Kurzkritik: Kathrin Lange: Ohne Ausweg

August 17, 2017

Ohne Ausweg“ ist der dritte Roman mit dem Berliner Kommissar Faris Iskander. Nach seinen vorherigen Fällen genießt er in der Hauptstadt eine gewisse Berühmtheit. Normalerweise wäre das für Undercover-Ermittlungen hinderlich, aber in diesem Fall ist es ein Vorteil. Denn so kann um Iskander die Legende gestrickt werden, dass er frustriert von den früheren Ereignissen zum Islam konvertierte und jetzt eine Karriere als Terrorist anstrebt.

Als die für religiös motivierte Verbrechen zuständige LKA-Sondereinheit, deren Mitglied Iskander ist, von einem in wenigen Tagen oder Stunden geplanten Anschlag in Berlin erfährt, wird Iskander in das neue Hochsicherheitsgefängnis in Karlshorst eingeschleust. Der dort inhaftierte Terroristenanführer al-Sadiq soll den Anschlag geplant haben. Iskander soll sein Vertrauen erlangen und so an Informationen über den Anschlag gelangen.

In diese Moment wissen wir, auch ohne die Lektüre des Klappentextes, dass der Anschlag eigentlich von Rechtsextremen geplant wird und dass die Terroristen von Polizisten unterstützt werden.

Kathrin Langes neuen Iskander-Roman kann man als das Zusammentreffen von US-Thrillerplot und deutscher Piefigkeit beschreiben. Mit einem Touch James Patterson. Denn die Handlung schert sich kaum um Glaubwürdigkeit. Dafür gibt es alle paar Seiten (na gut, eher alle paar Dutzend Seiten) eine überraschende Wendung. So gerät Iskander während seinem teils haarsträubend verlaufenden Undercover-Einsatz in eine Knastrevolte, die den gesamten Terroristenplot erst einmal zur Seite schiebt. Wenn Iskander sich dann durch das von Gefangenen besetzte Gefängnis bewegt, scheinen die alle gerade das Gebäude verlassen zu haben. Jedenfalls muss er sich nicht mit den dort inhaftierten Extremisten jeglicher Couleur auseinandersetzen. Plötzlich vermutet die Sondereinheit einen Verräter in den eigenen Reihen und wenige Seiten später ist er enttarnt. Und dann muss noch der große Giftgasanschlag verhindert werden.

Die zahlreichen kleineren Anschläge, die bis dahin ausgeführt werden, würde keine ernsthafte Terrororganisation vor ihrem großen Anschlag ausführen. Sie haben auch keine erkennbaren Auswirkungen auf die Geschichte, die sich innerhalb weniger Stunden abspielt. Sie sind eher eine periodisch eingestreute Erinnerung an den unaufmerksamen Leser, dass es eigentlich um Terroristen geht, die einen sehr gefährlichen Anschlag planen. Währenddessen scheint das normale Stadtleben in Berlin weiterzulaufen, als sei nichts geschehen. Obwohl die Medien darüber berichten. Das ist nicht glaubwürdig und in diesem Fall mit zunehmender Seitenzahl auch nicht spannend.

Kathrin Lange: Ohne Ausweg

Blanvalet, 2017

448 Seiten

9,99 Euro

Hinweise

Homepage von Kathrin Lange

Wikipedia über Kathrin Lange


TV-Tipp für den 17. August: Wir sind jung. Wir sind stark.

August 17, 2017

ZDF, 22.15

Wir sind jung. Wir sind stark. (Deutschland 2014, Regie: Burhan Qurbani)

Drehbuch: Martin Behnke, Burhan Qurbani

Ostdeutsche Willkommenskultur. Burhan Qurbani rekonstruiert in seinem Spielfilm die fremdenfeindlichen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen im Sommer 1992, die Deutschland schockierten. Sehenswert und zu Diskussionen anregend.

Mit Jonas Nay, Joel Basman, Saskia Rosendahl, David Schütter, Trang Le Hong, Devid Striesow

Hinweise

Filmportal über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Moviepilot über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Wikipedia über „Wir sind jung. Wir sind stark.“

Die Premiere des Films in Rostock


Kurzkritik: Leonhard F. Seidl: Fronten

August 16, 2017

Was habe ich da gelesen?

Eigentlich fragte ich mich schon während der Lektüre von Leonhard F. Seidls Kriminalroman „Fronten“, was ich da lese. Nach dem Klappentext geht es um einen bosnischen Waffensammler, der im oberbayerischen Auffing auf der Polizeistation Amok läuft, nachdem die Polizei seine Waffen konfiszierte.

Während des Amoklaufs ist auch eine muslimische Ärztin auf der Station. Später wird sie, aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen, von der Polizei als Verdächtige behandelt.

Und ein ‚Reichsbürger‘ sinnt auf Rache. Unter anderem an der Ärztin.

Das ist die durchaus vielversprechende Ausgangslage, die, nun, auf sehr verschiedenen Wegen zu einem Ende geführt werden kann.

Seidl entschließt sich für einen sehr seltsamen Weg. Während des gesamten Romans springt er von der Gegenwart in die Vergangenheit der drei Protagonisten zurück zu genau datierten, aber eher unspezifischen Tagen in den Jahren 1988, 1995, 2001, 2007, 2013 und 2015. Diese über viele Seiten ausgebreiteten Ereignisse sind wenig interessant. Mit den aktuellen Ereignissen in Auffing haben sie praktisch nichts zu tun. Außer man will, in einer sehr gewagten Ursache-Wirkungskette, einen monokausalen Zusammenhang von einer bestimmten Erziehung oder Demütigung auf ein späteres Verhalten herstellen.

