TV-Tipp für den 4. September: Inglourious Basterds

September 4, 2014

Vox, 22.10

Inglourious Basterds (USA/Deutschland 2009, R.: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth])

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Vox wird aber wahrscheinlich die deutsche Synchronisation bringen.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 5. September, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. April: Kalifornia

April 15, 2014

Tele 5, 23.00
Kalifornia (USA 1993, Regie: Dominic Sena)
Drehbuch: Tim Metcalfe
Ein junges Paar unternimmt eine Überlandreise, auf der sie – für ein Buch – Orte besuchen, an denen Serienkiller mordeten. Um Benzingeld zu sparen, nehmen sie ein junges Paar mit. Was sie nicht wissen: sie haben das Objekt ihres Buches als Mitfahrer eingeladen.
„’Kalifornia‘ ist ein Roadmovie und variiert ohne eigene Qualitäten das zur Zeit im amerikanischen Kino beliebte Serienmörderthema.“ (Fischer Film Almanach 1994)
„Wir raten ab.“ (Lexikon des internationalen Films)
Nun, mir gefiel der kleine, gemeine Thriller mit dem genreüblichen Action-Showdown. In den USA gab es drei Saturn-Nominierungen der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, unter anderem als bester Horrorfilm und für das Drehbuch.
mit Brad Pitt, Juliette Lewis, David Duchovny, Michelle Forbes, Sierra Pecheur
Wiederholung: Freitag, 18. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Kalifornia“
Wikipedia über „Kalifornia“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. April: Sieben

April 13, 2014

ZDF, 22.15
Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“ und „Verblendung“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery
Hinweise
Metacritic über „Sieben“
Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

David Fincher in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Steve McQueens dritter Streich: „12 Years a Slave“

Januar 16, 2014

 

Aktueller Stand: fast hundert gewonnene Filmpreise, unter anderem den Golden Globe als bester Film des Jahres, 142 Nominierungen und es dürften bis zur Oscar-Nacht noch einige Preise hinzukommen. Dieser beeindruckende Preisregen, der auch mit der Inflation von Filmpreisen in den vergangenen Jahren zusammenhängt, sagt vor allem eines: „12 Years a Slave“ ist ein guter Film; was niemand, der Steve McQueens beiden vorherigen Filme „Hunger“ und „Shame“ gesehen hat, bezweifelt. Es ist auch sein zugänglichster Film, der am nächsten an den bekannten Hollywood-Erzählkonventionen ist.

McQueen erzählt nach einem Drehbuch von John Ridley („U-Turn“, „Three Kings“, mehrere Romane, vor allem in Richtung Noir) die wahre Geschichte von Solomon Northup, der 1841 gesellschaftlich anerkannt und glücklich verheiratet mit zwei Kindern in Saratoga, New York, lebt. Als er einen gut bezahlten Job als Geiger in Washington, DC, annimmt, beginnt seine Leidensgeschichte. Denn er wird betäubt, gefangen genommen und in die Südstaaten nach Louisiana verschifft. Jetzt ist er ein Sklave, dem niemand glaubt, dass er in New York ein freier Mann war.

In den kommenden zwölf Jahren arbeitet er auf verschiedenen Plantagen unter Besitzern, die ihn verschieden schlecht behandeln, ihm aber immer seiner Würde berauben, ihn nicht als Menschen, sondern als Sache, über die sie nach Belieben verfügen können, betrachten.

