Neu im Kino/Filmkritik: Über Yorgos Lanthimos‘ „The Killing of a sacred Deer“

Dezember 28, 2017

Den meisten Kritikern gefällt Yorgos Lanthimos‘ neuer Film „The Killing of a sacred Deer“ und auf einer intellektuellen Ebene kann ich das auch nachvollziehen. Jedenfalls teilweise.

Es geht, in einem Satz, um eine Arztfamilie, die von einem jungen Mann, der ihr Leben zerstören will, bedroht wird und wie sich die Familie dagegen wehrt. Wie es sich für einen Mystery-Thriller gehört, wird der Grund für das zunächst seltsame Verhalten des jungen Mannes erst spät enthüllt. Spätestens in dem Moment ist der Filmtitel für Menschen mit einer gesunden abendländischen Bildung mühelos verständlich.

Und ungefähr jetzt begeben wir uns notgedrungen auf das Terrain von Spoilern.

Denn der Filmtitel spielt auf den griechischen Mythos der Iphigenie an. Danach muss Agamemnon seine Tochter Iphigenie opfern, weil er in einem heiligen Hain der Jagdgöttin Artemis einen Hirsch getötet hat und sich mit der Tat brüstete.

Im Film ist dann Doktor Steven Murphy Agamemnon. Vor Jahren starb bei einer Operation einer seiner Patienten. Vorher hatte der Patient einen Autounfall. Aber der ist für die Filmgeschichte egal. Irgendwie geplagt von Schuldgefühlen trifft er sich mit Martin, dem sechzehnjährigen Sohn des toten Patienten. Und dieser schleicht sich in Murphys Familie ein. Er will sogar Murphy mit seiner Mutter verkuppeln und so wohl wieder eine richtige Familie haben. Letztendlich ist Martin aber kein nach Liebe und Geborgenheit suchender Stalker, sondern der durchgeknallte Psycho von nebenan, den wir aus zahlreichen Filmen kennen und der stoisch seinen Racheplan verfolgt.

Denn er schleicht sich nicht nur in de Bilderbuchfamilie Murphy ein, sondern belegt sie mit einem Fluch. Plötzlich können Murphys beiden Kinder sich nicht mehr bewegen und Martin fordert Murphy auf, eines seiner Kinder zu opfern. Oder er werde die gesamte Familie töten.

Diesen eher wenig plausiblen Konflikt (Warum rächt er sich nicht an der Person, die den tödlichen Unfall verursachte? Warum will er nur Murphy und nicht auch das restliche Klinikpersonal bestrafen?) etablieren Lanthimos und seinem Stamm-Co-Autor Efthimis Filippou arg umständlich. Jedenfalls wenn man die gängigen Drehbuchregeln anlegt. Auch verglichen mit ihrem vorherigen, ungleich gelungeneren Film „The Lobster“ (ebenfalls mit Colin Farrell n der Hauptrolle) dauert es in „The Killing of a sacred Deer“ lange, bis der Konflikt etabliert ist und die damit zusammenhängende Geschichte beginnt. Dafür zeigen sie, in schönster David-Lynch-Manier inszeniert und mit Schauspielern, die konsequent unnatürlich spielen, in elegant gefilmten Szenen die bröselige Fassade des gut situierten Bürgertums. Diese Szenen bringen die Geschichte nicht vorwärts, aber sie etablieren eine herrlich ver-rückte, absurde Welt. Emotionslos werden Sätze vorgetragen. Man agiert eher neben- als miteinander und auch offensichtliche Lügen zerstören den schönen Schein nicht. Das führt zu wohltuenden Irritationen in einer durch und durch artifiziellen Welt, die mit der Realität oder einer realistischen Inszenierung der Realität nichts zu tun hat. Das ist eher die Welt von „Twin Peaks“. Ohne die Überhöhungen, Symbolismen und Andeutungen von großen Geheimnissen, die irgendwann gelöst werden.

In der zweiten Hälfte, wenn die Murphys Martin im Keller gefangenhalten (nicht in einem kleinen Kellerloch, sondern im Freizeitzimmer) und die üblichen Psychospielchen beginnen, mutiert „The Killing of a sacred Deer“ schnell zu einer banalen und erschreckend eindimensionalen Rachegeschichte in der Martin sich rächen und Murphy seine Familie beschützen will. Wie in Sabus „Happiness“, der vor einigen Wochen bei uns anlief und der in der Mitte einen ähnlichen erzählerischen Bruch hat, zieht sich dieser Teil elendig lang hin, ohne dass wir etwas substantiell neues erfahren, die Geschichte irgendeine Entwicklung hat oder das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird.

In „The Killing of a sacred deer“ wäre es natürlich die Frage, welches Opfer für eine schlimme Tat erbracht werden muss. Im alten Griechenland war es ein Menschenopfer. In dem Film verlangt das auch Martin. Immerhin ist, aus seiner Sicht, Murphy für den Tod seines Vaters verantwortlich.