Die Ereignisse in der Gegenwart gewinnen vor allem durch die zusammenfassenden Berichte ihren Zusammenhang. Aber Berichte und Zeitungsartikel sind in einem Roman (oder Film) vor allem ein Mittel, um schnell Informationen zu vermitteln oder eine Perspektive einzufügen, die wichtig ist, aber zu sehr von der Haupthandlung ablenken würde. Manchmal ist das auch der erzählökonomische Weg, um den Protagonisten über bestimmte für ihn wichtige Dinge zu informieren.

In „Fronten“ ersetzen diese Zeitungsartikel und Berichte die Geschichte. So wird über den für den Roman zentralen Amoklauf in der Polizeistation nichts geschrieben. Es gibt nur, auf Seite 52/53 den Einsatzbericht des Roten Kreuzes über den Ausgang des Amoklaufs (ein toter, vier verletzte Beamte, ein schwer verletzter Täter). Was wie geschah können wir uns dann ausmalen.

Mit dieser durchgehend angewandten Collage-Technik will Seidl den Leser zum mit- und nachdenken bewegen. Nur: es funktioniert nicht. Alles ist zu kryptisch, vieles überflüssig und die angebotenen Erklärungen bleiben oberflächlich.

Leonhard F. Seidl: Fronten

Edition Nautilus, 2017

160 Seiten

16 Euro

Hinweise

Edition Nautilus über den Roman (mit mehr Synopse und den Daten der Lesetour)

Homepage von Leonhard F. Seidl

Wikipedia über Leonhard F. Seidl


TV-Tipp für den 16. August: Pride

August 15, 2017

Arte, 20.15

Pride (Pride, Großbritannien 2014)

Regie: Matthew Warchus

Drehbuch: Stephen Beresford

Großbritannien 1984: Die Minenarbeiter streiken und hungern und werden von der Regierung bekämpft. In London entschließt sich der homosexuelle Aktivist Mark Ashton, ihnen zu helfen. Schließlich kämpfen sie doch beide gegen die Thatcher-Regierung. Das ist dann aber auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen ihnen. Trotzdem überzeugt Ashton einige seiner Freunde, mit ihm Geld für die Streikenden zu sammeln und das Geld persönlich den Streikenden in Onllwyn zu überreichen.

Zum Kinostart des auf Tatsachen basierenden Feelgood-Movies schrieb ich: „Pride“ ist einer der schönsten Filme des Jahres. Erzählt in einem rauhen, unsentimentalem, aber auch humorvollem Tonfall, der das Herz wärmt und zeigt, wie Veränderungen geschehen können. So ist das Schlussbild, wenn die Bergarbeiter im gespendeten LGSM-Bus (Lesbians and Gays Support the Miners – yep, sehr unzweideutige Namensgebung) nach London kommen und bei dem Gay-Pride-Marsch mitdemonstrieren ein schönes Schlussbild.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Schnetzer, George Mackay, Dominic West, Andrew Scott, Bill Nighy, Imelda Staunton, Paddy Considine, Jessica Gunning, Paye Marsay

Wiederholung: Montag, 28. August, 13.35 Uhr

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Pride“
Moviepilot über „Pride“
Metacritic über „Pride“
Rotten Tomatoes über „Pride“
Wikipedia über „Pride“ (deutsch, englisch)
The Guardian über „Pride“ und die historischen Hintergründe (18. September 2014) (es wird ein „A -“ für die historische Genauigkeit vergeben)
The Guardian über „Pride“: Ausführliche Reportage und Interviews über die historischen Hintergründe des Films (31. August 2014)

Meine Besprechung von Matthew Warchus‘ „Pride“ (Pride, Großbritannien 2014)


Cover der Woche

August 15, 2017


TV-Tipp für den 15. August: Family Business

August 14, 2017

Nach der „Reifefprüfung“ um 20.15 Uhr gibt es

3sat, 22.00

Family Business (USA 1989, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Vincent Patrick

LV: Vincent Patrick: Family Business, 1985

Für den gesetzestreuen Papa ist diese Nachricht eine Katastrophe: der Sohn schlägt ganz nach dem Großvater – einem Einbrecher. Gerade jetzt plant er einen neuen Coup.

Vergnügliche Gaunerkomödie

mit Sean Connery, Dustin Hoffman, Matthew Broderick

Wiederholung: Mittwoch, 16. August, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Family Business“

Wikipedia über „Family Business“ (deutsch, englisch)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Sidney Lumet in der Kriminalakte


Der Polar-Verlag sucht per Crowdfunding den deutschen Noir

August 14, 2017

In den vergangenen vier Jahren erarbeitete der Polar Verlag sich unter Krimifans mit neuen Autoren (wie Christian Roux, Matthew F. Jones, Benjamin Whitmer, Gene Kerrigan und Ray Banks) und alten Bekannten (wie Ken Bruen, Nathan Larson, Bill Moody und Newton Thornburg) schnell einen sehr guten Namen. Es sind Autoren, die in der Tradition des Polar und des Noirs stehen und ihn fortentwickeln. Es sind Autoren, die Bücher für Leser schreiben, die auf den nächsten lauschigen Landhauskrimi oder formelhaften Serienmörderthriller getrost verzichten können.

Jetzt will der Polar Verlag auch deutschsprachige Autoren herausbringen. Und hoffentlich, denn das Polar-Programm ist doch arg männerlastig, sind dann auch einige Autorinnen dabei. Dafür hat der Verlag jetzt eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Sie endet am 6. September.

 

Dort schreibt der Polar-Verlag über das Projekt:

Ab Herbst 2017 beabsichtigen wir, jedes Jahr vier deutsche Autoren/Innen zu veröffentlichen. Zum Aufbau unserer neuen Reihe «Deutscher Polar» benötigen wir eure Unterstützung. (…)

Die Welt des Polars hat Dreck am Stecken. Lasst uns deutsche Polar-Autoren veröffentlichen.

