Neu im Kino/Filmkritik: „Vacation – Wir sind die Griswolds“ und das ist unser Land

August 20, 2015

Über „Die schrillen Vier auf Achse“ (National Lampoon’s Vacation) schrieb das Lexikon des internationalen Films „Als Satire auf den ‚american way of life‘ angelegte Slapstickkomödie, gelegentlich etwas zu sehr überdreht.“
Und im Fischer Film Almanach 1985 steht: „Wer Slapstick und Satire mag, dabei aber auch einige grobe Hämmer in Kauf nimmt, kann sich als Zuschauer hier an dem Unglück anderer Menschen freuen.“
Damals unternahm Clark Griswold (Chevy Chase) mit seiner Frau Ellen (Beverly D’Angelo) und ihren Kindern im Auto die Reise quer durch die USA von Chicago nach Walley World, einem in Kalifornien liegendem Vergnügungspark.
Heute, dreißig Jahre später, unternimmt in „Vacation – Wir sind die Grisworlds“ Clarks Sohn Rusty Griswold (Ed Helms), weil Jugenderinnerungen so schön sind, mit seiner Frau Debbie (Christina Applegate) und ihren beiden Jungs die Reise durch die USA von Chicago nach Walley World.
Die Dramaturgie hangelt sich dabei von einem Ferienerlebnis zum nächsten, zwischen banal und klamaukig wechselnd. Wobei der Klamauk meist unter die Gürtellinie zielt und immer irgendetwas mit Sex zu tun hat. Das ist aber nie witzig oder befreiend, sondern verklemmt. Als hätte es niemals so etwas wie die sexuelle Revolution gegeben. Und als seien Busengrapscher und in enge Hosen eingezwängte Riesenpenisse (auch wenn er zu ‚Thor‘ gehört) der Höhepunkt der Höhepunkt des Humors.
Die im Original vorhandene Satire auf den ‚american way of life‘ ist nicht mehr erkennbar. Slapstick gibt es nur noch in einigen wenigen Momenten. Dabei ist die Titelsequenz – eine Abfolge von Urlaubsfotos, die teilweise erst nach einem kurzen Augenblick ganz gezeigt werden und den Schnappschüssen so eine vollkommen neue Perspektive geben – gelungen in ihrem Blick auf die Biederkeit und Absurdität von ganz normalen Familienurlauben und Situation, in denen das Lachen zwischen Schadenfreude und Betroffenheit über die unsensiblen Erwachsenen schwankt. Beim restlichen Film stellt sich diese Frage, warum man worüber lachen soll, nicht mehr. Zu altbacken und zu verklemmt sind die Witze. Auch Chevy Chase, der gegen Filmende seinen Auftritt hat, kann diesen biederen Klamauk nicht mehr retten.

Vacation - Plakat

Vacation – Wir sind die Griswolds (Vacation, USA 2015)
Regie: Jonathan Goldstein, John Francis Daley
Drehbuch: Jonathan Goldstein, John Francis Daley (basierend auf Charakteren von John Hughes)
mit Ed Helms, Christina Applegate, Skyler Gisondo, Steele Stebbins, Chris Hemsworth, Leslie Mann, Chevy Chase, Beverly D’Angelo, Ron Livingston, Keegan-Michael Key, Regina Hall, Charlie Day, Michael Peña, Kaitlin Olson, Norman Reedus, Hannah Davis, Colin Hanks
Länge: 99 Minuten
FSK: ?

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Vacation“
Moviepilot über „Vacation“
Metacritic über „Vacation“
Rotten Tomatoes über „Vacation“
Wikipedia über „Vacation“ 


TV-Tipp für den 20. August: 5 Jahre Leben

August 20, 2015

ARD, 22.45
5 Jahre Leben (Deutschland 2013, Regie: Stefan Schaller)
Drehbuch: Stefan Schaller, David Finck
Es trifft ja nur Terroristen. Zum Beispiel diesen Deutschtürken Murat Kurnaz, der kurz nach 9/11 als „feindlicher Kämpfer“ nach Guantánamo gebracht wurde. Nach fünf Jahren – auch weil die Bundesregierung absolut keine Eile hatte, den unschuldig Inhaftierten Kurnaz wieder in Deutschland einreisen zu lassen – kehrte er 2006 nach Bremen zurück.
Stefan Schallers beeindruckener Spielfilm konzentriert sich auf die Verhöre durch Gail Holford und Kurnaz’ Kampf um seine Würde. Gerade dank dieser Beschränkung gewinnt er an erzählerischer Kraft.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films.
mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles, Trystan Pütter, John Keogh, Timur Isik, Kerem Can, Siir Eloglu, Tayfun Bademsoy
Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über “5 Jahre Leben”

Film-Zeit über „5 Jahre Leben“

Wikipedia über Murat Kurnaz

Meine Besprechung von Stefan Schallers „5 Jahre Leben“ (Deutschland 2013)


Neu im Kino (mit Kinotour)/Filmkritik: „California City“ ist ein verlassener Ort

August 19, 2015

Howe Gelb, der Kopf der Alternative-Countryrock-Band „Giant Sand“, schrieb die grandios spartanische Musik zu Bastian Günthers „California City“, einer herrlich unverkrampft zwischen Spiel-, Dokumentar- und Essayfilm pendelnden allzu realen Fantasie über einen Kammerjäger, der in den nach der Finanzkrise verlassenen Wohnhäusern von California City in den Swimmingpools nach Moskitos sucht und sie vernichtet. Während seiner Fahrt durch die menschenleere Gegend trifft er einige Menschen, die noch in der Einöde leben, hängt seinen Erinnerungen an seine Freundin nach und fragt sich, ob es die Welt überhaupt noch gibt.
In Bastian Günthers Film, der vorher „Houston“ über einen Headhunter dem in der Fremde die Kontrolle über sein Leben entgleitet, inszenierte, wird in einer Endzeitlandschaft Kalifornien zu einem Sehnsuchtsort, deren Versprechen auf ein besseres Leben sich nicht erfüllten. Der amerikanische Traum ist in „California City“, zwischen verlassenen, uniformen Fertighäusern und Ruinen, schon lange ausgeträumt und die Menschen, die noch in California City leben, vor allem gesellschaftliche Außenseiter und Aussteiger, suchen nicht mehr danach.
Und weil Günther immer um diesen thematischen Kern kreist, wird „California City“ zu einer interessanten Fallstudie eines Stillstandes, der nach einem umfassenden Scheitern, das für California City das Blatzen der Immobilienblase war, kommt. Dabei sieht sich keiner der Porträtierten als gescheitert, sondern als jemand, der einen Traum hat (wie der Teilnahme an einem Flug zum Mars), oder, frei von allen gesellschaftlichen Zwängen, seine Nische gefunden hat. Zum Beispiel auf einem abgesperrtem Militärgelände Schrott auf der Suche nach Verkäuflichem auszuschlachten. Insofern und auch wegen der Americana-Bilder und Musik (wobei Howe Gelbs Soundtrack noch reduzierter als Ry Cooders spartanischer „Paris, Texas“-Soundtrack ist) verbreitet der Essayfilm, der natürlich nur ein begrenztes Publikum anspricht, eine fast schon positive Botschaft.
„’California City‘ ist für mich eine Meditation über Verlust, Krise und deren Auswirkungen an deren Ende ein Aufbruch steht. Eine Reflexion über uns und unser Leben, immer auch mit einem Sinn für Humor und mit einem Auge für bizarre Momente und Begegnungen.“ (Bastian Günther)
Gedreht wurde der Film in der realen, in der Mojave-Wüste liegenden Stadt California City, die von Nat Mendelsohn als eine aus dem Nichts entstehende Utopie einer neuen Stadt geplant wurde. 1958 kaufte er dort Land. California City sollte die größte Stadt Kaliforniens werden. 1970 lebten dort 1300 Menschen. Heute leben dort etwas über dreizehntausend Menschen, aber von der Fläche her ist California City mit über 527,401 km² die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates; – zum Vergleich: Berlin hat 891,68 km², Hamburg 755,29 km² und Köln, als drittgrößte deutsche Stadt 405,01 km², bei deutlich höheren Einwohnerzahlen.

