Neu im Kino/Filmkritik: „How to party with Mom“ Melissa McCarthy

Juli 6, 2018

Deanna ist Melissa McCarthy und Melissa McCarthy spielt diese Mutter einer College-Schülerin, die nach über zwanzig Jahren von ihrem Mann verlassen wurde, genau so, wie man sie aus ihren zahlreichen anderen Komödien kennt: laut, schamlos und ohne Hemmungen. Ständig plappernd und mit einer Kleiderauswahl, die in ihrer Trutschigkeit schon vor einem halben Jahrhundert unter ‚geschmacklos‘ lief. Vor allem wenn man sie mit Kinderpullovern und Oma-Frisuren kombiniert wird.

Nachdem Deanna von ihrem Mann verlassen wurde, entschließt sie sich, ihr Studium zu beenden. Das hatte sie kurz vor ihrem Abschluss für ihren Mann und ihr Kind abgebrochen. Die letzten Uni-Scheine will sie mit allem machen, was zu einem Studium dazugehört, wie dem Einzug in ein Zwei-Bett-Zimmer in einem Verbindungshaus (Oder müssen in den USA Studierende auf dem Campus in nach Geschlechtern getrennten Häusern leben?).

Diese Prämisse ist für Melissa McCarthy (auch Drehbuch und Produktion) und ihren Mann Ben Falcone (wieder Regie, Drehbuch, Produktion und ein Cameo als Uber-Fahrer) die Ausgangslage für einige Slapstick-Einlagen, die üblichen Uni-Witze, etwas Sex-Klamauk, einige mütterliche Ratschläge und elterliche Peinlichkeiten. Zum Beispiel wenn Deanna den Mitbewohnerinnen ihrer Tochter ein Jugenderlebnis ihrer Tochter erzählt, das für sie extrem peinlich ist.

Diese Szene ist auch eine der wenigen Szenen in „How to party with Mom“, die auf jeder Ebene das Potential der Geschichte andeuten. Es hätte ein Film über verlorene Träume, zweite Chancen, Mutter-Tochter-Beziehungen und wie sich der Blick auf Dinge mit zunehmendem Alter verändert, sein können. Es hätte auch ein Film sein können, der zeigt, wie sich die USA in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren veränderte. Aber nichts davon wurde auch nur versucht.

Es wurde stattdessen ein Starvehikel, das weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und der immer, reichlich lustlos und ohne irgendwelche Ambitionen, die offensichtlichen Gags abgreift, während Melissa McCarthy Melissa McCarthy ist. So wirkt „How to party with Mom“ wie eine Geldkuh, die pflichtschuldig noch einmal gemolken wird, indem den Fans das gegeben wird, was sie erwarten.

How to party with Mom (Life of the Party, USA 2018

Regie: Ben Falcone

Drehbuch: Melissa McCarthy, Ben Falcone

mit Melissa McCarthy, Gillian Jacobs, Maya Rudolph, Julie Bowen, Matt Walsh, Molly Gordon, Jessie Ennis, Adria Arjona, Debby Ryan, Chris Parnell, Damon Jones, Stephen Root, Jacki Weaver, Ben Falcone

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „How to party with Mom“

Metacritic über „How to party with Mom“

Rotten Tomatoes über „How to party with Mom“

Wikipedia über „How to party with Mom“

Meine Besprechung von Ben Falcones „Tammy – Voll abgefahren“ (Tammy, USA 2014)

Meine Besprechung von Ben Falcones „The Boss“ (The Boss, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Wie war „The First Purge“?

Juli 6, 2018

Inzwischen wissen wir, was die Purge ist und wie sie endete. Aber wie begann sie? „The First Purge“ erzählt diese Geschichte. Nach einer katastrophalen Regierung, die zum Abstieg der Republikaner und der Demokraten und dem Aufstieg der New Founding Fathers of America (NFFA) führte, soll die USA als eine neue Nation wiedergeboren werden. Ein wichtiger Teil dieser Wiedergeburt ist die Purge, die Säuberung. In einer Nacht im Jahr dürfen die Menschen alle Verbrechen begehen, die sie wollen, ohne dafür bestraft zu werden. Diese einmalige Triebabfuhr soll, wie ein reinigendes Gewitter, die Menschen für das nächste Jahr von ihren Aggressionen befreien. Unglaublich, aber wahr: das Experiment gelingt so gut, dass daraus jährliche Festspiele wurden, an denen die Amerikaner sich vor allem gegenseitig ermordeten.

Das war am Anfang, als die Wissenschaftlerin Dr. Update zum ersten Mal ihre Theorie ausprobieren darf, nicht sicher.

Wegen seiner Insellage und Bevölkerungsstruktur (arm und schwarz) wird der New Yorker Bezirk Staten Island gewählt. Die Bewohner erhalten, wenn sie während der Nacht auf der Insel bleiben, 5000 Dollar. Und – was, zugegeben, das Forschungsdesign komplett zerstört – jeder Teilnehmende erhält mehr Geld, wenn er Verbrechen begeht. Wobei besonders schwere Verbrechen, wie Mord, besonders gut bezahlt werden. Nachgewiesen wird das durch Aufnahmen, die der Versuchsteilnehmer selbst erstellt.

Aber die Bewohner des Viertels wollen nicht Straftaten begehend, durch die Stadt ziehen. Sie ziehen sich zum gemeinsamen Gottesdienst in eine Kirche zurück oder feiern auf der Straße. Also stacheln die NFFAler durch das Veröffentlichen der Aufnahmen der wenigen Morde und durch weiße Söldner, die schon vorher auf Abruf bereitstanden, die Situation an. Die Söldner beginnen die afroamerikanischen Bewohner niederzumetzeln. Denn die Purge ist auch ein sozialdarwinistisches Programm, bei dem möglichst viele Menschen sterben sollen, die für die Gesellschaft nur ein Ballast sind. Aus Sicht der NFFA, die die besten Elemente der NRA, der Tea-Party, christlicher Spinner und White-Supremacy-Anhängern (vulgo Nazis und Ku-Klux-Klan) vereint, sind das alle anderen Rassen, Minderheiten und arme Menschen.

Während Dr. Update noch an die hehren Absichten der NFFA glaubt, manipuliert diese schon schon die erste Purge hemmungs- und skrupellos für ihre eigenen Belange. Sie wollen möglichst viele der Inselbewohner ermorden lassen. Nachdem deren Söldner die friedlichen Teilnehmer eines Gottesdienstes niedergemetzelt haben, beginnen die Bewohner des Viertels sich zu wehren. Das sind vor allem Nya, die als Aktivistin gegen die Purge kämpft, ihr jüngerer Bruder Isaiah, der droht ins verbrecherische Milieu abzugleiten, und Dimitri, der lokale Druglord und Ex-Freund von Nya. Dimitri ist dabei der gute Geist des Viertels und am Ende tritt er allein gegen eine Übermacht Weißer, die alle Bewohner eines Hochhauskomplexes umbringen wollen, an.