Wofür wir eure Unterstützung brauchen

Stufe 1 26.000,- Euro: Gerade bei der Einführung deutscher Polar-Autoren/Innen ist es wichtig, ihnen dieselbe intensive Aufmerksamkeit zu widmen, die unsere internationalen Autoren bereits genießen. Dazu müssen wir Kräfte freisetzen, die einen behutsamen Aufbau und eine Betreuung über Jahre hinweg ermöglichen. Dank eurer Unterstützung helft ihr uns, hier eine seriöse Planung zu ermöglichen.

Stufe 2 25.000,- Euro: Mit der Einführung des Deutschen Polars begeben wir uns auf die Suche nach neuen deutschen Autoren/Innen, mit denen wir zusammen an ihren Texten arbeiten wollen. Nicht jeder besitzt genug eigene Mittel, um sich die Teilnahme an unserer Textwerkstatt zu ermöglichen. Mit eurer Unterstützung verschaffen wir diesen Autoren den Zugang zur Polar Masterclass, die als Talentwerkstatt für Geschichten gedacht ist.

Belohnungen

Neben den Autoren und unserer Faszination für gute Geschichten verstehen wir uns als offener Verlag, der seine Leser kennenlernen und sich ihnen stellen will. Deswegen bestehen viele unserer Belohnungen aus der Möglichkeit, uns kennenzulernen. Sei es als Fotoshooting mit Kerstin Petermann, sei es ein Blick hinter die Verlagskulissen, ein Kinobesuch und vieles mehr.


TV-Tipp für den 14. August: Herr der Fliegen

August 14, 2017

 

Arte, 22.50

Herr der Fliegen (Großbritannien 1963, Regie: Peter Brook)

Drehbuch: Peter Brook

LV: William Golding: Lord of the Flies, 1954 (Herr der Fliegen)

Nach einem Flugzeugabsturz versucht eine Gruppe britischer Schuljungen zu überleben. Zuerst halten sie sich an die in der Schule eingeübten Regeln. Doch schnell legen sie die Fesseln der Zivilisation ab.

„eine exzellente und intelligente Verfilmung der literarischen Vorlage“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon) deren pessimistische Botschaft für Kontroversen sorgte und sorgt. Brooks selten gezeigte Verfilmung erlebte seine Deutschlandpremiere erst 1971 im ARD und 1983 dann auch im Kino.

William Golding erhielt 1983 den Nobelpreis für Literatur. Sein Debütroman „Herr der Fliegen“ ist inzwischen ein Klassiker.

1990 drehte Harry Hook ein Remake.

mit James Aubrey, Tom Chapin, Hugh Edwards, Roger Elwin, Tom Gaman, David Brunjes, Kent Fletcher

Wiederholung: Samstag, 19. August, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Herr der Fliegen“

Wikipedia über „Herr der Fliegen“

Screen Online über “Herr der Fliegen”

Peter Brook über „Herr der Fliegen“

Fanseite zum Film

Time Flies: Eine inzwischen auch schon über zwanzig Jahre alte Doku über den Film


TV-Tipp für den 13. August: Das Fenster zum Hof

August 13, 2017

Tele 5, 17.50

Das Fenster zum Hof (USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: Cornell Woolrich: Rear Window, 1942 (Das Fenster zum Hof, Kurzgeschichte)

Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?

Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).

Beginn eines Hitchcock-Abends: um 20.15 Uhr folgt „Über den Dächern von Nizza“, um 22.30 Uhr „Der Mann, der zuviel wusste“ und um 01.05 Uhr „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“.

Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr

Wiederholung: Dienstag, 15. April, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Fenster zum Hof“ (deutsch, englisch) und Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2″

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

Meine Besprechung von Henry Keazors (Hrsg.) “Hitchcock und die Künste” (2013)

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich

Meine Besprechung von Robert Siodmaks Cornell-Woolrich-Verfilmung „Zeuge gesucht“ (Phantom Lady, USA 1943)

Cornell Woolrich in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. August: James Bond: Goldfinger

August 12, 2017

ZDF, 00.05

JAMES BOND: Goldfinger (Großbritannien 1964, Regie: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn

LV: Ian Fleming: Goldfinger, 1959

Goldfinger (Gert Fröbe) will Fort Knox ausräumen. James Bond (Sean Connery) hat etwas dagegen.

Mit „Goldfinger“ hatte sich James Bond endgültig im Kino etabliert und der Presserummel bei „Feuerball“ und „Man lebt nur zweimal“ war gigantisch. Ebenso die Zahl der mehr oder weniger missglückten Kopien in Buch und Film. Da scheint der heutige Rummel um „Harry Potter“/“Herr der Ringe“/“Krieg der Sterne“/“Matrix“/“X-Men“/“Marvel“ ein Klacks zu sein.

Mit Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Shirley Eaton, Harold Sakata, Bernard Lee, Lois Maxwell

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Goldfinger“

Wikipedia über „Goldfinger“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Thomas Arslans „Helle Nächte“

August 11, 2017

Michael hält es für eine gute Idee, einige Tage mit seinem Sohn Luis zu verbringen. Der ist vierzehn Jahre, lebt bei seiner Mutter und sieht seinen Vater Michael nie. Außer jetzt, als Luis seinen Vater notgedrungen, unwillig und unlustig zur Beerdigung seines Großvaters nach Norwegen begleitet und er möglichst schnell wieder zurück in sein normales Leben will.

Aber Michael will – wahrscheinlich geschockt durch den Tod seines Vaters, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt hatte – eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen. Also nimmt er ihn, ohne ihn um seine Meinung zu fragen, mit auf eine von ihm minutiös durchgeplante Reise durch Norwegen, die in einem Wanderurlaub enden soll.