Weil Lanthimos diese Frage nur innerhalb der von ihm selbst sehr eng gesteckten Regeln seines Spiel thematisiert, geht es nur darum, ob die Murphys Martin töten oder einer aus ihrer Familie (oder alle) sterben. Das hat einen Erkenntnisgewinn, der nicht über das alttestamentarische Auge um Auge, Zahn um Zahn hinausgeht, weil die Spielregeln genau so festgelegt wurden. Diese verkopfte Rache- oder, je nach Perspektive, Sühnegeschichte im Arthaus-Gewand ist damit sogar flacher als ein hundsgewöhnliches und strunzdummes Revenge-B-Movie.

The Killing of a sacred Deer (The Killing of a sacred Deer, Großbritannien/Irland 2017)

Regie: Yorgos Lanthimos

Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthimis Filippou

mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Alicia Silverstone, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Killing of a sacred Deer“

Metacritic über „The Killing of a sacred Deer“

Rotten Tomatoes über „The Killing of a sacred Deer“

Wikipedia über „The Killing of a sacred Deer“ (deutsch, englisch)

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Die Cannes-Pressekonferenz

Q&A beim TIFF


TV-Tipp für den 28. Dezember: Ausgelöscht

Dezember 28, 2017

Tele 5, 22.25

Ausgelöscht (Extreme Prejudice, USA 1987)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Deric Washburn, Harry Kleiner (nach einer Geschichte von John Milius und Fred Rexer)

Um persönliche Verfehlungen zu vertuschen, eskaliert ein hochrangiger CIA-Mann (Michael Ironside) mit seinen Männern in einem texanischen Grenzkaff den Kampf zwischen Texas-Ranger Jack Benton (Nick Nolte, seltsam unterkühlt spielend) und Bentons Schulfreund Cash Bailey (Powers Boothe) zu einer blutigen Schlacht. Denn Bailey ist inzwischen ein aus Mexiko operierender Rauschgifthändler, der mit dem CIA-Mann in schmutzige Geschäfte verwickelt ist.

„Eine ungewöhnliche Mischung aus Western, Agentenstory und Actionfilm, von Hill mit gewohnter Präzision und Effizienz inszeniert. Störend wirken die kompromisslose Gewalttätigkeit und Menschenverachtung, die die Geschichte prägen.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Vor allem das bleihaltige Ende versucht, ziemlich erfolgreich, Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ zu toppen.Auch davor gibt es schon einige Peckinpah-Anspielungen.

mit Nick Nolte, Powers Poothe, Michael Ironside, Maria Conchita Alonso, Rip Torn, Clancy Brown

Wiederholung: Samstag, 30. Dezember, 00.00 Uhr (Taggenau!, anschließend „Doberman“)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ausgelöscht“

Wikipedia über „Ausgelöscht“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 27. Dezember: Chinatown

Dezember 27, 2017

BR, 23.45 (VPS 23.44)

Chinatown (USA 1974, Regie: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Chinatown“

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Chinatown“

Old School Reviews (John Nesbit) über „Chinatown“

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Thrilling Detective über Jake Gittes

Meine Besprechung von Roman Polanskis “The Ghostwriter” (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)


TV-Tipp für den 26. Dezember: M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Dezember 26, 2017

One, 23.20
M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Deutschland 1931, Regie: Fritz Lang)
Drehbuch: Thea von Harbou, Fritz Lang
Polizei und Verbrecher suchen einen Kindermörder.
Ein Filmklassiker, der keine Patina angesetzt hat und jeder Film- und Krimifan unbedingt gesehen haben muss. Mustergültig setzt Lang in seinem ersten Tonfilm Bild und Ton ein. Angeregt wurde „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ durch Zeitungsartikel über mehrere brutale Morde, unter anderem über den Fall Kürten.
Mit Peter Lorre, Gustaf Gründgens, Otto Wernicke, Paul Kemp, Theo Lingen
Hinweise

Rotten Tomatoes über „M“

TCM über „M“

Wikipedia über „M“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Du und ich” (You and me, USA 1938)

Meine Besprechung von Fritz Langs “Auch Henker sterben” (Hangman also die, USA 1943)

Meine Besprechung von Fritz Langs Graham-Greene-Verfilmung „Ministerium der Angst“ (Ministry of Fear, USA 1945)

Meine Besprechung von Astrid Johanna Ofner (Hrsg.): Fritz Lang – Eine Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums (2012 – Sehr empfehlenswert!)

Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. Dezember: Wild Christmas

Dezember 25, 2017

ZDFneo, 23.20

Wild Christmas (Reindeer Games, USA 2000)

Regie: John Frankenheimer

Drehbuch: Ehren Kruger

Knacki Rudi Duncan freut sich wie Bolle. Unter der Identität eines verstorbenen Knastkumpels will er sich an dessen Brieffreundin heranmachen. Die sieht nämlich unglaublich gut aus. Dummerweise hat sie einen Bruder, der möchte, dass Rudi ihm beim Überfall eines Casinos helfen soll. Ein Casino, in dem Rudi früher arbeitete.

John Frankenheimers letzter Kinofilm ist nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein vergnüglicher Neo-Noir mit viel Schnee, Weihnachtsmännern und vielen Dingen, die mit Weihnachten nichts zu tun haben.

„Mag das Drehbuch auch gelegentlich ein wenig überkonstruiert erscheinen, die Inszenierung von Regie-Veteran Frankenheimer erweist sich als absolut schnörkellos und handwerklich perfekt.“ (tip 25/2000)

Die US-Kritik war nicht so begeistert.

