DVD-Kritik: Der Film, der Ronald Reagan und Stanley Kubrick gefiel: „Das Kommando“

Mai 17, 2013

Als der Thriller „Das Kommando“ vor über dreißig Jahren gedreht wurde, war Lewis Collins dank der heute immer noch bekannt-beliebten Serie „Die Profis“ (The Professionals), die bei uns nur selten, in England fast ständig läuft, ein bekannter TV-Star, der von einer großen Kinokarriere träumte. Auch als James Bond war er im Gespräch – und er wäre, nach dem witzigen Roger Moore sicher wieder ein Schritt zurück zu dem Sean-Connery-James-Bond gewesen.

Ian Sharps Kinodebüt sollte, nachdem er bereits einige Folgen für „Die Profis“ drehte, für Collins der erste Schritt in diese Richtung sein und wenn man sich heute „Das Kommando“ ansieht, sieht es wie eine überlange Folge von „Die Profis“ aus, ohne Doyle (sein von Martin Shaw gespielter Partner, der danach eine beachtliche Karriere hatte und heute George Gentley ist), aber mit Frau und Baby. Denn der von Lewis Collins gespielte SAS-Agent Peter Skellen wird in einem Undercover-Einsatz in eine Gruppe Terroristen eingeschleust, die in der Öffentlichkeit als Pazifisten auftreten und von der jungen Frankie Leith (Judy Davis), die Dank ihrer Erbschaft keine Geldsorgen hat und sich als Künstlerin selbst verwirklicht, angeführt. Sie erinnerte mich spontan an Patty Hearst, die 1974 von Terroristen entführte Millionärstochter, die selbst zur Terroristin wurde. Skellen erschleicht schnell und mühelos ihr Vertrauen. Ihre Freunde bleiben misstrauisch und haben auch einige Beweise.

Dennoch nimmt die verliebte Terroristin ihn mit zu ihrem großen Coup: der Geiselnahme des US-amerikanischen Außenministers Arthur Currie (Richard Widmark in einem seiner letzten Filmauftritte) und seiner hochrangigen Diner-Gäste. Skellen will natürlich das Schlimmste verhindern und wir können einen der ersten Filme sehen, in denen die Arbeit der SAS und der damals in anderen Ländern gegründeten Spezialeinheiten, wie der GSG 9 in Deutschland, realistisch, aber auch glorifizierend gezeigt wird.

Denn die Inspiration für den Film war für Produzent Euan Lloyd („Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“) die Geiselnahme in der iranischen Botschaft am 30. April 1980 in London und die erfolgreiche Geiselbefreiung durch die SAS am 5. Mai. Die SAS, die damals noch verschwiegener als heute war, half bei „Das Kommando“ auch hinter den Kulissen. Einige der Actionszenen bei der Geiselbefreiung, vor allem das Herabseilen der SAS-Männern aus den Hubschraubern, wurden von SAS-Männern gespielt.

Damals wurde der Thriller – der noch vor den vielen reaktionären 80er-Jahre-Actionfilme, ungefähr parallel zu dem ziemlich langweiligem Sylvester-Stallone-Terroristenthriller „Nachtfalken“ (Nighthawks, USA 1981) entstand – von Kritikern vor allem wegen seiner konservativen Botschaft verrissen. Zwei Beispiele:

„Unterhaltungskino als Träger reaktionärer, rechter politischer Inhalte. Es ist schon beängstigend, dass und wie ungute Traditionen wieder zum Leben erweckt werden.“ (Fischer Film Almanach 1983)

„Ein zynischer Film, der nur durch seine Menschenverachtung auffällt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Und, heute absolut rätselhaft, in Deutschland landete die Videocassette des Films auf dem Index.

In den USA war der damalige Präsident der USA, Ronald Reagan, von dem Film begeistert, sein Lob wurde für die Werbung benutzt – und, so Euan Lloyd im Audiokommentar, damit wurde der Film zu einem Flop in den USA, weil die Filmkritiker ihn verrissen und er, als „The Final Option“, nur einen kleinen US-Start erhielt. Es gab vor Kinos Proteste gegen den Film. In England protestierte vor allem die People for Nuclar Disarmament (PND), die sich zu Unrecht als Terroristen porträtiert sah. Dabei, so Lloyd im Audiokommentar, hätten sie doch immer deutlich zwischen den Protestlern und den Terroristen, die Anarchisten seien und die ahnungslosen Atomwaffengegner unterwandert hätten, unterschieden.

Hm.

Denn selbstverständlich ist „Das Kommando“ eine bei der SAS und SAS-Fans sehr beliebte Glorifizierung der SAS, die hier alles richtig macht (Nordirland kommt nicht vor) und die hehren Werte der Demokratie gegen Atomwaffengegner und Friedensbewegung, die alle Naivlinge sind, mit der MP verteidigt. So ist der Disput zwischen Frankie und dem Außenminister über ihre Ziele und Methoden schon schmerzhaft dümmlich; – was auch an dem Plan der Terroristen liegt: sie wollen, dass eine Atombombe über einem bewohnten Gebiet gezündet wird, um vor den Gefahren und Folgen eines Atomkriegs zu warnen.

Dennoch gelingt Ian Sharp bei seinem ersten Spielfilm durchaus ein Sittenbild der damaligen Zeit: die Befehlshaber, die anscheinend noch den zweiten Weltkrieg erlebten; die Soldaten, die trainieren, trainieren und im Einsatz eiskalt ihre Mission erfüllen, manchmal auch mit etwas Undercover-Arbeit; die alternative Szene, die ein buntes Gemisch aus Linksintellektuellen, Geistlichen, Protestlern und, auch, Terroristen ist, die hier im Hintergrund von mächtigen Männern unklarer Herkunft (sagen wir mal: Araber, Banker und hochrangige Politiker), die eine bestimmte Stimmung erzeugen wollen, „gelenkt“ werden. Das ist dann schon ziemlich zynisch, gepaart mit einem Schuss Verschwörungstheorie.

Hier zeigt sich die britische TV-Schule, die immer wieder spektakuläre Serien hervorbrachte. Allerdings ist die vor einem ähnlichen Hintergrund spielende BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness), geschrieben von Troy Kennedy-Martin, in ihrer Durchleuchtung von Machtstrukturen um Längen besser – und sie hat auch eine vollkommen konträre Botschaft.

Insofern ist „Das Kommando“, das natürlich entlang einer spannenden Geschichte mit eindeutigen Zuschreibungen von Gut und Böse und einigen Unwahrscheinlichkeiten (wie dass sich die Terroristin sofort in den SAS-Agenten verliebt) geplottet wurde, teilweise gar nicht so reaktionär, wie er damals von der Kritik wahrgenommen wurde und für einen altmodisch-spannenden Thrillerabend mit etwas Action, der mehr in den Siebzigern als in den Achtzigern verwurzelt ist, taugt er allemal.

Und Lewis Collins? Er drehte danach noch drei Söldner-Filme, die damals ein sehr populäres Subgenre waren, und verschwand von der Bildfläche.

Als Bonusmaterial gibt es den schon mehrfach angesprochenen, 2010 aufgenommenen Audiokommentar mit Produzent Euan Lloyd und Regisseur Ian Sharp, der einen wirklich guten Einblick in die gesamte Entstehungsgeschichte des Films, die Dreharbeiten und die Reaktionen liefert. Dort erfahren wir auch, dass auch Stanley Kubrick und Steven Spielberg sich lobend über den Thriller äußerten.