Diese Reise und die damit verbundene Annäherung zwischen Vater und Sohn erzählt Thomas Arslan in seinem neuen Film „Helle Nächte“ konsequent undramatisch. Immer dann, wenn es einen Konflikt geben könnte, vermeidet Thomas Arslan ihn. Wenn sie, zum Beispiel, eine Nacht am Strand verbringen und wenige Meter weiter eine Gruppe Jugendlicher kommt, die die Nacht durchfeiert, passiert nichts. Die Jugendlichen feiern. Michael und Luis ziehen sich in ihr Zelt zurück, schlafen bis zum Morgengrauen und fahren weiter. Wenn Luis mal wieder eine seiner kleinen Fluchten unternimmt, ist er schnell wieder bei seinem Vater. Auch weil es keine Flucht, sondern ein Spaziergang ohne Abmeldung war. Und die Begegnungen, die sie mit anderen Menschen haben, enden folgenlos.

Je nach Stimmung ist „Helle Nächte“ daher ein sehr subtiler, tiefer und präziser Einblick in eine Vater-Sohn-Beziehung, die vor allem an einer überwältigenden Kommunikationsunfähigkeit des Vaters (von einem Teenager kann man das nicht erwarten) scheitert und, wie ein gewöhnlicher Urlaub, im Nichts endet, weil man am Ende des Urlaubs der gleiche Mensch ist, der man am Anfang war und ein Urlaub nicht auf ein großes, filmreifes Finale hin geplant wird. Oder „Helle Nächte“ ist ein einziger, mühsam mit langen Szenen, in denen nichts passiert (außer dass das Auto sich durch die Landschaft bewegt) auf knapp neunzig Minuten gestreckter, prätentiöser, nichtssagender, auf der Stelle stehender Quark.

Im Kino, vor allem nachdem ich endgültig begriffen hatte, dass nichts Dramatisches geschehen wird, dass es keine kathartischen Momente und auch keine Katharsis geben wird, tendierte ich, tödlich gelangweilt, zu dieser Ansicht.

Jetzt, beim Schreiben meiner Kritik, tendiere ich etwas zur ersten Ansicht. „Helle Nächte“ ist ein Film über Kommunikationsunfähigkeit und Arslan zeigt das mit beeindruckender Konsequenz in jeder Szene und in jeder Sekunde. Schon in den ersten Minuten beobachtet Arslan Michael minutenlang bei der Arbeit auf einer Baustelle. Er ist allein. Er redet mit niemandem. Wenn Michael später in einer der zahlreichen ungeschnittenen Szenen des Films mit seiner Schwester telefoniert und mit ihr über den Tod ihres Vaters redet, sehen wir nur ihn. Dieser Inszenierungsstil zieht sich durch den gesamten Film bis, quasi als Höhepunkt, zu einer vierminütigen Autofahrt durch den Nebel, gedreht aus der Perspektive des Fahrers mit starrem Blick auf die kaum befahrbare Straße.

In der damit verbundenen künstlerischen Geschlossenheit ist das durchaus beeindruckend, aber auch nicht besonders spannend. Schließlich begreift man die Botschaft des Films recht schnell und ab diesem Moment zeigt Arslan, ohne große Variationen, immer wieder das Gleiche. Auch wenn es gegen Ende des Films einen kurzen Moment gibt, in dem sich die Beziehung zwischen Vater und Sohn ändert und der Vater ein anderer, ein offener Mensch werden könnte. Letztendlich gibt es in dem Film keinen Ausweg aus dieser Isolation und Sprechunfähigkeit.

Zum Abschluss noch einige Fakten: Thomas Arslan drehte zuletzt den Western „Gold“ und den Gangsterfilm „Im Schatten“. Tristan Göbel, der Luis spielt, kennen wir als Maik aus Fatih Akins Wolfgang-Herrndorf-Verfilmung „Tschick“. Und Georg Friedrich, der Maiks Vater Michael spielt, erhielt auf der Berlinale den Silbernen Bär als Bester Darsteller.

Helle Nächte (Deutschland 2017)

Regie: Thomas Arslan

Drehbuch: Thomas Arslan

mit Georg Friedrich, Tristan Göbel, Marie Leuenberger, Hanna Karlberg, Aggie Peterson, Frank Arne Olsen, Helle Goldman

Länge: 86 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Helle Nächte“

Moviepilot über „Helle Nächte“

Rotten Tomatoes über „Helle Nächte“

Wikipedia über „Helle Nächte“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Helle Nächte“


TV-Tipp für den 11. August: A Hard Day’s Night

August 10, 2017

Arte, 21.55

The Beatles – A Hard Day’s Night (Großbritannien 1964, Regie: Richard Lester)

Drehbuch: Alun Owen

Yeah! Yeah! Yeah! Heute gibt es einen stilprägenden Musikfilmklassiker mit und über die Beatles im Mockumentary-Stil, den Richard Lester quasi im Alleingang erfand und der heute immer noch frisch wirkt.

Über die Musik muss ich wohl nichts sagen.

Arte zeigt die restaurierte Fassung, allerdings mit der alten deutschen Synchronisation.