John Ridley sagt dazu: „Wenn man heute über die Sklaverei spricht, geht man landläufig davon aus, dass Schwarze in den Baumwollfeldern unter besseren oder unter schlechteren Bedingungen schufteten. Fertig! Aber das ganze System war viel komplexer. Es zielte auf eine totale Entmenschlichung ab. Den Weißen gegenüber wurde behauptet, dass Schwarze dazu geboren waren, Sklaven zu sein. Sie wurden als minderwertige Rasse dargestellt, der von Geburt an überhaupt keine Rechte zustanden. Davon wollten Steve und ich erzählen – und gleichzeitig zeigen, welches Unrecht Solomon zugefügt wurde.“

Auf den Plantagen kann McQueen, der „12 Years a Slave“ strikt chronologisch und aus der Perspektive von Northup erzählt, eine kleine Starparade abfeiern. Denn die Sklavenhalter werden von Benedict Cumberbatch und Michael Fassbender gespielt. Paul Dano spielt einen gemeinen Vorarbeiter und Brad Pitt einen aus Kanada kommenden Zimmermann.

Getragen wird der Film allerdings von Chiwetel Ejiofor, für den die Rolle der Durchbruch sein könnte. Denn als Solomon Northup ist er von der ersten bis zur letzten Minute das Zentrum der Geschichte.

Im Gegensatz zu „Django Unchained“ oder „Lincoln“, die sich zuletzt mit der Sklaverei beschäftigten, ist Steve McQueens Film kein poppiger Rache-Western mit Hang zum plakativen Spaghetti-Western-Humor oder ein wortlastig-gediegenes Hinterzimmer- und Parlamentskammerspiel, sondern die nüchtern erzählte Geschichte eines Mannes, der vom freien Mann zum Sklaven wird und der sich nur durch eine glückliche Begegnung aus seinem Martyrium befreien kann. Dabei zeigt McQueen, der schon in „Hunger“ und „Shame“ kompromisslos seine künstlerische Vision verfolgte und auch dort nie vor unangenehmen Bildern zurückschreckte, die er aber, ohne das Leiden seiner Protagonisten kunstgewerblich zu ästhetisieren, wie wunderschöne Visionen des Leidens inszenierte und die deshalb durchaus in einer Ausstellung einen adäquaten Platz finden könnten. In beiden Filmen verlangte er dabei seinem Hauptdarsteller Michael Fassbender auch körperlich einiges ab. In seinem neuen Film, der das System Sklaverei nüchtern analysiert, nimmt Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor diesen Platz ein. Besonders unangenehm sind dabei die Auspeitschungen, die, teils in paradiesischer Landschaft, in langen, ungeschnittenen Szenen als Marter gezeigt werden. Oder als Northup, mit einem Strick um seinen Hals, eine Ewigkeit auf seinen Zehen tänzeln muss, bis darüber entschieden ist, ob er gehängt wird oder nicht. Im Hintergrund geht dabei das normale Plantagenleben weiter.

12 Years a Slave - Plakat - 4

12 Years a Slave (12 Years a Slave, USA 2013)

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: John Ridley

LV: Solomon Northup: Twelve Years a Slave, 1853

mit Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Lupita Nyong’o, Benedict Cumberbatch, Brad Pitt, Paul Dano, Paul Giamatti, Sarah Paulson, Alfre Woodard

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film (dito)

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „12 Years a Slave“

Moviepilot über „12 Years a Slave“

Metacritic über „12 Years a Slave“

Rotten Tomatoes über „12 Years a Slave“

Wikipedia über „12 Years a Slave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steve McQueens „Shame“ (Shame, Großbritannien 2011)

Und noch einige O-Töne:

Die TIFF-Pressekonferenz

Q&A beim New York Filmfestival

DP/30 spricht mit Steve McQueen und Kameramann Sean Bobbitt


TV-Tipp für den 26. Dezember: The Tree of Life

Dezember 26, 2013

Yeah, nichts für die breite Masse, aber man hätte dieser TV-Premiere vielleicht doch – auch angesichts der Besetzung, der gewonnenen Preise und des überschwänglichen Lobs von Kritikern – einen besseren Sendetermin spendieren können. Denn ich bin überzeugt, dass, wenn man, auch nur zufällig, mit Kunst in Kontakt gerät, man beginnt darüber nachzudenken und man vielleicht mehr wissen möchte. So nach dem Spruch: „Ich mag zwar XYZ nicht, aber das gefällt mir.“

