TV-Tipp für den 8. Januar: Shine a Light

Januar 8, 2014

ZDFkultur, 20.15

Shine a Light (USA/GB 2008, R.: Martin Scorsese)

In seinen Filmen hat Martin Scorsese bereits öfter Songs der Rolling Stones verwandt. Bei „Shine a Light“ drehte er einen Film mit ihnen. Einen Konzertfilm, der ihre beiden 2006er-Konzert im New Yorker Beacon Theater dokumentiert.

Als Gäste waren Buddy Guy, Christina Aguilera und Jack White auf der Bühne dabei. Im Publikum kann man auch einige bekannte Gesichter sehen.

Shine a Light“ ist natürlich mehr ein „Rolling Stones“-Konzertfilm als ein Martin-Scorsese-Film, obwohl Scorses mit „The Last Waltz“ bereits einen legendären, im TV schon lange nicht mehr gezeigten Konzertfilm über das letzte Konzert der Rockband „The Band“ drehte.

Wiederholung: Donnerstag, 9. Januar, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Shine a Light“

Berlinale 2008: Pressekonferenz zum Film mit Martin Scorsese und den Rolling Stones

Wikipedia über „Shine a Light“ (deutsch, englisch)

Homepage der Rolling Stones

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Ihr dürft euch auf diesen Film freuen:

Kinostart ist der 16. Januar.


Cover der Woche

Januar 7, 2014

Fleming - Casino Royale


TV-Tipp für den 7. Januar: James Bond: Casino Royale

Januar 6, 2014

ZDF, 20.15

James Bond: Casino Royale (USA 2006, R.: Martin Campbell)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Casino Royale, 1953 (Casino Royale)

James Bond soll Le Chiffre, den Finanzier eines weltweiten Terrornetzwerkes, ausschalten.

Nach allgemeiner Einschätzung ist der einundzwanzigste James-Bond-Film (Offizielle Zählung) einer der fünf besten, vielleicht sogar – vor “Skyfall” – der beste Bond-Film. Niemand hatte mit dieser umfassenden Revitalisierung des Mythos James Bond für das neue Jahrhundert gerechnet.

Der erste Auftritt von Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät ist ein spannender Thriller mit einem viel zu langen Ende. Denn nachdem Le Chiffre tot ist, ist der Film noch lange nicht zu Ende.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Daniel Craig, Eva Green, Mads Mikkelsen, Jeffrey Wrigth, Judi Dench, Giancarlo Giannini

Wiederholung: Mittwoch, 8. Januar, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Casino Royale“

Wikipedia über „Casino Royale“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Orson Scott Cards „Ender’s Game“: der Comic und der Roman

Januar 6, 2014

Inzwischen liegt der zweite und abschließende Band der Comicversion von Orson Scott Cards mit dem Hugo- und Nebula-Preis ausgezeichnetem Science-Fiction-Klassiker „Ender’s Game“ vor, die Verfilmung ist auch schon angelaufen – und ich kann jetzt, immerhin ist der Roman bei uns wesentlich unbekannter als in den USA, unbefangener das Ende der Geschichte von Ender Wiggin diskutieren, ohne dass über Spoiler rumgemault wird.

Wir erinnern uns: Nach einer Invasion der Krabbler (aka Formics), die verhindert werden konnte, rüstet die Menschheit seit Jahrzehnten gegen einen neuen Angriff der Krabbler auf. In einer Kampfschule werden Kinder zu Soldaten ausgebildet. Der beste Soldat ist der am Anfang der Geschichte sechsjährige Ender Wiggin, der durch sein strategisches Talent beeindruckt und in wenigen Jahren zum Anführer der Menschheit gegen die außerirdischen Invasoren werden soll.

Im ersten Teil des Comics „Ender’s Game – Das große Spiel“ wurde der Anfang von Enders Ausbildung gezeigt und auch angesprochen, dass sein Training manipuliert wird, um seine Fähigkeiten voll zu entfalten. Am Ende wurde ihm gesagt, dass er sich für die nächste Stufe seiner Ausbildung, die Kommandantenschule, qualifiziert habe.

