„Hit-Girl in Hollywood“ hat mörderisch viel Spaß

November 6, 2019

Als Hit-Girl ein Schulmassaker abkürzt indem sie die beiden Täter enthauptet, entdeckt sie in der Schulbibliothek ein True-Crime-Buch über sich. Auf dem Cover steht, dass die Geschichte bald verfilmt werde. Also macht sie sich neugierig auf den Weg nach Hollywood. Auf dem Flug tötet sie einen Mann, der sie begrapscht. Am Ende des ersten Hefts der vierteiligen Geschichte „Hit-Girl in Hollywood“ von Autor Kevin Smith und Zeichnerin Pernille Ørum wird der erste Satz gesagt: „Ich sehe tote Menschen.“

Das sagt ‚Hit-Girl‘ Mindy McCready auf dem bekannten Hollywood-Schild sitzend – und jeder, der Mindy McCready aus den vorherigen „Hit-Girl“-Abenteuern oder den auch verfilmten „Kick-Ass“-Geschichten kennt, weiß, dass Mindy McCready von ihrem Vater zu einer…ach, seht euch einfach diesen eigentlich alles erklärenden Clip an:

 

Damit ist klar, dass Mindy tote Menschen nicht im „Sixth Sense“-Sinn versteht und in Hollywood demnächst einige Gräber geschaufelt werden.

Aber zuerst besucht Mindy das Set von „Bisher bei Hit-Girl“, trifft Juniper Florence, die sie spielt, und sieht, dass der Film ihr Leben verfälscht. Kurz darauf ist Lew Brothsteen, der den Film produziert und ein Harvey-Weinstein-würdiges Verhalten gegenüber jungen Frauen hat, entmannt. Und Mindy wird als Täterin gejagt.

Kevin Smith hat seine Geschichte mit Anspielungen auf Hollywood, überraschenden Wendungen und Witzen gespickt. So heißen die Mindy verfolgenden Polizisten Magnum und P. I., die sie verfolgenden FBI-Agenten Green und Orange und Florences Publicity Manager Gary Busey.

In diesem fröhlichen Treiben fehlen nur die Genoveses; die Mafiafamilie, die Hit-Girl in New York tötete. Die überlebenden Familienmitglieder machen sich, begleitet von einigen eiskalten Killern, rachedurstig auf den Weg nach Hollywood.

Auch das vierte nicht von Hit-Girl-Erfinder Mark Millar geschriebene „Hit-Girl“-Abenteuer ist ein großer Spaß, der nahtlos an Millars Werke anknüpft.

Kevin Smith ist ein bekennender Comic-Fan und Regisseur. Ich sage nur „Clerks“, „Mallrats“, „Jersey Girl“, „Chasing Amy“, und „Red State“.

Pernille Ørum ist eine dänische Illustratorin, Konzept- und Animationskünstlerin. „Hit-Girl in Hollywood“ ist ihr Comic-Debüt.

Kevin Smith/Pernille Ørum: Hit-Girl in Hollywood

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2019

108 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Hit-Girl (2018) Season Two #1 – 4

Image Comics, Februar 2019 – Mai 2019

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Jeff Lemire/Eduardo Rissos „Hit-Girl in Kanada“ (Hit-Girl (2018) # 5 – 8, 2018)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, 2018/2019)

Homepage von Kevin Smith

Meine Besprechung von Kevin Smiths „Tough Sh*t – Ein Fettsack mischt Hollywood auf“ (Tough Sh*t – Life Advice from a fat, lazy Slob who did good, 2012)


TV-Tipp für den 6. November: Mit der Faust in der Tasche

November 5, 2019

Arte, 23.10

Mit der Faust in der Tasche (I Pugni In Tasca, Italien 1965)

Regie: Marco Bellocchio

Drehbuch: Marco Bellocchio

Zur surrealistischen Groteske zugespitztes Porträt einer in einem Haus in Norditalien lebenden dysfunktionalen, zwanghaft hohle Konventionen huldigenden bürgerlichen Familie. Eines Tages denkt der an Epilepsie leidende Alessandro sich einen perfiden Plan aus, um sich von seiner Familie zu befreien.

Marco Bellocchios Regiedebüt erzählt von der nahezu hoffnungslosen Situation der italienischen Nachkriegsgeneration, die sich mit anarchischer Zerstörungswut ihre Unabhängigkeit von psychischen und sozialen Zwängen verschaffen will. Ein wütendes Pamphlet von beeindruckender Radikalität und Konsequenz.“ (Lexikon des internationalen Films)

Arte zeigt das Psychodrama in der 2015 restaurierten Fassung.

