Arsenal zeigt umfassende John-Cassavetes-Werkschau

Juli 17, 2018

Das Kino Arsenal (Potsdamer Platz, Berlin) zeigt vom 25. Juli bis zum 31. August eine umfassende John-Cassavetes-Werkschau. Das breite Publikum kennt ihn als Schauspieler aus Filmen wie „Das dreckige Dutzend“ (1967, Oscar-Nominierung), „Rosemaries Baby“ (1968), „Teufelskreis Alpha“ (1978) und der „Columbo“-Episode „Etude in Schwarz“ (1972), in der er sich mit Peter Falk sehr vergnüglich die Bälle zuwarf. Mit Falk verband ihn eine lebenslange Freundschaft.

Für Anhänger unkomplizierter Unterhaltung (…) ist der Name des Filmemachers ungefähr so anziehend wie das Etikett auf einer Giftflasche.“ (Fischer Film Almanach 1987)

Cineasten kennen und verehren ihn als Regisseur von echten Independent-Filmen und Erneuerer des amerikanischen Kinos und Vorläufer des New-Hollywood-Kinos. Es sind Schauspielerfilme, mit mehr oder weniger viel Improvisation, in denen er die andere Seite des amerikanischen Traums zeigte. „In all seinen Filmen geht es um Schwierigkeiten der Kommunikation und im Zusammenleben von Menschen der Mittelschicht, um ihre Ängste und Bedürfnisse und die unvermeidlichen Zerstörungen durch das Leben selbst.“ (John Cassavetes, Hanser Reihe Film 29, 1983)

Seine bekanntesten Filme sind sein Debüt „Schatten“, „Ehemänner“, „Eine Frau unter Einfluss“, „Die erste Vorstellung“ und die beiden ‚Kriminalfilme‘ „Mord an einem chinesischen Buchmacher“/“Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers“ und „Gloria, die Gangsterbraut“ (hier versuchte Sidney Lumet sich erfolglos an einem Remake).

In der Werkschau werden im Arsenal alle von John Cassavetes inszenierte Filme in 35-mm-Kopien mit deutschen Untertiteln und einige seiner bemerkenswerten Auftritte als Schauspieler gezeigt. Weil nicht alle Cassavetes-Filme bei uns im Kino liefen ist das auch für langjährige Cassavetes-Fans die Gelegenheit, die Filme endlich einmal auf der großen Leinwand zu sehen.

Weiter geht’s jetzt mit der von mir um einige Details und Anmerkungen ergänzte Pressemitteilung des Arsenal-Kinos (Annette Lingg):

John Cassavetes (9. Dezember 1929, New York City – 3. Februar 1989, Los Angeles) gilt mit seinem kompromisslosen Werk als einer der Begründer des unabhängigen amerikanischen Filmschaffens und setzte Maßstäbe in seiner konsequenten Ablehnung künstlerischer Zwänge. In einem 1956 für arbeitslose Schauspieler gegründeten Workshop entwickelte Cassavetes seine Ideen vom Filmemachen als Gruppenarbeit. Daraus entstand in Improvisation und mit kleinstem Budget SHADOWS, der ihm die Türen nach Hollywood öffnete. Der Versuch, seine Arbeitsweise und ästhetischen Vorstellungen im Studiosystem durchzusetzen, geriet jedoch zur Enttäuschung. In der Folge gründete Cassavetes seine eigene Produktionsfirma und situierte sich konsequent außerhalb des Studiosystems Hollywoods. Die Arbeit in engen und kontinuierlichen Gruppenzusammenhängen wurde zum zentralen Aspekt von Cassavetes’ Schaffen, der bevorzugt mit einem festen Ensemble von Schauspieler*innen arbeitete – neben Gena Rowlands, mit der er seit 1954 verheiratet war, vor allem Peter Falk, Ben Gazzara und Seymour Cassel. Von ihrem vollen physischen Einsatz und der vorbehaltlosen Öffnung gegenüber ganz persönlichen Ängsten, Sehnsüchten und Unsicherheiten lebt sein Kino der Intensität und des schonungslosen Sezierens von Gefühlen. So unkalkulierbar, schwer fassbar und erratisch wie diese sind auch seine Geschichten; Exzess und Eruption stehen anstelle von vorhersehbaren narrativen Mustern. An der Produktion schöner Bilder nicht interessiert, widersetzen sich seine Filme konventionellen Sehgewohnheiten, sind ganz um die Menschen herum gebaut, auf ihre Gesichter und Körper fokussiert. Das Geld für seine Filme verdiente Cassavetes oft als Schauspieler in Filmen anderer Regisseure. Auch dabei ging er oft an Grenzen und lotete menschliche Extremzustände aus, spielte häufig Bösewichte, brillierte aber auch in leiseren Rollen. (…)

Die Filme in der Reihenfolge ihrer Präsentation:

Mittwoch, 25. Juli, 20.00 Uhr

Freitag, 31. August, 20.00 Uhr

LOVE STREAMS (Love Streams) John Cassavetes USA 1984 OmU 114‘

Am Ende eines langen Weges durch alle Szenen einer Ehe treten John Cassavetes und Gena Rowlands in LOVE STREAMS als Bruder und Schwester, als geschwisterlich gewordenes Paar, auf. Sie zieht in seine Wohnung, als sie die Einsamkeit nach ihrer Scheidung nicht mehr erträgt. Er ist ein Autor, der Bestseller über einsame Frauen und trinkfeste Männer schreibt und dabei das eigene unheimliche Private in der Arbeit erfolgreich verdrängt.

(Goldener Bär auf der Berlinale; auf der Berlinale präsentierte Cassavetes mehrere seiner Filme)

Donnerstag, 26. Juli, 20.00 Uhr

Mittwoch, 15. August, 20.00 Uhr

FACES (Gesichter) John Cassavetes USA 1968 OmU 129’

Cassavetes’ erster Film über die Schwierigkeiten einer Ehe entstand nach seinen ernüchternden Erfahrungen in Hollywood. Direktton und eine leichte 16-mm-Kamera ermöglichten Dreharbeiten, die man als „dokumentarisches Aufzeichnen von Fiktion im Moment ihrer Entstehung“ (Ulrich Gregor) bezeichnen kann. Ein erfolgreicher Geschäftsmann verbringt die Nacht mit einer Barbekanntschaft, während seine Frau, die in einem Nachtclub Trost sucht, schließlich mit einem Fremden die Nacht verbringt. Verzweifelte eheliche Gespräche, ein Selbstmordversuch und große Ernüchterung lassen keinen Zweifel daran, dass eine Ehe in Trümmern liegt.

(Die deutsche Premiere war 1977 auf den Hofer Filmtagen. Danach lief der Film 1978 im Fernsehen.)

Freitag, 27. Juli, 19.00 Uhr

Freitag, 17. August, 19.00 Uhr

SHADOWS (Schatten) John Cassavetes USA 1959 OmU 87’

Im Zentrum von Cassavetes’ Debüt, entstanden aus einer Reihe von Improvisationsworkshops und angesiedelt im Künstlermilieu des New Yorker Nachtlebens, stehen drei Geschwister in New York, ihr Leben als Schwarze in einer weißen Gesellschaft, ihre Suche nach Identität und Akzeptanz. Die Jazzmusiker Charlie Mingus und Shafti Hadi improvisieren zur Improvisation. Nach einer ersten Filmversion wurde mit Spenden und der Unterstützung eines Verleihers die heute bekannte zweite Fassung fertiggestellt – eines der frühesten Beispiele des New American Cinema.

(Die erste Fassung dauerte eine Stunde und gilt als verloren. Die deutsche Kinofassung dauert 80 Minuten.)

Freitag, 27. Juli, 21.00 Uhr

Montag, 30. Juli, 20.00 Uhr

EDGE OF THE CITY (Ein Mann besiegt die Angst) Martin Ritt USA 1957 OF 85‘

Der Drifter Axel North (John Cassavetes) findet Arbeit im Hafen von New York. Vom Vorarbeiter schikaniert, kommt ihm der schwarze Arbeiter Charlie (Sidney Poitier) zu Hilfe und bietet dem schweigsamen Axel beharrlich seine Freundschaft an. Gefangen in einem Leben zwischen Flucht und traumatischen Erinnerungen, nähert Axel sich nur zögernd der Leichtigkeit und Lebensfreude des neuen Freundes an. Erst als Charlie rassistischen Angriffen ausgesetzt ist, lernt Axel, seine Angst zu besiegen und für Gerechtigkeit einzustehen.

