Als die siebzehnjährige Clare Shannon von ihrem Vater eine alte Spieluhr, die er im Abfall fand, geschenkt bekommt, nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Denn die Spieluhr erfüllt Wünsche (gut), verlangt aber auch einen Preis (schlecht). Als erstes wünscht Clare sich, im Spaß, dass die von ihr gehasste Schönheitskönigin, die sie ständig mobbt, verrotten solle. Der Wunsch geht in Erfüllung. Clare ist begeistert. Dass gleichzeitig ihr Hund stirbt, könnte ein Zufall sein. Also wünscht Clare sich munter weiter die üblichen Teenager-Dinge: absolute Beliebtheit in der Schule, den Schul-Schönling als Freund, Geld, undsoweiter. Dass bei jeder Wunscherfüllung jemand, den sie mag, stirbt, stört sie nicht. Es sind halt alles unglaublich seltsame Unfälle, die unwahrscheinlich sind, aber halt „Final Destination“-mäßig passieren können.
„Wish upon“ ist ein vorhersehbarer, unlogischer Horrorfilm, in dem dumme Menschen dumme Dinge tun. Vor allem die Protagonistin Clare ist eine dumme Trine, die nicht einmal darüber nachdenkt, was der Zusammenhang zwischen der Box, ihren Wünschen und den Toten sein könnte. Auch als sie nach ihrem fünften Wunsch erfährt, dass die Box für ihre Wunscherfüllung einen Preis verlangt und dass die Box nach ihrem siebten Wunsch ihre Seele verlangt, wünscht sie locker-flockig weiter. Spätestens ab diesem Moment wünscht man ihr einen möglichst schnellen Tod.
Ihre Freundinnen sind auch nicht intelligenter. So ruft ihre Freundin Meredith, als sie in einem abstürzendem Fahrstuhl ist, Clare auf dem Handy an, anstatt den Notrufknopf zu drücken. Wenige Sekunden später ist sie, nachdem kurz die Fahrstuhltüren aufgehen, tot.
Als Satire auf die US-Gesellschaft und dumme, egoistische, nur an äußeren Werten interessierten Teenagern wäre „Wish upon“ vielleicht noch erträglich, aber John R. Leonetti („Annabelle“) inszeniert das alles todernst und ohne ein Gefühl für Grusel-Atmosphäre oder jugendliche Lebenswelten. „Wish upon“ wirkt wie ein liebloses Abschreibungsprojekt, für das einfach Schnipsel aus verschiedenen Filmen zusammengefügt wurden.
Wish upon (Wish upon, USA 2017)
Regie: John R. Leonetti
Drehbuch: Barbara Marshall
mit Joey King, Ki Hong Lee, Sydney Park, Shannon Purser, Elisabeth Rohm, Ryan Phillippe, Sherilyn Fenn, Mitchell Slaggert, Alice Lee, Kevin Hanchard
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 16 Jahre (weil doch etwas zu hart für eine FSK-12)
Drehbuch: Harry Kleiner, Walter Hill, Troy Kennedy Martin
Taffer, wortkarger russischer Polizist (Arnold Schwarzenegger) soll in Chicago einen skrupellosen russischen Gangster verhaften. Ein sprücheklopfender, fauler US-Polizist (James Belushi) soll auf den russischen Kollegen aufpassen.
Buddy-Action mit vielen Kloppereien, Blechschäden und flotten Sprüchen. Und „der erste im Zeichen von Glasnost und Perestrojka entstandene Polizeifilm“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Die Nachtwiederholung müsste ungekürzt sein.
Mit Arnold Schwarzenegger, James Belushi, Peter Boyle, Ed O’Ross, Larry Fishburne, Gina Gershon
Der Klappentext mit den Signalworten „rabenschwarz“, „Provinz-Noir“ und „Abgesang auf den goldenen Westen“ weckt Interesse.
Die Länge – keine zweihundert Seiten – ist äußerst sympathisch. Schließlich muss nicht jeder Roman den Wettbewerb mit „Krieg und Frieden“ aufnehmen.
Aber alles das sind Äußerlichkeiten, die nichts über den Inhalt aussagen. Und um den soll es ab jetzt gehen.
Vor seinem Debütroman „Dunkels Gesetz“ veröffentlichte Sven Heuchert die hochgelobte Kurzgeschichtensammlung „Asche“. „Dunkels Gesetz“ ist dann auch mehr eine Sammlung von miteinander zusammenhängenden Kurzgeschichten und Impressionen aus der bundesdeutschen Provinz als ein stringent erzählter Roman. Das beginnt schon damit, dass der titelgebende Richard Dunkel eine Randfigur ist. Über weite Strecken des Romans ist er nicht in das Geschehen involviert. Weil er vieles überhaupt nicht erfährt, ist er noch nicht einmal ein passiver Beobachter.
Dunkel ist ein in Spanien lebender, älterer Ex-Söldner, der in der deutschen Provinz in der Nähe der belgischen Grenze einen Job als Security annimmt. Er soll einige Wochen eine stillgelegte Grube in Altglück bewachen. Vor kurzem wurde auf dem Gelände die Leiche eines Jungen gefunden.
Auf seinem Weg dorthin trifft er an einer Tankstelle, die direkt aus einem US-Noir stammen könnte (einsam gelegen, von Gott und der Welt vergessen und auch kein Postmann wird hier zweimal klingeln), auf den Besitzer Achim, seine seit kurzem bei ihm lebende Geliebte und ihre gerade noch minderjährige Tochter Marie. Diese drei Menschen stehen im Mittelpunkt des Romans.
