Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs)
LV: Mike Mignola: Hellboy
Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.
„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen der Prä-Marvel-Cinematic-Universe-Ära. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.
Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans, Karel Roden, Jeffrey Tambor
Er spielte in mehr Blockbuster mit als jeder andere Schauspieler (behaupte ich mal bis zum Beweis des Gegenteils) und er schuf, mit einigen talentierten Zeichnern und Autoren, Marvel Comics mit unzähligen oft schon seit Jahrzehnten bekannten und beliebten Superhelden.
Toni Erdmann (Deutschland/Österreich/Rumänien 2016)
Regie: Maren Ade
Drehbuch: Maren Ade
Winfried, ein Alt-68er, will die sich auf dem Tiefpunkt befindende Beziehung zu seiner Tochter verbessern. Diese berät in Bukarest eine Firma bei geplanten Massenentlassungen. Er besucht sie und, als sie die väterliche Nervensäge loswerden will, wird er zu Toni Erdmann, der schlechten Parodie eines Unternehmensberaters.
Feelbad-Movie mit unzähligen Fremdschäm-Momenten, das zu einem Kassenhit wurde. „Toni Erdmann“ ist kein Film, den man unbedingt zweimal sehen will, aber unbedingt einmal sehen sollte.
Über ein Hollywood-Remake wird immer noch gesprochen.
Star Wars: Das Erwachen der Macht (Star Wars: The Force awakens, USA 2015)
Regie: J.J. Abrams
Drehbuch: Lawrence Kasdan, J.J. Abrams, Michael Arndt
LV: Charaktere von George Lucas
Dreißig Jahre nach den aus „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ bekannten Ereignissen: Immer noch kämpfen die Rebellen (die sich jetzt „Neue Republik“ nennen) gegen das böse Imperium (das sich jetzt „Erste Ordnung“ nennt). Der böse Kylo Ren (aka Darth Vader) will einen Planetenzerstörer bauen. Nur die junge Waise Rey kann das verhindern. Denn sie hat in diesem Film eine noch ungeklärte Beziehung zur Macht. Währenddessen ist Luke Skywalker schon seit Jahren spurlos verschwunden. Aber dafür sind Han Solo, Chewbacca und Leia Organa dabei.
Die von den Fans heißersehnte, an der Kinokasse unglaublich erfolgreiche und von der Kritik abgefeierte Fortsetzung der „Krieg der Sterne“-Saga.
mit Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Max von Sydow, Carrie Fisher, Harrison Ford, Mark Hamill, Kenny Baker, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Gwendoline Christie, Lupita Nyong’o
Inzwischen ist die Romanfassung von „Die letzten Jedi“, der Fortsetzung von „Das Erwachen der Macht“ erschienen. Anscheinend gelingt es Jason Fry einige der Lücken des Films zu schließen.
Als Armin aufwacht ist irgendetwas mit der Welt geschehen. Denn über Nacht verschwanden alle anderen Menschen.
Das ist die, uuh, Ausgangslage von Ulrich Köhlers neuem Film „In my Room“. Es ist der Werbeschwerpunkt und die spannende „Was würdest du tun, wenn“-Frage kann erst danach gestellt und beantwortet werden. Aber bevor Armin der letzte Mann auf der Erde ist und wir beobachten, wie er darauf reagiert, sehen wir ihn erst einmal lange in seinem normalen Leben in Berlin als Kameramann für die TV-Nachrichten, auf der Suche nach einem One-Night-Stand. Erkennbare Ambitionen hat er keine und wahrscheinlich auch niemals gehabt. Er fährt in sein Heimatdorf in Ostwestfalen-Lippe. Seine Großmutter liegt im Sterben. Seine inzwischen getrennt lebenden Eltern lernen wir da auch gleich kennen. All das beobachtet Köhler sehr präzise.