Samstag, 28. Juli, 19.00 Uhr

Dienstag, 14. August, 19.30 Uhr

TOO LATE BLUES (-) John Cassavetes USA 1961 OmU 105‘

TOO LATE BLUES ist Cassavetes’ erster Versuch, im Hollywood-System zu arbeiten – von der Produktionsfirma gewünscht war ein neues SHADOWS, aber weniger experimentell und improvisiert. Eine weiße Westcoast-Jazzband muss sich zwischen Kunst und Kommerz entscheiden. Shelley Manne, Red Mitchell, Jimmy Rowles spielen mit Bobby Darin die Musik zum Ausverkauf der Träume ein. Eine berührende Liebesgeschichte aus dem Leben von Musikern, von künstlerischen Selbstzweifeln bedrängt, inmitten hektischer Partys, auf der Suche nach sich selbst.

Samstag, 28. Juli, 21.00 Uhr

Freitag, 3. August, 19.00 Uhr

SADDLE THE WIND (Vom Teufel geritten) Robert Parrish USA 1958 OF 81‘

Ein Breitwandwestern in Technicolor: Der ehemalige Revolverheld Steve Sinclair lebt ein ruhiges Leben als Farmer auf einer Rinderfarm. Sein jüngerer Bruder Tony (John Cassavetes) kehrt nach längerer Abwesenheit nachhause zurück. Im Schlepptau hat er eine Braut – und, sehr zum Missfallen von Steve, eine neue Waffe. Im unbedingten Willen, die Anerkennung seines Bruders zu gewinnen und sich gleichzeitig aus seinem Schatten zu befreien, lässt sich Tony auf eine letztlich tödliche Auseinandersetzung ein. Verletzlichkeit und Brutalität gleichermaßen charakterisieren Tony, in dem man dank John Cassavetes‘ nuanciertem Spiel noch das einstige unschuldige Kind zu sehen vermag.

Sonntag, 29. Juli, 20.00 Uhr

Montag, 13. August, 20.00 Uhr

A CHILD IS WAITING (Ein Kind wartet) John Cassavetes USA 1963 OmU 104‘

Nachdem Cassavetes monatelang zusammen mit dem Hollywood-Produzenten Stanley Kramer an diesem Film über einen behinderten Jungen in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet hatte, wurde er ersetzt und der Film nach den Vorstellungen von Kramer neu geschnitten. Cassavetes: „Ich finde, sein Film – und ich meine, dass es sein Film ist – ist gar nicht so schlecht, nur sentimentaler als meine Version. Die Aussage seines Films, dass behinderte Kinder allein und abgeschoben sind und deshalb mit anderen behinderten Kindern zusammengebracht werden sollten, unterscheidet sich von meinem Film, der sagt, dass behinderte Kinder überall und jederzeit sein könnten. Wir, die damit nicht umgehen können, müssen sich damit auseinandersetzen, und nicht die Kinder.“

Dienstag, 31. Juli, 20.00 Uhr

Samstag, 18. August, 21.15 Uhr

THE KILLERS (Der Tod eines Killers) Don Siegel USA 1964 OF mit span. UT 95‘

Zwei Berufskiller töten ihrem Auftrag gemäß den ehemaligen Rennfahrer Johnny North (John Cassavetes). Irritiert, dass sich North trotz Vorwarnung widerstandslos erschießen lässt, interessieren sich die beiden für die Hintergründe, recherchieren und wittern größere Beute. Die Spur führt sie zu Norths Exfreundin Sheila und dem zwielichtigen Jack Browning (Ronald Reagan in seinem letzten – und wahrscheinlich besten – Leinwandauftritt). Die farbige Neuverfilmung von Robert Siodmaks gleichnamigem Film noir aus dem Jahr 1946 wurde eigentlich fürs Fernsehen gedreht und ist zynischer und kälter als die Vorlage.

(Meine Besprechung des Films)

Freitag, 3. August, 21.00 Uhr

Samstag, 25. August, 19.00 Uhr

THE KILLING OF A CHINESE BOOKIE (Mord an einem chinesischen Buchmacher) John Cassavetes USA 1976 OmU 108’

Cassavetes’ erster Thriller demontiert das Genre systematisch: Nach sieben Jahren Ratenzahlung ist Cosmo Vitelli (Ben Gazzara) endlich alleiniger Eigentümer des Strip-Clubs Crazy Horse West in Los Angeles. Was als Feier der neuen Besitzverhältnisse beginnt, endet im Desaster: Beim Pokern verliert Cosmo das Crazy Horse West. Um es wieder zurückzuerlangen, soll er den titelgebenden chinesischen Buchmacher umbringen. Cosmos Reise in die Nacht führt ihn durch eine Scheinwelt der schummrigen Nachtlokale und düsteren Lagerhallen, durch Räume der Unsicherheit und Verstörung.

(Das Arsenal zeigt Cassavetes neue Schnittversion, die er kurz nach dem Kinostart erstellte und die 1978 in den Kinos lief. Es ist die bekanntere Version des Films. Die erste Version dauert 135 Minuten und sie war ein schnell aus den Kinos genommener Misserfolg.)

Samstag, 4. August, 19.00 Uhr

Sonntag, 19. August, 20.00 Uhr

MINNIE AND MOSKOWITZ (Minnie und Moskowitz) John Cassavetes USA 1971 OmU 114’

Für ein Mal lässt Cassavetes die Einsamkeit überwindbar werden: Eine Museumskuratorin (Gena Rowlands) und ein manischer Parkplatzwächter (Seymour Cassel) erstreiten sich gegen alle sozialen Widersprüche und gegen alle konventionellen Wahrscheinlichkeiten von Attraktion und Aura eine Liebesbeziehung. Eine Hochzeitsfeier und viele Kinder sind der krönende Abschluss der märchenhaften Liebesgeschichte.

Samstag, 4. August, 20.00 Uhr (parallel zu „Minnie und Moskowitz“ im kleinen Saal; aber diese Ira-Levin-Verfilmung kennt man ja)

Freitag, 17. August, 21.00 Uhr (heute läuft der Horrorfilmklassiker im großen Saal)

ROSEMARY’S BABY (Rosemaries Baby) Roman Polanski USA 1968 OmU 136’

Das junge Paar Rosemary (Mia Farrow) und Guy Woodhouse (John Cassavetes) bezieht eine Wohnung im altertümlichen Bramford-Haus in New York, in dem ein Satanisten-Zirkel aktiv gewesen sein soll. Nach dem Verzehr eines von der Nachbarin vorbeigebrachten Desserts fällt Rosemary in Ohnmacht und sieht sich in einem halbbewussten, alptraumhaften Zustand von einem Ungeheuer vergewaltigt. Mit diabolischer Lust spielt Cassavetes den Peiniger seiner Ehefrau, der vor einem Pakt mit dem Teufel nicht zurückschreckt.

Sonntag, 5. August, 20.00 Uhr

Dienstag, 21. August, 20.00 Uhr

A WOMAN UNDER THE INFLUENCE (Eine Frau unter Einfluss) John Cassavetes USA 1974 OmU 155‘

Mabel, die mit Mann und drei Kindern in einer typischen Lower-Middle-Class-Umgebung lebt, wäre gerne so, wie man es von ihr erwartet. Allerdings gelingt es ihr nicht, ihre Rolle als Liebende und Mutter unter Kontrolle zu halten. Gena Rowlands ist die Frau unter Einfluss – in einer Darstellung von irritierender Körperlichkeit kanalisiert sie neurotische Schübe, aufgestaute Aggressionen und erdrückende mütterliche Fürsorge.

Mittwoch, 8. August, 20.00 Uhr

Donnerstag, 23. August, 20.00 Uhr

HUSBANDS (Ehemänner) John Cassavetes USA 1970 OmU 154‘

HUSBANDS zeigt drei (Ehe-)Männer bei der Trauerarbeit. Nach dem Tod und dem Begräbnis eines gemeinsamen Freundes fliehen sie in den Alkohol, und weil das nicht bewirkt, dass alles wieder so ist, wie es einmal war, weil es nie so war, wie es hätte sein sollen, fliehen sie weiter, wenigstens probeweise, aus der Ehe, aus dem Alltag. Das Ende ist ein Desaster: nämlich die Erkenntnis, dass sich die tiefsten Sehnsüchte vielleicht gar nicht mehr erfüllen lassen. In HUSBANDS führte Cassavetes zum ersten Mal nicht nur Regie, sondern übernahm auch eine Rolle in einem seiner Filme, die des dritten Ehemannes neben Peter Falk und Ben Gazzara.

(Auch von diesem Film gibt es verschiedene Fassung. Die deutsche Fassung, die vor allem ab 1976 im TV lief, dauert 130 Minuten.)

