Neu im Kino/Filmkritik: Stephen Kings „Carrie“ – die neue Verfilmung

Dezember 5, 2013

 

Und noch ein Remake von einem Klassiker, das allein schon deshalb besonders genau seziert wird. Und weil Kimberly Peirce die Geschichte von Carrie White wiedererzählt, muss sie gegen Stephen Kings Roman „Carrie“ und Brian de Palmas legendäre Verfilmung ankämpfen. Denn während unserer Pubertät lasen oder sahen wir erstmals diese Geschichte eines von allen unterdrückten Mädchens und sie jagte uns einen höllischen Schrecken ein. Denn Carrie ist die Außenseiterin an der Schule, die von allen verspottet wird. Vor allem, nachdem sie in der Schuldusche ihre erste Blutung und eine Panikattacke hat. Ihre religiös-fanatische Mutter drangsaliert sie mit Gebetsstunden, ständigen Warnungen vor der bösen Welt, hält sie für vom Teufel besessen und möchte sie am liebsten Tag und Nacht einsperren.

Nach dem Ereignis in der Schuldusche hat eine ihrer Mitschülerinnen Mitleid mit ihr. Sie überredet ihren Freund, Carrie auf den Schulball zu begleiten. Er tut es und mitten während der Feierlichkeiten wird ein Eimer mit Schweineblut über ihr ausgeschüttet. Carrie dreht durch und bringt mit ihren telekinetischen Fähigkeiten alle, die in der Schulaula sind, um. Danach macht sie sich auf den Heimweg – und wir hatten Angst, dass es auch in unserer Klasse eine Carrie gibt.

Diesen Eindruck, den damals De Palmas Film auf uns Teenager machte, macht Peirces Film nicht. Immerhin sind wir keine Teenager mehr. Dabei ist Peirces Film auch im direkten Vergleich gar nicht so schlecht.

Peirce hält sich an die aus Buch und Film bekannte Geschichte und auch an die Struktur von De Palmas Film. Es gibt zwar noch eine 2002er-TV-Verfilmung von David Carson, die der Pilotfilm für eine TV-Serie sein sollte. Aber weil die fast niemand kennt und man auch nichts Gutes über sie hört, können wir sie ignorieren. Julianne Moore als Fanatikerin und Carries Mutter ist grandios. Sie strahlt wirklich diese beängstigende Ruhe von religiös überzeugten Menschen aus, die sich durch nichts in ihrem Irrglauben beirren lassen und jede Bestrafung für angemessen halten. Chloë Grace Moretz ist zwar im richtigen Alter (Sissy Spacek war bereits 27 Jahre alt, als sie Carrie spielte), aber als Hit-Girl hinterließ sie in den beiden „Kick-Ass“-Filmen einen so starken Eindruck, dass ich nie daran zweifelte, dass sie ihren vergnügungssüchtigen Mitschülern kräftig in den Arsch treten wird.

Die Ausstattung, vor allem Carries Wohnhaus, ist zeitlos, hat oft sogar ein Siebziger-Jahre-Retro-Feeling, das den Film, auch weil er insgesamt kaum aktualisiert wurde, etwas aus der Zeit herausgefallen sein lässt. Computer und Handys kommen kaum vor.

Er ist aber deutlich prüder geraten: während bei De Palma in der legendären Duschszene nackte Mädchen durch das Bild laufen und Carrie, als sie von ihren Mitschülern mit Tampons beworfen wird, nackt in einer Ecke der Dusche kauert, verhüllt sie in dem Remake züchtig mit einem weißen Handtuch ihren Körper, während sie von einer Mitschülerin gefilmt und von den anderen mit Tampons beworfen wird.

Carrie“ hat mich zwar nie wirklich gepackt oder in Angst und Schrecken versetzt. Dafür gab es dann doch zu viele Computereffekte bei Carries Zerstörungsorgie in der Kleinstadt und ich bin schon zu lange aus der Schule. Aber ich habe mich auch nicht, obwohl ich die Geschichte kenne, gelangweilt. Es ist ein ordentlicher, brav gefilmter Horrorfilm, der das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter weniger hysterisch gestaltet als Brian De Palma, aber es nicht wagte, die Geschichte konsequent in die Gegenwart zu übertragen.