Im zweiten Teil wird die weitere Ausbildung des nun neunjährigen Jungen gezeigt. Gegen Ende (genaugenommen am Ende des vierten von fünf Heften) übernimmt der legendäre Mazer Rackham, der im vorherigen Krieg die Krabbler besiegte, seine weitere Ausbildung und im titelgebenden „großen Spiel“, das der Abschluss von Enders Ausbildung sein wird, besiegt er als Kommandant eine riesige Flotte von Angreifern.

Danach erfährt er, dass dieses und die vorherigen Spiele keine Spiele waren, sondern er der Befehlshaber über die gesamte Truppen der Menschheit war und er in seinem letzten Spiel die gesamte Rasse der Krabbler vernichtete.

Im Comic, der sich auf die verschiedenen Übungskämpfe von Ender konzentriert, spielt dieses Dilemma, dass er eine ganze Spezies vernichtete, keine Rolle.

Im Film wird es deutlicher angesprochen. Denn Ender kann nur, wie mehrmals betont wird, seinen Gegner vernichten, wenn er ihn vollkommen versteht – und dann auch liebt. Weil die Krabbler mit ihm über ein Computerspiel bereits – ohne dass er es wusste – Kontakt aufgenommen haben, findet er aber noch das befruchtete Ei einer Krabblerkönigin, mit dem er, wenn er einen neuen Planeten für es findet, seine Schuld etwas ausgleichen kann.

Im Buch, das der Auftakt zu weiteren Geschichten mit Ender ist, wird es noch deutlicher.

Denn Orson Scott Card zeigt in seinem Debütroman „Enders Spiel“ und der Jahre später entstandenen Parallelgeschichte „Enders Schatten“, in dem er Enders Ausbildung und die große Schlacht aus der Sicht von Bean, einem außergewöhnlich intelligentem Untergebenen von Ender, erzählt, viel deutlicher die menschenverachtende Ausbildung von Ender, die nur möglich wird, weil das Militär die Macht übernehmen konnte und die Angst vor einem unbekannten Feind herrscht. „Enders Spiel“ ist hier nur verständlich vor der Folie des Kalten Krieges, der als nie direkt angesprochener Subtext den gesamten Roman durchzieht. In dem 1999 entstandenem „Enders Schatten“ fehlt dieser Subtext, was zu interessanten Verschiebungen führt. Immerhin wurde damals in der internationalen Politik von einer immer stärkeren Verflechtung der Staaten, der zunehmenden Rolle von friedensstiftenden internationalen Kooperationen (im Fachjargon „Regime“) und sogar einem Ende von Kriegen gesprochen.

In beiden Romanen durchzieht die Darstellung der Manipulation der gesamten Ausbildung der Soldaten durch ihre Vorgesetzten die gesamte Geschichte. Es ist immer deutlich, dass die Auszubildenden nur Bauern in einem Spiel sind, was durch die Idee, dass hier Kinder für die Zwecke des Militärs benutzt werden, noch menschenverachtender wird.

In einem Subplot, der im Film und im Comic fehlt, spricht Orson Scott Card die Politik und die Rolle der Medien an. Denn in „Enders Spiel“ beginnen die beiden etwas älteren Geschwister von Ender eine Karriere als politische Kommentatoren – und er beschreibt in diesem Erzählstrang erstaunlich präzise, wie das heutige Internet funktioniert. Die beiden Geschwister schreiben ihre Kommentare unter zwei Tarnidentitäten (die eine ist kriegstreibend, die andere friedliebend) zuerst in politischen Diskussionsforen und, nachdem sie genügend Follower haben, auch in den Leitmedien. Dabei ahnt niemand, dass sogar die politische Elite auf Kinder hört.

Aber der größte Clou von „Enders Spiel“ ist das Ende. Denn nachdem Orson Scott Card vorher die Ausbildung in der Kampfschule so genau beschrieb, dass sogar das US-Militär den Roman auf seine Leseliste für Offiziersanwärter gesetzt hat, gibt es jetzt eine Wendung. Nach dem vorherigem Angriff, bei dem die Krabbler vernichtend geschlagen wurden, haben sie sich auf ihre Welt zurückgezogen und alle Invasionspläne fallen gelassen. Ender hat also einen Gegner besiegt, der überhaupt nicht mehr kämpfen wollte.