Danach zeigt Arte um 23.25 Uhr „Sgt. Pepper’s Musical Revolution“ (Doku, GB 2017) und um 00.25 Uhr „John Lennon: Live in New York City“ (30. August 1972 mit Yoko Ono und der Plastic Ono Elephant’s Memory Band).

mit John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Ringo Starr, Wilfrid Brambell, Anna Quayle, Norman Rossington

Hinweise

Rotten Tomatoes über „A Hard Day’s Night“

Wikipedia über „A Hard Day’s Night“ (deutsch, englisch) und die Beatles (deutsch,englisch)

Meine Besprechung von Richard Lesters „A Hard Day’s Night“ (A Hard Day’s Night, Großbritannien 1964)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik (und ein Hinweis): Über die Stephen-King-Verfilmung „Der dunkle Turm“

August 10, 2017

Jetzt, endlich, nachdem schon seit Jahren, darüber gesprochen wurde, wahrscheinlich alle wichtigen Menschen in Hollywood, außer Clint Eastwood, irgendwann, mehr oder weniger ernsthaft, mit einer Verfilmung assoziiert wurden, Stephen King vor zehn Jahren die Verfilmungsrechte verkaufte und der Film dann mit verschiedenen Machern assoziiert wurde, ist die Verfilmung von „Der dunkle Turm“, Kings epischer, über Jahrzehnte geschriebener Fantasy-Saga, fertig.

Eine TV-Serie, die in einer noch unklaren Verbindung zum Film steht, – wahrscheinlich wird die Origin-Geschichte von Roland erzählt -, und ein weiterer Spielfilm, der sich irgendwie auch auf die TV-Serie beziehen soll, sind geplant. Ob den derzeit noch sehr schwammigen offiziellen Ankündigungen Taten folgen, wird die Zukunft zeigen.

In den USA ist der Film letzte Woche angelaufen. Aktuell steht er, was vor allem an der schwachen Konkurrenz liegt, auf dem ersten Platz der Kinocharts. Von der Kritik wurde er mit einem Furor verrissen, den zuletzt „Die Mumie“ erleben durfte.

Dabei ist „Der dunkle Turm“ nicht so schlecht, wie die Kritiken befürchten lassen. Ein guter Film ist er auch nicht. Sondern nur ein zutiefst durchschnittlicher, weit unter seinem Potential bleibender Film, der sich etliche Freiheiten gegenüber Kings Fantasy-Saga nimmt. Der Film ist nämlich eine einführende Interpretation in die von King über inzwischen acht Romane entworfene Welt,

Der vierzehnjährige Jake Chambers (Tom Taylor) lebt in New York. Seine Mutter hat einen neuen Freund und er ist in psychiatrischer Behandlung, weil er den Verlust seines Vaters noch nicht überwunden hat und Alpträume hat. Er träumt von einem dunklen Turm, einem Mann in Schwarz, einem Revolverhelden und einer untergehenden Welt. Er zeichnet seine Träume auf. Als er auf den Straßen von Manhattan und in seiner Wohnung Gestalten aus seinen Träumen begegnet, glaubt er, endgültig wahnsinnig zu werden.

Durch ein Portal betritt er Mittwelt, eine archaische Steampunk-Westernlandschaft. Dort erhofft er sich Antworten auf seine Alpträume, die doch keine Alpträume, sondern Bilder einer ihm unbekannten Realität sind. Er trifft den Revolvermann Roland Deschain (Idris Elba), der den Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) verfolgt. Walter O’Dim hat übernatürliche Kräfte und eine große Gefolgschaft. Er will den dunklen Turm, der im Zentrum vieler verschiedener Welten steht, zum Einsturz bringen und so gleichzeitig alle Welten vernichten.

Roland will das verhindern und die Zeichnungen von Jake können ihm den Weg zum Mann in Schwarz und zum dunklen Turm weisen.

Ein klarer Konflikt, gute Schauspieler, beeindruckende Locations (gedreht wurde in Südafrika und New York) und trotzdem kann „Der dunkle Turm“ nicht wirklich begeistern. Die Tricks und die Actionszenen sind zwar gut, aber nicht grandios. Kein Dialoge bleibt im Gedächtnis. Alles wirkt etwas lieblos hingeschludert und fahrig. Deshalb hat man immer das Gefühl, dass mit etwas mehr Zeit beim Dreh und einer ruhigeren und konzentrierteren Erzählweise beim Erzählen der Filmgeschichte ein deutlich besseres Ergebnis möglich gewesen wäre.

Für einen Kinofilm wirkt alles immer eine Nummer zu klein. So als habe man den neunzigminütigen Pilotfilm für eine TV-Serie inszeniert.

Die Geschichte hat zwar ein klares Ende und keinen irgendwie gearteten Cliffhanger zum nächsten Film, aber trotzdem wirkt „Der dunkle Turm“ immer wieder wie ein Set-up, wie eine erste Begegnung mit einer Welt, in der noch viele Geschichten spielen können.

Idris Elba und Matthew McConaughey spielen weit unter ihrem Niveau. In Nikolaj Arcels Film haben sie nie die Präsenz, die sie in anderen Filmen und TV-Serien (ich sage nur „Luther“ und „True Detective“) haben. Das ist vor allem bei Idris Elba bedauerlich. Schon wieder hat er eine Rolle in einem Hollywood-Big-Budget-Film (auch wenn bei „Der dunkle Turm“ das Budget mit sechzig Millionen Dollar erstaunlich gering ist), schon wieder wird er unter Wert verkauft und schon wieder ärgert man sich darüber, dass Hollywood nicht die richtigen Rollen für Elba findet.

Insofern ist „Der dunkle Turm“ weit ab von dem Desaster, das man nach den ersten Kritiken befürchten konnte. Es ist aber auch nie ein Film, der unbedingt auf die große Leinwand drängt und der an irgendeinem Punkt beeindruckt. Er ist einfach in jeder Beziehung gewöhnlich und vorhersehbar.