Das Kommando - DVD-Cover-innen

Das Kommando – Die endgültige Entscheidung (Who dares win, Großbritannien 1982)

Regie: Ian Sharp

Drehbuch: Reginald Rose

„LV“/Original Story: George Markstein: The Tiptoe Boys

Musik: Roy Budd

mit Lewis Collins, Judy Davis, Richard Widmark, Edward Woodward, Robert Webber, Tony Doyle, Ingrid Pitt, Albert Fortell

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DVD

Ascot-Elite

Bild: 1.78:1/16:9

Ton: Deutsch (DTS 2.0, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Audiokommentar von Euan Lloyd und Ian Sharp, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

AllMovie über „Das Kommando“

Rotten Tomatoes über „Das Kommando“

Wikipedia über „Das Kommando“ (deutsch, englisch)

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Einige zeitgenössische Berichte über den Film

Nachdem der erste Clip mittendrin abbricht, auch beim zweiten Clip die Bildqualität historisch ist und beim dritten Clip besser wird, wird es jetzt  noch besser


TV-Tipp für den 17. Mai: Der Kuss vor dem Tode

Mai 17, 2013

ZDFneo, 23.05

 

Der Kuß vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)

 

Drehbuch: James Dearden

 

LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)

 

Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.

 

Nettes Remake.

 

Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo

 

Hinweise

 

Wikipedia über „Der Kuß vor dem Tode“ (deutsch, englisch)

 

Kriminalakte: Nachruf auf Ira Levin


Kurzkritik: Jeffery Deaver: Die Angebetete

Mai 16, 2013

 

Deaver - Die Angebetete - 2

Nach seinem durchwachsenen Ausflug in internationale Gefilde mit dem James-Bond-Roman „Carte Blanche“ ist Jeffery Deaver wieder zurück in den USA und Kinesik-Expertin Kathryn Dance darf, mit etwas Hilfe von Lincoln Rhyme und Amelia Sachs, ihren dritten Fall lösen.

Dabei wollte sie nur einige Tage Urlaub nehmen und in Fresno eine alte Bekannte, die erfolgreiche Country-Sängerin Kayleigh Towne, besuchen. Kaum ist sie dort eingetroffen, erfährt sie, dass Kayleigh von Edwin Sharp gestalkt wird. In der Nacht wird Bobby Prescott, der Chef der Roadcrew und langjährige Freund von Kayleigh, ermordet und Sharp ist der Hauptverdächtige, der als Stalker von seiner Sicht der Wirklichkeit, nämlich dass Kayleigh ihn liebt und sie von ihrer Entourage beeinflusst und in Quasi-Haft gehalten wird, bedingungslos überzeugt und schlau genug ist, keine Spuren zu hinterlassen.

Aber ist er wirklich der Mörder? Immerhin befinden wir uns in einem Roman von Jeffery Deaver, der für seine wendungsreichen Enden bekannt ist, und Sharp ist eigentlich viel zu verdächtig, um der Mörder zu sein.

Wie Deaver ihn dann über gut fünfhundertfünfzig kurzweilige Seiten immer wieder be- und entlastet und die Gesichtsleserin Kathryn Dance bei der Mörderjagd auch einige andere Übeltäter überführt, die mehr oder weniger Trittbrettfahrer der Taten des Mörders sind, der nach der Ermordung von Bobby Prescott weitere Menschen in Kayleighs Umfeld tötet, ist gutes Spannungshandwerk, bei dem man auch einiges über die Country-Musik, das Musikgeschäft und die Veränderungen des Geschäfts durch das Internet lernen kann. Denn, wie immer, hat Deaver seine Recherche gemacht.

Mir kamen allerdings einige der Wendungen in der zweiten Hälfte von „Die Angebetete“ zu plötzlich, einige Subplots wurden zu schnell abgehandelt und einige Szenen, wie die Begegnung von Kayleigh und Sharp ungefähr in der Buchmitte, hätten gewinnbringender verarbeitet werden können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

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Jeffery Deaver: Die Angebetete

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2013

576 Seiten

19,99 Euro

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Originalausgabe

XO

Simon & Schuster, 2012

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Hinweise

Homepage von Jeffery Deaver

Deutsche Homepage von Jeffery Deaver

Wikipedia über Jeffery Deaver (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Mai: Jerry Cotton: Mordnacht in Manhattan

Mai 16, 2013

 

Das Vierte, 20.15

 

Jerry Cotton: Mordnacht in Manhattan (D 1965, R.: Harald Philipp)

 

Drehbuch: Axel Berg (Pseudonym von Herbert Reinecker)

 

LV: gleichnamige Heftserie aus dem Bastei-Lübbe-Verlag

 

Fall Nummer Zwei für den tapferen Mann vom FBI: Eine Bande erpresst von Geschäftsleuten Schutzgeld.

 

Hält mühelos das Niveau des ersten Falles.

 

Mit George Nader, Heinz Weiss, Richard Münch, Willy Semmelrogge

 

Wiederholung: Freitag, 17. Mai, 00.05 Uhr (Taggenau!)

 

Hinweise

Wikipedia über Jerry Cotton

 

Bastei über Jerry Cotton

 

Meine Besprechung von Martin Comparts „G-Man Jerry Cotton“ (2010)

 


Über „Secret Service – Jahrbuch 2013“

Mai 15, 2013

 

Syndikat - Secret Service Jahrbuch 2013

Am bewährten Konzept von seinem Jahrbuch „Secret Service“ hat das Syndikat, Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur AIEP/IACW, nichts geändert: es gibt oft erstaunlich kurzweilige Erlebnisberichte von Autoren von ihren Lesungen und Veranstaltungen während der Criminale, dem, hm, jährlichen Klassentreffen der Krimiautoren, Kurzkrimis, etwas Gehirnfutter, dieses Mal vor allem von Prof. Dr. med. Burkhard Madia über „Rechtsmedizin – unerkannte Morde“, Thomas Przybilkas Überblick über „Wichtige Sekundärliteratur zur Kriminalliteratur“ und die immer lesenswerten Befragungen der 2012er Glauser-Preisträger, bei denen die Herausgeber immer noch verschweigen, welche Glauser-Preise Michael Theurillat, Lena Avanzini, Nina George, Maja von Vogel und Thomas Przybilka erhielten.

 

Also: Michael Theurillauts „Rütlischwur“ (Ullstein) war der beste Roman, Lena Avanzinis „Tod in Innsbruck“ (emons) das beste Debüt, Nina Georges „Das Spiel ihres Lebens“ (in „Scharf geschossen“ [KBV]) der beste Kurzkrimi, Maja von Vogels „Nachtsplitter“ (dtv) erhielt den Hansjörg-Martin-Preis (aka bester Kinder- und Jugendkrimi) und Thomas Przybilka erhielt – verdient – den Friedrich-Glauser-Ehrenpreis für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur.

 

Witzig ist Andreas Grubers „Wie man keinen erfolgreichen Roman schreibt“. Ich befürchte allerdings, dass einige die ironisch gemeinten Ratschläge für bare Münze nehmen.