Donnerstag, 9. August, 20.00 Uhr

Sonntag, 26. August, 20.00 Uhr

OPENING NIGHT (Premiere/Die erste Vorstellung) John Cassavetes USA 1977 OmU 147‘

Gena Rowlands ist der umschwärmte Theaterstar Myrtle Gordon, für die Leben und Theaterrollen zu einem unentwirrbaren Ganzen verschmolzen sind. Als sie Zeugin eines Unfalls wird, bei dem eine jugendliche Verehrerin zu Tode kommt, verstärkt das Erlebte Myrtles Widerstand gegen das Stück bzw. die Rolle einer alternden Frau, die sie darin spielen soll. Die Probenarbeiten und erste Testaufführungen werden zunehmend zum Kampf, Myrtles hysterisches Dauer-Aufbegehren treibt sie selbst in den Alkohol und ihre Kollegen in die Verzweiflung. Schauspiel im Schauspiel, Diskussionen über das Alter – und ein komplexer Kommentar zur Arbeit mit den Emotionen.

Samstag, 18. August, 19.00 Uhr

Freitag, 24. August, 21.15 Uhr

GLORIA (Gloria, die Gangsterbraut) John Cassavetes USA 1980 OmU 123‘

GLORIA ist eine weitere Reise in die Gangsterwelt, verwoben mit persönlicheren Themen. Erneut steht Gena Rowlands im Mittelpunkt, als gealterte Ex-Sängerin Gloria Swenson, vom Leben und ihrem Beruf abgehärtet. Ein Kind wird Zeuge, als seine Familie von der Mafia getötet wird. Gloria nimmt sich widerwillig des Jungen an und begibt sich mit ihm auf die Flucht quer durch New York.

(Düsterer in New York spielender Gangsterthriller, der nicht den richtigen Ton zwischen Charakterstudie – Cassavetes Metier – und Thriller findet. Und der kleine Junge nervt. Aber Gena Rowlands ist härter als Liam Neeson und „Gloria, die Gangsterbraut“ wird auch als Inspiration für Luc Bessons „Leon – Der Profi“ gesehen.)

Montag, 20. August, 20.00 Uhr

Mittwoch, 29. August, 20.00 Uhr

BIG TROUBLE (Sterben…und leben lassen) John Cassavetes USA 1985 OmU 93‘

BIG TROUBLE ist eine sarkastische Komödie über einen Versicherungsvertreter, der in ein Mordkomplott bzw. in einen Schwindel mit dem Tod gerät, um seinen Drillingen ein Studium zu ermöglichen. Cassavetes’ letzter Film basiert auf einem Drehbuch von Andrew Bergman, der eigentlich auch Regie führen sollte. Zum Schluss prangt in großen Lettern auf der Leinwand: „Not the end.“

(Eine Screwball-Comedy…mit Ähnlichkeiten zu dem Noir „Frau ohne Gewissen“.)

Freitag, 24. August, 19.30 Uhr

Samstag, 25. August, 21.15 Uhr

GLI INTOCCABILI (Die Unschlagbaren) Giuliano Montaldo Italien 1969 engl. OmU 96‘

Frisch aus dem Gefängnis entlassen, wird Hank McCain (von John Cassavetes mit nervöser Energie gespielt) auf den Raub des Royal-Casinos in Las Vegas angesetzt. Dass eigentlich Mafioso Charlie Adamo (Peter Falk) hinter dem Plan steckt, ahnt er nicht. Dieser wiederum wird von seinem Boss Don Francesco DeMarco (Gabriele Ferzetti) zurückgepfiffen und muss nun seinerseits versuchen, Hank zurückzuhalten. Kunstvoll verwebt Regisseur Montaldo die Schicksale dreier Männer miteinander, unterstützt von einem glänzenden Ensemble – mit einem kurzen Auftritt von Gena Rowlands als Retterin in der Not.

Hinweise

Arsenal über die John-Cassavetes-Reihe

Rotten Tomatoes über John Cassavetes (alle seine Regiearbeiten sind tiefroten Bereich, was sehr, sehr gut ist)

Wikipedia über John Cassavetes (deutsch, englisch)

John Cassavetes in der Kriminalakte

Und noch einige Dokus über John Cassavetes


TV-Tipp für den 16. Juli: La isla minima – Mörderland

Juli 16, 2018

Arte, 21.45

Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)

Regie: Alberto Rodriguez

Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez

Spanien, 1980: zwei Polizisten aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.

Toller, atmosphärischer Thriller, der im Kino leider unterging und viel besser als „True Detective“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes

Hinweise

Moviepilot über „Mörderland“

Rotten Tomatoes über „Mörderland“

Wikipedia über „Mörderland“ (deutsch, englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Alberto Rodriguez‘ „Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)


TV-Tipp für den 15. Juli: Fanny und Alexander (Kino- und TV-Version)

Juli 14, 2018

Tele5, 20.15

Fanny und Alexander (Fanny och Alexander, Schweden/DeutschlandFrankreich 1982)

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

In „Fanny und Alexander“ erzählt Ingmar Bergman ein Jahr aus dem Leben des zehnjährigen Alexander, der in einer wohlhabenden Familie, die ein Provinztheater führt, aufwächst. Es beginnt 1907 mit der Weihnachtsfeier.

Schon bei der Premiere sagte Bergman, dass das Familienepos sein letzter Kinofilm sei. Er drehte danach noch mehrere TV-Filme.

„ein Monument, in dem sich noch einmal der ganze Bergmansche Kosmos findet (…) Ein Alterswerk, ein Meisterwerk.“ (Fischer Film Almanach 1984)

Der Film erhielt vier Oscars (unter anderm Sven Nykvist für die Kamera und als bester ausländischer Film, Bergman war für seine Regie und sein Drehbuch nominiert). Es gibt neben der dreistündigen Kinofassung eine über fünfstündige TV-Fassung.

Tele5 zeigt heute, voll im Cineasten-Modus, zuerst die Kinofassung und danach, um 23.10 Uhr, die TV-Fassung. Ohne Werbung. Und danach, um 04.10 Uhr, Bergmans „Das siebente Siegel“.

mit Kristina Adolphson, Pernilla Allwin, Kristian Almgren, Carl Billquist

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Fanny und Alexander“

Wikipedia über „Fanny und Alexander“ (deutsch, englisch) und Ingmar Bergman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ (Deutschland 2018)


TV-Tipp für den 14. Juli: Wilde Erdbeeren (und weitere Ingmar-Bergman-Filme)

Juli 13, 2018

Tele5, 21.45

Wilde Erdbeeren (Smultronstället, Schweden 1957)

Regie: Ingmar Bergman

Drehbuch: Ingmar Bergman

Auf der langen Autofahrt zu einer Ehrung erinnert der 78-jährige Professor Isak Borg (gespielt vom Stummfilm-Regisseur Victor Sjöström) an seine Vergangenheit und phantasiert über seinen nahenden Tod, weshalb die Fahrt für ihn auch zu einer bitteren Bilanz über sein Leben wird.

Ein Klassiker, der damals auf der Berlinale den Goldenen Bären erhielt, aber erst am 21. Juli 1961 in Deutschland im Kino anlief.

mit Victor Sjöström, Ingrind Thulin, Bibi Anderson, Gunnar Björnstrand, Max von Sydow

Hinweise

Wikipedia über Ingmar Bergman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ (Deutschland 2018)

Das Wochenende mit Ingmar Bergman im TV

Eigentlich ist ein Geburtstag oder Todestag für die TV-Sender eine willkommene Gelegenheit, noch einmal all die wichtigen und weniger wichtigen Filme des Geehrten zu zeigen. Und wenn das wichtige Datum im Sommer während einer Fußball-WM ist, müssen die Programmplaner sich beim Plündern der Archive auch keine Gedanken mehr über die Quote machen.

Aber bei Ingmar Bergman (14. Juli 1918 – 30. Juli 2007) wird wenig gezeigt und bei einem Sender, von dem man es nicht erwartet hätte, scheint ein fanatischer Ingmar-Bergman-Fan zu sitzen, der sein Wunschprogramm sogar ohne Werbepausen präsentieren darf.