Politisch subtil war keiner der bisherigen von James DeMonaco geschriebenen und inszenierten „Purge“Filme „The Purge: Die Säuberung“ (The Purge, USA 2013), „The Purge: Anarchy“ (The Purge: Anarchy, USA 2014) und „The Purge: Election Year“ (The Purge: Election Year, USA/Frankreich 2016). Aber als gradlinige B-Actionfilme mit einer flammenden Anklage gegen ultrakonservative Ansichten und deren skrupellosen Machtmissbrauch machen sie Spaß. Wie ein Punksong.

Für „The First Purge“ schrieb James DeMonaco nur das Drehbuch. Die Regie übernahm Gerard McMurray, der als Afroamerikaner, stärker als in den vorherigen Filmen die schwarze Perspektive in den Thriller brachte. Denn bei all den satirischen Zuspitzungen ist die Realität für People of Color in den heutigen USA, wo immer wieder Schwarze von Polizisten erschossen werden und KKK-Mitglieder ungestört mit Fackeln durch Charlottesville ziehen, immer erkennbar. Da muss dann nicht mehr explizit auf Donald Trump hingewiesen werden.

Der Erfolg von Filmen wie „Black Panther“, „Creed“ und „Get Out“ bei der Kritik und an der Kinokasse und das, wie bei den anderen „Purge“-Filmen, überschaubare Budget halfen sicher auch, sich auf diese Perspektive zu konzentrieren und die Rollen so zu besetzen, wie sie jetzt besetzt sind.

The First Purge“ ist ein B-Actionfilm mit vielen vertrauten Elementen, einer flammenden Klage gegen Machtmissbrauch und ein waschechte Blaxploitation-Film mit viel hemmungslos zelebrierter Black Power. Schon an der Hauptfarbe erkennt man die Bösewichter.

The First Purge (The First Purge, USA 2018)

Regie: Gerard McMurray

Drehbuch: James DeMonaco

mit Y’lan Noel, Lex Scott Davis, Joivan Wade, Steve Harris, Marisa Tomei

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „The First Purge“

Metacritic über „The First Purge“

Rotten Tomatoes über „The First Purge“

Wikipedia über „The First Purge“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Die Säuberung“ (The Purge, USA 2013)

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Anarchy“ (The Purge: Anarchy, USA 2014)

Meine Besprechung von James DeMonacos „The Purge: Election Year“ (The Purge: Election Year, USA/Frankreich 2016)


TV-Tipp für den 5. Juli: Oblivion

Juli 5, 2018

Vox, 20.15

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

Nach dem Krieg gegen die Aliens verließen die Menschen die Erde. Nur einige Männer, wie Jack, sind als Reparaturtrupp für Alien-jagende Drohnen zurückgeblieben. Da stürzt ein Raumschiff mit einer Frau an Bord ab – und Jacks Leben gerät aus dem Ruder.

Optisch überzeugender SF-Film, bei dem man sein Gehirn nicht komplett abschalten sollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Wiederholung: Freitag, 6. Juli, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Oblivion“

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)


Was ist im „Crossed“-Universum „Das kleinere Übel“?

Juli 4, 2018

In der von Garth Ennis erdachten „Crossed“-Welt hat ein hochansteckender Virus die meisten Menschen in dauergeile, Obszönitäten sagende blut- und mordgierige Barbaren verwandelt. In ihrem Gesicht haben sie eine Kreuz-Wucherung. Deshalb werden sie auch die Gefirmten genannt.

Nach der ersten „Crossed“-Geschichte ließ Ennis andere Autoren Geschichten aus der von ihm erdachten Horrorwelt schreiben. Deshalb gibt es keine durchgehenden Charaktere, sondern viele verschiedene Einzelgeschichten, die unabhängig voneinander und in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden können.

Man kann, zum Beispiel, mit dem neuesten „Crossed“-Band „Das kleinere Übel“ beginnen. Mike Wolfer (u. a. „Stitched“) erzählt in dem 19. „Crossed“-Sammelband (und gleichzeitig dem 12. „Badlands“-Band) als Autor und Zeichner die Geschichte einer kleinen Gruppe Überlebender, die sich auf einer Brückenruine, gut gesichert und fast uneinnehmbar, verschanzt haben.

Als zwei gutaussehende, vollbusige junge Frauen auftauchen, ändert sich das Gleichgewicht der Gruppe. Die beiden Traumfrauen haben nämlich eines der beliebten „Surviving D-Day: Wie man die Zombie-Apokalypse überlebt“-Bücher im Gepäck und sie beginnen sofort die Mitglieder der Gruppe gegeneinander auszuspielen. Dabei ist es schon etwas erstaunlich, wie leicht es ihnen vor allem bei den männlichen Mitgliedern der Gruppe gelingt.

Denn so ein Ratgeber ist in seiner Mischung aus ernstgemeinten Ratschlägen und komplettem Unfug nicht unbedingt die beste Handlungsempfehlung. Wolfer nimmt hier auch lustvoll die in „The Walking Dead“ erprobten Methoden des Überlebens und wie Konflikte innerhalb der Gruppe gelöst werden, auseinander.

Als, auf Ratschlag der beiden Schönheiten, ein kleiner Trupp der Brückenbewohner in die nahe gelegene Stadt aufbricht, um Medikamente, Waffen und Lebensmittel zu besorgen, und die Gefirmten (die dieses Mal sprachlich und auch in anderer Hinsicht erstaunlich eloquent sind) auf der anderen Seite der Brücke auftauchen, eskaliert die Situation.

Das kleinere Übel“ erzählt eine spannende Geschichte über eine eingeschlossene Gruppe, deren Gleichgewicht durch zwei Neuankömmlinge durcheinandergebracht wird. Dass die Neuankömmlinge gekonnt auf der Klaviatur sexuellen Begehrens spielen, schadet nicht. Denn auch dieser „Crossed“-Comic ist nicht für Kinder geeignet (wie üblich steht „Empfohlen ab 18 Jahre“ auf dem Cover) und er ist in dieser Form unverfilmbar. Auch nicht als brutales, nicht-jugendfreies, nicht mit nackter Haut geizendes B-Picture.