 

Viel zu knapp ist Marc Ritters „Das E-Book: Gestern – Heute – Morgen“. Der auf einem zweistündigem Vortrag basierende Text bleibt nämlich zu sehr an der Oberfläche.

 

Ziemlich ärgerlich ist „UrhG! Auch das noch“ von Angela Eßer und Nina George, die die Aktionen des Syndikats zum Urheberrecht Revue passieren lassen und marktschreierisch auf dem Debattenstand von vor ungefähr einem Jahr verharren, inclusive Selbstwidersprüchen. So polemisieren sie zuerst über „krude Ideen von der Kulturflatrate, der Kulturmark, ‚Freemium-Geschäftsmodellen’“, die von den „Hardlinern gegen das Urheberrecht“, die da wären „von der Netzpolitik, von einer Handvoll dauerpublizierender Netzaktivisten, unterstützt von Giganten wie Google, Amazon und Apple“, verfochten werden. Wenige Seiten später, nachdem sie das derzeitige Modell von Bibliothekstantiemen und sonstigen Abgaben (dass Studiengebühren auch dazu gehören, war mir neu), die über die VG Wort an die dort gemeldeten Autoren (aufgrund der von ihnen gemeldeten Texte) jährlich ausgeschüttet werden, erläutert haben, fordern sie „die Übertragung dieses Rechte-Kreislaufs auf das Internet“. Hm, klingt irgendwie nach Kulturflatrate.

 

Der gesamte Text ist nicht besonders zielführend, wenig zukunftsweisend, rennt lautstark mit einem „JA zum Urheberrecht!“ offene Scheunentüre ein, ohne auf die wirklich interessante Frage, wie das Urheberrecht an die digitale Welt angepasst werden soll, einzugehen.

 

Aber auch die von VG Wort jüngst initiierte und im Netz ziemlich lautlos verhallte Initiative „Wir geben 8“ ist da in ihrem Festhalten am Bestehenden keinen Schritt weiter, spricht sich aber gegen Fair Use (als ob Google Books ein Standard-Fair-Use-Fall wäre) und Remixe (als ob Romane, wie Filme oder Songs, in einer Cut-and-Paste-Technik geremixed würden) aus.

 

Und gerade nachdem letztes Jahr so engagiert über das Urheberrecht diskutiert wurde, hätte das Syndikat in der diesjährigen Ausgabe seines Jahrbuchs das Thema durchaus mit sich widersprechenden Meinungen in einem Streitgespräch oder verschiedenen Texten behandeln oder einen von diesen „Hardlinern gegen das Urheberrecht“ um einen Text bitten können.

 

Aber aus den vielen Mafia-Filmen wissen wir, dass das Syndikat keine anderen Meinungen zulässt und Störenfriede gerne in der Wüste verbuddelt oder den nächsten Fluss, gerne mit Betonschuhen, wirft.

 

 

Zwei Lesetipps: Anne Chaplet, aka Cora Stephan, hat in ihrer Kolumne über die diesjährige Criminale ähnliche Punkte mit einem ähnlichen Tenor angesprochen.

 

Stefan Niggemeier hat bei der VG Wort mal nachgefragt – und keine richtige Antwort auf seine Fragen zur „Wir geben 8“-Kampagne erhalten.

 

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Syndikat (Hrsg.): Secret Service – Jahrbuch 2013

 

Gmeiner, 2013

 

320 Seiten

 

9,99 Euro

 

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Hinweise

 

Homepage vom Syndikat

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

 

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2012“

 

 


TV-Tipp für den 15. Mai: Angst über der Stadt

Mai 14, 2013

HR, 23.15

 

Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)

 

Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber

 

Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.

 

Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.

 

„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)

Anschließend, um 01.10 Uhr läuft „Der Außenseiter“ (Fr 1983); nicht unbedingt ein Belmondo-Highlight.

 

 

Mit Jean-Paul Belmondo, Charles Denner, Catherine Morin, Berto Maria Merli, Lea Massari

Hinweise

 

Arte über “Angst über der Stadt”

 

Wikipedia über “Angst über der Stadt”

 

Kölner Stadt-Anzeiger: Daniel Kothenschulte zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

 

Stuttgarter Zeitung: Sabine Glaubitz zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

 

Tagesschau: Angela Ulrich zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

 

Deutsche Welle: 4-minütiger Film zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

 

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (mit Jean-Paul Belmondo in der Hauptrolle)

 

Jean-Paul Belmondo in der Kriminalakte


Cover de Woche

Mai 14, 2013

Dexter - Tollwütig


TV-Tipp für den 14. Mai: Night Train

Mai 14, 2013

 

Tele 5, 22.20

Night Train (USA 2009, R.: Brian King)

Drehbuch: Brian King

Weihnachten: in allerletzter Sekunde kann ein Mann, der ein Holzkästchen bei sich hat, irgendwo im Nirgendwo einen Zug besteigen. Kurz darauf ist er tot. Seine Mitreisenden erblicken in dem Kästchen Juwelen – und die Gier nach ihnen bestimmt fortan das Handeln der Reisenden.

„Night Train“ ist einer der kleinen Filme, die auf einem begrenzten Raum und mit wenigen Schauspielern eine ordentliche Portion an Thrill herausholen. Früher wäre „Night Train“ als eine Folge der „Twilight Zone“ oder von „Alfred Hitchcock präsentiert“ durchgegangen.

mit Danny Glover, Steve Zahn, Leelee Sobieski, Matthias Schweighöfer, Takatsuna Mukai, Togo Igawa, Richard O’Brien, Jo Marr, Constantine Gregory, Geoff Bell

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Night Train“

Wikipedia über „Night Train“

Meine Besprechung von Brian Kings „Night Train“ (Night Train, USA 2009)


Neu im Kino/Filmstart: „Tilt“ – Stash verliebt sich in das falsche Mädchen

Mai 13, 2013

 

Stash und seine Kumpels sind jugendliche Kleinkriminelle, die in ihrem Treffpunkt abhängen, Flipper spielen und VHS-Kopien von Pornos herstellen, die sie dann unter der Hand verkaufen. Stash ist auch ein begeisterter Skater. Bei einer Wette – es geht um die Verfolgung eines Busses – sieht er zum ersten Mal Becky. Er verliebt sich sofort in sie und baut einen Unfall, der ihn für die nächsten Tage an einen Rollstuhl fesselt. Auch sie verliebt sich in ihn und sie will nicht auf ihren Vater Katev hören, der, durchaus verständlich, etwas gegen ihre Liebe zu dem jugendlichen Hallodri hat.

Dummerweise ist Katev ein hoher Polizist und weil die Geschichte 1989 in Sofia beginnt, hat er auch die gesamte Macht eines korrupten Staatsapparats hinter sich, der Stash und seine Freunde lebenslang in einem bulgarischen Gefängnis einsperren kann. Außerdem gibt es einen Verräter in Stashs Freundeskreis, der der Polizei ihr Versteck verrät.

Nach der Wende scheint sich alles zu ändern. Stash und seine beiden besten Freunde fahren nach Deutschland, um dort das Geld für ihren Traum, eine Bar namens „Tilt“, zu verdienen. Becky wird an der Grenze von ihrem Vater aus dem Zug geholt und Stash soll nie wieder zurück nach Bulgarien kommen.