Gleichzeitig erkennen wir, dass die gesamte Kriegsparanoia nur funktionierte, weil die Militärs (und die Politik) niemals auf Verständigung, sondern immer nur mit Angst und Aggression operierte. In dem Moment wird der Roman, der sich vorher teilweise wie eine konservative Kampfschrift las (und Orson Scott Card ist vor solchen Anwandlungen nicht gefeit), zu einem Aufruf zur Verständigung. Zum Dialog.

Card - Ender s Game - 2

Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferry (Zeichnungen): Ender’s Game – Das große Spiel (Band 2)

(übersetzt von Bluna Williams)

Panini, 2013

132 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Ender’s Game: Command School 1 – 5

Marvel 2010

Die Vorlage

Card - Enders Spiel - 2Card - Enders Schatten - 2

Orson Scott Card: Enders Spiel

(übersetzt von Karl-Ulrich Burgdorf)

Heyne, 2012

464 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Game

Tor, 1985

(1991 erschien eine vom Autor leicht überarbeitete Ausgabe)

Frühere deutsche Ausgaben als „Das große Spiel“ und, als Doppelband mit dem zweiten Ender-Roman, als „Ender“.

Orson Scott Card: Enders Schatten

(übersetzt von Regina Winter)

Heyne, 2013

592 Seiten

8,99 Euro

Originalausgabe

Ender’s Shadow

Tor, 1999

Die Verfilmung

Ender s Game - Plakat

Ender’s Game – Das große Spiel (Ender’s Game, USA 2013)

Regie: Gavin Hood

Drehbuch: Gavin Hood

LV: Orson Scott Card: Ender’s Game

mit Asa Butterfield, Harrison Ford, Ben Kingsley, Abigail Breslin, Hailee Steinfeld, Moises Arias, Viola Davis, Nonso Anozie, Aramis Knight, Jessica Harthcock

Länge: 114 Minuten

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Moviepilot über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Metacritic über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Rotten Tomatoes über „Ender’s Game – Das große Spiel“

Wikipedia über „Ender’s Game – Das große Spiel“ (deutsch, englisch)

Homepage von Orson Scott Card

Phantastik-Couch über Orson Scott Card

Wikipedia über Orson Scott Card (deutsch, englisch)

Epilog: Interview mit Orson Scott Card (2004)

Meine Besprechung von Orson Scott Card (Projektleitung)/Christopher Yost (Skript)/Pasqual Ferrys (Zeichnungen) „Ender’s Game – Das große Spiel (Band 1)“ (Ender’s Game: Battle School 1 – 5, 2009)

Meine Besprechung von Gavin Hoods „Ender’s Game – Das große Spiel“ (Ender’s Game, USA 2013)


TV-Tipp für den 6. Januar: Rashomon – Das Lustwäldchen

Januar 6, 2014

Arte, 22.05

Rashomon – Das Lustwäldchen (Japan 1950, R.: Akira Kurosawa)

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa

LV: Ryunosuke Akutagawa: Rashomon; Yabu no naka, 1915 (Rashomon)

Vier Menschen erzählen in Rückblenden, ihre Version eines Mordes.

Grandioser, immer wieder sehenswerter Klassiker, der Kurosawa auch bei uns bekannt machte. Zu seinen späteren Filmen gehören „Die sieben Samurai“, „Das Schloss im Spinnwebwald“, „Yojimbo, der Leibwächter“, „Zwischen Himmel und Hölle“ (eine Ed-McBain-Verfilmung), „Kagemusha – Der Schatten des Kriegers“ und Ran“.

mit Toshiro Mifune, Masayuki Mori, Takashi Shimura, Machiko Kyo, Minori Chiaki

Wiederholung: Samstag, 11. Januar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rashomon“

Turner Classic Movies über „Rashomon“

Wikipedia über „Rashomon“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Januar (und 6. Januar): Blue Valentine

Januar 5, 2014

 

ARD, 23.30

Blue Valentine (USA 2010, R.: Derek Cianfrance)

Drehbuch: Derek Cianfrance, Cami Delavigne, Joey Curtis

Die Liebesgeschichte von Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams, Oscar-nominiert).

