TV-Tipp für den 30. Januar: Angeklagt

Januar 30, 2016

ZDFneo, 22.00
Angeklagt (USA 1988, Regie: Jonathan Kaplan)
Drehbuch: Tom Topor
Sarah (Jodie Foster, die dafür einen Oscar und Golden Globe als beste Hauptdarstellerin erhielt) wurde vergewaltigt. Weil sie aufreizend angezogen war und sich nicht sehr damenhaft verhielt, lässt sich die Staatsanwältin (Kelly McGillis, die damals, nach „Top Gun“ und „Der einzige Zeuge“ auf dem Höhepunkt ihrer Karriere stand) auf einen Deal mit der Verteidigung ein. Sarahs Vergewaltiger erhalten nur eine milde Strafe. Aber Sarah will eine angemessene Verurteilung der Täter.
„Vielleicht mag manchen die Inszenierung stören, die Emotionen erzeugt und keine Argumente sucht. Doch liegt darin auch eine Methode, nämlich mit dem Sujet zu konfrontieren, das Parteinahme erfordert und bei dem vor der Aufklärung vielleicht erst einmal die Aufrüttelung steht.“ (Fischer Film Almanach 1990)
Empfehlenswerter, zum Nachdenken anregender Justizthriller
mit Jodie Foster, Kelly McGillis, Bernie Coulson, Leo Rossi, Ann Hearn
Wiederholung: Sonntag, 31. Januar, 01.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Angeklagt“
Wikipedia über „Angeklagt“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. Januar: Apocalypse Now Redux

Januar 29, 2016

3sat, 22.35

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Wiederholung: Mittwoch, 3. Februar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Ein Atem“, zwei Frauen, eine Geschichte, zwei Perspektiven

Januar 28, 2016

Wenn man „Ein Atem“ als Metapher auf das Verhältnis von Deutschland zu Griechenland im Rahmen der Eurokrise betrachtet, dann eröffnet sich eine interessante Interpretationsfolie, die aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass in dem Film nichts auf eine solche Interpretation hinweist. Außer dass der Film in Griechenland und Deutschland spielt. Und dass in Griechenland auch die aktuelle wirtschaftliche Situation für junge Menschen angesprochen wird. Immerhin muss es einen nachvollziehbaren Grund geben, warum eine junge Griechin ihre Heimat verlässt und nach Deutschland geht.
Wenn man auf diese Interpretationsfolie verzichtet oder sie nicht überinterpretieren möchte, bleibt ein Film zurück, der durch seine Konstruktion und seine beiden Hauptfiguren, vor allem die von Jördis Triebel gespielte Tessa, einen auf Distanz hält.
Tessa ist in Frankfurt am Main eine glücklich verheiratete, gut verdienende, studierte, berufstätige Mutter, die für ihre anderthalbjährige Tochter Lotte eine Nanny braucht und eine richtige Helikopter-Mutter ist, die zwar nie da ist und Lotte am liebsten als abwaschbare Puppe hätte, aber trotzdem genau weiß, was sie essen, trinken und tun darf. Von allem möglichst wenig. Die junge Griechin Elena (Chara Mata Giannatou) nimmt die Arbeit an. Sie will, nachdem sie erst in Deutschland von ihrer Schwangerschaft erfahren hat, mit dieser Arbeit genug Geld für eine Abtreibung verdienen.
Eines Tages, als sie in einer Bäckerei schnell ein Gebäckstück für die schreiende Lotte kauft, verschwindet Lotte spurlos. Angsterfüllt flüchtet sie zurück nach Griechenland.
Während die Polizei in Frankfurt das verschwundene Kind sucht, macht Tessa sich auf den Weg nach Griechenland. Sie weiß, dass Elena Lotte entführt hat. In Athen sucht sie Elena, die von all dem nichts ahnt.
Normalerweise wird in einem Film eine Geschichte erzählt und zwischen verschiedenen Erzählsträngen gewechselt. So wie wir in einen James-Bond-Film erfahren, was der Bösewicht vorhat und tut, während James Bond ihn verfolgt. Oder wenn in „Auf der Flucht“ zwischen Harrison Ford als Flüchtling und Tommy Lee Jones als Verfolger gewechselt wird. In „Ein Atem“ wird dagegen in drei Erzählblöcken zuerst die Geschichte der Griechin, dann die der Deutschen erzählt. Erst am Ende, im Finale, kommen die beiden Geschichten halbwegs zusammen. Allein schon durch diese Konstruktion fühlt sich „Ein Atem“ weniger wie ein Spielfilm mit einer durchgehenden Geschichte, sondern mehr wie eine Kompilation von drei Kurzfilmen an.
Das ist zwar ungewohnt, aber es könnte funktionieren, wenn die Figuren sich nicht durchgehend unvernünftig verhielten und viel zu oft elliptisch um die spannenden Momente herumerzählt wird. So beginnt, um nur ein Beispiel zu nennen, eine Szene beim Arzt. Die Ärztin sagt, dass sie Elena etwas sagen müsse. In dem Moment, also genau vor der Eröffnung der lebensverändernden Nachricht, bricht die Szene ab. In der nächsten Szene sitzt Elena bei ihrer Freundin. Ihr und uns erzählt sie, was ihr die Ärztin gesagt hat. Nämlich dass sie schwanger sei und dass sie das Baby abtreiben wolle. Besser wäre es gewesen, wenn wir im Gespräch mit der Ärztin gesehen hätten, wie Elena auf die Mitteilung, die ihre gesamten Planungen zerstört, reagiert. So bleiben wir während des gesamten Films immer Beobachter des Geschehens, die sich mehr oder weniger mühsam die Lücken zwischen den Bildern zusammenreimen.
Das ist unschön, aber der Film könnte immer noch funktionieren, wenn das Verhalten von Elena und Tessa, den beiden Hauptfiguren, nicht so irrational wäre. Im ersten Erzählblock wird Elenas Geschichte von ihrem Leben in Griechenland (mit ihrem noch bei seinen Eltern lebendem Freund, der das Land nicht verlassen will) über ihr Leben in Deutschland und ihre Nanny-Arbeit bis zu Lottes Verschwinden erzählt. Es ist eine typische Auswanderergeschichte, die in diesem Rahmen auch gut funktioniert. Dass Elena dann allerdings nicht die Polizei informiert (immerhin hat sie, wie wir später erfahren, mehrmals versucht Tessa anzurufen), sondern sofort nach Griechenland abhaut, kann nur mit dem Willen des Drehbuchautors erklärt werden.
Der zweite Erzählblock gehört dann Tessa. Jetzt sehen wir einige Ereignisse, die wir vorher aus Elenas Perspektive gesehen haben, aus Tessas Perspektive und wir begleiten sie nach Athen, wo sie Elena sucht. Allerdings wird sie uns nicht sympathischer. Im Gegenteil. Aus der Helikopter-Mutter wird eine rechthaberische, über Leichen gehende Zicke, die Fehler immer nur bei den Anderen sucht, keine Einsicht in ihre eigenen Fehler und ihr Verhalten hat und die Dinge möglichst ungeschickt anpackt.
So, um wieder nur ein Beispiel zu nennen, plakatiert sie, weil sie nicht weiß, wo Elena wohnt, vor einem Laden, in dem Elena arbeitete, steckbriefähnliche Aufrufe, auf denen steht, dass sie Elena, die Entführerin ihres Kindes, suche. Erst als der Geschäftsführer herauskommt und sie auffordert, die Zettel von seinem Geschäft zu entfernen, fragt sie ihn, ob er wisse, wo Elena wohne. Vernünftig wäre es gewesen, wenn sie zuerst ihn gefragt hätte. Oder bei der Polizei um Hilfe gebeten hätte; was sie dann auch später tut. Dass in der Zwischenzeit die deutsche Polizei und ihr Ehemann ihr sagen, dass es absolut keine Spur gäbe, die zu Elena führe, ignoriert sie. Denn eines weiß Tessa mit Sicherheit: sie hat immer Recht.
Da fragte ich mich, wer mit diesem wandelndem Katastrophengebiet mehr Zeit als nötig verbringen möchte. Entsprechend gering fiel mein Mitgefühl mit dieser Mutter aus, der es im letzten Erzählblock sogar gelingt, noch unsympathischer zu werden.
Dabei, das muss immerhin zugestanden werden, ist es von Regisseur Christian Zübert, der das Drehbuch mit seiner Frau Ipek schrieb, mutig, Tessa durchgehend jede Einsichtsfähigkeit und Selbstreflektion zu versagen.