Der dunkle Turm (The dark Tower, USA 2017)

Regie: Nikolaj Arcel

Drehbuch: Akiva Goldsman, Jeff Pinkner, Anders Thomas Jensen, Nikolaj Arcel

LV: basierend auf den „Der dunkle Turm“-Romanen von Stephen King

mit Idris Elba, Matthew McConaughey, Tom Taylor, Katheryn Winnick, Nicholas Hamilton, Jackie Earle Haley, Abbey Lee, Dennis Haysbert, José Zúñiga

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“

Mit diesen Worten beginnt „Der dunkle Turm: Schwarz“. Der Roman erschien ursprünglich zwischen 1978 und 1981 im „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“ als fünfteiliger Fortsetzungsroman. Er bildet der Auftakt zu Stephen Kings langlebigster Serie, die Fantasy munter mit allen möglichen Genres verknüpft. Neben den acht Romanen, Kurzgeschichten, zahlreichen Querverweisen zu und von seinen anderen Büchern und einer Comicserie ist „Der dunkle Turm“ vor allem ein sich in alle Richtungen ausdehnendes Werk.

In „Schwarz“ verfolgt der Revolvermann Roland, mit etlichen Zeitsprüngen (oder Erinnerungen), den Mann in Schwarz durch eine an einen Italo-Western erinnernde Steampunk-Wüstenlandschaft. Er erzählt einem Grenzbewohner, wie er eine ganze Stadt auslöschte. Er trifft Jake Chambers, ein aus unserer Gegenwart kommender Junge, der sich nur an Bruchstücke seines früheren Lebens erinnert. Jake lebt allein in einem verlassenen Gasthaus. Roland nimmt ihn mit und nach einigen gefährlichen Begegnungen mit mehr übernatürlichen als natürlichen Wesen steht er dem Mann in Schwarz gegenüber. Und diese Begegnung verläuft anders als im Film. Das liegt auch daran, dass Roland im Roman noch nicht weiß, was der dunkle Turm ist und was der Mann in Schwarz will.

Schwarz“ ist eine Sammlung von lose zusammenhängenden Impressionen und Episoden, die in einer prä-/postapokalyptischen Westernlandschaft spielen. Manche dieser Impressionen spielen in einer anderen Zeit. Oft ist der Zusammenhang zwischen diesen Episoden und der Hauptgeschichte nur erahnbar. Das liegt auch daran, dass sie für die aktuelle Geschichte bedeutungslos sind, und dass die Hauptgeschichte eine Ansammlung fast beliebig austauschbarer, folgenloser Begegnungen ist.

Schwarz“ ist ein wirklich schwer verständlicher, fast schon unverständlicher und damit unnötig konfuser Einstieg in die Welt des dunklen Turms.

Bei meiner grundsätzlichen Abneigung gegen Fantasy gehört der Roman zu den Büchern, mit denen ich absolut nichts anfangen kann.

Zum Kinostart veröffentlichte der Heyne-Verlag den ersten Band der „Der dunkle Turm“-Saga mit einem neuen Cover.

Stephen King: Der dunkle Turm: Schwarz

(Erweiterte und überarbeitete Neuausgabe)

(übersetzt von Joachim Körber)

Heyne, 2017 (Filmausgabe)

352 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe der ursprünglichen Fassung

The Dark Tower: The Gunslinger

Donald M. Grant Publisher, Inc., 1982

2003 erstellte Stephen King eine überarbeitete und leicht erweiterte Fassung, in der er einige Details an die weiteren Ereignisse seiner „Der dunkle Turm“-Serie anpasste, die er damals mit „Savannah“ (Song of Savannah) und „Der Turm“ (The Dark Tower) abschloss. Für den Moment. Denn 2012 erschient mit „Wind“ (The Wind through the Keyhole) ein achter Roman, der zwischen den „Der dunkle Turm“-Romanen „Glas“ und „Wolfsmond“ spielt.

Die Neuausgabe folgt der 2003er-Ausgabe des Romans.

Bonushinweis

Vor wenigen Wochen erschien die Taschenbuchausgabe von „Basar der bösen Träume“, der sechsten Sammlung von Kurzgeschichten von Stephen King. Zusätzlich zur gebundenen Ausgabe enthält das Taschenbuch die neue Geschichte „Die Keksdose“ (knapp vierzig Seiten). Insgesamt enthält die Taschenbuchausgabe 21 Geschichten, die in den vergangenen Jahren bereits an verschiedenen Orten erschienen und für die Buchausgabe von King überarbeitet wurden.

Stephen King: Basar der bösen Träume

(übersetzt von vielen, sehr vielen,unglaublich vielen Übersetzern)

Heyne, 2017

816 Seiten

12,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2016

Originalausgabe

The Bazar of Bad Dreams

Scribner, New York, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Der dunkle Turm“

Metacritic über „Der dunkle Turm“

Rotten Tomatoes über „Der dunkle Turm“

Wikipedia über „Der dunkle Turm“ (Film: deutsch, englisch; Romanserie: deutsch, englisch) und Stephen King (deutsch, englisch)

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung von Joe Hill/Stephen King/Richard Mathesons „Road Rage“ (Road Rage, 2012)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle “The Colorado Kid” basierenden TV-Serie “Haven”

Stephen King in der Kriminalakte, in seinem Trailer-Park und auf Europa-Tour

Meine Besprechung von Kimberly Peirces Stephen-King-Verfilmung “Carrie” (Carrie, USA 2013)

Meine Besprechung von Tod Williams‘ Stephen-King-Verfilmung „Puls“ (Cell, USA 2016)


TV-Tipp für den 10. August: Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung

August 10, 2017

3sat, 22.25

Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung (Island 2008, Regie: Óskar Jónasson)

Drehbuch: Arnaldur Indridason, Óskar Jónasson

Der Schmuggler und Familienvater Kristófer, auf Bewährung draußen, will, obwohl er finanziell kaum über die Runden kommt, ehrlich bleiben. Aber für seine Familie lässt er sich auf eine letzte Schmuggeltour ein.