Feines Independent-Kino, das heute zu nachtschlafender Zeit seine TV-Premiere erlebt und einige Stunden später zu einer ordentlichen Uhrzeit gezeigt wird.

mit Ryan Gosling, Michelle Williams, Faith Wladyka, Mike Vogel

Wiederholung: Eins Festival, Montag, 6. Januar, 20.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Blue Valentine“

Moviepilot über „Blue Valentine“

Metacritic über „Blue Valentine“

Rotten Tomatoes über „Blue Valentine“

Wikipedia über „Blue Valentine“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Derek Cianfrances „The Place beyond the Pines“ (The Place beyond the Pines, USA 2012)

 

 


TV-Tipp für den 4. Januar: Der Pate

Januar 4, 2014

ZDFneo, 22.35
Der Pate (USA 1972, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
LV: Mario Puzo: The godfather, 1969 (Der Pate)
Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker.
Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Pate“

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) „Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)“ (2011)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Richard Castle lässt Derrick Storm in die „Storm Front – Sturmfront“ ziehen

Januar 3, 2014

Nachdem Bestsellerautor Richard Castle in den vergangenen Jahren sich auf seine Serie mit der NYPD-Polizistin Nicki Heat als Heldin (inspiriert von der NYPD-Polizistin Kate Beckett, die er bei der Arbeit beobachtete und mit der er inzwischen zusammen lebt), konzentrierte, kehrte er mit „Storm Front – Sturmfront“ zu seinem vorherigen Seriencharakter Derrick Storm zurück. Storm ist ein Privatdetektiv, der auch und vor allem als Geheimagent für eine supergeheime CIA-Unterabteilung arbeitet und er ist salopp gesagt eine gelungene Mischung aus James Bond und McGyver.

Deshalb muss er auch den Tod von mehreren hochrangigen Bankern, die auf verschiedenen Kontinenten bestialisch ermordet wurden, untersuchen. Sie wurden von Gregor Volkov ermordet, einem Folterknecht, den Storm vor Jahren – so hat er geglaubt – tötete. Volkov will von seinen Opfern ihren Code für den Computer MonEx 4000 haben, mit dem man unglaublich große Verkäufe an der Börse tätigen kann, haben.

Wie Storm mit der gutaussehenden chinesischen Agentin Ling Xi Bang herausfindet, besagt eine Theorie, dass man mit sechs rund um den Globus verteilten Großverkäufern den Wert der US-Währung ins Bodenlose fallen lassen kann.

Aber wer sind die letzten beiden Opfer von Volkov und wer ist Volkovs größenwahnsinniger Auftraggeber, der die Welt in ein ökonomisches Chaos stürzen will?

Storm Front – Sturmfront“ ist ein flotter Agententhriller, bei dem fast die gesamte zweite Hälfte ein einziges atemberaubendes Action-Finale ist, mit allem, was das Herz des Action-Fans begehrt. Gleichzeitig werden die vorher gelegten Spuren, Informationen und Charaktere (kleiner Hinweis: kein Charakter ist unwichtig) fein zusammengefügt. Da zeigt sich die gute alte Autorenschule, dass ein Gewehr, das am Anfang unter dem Bett versteckt wird, später wichtig wird. Und es gibt einige köstliche Szenen, zum Beispiel wenn Derrick Storm in New York an einem Tatort Nicki Heat und Jameson Rook trifft und Rook nach einem Blick auf Storm meint: „Er sieht zu gut aus für einen Verdächtigen.“.

Das ist gut gemachte, effiziente Flughafenlektüre oder Sommerlektüre, die einen auch im Winter zuverlässig eine Stunden aus der tristen Wirklichkeit entführt, ohne dass man sich im nachhinein dafür schämen muss. „Storm Front“ steht halt in der Stephen-J.Cannell-Schule, in der Entertainment mit ernsten Grundierungen und einer ordentlichen Portion Humor an erster Stelle steht; siehe unter anderem „Detektiv Rockford – Anruf genügt“, „Trio mit vier Fäusten“, „The A-Team“ und „Kampf gegen die Mafia“. Naja, der zu früh verstorbene Cannell war ja auch ein Pokerpartner von Richard Castle.

Und als Nachfolger von James Bond schlägt Derrick Storm sich ausgezeichnet, wie ein Blick auf die Bond-Checkliste zeigt: größenwahnsinniger Schurke (vorhanden), schöne Frauen (vorhanden), Opfertod (vorhanden), Jet-Set-Leben (vorhanden), Gadgets (vorhanden), Action (vorhanden).