Ein Atem - Plakat

Ein Atem (Deutschland/Griechenland 2015)
Regie: Christian Zübert
Drehbuch: Christian Zübert, Ipek Zübert
mit Jördis Triebel, Chara Mata Giannatou, Benjamin Sadler
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Homepage zum Film
Filmportal über „Ein Atem“
Moviepilot über „Ein Atem“
Wikipedia über „Ein Atem“


Neu im Kino/Filmkritik: „The Hateful 8“ oder „The Hateful Eight“ oder „Der achte Film von Quentin Tarantino“

Januar 28, 2016

Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg, mitten im Winter: Nur widerwillig nimmt Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell), der die Verbrecherin Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) für ein erkleckliches Kopfgeld nach Red Rock bringen will, Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson) in seiner Kutsche mit. Warren ist ebenfalls Kopfgeldjäger, der wegen des Kopfgeldes mit einem Haufen toter Verbrecher ebenfalls nach Red Rock will. Aber sein Pferd verendete. Kurz darauf nehmen sie Chris Mannix (Walton Goggins) mit. Sie kennen ihn als Südstaaten-Deserteur und nur Ärger verursachenden Verbrecher. Jetzt, so behauptet er, sei er der neue Sheriff von Red Rock und damit die Person, die ihnen, wenn sie ihn mitnehmen, das Kopfgeld geben werde.
Wegen des Schneesturms kehren sie in Minnies Miederwarenladen ein. Naja, eigentlich ist ‚Minnie’s Haberdashery‘ ein typischer Laden für alles, was der reisende Cowboy brauchen könnte, mit angeschlossenem Essbereich. Dort treffen sie auf Bob (Demian Bichir), der während Minnies Abwesenheit ihren Laden führt (was Major Warren, der Minnie kennt, misstrauisch macht), Oswaldo Mobray (Tim Roth im Christoph-Waltz-Modus), den neuen Henker von Red Rock, Joe Gage (Michael Madsen), der nur seine Familie besuchen will (sagt er und schweigt), und General Sandy Smithers (Bruce Dern), einen Südstaatengeneral, den Warren noch vom Krieg kennt, als sie Gegner waren.
In Minnies Laden wird dann aus dem potentiellen Schneewestern (wobei schon auf dem Weg zu der Hütte, in der Kutsche, viel geredet wurde) endgültig ein Kammerspiel, in dem jeder jedem misstraut. Einerseits wegen des erklecklichen Kopfgeldes, das sich in und vor der Hütte, auf der Kutsche, befindet. Andererseits weil Ruth befürchtet, dass die Verbrecherbande von Daisy Domergue versuchen wird, sie zu befreien und mindestens einer der Männer in der Hütte zu ihrer Bande gehört. Nur wer? In diesem Moment wird der Western zu einem veritablen Agatha-Christie-Rätselplot. Denn bis auf die beiden Kopfgeldjäger Ruth und Warren (wobei Ruth auch ihm nicht wirklich vertraut) hat jeder von ihnen mindestens ein Geheimnis, lügt mehr oder weniger ausschweifend und fast alle kennen sich von früher. Doch vor dem ersten Toten wird noch viel geredet. Immerhin sind wir in einem Quentin-Tarantino-Film. Im letzten Drittel des Dreistundenfilms wird blutig gestorben; was die Zahl der Verdächtigen rapide reduziert.
Das wird von Tarantino, wie man es kennt, in mehrere Kapitel unterteilt, und in einer ausführlichen Rückblende und einigen kleineren Szenen haben dann auch die Schauspieler einen Auftritt, die nicht zu den titelgebenden „Hateful 8“ gehören.
„The Hateful 8“ ist auch, nachdem Quentin Tarantinos „Django Unchained“ an seiner etwas unglücklich aufgebauten Geschichte litt, ein angenehm geradliniger Rätselkrimi, der seine Verdächtigen zuerst ausführlichst vorstellt, dann Einen an vergiftetem Kaffee unschön sterben lässt und die restlichen Verdächtigen, im Gegensatz zu Agatha Christie, durch Ausschalten der Lebensfunktionen eliminiert. Danach verschwinden sie aus der Geschichte, aus dem Bild und, durch Geisterhand, auch aus Minnies Ein-Raum-Hütte.
Es ist allerdings auch ein Film, der nie wirklich packt. Alles wirkt immer wie das Abspulen eines Programms. So darf Samuel L. Jackson ausgiebig das N-Wort benutzen und einen langen, nicht jugendfreien Monolog über seinen, ähem, Umgang mit dem Sohn von General Smithers halten. Jennifer Jason Leigh fungiert hauptsächlich als Punchingball für die Männer. Vor allem John Ruth (Kurt Russell) schlägt sie jedes mal, wenn wie etwas sagt. Aber anstatt dadurch irgendwie zu provozieren, befremdet der Umgang der Männer mit Daisy Domergue eher und es ist so offensichtlich auf Provokation gemacht, dass man sich genau deshalb nicht provozieren lassen will. Die Dialoge und Monologe gefallen, aber im Gegensatz zu Tarantinos früheren Filmen, fehlt ihnen das Besondere, das Erinnerungswürdige, das dazu führt, dass man sich gerne ganze Textkonvolute oder kürzere Zitate merkt.
Und wenn in der zweiten (kürzeren) Hälfte (die in der Roadshow-Fassung, bis auf einen Tod, nach der Pause beginnt) das große Töten beginnt, marschiert Tarantino auf eine Ich-bringe-alle-um-Lösung zu. Das tat er auch in seinem Debüt „Reservoir Dogs“, aber da war der Nihilismus, die Dialoge, die Brutalität noch neu.
In „The Hateful 8“ herrscht dagegen durchgehend ein Déjà-Vu-Gefühl. Durchaus wohlig, aber nie besonders aufregend und sehr redselig. Wie ein Männerabend am Kamin.
Optisch – ich habe die 70mm-Roadshow-Fassung gesehen – gefallen natürlich die vielen langen Szenen, in denen mehrere Minuten nicht geschnitten wird und die Personen sich ungezwungen durch den Raum bewegen oder im Hintergrund noch etwas anderes passiert. Und für die wenigen Landschaftsaufnahmen ist ein ultrabreites Bild natürlich auch angemessen. Allerdings wurde das Bild im Kino nicht noch breiter, sondern die Leinwand wurde schmaler. Also letztendlich kleiner. Es gab auch einige Effekte, wie wackelnde Bilder, Kratzer (beides wohl absichtlich) und vor allem bei den Schneeaufnahmen Helligkeitsschwankungen, bei denen unklar war, ob das jetzt von Quentin Tarantino wirklich so gewünscht war oder ob wir (wir haben nach der Vorführung darüber gesprochen) uns inzwischen so sehr an die moderne Projektion gewöhnt haben, dass uns Dinge, die uns früher egal waren, auffallen. Wie das unglaublich laute Grundrauschen einer Musikkassette im Vergleich zur absoluten Stille einer CD.