California City - Plakat - 4

California City (Deutschland 2014)
Regie: Bastian Günther
Drehbuch: Bastian Günther
mit Jay Lewis, Daniel C. Peart, Chelsea Williams
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Gespräche mit Bastian Günther
Mittwoch, 19. August, um 20.00 Uhr im filmkunst 66 Kino in Berlin
Donnerstag, 20. August, um 20.00 Uhr im Mal Seh´n Kino in Frankfurt
Freitag, 21. August, um 21.00 Uhr in der Filmpalette Köln
Samstag, 22. August, um 20.00 Uhr im Lichtblick Kino in Berlin
Sonntag, 23. August, um 19.00 Uhr im 3001 Kino in Hamburg
Dienstag, 25. August, um 20.30 Uhr Central Kino Berlin

Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „California City“
Film-Zeit über „California City“
Moviepilot über „California City“
All Music über Howe Gelb
Homepage von Howe Gelb

Howe Gelbs 2014er Sea-Rock-Konzert


TV-Tipp für den 19. August: Die sieben Samurai

August 19, 2015

Arte, 00.10 (VPS 00.15)

Die sieben Samurai (Japan 1954, Regie: Akira Kurosawa)

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni, Akira Kurosawa

Japan 1586: Weil Banditen immer wieder ihre Ernte stehlen, beschließen die Bauern eine Gruppe von Samurai zu bezahlen. Die Samurai sollen sie und ihre Ernte vor den Banditen beschützen.

Arte zeigt die 2006 restaurierte Langfassung von Kurosawas Klassiker. Kurosawa erstellte für den japanischen Markt eine 203-minütige Fassung (das dürfte auch die heute Abend gezeigte Version sein) und für den internationalen Markt eine 160-minütige Version.

Diese internationale Version sah ich vor ungefähr zwanzig Jahren im Kino und ich war sprachlos. Denn obwohl ich lange Filme nicht mag, verging die Zeit wie im Flug. Nichts wirkte veraltet. Die Kämpfe sind immer noch atemberaubend und unglaublich direkt inszeniert (Er nahm sie mit mehreren Kameras auf.). Die Betrachtungen über das Leben der armen Bauern, der Samurai und ihrem Ethos sind als prägnante Zeichnung unterschiedlicher Kulturen zeitlos. Das Ende ist bitter-ironisch. Die Kameraarbeit erstaunlich zeitgemäß. Immerhin reden wir hier von einem Film, der als ich ihn sah bereits vor über vierzig Jahren entstand.

„Die sieben Samurai“ ist ein Klassiker, der kein Patina angesetzt hat und kraftvolles Kino.

„‘Shichinin No Samurai’ ist episches Kino in Vollendung, das heißt: es ist vor allem Erzählung.“ (Karsten Visarius in Akira Kurosawa, Hanser Reihe Film Band 41, 1988)

„Doch wie kunstvoll Kurosawa die verschiedenen Bedeutungsebenen verknüpft, wie kongenial er im Vordergrund eine packende, mal tragische, mal komische Geschichte und dazu einen bitteren historisch-geschaftlichen Subtext entwickelt – das macht ‘Shichinin No Samurai’ zu einem zeitlosen Meisterwerk.“ (Heinz-Jürgen Köhler in Bodo Traber/Hans J. Wulf, Hrsg.: Filmgenres – Abenteuerfilm, 2004)

Es wurden mehrere Remakes und Quasi-Remakes gedreht. Das bekannteste ist „Die glorreichen Sieben“ (The magnificent seven, USA 1960) von John Sturges.

Mit Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Minoru Chiaki, Daisuke Kato, Ko Kimura

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die sieben Samurai“

Wikipedia über „Die sieben Samurai“ (deutsch, englisch)

Arte über “Die sieben Samurai”


TV-Tipp für den 18. August: Layer Cake

August 17, 2015

Pro7 Maxx, 20.15

Layer Cake (Großbritannien 2004, Regie: Matthew Vaughn)

Drehbuch: J.J. Connolly

LV: J.J. Connolly: Layer Cake, 2000 (Layer Cake: Willkommen im Club)

Ein Drogenhändler der besseren Art will aussteigen. Sein Boss hat vorher noch zwei Aufträge für ihn: er soll eine Junkie-Tochter aufspüren und eine riesige Menge Ecstasy aufkaufen. Das ist beides nicht so einfach.

Allgemein abgefeierter Gangsterthriller, der leider nie in die deutschen Kinos kam. Eine euphorische Stimme: „Aktionsreicher, beinharter Thriller in bester britischer Tradition. Hervorragend gespielt, fotografiert und inszeniert, bis ins kleinste Detail präzise entwickelt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Und die Herren Vaughn, Craig und Hardy legten seitdem beachtliche Karrieren hin.

Mit Daniel Craig, Tom Hardy, Jamie Foreman, Sally Hawkins, Burn Gorman, Sienna Miller, Colm Meaney, George Harris

Wiederholung: Mittwoch, 19. August, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

BBC-Interview mit Matthew Vaughn

Metacritic über „Layer Cake“

Rotten Tomatoes über „Layer Cake“

Wikipedia über „Layer Cake“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns „Kingsman: The Secret Service (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)


TV-Tipp für den 17. August: Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren

August 17, 2015

BR, 23.40 (VPS 00.10)

Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (USA 1981, Regie: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma, Bill Mesce Jr. (ungenannt)

Jack Terry ist Toningenieur für Horrorfilme. Eines Nachts beobachtet er, während er auf der Jagd nach Geräuschen ist, den tödlichen Autounfall eines Präsidentschaftskandidaten. Als er sich später sein Tonband anhört, hört er einen Schuss. Wurde der Kandidat ermordet?

Spannender Thriller von Brian De Palma, der damals eine Reihe guter Filme hintereinander inszenierte.

Der Titel erinnert an Michelangelo Antonionis auch inhaltlich sehr ähnlichen Klassiker „Blow Up“. Die Kritiker fanden (eines ihrer liebsten Hobbys) zahlreiche Hitchcock-Anleihen, die Polit-Junkies durften über die Ähnlichkeiten zu dem JFK-Attentat, Watergate und Chappaquiddick (während in dem Film der Politiker stirbt, starb in Wirklichkeit die Beifahrerin von Ted Kennedy) nachdenken, die Cineasten über das Kino und den Zusammenhang zwischen Film und Wirklichkeit sinnieren und alle über die Schlusspointe lachen. Das ist doch ziemlich viel für ein Genrewerk, das einfach nur zwei Stunden unterhalten will.

Der Fischer Film Almanach urteilte damals über den Thriller: „einer seiner spannendsten und besten Arbeiten überhaupt.“

DVD Verdict zwanzig Jahre später: “One could make an argument that Blow Out is the most underrated, overlooked film of the entire 1980s.”