Carrie - Plakat

Carrie (Carrie, USA 2013)

Regie: Kimberly Peirce

Drehbuch: Lawrence D. Cohen, Roberto Aguirre-Sacasa

LV: Stephen King: Carrie, 1974 (Carrie)

mit Chloë Grace Moretz, Julianne Moore, Gabriella Wilde, Portia Doubleday, Alex Russell, Zoë Belkin, Ansel Elgort, Samantha Weinstein, Karissa Strain, Judy Greer, Katie Strain, Barry Shabaka Henley

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

King - Carrie - Neuausgabe 2013 - 4

Stephen King: Carrie

(übersetzt von Wolfgang Neuhaus)

Bastei-Lübbe, 2013

320 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Carrie

Doubleday, 1974

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Carrie“

Moviepilot übe „Carrie“

Metacritic über „Carrie“

Rotten Tomatoes über „Carrie“

Wikipedia über „Carrie“ 

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

 

 


Stephen King unterwegs in Europa – die ersten Dokumentationen

November 22, 2013

 

Von Stephen Kings erster offizieller Frankreich- und Deutschland-Lesereise (wenn man das bei einer Drei-Städte-Tour so sagen kann) gibt es online die ersten Fanmitschnitte aus Frankreich. Das Bild ist – nun, da sagen wir besser nichts dazu, aber der Ton ist, immerhin verharrt bei Lesungen das Publikum immer in andächtiger Stille, anhörbar. Vielleicht gibt es noch eine richtig professionelle Dokumentation.

Bis dahin: beide Male die Lesung vom 16. November in Paris, aus verschiedenen Blickwinkeln:

Die Pressekonferenz in Paris vom 12. November:

Bei Markus Lanz ist dann das Bild zwar deutlich besser, aber…

Stephen King beehrt die Runde nach der 37. Minute.

Der aktuelle Grund (als bräuchten die Stephen-King-Fans einen aktuellen Anlass) ist natürlich die Veröffentlichung seines neuen Romans „Doctor Sleep“, in dem er die Geschichte von „Shining“ weitererzählt.

King - Doctor Sleep - 4

Stephen King: Doctor Sleep

(übersetzt von Bernhard Kleinschmidt)

Heyne, 2013

704 Seiten

22,99 Euro

Originalausgabe

Doctor Sleep

Scribner, 2013

Im Gepäck hat er natürlich noch sein davor erschienenes Buch „Joyland“, das mehr in Richtung Kriminalroman tendiert, im Original bei Hard Case Crime erschien und deshalb im Original schön pulpige Cover von Glen Orbik und Robert McGinnis hat.

King - Joyland - 4

Stephen King: Joyland

(übersetzt von Hannes Riffel)

Heyne, 2013

352 Seiten

19,99 Euro

King - Joyland - HardCaseCrime

Originalausgabe

Joyland

Hard Case Crime, 2013

Und das ist noch nicht alles!

Am 5. Dezember startet bei uns die Neuverfilmung von seinem Debütroman „Carrie“. Kimberly Peirce („Boys don’t cry“) verfilmte mit Chloë Grace Moretz als Carrie und Julianne Moore als ihrer Mutter den Roman durchaus gelungen.

Deshalb gibt es jetzt auch eine Neuauflage von „Carrie“ mit einem Nachwort von Willy Loderhose über den Roman und Brian de Palmas Verfilmung, die wir alle als Teenager gesehen haben und uns damals natürlich unglaublich beeindruckt hat.

Leider geht Loderhose nicht auf die jüngste Verfilmung des Romans ein und Filmbilder fehlen auch. Diese Bilder waren für mich früher, neben dem an das Filmplakat angelehntem Cover, der Grund, Filmausgaben wie besessen zu kaufen.

King - Carrie - Neuausgabe 2013 - 4

Stephen King: Carrie

(übersetzt von Wolfgang Neuhaus)

Bastei-Lübbe, 2013

320 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

Carrie

Doubleday, 1974

Die aktuelle Verfilmung

Carrie - Teaser

Carrie - Plakat

Carrie (Carrie, USA 2013)

Regie: Kimberly Peirce

Drehbuch: Lawrence D. Cohen, Roberto Aguirre-Sacasa

LV: Stephen King: Carrie, 1974 (Carrie)

mit Chloë Grace Moretz, Julianne Moore, Gabriella Wilde, Portia Doubleday, Alex Russell, Zoë Belkin, Ansel Elgort, Samantha Weinstein, Karissa Strain, Judy Greer, Katie Strain, Barry Shabaka Henley