Dieses lange und letztendlich viel zu lange und für die restliche Filmgeschichte viel zu bedeutungslose Vorspiel weist schon darauf hin, dass Köhler nicht an einem Endzeitdrama und den Versuchen des Protagonisten interessiert ist, gegen alle möglichen und unmöglichen Widerstände zu überleben, und seiner Suche nach einem Grund für das plötzliche Verschwinden der Menschheit.
Denn Armin hat keine Gegner. Niemand und nichts bedroht sein Leben. Er hat auch kein Interesse daran, die Welt zu erkunden, nach anderen Menschen zu suchen und herauszufinden, was geschah.
Stattdessen wird er sesshaft. Am Waldrand baut er sich eine Hütte und er wird zum Bauern. Das geschieht ebenfalls ohne große Probleme; was etwas erstaunlich ist, weil nicht alle Jungs, die auf dem Land groß wurden handwerkliche Fähigkeiten haben und Armins uns bekanntes Leben keinen Hinweis auf diese praktischen Fähigkeiten lieferte. In Berlin konnte er noch nicht einmal die Kamera richtig bedienen (was zu einem wunderschön absurden Filmanfang führt) und sein Mini-Apartment hatte den Charme einer Studentenwohnung. Jetzt passt er sich scheinbar mühelos, klaglos und schnell an seine neue Situation an. Aber vielleicht hat Armin diese Anpassungsprobleme auch zwischen den Bildern gehabt. Als Bauer wirkt er glücklich.
Eines Tages (und reichlich spät im Film) trifft er Kirsi. Die junge Frau fährt durch die Welt. Jetzt zieht sie bei ihm ein. Aber wird sie bleiben? Und werden die beiden letzten Menschen auf der Welt ein Paar?
„In my Room“ ist „ein Film über das beängstigende Geschenk absoluter Freiheit“ (Presseheft). „Das Verschwinden der Menschheit ist der Rahmen für ein Experiment, das den Widerspruch zwischen Freiheitsdrang und dem Wunsch nach Geborgenheit untersucht. Die menschenleere Welt ist eine Versuchsanordnung, die der Frage nachgeht, ob wir – frei von sozialen Zwängen – zu einem Neuanfang in der Lage wären“, so Ulrich Köhler über seinen Film.
Daher knüpft „In my Room“ auch nicht an Dystopien wie „I am Legend“ oder, obwohl da sehr viele Menschen und Zombies überlebten, „The Walking Dead“ an. Eher schon ist Marlen Haushofers „Die Wand“ eine Inspiration. In dem inzwischen auch verfilmten Klassiker ist die Protagonistin in den Alpen plötzlich von einer unsichtbaren Wand, die sie am Verlassen des Gebiets hindert, umgeben. Auch „Die Arbeit der Nacht“ von Thomas Glavinic fällt einem wegen der gleichen Ausgangssituation ein. In diesem Roman sucht der Protagonist allerdings nach anderen Menschen und er verlässt seinen Heimatort. Erklärungen für das Verschwinden der Menschen fehlen und es wird keine Interpretation vorgegeben. Wie in Köhlers Film.
Am Ende ist Köhlers zweistündige, in drei Teile zerfallende, handlungsarme Versuchsanordnung das Porträt eines bindungslosen Mannes, der die absolute Freiheit nur nutzt, um sich in seiner alten Heimat eine Hütte zu bauen.
In my Room (Deutschland/Italien 2018)
Regie: Ulrich Köhler
Drehbuch: Ulrich Köhler
mit Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn, Ruth Bickelhaupt, Emma Bading, Katharina Linder, Felix Knopp, Kathrin Resetarits
Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?
Einen solchen Film hätte man von Paul Feig nicht erwartet. Er ist vor allem als Regisseur von enorm erfolgreichen Komödien bekannt. „Brautalarm“, „Taffe Mädels“ (The Heat) „Spy: Susan Cooper Undercover“ und „Ghostbusters“. Immer mit Frauen in den Hauptrollen, immer mit Melissa McCarthy und immer mehr als nur einen Tick über dem Klamauk der meisten improvisationsfreudigen US-Komödien, die Infantilität als Humor verkaufen.
