LV: Stephen Hunter: Point of Impact, 1993 (Im Fadenkreuz der Angst; Shooter)
Actionhaltiger Thriller über den desillusionierten Ex-Marine-Scharfschützen Bob Lee Swagger, der als Strohmann für einen Anschlag auf ein Staatsoberhaupt herhalten soll. Er kann vor seiner Verhaftung flüchten und beginnt die wahren Täter zu jagen.
Viele tolle Actionszenen, grandiose Landschaftsaufnahmen (ein Treffen auf einem schneeweißen Berggipfel sieht schon toll aus) und eine Story, die ziemlich vorhersehbar den Konventionen des Verschwörungssthrillers folgt, machen „Shooter“ zu einem Thriller, bei dem man nicht vollkommen auf das Denken verzichten muss. Am Ende gibt es dann einige unnötige Twists.
mit Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Rade Sherbedgia, Ned Beatty
Wie die demnächst startende sehr gelungene Matt-Scudder-Verfilmung „Ruhet in Frieden“ (A walk among the Tombstones) war auch „The Equalizer“ seit gefühlten Ewigkeiten angekündigt. Immer wieder mit Namen, die einen guten Film versprachen. Wobei „The Equalizer“ als Kinoversion einer TV-Serie natürlich das Schicksal von ungefähr jeder erfolgreichen und gefühlt jeder zweiten nicht erfolgreichen TV-Serie teilt, dass es natürlich eine Kinofassung oder eine TV-Neuauflage geben soll, es dann mehr oder weniger lange dauert, bis die Neufassung kommt und sie das Herz des Altfans nicht erfreut, weil auf so ziemlich alles verzichtet wird, was die Originalserie so erfolgreich machte. Bei den TV-Neuauflagen fallen mir spontan „Kojak“ (nach wenigen grottigen Folgen gecancelt) und „Detektiv Rockford“ (da war der Pilotfilm so schlecht, dass er gleich ins Archiv gesteckt wurde) ein. Oh, und „ Hawaii Five-0“. Die ist zwar erfolgreich, aber ich habe nur ungefähr anderthalb Folgen ausgehalten. Immerhin wird solange nicht ernsthaft über eine „Magnum“-Neuauflage nachgedacht. Die ist nämlich auch schon seit Ewigkeiten im Gespräch.
Bei den Kinofassungen von TV-Serien hat der Spielfilm, bis auf einige vernachlässigbare Kleinigkeiten, nichts mit der Serie zu tun. Die Ausnahme ist „Miami Vice“, die so nah an der Serie war, dass ich immer noch nicht weiß, warum Michael Mann diesen Spielfilm drehen musste. Bei „21 Jump Street“, „Starsky & Hutch“, „3 Engel für Charlie“, „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Mission: Impossible“ und „The Saint“, um nur einige Beispiele zu nennen, hilft es die Serie nicht zu kennen oder nicht zu mögen.
Auch „The Equalizer“ reiht sich in die Mehrheit der freien Versionen ein. Von der köstlichen, aber schlecht gealterten Serie, wurde der Name des Helden übernommen und dass er in der Vergangheit als Geheimagent arbeitete. Der Rest wird besser, wenn man entweder die Serie nicht kennt oder wenn man den Spielfilm nicht mit der Serie vergleicht. Denn wo der TV-McCall versucht, Konflikte möglichst ohne Gewalt zu lösen und er, aufgrund seiner Vergangenheit, nicht mehr töten will, stapeln sich im Film recht schnell die Leichen, weil der Film-McCall lieber im alttestamentarischem „Auge um Auge“-Modus arbeitet. Gerne mit einer „Auge um Kopf“-Zugabe.
In Antoine Fuquas Film ist Denzel Washington Robert McCall, der in Boston in einem Baumarkt arbeitet, allein lebt, einen Ordnungstick hat und nachts in einem Dinner alte Bücher liest. Die nächtliche Lektüre wird von banalen Gesprächen mit der Hure Teri (Chloë Grace Moretz) unterbrochen. Bei der Arbeit ist er der immer höfliche, immer hilfsbereite, unauffällige Kollege, der die Kassiererin selbstlos tröstet und ebenso selbstlos einem Kollegen, der Wachmann werden möchte, bei den Vorbereitungen, inclusive einem Fitnessprogramm, hilft. Er ist der sprichwörtlich Mister Unauffällig.
