DVD-Kritik: Ist der „Lone Ranger“ wirklich so schlecht?

Dezember 10, 2013

Die US-Kritiker waren mit dem Film so unzufrieden, dass Hauptdarsteller Johnny Depp, Regisseur Gore Verbinski und Produzent Jerry Bruckheimer in einem Interview die schlechten Kritiken und die negativen Meldungen, die es teilweise schon während der sich ewig hinziehenden Vorproduktion und der Dreharbeiten gab, für den finanziellen Misserfolg des Films verantwortlich machten. Das schmeichelte sicher dem Ego der US-Kritiker, aber wenn ich einen Blick auf andere, von der Kritik negativ besprochenen Filme und die Einspielergebnisse werfe, sehe ich keinen so einfachen Zusammenhang. Immerhin wurden Verbinskis zweiter und dritter „Piraten der Karibik“-Film auch nicht überwältigend besprochen und die kommerziell überaus erfolgreichen Blockbuster von Michael Bay werden regelmäßig verrissen.

Es kann daher auch sein, dass niemand den Film sehen will, weil er schlecht ist.

Die erstaunlich lieblose DVD-Veröffentlichung (Es sind nur zwei zusätzliche, weitgehend animierte Szenen und einige Pannen beim Dreh vorhanden. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet.) bietet die Möglichkeit, das mit etwas Abstand zu überprüfen. Denn, immerhin meinte Bruckheimer, dass „Lone Ranger“ wie „Der Zauberer von Oz“ „Ist das Leben nicht schön?“, „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Blade Runner“ mit der Zeit gewinnen und als Meisterwerk anerkannt werde.

Nun, das glaube ich nicht. Dafür ist „Lone Ranger“ einfach zu schlecht, aber es könnte einer dieser Feiertagsfilme werden, die man sich immer wieder, wenn auch nur bis zur nächsten Werbepause, ansieht, weil die gesamte Filmgeschichte zwar keinen Sinn macht, es aber einige eher müde Witze und, am Ende, eine ziemlich spektakuläre, slaptstickhafte Actionszene gibt, die deutlich von Stummfilmen, wie Buster Keatons „Der General“, inspiriert ist. Nur dass Verbinski die Action auf zwei Züge und mehr oder weniger nebeneinander verlaufenden Gleisen verlegte. Das ist dann so beeindruckend wie sinnfrei.

Davor gibt es eine chaotische Geschichte über einen Eisenbahnbauer, der im Indianergebiet illegal Gold abbauen will und der dafür, illegal und unbemerkt, gleich Gleise ins Indianergebiet verlegte. Seine skrupellosen Handlanger bringen in einem Hinterhalt John Reids Bruder und weitere Gesetzeshüter um. Nur John Reid (Armie Hammer), der sich jetzt „The Lone Ranger“ nennt, überlebt den Hinterhalt und gemeinsam mit dem Indianer Tonto (Johnny Depp) beginnen sie die Bösewichter zu jagen.

Dieses Chaos wird, in einer 1933 in San Francisco spielenden Rahmenhandlung, von Tonto erzählt und jede Unlogik kann natürlich damit erklärt werden, dass Tonto ein chronisch unzuverlässiger Erzähler ist, der sich immer wieder in den Mittelpunkt rückt. Denn in den ursprünglichen „Lone Ranger“-Geschichten ist Tonto nur der Gehilfe des edlen Lone Rangers.