Frankenheimer inszenierte „Der Gefangene von Alcatraz“, „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ und „Ronin“.

mit Ben Affleck, Gary Sinise, Charlize Theron, Donal Logue, Danny Trejo, Clarence Williams III

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Wild Christmas“

Wikipedia über „Wild Christmas“ (deutsch, englisch)

Meine Bepsrechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


TV-Tipp für den 24. Dezember: The Sound of Music

Dezember 24, 2017

Arte, 20.15

The Sound of Music (The Sound of Music, USA 1965)

Regie. Robert Wise

Drehbuch: Ernest Lehman (nach dem Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein)

Gut dreistündiges Musical über die singende Familie Trapp, die 1938 vor den Nazis aus Österreich in die USA flüchtete und dort mit Heimatliedern bekannt wurde.

In den USA und eigentlich weltweit (bis auf Deutschland und Österreich) war das Musical ein Kassenhit, der auch mehrere Oscars (u. a. bester Film und beste Regie) erhielt.

In Deutschland lief der Film damals in einer um die Nazi-Elemente gekürzten Fassung. „Der deutsche Verleih kürzte den Film nach der Erstauswertung rigoros, um alle politischen Elemente zu eliminieren, so dass der Film ‚freundlicher‘ und konsumierbarer, in seiner Konzeption freilich zerstört wurde.“ (Lexikon des internationalen Films)

Aus einem 172-Minuten-Film wurde ein 127-Minuten-Film.

Arte zeigt natürlich die vollständige Fassung und so kann man heute einen in Deutschland unbekannten Klassiker entdecken.

mit Julie Andrews, Christopher Plummer, Eleanor Parker, Richard Haydn, Peggy Wood, Charmain Carr, Heather Menzies

auch (un)bekannt als „Meine Lieder – Meine Träume“

Wiederholung: Mittwoch, 3. Januar, 14.00 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Sound of Music“

TCM über „The Sound of Music“

Wikipedia über „The Sound of Music“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Wises „Vorposten in Wildwest“ (Two Flags West, USA 1950)

Meine Besprechung von Robert Wises „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, USA 1971)

 


TV-Tipp für den 23. Dezember: Der Zauberer von Oz

Dezember 23, 2017

Sat.1 Gold, 20.15

Der Zauberer von Oz (The Wizard of Oz, USA 1939)

Regie: Victor Fleming

Drehbuch: Noel Langley, Florence Ryerson, Edgar Allen Woolf

LV: L. Frank Baum: The Wonderful Wizard of Oz, 1900 (Der Zauberer von Oz)

Als über Kansas ein Orkan tobt, wird die kleine Farmerstochter Dorothy ohnmächtig. Als sie wieder wach wird, ist sie in Oz, trifft neue, sehr seltsame Freunde, wie eine Vogelscheuche und einen Blechmann, und erlebt gefährliche Abenteuer auf ihrem Weg zu dem Zauberer von Oz, der sie wieder zurück nach Kansas bringen kann.

Ein zeitloser Musical-Klassiker

mit Judy Garland, Frank Morgan, Roy Bolger, Bert Lahr, Jack Haley, Billie Burke, Margaret Hamilton

auch bekannt als „Das zauberhafte Land“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Zauberer von Oz“

Wikipedia über „Der Zauberer von Oz“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 22. Dezember: Mister Dynamit – Morgen küsst euch der Tod

Dezember 21, 2017

Tele5, 22.00

SchleFaZ: Mister Dynamit – Morgen küsst euch der Tod (Deutschland/Spanien/Italien 1966)

Regie: Franz Josef Gottlieb

Drehbuch: Franz Josef Gottlieb

LV: H. C. Günther: Mister Dynamit: Morgen küsst euch der Tod

Ein Gangster erpresst die USA mit einer Atombombe. Da muss Bob Urban, der beste Mann des BND, ran und den Weltfrieden retten.

Der deutsche Versuch neben „Jerry Cotton“ und „Kommissar X“ eine weitere erfolgreiche, auf Heftromanen basierende Serie zu etablieren und an der damaligen Bond-Manie teilzuhaben. Damals ein Kinoflop, heute – nun, formulieren wir es mal so: die Ausgrabung eines seit Ewigkeiten verschollenen Films (jaja, inzwischen wurde das Werk auf DVD veröffentlicht), den jeder Trash-Fan als Teil der Geschichte des deutschen Kriminalfilms gerade deswegen mal sehen wollte.

Heute kann er es im Rahmen der „SchleFaZ“-Reihe tun. Wobei mir die Lästereien der Präsentatoren Oliver Kalkofe und Peter Rütten auf die Nerven gehen. Viel lieber hätte ich es, wenn sie, wie die Macher von „Trailers from Hell“ darüber reden würden, warum es sich trotz allem lohnt, den Film anzusehen.