Mike Wolfer: Crossed 19 – Badlands 12: Das kleinere Übel

(übersetzt von Bluna Williams)

Panini, 2019

140 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Crossed: Badlands 81 – 86

Avatar Press, 2018

Hinweise

Die „Crossed“-Homepage

Wikipedia über „Crossed“

Meine Besprechung von Alan Moore/Gabriel Andrades „Crossed + Einhundert (Band 1)“ (Crossed plus one hundred # 1 – 6, 2015)

Meine Besprechung von Simon Spurrier/Fernando Heinz/Fafael Ortiz‘ „Crossed + Einhundert: Band 2“ (Crossed plus one hundert # 7 – 12, 2016)

Meine Besprechung von Simon Spurrier/Rafael Ortiz/Martin Tunica‘ „Crossed + Einhundert: Band 3“ (Crossed plus one hundert # 13 – 18, 2016)

Meine Besprechung von Kieron Gillen/Rafael Ortiz‘ „Crossed Band 18 – Bandlands 11: Homo Tortor (Crossed: Badlands 75 – 80, 2017)

Meine Besprechung von „Crossed – Monster Edition“ (enthält Garth Ennis/Jacen Burrows „Crossed“ und David Lapham/Javier Barreno „Crossed Band 2: Familienbande“)

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)


TV-Tipp für den 4. Juli: Das Märchen der Märchen

Juli 4, 2018

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Leider zerstören bei der heutigen TV-Premiere die Werbepausen die Märchenstimmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)


Cover der Woche

Juli 3, 2018


TV-Tipp für den 3. Juli: Kein Sterbenswort

Juli 3, 2018

Tele 5, 20.15

Kein Sterbenswort (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Regie: Guillaume Canet

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Bonushinweis

Harlan Coben ist ja ein emsiger Autor, der jedes Jahr einen Thriller veröffentlicht, und seine älteren Myron-Bolitar-Romane müssen auch übersetzt werden. Denn der Goldmann-Verlag begann (nachdem die ersten beiden Bolitar-Romane sich nicht so toll verkauften und dann keine weiteren Romane übersetzt wurden) mit Cobens Einzelromanen, die sich gut verkauften, und flocht, mit Pausen, seine älteren Romane ein. Mit „Seine dunkelste Stunde“ (Darkest Fear, 2000) liegt jetzt die spannende, witzige und mit dem Edgar-, Shamus- und Anthony-Preis ausgezeichnete Bolitar-Serie vollständig auf Deutsch vor. Myron Bolitar ist ein Sportagent, der immer wieder auch als Privatdetektiv arbeitet. Meistens weil seine Schützlinge in Schwierigkeiten geraten.

In „Seine dunkelste Stunde“ taucht Bolitars große Liebe wieder auf. Sie bittet ihn, ihr bei der Suche nach einem Knochenmarkspender für ihren Sohn zu helfen. Die Suche wird schnell sehr gefährlich.

Nach dem siebten Bolitar-Roman „Seine dunkelste Stunde“ legte Coben eine sechsjährige Bolitar-Pause ein, die er 2006 mit „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me) beendete. Seitdem schiebt er zwischen seine Einzelromane immer wieder eine Bolitar-Geschichte.

Vor einigen Tagen erschien sein neuester Einzelroman „In deinem Namen“ (Don’t let go, 2017), der bei mir noch nicht eingetroffen ist, auf Deutsch.

Harlan Coben: Seine dunkelste Stunde

(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)

Goldmann, 2018

384 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Darkest Fear

Delacorte Press, 2000

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Guillaume Canets „Blood Ties“ (Blood Ties, Frankreich/USA 2013)


TV-Tipp für den 2. Juli: Making Judith! (+ drei weitere Filme von Klaus Lemke)

Juli 2, 2018

Tele 5, 22.00

Making Judith! (Deutschland 2017)

Regie: Klaus Lemke

Drehbuch: Klaus Lemke

Keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist: Tele 5 zeigt heute vier (!) Filme von Klaus Lemke, zwei davon erstmals im TV und keiner dürfte in eine endlose Wiederholungsschleife geraten.

Um 20.15 Uhr geht es mit „Das Flittchen und der Totengräber“ (Deutschland 1995) los. Elf Jahre nach ihrer Trennung treffen sich das Flittchen (Cleo Kretschmer) und der Totengräber (Wolfgang Fierek) in Las Vegas wieder.

In der TV-Premiere „Making Judith!“ erzählt er mit sich Hauptrolle, wie er herausfinden will, ob Judith die Hauptdarstellerin oder Produzentin seines nächsten Films werden soll. Und wir sehen, wie ein Klaus-Lemke-Film entsteht.

Anschließend, um 23.50 Uhr, läuft „Die Ratte“ (Deutschland 1993). Da stromern zwei Kleinganoven (u. a. Thomas Kretschmann) durch St. Pauli.

Danach, um 01.35 Uhr, läuft – erstmals im TV! – „Negresco – Eine tödliche Affäre“ (Deutschland 1968), ein Frühwerk des Enfant Terrible. Ein Fotograf will unbedingt eine gutaussehende Millionärsgattin (Ira von Fürstenberg) treffen.

Lemke inszenierte „48 Stunden bis Acapulco“ (1967), „Rocker“ (1972) und „Amore“ (1978).

Lemke grenzte sich mit seinem energischen Stil deutlich von der ersten Erneuerer-Generation des „Oberhauser Manifests“ ab, deren Werke er bereits wieder als „Väter-Filme“ empfand. Tendenzen wie die Literaturverfilmungen Schlöndorffs waren ihm zuwider, ebenso bemühtes soziales Engagement. Doch trotz seiner cinephilen Neigung zur Pose und zum Genre, der die Münchner ohnehin von anderen Vertretern des Neuen Deutschen Films unterschied, hatte er sein ganz eigenes Interesse an roher „Wirklichkeit“. Neben dem bewussten Verzicht auf ausgearbeitete Drehbücher und perfekte Inszenierung wurde die Arbeit mit Laiendarstellern zu seinem Markenzeichen – zugespitzt in Lemkes Aussage, er interessiere sich nicht für Schauspieler, sondern für „richtige Menschen“ und ihre Geschichten, die er in seinem direkten Umfeld und „auf der Straße“ finde.“ (Filmportal)

mit Judith Paus, Polina Lapkovskaja, Klaus Lemke, Sina Bianca Hentschel, Raffael Betzler, Miriam Schmidt

Hinweise

Klaus Lemke Filmpage bei Facebook

Filmportal über Klaus Lemke

Wikipedia über Klaus Lemke


Die Krimibestenliste Juli 2018

Juli 2, 2018

Wenige Tage vor der ‚First Purge“ präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur ihre monatliche Krimibestenliste:

1. Denise Mina – Blut Salz Wasser (Platzierung im Vormonat: 1)

2. Dominique Manotti – Kesseltreiben (Platzierung im Vormonat: 6)

3. Dan Chaon – Der Wille zum Bösen (Platzierung im Vormonat: 2)

4. Joyce Carol Oates – Pik-Bube (Platzierung im Vormonat: 9)

5. Dietrich Kalteis – Shootout (Platzierung im Vormonat: /)

6. Tom Bouman – Im Morgengrauen (Platzierung im Vormonat: /)

7. Aidan Truhen: Fuck You Very Much (Platzierung im Vormonat: 3)

8. Philip Kerr – Kalter Frieden (Platzierung im Vormonat: 8)

9. Douglas E. Winter – Run (Platzierung im Vormonat: 4)

10. Lisa McInerney – Glorreiche Ketzereien (Platzierung im Vormonat: /)

Einiges, wie Mina, Kalteis (ein Deutscher, der seit seiner Kindheit in Kanada lebt und auf Englisch schreibt) und Truhen, liegen auch bei mir herum. Manottis „Kesseltreiben“ lese ich gerade und selbstverständlich ist es ein gutes Buch. Manotti eben.

Mal sehen, ob ich es schaffe, eine kleine Lesetipps-für-den-Strandkorb-Kolumne zu schreiben. Nach der ersten Purge.


TV-Tipp für den 1. Juli: Über den Dächern von Nizza

Juni 30, 2018

Tele 5, 20.15

Über den Dächern von Nizza (To catch a Thief, USA 1955)

Regie.: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: David Dodge: To catch a thief, 1952

John Robie hat sich zur Ruhe gesetzt. Als ein anderer Einbrecher Robies Stil nachahmt, will er im wohlverstandenen Eigeninteresse den Nachahmer fangen.

Lockere Krimikomödie von Hitchcock, die zur Blaupause für künftige kultivierte Thriller-Romanzen werden sollte. Hitchcock war besonders an dem Aspekt der fetischistischen Liebe (To catch a thief) interessiert und pfiff – wie so oft – auf die Logik.

Mit Cary Grant, Grace Kelly (die danach den Fürst von Monaco heiratete), Charles Vanel, Jessie Royce Landis, Brigitte Auber, René Blancard

Wiederholung: Montag, 2. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Über den Dächern von Nizza“

Wikipedia über „Über den Dächern von Nizza“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


TV-Tipp für den 30. Juni: Sleepy Hollow

Juni 30, 2018

Sat.1, 21.50

Sleepy Hollow (Sleepy Hollow, USA 1999)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Andrew Kevin Walker (nach einer Filmgeschichte von Kevin Yagher und Andrew Kevin Walker)

LV (Inspiration): Washington Irving: The Legend of Sleepy Hollow, 1820 (Die Sage von der schläfrigen Schlucht)

1799 soll Constable Ichabod Crane, ein Rationalist vor dem Herrn, in einem kleinen Dorf in der Nähe von New York mehrere Morde aufklären. Die Einheimischen behaupten, die Morde wurden von einem kopflosen Reiter begangen.

Schöner Horrorfilm von Tim Burton.

Hier zwei zeitgenössische Kritiken:

„Die perfekte Mischung aus haarsträubendem Grauen und schwarzem Humor, eine bis ins Detail perfektionistische Umsetzung und eine sichere Hand bei der Führung eines herausragenden Darstellerensembles machen aus ‚Sleepy Hollow‘ eine der ausgereiftesten Regiearbeiten Tim Burtons.“ (Steffen Heinke, Filmecho-Filmwoche)

„ein freudianisches Disneyland erschüttert vom Grand Guignol“ (Mariam Lau, Die Welt)

Die Musik ist von Danny Elfman; Kameramann war Emmanuel Lubezki.

mit Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Casper Van Diem, Jeffrey Jones, Christopher Lee

Wiederholung: Sontag, 1. Juli, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sleepy Hollow“

Wikipedia über „Sleepy Hollow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Tim Burton in der Kriminalakte


Philip Kerr serviert Bernie Gunther einmal „Kalter Frieden“

Juni 29, 2018

Beginnen wir mit der für Philip-Kerr- und Bernie-Gunther-Fans erfreulichen Nachricht: „Kalter Frieden“ ist nicht der letzte Roman des am 23. März 2018 überraschend verstorbenen Kerr. In seiner Heimat sind bereits zwei weitere Gunther Romane erschienen und für nächstes Jahr ist ein weiterer Gunther-Roman, den Kerr vor seinem Tod vollendete, angekündigt.

Das sage ich, weil „Kalter Frieden“ der schlechteste Roman ist, den ich bis jetzt von Philip Kerr gelesen habe.

1956 arbeitet Gunther als Concierge in einem Grandhotel an der Französischen Riviera. Es ist ein ruhiges Leben, bis er einen der Hotelgäste wieder erkennt. Es ist Harold Hennig, ein Untergebener von Gauleiter Erich Koch und Hauptmann beim SD, dem Geheimdienst der SS.

Hennig verwickelt ihn dann auch in eine arg seltsam aufgebaute Erpressergeschichte. Hennig erpresst W. Somerset Maugham mit eindeutig zweideutigen Fotos, die heute noch nicht einmal eine Boulevardzeitung interessieren würden. Damals hätten sie, in den falschen Händen, zu veritablen Skandalen führen können. Hennig schlägt Maugham Gunther als vertrauenswürdigen Vermittler, Kurier und Abwickler der von ihm initiierten Erpressung vor.

Maugham trifft sich mit Gunther und nachdem er ihm erklärt, dass er Hennig hasse, vertraut der Schriftsteller Gunther. Er geht auf Hennigs Vorschlag ein, Gunther als unabhängigen Vermittler zwischen ihnen zu akzeptierten. Und Gunther versucht Maugham zu helfen.

Zur gleichen Zeit bittet die Engländerin Anne French Gunther darum, ihr einen Kontakt zu Maugham zu vermitteln. Sie möchte nämlich eine Biographie über den Schriftsteller schreiben. Gunther will auch ihr helfen.

Und dann geschehen noch einige Ereignisse, die auch in einem Eric-Ambler-Roman gut aufgehoben wären, während wir viel über den englischen Geheimdienst erfahren. Vor allem über die zum Handlungszeitpunkt des Romans noch unbekannten, inzwischen seit Jahrzehnten allseits bekannten, legendären und vielfach in Buch und Film verarbeiteten Geschichte der Cambridge Five, der Gruppe hochrangiger britischer Geheimdienstler, wie Kim Philby, die auch für den KGB arbeiteten.