Als Teri verschwindet und kurz darauf halb tot im Krankenhaus liegt, beschließt er, ihr zu helfen. Wobei nicht wirklich nachvollziehbar ist, warum er wegen diesem Mädchen sein mönchisches Leben aufgibt und er den Kampf gegen die gesamte Russen-Mafia, die Teri als ihr Eigentum betrachtet, aufnimmt. McCall bringt, nachdem er dem lokalen Statthalter ein von Anfang an sinnloses finanzielles Angebot machte, einige Mafiosi um. Spätestens ab diesem Moment ist er im „Man on Fire“-Modus, der achselzuckend für sein Ziel über von ihm aufgestapelte Leichenberge geht.
Die Mafia ist natürlich nicht besser. Der russische Oberboss schickt den effektiven Problemlöser Teddy, der den unbekannten Mörder sucht. Dabei hilft ihm die korrupte Polizei.
„The Equalizer“ ist ein okayer bis guter Siebziger-Jahre-Action-Thriller, der sich viel Zeit für seine Charaktere nimmt. Es gibt wenig Action und die wirkt auch immer angenehm realistisch, vor allem wenn McCall gegen Ende an seiner Arbeitsstätte gegen die Bösewichter kämpft und dabei zeigt, was man alles mit handelsüblichem Werkzeug anstellen kann. Einige Action-Szenen, wie ein Kampf in McCalls „Nighthawks“-Diner, finden auch komplett off screen statt.
Allerdings ist der Thriller mit über zwei Stunden auch zu lang geraten, weshalb es nicht gestört hätte, wenn Fuqua die simple Rachegeschichte auf die Siebziger-Jahre-Thriller-Länge, die so um die 100 bis 110 Minuten liegt, gekürzt hätte.
In den USA ist der Film ein Kassenhit und ein zweiter Teil ist bereits in der Planung. Dann auch mit der aus der TV-Serie bekannten Anzeige „Odds against you? Need help? Call the Equalizer. 212 555 4200“ und gerne auch mit weniger Toten.
Wer einen Blick auf den echten Equalizer werfen will, kann inzwischen auch auf Deutsch die ersten beiden, bei Koch Media erschienenen Staffeln kaufen und, mit der Musik von „The Police“-Drummer Stewart Copeland, in das New York der achtziger Jahre eintauchen und sehen wie Edward Woodward als „Schutzengel von New York“ Menschen hilft, denen sonst niemand hilft. Weil vor Ort gedreht wurde, gibt es viele Bilder von damals sehr schmuddeligen New York und etliche Auftritte von Schauspielern, die heute bekannt sind.
Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (USA 2009, Regie: Antoine Fuqua)
Drehbuch: Michael C. Martin
Hochkarätig besetzter Ensemblefilm über drei Polizisten, die versuchen in Brooklyn ihren Weg zu gehen: der eine wartet nur noch auf seine Pensionierung, der andere will einen Undercover-Einsatz beenden und muss dafür einen Freund verraten, der dritte will Geld für seine Familie besorgen und geht dafür über Leichen.
Die Geschichten mögen etwas zu sehr die bekannten Cop-Film-Klischees bedienen, aber insgesamt ist „Brooklyn’s Finest“ ein sehenswerter, vor Ort gedrehter Cop-Film und damit auch eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.
mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams, Lili Taylor
LV: Stephen Hunter: Point of Impact, 1993 (Im Fadenkreuz der Angst)
Actionhaltiger Thriller über den desillusionierten Ex-Marine-Scharfschützen Bob Lee Swagger, der als Strohmann für einen Anschlag auf ein Staatsoberhaupt herhalten soll. Er kann vor seiner Verhaftung flüchten und beginnt die wahren Täter zu jagen.
Viele tolle Actionszenen, grandiose Landschaftsaufnahmen (ein Treffen auf einem schneeweißen Berggipfel sieht schon toll aus) und eine Story, die ziemlich vorhersehbar den Konventionen des Verschwörungssthrillers folgt, machen „Shooter“ zu einem Thriller, bei dem man nicht vollkommen auf das Denken verzichten muss. Am Ende gibt es dann einige unnötige Twists.
mit Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Rade Sherbedgia, Ned Beatty
Düsterer Cop-Krimi über Gangkriminalität und ihre Bekämpfung in Los Angeles: Alonzo Harris zeigt Jake Hoyt am ersten Arbeitstag wie die Arbeit eines Undercover-Cop gegen Drogen- und Gangkriminalität abläuft. Dummerweise ist Harris selbst ein Gangster mit Dienstmarke, der nach dem Motto „Nur wenn du selbst wie ein Wolf bist, kannst du einen Wolf fangen“ arbeitet.