ARD, 23.25

The Tree of Life (USA 2011, R.: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

‚The Tree of Life‘ ist Malicks bisher erstaunlichster und buchstäblich radikalster Film. (…) ‚The Tree of Life‘ erzählt keine Geschichte mithilfe von Bildern, sondern überführt Gedanken, Stimmungen, Gefühle und Erinnerungen in Bilder. Natürlich ist ‚The Tree of Life‘ ein Spielfilm – der sogar mit drei Schauspielstars aufwarten kann (Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain) und bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 mit der Goldenen Palme bedacht wurde -, aber noch vehementer als Malicks frühere Arbeiten geht er an die Grenzen der Erzählbarkeit.“ (Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick)

Irgendwie geht in Malicks Meditation um eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, die Entstehung der Welt, das Universum und den ganzen Rest, garniert mit einer christlich-ländlichen Mythologie, die einen entweder wie das Wort Gottes intuitiv hemmungslos begeistert oder – wie mich im Kino – tödlich langweilt.

mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler

Hinweise

Film-Zeit über „The Tree of Life“

Moviepilot über „The Tree of Life“

Metacritic über „The Tree of Life“

Rotten Tomatoes über „The Tree of Life“

Wikipedia über „The Tree of Life“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Terrence Malick in der Kriminalakte


Endlich übersetzt: „Ich töte lieber sanft“ von George V. Higgins

September 18, 2013

Higgins - Ich töte lieber sanft

Als vor einem guten Jahr „Killing them softly“ von Andrew Dominik mit Brad Pitt und dem kürzlich verstorbenen James Gandolfini in unseren Kinos anlief, hatte ich eigentlich mit einer Veröffentlichung der Vorlage, dem Gangsterkrimi „Cogan’s Trade“ gerechnet. Aber die erschien, obwohl Hoffman & Campe 1973 George V. Higgins‘ Debütroman und Goldmann in den Neunzigern einige Bücher des produktiven Schriftstellers veröffentlichte, erst jetzt auf Deutsch.

In dem Roman wird Troubleshooter Jackie Cogan von der Bostoner Mafia beauftragt, herauszufinden, wer eine illegale Pokerrunde überfallen hat. Schnell verdächtigt er zwei nicht besonders intelligente Kleingangster. Aber er will auch Mark Trattman, dem Organisator der Pokerrunde, einen Denkzettel verpassen. Denn der hatte in der Vergangenheit einen Überfall auf seine Pokerrunde inszeniert, später damit geprahlt und damals keine Quittung für sein Fehlverhalten bekommen.

Ich töte lieber sanft“ erschien in den USA bereits 1974 und George V. Higgins, der mit seinem ersten Roman „Die Freunde von Eddie Coyle/Hübscher Abend bis jetzt“ (The Friends of Eddie Coyle, 1971) einen Kriminalromanklassiker, Unterabteilung Gangsterkrimi, schuf, weil er ein ungeschöntes Bild des Kleingangstertums zeichnete und die Dialoge sich wie Abhörprotokolle lasen. Dieses Ohr für den Slang der Verbrecher hatte er vorher als Anwalt und Staatsanwalt in Boston geschärft. Das war eine Sprechweise, die teilweise auch von US-Amerikanern kaum verstanden wurde und es den Übersetzern nicht leicht macht. Außerdem entfaltet sich die Geschichte nicht in den Taten der Verbrecher, sondern in ihren Gesprächen darüber.