„Zeitweise geschmackloser Agentenfilm zwischen Brutalität und alberner Komik.“ (Lexikon des internationalen Films)

In „Die Lust am Genre – Verbrechergeschichten aus Deutschland“ (Herausgegeben von Rainer Rother und Julia Pattis, 2011) analysisert Jan Distelmeyer ausführlich den Film.

mit Lex Barker, Maria Perschy, Amadeo Nazzari, Ralf Wolter, Brad Harris, José Suárez, Wolfgang Preiss, Eddi Arent, Siegfried Rauch, Dieter Eppler, Joachim Fuchsberger

Hinweise

Filmportal über „Mister Dynamit – Morgen küsst euch der Tod“

Wikipedia über „Mister Dynamit – Morgen küsst euch der Tod“ (deutsch, englisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Jumanji: Willkommen im Dschungel“, ihr Luschen

Dezember 21, 2017

„Jumanji: Willkommen im Dschungel“ zeigt fast schon exemplarisch, was ein gutes Remake von einem schlechten Remake unterscheidet. Ob es sich um einen guten Film handelt, ist damit noch nicht gesagt.

Ein Remake oder, mehr noch, ein Reboot sollte der alten Geschichte einen neuen Aspekt abgewinnen und eine Idee haben, warum es gedreht wurde. Denn der alte Film ist immer noch da und kann heute müheloser als jemals gesehen werden. Zur Not kauft man sich die DVD. Trotzdem gibt es unzählige Remakes, bei denen man sich fragt: „Warum?“. Zuletzt zeigte „Flatliners“, dass die Macher nicht wussten, warum sie den Film machten. Bei „Mord im Orientexpress“ sah es dann dank der hochkarätigen Besetzung und, in der ersten Hälfte, verspielten Inszenierung, etwas besser aus. Aber einen wirklichen Grund für das Remake lieferte Kenneth Branagh nicht. „Ghost in the Shell“ konzentrierte sich auf die Visuals. Das sah dann gut aus. Und war der einzige Grund, sich den Film im Kino anzusehen.

Bei „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ sieht die Sache anders aus. Jake Kasdans Film ist ein Remake von Joe Johnstons Kassenhit „Jumanji“ (USA 1995), in dem Robin Williams die Hauptrolle spielte. Als Jugendlicher beginnt er mit seiner Freundin das Brettspiel „Jumanji“. Er wird in das Spiel hineingezogen. 26 Jahre später spielen zwei Kinder das Spiel weiter und das Spiel bzw. Teile des Spiels brechen tsunamiartig über eine typische All-American-Vorstadt herein. Affen, Spinnen, Sturzbäche und eine Elefantenhorde stürmen durch das Haus und die Stadt. Das Chaos kann nur gebändigt werden, wenn sie das Spiel beenden.

Diese Idee, dass das Spiel über die Wirklichkeit hereinbricht (obwohl vorher ein Spieler in das Spiel hineingesaugt wurde), fand ich während des gesamten Films unglaubwürdig.

In „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ haben die Macher diese Prämisse und das Thema des Films grundlegend verändert. Letztendlich ist es ein in jeder Beziehung anderer Film, der mit dem ersten Film bis auf einige unwichtige Kleinigkeiten nichts mehr zu tun hat.

Jetzt finden vier Schüler, die Nachsitzen müssen, im Keller der Schule ein altes Computerspiel. Sie suchen sich Spielcharaktere aus, starten das Spiel und werden in es hineingesaugt. Im Spiel sind sie Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), Dr. Shelly Oberon (Jack Black), Franklin ‚Moose‘ Finbar (Kevin Hart) und Ruby Roundhouse (Karen Gillan) und sie müssen das Spiel spielen. Wie es sich für ein Computerspiel gehört, haben sie bestimmte Fähigkeiten, eine Aufgabe und verschiedene, zunehmend schwierigere Spiellevels, die sie erfolgreich durchspielen müssen, ehe sie zum nächsten Level gelangen. Oh, und sie haben jeweils drei Leben. Diese ebenso einfache, wie bewährte Konstruktion gibt die Struktur der Filmgeschichte vor, die von den Machern nur noch ausgefüllt werden muss.

Das tun sie, ohne spürbare Längen, mit einem sympathischen, spielfreudigen Cast, Humor und einer stringent erzählten Geschichte.

Ein großer Teil des Humors entsteht aus dem Umstand, dass die vier Spieler in der Realität anders als im Spiel sind (aber immer noch ihre reale Identität haben). Teilweise sind sie im Spiel das komplette Gegenteil von ihrem früheren Selbst. Sie haben andere körperliche und geistige Fähigkeiten. Sie haben teilweise auch ein anderes Geschlecht. Und während sie in der Schule nichts miteinander zu tun hatten, müssen sie jetzt sich jetzt aufeinander verlassen und zusammenarbeiten. Denn nur gemeinsam können sie die Aufgabe bewältigen. Diese Botschaft, die sich deutlich von der Botschaft des Ur-“Jumanji“ unterscheidet, ist im gesamten Film präsent. Sie ist die Grundlage für jede Szene, jeden Dialog und jede Handlung.

„Jumanji: Willkommen im Dschungel“ ist ein rundum gelungenes, grundsympathisches Fantasyabenteuer mit viel Action und Humor für die gesamte Familie. Wobei das Zielpublikum, trotz der für mein Empfinden erstaunlich hohen FSK-12-Freigabe, bei älteren Kindern und jüngeren Jugendlichen liegt.