Gezeigt werden

Samstag, 14. Juli

3sat, 20.15: Ingmar Bergman – Herr der Dämonen (Dokumentarfilm, TV-Premiere)

3sat, 21.15: Szenen einer Ehe (Schweden 1973)

Tele 5, 20.15: Das siebente Siegel (Schweden 1956)

Tele 5, 21.45: Wilde Erdbeeren (Schweden 1957)

Tele 5, 23.15: Das Schweigen (Schweden 1963)

Sonntag, 15. Juli

Tele 5, 20.15: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Kinofassung)

Tele 5, 23.10: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Vierteilige TV-Fassung)

Tele 5, 04.10: Das siebente Siegel (Schweden 1956)


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Farbe des Horizonts“ – der neue Survival-Film von Baltasar Kormákur

Juli 13, 2018

Baltasar Kormákurs neuer Film „Die Farbe des Horizonts“ beginnt mit einer minutenlangen Einstellung, in der die aus einer langen Ohnmacht erwachte und verletzte Tami Oldham (Shailene Woodley) sich langsam auf dem 13 Meter langen Segelschiff „Hazana“ orientiert. Nachdem das Boot in einen Hurrikan geriet, ist es letztendlich ein Wrack und ihr Begleiter Richard Sharp (Sam Claflin) ist über Bord gegangen. Später entdeckt sie ihn, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, im Pazifik und sie zerrt ihn auf die „Hazana“. Aber eine große Hilfe ist er nicht. Der Schwerverletzte kann ihr nur etwas geistigen Beistand liefern. Und den hat Tami bitter nötig. Denn im Gegensatz zu Richard, der ein erfahrener Segler ist, hat sie erst mit dem Segeln begonnen, nachdem sie ihn vor fünf Monaten getroffen hat.

Die Kalifornierin Tami reiste in den frühen Achtzigern als Rucksacktouristin ziellos durch die Welt. Auf Tahiti trifft sie 1983 den charismatischen Engländer Richard Sharp. Er erzählt ihr von seiner niemals endenden Fahrt über die Weltmeere. Sie verlieben sich ineinander, er bringt ihr das Segeln bei und sie verloben sich. Denn Richard ist, davon ist Tami überzeugt, ihre große Liebe.

Als sie auf der Insel ein wohlhabendes, mit Richard befreundetes Ehepaar treffen, bieten sie ihnen an, die „Hazana“ nach San Diego zu überführen. Für den Gefallen würden sie ihnen 10.000 Dollar und zwei Rückflugtickets geben.

Tami und Richard sind einverstanden. Gemeinsam machen sie sich auf ihren ersten gemeinsamen langen Törn, der mitten im Pazifik, zweitausend Seemeilen vom nächsten Festland entfernt, zu einem Kampf ums Überleben wird.

Nach „The Deep“ (ein Mann schwimmt zum nächsten Ufer) und „Everest“ (eine Männergruppe besteigt einen Berg) inszenierte Baltasar Kormákur wieder ein auf Tatsachen basierendes, packendes Survival-Drama, das dieses Mal auch eine Liebesgeschichte ist. Er erzählt sie indem er zwischen der Gegenwart, dem eigentlich hoffnungslosen Kampf der Schiffbrüchigen ums Überleben auf hoher See, und Tamis Erinnerungen an ihre glücklichen Tage mit Richard hin und her pendelt. Am Ende führt Kormákur diese beiden Zeitebenen (und Filmstile) so zusammen, dass die von ihm gewählte nicht chronologische Erzählweise als erzählerische Notwendigkeit erscheint. Es ist kein Gimmick, um die doch sehr vorhersehbare Geschichte interessanter und weniger schmalzig zu gestalten. Stattdessen gibt es ein von der ersten Minute das Interesse wachhaltendes Wechselspiel zwischen verklärenden Erinnerungen, die auch in einer Südsee-Schmonzette nicht negativ auffallen würden, und der rauen Gegenwart, in der Tami über vierzig Tage um ihr Überleben kämpft in einem seeuntüchtig dahintreibendem, sich nur mühsam in Richtung rettendes Ufer bewegendem Schiffswrack. Richard selbst bezeichnet sich einmal als „totes Gewicht“, das nur die wenigen noch vorhandenen Lebensmittel, die Tami viel nötiger braucht, auf isst.

Und Tami tut, wie der namenlose, von Robert Redford gespielte Segler in dem sehenswerten Ein-Personen-Stück „All is Lost“ (das auch fast ein Stummfilm ist), alles, um das Boot seetüchtig zu halten und ein rettendes Ufer zu erreichen. Denn Hilfe ist, ohne funktionierendes Funkgerät und abseits der befahrenen Schiffsrouten, nicht zu erwarten.

Immerhin hat Tami jemand, mit dem sie reden kann, und ihre Erinnerungen, die angesichts der ersten Filmminuten schon schal wirken.

Die Farbe des Horizonts (Adrift, USA 2018)

Regie: Baltasar Kormákur

Drehbuch: Aaron Kandell, Jordan Kandell, Davd Branson Smith

LV: Tami Oldham Ashcraft, Susea McGearhart: Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea, 2002 (Self-publishing 1998)

mit Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer, Jeffrey Thomas, Elizabeth Hawthorne

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Farbe des Horizonts“

Metacritic über „Die Farbe des Horizonts“

Rotten Tomatoes über „Die Farbe des Horizonts“

Wikipedia über „Die Farbe des Horizonts“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood: Wer gewinnt „Die Farbe des Horizonts“? (Achtung: auf der Suche nach der Wahrheit werden wichtige Plotelemente verraten)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “Contraband” (Contraband, USA 2012)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs “2 Guns” (2 Guns, USA 2013)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Everest“ (Everest,USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Baltasar Kormákurs „Der Eid“ (Eidurinn, Island 2016)


TV-Tipp für den 13. Juli: Columbo: Schreib oder stirb

Juli 12, 2018

ZDF, 23.55

Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, Regie: Robert Butler)

Drehbuch: Peter S. Fischer

Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall

Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.

Wer schon am Nachmittag Zeit hat: ZDFneo zeigt um 13.40 Uhr „Columbo: Ein Hauch von Mord“ (1973) und um 17.15 Uhr „Columbo: Ein gründlich motivierter Mord“ (1973).

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

The Museum of Broadcast Communications über “Columbo”

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Thrilling Detective über Mickey Spillane

Thrilling Detective: Max Allan Collins über Mickey Spillane

January Magazine: Max Allan Collins zum Tod von Mickey Spillane

Evolver: Martin Compart zum Tod von Mickey Spillane

Mystery File: Steve Holland über Mickey Spillane

Crimetime: Interview mit Mickey Spillane

Combustible Celluloid: Interview mit Mickey Spillane

Kaliber .38 über Mickey Spillane

Krimi-Couch über Mickey Spillane

Mordlust über Mickey Spillane

New York Times: Nachruf auf Mickey Spillane

Washington Post: Nachruf auf Mickey Spillane

Meine Besprechung von Mickey Spillanes “Dead Street”


Neu im Kino/Filmkritik: Margarethe von Trotta ist „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Juli 12, 2018

Ingmar Bergman ist einer der großen Regisseure der Kinogeschichte und etliche renommierte Regisseure bekennen freimütig, wie sehr Bergman sie beeinflusste. Auch Margarethe von Trotta gehört zu seinen Bewunderern. Als Achtzehnjährige sah sie in den frühen sechziger Jahren in Paris „Das siebente Siegel“ und war sofort begeistert. Bergmans Drama unterschied sich vollständig von den Filmen, die normalerweise in deutschen Kinos gezeigt wurden. Sie wurde später wegen diesem Film Schauspielerin und Regisseurin. Ihren Film „Die bleierne Zeit“ nahm Bergman in einer Liste seiner zehn Lieblingsfilme auf.

Heute sind die Filme des am 30. Juli 2007 auf Fårö gestorbene schwedische Regisseur Ingmar Bergman fast unbekannt. Jedenfalls beim breiten Publikum. Im Gegensatz zu den oft im Fernsehen laufenden Filmen von Alfred Hitchcock oder Stanley Kubrick werden Bergmans Filme selten im Fernsehen gezeigt. Auf DVD sind sie zwar erhältlich, aber halt nicht als Stapelware oder Angebot der Woche im nächsten Elektronik-Handel.

Denn Ingmar Bergmans Filme sind schwere Kost. Seine bekanntesten Film – „Das Lächeln einer Sommernacht“ (1956), „Das siebente Siegel“ (1957), „Wilde Erdbeeren“ (1958), „Das Schweigen“ (1963), „Persona“ (1966) und „Die Stunde des Wolfs“ (1968) – entstanden bereits vor über fünfzig Jahren und es sind SW-Filme. „Szenen einer Ehe“ (1973) und „Das Schlangenei“ (1977) waren spätere Erfolge, ehe er mit dem dreistündigen Epos „Fanny und Alexander“ 1982 seinen mit dem Filmstart angekündigten Abschied vom Kino nahm. Er inszenierte danach weitere Filme. Aber für das Kino war er verloren. Es waren TV-Arbeiten, die alle nicht die lange anhaltende Rezeption und Bekanntheit seiner Kinofilme haben.