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The Hateful 8 (The Hateful Eight, USA 2015)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demian Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern, James Parks, Dana Gourrier, Zoë Bell, Lee Horsley, Channing Tatum
Länge: 169 Minuten (Die in einigen Kinos gezeigte 70mm-Roadshow-Fassung ist, inclusive einer 12-minütigen Pause, 187 Minuten) (hier geht’s zu den Roadshow-Kinos)
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „The Hateful 8“
Metacritic über „The Hateful 8“
Rotten Tomatoes über „The Hateful 8“
Wikipedia über „The Hateful 8“ (deutsch, englisch)
Quentin Tarantino: The Hateful Eight (Drehbuch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino

–

DP/30 redet mit Quentin Tarantino über „The Hateful Eight“

 


TV-Tipp für den 28. Januar: Cannabis – Medizin oder Droge?

Januar 28, 2016

3sat, 20.15
Cannabis – Medizin oder Droge? (Deutschland 2016)
45-minütige Doku, die herausfinden will, was an den Wundergeschichten über Cannabis dran ist und daher auch der Frage nachgeht, wie sehr Cannabis auch eine Medizin sein kann und warum es immer noch verboten ist.
Anschließend diskutiert „scobel“ mit Gästen zum Thema.
Weitere Informationen hier.


TV-Tipp für den 27. Januar: Letters from Iwo Jima

Januar 27, 2016

Kabel 1, 23.30
Letters from Iwo Jima (USA 2006, Regie: Clint Eastwood)
Drehbuch: Iris Yamashita (nach einer Geschichte von Iris Yamashita und Paul Haggis)
LV: Tadamichi Kuribayashi/Tsuyoko Yoshido: Picture Letters from Commander in Chief
Unglaublich, aber wahr: heute ist die TV-Premiere von Clint Eastwoods „Letters from Iwo Jima“, den er 2006, direkt im Anschluss, als Gegenstück zu seinem Film „Flags of our fathers“ inszenierte. In dem Film zeigte er die US-amerikanische Seite und Interpretation des Kampfes um die Pazifikinsel Iwo Jima im Zweiten Weltkrieg. In „Letters from Iwo Jima“ schildert er die japanische Seite, auf der sich die Soldaten in eine aussichtslose Schlacht begaben. Auf japanisch. Dafür gab es, neben einigen anderen Preisen, den Golden Globe in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“. Auch bei uns kam der Film als „Original mit Untertiteln“ in die Kinos.
Und: Nein, das Sterben auf der Vulkaninsel ist nicht ehrenhaft.
mit Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Tsuyoshi Ihara, Ryô Kase, Shidou Nakamura, Hiroshi Watanabe, Takumi Bando, Yuki Matsuzaki
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Letters from Iwo Jima“
Wikipedia über „Letters from Iwo Jima“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Januar: Open Range – Weites Land

Januar 26, 2016

Pro7 Maxx, 20.15

Open Range – Weites Land (USA 2003, Regie.: Kevin Costner)

Drehbuch: Craig Storper

LV: Lauran Paine: The Open Range Man, 1990 (später auch „Open Range“)

Als der tyrannische Rancher Baxter die Herde der beiden seit Ewigkeiten zusammen reitenden Cowboys Spearman und Waite stehlen will, hat er sich mit den falschen angelegt.

Schöner Western, der angenehm altmodisch auf jeglichen modernen Schnickschnack verzichtet und ruhig seine Geschichte erzählt.

mit Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon, Michael Jeter, Diego Luna, James Russo, Kim Coates

Wiederholung: Mittwoch, 27. Januar, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Open Range”

Wikipedia über „Open Range“ (deutsch, englisch)

Fantastic Ficton über Lauran Paine

David Whitehead über Lauran Paine


TV-Tipp für den 25. Januar: Den Mörder trifft man am Buffet

Januar 25, 2016

Arte, 20.15

Den Mörder trifft man am Buffet (Frankreich 1979, Regie: Bertrand Blier)

Drehbuch: Bertrand Blier

Alphonse hat Mordfantasien. Als ein Buchhalter mit seinem Messer erstochen wird, kann er sich nicht an die Tat erinnern. Ein Inspektor will den Mord nicht aufklären. Und da geschieht der nächste Mord.

„Ein kleines Meisterwerk des Nonsense, in dem weder Logik noch Zynismus, sondern allein das Absurde zählt, Alice im Wunderland der Mörder auftritt und Jack the Ripper in die Burlesken eines W. C. Fields gerät.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Die deutsche Premiere war 1992 im ZDF und seitdem wurde der Film kaum wiederholt.

Blier erhielt für seinen Drehbuch einen César.

Bertrand Blier inszenierte unter anderem „Die Ausgeblufften“, „Frau zu verschenken“, „Abendanzug“, „Zu schön für Dich!“, „Mein Mann – Für deine Liebe mache ich alles“ und „Und wie sehr liebst du mich?“. Immer spielt er in seinen Komödien sehr gelungen mit den gesellschaftlich-bürgerlichen Konventionen, die er lustvoll negiert.