Und, jaja, auch Quentin Tarantino gefällt der Film. Ist einer seiner Lieblingsfilme

mit John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Dennis Franz

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blow Out“

Wikipedia über „Blow Out“ (deutsch, englisch)

Spiegel: Filmbesprechung von Hellmuth Karasek (Heft 19/1982)

New York Times: Vincent Canby über “Blow Out” (24. Juli 1981)

DVD Verdict: Gary Militzer über “Blow Out” (21. Dezember 2001)

Fast Rewind: Simon Barber über “Blow Out” (9 von 10 Punkte)

Kameramann Garrett Brown, der die Steadicam erfand, spricht über die Dreharbeiten zu „Blow Out“

DP/30 unterhielt sich 2012 in Toronto sich mit Brian De Palma über seinem Film „Passion“ (der nicht gut ist) und auch seine vorherigen Filme

Und Josh Olson (u. a. das Drehbuch für „A History of Violence“) spricht bei „Trailers from Hell“ über „Blow Out“

 

 


TV-Tipp für den 16. August: Woodstock

August 16, 2015

Arte, 22.50
Woodstock (USA 1970, Regie: Michael Wadleigh)
Drehbuch: Michael Wadleigh
Verdammt langer, verdammt selten gezeigter Film (der den Oscar als bester Dokumentarfilm erhielt) über ein legendäres Musikfestival mit einem Haufen legendärer Bands und Musiker. Im Film treten auf: Richie Havens, Joan Baez, The Who, Sha-Na-Na, Joe Cocker, Country Joe and the Fish, Arlo Guthrie, Crosby Stills & Nash, Ten Years After, John Sebastian, Santana, Sly & the Family Stone, Jimi Hendrix, Canned Heat, Jefferson Airplane, Janis Joplin und Canned Heat. Und wer die beiden „Woodstock“-CDs hat, kann noch einige weitere Musiker hören.
Am Schnitt arbeiteten unter anderem Martin Scorsese (der ja später noch einige Konzerte filmte) und Thelma Schoonmaker mit. Beide werden auch als „Assistant Director“ aufgeführt.
Arte zeigt heute den 216-minütigen Director’s Cut. Die Kinoversion dauerte nur 184 Minuten.
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Woodstock“
Wikipedia über „Woodstock“ (deutsch, englisch)
All Music über „Woodstock“ und „Woodstock Two“


Neu im Kino (nach Kinotour)/Filmkritik: „Boy 7“ – der nächste Versuch im deutschen Genrekino

August 15, 2015

Vor fünf Jahren, nachdem fast zeitgleich einige gute deutsche Kriminalspielfilme und Dominik Grafs TV-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ erschienen, wurde auf einer Tagung von der „Lust am Genre“ gesprochen und auch gefragt, warum es kein deutsches Genrekino gibt. Krimis laufen im Fernsehen in verschiedenen Serien und Reihen bis zum Abwinken. Science-Fiction und Horror existieren vor allem als Erinnerung an die seeligen Stummfilm- und frühen Tonfilmtage, als „Das Cabinet des Dr. Caligari“, „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Das Testament des Dr. Mabuse“, „Metropolis“ und „M – Mörder unter uns“ gedreht wurden. In den Sechzigern und frühen Siebzigern waren dann die Edgar-Wallace-Filme und ihre zahlreichen mehr oder weniger direkten Ableger (Jerry Cotton, Kommissar X, St.-Pauli-Filme) an der Kinokasse erfolgreich, während Horror und Science-Fiction schon lange in andere Länder abgewandert waren.
Seitdem gab es immer wieder Versuche, deutsche Genrefilme zu drehen. Die meisten waren und sind höchstens schlechte Imitate besserer Filme. Meistens liegt es am Drehbuch und einem nervigen Stilwillen des Regisseurs, der überhaupt nicht zur Handlung passt. Da ist dann das pseudo-coole Spiel der Schauspieler auch egal.
Vor dieser Folie ist Özgür Yilderims dritter Spielfilm, nach dem Gangsterfilm „Chiko“ und der Musikkomödie „Blutzbrüdaz“, eine durchaus erfreuliche Überraschung. Das heißt jetzt nicht, dass „Boy 7“ ein Film ist, den man sich unbedingt ansehen muss. Dafür ist die Story dann doch zu bekannt und zu sehr auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten.
Der PC-Nerd Samuel ‚Sam‘ Lubota („Knallhart“ David Kross) wird, nachdem er beim Manipulieren der Abi-Noten einer Klassenkameradin erwischt wurde, in eine ländlich gelegene Besserungsanstalt, die Kooperation X, geschickt. Dort werden sie nur noch mit ihrem Geschlecht und einer Nummer angesprochen. Er wird zu ‚Boy 7‘. Er fügt sich schnell in die hierarchisch strukturierte Gesellschaft ein. Immerhin sollen hier seine Fähigkeiten so eingesetzt werden, dass er zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft wird. Der Anstaltsleiter, Direktor Thomas Fredersen, verspricht ihm sogar, wenn er das Programm erfolgreich absolviert, eine gut dotierte Stelle in einer Bank.
Aber dann bemerkt Sam, dass einige seiner Mitinsassen unter seltsamen Umständen sterben oder ihr Gedächtnis verlieren.
Yilderim erzählt diese Geschichte in mehreren Rückblenden, die einen in die Geschichte hineinziehen. Denn der Film beginnt gleich mitten in der Geschichte: Sam wird in einem U-Bahn-Schacht wach. Er erinnert sich an nichts. Aber er wird von der Polizei als Mörder gejagt. Auf einer Toilette entdeckt er ein von ihm geschriebenes Buch, das er dort vorher versteckte. In dem Tagebuch erzählt er sich und uns die Vorgeschichte. Garniert mit einigen hübschen Spitzen, denn er liest sein Buch Emilia (aka Girl 8) vor, die ebenfalls in der sektenähnlichen Besserungsanstalt war und die sich ebenfalls an nichts erinnern kann. Diese Konstruktion ist ein kluger erzählerischer Schachzug, weil wir wissen wollen, wie Sam in diese Situation kommen konnte und ob er der jungen Frau, die er auf seiner Flucht getroffen hat, vertrauen kann.
Dennoch geraten die Rückblenden, wenn Details aus dem Internatsleben breit ausgebreitet werden, etwas zu lang. Was auch daran liegt, dass die Charaktere eher blass geraten sind. Aber die Schauspieler spielen unverkrampft, die Dialoge sind natürlich (es handelt sich also nicht um hölzern-papierne Beamtensprache und die Jugendlichen müssen nicht in einem hippen Jugendslang sprechen), die Sets sehen gut aus (so befindet sich die Kooperation X im – Reisetipp – Schloss Nordkirchen) und die Story steht im Mittelpunkt.
Sogar den Stilwillen von Yildirim, der seine Kamera gerne in einer Schräglage hält, um ein expressionistisches „Dr. Caligari“-Gefühl heraufzubeschwören, verzeiht man da. Immerhin nervt es weniger als eine Wackelkamera und die Bilder (Kamera: Matthias Bolliger) und zahlreiche Anspielungen im Film und bei den Namen verweisen auf die deutschen Filmklassiker, in deren Tradition Yildirim seinen Film sieht. Und das ist nicht die schlechteste Referenz. Auch wenn in „Boy 7“ die Manipulation der Insassen nicht mehr mittels Hypnose erfolgt.
Natürlich ist „Boy 7“ eine weitere Variation der bekannt-erfolgreichen Dystopien, in denen ein Jugendlicher (oft weiblich) gegen eine verbrecherische Erwachsenenwelt kämpfen muss. „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ und „Die Bestimmung“ (The Divergent Series), beides Romantrilogien, die als vier Filme ins Kino kommen, sind die erfolgreichsten. Weniger erfolgreich waren, um nur zwei Filme zu nennen, „Maze Runner“ (der zweite Teil läuft am 24. September an) und „Seelen“. Und, wie die genannten Filme, basiert „Boy 7“ auf einem Jugendbuch-Bestseller, der eine in sich abgeschlossene Geschichte erzählt. Eine Fortsetzung ist ziemlich ausgeschlossen.
Unter den deutschen Genreexperimenten der letzten Jahre gehört „Boy 7“ zu den gelungeneren Filmen. Auch wenn er sich an ein jugendliches Publikum richtet und er mit den zahlreichen, deutlich höher budgetierten Vorgängern zu kämpfen hat. Aber immerhin bewahrt uns das vor einem CGI-Gewitter.
P. S.: Zeitgleich inszenierte Lourens Blok mit einer anderen Besetzung eine niederländische Version der Geschichte.