In Deutschland versuchen sie mit schlechtbezahlten Jobs über die Runden zu kommen. Aber Stash ist immer noch in Becky verliebt.

1991 kehrt Stash zurück nach Sofia und, wie es sich für einen Gangsterfilm gehört, sieht er, dass er verraten wurde. Ein Kumpel hat jetzt die von ihnen erträumte Bar „Tilt“ eröffnet, aus den Kleingangstern wurden Großkriminelle und Katev hat immer noch gute Beziehungen. Auch wenn ein Regime weggefegt wurde, hat sich wenig geändert.

„Tilt“, der in Bulgarien enorm erfolgreiche Debütfilm von Victor Chouchkov Jr., beginnt als Jugendgangsterdrama, wird dann zu Romeo und Julia, zu einem Auswandererdrama und am Ende zu einem Gangsterdrama, das deutlich von den westlichen Gangsterfilmen beeinflusst ist und die Story, immer auch mit einem Hauch Nouvelle Vague, weitgehend entlang der Konventionen entfaltet. Aber weil er in Bulgarien während der Wendejahre spielt, zeigt er auch ein Land im Umbruch und so gewinnt die Geschichte eine Dimension, die entsprechende US- und britische Gangsterfilme nicht haben.

Der Blick aus der bulgarischen Perspektive auf das damalige Deutschland ist sicher der für uns ungewöhnlichste Teil des Films. Denn langweiliger und deprimierender, aber ohne die biedere Larmoyanz, die wir aus deutschen Filmen kennen, kann der gelobte Westen zwischen Friedhof (wo sie jobben) und Kleinstadtdisco (wo sie feiern) wohl kaum aussehen. Gedreht wurde in der ostdeutschen Kleinstadt Heiligenstadt, die in „Tilt“ die archetypische deutsche Provinzstadt im Purgatorium ist.

Da ist es nachvollziehbar, dass Stash nicht mehr im Westen als Friedhofsgärtner arbeiten will, sondern zurück in seine alte Heimat will. Auch wenn Becky keinen seiner Briefe beantwortete.

Tilt - Plakat

Tilt (Tilt, Bulgarien/Deutschland 2011)

Regie: Victor Chouchkov Jr.

Drehbuch: Victor Chouchkov Jr., Barislav Chouchkov

mit Yavor Baharoff, Radina Kardzhilova, George Staykov, Ovanes Torosyan, Ivaylo Dragiev, Alexander Sano

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tilt“

Rotten Tomatoes über „Tilt“

Wikipedia über „Tilt“

 

 


TV-Tipp für den 13. Mai: Two Lovers

Mai 13, 2013

Arte, 20.15

Two Lovers (USA 2008, R.: James Gray)

Drehbuch: James Gray, Rick Menello

Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.

Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.

mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas

Wiederholung: Mittwoch, 15. Mai, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Wikipedia über “Two Lovers” (deutsch, englisch)

IFC: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Spout Blog: Interview mit James Gray über „Two Lovers“

Coming Soon: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Collider: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

IndieWire: Interview mit James Gray über “Two Lovers”

Meine ausführliche Besprechung von “Two Lovers” (Two Lovers, USA 2008 – mit weiteren Informationen)

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Der Buchtipp

Roesler-Keilholz - Keilholz HRSG - James Gray

96 Seiten – das täuscht. Denn der von Silke Roesler-Keilholz und Sascha Keilholz herausgegebene Sammelband „James Gray – Der filmische Raum zwischen Nähe und Distanz“ ist extrem klein gedruckt. Andere Verlage hätten den Text locker auf gut 192 Seiten verteilt und es würde sich immer noch niemand über den Platz zwischen den Buchstaben beschweren.

In dem Sammelband sind Analysen von James Grays Filmen „Little Odessa“, „The Yards“, „We own the Night“ und „Two Lovers“ und ein Interview mit James Gray. Klingt doch gut?

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Silke Roesler-Keilholz/Sascha Keilholz (Hrsg.): James Gray – Der filmische Raum zwischen Nähe und Distanz

Schüren, 2012

96 Seiten

14,90 Euro


TV-Tipp für dn 12. Mai: Charles Bronson – Der Grenzwolf

Mai 12, 2013

 

Tele 5, 20.15

Charles Bronson – Der Grenzwolf (USA 1980, R.: Jerrold Freedman)

Drehbuch: Jerrold Freedman, Steve Kline

Charles Bronson spielt in dem sehenswerten Polizeithriller einen Polizisten an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, der Menschenschmuggler jagt.

„Der Grenzwolf“ ist ein ungewöhnlicher Charles-Bronson-Film über den der Hauptdarsteller sagte: „Ich denke, dass Filme bilden und unterhalten können. ‚Der Grenzwolf‘ tut beides.“ – Und damit gehört er in eine Reihe von damals entstandenen Filmen, die sich facettenreich mit den Problemen an der Grenze beschäftigten.

„Regisseur Freedman hat geschickt Elemente von Western, Polizeifilm und Politthriller zu einer soliden Schilderung von Bereichen genutzt, in denen dritte Welt und Wohlstandsgesellschaft aufeinanderprallen.“ (Fischer Film Almanach 1986)

Der deutsche Kinostart war, als „Der Grenzwolf“, am 31. Mai 1985.

mit Charles Bronson, Bruno Kirby, Michael Lerner, Kenneth McMillan, Ed Harris, Karmin Murcelo, Enrique Castillo, Wilford Brimley

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Grenzwolf“

Wikipedia über „Der Grenzwolf“

SWR Filmspaicher über „Der Grenzwolf“ (ganz unten)

Charles Bronson in der Kriminalakte

 

 


Terrence-Malick-Tage im Arsenal – und eine Buchvorstellung

Mai 11, 2013

Bis zum Kinostart von „To the Wonder“, dem neuen Spielfilm von Terrence Malick, am 30. Mai dauert es noch einige Tage. Genug Zeit, um sich noch einmal seine Filme anzusehen. Am Besten natürlich auf der großen Leinwand und die Berliner müssen sich dafür nur in die U-Bahn zum Potsdamer Platz setzen. Denn das Kino Arsenal zeigt in einer Werkschau alle Filme von Terrence Malick und die Dokumentation „Rosy-Fingered Dawn: A Film on Terrence Malick“ (Italien 2002).

Am Sonntag, den 12. Mai, wird die Reihe um 19.30 Uhr mit Malicks Debütfilm „Badlands“ und der Präsentation von Dominik Kamalzadeh und Michael Peklers Buch „Terrence Malick“ eröffnet.

In „Terrence Malick“ beschäftigen sich die beiden Filmjournalisten, sehr informativ, mit einzelnen Aspekten seines Werkes, versuchen das Leben des notorisch verschwiegenen Malick zu durchleuchten und besprechen, mit vielen Bildern, jeden seiner sechs Filme, von denen vor allem seine beiden ersten Filme „Badlands“ und „Days of Heaven“ aufgrund der Bilder Kultstatus genießen. Es sind auch meine beiden Lieblings-Malicks. „The Thin Red Line“ ist eine starbesetzte Meditation über den Krieg, die mir gefiel, aber einige meiner Kumpels für den langweiligsten Film ihres Lebens hielten. „The New World“ ist Malicks Version der Begegnung von John Smith mit der Indianerprinzessin Pocahontas. Der Film existiert in verschiedenen Fassungen. Am 26. Mai zeigt das Arsenal auch den gut dreistündigen, in Deutschland nicht veröffentlichten Extended Cut auf der großen Leinwand.