Jumanji: Willkommen im Dschungel (Jumanji: Welcome to the Jungle, USA 2017)

Regie: Jake Kasdan

Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Jake Kasdan, Scott Rosenberg, Jeff Pinkner

LV: Chris Van Allsburg: Jumanji, 1981 (Kinderbuch)

mit Dwayne Johnson, Jack Black, Kevin Hart, Karen Gillan, Nick Jonas, Bobby Cannavale

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jumanji“

Metacritic über „Jumanji“

Rotten Tomatoes über „Jumanji“

Wikipedia über „Jumanji“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jake Kasdans „Sex Tape“ (Sex Tape, USA 2014)


TV-Tipp für den 21. Dezember: Im Jahr des Drachen

Dezember 21, 2017

Tele 5, 22.00

Im Jahr des Drachen (Year of the Dragon, USA 1985)

Regie: Michael Cimino

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Leonard Termo, Ray Barry, Caroline Kava, Eddie Jones

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Wiederholung: Samstag, 23. Dezember, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Im Jahr des Drachen”

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


„Fieber in Casablanca“, weil 1955 eine Europäerin vergewaltigt wurde

Dezember 20, 2017

Als „Fieber in Casablanca“ 1983 in Frankreich erschien, war die Kolonialzeit noch viel gegenwärtiger. Heute empfiehlt sich wahrscheinlich ein erklärendes Nachwort, das leider in der vom Autor überarbeiteten Neuausgabe von „Fieber in Casablanca“ fehlt.

In dem Roman erzählt Tito Topin, selbst gebürtiger, seit 1966 in Frankreich lebender Marokkaner, von einigen aufregenden Stunden in Casablanca im Juli 1955. Kurz vor der Unabhängigkeit war Casablanca eine Metropole mit einem pulsierenden Kultur- und Nachtleben. So schildert es jedenfalls Topin, der damals als Anfang-Zwanzigjähriger dort lebte.

Eines Nachts vergewaltigt der Möchtegern-Playboy Georges Bellanger die fast neunzehnjährige Spanierin Ginette ‚Gin‘ Garcia. Sie landet schwerverletzt im Krankenhaus.

Für die Polizei ist schnell klar, wer für die Tat verantwortlich sein soll. Immerhin befiehlt der Zivilgouverneur Commissaire Guglielmi, wie er zu ermitteln hat: „Stellen Sie die junge Frau wie ein Model der Tugend hin. Machen Sie eine Jungfrau, ja, eine Heilige aus ihr! Und, selbstredend, finden Sie mir einen oder mehrere Schuldige unter den Drecksarabern, am besten unter den Einwohnern der Siedlung Embarek. (…) Ich will einen Schuldigen! Wen auch immer, Hauptsache Araber! Da wird kein Europäer rein verwickelt.“

Entsprechend unobjektiv gestalten sich die Ermittlungen der Polizei. Währenddessen lässt Georges Mutter, Dr. Bellanger, Gin in ihr Krankenhaus verlegen.

Gins Freund Manu sucht auf eigene Faust den Täter und weil das alles in den letzten Tagen vor der Unabhängigkeit spielt, lässt die Kolonialmacht Frankreich noch einmal ihre Muskeln spielen.

„Fieber in Casablanca“ ist ein flotter Noir, in dem vor allem das Chaos regiert. Topin erzählt das in mehreren Erzählsträngen, die sich schnell abwechseln und die Handlung, auch dank der knappen, lakonischen, mit schwarzem Humor gewürzten Sprache unerbittlich zu ihrem explosiven Ende treiben.

Casablanca erscheint als Moloch in dem Korruption und Rassenhass Alltag sind. Gleichzeitig gibt es ein lebhaftes Nachtleben und in den Kinos laufen anscheinend nur die damals angesagten Filmklassiker.

Die Charaktere selbst bleiben eher blass. Auf knapp zweihundert mit Handlunge gefüllten Seiten ist eben wenig Zeit für psychologische Vertiefungen. In den eilig vorangetriebenen Szenen aus dem Chaos einer Strafverfolgung entsteht ein ziemliches unschönes Bild der letzten Tage einer Kolonialmacht. Sie sucht nicht den wahren Täter, sondern den gerade passenden Täter. Das erinnert dann schon fast an die Ermittlungen der deutschen Polizei bei den NSU-Morden. Folter ist akzeptiert, solange sie nicht zu laut ist. Denn: „Wir verhören sie nicht, damit sie reden, wir verhören sie, um ihnen zu zeigen, wer hier das Sagen hat!…Und das geht sehr gut ohne Lärm.“ Und eine Vergewaltigung an einer Europäerin dient als Vorwand für einen Feldzug gegen Araber. Das wäre dann schon fast wieder brennend aktuell, wenn Topin eine Analyse der damaligen Zustände gewollt hätte. Die gibt es zwar auch. Als Nebenprodukt einer bitterbösen Beschreibung eines Kessels kurz vor der Explosion.

Topins Roman wurde mit dem „Prix Mystère de la Critique“ ausgezeichnet.

Für seine anderen Romane, die teilweise auch ins Deutsche übersetzt wurden, erhielt er weitere Preise. Außerdem erfand Topin die langlebige TV-Krimiserie „Navarro“.