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park

 


TV-Tipp für den 4. November: The Big Lebowski/A Serious Man

November 4, 2013

Bevor in einem Monat das neue Meisterwerk der Coen-Brüder

Inside Llewyn Davis - Plakat

in unseren Kinos anläuft, zeigt Arte einige ältere Werke der Brüder. Für alle, die die Filme noch einmal  (wobei man den „Big Lebowski“ nicht oft genug sehen kann) oder erstmals sehen wollen:

Arte, 20.15

The Big Lebowski (USA 1998, R.: Joel Coen)

Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen

Ein echter Kultfilm.

Die Geschichte ist, wie bei Raymond Chandler, der als Inspiration diente, kaum nacherzählbar, labyrinthisch, voller grandioser Szenen und Sätze und wahrscheinlich bar jeder Logik. Im wesentlichen geht es darum, dass der Dude mit seinem ihm bis dahin unbekannten, stinkreichen, herrischen, querschnittgelähmten Namensvetter verwechselt wird und er in eine undurchsichtige Entführungsgeschichte hineingezogen wird.

mit Jeff Bridges, John Goodman, Julianne Moore, Steve Buscemi, David Huddleston, Philip Seymour Hoffman, Tara Reid, Philip Moon, Mark Pellegrino, Peter Stormare, Flea, John Turturro, Sam Elliott, Ben Gazzara

Wiederholung: Dienstag, 12. November, 13.50 Uhr

Hinweise

Homepage des Lebowski Fest

Drehbuch „The Big Lebowski“ von Joel & Ethan Coen

Wikipedia über „The Big Lebowski“ (deutsch, englisch)

Arte, 22.05

A Serious Man (USA 2009, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

USA, Mittlerer Westen, 1967: Über einen biederen, jüdischen Physikprofessor bricht das Unheil herein und er fragt sich „Warum ich?“.

Die Kritik war begeistert von dem Film der Coen-Brüder, den ich etwas zäh fand. Aber bibelfeste Zuschauer können einiges entdecken.

mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolf, Jessica McManus

Wiederholung: Mittwoch, 6. November, 00.00 Uhr (Taggenau! – also ein echter Mitternachtsfilm)

Hinweise

Film-Zeit über “A Serious Man”

Metacritic über “A Serious Man”

Rotten Tomatoes über “A Serious Man”

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Drehbuch “Blood Simple” von Joel und Ethan Coen

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans „Gambit – Der Masterplan“ (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. August: Auf der Flucht

August 23, 2013

RTL II, 20.15

Auf der Flucht (USA 1993, R.: Andrew Davis)

Drehbuch: Stuart Twohy, Jeb Stuart

LV: TV-Serie von Roy Huggins

Dr. Richard Kimble wird verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Er flüchtet. US Marshal Sam Gerard verfolgt ihn.

Die Kinoversion der erfolgreichen TV-Serie von Roy Huggins. Dr. Richard Kimble, gespielt von David Jansen, war vier Jahre in 120 Folgen auf der Flucht und die Welt schaute gebannt zu. Harrison Ford beweist in zwei spannenden Kinostunden seine Unschuld.

„Die Inszenierung setzt, perfekt und effizient, auf Thrill und Action. Was sie über gleichartige Produkte hinaushebt, ist ihre gelungene Bemühung um Atmosphäre und Lokalkolorit, der Verzicht auf den üblichen Waffenfetischismus und auf das gewohnte Eskalieren spektakulärer Gewalttätigkeit sowie das gepflegte Handwerk bis hin zu den Kleinigkeiten.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Der Film war ein Kassenknüller und erhielt für einen Thriller ungewöhnlich viele Preise und Nominierungen. Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. Tommy Lee Jones erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Fünf Jahre später spielte Tommy Lee Jones in „Auf der Jagd“ (U. S. Marshals) wieder den unerbittlichen Jäger Sam Gerard.

mit Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Sela Ward, Joe Pantoliano, Julianne Moore, Jeroen Krabbé

Wiederholung: Samstag, 24. August, 15.40 Uhr

Hinweise

Wikipedia über “The Fugitive” (TV-Serie und die Folgen)

Thrilling Detective über Roy Huggins

Harrison-Ford-Fanseite

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)

Harrison Ford in der Kriminalakte