TV-Tipp für den 19. Juni: Süßes Gift

Juni 18, 2019

Arte, 20.15

Süßes Gift (Merci pur le chocolat, Frankreich/Schweiz 2000)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff

LV: Charlotte Armstrong: The Chocolate Cobweb, 1948

Die Direktorin eine Schokoladendynastie am Genfer See führt nicht nur ihr Unternehmen, sondern auch die Familie mit teils drastischen Mitteln.

Claude Chabrol (24. Juni 1930 – 12. September 2010) bei seinem Lieblingsobjekt: dem Bürgertum und ihrem sorgenfreien Leben. „Ein kühles, unaufgeregtes, im besten Sinne sprödes Meisterstück über die Lügen und Geheimnisse der Großbürger.“ (Tip 1/2001)

Mit Isabelle Huppert, Jacques Dutronc, Anna Mouglalis, Rodolphe Pauly, Michel Robin

Wiederholung: Donnerstag, 20. Juni, 13.45 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Süßes Gift“

Rotten Tomatoes über „Süßes Gift“

Wikipedia über „Süßes Gift“ (deutsch, englisch, französisch)


Cover der Woche

Juni 18, 2019


TV-Tipp für den 18. Juni: Big Fish

Juni 17, 2019

Disney Channel, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (Big Fish, USA 2003)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Rotten Tomatoes über “Big Fish”

Wikipedia über “Big Fish” (deutsch, englisch)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts “The Nines” (The Nines, USA 2007)


Jim Nisbet, USA, „Welt ohne Skrupel“

Juni 17, 2019

Klinger, der vornamenlose Protagonist in Jim Nisbet neuestem Noir „Welt ohne Skrupel“, ist ein kleiner Verbrecher. Ganz unten auf der Futterleiter. Seine Coups gehen meistens schief. Immerhin gelingt es ihm immer wieder, in San Francisco der Polizei zu entkommen. Danach muss er seine Ex-Frau um Geld bitten. Dass Klinger jemals seine Schulden bezahlt, erwartet sie nicht. Auch der Wirt in Klingers Stammlokal und der Vermieter in der billigen Absteige, in der er übernachtet, sind erstaunt, wenn Klinger mal etwas Geld hat, mit dem er mehr als eine Nacht bezahlen kann und sogar seine Schulden etwas abstottern kann.

Als er nach einem Taschendiebstahl, bei dem er assistierte, das Smartphone eines App-Entwicklers hat, verändert sich sein Leben. Denn der Entwickler hat sich gerade mit seiner Geschäftspartnerin zerstritten (sie hat ihn finanziell gnadenlos über den Tisch gezogen) und jetzt will sie unbedingt dieses Telefon haben.

Plötzlich ist Klinger in einer Welt, die er bisher nicht kannte. Nicht, weil er keinen Computer besitzt, sondern weil hier Geldsummen bewegt werden, von denen er bislang nicht zu träumen wagte.

Unter Noir-Fans ist der 2017 von San Francisco nach Sausalito umgezogene Jim Nisbet ein bekannter Name. Bei Pulp Master erschienen in den vergangenen Jahren seine tiefschwarzen Romane „Dunkler Gefährte“, „Der Krake auf meinem Kopf“ und „Tödliche Injektion“. Der Noir, inzwischen ein kleiner Klassiker, erschien in den USA erstmals im kultigen Black Lizard Verlag.

Welt ohne Skrupel“ ist ein weiterer tiefschwarzer Noir. Wie der Titel schon andeutet, ist die von Jim Nisbet präzise gezeichnete Welt eine Welt, in der jeder jeden betrügt und Nächstenliebe eine Mischung aus etwas Geld und einem kostenlosen Drink ist. Viel mehr soll über die sparsame Handlung dieser starken Charakterstudie eines alternden Möchtegern-Verbrechers, dessen Leben bislang sogar für eine richtige Gefängniskarriere zu uninteressant war, nicht verraten werden.

Nisbet zeichnet eine kalte Welt ohne Skrupel und auch ohne Mitleid. Aber einer wie Klinger lässt sich davon nicht unterkriegen. Oder doch?

Jim Nisbet: Welt ohne Skrupel

(übersetzt von Ango Laina und Angelika Müller)

pulp master, 2019

240 Seiten

14,80 Euro

Originalausgabe

Snitch World

PM Press, 2013

Hinweise

Homepage von Jim Nisbet

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Tödliche Injektion“ (Lethal Injection, 1987)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006)

Meine Besprechung von Jim Nisbets „Der Krake auf meinem Kopf“ (The Octopus on my Head, 2007)

Mein Interview mit Jim Nisbet

Jim Nisbet in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 17. Juni: Ein Abend mit Peter Bogdanovich: Die letzte Vorstellung, Saint Jack

Juni 17, 2019

Heute ist Peter Bogdanovich vor allem als überaus kompetenter Gesprächspartnern in unzähligen Filmdokumentationen und für kleine Schauspielrollen (z. B. „Gefühlt Mitte Zwanzig“) bekannt. Dabei war er in den siebziger Jahren ein bekannter und erfolgreicher Regisseur, der drei Hits hintereinander hatte („Die letzte Vorstellung“, „Is’ was, Doc?“ [läuft öfter im TV] und „Paper Moon“). An diese Erfolgsserie konnte er nicht wieder anschließen.

