen weiß und es wenig Arbeit gibt. Also entschließt sich die junge, introvertierte Eilis Lacy (Saoirse Ronan), angestoßen von ihrer Schwester, das heimatliche Dorf Enniscorthy, ihre Mutter und ihre Schwester, zu verlassen und in den USA ihr Glück zu versuchen. Über den irischstämmigen Geistlichen Father Flood (Jim Broadbent) hat sie in Brooklyn ein Zimmer in dem Haus von Mrs. Kehoe (Julie Walters) und eine Anstellung als Verkäuferin in einem Kaufhaus bekommen. Dennoch hat sie Heimweh, bis sie den jungen, charmanten italienischen Klempner Tony Fiorello (Emory Cohen) kennen lernt.
Doch dann stirbt ihre Schwester und muss sie zurück nach Enniscorthy und plötzlich scheint in ihrer alten Heimat alles Bestens zu laufen: sie erhält eine Büroarbeit und der umschwärmte Rugby-Spieler Jim Farrell (Domhnall Gleeson) interessiert sich für sie.
Wenn man „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“, der unter anderem für den Oscar als bester Film des Jahres nominiert ist, so zusammenfasst, dann klingt es nach einer banalen Liebesgeschichte und man könnte nicht mehr daneben liegen. Denn John Crowley erzählt, nach einem Drehbuch von Nick Hornby, eine Auswanderergeschichte, bei der nicht, wie gewohnt, ein Mann, sondern eine Frau im Mittelpunkt steht. Allein das verleiht „Brooklyn“, wie der vor wenigen Wochen bei uns gestarteten Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (über eine lesbische Liebe in den Fünfzigern in New York), schon eine besondere Note. Und wie „Carol“ ist „Brooklyn“ in erster Linie ein feinfühliges Charakterporträt einer Frau, die ihren Weg finden muss. Die sich zwischen zwei Welten und damit verbundenen Lebensentwürfen entscheiden muss. Soll sie wieder zurück in das dörfliche und beengte Enniscorthy oder doch wieder zurück in das großstädtische und weltoffene New York? Obwohl sie einmal betont, sie wohne nicht in New York, sondern in Brooklyn und auch hier gibt es Grenzen, Vorurteile und die Suche nach dem Traummann. Mrs. Kehoe führt ihre Pension, in der nur junge, alleinstehende Frauen wohnen, mit strenger Hand und sie hat immer eine eindeutige Meinung. Vor allem bei den gemeinsamen Abendessen. Die einzelnen Ethnien, im Film die Iren und die Italiener, bleiben untereinander. So ist Eilis erstaunt, dass sie auf einer irischen Feier einen Italiener kennen lernt. Vor dem Abendessen bei Tonys Familie wird sie auf das Essen von italienischem Essen vorbereitet und das Abendessen verläuft zunächst, dank gegenseitiger Vorurteile und Rücksichtnahmen, in äußerst gedrückter Stimmung.
John Crowley setzte Nick Hornbys präzises Oscar-nominiertes Drehbuch formidabel und wohltuend unaufgeregt um. „Brooklyn“ wirkt in seiner langsamen, sich auf die Menschen und ihr Leben einlassenden Erzählweise als sähe man einen Film aus den Fünfzigern, der auch eine kleine, fast schon ethnographische Gesellschaftsanalyse ist.
Getragen wird der Film von Saoirse Ronan, die hier eine sehr introvertierte Person spielt, die immer wenig bis nichts von sich verrät und allen, weil sie ungern im Mittelpunkt steht, höflich-reserviert begegnet. Und trotzdem interessiert man sich für sie. Das brachte ihr, neben etlichen weiteren Nominierungen und Preisen, eine Oscar-Nominierung als beste Schauspielerin ein.
„Brooklyn“ ist ein ruhiger, schöner, sehr introvertiertes Drama, das, wie „Carol“ etwas Geduld verlangt, weil auf die üblichen Mittel der Emotionalisierung, was bei einem Liebesdrama natürlich Kitsch in großen Portionen ist, verzichtet wird.
Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn, Irland/Großbritannien/Kanada 2015)
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
LV: Colm Tóibín: Brooklyn, 2009 (Brooklyn)
mit Saoirse Ronan, Domhnall Gleeson, Emory Cohen, Jim Broadbent, Julie Walters, Jane Brennan, Fiona Glascott, Eileen O’Higgins, Brid Brennan, Emily Beth Rickards, Eve Macklin, Nora-Jane Noone, Jessica Paré
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Brooklyn“
Metacritic über „Brooklyn“
Rotten Tomatoes über „Brooklyn“
Wikipedia über „Brooklyn“ (deutsch, englisch)
TV-Tipp für den 22. Januar: Unstoppable – Außer Kontrolle
Januar 22, 2016
Pro7, 20.15
Unstoppable – Außer Kontrolle ( USA 2010, Regie: Tony Scott)
Drehbuch: Mark Bomback
Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.
„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.
Im Anschluss, um 22.20 Uhr, läuft „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“.
mit Chris Pine, Denzel Washington, Rosario Dawson
Wiederholung: Sonntag, 24. Januar, 23.25 Uhr
Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Film-Zeit über „Unstoppable – Außer Kontrolle“
Metacritic über “Unstoppable – Außer Kontrolle”
Neu im Kino/Filmkritik: Sandra Bullock ist „Die Wahlkämpferin“
Januar 21, 2016
Natürlich ist ein Film, der von George Clooneys und Grant Heslovs Firma Smokehouse Pictures produziert wird, für den „Dame, König, As, Spion“-Autor Peter Straughan das Drehbuch schrieb und bei dem Sandra Bullock und Billy Bob Thornton mitspielen, nicht grottenschlecht. Allerdings bleibt „Die Wahlkämpferin“ weit unter seinen Möglichkeiten und er schöpft noch nicht einmal ansatzweise sein Potential aus. Jedenfalls wenn man etwas mehr als eine letztendlich sehr leichtgewichtige Polit-Satire erwartet.
Sandra Bullock spielt eine zurückgezogen lebende Wahlkampfmanagerin, die sich von einer früheren Kollegin überzeugen lässt, wieder in ihren alten Job zurückzukehren. Als Bonus erhält die natürlich legendäre Jane Bodine die Gelegenheit, sich an Pat Candy (Billy Bob Thornton), mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat, zu rächen. Denn Candy, der ein skrupelloses Arschloch sein soll (dabei tut er nur, relativ entspannt und professionell, seinen Job), berät einen anderen Präsidentschaftskandidaten, der in allen Umfragen unangefochten und mit weitem Abstand an erster Stelle steht, während Bodines potentieller Kunde abgeschlagen hinter mehreren anderen Kandidaten liegt. Und Bodine, die zuletzt kaum ihre Berghütte verließ, muss die USA in Richtung Süden verlassen. Denn der Wahlkampf geht um die bolivianische Präsidentschaft.
Das könnte, auch weil „Die Wahlkämpferin“ sich von dem Dokumentarfilm „Our Brand is Crises“ über die Arbeit US-amerikanischer Wahlkampfstrategen 2002 in Bolivien inspirieren ließ, eine klugen Analyse über Wahlkampfstrategien, US-amerikanischen Wirtschaftsimperialismus und die Gegebenheiten in Bolivien werden. Bolivien ist in dem Spielfilm als pittoreske Operettenrepublik nur der austauschbare Hintergrund für den Zickenkrieg zwischen Bodine und Candy. Über die politischen Vorstellungen der Kandidaten und damit auch über die Probleme des Landes erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist dann auch der Wahlkampf für die Dramaturgie des Films. Und über Wahlkampfstrategien, also wie Wahlkämpfe in ihrer US-amerikanischen Form (die mit deutschen Wahlkämpfen nicht vergleichbar ist) gemacht werden, erfahren wir absolut nichts. Bodines geniales Talent als Wahlkampfmanagerin beschränkt sich, jedenfalls so weit es uns im Film gezeigt wird, auf banale Erbauungsreden, kindische Intrigen und der lautstark vorgetragenen Forderung, endlich mit einer Schmutzkampagne gegen den potentiellen Sieger zu starten. Denn irgendetwas wird immer hängen bleiben. Vor allem wenn man die Nazi-Keule schwingt.
Dass Bodine, ein psychisch derangiertes Ekel mit dem Mitgefühl einer Topfpflanze (von Sandra Bullock immerhin mit großem Mut zu unvorteilhaftem Aussehen gespielt), am Ende, nachdem die Stimmen ausgezählt sind, einen Moralischen bekommt, kann nur mit dem Befolgen von Drehbuchregeln und der Angst der Macher erklärt werden, dass die Zuschauer die Anklage gegen das Geschäft der Spin-Doktoren und Wahlkampfmanager nicht verstehen werden. Denn aus der vorherigen Geschichte des mutlosen Films, der mehr Klamauk und Sentiment als Satire oder Analyse ist, folgt es nicht.