Vielleicht sollten die Ian-Fleming-Nachlassverwalter mal Richard Castle fragen, ob er einige James-Bond-Romane schreiben will.

Castle - Storm Front

Richard Castle: Storm Front – Sturmfront

(übersetzt von Sabine Elbers)

Cross Cult, 2013

384 Seiten

12,80 Euro

Originalausgabe

Storm Front

Hyperion, 2013

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)


TV-Tipp für den 3. Januar: Castle: Für Höheres bestimmt/Walküre

Januar 3, 2014

 

Kabel 1, 20.15/21.15

Castle: Für Höheres bestimmt/Walküre (USA 2013, R.: John Terlesky)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe, Rob Hanning

Erfinder: Andrew W. Marlowe

Nach einer Pause zeigt Kabel 1 heute als TV-Premiere den Abschluss der fünften Staffel und den Auftakt der sechsten Staffel. Um 22.15 gibt es dann noch „Helden und Bösewichter“ aus der vierten Staffel. An den kommenden Freitagen gibt es dann um 20.15 Uhr weitere neue Folgen und danach Doppelfolgen aus der vierten Staffel.

In „Für Höheres bestimmt“ löst NYPD-Cop Kate Beckett, mit der Hilfe von easy going Thrillerautor Richard Castle, den Mord an einer Haward-Studentin, die anscheinend als Prostituierte arbeitete und sich in den Computer einer Kanzlei hackte. Außerdem erhält Beckett ein Jobangebot vom FBI in Washington, D. C.

Dieses Angebot hat sie in „Walküre“ angenommen – und Castle besucht sie an ihrer neuen Wirkungsstätte und mischt sich – Überraschung! – gleich in ihren Fall ein.

Überflüssig zu sagen, dass ihr Gastspiel in der Hauptstadt nur kurz ist und die Fälle der sechsten Staffel (nachdem die fünfte Staffel ja etwas schwächelte) bislang sehr gelungen sind.

mit Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Jon Huertas , Seamus Dever, Molly Quinn, Penny Johnson Jerald, Lisa Edelstein

Wiederholung: Samstag, 4. Januar, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Richard Castle

Wikipedia über Richad Castle

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Richard Castle in der Kriminalakte (eins, zwei, drei , vier und beim Paley Fest)

Meine Besprechung von Richard Castles „Heat Wave – Hitzewelle“ (Heat Wave, 2009)


Wyatt ist zurück im „Dirty Old Town“

Januar 2, 2014

Disher - Dirty Old Town

Wyatt, der eiskalte Profi-Gangster ist zurück und in den gut fünfzehn Jahren seiner literarischen Abwesenheit veränderte er sich überhaupt nicht. Gleich auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ begeht er einen Überfall, der schiefgeht. Er flüchtet indem er in der Menge untertaucht, dabei seine .32er entsorgt, seine Kleider wechselt und ein Auto klaut. Danach plant er den nächsten Coup.

Der Hehler Eddie Oberin nennt ihm einen Juwelier, der mit gestohlenen Waren aus Europa Geld verdient und jetzt wieder eine größere Lieferung bekommt. Oberin will dabei sein. Ebenso seine Ex-Frau Lydia Stark, von der der Tipp stammt.

Wyatt ist skeptisch. Denn als Profi arbeitet er lieber allein. Aber er braucht das Geld und ist einverstanden. Allerdings weiß er nicht, dass der aus Europa kommende Kurier Alain Le Page ein veritabler und skrupelloser Gegner ist, er keinen Schmuck, sondern Wertpapiere (die sehr wertvoll sind) schmuggelt und Oberin eine ziemlich durchgeknallte Freundin hat.

Oh, und dann ist da noch Tyler, der Neffe von Ma Gadd (einer Blumenhändlerin und Waffenverkäuferin), der Wyatt bewundert und eine Karriere als Verbrecher anstrebt.

Natürlich ist Wyatt die australische Ausgabe von Richard Starks Parker und Garry Disher will das auch überhaupt nicht verleugnen. Im Gegenteil. Wenn er auf den ersten Seiten von „Dirty Old Town“ Wyatt und sein Berufsethos vorstellt, könnte dort genausogut „Parker“ stehen. Und das ist gut so. Denn es gibt inzwischen einfach zu wenige geradlinige Gangsterkrimis.