Endgültig esoterisch wurde es mit „The Tree of Life“, einem fulminantem Langweiler, und „To the Wonder“, der „The Tree of Life“ mit kürzerer Laufzeit und ohne Dinosaurier ist. Aber vielleicht verstehe ich nach der Lektüre von „Terrence Malick“ „To the Wonder“ besser und finde den Film gar nicht mehr soo schlecht.

Sehr gut finde ich jedenfalls die Arsenal-Filmreihe und Dominik Kamalzadeh und Michael Peklers Buch „Terrence Malick“.

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Die Filme von Terrence Malick

Badlands, USA 1973 (Badlands – Zerschossene Träume), mit Martin Sheen, Sissy Spacek, Warren Oates

Days of Heaven, USA 1978 (In der Glut des Südens), mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard

The Thin Red Line, USA 1998 (Der schmale Grad), mit Sean Penn, Adrien Brody, Jim Caviezel, Ben Chaplin, George Clooney, John Cusack, Woody Harrelson, Elias Koteas, Jared Leto, Nick Nolte, John Savage, John Travolta

The New World, USA 2005, mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, Wes Studi, David Thewlis

The Tree of Life, USA 2011, mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain,

To the Wonder, USA 2012, mit Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem

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Das Buch über Terrence Malick

Kamalzadeh - Pekler - Terrence Malick - 4

Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick

Schüren, 2013

208 Seiten

19,90 Euro

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Hinweise

AllMovie über Terrence Malick

Rotten Tomatoes über Terrence Malick

Wikipedia über Terrence Malick (deutsch, englisch)


Gratis-Comic-Tag 2013: viele, viele gute Comics für lau

Mai 10, 2013

 

Ist schon wieder ein Jahr um? Denn am Samstag, den 11. Mai (also ungefähr heute), ist wieder Gratiscomictag. Am bewährten Konzept wurde auch im vierten Jahr nichts geändert: Zweihundert Comichändler und Buchhandlungen mit einer guten Comicabteilung geben an dem Tag extra für den Tag produzierte Comichefte ab. Die dreißig Hefte sind von achtzehn verschiedenen Verlagen, von kleinen bis hin zu großen Verlagen, von bekannten Namen bis hin zu Newcomern, von Cartoons über Comics für Kinder hin zu avancierten Graphic Novels, die zeigen, was eine Bildergeschichte alles leisten kann.

Also von „Hägar, der Schreckliche“ über „Donald Duck“, „Batman/Superman Adventures“ und „Before Watchmen“ (die Vorgeschichten zu Alan Moore/Dave Gibbons‘ kongenialem „The Watchmen“) hin zu „U-Comix“ (nach 16 Jahren back in the game) und Joe Dalys „Der rote Affe“, der stilistisch etwas an Art Spiegelmans „Maus“ erinnert. Denn Dalys Erzähler Dave, der etwas wie ein Affe aussieht und Affenfüße hat, ist ein in Kapstadt lebender Zeichner, der mit Auftragszeichnungen von Ziegelsteinen sein Leben fristet und gerne ein richtiger Comiczeichner wäre. In dem Gratiscomicheft „Der undichte Cellokoffer“ (avant-verlag) hat er einen richtigen Pechtag: zuerst ist sein Auftraggeber mit seinen Zeichnungen unzufrieden, dann setzt er seine Wohnung unter Wasser, wird von seiner Freundin verlassen und hat Ärger mit seinem Obermieter, einem bedrohlichen Brutalo. Auch sein bester Freund Paul, so etwas wie der südafrikanische Dude (Remember „The Big Lebowski“?), hält von der Arbeit ab.

„Der rote Affe“ ist ein witziger Blick in den Alltag eines Künstlers, bis Dave den Grund für den Lärm in der über ihm liegenden Wohnung herausfinden will und sein Tag wird noch schlimmer.

Gratis-Comic-Tag 2013 - Doppeltes Glück mit dem roten AffenGratis-Comic-Tag 2013 - Before Watchmen

Pünktlich zum neuen Raumschiff-Enterprise-Film „Stark Trek into Darkness“ gibt es, wie schon bei dem vorherigen Raumschiff-Enterprise-Film, die Vorgeschichte zum Film als Comic. Wobei „Star Trek – Countdown to Darkness“ (Cross Cult) nichts über die Filmgeschichte verrät (ich würde sogar zögern, die Geschichte „Vorgeschichte zum Film“ zu nennen), ist der Auftakt der von Autor Mike Johnson und Zeichner David Messina erfundenen Geschichte spannend. Captain Kirk und seine Männer sollen dem Klasse-M-Planeten Phaedus einen „Scannen und weg“-Kurzbesuch abstatten. Die dortigen Bewohner sind ungefähr auf dem technologischem Stand des Römischen Imperiums. Da bemerken sie ein hochfrequentes Energiefeld, über das die Bewohner nicht verfügen sollten. Kirk und Spock machen sich auf den Weg zum Planeten – und erleben ihr blaues Wunder. Das Heft endet mit einem wirklich bösen Cliffhanger, der neugierig auf die weitere Geschichte macht.

Mit „Super Dinosaur“ (Cross Cult) hat der umtriebige „The Walking Dead“-Erfinder Robert Kirkman eine neue Serie begonnen, die sich wirklich von seinen anderen Serien unterscheidet. Denn „Super Dinosaur“ ist für Kinder. Ein, so Kirkman, „Pixar-Film auf Papier“. Im Mittelpunkt steht Derek Dynamo. Der Elfjährige bezeichnet sich selbst, unbescheiden, als „grandios“ und er hat viele „coole“ Dinge. Sein Freund ist „Super Dinosaur“, ein drei Meter großer Tyrannosaurus Rex, der Video-Spiele liebt und ihm gegen Max Maximus, der die Welt erobern möchte, hilft. Während die ersten Seiten von dem Serienauftakt „Super Dinosaur“ noch wie eine kindlich-infantile Endlosklopperei wirken, wird es schon schnell ernster. Denn Dr. Dexter Dynamo, der Vater von Derek, verliert sein Gedächtnis und Derek will das vor ihm verheimlichen.

Gratis-Comic-Tag 2013 - BarracudaGratis-Comic-Tag 2013 - Der Narwal

Die in sich abgeschlossene Geschichte „96 Stunden“ (Epsilon) aus der inzwischen 13-teiligen „Rubine“-Serie von Boyan, Dragan de Lazare, Francois Walthéry und Mythic steht fest im frankobelgischen Comic und wer noch nichts von „Rubine“ gehört hat, dürfte anfangs etwas verwirrt sein. Denn die Autoren erzählen die Geschichte strikt chronologisch (ich hätte eine Rückblendenstruktur bevorzugt). Daher dauert es einige Zeit, bis die Polizistin Rubine von der Chicagoer Polizei ihren ersten Auftritt hat und der Fall mit der verschollenen Haushälterin des Bürgermeisters, die eine vor über zehn Jahren verurteilte Mörderin ist, ins Rollen kommt. Denn die Mörderin hat jetzt im Fernsehen den Mann, den sie ermordet haben soll, quicklebendig gesehen.