Der Lone Ranger ist ein legendärer, von Fran Striker erfundener Charakter, der zuerst in den Dreißigern im Radio Bösewichter jagte. Bis September 1954 entstanden dreitausend „Lone Ranger“-Radioepisoden. Später trat der „Lone Ranger“ auch, ebenfalls äußerst erfolgreich, im Kino, im Fernsehen, in Romanen und in Comics auf. Die Geschichten waren für ein jugendliches Publikum geschrieben. Deshalb musste der „Lone Ranger“ sich auch immer gut benehmen, wie man aus den von Fran Striker und Radioproduzent George Trendle formulierten Statuten erfährt: „Der Ranger ist ein Mann, der allen Widrigkeiten trotzt und niemals aufhört zu kämpfen, sich aber auch die Zeit nimmt, einem Vogel mit einem verletzten Flügel zu helfen. (…) Der Ranger spricht immer klar und deutlich, ohne Dialekt- oder Slangbegriffe. (…) Der Ranger schießt nie, um zu töten. (…) Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gegenüber Kindern ist wichtig. Das Einhalten von Gesetzen und der Respekt gegenüber der Polizei ebenso.“

Tja, ein ziemlich naiver Held für ein sehr junges Publikum.

Mit dem originalen Lone Ranger hat diese viel zu teuer geratene Verfilmung, außer einigen Accessoires – die Maske des Lone Rangers, die Verkleidung des Lone Rangers, die Augenbinde des Lone Rangers – und einer extremen Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere, nichts mehr zu tun. Auch der naive Charme der alten, für ein Taschengeld produzierten Serials fehlt.

Als Spielfilm setzt Verbinskis Werk sich, weil nie eine erzählerische Haltung erkennbar ist, als „Piraten der Karibik“-im-Wilden-Westen-Übung zwischen die Stühle. Einerseits soll die Klamauk-Ebene bedient werden, andererseits soll die Pracht des Wilden Westens wie in einem klassischen Western auf der Leinwand erstrahlen. Dabei durchkreuzt der eine erzählerische Ansatz immer wieder den anderen, nichts funktioniert und am Ende hat der „Lone Ranger“ höchstens die Faszination eines missglückten Experiments: die Zutaten stimmen, das Ergebnis nicht.

Dabei hat es nicht am Geld gelegen. Immerhin kostete der „Lone Ranger“ ungefähr 215 Millionen Dollar. „Django Unchained“ kostete 100 Millionen, „True Grit“ 38 Millionen, „Appaloosa“ 20 Millionen, „Todeszug nach Yuma“ 55 Millionen, „Open Range“ 22 Millionen und „Erbarmungslos“ 14,4 Millionen. Alle diese Western sind deutlich gelungener und sie fanden ihr Publikum, weil sie das hatten, was dem „Lone Ranger“ fehlt: eine Geschichte.

P1.43 (LONER_009H_G - International Payoff (With Weapons))

Lone Ranger (The Lone Ranger, USA 2013)

Regie: Gore Verbinski

Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio, Justin Haythe

mit Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, Ruth Wilson, William Fichtner, Barry Pepper, James Badge Dale, Helena Bonham Carter

–

DVD

Disney

Bild: 2,40:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Türkisch

Bonusmaterial: Zusätzliche Szenen, Pannen beim Dreh

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lone Ranger“

Moviepilot über „Lone Ranger“

Metacritic über „Lone Ranger“

Rotten Tomatoes über „Lone Ranger“

Wikipedia über „Lone Ranger“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brett Matthews (Text)/Sergio Cariello (Zeichnungen) „The Lone Ranger – Band 1: Für immer und ewig“ (The Lone Ranger – Volume 1: Now and Forever, 2007)


TV-Tipp für den 4. Dezember: Cassandras Traum

Dezember 4, 2013

Arte, 20.15

Cassandras Traum (USA/Fr 2007, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.

Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt. 

Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell

Wiederholung: Freitag, 6. Dezember, 14.05 Uhr

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cassandras Traum“

Rotten Tomatoes über “Cassandras Traum”

Wikipedia über “Cassandras Traum” (deutsch, englisch)

Ain’t it Cool redet mit Woody Allen über „Cassandras Traum“

Macleans: Interview mit Woody Allen (Januar 2008 )

OutNow.ch: Hayley Atwell über “Cassandras Traum”

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „Blue Jasmine“ (Blue Jasmine, USA 2013)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 25. Juli: Cassandras Traum

Juli 25, 2013

Kabel 1, 20.15

Cassandras Traum (USA/Fr 2007, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.

Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt. 

Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cassandras Traum“

Rotten Tomatoes über „Cassandras Traum“

Wikipedia über „Cassandras Traum“ (deutsch, englisch)

Ain’t it Cool redet mit Woody Allen über „Cassandras Traum“

Macleans: Interview mit Woody Allen (Januar 2008 )

OutNow.ch: Hayley Atwell über “Cassandras Traum”

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens “To Rome with Love” (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte  


TV-Tipp für den 6. Juli: Der Samariter – Tödliches Finale

Juli 6, 2013

 

Was für eine Planung. Denn auch wenn „Der Samariter“ (DVD-Titel war „The Samaritan“) und „Ein Cop mit dunkler Vergangenheit“ (DVD-Titel war „The Son of no one“), der im Anschluss, um 03.35 Uhr, läuft, nicht die besten Filme von Samuel L. Jackson, Al Pacino, Ray Liotta, Channing Tatum und Juliette Binoche sind, hätten sie, allein schon wegen der Besetzung, eine bessere Sendezeit für ihre TV-Premiere verdient.

ARD, 02.05 Uhr

Der Samariter – Tödliches Finale (Kanada 2012, R.: David Weaver)

Drehbuch: Elan Mastai, David Weaver

Trickbetrüger Foley will nach dem Knastaufenthalt ein ehrliches Leben führen, Aber der Sohn seines alten Partners will mit ihm einen großen Betrug durchziehen.

„The Samaritan“ ist ein okayes Drama mit Noir-Anklängen und mit Verbrechern, die sich noch richtig anziehen können und ihre Gegner nicht mit Gewalt, sondern mit ihrer Intelligenz überzeugen wollen. Jedenfalls zuerst. Das ist nach dem letzten Action-Schnittgewitter mit prolligen Ghettoganstern schon einiges, aber „The Samaritan“ ist auch immer ein Film, der weit unter seinen Möglichkeiten bleibt und in erster Linie die bekannten Klischees bedient.

mit Samuel L. Jackson, Luke Kirby, Ruth Negga, A.C. Peterson, Gil Bellows, Deborah Kara Unger, Tom Wilkinson

Hinweise

Homepage zum Film

Metacritic über „The Samaritan“

Rotten Tomatoes über „The Samaritan“

Wikipedia über „The Samaritan“


TV-Tipp für den 2. Juni: Duplicity – Gemeinsame Geheimsache

Juni 2, 2013

RTL, 20.15 (Wiederholung um 00.00 Uhr)

 

Duplicity – Gemeinsame Geheimsache (USA 2009, R.: Tony Gilroy)

 

Drehbuch: Tony Gilroy

 

Nach Agententhriller (die “Bourne”-Serie) und Politthriller (“Michael Clayton”) ist er jetzt bei der romantischen Thriller-Komödie mit Screwball-Elementen angelangt: zwei Industriespione, die eine Liebe-Hass-Beziehung (ersteres persönlich, letzteres beruflich) pflegen, beschließen, ihre Bosse um einige Millionen zu erleichtern. Aber können sie sich trauen? Und können sie mit dem Geld entkommen?

 

Die Kritiken tendieren zu einem leichten „ich hätte mehr erwartet“, aber zwei Stunden gepflegte Unterhaltung sind garantiert. „Mit viel doppelbödigem Charme und herausragendem Ensemble macht Tony Gilroy aus der Agentenromanze einen wunderbaren Film.“ (Thomas Klein, tip 10/2009)

Danach war wieder „Bourne“ angesagt.

 

Mit Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Ulrich Thomsen (als Big Swiss Suit; – was einiges über die Größe der Rolle aussagt)

 

Hinweise

 

Deutsche Homepage zum Film

 

Amerikanische Homepage zum Film

 

Film-Zeit über „Duplicity“

 

Rotten Tomatoes über “Duplicity”

 

Wikipedia über “Duplicity” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tony Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012)

Tony Gilroy in der Kriminalakte