Anschließend, um 21.45 Uhr, läuft Maurice Pialats „Der Bulle von Paris“ (Frankreich 1985). Ebenfalls mit Depardieu, ebenfalls selten gezeigt, ebenfalls sehenswert.

mit Gérard Depardieu, Jean Carmet, Bernard Blier, Geneviève Page, Michel Serrault, Carole Bouquet

Hinweise

Arte über „Den Mörder trifft man am Buffet“

Wikipedia über „Den Mörder trifft man am Buffet“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 24. Januar: Flucht von Alcatraz

Januar 24, 2016

Arte, 20.15
Flucht von Alcatraz (USA 1979, Regie: Don Siegel)
Drehbuch: Richard Tuggle
LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963
Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Und am 11. Juni 1962 gelingt es ihm; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.
„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.
Danny Glover gab hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.
Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover
Wiederholung: Montag, 25. Januar, 13.55 Uhr
Hinweise
Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“
Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)
Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


TV-Tipp für den 23. Januar: Tatort: Acht Jahre später

Januar 23, 2016

HR, 22.45 (VPS 21.40)

Tatort: Acht Jahre später (Deutschland 1974, Regie: Wolfgang Becker)

Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei

Nach acht Jahren wird der Einbrecher Brossberg aus der Haft entlassen. Er schwor damals, sich an seiner Ex-Geliebten und an Kommissar Heinz Haferkamp (der seinen Bruder erschoss) zu rächen.

Der feine Einstand von dem beliebtesten „Tatort“-Kommissar der siebziger Jahre und auch ohne Nostalgie-Bonus immer noch besser als die meisten aktuellen „Tatorte“.

mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Christine Ostermayer, Relja Basic, Herbert Bötticher, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar)

Hinweise

Wikipedia über „Tatort: Acht Jahre später“

Tatort-Fundus über Kommisar Haferkamp

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Karl-Heinz Willschrei


Neu im Kino/Filmkritik: Über Charlie Kaufmans Puppenfilm „Anomalisa“, der nicht für Kinder ist

Januar 22, 2016

Michael Stone ist Bestsellerautor und Motivationstrainer, aber eigentlich ist er nur ein Handlungsreisender, der zu viel Zeit in anonymen Hotelzimmern verbringt. Damit steht er in der Tradition von Willy Loman (aus „Der Tod eines Handlungsreisenden“) und Ryan Bingham (aus „Up in the Air“) oder all den anonymen Anzugträgern, die sich zu jeder Rush Hour in den Zug drängen. Dass Stone dann auch noch am Fregoli-Syndrom, einer Krankheit, die dazu führt, dass für ihn alle anderen Menschen gleich aussehen, leidet, verstärkt dieses Gefühl des Immer gleichen.
Nur: wie inszeniert man im Film eine große Menge gleich aussehender Menschen? Natürlich kann man den gleichen Schauspieler alle Rollen spielen lassen; was dann zu einer logistischen Aufgabe für den Kameramann und einem Showcase für den Schauspieler wird. Oder man lässt diese Arbeit von einem Computer erledigen, was vor allem die Programmierer begeistert. Oder man verfilmt die Geschichte mit Puppen.
Charlie Kaufman, der die grandiosen Drehbücher für „Being John Malkovich“, „Adaptation“ und „Vergiss mein nicht!“ schrieb, entschied sich bei der Verfilmung seines „Theaterstücks“ (das Stück wurde 2005 zweimal im Rahmen von Carter Burwells „Theater of the New Ear“-Projekt im Theater als Hörspiel aufgeführt) für letzteres, was der eher dünnen Geschichte einen neuen Dreh verleiht. Denn letztendlich erzählt „Anomalisa“ nur die Geschichte einer Nacht in einem anonymen Hotel, in dem Fremde sich begegnen. Hier ist es der ausgebrannte, leicht übergewichtige, an einer ausgedehnten Midlife-Crisis leidende Michael Stone, der am nächsten Tag eine Rede halten soll. Er begegnet Lisa Hesselman, einer Call-Center-Mitarbeiterin, die ihn abgöttisch bewundert, und ihrer Freundin. Weil Lisa ein individuelles Gesicht und eine individuelle Stimme hat, ist sie für Stone eine Anomalie (damit dürfte der Filmtitel erklärt sein). In der Hotelbar reden sie miteinander. Im Hotelzimmer haben sie Sex. In den Hotelfluren sind sie einsam und, weil der Film aus Stones Perspektve erzählt wird, sehen alle Menschen (bis auf Lisa) letztendlich gleich aus, sie haben auch die gleiche Stimme. Im Original spricht Tom Noonan alle Charaktere bis auf Stone, der von David Thewlis gesprochen wird, und Lisa, die von Jennifer Jason Leigh gesprochen wird. Manchmal verlieren die Figuren auch Teile ihres Gesichts. Sie lassen die Maske fallen, ohne dass dahinter eine große Entdeckung liegt.
Die in Stop-Motion-Technik animierten Puppen bewegen sich in hyperrealistischen, detailgetreu nachgebauten Hotelinnenräumen, die jede Individualität vermissen lassen.
Das ist, wie Charlie Kaufmans andere Werke, kein gewöhnliches Kino. Wobei „Anomalisa“, wie gesagt, an seiner kaum vorhandenen Geschichte krankt. Da eine Puppe sich nicht bewegt, kann ihr Gesicht, was durchaus gewollt ist, auch nichts verraten. Es sieht immer gleich aus. Und exzessiver, anatomisch korrekt dargestellter, Sex von und zwischen Puppen hat in den USA vielleicht ein Schockpotential. Hier langweilt es eher. Auch wenn es, wie alles in dem Film, erstaunlich realistisch aussieht und der Film mit seinen Querverweisen und Anspielungen in sich geschlossen ist. Was natürlich auch daran liegt, dass wir in „Anomalisa“ die Welt sehen, wie Michael Stone sie sieht und er keinen Ausweg aus seiner Welt, seinem Wahn, sieht.