Dieser 1956 spielende Teil des Romans wird ergänzt durch viele Seiten füllende, aber nicht besonders inhaltsreiche Rückblenden in die Nazi-Zeit. Gunther erzählt Maugham, warum er Hennig abgrundtief hasst. Die längste Rückblende umfasst, mit kurzen Unterbrechungen, über sechzig Seiten, in denen Gunther Maugham erzählt, wie er sich in Königsberg in eine Frau verliebte, wieder Hennig traf und sie auf der Wilhelm Gustloff mitfuhr. Diese Ereignisse haben mit der aktuellen Geschichte nichts zu tun und die einzige für die Handlung wichtige Information dieser Rückblende ist, ist dass Gunther Henning für den Tod seiner Freundin verantwortlich macht.

Später gibt es, wenn Tonbänder abgehört werden, ähnliche Momente, in denen die Handlung zum Stillstand kommt, weil in epischer Länge Dinge ausgebreitet werden, die für die Haupthandlung egal sind. Es ist höchstens eine mäßig interessante Geschichtsstunde.

Was letztendlich auch auf den gesamten Roman „Kalter Frieden“ des sonst zuverlässigen Philip Kerr zutrifft.

Philip Kerr: Kalter Frieden

(übersetzt von Axel Merz)

Wunderlich, 2018

400 Seiten

22,95 Euro

Originalausgabe

The other Side of Silence

Penguin Random House, New York, 2016

Bonushinweis 1

Schon seit einigen Monaten gibt es Bernie Gunthers vorheriges Abenteuer als Taschenbuch. Kerrs zehnter Gunther-Roman „Operation Zagreb“ spielt im Sommer 1942. Bernie soll, auf Befehl von Propagandaminister Goebbels, den Vater von Goebbels‘ Lieblingsschauspielerin finden. Der hat sich den rechtsextremen Ustascha angeschlossen. Und dann verschwindet die Schauspielerin.

Philip Kerr: Operation Zagreb

(übersetzt von Axel Merz)

rororo, 2018

512 Seiten

10,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Wunderlich, 2017

Originalausgabe

The Lady from Zagreb

Quercus, London, 2015

Bonushinweis 2

Für alle, die während der Fußball-WM zwischen den Spielen und den abertausenden WM-Berichten ein gutes Buch, das irgendetwas mit Fußball zu tun hat, lesen wollen, sollten sich die drei von Philip Kerr geschriebenen Fußballkrimis mit Scott Manson, Fußballtrainer und Amateurdetektiv, besorgen. Sie bieten Fußballfans genug Klatsch und Tratsch aus der Welt des Fußballs für mehrere Abende.

Für die Fußballverächter gibt es einen spannenden Rätselplot und viel schwarzen Humor.

Die ersten beiden Scott-Manson-Krimis „Der Wintertransfer“ und „Die Hand Gottes“ habe ich ja schon abgefeiert. Im dritten Manson-Krimi „Die falsche Neun“ soll der Fußballtrainer und Amateurdetektiv Scott Manson für den FC Barcelona deren spurlos verschwundenen Stürmer Jérôme Dumas finden. Irgendwo zwischen Paris und der Karibik.

Philip Kerr: Die falsche Neun

(übersetzt von Hannes Meyer und Simone Jakob)

Tropen, 2016

368 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

False Nine

Head of Zeus, London, 2015

Die Taschenbuchausgabe ist bei Tropen für den 22. September angekündigt. Sie kostet 9,95 Euro.

Hinweise

Homepage von Philip Kerr

Krimi-Couch über Philip Kerr

Wikipedia über Philip Kerr (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Philip Kerrs „Der Wintertransfer“ (January Window, 2014)

Meine Besprechung von Philip Kerrs „Die Hand Gottes“ (Hand of God, 2015)


TV-Tipp für den 29. Juni: U-Boot in Not

Juni 29, 2018

3sat, 22.30

U-Boot in Not (Gray Lady Down, USA 1977)

Regie: David Greene

Drehbuch: James Whittaker, Howard Sackler, Frank P. Rosenberg

LV: David Lavallee: Event 100, 1971

60 Meilen vor Cape Cod havariert ein Atom-U-Boot. Wasser dringt ein und das U-Boot droht in einen Unterwasser-Canyon abzurutschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Ein starbesetzter Unterwasserkatastrophenfilm, der mir als Teenager gut gefiel und den ich mir mal wieder ansehen könnte.

Obwohl die Kritiken eher mau sind: „Ohne Interesse für die psychologische Situation der eingeschlossenen Menschen vordergründig inszenierter Katastrophen-Film, der nicht mehr als die schulbuchmäßige Demonstration eines aufwendigen Rettungssystems der Marine bietet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein an Langeweile grenzender, vorhersehbarer und fürchterlich konstruierter Katastrophenfilm (…) wurde für die Universal zu einem saftigen Verlustgeschäft.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Jerry Fielding schrieb die Musik.

mit Charlton Heston, Stacy Keach, David Carradine, Ned Beatty, Ronny Coc, Stephen McHatti, Michael O’Keefe, Christopher Reeve

Hinweise

Rotten Tomatoes über „U-Boot in Not“

Wikipedia über „U-Boot in Not“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Renegades – Mission of Honor“ ist diese Schatzsuche

Juni 28, 2018

Renegades – Mission of Honor“ ist der mehr oder weniger neue Film aus Luc Bessons Filmfabrik und, wie man es von ihm gewohnt ist, hat er am Drehbuch mitgeschrieben. Die Regie übernahm dieses Mal „Storm Hunters“- und „Final Destination 5“-Regisseur Steven Quale. Die Geschichte ist, wie man es von Besson gewohnt ist, eine sattsam bekannte Geschichte, die er mit viel Action und Humor einfach noch einmal präsentiert und sich dabei nicht sonderlich um Originalität und Plausibilität bemüht. Denn sonst müsste man in diesem Fall überlegen, warum die Nazis 1944 einen Goldschatz und wertvolle Gemälde aus Deutschland nach Jugoslawien befördern. Die Fahrt der Deutschen endet in einem Dorf in der Nähe von Sarajewo. Dort wird der Staudamm gesprengt und das Dorf befindet sich fortan auf dem Grund eines Sees. Die Goldbarren ebenso.