Achim plant ein großes Drogengeschäft mit Falco, dem lokalen Gangsterboss. Er will ihn bei dem Geschäft auch betrügen, sich vollständig sanieren und aus der Gegend abhauen.
Soweit Achims genialer Plan.
Wenn man vor der Lektüre nicht den Klappentext gelesen hat, passiert über viele Seiten wenig bis nichts, was die Handlung erkennbar vorantreibt. Stattdessen wird eher länglich ein Drogengeschäft angebahnt, Marie erhält Reitstunden von Achim und lernt eine ältere Dame, die in der Nähe der Tankstelle lebt und Alkoholikerin ist, näher kennen.
In diesen kurzen Porträts von Gescheiterten und wie Heuchert auf wenigen Seiten das Bild einer gottverlassenen Landschaft voll gescheiterter und meist unsympathischer Gestalten (die uns trotzdem sympathisch sind) zeichnet, zeugt von seinem Können. Die Vorbilder sind erkennbar, aber er verwandelt sie und passt sie den bundesdeutschen Gegebenheiten an. Aus einem Country-Noir US-amerikanischer Prägung wird ein stimmungsvoller Provinz-Noir im Wirtschaftswunderland nach dem Ende des Wirtschaftswunders.
Nur die Story für seine Charaktere hat er noch nicht gefunden.
Insgesamt ist „Dunkels Gesetz“ gut genug, um mich neugierig auf Sven Heucherts nächsten Roman zu machen.
Im Moment ist Paul Verhoeven Präsident der Berlinale-Jury und gleichzeitig läuft sein neuer Film „Elle“ endlich in unseren Kinos an. Seine grandiose Philippe-Djian-Verfilmung wurde bereits 2016 bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt. Seitdem gab es Preise, wie Golden Globes als bester fremdsprachiger Film und für Isabelle Huppert als beste Darstellerin, eine Oscar-Nominierung für Huppert, elf César-Nominierungen und Nominierungen für den Europäischen Filmpreis in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Beste Darstellerin“, die auf die Qualitäten von Verhoevens neuem Film hinweisen.
Isabelle Huppert spielt Michèle Leblanc, die Chefin einer Videogame-Firma.
Als sie in ihrer Wohnung vergewaltigt wird, kriegt sie keine Panikattacke oder ruft um Hilfe. Stattdessen räumt sie äußerlich ungerührt die Scherben weg. Sie geht zum Arzt und lässt sich auf mögliche Krankheiten und Infektionen testen. Sie kauft sich Pfefferspray. Bei einem Abendessen in einem noblen Restaurant mit ihrem Ex-Mann Richard, einem erfolglosem Schriftsteller, ihrer Geschäftspartnerin und Freundin Anna und deren Mann Robert (mit dem Michèle ein Verhältnis hat), sagt sie ihnen beiläufig, dass sie vergewaltigt wurde. Weiter will sie nicht darüber reden.
Sie ist ein Biest, das sich schon früh einen Panzer zulegte,und ihren Mitmenschen in einer Mischung aus schnippischer Kaltschnäuzigkeit, gnadenloser Ehrlichkeit und offensichtlicher Ungerührtheit über ihre Gefühle begegnet, Sie ist in keinster Weise liebenswert, aber dank Isabelle Hupperts Spiel schließt man sie dann doch ins Herz. Soweit das möglich ist, bei einer Person, die sich nie als Opfer sieht, immer die Kontrolle behält und keine Emotionen zeigt.
Die anderen Menschen und Paul Verhoevens eiskalt-illusionsfreier Blick auf die conditio humana zeichnet ein reichlich misanthropisches Bilder der Menschheit. Kein Mann ist auch nur im Ansatz eine Zierde seines Geschlechts. Es sind Jammerlappen. Robert ist einfach nur ein ständig notgeiler Trottel. Christian Berkel hatte erkennbar seinen Spaß an diesem tumben Mannsbild. Die Frauen sind kaum besser. Michèles Mutter lässt sich ständig liften und hält sich jüngere Liebhaber. Ihre Nachbarin ist eine überzeugte Katholikin, die auf einem Tischgebet besteht und am Ende einen harmlos klingenden Satz sagt, der, weil wir den Hintergrund und die wahre Dimension des Satzes kennen, schlimmer kaum sein könnte. Ob er aus ehrlicher Erkenntnis oder vollkommener Verlogenheit gesagt wurde, bleibt dagegen dem Zuschauer überlassen. Ihre Freundin Anna erscheint da schon fast wie eine moralische Lichtgestalt.
Es sind, wenn auch mit mehr oder weniger großen Abweichungen von der Norm, ganz normale Menschen, die immer ihr Geheimnis bewahren. Das liegt auch an David Birkes Drehbuch, in dem jeder Satz ein Treffer ist, und Paul Verhoevens präziser Regie. Sie haben aus Philippe Djians Roman „Oh…“ vieles übernommen, ihn aber an den entscheidenden Stellen verbessert und Motive und Beziehungen klarer herausgearbeitet. Dem mit dem Prix Interallié ausgezeichneten Roman fehlt die klare Struktur, der ironische Ton und die satirische Schärfe des Films. So ist Michèle im Roman eine Filmproduzentin, die oft zu Hause Drehbücher liest. Im Film ist sie eine Videogame-Produzentin, die vor allem junge Männer angestellt hat, die gerade ein neues, sehr sexistisches und gewaltverherrlichendes Spiel programmieren. Michèles reale Vergewaltigung wird im Spiel mehr als einmal in verschiedenen Facetten reflektiert. Im Roman wird das Verbrechen von ihrem Vater nur angedeutet. Im Film erfahren wir die ganze Wahrheit. Der Katholizismus von ihrer Nachbarin spielt im Film eine größere Rolle. Sowieso wurden etliche Szenen dazu erfunden, die gleichzeitig Konflikte stärker zuspitzen als im Roman, die Charaktere in einem kälteren Licht erscheinen lassen und der gesamten Geschichte eine faszinierende Zwiespältigkeit verleihen. Denn Verhoeven und sein grandioses Ensemble lassen den Charakteren immer einen Hauch ihres Geheimnisses und fast jeder Satz und jede Handlung kann auf mindestens zwei Arten interpretiert werden.