„Dirty Old Town“ erhielt, verdient, den Ned-Kelly-Preis als bester Kriminalroman des Jahres.

Garry Disher: Dirty Old Town

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

Pulp Master, 2013

336 Seiten

13,80 Euro

Originalausgabe

Wyatt

2010

(Disher wollte den Roman, so meine Erinnerung, ursprünglich „Dirty Old Town“ nennen)

Wyatts frühere, sehr empfehlenswerte Raubzüge

1. Gier (Kickback, 1991)

2. Dreck (Paydirt, 1993)

3. Hinterhalt (Deathdeal, 1993)

4. Willkür (Crosskill, 1994)

5. Port Vila Blues/Vergeltung (Port Vila Blues, 1995)

6. Niederschlag (The Fallout, 1997)

7. Dirty Old Town (Dirty Old Town, Wyatt, 2010)

Hinweise

Homepage von Garry Disher

Wikipedia über Garry Disher (deutsch, englisch)

Garry Disher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Januar: 700 Meilen westwärts

Januar 2, 2014

 

SWR, 23.00

700 Meilen westwärts (USA 1975, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

Selten gezeigter, 1906 spielender Spätwestern über ein Pferderennen: dem Sieger des 700 Meilen langen Rennens quer durch die Pampa winkt ein erkleckliches Preisgeld. Richard Brooks konzentriert sich, vor einer traumhaften Landschaft, vor allem auf die Motive der Charaktere und ihren Kampf gegeneinander.

Ein fetter Brocken Americana, gut gewürzt mit einem Optimismus und Positivismus, wie sie im heutigen Film selten geworden ist. Brooks‘ Drehbuch ist ein Wunder an Kompression und Humor. Wenn Coburn eine Dame von immensen Proportionen tätschelt und wie zu sich selber sagt ‚Ich hatte fast vergessen, wie gut sich eine schlechte Frau anfühlt‘, sagt er in einem einzigen Satz sehr viel über sich selbst.“ (Arthur Knight, The Hollywood Reporter)

mit Gene Hackman, Candice Bergen, James Coburn, Ben Johnson, Ian Bannen, Jan-Michael Vincent, Robert Donner, Mario Arteaga, Paul Stewart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „700 Meilen westwärts“

Turner Classic Movies über „700 Meilen westwärts“

Wikipedia über „700 Meilen westwärts“ (deutsch, englisch)

Richard Brooks in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Erstaunlich, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Januar 1, 2014

Mediensatire und Mediengroteske heißt es in einigen Kritiken über Ben Stillers gelungenen neuen Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ und nichts könnte falscher sein. Jedenfalls nach meinem Verständnis von Satire und Groteske. Ich denke dann an Filme wie „Network“, „Schtonk!“ oder auch Stillers Hollywood-Satire „Tropic Thunder“. Nein, „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist ein feinfühliges, durchaus humoristisches Drama, fast schon ein Frank-Capra-Film, aber ohne eine eindeutige Antwort oder platte Botschaft am Ende. Im Gegenteil: gerade weil das Ende dem vorherigen Film so schön und elegant widerspricht, beschäftigt man sich auch nach dem warmherzigem Film weiter mit der Frage, was der Sinn des Lebens ist und ob wirklich das Bild von Fotograf O’Connell die Quintessenz von „Life“ (und damit auch des Lebens) abbildet.

Aber davor musste Walter Mitty seine Wohlfühlzone verlassen und sich auf eine Schnitzeljagd um die Welt begeben.

Walter Mitty, erfunden von James Thurber in einer kurzen, klassischen Kurzgeschichte, die eigentlich nur eine Situation beschreibt und für den Film, der bis auf den Charakter nichts mehr mit der Geschichte zu tun hat, aber deren Stimmung genau trifft, ist Fotoarchivar beim legendären „Life“-Magazin, das für seine Bildreportagen bekannt war (die Druckausgabe wurde 2007 eingestellt; danach gab es eine elektronische Ausgabe). Er ist Single, hat keine Ahnung, welche spannenden Erlebnisse er auf seiner Dating-Seite eintragen soll, heimlich verliebt in seine Arbeitskollegin Cheryl Melhoff (Kristen Wiig) von der Buchhaltung und ein unverbesserlicher Tagträumer. In seinen Träumen lebt er das Leben, das er sonst nur auf Bildern sieht, und er verwandelt sich auch, immerhin leben wir im 21. Jahrhundert, in einen Superhelden, der für seine Mission halb New York zerstört. Und er ist stolz darauf, dass er in all den Jahren nie ein Negativ verschlampt hat.