„Ein rasant und konsequent inszenierter Film voll Gewalt und Brutalität. Konsumierbar einerseits als zynisches Actionspektakel, das bloß altbekannte Genretypen weiterentwickelt, aber auch verstehbar als Spiegelung und Reflexion aktueller Debatten über Polizeimethoden, moralische Dilemmata und die Durchsetzbarkeit demokratischer Spielregeln gegenüber Clannormen, die sich freilich potenziellen Missverständnissen aussetzt.“ (Multimedia, 13. Dezember 2001)
Denzel Washington erhielt für seine Rolle als Cop Harris den Oscar für die beste Hauptrolle und einige weitere Preise. David Ayer schrieb danach den ähnlich gelagerten Cop-Thriller „Dark Blue“.
Die in „Training Day“ und „Dark Blue“ angesprochenen Themen werden in der grandiosen Cop-Serie „The Shield“ noch konsequenter und pessimistischer durchbuchstabiert.
Mit Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Tom Berenger, Eva Mendes, Macy Gray
Das ist jetzt schon etwas Pech: gleich zweimal rummst es dieses Jahr gewaltig im Weißen Haus; mit einer ziemlich ähnlichen Geschichte. Jedenfalls liest sich die Synopse von Roland Emmerichs „White House Down“, das am 5. September bei uns startet, wie die von Antoine Fuquas heute startendem Action-Thriller „Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr“. Beide Filme spielen „’Stirb langsam‘ im Weißen Haus“ und wir können abwarten, wer am Ende nach welcher Rechnung Sieger bleibt. Den poetischeren Titel hat jedenfalls Fuquas Werk.
In „Olympus has fallen“ besetzen die Nordkoreaner das Weiße Haus, zerstören dabei halb Washington, töten viele, viele Menschen und nehmen den Präsidenten im unterirdischen Bunker des Hauses gefangen. Zum Glück ist Mike Banning (Gerard Butler), ehemaliger Bodyguard des Präsidenten, der nach einem Unfall, bei dem die Frau des Präsidenten starb und für den er sich verantwortlich fühlt, den Dienst quittierte, auch im Weißen Haus und er tut, was halt so echte Kerle in dieser Situation tun: er vermasselt den Bösewichtern ihren tollen Plan.
Beginnen wir mit den störenden Aspekten von „Olympus has fallen“: die Computertricks, vor allem wenn Flugzeuge abstürzen und Teile des Weißen Hauses in die Luft gejagt werden, sind schlecht. Wahrscheinlich hätten die Macher sich einfach mal wieder auf die gute alte Trickfilmschule mit Modellen und echten Explosionen besinnen sollen.
Auch die Story gewinnt nach „Stirb langsam“ (Hochhaus), „Alarmstufe: Rot“ (Schiff) und den zahlreichen Fortsetzungen und Rip-Offs wahrlich keinen Innovationspokal.
Dass die Gegner dieses Mal Nordkoreaner sind, ist der aktuellen weltpolitischen Lage geschuldet, nach der Russen und Araber gerade etwas out sind und, wenn schon das Weiße Haus attackiert und besetzt wird, gibt es natürlich auch eine ordentliche Portion Patriotismus.
Aber Antoine Fuqua, der auch „Training Day“, „Shooter“ und „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“ inszenierte, erzählt diese Geschichte flott, mit einer ordentlichen Portion Schmackes und ziemlich handfesten Action-Szenen, wenn Kugeln und Fäuste fliegen. „Panic Room“-Kameramann Conrad W. Hall setzte sie leinwandfüllend in Szene.
Den Rest besorgen die erstaunlich hochkarätigen Schauspieler. Gerard Butler als Tough Guy. Aaron Eckhart als tapferer Präsident. Morgan Freeman als sehr präsidentialer Interimspräsident. Angela Bassett, die viel zu selten eine gute Rolle erhält, als Chefin des Secret Service. Melissa Leo, Ashley Judd, Dylan McDermott und Robert Forster sind auch immer eine Bereicherung.
Und so ist „Olympus has fallen“ gut inszeniertes, gut besetztes, absolut okayes und kurzweiliges Actionfutter für den Genrefan, das auf die Buddy-Humor-Komponente verzichtet. Die scheint es, wenn wir den Trailern glauben, demnächst in Roland Emmerichs „White House Down“ zu geben.
Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr (Olympus has fallen, USA 2013)
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Creighon Rothenburger, Katrin Benedikt
mit Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman, Angela Bassett, Dylan McDermott, Melissa Leo, Ashley Judd, Rick Yune, Radha Mitchell, Cole Hauser, Robert Forster