Gratis-Comic-Tag 2013 - The ChangerGratis-Comic-Tag 2013 - Welten des Schreckens

Und Weissblech Comics bringt mit drei Kurzcomics die „Welten des Schreckens“ mit einem entzückendem Monstercover zum Gratiscomictag. Um Monster geht es in „Jäger und Gejagte“ mit der Urzeit-Amazone Kala, die mit dem verletzten Tik-Tik und ihrem Echsenbruder Tyr vor einem Menschenfresserstamm flüchtet und auf ihrer Flucht einer riesigen Raubechse begegnen, die sie als Nachtisch betrachtet.

In „Krogans Buch“ geht es in eine Zukunft, die sich kaum von Kalas Urzeit-Welt unterscheidet, außer dass einige Menschen noch lesen können und in der verbotenen Zone solche Bücher sind. Gulbur macht sich auf den Weg.

Am besten gefiel mir in „Welten des Schreckens“ die in sich abgeschlossene Horrorgeschichte „Phantome im Paradies“, mit einer grandiosen Pointe, über seltsame Männer, die in einer von Grachten durchzogenen, am Wasser gelegenen Kleinstadt auftauchen.

Gratis-Comic-Tag 2013 - Malcolm MaxGratis-Comic-Tag 2013 - Resident Evil

Außerdem gibt es die Dystopie „Skull Party“ (Carlsen Comics/Manga!), „Donald Duck“ (Ehapa Comic Collection), „Hägar, der Schreckliche“ (Ehapa Comic Collection), „Resident Evil“ (Kazé), „Marvel Now“ (Panini Comics), „Before Watchmen: Rorschach“ (Panini Comics), den Beginn der Steampunk-Mystery-Serie „Malcolm Max“ (Splitter Verlag), die Dystopie „Hades Syndrom: Crossfire Teil 1“ (Thenextart) und von den neuen Verlagen Comics etc. und dani books „Piccolo Großband“ und Monster Allergy“.

Es gibt also einiges zu Entdecken. Hier gibt es einen Überblick über alle Gratis-Comics (da dürften auch einige künftige Sammlerstücke drunter sein) und hier erfahrt ihr, wo ihr einen oder mehrere der 300.000 Gratiscomics bekommt.


TV-Tipp für den 11. Mai: Hotte im Paradies

Mai 10, 2013

 

Eins Festival, 22.00

Hotte im Paradies (D 2003, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Der kleine Zuhälter Hotte träumt von einem besseren Leben. Mit seiner neuen Hure könnte es klappen.

Grandioser Film über einen Berliner Zuhälter

mit Misel Maticevic, Nadeshda Brennicke, Birge Schade, Stefanie Stappenbeck

Wiederholung: Sonntag, 12. Mai, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Dominik Graf in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: India „Stoker“ ist im Schatten des Zweifels

Mai 10, 2013

 

Das Aufstechen einer Blase.

 

Das Krabbeln einer Spinne.

 

Das Spitzen eines Bleistifts.

 

Bilder aus „Stoker“, den neuen Film von Park Chan-Wook, dem Regisseur von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“, „Oldboy“, „Lady Vengeance“, „I’m a Cyborg, but that’s okay“ und „Durst“, und auch die Horrorbilder des Jahres. Denn es dürfte schwer sein, das Unwohlsein, das diesen alltäglichen Bildern, dank der Inszenierung, dem Sound, der Musik, dem Spiel der Schauspieler, innewohnt, zu toppen. Jedenfalls nicht mit Blutfontänen, Monstern und übernatürlichen Erscheinungen, die Myriaden von Programmierern beschäftigten. In „Stoker“ taucht nur ein lange verschollener Onkel bei der Beerdigung von Richard Stoker auf. Onkel Charlie war die letzten Jahre auf Weltreise und konnte daher nie zu den Familienfesten kommen. Aber jetzt möchte er sich um die Familie kümmern. Immerhin sei Familie ja das wichtigste. Evelyn Stoker, eine langsam verblühende Südstaatenschönheit, ist fasziniert von dem neuen Hausherrn. Sie verliebt sich auch in ihn.

 

Die sehr schweigsame und introvertierte achtzehnjährige India Stoker, die immer eine sehr intime Beziehung zu ihrem plötzlich verstorbenem Vater hatte, lehnt dagegen Onkel Charlie als Störenfried ab. Sie will trauern und ihre Mutter soll gefälligst auch trauern. Aber dann geschehen Dinge, die zu einer intimen Beziehung zwischen India und Onkel Charlie führen.

 

„Stoker“, nach einem Drehbuch von „Prison Break“-Star Wentworth Miller, ist ein sehr intelligentes Update von Alfred Hitchcocks „Im Schatten des Zweifels“ (in dem Klassiker besuchte Onkel Charlie, gespielt von Joseph Cotten, in einer Provinzstadt die liebe Verwandtschaft und seine Nichte Charlie glaubt bald, dass ihr meist abwesender Lieblingsonkel ein gesuchter Frauenmörder ist), mit einer gehörigen Portion „Psycho“. So erinnert der von Matthew Goode gespielte Onkel Charlie durchaus an Norman Bates. Nicht nur optisch. Aber die große Entdeckung, jedenfalls für alle, die „Alice im Wunderland“, „Janet Eyre“ und „Lawless“ verpassten, ist Mia Wasikowska, die fast nichts sagt und dabei doch alles sagt, was wir über die überaus komplexe India, die gerade erwachsen wird und entsprechend unsicher über ihr wahres Wesen ist, wissen müssen.

 

Das beste Drehbuch und gute Schauspieler nützen allerdings nichts, wenn die Regie es versaubeutelt. Aber Park Chan-Wook inszenierte in seinem US-Debüt, wieder mit seinem aus „Oldboy“, „Lady Vengeance“, „I’m a Cyborg, but that’s okay“ und „Durst“ vertrauten Kameramann Chung-Hoon Chung, jedes Bild wie ein Gemälde, der Sound und die Musik von Clint Mansell tragen zur unheimlichen Atmosphäre bei, und die Schauspieler spielen, als ob sie in einem (Alp)Traum gefangen seien, immer einen kleinen Tick neben der Normalität. Gerade genug, um ein ständiges „Da stimmt irgendetwas nicht“-Gefühl heraufzubeschwören.

 

„Stoker“ hätte in anderen Händen leicht zu einem 08/15-Thriller werden können, aber hier entstand ein Kunstwerk.

 

Stoker - Plakat

 

Stoker (Stoker, USA 2012)

 

Regie: Park Chan-Wook

 

Drehbuch: Wentworth Miller

 

mit Mia Wasikowska, Matthew Goode, Dermot Mulroney, Jacki Weaver, Nicole Kidman, Phyllis Sommerville

 

Länge: 99 Minuten

 

FSK: ab 16 Jahre

 

–

 

Hinweise

 

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

 

 

Film-Zeit über „Stoker“

 

Metacritic über „Stoker“

 

Rotten Tomatoes über „Stoker“

 

Wikipedia über „Stoker“ (deutsch, englisch)

 

 

 

 


TV-Tipp für den 10. Mai: Daybreakers

Mai 10, 2013

Pro 7, 22.05

Daybreakers (Australien/USA 2009, R.: Michael Spierig, Peter Spierig)

Drehbuch: Michael Spierig, Peter Spierig

2019: Vampire beherrschen die Welt. Weil es aber nicht mehr genug Menschenblut gibt, forscht Vampir Edward Dalton für Bromley an einem Blutersatz. Als er auf einige Menschen, die im Untergrund leben, trifft, muss er sich zwischen den Menschen und den Vampiren entscheiden.