Auch weil Michèle, nachdem sie die Identität ihres Vergewaltigers enthüllte, mit ihm eine Beziehung eingeht.
„Elle“ gehört zu den Filmen, die beim zweiten Ansehen besser als beim ersten Ansehen sind. Wie gut wird der Erotik-Thriller dann beim dritten Ansehen sein?
Verdammt gut.
Die DVD ist dagegen eine Enttäuschung. Neben der Hörfilmfassung (keine Selbstverständlichkeit!), gibt es kein weiteres Bonusmaterial und das Bild ist, jedenfalls auf dem Screener, den ich bekommen habe, erstaunlich blass und unscharf. Aber da kann auch die Erinnerung an das Kinobild trügen.
Elle (Elle, Frankreich/Deutschland/Belgien 2016)
Regie: Paul Verhoeven
Drehbuch: David Birke
LV: Philippe Djian: Oh…, 2012 (Oh…)
mit Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Charles Berling, Virginie Efira, Judith Magre, Jonas Bloquet, Alice Isaaz, Vamila Pons
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DVD
MFA
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1), Deutsche Hörfilmfassung für Blinde und Sehbehinderte
Meine Brüder und Schwestern in Nordkorea (Deutschland/Nordkorea 2016, Regie: Cho Sung-Hyung)
Drehbuch: Cho Sung-Hyung
Regisseurin Cho Sung-Hyung (Full Metal Village) porträtiert geduldig ihre Brüder und Schwestern im Norden und zeigt das Leben in einer Diktatur. Um in Nordkorea drehen zu können, natürlich mit staatlicher Genehmigung und Aufsicht, musste sie ihre Südkoreanische Staatsbürgerschaft aufgeben.
Ein sehenswerter Blick in ein vom Rest der Welt hermetisch abgeschottetes Land.
auch bekannt als „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ (Kinotitel)
Am 30. Juli feiert Arnold Schwarzenegger seinen siebzigsten Geburtstag und, nun, als er seinen ersten Pups ließ, hätte niemand gedacht, dass er als Bodybuilder fünfmal Mr. Universe und siebenmal Mr. Olympia wird, in Hollywood eine lange Karriere als Action-Star in Big-Budget-Filmen und Kassenschlagern hat (obwohl oder weil er kein guter Schauspieler ist und er einen unüberhörbaren Akzent hat), von 2003 bis 2011 Gouverneur von Kalifornien wird. Seitdem legt er ein interessantes, wenn auch kommerziell nicht so erfolgreiches Alterswerk vor und der Republikaner mischt sich wieder in die Politik ein.
Nur Präsident der USA kann er nicht werden, weil er kein gebürtiger US-Amerikaner ist.
Gezeigt werden, neben zwei TV-Premieren, vor allem seine bekannten Werke, die vor seinem Ausflug in die Politik entstanden:
Donnerstag, 27. Juli
Kabel 1, 20.15: Red Heat (USA 1988, Regie: Walter Hill) (Wiederholung um 00.30 Uhr)
Kabel 1, 22.20: Predator (USA 1987, Regie: John McTiernan) (Wiederholung um 02.25 Uhr)
Freitag, 28. Juli
RTL II, 20.15: Terminator 2 – Tag der Abrechnung (USA 1991, Regie: James Cameron) (Wiederholung um 01.10 Uhr) (Achtung: Am 29. August läuft die restaurierte 3D-Fassung im Kino und sie sieht prächtig aus. Die 3D-Effekte sind eher marginal. Am 5. Oktober erscheint diese Fassung in verschiedenen Ausgaben auf DVD und Blu-ray.)
RTL II, 23.05: Sabotage (USA 2014, Regie: David Ayer) (Wiederholung um 03.35 Uhr)
Samstag, 29. Juli
RTL II, 08.05: Conan, der Barbar (USA 1982, Regie: John Milius)
RTL II, 10.10: Conan, der Zerstörer (USA 1984, Regie: Richard Fleischer)
ZDFneo, 20.15: Kindergarten Cop (USA 1990, Regie: Ivan Reitman)
RTL II, 20.15: Last Action Hero (USA 1993, Regie: John McTiernan)
ZDFneo, 22.00: Junior (USA 1994, Regie: Ivan Reitman)
RTL II, 22.55: Maggie (USA 2015, Regie: Henry Hobson) (TV-Premiere, lief in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest und kam dann auf DVD raus) (Wiederholung um 04.05 Uhr)
ZDFneo, 23.40: Twins – Zwillinge (USA 1988, Regie: Ivan Reitman)
Sonntag, 30. Juli
RBB, 01.20: Red Sonja (USA/Niederlande 1985, Regie: Richard Fleischer)
RTL II, 05.40: Conan, der Barbar (USA 1982, Regie: John Milius)
RTL II, 07.20: Conan, der Zerstörer (USA 1984, Regie: Richard Fleischer)
RTL II, 20.15: Terminator 3 – Rebellion der Maschinen (USA/Deutschland/Großbritannien 2003, Regie: Jonathan Mostow) (Wiederholung um 03.10 Uhr)
RTL II, 22.20: Total Recall (USA 1990, Regie: Paul Verhoeven)
Montag, 31. Juli
RTL II, 00.40 Uhr: The 6th Day (USA 2000, Regie: Roger Spottiswoode)
Kabel 1, 20.15: Eraser (USA 1996, Regie: Charles Russell) (Wiederholung um 00.15 Uhr)
Kabel 1, 22.30: Pumping Iron (USA 1977, Regie: Robert Fiore, George Butler) (TV-Premiere der Semi-Doku über die Welt der Bodybuilder und die 1975er Wettbewerbe für Mr. Olympia und Mr. Universe.)