Deshalb ist es für ihn ein Schock, der sein gesamtes bisheriges Leben in Frage stellt, als er erfährt, dass das von Sean O’Connell (Sean Penn), einem Fotograf, der sich an die gefährlichsten und entlegensten Orte der Welt begibt, kein Handy hat und auch sonst chronisch nicht erreichbar ist, als spektakuläres Bild angekündigte Negativ Nummer 25 nicht da ist. Das Negativ fehlt! Aber gerade dieses Bild will sein neuer Chef, ein rechtes Arschloch, das nur eingestellt wurde, um das „Life“-Magazin zu liquidieren, als Titelbild der letzten Ausgabe des Magazins haben.

Walter Mitty, der nie seine gewohnten Pfade in New York verlässt, man kann sogar die Subway nach ihm stellen, macht sich auf den Weg. Er muss O’Connell finden und mit ihm über das Bild reden.

Dabei erlebt (?) Walter Mitty mehr Abenteuer, als er sich in den vergangenen Jahren zusammenfantasierte.

Mit dem optimistischen Drama „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beginnt das Kinojahr verheißungsvoll. Immerhin hat Ben Stiller, mit beeindruckenden Bilder von Walter Mittys Reisen um den halben Globus, einem schicken Fünfziger-/Sechziger-Jahre-Retro-Design (Billy Wilders „Das Apartment“ wird von Stiller als Einfluss genannt) und guten Schauspielern eine zeitlose Geschichte neu interpretiert und dabei jongliert er so elegant zwischen Fantasie und Realität und mit den Plot-Points, wie eine gute Jazzband, die einen Standard in ihren Improvisationen zu ihrem Stück macht und sich auch Zeit für Um- und Abwege nimmt, mit fast schon kindischer Freude die Stile wechselt, Anspielungen und Hommagen unterbringt, und dabei immer wieder, bis zur letzten Note, eine überraschende Wendung parat hat. Wie das Larger-than-Life-Leben, das Walter Mitty jetzt leben muss.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Plakat

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (The Secret Life of Walter Mitty, USA 2013)

Regie: Ben Stiller

Drehbuch: Steven Conrad

LV: James Thurber: The Secret Life of Walter Mitty, 1939 (Walter Mittys Geheimleben, Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The New Yorker“)

mit Ben Stiller, Kirsten Wiig, Sean Penn, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Patton Oswalt, Adrian Martinez

Länge: 115 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Moviepilot über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Metacritic über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Rotten Tomatoes über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“

Wikipedia über „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ (deutsch, englisch)

Einige schöne Walter-Mitty-Plakate

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Berg

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Gebäude

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Teaser


TV-Tipp für den 1. Januar: Ich sehe den Mann deiner Träume

Januar 1, 2014

ARD, 23.35

Ich sehe den Mann deiner Träume (USA/Spanien 2010, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

In London beobachtet Woody Allen einige Männer und Frauen auf der Jagd nach ihrem Glück in der Liebe und im Leben – und wir können uns amüsiert zurücklehnen und die Stars beobachten, wenn sie Weisheiten von sich geben und sich zum Narren machen.

mit Antonio Banderas, Josh Brolin, Anthony Hopkins, Gemma Jones, Freida Pinto, Lucy Punch, Naomi Watts, Philip Glenister

Hinweise

Film-Zeit über „Ich sehe den Mann deiner Träume“

Moviepilot über „Ich sehe den Mann deiner Träume“

Metacritic über „Ich sehe den Mann deiner Träume“

Rotten Tomatoes über „Ich sehe den Mann deiner Träume“

Wikipedia über „Ich sehe den Mann deiner Träume“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „Blue Jasmine“ (Blue Jasmine, USA 2013)

Woody Allen in der Kriminalakte