Auch Higgins’ dritter Roman „Ich töte lieber sanft“ besteht fast nur aus Dialogen. Über Seiten reden die Gangster ohne Punkt und Komma. Die Gespräche kreisen oft, mit Wiederholungen, um sich selbst. Oft ist lange Zeit nicht klar, wo das Gespräch hinführen soll. Gerade das macht den Roman einerseits mühsam zu lesen (Oh man, warum geht die Story nicht im Richard-Stark-Tempo weiter?), aber auch faszinierend (Uh, das ist die Wirklichkeit.). Higgins’ erste Romane, vor allem sein Debüt, wurde von der Kritik abgefeiert und auch heute noch zählt er zu den Innovatoren des Genres, die von angloamerikanischen Krimifans geachtet werden. Der kürzlich verstorbene Elmore Leonard änderte danach seinen Schreibstil und er wurde nicht müde, Higgins’ stilistischen Einfluss auf sein Werk zu betonen. Quentin Tarantinos Endlosdialoge sind ebenfalls von Higgins beeinflusst.

Und mit der Übersetzung von „Cogan’s Trade“ als „Ich töte lieber sanft“ wird vielleicht eine kleine Wiederentdeckung von George V. Higgins bei uns eingeleitet.

Denn der Verlag Antje Kunstmann plant weitere Übersetzungen. Für Januar ist „Die Freunde von Eddie Coyle“ angekündigt. Ebenfalls übersetzt von Dirk van Gunsteren.

George V. Higgins: Ich töte lieber sanft

(übersetzt von Dirk van Gunsteren)

Verlag Antje Kunstmann, 2013

240 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Cogan’s Trade

Alfred A. Knopf, 1974

Neuausgabe, zum Filmstart, als „Killing them softly“

Verfilmung

Killing them softly (Killing them softly, USA 2012)

Regie: Andrew Dominik

Drehbuch: Andrew Dominik

LV: George V. Higgins: Cogan’s Trade, 1974 (Neuauflage als „Killing them softly“, keine deutsche Übersetzung)

mit Brad Pitt, James Gandolfini, Ray Liotta, Richard Jenkins, Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Vincent Curatola, Trevor Long, Max Casella, Sam Shepard

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Fantastic Fiction über George V. Higgins

Krimi-Couch über George V. Higgins

Wikipedia über George V. Higgins (deutsch, englisch)

New York Times über George V. Higgins

Mulholland Books: Brian Greene über George V. Higgins

Elmore Leonard über George V. Higgins

Weekly Lizard: Justin Peacock über George V. Higgins und das Must-Read-Book “The Friends of Eddie Coyle”

National Post: Robert Fulford über George V. Higgins

Meine Besprechung von Andrew Dominiks „Killing them softly“ (Killing the softly, USA 2012)


TV-Tipp für den 10. September: Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind

September 10, 2013

 

Sixx, 22.00

Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (USA 2002, R.: George Clooney)

Drehbuch: Charlie Kaufman

LV: Chuck Barris: Confessions of a Dangerous Mind: An Unauthorized Autobiography, 1984

Fulminantes Regiedebüt von George Clooney über Chuck Barris, einen in den USA legendären TV-Produzenten (u. a. The Dating Game/Herzblatt), der in seiner Biographie behauptete, dass er in den Sechzigern und Siebzigern auch ein Auftragskiller für die CIA war.

Ob das stimmt, wissen wir nicht, aber das ist, jedenfalls für diesen angenehm durchgeknallten Film, auch ziemlich egal.

mit Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Rutger Hauer, Maggie Gyllenhaal, Kristen Wilson, Brad Pitt, Matt Damon

Wiederholung: Mittwoch, 11. September, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“

Rotten Tomatoes über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“

Wikipedie über „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Confessions of a Dangerous Mind“ von Charlie Kaufman (Dritte Fassung, 5. Mai 1998)


Neu im Kino/Filmkritik: Mit Brad Pitt einmal um den Globus im „World War Z“

Juni 27, 2013

 

Wahrscheinlich gibt es in Hollywood irgendwo eine Abteilung, die einfach die Filmrechte an den neuesten Bestsellern kauft. Immerhin wurde auch Mark Kermodes Bestseller „The Good, the Bad and the Multiplex – What’s wrong with modern movies?“ optioniert und sogar Kermode gibt zu, dass er keine Ahnung hat, warum und wie Hollywood sein Buch verfilmen will.