Boy 7 - Plakat

Boy 7 (Deutschland 2015)
Regie: Özgür Yildirim
Drehbuch: Philipp Delmaar, Marco van Geffen, Özgür Yildirim
LV: Mirjam Mous: Boy 7, 2009 (Boy 7)
mit David Kross, Emilia Schüle, Jens Harzer, Jörg Hartmann, Liv Lisa Fries, Ben Münchow, Nina Petri
Länge: 104 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 20. August 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Boy 7“

Film-Zeit über „Boy 7“

Moviepilot über „Boy 7“

Wikipedia über Özgür Yildirim

Die Kinotour – oder, wo ich einen Film und die Macher schon vor dem Kinostart sehen kann:
Samstag, 15. August
CINESTAR Ingolstadt (Am Westpark 2, 85057 Ingolstadt)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 16:00 Uhr

Samstag, 15. August
CINEMAXX Augsburg (Willy-Brandt-Platz 2, 86153 Augsburg)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 17:00 Uhr

Samstag, 15. August
MATHÄSER München (Bayerstraße 3-5, 80336 München)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Sonntag, 16. August
Premiere im COMMERZ REAL CINEMA Düsseldorf (Robert-Lehr-Ufer, 40479 Düsseldorf)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim, Romanautorin Mirjam Mous
Filmstart: 21:25 Uhr

Montag, 17. August
CINEMAXX Mannheim (N7 17, 68161 Mannheim)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 18:00 Uhr

Montag, 17. August
KINOPOLIS Sulzbach (Taunus) (Am Main-Taunus-Zentrum, 65843 Sulzbach (Taunus))
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:30 Uhr

Dienstag, 18. August
ASTOR GRAND CINEMA Hannover (Nikolaistraße 8, 30159 Hannover)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Dienstag, 18. August
C1 CINEMA Braunschweig (Lange Straße 60, 38100 Braunschweig)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:00 Uhr

Mittwoch, 19. August
CINEMAXX DAMMTOR Hamburg (Dammtordamm 1, 20354 Hamburg)
Vor Ort: David Kross, Emilia Schüle, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:00 Uhr

Donnerstag, 20. August
CUBIX Berlin (Rathausstraße 1, 10178 Berlin) (Endlich!!!)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 19:30 Uhr

Donnerstag, 20. August
CINESTAR Leipzig (Petersstraße 44, 04109 Leipzig)
Vor Ort: David Kross, Ben Münchow, Regisseur Özgür Yildirim
Filmstart: 20:30 Uhr


TV-Tipp für den 15. August: Out of Sight

August 14, 2015

ZDFneo, 20.15

Out of sight (USA 1998, Regie: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Out of sight, 1996 (Zuckerschnute, Out of sight)

Auf der Flucht verbringt Jack Foley im Kofferraum einige Zeit mit Debputy U. S. Marshal Karen Sisco. Zwischen ihnen funkt es gewaltig. Als Jack in Detroit seinen letzten Coup plant, erscheint auch Karen auf der Bildfläche.

Hochgelobte und uneingeschränkt empfehlenswerte Leonard-Verfilmung mit George Clooney, Jennifer Lopez, Ving Rhames, Don Cheadle, Dennis Farina, Luis Guzman

Von Elmore Leonards Homepage: “Out of Sight, like Get Shorty, was a totally happy film experience for Elmore. The Get Shorty production team and writer: Danny DeVitos Jersey Films and screenwriter Scott Frank, once again collaborated on an Elmore Leonard project. Jersey signed Steven Soderbergh to direct and he cast George Clooney and Jennifer Lopez in the lead roles. (…) Clooney and Lopez added considerable sizzle to Out of Sight. Steve Zahn is hilarious as a stoner car thief; Ving Rhames, Don Cheadle and Isaiah Washington are all deadly and cool. Albert Brooks was a pleasant surprise. He makes the most out of the Ripley character. It was Scott Frank who took Ripley, off-stage in the book, and made him a key character. After Scott finished his screenplay, Elmore disagreed with the Ripley move and the ´happy´ movie ending, but admitted he was right after seeing the finished film. Out of Sight has a great look thanks to Steven Soderberghís masterful direction and Scott Frank’s savvy script. The film was a critical success but a box office so-so because of an unfortunate summer release date.”

Hinweise

Moviepilot über “Out of Sight”

Rotten Tomatoes über “Out of Sight”

Wikipedia über “Out of Sight” (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Meine Meldung von Elmore Leonards Tod

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Scott Franks Lawrence-Block-Verfilmung „Ruhet in Frieden – A Walk among the Tombstones“ (A Walk among the Tombstones, USA 2014)


TV-Tipp für den 14. August: Bis ans Ende der Welt

August 14, 2015

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Wim Wenders!

ZDF, 01.10
Bis ans Ende der Welt (Deutschland/Frankreich/Italien 1991, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Peter Carey, Wim Wenders (nach einer Originalidee von Wim Wenders und Solveig Dommartin)
1999 (also damals in der Zukunft): eine nuklearer Satellit verläßt seine Umlaufbahn und er könnte das Ende der Welt bedeuten. Während die Menschheit auf ihr Ende wartet, verfolgt eine Frau einen Mann über den halben Globus bis nach Australien. Er zeichnet mit einer Spezialkamera Bilder auf, die Blinde sehen können.
Das ist etwas für die Nachteulen (und den Recorder): Wim Wenders Epos „Bis ans Ende der Welt“, das nach der Pressemitteilung des ZDF heute in seiner Langfassung seine Free-TV-Premiere erlebt (nach der OFDB lief der Film allerdings schon einmal im Fernsehen: nämlich vor zehn Jahren auf EinsFestival). In jedem Fall gehört der Film in der Kino- und der Langfassung zu seinen selten gezeigten Werken.
1991 lief im Kino eine dreistündige Fassung, die nicht so gut ankam, die ich aber, bei all ihren Schwächen, faszinierend finde.
„In ‚Bis ans Ende der Welt‘ synthetisiert Wenders zahlreiche traditionelle Filmgenres wie Science-Fiction, Romanze, Abenteuer-, Kriminal- und Musikfilm zu einer Art Gesamtkunstwerk, zu dem prominente Musiker und Bands von Peter Gabriel über Patti Smith und U2 bis zu den Talking Heads Exklusivsongs komponiert haben. Sein Stammkameramann Robby Müller hat dazu wieder brillante Bilder, vor allem von den grandiosen australischen Landschaften, eingefangen. (…) Bei allem Respekt für die enorme Kraftanstrengung bleibt am Ende doch ein zwiespältiger Eindruck, der sich vielleicht durch die Langfassungrevidieren läßt.“ (Fischer Film Almanach 1992)
„Wenders bleibt der Regisseur, der mit jedem neuen Projekt viel wagt. Trotz aller Widersprüche ist ‚Bis ans Ende der Welt‘ ein Film, der sich aus der Kinolandschaft als ein wichtiger Versuch heraushebt, wenn mit ihm auch nicht der erhoffte große Entwurf und Abschluß gelungen ist. Am Ende ist die größte Sensation des Films: daß es ihn tatsächlich gibt.“ (Stefan Kolditz: Bis ans Ende der Welt, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Wim Wenders, 1992)
Immerhin hatte Wenders das Projekt bereits 1977 nach „Der amerikanische Freund“ begonnen. Das Budget betrug 23 Millionen Dollar (sein teuerster Film). Der Film wurde auf vier Kontinenten an 120 Drehtagen gedreht und 600 Menschen waren beteiligt.
Erst zehn Jahre später veröffentlichte Wenders die gut fünfstündige Fassung, die heute gezeigt wird, und die auch die ursprüngliche und schon beim Kinostart angekündigte Fassung ist.
Mit Solveig Dommartin, Chick Ortega, Eddy Mitchell, Ernie Dingo, William Hurt, Sam Neill, Rüdiger Vogler, Elena Smirnowa, Lois Chiles, Jeanne Moreau, Max von Sydow
Hinweise
Filmportal über „Bis ans Ende der Welt“
Rotten Tomatoes über „Bis ans Ende der Welt“
Wikipedia über „Bis ans Ende der Welt“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. August (und DVD-Tipp): Father Brown: Der mysteriöse Agent/Der Fluch der Mumie

August 13, 2015

ZDFneo, 20.15
Father Brown: Der mysteriöse Agent/Der Fluch der Mumie (Großbritannien 2015, Regie: Paul Gibson, Matt Carter)
Drehbuch: Rob Kinsman, Jude Tindall
Erfinder: Rachel Flowerday, Tahsin Guner
LV: Charakter von Gilbert Keith Chesterton
Bleiben wir in den Fünfzigern, bewegen uns aber von den sonnigen italienischen Stränden (an denen Mr. Ripley gestern mordete) in die ebenso sonnige englische Provinz, in der Father Brown Mördern auf ihrem Weg zur Sühne hilft.
In „Der mysteriöse Agent“, der Auftaktepisode der dritten Staffel der lauschigen BBC-Krimiserie, will Father Brown (Mark Williams) herausfinden, wer einen Restaurator ermordete. Der Tote restaurierte im Anwesen von Lord Masters dessen Gemäldesammlung. Schwierig wird der Fall für unseren naseweisen geistlichen Ermittler, weil die Polizei versucht, die Tat zu vertuschen und der britische Geheimdienst ebenfalls involviert ist.
Auch wenn es dieses Mal um Geheimdienste und ihren Kampf gegen die bösen Kommunisten geht, ändert sich in der Welt von Father Brown wenig. Der Ton bleibt humorvoll, das Erzähltempo gemächlich und die aus den vorherigen Staffeln bekannten Charaktere sind wieder dabei.
ZDFneo zeigt die fünfzehn Folgen der dritten Staffel donnerstags in Doppelfolgen.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Tom Chambers (Inspector Sullivan), John Burton (Sgt Goodfellow)

Bonushinweis

Father Brown - Staffel 2 - DVD-Cover - 4
Wem das zu wenig „Father Brown“ ist und wer die Folgen in der englischen Fassung sehen möchte, sollte zur DVD „Father Brown – Staffel 2“, in der die zehn Fälle der zweiten Staffel enthalten sind, kaufen. Sie hält, auch wenn Father Brown Geister und Bewohner einer Irrenanstalt trifft, das Niveau der ersten Staffel und die dritte Staffel scheint das Niveau der zweiten Staffel zu halten. Da ist es doch beruhigend, dass der die Kirchenoberen ihren Geistlichen nicht aus seiner Gemeinde Kembleford abziehen wollen und die vierte „Father Brown“-Staffel bereits angekündigt ist.
„Father Brown – Staffel 3“ erscheint am 5. Oktober 2015.

Father Brown – Staffel 2
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 466 Minuten (10 x 46 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)

Meine Besprechung von „Father Brown – Staffel 1“ (Großbritannien 2013)


TV-Tipp für den 12. August: Der talentierte Mr. Ripley

August 11, 2015

EinsPlus, 22.15

Der talentierte Mr. Ripley (USA 1999, Regie: Anthony Minghella)

Drehbuch: Anthony Minghella

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Eigentlich sollte der mittellose Tom Ripley den reichen Reedersohn Dickie Greenleaf nur aufspüren und wieder nach Hause bringen. Aber sie sehen sich so verdammt ähnlich und Ripley gefällt das Leben als reicher Müßiggänger.

Zweite Verfilmung des ersten Tom Ripley-Romanes (hier: Matt Damon, 1960 in der legendären Erstverfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“ von René Clement war es Alain Delon) – dieses Mal als klassisches Hollywood-Kino, welches die Atmosphäre der 50er perfekt rekonstruiert. „Der talentierte Mr. Ripley“ ist im Wesentlichen nettes, etwas langatmiges, nicht sonderlich fesselndes Ausstattungskino.

Der Film war unter anderem für den Edgar Alan Poe Award nominiert.

Mit Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Jude Law, Cate Blanchett, Philip Seymour Hoffman, Jack Davenport, James Rebhorn, Philip Baker Hall, Lisa Eichhorn

Wiederholung: Donnerstag, 13. August, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Drehbuch “The talented Mr. Ripley” von Anthony Minghella (Fassung 1. November 1999)

Rotten Tomatoes über “Der talentierte Mr. Ripley”

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Meine Besprechung der Patricia-Highsmith-Verfilmung “Die zwei Gesichter des Januars” (The two Faces of January, Großbritannien/USA/Frankreich 2014)

Mein Nachruf auf Anthony Minghella


TV-Tipp für den 11. August: Biester

August 10, 2015

ZDFkultur, 20.15/23.40
Biester (Frankreich/Deutschland 1995, Regie: Claude Chabrol)
Drehbuch: Claude Chabrol, Caroline Eliacheff
LV: Ruth Rendell: A Judgment in Stone, 1977 (Urteil in Stein)
Die wohlhabenden Lelièvres schätzen Sophie als Hausmädchen. Dabei wissen sie nichts über ihre Perle. Ganz im Gegensatz zur Postbeamtin Jeanne.
Chabrols ruhiger Thriller blickt einmal mehr hinter die Kulissen der Provinz-Bourgeoisie. Der Ausgang seines „marxistischen Thrillers“ (Chabrol über Biester) ist letal. „Der sozialen Hinrichtung der Repräsentanten der Unterschicht folgt die körperliche Hinrichtung der Bourgeoisie. Das ist der totale Krieg zwischen den Klassen. Und Chabrol setzt ihn unverhüllt in Szene.“ (Fischer Film Almanach 1996)
Mit Isabelle Huppert, Sandrine Bonnaire, Jean-Pierre Cassel, Jacqueline Bisset

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Biester”

Wikipedia über “Biester” (deutsch, englisch, französisch), Ruth Rendell (deutsch, englisch) und Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Mein Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. August: Demolition Man

August 10, 2015

Kabel 1, 20.15

Demolition Man (USA 1993, Regie: Marco Brambilla)

Drehbuch: Daniel Waters, Robert Reneau, Peter M. Lenkov

In der Gegenwart bekriegen sich der Polizist Spartan und der Serienkiller Phoenix mit erheblichen Kollateralschäden. Deshalb werden sie beide in einen Tiefschlaf versetzt. Als sie in einer Zukunft, in der alles sauber, ordentlich, gesittet und gewaltfrei ist, aufwachen, setzten sie, zum Entsetzen der tugendhaften Bürger, ihren Zweikampf fort.

Vergnüglicher SF-Film mit etwas Satire und viel Action.

Der Film war für einen Saturn Award als bester Film von der Academy of Science Fiction, Fantasy and Horror Films nominiert.

Mit Sylvester Stallone, Wesley Snipes, Sandra Bullock, Nigel Hawthorne, Benjamin Bratt, Denis Leary

Wiederholung: Dienstag, 11. August, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Demolition Man“

Wikipedia über „Demolition Man“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. August: Schlimmer geht’s immer

August 8, 2015

Tele 5, 20.15
Schlimmer geht’s immer (USA 2001, Regie: Sam Weisman)
Drehbuch: Matthew Chapman
LV: Donald E. Westlake: What’s the worst that could happen, 1996
Bei einem Einbruch erwischt zu werden ist schlimm. Als der Hausbesitzer, der unglaublich reiche Medienzar Fairbanks, von Cafferty auch noch einen eigentlich wertlosen Freundschaftsring zurückfordert, sieht der ertappte Einbrecher rot. Denn der Ring war ein Geschenk seiner Freundin. Cafferty beginnt Fairbanks auszurauben.
Hollywood hat’s mal wieder vermasselt: „Irgendwann einmal muss dieser Stoff ein gewisses Quantum an Originalität besessen haben, immerhin überzeugte er einen Verleger, der ihn als Roman veröffentlichte. Und die Produzenten versichern, dass sie sich schon vorher die Rechte an einer Verfilmung gesichert hätten. Dann aber muss etwas schief gelaufen sein, denn Sam Weisman, bisher mehr oder weniger erfolgreich im Inszenieren von sinnfreiem Entertainment, liefert hier nicht mehr als öden Leerlauf ab.“ (Kistner, AZ, 13. 12. 2001 – der offensichtlich Westlake nicht kennt).
„What’s the worst thing that could happen“ ist der neunte Dortmunder-Krimi von Donald E. Westlake und selbstverständlich ein pures Lesevergnügen. Auch die erste Fassung des Drehbuchs von Matthew Chapman soll gut gewesen sein.
Es hält sich hartnäckig das Gerücht, der Film wäre in deutschen Kinos gelaufen; unter dem Titel „Schlimmer geht´s nimmer“.
Davon abgesehen ist „Schlimmer geht’s immer“ natürlich als Startpunkt für einen Donald-Westlake/Richard-Stark-Lesemarathon geeignet.
Denn „What’s the Worst that could happen?“ ist einer von Donald Westlakes grandiosen, witzigen John-Dortmunder-Einbrecherromanen.
Mit Martin Lawrence, Danny DeVito, John Leguizamo, William Fichter, Glenne Headley, Richard Schiff, Bernie Mac
Wiederholung: Montag, 10. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Schlimmer geht’s immer“
Wikipedia über „Schlimmer geht’s immer“ (deutsch, englisch)

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Roman “Irgendwann gibt jeder auf” (Flashfire, 2000)

Meine Besprechung von Taylor Hackfords Richard-Stark-Verfilmung “Parker” (Parker, USA 2013)

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Lax/Donald Westlakes „Hot Rock“ (Pierre qui roule, 2008, Comic)

Meine Besprechung von Darwyn Cookes Richard-Stark-Adaption „Parker“ (Richard Stark’s Parker – The Hunter, 2009)

Richard Stark in der Kriminalakte

 Thrilling Detective über Parker

The Violent World of Parker (1-A-Fanseite!)


TV-Tipp für den 8. August: No Direction Home: Bob Dylan

August 8, 2015

Arte, 21.50
No Direction Home: Bob Dylan (Großbritannien/USA 2005, Regie: Martin Scorsese)
Gut 210-minütige Doku über Bob Dylans frühe Jahre von seine Anfängen in Minnesota, der Greenwich-Village-Folk-Szene und seinem Verrat an der Folk-Szene, als er die akustische Gitarre gegen die E-Gitarre tauschte. Der Film endet 1966 mit Dylans Motorradunfall, nach dem er mehrere Jahre nicht mehr tourte.
Martin Scorsese gelang mit Konzertmitschnitten, historischen Aufnahmen und vielen aktuellen Interviews, die teilweise schon Jahre, bevor Scorsese sich an den Schnitt machte, geführt wurden, ein ebenso kurzweiliger wie informativer Film, der trotz der vielen Informationen nicht alles erklärt. Eigentlich bleiben viele Punkte sogar erstaunlich offen in dem von Sympathie getragenem Werk.
mit Bob Dylan, Joan Baez, Dave Van Ronk, Allen Ginsberg, Suze Rotolo
Wiederholung: Dienstag, 18. August, 00.20 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „No Direction Home: Bob Dylan“
Wikipedia über „No Direction Home: Bob Dylan“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Aloha“ – besuchen sie Hawaii