Die Wahlkämpferin (Our Brand is Crisis, USA 2015)
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Peter Straughan
mit Sandra Bullock, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Joaquin de Almeida, Ann Dowd, Scoot McNairy, Zoe Kazan, Reynaldo Pacheco
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Die Wahlkämpferin“
Metacritic über „Die Wahlkämpferin“
Rotten Tomatoes über „Die Wahlkämpferin“
Wikipedia über „Die Wahlkämpferin“
Neu im Kino/Filmkritik: Extrem sportlich zum „Point Break“
Januar 21, 2016
Gut, Ericson Core, Kameramann von „The Fast and the Furious“ (ihr wisst schon: der Actionthriller, in dem ein junger Undercover-Polizist sich mit einem autoverrücktem Verbrecher befreundet), hat wirklich einige Namen und ein, zwei Details von Kathryn Bigelows Actionthriller „Gefährliche Brandung“(Point Break, USA 1991), der die Blaupause für etliche weitere Thriller war, übernommen, aber zu einem Remake macht ihn das nicht. Eher zu einer sehr freien Interpretation bekannter Elemente, die behauptet, etwas mit dem Original zu tun zu haben. So wie Paul Schraders „Katzenmenschen“ nicht mehr viel mit Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ oder F. Gary Grays „The Italien Jobs“ kaum Gemeinsamkeiten mit Peter Collinsons „Charlie staubt Millionen ab“ (so der deutsche Titel des ersten „Italien Jobs“) zu tun hat. Beides sind auch gute Filme, was man über „Point Break“ nicht unbedingt sagen kann.
In Cores „Point Break“ (nach einem Drehbuch von Kurt Wimmer [„Equilibrium“, „Ultraviolet“ und „Total Recall“]) begibt sich der junge FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey), der gerade seine Agenten-Ausbildung beendet, auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz. Denn er glaubt, dass die Verantwortlichen für mehrere spektakuläre Überfälle an verschiedenen abgelegenen Orten auf unserem Globus eine Gruppe Extremsportler sind. Angeführt werden sie von Bodhi (Edgar Ramirez). Da ist es gut, dass der FBIler selbst eine Vergangenheit als Extremsportler hat und das gut gefüllte Spesenkonto des FBI ihm einen Trip quer durch Europa und Südamerika gestattet.
Das ist auch nötig, weil der Bösewicht ihn zuerst einmal prüft. Weniger, ob er zum Verbrecher taugt, sondern ob er sportlich ist. Denn, das hat der junge FBI-Agent Johnny Utah durch Aktenstudium herausgefunden: der Bösewicht Bodhi verfolgt bei seinen Verbrechen einen viel größeren Plan. Ihm geht es nicht um Geld. Mit seinen Verbündeten will er die acht Prüfungen von Ono Ozaki absolvieren. Der legendäre Extremsportler und Öko-Krieger überlegte sich diese Prüfungen als Weg zur spirituellen Erleuchtung und Aussöhnung mit Mutter Erde. Ozaki starb bei der dritten Prüfung. Und nachdem wir diese Information verdaut haben, wird der Ozaki-Weg zu einem beliebig austauschbarem MacGuffin für eine muntere Weltreise. Auch wenn der Film hauptsächlich in Europa spielt.
Diese mit etwas esoterischem Geschwurbel verkleisterten Mutproben, – Big-Wave-Surfing vor der französischen Küste (die im Film zu bestaunenden Wellen wurden vor Tahiti gefunden), Freeclimbing in Venezuela, Wingsuit-Fliegen und Snowboarden in den Alpen, undsoweiter -, stehen im Mittelpunkt des Films, der auch noch etwas konventionellere Action bietet, während die Krimihandlung noch nicht einmal halbherzig mitgeschleift wird und mit der Logik so freizügig umgegangen wird, wie wir es aus der Luc-Besson-Fabrik kennen, wenn sie gerade einen schlechten Tag hat.
So wird aus dem Versprechen eines Actionthrillers schnell ein banales Werbevideo für Extremsport, das als überlanger Werbeclip bei den Landschaftsaufnahmen und Actionszenen natürlich einige Schauwerte hat. Nur eine Handlung und damit ein nachvollziehbarer Grund, in diesen Spielfilm zu gehen, existiert nicht.