Mittwoch, 2. August
Kabel 1, 20.15: Terminator (USA 1984, Regie: James Cameron) (Wiederholung um 23.20 Uhr)
Kabel 1, 22.20: Die Arnold Schwarzenegger Story (Deutschland 2017, einstündige Doku über Arnie) (Wiederholung um 03.10 Uhr)
Donnerstag, 3. August
Kabel 1, 01.35: Pumping Iron (USA 1977, Regie: Robert Fiore, George Butler)
Freitag, 4. August
BR, 23.45: Red Sonja (USA/Niederlande 1985, Regie: Richard Fleischer)
Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)
Regie: Alberto Rodriguez
Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez
Spanien, 1980: zwei Polizisten aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.
Toller, atmosphärischer Thriller, der im Kino leider unterging und viel besser als „True Detective“ ist.
Der Richter – Recht oder Ehre (The Judge, USA 2014)
Regie: David Dobkin
Drehbuch: Nick Schenk, Bill Dubuque
Staranwalt Hank Palmer fliegt zur Beerdigung seiner Mutter, nach Jahren, zurück ins ländliche Indiana. Der Rückflug verzögert sich, weil sein Vater, ein Richter, verdächtigt wird, einen Mann überfahren zu haben. Hank soll ihn, gegen seinen Willen, verteidigen. Und dann gibt es noch einige weitere Probleme.
TV-Premiere von „Der Richter – Recht oder Ehre“, der im TV „Der Richter – Sein wichtigster Fall“ heißt. Warum auch immer.
Sehenswertes, dank etlicher Subplots etwas lang geratenes, weitgehend vorhersehbares, gut gespieltes Drama, das in der aktuellen Superheldenfilmographie von Robert Downey Jr. eine rare Ausnahme ist.
mit Robert Downey Jr., Robert Duvall, Vera Farmiga, Vincent D’Onofrio, Jeremy Strong, Dax Shepard, Billy Bob Thornton, Leighton Meester, Emma Tremblay, Ken Howard, David Krumholtz, Balthazar Getty
Don Mariano weiß von nichts (Italien/Frankreich 1967, Regie: Damiano Damiani)
Drehbuch: Ugo Pirro, Damiano Damiani
LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)
In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.
„Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.
Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.
„Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani
Daheim sterben die Leut‘(Deutschland 1985, Regie: Klaus Gietinger, Leo Hiemer)
Drehbuch: Klaus Gietinger, Leo Hiemer
Allgäu: Der Landrat will den Allgeier-Hof an die Wasserleitung anschließen. Bauer Allgeier ist dagegen. Er wehrt sich und der Konflikt eskaliert, mit mehr oder weniger viel göttlicher Hilfe.
Die damals (und heute immer noch?) kultige, mit Laiendarstellern gedrehte Heimatkomödie wurde zuletzt vor 17 Jahren im TV gezeigt.
„eine kritische Liebeserklärung an ihre Heimat, deren Bewohner und ihre Sprache, voll treffsicherer Bosheiten und satirischer Seitenhiebe, die aber die Solidarität nie vergessen lassen (…) im Ganzen bietet der Film Bauerntheater, bei dem das Volk einmal nicht ‚tümlich-dümmlich‘ ist. (…) Gietinger und Hiemer haben dem Volk aufs Maul geschaut und Salz in offene Wunden gestreut.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Im Allgäu wurde der Film auch zu einem Politikum, weil, u. a., eine katholische Funktionärin und der Lindauer CSU-Landrat sich betroffen fühlten.
Darauf ein Wunderwasser. In einem Gasthaus. Denn „Daheim sterben die Leut’“.
Mit Walter Nuber, Norbert Hauber, Heribert Weber, Josef Lau, Anni Raps
Wir sollten uns einmal ansehen, ob wir das wirklich wollen, meint der Wirtschaftsjournalist Steven Hill. Vielleicht sieht das Paradies dann nicht mehr so erstrebenswert aus.
In „Die Start-up-Illusion – Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert“ zeichnet Hill ein ernüchterndes Porträt der US-amerikanischen Internet-Ökonomie und von ihrem Zentrum Silicon Valley, das sich als Utopie einer künftigen, humaneren Wirtschaft, Arbeitsplatzmaschine, Gründer- und Innovationsparadies verkauft.
Schnell ist klar, dass Silicon Valley nicht zum Vorbild taugt. Anspruch und Wirklichkeit klaffen eklatant auseinander. Und diese Wirklichkeit hat weitreichende Folgen.