Heute zeigt Arte aus keinem besonderem Grund zwei seiner schon lange nicht mehr, falls überhaupt, im TV gezeigten Filme

Arte, 20.15

Die letzte Vorstellung (The last picture show, USA 1971)

Regie: Peter Bogdanovich

Drehbuch: Larry McMurtry, Peter Bogdanovich

LV: Larry McMurtry: The last picture show, 1966 (Die letzte Vorstellung)

Hochgelobtes, an der Kinokasse erfolgreiches SW-Porträt einiger Jugendlicher, die 1951/1952 in der texanischen Kleinstadt Anarene leben, sich fragen, was aus ihrem Leben werden soll und das Dorfkino als Zuflucht haben, in dem sie von einem anderen Leben träumen können. Als der Betreiber stirbt, soll auch das Kino schließen.

Der Klassiker ist „kein nostalgischer Rückblick auf die ‚guten, alten Zeiten‘, wie ihn beispielsweise ‚American Graffiti‘ lieferte, sondern ein ehrliches, manchmal frustrierendes Psychogramm einer langsam zugrunde gehenden Kleinstadt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Timothy Bottoms, Jeff Bridges, Cybill Shepherd, Ben Johnson, Cloris Leachman, Ellen Burstyn, Eileen Brennan, Clu Gulager, Sam Bottoms, Randy Quaid, John Hillerman

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die letzte Vorstellung“

Wikipedia über „Die letzte Vorstellung“ (deutsch, englisch) und Peter Bogdanovich (deutsch, englisch)

Arte, 22.15

Saint Jack (Saint Jack, USA 1979)

Regie: Peter Bogdanovich

Drehbuch: Howard Sackler, Paul Theroux, Peter Bogdanovich

LV: Paul Theroux: Saint Jack, 1973 (Saint Jack)

Weltenbummler Jack will 1971 in Singapur das beste Bordell der Welt eröffnen. Das ist einfacher gedacht als getan.

Ein kleiner Film, offensichtlich mit niedrigem Budget gedreht. Doch der ‚Wunderknabe‘ Bogdanovich zeichnet das Porträt des Glücksritters Saint Jack mit viel Sorgfalt und Interesse für eine Person.“ (Fischer Film Almanach 1981)

Ben Gazarra, der hier Saint Jack spielt, spielte in John Cassavetes‘ „Tod eines chinesischen Buchmachers“ (1976) eine ähnliche Figur.

Kameramann war Robby Müller

mit Ben Gazarra, Denholm Elliott, James Villers, Joss Ackland, George Lazenby, Peter Bogdanovich

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Saint Jack“

Wikipedia über „Saint Jack“


TV-Tipp für den 16. Juni: Sully

Juni 15, 2019

Sat.1, 20.15

Sully (Sully, USA 2016)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Todd Komarnicki

LV: Chesley Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Highest Duty, 2009 (Man muss kein Held sein; Sully: Das Wunder vom Hudson)

Sehenswertes Biopic über Captain Chesley ‚Sully‘ Sullenberger, der am 15. Januar 2009 sein Passagierflugzeug kurz nach dem Start auf dem Hudson River notlanden musste. Die fast unmögliche Notladung gelang. Alle Passagiere konnten gerettet werden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend zeigt Sat.1 um 22.05 Uhr einen weiteren sehenswerten Tom-Hanks-Film: Steven Spielbergs ebenfalls auf Tatsachen basierender Thriller „Bridge of Spies: Der Unterhändler“ (USA 2015)

mit Tom Hanks, Aaron Eckhart, Laura Linney, Mike O’Malley, Jamey Sheridan, Anna Gunn, Holt McCallany, Chris Bauer, Jane Gabbert, Ann Cusack, Molly Hagan, Patch Darragh, Michael Rapaport

Wiederholung: Montag, 17. Juni, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sully“

Metacritic über „Sully“

Rotten Tomatoes über „Sully“

Wikipedia über „Sully“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Sully“: Gelungene Notlandung oder Totalcrash im Realitätscheck?

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „American Sniper“ (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „The Mule“ (The Mule, USA 2018)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Die Vorlage

Zum Filmstart erschien Chesley B. Sullenbergers Biographie mit einem neuen Titel und neuem Cover

Sully von Chesley B Sullenberger

Chesley B. Sullenberger/Jeffrey Zaslow: Sully – Das Wunder vom Hudson

(übersetzt von Michael Bayer, Norbert Juraschitz und Henning Dedekind)

Penguin Verlag, 2016

352 Seiten

10 Euro

Deutsche Erstausgabe als „Man muss kein Held sein – Auf welche Werte es im Leben ankommt“.

Originalausgabe

Highest Duty – My Search for what really matters

William Morrow, New York, 2009

Und für SNL spielte Tom Hanks wieder Sully, der überhaupt keine Probleme mit seinem Ruhm hat


Neu im Kino/Filmkritik: „Sunset“, der zweite Film von „Son of Saul“-Regisseur László Nemes

Juni 15, 2019

Für sein Debüt „Son of Saul“ erhielt László Nemes den Auslands-Oscar. Neben etlichen anderen Preisen. Das intensive Drama wurde von der Kritik breit abgefeiert. Es ist einer der Feelbad-Filme, die man unbedingt einmal gesehen haben muss. Nemes erzählt die Geschichte von Saul Ausländer, der im KZ Auschwitz-Birkenau verzweifelt seinen Sohn (den er wahrscheinlich niemals hatte) nach jüdischem Ritus beerdigen möchte. Anhand dieser Geschichte schildert Nemes eine Odyssee durch das KZ. Dabei verfolgt er Saul in langen Plansequenzen mit der Handkamera. Der Schrecken findet am Bildrand, im Bildhintergrund und auf der Tonspur statt.

Sein neuester Film „Sunset“ erzählt auf den ersten Blick eine ganz andere Geschichte. Im Mittelpunkt des Historiendramas steht die junge Irisz Leiter, die 1913 in Budapest in dem edlen Geschäft anfangen möchte, das einst ihren Eltern gehörte und das noch immer ihren Namen trägt. Seit ihrer jüngsten Kindheit, als ihre Eltern bei einem Brand starben, ist Irisz eine Waise. Der neue Inhaber des Geschäfts, Oskar Brill, weist sie brüsk ab. Die ausgeschriebene Stelle sei schon lange besetzt.

Schon in diesem Moment zeigen die harschen und seltsamen Reaktionen von Brill und seinen Angestellten auf ihre Bewerbung, dass es um den Tod ihrer Eltern und den jetzigen Inhaber des Geschäftes ein Geheimnis gibt. Auch Irisz‘ Begehren, ausgerechnet diese Stelle zu bekommen, ist etwas seltsam. Auch sie verbirgt ihre wahren Absichten. Denn ihre Erklärung, dass sie als Leiter unbedingt in dem Geschäft arbeiten müsse, das ihren Namen trägt und das ihren Eltern gehörte, ist nicht sonderlich glaubwürdig. Außer sie möchte die künftige Inhaberin werden.

Etwas später erfährt Irisz Leiter, dass sie einen Bruder hat, über den nichts genaues bekannt ist. Er könnte als untergetauchter Revolutionär für verschiedene Anschläge verantwortlich sein.

Zunehmend wahnhaft versucht Irisz herauszufinden, was ihr verschwiegen wird.

Damit wird „Sunset“, wie „Son of Saul“, schnell zur Geschichte einer Person, die wahnhaft ein Ziel verfolgt, während unklar ist, ob sie dabei von einem Wahngebilde ausgeht. Also ob überhaupt irgendeine ihrer Grundannahmen stimmt. In dieser Beziehung ist Irisz eine Schwester von Saul.

Auch die Inszenierung gleicht der von „Son of Saul“. „Son of Saul“-Kameramann Mátyás Erdély inszeniert wieder beeindruckende und beeindruckend lange Plansequenzen. Wieder wird die Hauptperson unerbittlich in den Bildmittelpunkt gerückt und wieder verfolgt die Kamera sie unerbittlich, während wichtige Ereignisse am Bildrand und außerhalb des Bildes stattfinden.

Aber hier funktioniert dieses Stilmittel nur bedingt. Der KZ-Horror ist wesentlich bekannter. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert ob und wie man ihn darstellen kann. „Son of Saul“ knüpft natürlich auch an diese Diskussion an und Nemes hat eine überzeugende Lösung gefunden. Über das Leben in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie kurz vor dem Ausbruch des I. Weltkriegs ist dagegen weniger bekannt. Nemes rekurriert hier auf ein historisches Wissen, das nicht vorhanden ist. Entsprechend schwierig sind die historischen Anspielungen zu entschlüsseln.

Gleichzeitig ist die Mystery-Geschichte sehr nebulös gehalten. Regisseur Nemes wollte das so, damit die Zuschauer selbst Dinge hineininterpretieren können.

Bei mir führte das dazu, dass ich den Ereignissen in „Sunset“ zunehmend distanziert und auch gelangweilt folgte. Zu unverständlich sind die Handlungen von Irisz Leiter. Zu viele Rätsel werden angehäuft, ohne wirklich aufgeklärt zu werden. Und in der letzten Minute wird das alles auf eine ganz andere Ebene gehoben, die auf mich wie ein fehlgeschlagener Witz wirkte.

Das ändert nichts daran, dass „Sunset“ technisch beeindruckend ist und er ein intensives, ziemlich alptraumhaftes Bild der Vorkriegszeit zeichnet.

Beim Venedig Film Festival 2018 gewann „Sunset“ den FIPRESCI Preis.

Im Gegensatz zu ‚Son of Saul‘, der sehr akribisch und fast dokumentarisch aufgebaut ist, erinnert ‚Sunset‘ an ein Märchen, ein Mysterium in sich. Es lädt den Zuschauer ein, zusammen mit der Protagonistin einen Weg durch einen Irrgarten aus Fassaden und Ebenen zu finden. Von Anfang an habe ich mir vorgestellt, dass der Film den Zuschauer in ein persönliches Labyrinth stürzt, während er Iris auf der Suche nach ihrem Bruder begleitet und mit ihr herauszufinden versucht, was sich in der Welt verbirgt, die sie erkennen will. Hinter jedem Hinweis, den sie zu entdecken scheint, gibt es widersprüchliche Informationen. Unter jeder Schicht kommt eine neue zum Vorschein, und die Hauptfigur mag sich selbst nicht einmal darüber im Klaren sein, welch ein tiefgehender Prozess sich in ihr vollzieht. Iris ist ein Charakter, der zwischen Licht und Dunkelheit gefangen ist, zwischen Schönheit und Gefahr, unfähig mit den Grauzonen zurechtzukommen. In diesem Sinne ist ‚Sunset‘ auch die Geschichte eines Mädchens, des Aufblühens einer seltsamen Blume.“

László Nemes über seinen Film

Sunset (Napszállta, Ungarn/Frankreich 2018)

Regie: László Nemes

Drehbuch: László Nemes, Clara Royer (Ko-Autor), Matthieu Taponier (Ko-Autor)

mit Juli Jakab, Vlad Ivanov, Susanne Wuest, Evelin Dobos, Marcin Czarnik, Levente Molnár

Länge: 142 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Sunset“

Metacritic über „Sunset“

Rotten Tomatoes über „Sunset“

Wikipedia über „Sunset

Meine Besprechung von László Nemes‘ „Son of Saul“ (Saul fia, Ungarn 2015)


TV-Tipp für den 15. Juni: Elliot, der Drache

Juni 14, 2019

Sat.1, 20.15

Elliot, der Drache (Pete’s Dragon, USA 2016)

Regie: David Lowery

Drehbuch: David Lowery, Toby Halbrooks (basierend auf einem Drehbuch von Malcolm Marmorstein und einer Geschichte von Seton I. Miller und S.S. Field)

Mr. Meacham (Robert Redford) erzählt den Dorfkindern Geschichten von einem Drachen, den er vor Jahren in den umliegenden Wäldern gesehen hat.

Eine Legende, bis seine Tochter Grace (Bryce Dallas Howard) im Wald den zehnjährigen Pete (Oakes Fegley) entdeckt, der behauptet, dass er die vergangenen Jahre im Wald von einem Drachen, den er Elliot nennt, behütet wurde. Und Elliot will das auch weiter tun.

Elliot, der Drache“ ist, wie man es von Disney erwartet, ein gelungener, liebenswert-charmanter Kinderfilm, der sein Publikum ernst nimmt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

David Lowery gehört zu den interessantesten unauffälligen Regisseuren, die gelungen zwischen Independent- und Mainstream-Kino wechseln. Er inszenierte „St. Nick“ (2009), „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ (Ain’t Them Bodies Saints, 2013), „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, 2016), „A Ghost Story“ (2017) und „Ein Gauner & Gentleman“ (The Old Man & the Gun, 2018), Robert Redfords wundervolle Abschiedsvorstellung (bis zu seinem nächsten Film).

mit Bryce Dallas Howard, Oakes Fegley, Robert Redford, Wes Bentley, Karl Urban, Oona Laurence

Wiederholung: Sonntag, 16. Juni, 16.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Elliot, der Drache“

Metacritic über „Elliot, der Drache“

Rotten Tomatoes über „Elliot, der Drache“

Wikipedia über „Elliot, der Drache“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Lowerys „Elliot, der Drache“ (Pete’s Dragon, USA 2016)

Meine Besprechung von David Lowerys „A Ghost Story“ (A Ghost Story, USA 2017)

Meine Besprechung von David Lowerys „Ein Gauner & Gentleman“ (The Old Man & the Gun, USA 2018)


TV-Tipp für den 14. Juni: Moon – Die dunkle Seite des Mondes

Juni 13, 2019

One, 21.00

Moon – Die dunkle Seite des Mondes (Moon, Großbritannien 2009)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)

Sam baut für einen Konzern auf dem Mond Helium ab. Sein einziger Gefährte ist der Roboter Gerty (im Original: Kevin Spacey). Nach einem Unfall trifft er in der Mondstation auf seinen Doppelgänger.

Sam Rockwell in einer Doppelrolle. Das ist schon mehr als die halbe Miete. Aber Duncan Jones hat in seinem Langfilmdebüt auch eine überzeugende Geschichte und, trotz des überschaubaren Budgets, überzeugende Tricks. All das macht „Moon“ zu einem der besten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre.

„Moon“ wurde unter anderem mit dem Hugo-Award und etlichen normalen Filmpreisen, wie dem British Independent Film Awards als bester Film des Jahres, ausgezeichnet.

mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

Wiederholung: Samstag, 15. Juni, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Moon“

Metacritic über „Moon“

Rotten Tomatoes über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones“ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Jim Jarmusch behauptet „The Dead don’t die“

Juni 13, 2019

Einerseits hat Jim Jarmusch noch keinen Zombiefilm und noch keine Komödie gedreht.

Andererseits ist jeder Jim-Jarmusch-Film eine Komödie und auch ein Zombiefilm. Denn nie sind seine Charaktere hundertprozentig von dieser Welt. In „Only Lovers left alive“ waren alle Hauptfiguren sogar Vampire. Aber auch fast alle anderen von Jim Jarmusch erfundenen Figuren wandeln etwas untot durch diese Welt. Die Dramen „Broken Flowers“ und „Paterson“ können als die Ausnahmen in seinem Werk gelten. Hier entsprachen die von Bill Murray und Adam Driver gespielten Figuren noch am meisten normal-bürgerlichen Personen. Phlegmatisch und von erstaunlichem Langmut sind sie trotzdem.

Einen sehr speziellen, sehr trockenen Humor haben alle seine Filme. Auch „The Dead don’t die“.

Durch Polarfracking verschiebt sich die Erdachse. Die gewohnten Tag- und Nachtzeiten stimmen nicht mehr. In Centerville, einer beschaulichen 738-Seelen-Gemeinde, steigen die Toten aus ihren Gräbern. Als Chief Clifford Robertson (Bill Murray) und Officer Ronald Peterson (Adam Driver), die lakonisch lakonischen Dorfpolizisten, in einem Diner die ersten Leichen sehen, hat Peterson gleich einen Verdacht. Die Bedienungen wurde von einem Zombie ermordet. Robertson hält das sofort für plausibel.

The Dead don’t die“ ist eine Nummernrevue, die mit dem richtigen Publikum ein grandioser Spaß ist. Denn Jim Jarmusch kennt seine Zombiefilme. Es gibt zahlreiche Anspielungen, vor allem natürlich auf das Werk von George A. Romero. Es werden auch alle vertrauten Genretopoi bedient. Aber halt anders, als gewohnt. Vor allem mit einem gnadenlosem Understatement. Nichts bringt unsere Helden aus der Ruhe.

Für seinen Film hat Jarmusch ein mehr als namhaftes Ensemble versammelt: Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als Dorfpolizisten, Tilda Swinton als Bestatterin mit Samurai-Zusatzausbildung (in der deutschen Synchro mit einem Akzent, an den ich mich nie gewöhnen konnte), Tom Waits als Waldschrat (in der deutschen Synchro notgedrungen ohne seine markante Stimme), und Danny Glover, Steve Buscemi, Selena Gomez, Rosie Gomez, Caleb Landry Jones, Iggy Pop (auf der Suche nach Kaffee), Sara Driver, RZA und Carol Kane, um nur einige zu nennen, als Dorfbewohner und Gäste mit mehr oder weniger begrenzter Lebenszeit. Dieses Ensemble ist auch eine kleine Jarmusch-Familienfeier.

The Dead don’t die“ ist nicht Jarmuschs bester Film. Es ist vor allem ein entspannter Feierabendspaß.

Damit ähnelt die phlegmatische Zombiekomödie am meisten seinem Film „Coffee and Cigarettes“. In dieser 2004 zu einem Spielfilm fasste er eine über mehrere Jahre entstandene Reihe von Kurzfilmen zusammen, in denen sich an einem Tisch mit Kaffee und Zigaretten über Gott und die Welt unterhalten wird. Mal tiefsinnig, mal banal, mal abgedreht.

The Dead don’t die (The Dead don’t die, USA 2019)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Bill Murray, Adam Driver, Tom Waits, Chloë Sevigny, Steve Buscemi, Danny Glover, RZA, Rosie Perez, Carol Kane, Tilda Swinton, Sara Driver, Iggy Pop, Selena Gomez, Caleb Landry Jones, Larry Fessenden, Eszter Balint, Sturgill Simpson

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Dead don’t die“

Metacritic über „The Dead don’t die“

Rotten Tomatoes über „The Dead don’t die“

Wikipedia über „The Dead don’t die“ (deutsch, englisch) und über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


TV-Tipp für den 13. Juni: Inglourious Basterds

Juni 12, 2019

Vox, 22.55

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/Deutschland 2009)

Regie: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth]

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

Wahrscheinlich wird die deutsche Synchronisation gezeigt.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Freitag, 14. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Inglourious Basterds“

Metacritic über „Inglourious Basterds“

Rotten Tomatoes über „Inglourious Basterds“

Wikipedia über „Inglourious Basterds“ (deutsch, englisch)

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos „Django Unchained“ (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Juni: RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit

Juni 11, 2019

ZDF Info, 20.15

RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit (RBG, USA 2018)

Regie: Betsy West, Julie Cohen

Drehbuch: Betsy West, Julie Cohen

RBG aka Ruth Bader Ginsburg, Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Frauenrechtlerin, Kämpferin für Gleichberechtigung (durch Gerichtsverfahren und Urteile) und in den USA bekannter als ein bunter Hund.

Oscar-nominierte Doku, die ein „hochinteressantes, zur Reflexion anregendes Porträt einer von ihrer Aufgabe geradezu besessenen Frau“ (Lexikon des internationalen Films)

Die ideale Ergänzung zu dem ebenfalls sehenswertem Biopic „Die Berufung“ (mit Felicity Jones als Ruth Bader Ginsburg), das kürzlich in unseren Kinos lief.

Mit Ruth Bader Ginsburg, Martin D. Ginsburg, Arthur R. Miller, James Ginsburg, Jane Ginsburg, Bill Clinton, Orrin Hatch

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „RBG“

Metacritic über „RBG“

Rotten Tomatoes über „RBG“

Wikipedia über „RBG“ (deutsch, englisch) und Ruth Bader Ginsburg (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Juni 11, 2019


TV-Tipp für den 11. Juni: Rassenkrieg in den USA?

Juni 10, 2019

Arte, 21.10

Rassenkrieg in den USA? (USA 2018)

Regie: Adam Bhala Lough

Drehbuch: Adam Bhala Lough

Das müsste die auf eine knappe Stunde gekürzte Fassung der 104-minütigen Doku „Alt-Right: Age of Rage“ sein.

Arte über die Doku: „Zwei Männer, die sich hassen und die unterschiedlicher kaum sein könnten: Richard Spencer, weiß und radikaler Rassist; Daryle Lamont Jenkins, schwarz und wild entschlossen, gegen die Fantasien von weißer Vorherrschaft zu kämpfen. Sie stehen für den Konflikt zwischen Rechts und Links, der Amerika zu spalten droht. (…)

Das Doppelporträt der beiden Kontrahenten Spencer und Jenkins begleitet die beiden bei ihren Aktionen und lässt sie unkommentiert über ihre Ansichten sprechen, um die Hintergründe der gegensätzlichen Positionen zu beleuchten. Zu Wort kommen auch Jared Taylor, Gründer der rechtsradikalen Zeitschrift „American Renaissance“, sowie der Journalist Mark Potok, der für die gemeinnützige Organisation „Southern Poverty Law Center“ extremistische Randgruppen beobachtet.“

Davor, um 20.15 Uhr, läuft „Never Again – Amerikas Jugend gegen den Waffenwahn“ (Deutschland 2019, Regie: Sebastian Bellwinkel), danach, um 22.05 Uhr, „Undercover bei den Neuen Rechten – Mein Jahr in der Alt-Right“ (Großbritannien 2018, Regie: Bosse Lindquist).

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alt-Right: Age of Rage“

Wikipedia über Adam Bhala Lough und die Alt-Right-Bewegung (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 10. Juni: Das Tagebuch der Anne Frank

Juni 10, 2019

ZDF, 22.00

Das Tagebuch der Anne Frank (Deutschland 2016)

Regie: Hans Steinbichler

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

TV-Premiere. Die Geschichte von Anne Frank, die sich mit ihrer Familie von 6. Juli 1942 bis 4. August 1944 in Amsterdam in einem Hinterhaus vor den Nazis versteckte. Bis zu ihrer Entdeckung schrieb sie ein Tagebuch, das, neben weiteren Schriftstücken aus dem Archiv des Anne Frank Fonds, die Grundlage für das berührende Drama bildete.

Nach ihrer Entdeckung werden sie nach Auschwitz gebracht. Bis auf Anne Franks Vater Otto sterben sie in verschiedenen KZs. Anne Frank stirbt an Typhus Ende Februar/Anfang März 1945 im Lager Bergen-Belsen.

Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ ist, nach einem Drehbuch von Fred Breinersdorfer, der erste deutsche Kinofilm, der die Geschichte von Anne Frank erzählt. Es ist ein sehr sehenswerter Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Lea van Acken, Martina Gedeck, Ulrich Noethen, Stella Kunkat, André Jung, Margarita Broich, Leonard Carow, Arthur Klemt, Gerti Drassl, Stefan Merki

Die Vorlage

Anne Frank - Gesamtausgabe TB - 4

Wer nach (oder vor) dem Film so richtig in die Schriften von Anne Frank einsteigen möchte, sollte sich die Gesamtausgabe, die auch ganz banal „Gesamtausgabe“ heißt, zulegen. In ihr sind die verschiedenen Versionen ihres Tagebuchs (es gibt das ursprüngliche Tagebuch, eine von ihr für eine Veröffentlichung schon überarbeitete Fassung, die von ihrem Vater Otto Frank für die Veröffentlichung erstellte Fassung und die von Mirjam Pressler 2001 im Auftrag des Anne Frank Fonds erstellte und autorisierte „Version d“, die die heute verbindliche Fassung ist und in der für frühere Veröffentlichungen gekürzte und weggelassene Teile wieder aufgenommen wurden), die „Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus“ (ihre Erzählungen, die teils auf selbst Erlebtem basieren und die auch teils von ihr in ihr Tagebuch übernommen wurden), weitere Erzählungen, Briefe, Einträge in Poesiealben, „Das Schöne-Sätze-Buch“ (das hauptsächlich eine Sammlung von Texten, die ihr gefielen und die sie im Versteck abschrieb, ist) und ‚Das Ägyptenbuch‘ (das ebenfalls vor allem aus anderen Texten besteht und das Anne Franks Faszination für das alte Ägypten dokumentiert) abgedruckt. Damit ist ihr schriftstellerisches Gesamtwerk in diesem Buch enthalten.
Ergänzt wird der Sammelband durch Fotos und Dokumente über sie und ihre Familie und vier Aufsätze über Anne Frank, ihre Familie, den zeitgeschichtlichen Kontext und die Rezeptionsgeschichte.
Diese umfassende Ausgabe eignet sich vor allem für das vertiefte und auch vergleichende Studium.
Für den Hausgebrauch reicht natürlich auch die Ausgabe ihres Tagebuchs.