Marco Bellocchio drehte später unter anderem „Teufel im Leib“.

mit Lou Castel, Paola Pitagora, Marino Masé, Liliana Gerace

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Mit der Faust in der Tasche“

Wikipedia über „Mit der Faust in der Tasche“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

November 5, 2019


TV-Tipp für den 5. November: Freistatt

November 5, 2019

WDR, 23.40

Freistatt (Deutschland 2014)

Regie: Marc Brummund

Drehbuch: Marc Brummund, Nicole Armbruster

Sommer 1968: der Stiefvater schiebt den 14-jährigen Wolfgang nach Freistatt ab, eine hochangesehene evangelische Erziehungsanstalt für Schwererziehbare. Dort erlebt er ein drakonisches Regiment.

Trotz seiner Mängel ein sehenswerter, auf Tatsachen basierender Film.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Louis Hofmann, Alexander Held, Max Riemelt, Katharina Lorenz, Stephan Grossmann, Uwe Bohm

Hinweise

Film-Zeit über „Freistatt“

Moviepilot über „Freistatt“

Wikipedia über „Freistatt und Freistatt

Meine Besprechung von Marc Brummunds „Freistatt“ (Deutschland 2014)

Doku über die wahren Hintergründe


Der Krimimarathon Berlin-Brandenburg läuft los

November 4, 2019

Die einen verbarrikadieren sich in ihren vier Wänden mit einigen guten Büchern, andere besuchen die Veranstaltungen zur deutschen Einheit und andere laufen beim diesjährigen Krimimarathon Berlin-Brandenburg mit. Zum Glück beschränkt sich das Laufen auf die Strecke zwischen U-Bahn und Veranstaltungsort. Meistens ist es eine Buchhandlung, manchmal ein Restaurant (dann mit Pflicht-Abendessen) und manchmal auch ein ganz anderer Ort, wie im Felleshus der Nordischen Botschaften (Rauchstraße 1).

Dort beginnt am Montag, den 4. November, um 19.00 Uhr der diesjährige Krimimarathon, der Norwegen als Länderschwerpunkt hat. Es lesen Øistein Borge, Unni Lindell und Trude Teige.

Politthrillerisch geht es am Dienstag, den 5. November, um 19.00 Uhr im Berliner Kriminal Theater, Umspannwerk Ost (Palisadenstraße 48) mit Bernhard Kreutner und Christian von Ditfurth weiter. Der lässt Organe klauen, der andere Politiker entführen.

Am Mittwoch, den 6. November, um 19.30 Uhr in Walthers Buchladen (Bismarckstraße 71) stellt Else Laudan, die deutsche Verlegerin von Liza Cody, den neuen Roman von Liza Cody vor und weil Else Laudan seit Jahrzehnten im Argument Verlag tolle, von Frauen geschriebene Krimis herausgibt, kann sie viel erzählen.

Am Freitag, den 8. November, um 18.30 Uhr besucht Mick Herron das Savoy Hotel (Fasanenstraße 9-10) und liest aus seinem zweiten Jackson-Lamb-Krimi „Dead Lions“ vor. An dem Abend, der 39 Euro kostet, gibt es ein 3-Gänge-Menü und einen Aperitif.

Etwas teurer ist mit 49 Euro am gleichen Abend, ebenfalls um 18.30 Uhr im Hotel Am Jägertor (Hegelallee 11, Potsdam) die Lesung von Kerstin Ehmer. Auch hier gibt es zur Lesung ein 3-Gänge-Menü.

Håkan Nesser und Dietmar Bär sind am Sonntag, den 10. November um 20.00 Uhr im Kino International (Karl-Marx-Allee 33). Es ist die Buchpremiere von Nessers „Der Verein der Linkshänder“. In dem Roman ermitteln die Nesser-Fans wohlvertrauten Ermittler Van Veeteren und Barbarotti gemeinsam.

Etwas True Crime liefern am Mittwoch, den 13. November, um 18.30 Uhr in der Polizeihistorischen Sammlung (Platz der Luftbrücke 6) Jens Dobler und Michael Meisheit.

Am Donnerstag, den 14. November, stellt Michael Opoczynski im Bürgerschloss Hohenschönhausen (Hauptstraße 44) seinen neuen Roman „Geisterfahrer“ vor. Dieses Mal kümmert die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen sich in Berlin um Schutzgelderpresser.

Am Freitag, den 15. November, lesen Matthias Wittekindt und Rainer Wittkamp um 20.00 Uhr in der Espressobar Mörder (Torstraße 199) Kurzgeschichten vor. Unklar ist, ob sie die Geschichten gemeinsam schrieben und ob sie schon veröffentlicht sind.

Den Abschluss bildet am Sonntag, den 17. November, um 19.00 Uhr im „Max & Moritz“ (Oranienstraße 162) der Abend der Mörderischen Schwestern. Das sind keine Krankenschwestern aus der Hölle oder Harley Quinns (hm, vielleicht doch), sondern Krimiautorinnen, die aus ihren Werken lesen.