Kurz gesagt ruiniert die Internet-Ökonomie den Sozialstaat durch eine Zunahme von freien Beschäftigten, die teilweise als Selbstständige arbeiten müssen, ohne die Absicherung eines fest Angestellten oder auch nur annähernd das Einkommen und die Sicherheit eines klassischen Selbstständigen (ihr wisst schon: der Anwalt, der Architekt, der Arzt) zu haben, und durch eine zunehmende Verlagerung von Arbeit auf Maschinen. Das gilt inzwischen nicht nur für monotone Fließbandarbeiten, sondern auch für Tätigkeiten, die früher viel Wissen erforderten, wie Bank- und Steuerberater oder Übersetzer (so schlecht ist der Google-Übersetzer nicht). Die Arbeiter verdienen wenig(er), sie bezahlen keine oder nur geringe Abgaben und Steuern. Oft verdienen sie einfach nicht genug, um Steuern bezahlen zu müssen, Die soziale Sicherung des Einzelnen ist immer stärker gefährdet, weil der Sozialstaat immer weniger Geld hat, das er verteilen kann.
Gleichzeitig vernichten die Internet-Start-ups mehr Arbeitsplätze als sie schaffen.
Gewerkschaften oder andere Formen des Zusammenschluss von Lohnempfängern gegenüber den Lohngebern existieren in den Start-ups nicht. Einerseits weil Selbstständige notorisch organisationsschwach sind, andererseits weil sie mit Anbietern aus Ländern mit deutlich geringeren Lebenshaltungskosten konkurrieren müssen.
Dieses Modell einer Silicon-Valley-Wirtschaft ist für Steven Hill keine erstrebenswerte Zukunft. Entsprechend engagiert warnt er davor, diesen Alptraum als Vorbild zu nehmen.
Den Teufelskreislauf einer sich entsolidarisierenden Wirtschaft zeichnet Steven Hill am Beispiel des ihm von zahlreichen Recherchen bekannten Silicon Valley nach, ehe er sich den schon erkennbaren Veränderungen in der deutschen Ökonomie und dem deutschen Sozialstaat widmet.
Dabei entdeckt er das bundesdeutsche System der sozialen Sicherung, der Tarifpartnerschaft, die Künstlersozialkasse, die er gerne auf weitere Berufszweige ausweiten würde, und den deutschen Mittelstand in seiner traditionellen Form. Das sind für ihn bewahrenswerte Institutionen und Regelwerke, die nach seiner Meinung für die Zukunft gefestigt werden müssen. Das sollte angesichts der ökonomischen Entwicklungen nicht zögerlich, sondern mutig geschehen.
„Eine neue Version von Deutschlands sozialem Kapitalismus, der für das digitale Zeitalter modernisiert wurde, könnte ein solides Fundament für die Zukunft bilden und aus Deutschland eine globale Supermacht machen, die sich dafür einsetzt, dass eine mehr und mehr technologiegetriebene Wirtschaft nicht die Kluft zwischen ungleichen Jobs weiter aufreißt, die Solidarität untergräbt und die Gesellschaft gefährdet.“ (Steven Hill, Seite 249)
„Die Start-up-Illusion“ ist ein lesenswertes Buch, auch wenn er das deutsche System etwas zu euphorisch, fast schon als Paradies, zeichnet.
Hill recherchierte und schrieb das Buch 2016 während eines fünfmonatigen Forschungsaufenthalts an der American Academy in Berlin als Holtzbrinck-Fellow.
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Steven Hill: Die Start-up-Illusion – Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert
Journalist Sebastian Zöllner ist ein ausgemachtes, von sich selbst überzeugtes Arschloch, das sich mit einer Biographie über den legendären, blinden Maler Manuel Kaminski finanziell sanieren will. Dummerweise ist der 85-jährige Künstler auch kein Kind von Traurigkeit.
Enorm kurzweiliger, verspielter, einfallsreicher und in jeder Beziehung schöner Film von „Good Bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker über unsympathische Menschen.
mit Daniel Brühl, Jesper Christensen, Amira Casar, Denis Lavant, Jördis Triebel, Geraldine Chaplin, Jan Decleir, Joacques Herlin, Josef Hader, Peter Kurth, Milan Peschel, Patrick Bauchau
Nach der Pressevorführung fragte ich mich: „Wer soll sich den Film ansehen?“
Dabei ist Luc Bessons neuer Film „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ nicht unbedingt schlecht. Er ist in jeder Sekunde und in jeder Perspektive vergnüglicher als ein „Transformers“-Film und die sind ja alle Blockbuster.
„Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ hat allerdings das „John Carter zwischen zwei Welten“-Problem. Zu jedem Bild und jeder Szene fallen einem schnell viele andere und oft auch bessere Filme ein. Bei „John Carter“ ist es „Flash Gordon“ und „Krieg der Sterne“, obwohl diese Filme sich bei Edgar Rice Burroughs‘ John-Carter-Geschichten bedienten. Bei „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ ist es vor allem Bessons „Das fünfte Element“.
In dem Science-Fiction-Film hat Luc Besson vor zwanzig Jahren die „Valerian & Laureline“-Comics von Zeichner Jean-Claude Mézière und Autor Pierre Christin eigentlich schon verfilmt.
Mèzières war damals einer der Designer des Films. Jean ‚Moebius‘ Giraud, ein weiterer legendärer französischer Comiczeichner, war ebenfalls in das Filmdesign involviert. Letztendlich bestimmten sie den Look des Films.
In seinem neuesten Film kehrt Luc Besson jetzt, in einer fast schon aseptischen Version, in genau diese surreale Anything-goes-Welt zurück.
Valerian (Dane DeHaan), ein notorischer Schwerenöter, und Laureline (Cara Delevigne), seine ehrgeizig-strebsame Kollegin, sind im Jahr 2740 Regierungsagenten. Auf dem Wüstenplaneten Kirian, einem riesigen Einkaufsparadies (wenn man seine Spezialbrille aufsetzt), sollen sie einen illegalen Handel unterbinden und dabei den letzten lebenden Transmutator vom Planeten Mül beschaffen.
Nach dieser, in mehreren Dimensionen, etwas aus dem Ruder gelaufenen Aktion sollen sie auf der intergalaktischen Raumstation Alpha Commander Arun Filitt (Clive Owen) beschützen. Die Raumstation ist die titelgebende Stadt der tausend Planeten: ein Zusammenschluss von Welten im Weltraum, an der über Jahrhunderte immer mehr Welten andockten, bis sie zu einem unüberschaubarem Labyrinth unzähliger Welten und Geschöpfe wurde. In ihrem Comic sagen Mézière und Christin über die Stadt „dieser Name steht für tausend verschiedene Formen von tausend verschiedenen Welten, eine künstliche Konstruktion mit unzähligen Raumschiffhäfen, ein Organismus, in dem sich die unglaubliche Vielfalt des Universums konzentriert.“
Die Station ist eine Art Disney-World im Weltraum, das einem den Besuch vieler Kulturen bei minimaler Reisezeit ermöglicht.
Im Zentrum von Alpha gibt es in der Red Zone ein die Stadt bedrohendes, sich stetig vergrößerndes Problem unbekannten Ausmaßes. Alle Soldaten, die dorthin geschickt wurden verschwanden.
Und dann wird Commander Filitt entführt.
Valerian und Laureline versuchen den Commander zu retten und hinter das Geheimnis der Red Zone zu kommen.
Luc Besson schickt die beiden Agenten auf eine ebenso abenteuerliche, wie abstruse Reise durch die gesamte Raumstation, die fröhlich auf Logik und Sinn pfeift. Wie schon in „Das fünfte Element“ zählt nur der Moment und die vielen verschiedenen außerirdischen Rassen mit ihren teils außergewöhnlichen und verblüffenden Fähigkeiten.
Das sieht natürlich gut aus. Aber nie so gut, wie man es inzwischen aus US-amerikanischen Filmen, vor allem natürlich den „Guardians of the Galaxy“-Filmen, kennt. Angesichts des Budgets von 200 Millionen Euro sehen die Effekte sogar immer wieder erstaunlich schlecht aus. Gleichzeitig vermisst man, wenn Valerian und Laureline sich mit Außerirdischen unterhalten oder kämpfen, schmerzlich die Vergangenheit, als Außerirdische nicht am Computer entworfen wurden. In „Das fünfte Element“ oder, um eine weitere Inspiration für Bessons neuen Film zu nennen, „Barbarella“ gab es dafür Kostüme und Masken. „Barbarella“ ist ein französisch-italienischer Science-Fiction-Film. Roger Vadim inszenierte 1967 die Jean-Claude-Forest-Comicverfilmung mit seiner damaligen Frau Jane Fonda als Barbarella inszenierte. Damals agierten Schauspieler mit anderen Schauspielern. In „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ agieren Schauspieler mit Pixeln.
Ein anderes Problem des Films ist, dass er auf einem gut fünfzig Jahre altem Comic basiert und der Geist der späten sechziger und siebziger Jahre immer zu spüren ist. Nur ist das, was damals revolutionär war, heute altbacken. Major Valerian muss zu sehr überkommene Macho-Attitüden pflegen. Sergeant Laureline zu sehr die hilfsbedürftige Damsel-in-Distress sein, die über einen Heiratsantrag ihres Vorgesetzten nachdenken muss.
Dane DeHaan und Cara Delevingne wirken in diesen Momenten nie wie ein sich kabbelndes Liebespaar, sondern bestenfalls wie Teenager, die unerschrockene Agenten und ein Liebespaar mimen sollen und dabei kopflos durch die einzelnen Szenen stolpern. Beiden gelingt es nie, ihren, zugegeben, eindimensionalen Charakteren eine größere Tiefe zu verleihen.
Für Besson, der als Zehnjähriger die „Valerian & Laureline“-Comics verschlang, war „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“ seit Jahrzehnten ein Wunschprojekt, das er erst jetzt verwirklichen konnte, weil, so Besson, erst jetzt die Tricktechnik die Comicbilder auf der Leinwand kreieren kann. Dummerweise ist heute die Zeit für genau dieses Projekt um. Weil Besson die „Valerian & Laureline“-Comics mit „Das fünfte Element“ de facto schon verfilmte. Weil die Welt des Comics heute zur Vergangenheit gehört und er sie nicht für die Gegenwart aktualisieren wollte. Weil die von Mèzières und Moebius in ihren Comics entworfenen surrealen Welten heute popkulturelles Allgemeingut sind. Weil ihre Bilder auch in den „Krieg der Sterne“-Filme verarbeitet wurden; allerdings deutlich ernster. Von Valerian und Laureline ist es nur ein kleiner Schritt zu Luke Skywalker und Prinzessin Leia und Commander Filitts Leibwächter scheinen direkt einem „Krieg der Sterne“-Film entsprungen zu sein.
Weil, und das ist der wichtigste Grund, Marvel mit seinen beiden „Guardians of the Galaxy“-Filmen die besseren Science-Fiction-Abenteuer drehte. In denen gibt es auch sexuelle Beziehungen zwischen Menschen und Außerirdischen und die Sache mit der Heirat ist sekundär. Wahrscheinlich weil es im Guardians-Kosmos kein Standesamt gibt.
Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (Valerian and the City of a thousand Planets, Frankreich 2017)
Regie: Luc Besson
Drehbuch: Luc Besson
mit Dane DeHaan, Cara Delevigne, Clive Owen, Rihanna, Herbie Hancock, Ethan Hawke, Kris Wu, Sam Spruell, Rutger Hauer, Xavier Giannoli, Louis Leterrier, Eric Rochant, Benoît Jacquot, Olivier Megaton, Mathieu Kassovitz (yep, einige Regiekollegen), John Goodman (nur Stimme, im Original)
Länge: 138 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
alternativer Titel/Schreibweise: „Valerian und die Stadt der tausend Planeten“
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Die Vorlage
Zum Kinostart veröffentlichte der Carlsen Verlag eine Filmausgabe von „Valerian & Laureline“, die die beiden Comics „Im Reich der tausend Planeten“ (Band 2) und „Botschafter der Schatten“ (Band 6) enthält. In „Im Reich der tausend Planeten“ sollen die beiden Agenten des Raum-Zeit-Service den Planeten Syrtis und die dortige, von der Erde nicht beeinflusste Zivilisation erkunden. Dummerweise werden sie schnell entdeckt und ein haarsträubendes Abenteuer beginnt.
„Botschafter der Schatten“ spielt in Central City (im Film Alpha). Sie müssen den Botschafter, der den Vorsitz des Rates von Central City übernehmen soll und ein Imperialist vom alten Schlag ist, bewachen. Noch bevor er sein Amt antreten kann, wird er entführt. Valerian und Laureline suchen ihn – und wir entdecken etliche Wesen, die auch in Bessons Film mitspielen.
Diese beiden unterhaltsamen Comics sind die Vorlage für Luc Bessons Film. Allerdings hat Besson nur einige Bilder, Motive, Handlungsbruchstücke und viele Figuren übernommen, die er nach Belieben veränderte oder in einen neuen Kontext stellte. Man erkennt zwar die Verbindung zwischen der Vorlage und dem Film, aber die Filmgeschichte ist vollkommen anders.
In Frankreich erschienen seit 1967 23 Alben mit den beiden Agenten des „Raum-Zeit-Service“. Die deutschen Ausgaben sind bei Carlsen erhältlich, wo aus Laureline aus unbekannten Gründen Veronique wurde.
3sat, 22.25 Das finstere Tal(Österreich/Deutschland 2013)
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska
LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute. Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.
mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner
Die lesenswerte Vorlage
Thomas Willmann: Das finstere Tal Ullstein, 2014 320 Seiten
9,99 Euro
– Erstausgabe
Liebeskind, 2010
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Seit einigen Monaten veröffentlicht der Goldmann Verlag die noch ausstehenden Myron-Bolitar-Romane. Im Dezember erschien „Preisgeld“ (Back Spin), der vierte Bolitar-Roman. Für September ist „Böses Spiel“ (The final detail), der sechste Bolitar-Roman, und für Januar 2018 „Seine dunkelste Stunde“ (The darkest fear), der siebte Bolitar-Roman, angekündigt.
Myron Bolitar ist der erste Seriencharakter von Harlan Coben. Zwischen 1995 und 2000 veröffentlichte er in den USA sieben Kriminalromane mit dem Sportagenten, der auch, zum Schutz seiner Klienten, als Privatdetektiv arbeitet. Vor allem sein Freund Windsor Horne Lockwood III, kurz Win, gutaussehend, sehr vermögend und sehr kompetent (in jeder denkbaren Beziehung), hilft ihm dabei.
Mit diesen flotten PI-Romanen erschrieb Coben sich in der Krimi-Szene schnell einen guten Namen, bevor er mit seinen Standalone-Romanen zum Bestseller-Autor wurde. Sein erstes, auch verfilmtes Einzelwerk „Kein Sterbenswort“ stand unter anderem auf der New-York-Times-Bestsellerliste. Seitdem schrieb er zahlreiche Einzelromane und vier weitere Bolitar-Romane, die auch schnell übersetzt wurden. Aber einige seiner alten Bolitar-Romane, wie „Abgeblockt“, wurden nicht übersetzt. Im Original erschien der Krimi 1998 als „One false move“ und er ist, aus heutiger Sicht, eine Reise in die Vergangenheit, als es noch kein Google und Facebook gab, das Internet in den Kinderschuhen steckte (falls überhaupt) und Ermittlungen mit Telefonen, Archivbesuchen und, wie es sich für einen richtigen Hardboiled-Roman gehört, Schlägereien erledigt wurden.
Myron soll die junge, gutaussehende und sehr talentierte Basketballspielerin Brenda Slaughter beschützen. Sie erhält anonyme Anrufe und ihr Vater, ein ehemaliger Spieler, Trainer (auch von Myron) und ihr Manager, ist spurlos verschwunden.
Er hat zwar keine Erfahrung als Bodyguard, aber er hofft, Brenda, die gerade keinen Agenten hat, als neue Kundin zu gewinnen. Also nimmt er den Auftrag an.
Er vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden von Brendas Vater und den Anrufen gibt und dass die Lösung in der Vergangenheit liegt.
„Abgeblockt“ ist ein typischer Bolitar- und Coben-Roman: flott geschrieben, witzig, unterhaltsam und mit einer Lösung, die man hätte erraten können, wenn man die Puzzleteile richtig zusammengefügt hätte. Ein echter Pageturner und die ideale Lektüre für den Sommerurlaub. Egal wo er verbracht wird.