Da ist „Nur ein kleiner Gefallen“ eine Überraschung. Denn obwohl es einiges zu Lachen gibt, ist der Film mehr ein Neo-Noir als eine Komödie.
Im Mittelpunkt steht Stephanie Smothers (Anna Kendrick). Die allein erziehende Witwe ist eine typische Soccer-Mum, die Kuchen für alle backt, hilfsbereit bis zur Selbstaufgabe ist und einen Vlog hat, in dem sie Küchentipps gibt und vor laufender Kamera, vor sich hin plappernd, Essen kocht.
Da trifft sie Emily Nelson (Blake Lively, kälter als eiskalt). Ihr Sohn Nicky geht in die gleiche Klasse wie Stephanies Sohn Miles. Emily ist eine für die Vorstadt mehr als mondäne, in New York arbeitende Mode-PR-Chefin, die mit einem erfolgreichen englischen Autor verheiratet ist. Wobei Sean Townsend (Henry Golding) nach seinem gefeierten Debüt kein weiteres Buch mehr schrieb. Inzwischen bestreitet Emily das Familieneinkommen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund findet Emiliy die unbeholfene und arg naive Stephanie sympathisch. Sie schüttet ihr ihr Herz aus. Auch dass ihr Mann gar nicht so nett sei, wie er auf den ersten Blick erscheine. Die beiden ungleichen Frauen werden beste Freundinnen. Der gewiefte Krimifan vermutet bei dieser Freundschaft selbstverständlich sehr unschöne Hintergedanken von Emily und auch die anderen Schuleltern trauen dieser Freundschaft nicht.
Eines Tages bittet Emily Stephanie um einen Gefallen: sie soll einige Stunden auf ihren Sohn aufpassen. Aber Emily holt Nicky nie ab. Sie verschwindet spurlos.
Stephanie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um Emily zu finden. Sie schnüffelt herum, sie ruft ihre Follower auf, ihr bei der Suche nach Emily zu helfen. Sie fragt sich, ob Emily verschwunden ist oder von ihrem Mann Sean umgebracht wurde.
Wir fragen uns, ob Stephanie wirklich so unschuldig ist, wie sie tut. Schließlich ist auch sie immer so nervig überdreht naiv und freundlich, dass sie schon dadurch verdächtig wirkt. Und natürlich wäre Sean ein gut aussehender und vermögender Ehemann, der mit einer liebevollen Ehefrau sicher wieder Bücher schreiben würde.
Weil Feig in „Nur ein kleiner Gefallen“ herrlich unbekümmert zwischen Neo-Noir und banaler Krimikomödie pendelt, ist auch lange unklar, wie die Geschichte endet. Denn während in einem Noir alles in schönster Verzweiflung endet und alle Pläne scheitern, endet in einer Krimikomödie alles viel optimistischer. Vor allem in erfolgreichen Serien wie „Monk“, „Psych“ (beides TV, aber auch einige Buchfälle) und den Stephanie-Plum-Krimis von Janet Evanovich (Romane, aber auch ein Kinofilm, der wie der Auftakt zu einer TV-Serie aussieht) endet alles immer harmonisch, bis der Ermittler nächste Woche einen neuen Fall hat. Stephanie Smothers gehört in diesen Krimikosmos. Sie hätte als eine Wiedergängerin von Miss Marple und all den anderen, die Polizei nervenden Ermittler, das Potential für eine nette, beschauliche Krimiserie. So in Richtung „Mord mit Aussicht“ oder flauschigem Regiokrimi, in denen nie etwas wirklich Schlimmes passiert und am Ende die Welt in Ordnung ist.
Aber schon bevor Emily verschwindet, ist klar, dass in „Nur ein kleiner Gefallen“ jeder jeden betrügt, man jedem mühelos die schlimmsten Absichten unterstellen kann und irgendwo vor unseren Augen ein ziemlich gemeiner Betrug oder Mord verborgen ist. Das ist dann, in schönster Neo-Noir-Tradition, ziemlich nah an „Wild Things“. Wenn da nicht die ach so tölpelhafte Stephanie wäre, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.