Max Brooks hat sich das sicher auch gefragt, als Hollywood noch vor der Veröffentlichung von „World War Z“ die Filmrechte kaufte. Denn er erzählt, anhand von Gesprächen mit Überlebenden des Krieges gegen Zombies den weltweiten Krieg gegen die Untoten von den Anfängen in China bei dem Staudamm der drei Schluchten über die Ausbreitung bis zum Ende. Das ist eine faszinierende Lektüre, die allerdings nichts hat, was sie für eine Verfilmung prädestiniert. Außer man möchte eine Ansammlung von Kurzfilmen mit ständig wechselnden Charakteren sehen. Sogar Steven Soderberghs Seuchenthriller „Contagion“ begleitete seine Charaktere (sofern sie nicht starben) durch die gesamte Pandemie. Entsprechend entspannt sah Max Brooks, der Sohn der Hollywood-Legenden Mel Brooks und Anne Bancroft, der Verfilmung entgegen. Er wusste, dass die Verfilmung sich stark von seinem Buch unterscheiden wird und er hatte recht. Die Verfilmung hat mit dem Buch, außer Zombies (mit einigen entscheidenden Änderungen), dem globalen Fokus und einigen Details nichts mit dem Buch gemein. Das ist, wie gesagt, wenig überraschend, aber als Fan sollte man keine Verfilmung des Buchs erwarten.

In dem Film soll Gerry Lane (Brad Pitt), ein supertaffer Ex-UN-Ermittler, der jetzt auf glücklicher Familienvater macht, den Patient Null finden. Die US-Regierung (jedenfalls die wenigen Personen, die noch menschlich sind) hofft, dort die Erklärung für die Seuche und ein Gegenmittel zu finden. Lane macht sich auf den Weg um den halben Globus. Nach Korea. Nach Israel. Nach Wales. Und wieder zurück in die USA. Genaugenommen Nova Scotia im benachbarten Kanada. Dabei muss er immer wieder vor Zombies flüchten, weil in dem Film Menschen sich nach einem Biss in Sekundenbruchteilen in einen Zombie verwandeln, der wie irre hinter anderen Menschen herrennt. Das erinnert dann doch eher an den Rage-Virus, den wir aus „28 Days later“ und der Fortsetzung „28 Weeks later“ kennen.

In dem Buch verwandeln sich die Menschen nur langsam in Zombies. Manchmal dauert es Tage oder sogar Wochen. Außerdem sind die Zombies, wie bei Zombie-Guru George A. Romero, eine träge schlurfende Masse, die gerade deshalb so furchterregend ist. In dem Film, wenn die Zombies in Israel über eine hochhaushohe Mauer stürmen, oder sich, wie die Wassermassen eines gebrochenen Staudamms, über umstürzende Busse und die engen Gassen einer Stadt ergießen, oder sie in einem Flugzeug die Passagiere flugs in Zombies verwandeln, dann ist das zwar optisch beeindruckend, aber ohne viel Suspense. Die gibt es dann im letzten Drittel des Films, wenn Lane sich in einem WHO-Forschungslabor an einigen Zombies vorbeischleichen muss, um an ein Serum zu gelangen und jedes Geräusch die in den Gängen sinnlos herumstolpernden Zombies zu menschenfressenden Bestien machen kann.

Die rudimentäre Filmgeschichte dient natürlich vor allem dazu, den Helden um die halbe Welt zu schicken und die Auswirkungen der Katastrophe zu betrachten. Auch wenn es arg unglaubwürdig ist, dass ausgerechnet er und nur er den Ursprung der Seuche und ein Gegenmittel finden kann – und um ihn zu schützen, Dutzende Elitesoldaten brav in den Tod gehen und Passagierflugzeuge, wenn gerade eine Horde Zombies über das Rollfeld stürmt, abwarten, bis Mr. Lane eingestiegen ist.