„Daybreakers“ ist ein feiner Film, der trotz Ethan Hawke, Willem Dafoe und Sam Neill und der guten Einspielergebnissen in anderen Ländern bei uns keinen Kinostart erhielt. Das führt zu der traurigen Erkenntnis, dass Vampirfilme derzeit wohl nur als Biss-Filme genug kommerzielles Appeal für eine Kinoauswertung haben. Eine in sich glaubwürdige Dystopie, die detailreich eine Welt zeichnet, in der durchaus kultivierte Blutsauger die Macht übernommen haben, gehört nicht dazu.

mit Ethan Hawke, Willem Dafoe, Sam Neill, Claudia Karvan, Michael Dorman, Isabel Lucas

Wiederholung: Samstag, 11. Mai, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Daybreakers“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Daybreakers”

Fearnet telefoniert mit den Spierig-Brüdern (19. Oktober 2007)

Killerfilm trifft die Spierig-Brüder (8. Januar 2010)

Meine Besprechung von “Daybreakers”


TV-Tipp für den 9. Mai: Minority Report

Mai 8, 2013

Kabel 1, 20.15

Minority Report (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Freitag, 10. Mai, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Lincoln“ (Lincoln, USA 2012)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Star Trek into Darkness“ bei der Terroristenjagd

Mai 8, 2013

 

Ich habe mich wirklich auf „Star Trek into Darkness“ gefreut (Nicht gut.). Immerhin war der vorherige „Star Trek“-Film von J. J. Abrams und den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman eine rundum überzeugende und gelungene Neuinterpretation der Geschichte des Raumschiffes Enterprise und seiner Besatzung in einer alternativen Zeitlinie, aber mit einer ordentlichen Portion Sense of Wonder. Es war – ich gebe es zu – der erste „Star Trek“-Film, den ich mir im Kino ansah, und auch der „Roman zum Film“ von Alan Dean Foster gefiel mir.

Entsprechend hoch waren meine Erwartungen für die Fortsetzung (Nicht gut.). Immerhin stand das gleiche kreative Team hinter der Kamera, die Schauspieler übernahmen wieder die gleichen Rollen und natürlich würde die Geschichte von Captain Kirk und seinem Raumschiff Enterprise weiter erzählt werden.

Ich lümmelte mich also in meinen Kinosessel, setzte die 3D-Brille (für mich „die Brille auf der Brille“) auf und bevor ich mit der Besprechung beginne gibt es noch eine Vorbemerkung, über zwei Dinge, die nicht unbedingt etwas mit dem Film zu tun haben, aber mich bis zum Abspann störten:

Der 3D-Effekt war dieses Mal wieder nur störend, nervig und schlecht gemacht und die Bilder waren für meinen Geschmack immer einen Tick zu dunkel.

Der Film selbst beginnt fetzig und, wie wir es aus unzähligen TV-Episoden kennen, mitten in der Action: auf dem Planeten Nibiru werden Kirk und seine Männer aus nie geklärten Gründen von den aufgebrachten Einwohnern verfolgt. Spock springt in einen Vulkan, der kurz vor einer planetenvernichtenden Explosion steht, und platziert dort eine Bombe, die diese Explosion stoppen soll. Weil er dabei auch sterben wird, verstößt Kirk gegen die Regeln der Sternenflotte, lässt die Steinzeitmenschen das Raumschiff Enterprise sehen und rettet Spock, den Planeten und dessen Bewohner.

Als Quittung für diesen Kuddelmuddel verliert Kirk die Enterprise. Aber noch bevor er so richtig Trübsal blasen kann in einer dieser schicken Yuppie-Retro-Bars, in denen zu schummeriger Beleuchtung auch in drei Jahrhunderten noch Fünfziger-Jahre-Blues läuft (ach ja: Plattenspieler gibt es auch noch.), verübt John Harrison (Benedict Cumberbatch, der nicht einmal „Sherlock Holmes“ sagt und seine Rolle als Khan in dieser Zeitlinie, die sich von der Zeitlinie der Original-“Raumschiff Enterprise“-Serie mal mehr, mal weniger unterscheidet, stoisch übersteht und so ein herrlich undurchschaubarer Schurke ist) einen Anschlag auf die Sternenflotte, der dazu führt, dass alle wichtigen Männer der Sternenflotte sich in einem schlecht gesicherten Besprechungszimmer versammeln. Harrison könnte jetzt in einem zweiten Anschlag die gesamte Kommandoebene vernichten, wenn nicht Captain Kirk die böse Absicht erkennen würde und – schon rummst es kräftig. Harrison erreicht sein Ziel nur teilweise und flüchtet nach Kronos, den verwüsteten Heimatplaneten der Klingonen, der wie ein verlassenes „Blade Runner“-Set aussieht.

James T. Kirk erhält – vollkommen entgegen den sonstigen Gewohnheiten und Regeln der Sternenflotte – den Auftrag, den Bösewicht zu töten. Voller jugendlicher Begeisterung über die Chance, den Tod von seinem väterlichen Mentor, Captain Pike, zu rächen, warpt er mit seinem Raumschiff und der schon aus dem ersten „Star Trek“-Film bekannten Besatzung in Richtung Kronos.

Und ich saß ungläubig über dieses erzählerische Chaos, im Kino. Denn der gesamte Film „Star Trek into Darkness“ fühlt sich nie wie eine „Raumschiff Enterprise“-Geschichte mit James T. Kirk, Spock, Uhura, Sulu und Scotty an. Es geht hier nicht mehr darum, neue Welten kennen zu lernen und Konflikte möglichst friedlich zu lesen. Stattdessen gibt es Action bis zum Abwinken. Es wird zerstört, geschossen, sich geprügelt und getötet, als gäbe es kein Morgen und als könne man mit Action, hastigen Schnitten und Schauplatzwechseln, garniert mit einen kleinen „Raumschiff Enterprise“-Zitaten für das Fan-Herz, von der fehlenden Geschichte ablenken.

Es gibt keinen optimistischen Blick in die Zukunft, kein Sense of Wonder, sondern nur einen chaotischen Racheplot, mit mehr Plotlöchern und Unwahrscheinlichkeiten als ein Schweizer Käse, in dem einerseits mit Warp-Antrieb und sich noch im Anfang befindender Beam-Technik riesige Entfernungen innerhalb von Sekundenbruchteilen überwunden werden können, aber andererseits dann wieder furchtbar komplizierte Manöver im All, nur in Raumanzügen, durchgeführt werden können und der Nuklear-Antrieb des Raumschiffs mit einem kräftigen Fausthieb wieder in Betrieb gesetzt werden kann. Sowieso scheinen die Maschinenräume und leeren Lagerräume der Raumschiffe größer als die Raumschiffe zu sein, aber ein richtiges, fertiges Drehbuch scheint dort niemand gefunden zu haben.