„Nur ein kleiner Gefallen“ ist als Drahtseilakt zwischen harmloser Krimikomödie und fiesem Neo-Noir ein ziemlicher Spaß, der gerade weil er so unvereinbare Stile miteinander kombiniert, bis zum Schluss spannend bleibt.
Nur ein kleiner Gefallen (A simple Favor, USA 2018)
Regie: Paul Feig
Drehbuch: Jessica Sharzer
LV: Darcey Bell: A simple Favor, 2017 (Nur ein kleiner Gefallen – A simple Favor)
mit Anna Kendrick, Blake Lively, Henry Golding, Andrew Rannells, Jean Smart, Bashir Salahuddin, Joshua Satine, Ian Ho, Rupert Friend
Zweiter Weltkrieg, wenige Stunden vor dem D-Day: eine Einheit von US-Soldaten soll in einem französischen Dorf eine in einer Festung liegende Funkanlage zerstören. Dieser schon schwierige Auftrag wird zu einer Selbstmordmission, als sie feststellen, dass die Nazis in der Festung mit Menschen experimentieren. SS-Offizier Wafner will unzerstörbare, hemmungslose und kampfgierigie Soldaten für das tausendjährige Reich züchten.
Die tapferen US-Soldaten beschließen, obwohl sie zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen sind, ihren Auftrag etwas zu erweitern. Zusammen mit einer Dorfbewohnerin stürmen sie die Festung.
Und weil die Besetzung aus unbekannten Schauspielern besteht, ist auch etwas unklar, wer das Schlachtfest mit viel Blut, Gore und Splatter überlebt.
Es ist allerdings auch ein Schlachtfest, das nur aus diesen Oberflächenreizen besteht. Jedenfalls in der zweiten Hälfte, wenn aus dem Kriegsfilm ein Horrorfilm wird. Bis dahin nimmt sich Regisseur Julius Avery („Son of a Gun“) viel Zeit, die Charaktere vorzustellen. Aber über sattsam bekannte Klischees kommen sie nicht heraus. Das gilt für die Soldaten, die Dorfbevölkerung (die eigentlich nur aus einer Französin, ihrem Sohn und ihrer röchelnden Mutter besteht), die Nazi-Soldaten und Wafner, der seinen großen Auftritt erst später hat. Durch einen Selbstversuch mutiert er endgültig zum Mad Scientist.
Letztendlich ist „Operation: Overlord“ ein sich zu ernst nehmendes Exploitation-B-Picture, das munter in Kriegsfilmklischees und Klischees über böse Nazis badet und die Idee der von den Nazis durchgeführten Menschenexperimente munter zu einer Zombie-Armee weiterspinnt. Das ist dann ziemlich blutig, aber auch ziemlich sinnfrei.
Operation: Overlord (Overlord, USA 2018)
Regie: Julius Avery
Drehbuch: Billy Ray, Mark L. Smith (nach einer Geschichte von Billy Ray)
mit Jovan Adepo, Wyatt Russell, Pilou Asbaek, Mathilde Ollivier, John Magaro, Iain de Caestrecker, Dominic Applewhite
Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrik, Calder Willingham
LV: Humphrey Cobb: Paths of glory, 1935 (Wege zum Ruhm)
Erster Weltkrieg: Colonel Dax muss einen aussichtslosen Sturm auf einen unbedeutenden Hügel durchführen. Nachdem der Angriff scheitert, lässt Dax‘ Vorgesetzter drei Soldaten auswählen und will sie wegen „Feigheit vor dem Feind“ erschießen lassen. Colonel Dax versucht in einer Verhandlung deren Leben zu retten.
Krasser Antikriegsfilm.
In Frankreich wurde der Film erst 1975 gezeigt. Bis dahin hatte kein Verleiher den Mut gehabt „Wege zum Ruhm“ zu präsentieren.