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Tito Topin: Fieber in Casablanca

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2017

216 Seiten

14,80 Euro

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Vom Autor überarbeitete Fassung.

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Originalausgabe

55 de fièvre

Éditions Gallimard, Paris, 1983

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Deutsche Erstausgabe

Casablanca im Fieber

Edition Tiamat, Berlin, 1992

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Hinweise
Homepage von Tito Topin
Distel Literaturverlag über Tito Topin
Wikipedia über Tito Topin
Perlentaucher über Tito Topin

Meine Besprechung von Tito Topins „Exodus aus Libyen“ (Libyan Exodus, 2013)


TV-Tipp für den 20. Dezember: The Tree of Life

Dezember 20, 2017

3sat, 22.25

The Tree of Life (USA 2011, Regie: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

„‘The Tree of Life’ ist Malicks bisher erstaunlichster und buchstäblich radikalster Film. (…) ‘The Tree of Life’ erzählt keine Geschichte mithilfe von Bildern, sondern überführt Gedanken, Stimmungen, Gefühle und Erinnerungen in Bilder. Natürlich ist ‘The Tree of Life’ ein Spielfilm – der sogar mit drei Schauspielstars aufwarten kann (Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain) und bei den Filmfestspielen von Cannes 2011 mit der Goldenen Palme bedacht wurde -, aber noch vehementer als Malicks frühere Arbeiten geht er an die Grenzen der Erzählbarkeit.“ (Dominik Kamalzadeh/Michael Pekler: Terrence Malick)

Irgendwie geht in Malicks Meditation um eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, die Entstehung der Welt, das Universum und den ganzen Rest, garniert mit einer christlich-ländlichen Mythologie, die einen entweder wie das Wort Gottes intuitiv hemmungslos begeistert oder – wie mich im Kino – tödlich langweilt; – wobei ich zur Minderheit gehöre. Die meisten Kritiker waren begeistert, der Film war für drei Oscars nominiert (als bester Film, beste Regie und beste Kamera) und erhielt, laut IMDB, 98 Preise, unter anderem in Cannes die Goldene Palme.

Seitdem ist Malick von einem wahren Schaffensrausch gepackt. Seine wenigen eingeschworenen Fans sind begeistert. Der Rest der Welt deutlich weniger.

mit Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Hunter McCracken, Laramie Eppler

Hinweise

Film-Zeit über „The Tree of Life“

Moviepilot über „The Tree of Life“

Metacritic über „The Tree of Life“

Rotten Tomatoes über „The Tree of Life“

Wikipedia über „The Tree of Life“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „To the Wonder“ (To the Wonder, USA 2012)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Knight of Cups“ (Knight of Cups, USA 2015)

Meine Besprechung von Terrence Malicks „Song to Song“ (Song to Song, USA 2017)

Meine Besprechung von Dominik Kamalzadeh/Michael Peklers “Terrence Malick” (2013)

Terrence Malick in der Kriminalakte


Cover der Woche

Dezember 19, 2017


TV-Tipp für den 19. Dezember: Der Traum von Olympia – Die Nazi-Spiele von 1936

Dezember 19, 2017

Arte, 21.35

Der Traum von Olympia – Die Nazi-Spiele von 1936 (Deutschland 2016, Regie: Mira Thiel, Florian Huber)

Drehbuch: Florian Huber

TV-Dokudrama über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, erzählt aus der Perspektive des Wehrmachtsoffiziers Wolfgang Fürstner, der das Olympische Dorf erbauen und für den ordnungsgemäßen Ablauf der Spiele verantwortlich ist, und der deutschen Jüdin Gretel Bergmann, die unbedingt als Hochspringerin bei den Spielen teilnehmen möchte.

Mira Thiel und Florian Huber benutzen diese beiden Personen, deren Erlebnisse sie mit vielen Archivaufnahmen anreichern, um sich so aus unterschiedlichen Perspektiven den Spielen anzunähern. Dabei entsteht ein Paradebeispiel für schlechte Doku-Fiction. Gerade die inszenierten Teile sind erschreckend prätentiös (was auch an der Idee liegt, Fürstner immer wieder, während andere Personen anwesend sind, direkt in die Kamera sagen zu lassen, was in der oder einer anderen Szene eigentlich gezeigt werden sollte). Die Dialoge sind erschreckend schlecht geschrieben auf dem Niveau einer schlechten Vorabendserie. Dito die vielen Voice-Over-Texte, in denen beide Erzähler reichlich naiv erscheinen. Vor allem wenn Gretel Bergmann über ihre Enttäuschungen und ihre Backfisch-Liebe zu Jesse Owens redet. Dramatisch wird es nie; was angesichts der Geschichte eine Meisterleistung ist. Oberflächlich bleibt es immer.

Eine, abgesehen von den Archivaufnahmen, verschenkte Chance.