Aber im Gegensatz zu seinem komplett vergurkten James-Bond-Film „Ein Quantum Trost“ gelingt Marc Forster („Monster’s Ball“, „Schräger als Fiktion“, „Drachenläufer“) es in „World War Z“ die Actionszenen mit den intimen Momenten zu verbinden. Die Massenszenen sind schick choreographiert. Die Telefonate von Gerry Lane mit seiner Frau sind nicht allzu schwülstig geraten. Und die Action geht nicht in einem Schnittgewitter unter.

World War Z“ ist ein absolut okayer Zombiefilm, der – erwartungsgemäß – kaum etwas mit der Buchvorlage gemein hat.

Vom Buch wurde, wie gesagt, wenig übernommen. Eigentlich nur die abgeänderte Geschichte vom ersten Auftauchen eines Zombies in Asien, die Flucht auf Schiffe, die Eingangskontrolle nach Israel und, in dem Passagierflugzeug, der Hund, der die Zombies riechen kann. Wobei diese beiden Elemente im Film keinen richtigen Sinn mehr ergeben, weil die Macher sich dazu entschlossen, – und das ist die schwerwiegendste Änderung -, die Zombies rennen zu lassen. Es sind nicht mehr die Romero-artig schlurfenden Zombies. Ebenso wurde auf den multiperspektivischen Ansatz der Vorlage, der besser in einer TV-Serie oder einem Ensemblefilm, wie „Traffic“, „Syriana“ oder „Contagion“ (um einige neuere Beispiele zu nennen), funktioniert, aber auch kommerziell schwierig ist, verzichtet.

Übernommen wurde allerdings die Idee aus der Buchvorlage, dass in diesem Zombiefilm der weltweite Krieg der Menschen gegen die Zombies gezeigt wird. Aber die Macher entschieden sich, kommerziell sicher eine richtige Entscheidung, für einen Protagonisten und erzählen ganz traditionell dessen Geschichte als kurzweiliges Blockbuster-Kino.

World War Z - Plakat

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

LV: Max Brooks: World War Z, 2006 (Operation Zombie, World War Z)

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „World War Z“

Metacritic über „World War Z“

Rotten Tomatoes über „World War Z“

Wikipedia über „World War Z“ (deutsch, englisch)

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ (Roman) und Max Brooks (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Max Brooks‘ „World War Z“ (World War Z, 2006)

 

 


TV-Tipp für den 19. Juni: Snatch – Schweine und Diamanten

Juni 19, 2013

Kabel 1, 22.35

Snatch – Schweine und Diamanten (GB/USA 2000, R.: Guy Ritchie)

Drehbuch: Guy Ritchie

Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.

Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.

Mit Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie

Wiederholung: Donnerstag, 20. Juni, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Snatch – Schweine und Diamanten“

Wikipedia über „Snatch – Schweine und Diamanten“

IGN: Interview mit Guy Ritchie und Vinnie Jones zu “Snatch”

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Guy Ritchie in der Kriminalakte


Verfilmte Bücher: Aus „Operation Zombie“ wird „World War Z“

Juni 17, 2013

 

Brooks - Operation Zombie - 2Brooks - World War Z - Operation Zombie Movie Tie-In - 2

Nach dem großen Zombiekrieg, auch bekannt als „Die Krise“, „Die dunklen Jahre“, Die wandelnde Pest“, „Z-Weltkrieg“ und „Erster Z-Weltkrieg“, machte Max Brooks, für den der Krieg einfach immer der „Zombie-Krieg“ bleiben wird, sich im Auftrag der Vereinten Nationen auf den Weg. Wie Studs Terkel, der für sein mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Buch „Der gute Krieg: Amerika im Zweiten Weltkrieg – Zeitzeugen sprechen“ (The Good War, 1984) Teilnehmer des zweiten Weltkriegs interviewte und deren Aussagen unkommentiert publizierte, unterhielt Max Brooks sich für sein Oral-History-Buch mit Menschen, die während des Zombiekriegs gegen die Zombies kämpften. Dafür reiste er um die Welt und es entstand ein vielschichtiges Panorama des Krieges von seinen Anfängen, die wahrscheinlich in China waren, über seine weltweite Ausbreitung mit Millionen Toten, bis zu seinem Ende.