„Die Intensität von Paths of Glory ist eine spezifische filmische Intensität: Sie resultiert aus dem Umgang mit der Kamera, dem genauen Timing, dem Blick für Details. (…) Paths of Glory ist eine Studie über die Macht. Kubrik zeigt eine Welt, in der die Mächtigen die Untergebenen zu Schachfiguren degradieren, in der aber auch jeder, der in der Hierarchie weiter oben steht, mit dem Wissen leben muss, selbst nur eine Schachfigur zu sein.“ (Christoph Haas in Andreas Kilb, Rainer Rother u. a.: Stanley Kubrik, film: 8, 1999)
mit Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menou, George Macready, Richard Anderson
Johnny zieht in den Krieg (Johnny got his gun, USA 1971)
Regie: Dalton Trumbo
Drehbuch: Dalton Trumbo, Luis Buñuel (ungenannt)
LV: Dalton Trumbo: Johnny got his gun, 1939 (Süß und ehrenvoll; Johnny zieht in den Krieg)
Im Ersten Weltkrieg wird der junge Johnny schwer verletzt. Ohne Arme und Beine, blind, taub und stumm wird er im Krankenhaus zum Versuchtstier von Ärzten und Johnny versucht sein Leiden zu begreifen.
Sehr selten gezeigter Antikriegsklassiker, der damals bei der europäischen Kritik (unter anderem Spezialpreis der Jury und Großer Preis der Kritik in Cannes) gut ankam. In den USA nicht so.
mit Timothy Bottoms, Kathy Fields, Marsha Hunt, Jason Robards, Donald Sutherland
Der jetzt erschienene zweite Band von „Marvel Cinematic Universe – Das Film-Kompendium“ mit dem Untertitel „Die Guten, die Bösen & die Guardians“ schließt unmittelbar an den ersten Band „Die Avengers-Initiative“ an und bespricht chronologisch die nach „Thor: The Dark Kingdom“ ins Kino gekommenen Marvel-Filme. Das sind, zur Erinnerung, „The Return of the First Avenger“, „Ant-Man“, „Guardians of the Galaxy“, Avengers: Age of Ultron“, „The First Avenger: Civil War“, „Doctor Strange“ und „Guardians of the Galaxy Vol. 2“.
Die neuesten Marvel-Filme und auch das Ende des ersten Teils von „Infinity War“ werden in diesem Filmbuch nicht verraten. Dafür gibt es ja einen späteren Band. Denn der in den USA im Januar erschienene dritte Band „It’s all connected“ beschäftigt sich mit den TV-Serien „Agents of S. H. I. E. L. D.“ und „Agent Carter“.
Die Filme werden, wie im ersten Band nicht mit ihrer Filmgeschichte vorgestellt. Stattdessen gibt es Informationen über die wichtigen Charaktere, Gebäude und Gegenstände, die im Film auftauchen und es wird gesagt, was mit ihnen in diesem Film geschieht.
Wenn sie in mehreren Filmen auftauchen, wird das, was mit ihnen in einem Film geschieht, bei diesem Film besprochen, und das, was im nächsten Film geschieht, im nächsten Film besprochen. Was bei Tony Stark und Hawkeye viel Blättern bedeutet. Diese lexikalische Form verschafft einem einen schnellen Überblick über bestimmte Fakten im Marvel-Kinouniversum und, wenn man etwas blättert, was mit einer Person von Film zu Film geschieht. Aber wer die Filme nicht kennt, wird wenig mit den Beschreibungen und Nacherzählungen von Teilen der Filmhandlung anfangen können. Es wird ja nicht der Film, sondern das, was der Charakter erlebt, nacherzählt.
In Kästchen gibt es wieder Informationen zu den ersten Auftritte der besprochenen Personen und Gegenstände in den Comics. Weiter heraus aus dem Kosmos der Filme begibt sich das Film-Kompendium nicht. Es gibt keine Informationen über die Schauspieler, Regisseure und Autoren. Es wird noch nicht einmal erwähnt, wer wen spielt. Diese Informationen gehören zu einem anderen Universum, in dem die Avengers gegen ganz andere Gegner kämpfen müssen.