Weil bei Serien ja immer wieder die Frage aufkommt. „Abgeblockt“ kann vollkommen unabhängig von den anderen Bolitar-Romanen gelesen werden. Auch wenn Bolitar-Fans alten Bekannten wieder begegnen und, was erst bei den vier nach 2000 erschienenen Bolitar-Romanen auffällt, Coben seine Charaktere in Echtzeit altern lässt.
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Harlan Coben: Abgeblockt
(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)
Seitdem der professionelle Briefeschreiber Theodore (Joaquin Phoenix) von seiner Freundin verlassen wurde, verbringt er seine Abend alleine vor dem Computer. Als er auf seinem Computer seinen persönlichen, virtuellen Begleiter installiert, verliebt er sich sofort in ihre Stimme (Scarlett Johansson im Original) und beginnt eine Beziehung mit ihr.
Geisterfahrer (Deutschland 2012, Regie: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Zwei Rettungssanitäter rasen in Hamburg von einem Notfall zum nächsten. Bis ihnen ein angeschossener Generalstaatsanwalt vor seinem Tod einen Schlüssel gibt, der sie auf die Abschussliste von Waffenhändlern und korrupten Beamten setzt.
Ein Film von Lars Becker („Nachtschicht“) ist immer ein Lichtblick und die Garantie für neunzig spannend-unterhaltsame Minuten, gewürzt mit einer ordentlichen Portion Humor.
„Aberwitziger, teilweise komödiantischer (Fernseh-)Multikulti-Krimi als wüste, im guten Sinn ungeschliffene Geschichte um Waffenhandel, Mafiamorde und Bestechung hoher Staatsbeamter.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Tobias Moretti, Fahri Yardim, Uwe Ochsenknecht, Julia Dietze, Sophie von Kessel, Misel Maticevic, Fritz Karl, Martin Brambach, Armin Rohde
Für den neuen Alien-Film „Alien: Covenant“ durfte Alan Dean Foster wieder den Roman zum Film schreiben und das ist eine gute Nachricht. Der Science-Fiction-Autor schrieb in den vergangenen Jahrzehnten, neben seinen vielen eigenen Romanen, zahlreiche Filmromane, unter anderem für den ersten „Krieg der Sterne“-Film (als George Lucas), „Dark Star“ und zu den ersten drei Alien-Filmen. Er zählt zu den besten Filmroman-Autoren, weil er nicht nur die Filmgeschichte packend nacherzählt, sondern sie auch an den richtigen Punkten vertieft. Und das gilt auch für „Alien: Covenant“.
Die Geschichte dürfte inzwischen ja bekannt sein: Zehn Jahre nach den Ereignissen von „Prometheus“ fliegt das Raumschiff Covenant durch das All. Es ist ein Siedlungsschiff, das den Planeten Origae-6 besiedeln soll. Auf dem Weg dorthin, nach einem kleineren Unfall, der Reparaturarbeiten nötig machte, empfängt die Covenant Signale von einem erdähnlichen Planeten, der in der Nähe ihrer jetzigen Position ist. Die Besatzung entschließt sich, sich den Planeten anzusehen – und trifft auf Aliens und David, den überlebenden Android der Prometheus, der ein Vorläufermodell des Covenant-Androiden Walter ist.
Während im Film die Figuren immer etwas unglaubwürdig im luftleeren Raum schweben, sind sie im Roman dreidimensionale Charaktere mit einer Vergangenheit und glaubwürdigen Beziehungen zueinander. Dabei baut Foster ihre Biographie nicht aus, sondern er erzählt, welche Aufgabe sie im Raumschiff und bei der Besiedlung von Origae-6 haben und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Vor allem wer mit wem verheiratet ist. Auch ihr Verhalten erscheint im Roman weniger idiotisch als im Film.
Und die Geschichte, die sich im Film doch etwas langsam und für das „Alien“-geschulte Publikum vorhersehbar entwickelte (immerhin wissen wir ab der Titelsequenz, dass irgendwann die mörderischen Aliens auftauchen), entwickelt sich der Roman schnell zu einem Pageturner. Dabei ist es egal, ob man den Film kennt oder nicht kennt. Man will unbedingt wissen, was als nächstes passiert mit den Raumfahrern und den beiden Androiden.
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Und hier ein schöner Dialog aus dem Roman:
Ricks sah zu ihm herüber: „Was soll das eigentlich überhaupt sein, West Virginia?“
„Altertümliche Stammes-Demarkation“, erklärte Walter, ohne von seiner Station aufzusehen. „Davon gab es sehr viele, damals, als man so etwas noch als relevant betrachtete. Die Welt war voller kleiner politischer Instanzen, die alle an gegensätzlichen Interessen arbeiteten anstatt am Gemeinwohl ihrer Art oder des Planeten.“
Ricks dachte darüber nach. „Wie haben die Menschen da jemals etwas zuwege gebracht?“
„Das haben sie nicht“, antwortete Walter tonlos.
(Alan Dean Foster: Alien: Covenant, Seite 109)
Alan Dean Foster: Alien: Covenant
(übersetzt von Peter Mehler)
Luzifer Verlag, 2017
396 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
Alien: Covenant
Titan Publishing Group Ltd., 2017
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Die Vorlage
Alien: Covenant (Alien: Covenant, USA 2017)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper (nach einer Geschichte von Jack Paglen und Michael Green) (nach Charakteren von Dan O’Bannon und Ronald Shusett)
mit Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bechir, Carmen Ejogo, Nathaniel Dean, Benjamin Rigby, Callie Hernandez, James Franco, Guy Pearce