Das ist für ein Sachbuch flott zu lesen, wurde ein Bestseller und Hollywood kaufte noch vor der Publikation die Rechte an diesem eigentlich unverfilmbarem Buch. Denn es hat keinen Helden, keine Geschichte, sondern viele Geschichten von Menschen, die meistens nur einen kleinen Ausschnitt des Kampfes mitbekamen. Es sind vor allem Geschichten von kleinen Leuten, wie einer Pilotin, die sich nach einem Absturz durch die USA kämpfte, Astronauten, die die Kommunikation aufrecht erhielten, Familien, die ihr Hab und Gut auf der Flucht nach Kanada oder auf das Meer zurücklassen mussten und Geheimdienstler und Soldaten, die an verschiedenen Fronten kämpften. Die großen Forscher, Wissenschaftler und Staatsoberhäupter wurden von Max Brooks nicht befragt. Denn ihre Geschichten kennen wir ja. Insofern erzählt Brooks die eher unbekannte Seite des Zombie-Krieges, in der er nicht auf den Ursprung der Zombie-Plage eingeht und die Zombies sich, wie es schon George Romero in seinem Film „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the Living Dead) zeigte, langsam vorwärtsbewegen, nur noch von der Gier nach Menschenfleisch angetrieben werden, blind einem Geräusch oder einem anderen Zombie folgen, und nur durch einen Kopfschuss (oder halt einer anderen Methode, die endgültig den Kopf vom Restkörper entfernt) besiegbar sind.

Operation Zombie“, oder „World War Z“, wie Max Brooks‘ Buch jetzt wegen der Verfilmung auch in Deutschland heißt, ruft diesen Kampf, und was er für die kleinen Leute bedeutete, wieder zurück in unser Gedächtnis.

Die Verfilmung ist natürlich wieder einmal die typische Hollywood-Heldengeschichte, die das Buch nur als Inspiration für eine ziemlich erfundene Geschichte nimmt. Denn im Buch reist kein Gerry Lane um die halbe Welt und sucht ein Heilmittel gegen die Zombies. Trotzdem macht die Verfilmung, die am 27. Juni startet, Spaß.

Max Brooks: World War Z

(übersetzt von Joachim Körber)

Goldmann, 2013

448 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Operation Zombie – Wer länger lebt, ist später tot

Goldmann, 2007

Originalausgabe

World War Z – An Oral History of the Zombie War

Crown Publishers, New York 2006

Verfilmung

World War Z (World War Z, USA 2013)

Regie: Marc Forster

Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Drew Goddard, Damon Lindelof, (nach einer Geschichte von Matthew Michael Carnahan und J. Michael Straczynski)

mit Brad Pitt, Mireille Enos, James Badge Dale, Daniella Kertesz, Matthew Fox, David Morse (als – kleiner Gag – Burt Reynolds), Fana Mokoena, Abigail Hargrove, Sterling Jerins, Ludi Boeken, Fabrizio Zacharee Guido, Moritz Bleibtreu, Ruth Negga

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 27. Juni 2013

Zum Filmstart gibt es dann die Filmkritik.

Hinweise

Homepage von Max Brooks

Zombieseite von Max Brooks

Wikipedia über „World War Z“ und Max Brooks (deutsch, englisch)

Deutsche Homepage zum Film

Und hier das ganze Gespräch von Dennis Miller (Mansfield University Public Relations Director) mit Max Brooks, aus dem der obige Ausschnitt zur Verfilmung ist

 

 


TV-Tipp für den 27. Februar: Fight Club

Februar 27, 2013

Kabel 1, 22.15

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“

Meine Besprechung von David Finchers „Verblendung“ (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)