Insofern hat Koordinator Mike O’Sullivan mit dem zweiten MCU-Film-Kompendium wieder ein Buch herausgegeben, das nur für die Fans ist, die schon alle Filme in mindestens einer Ausgabe in ihrem Regal stehen haben…und für die Kritiker, die beim Besprechen des neuesten Marvel-Films elegant mit ihrem scheinbar unendlichem Hintergrundwissen über die verschiedenen Charaktere und ihre Herkunft prahlen wollen.
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Mike O’Sullivan (Chefautor/Koordinator): Marvel Cinematic Universe – Das Film-Kompendium Bd. 1: Die Guten, die Bösen & die Guardians
(übersetzt von Stefan Pannor)
Panini, 2018
184 Seiten
29,99 Euro
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Originalausgabe
Marvel Cinematic Guidebook: The The Good, The Bad, The Guardians
LV: Emile Zola: La bete humaine, 1890 (Der Totschläger)
Lokführer Jacques Lantier verliebt sich in die Frau des Bahnhofvorstehers Roubaud. Sie überredet Lantier ihren Gatten umzubringen.
Beeindruckendes Drama und einer der besten Filme von Jean Renoir.
André Bazin, langjähriger Freund von Renoir und Herausgeber von „Cahiers du Cinéma“, schrieb zu „Bestie Mensch“: „Insgesamt lässt sich sagen, dass Renoir den Roman an fast allen Stellen verbessert hat. Die Darstellung des technischen Milieus bleibt im Film nicht hinter der des Romans zurück, ja übertrifft sie recht häufig. Die Motivierung der Charaktere ist bei Renoir viel besser. Denn er begründet sie nicht aus der Psychologie, sondern aus einer Metaphysik des Schauspielers. Was man auf der Leinwand sieht, ist nicht die Mordlust eines Lantier, sondern die von Gabin…Insgesamt hat Renoir die Geschichte fachgerecht nach den Regeln des Kinos dramatisiert und vereinfacht, und das Ergebnis ist besser als der Roman. Man könnte fast sagen: die wenigen Schwächen des Drehbuchs sind Überbleibsel aus dem Roman.“
Mission Wahrheit – Die New York Times und Donald Trump(The Fourth Estate, USA 2018)
Regie: Liz Garbus
Drehbuch: Liz Garbus
Vierteilige, gut vierstündige Doku-Miniserie, die im Mai und Juni auf Showtime lief. Arte zeigt die gesamte Serie an einem Abend. Garbus begleitete nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA die Reporter der New York Times bei ihrer Arbeit und unterhielt sich mit ihnen darüber. Ein spannender Einblick in die Arbeit einer Tageszeitung.
BBC Culture fragte für ihre neueste Bestenliste über zweihundert Filmkritiker und Experten aus über vierzig Längern nach den hundert besten nicht englischsprachigen Filmen. Die Liste ist natürlich ein Angebot zur Diskussion (Ich meine, wie konnten sie ausgerechnet diese Perle der Filmkunst vergessen?) und zum Ansehen von Spielfilmen, die allein schon aufgrund des Expertenvotums, wichtige, sehenswerte und oft auch einflussreiche Filme sind.
Insgesamt ist es eine gute Liste, die viele Klassiker und einige in Deutschland ziemlich unbekannte Filme enthält. Ad hoc fällt mir auf, dass „Der letzte Tango in Paris“ fehlt. Und einige deutsche Stummfilme wie „Nosferatu“ und „Der letzte Mann“ (beide von Friedrich Wilhelm Murnau). Aber dafür sind „M“ und „Metropolis“ (beide von Fritz Lang) dabei.
Und jetzt bin ich schon beim herummaulen, anstatt die noch nicht gesehenen Filme der Liste nachzuholen.