1995 werden fünf Navy Seals nach einem in Sarajewo etwas aus dem Ruder gelaufenem Einsatz vom Dienst suspendiert. Anstatt ihren Auftrag still und heimlich zu erledigen, verballerten sie etliche Magazine und zerstörten mit einem geklauten Panzer, den sie auch als U-Boot benutzten, die kriegsversehrte Stadt weiter.

Während ihrer freien Tage erzählt ihnen die Einheimische Lara von dem Schatz, der seit einem halben Jahrhundert auf dem Boden des Sees liegt und der beim Wiederaufbau des Landes eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Die Navy-Seals Matt, Stanton, Ben, Jackson und Duffy wollen ihr helfen und anschließend die Beute fifty-fifty teilen.

Das ist ein Unterschied zu den bekannten Vorbildern von „Renegades – Mission of Honor“. In „Stoßtrupp Gold“ (Kelly’s Heroes, USA 1970) und „Die Glorreichen“ (Les Morfalous, Frankreich/Tunesien 1983) wollten die Soldaten die Goldbarren für sich. Ein weiterer Unterschied ist, dass diese prominent besetzten Filme vom Anfang bis zum Ende Action und Humor haben. „Renegades – Mission of Honor“ hat Action nur am Anfang und danach in homöopathischen Dosen. Humor ist ebenfalls dünn gesät. Da helfen auch nicht die wenigen, kurzen Auftritte von J. K. Simmons als cholerischen Vorgesetzten mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Er poltert zunächst pflichtgemäß und lobt seine Jungs anschließend. Immerhin stimmt das Ergebnis des Einsatzes.

Renegades – Mission of Honor“ ist nicht das versprochene wirklichkeitsferne Actionfeuerwerk, sondern ein ziemlicher Langweiler, der nie auch nur versucht, sein Potential auszuschöpfen.

Da war „Das A-Team“ unterhaltsamer.

Gedreht wurde „Renegades – Mission of Honor“ bereits im Frühjahr 2015 im Studio Babelsberg, Belgien, Malta und Kroatien und danach mehrmals angekündigt. Letztendlich hatte der Film am 31. August 2017 in Taiwan seine Premiere. In Frankreich soll er am 29. August starten.

Renegades – Mission of Honor (Renegades, Frankreich/Deutschland 2017)

Regie: Steven Quale

Drehbuch: Richard Wenk, Luc Besson

mit J. K. Simmons, Sullivan Stapleton, Clemens Schick, Sylvia Hoeks, Charlie Bewley, Joshua Henry, Diarmaid Murtagh, Dimitri Leonidas, Ewen Bremner

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Renegades“

Metacritic über „Renegades“

Rotten Tomatoes über „Renegades“

Wikipedia über „Renegades“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Quales „Storm Hunters“ (Into the Storm, USA 2014)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Love, Simon“, Teenager, weiß, schwul, in Georgia lebend

Juni 28, 2018

Ich bin so wie du.

Im Wesentlichen ist mein Leben völlig normal.

Mein Dad war der gut aussehende Quarterback, der die scharfe Jahrgangsbeste geheiratet hat. Und nein, die Highschool war nicht der Höhepunkt ihres Lebens.

Ich habe eine Schwester, die ich sogar mag. Ich sage ihr das natürlich nicht. Und letztes Jahr, nach 200 Folgen von einer Kochshow, hat sie beschlossen, dass sie Köchin werden will. Das heißt, wir sind jetzt alle ihre Testpersonen.

Und dann sind da meine Freunde.

Zwei von ihnen kenne ich praktisch seit Anbeginn der Zeit. Oder wenigstens seit dem Kindergarten.

Eine kenne ich erst seit ein paar Monaten, aber ich habe das Gefühl, ich kenne sie schon ewig.

Wir machen alles, was Freunde so tun. Wir trinken viel Iced Coffee, sehen uns schlechte Neunzigerjahre-Filme an und träumen im Waffle House vom College und stopfen uns mit Kohlenhydraten voll.

Und wir stehen immer zueinander.

Also, wie gesagt, ich bin genau wie du. Ich habe ein völlig normales Leben.

Nur dass ich ein riesiges Geheimnis habe.

(Simons erste Worte in „Love, Simon“, Voice Over)

 

Ich gehöre nicht zum Zielpublikum von „Love, Simon“ und ich würde meinen erwachsenen Freunden zum Thema andere Bücher und Filme empfehlen, wie „Call me by your Name“.

Aber mit diesem Buch und Film würde das Zielpublikum von „Love, Simon“ wahrscheinlich wenig anfangen können. Denn „Love, Simon“ ist ein Coming-of-Age-Film für Schüler. Der Film erzählt eine typische, an einer US-Highschool spielende Coming-of-Age-Geschichte. Mit einem kleinen Unterschied, der aus dem Film dann etwas Besonderes macht. Der titelgebende Simon ist schwul. Und das ist innerhalb des Genres ein großer Schritt hin zur Realität. Denn Simon ist der gut aussehende Protagonist und er hat mit seiner Homosexualität keine Probleme. Auch wenn er sich, wegen der offensichtlichen, damit verbundenen Probleme, noch nicht öffentlich zu seine sexuellen Orientierung bekannt hat. Im Film gibt es eine schöne Szene viel über unseren Umgang mit Sexualität verrät. Simon fragt sich, warum nicht jeder sich outen müsste und wie es wäre, wenn die Eltern beim Bekenntnis zur Heterosexualität peinlich berührt, entsetzt und schockiert wären.

Simon sucht noch, wie man es aus unzähligen Highschool-Filmen, Romantic Comedies und Schnulzen kennt, die richtige Person für das erste Mal, die die große Liebe und die Frau (den Mann? den Partner?) fürs Leben. Und bis es zum ersten Kuss kommt, muss unser Held einige Abenteuer bestehen.

Greg Berlanti erzählt in seinem, auf Becky Albertallis Jugendbuch-Bestseller basierendem Film diese Geschichte. Mit schönen Menschen in einer schönen Gegend in schönen Bildern, die auch in einer Nicholas-Sparks-Schnulze nicht negativ auffallen würden.

Eines Abends entdeckt Simon im Internet einen Text von „Blue“, der wie er Schüler an der Creekwood High in Shady Creek, einem Vorort von Atlanta, Georgia ist und der ebenfalls schwul ist. Simon legt sich das Pseudonym „Jacques“ zu und sie beginnen sich emsig online auszutauschen. Ohne ihre wahre Identität zu kennen. Simon, ein wahrer Frauenschwarm, fragt sich, wer von den Jungs an der Schule Blue ist.