Point Break (Point Break, USA/Deutschland 2015)
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer (nach einer Idee von Rick King und W. Peter Iliff)
mit Luke Bracey, Edgar Ramirez, Teresa Palmer, Clemens Schick, Ray Winstone, Delroy Lindo, Matias Varela, Tobias Santelmann, Max Thieriot, Nikolai Kinski
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
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Moviepilot über „Point Break“
Metacritic über „Point Break“
Rotten Tomatoes über „Point Break“
Wikipedia über „Point Break“ (deutsch, englisch)
TV-Tipp für den 21. Januar: R. I. F. – Ich werde dich finden!
Januar 21, 2016
ZDFneo, 00.40
R. I. F. – Ich werde dich finden! (Frankreich 2011, Regie: Franck Mancuso)
Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi
Während ihrer Fahrt in den Urlaub verschwindet die Frau des Polizisten Stéphane Monnerau spurlos. Er sucht sie – und gerät auch in Verdacht, sie ermordet zu haben.
Spannender, düsterer Thriller aus Frankreich
mit Yvan Attal, Pascal Elbé, Armelle Deutsch, Valentina Cervi, Eric Ruf
Hinweise
Deutscher Krimi Preis 2016 verliehen
Januar 20, 2016Zum 32. Mal wurde der DKP, also der Deutsche Krimi Preis (Was habt ihr denn gedacht? Und, ja, das ist die offizielle Schreibweise.) verliehen. Wie gewohnt ohne großes Tamtam und in zwei Kategorien:
National
1. Platz: Friedrich Ani: Der namenlose Tag (Suhrkamp)
2. Platz: Merle Kröger: Havarie (Ariadne bei Argument)
3. Platz: Zoë Beck: Schwarzblende (Heyne)
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International
1.Platz: Richard Price: Die Unantastbaren (The Whites, Deutsch von Miriam Mandelkow) (S.Fischer)
2. Platz: Fred Vargas: Das barmherzige Fallbeil (Temps Glaciaires, Deutsch von Waltraud Schwarze) (Limes-Verlag)
3. Platz: Sara Gran: Dope (Dope, Deutsch von Eva Bonné) (Droemer)
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Herzlichen Glückwunsch den Gewinnerinnen! Immerhin tragen sie die meisten Preise nach Hause.
TV-Tipp für den 20. Januar: Finstere Gassen (aka „Brighton Rock“)
Januar 20, 2016
Servus TV, 22.20
Finstere Gassen (Brighton Rock, Großbritannien 1947)
Regie: John Boulting
Drehbuch: Terence Rattingan, Graham Greene
LV: Graham Greene: Brighton Rock, 1938 (Am Abgrund des Lebens)
Pinkie Brown, ein 17-jähriger skrupelloser Gangsterboss (Nein, keine Jugendkriminalität. Das gab es damals noch nicht.), bringt einen Journalisten um. Um seine Spuren zu verwischen, bändelt er mit einer jungen Kellnerin, die zu viel gesehen hat, an.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter, bei uns fast unbekannter Gangsterfilmklassiker (mehr in meiner Besprechung des Romans und der beiden Verfilmungen)
mit Richard Attenborough, Carol Marsh, Hermione Baddeley, William Hartnell, Harcourt Williams
auch bekannt als „Brighton Rock“
Wiederholung: Donnerstag, 21. Januar, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)
Rotten Tomatoes über „Brighton Rock“ (Frischegrad: 100 %)
Noir of the Week über „Brighton Rock“ (GB 1947)
Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen
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Die Vorlage
Graham Greene: Am Abgrund des Lebens
(übersetzt von Barbara Rojahn-Deyk)
dtv, 2011
352 Seiten
9,90 Euro
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Deutsche Ausgabe (dieser Übersetzung)
Paul Zsolnay Verlag, Wien 1994
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Originalausgabe
Brighton Rock
William Heinemann Ltd., London, 1938
Neu im Kino/Filmkritik: Liebe und Krieg in der „Suite Française“
Januar 19, 2016
Vielleicht ist der Roman, ein unvollendetes Werk der 1942 in Auschwitz verstorbenen Irène Némirovsky, das erst Jahrzehnte Jahre nach ihrem Tod entdeckt und 2005 veröffentlicht wurde, wirklich besser und packender. Aber die gediegene Verfilmung „Suite Française – Melodie der Liebe“ hat das, was für einen Film wichtig ist, nicht: ein dramaturgisches Zentrum und eine packende Geschichte. Also eine Protagonistin und klar definierte Nebenfiguren. Dabei ist die Idee einer unerfüllten Liebe natürlich nicht schlecht und die Ausgangslage in „Suite Française“ auch voller dramatischem Potential. 1940, während der deutschen Besatzung in Frankreich, versucht Madame Angellier (Kristin Scott Thomas) den Anschein der Normalität aufrecht zu erhalten. Hartnäckig treibt die Gutsherrin das Geld bei ihren Pächtern ein, während sie zu möglichst allen Menschen, vor allem wenn sie von niederem Stand sind, eine ordentliche Distanz zu hält.