Insgesamt ist das ein durchaus beeindruckendes und umfangreiches Programm mit alten Bekannten und noch nicht Bekannten. Wie in den letzten Jahren wird vor allem die traditionelle Form der Lesung gepflegt. Ich hätte mir da noch einige andere Veranstaltungen gewünscht, wie kritische Bestandsaufnahmen des Genres, Diskussionen über bestimmte Aspekte des Genres, Gesprächsrunden zwischen Autoren und Experten und vielleicht auch ein, zwei Filmpräsentationen, in denen sich eine Autorin zu einer Verfilmung äußert oder ihren Lieblingskriminalfilm vorstellt.

Das vollständige Programm des inzwischen schon zehnten Krimimarathons findet Ihr hier.

Dort gibt es auch genauere Informationen zu den Eintrittspreisen (von kostenlos bis 49 Euro) und ob eine Anmeldung erforderlich ist.


Die Anthony-Gewinner 2019

November 4, 2019

Ebenfalls auf der Bouchercon wurde der Hauptpreis des Festivals, der Anthony Award, verliehen – und ich muss jetzt unbedingt Lou Berneys „Destination Dallas“ (das ist der deutsche Titel von „November Road“, das auch den Macavity Award for Best Novel und den Barry Award for Best Novel erhielt. Die deutsche Ausgabe erschien vor einigen Monaten bei HarperCollins.):

Best Novel:

November Road, von Lou Berney (Morrow)

nominiert

Give Me Your Hand. von Megan Abbott (Little, Brown)

Jar of Hearts, von Jennifer Hillier (Minotaur)

Sunburn, von Laura Lippman (Morrow)

Blackout, von Alex Segura (Polis)

Best First Novel:

My Sister, the Serial Killer, von Oyinkan Braithwaite (Doubleday)

nominiert

Broken Places, von Tracy Clark (Kensington)

Dodging and Burning, von John Copenhaver (Pegasus)

What Doesn’t Kill You, von Aimee Hix (Midnight Ink)

Bearskin, von James A. McLaughlin (Ecco)

Best Paperback Original Novel:

Under a Dark Sky, von Lori Rader-Day (Morrow)

nominiert

Hollywood Ending, von Kellye Garrett (Midnight Ink)

If I Die Tonight, von Alison Gaylin (Morrow)

Hiroshima Boy, von Naomi Hirahara (Prospect Park)

A Stone’s Throw, von James W. Ziskin (Seventh Street)

Best Short Story:

The Grass Beneath My Feet,” von S.A. Cosby (Tough, August 20, 2018)

nominiert

Bug Appétit,” von Barb Goffman (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], November/December 2018)

Cold Beer No Flies,” von Greg Herren (aus Florida Happens: Tales of Mystery, Mayhem, and Suspense from the Sunshine State, herausgegeben von Greg Herren; Three Rooms Press)

English 398: Fiction Workshop,” von Art Taylor (EQMM, July/August 2018)

The Best Laid Plans,” von Holly West (from Florida Happens)

Best Critical or Non-fiction Work:

I’ll Be Gone in the Dark: One Woman’s Obsessive Search for the Golden State Killer, von Michelle McNamara (HarperCollins)

nominiert

Dead Girls: Essays on Surviving an American Obsession, von Alice Bolin (Morrow)

Mastering Plot Twists: How to Use Suspense, Targeted Storytelling Strategies, and Structure to Captivate Your Readers, von Jane K. Cleland (Writer’s Digest)

Pulp According to David Goodis, von Jay A. Gertzman (Down & Out)

Classic American Crime Fiction of the 1920s, mit Anmerkungen von Leslie S. Klinger (Pegasus)

The Real Lolita: The Kidnapping of Sally Horner and the Novel that Scandalized the World, von Sarah Weinman (Ecco)

Lifetime Achievement Award Recipient:

Peter Lovesey

(via The Rap Sheet)


Die Shamus-Gewinner 2019

November 4, 2019

Die Private Eye Writers of America haben die diesjährigen Shamus-Preise an folgende Privatdetektivgeschichten verliehen:

Best Private Eye Novel:

What You Want to See, von Kristen Lepionka (Minotaur)

nominiert

Wrong Light, von Matt Coyle (Oceanview)

The Widows of Malabar Hill, von Sujata Massey (Soho Crime)

Baby’s First Felony, von John Straley (Soho Crime)

Cut You Down, von Sam Wiebe (Quercus)

Best Original Private Eye Paperback

The Questionable Behavior of Dahlia Moss, von Max Wirestone (Redhook)

nominiert

She Talks to Angels, von James D.F. Hannah (Independently published)

No Quarter, von John Jantunen (ECW Press)

Shark Bait, von Paul Kemprecos (Independently published)

Second Story Man, von Charles Salzberg (Down & Out)

Best Private Eye Short Story:

Chin Yong-Yun Helps a Fool,” von S.J. Rozan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], September-October 2018)

nominiert

Fear of the Secular,” von Mitch Alderman (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, November-December 2018)

Three-Star Sushi,” von Barry Lancet (Down & Out: The Magazine, Vol. 1, Issue 3)

The Big Creep,” von Elizabeth McKenzie (aus Santa Cruz Noir, herausgegeben von Susie Bright; Akashic)

Game,” von Twist Phelan (EQMM, September-October 2018)

Noch unklar war der Gewinner des besten Debüts. Nominiert waren in der Kategorie „Best First PI Novel“:

The Best Bad Things von Katrina Carrasco (MCD Farrar, Straus, Giroux)

Broken Places von Tracy Clark (Kensington)

Last Looks von Howard Michael Gould (Dutton)

What Doesn’t Kill You von Aimee Hix (Midnight Ink)

Only to Sleep von Lawrence Osborne (Hogarth)

(via The Rap Sheet)


Die Barry-Gewinner 2019

November 4, 2019

Die von den Lesern des Deadly Pleasures Mystery Magazine verliehenen Barrys gingen an:

Best Novel:

November Road, von Lou Berney (Morrow)

nominiert

Dark Sacred Night, von Michael Connelly (Little, Brown)

The Shadows We Hide, von Allen Eskens (Mulholland)

Depth of Winter, von Craig Johnson (Viking)

Leave No Trace, von Mindy Mejia (Atria)

A Necessary Evil, von Abir Mukherjee (Pegasus)

Best First Novel:

The Chalk Man, von C.J. Tudor (Crown) (Der Kreidemann, Goldmann)

nominiert

My Sister, the Serial Killer, von Oyinkan Braithwaite (Doubleday)

Need to Know, von Karen Cleveland (Ballantine)

Dodging and Burning, von John Copenhaver (Pegasus)

Sweet Little Lies, von Caz Frear (Harper)

Bearskin, von James A. McLaughlin (Ecco)

Best Paperback Original:

The Ruin, von Dervla McTiernan (Penguin)

nominiert

A Sharp Solitude, von Christine Carbo (Atria)

Dead Pretty, von David Mark (Blue Rider Press)

The Hollow of Fear, von Sherry Thomas (Berkley)

Resurrection Bay, von Emma Viskic (Pushkin Vertigo)

Best Thriller:

Safe Houses, von Dan Fesperman (Knopf)

nominiert

The Terminal List, von Jack Carr (Atria)

London Rules, von Mick Herron (Soho)

Forever and a Day, von Anthony Horowitz (Harper)

Light It Up, von Nick Petrie (Putnam)

The King Tides, von James Swain (Thomas & Mercer)

Dan Sandstrom Award for Lifetime Achievement in Mystery Fandom:

Jeff Popple

(via The Rap Sheet)


Die Macavity-Gewinner 2019

November 4, 2019

Auf dem Krimifestival Bouchercon werden jedes Jahr etliche wichtige Krimipreise. Zum Beispiel die Macavity-Preise, vergeben von Mystery Readers International:

Best Novel:

November Road, von Lou Berney (Morrow)

nominiert

If I Die Tonight, von Alison Gaylin (Morrow)

The Lost Man, von Jane Harper (Flatiron)

Jar of Hearts, von Jennifer Hillier (Minotaur)

Hiroshima Boy, von Naomi Hirahara (Prospect Park)

Under My Skin, von Lisa Unger (Park Row)

Best First Novel:

Dodging and Burning, von John Copenhaver (Pegasus)

nominiert

My Sister, the Serial Killer, von Oyinkan Braithwaite (Doubleday)

Where the Crawdads Sing, von Delia Owens (Putnam)

Something in the Water, von Catherine Steadman (Ballantine)

The Chalk Man, von C.J. Tudor (Crown)

Best Non-fiction:

The Real Lolita: The Kidnapping of Sally Horner and the Novel That Scandalized the World, von Sarah Weinman (HarperCollins)

nominiert

The Metaphysical Mysteries of G.K. Chesterton: A Critical Study of the Father Brown Stories and Other Detective Fiction, von Laird R. Blackwell (McFarland)

Conan Doyle for the Defense: The True Story of a Sensational British Murder, a Quest for Justice, and the World’s Most Famous Detective Writer, von Margalit Fox (Random House)

Classic American Crime Fiction of the 1920s, mit Anmerkungen von Leslie S. Klinger (Pegasus)

I’ll Be Gone in the Dark: One Woman’s Obsessive Search for the Golden State Killer, von Michelle McNamara (HarperCollins)

Agatha Christie: A Mysterious Life, von Laura Thompson (Pegasus)

Best Short Story:

English 398: Fiction Workshop,” von Art Taylor (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], July/August 2018)

nominiert

Race to Judgment,” von Craig Faustus Buck (EQMM, November/December 2018)

All God’s Sparrows,” von Leslie Budewitz (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, May/June 2018)

Bug Appétit,” von Barb Goffman (EQMM, November/December 2018)

Three-Star Sushi,” von Barry Lancet (Down & Out: The Magazine, Vol.1, No. 3)

The Cambodian Curse,” von Gigi Pandian (aus The Cambodian Curse & Other Stories, von Gigi Pandian; Henery Press)

Sue Feder Memorial Award for Best Historical Mystery:

The Widows of Malabar Hill, von Sujata Massey (Soho Crime)

nominiert

A Lady’s Guide to Etiquette and Murder, von Dianne Freeman (Kensington)

City of Ink, von Elsa Hart (Minotaur)

Island of the Mad, von Laurie R. King (Bantam)

A Dying Note, von Ann Parker (Poisoned Pen Press)

A Forgotten Place, von Charles Todd (Morrow)

(via The Rap Sheet)


Die Krimibestenliste November 2019

November 4, 2019

Die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur empfehlen im aktuell zwischen arktischer Kälte und fast noch sommerlichen Temperaturen schwankendem November folgende Kriminalromane:

1. Garry Disher – Hitze (Plazierung im Vormonat: 1)

Aus dem Englischen von Ango Laina und Angelika Müller.Pulp Master, 278 Seiten, 14,80 Euro.

2. Franz Dobler – Ein Schuss ins Blaue (Plazierung im Vormonat: /)

Tropen, 288 Seiten, 20 Euro.

3. Paulus Hochgatterer – Fliege fort, fliege fort (Plazierung im Vormonat: /)

Deuticke, 286 Seiten 23 Euro.

4. John le Carré – Federball (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Ullstein, 352 Seiten, 24 Euro.

5. Dror Mishani – Drei (Plazierung im Vormonat: 5)

Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Diogenes, 336 Seiten, 24 Euro.

6. Simone Buchholz – Hotel Cartagena (Plazierung im Vormonat: /)

Suhrkamp, 230 Seiten, 15,95 Euro.

7. Adam Brookes – Der chinesische Verräter (Plazierung im Vormonat: 7)

Aus dem Englischen von Andreas Heckmann. Suhrkamp, 402 Seiten, 15,95 Euro.

8. Norbert Horst – Bitterer Zorn (Plazierung im Vormonat: /)

Goldmann, 320 Seiten, 13 Euro.

9. Lisa McInerney – Blutwunder (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Liebeskind, 334 Seiten 20 Euro.

10. Hannelore Cayre – Die Alte (Plazierung im Vormonat: /)

Aus dem Französischen von Iris Konopik. Ariadne im Argument Verlag, 203 Seiten, 18 Euro.

 


TV-Tipp für den 4. November: Familiengrab

November 4, 2019

Arte, 20.15

Familiengrab (Family Plot, USA 1976)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte Hitchcocks vorletzten Film „Frenzy“.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Wiederholung: Donnerstag, 7. November, 13.50 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Rotten Tomatoes über „Familiengrab“

Wikipedia über „Familiengrab“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. November: Der Stellvertreter

November 2, 2019

Arte, 20.15

Der Stellvertreter (Amen., Frankreich/Deutschland 2002)

Regie: Constantin Costa-Gavras

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter, 1963 (Theaterstück)

Als der gläubige Christ und SS-Mann Kurt Gerstein erfährt, wozu in den KZs Zyklon B verwendet wird, ist er entsetzt und wendet sich hilfesuchend an die katholische Kirche.

Costa-Gavras Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Rolf Hochhuth über die Rolle des Vatikans während des Zweiten Weltkriegs kam bei der damaligen deutschen Kritik nicht so gut an. Vor allem das Theaterhafte wurde bemängelt.

In Frankreich erhielt er, unter anderem einen César für das beste Drehbuch und er war als bester Film nominiert.

mit Ulrich Tukur, Mathieu Kassovitz, Ulrich Mühe, Michel Duchaussoy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Stellvertreter“

Wikipedia über „Der Stellvertreter“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. November: Der Ghostwriter

November 1, 2019

Servus TV, 20.15

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010. Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Sonntag, 3. November, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Der Ghostwriter”

Rotten Tomatoes über “Der Ghostwriter”

Wikipedia über “Der Ghostwriter” (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)


Neu im Kino/Filmkritik: Der Cannes-Drehbuchgewinner „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

November 1, 2019

1770 wird eine Pariser Malerin auf eine einsame, an der Küste der Bretagne liegende Insel gefahren. Sie soll die Tochter der Herzogin malen. Dummerweise will Héloïse nicht gemalt werden. Denn das Porträt ist für den ihr unbekannten, in Mailand lebenden Bräutigam, den sie nicht heiraten will. Die Heirat ist ein von der Herzogin eingefädeltes Geschäft, das ihrer Familie Geld bringen und ihre soziale Stellung sichern soll.

Das Porträt der künftigen Braut soll die Heiratsabmachung zwischen den beiden Familien besiegeln. Weil Héloïse das Ansinnen sabotiert, hat die Herzogin die Idee, dass die Malerin das Porträt aus dem Gedächtnis zeichnet. Bei gemeinsamen Spaziergängen soll Marianne sich jedes Detail von Héloïse einprägen. Bei diesen Spaziergängen lernen die beiden Frauen sich auch besser kennen.

Als Marianne das Porträt vollendet hat, zeigt sie es Héloïse, die von dem Verrat ihrer Freundschaft und dem Porträt nicht begeistert ist. Das Porträt sei leblos und verrate nichts über sie. Sie fordert von Marianne ein neues, besseres Porträt.

Vor „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ inszenierte Céline Sciamma die in der Gegenwart spielenden Jugenddramen „Water Lilies“, „Tomboy“ und „Mädchenbande“ und schrieb das Drehbuch zu dem sehr gelungenen, sehr kurzen Kindertrickfilm „Mein Leben als Zucchini“. Ihr neuer Film ist das dialogarme, sehr langsam und minimalistisch erzählte Drama einer lesbischen Liebe, die aufgrund der damaligen Konventionen zum Scheitern verurteilt ist. In seiner formalen Strenge und der Zeichnung der damaligen gesellschaftlichen Strukturen erinnert Sciammas Kostümdrama an „Effi Briest“ (Insofern wäre ein Vergleich zwischen „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ und Rainer Werner Fassbinders „Fontane Effi Briest oder Viele, die eine Ahnung haben von ihren Möglichkeiten und ihren Bedürfnissen und trotzdem das herrschende System in ihrem Kopf akzeptieren durch ihre Taten und es somit festigen und durchaus bestätigen“ sicher interessant.).

Es ist auch ein Film, in dem keine Männer vorkommen. Sie sind abwesend, aber zugleich präsent. Immerhin muss Marianne das Bild als Entscheidungshilfe für Héloïses künftigen Mann malen. Er kann entscheiden, ob er sie heiraten will. Sie muss diese Entscheidung akzeptieren. Außerdem soll das Porträt ein Schnappschuss für die Ewigkeit sein, der auch die Persönlichkeit der Porträtierten zeigt. Die Herzogin wurde auf die gleiche Weise verheiratet.

Sciamma entfaltet die Geschichte zwischen Marianne und Héloïse und den damit verbundenen Konflikt sehr langsam. So dauert es zwanzig Minuten, bis wir zum ersten Mal Héloïses Gesicht sehen und erst nachdem Marianne kurz vor der Filmmitte ihr Porträt von Héloïse der Porträtierten zeigt, verändert sich die Beziehung der beiden etwa gleichaltrigen, aber sehr verschiedenen Frauen entscheidend.

Gleichzeitig konzentriert der Film auf diese beiden Frauen. In dem herzöglichen Anwesen scheint es neben ihnen nur noch ein Hausmädchen und die Herzogin zu geben. Und die Herzogin muss irgendwann wegen dringender Geschäfte für einige Tage die Insel verlassen.

Indem Sciamma ihre Geschichte aus weiblicher Perspektive erzählt und die Strukturen aufzeigt, die damals Frauen an einem Leben nach ihrer Façon hinderten, bürstet Sciamma das Genre des Liebesdramas vor historischer Kulisse gegen den Strich.

In Cannes erhielt „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ den Preis für das beste Drehbuch.

Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu, Frankreich 2019)

Regie: Céline Sciamma

Drehbuch: Céline Sciamma

mit Noémi Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajrami, Valeria Golino

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

AlloCiné über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Metacritic über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Rotten Tomatoes über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“

Wikipedia über „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 1. November: Minority Report

Oktober 31, 2019

RTL II, 21.55

Minority Report (Minority Report, USA 2002)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare, Frank Grillo

Wiederholung: Samstag, 2. November, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Scary Stories to tell in the Dark“ im dunklen Kino

Oktober 31, 2019

 

In den USA sind die drei „Scary Stories to tell in the Dark“-Bücher von Alvin Schwartz seit ihrem Erscheinen zwischen 1981 und 1991 bei jugendlichen Lesern sehr beliebt. Es sind kurze Gruselgeschichten. Die Illustrationen von Stephen Gammell trugen ihren Teil zum Erfolg bei. Und es gibt immer wieder Streit, ob die Bücher in Bibliotheken stehen dürfen. Sie gefährdeten, so die erregten Erwachsenen, das sittliche und religiöse Wohlergehen der Kinder. Was wegen dem Reiz des Verbotenen natürlich kontraproduktiv ist.

Weil die Bücher nie ins Deutsche übersetzt wurden, sind sie hier unbekannt. Aber weil Schwartz mit bekannten Horrortopoi und alten Erzählungen spielt, kennen wir auch die Geschichte von der Vogelscheuche, die lebendig wird und ihren Peiniger tötet. Es sind auch, wie Märchen, kurze Geschichten, die sich gut zum Erzählen am Lagerfeuer eignen.

In André Øvredals Verfilmung sind Schwartz‘ Gruselgeschichten kurze, die Handlung vorantreibende Episoden. Denn Øvredal, Produzent Guillermo del Toro (der das erste „Scary Stories“-Buch als Teenager in einem kleinen Buchladen entdeckte) und die Drehbuchautoren Dan Hageman, Kevin Hageman, Patrick Melton, Marcus Dunstan und del Toro erzählen eine durchgehende Geschichte.

1968 ist die Kleinstadt Mill Valley in Pennsylvania auch an Halloween die typische All-American-Stephen-King-Kleinstadt. Die Teenager Stella, Auggie und Chuck streifen durch die Stadt, spielen dem sie mobbenden halbstarken Schläger Tommy einen Streich und werden anschließend von ihm und seinen Freunden durch die Stadt gejagt. Der durchreisende Ramón kann sie retten. Kleinstadtalltag eben.

Zum Dank zeigen Stella, Auggie und Chuck ihrem Retter in der Nacht das Geisterhaus der Stadt: die verlassene und verfallene Villa der Bellows. Bei ihrer Erkundung entdecken sie einen Kellerraum, in dem jemand lebte. Und sie nehmen ein Buch mit Geistergeschichten mit, das Sarah Bellows gehörte.

Zu Hause entdeckt Stella, dass in Sarahs Buch die Geschichten sich mit roter Schrift selbst schreiben. Das erste Opfer ist Tommy, der von einer Vogelscheuche zu einer Kreatur aus Heu verwandelt wird.

Hauptperson der nächsten kurzen Geschichte ist Auggie. In dem Moment wissen die vier Teenager, dass Sarah Bellows‘ Buch sie und ihre Freunde umbringen will. Nur warum? Und können sie Sarah Bellows aufhalten?

Spätestens in dem Moment dürften gestandene Horrorfilmfans eine ziemlich genaue Vorstellung vom groben Verlauf der Geschichte haben. Aber „Scary Stories to tell in the Dark“ erzählt eine vertraute Geschichte mit genug kleinen Abweichungen, um zu gefallen. Wie einige andere jüngere und sehr erfolgreiche Horrorfilme, wie die „Conjuring“-Filme und „Es“, die in den siebziger und achtziger Jahren spielen, spielt die Geschichte in der jüngeren Vergangenheit und sie ist voller Anspielungen auf die Zeit. Die sechziger Jahre sind, weil die damaligen kulturellen Umbrüche heute immer noch wichtig sind, für uns noch sehr gegenwärtig. Es sind Umbrüche, die, und das spiegelt die Filmgeschichte sehr schön, Gewissheiten und Selbstbilder in Frage stellte. Beginnend von der internationalen und nationalen Ebene (Vietnam, Richard Nixon) über die Dorfgeschichte (die dunklen Geheimnisse der Familie Bellows und ihr Umgang mit Sarah) hin zu den Geschichten der Protagonisten, die hier ihr Coming of Age erleben.

André Øvredal erzählt das erfreulich ernsthaft, stilbewusst und, dank des Verzichts auf splattrige Schockeffekte, angenehm altmodisch. Das unterscheidet seinen Horrorfilm von Rob Lettermans „Gänsehaut“ (basierend auf R. L. Stines erfolgreichen Horrorgeschichten für junge Leser), der alles wesentlich humorvoller erzählte, sich stärker auf CGI-Effekte konzentrierte und als Zielpublikum ein etwas jüngeres Publikum hatte.

Außerdem gab es 1968 keine Handys und Computer und sehr wenige Telefone. Das stellt die Protagonisten des Films vor heute fast unbekannte Herausforderungen; – wobei heute auch nicht jede Akte digitalisiert ist und dann doch die örtliche Psychiatrie besucht werden muss. Dort hoffen Stella und ihre Freunde zu erfahren, warum die Bellows Sarah einsperrten.

So ist „Scary Stories to tell in the Dark“ ein traditionsbewusster Horrorfilm, der eine wohlige Gänsehaut verursacht. Also genau das Richtige für Halloween und die kommenden Nächte.

Scary Stories to tell in the Dark (Scary Stories to tell in the Dark, USA 2019)

Regie: André Øvredal

Drehbuch: Dan Hageman, Kevin Hageman, Guillermo del Torro, Patrick Melton, Marcus Dunstan

LV: „Scary Stories to tell in the Dark“-Geschichten von Alvin Schwartz

mit Zoe Colletti, Michael Garza, Gabriel Rush, Austin Abrams, Dean Norris, Gil Bellows, Lorraine Toussaint, Austin Zajur, Natalie Ganzhorn, Kathleen Pollard

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 16 Jahre (mit ein, zwei zugedrückten Augen hätte es auch eine FSK-12 werden können)

Hinweise

Moviepilot über „Scary Stories to tell in the Dark“

Metacritic über „Scary Stories to tell in the Dark“

Rotten Tomatoes über „Scary Stories to tell in the Dark“

Wikipedia über „Scary Stories to tell in the Dark“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. Oktober: The sixth Sense

Oktober 31, 2019

Servus TV, 20.15

The Sixth Sense (The Sixth Sense, USA 1999)

Regie: M. Night Shyamalan

Drehbuch: M. Night Shyamalan

Ein Psychologe will einem Kind, das tote Menschen sieht, helfen.

Ein gewaltiger Publikumserfolg, inzwischen schon ein Klassiker und M. Night Shyamalans bester Film. Mit „The Sixth Sense“ erlebten wir ein grandioses Twist-Ende (mit schönen Grüßen von der „Twilight Zone“), das seitdem unzählige, schlechtere Nachahmer inspirierte.

mit Bruce Willis, Toni Collette, Oliva Williams, Haley Joel Osment, Donnie Wahlberg, Mischa Barton

auch bekannt als „Der sechste Sinn“ (Kinotitel, an den sich inzwischen wohl niemand mehr erinnert)

Wiederholung: Freitag, 1. November, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Sixth Sense“

Wikipedia über „The Sixth Sense“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „After Earth“ (After Earth, USA 2013)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Split“ (Split, USA 2017)

Meine Besprechung von M. Night Shyamalans „Glass“ (Glass, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „Halloween Haunt“: kreischen, krabbeln, laufen, schlachten, langweilen

Oktober 31, 2019

Schon bei den ersten Bildern von „Halloween Haunt“ dachte ich: Das sieht schlecht aus.

In den nächsten neunzig Minuten wurde es nicht besser.

Scott Beck und Bryan Woods, über deren Anteil am Drehbuch von „A quiet place“ man jetzt wohl wieder reden muss, schrieben und inszenierten mit „Halloween Haunt“ einen vollkommen anderen Horrorfilm.

An Halloween, dieser US-Horrornacht, in der Kinder Erwachsene um Süßigkeiten erpressen und Erwachsene Teenager mit scharfen Küchenmessern ermorden, schicken Beck und Woods eine Gruppe etwas älterer Teenager in ein zu einer Halloween-Attraktion umgebautes, sehr, sehr einsam gelegenes Haus. Die Kids – drei Frauen, drei Männer – werden von einem schweigsamen, maskierten Mann empfangen und gebeten, ihre Mobiltelefone abzugeben. Danach betreten sie das Haus, das in den ersten Räumen an eine sehr zeitintensiv gestaltetes Geisterbahn-Spukhaus erinnert. Später dann an ein „Saw“-Metzelhaus. Wobei dieses „Hostel“ aus liebevoll gestalteten Räumen besteht, die manchmal auch Folterkammern sind.

Die Geschichte erschöpft sich dann darin Teenagern in Angst und Schrecken zu versetzen und sie in beliebiger Reihenfolge zu tötet. Über sie, und das ist der entscheidende Unterschied zu „A quiet place“, erfahren wir nichts, was uns emotional an sie bindet. Entsprechend uninteressant ist ihr Kampf ums Überleben in dem Gruselkabinett, in dem sie von den maskierten Bösewichtern verfolgt werden.

Den Machern geht es in dem von Eli Roth produziertem Film um Terror und Geisterbahnschocks. Da stören Suspense und eine beängstigende Gruselatmosphäre nur.

Halloween Haunt“ ist Horrorware von der Stange, der einfach nur einige Schocks für ein jugendliches Publikum liefern soll.

Halloween Haunt (Haunt, USA 2019)

Regie: Scott Beck, Bryan Woods

Drehbuch: Scott Beck, Bryan Woods

mit Katie Stevens, Will Brittain, Lauryn McClain, Andrew Caldwell, Shazi Raja, Schuyler Helford, Phillip Johnson-Richardson, Chaney Morrow, Justin Marxen, Terry Partyka, Justin Rose, Damian Maffei, Schuyler White

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Halloween Haunt“

Metacritic über „Halloween Haunt“

Rotten Tomatoes über „Halloween Haunt“

Wikipedia über „Halloween Haunt“


TV-Tipp für den 30. Oktober: Nocturnal Animals

Oktober 29, 2019

ZDFneo, 23.15

Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

Die erfolgreiche Kunsthändlerin Susan erhält ein unveröffentlichtes Roman-Manuskript ihres Ex-Mannes Edward, zu dem sie seit Ewigkeiten keinen Kontakt mehr hat. Sie beginnt den Roman zu lesen und, während der Film zwischen Susans Leben und dem Roman hin und her springt, ahnen wir, dass Edward in seinem Kriminalroman ihre Beziehung verarbeitete.

TV-Premiere. „Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Hinweise

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tom Fords „Nocturnal Animals“ (Nocturnal Animals, USA 2016)


Cover der Woche

Oktober 29, 2019