„Isländischer Kriminalfilm, der trockenen Humor mit rasanten Actionszenen verbindet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Für das gelungene US-Remake „Contraband“ übernahm Hauptdarsteller Baltasar Kormákur die Regie und Mark Wahlberg die Hauptrolle. Einige der unglaublichsten Szenen des Remakes sind schon im deutlich vom US-Gangsterthriller beeinflussten Original, das einen kräftigen Schluck aus der Kaurismäki-Pulle genommen hat.

Insgesamt wirkt „Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung“ wie die Skizze für „Contraband“.

mit Baltasar Kormákur, Ingvar Eggert Sigurdsson, Kilja Nótt Thórarinsdóttir

Hinweise

Schwedenkrimi über Arnaldur Indridason

Meine Besprechung des Remakes „Contraband“


Rainer Wittkamp stimmt den „Hyänengesang“ an

August 9, 2017

In einem alten „Tatort“ aus den Siebzigern verabschiedet sich der Kommissar, kurz nachdem die Leiche entdeckt wird, aus dem Kriminalfall in seinen lange geplanten Urlaub. Sein Assistent muss den Fall ohne die Hilfe seines Vorgesetzten aufklären.

Heute undenkbar.

Denkbarer und normaler ist in neueren Krimis, dass der Kommissar seinen Urlaub verschiebt, um den Fall aufzuklären. Meist aus eigenem Antrieb, seltener weil sein Vorgesetzter ihn darum bittet. So geschieht es auch in Rainer Wittkamps neuem Kriminalroman „Hyänengesang“.

Kommissar Martin Nettelbecks Vorgesetzte, Kriminalrätin Koschke, befiehlt ihm, seinen seit langem mit seiner Patchwork-Familie geplanten Ghana-Urlaub um einige Tage zu verschieben. Im Hotel de Rome wurde in einer Suite eine Frauenleiche gefunden. Das Zimmer war von Saif Mohamed Zekri, einem Attaché der Botschaft von Oman, gemietet worden und in punkto Diplomatie kennt Nettelbeck sich aus.

Zur gleichen Zeit will der eher unintelligente, sein Comeback planende Schlagersänger Roman Weiden sich an Maximilian Hollweg rächen. Weiden hat finanzielle Probleme. Er hat in den letzten Jahre Schulden abgestottert, während Hollweg, der ihm zu den Investitionen riet, sich eine goldene Nase verdiente. Jetzt, so glaubt der Sänger, hat Hollweg ihn beim Finanzamt wegen verschwiegener Vermögenswerte angeschwärzt. Weiden will ihn jetzt endgültig umbringen. Dafür bastelt er, nach einer im Internet gefundenen Anleitung eine Bombe.

Hollweg sitzt seit einem von Weiden verursachtem Unfall im Rollstuhl. Aktuell wird er von Jens Todsen gepflegt. Der will sich seine Rastalocken erst abschneiden, wenn er ein sich selbst gegebenes Versprechen erfüllt hat.

Hollweg verhandelt gerade mit dem Botschafter von Oman über eine große Investition, die er bedenkenlos mit Schmiergeldzahlungen in die richtigen Bahnen lanciert.

Und wie Rainer Wittkamp in seinem neuesten Roman „Hyänengesang“ diese verschiedenen Handlungen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, auf wenigen Seiten miteinander verknüpft, ist ein großer Spaß. Nach etwas über zweihundert Seiten ist der Fall gelöst und der Kommissar darf Berlin in Richtung Urlaub verlassen.

Wie in seinen vorherigen Romanen garniert Wittkamp die Geschichte mit vielen Anmerkungen zum Jazz. Denn Nettelbeck ist Jazzfan und spielt Posaune. Das schöne bei Wittkamps Jazz-Namedropping ist, dass er sich nicht auf die allseits bekannten, seit Jahrzehnten toten Jazzheroen beschränkt, sondern die gesamte Avantgarde und moderne Entwicklungen mitnimmt. Ray Anderson, Robin Eubanks und Nils Wogram werden erwähnt und wer sie nicht kennt, sollte sich unbedingt eine Aufnahme von ihnen anhören.

Eigentlich könnte Wittkamp, wie Ian Rankin, George Pelecanos und Michael Connelly, mal eine Playlist für seine Leser erstellen. Dann könnte man sich vorm Lesen den Soundtrack zum Buch zusammenstellen.

Rainer Wittkamp: Hyänengesang

grafit, 2017

224 Seiten

11 Euro

Hinweise

Homepage von Rainer Wittkamp

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Schneckenkönig“ (2013)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Frettchenland“ (2015)

Meine Besprechung von Rainer Wittkamps „Stumme Hechte“ (2016)


TV-Tipp für den 9. August: Die Wand

August 9, 2017

Arte, 20.15 (VPS 20.14)

Die Wand (Österreich/Deutschland 2012)

Regie: Julian Roman Pölsler

Drehbuch: Julian Roman Pölsler

LV: Marlen Haushofer: Die Wand, 1963

Eine Frau kann von einem Kurztrip in die Berge nicht mehr zurückkehren. Sie ist allein und sie ist von einer unsichtbaren Wand umgeben.

Schön gefilmte, von der Kritik gelobte Romanverfilmung, die für meinen Geschmack zu viel Respekt vor der Vorlage hat.