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Anomalisa (Anomalisa, USA 2015)
Regie: Charlie Kaufman, Duke Johnson
Drehbuch: Charlie Kaufman (nach seinem als Francis Fregoli veröffentlichtem Theaterstück)
mit (im Original den Stimmen von) David Thewlis, Jennifer Jason Leigh, Tom Noonan
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Facebookseite zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Anomalisa“
Metacritic über „Anomalisa“
Rotten Tomatoes über „Anomalisa“
Wikipedia über „Anomalis“

–

DP/30 unterhält sich mit Charlie Kaufman und Duke Johnson über „Anomalisa“


Neu im Kino/Filmkritik: Saoirse Ronan ist in „Brooklyn“

Januar 22, 2016

Irland, fünfziger Jahre. Keine Gegend, in der man unbedingt leben möchte. Immerhin ist es die tiefste Provinz, in der jeder jeden kennt und alles über einen weiß und es wenig Arbeit gibt. Also entschließt sich die junge, introvertierte Eilis Lacy (Saoirse Ronan), angestoßen von ihrer Schwester, das heimatliche Dorf Enniscorthy, ihre Mutter und ihre Schwester, zu verlassen und in den USA ihr Glück zu versuchen. Über den irischstämmigen Geistlichen Father Flood (Jim Broadbent) hat sie in Brooklyn ein Zimmer in dem Haus von Mrs. Kehoe (Julie Walters) und eine Anstellung als Verkäuferin in einem Kaufhaus bekommen. Dennoch hat sie Heimweh, bis sie den jungen, charmanten italienischen Klempner Tony Fiorello (Emory Cohen) kennen lernt.
Doch dann stirbt ihre Schwester und muss sie zurück nach Enniscorthy und plötzlich scheint in ihrer alten Heimat alles Bestens zu laufen: sie erhält eine Büroarbeit und der umschwärmte Rugby-Spieler Jim Farrell (Domhnall Gleeson) interessiert sich für sie.
Wenn man „Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten“, der unter anderem für den Oscar als bester Film des Jahres nominiert ist, so zusammenfasst, dann klingt es nach einer banalen Liebesgeschichte und man könnte nicht mehr daneben liegen. Denn John Crowley erzählt, nach einem Drehbuch von Nick Hornby, eine Auswanderergeschichte, bei der nicht, wie gewohnt, ein Mann, sondern eine Frau im Mittelpunkt steht. Allein das verleiht „Brooklyn“, wie der vor wenigen Wochen bei uns gestarteten Patricia-Highsmith-Verfilmung „Carol“ (über eine lesbische Liebe in den Fünfzigern in New York), schon eine besondere Note. Und wie „Carol“ ist „Brooklyn“ in erster Linie ein feinfühliges Charakterporträt einer Frau, die ihren Weg finden muss. Die sich zwischen zwei Welten und damit verbundenen Lebensentwürfen entscheiden muss. Soll sie wieder zurück in das dörfliche und beengte Enniscorthy oder doch wieder zurück in das großstädtische und weltoffene New York? Obwohl sie einmal betont, sie wohne nicht in New York, sondern in Brooklyn und auch hier gibt es Grenzen, Vorurteile und die Suche nach dem Traummann. Mrs. Kehoe führt ihre Pension, in der nur junge, alleinstehende Frauen wohnen, mit strenger Hand und sie hat immer eine eindeutige Meinung. Vor allem bei den gemeinsamen Abendessen. Die einzelnen Ethnien, im Film die Iren und die Italiener, bleiben untereinander. So ist Eilis erstaunt, dass sie auf einer irischen Feier einen Italiener kennen lernt. Vor dem Abendessen bei Tonys Familie wird sie auf das Essen von italienischem Essen vorbereitet und das Abendessen verläuft zunächst, dank gegenseitiger Vorurteile und Rücksichtnahmen, in äußerst gedrückter Stimmung.
John Crowley setzte Nick Hornbys präzises Oscar-nominiertes Drehbuch formidabel und wohltuend unaufgeregt um. „Brooklyn“ wirkt in seiner langsamen, sich auf die Menschen und ihr Leben einlassenden Erzählweise als sähe man einen Film aus den Fünfzigern, der auch eine kleine, fast schon ethnographische Gesellschaftsanalyse ist.
Getragen wird der Film von Saoirse Ronan, die hier eine sehr introvertierte Person spielt, die immer wenig bis nichts von sich verrät und allen, weil sie ungern im Mittelpunkt steht, höflich-reserviert begegnet. Und trotzdem interessiert man sich für sie. Das brachte ihr, neben etlichen weiteren Nominierungen und Preisen, eine Oscar-Nominierung als beste Schauspielerin ein.
„Brooklyn“ ist ein ruhiger, schöner, sehr introvertiertes Drama, das, wie „Carol“ etwas Geduld verlangt, weil auf die üblichen Mittel der Emotionalisierung, was bei einem Liebesdrama natürlich Kitsch in großen Portionen ist, verzichtet wird.

Brooklyn - Plakat

Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten (Brooklyn, Irland/Großbritannien/Kanada 2015)
Regie: John Crowley
Drehbuch: Nick Hornby
LV: Colm Tóibín: Brooklyn, 2009 (Brooklyn)
mit Saoirse Ronan, Domhnall Gleeson, Emory Cohen, Jim Broadbent, Julie Walters, Jane Brennan, Fiona Glascott, Eileen O’Higgins, Brid Brennan, Emily Beth Rickards, Eve Macklin, Nora-Jane Noone, Jessica Paré
Länge: 112 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
–
Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Englische Homepage zum Film
Moviepilot über „Brooklyn“
Metacritic über „Brooklyn“
Rotten Tomatoes über „Brooklyn“
Wikipedia über „Brooklyn“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Januar: Unstoppable – Außer Kontrolle

Januar 22, 2016

Pro7, 20.15

Unstoppable – Außer Kontrolle ( USA 2010, Regie: Tony Scott)

Drehbuch: Mark Bomback

Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.

„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.

Im Anschluss, um 22.20 Uhr, läuft „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“.

mit Chris Pine, Denzel Washington, Rosario Dawson

Wiederholung: Sonntag, 24. Januar, 23.25 Uhr

Hinweise

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Neu im Kino/Filmkritik: Sandra Bullock ist „Die Wahlkämpferin“