In dem zehnten Roman mit den beiden nie um einen flotten Spruch und eine Schlägerei verlegenen Kumpels Hap Collins und Leonard Pine schlagen sie sich in ihrer Heimat Texas mit Polizisten, die einem jungen schwarzen Mann ermordeten, einem geheimen Zirkel von Nachwuchsboxern, rostfarben überzogenen Kampfhundekadavern und dem Diebstahl von Leonards Vanillekeksen herum.
Bei Golkonda sind auch Lansdales ältere, durchgehend empfehlenswerten, schwarzhumorige Romane mit Hap Collins (weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer) und Leonard Pine (schwarz, schwul, Republikaner) erhältlich
Da soll noch jemand sagen, Krimifans seien unsportlich. Am 5. November beginnt der „9. Krimimarathon Berlin-Brandenburg“ und der Lauf endet am 18. November.
Krimifans sind allerdings auch gewitzt. Denn die meiste Zeit verbringen sie den Marathon nicht schwitzend auf asphaltierten Straßen, sondern sitzend in klimatisierten Räumen und lauschen unter anderem Sebastian Fitzek, Michael Tsokos (von denen läuft noch „Abgeschnitten“ in den Kinos), Elisabeth Herrmann, Arne Dahl, Klaus-Peter Wolf, Bernhard Aichner, Max Bentow, Andreas Pflüger, Max Annas, Axel Petermann, Marc Raabe. Mario Giordano, D. B. Blettenburg, Rainer Wittkamp, Matthias Wittekindt und Die mörderischen Schwestern sind auch dabei.
Die Lesungen sind in Berlin, Potsdam und um die beiden Hauptstädte herum.
Alle sachdienlichen Hinweise und das Programm gibt es hier (oder gleich zum Programm). Einige Lesungen sind bereits ausverkauft (Fitzek), einige sind kostenlos und einige richtig teuer. Dafür gibt es dann auch etwas zu essen.
1. Mick Herron – Slow Horses. Ein Fall für Jackson Lamb (Platzierung im Vormonat: 2)
Aus dem Englischen von Stefanie Schäfer. Diogenes, 480 Seiten, 24 Euro
2. Fred Vargas – Der Zorn der Einsiedlerin (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze. Limes, 512 Seiten, 23 Euro
3. Louise Penny – Hinter den drei Kiefern (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa, 496 Seiten, 16,90 Euro
4. Simone Buchholz – Mexikoring (Platzierung im Vormonat: 5)
Suhrkamp, 248 Seiten, 14,95 Euro
5. Tom Franklin – Krumme Type, krumme Type (Platzierung im Vormonat: 1)
Aus dem Englischen von Nikolaus Stingl. Pulp Master, 416 Seiten, 15,80 Euro
6. Jérôme Leroy – Die Verdunkelten (Platzierung im Vormonat: 7)
Aus dem Französischen von Cornelia Wend.Edition Nautilus, 224 Seiten, 18 Euro
7. Bill Beverley – Dodgers (Platzierung im Vormonat: /)
Aus dem Englischen von Hans M. Herzog. Diogenes, 400 Seiten, 24 Euro
8. Ryan Gattis – Safe (Platzierung im Vormonat: 8)
Aus dem Englischen von Ingo Herzke und Michael Kellner. Rowohlt, 412 Seiten, 20 Euro
9. Christoph Peters – Das Jahr der Katze (Platzierung im Vormonat: /)
Luchterhand, 352 Seiten, 22 Euro
10. Susanne Saygin – Feinde (Platzierung im Vormonat: /)
Heyne, 352 Seiten, 12,99 Euro
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Mächtig viel Lesestoff. Auch weil anscheinend die Zeiten von Zweihundert-Seiten-Büchern endgültig vorbei sind. Nur Simone Buchholz und Jérôme Leroy erzählen ihre Geschichten in unter Zweihunderfünfzig Seiten. Fred Vargas braucht über fünfhundert Seiten.
Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson als titelgebender Vince Majestyk, der als Melonenfarmer zuerst seine Ruhe haben will und später rot sieht.
Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).
But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).
mit Charles Bronson, Al Lettieri, Linda Cristal, Lee Purcell, Paul Koslo