Sein Leben wird noch komplizierter, als er sich nach einer auf dem Schulcomputer geschriebenen Nachricht an Blue nicht abmeldet. Sein Schulfreund und Klassenclown aus Verzweiflung Martin entdeckt Simons Geheimnis. Weil Martin in Simons Freundin Abby verliebt ist und sie nichts von ihm wissen will, erpresst er Simon. Er soll ihn mit ihr verkuppeln.

Von der Story her ist „Love, Simon“ ein typischer, kitschiger Coming-of-Age-Film über die erste Liebe, garniert mit einigen typischen Schulproblemen, verständnisvollen Eltern und Lehrern und gut aussehenden, höflichen Teenagern. Und etwas Humor der netten Art.

Aber dieses Mal spielt die sattsam bekannte Geschichte über die Suche nach der großen Liebe sich nicht zwischen einem Jungen und einem Mädchen ab. Es geht auch nicht um einen schüchternen Jungen, der sich in die Klassenschönheit (und, ja, das kann verraten werden, Blue ist ein gut aussehender Junge) verliebt, sondern es geht um einen Jungen, der einen anderen Jungen sucht, in den er aufgrund seiner E-Mails verliebt ist und dessen Identität er nicht kennt.

Damit erzählt „Love, Simon“, soweit ich den Überblick habe, zum ersten Mal, in einer Mainstream-Highschool-Komödie eine schwule Coming-of-Age-Geschichte. Und in diesem Genre gehört Berlantis Film zu den gelungenen Vertretern. Wegen Simons im Film bis zu seinem Zwangsouting gegenüber seinem Umfeld lange verschwiegener Homosexualität, haben viele Dialoge eine doppelte Bedeutung. So ist auch das Musical „Cabaret“, das Simon und seine Freunde für eine Schulaufführung proben, bewusst ausgewählt.

Besonders subtil ist das nicht. Aber „Love, Simon“ ist auch nicht der Film für den Cineasten, der endlich einmal eine schwule Liebesgeschichte sehen will, sondern für Jugendliche, die endlich einmal eine schwule Liebesgeschichte sehen sollen – und die ihnen bei der Akzeptanz ihrer Sexualität und ihrem Outing helfen kann. Denn Simon ist ein ganz normaler Junge. Es ist auch ein Aufruf zur Toleranz. Verpackt in eine konventionellen Geschichte mit einem Protagonisten, den niemand von der Bettkante stoßen würde. Wie man so sagt.

Und so ist der Film für die Menschheit noch nicht einmal ein kleiner Schritt (ich sage nur „Call me by your Name“), aber ein großer für das Mainstream-Coming-of-Age-Genre.

Der mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Roman ist allerdings deutlich schwächer als die Verfilmung. Das Buch liest sich mit seinen dürftigen Beschreibungen wie ein Roman zum Film, der einfach nur das Drehbuch nacherzählt und dabei auf jegliche literarische Schnörkel und vertiefende, die Erzählgeschwindigkeit hemmende Beschreibungen verzichtet.

Im Gegensatz zum Film beginnt Albertalli mit der Erpressung von Martin. Damit setzt sie eine vollkommen andere Spannungskurve als der Film, in dem Simon am Anfang auf der schulischen Klatschseite creeksecrets auf den Text seines Seelenverwandten stößt. Im Film geht es daher von der ersten Minute an um die Frage, wie Simon mit seiner Sexualität und seinen Gefühlen umgeht. Im Buch muss er sich dagegen zuerst einmal um eine Erpressung kümmern. Und während der Film ständig, bei jedem Blick, jedem Satz, jedem Gespräch um die Frage kreist, welcher Mitschüler Blue ist, wird dieser Spannungsmoment von Albertalli fast gänzlich ignoriert. Deshalb sind alle Dialoge im Film wesentlich doppeldeutiger als im Buch. So gibt es im Film eine Szene, in der Simon und seine Freundin (früher hätte man sie Sandkastenliebe genannt) darüber reden, wen sie lieben und dabei, ohne dass sie es bemerken, aneinander vorbeireden. So proben die Schüler im Buch das Theaterstück „Oliver!“, basierend auf Charles Dickens‘ „Oliver Twist“. Im Film proben sie für die Schulaufführung das im Berlin in den frühen dreißiger Jahren spielende Musical „Cabaret“, das dann, auf mehreren Ebenen, Simons Geschichte spiegelt.

Love, Simon (Love, Simon, USA 2018)

Regie: Greg Berlanti

Drehbuch: Isaac Aptaker, Elizabeth Berger

LV: Becky Albertalli: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda, 2015 (Nur drei Worte; Love, Simon)

mit Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg Jr., Logan Miller, Miles Heizer, Kerynan Lonsdale, Josh Duhamel, Jennifer Garner, Tony Hale, Natasha Rothwell

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

(Trivia: In den USA: Rated PG-13 for thematic elements, sexual references, language and teen partying)

Die Vorlage

Zum Filmstart erschien eine Filmausgabe, die ihren Namen wirklich verdient. Denn der Verlag spendierte nicht nur ein neues Cover, sondern auch einen 8-seitigen Bildteil, einen Ausschnitt aus dem Drehbuch und ein sehr kritikloses Gespräch zwischen Becky Albertalli, Simon-Darsteller Nick Robinson und Regisseur Greg Berlanti.

Becky Albertalli: Love, Simon

(Filmausgabe)

(übersetzt von Ingo Herzke)

Carlsen, 2018

336 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Nur drei Worte

Carlsen, 2016

Originalausgabe

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Balzer + Bray, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Love, Simon“

Metacritic über „Love, Simon“

Rotten Tomatoes über „Love, Simon“

Wikipedia über „Love, Simon“ (deutsch, englisch)

Homepage von Becky Albertalli

Das Gespräch in der Build Series mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern


TV-Tipp für den 28. Juni: The Zero Theorem

Juni 28, 2018

Tele 5, 22.35

The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem (The Zero Theorem, Großbritannien/Rumänien 2013)

Regie: Terry Gilliam

Drehbuch: Pat Rushin

Qohen Leth soll das Zero Theorem, die Formel für den Sinn des Lebens knacken, und er wartet auf einen wichtigen Anruf.

Optisch brillante, inhaltlich leere Dystopie von Terry Gilliam, die in der Tradition seiner Meisterwerke „Brazil“ und „12 Monkeys“ steht, ohne deren Qualität zu erreichen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere.

mit Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Tilda Swinton, Sanjeev Bhaskar, Peter Stormare, Ben Whishaw

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Zero Theorem“
Moviepilot über „The Zero Theorem“
Metacritic über „The Zero Theorem“
Rotten Tomatoes über „The Zero Theorem“
Wikipedia über „The Zero Theorem“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terry Gilliams „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ (The Zero Theorem, Großbritannien/Rumänien 2013)


TV-Tipp für den 27. Juni: Men & Chicken

Juni 27, 2018

Arte, 22.55

Men & Chicken (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)

Regie: Anders Thomas Jensen

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Um ihren Vater, den Genetiker Evelio Thanatos, kennen zu lernen, fahren die Halbbrüder Elias und Gabriel auf die Insel Ork. Das von ihm betriebene Sanatorium ist eine Bruchbude. Ihre dort lebenden Halbbrüder sind bekloppt und wollen Elias und Gabriel nicht zu ihrem Vater lassen.

Ein ziemlicher Klamauk, gedreht in den Beelitz-Heilstätten bei Potsdam.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mads Mikkelsen, David Dencik, Nikolaj Lie Kaas, Søren Malling, Nicolas Bro, Ole Thestrup, Bodil Jørgensen, Kirsten Lehfeldt, Lisbeth Dahl, Rikke Louise Andersson

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Men & Chicken“
Moviepilot über „Men & Chicken“
Wikipedia über „Men & Chicken“
Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens (Drehbuch) „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)


Cover der Woche

Juni 26, 2018


TV-Tipp für den 26. Juni: Todesfalle Highlands

Juni 26, 2018

3sat, 22.25

Todesfalle Highlands (A lonely place to die, Großbritannien 2011)

Regie: Julian Gilbey

Drehbuch: Julian Gilbey, Will Gilbey

Bei einer Klettertour durch die schottische Highlands entdecken fünf Wanderer in einem Erdversteck ein gefangen gehaltenes serbisches Mädchen. Sie wollen ihr helfen.

Auf dem Fantasy-Filmfest gezeigter Survival-Thriller. Bei der Kritik kam der harte, in Schottland gedrehte Thriller gut an.

Spannender, dicht inszenierter und vorzüglich fotografierter Thriller, der nie seine glaubwürdigen Charaktere aus den Augen verliert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film ist FSK-18. D. h. es wird wahrscheinlich eine um zwei Minuten gekürzte Fassung gezeigt.

mt Melissa George, Ed Speleers, Eamon Walker, Sean Harris, Alec Newman, Karl Roden, Kate Magowan

auch bekannt als „A lonely place to die – Todesfalle Highlands“ (DVD-Titel)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Todesfalle Highlands“

Wikipedia über „Todesfalle Highlands“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte über „Todesfalle Highlands“


Der „Pik-Bube“ ist ein schlimmer Finger – und Joyce Carol Oates ist dafür verantwortlich

Juni 25, 2018

Pik-Bube ist das Pseudonym von Andrew J. Rush, dem „Stephen King für den Bildungsbürger“. Als Pik-Bube schreibt er so richtig dreckige, düstere, amoralische Thriller, in denen er seine niederen Triebe auslebt. Er schreibt sie wie in einem Fiebertraum und sie verkaufen sich zunehmend besser. Trotzdem kennt niemand die wahre Identität von Pik-Bube, seinem bösen Bruder.

Rush lebt glücklich verheiratet mit seiner Frau Irina in der Kleinstadt, in der er vor 53 Jahren geboren wurde. Als er sie kennen lernte, schrieb sie ebenfalls und, so Rushs Meinung, sogar besser als er. Trotzdem hörte sie mit dem Schreiben auf. Seine drei Kinder sind erwachsen und gut geraten. Im Dorf in New Jersey ist der sanftmütige Schriftsteller mit seiner Bilderbuchfamilie allseits geachtet.

Eines Tages erhält er einen Brief vom städtischen Gericht. Er erfährt, dass C. W. Haider ihn beschuldigt, ein Plagiator zu sein. Haider ist eine alte, vermögende Jungfer, die schon etliche Autoren – erfolglos – des Plagiats beschuldigte. Unter anderem Stephen King.

Es kommt zur Gerichtsverhandlung und später klaut Rush aus Haiders Bibliothek einige wertvolle alte Bücher und blättert, aus Neugierde, in einigen ihrer Manuskripte herum. Dabei entdeckt er erstaunlich viele Parallelen zu den später erschienen Bestsellern von Stephen King, John Updike (Die Hexen von Eastwick) und seinen Romanen.

Und Pik-Bube scheint immer mehr Besitz von Rush zu ergreifen.

Woher ein Schriftsteller seine Ideen hat, ist bei Lesungen eine der immer gestellten Fragen. Sie beschäftigt auch Schriftsteller und Krimifans dürften schnell einige Thriller nennen können, in denen ein vermeintlicher oder echter Ideendiebstahl fatale Folgen für den Schriftsteller hat. Manchmal ist ein Fan auch einfach nur sehr verärgert über das neue Werk des bewunderten Schriftstellers und „Sie“ (Misery) versucht ihn zu überzeugen, ein besseres Buch zu schreiben. Der allseits bekannte Horrorautor Stephen King, – um nur einen Namen zu nennen -, schrieb mehrere Geschichten darüber. Als Richard Bachmann veröffentlichte er mehrere Romane und als dieses Pseudonym enttarnt wurde, schrieb er darüber „Stark – The Dark Half“. In dem Horrorthriller mischt sich das Alter Ego mit tödlichen Folgen in das Leben seines Erfinders ein. Stephen King ist auch der von Joyce Carol Oates immer wieder zitierte Schriftsteller, zu dem Rush eine Hassliebe hat und, wer sich ein wenig in Stephen Kings Biographie auskennt, wird in „Pik-Bube“ viele, teilweise sehr offensichtliche, Anspielungen auf Kings Werk und Leben finden. Das Entdecken dieser Anspielungen ist ein Teil des Spaßes beim Lesen dieses kleinen Thriller.

Auch wenn „Pik-Bube“ wie ein Kriminalroman beginnt, wird er schnell zu einer psychologischen Studie eines Schriftstellers, erzählt von ihm selbst, und zu einem Horrorthriller. Ohne Monster und Geister.

Der zweihundertseitige Roman ist ein herrlich fieser, auf mehreren Ebenen funktionierender Spaß einer mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichneten Autorin, die in zahlreichen Genres und auch unter Pseudonym mehrere Romane veröffentlichte. Wie Rosamond Smith und Lauren Kelly.

Joyce Carol Oates: Pik-Bube

(übersetzt von Frauke Czwikla)

Droemer, 2018

208 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Jack of Spades

The Myterious Press, New York 2015

Hinweise

Wikipedia über Joyce Carol Oates (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Pik-Bube“

Meine Besprechung von François Ozons Joyce-Carol-Oates-Verfilmung „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)