Januar 21, 2016

Natürlich ist ein Film, der von George Clooneys und Grant Heslovs Firma Smokehouse Pictures produziert wird, für den „Dame, König, As, Spion“-Autor Peter Straughan das Drehbuch schrieb und bei dem Sandra Bullock und Billy Bob Thornton mitspielen, nicht grottenschlecht. Allerdings bleibt „Die Wahlkämpferin“ weit unter seinen Möglichkeiten und er schöpft noch nicht einmal ansatzweise sein Potential aus. Jedenfalls wenn man etwas mehr als eine letztendlich sehr leichtgewichtige Polit-Satire erwartet.
Sandra Bullock spielt eine zurückgezogen lebende Wahlkampfmanagerin, die sich von einer früheren Kollegin überzeugen lässt, wieder in ihren alten Job zurückzukehren. Als Bonus erhält die natürlich legendäre Jane Bodine die Gelegenheit, sich an Pat Candy (Billy Bob Thornton), mit dem sie eine gemeinsame Vergangenheit hat, zu rächen. Denn Candy, der ein skrupelloses Arschloch sein soll (dabei tut er nur, relativ entspannt und professionell, seinen Job), berät einen anderen Präsidentschaftskandidaten, der in allen Umfragen unangefochten und mit weitem Abstand an erster Stelle steht, während Bodines potentieller Kunde abgeschlagen hinter mehreren anderen Kandidaten liegt. Und Bodine, die zuletzt kaum ihre Berghütte verließ, muss die USA in Richtung Süden verlassen. Denn der Wahlkampf geht um die bolivianische Präsidentschaft.
Das könnte, auch weil „Die Wahlkämpferin“ sich von dem Dokumentarfilm „Our Brand is Crises“ über die Arbeit US-amerikanischer Wahlkampfstrategen 2002 in Bolivien inspirieren ließ, eine klugen Analyse über Wahlkampfstrategien, US-amerikanischen Wirtschaftsimperialismus und die Gegebenheiten in Bolivien werden. Bolivien ist in dem Spielfilm als pittoreske Operettenrepublik nur der austauschbare Hintergrund für den Zickenkrieg zwischen Bodine und Candy. Über die politischen Vorstellungen der Kandidaten und damit auch über die Probleme des Landes erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist dann auch der Wahlkampf für die Dramaturgie des Films. Und über Wahlkampfstrategien, also wie Wahlkämpfe in ihrer US-amerikanischen Form (die mit deutschen Wahlkämpfen nicht vergleichbar ist) gemacht werden, erfahren wir absolut nichts. Bodines geniales Talent als Wahlkampfmanagerin beschränkt sich, jedenfalls so weit es uns im Film gezeigt wird, auf banale Erbauungsreden, kindische Intrigen und der lautstark vorgetragenen Forderung, endlich mit einer Schmutzkampagne gegen den potentiellen Sieger zu starten. Denn irgendetwas wird immer hängen bleiben. Vor allem wenn man die Nazi-Keule schwingt.
Dass Bodine, ein psychisch derangiertes Ekel mit dem Mitgefühl einer Topfpflanze (von Sandra Bullock immerhin mit großem Mut zu unvorteilhaftem Aussehen gespielt), am Ende, nachdem die Stimmen ausgezählt sind, einen Moralischen bekommt, kann nur mit dem Befolgen von Drehbuchregeln und der Angst der Macher erklärt werden, dass die Zuschauer die Anklage gegen das Geschäft der Spin-Doktoren und Wahlkampfmanager nicht verstehen werden. Denn aus der vorherigen Geschichte des mutlosen Films, der mehr Klamauk und Sentiment als Satire oder Analyse ist, folgt es nicht.

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Die Wahlkämpferin (Our Brand is Crisis, USA 2015)
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Peter Straughan
mit Sandra Bullock, Billy Bob Thornton, Anthony Mackie, Joaquin de Almeida, Ann Dowd, Scoot McNairy, Zoe Kazan, Reynaldo Pacheco
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Neu im Kino/Filmkritik: Extrem sportlich zum „Point Break“

Januar 21, 2016

Gut, Ericson Core, Kameramann von „The Fast and the Furious“ (ihr wisst schon: der Actionthriller, in dem ein junger Undercover-Polizist sich mit einem autoverrücktem Verbrecher befreundet), hat wirklich einige Namen und ein, zwei Details von Kathryn Bigelows Actionthriller „Gefährliche Brandung“(Point Break, USA 1991), der die Blaupause für etliche weitere Thriller war, übernommen, aber zu einem Remake macht ihn das nicht. Eher zu einer sehr freien Interpretation bekannter Elemente, die behauptet, etwas mit dem Original zu tun zu haben. So wie Paul Schraders „Katzenmenschen“ nicht mehr viel mit Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ oder F. Gary Grays „The Italien Jobs“ kaum Gemeinsamkeiten mit Peter Collinsons „Charlie staubt Millionen ab“ (so der deutsche Titel des ersten „Italien Jobs“) zu tun hat. Beides sind auch gute Filme, was man über „Point Break“ nicht unbedingt sagen kann.
In Cores „Point Break“ (nach einem Drehbuch von Kurt Wimmer [„Equilibrium“, „Ultraviolet“ und „Total Recall“]) begibt sich der junge FBI-Agent Johnny Utah (Luke Bracey), der gerade seine Agenten-Ausbildung beendet, auf einen gefährlichen Undercover-Einsatz. Denn er glaubt, dass die Verantwortlichen für mehrere spektakuläre Überfälle an verschiedenen abgelegenen Orten auf unserem Globus eine Gruppe Extremsportler sind. Angeführt werden sie von Bodhi (Edgar Ramirez). Da ist es gut, dass der FBIler selbst eine Vergangenheit als Extremsportler hat und das gut gefüllte Spesenkonto des FBI ihm einen Trip quer durch Europa und Südamerika gestattet.
Das ist auch nötig, weil der Bösewicht ihn zuerst einmal prüft. Weniger, ob er zum Verbrecher taugt, sondern ob er sportlich ist. Denn, das hat der junge FBI-Agent Johnny Utah durch Aktenstudium herausgefunden: der Bösewicht Bodhi verfolgt bei seinen Verbrechen einen viel größeren Plan. Ihm geht es nicht um Geld. Mit seinen Verbündeten will er die acht Prüfungen von Ono Ozaki absolvieren. Der legendäre Extremsportler und Öko-Krieger überlegte sich diese Prüfungen als Weg zur spirituellen Erleuchtung und Aussöhnung mit Mutter Erde. Ozaki starb bei der dritten Prüfung. Und nachdem wir diese Information verdaut haben, wird der Ozaki-Weg zu einem beliebig austauschbarem MacGuffin für eine muntere Weltreise. Auch wenn der Film hauptsächlich in Europa spielt.
Diese mit etwas esoterischem Geschwurbel verkleisterten Mutproben, – Big-Wave-Surfing vor der französischen Küste (die im Film zu bestaunenden Wellen wurden vor Tahiti gefunden), Freeclimbing in Venezuela, Wingsuit-Fliegen und Snowboarden in den Alpen, undsoweiter -, stehen im Mittelpunkt des Films, der auch noch etwas konventionellere Action bietet, während die Krimihandlung noch nicht einmal halbherzig mitgeschleift wird und mit der Logik so freizügig umgegangen wird, wie wir es aus der Luc-Besson-Fabrik kennen, wenn sie gerade einen schlechten Tag hat.
So wird aus dem Versprechen eines Actionthrillers schnell ein banales Werbevideo für Extremsport, das als überlanger Werbeclip bei den Landschaftsaufnahmen und Actionszenen natürlich einige Schauwerte hat. Nur eine Handlung und damit ein nachvollziehbarer Grund, in diesen Spielfilm zu gehen, existiert nicht.