August 7, 2015

Eine auf Hawaii spielende – und hier fangen die Schwierigkeiten schon an. Denn Cameron Crowe, der ja einige gute Filme inszenierte, hat sich wohl gedacht, wenn ich Hawaii und eine gute Besetzung habe, dann erledigt sich der Rest von alleine. Und die Schauspieler haben sich wohl gedacht, wenn der Regisseur von „Singles – Gemeinsam einsam“, „Jerry Maguire: Spiel des Lebens“, „Almost Famous – Fast berühmt“ und „Vanilla Sky“, eines seiner Drehbücher an einem der schönsten Orte des Planeten inszeniert, sind wir gerne dabei. Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Bill Murray und Alec Baldwin sagten zu. Und sie hatten auch, wie man in der so entstandenen Komödie „Aloha – Die Chance auf Glück“ sieht, ihren Spaß.
Davon abgesehen ist „Aloha“ ein Film, der sich nie entscheiden kann, welche Geschichte er in welchem Tonfall er erzählen möchte. Und so pendelt „Aloha“, obwohl ein komödiantischer Ton vorherrschend ist, ziellos zwischen naivem Fünfziger-Jahre-Abenteuerfilm mit leicht kolonialistischer Attitüde, Liebesfilm, öfter in Richtung Romantic Comedy gehend, seltener in Richtung ernstes Drama gehend, und Politthriller. Mal ernst, mal lustig. Gerne auch in einer Szene. So wechselt Emma Stone als Air-Force-Pilotin Allison Ng bruchlos zwischen stocksteifem, humorlosem Army-Aufpasser zu gickeldem Mädchen zu einer an alle Mythen und Geister Hawaiis glaubenden Einheimischen und damit zwischen mehreren, einander widersprechenden Anlagen ihrer Rolle. Andere Charaktere werden mit nervigen Marotten, die im Drehbuch vielleicht lustig aussahen, im Film aber nur nervig sind, ausgestattet: ein Soldat schweigt immer (weil wir Männer ja so schweigsam sind), ein anderer hat einen Tick, weshalb er seine Finger immer vor seinem Gesicht bewegt.
Bradley Cooper bemüht sein einfach nur, entspannt anwesend zu sein. Was ihm auch gut gelint. Er spielt Brian Gilcrest, einen Ex-Soldaten, der jetzt Militärberater für den Milliardär Carson Welch (Bill Murray) ist. Auf Hawaii, wo Gilcrest früher stationiert war, soll er jetzt für Welch und mit Hilfe des US-Militärs irgendein Projekt mit Raketen zum Abschluss bringen. Begleitet bei seinem Auftrag wird Gilcrest von Allison Ng, die auf ihn aufpassen soll.
Für dieses Projekt muss Gilcrest mit zur Unabhängigkeitsbewegung gehörenden Ureinwohnern über irgendwelche Überflugrechte für Raketen verhandeln, die uns hier nicht weitere interessieren müssen. Cameron Crowe interessierten sie und die damit verbundenen erzählerischen Möglichkeiten auch nicht. Eher schon interessierte er sich für Gilcrests Wiederbegegnung mit seiner alten Freundin Tracy Woodside (Rachel McAdams), die inzwischen glücklich verheiratet ist und zwei kurz vor der Pubertät stehende Kinder hat.
Und dann ist da noch die deutlich jüngere Ng, die, immerhin ziehen sich Gegensätze an, sein ‚Love Interest‘ ist. Diese Geschichte zwischen Gilcrest und Ng funktioniert dann auch noch am Besten, weil man bei „sie lernen sich kennen – sie zanken sich – sie lieben sich“ wenig falsch machen kann. Auch wenn man die Dreharbeiten als Urlaub betrachtete, ein höchstens halbfertiges Drehbuch hatte und hoffte, mit den sympathischen Schauspielern und einigen unterhaltsamen Szenen über die Runden zu kommen.
„Aloha“ ist wirklich nur für beinharte Hawaii-Fans und Komplettisten eines der beteiligten Künstler sehenswert. Alle anderen können getrost auf den konfusen Film verzichten.

Aloha - Plakat

Aloha – Die Chance auf Glück (Aloha, USA 2015)
Regie: Cameron Crowe
Drehbuch: Cameron Crowe
mit Bradley Cooper, Emma Stone, Rachel McAdams, Bill Murray, John Krasinski, Danny McBride, Alec Baldwin, Bill Camp, Jaeden Lieberher, Dennis Bumpy Kanahele
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 0 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Aloha“
Moviepilot über „Aloha“
Metacritic über „Aloha“
Rotten Tomatoes über „Aloha“
Wikipedia über „Aloha“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 7. August: Paris, Texas

August 7, 2015

3sat, 22.35
Paris, Texas (Deutschland/Frankreich 1984, Regie: Wim Wenders)
Drehbuch: Sam Shepard
Nachdem Travis vier Jahre spurlos verschwunden war, kehrt er zurück. Sein achtjähriger Sohn Hunter ist inzwischen bei seinem Bruder in Los Angeles. Seine Frau Jane ist in Houston. Travis macht sich Hunter auf die Suche nach ihr.
In Cannes erhielt Wenders für „Paris, Texas“ die Goldene Palme. Auch an der Kinokasse war „Paris, Texas“, trotz seiner moralisch abstrusen Geschichte, ein Erfolg. In Deutschland sahen sich über eine Million Menschen den Film an.
Ry Cooder schrieb die spartanische Musik. Robby Müller fand die einprägsamen Americana-Bilder, in denen die USA ein Sehnsuchtsort ist und die Mutter-Kind-Zusammenführung von Travis, dem letzten Cowboy, der wortkarg seine Mission erledigt, als logisch erscheint.
Einer von Wim Wenders‘ schönsten und besten Filmen.
mit Harry Dean Stanton, Natassja Kinski, Hunter Carson, Aurore Clement, Dean Stockwell, Bernhard Wicki
Hinweise
Filmportal über „Paris, Texas“
Rotten Tomatoes über „Paris, Texas“
Wikipedia über „Paris, Texas“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Wim Wenders in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Mission: Impossible – Rogue Nation“ – Terrorismusbekämpfung mit James-Bond-Retro-Vibe

August 6, 2015

Bis zum nächsten James-Bond-Film, für den schon eifrig die Werbetrommel gerührt wird, dauert es noch einige Wochen, aber Ethan Hunt (einer dieser kulturlosen Amis) empfiehlt sich als mehr als vollwertiger Ersatz.
Ethan Hunt, für alle, deren popkulturelle Bildung im negativen Bereich ist, ist er beste Agent der supergeheimen IMF (Impossible Mission Force), die irgendwie zum US-Geheimdienst gehört. Ihre ersten Einsätze hatte sie in der legendären TV-Serie „Mission: Impossible“ (Kobra, übernehmen Sie. USA 1966 – 1973). Von 1988 bis 1990 gab es eine TV-Neuauflage, die bei uns als „In geheimer Mission“ lief, und 1996 den ersten Spielfilm: „Mission: Impossible“ von Brian De Palma mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Seitdem baute Cruise die Serie in mehreren Filmen, immer mit verschiedenen Regisseuren (John Woo, J. J. Abrams, Brad Bird und jetzt Christopher McQuarrie) aus. Und, auch wenn die Stories schwächelten, die Actionszenen waren immer überzeugend, weil sie handgemacht waren und sind und Tom Cruise gerne auch die Rolle des Stuntmans übernimmt. Auch in dem inzwischen fünften „Mission: Impossible“-Film „Rogue Nation“. Deshalb gehören die zahlreichen Actionszenen, die wesentlich mitreisender als die computergenerierten Superheldenkämpfe der anderen Blockbuster, zu den Höhepunkten des Films.
Dieses Mal ist, dank des cleveren Christopher McQuarrie („Jack Reacher“, „Operation Walküre“ und das Drehbuch für „Edge of Tomorrow“), auch die Story gelungen und die zahlreichen filmischen Anspielungen erfreuen das Herz des Filmfans. Erwähnt sei nur die in der Wiener Oper spielende Konzertszene, die deutlich auf Alfred Hitchcocks legendäre Konzertszene in „Der Mann, der zuviel wusste“ anspielt, ihr aber, weil wir alle Hitchcocks Suspense-Szene kennen, einen eigenen Dreh verleiht.
Sowieso führt McQuarrie, der wie zu seinen vorherigen Filmen auch das Drehbuch schrieb, die Geschichte gelungen fort. Weil sich seit den Sechzigern die Zeiten geändert haben und die unauffälligen Aktion der IMF bedenkliche Kollateralschäden aufweisen, soll die geheime Abteilung geschlossen werden. CIA-Direktor Alan Hunley (Alec Baldwin) will diesen unkontrollierbaren Störfaktor seiner Geheimdienstarbeit auflösen.
Aber nicht nur er hat seine Rechnung ohne Ethan Hunt (Tom Cruise), der spurlos verschwunden ist, und seine Vertrauten – es sind wieder Computernerd Benji (Simon Pegg), Luther Stickell (Ving Rhames) und William Brandt (Jeremy Renner) – gemacht. Denn Hunt hat jetzt die Beweise, dass das „Syndikat“ existiert. Es ist eine Art Anti-IMF. Eine von Solomon Lane (Sean Harris) geführte Gruppe von Geheimagenten, die alle angeblich tot sind und die ihre Missionen nicht für die freie Welt, sondern für den Meistbietenden, vulgo die Bösen, durchführen.
Hunt verfolgt ihn, globetrottend, nach Wien, verschiedenen Orten in Marokko und London, das am Ende altmodischer als das viktorianische London Sherlock Holmes‘ aussieht. Immerhin ist Lane ein ehemaliger britischer Geheimagent und, nun, die Ursprünge von dem „Syndikat“ sind sehr britisch. Begleitet wird Hunt bei seiner Hatz, mal mehr, mal weniger eng, von der geheimnisvollen Ilsa Faust (Rebecca Ferguson), deren Loyalitäten unklar sind.
Nachdem ich von dem vorherigen „Mission: Impossible“-Film „Phantom Protokoll“ wegen der holprigen und wenig durchdachten Story enttäuscht war, hat mir „Rogue Nation“ dank der schlüssigen Story, den gelungenen Anspielungen, dem Humor, den guten Schauspielern, ihrem unverkrampft-lässigem Zusammenspiel und der realistischen Actionszenen (die auch, weil man ja den Star bei der Arbeit zeigen will, selten geschnitten wurden, gut gefallen.
Auch Paramount Pictures hat der Film gefallen. Schon jetzt kündigten sie einen sechsten „Mission: Impossible“-Film an. Die Dreharbeiten könnten schon nächstes Jahr beginnen.
P. S.: Demnächst in Cruise-Land: Im Moment dreht Tom Cruise mit Doug Liman den Thriller „Mena“. Danach spielt er in „Never go Back“ wieder Jack Reacher. Die Regie übernimmt dieses Mal Edward Zwick (Ausnahmenzustand, Last Samurai).
„Jack Reacher“ war, laut Presseheft, „eine der profitabelsten Produktionen des Jahres 2012“. Das weltweite Einspiel betrug 218 Millionen Dollar.

Mission Impossible 5 - Plakat - 4

Mission: Impossible – Rogue Nation (Mission Impossible: Rogue Nation, USA 2015)
Regie: Christopher McQuarrie
Drehbuch: Christopher McQuarrie (nach einer Geschichte von Christopher McQuarrie und Drew Pearce) (basierend auf der von Bruce Geller erfundenen TV-Serie)
mit Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Rebecca Ferguson, Ving Rhames, Sean Harris, Alec Baldwin
Länge: 132 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
„Mission: Impossible – Rogue Nation“-YouTube-Kanal
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Mission: Impossible – Rogue Nation“
Moviepilot über „Mission: Impossible – Rogue Nation“
Metacritic über „Mission: Impossible – Rogue Nation“
Rotten Tomatoes über „Mission: Impossible – Rogue Nation“
Wikipedia über „Mission: Impossible – Rogue Nation“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Brad Birds „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (Mission: Impossible – Phantom Protocoll, USA 2011)
Meine Besprechung von Christopher McQuarries „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Ein Filmgespräch mit den Beteiligten


Neu im Kino/Filmkritik: „True Story – Spiel um Macht“ erzählt eine wahre Geschichte

August 6, 2015

Michael Finkel (Jonah Hill) ist ein geachteter Reporter der „New York Times“. Einer, der die aufsehenerregenden Titelgeschichten schreibt und die wichtigen Reporterpreise erhält. Jetzt recherchiert er in Afrika über Sklavenhandel.
Michael Finkel (James Franco) ist ein sich in Mexiko entspannender Urlauber, der mit einer Frau anbändelt und von der Polizei verhaftet wird. Denn in Wirklichkeit ist dieser Michael Finkel der gesuchte Verbrecher Christian Longo. Er soll in seinem Heimatdorf in Oregon seine Frau und seine drei Kinder ermordet haben.
Zurück in New York schreibt der echte Finkel eine aufsehenerregende Titelgeschichte über seine Recherchen. Dummerweise hat er dabei etwas geschwindelt. Er verliert sofort seinen Job und zurück im heimischen Montana, bei seiner Freundin, sucht er erfolglos nach einer neuen Arbeit. Da erfährt er von Longo, der seine Identität geklaut hat.
Finkel wittert eine große Story. Vor allem nachdem Longo bereit ist, sich exclusiv mit ihm zu unterhalten.
Im Mittelpunkt von „True Story“, der auf der wahren Geschichte von Longo und Finkel basiert, die sich so 2002/2003 zutrug und von Finkel 2005 in dem True-Crime-Bestseller „True Story“ geschildert wurde, steht die Beziehung zwischen Finkel und Longo. Vor allem ihre langen Gespräche miteinander. Dabei gerät Finkel immer mehr in den Bann des charismatischen Longo, bis er sogar an seine Unschuld glaubt.
Und das ist das große Problem von „True Story“, der auch einfach als eine letztendlich langweilige Variante von „Kaltblütig“ gesehen werden kann. In „Kaltblütig“ (In Cold Blood) erzählt Truman Capote von seinen Recherchen über einen brutalen, die USA schockierenden Mehrfachmord in Holcomb, Kansas im November 1959 und seiner zunehmend problematischen Beziehung zu den Tätern Richard Hickcock und Perry Smith. Capotes Buch wurde ein Bestseller, der zur Blaupause für das True-Crime-Genre wurde, mehrfach verfilmt wurde und auch die Entstehungsgeschichte des Buches wurde mehrfach in verschiedenen Medien, zum Beispiel dem grandiosen Spielfilm „Capote“, erzählt. Aber während in „Kaltblütig“ auch und vor allem die Hintergründe zu dem Mord und das Umfeld beleuchtet werden, konzentriert Rupert Goold sich auf die Beziehung von Finkel zu Longo, der einfach seine Version der Geschichte erzählt, in der er unschuldig ist. Alles sei ein elaboriertes Komplott gegen ihn.
Finkel, den wir am Filmanfang als hartnäckigen Journalisten kennen lernten, glaubt ihm, ohne die Geschichte zu überprüfen. Aber gerade diese Überprüfung, die zum Handwerk jedes guten Journalisten gehört, hätte „True Story“ die Tiefe verleihen können, die er jetzt nicht hat.
So hat „True Story“ etliche gut beobachtete Szenen, mit Jonah Hill und James Franco zwei überzeugend ihre Charaktere verkörpernde Schauspieler und eine durchaus interessante Beziehung zwischen zwei Charakteren, die sich gegenseitig benutzen. Allerdings wird ihre Beziehung schnell zu einer zunehmend uninteressanten Groupie-Geschichte mit einem erstaunlich naiv-weltfremden Reporter.

True Story - Plakat

True Story – Spiel um Macht (True Story, USA 2015)
Regie: Rupert Goold
Drehbuch: Rupert Goold, David Kajganich
LV: Michael Finkel: True Story – Murder, Memoir, Mea Culpa, 2005
mit Jonah Hill, James Franco, Felicity Jones, Connor Kikot, Gretchen Mol, Betty Gilpin, John Sharian, Robert Stanton
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „True Story – Spiel um Macht“
Moviepilot über „True Story – Spiel um Macht“
Metacritic über „True Story – Spiel um Macht“
Rotten Tomatoes über „True Story – Spiel um Macht“
Wikipedia über „True Story – Spiel um Macht“