Star Trek - Into Darkness - Teaser

Star Trek into Darkness (Star Trek into Darkness, USA 2013)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof

mit Chris Pine, Zachary Quinto, John Cho, Simon Pegg, Zoë Saldana, Karl Urban, Anton Yelchin, Benedict Cumberbatch, Alice Eve, Bruce Greenwood, Peter Weller

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Star Trek into Darkness“

Metacritic über „Star Trek into Darkness“

Rotten Tomatoes über „Star Trek into Darkness“

Wikipedia über „Star Trek into Darkness“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von J. J. Abrams‘ „Super 8“ (Super 8, USA 2011)

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Bonushinweis

Alan Dean Foster, der ja schon viele gute Filmromane geschrieben hat, hat den Filmroman zu „Star Trek into Darkness“ geschrieben und vielleicht gelingt es ihm ja einige der Plotlöcher in dieser Post-9/11-Terroristenhatz-Geschichte, die – immerhin erzählen Science-Fiction-Geschichten ja immer etwas über die Gegenwart – wie ein zehn Jahre altes Fundstück wirkt, zu stopfen. Jedenfalls erscheint die deutsche Übersetzung pünktlich zum Filmstart.

Foster - Star Trek into Darkness

Alan Dean Foster: Star Trek into Darkness – Roman zum Film

Cross Cult, 2013

320 Seiten

12,80 Euro

 

 


Über den Berlin-Krimi „Der Tag der Rache“ von James Patterson und Mark Sullivan

Mai 8, 2013

 

Normalerweise spielen die Geschichten von James Patterson in den USA. Aber mit seiner „Private“-Serie über eine internationale Detektei mit scheinbar unbegrenzten Ressourcen, kann er seine Geschichten auch in anderen Ländern spielen lassen und die deutsche Hauptstadt mit ihrer einzigartigen Geschichte ist ein dankbares Pflaster für Geschichten, die so nur in Berlin spielen können.

 

Private-Detektiv Chris Schneider, der in Ostdeutschland seine Kindheit verbrachte, wird in einem verlassenen Schlachthaus in Ahrensfelde ermordet. Als seine Ex-Freundin und Kollegin Mathilde Engel über ein GPS-Signal einen Hinweis auf das Schlachthaus erhält, entdeckt sie dort in einem Kellerraum mehrere Leichen. Kurz darauf wird die Ruine in die Luft gejagt.

 

Engel beginnt, zusammen mit der Polizei (der ermittelnde Kommissar ist ebenfalls Ostdeutscher), nach dem Täter zu suchen. Dabei führen ihre Ermittlungen sie in die Vor-Wende-Vergangenheit. Das Motiv für den Mord an ihrem Kollegen scheint in dessen Kindheit zu liegen und der Täter, ein Meister im Verkleiden und Verwischen seiner Spuren, will noch weitere Menschen umbringen.

 

Auch wenn der Edgar-nominierte Thriller-Autor Mark Sullivan, dessen vorherigen Romane vor allem bei Fischer erschienen, den Roman geschrieben hat, wurde die Geschichte, wie schon bei ihrer vorherigen Zusammenarbeit „Der Countdown des Todes“, ebenfalls für die Private-Serie, von James Patterson und Mark Sullivan erfunden und Patterson hat, wie auch bei seinen zahlreichen anderen Kooperationen, die ihn zu einem enorm produktiven und kommerziell erfolgreichem Autor machen, natürlich das letzte Wort gehabt. Insofern ist „Der Tag der Rache“ ein typischer Patterson: viele kurze Kapitel und eine Story, die unterhalten soll. Weitere Ansprüche sind nicht erkennbar. Die Charaktere und die Handlung von „Der Tag der Rache“ wirken wie aus einer TV-Serie; keine dieser hochklassigen Serien, über die Kritiker lange Elogen schreiben und Wissenschaftler Dissertationen anfertigen, sondern eine dieser Serien, die man nach Feierabend, ohne groß nachzudenken, zur Entspannung ansieht und schnell wieder vergisst und wie sie in der Vergangenheit zum Beispiel von Aaron Spelling und Stephen J. Cannell produziert wurden.

 

Auch die Sprache ist bestenfalls funktional, teilweise auch verquast. So gibt es anstatt einem „sagte“ auf Seite 47 (willkürlich herausgegriffen) „meldete sich“, „beschwerte sich“, „erwiderte“, „seufzte“, „versprach“, was vielleicht ein Rückfall in die alte Übersetzerunsitte ist, nach der man niemals, auch wenn es im Original so steht, nur „sagte“ schreiben darf, sondern immer noch Regieanweisungen geben muss. Als ob das Gesagte nicht ausreichen würde.

 

„Der Tag der Rache“ selbst ist ein okayer Schmöker, der für Berliner wegen des Handlungsortes gewinnt, aber auch nicht weiter im Gedächtnis bleibt und insgesamt sehr amerikanisch ist; – was sogar für ihn spricht. Denn das Team Patterson/Sullivan zeigt, dass in Deutschland spielende Krimis nicht bieder und provinziell sein müssen.

 

Besser werden sie so nicht unbedingt.

 

Patterson - Sullivan - Der Tag der Rache

 

James Patterson/Mark Sullivan: Der Tag der Rache

 

(übersetzt von Helmut Splinter)

 

Goldmann, 2013

 

384 Seiten

 

9,99 Euro

 

–

 

Originalausgabe

 

Private Berlin

 

Little, Brown and Company, 2013

 

–

 

Hinweise

 

Homepage von Mark Sullivan

Krimi-Couch über Mark Sullivan

 

Homepage von James Patterson

 

The Rap Sheet über James Patterson

 

Fantastic Fiction über James Patterson 

 

James Patterson auf der Krimi-Couch

 

Meine Besprechung von James Patterson/Michael Ledwidges „Im Affekt“ (The Quickie, 2007)

Meine Besprechung der James-Patterson-Verfilmung „Alex Cross“ (Alex Cross, USA 2012)

 

James Patterson in der Kriminalakte

 

PW: Mark Sullivan über seine Zusammenarbeit mit James Patterson (Dezember 2012)

 

 

 


TV-Tipp für den 8. Mai: Sherlock: Der Reichenbachfall

Mai 8, 2013

 

WDR, 23.05

Sherlock: Der Reichenbachfall (GB 2012, R.: Toby Haynes)

Drehbuch: Steve Thompson

Erfinder: Mark Gatiss, Steven Moffat

Ab Donnerstag ist Benedict Cumberbatch in „Star Trek into Darkness“ der Bösewicht, heute löst er als Sherlock Holmes in der grandiosen Abschlussfolge der zweiten „Sherlock“-Staffel den Reichenbachfall, der für Sherlock-Holmes-Fans eine besondere Bedeutung hat.

Die Serienmacher haben sich aber noch einen besonderen Dreh einfallen gelassen. Denn sein Gegner Jim Moriarty entlarvt Sherlock Holmes als Scharlatan und auch die Öffentlichkeit, die Sherlock Holmes bislang bewunderte, ändert ihre Meinung.

Zum Glück ist die dritte Staffel in Arbeit.

mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott

–

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2“ (GB 2012)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte