Lady Vengeance – Leben für die Rache (Sudkorea 2005, Regie: Park Chan-wook)
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong
Geum-ja saß dreizehn Jahre im Gefängnis für den Mord an einem kleinen Jungen, den sie nicht begangen hat. Jetzt will sie sich an dem wirklichem Täter, einem honorigem Englischlehrer, rächen.
Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Oldboy“. Die Kritiker waren vom Abschluß der Rachetrilogie des Südkoreaners begeistert, die zahlenden Zuschauer ebenso – und das Erste zeigte die TV-Premiere, wie erwartet, nach Mitternacht.
Mit Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Kim Bu-seon
Dass Julianne Moore zu den besten Schauspielerinnen ihrern Generation gehört, ist kein Geheimnis. Und dass sie in einigen Klassikern mitspielte, ist ebenfalls kein Geheimnis. Immerhin haben wir „The Big Lebowski“, „Short Cuts“, „Cookie’s Fortune – Aufruhr in Holly Springs“, „Boogie Nights“, „Magnolia“, und, letztes Jahr, „Maps to the Stars“ gesehen. Manchmal mehrmals. Aber erst für ihr Spiel in „Still Alice“ erhielt sie, nachdem sie bereits viermal für einen Oscar nominiert war, den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Verdient.
In dem von Richard Glatzer und seinem Lebenspartner Wash Westmoreland inszeniertem Drama spielt Moore Alice Howland, eine anerkannte, an der Columbia University lehrende Sprachforscherin, die gerade ihren fünfzigsten Geburtstag im Kreis ihrer Familie feierte. Kurz darauf bemerkt die Linguistin, dass irgendetwas mit ihrem Gedächtnis nicht stimmt: ihr fällt ein Wort nicht ein, beim Joggen auf einer vertrauten Strecke verliert sie die Orientierung und sie vergisst Kleinigkeiten. Sie geht zu einem Arzt und der diagnostiziert bei ihr Alzheimer. Normalerweise ist Alzheimer eine Alte-Leute-Krankheit, aber manchmal erkranken auch Jüngere daran und „Still Alice“ zeigt genau den Krankheitsverlauf und was er für den Erkrankten (nämlich den langsamen Verlust von seinem Gedächtnis und damit seinem Leben) und seine Umgebung bedeutet. Weil Alice eine Wissenschaftlerin ist, versucht sie auch analytisch mit der Krankheit umzugehen und weil Alice noch eine junge Frau ist, stellen sich für ihren Ehemann und ihre drei Kinder die mit der Krankheit einhergehenden Probleme etwas anders als bei einer Achtzigjährigen. Und das ist auch der Verdienst von diesem klug inszeniertem und gut gespieltem Drama mit einem absehbarem Ende (Hey, wir kennen alle den groben Verlauf von Alzheimer). Er holt die Krankheit von einer Krankheit alter Menschen in die Mitte der Gesellschaft zurück.
Dass Regisseur Richard Glatzer selbst ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) hatte, verleiht dem Film noch eine zusätzliche dramatische und persönliche Note. Im Gegensatz zu Alzheimer zerstört ALS das motorische Nervensystem; kurz gesagt: man kann sich immer schlechter und weniger bewegen. Bei Glatzer wurde es 2011 diagnostiziert. Während der Dreharbeiten konnte er sich kaum noch bewegen und nur mit einem Sprachcomputer mit dem Team reden. Am 10. März 2015, wenige Tage nach dem Oscar-Gewinn von Julianne Moore, starb er an der Krankheit.
Sicher auch aufgrund dieser eigenen Betroffenheit inszenierten er und Wash Westmoreland das Schicksal von Alice nüchtern, unsentimental und einem präzisen Blick auf ein zunehmend eingeschränktes Leben, garniert mit einigen Informationen über die Krankheit.
Davon abgesehen ist „Still Alice“ allein schon wegen dem grandiosen Spiel von Julianne Moore sehenswert. Sie erhielt fast alle der über fünfzig Nominierungen und Preise für den Film.
Das Bonusmaterial ist ziemlich überschaubaur. Es gibt drei B-Rolls (von denen die dritte etwas interessanter ist) und Interviews mit Julianne Moore, Kristen Stewart, Alec Baldwin und Richard Glatzer und Wash Westmoreland. Gerade die Interviews mit Moore, Glatzer und Westmoreland sind interessant. Die beiden anderen erschöpfen sich, auch aufgrund der Fragen, auch wenn es glaubwürdig klingt, in der üblichen Lobhuddelei.
Nachtschicht: Wir sind die Polizei (Deutschland 2010, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
In Hamburg geht’s auch in der siebten „Nachtschicht“-Folge rund: die Schicht beginnt mit einem Krokodil. Dann gibt es schlagende Männer, Männer, die in Frauenkleidern einen Juwelierladen überfallen und falsche Polizisten (Kennen wir die nicht schon von der vorherigen Folge?).
Die gewohnt kurzweilige Folge war für den Grimme-Preis nominiert.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Roeland Wiesnekker, Peter Kremer, Cosma Shiva Hagen, Ralph Herforth, Oliver Stokowski
Der Mann, der vom Himmel fiel (Großbritannien 1976, Regie: Nicolas Roeg)
Drehbuch: Paul Mayersberg
LV: Walter Tevis: The Man who fell to Earth, 1963 (Spion aus dem All; Der Mann, der vom Himmel fiel)
Ein Außerirdischer möchte auf der Erde eine neue Heimat für seine Familie und seine Spezies finden. Aber er verfällt dem menschlichem Lebensstil und Forscher sehen in ihm nur ein Forschungsobjekt.
„Der von Bowie verkörperte außergewöhnliche Charakter, Mayersbergs fragmenthaftes Drehbuch und Roegs mosaikhafte Regie kreieren einen extravaganten Film, dessen Handlungswindungen nur noch dazu beitragen, die verhängnisvolle Verwandlung von Bowie vom Außerirdischen in einen Menschen zu unterstreichen. (…) Ein stilsicherer Film voller hervorragender und komplexer Bilder, in dem Roeg Bowies Abstieg zum Menschen darstellt,der man sich nicht entziehen kann.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie)
Ein herrlich abgedrehter Kultfilm, der für den Hugo nominiert war und bei der damaligen deutschsprachigen Kritik nicht gut ankam: „mangelnden Tiefsinn durch Verhackstückerei von Handlungs- und Bildelementen vortäuscht“ (Ronald M. Hann/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films), „sinnentleerte Reizüberflutung“ (Filmbeobachter), „ein Werbefilm, der wie sein eigener, überlang-marktschreierischer Trailer aussieht“ (Medium).
Noir-Krimiautor James Sallis nannte die Vorlage „among the finest science fiction novels“.
mit David Bowie, Rip Torn, Candy Clark, Buck Henry, Bernie Casey, Linda Hutton
Ja, „Dead Rising: Watchtower“ ist eine Spieleverfilmung. Also, teilweise. Zach Lipovskys Film spielt in der „Dead Rising“-Welt der bekannten Computerspiele, die von George A. Romeros Zombie-Welt inspiriert ist (was jetzt nicht schwierig ist, weil eigentlich alle Zombie-Geschichten, die nach 1968 entstanden, von ihm inspiriert sind), und der Journalist Frank West, der in den ersten beiden „Dead Rising“-Computerspielen der Protagonist ist, ist dabei. Er sitzt als zynischer Journalist in einem TV-Studio und er bringt mal etwas mehr, mal etwas weniger gelungenen Humor in diesen vorhersehbaren Film. Rob Riggle spielt ihn. Außerdem sind Dennis Haysbert als Armee-General und Virginia Madsen als Mutter dabei. Aber eigenständige Akzente können sie nicht setzen. Haysbert macht Dienst nach Vorschrift und Madsen ist als nach dem Tod ihrer Tochter verrückt gewordene Mutter, nun, nett, aber auch, rollenbedingt, etwas abwesend.
Im Mittelpunkt des zwischen den Computerspielen „Dead Rising 2“ und „Dead Rising 3“ spielenden Films stehen Chase Carter (Jesse Metcalfe), ein ehrgeiziger TV-Journalist, und Crystal O’Rourke (Meghan Ory), eine Kampfamazone mit dem Zombie-Virus. Sie versuchen in der hermetisch abgeschotteten Stadt zu überleben. Dabei kommen sie einem Komplott mit einem unwirksamen Mittel gegen den Zombievirus auf die Spur.
„Dead Rising: Watchtower“ ist kein wirklich schlechter Film. Es ist nur ein vollkommen durchschnittlicher Film, der immer wie der TV-Film-der-Woche aussieht und dabei, obwohl er ein FSK-18 erhalten hat, nie so grausam und auch emotional berührend wie die TV-Serie „The Walking Dead“ ist.
Er ist schnelles Zwischendurch-Futter für Zombie-Fans, allerdings mit überschaubarem Nährwert.
Dead Rising: Watchtower(Dead Rising; Watchtower, USA/Kanada 2015)
Regie: Zach Lipovsky
Drehbuch: Tim Carter
mit Jesse Metcalfe, Meghan Ory, Virginia Madsen, Dennis Haysbert, Rob Riggle, Keegan Connor Tracy
– DVD (Ausstattung angekündigt) Polyband
Bild: 2,40:1 (16×9 anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: The Epic One’er, Making of Bonzo, Weapons of Dead Rising
Länge: 113 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
– Hinweise Moviepilot über „Dead Rising: Watchtower“ Rotten Tomatoes über „Dead Rising: Watchtower“ Wikipedia über „Dead Rising: Watchtower“
Obwohl ihn seine Tochter abgöttisch liebt und er auch ein liebevoller Vater ist, taugt Gabriel Chevalier (Jérémie Renier) nicht zum Vorbild. Er war Polizist, ist Trinker, Spieler, ständig in Finanznöten und nicht der zuverlässigste Mitarbeiter, weshalb er auch seine Stelle als Fensterputzer verliert. Da bietet ihm ein alter Bekannter einen Traumjob an: er muss nur in einem Büro sitzen und ab und zu einen Koffer transportieren. Er darf den Koffer allerdings unter keinen Umständen öffnen. Trotzdem sei alles legal.
Durchaus skeptisch beginnt Gabriel mit seiner Arbeit. Das regelmäßig eintreffende Geld beruhigt ihn und er liefert die Koffer bis nach China aus, bis in einem Hotel eine Kofferübergabe schief geht. Der Besitzer eines Koffers wird ermordet und der Koffer geklaut.
Jetzt erwachen bei Gabriel seine alten Polizisteninstinkte. Er will wissen, was in den Koffern ist und wer ihn bezahlt. Denn bislang hörte er die Stimme seines Chefs nur am Telefon.
„Brotherhood of Tears – Die letzte Lieferung“ von Jean-Baptiste Andrea („Dead End“, der ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest lief, „Big Nothing“) ist sicher kein künftiger Klassiker, aber ein kurzweiliger, eskapistisch-globetrottender Thriller, der eine hübsche Verschwörungsgeschichte mit einem überaschendem Ende erzählt. Ich glaube, niemand errät, was in den Koffern ist. Andreas Film steht damit in der Tradition der „Largo Winch“-Filme, die allerdings das deutlich höhere Budget hatten.
Aber für einen spannenden francophilen Krimiabend mit einer guten Flasche Rotwein reicht es allemal.
Arte, 22.10 Im Lauf der Zeit (Deutschland 1976, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
Das ist ein Blick in die Vergangenheit: an der deutsch-deutschen Grenze (!) fährt Bruno von Dorf zu Dorf, um in noch bestehenden kleinen Kinos (!) Projektoren (!) zu reparieren. Auf seiner Fahrt nimmt er Robert, den er bei einem missglückten Selbstmordversuch kennen lernte, mit.
Viel passiert nicht in Wenders während dem Dreh entstandenem Psychogramm der damals Dreißigjährigen (also der um 1945 geborenen) und trotzdem ist es ein wundervoller, entspannter SW-Film (Kamera: Robby Müller), der auch beim Publikum ankam und in einigen Kinos Kultstatus erlangte. Hm, dass einige Kinos einen Film immer wieder zeigen, ist wohl auch Vergangenheit.
Arte zeigt die 2014 restaurierte Fassung.
Mit Rüdiger Vogler, Hanns Zischler, Lisa Kreuzer, Rudolf Schündler, Marquard Bohm, Dieter Traier, Franziska Stömmer Hinweise Arte über Wim Wenders und „Im Lauf der Zeit“ Filmportal über „Im Lauf der Zeit“
Wikipedia über „Im Lauf der Zeit“ (deutsch, englisch)
Arte, 20.15 Lockende Versuchung (USA 1956, Regie: William Wyler)
Drehbuch: Michael Wilson
LV: Jessamyn West: The Friendly Persuasion, 1945
Indiana, 1862/1863: eine friedfertige Quäkerfamilie muss sich den Auswirkungen des Amerikanischen Bürgerkriegs und damit auch der Gültigkeit ihrer Prinzipien stellen.
In Cannes erhielt der selten gezeigte und heute fast unbekannte Gary-Cooper-Film die Goldene Palme. Außerdem war er für sechs Oscars nominiert; unter anderem, neben dem James-Dean-Film „Giganten“, als bester Film. „In 80 Tagen um die Welt“ gewann diese Trophäe.
„’Friendly Persuasion‘, das Porträt einer Quäker-Familie während des Bürgerkrieges, gilt als Coopers zweitbeste Arbeit der fünfziger Jahre und war einer der am stürmischsten gefeierten Filme des Jahres 1956.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
mit Gary Cooper, Dorothy McGuire, Anthony Perkins, Marjorie Main, Richard Eyer, Phyllis Love, Robert Middleton Wiederholungen
Mittwoch, 5. August, 13.55 Uhr
Donnerstag, 20. August, 13.50 Uhr Hinweise Arte über „Lockende Versuchung“ Rotten Tomatoes über „Lockende Versuchung“ Turner Classic Movies über „Lockende Versuchung“
Wikipedia über „Lockende Versuchung“ (deutsch, englisch)
Wenn man Naomi Kawases neuen Film „Still the Water“ als auch nur halbwegs stringent erzähltes Werk begreifen will, schwankt man zwischen Verzweiflung über die vielen ins Nichts führenden Andeutungen und Langeweile über die vielen rein beobachtenden Bilder, die nur eine illustrative und in ihren besten Momenten auch poetische Funktion haben.
Wenn man den Film allerdings als Meditation, als Angebot zum Träumen und Gedanken schweifen lassen begreift, dann hat der Film durchaus Qualitäten. Denn dann stört man sich auch nicht daran, dass die einzelnen Erzählstränge sich eher im Weg stehen, dass die zentrale Geschichte von den Nebengeschichten begraben wird, dass fast alles nur angedeutet wird (und ich als Westler die Andeutungen kaum verstehe, weshalb für mich ein Baum ein Baum und kein Symbol für irgendetwas anderes ist) und, was für mich das größte Problem ist, dass der Film mit der falschen Szene beginnt, die bei mir Erwartungen weckte, die nie eingelöst werden.
Das Mädchen Kyoko und der Junge Kaito leben auf der subtropischen japanischen Insel Amami-Oshima. Auf ihrem Weg zur Schule sehen sie, mit vielen anderen Schaulustigen, wie eine tätowierte Männerleiche aus dem Wasser geborgen wird. Offensichtlich wurde er ermordet. Und während nach den gängigen Erzählkonventionen dieser Mord den gesamten Film und damit auch die Handlungen der Charaktere beeinflussen würde, ist er Naomi Kawase ziemlich egal. Ihr geht es, und das ist der Hauptplot, um Kyoko und Kaito und ihre beginnende Liebe. Es geht ihr auch um deren Eltern. Kyokos Mutter ist eine im Sterben liegende Schamanin. Sie hat das Krankenhaus verlassen und wird von ihrem Mann liebevoll gepflegt. Sowieso verkörpet Kyokos Familie, mit ihrem kleinen Strandrestaurant, perfekt die Hippie-Idylle einer funktionierenden, mit sich und der Natur im Einklang lebenden Familie.
Kaito lebt seit Kurzem bei seiner Mutter. Sein Vater, den er auch einmal besucht, lebt in Tokio bei einem Mann. Ob zur Untermiete oder weil sie miteinander befreundet sind (was natürlich die Scheidung erklären würde), wird nicht klar. Aber er ist begeistert von dem freien Leben in der Großstadt. Kaito ist ein eher schüchterner Junge, der auch das seelische Gepäck eines Scheidungskindes mit sich herumträgt. Irgendwann vermutet Kaito sogar, dass seine Mutter den Toten kannte. Ihn vielleicht sogar ermordete, weil er vielleicht ihr Liebhaber war. Dieser Schwebezustand, diese teils rätselhaften, teils ins Nichts führenden Andeutungen durchziehen den ganzen Film, die ihn, wenn man Erklärungen möchte, zu einer frustrierenden und auch langweiligen Angelegenheit machen. Jedenfalls wenn man einen normalen narrativen Film und nicht eine Abfolge weitgehend interpretationsoffener Bilder sehen möchte.
„Still the Water“ ist eher ein Gedicht, das einen Aufgrund seiner Stimmungen verzaubern kann – was ihm in einigen, wenigen Momenten auch bei mir gelang – oder auch nicht.
LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)
2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.
Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.
mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf
Inzwischen haben ihre Freunde Kinder. Aber Josh Srebnick (Ben Stiller) und seine Frau Cornelia (Naomi Watts), Produzentin und Tochter eines erfolgreichen Dokumentarfilmers, fühlen sich noch nicht so alt. Sie sind ja in Brooklyn lebende Künstler. Er arbeitet seit zehn Jahren an seinem neuen Dokumentarfilm, einem mehrstündigem Opus über den linken Intellektuellen Ira Mandelstam, das zu komplex ist, um es in einem Halbsatz zu erklären. In jedem Fall soll der Film umfassend aufklären und die unverfälschte Wirklichkeit und Wahrheit zeigen. Wie in den Filmen der von ihm bewunderten Dokumentarfilmer Frederick Wiseman, die Maysles-Brüder und D. A. Pennebaker wird es in seinem Film keine Manipulation der Wirklichkeit geben.
Nebenbei unterrichtet er an einer Universität. Dort trifft er Jamie (Adam Driver), einen jungen Studenten, der ihn für seinen vorherigen Film bewundert. Josh genießt die für ihn ungewohnte Aufmerksamkeit und er ist auch fasziniert von Jamies jugendlicher Unbekümmertheit. Sie treffen sich öfter. Er nimmt auch seine anfangs skeptische Frau Cornelia mit zu den Treffen mit Jamie und seiner Freundin Darby (Amanda Seyfried). Die beiden Mittvierziger fühlen sich, angesteckt durch die Lebensfreude und das improvisierte Leben von Jamie und Darby, wieder jünger. Sie brechen aus ihrem schon seit Jahren in festen Bahnen verlaufendem Alltagsleben aus.
Noah Baumbach, der mit Ben Stiller bereits „Greenberg“ inszenierte, wollte mit seinem neuesten Film, nach „Frances Ha“, eine erwachsene Komödie drehen. Ein Film, wie er vor dreißig Jahren von Mike Nichols, Sydney Pollack oder Woody Allen inszeniert wurde. Und das gelang ihm. Auch wenn es mit einer Hip-Hop-Tanzeinlage von Naomi Watts und einer Teilnahme der Screbnicks bei einem Ayahuasca-Ritual, nebst Einnahme der sehr wirksamen Schamanendroge, arg in Richtung Slapstick und sichere Lacher geht, herrscht in „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein stiller und lebensweiser Humor, der anhand seiner vier Protagonisten auch zeigt, wie sich in den vergangenen Jahrzehnten Einstellungen veränderten. Immerhin gehören Josh und Cornelia noch zu der Generation, die ohne Internet aufwuchs, während Jamie und Darby mit ihm aufwuchsen.
Davon abgesehen prallen auch verschiedene Lebensstile und Anschauungen aufeinander, die es schon ewig gibt. Josh ist der Zauderer und Perfektionist mit einem hehren Kodex. Jamie der jugendlich-optimistische Macher, der allerdings auch alles seiner Karriere unterordnet, was zu Problemen mit seiner Frau Darby führt, die nicht nur sein Anhängsel sein will.
Etwas störend und letztendlich vollkommen überflüssig ist dagegen ein von Noah Baumbach breit eingeführter Krimi-Plot (Jamie nimmt Josh auch heimlich mit kleinen Kameras auf und es wird angedeutet, dass er Josh aus rein egoistischen Motiven angesprochen hat). Am Ende wird dieser Plot lässig beiseite gewischt. Auch weil er in seine Düsternis nicht zum restlichen Film passt, stört er eher die restliche Geschichte. Denn schon bei den Dreharbeiten für Jamies Dokumentarfilm, bei dem ihm Josh hilft, wird deutlich, dass Jamie nicht dem puristischen Ansatz von Josh folgt, sondern dass er die Wirklichkeit mindestens in Details manipuliert, wenn er so zu besseren Ergebnissen im Sinne einer dramatischen, spielfilmtauglichen Dramaturgie kommt.
Seit einigen Jahren, ziemlich genau seit dem an der Kinokasse enorm erfolgreichen Coen-Brothers-Film „True Grit“, erlebt der Western auch im Kino eine willkommene Renaissance. Denn die Weite der Landschaft entfaltet sich in seiner imposanten Größe nur auf einer Kinoleinwand, die nicht groß genug sein kann, während die Menschen auf Ameisengröße schrumpfen.
Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee), der Protagonist in John Macleans Spielfilmdebüt „Slow West“, ist ziemlich verloren im Wilden Westen. 1870 reiste der Sechzehnjähriger von Schottland allein in die USA. Er sucht, inzwischen in Colorado, seine erste Liebe Rose Ross. Er ist überzeugt, dass er sie und ihren Vater finden wird.
Zuerst findet ihn allerdings Silas Selleck (Michael Fassbender), ein Einzelgänger mit rätselhafter Vergangenheit, der ihm auch gleich das Leben rettet. Silas bietet Jay an, ihm bei der Suche nach Rose zu helfen. Er sagt ihm allerdings nicht, dass er Rose und ihren Vater sucht, weil auf sie ein erkleckliches Kopfgeld ausgesetzt ist und er hofft, mit dem Naivling die Gesuchten zu finden.
An diesem Kopfgeld sind auch andere Kopfgeldjäger interessiert. Unter anderem die Bande von Payne (Ben Mendelsohn), zu der Silas früher ebenfalls gehörte.
Gut, für Westernfans ist die Geschichte von „Slow West“ nicht gerade neu, aber der Western lebt ja auch zu einem großen Teil von Neuinterpretationen und Variationen bekannter Geschichten. Er ähnelt damit einem Country- oder Blues-Song, bei dem nach Bedarf Worte und Strophen geändert, eingefügt oder weggelassen werden können.
John Maclean, der vorher zwei Kurzfilme mit Michael Fassbender inszenierte, bekennt sich in seinem Film eindeutig zu dieser Tradition und zeichnet, wie eigentlicht alle neueren Western, ein unglamouröses Leben vom damaligen Leben, in dem ein Leben wenig zählte, und Menschen öfter verloren in der Landschaft stehen. Seien es eine Gruppe Bluessänger, die wie Straßenmusiker am Wegesrand singen (Für welches Publikum?) oder zwei Kinder, die vor einem Handelsposten auf ihre Eltern warten. Jay hat sie gerade im Handelsposten erschossen, nachdem sie den Ladenbesitzer erschossen hatten und auch Silas umbringen wollten. Die Beiden lassen die Kinder, wie räudige Hunde, am Wegrand stehen. Soll sich doch irgendjemand anderes in dieser menschenleeren Gegend um sie kümmern.
Auch beim Showdown setzt Maclean, wie während des gesamten, traditionsbewussten Films, eigene Akzente. So findet Jay zwar am Ende seine Geliebte, aber das Treffen und der Schusswechsel – es dürfte niemand überraschen, dass Rose und John Ross zur gleichen Zeit auch von mehreren Kopfgeldjägern gefunden werden – verläuft anders als erwartet.
„Slow West“ ist ein feiner Film. Auch wenn er neben Tommy Lee Jones‘ „The Homesman“ wie ein kleines B-Picture wirkt. Das liegt auch an der Länge. Immerhin dauert Macleans in Neuseeland im McKenzie Country gedrehter Film mit Abspann nur 84 Minuten. Das ist etwas länger als ein Budd-Boetticher-Western und die waren nur in punkto Kosten, Schauplätze und Anzahl der Schauspieler B-Pictures. Boettichers bittere Erkundungen der zerstörten Seelenlandschaften erwachsener, rachsüchtiger Männer richteten sich an ein erwachsenes Publikum. Bei Maclean wird der unwirtliche Wilde Westen durch die Augen eines verliebten Jungen gesehen. Das ist, auch wenn viele Männer sterben, ein gewaltiger Unterschied.
Michael Peña ist einer der Schauspieler, die ich immer gerne sehe (zuletzt in „Ant-Man“) und immer hoffe, dass er endlich auch mal eine Hauptrolle bekommt. Obwohl er in „End of Watch“ eine hatte und er auch in „Herz aus Stahl“ einer der Hauptdarsteller war – und es waren gute Filme. In „The Vatican Tapes“ hat er zwar eine Hauptrolle, aber auch er kann den Film nicht retten. Wahrscheinlich hätte niemand den Film retten können.
Mark Neveldine, der mit „Crank“ 2006 einen grandiosen Einstand hatte, an den er und sein Regie-Partner Brian Taylor, seitdem nicht mehr anknüpfen konnten, liefert jetzt in seinem ersten Spielfilm, den er alleine inszenierte, einen unglaublich langweiligen Exorzismus-Film ab.
Dieses Mal ist die Katholikin Angela Holmes (Olivia Taylor Dudley) von einem Dämon besessen. Pater Lozano (Michael Peña) glaubt, dass er ihr helfen kann. Als er erkennt, dass die junge Dame sich einen besonders fiesen Dämon eingehandelt hat, ruft er den Vatikan an. Denn dort gibt es eine Exorzismus-Sondereinheit, die viel zu tun hat, weil Katholiken ja ständig von Dämonen besessen sind.
„The Vatican Tapes“ ist einer der zahlreichen niedrig budgetierten Horrorfilme, die seit einiger Zeit wieder in unsere Kinos kommen und aufgrund ihrer geringen Kosten einen ziemlich garantierten Gewinn abwerfen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn die hier erzählte Geschichte von Bessessenheit und Teufelsaustreibung nicht so lieb- und einfallslos bis hin zur wahrscheinlich langweiligsten Teufelsaustreibung der Filmgeschichte heruntergespult würde.
The Vatican Tapes (The Vatican Tapes, USA 2015)
Regie: Mark Neveldine
Drehbuch: Christopher Borrelli, Michael C. Martin (nach einer Geschichte von Chris Morgan und Christopher Borrelli)
mit Olivia Taylor Dudley, Michael Peña, Djimon Hounsou, Dougray Scott, Peter Andersson, Kathleen Robertson
Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.
Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.
mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken
Dass der „Polizeiruf 110“ der bessere „Tatort“ ist, wird niemand behaupten. Eher schon das Gegenteil und er war nach der Einheit ein Minigeschenk an die DDR. Denn dort gab es, als Alternativprogramm zum westdeutschen „Tatort“, den „Polizeiruf 110“, der Verbrechen sozialistisch aufklärte. Diese Piefigkeit bewahrte er sich. Einerseits. Andererseits wurde auch teilweise wild experimentiert und die aus München kommenden „Polizeirufe“ waren und sind immer einen Blick wert.
Einen Blick in die Vergangenheit gestattet die „Polizeiruf 110“-Box „Die Folgen des BR 2000 – 2003“, in denen Kommissar Jürgen Tauber ermittelte. Edgar Selge spielte den einarmigen Ermittler von 1998 bis 2009 in zwanzig Folgen. In der Box sind sechs Fälle enthalten und, auch wenn einige legendäre Folgen erst später liefen (wie „Der scharlachrote Engel“ und „Er sollte tot“, beide von Dominik Graf, beide mit mehreren Preisen ausgezeichnet), sind die hier gesammelten und ebenfalls ausgezeichneten Fälle ebenfalls, immer noch, einen Blick wert. „Gelobtes Land“ war für den Grimme-Preis nominiert; Nadeshda Brennicke erhielt für „Silikon Walli“ den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin und Edgar Selge für „Tiefe Wunden“ und „Pech und Schwefel“ (ebenfalls von 2003, aber nicht in dieser Box enthalten) den Deutschen Fernsehpreis.
In der 3-DVD-Box sind enthalten: Verzeih‘ mir (Deutschland 2000)
Regie: Hartmut Griesmayr
Drehbuch: Horst Vocks
– Gelobtes Land (Deutschland 2001)
Regie: Peter Patzak
Drehbuch: Christian Limmer
– Fluch der guten Tat (Deutschland 2001)
Regie: Hans-Günther Bücking
Drehbuch: Peter Probst
– Um Kopf und Kragen (Deutschland 2002)
Regie: Peter Patzak
Drehbuch: Carolin Otto
– Silikon Walli (Deutschland 2002)
Regie: Manfred Stelzer
Drehbuch: Wolfgang Limmer
– Tiefe Wunden (Deutschland 2003)
Regie: Buddy Giovinazzo
Drehbuch: Christian Limmer
–
Die meisten Namen werden den Krimifans etwas sagen. Auch weil einige der Drehbuchautoren auch Romane veröffentlichten. Christian Jeltsch schrieb einige Jugendbücher; Wolfgang Limmer eher anekdotisches. Christian Limmer und Peter Probst schreiben inzwischen erfolgreich Kriminalromane. Horst Vocks schrieb auch einige Kriminalromane, aber bekannter ist er vor allem für seine Bücher für „Der Fahnder“ und mehrere „Tatorte“, die fast immer etwas mit Horst Schimanski zu tun hatten. Unter anderem „Duisburg Ruhrort“, „Der unsichtbare Gegner“, „Freunde“ und „Zahn um Zahn“, der auch erfolgreich im Kino lief (die Kritiker waren weniger begeistert). Später, für die Serie „Schimanski“ schrieb er auch mehrere Drehbücher. Angesichts dieser Vita fallen in „Verzeih‘ mir“, inszeniert von Routinier Hartmut Griesmayr, einige Dialoge arg hölzern aus. Aber der einarmige Kommissar Jürgen Tauber (Edgar Selge) darf einige herrliche Gemeinheiten absondern und seine Beziehung zur Kriminalpsychologin Dr. Sylvia Jansen (Gaby Dohm) ist angenehm erwachsen. Der Fall selbst – ein Automechaniker wird ermordet in einem verbrannten Auto gefunden; eine Mutter und ihre Tochter, die beide Bettgenossinen von ihm waren, verdächtigen sich gegenseitig des Mordes und das Organisierte Verbrechen, in Form von Autoschiebern, ist ebenfalls involviert – ist in Punkto Tätersuche nicht sonderlich kompliziert. Dafür gibt es eine interessante Familiengeschichte, die bis zum Kriegsende zurückreicht.
„Gelobtes Land“, der erste Auftritt von Taubers neuer Kollegin ‚Jo‘ Obermeier (Michaela May), Mutter, verheiratet mit einem türkischen Besitzer einer kleinen Autowerkstatt, ist ein gelungener Krimi über Asylbewerber und wie sie nach Deutschland kommen.
Peter Patzak, der seit „Kottan ermittelt“ im Pantheon des deutschsprachigen Kriminalfilms ist, inszenierte auch „Um Kopf und Kragen“. In dem Fall ermittelt Jo Obermaier undercover in einer Polizeistation. Eine Kollegin, die gemobbt wurde, soll sich umgebracht haben. Aber die Schwangere wurde ermordet. In einigen Szenen scheint der Geist von Kottan durch, aber insgesamt ist „Um Kopf und Kragen“ ein durch die hoffnungslos überbelichtete Inszenierung und die gewollt übertriebenen Darstellungen ein unansehbares Werk geworden.
In „Fluch der guten Tat“ wird ein Roma-Junge, der von einer Initiative für sozial schwache Kinder betreut wurde, ermordet. Tauber und Obermaier sehen sich bei der Initiative, die nicht nur von altruistischen Motiven getriebne ist, um.
„Silikon Walli“ und „Tiefe Wunden“ gehören zu den unbestrittenen Höhepunkten der Serie. In „Silikon Walli“ stirbt ein Busenwunder (nachdem ihre Oberweite mehrmals künstlich vergrößert wurde) eines unnatürlichen Todes – und Kommissar Tauber ist sehr fasziniert von den Gepflogenheiten des Sexgewerbes. Grandios!
Ebenfalls grandios ist „Tiefe Wunden“, inszeniert von Buddy Giovinazzo, der auch einige grandiose Noirs schrieb. Im Wald wird eine erschossene Goldschmiedin gefunden. In ihrer Hand hält sie einen Zigarillo, der Tauber an ein Gaunertrio, das er von früher kennt, erinnert. Entsprechend schnell führen die Ermittlungen in Taubers Vergangenheit und wir erfahren, wie er seinen Arm verlor.
Allein schon wegen der sechs „Polizeirufe“, die ein insgesamt erstaunlich hohes Niveau haben (eigentlich enttäuscht nur „Um Kopf und Kragen“) ist „Die Folgen des BR 2000 – 2003 – Box 2“ eine empfehlenswerte DVD-Box. Trotzdem ist es ärgerlich, dass es keine Untertitel und kein Bonusmaterial (Gab es wirklich kein Interview und keine Reportage in den TV-Archiven? Hätte man nicht ein „Making of“ machen können?) gibt.
Polizeiruf 110: Die Folgen des BR 2000 – 2003 (Box 2)
mit Edgar Selge (Kommissar Jürgen Tauber), Michaela May (Kommissarin Jo Obermeier), Gaby Dohm (Polizeipsychologin Dr. Sylvia Jansen), Tayfun Bademsoy (Tarik Yilmaz)
Gaststars: Karin Boyd, Dennenesch Zoudé, Matthias Koeberlin, Henning Baum, Heikko Deutschmann, Axel Hacke, Jacques Breuer, Nadeshda Brennicke, Bernd Tauber, Wanja Mues, Catherine Flemming, Thure Riefenstein
– DVD
Eurovideo
Bild: 1.78:1 (16:9 anamorph – mit zum Teil eigeschränkter Bild- und Tonqualität)
Ton: Deutsch (DD 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 503 Minuten (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Horst Vocks hat nach langem Schweigen einen neuen Roman veröffentlicht. Zusammen mit Elfi Hartenstein schrieb er den Krimi „Ausstieg“ über Kriminalhauptkommissar Lou Feldmann, der keinen Bock mehr hat und reihenweise Verbrecher laufen lässt, bis er sich entscheiden muss, ob er so weitermachen will.
Ist natürlich, weil die Geschichte in Berlin spielt und blinder Lokalpatriotismus alles schlägt, ein verdammt guter Krimi.
– Elfie Hartenstein/Horst Vocks: Ausstieg Pendragon, 2015 328 Seiten
12,99 Euro
Weil Wim Wenders am 14. August einen runden Geburtstag feiert, zeigt Arte einige seiner schönsten Filme. Heute läuft um 20.15 Uhr „Paris, Texas“, um 22.35 Uhr „Der amerikanische Freund“ und um 00.40 Uhr sein selten gezeigtes Doku-Essay „Tokyo-Ga“.
Arte, 22.35
Der amerikanische Freund (Deutschland/Frankreich 1976, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.
Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“
Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)
Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel
Warren Schmidt ist ein verwitweter Pensionär, der sich jetzt in seinem Wohnmobil, quer durch die USA, auf den Weg zu seiner Tochter und ihrer Hochzeit macht. Denn ihm gefällt ihr Künftiger nicht.
Schönes, melancholisches Roadmovie, das natürlich ein Jack-Nicholson-Starvehikel ist, der hier einen absoluten Biedermann (Angestellter einer Versicherungsgesellschaft!) spielt.
mit Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis, Dermot Mulroney
Während in Frankreich demnächst die sechste Staffel von „Profiling Paris“ (Profilage) läuft, ist bei uns, nach der TV-Ausstrahlung, gerade die erste, aus sechs Episoden bestehende erste Staffel erschienen, in der sich das Team um Commandant Matthieu Pérac langsam an ihren Neuzugang, die Kriminalpsychologin Chloe´Saint-Laurent, gewöhnt. Denn sie hat einige Marotten, die ihre Mitmenschen irritieren und die immer wieder gegen jede Ermittlungsvorschrift und -routine verstoßen. So hat sie den absoluten Tunnelblick. Wenn sie etwas sieht oder bemerkt, vergisst sie alles andere, wozu auch der pflegliche Umgang mit Spuren am Tatort gehört. Und dann versetzt sie sich immer wieder bruchlos in die Psyche der Opfer oder des mutmaßlichen Täters und spricht dessen Gedanken in der Ich-Form aus. In der Serie wird ihr Ad-hoc-Profil auch sofort visualisiert. Sie ist fast die Psycho-Schwester von Adrian Monk (aus der Krimiserie „Monk“) und damit ein weiterer genialer, aber menschlich hoch problematischer und beziehungsgestörter Ermittler.
Ihre Kollegen sind ganz normale Polizisten, die zum normalen Personal einer Krimiserie gehören: eine taffe Polizistin, ein Computerexperte, ein Gerichtsmediziner und ein loyaler Vorgesetzter.
Die ersten sechs Fälle sind straff geplottete Rätselkrimis, in denen der Fall immer eindeutig im Vordergrund steht und jeder Fall hat, wie wir es aus US-Krimiserien gewohnt sind, mehrere überraschende Wendungen. Es geht um einen ermordeten Babysitter mit mehr falschen Identitäten als eine Katze Leben hat; um einen vergifteten Arzt und schäbige Geschäfte mit Krebspatienten; um einen ermordeten Anwalt und einen jungen Angeklagten, der sich unter falscher Identität in verschiedene Familien einschmeichelt; um die ermordete junge Frau eines Kunsthändlers und entsprechend verwickelte Familienbeziehungen; um einen bei einem Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft ermordeten altgedienten Aktivisten, der zuletzt einige seltsame Geschäfte tätigte; und um eine neue Spur zu einem vor sechs Monaten spurlos verschwundenem Teenager.
„Profiling Paris“ ist eine spannende, aber auch unauffällige Krimiserie, die sich gelungen an US-Vorbildern orientiert, diese mit einigen Paris-Bildern dekoriert und psychologisch interessante Täter und Opfer präsentiert.
Profiling Paris – Staffel 1(Profilage, Frankreich 2009)
Regie: Eric Summer
Drehbuch: Sophie Lebarbier (Episode 1, 3, 5), Fanny Robert (Episode 1, 3, 4, 5, 6),
Mathieu Missoffe (Episode 1, 2, 3, 4, 5, 6), Mathieu Granier (Episode 2), Robin Barataud (Episode 4), Jean Reynard (Episode 4)
Erfinder: Fanny Robert, Sophie Lebarbier
mit Guillaume Cramoisan (Matthieu Pérac), Odile Vuillemin (Chloé Saint-Laurent), Jean-Michel Martial (Grégoire Lamarck), Vanessa Valence (Frédérique ‚Fred‘ Kancel), Raphaël Ferret (Hippolyte de Courtène), Didier Ferrari (Der Doktor)
– DVD
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 288 Minuten (6 x 48 Minuten) (2 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
– Hinweise Französische Homepage zur Serie Fernsehserien über „Profiling Paris“
Wikipedia über „Profiling Paris“ (deutsch, französisch)
ZDF, 22.15 Good Kill – Tod aus der Luft(USA 2015, Regie: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
Ruhiges, äußerst intensives Drama über die Gewissenskonflikte von einem Ex-Kampfpiloten (Ethan Hawke), der jetzt Drohnenpilot ist und, wie viele Kollegen, seelische Probleme mit dem Töten per Drohne und seinem normalen Leben, nach Feierabend, in Las Vegas (das hätte Hollywood sich nicht besser ausdenken können: die echten Basen sind in der Nähe des Spielerparadieses) hat.
Das Drehbuch ist straff und facettenreich (auch wenn das Militär etwas nachdenklicher, selbtreflexiver und vernünftiger rüberkommt, als es wohl in der Realität der Fall ist), die Schauspieler überzeugend, und Andrew Niccol („Gattaca“, „Lord of War“, beide ebenfalls mit Hawke) zeigt nach dem Totalausfall „Seelen“, dass er nichts verlernt hat. Für einen Kinostart hat es trotzdem nicht gereicht und der Film (es ist der erste Spielfilm über den Drohnenkrieg) ist aufklärerisch im besten Sinne. Unbedingt sehenswert!
Anschließend, um 23.50 Uhr, läuft die okaye 45-minütige Doku „Drohnenkrieg – Tod aus der Luft“, die dem Film erstaunlich wenig hinzufügt.
Mit Ethan Hawke, Zoë Kravitz, January Jones, Bruce Greenwood, Jake Abel, Dylan Kenin Wiederholung: Mittwoch, 29. Juli, 01.50 Uhr (Taggenau!) Hinweise Moviepilot über „Good Kill“ Metacritic über „Good Kill“ Rotten Tomatoes über „Good Kill“ Wikipedia über „Good Kill“ Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013) Andrew Niccol in der Kriminalakte