Lucile Angellier (Michelle Williams), die mit ihrem Sohn verheiratet ist, wohnt seit einigen Tagen bei ihr. Ihr Mann wird als Soldat von den Deutschen gefangen genommen. Ob er überlebt ist ungewiss. Und Lucile fragt sich auch, ob sie überhaupt will, dass ihr eher ungeliebter Mann den Krieg überlebt. Zur Ablenkung und auch als Vorbereitung auf ihr späteres Leben als Herrin über den Hof nimmt ihre Schwiegermutter sie mit zu den Pächtern. Zum Trost spielt sie Klavier.
Weil alle ihren Teil zum Krieg beitragen müssen, muss auch Madame Angellier einen Teil des Hauses für die deutschen Besatzer räumen. Bei ihr zieht der sehr höfliche und gebildete Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts) ein. Vor dem Krieg war der zwar ungebetene, aber äußerst höfliche Hausgast Musiker und Komponist; was natürlich Lucile gefällt.
In einem Nicholas-Sparks-Film würde die Liebe von Lucile und Bruno zu einer dieser großen und kitschigen Liebesgeschichten werden. In „Suite Française“ ist es eher eine äußerst scheue Liebesgeschichte zwischen den beiden Musikern im Stand-By-Modus, während ein Subplot nach dem nächsten unsere Aufmerksamkeit fesseln soll, aber nur von der Hauptgeschichte ablenkt. Und das ist auch das Problem von „Suite Française“. Letztendlich zeigt es die Besatzungszeit mit vielen bekannten Schauspielern, aber ohne eine wirkliche Geschichte. Es gibt eher zufällige Episoden aus dem Leben der Dorfbevölkerung, die oft interessanter als die Liebesgeschichte sind. Denn nicht alle Deutschen sind so höflich wie Offizier von Falk und nicht alle Franzosen so friedfertig wie die Damen Angellier. Aber alles geschieht eher zufällig und ohne wirkliche dramatische Zuspitzungen.
Suite Française – Melodie der Liebe (Suite Française, Großbritannien/Frankreich 2014)
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Saul Dibb, Matt Charman
LV: Irène Némirovsky: Suite Française, 2004 (Suite Française)
mit Michelle Williams, Matthias Schoenaerts, Kristin Scott Thomas, Margot Robbie, Ruth Wilson, Clare Holman, Sam Riley, Tom Schilling, Heino Ferch, Lambert Wilson, Alexandra Maria Lara
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Moviepilot über „Suite Française“
Metacritic über „Suite Française“
Rotten Tomatoes über „Suite Française“
Wikipedia über „Suite Française“ (deutsch, englisch)
Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Wirtschaftsthriller „The Big Short“
Januar 19, 2016
Bei den Golden Globes verlor „The Big Short“ in der Kategorie „Beste Komödie oder Musical“ gegen „Der Marsianer“. Aber jetzt ist er für den Oscar als bester Spielfilm nominiert. Und Adam McKay, dessen vorherigen Regiearbeiten leichtgewichtige Komödien, wie „Die etwas anderen Cops“ und die beiden „Anchorman“-Filme waren, die nicht gerade durch erzählerische Stringenz und eine treffsichere Analyse überzeugten. Doch genau das gelingt „The Big Short“, McKays grandioser Aufarbeitung der 2007 in den USA geplatzten Immobilienblase, die die Weltwirtschaft nachhaltig schädigte und die zahllose Kleinanleger ruinierte. Für sie sind die Folgen des unglaublichen Leichtsinns der Spekulanten noch heute spürbar.
Dabei gab es warnende Stimmen, denen jetzt – ausgehend von Michael Lewis‘ Sachbuch „The Big Short“ – in dem Film ein durchaus unpathetisches Denkmal gesetzt wird. Denn zum Helden, vor allem zum strahlenden Hollywood-Helden, taugt keiner von ihnen. Der eine ist Dr. Michael Burry (Christian Bale), ein ehemalige Neurologe, der zum Hedgefond-Manager mit Narrenfreiheit (solange die Zahlen stimmen) wurde, ein Glasauge und seltsame Angewohnheiten hat. Mit anderen Menschen kann er nicht so gut umgehen, aber er vertieft sich in die Zahlen und entdeckt, dass die Fundamente des Immobilienmarktes mehr als brüchig sind. Für ihn ist offensichtlich, dass der Markt demnächst zusammenbrechen wird.
Der andere ist der egozentrische Hedgefonds-Manager Mark Baum (Steve Carell), der fleischgewordene Alptraum jedes Cholerikers, der zwar einen moralischen Kompass, aber keine Manieren hat. Der „Deutsche Bank“-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling) weist ihn, durchaus eigennützig, auf die faulen Kredite hin, die durch einige Buchungstricks zu guten Krediten umgewidmet werden. Gemeinsam wollen sie von dem erwartbaren Zusammenbruch des Marktes profitieren.
Doch bevor sie gemeinsame Sache machen, zieht Baum, der Vennett nicht glaubt, in Florida Erkundigungen über einige dieser Hauskredite ein und er ist schockiert.
Und dann gibt es noch die beiden jungen Geldmanager Jamie Shipley (Finn Wittrock) und Charlie Geller (John Magaro), die ebenfalls durch Zufall auf die Zahlen stoßen und sie mit dem Ex-Banker Ben Rickert (Brad Pitt), der mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will, vergolden wollen.
Sie erkannten als Wall-Street-Außenseiter, was die Experten nicht erkannten oder nicht erkennen wollten in der Hoffnung, dass es immer so weitergeht.
McKay inszenierte seinen Spielfilm „The Big Short“ wie einen Dokumentarfilm, der zufällig dabei war, als die handelnden Personen ihre Entdeckungen machten. Sie und einige prominente Gäste, wie Margot Robbie, Anthony Bourdain, Selena Gomez und Dr. Richard Thaler (ein Verhaltensökonom), erklären die komplizierten ökonomischen Vorgänge in einer so atemberaubenden Geschwindigkeit, dass man beim ersten Ansehen gar nicht alle Feinheiten mitbekommen kann. Humor und satirische Zuspitzungen helfen, auch wenn einem mehr als einmal das Lachen im Hals stecken bleibt. Vor allem natürlich über die Arroganz der Banker, die ihren schlechten und spekulativen Produkte als sichere Geldanlagen verkaufen. Die Geschichte entwickelt sich flott zwischen den verschiedenen Handlungssträngen wechselnd (weshalb die Stars auch nie bis fast nie zusammen auftreten) auf die bekannte Katastrophe, das Platzen der Immobilienblase im Sommer 2007, zu.
„The Big Short“ ist ein scharfsinniger, aufklärerischer, in jeder Sekunde konzentrierter und an die Intelligenz seines Publikums glaubender Film, den so niemand von Adam McKay erwartet hätte. Oder wie Steve Carell sagt: „Wenn mich jemand auf einer Cocktailparty fragen würde, worum es in dem Film geht, würde ich antworten: ,Erinnern Sie sich, als die Subprime-Hypotheken über die Wupper gingen und all die Firmen ihre Türen schließen mussten und niemand dafür ins Gefängnis wandern musste? Erinnern Sie sich daran? Erinnern Sie sich, wie alles einfach explodierte? Und dann die Regierung kam und alle rausboxte und alles wieder okay erschien? Darum geht es in diesem Film. Es ist ein Horrorfilm, der viel schrecklicher ist, als ich es gerade beschrieben habe.‘“
The Big Short (The Big Short, USA 2015)
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay, Charles Randolph
LV: Michael Lewis: The Big Short: Inside the Doomsday Machine, 2010 (The Big Short: Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte)
mit Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, John Magaro, Finn Wittrock, Marisa Tomei, Melissa Leo, Hamish Linklater, Rafe Spall, Jeremy Strong, Anthony Bourdain, Margot Robbie, Selena Gomez
Länge: 131 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
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Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „The Big Short“
Metacritic über „The Big Short“
Rotten Tomatoes über „The Big Short“
Wikipedia über „The Big Short“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Big Short“
Meine Besprechung von Adam McKays „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ (Anchorman 2: The Legend continues, USA 2013)
Veröffentlicht von AxelB 