Seit Mitte der siebziger Jahren inszenierte Bergman vor allem Theaterstücke. Unter anderem arbeitete er viele Jahre am Münchner Residenztheater. Teilweise waren diese Stücke die Grundlage für spätere Filme, wie „Herbstsonate“ (1978) und „Aus dem Leben der Marionetten“ (1980), ein TV-Film mit Robert Atzorn, Rita Russek und Gaby Dohm, die damals zum Ensemble des Residenztheaters gehörten.

Mit Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für ihr Doku-Essay „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“. Ihr erster Dokumentarfilm ist formal mit seiner Mischung aus Filmausschnitten, Archivaufnahmen und sprechenden Köpfen ein konventioneller Dokumentarfilm. Allerdings interessiert sie sich nicht dafür, chronologisch und möglichst umfassend Bergmans Werk vorzustellen. Sie geht auch davon aus, dass man Ingmar Bergmans Werk und seine Bedeutung für die Filmgeschichte wenigstens rudimentär kennt. Sonst hätte sie mehr auf Bergmans Klassiker und weniger auf seine Zeit in Deutschland konzentriert, wohin er 1976 nach einer schnell fallengelassenen Klage wegen Steuerhinterziehung floh und die nächsten Jahre vor allem am Theater arbeitete.

Neben Russek und Dohm unterhielt von Trotta sich für den Film mit anderen Filmschaffenden, wie Jean-Claude Carrière, Olivier Assayas, Carlos Saura und Ruben Östland, Menschen, die mit Bergmann arbeiteten, wie die Schauspielerin Liv Ullmann, seine Assistenten Katinka Faragó und Johannes Kaetzler (am Bayerischen Staatsschauspiel), und Bergmans Kindern Daniel und Ingmar. Insgesamt war Bergman fünfmal verheiratet und er hat neun Kinder. In diesen Gesprächen wird auf Bergmans problematische Persönlichkeit, seine Themen und sein Umgang mit seinen Ehefrauen und Kindern eingegangen. Das eröffnet einen intimen Blick auf Bergman und am Ende des Films will man wieder einen Bergman-Film sehen.

Auf der Suche nach Ingmar Bergman (Deutschland 2018)

Regie: Margarethe von Trotta, Felix Moeller (Co-Regie), Bettina Böhler (Co-Regie)

Drehbuch: Margarethe von Trotta, Felix Moeller

mit Ingmar Bergman (Archivaufnahmen), Margarethe von Trotta, Liv Ullmann, Daniel Bergman, Ruben Östlund, Mia Hansen-Love, Carlos Saura, Olivier Assayas, Stig Björkman, Gunnel Lindblom, Jean-Claude Carriére, Ingmar Bergman Jr., Katinka Faragó, Jan Holmberg, Johannes Kaetzler, Gaby Dohm, Rita Russek, Halfdan Ullman Tøndel, Mia Hansen-Løve, Julia Dufvenius

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Moviepilot über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Rotten Tomatoes über „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“

Wikipedia über Ingmar Bergman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Margarethe von Trottas “Hannah Arendt” (Deutschland 2012; DVD-Besprechung)

Ingmar Bergman im TV

Eigentlich ist ein Geburtstag oder Todestag für die TV-Sender eine willkommene Gelegenheit, noch einmal all die wichtigen und weniger wichtigen Filme des Geehrten zu zeigen. Und wenn das wichtige Datum im Sommer während einer Fußball-WM ist, müssen die Programmplaner sich beim Plündern der Archive auch keine Gedanken mehr über die Quote machen.

Aber bei Ingmar Bergman wird wenig gezeigt und bei einem Sender, von dem man es nicht erwartet hätte, scheint ein fanatischer Ingmar-Bergman-Fan zu sitzen, der sein Wunschprogramm sogar ohne Werbepausen präsentieren darf.

Gezeigt werden

Samstag, 14. Juli

3sat, 20.15: Ingmar Bergman – Herr der Dämonen (Dokumentarfilm, TV-Premiere)

3sat, 21.15: Szenen einer Ehe (Schweden 1973)

Tele 5, 20.15: Das siebente Siegel (Schweden 1956)

Tele 5, 21.45: Wilde Erdbeeren (Schweden 1957)

Tele 5, 23.15: Das Schweigen (Schweden 1963)

Sonntag, 15. Juli

Tele 5, 20.15: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Kinofassung)

Tele 5, 23.10: Fanny und Alexander (Schweden/Deutschland/Frankreich 1983) (Vierteilige TV-Fassung)

Tele 5, 04.10: Das siebente Siegel (Schweden 1956)


Neu im Kino/Filmkritik: Dwayne Johnson besucht einen „Skyscraper“ und…

Juli 12, 2018

Bei einer missglückten Geiselbefreiung verliert FBI-Spezialagent Will Sawyer (Dwayne Johnson) verliert ein Bein. Aber er trifft die Ärztin Claire (Neve Campbell), seine große Liebe und Mutter seiner beiden Kinder. Mit ihnen ist er jetzt in Hongkong. Dort soll er seinen Bericht über die Sicherheit des Hochhauses The Pearl, das demnächst eröffnet werden soll, abliefern. Mit 240 Stockwerken ist es der höchste Wolkenkratzer der Welt, der sich autonom mit Energie versorgt. In den unteren Stockwerken gibt es Geschäfte, darüber Wohnungen und ganz oben hat der Erbauer des Hauses sich ein Apartment eingerichtet. Nach Sawyers Ansicht ist das Gebäude perfekt gegen Brände gesichert.

Mit einem mit seinen biometrischen Daten gesichertem Tablet, mit dem er für seinen letzten Sicherheitscheck alle Sicherheitsmaßnahmen umgehen kann, macht er sich auf den Weg zur Leitstelle macht. Auf dem Weg wird ihm seine Umhängetasche geklaut.

Weil er das Tablet in seiner Jacketttasche hatte, erfährt er früher als geplant, dass eine Gangsterbande etwas sehr wertvolles aus dem Hochhaus stehlen will. In einem anschließendem Kampf können die Verbrecher das Tablet in ihren Besitz zu bringen und anschließend die gesamten Sicherheitsmaßnahmen auszuschalten. Deshalb breitet sich der von ihnen gelegte Brand in dem Gebäude weiter nach oben aus.

Sawyer will den Diebstahl verhindern und, vor allem, seine Familie retten. Sie und Zhao Ming Ji (Chin Han), der Besitzer des Hochhauses, sitzen in dem von den Verbrechern in Brand gestecktem Hochhaus fest.

Und weil die Polizei ihn für den Verursacher des Brandes hält, muss Sawyer vor dem Betreten des von Polizei und Feuerwehr hermetisch abgeriegeltem Gebäude die ihn verfolgenden Polizisten abhängen.

Einen Preis im Erfinden einer noch niemals gesehenen Geschichte wird „Skyscraper“ nicht erhalten. Ebenso wird der Thriller keinen Preis für Logik oder Wahrscheinlichkeit erhalten. „Skyscraper“ ist einer der typischen, für die große Leinwand gemachten Sommer-Blockbuster, die ein Minimum an Story mit einem Maximum an Effekten ausgleichen. Der immer sympathische und unkaputtbare Dwayne Johnson nennt seinen neuesten Film „eine grandiose Mischung aus ‚Stirb langsam‘, ‚Flammendes Inferno‘ und ‚Auf der Flucht’“ . „Auf der Flucht“ können wir getrost aus der Gleichung herausnehmen. Denn der Einsatzleiter der Hongkong-Polizei ist schnell, ungefähr in dem Moment, in dem Sawyer beginnt, den gegenüber dem Hochhaus stehenden Baukran hochzuklettern, überzeugt, dass Sawyer unschuldig ist. „Skysraper“ erzählt, inspiriert vom Action- und Blockbusterkino der siebziger und achtziger Jahre, die Geschichte eines brennenden Hochhauses (noch ohne Bewohner und damit ohne störende Nebengeschichten und Rettungsversuche der Feuerwehrleute) und dem Versuch des Helden, seine Familie zu retten. Dafür muss er auch die Pläne des Verbrechers Kores Botha (Roland Møller) und seiner skrupellosen Schergen durchkreuzen. Und am Ende gibt es, für die Cineasten im Kinosaal, eine Schießerei in einem Spiegelkabinett, das eine moderne Version der legendären Spiegelkabinett-Szene aus Orson Welles‘ Noir-Klassiker „Die Lady von Shanghai“ ist.