Wie es besser geht zeigte Stephen Hopkins letztes Jahr mit seinem Jesse-Owens-Biopic „Zeit für Legenden“.

mit Simon Schwarz, Sandra von Ruffin, Gotthard Lange, Christian Hockenbrink, Annina Hellenthal

Hinweise

ARD über „Der Traum von Olympia“

Filmportal über „Der Traum von Olympia“

Wikipedia über „Der Traum von Olympia“


TV-Tipp für den 18. Dezember: Alles über Eva

Dezember 18, 2017

Arte, 20.15

Alles über Eva (All about Eve, USA 1950)

Regie: Joseph L. Mankiewicz

Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz

LV: Mary Orr: The Wisdom of Eve (1946, Kurzgeschichte)

Klassiker über überbordendes Fantum: Der Theaterstar Margo Channing (Bette Davis) nimmt Eve Harrington (Anne Baxter), die behauptet, ihr größter Fan zu sein, in Obhut. Schnell wird Eve zu einer Gefahr für ihrer Karriere.

„‚All about Eve‘ zählt zu den bedeutendsten Filmen, die je gedreht worden sind.“ (Michael Conway/Mark Ricci: Marilyn Monroe und ihre Filme, 1980)

Gute Schauspieler, gute Dialoge und Marilyn Monroe, am Beginn ihrer Karriere, in einer kleinen Rolle. Und alles zu einer guten Uhrzeit. Was will man mehr?

Im Anschluss, um 22.30 Uhr, zeigt Arte die fünfzigminütige Doku „Bette Davis – Der dunkle Blick“ (Deutschland 2016)

mit Bette Davis, Anne Baxter, George Sanders, Celeste Holm, Gary Merrill, Hugh Marlowe, Thelma Ritter, Marilyn Monroe

Wiederholung: Donnerstag, 21. Dezember, 13.45 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alles über Eva“ (100 %, „a Hollywood classic that only improves with age“)

TCM über „Alles über Eva“

Wikipedia über „Alles über Eva“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 17. Dezember: Mord im Orient-Express

Dezember 17, 2017

Weil die Neuverfilmung noch in den Kinos läuft

3sat, 20.15

Mord im Orient-Express (GB 1974, Regie: Sidney Lumet)

Drehbuch: Paul Dehn

LV: Agatha Christie: Murder on the Orient Express, 1934 (Mord im Orientexpress)

Millionär Ratchett wird im Orient-Express ermordet. Der Zug bleibt im Schnee stecken und der Mörder muss noch im Zug sein. Hercule Poirot befragt die Passagiere.

Starbesetzer Edelkrimi mit Albert Finney (als Hercule Poirot), Lauren Bacall, Martin Balsam, Ingrid Bergman, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Cassel, Sean Connery, Sir John Gielgud, Anthony Perkins, Vanessa Redgrave, Michael York, Richard Widmark (als Leiche). Wolf Donner meinte: „Kulinarisches Kino, angenehm überflüssig und verwirrend nutzlos.“ (Donner in Die Zeit)

Wiederholung: Montag, 18. Dezember, 00.30 Uhr (Taggenau!)

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Die Vorlage

Agatha Christie: Mord im Orientexpress

(übersetzt von Otto Bayer)

Atlantik Verlag, 2017

256 Seiten

10 Euro

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Originalausgabe

Murder on the Orient Express

HarperCollins, London, 1934

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Hinweise

Rotten Tomatoes über “Mord im Orient-Express”

Wikipedia über Agatha Christie

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Sidney Lumet in der Kriminalakte

Wikipedia über „Mord im Orientexpress“ (Roman [deutsch, englisch], Lumet-Verfilmung [deutsch, englisch], Schenkel-Verfilmung [englisch], Martin-Verfilmung [deutsch], Branagh-Verfilmung [deutsch, englisch]) und Agatha Christie (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Krimi-Couch über Agatha Christie

Thrilling Detective über Hercule Poirot

Meine Besprechung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, 1934)

Meine Besprechung von Kenneth Branaghs Agatha-Christie-Verfilmung „Mord im Orientexpress“ (Murder on the Orient Express, USA 2017)

 


TV-Tipp für den 16. Dezember: Who killed Marilyn?

Dezember 16, 2017

RIC, 20.15
Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)
Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Drehbuch: Gérald Hustache-Mathieu, Juliette Sales (Mitarbeit)
Jura: Der Krimi-Autor David Rousseau will herausfinden wer die Dorfschönheit und Wetterfee Candice Lecoeur ermordete.
Und weil Candice eine große Bewunderin von Marilyn Monroe war, gibt es in dieser gelungenen Krimikomödie auch zahlreiche Anspielungen auf MMs Leben.
Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.
mit Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Guillaume Gouix, Olivier Rabourdin, Clara Ponsot, Arsinée Khanjian, Eric Ruf

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Who killed Marilyn?“

Rotten Tomatoes über „Who killed Marilyn?“

Wikipedia über „Who killed Marilyn?“

Meine Besprechung von Gérald Hustache-Mathieus „Who killed Marilyn?“ (Poupoupidou, Frankreich, 2011)


Über den berührenden Comic „Der Sommer ihres Lebens“

Dezember 15, 2017

Gerda Wendt lebt im Altersheim. Während die Tage im täglichen Trott vergehen, die Kräfte und das Gedächtnis nachlassen, erinnert sich die 84-jährige an ihr Leben. Es war ein Leben, das nie für Schlagzeilen taugte oder die Welt veränderte. Aber es ist ihr Leben, das auch die Veränderungen in der Bundesrepublik reflektiert. Nebenbei. Denn Gerda gehörte niemals zu den 68ern. Das war die Generation nach ihr. Sie kümmerte sich nie um Politik. Stattdessen war sie schon in der Schule gut in Mathematik, studiert Physik, erhält sofort eine Anstellung als Assistentin, verliebt sich in Peter, soll nach ihrer Promotion 1974 in Cambridge einen Vortrag halten, schlägt für Peter ein lukratives Angebot aus, heiratet Peter, erwischt ihn beim Seitensprung, lässt sich scheiden und arbeitet wieder an der Universität. Als Privatdozentin, die niemals die große Karriere machen wird, die sie einige Jahre früher vielleicht hätte machen können.