Point Break - Plakat

Point Break (Point Break, USA/Deutschland 2015)
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer (nach einer Idee von Rick King und W. Peter Iliff)
mit Luke Bracey, Edgar Ramirez, Teresa Palmer, Clemens Schick, Ray Winstone, Delroy Lindo, Matias Varela, Tobias Santelmann, Max Thieriot, Nikolai Kinski
Länge: 114 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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TV-Tipp für den 20. Januar: Finstere Gassen (aka „Brighton Rock“)

Januar 20, 2016

Servus TV, 22.20
Finstere Gassen (Brighton Rock, Großbritannien 1947)
Regie: John Boulting
Drehbuch: Terence Rattingan, Graham Greene
LV: Graham Greene: Brighton Rock, 1938 (Am Abgrund des Lebens)
Pinkie Brown, ein 17-jähriger skrupelloser Gangsterboss (Nein, keine Jugendkriminalität. Das gab es damals noch nicht.), bringt einen Journalisten um. Um seine Spuren zu verwischen, bändelt er mit einer jungen Kellnerin, die zu viel gesehen hat, an.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter, bei uns fast unbekannter Gangsterfilmklassiker (mehr in meiner Besprechung des Romans und der beiden Verfilmungen)
mit Richard Attenborough, Carol Marsh, Hermione Baddeley, William Hartnell, Harcourt Williams
auch bekannt als „Brighton Rock“
Wiederholung: Donnerstag, 21. Januar, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Fanseite über Graham Greene

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Rotten Tomatoes über „Brighton Rock“ (Frischegrad: 100 %)

Noir of the Week über „Brighton Rock“ (GB 1947)

Meine Besprechung von Graham Greenes Roman „Brighton Rock“ und den beiden Verfilmungen

–

Die Vorlage

Greene - Am Abgrund des Lebens

Graham Greene: Am Abgrund des Lebens

(übersetzt von Barbara Rojahn-Deyk)

dtv, 2011

352 Seiten

9,90 Euro

–

Deutsche Ausgabe (dieser Übersetzung)

Paul Zsolnay Verlag, Wien 1994

–

Originalausgabe

Brighton Rock

William Heinemann Ltd., London, 1938


Neu im Kino/Filmkritik: Liebe und Krieg in der „Suite Française“

Januar 19, 2016

Vielleicht ist der Roman, ein unvollendetes Werk der 1942 in Auschwitz verstorbenen Irène Némirovsky, das erst Jahrzehnte Jahre nach ihrem Tod entdeckt und 2005 veröffentlicht wurde, wirklich besser und packender. Aber die gediegene Verfilmung „Suite Française – Melodie der Liebe“ hat das, was für einen Film wichtig ist, nicht: ein dramaturgisches Zentrum und eine packende Geschichte. Also eine Protagonistin und klar definierte Nebenfiguren. Dabei ist die Idee einer unerfüllten Liebe natürlich nicht schlecht und die Ausgangslage in „Suite Française“ auch voller dramatischem Potential. 1940, während der deutschen Besatzung in Frankreich, versucht Madame Angellier (Kristin Scott Thomas) den Anschein der Normalität aufrecht zu erhalten. Hartnäckig treibt die Gutsherrin das Geld bei ihren Pächtern ein, während sie zu möglichst allen Menschen, vor allem wenn sie von niederem Stand sind, eine ordentliche Distanz zu hält.
Lucile Angellier (Michelle Williams), die mit ihrem Sohn verheiratet ist, wohnt seit einigen Tagen bei ihr. Ihr Mann wird als Soldat von den Deutschen gefangen genommen. Ob er überlebt ist ungewiss. Und Lucile fragt sich auch, ob sie überhaupt will, dass ihr eher ungeliebter Mann den Krieg überlebt. Zur Ablenkung und auch als Vorbereitung auf ihr späteres Leben als Herrin über den Hof nimmt ihre Schwiegermutter sie mit zu den Pächtern. Zum Trost spielt sie Klavier.
Weil alle ihren Teil zum Krieg beitragen müssen, muss auch Madame Angellier einen Teil des Hauses für die deutschen Besatzer räumen. Bei ihr zieht der sehr höfliche und gebildete Offizier Bruno von Falk (Matthias Schoenaerts) ein. Vor dem Krieg war der zwar ungebetene, aber äußerst höfliche Hausgast Musiker und Komponist; was natürlich Lucile gefällt.
In einem Nicholas-Sparks-Film würde die Liebe von Lucile und Bruno zu einer dieser großen und kitschigen Liebesgeschichten werden. In „Suite Française“ ist es eher eine äußerst scheue Liebesgeschichte zwischen den beiden Musikern im Stand-By-Modus, während ein Subplot nach dem nächsten unsere Aufmerksamkeit fesseln soll, aber nur von der Hauptgeschichte ablenkt. Und das ist auch das Problem von „Suite Française“. Letztendlich zeigt es die Besatzungszeit mit vielen bekannten Schauspielern, aber ohne eine wirkliche Geschichte. Es gibt eher zufällige Episoden aus dem Leben der Dorfbevölkerung, die oft interessanter als die Liebesgeschichte sind. Denn nicht alle Deutschen sind so höflich wie Offizier von Falk und nicht alle Franzosen so friedfertig wie die Damen Angellier. Aber alles geschieht eher zufällig und ohne wirkliche dramatische Zuspitzungen.

Suite Francaise - Plakat

Suite Française – Melodie der Liebe (Suite Française, Großbritannien/Frankreich 2014)
Regie: Saul Dibb
Drehbuch: Saul Dibb, Matt Charman
LV: Irène Némirovsky: Suite Française, 2004 (Suite Française)
mit Michelle Williams, Matthias Schoenaerts, Kristin Scott Thomas, Margot Robbie, Ruth Wilson, Clare Holman, Sam Riley, Tom Schilling, Heino Ferch, Lambert Wilson, Alexandra Maria Lara
Länge: 108 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Neu im Kino/Filmkritik: Der grandiose Wirtschaftsthriller „The Big Short“

Januar 19, 2016

Bei den Golden Globes verlor „The Big Short“ in der Kategorie „Beste Komödie oder Musical“ gegen „Der Marsianer“. Aber jetzt ist er für den Oscar als bester Spielfilm nominiert. Und Adam McKay, dessen vorherigen Regiearbeiten leichtgewichtige Komödien, wie „Die etwas anderen Cops“ und die beiden „Anchorman“-Filme waren, die nicht gerade durch erzählerische Stringenz und eine treffsichere Analyse überzeugten. Doch genau das gelingt „The Big Short“, McKays grandioser Aufarbeitung der 2007 in den USA geplatzten Immobilienblase, die die Weltwirtschaft nachhaltig schädigte und die zahllose Kleinanleger ruinierte. Für sie sind die Folgen des unglaublichen Leichtsinns der Spekulanten noch heute spürbar.
Dabei gab es warnende Stimmen, denen jetzt – ausgehend von Michael Lewis‘ Sachbuch „The Big Short“ – in dem Film ein durchaus unpathetisches Denkmal gesetzt wird. Denn zum Helden, vor allem zum strahlenden Hollywood-Helden, taugt keiner von ihnen. Der eine ist Dr. Michael Burry (Christian Bale), ein ehemalige Neurologe, der zum Hedgefond-Manager mit Narrenfreiheit (solange die Zahlen stimmen) wurde, ein Glasauge und seltsame Angewohnheiten hat. Mit anderen Menschen kann er nicht so gut umgehen, aber er vertieft sich in die Zahlen und entdeckt, dass die Fundamente des Immobilienmarktes mehr als brüchig sind. Für ihn ist offensichtlich, dass der Markt demnächst zusammenbrechen wird.
Der andere ist der egozentrische Hedgefonds-Manager Mark Baum (Steve Carell), der fleischgewordene Alptraum jedes Cholerikers, der zwar einen moralischen Kompass, aber keine Manieren hat. Der „Deutsche Bank“-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling) weist ihn, durchaus eigennützig, auf die faulen Kredite hin, die durch einige Buchungstricks zu guten Krediten umgewidmet werden. Gemeinsam wollen sie von dem erwartbaren Zusammenbruch des Marktes profitieren.
Doch bevor sie gemeinsame Sache machen, zieht Baum, der Vennett nicht glaubt, in Florida Erkundigungen über einige dieser Hauskredite ein und er ist schockiert.
Und dann gibt es noch die beiden jungen Geldmanager Jamie Shipley (Finn Wittrock) und Charlie Geller (John Magaro), die ebenfalls durch Zufall auf die Zahlen stoßen und sie mit dem Ex-Banker Ben Rickert (Brad Pitt), der mit seiner Vergangenheit nichts mehr zu tun haben will, vergolden wollen.
Sie erkannten als Wall-Street-Außenseiter, was die Experten nicht erkannten oder nicht erkennen wollten in der Hoffnung, dass es immer so weitergeht.
McKay inszenierte seinen Spielfilm „The Big Short“ wie einen Dokumentarfilm, der zufällig dabei war, als die handelnden Personen ihre Entdeckungen machten. Sie und einige prominente Gäste, wie Margot Robbie, Anthony Bourdain, Selena Gomez und Dr. Richard Thaler (ein Verhaltensökonom), erklären die komplizierten ökonomischen Vorgänge in einer so atemberaubenden Geschwindigkeit, dass man beim ersten Ansehen gar nicht alle Feinheiten mitbekommen kann. Humor und satirische Zuspitzungen helfen, auch wenn einem mehr als einmal das Lachen im Hals stecken bleibt. Vor allem natürlich über die Arroganz der Banker, die ihren schlechten und spekulativen Produkte als sichere Geldanlagen verkaufen. Die Geschichte entwickelt sich flott zwischen den verschiedenen Handlungssträngen wechselnd (weshalb die Stars auch nie bis fast nie zusammen auftreten) auf die bekannte Katastrophe, das Platzen der Immobilienblase im Sommer 2007, zu.
„The Big Short“ ist ein scharfsinniger, aufklärerischer, in jeder Sekunde konzentrierter und an die Intelligenz seines Publikums glaubender Film, den so niemand von Adam McKay erwartet hätte. Oder wie Steve Carell sagt: „Wenn mich jemand auf einer Cocktailparty fragen würde, worum es in dem Film geht, würde ich antworten: ,Erinnern Sie sich, als die Subprime-Hypotheken über die Wupper gingen und all die Firmen ihre Türen schließen mussten und niemand dafür ins Gefängnis wandern musste? Erinnern Sie sich daran? Erinnern Sie sich, wie alles einfach explodierte? Und dann die Regierung kam und alle rausboxte und alles wieder okay erschien? Darum geht es in diesem Film. Es ist ein Horrorfilm, der viel schrecklicher ist, als ich es gerade beschrieben habe.‘“

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The Big Short (The Big Short, USA 2015)
Regie: Adam McKay
Drehbuch: Adam McKay, Charles Randolph
LV: Michael Lewis: The Big Short: Inside the Doomsday Machine, 2010 (The Big Short: Wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte)
mit Christian Bale, Ryan Gosling, Steve Carell, John Magaro, Finn Wittrock, Marisa Tomei, Melissa Leo, Hamish Linklater, Rafe Spall, Jeremy Strong, Anthony Bourdain, Margot Robbie, Selena Gomez
Länge: 131 Minuten
FSK: ab 6 Jahre
–
Hinweise
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Metacritic über „The Big Short“
Rotten Tomatoes über „The Big Short“
Wikipedia über „The Big Short“ (deutsch, englisch)
History vs. Hollywood über „The Big Short“
Meine Besprechung von Adam McKays „Anchorman – Die Legende kehrt zurück“ (Anchorman 2: The Legend continues, USA 2013)


TV-Tipp für den 19. Januar: Little Big Soldier

Januar 19, 2016

Tele 5, 20.15
Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)
Regie: Sheng Ding
Drehbuch: Jackie Chan
Ein Soldat (Jackie Chan), der mit seiner äußerst unheroischen Kampftechnik „Toter Mann“ eine Schlacht überlebt, kann danach einen gegnerischen General gefangennehmen. Er will ihn zu seinem König bringen und die Belohnung in Empfang nehmen.
In „Little Big Soldier“ gibt es, wie man es von Jackie Chan kennt, Action und Komik. Aber auch beträchtliche Schauwerte und eine zeitlose Antikriegsbotschaft.
mit Jackie Chan, Leehom Wang, Rongguang Yu, Ken Lo, Sung-jun Yoo, Peng Lin

Wiederholung: Mittwoch, 20. Januar, 00.50 Uhr (dann wahrscheinlich in der ungekürzten FKS-16-Version)

Hinweise

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Rotten Tomatoes über „Little Big Soldier“

Wikipedia über „Little Big Soldier“ (deutsch, englisch)

Berlinale: Pressekonferenz zu “Little Big Soldier” (16. Februar 2010)

Homepage von Jackie Chan

Meine Besprechung von Sheng Dings „Little Big Soldier (Da bing xiao jiang, China/Hongkong 2010)


TV-Tipp für den 18. Januar: Die Frage: Wie schlimm ist Knast?

Januar 18, 2016

BR, 22.30
Die Frage: Wie schlimm ist Knast? (Deutschland 2015)
Regie: Michael Bartlewski, Florian Meyer-Hawranek
Drehbuch: Michael Bartlewski, Florian Meyer-Hawranek
Halbstündige Reportage, die versucht, herauszufinden, wie schlimm der Strafvollzug ist und warum so viele Menschen nach verbüßter Haftstrafe rückfällig werden. Michael Bartlewski recherchiert unter anderem in der Jugendstrafanstalt Arnstadt in Thüringen.
Hinweis
BR über die Doku
BR: Michael Bartlewski über die Doku
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