Marlen Haushofers Roman ist vielfältig interpretierbar. Inzwischen gilt er als Klassiker der feministischen Literatur.

mit Martina Gedeck, Karl-Heinz Hackl, Ulrike Beimpold, Julia Gschnitzer, Hans-Michael Rehberg, Wolfgang Maria Bauer

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die Wand“

Moviepilot über „Die Wand“

Wikipedia über „Die Wand“

Berlinale: Die „Die Wand“-Pressekonferenz

Meine Besprechung von Julian Roman Pölsers „Die Wand“ (Österreich/Deutschland 2012)


Cover der Woche

August 8, 2017


TV-Tipp für den 8. August: Tatort: Zahn um Zahn

August 7, 2017

WDR, 22.10

Tatort: Zahn um Zahn (Deutschland 1985, Regie: Hajo Gies)

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg

In einer vom Abriss bedrohten Duisburger Werkssiedlung findet Kommissar Schimanski die Leichen von seinem Schulfreund Krüger und seiner Familie. Während die Polizei den Fall als erweiterten Selbstmord zu den Akten legen will, glaubt Schimanski, dass Krüger umgebracht wurde. Er beginnt seinen Mörder zu jagen und muss dafür auch nach Marseille fahren.

„Zahn um Zahn“ ist der erste „Tatort“, der seine Premiere im Kino erlebte. Weil der Film so erfolgreich war, durfte Schimanski zwei Jahre später mit „Zabou“ wieder im Kino ermitteln. Im Gegensatz zu den meisten Kritikern gefiel mir „Zabou“ besser als „Zahn um Zahn“.

„Hajo Gies und seinem Autorenteam ist ein Actionfilm gelungen, der sich mit den Kinoerfolgen der neuen französischen und amerikanischen Polizeifilme messen will und messen kann. (…) In ‚Zahn um Zahn‘ hat Schimanski zwar seinen Rachefeldzug gewonnen, aber an Profil verloren.“ (Fischer Film Almanach 1986)

„Zahn um Zahn“ „war darüber hinaus ein für das deutsche Kino seltenes Produkt – ein Action-Film mit einem Polizisten ohne Schlips und Kragen, handwerklich professionell inszeniert, spannend und durchaus kinogerecht.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)

Tja, diese Einschätzung trifft heute immer noch zu. Ansehbare deutsche Genrefilme sind im Kino immer noch die berühmte Ausnahme.

mit Götz George, Renan Demirkan, Rufus, Eberhard Feik, Charles Brauer, Herbert Steinmetz, Ulrich Matschoss, Martin Lüttge

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Tatort-Fundus über Horst Schimanski

Wikipedia über Horst Schimanski

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)


Die Krimibestenliste August 2017

August 7, 2017

Für den Ferienmonat August lempfiehlt die Krimibestenliste der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und des Deutschlandfunk Kultur folgende Krimis für den Strandkorb:

1. Zoe Beck: Die Lieferantin (Suhrkamp, 326 Seiten 14,95 Euro)

2. Antonin Varenne: Die Treibjagd (Penguin, 304 Seiten, 10 Euro)

3. Larry Brown: Fay (Heyne, 656 Seiten, 24 Euro)

4. George Pelecanos: Hard Revolution (ars vivendi, 400 Seiten, 24 Euro)

5. Simone Buchholz: Beton Rouge (Suhrkamp, 230 Seiten, 14,95 Euro)

6. Monika Geier: Alles so hell da vorn (Ariadne im Argumentverlag, 416 Seiten, 13 Euro)

7. Carsten Jensen: Der erste Stein (Knaus, 640 Seiten, 26 Euro)

8. Graeme Macrae Burnet: Das Verschwinden der Adèle Bedeau (Europaverlag, 288 Seiten, 17,90 Euro)

9. Donato Carrisi: Der Nebelmann (Atrium, 336 Seiten, 20 Euro)

10. Robert Hültner: Lazare und der tote Mann am Strand (btb, 384 Seiten, 20 Euro)

Hach, und ich bin Verfilmungsbedingt mit Stephen King (Der dunkle Turm: Schwarz), Deborah Moggach (Tulpenfieber), Dave Eggers (The Circle), Ödön von Horváth (Jugend ohne Gott, „eine spannende Kriminalgeschichte“), Jérôme Leroy (Der Block) und Anthony Johnston (The coldest City, die Vorlage für „Atomic Blonde“) beschäftigt.

Und den neuen Lee Child (Der letzte Befehl – Warum ist der nicht auf der Liste?) und den neuen Don Winslow (Corruption – Warum ist der schon wieder weg von dr Liste?) will ich auch noch lesen. Die haben auch die richtige Mehr-als-400-Seiten-Strandkorblänge.


TV-Tipp für den 7. August: Moon – Die dunkle Seite des Mondes

August 7, 2017

One, 20.15
Moon – Die dunkle Seite des Mondes (Moon, Großbritannien 2009)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)
Sam baut für einen Konzern auf dem Mond Helium ab. Sein einziger Gefährte ist der Roboter Gerty (im Original: Kevin Spacey). Nach einem Unfall trifft er in der Mondstation auf seinen Doppelgänger.
Sam Rockwell in einer Doppelrolle. Das ist schon mehr als die halbe Miete. Aber Duncan Jones hat in seinem Langfilmdebüt auch eine überzeugende Geschichte und, trotz des überschaubaren Budgets, überzeugende Tricks. All das macht „Moon“ zu einem der besten Science-Fiction-Filme der vergangenen Jahre.
„Moon“ wurde unter anderem mit dem Hugo-Award und etlichen normalen Filmpreisen, wie dem British Independent Film Awards als bester Film des Jahres, ausgezeichnet.
mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

Wiederholung: Montag, 14. August, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Rotten Tomatoes über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ “Moon” (Moon, Großbritannien 2009) und ein Interview mit Duncan Jones über den Film

Meine Besprechung von Duncan Jones‘ „Source Code“ (Source Code, USA 2011)

Meine Besprechung von Duncan Jones“ „Warcraft: The Beginning“ (Warcraft: The Beginning, USA 2016)