Anne Frank: Gesamtausgabe
(herausgegeben vom Anne Frank Fonds)
(übersetzt von Mirjam Pressler)
Fischer, 2015
816 Seiten
12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Fischer, 2013

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Moviepilot über „Das Tagebuch der Anne Frank“
Wikipedia über „Das Tagebuch der Anne Frank“ (deutsch, englisch) und Anne Frank (deutsch, englisch)
Der Anne Frank Fonds

Anne-Frank-Seite des Fischer Verlags

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Hans Steinbichlers „Das Tagebuch der Anne Frank“ (Deutschland 2016)

 


TV-Tipp für den 9. Juni: Alien: Covenant

Juni 9, 2019

Pro7, 22.40

Alien: Covenant (Alien: Covenant, USA 2017)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: John Logan, Dante Harper (nach einer Geschichte von Jack Paglen und Michael Green) (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Alien: Covenant, 2017 (Alien: Covenant)

Das Besiedlungsraumschiff „Covenant“ ist auf dem Weg nach Origae-6. Auf ihrem Weg hören sie ein Signal von einem Planeten, der anscheinend für menschliches Leben sehr geeignet ist. Sie beschließen, sich diesen Planeten anzusehen und, nun, sagen wir es mal so, das ist keine wahnsinnig brillante Idee.

TV-Premiere. Technisch perfekter Film, der einfach die bekannte „Alien“-Geschichte noch einmal erzählt und sie mit einige Ideen garniert, die nirgendwohin führen. Ein richtiger ‚Meh‘-Film, der auch an der Kinokasse höchstens solala lief. Trotzdem will Ridley Scott weitere „Alien“-Prequels inszenieren und so weiter auf seinem Vermächtnis herumtrampeln.

Mehr in meiner ausführlichen Kritik.

Im Anschluss, um 00.55 Uhr, läuft „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“.

mit Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bechir, Carmen Ejogo, Nathaniel Dean, Benjamin Rigby, Callie Hernandez, James Franco, Guy Pearce

Wiederholung: Montag, 10. Juni, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Alien: Covenant“

Metacritic über „Alien: Covenant“

Rotten Tomatoes über „Alien: Covenant“

Wikipedia über „Alien: Covenant“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017)

Und hier noch der ehrliche Honest Trailer


TV-Tipp für den 8. Juni: Casablanca

Juni 7, 2019

Sat.1 Gold, 20.15

Casablanca (Casablanca, USA 1942)

Regie: Michael Curtiz

Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch

LV: Murray Burnett, Joan Alison: Everybody comes to Rick’s (Theaterstück)

Gerade hat sich Rick in Casablanca eingerichtet, als seine alte Liebe auf der Flucht vor den Nazis bei ihm auftaucht.

Casablanca ist das Kernstück des Bogart-Kults und ein Pflichttermin für Cineasten.

Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Rains, Conradt Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Curt Bois

Wiederholung: Sonntag, 9. Juni, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Casablanca“

Turner Classic Movies über „Casablanca“

Wikipedia über „Casablanca“ (deutsch, englisch)


Die Nominierungen für den Shamus Award 2019

Juni 7, 2019

Die Private Eye Writers of America (PWA)haben die Nominierungen für die diesjährigen Shamus-Preise veröffentlicht. Die Preisverleihung ist im Herbst auf der Bouchercon in Dallas.

Nominiert sind folgende Privatdetektivkrimis:

Best Private Eye Novel

Wrong Light, von Matt Coyle (Oceanview)

What You Want to See, von Kristen Lepionka (Minotaur)

The Widows of Malabar Hill, von Sujata Massey (Soho Crime)

Baby’s First Felony, von John Straley (Soho Crime)

Cut You Down, von Sam Wiebe (Quercus)

Best Original Private Eye Paperback

She Talks to Angels, von James D.F. Hannah (Independently published)

No Quarter, von John Jantunen (ECW Press)

Shark Bait, von Paul Kemprecos (Independently published)

Second Story Man, von Charles Salzberg (Down & Out)

The Questionable Behavior of Dahlia Moss, von Max Wirestone (Redhook)

Best First Private Eye Novel

The Best Bad Things, von Katrina Carrasco (MCD/Farrar, Straus and Giroux)

Broken Places, von Tracy Clark (Kensington)

Last Looks, von Howard Michael Gould (Dutton)

What Doesn’t Kill You, von Aimee Hix (Midnight Ink)

Only to Sleep, von Lawrence Osborne (Hogarth)

Best Private Eye Short Story

• “Fear of the Secular,” von Mitch Alderman (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, November-December 2018)

• “Three-Star Sushi,” von Barry Lancet (Down & Out: The Magazine, Vol. 1, Issue 3)

• “The Big Creep,” von Elizabeth McKenzie (aus Santa Cruz Noir, herausgegeben von Susie Bright; Akashic)

• “Game,” von Twist Phelan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], September-October 2018)

• “Chin Yong-Yun Helps a Fool,” von S.J. Rozan (EQMM, September-October 2018)

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 7. Juni: Der Papagei

Juni 6, 2019

RBB, 22.45

Der Papagei (Deutschland 1992)

Regie: Ralf Huettner

Drehbuch: Andy T. Hoetzel, Ralf Huettner, Hans Dräxler

Did Stricker (Harald Juhnke) ist ein Marktschreier mit finanziellen Problemen. Da wird er von der rechten Splitterpartei NSDU zum Spitzenkandidaten gemacht. Stricker genießt die öffentliche Aufmerksamkeit und spielt mit.

Polit-Komöide, die „in der Story den richtigen Biss hat und in Harald Juhnke einen souveränen Entertainer.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Ewig nicht mehr gezeigte Satire, die mir vor Jahren sehr gut gefiel und die heute immer noch aktuell ist.

Huettner inszenierte danach „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“, die „Musterknaben“-Filme, „Vincent will Meer“ und mehrere „Kommissarin Lucas“-Krimis.

Mit Harald Juhnke, Dominick Raacke, Ilse Zielstorf, Ludwig Haas, Veronika Ferres, Amelie Fried

Hinweise

Filmportal über „Der Papagei“

Meine Besprechung von Ralf Huettners „Der Koch“ (Deutschland/Schweiz 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: „Zwischen den Zeilen“ steht bei Olivier Assayas viel

Juni 6, 2019

Um Liebe geht es auch in Olivier Assayas neuestem Film. Schließlich ist „Zwischen den Zeilen“ ein französischer Film und er ist sehr französisch. Es wird also viel geredet. Aber Alain und Léonard reden ohne Punkt und Komma über Literatur und wie die Neuen Medien die Kultur verändern. Alain ist ein Verleger, der E-Books gegenüber aufgeschlossen ist. Schließlich werde mehr gelesen und geschrieben. Léonard sieht das anders. Er ist ein von ihm seit Ewigkeiten verlegter, konsequent miesepetriger, angenehm verpeilter Autor, der wenig von dem neumodischen Kram hält. Bekannt ist er für seine autofiktiven Romanen, in denen er, kaum verhüllt, eigene Erlebnisse beschreibt. Mit abnehmenden Verkaufszahlen.

Dieses lange Gespräch, das damit endet, dass Alain Léonard sagt, er werde sein neues Buch niciht verlegen, ist der Auftakt für viele weitere Gespräche, in denen Alain, Léonard und ihre Freunde, die sich immer wieder gegenseitig einladen, redselig und in epischer Breite alle aktuelle Feuilleton-Themen abhandeln. Irgendwann zwischen all den gepflegten Gesprächen erfahren wir auch, dass einige, naja, fast alle, außereheliche Affären haben. So ist Alains Frau Selena, Hauptdarstellerin in einer erfolgreichen Krimiserie, seit Jahren die Geliebte von Léonard. Vielleicht gefällt ihr deshalb auch Léonards Buch, in dem er leicht verfremdet ihre Affäre schildert. Alain glaubt allerdings, dass Léonard eine andere Frau porträtiert und dass Selena treu ist. Zur gleichen Zeit beginnt er eine Affäre.

Munter betrügen sie sich gegenseitig. Teilweise wissen sie es auch. Oder glauben es, nach einem Blick in Léonards autofiktiven Romane, zu wissen. Ein übermäßig schlechtes Gewissen haben sie nicht. Außerdem gehört für richtige Pariser Intellektuelle eine Affäre einfach zum großstädtischen Leben dazu.

Assayas‘ Figuren reden in „Zwischen den Zeilen“ mindestens so viel, wie die Figuren in einem Eric-Rohmer-Film. Aber nicht über Liebe und Seitensprünge, sondern über Literatur, die neuen Medien, Veränderungen in der Buchbranche und Fernsehserien. Bahnbrechend neue Erkenntnisse gibt es bei diesen endlosen, rotweingesättigten Gesprächen nicht. Eher schon geben Assayas‘ Figuren kurzweilig den aktuellen Stand der Diskussion wieder. Denn Assayas‘ wie hingeworfen klingende Dialoge sind genau formuliert.

Gleichzeitig hält er dem Bildungsbürgertum gewitzt und durchaus versöhnlich im Ton, den Spiegel vor. Denn selbstverständlich reden die Intellektuellen auch immer über sich. Und bei allen Betrügereien sind sie doch mit sich selbst im Reinen.

Zwischen den Zeilen“ ist ein wunderschöner Redefilm, der im beständigen Fluss des Lebens überhaupt nicht an endgültigen Antworten und großen emotionalen Katastrophen interessiert ist.

Zwischen den Zeilen (Doubles Vies, Frankreich 2018)

Regie: Olivier Assayas

Drehbuch: Olivier Assayas

mit Guillaume Canet, Juliette Binoche, Vincent Macaigne, Christa Théret, Nora Hamzawi, Pascal Greggory

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Zwischen den Zeilen“

AlloCiné über „Zwischen den Zeilen“

Metacritic über „Zwischen den Zeilen“

Rotten Tomatoes über „Zwischen den Zeilen“

Wikipedia über „Zwischen den Zeilen“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Kinofassung)

Meine Besprechung von Olivier Assayas’ „Carlos – Der Schakal“ (Director’s Cut – bzw. die dreiteilige TV-Fassung)

Meine Besprechung von Olvier Assayas’ “Die wilde Zeit” (Après Mai, Frankreich 2012) (und der DVD)

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Die Wolken von Sils Maria“ (Clouds over Sils Maria, Deutschland/Frankreich/Schweiz 2014) (mit Pressekonferenzen) und der DVD

Meine Besprechung von Olivier Assayas‘ „Personal Shopper“ (Personal Shopper, Frankreich/Deutschland 2016)