Aber lebte sie ein falsches Leben? Verpasste sie Chancen, die sie später bedauert?

Für die Buchausgabe von „Der Sommer ihres Lebens“ überarbeiteten und erweiterten Romanautor Thomas von Steinaecker und die Eisner-nominierte Zeichnerin Barbara Yelin, die fast Gerdas Enkelkinder sein könnten, die ursprünglich in dem Online-Magazin „Hundertvierzehn“ des S. Fischer Verlags erschienene Geschichte, in der Gegenwart und Vergangenheit immer wieder nahtlos ineinander übergehen. Oft in einem Panel. Yelin zeigt in diesen Aquarellen unaufdringlich, wie gegenwärtig Erinnerungen sind. In wenigen Panels verdeutlichen sie den Lebens- und Arbeitsrhythmus eines Altersheimes, während Gerda sich an einige Momente ihres Lebens erinnert. Auch diese Erinnerungen verdichten sie auf wenige, entscheidende Momente, in denen immer wieder die gesellschaftlichen Veränderungen, die sie miterlebte, durchschimmern.

So gelingt es ihnen, auf knapp achtzig Seiten ein ganzes Leben zu erzählen, ohne jemals eine luftige Leichtigkeit zu verlieren.

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Thomas von Steinaecker/Barbara Yelin: Der Sommer ihres Lebens

Reprodukt, 2017

80 Seiten

20 Euro

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Hinweise

Homepage von Barbara Yelin

Perlentaucher über „Der Sommer ihres Lebens“

Deutschlandfunk: Interview mit Barbara Yelin (14. Januar 2017)


TV-Tipp für den 15. Dezember: Ein Kind wird gesucht

Dezember 15, 2017

Arte, 20.15

Ein Kind wird gesucht (Deutschland 2017)

Regie: Urs Egger

Drehbuch: Katja Röder, Fred Breinersdorfer

3. September 2010: in der Nähe von Grefrath (Nordrhein-Westfalen) verschwindet der zehnjährige Mirco spurlos. Die Polizei beginnt mit der Suche, die nicht Tage oder Wochen, sondern Monate dauert.

Der Krimi basiert auf einem wahren Fall. Das Drehbuch ist von Katja Röder und Fred Breinersdorfer, der schon öfter wahre Kriminalfälle zu packenden Krimis verarbeitete. Und das steigert die Erwartungen.

Mit Heino Ferch, Silke Bodenbender, Johann von Bülow, Felix Kramer

Hinweise

Arte über „Ein Kind wird gesucht“

Wikipedia über „Ein Kind wird gesucht“

Homepage von Fred Breinersdorfer


TV-Tipp für den 14. Dezember: Sinola

Dezember 14, 2017

3sat, 22.25

Sinola (Joe Kidd, USA 1972)

Regie: John Sturges

Drehbuch: Elmore Leonard

Revolerheld Joe Kidd soll dem reichen Landbaron Harlan bei der Jagd nach einem Banditen helfen. Aber Kidd gefallen Harlans Methoden nicht.

Schickel meint in seiner Eastwood-Biographie über den Western „einer der größten Routinefilme, die er je als Star gemacht hat“. Bis zum Ende (ja, die Szene mit dem entgleisenden und in die Dorfkneipe fahrenden Zug!) schleppt sich der Film müde durch die Wüste.

Und das meint Elmore Leonard auf seiner Homepage dazu:

„Joe Kidd was Elmore’s first original screenplay but never became a book. Swanson sold the story directly to Universal and the legendary Jennings Lang became involved as producer. Producer Sidney Beckerman was also involved and rewrote the dialogue which Elmore would change back to the original before the secretary typed it up. Joe Kidd is set in the American Southwest during the Mexican American War. Eastwood plays Joe Kidd, a former bounty hunter enlisted to capture a Mexican revolutionary named Luis Chama (John Saxon) by Frank Harlan (Robert Duvall), a wealthy land baron. John Sturges fundamentally changed the Saxon character’s motivation from Elmore’s original concept of a glory seeking egomaniac to a champion of the Mexican people. Elmore felt the plot fell apart after that change. Sturges added the scene at the end with the train crashing through the barroom. Everybody involved with Joe Kidd awaited a sign of Sturges’ genius but it didn’t happen. One of Eastwood’s lowest grossers.“

mit Clint Eastwood, Robert Duvall, John Saxon, Don Stroud

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sinola“

Wikipedia über „Sinola“ (deutsch, englisch)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Sturges‘ „Die 5 Geächteten“ (Hour of the Gun, USA 1967)

John Sturges in der Kriminalakte