Rawson Marshall Thurber erzählt die von ihm geschriebene Geschichte flott in unter zwei Stunden und mit einem Blick auf Bilder, die auf der großen IMAX-Leinwand Schwindelgefühle auslösen können. Zum Beispiel wenn Claire in einem sich über dreißig Stockwerke erstreckendem Jade Park über ein zwei Brückenteile verbindendes Brett läuft, um ihren Sohn vor den Flammen zu retten. Oder wenn Sawyer an einem Kran und an der Außenwand des Wolkenkratzers herumklettert. Im Gegensatz zu Ethan Hunt braucht er dafür kein hochentwickeltes Gerät, sondern nur etwas handelsübliches Klebeband.

Skyscraper“ ist nach „Central Intelligence“ die zweite Zusammenarbeit von Thurber und Johnson. Dieses Mal in einem Thriller, der auf Humor weitgehend verzichtet. Dafür hat er die durchdachtere Geschichte; auch wenn im wesentlichen die bekannten Situationen aneinandergereiht werden. Das geschieht aber mit soviel Erzählfreude, dass man sich gerne auf die Reise mitnehmen lässt.

Sie arbeiten bereits an einem dritten gemeinsamen Film.

Skyscraper (Skyscraper, USA 2018)

Regie: Rawson Marshall Thurber

Drehbuch: Rawson Marshall Thurber

mit Dwayne Johnson, Neve Campbell, Chin Han, Roland Møller, Noah Taylor, Byron Mann, Pablo Schreiber, Hannah Quinlivan

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homeapge zum Film

Moviepilot über „Skyscraper“

Metacritic über „Skyscraper“

Rotten Tomatoes über „Skyscraper“

Wikipedia über „Skyscraper“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rawson Marshall Thurbers „Central Intelligence“ (Central Intelligence, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Symphony of Now“ zeigt Berlin nicht in einem unbekannten Licht

Juli 12, 2018

Ein Tag in Berlin. In den vergangenen Jahrzehnten gab es verschiedene Versuche, das Großstadtleben in seiner bunten Vielschichtigkeit einzufangen. Zum Beispiel 2009 die 24-stündige RBB-Großdokumentation „24h Berlin – Ein Tag im Leben“, die einen Tag aus dem Leben von über fünfzig in Berlin lebenden Menschen zeigt und die an einem Tag aufgenommen wurde. Oder Thomas Schadts „Berlin: Sinfonie einer Großstadt“ (2002). Oder, als Urvater all der filmischen Versuche, einen Tag im Leben einer Stadt zu zeigen, Walter Ruttmanns experimentellen Filmklassiker „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927).

Auf Ruttmanns Film bezieht sich Johannes Schaff explizit mit seinem Film „Symphony of Now“. So übernahm er die Länge (65 Minuten), die Struktur einer aus fünf Teilen bestehenden Sinfonie und die Idee, einen Tag im Leben Berlins zu zeigen. Bei Ruttmann war es das Arbeitsleben, die Industrialisierung und der Rhythmus der Stadt, inszeniert mit einer entfesselten Kamera. Jedenfalls für damalige Verhältnisse.

Bei Schaff ist es das Nachtleben, das Vergnügen, die Freizeit, die sich anscheinend im Umkreis von fünf Blocks abspielt. An, in und um sattsam bekannte Locations, die man entweder von wenigen Ausflügen in das Partyleben oder aus den hippen Filmen und Werbespots kennt. Und genau so wirkt „Symphony of Now“: wie ein überlanger Werbespot für Spreequell (unser Sprudelwasser) oder Berliner Pils (unser Feuerwasser).

Die Musik – trotz eines erklecklichen Aufmarsches verschiedener Komponisten (Frank Wiedemann [gleichzeitig Kurator], Samon Kawamura, Gudrun Gut, Thomas Fehlmann, Hans-Joachim Roedelius, Alex.Do und Modeselektor) – ist der zu den austauschbaren Berlin-Impressionen monoton wummernde Techno-Soundtrack, der noch einmal das sattsam bekannte Bild von Berlin als Techno-Metropole und Ort der Love-Parade beschwört.

Bei „Symphony of Now“ ist die Montage, der Schnitt und der Sound nicht auf produktive Verunsicherung und überraschende Einsichten, sondern auf maximale Feelgood-Bestätigung ausgelegt. Wie in einem Werbeclip soll nur eine positive Botschaft vermittelt werden. Alles was stört oder stören könnte oder zum Nachdenken anregen könnte, fehlt in dieser Berlin-Sinfonie.

Symphony of Now (Deutschland 2018)

Regie: Johannes Schaff

Drehbuch: Johannes Schaff

mit Berlin, Berliner*innen, wahrscheinlich Tourist*innen, der Sonne und dem Mond

Länge: 65 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Die Inspiration

Walter Ruttmanns experimentellen und inzwischen auch als Zeitdokument interessanter Filmklassiker „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) gibt es auf YouTube in mehreren, mehr oder weniger identischen Fassungen in verschiedener Bildqualität und auch mal ohne Ton (weil Stummfilm).

Das dürfte eine vollständige Fassung in guter Bildqualität sein:

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Symphony of Now“

Moviepilot über „Symphony of Now“

 


TV-Tipp für den 12. Juli: Emil und die Detektive

Juli 12, 2018

HR, 23.30

Emil und die Detektive (Deutschland 1954)

Regie: Robert A. Stemmle

Drehbuch: R. A. Stemmle

LV: Erich Kästner: Emil und die Detektive, 1928

Herr Grundeis stiehlt dem für die Ferien aus der Provinz nach Berlin kommenden Buben Emil Tischbein das Feriengeld. Mit einer Bande Kinder, die er trifft, macht Emil sich im Großstadtdschungel auf die Jagd nach dem Bösewicht.

Die zweite deutsche Verfilmung von Erich Kästners Kinderkrimi, die seit Ewigkeiten (falls überhaupt) nicht mehr im Fernsehen lief.

Unterhaltsame Neufassung (…) die erzählerischen Konventionen des Unterhaltungskinos der 50er Jahre wirken formal wie thematisch leicht glättend und vergröbernd. Faszinierend ist der Film vor allem durch die authentischen Bilder aus dem Berlin der 50er Jahre.“ (Lexikon des internationalen Films)

Das Remake der Berolina Produktion von 1954 ist wie die vielen anderen Remakes dieser Produktion eine lieblos hingeschlampte Sache.“ (Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms)

Die erste Verfilmung von Kästners Buch ist von 1931. Gerhard Lamprecht führte die Regie; Billie (später Billy) Wilder schrieb das Drehbuch.

mit Peter Finkbeiner, Heli Finkenzeller, Wolfgang Lukschy, Günter Pfitzmann, Kurt Meisel, Ruth Nimbach, Claudia Schäfer, Margarete Haagen, Camilla Spira

Hinweise

Filmportal über „Emil und die Detektive“

Wikipedia über „Emil und die Detektive“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Erich Kästners „Die verschwundene Miniatur“ (1935/2009)


TV-Tipp für den 11. Juli: Der Zinker

Juli 11, 2018

3sat, 22.25

Der Zinker (Deutschland 1963)

Regie: Alfred Vohrer

Drehbuch: H. G. Petersson

LV: Edgar Wallace: The Squeaker, The Squeaker: The sign of the leopard, 1927 (Der Zinker)

Scotland Yard jagt den Zinker. Eine Raubtierhandlung spielt dabei eine wichtige Rolle.

H. G. Petersen verarbeitete in seinem ersten Drehbuch neben dem Wallace-Buch auch ein Treatment von Trygve Larsen, einem Pseudonym von Egon Eis, der bereits bei der ersten deutschen Verfilmung von „Der Zinker“ 1931 am Drehbuch mitarbeitete. Vohrer machte aus dem Drehbuch einen handwerklich passablen Krimi.

„Wie bei den meisten anderen Wallace-Filmen der Rialto setzte der Regisseur auch hier auf ein Reservoir bekannter Schauspieler, legte zahlreiche irreführende Fährten und baute falsche Verdächtige auf, einzig, um die Geschichte zu verschleiern.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Die Musik ist von Peter Thomas.

Mit Heinz Drache, Barbara Rütting, Günter Pfitzmann, Eddi Arent, Klaus Kinski, Siegfried Schürenberg

Hinweise

Filmportal über „Der Zinker“

Wikipedia über „Der Zinker“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Zinker“ (Deutschland 1931)

Meine Besprechung der Edgar-Wallace-Verfilmung “Der Doppelgänger” (Deutschland 1934)


Cover der Woche

Juli 10, 2018


TV-Tipp für den 10. Juli: Saving Mr. Banks

Juli 10, 2018

Super RTL, 20.15

Saving Mr. Banks (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: Kelly Marcel, Sue Smith

Walt Disney will das Kinderbuch „Mary Poppins“ verfilmen. Dafür braucht er nur das Einverständnis der Autorin P. L. Travers. Die Engländerin hasst ungefähr alles abgrundtief, was Walt Disney verkörpert und mit ihrem Buch machen will.

Das sehr, sehr gelungene und sehr kurzweilige Making of zu dem Klassiker „Mary Poppins“.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung; mit vielen Clips.

mit Emma Thompson, Tom Hanks, Colin Farrell, Paul Giamatti, Jason Schwartzman, Bradley Whitford, Ruth Wilson, B. J. Novak, Rachel Griffiths, Kathy Baker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Saving Mr. Banks“

Moviepilot über „Saving Mr. Banks“

Metacritic über „Saving Mr. Banks“

Rotten Tomatoes über „Saving Mr. Banks“

Wikipedia über „Saving Mr. Banks“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood untersucht „Saving Mr. Banks“

Das Drehbuch „Saving Mr. Banks“ von Kelly Marcel und Sue Smith

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)


Mahnwache an der Russischen Botschaft: Lasst Oleg nicht sterben!

Juli 9, 2018

(copy & paste)

Die Europäische Filmakademie ruft auf:

Mahnwache an der Russischen Botschaft: Lasst Oleg nicht sterben!

Seit acht Wochen befindet sich der ukrainische Filmemacher Oleg Sentsov im Hungerstreik – Wir fordern seine sofortige Freilassung!

Im Mai 2014 wurde der ukrainische Regisseur Oleg Sentsov, der die Proteste auf dem Maidan in Kiew unterstützte und sich öffentlich gegen die russische Annektierung der Krim engagierte, in seinem Haus in Simferopol vom russischen Inlandsgeheimdienst (FSB) festgenommen und nach Moskau gebracht. Über ein Jahr später und nach einem, wie Amnesty International es beschreibt, “unfairen Verfahren vor einem russischen Militärgericht“, wurde Oleg Sentsov wegen „terroristischer Verbrechen“ zu 20 Haft verurteilt. Am 14. Mai ist er in den unbefristeten Hungerstreik getreten.

Wir machen uns große Sorgen und verlangen erneut, dass seine Sicherheit gewährleistet wird und er sofort und bedingungslos frei gelassen wird.

Helft uns, ihm zu helfen: Kommt am Dienstag, 10 Juli, 17:00 Uhr zur Mahnwache auf dem Mittelstreifen Unter den Linden, gegenüber der Botschaft der Russischen Föderation.

Neben Vertretern der Europäischen Filmakademie werden auch Vertreter der Berlinale, der Deutschen Filmakademie, sowie der Akademie der Künste vor Ort sein.

Hinweise

Wikipedia über Oleg Sentsov (deutsch, englisch)


Boxenstop: „Lewis – Der Oxford Krimi“, einmal bitte alles, mit Beigaben

Juli 9, 2018

Seine Sporen verdiente Robert Lewis (Kevin Whately) sich als Gehilfe von Inspector Endeavor Morse. Als John Thaw („Die Füchse“ [The Sweeney]) genug von seiner Rolle als Morse hatte, aber die Zuschauer immer noch neugierig auf Morde in Oxford waren, bekam Lewis seine eigene TV-Serie. Von 2006 bis 2015 ermittelte er in 33 spielfilmlangen Filmen in Oxford. Zusammen mit Detective Sergeant James Hathaway (Laurence Fox) löste er Mordfälle auf die gemütliche Art, die auch ein nostalgisches Bild von England zeichnen. Oxford ist halt nicht der verkommene, von psychisch kaputten Ermittlern bevölkerte Moloch London, sondern eine uralte Universitätsstadt, in der auch bei einem Mord auf gutes Benehmen geachtet wird. Außerdem gibt es noch Morses ewig gültigen Ratschlag: „There’s always time for one more pint.“

Mit dem Erreichen der Pensionsgrenze quittierte der 1951 geborene Kevin Whately den Dienst in dem Revier, das ihn die meiste Zeit seines Schauspielerlebens mit Arbeit, Mord und Totschlag versorgte. Immerhin lief „Inspector Morse“ von 1987 bis 2000 und „Lewis“ von 2006 bis 2015.

Jetzt, nachdem alle Lewis-Krimis auch im deutschen Fernsehen im ZDF und ZDFneo gezeigt wurde, hat edel: motion die „Lewis“-Krimis in einer Gesamtbox veröffentlicht. Aktuell ist diese als limitierte Sonderedition bei Amazon erhältlich. Ab Oktober soll sie auch im normalen Handel erhältlich sein.

In der Sonderedition sind alle 33 „Lewis“-Fälle auf 20 DVD, eine Bonus-DVD mit jeweils der ersten Episode von „Inspector Morse“ und „Der junge Inspektor Morse“ (ein weiteres Spin-Off von „Inspector Morse“, ebenfalls unter freundlicher Begleitung von Morse-Erfinder Colin Dexter) (diese DVD können wir locker als Werbung abtun), dem Soundtrack zur Serie, das „Making-of der Serie“ und ein umfangreiches Booklet mit Infos zur Serie, den Hauptdarstellern und dem Serienschöpfer Colin Dexter enthalten.

Das alles könnte auch bei späteren Veröffentlichungen der Gesamtbox dabei sein. Die Fan-Extras der Sonderedition – ein Lewis Pint-Glas, ein Untersetzer mit Flaschenöffner, eine Landkarte von Oxford mit den Oxford Pubs als Puzzle, zwei Lewis-Kühlschrankmagnet und ein Lewis-Schlüsselanhänger – eher nicht.

So richtig billig ist die Gesamtbox mit über 150 Euro nicht, aber wozu gibt es Eltern (oder Kinder) und Geburtstage?

Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box

edel: motion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: ?

Bonusmaterial: vorhanden, siehe oben

Länge: 2982 Minuten (+ 241 Minuten Bonusmaterial)

FSK: ab 12 Jahre

Bonushinweis

Wie gesagt: „Lewis“ ist das Spin-off von „Inspector Morse“, einer auf der Insel sehr erfolgreichen, auf dem Festland sehr unbekannten TV-Serie, die auf den mehrfach ausgezeichneten Romanen von Colin Dexter (1930 – 2017) basiert. Die erschienen auf Deutsch bei rororo und wenn ich einen Blick auf die Preise werfe, die bei Amazon von verschiedenen Anbietern für die Krimis verlangt werden (z. B. ist „Der letzte Bus nach Woodstock“ für 60 und 86 Euro, plus Versandkosten, im Angebot), ist die jetzt im Unionsverlag startende Neuauflage ein No-Brainer. Denn irgendwo da draußen scheint es eine Nachfrage nach guten Rätselkrimis zu geben.

Mitte Juli erscheinen „Eine Messe für all die Toten“ und „Zuletzt gesehen in Kidlington“ für jeweils 12,95 Euro.

Damit bringt der Unionsverlag, nach Michael Dibdin (die in Italien spielenden Aurelio-Zen-Romane) und James McClure (die in Südafrika spielenden Kramer-und-Zondi-Krimis), einen weiteren legendären Krimiautor zurück in unsere Buchhandlungen.

Hinweise

ITV über „Lewis“

ZDF über „Lewis“

Wikipedia über „Lewis“ (deutsch, englisch).  Inspector Morse und „Inspector Morse“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“


TV-Tipp für den 9. Juli: Edward mit den Scherenhänden

Juli 9, 2018

Arte, 20.15

Edward mit den Scherenhänden (Edward Scissorhands, USA 1990)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Tim Burton, Caroline Thompson

Zwischen seinen beiden „Batman“-Filmen drehte Tim Burton, der hier erstmals Carte Blanche hatte, dieses dunkle, romantische Märchen über den einsam in einem Schloss auf einem Hügel lebenden „Edward mit den Scherenhänden“. Als eine Kosmetikvertreterin ihn trifft, ist sie fasziniert von ihm und nimmt ihn mit in die typisch amerikanische Vorstadt. Dort ist Edward wegen einer motorischen Fähigkeiten zuerst sehr beliebt.

Ein schöner trauriger Film voller Humor und Skurrilitäten.

„ein Märchen. Und das erzählt er einem Publikum, das schon alle Märchen kennt, an keins mehr glaubt und sich doch danach sehnt. Und er erzählt es mit allen Emotionen, aller Naivität, aller Grausamkeit und auch aller Komik, die das Publikum erwarten darf.“ (Fischer Film Almanach 1992)

mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Vincent Price (seine letzte Rolle in einem Spielfilm), Alan Arkin

Wiederholung: Donnerstag, 12. Juli, 14.10 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Edward mit den Scherenhänden“

Wikipedia über „Edward mit den Scherenhänden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Tim Burton in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juli: Sieben

Juli 7, 2018

Sat.1, 22.55
Sieben (USA 1995, Regie: David Fincher)
Drehbuch: Andrew Kevin Walker
In einer verregneten Großstadt jagen ein junger und ein alter Polizist einen Serienmörder, der sich bei seinen Taten anscheinend von den sieben Todsünden inspirieren lässt.
Einer der in jeder Beziehung prägenden Thriller der neunziger Jahre, der gleichzeitig Genre-Fans und das große Kinopublikum begeisterte – und ein absolutes Killer-Ende hat.
Mit seinem zweiten Spielfilm, nach dem Desaster „Alien 3“, setzte David Fincher seine Filmkarriere auf die richtigen Spuren. Danach kamen „The Game“, „Fight Club“, „Panic Room“, „Zodiac“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „The Social Network“, „Verblendung“ und „Gone Girl“. Da ist kein echter Flop dabei.
mit Brad Pitt, Morgan Freeman, Gwyneth Paltrow, Kevin Spacey, John C. McGinley, Richard Roundtree, R. Lee Emery

Wiederholung: Montag, 9. Juli, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Metacritic über „Sieben“
Rotten Tomatoes über „Sieben“
Wikipedia über „Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tattoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Juli: Flucht von Alcatraz

Juli 6, 2018

ZDFneo, 22.10

Flucht von Alcatraz (Escape from Alcatraz, USA 1979)

Regie: Don Siegel

Drehbuch: Richard Tuggle

LV: J. Campbell Bruce: Escape from Alcatraz, 1963

Frank Lee Morris plant das Unmögliche: eine Flucht von Alcatraz. Und am 11. Juni 1962 gelingt es ihm; – jedenfalls verschwanden er und seinen beiden Mitflüchtlingen spurlos.
„Flucht von Alcatraz“ ist die fünfte und letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood. Der auf einem wahren Fall beruhende, beklemmende und realistische Knastthriller wurde auf Alcatraz gedreht.

Danny Glover gab hier in einer Nebenrolle als Häftling sein Filmdebüt.

Mit Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thibeau, Fred Ward, Paul Benjamin, Larry Hankin, Bruce M. Fischer, Frank Ronzio, Danny Glover

Wiederholung: Sonntag, 8. Juli, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Flucht von Alcatraz“

Wikipedia über „Flucht von Alcatraz“ (deutsch, englisch)

Roger Ebert über „Escape from Alcatraz“

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Hereafter – Das Leben danach“ (Hereafter, USA 2010)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Jersey Boys” (Jersey Boys, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “American Sniper” (American Sniper, USA 2014)

Meine Besprechung von Clint Eastwoods „Sully“ (Sully, USA 2016)

Clint Eastwood in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Neu im Kino/Filmkritik: „Zentralflughafen THF“, Flüchtlingsunterkunft im Herzen von Berlin

Juli 6, 2018

Während die Berliner noch über mögliche und nicht mögliche Nachnutzungen des unter Denkmalschutz stehenden, ab Mitte der dreißiger Jahre in seiner heutigen Form gebauten Flughafengebäudes und Nazi-Prestigeprojekts redeten, kam es im Sommer 2015 zu dem allseits bekannten Ansturm von Flüchtlingen und Berlin hatte die aus Verzweiflung geborene Idee, einen Teil der Flüchtlinge in dem leer stehendem Flughafen unterzubringen. In sieben Hangars wurden Wohnzellen für über dreitausend Menschen errichtet. Bis man in der Hauptstadt einen besseren Ort für sie gefunden hat, sollten diese Hallen ihre Wohnung und ihr Lebensmittelpunkt sein. Diese Unterbringung dauerte nicht ein, zwei Nächte, sondern Wochen und oft Monate.

Karim Aïnouz, der in der Nähe des 2008 stillgelegten innerstädtischen Flughafens lebt, entschloss sich schon bei der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Tempelhof, einen Film über Deutschlands größte Flüchtlingsunterkunft zu drehen. „Zentralflughafen THF“ ist eine kommentarlose Langzeitbeobachtung. Ein Jahr begleitet er mit seiner Kamera zwei der in dem Flughafen lebende Flüchtlinge. Es sind Ibrahim Al Hussein und Qutaiba Nafea.

Der Syrer Ibrahim Al Hussein wurde 1994 in Manbij (Aleppo) geboren. Vor seinem Abitur verließ er im Oktober 2015 seine Heimat, seine Eltern und seine sieben Geschwister. In Tempelhof lebte er von Januar 2016 bis März 2017.

Der Iraker Qutaiba Nafea wurde 1978 in Ramadi (Provinz Anbar) geboren. Am Baghdad Medical Institute machte er sein Diplom als Physiotherapeut. Anschließend begann er an der Mosul Medical University Medizin und Chirurgie zu studieren. Nachdem sein jüngerer Bruder und sein Mitbewohner in der Nähe von Ramadi getötet wurden, floh er mit seiner Frau aus dem Irak. Im November 2015 kamen sie in Deutschland an. Bis Februar 2016 lebten sie in Tempelhof. Er arbeitet in der Flüchtlingsunterkunft auch als Übersetzer und hilft den Ärzten bei ihrer Arbeit. Während er oft im Bild ist, sieht man seine Frau nicht.

Diese beiden Männer stehen im Zentrum von „Zentralflughafen THF“, der chronologisch ihr Leben in dem Flughafen zeigt und nie den Flughafen verlässt. Alles spielt sich innerhalb von zwölf Monaten in dem Flughafengebäude und dem davor liegendem Flugfeld, das seit der Schließung des Flugbetriebs von den Berlinern als riesiger Freizeitpark in Besitz genommen wurde, ab. Mit seinen gut komponierten, schönen Bildern von Kameramann Juan Sarmiento G., dem ruhigen Erzähltempo und seiner mitfühlenden Haltung zeigt Aïnouz‘ Dokumentarfilm gut, wie das Leben im Transit ist. Kaum ein Tag unterscheidet sich von dem anderen. Das gesamte Leben ist auf Pause gestellt. Für eine unbestimmte Zeit wird gewartet und gehofft.

Mit seiner Konzentration auf die Bewohner der Unterkunft und ihren Alltag zeigt Aïnouz auch die Gesichter hinter den Zahlen. Sie sind nicht mehr anonyme Masse, sondern Menschen.

Das macht seinen Film unbedingt sehenswert. Es ist aber auch ein Dokumentarfilm, der sich auf das reine Beobachten und die bei Gesprächen aufgefangenen Originaltöne verlässt. Was da nicht gesagt wird oder gezeigt werden kann, existiert nicht. Es gibt nur die Perspektive der Porträtierten. Die Betreiber der Einrichtung, freiwillige Helfer, Sozialarbeiter, Anwälte, Beamte, Politiker oder Wissenschaftler werden nicht befragt. Man erfährt nichts über die Konflikte, die es um die Unterbringung der Flüchtlinge in Berlin gab und auch wenig über die Probleme des Zusammenlebens in einer riesigen Unterkunft. Das liegt nicht an der Konzentration auf die beiden Protagonisten, sondern an dem gewählten Stil, der schon jetzt dazu führt, dass man schon jetzt viele Dinge gerne genauer erklärt bekäme. In einigen Jahren wird dieser Wunsch nach Hintergrundinformationen und Erklärungen noch stärker sein.

Seit 2017 ist die Notunterkunft in den Hangars geschlossen. Am Randbereich des Flughafens gibt es ein Containerdorf. Diese Zwischennutzung soll spätestens 2020 enden.

Zentralflughafen THF (Deutschland/Frankreich/Brasilien 2018)

Regie: Karim Aïnouz

Drehbuch: Karim Aïnouz

mit Ibrahim Al Hussein, Qutaiba Nafea

Länge: 97 Minuten

FSK: ?

Hinweise

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TV-Tipp für den 6. Juli: Frenzy

Juli 6, 2018

3sat, 22.25

Frenzy (Frenzy, Großbritannien 1972)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Anschließend, um 00.15 Uhr, läuft „Psycho“.

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Frenzy“

Wikipedia über „Frenzy“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte