TV-Tipp für den 16. Januar: Small Town Murder Songs

Januar 16, 2014

 

WDR, 23.15

Small Town Murder Songs (Kanada 2010, R.: Ed Gass-Donnelly)

Drehbuch: Ed Gass-Donnelly

In der kanadischen Provinz wird eine nackte Frauenleiche entdeckt. Dorfpolizist Walter, der mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat, hat schnell einen Verdächtigen.

Die Macher nennen „Small Town Murder Songs“, vollkommen zutreffend ein „gothic tale of crime and redemption“, das von „No Country for Old Men“ und „In Cold Blood“ (Kaltblütig) beeinflusst ist.

mit Peter Stormare, Aaron Poole, Martha Plimpton, Jill Hennessy, Stephen Eric McIntire, Ari Cohen, Jackie Burroughs

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Small Town Murder Songs“

Rotten Tomatoes über „Small Town Murder Songs“

Wikipedia über „Small Town Murder Songs”

Scope.tv: Interview mit Ed Gass-Donnelly

Meine Besprechung von Ed Gass-Donnellys „Small Town Murder Songs“ (Small Town Murder Songs, Kanada 2010) (mit vielen Gass-Donnelly-O-Tönen)


Verfilmte Bücher: „Erbarmen“ ist „Erbarmen“

Januar 15, 2014

Adler-Olsen - Erbarmen - Movie-Tie-In

Die am 23. Januar startende Verfilmung von Jussi Adler-Olsens „Erbarmen“ veranlasste mich jetzt dazu, endlich den Bestseller zu lesen. Dass ich meine Probleme mit skandinavischen Kriminalromanen habe und mir viele, wie Stieg Larsson und Lars Kepler, nicht gefallen, dürfte hinlänglich bekannt sein. Deshalb stehen Skandinavier mit ihren Wälzern nicht unbedingt ganz oben auf meiner Leseliste.

Trotzdem. Ich könnte mich ja irren und einige Skandinavier (Sjöwall/Wahlöö, Matti Rönkä, Jon Ewo [Warum hat der Unionsverlag nicht mehr den dritten Torpedo-Roman übersetzt?]) haben mir ja gefallen.

In „Erbarmen“, dem ersten Fall von Carl Mørck wird, nachdem ein Einsatz grandios schiefging, ein Polizist starb und der andere vom Kopf abwärts gelähmt ist (Remember Lincoln Rhyme?), Mørck zum Leiter des neugegründeten Dezernat Q ernannt, was eine direkte Beförderung auf das Abstellgleis ist. Denn das Dezernat Q soll alte Fälle wieder aufrollen. Aber die vom Parlament bewilligte gute Ausstattung geht, dank der liebevollen Planung von Mørcks Chef, vollständig in die normale Kriminalpolizei, während Mørck einen Platz im Keller (ganz am Ende des Ganges und dann noch einige Meter weiter) erhält. Erst nach Protesten bekommt er einen Mitarbeiter für Putz- und Hilfsarbeiten. Dieser, Hafez el-Assad, ein syrischer Immigrant mit unklarer Vergangenheit, erweist sich bald als große Hilfe, die auch oft die treibende und vernünftigere Kraft bei den Ermittlungen ist.

Als ersten Fall wählen sie das bis jetzt ungeklärte Verschwinden der Abgeordneten Merete Lynggaard aus. Sie verschwand vor einigen Jahren spurlos von einer Fähre. Offiziell wurde der Fall als Suizid abgeschlossen. Ihr geistig behinderter Bruder Uffe kam in eine noble Psychiatrie. Mørck und Assad entdecken schnell Ungereimtheiten.

In diesem Moment wissen wir, dass Merete in einem luftdicht abgeschlossenem Raum von mehreren Personen gefangen gehalten wird und, weil ein Ereignis aus Meretes Kindheit, ein Autounfall mit mehreren Toten, öfter angesprochen wird, können wir uns denken, dass es einen Zusammenhang zwischen ihrer Geiselnahme und dem Unfall gibt; – was ja kein Problem für eine ordentliche Thriller-Spannung wäre.

Aber furchtbar spannend ist „Erbarmen“ nicht. Dafür ist er viel zu unlogisch. Denn Mørck führt seine Ermittlungen ausgesprochen unprofessionell. So beginnt er die ersten Gespräche mit Zeugen, ohne die Akten gelesen zu haben. Eigentlich stolpert er die gesamte Zeit durch seine Ermittlungen. Er stochert überall herum, in der Hoffnung, dass er irgendetwas findet.

Der Bösewicht hat zwar ein gutes Motiv. Denn Rache geht immer. Aber er sperrt sein Opfer nur jahrelang ein und fragt sie ab und an, warum er sie eingesperrt habe. Bei einer falschen Antwort wird der Luftdruck in der Kammer erhöht. Das ist eine besonders unglückliche „Oldboy“-Variante (und war schon da vor allem ein Konstrukt). Denn woher soll Merete wissen, warum sie eingesperrt wird? Warum unternimmt der Geiselnehmer nichts, sondern pflegt sie jahrelang? Eine auch nur halbwegs befriedigende Antwort darauf gibt Jussi Adler-Olsen nicht.

Die Verfilmung ist ein typischer skandinavischer Thriller mit etlichen Szenen, die offenkundig die Saat für Ereignisse legen, die in den weiteren Mørck-Verfilmungen wichtig werden. Sie ist gelungener als der Roman. Vor allem weil sie deutlich weniger Lebenszeit stiehlt und die Ermittlungen logischer sind.

Inzwischen verfilmt das gleiche Team „Schändung“, den zweiten Carl-Mørck-Roman.

Adler-Olsen - Erbarmen

Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

(übersetzt von Hannes Thiess)

dtv premium 2009

420 Seiten

14,90 Euro (dtv premium)

9,95 Euro (Taschenbuch)

Zum Filmstart erschien ein Movie-Tie-In.

Originalausgabe

Kvinden i buret

Politikens Forlagshus A/S, Kopenhagen, 2008

Verfilmung

Erbarmen - Plakat - 4

Erbarmen (Kvinden i buret, Dänemark/Deutschland/Schweden 2013)

Regie: Mikkel Nørgaard

Drehbuch: Nikolaj Arcel

mit Nikolaj Lie Kaas, Fares Fares, Sonja Richter

Länge: 97 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 23. Januar 2014

Hinweise

Dänische Homepage von Jussi Adler-Olsen

Deutsche Homepage von Jussi Adler-Olsen

Krimi-Couch über Jussi Adler-Olsen

Wikipedia über Jussi Adler-Olsen

Homepage zum Film


Belebender „Fat Man Blues“

Januar 15, 2014

Für den gelungenen Tagesanfang: Das Marc Ribot Trio spielt den „Fat Man Blues“.

Die Band:

Marc Ribot, Gitarre

Henry Grimes, Bass

Chad Taylor, Schlagzeug


TV-Tipp für den 15. Januar: Außer Atem

Januar 15, 2014

Arte, 20.15

Außer Atem (F 1960, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einem Szenario von François Truffaut)

Buch zum Film: Claude Francolin: A bout de souffle, 1960 (Außer Atem)

Kleinganove Michel erschießt einen Polizisten und flieht nach Paris zur us-amerikanischen Studentin Patricia.

Ein Klassiker der Nouvelle Vague und ein zeitloser Kultfilm.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung des Films.

mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin

Hinweise

Arte zum Film (mit einem Interview mit Jean-Luc Godard)

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter

Senses of Cinema über Jean-Luc Godard

Die Zeit (Katja Nicodemus) redet mit Jean-Luc Godard: „Kino heißt streiten“

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (A bout de souffle, Frankreich 1960)

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 14, 2014

Collins - Die rote Rosa

 


TV-Tipp für den 14. Januar: Die geheimen Deals der Rohstoffhändler

Januar 14, 2014

Arte, 20.15

Die geheimen Deals der Rohstoffhändler (Frankreich 2014, R.: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris)

Drehbuch: Jean Crépu, Jean-Pierre Boris

Warum sind Lebensmittel und Rohstoffe so teuer? Warum müssen Menschen hungern? Radio-France-Chefredakteur Jean-Pierre Boris (u. a. „(Un)Fair Trade: Das profitable Geschäft mit unserem schlechten Gewissen“) und Dokumentarfilmer Jean Crépu (u. a. „Krieg um Reis“) versuchen diese Fragen zu beantworten – und stoßen auf die von der Politik nicht kontrollierten Geschäfte von Investmentbankern, die mit allem spekulieren.

Wiederholung: Freitag, 24. Januar, 08.55 Uhr

Hinweis

Arte über die Doku 


Infodump zu Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“

Januar 13, 2014

The Wolf of Wall Street - Plakat

Am Donnerstag startet „The Wolf of Wall Street“ (frei übersetzt „Der Wolf der Wall Street“), der neue, grandiose Film von Martin Scorsese, der an seine Klassiker „GoodFellas“ und „Casino“ anknüpft, nur dass er sich dieses Mal auf einen Finanzschwindler konzentriert. Ein dreistündiger Husarenritt. Leonardo DiCaprio, der vor wenigen Stunden den Golden Globe als bester Hauptdarsteller erhielt, übernahm die Hauptrolle und er ist wirklich atemberaubend als skrupelloser, egozentrischer Schwindler.

Der Film basiert auf der Biographie von Jordan Belfort, die jetzt bei Goldmann als Taschenbuch erschien:

Belfort - Der Wolf der Wall-Street - Movie-Tie-In - 4

Jordan Belfort: Der Wolf der Wall Street – Die Geschichte einer Wall-Street-Ikone

(übersetzt von Egbert Neumüller)

Goldmann Taschenbuch, 2014

640 Seiten

9,99 Euro

Die Originalausgabe erschien 2007.

Die deutsche Erstausgabe 2008 im Verlag Börsenmedien AG.

Hier einige Interviews mit Jordan Belfort, dessen Art mir nicht gefällt. Aber irgendetwas muss der Verkäufer ja richtig machen.

Grant Lewers (The Room Live) spricht mit Belfort:

Der Google-Hangout vom 11. Januar (am Anfang spricht Belfort auch über Scorseses Film)

Belfort erzählt, wie man Dinge verkauft:

Zum Ausgleich gibt es einige Interviews mit den am Film beteiligten Menschen:

The Hollywood Reporter (THR) spricht mit Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Drehbuchautor Terence Winter („Boardwalk Empire“, „The Sopranos“)

The LipTV/Media Mayhem spricht mit Drehbuchautor Terence Winter

DP/30 spricht mit Martin Scorsese (Ton ungewöhnlich schlecht)

Charlie Rose spricht mit Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio (der Ton ist leider Mülltonne)

Eine ziemlich überfüllte Academy Conversation, vom 18. Dezember 2013, mit den Schauspielern Leonardo DiCaprio, Jonah Hill und Margot Robbie, Regisseur Martin Scorsese, Autor Terrence Winter, Editor Thelma Schoonmaker, Köstumdesignerin Sandy Powell and Casting Director Ellen Lewis

The Wolf of Wall Street - CD

Zum Film erscheint auch ein Soundtrack (digital ab dem 10. Januar, als CD ab dem 17. Januar) und, wie gewohnt, hat Martin Scorsese die Filmsongs passend ausgewählt. Auf die CD haben es

1. Mercy, Mercy, Mercy – Cannonball Adderley

2. Dust My Broom – Elmore James

3. Bang! Bang! – Joe Cuba

4. Movin’ Out (Anthony’s Song) – Billy Joel

5. C’est Si Bon – Eartha Kitt

6. Goldfinger – Sharon Jones and the Dap Kings

7. Pretty Thing – Bo Diddley

8. Moonlight In Vermont (Live At The Pershing Lounge/1958) – Ahmad Jamal

9. Smokestack Lightning (Album Version) – Howlin’ Wolf

10. Hey Leroy, Your Mama’s Callin’ You – The Jimmy Castor Bunch

11. Double Dutch – Malcolm McLaren

12. Never Say Never – Romeo Void

13. Meth Lab Zoso Sticker – 7Horse

14. Road Runner (Single Version) – Bo Diddley

15. Mrs. Robinson (LP Version) – The Lemonheads

16. Cast Your Fate To The Wind – Allen Toussaint

geschafft.

Ein feines Mixtape.

Aber das ist noch nicht alles:

Denn „History vs. Hollywood“ checkt die Faktenlage.


DVD-Kritik: Die routinierte „Verschwörung auf Fort Clark“

Januar 13, 2014

 

In der Gegend um Fort Clark töten Indianer Weiße. Der Fortkommandant unternimmt nichts; außer das eigene Lager zu sichern. Aber Major Howell Brady, der den Auftrag hat, etwas gegen die Indianerangriffe zu unternehmen, beginnt zuerst durch die Gegend zu patrouillieren und verfällt dann auf einen verwegenen Plan: er will Indianer mit Indianern (wenn auch von einem anderen Stamm) bekämpfen.

Dazu gibt es noch etwas Liebe (was wir uns ja mit einem Blick auf die Besetzungsliste denken konnten), Führungsgerangel im Fort, einige Witze (denn ein Sidekick darf nicht fehlen), einige Landschaftsaufnahmen und am Schluss, wenn dann auch das Rätsel um den Tod von Armeeoffizier Corwin, der während einer Erkundungsmission getötet wurde, geklärt ist, eine große Schlacht um das Fort.

Verschwörung auf Fort Clark“ ist ein Routinewestern. Von der ersten bis zur letzten Minute, der verdächtig an „Vorposten im Wilden Westen“ erinnert und einfach der Reihe nach, durchaus kurzweilig, aber nicht besonders innovativ, die Standardsituationen abruft. Der Western ist wirklich kein Film, den man gesehen haben muss.

Auch wenn die Besetzung mit Jeff Chandler (hier mal als Weißer), Maureen O’Hara und Henry Brandon (nach dem „Western-Lexikon“ von Joe Hembus der einzige Western, in dem Brandon einen sympathischen Indianer spielt. Er war in John Fords „Der schwarze Falke“ Chief Scar [Häuptling Schwarzer Falke].) prominent ist. Auch wenn George Sherman Inszenierte. Er war ein versierter Direktor, aber auch ein Routinier, der unter anderem „Die Teufelspassage“, „Duell in Socorro“ und „Big Jake“ (mit John Wayne) drehte. Auch wenn das Drehbuch von John Michael Hayes stammt, der danach für Alfred Hitchcock „Das Fenster zum Hof“, „Über den Dächern von Nizza“, „Immer Ärger mit Harry“ und „Der Mann, der zuviel wusste“ schrieb.

Verschwörung auf Fort Clark - DVD-Cover

Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, USA 1953)

Regie: George Sherman

Drehbuch: John Michael Hayes

mit Jeff Chandler, Maureen O’Hara, Suzan Ball, John McIntire, Henry Brandon, Dennis Weaver, Noah Beery

DVD

Koch-Media (Edition Western-Legenden)

Bild: 1.85:1 (16:9)

Sprachen: Deutsch, Englisch

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verschwörung auf Fort Clark“

Turner Classic Movies über „Verschwörung auf Fort Clark“

Wikipedia über „Verschwörung auf Fort Clark“

 

 


TV-Tipp für den 13. Januar: Poltergeist

Januar 13, 2014

Arte, 21,50

Poltergeist (USA 1982, R.: Tobe Hooper)

Drehbuch: Steven Spielberg, Michael Grais, Mark Victor (nach einer Geschichte von

Steven Spielberg)

Die Freelings ziehen in ein neues Haus, in dem unheimliche Dinge geschehen. Um die Geister zu bannen, rufen sie eine Parapsychologin, die die Poltergeister aus dem Haus vertreiben soll.

Das ist wohl ein verfrühtes Geburtstagsgeschenk für Tobe Hooper, der am 25. Januar 1943 in Austin, Texas, das Licht der Welt erblickte, mit dem „Texas Chainsaw Massacre“ Horrorfilmgeschichte schrieb und mit „Poltergeist“ seinen kommerziellsten Film inszenierte (obwohl es Gerüchte gab, dass eigentlich Steven Spielberg inszenierte). Jedenfalls ist „Poltergeist“, der damals an der Kinokasse ein Erfolg war, ein Horrorfilmklassiker für fast die ganze Familie.

Der Film gewann den Saturn-Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Horrorfilm des Jahres. Hooper war als bester Regisseur nominiert.

mit Craig T. Nelson, JoBeth Williams, Heather O’Rourke, Oliver Robbins, Dominique Dunne, Zelda Rubinstein

Wiederholung: Samstag, 18. Januar, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Poltergeist“

Wikipedia über „Poltergeist“ (deutsch, englisch) und Tobe Hooper (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tobe Hoopers „Blutgericht in Texas“ (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

 

 


DVD-Kritik: Gangsterkrieg, Indian Style in „Gangs of Wasseypur“

Januar 12, 2014

Ursprünglich sollte „Gangs of Wasseypur“ als ein Film gezeigt werden. Aber dreihundert Minuten war dann, sogar für Bollywood-Verhältnisse, etwas lang. Auch weil „Gangs of Wasseypur“ kein Musical (obwohl es genug Musik gibt), sondern ein Gangsterepos ist, das – anscheinend ziemlich nah an der Realität – die Geschichte des Verbrechertums in der nordostindischen Kohle- und Bergbaustadt Wasseypur erzählt.

Regisseur Anurag Kashyap konzentriert sich dabei auf die miteinander verfeindeten Verbrecherclans von Shahid Khan und Ramadhir Singh und ihren jahrzehntelangen Kampf von den vierziger Jahren, kurz vor dem Ende der Kolonialzeit, bis in die Gegenwart. Allein schon der zeitliche Umfang, sowohl in Erzählzeit als auch in Filmzeit, weckt Erinnerungen an Francis Ford Coppolas „Der Pate“-Saga oder Sergio Leones „Es war einmal in Amerika“, aber Anurag Kashyap erzählt konventioneller, indem er chronologisch die Geschichte erzählt und mit viel Musik, vor allem im zweiten Teil, garniert. Der zweite Teil, der nach der Jahrtausendwende, nach der Ermordung von Shahid Khan auf offener Straße beginnt, erzählt, wie sein drogensüchtige Enkel Faizal die Macht übernimmt und der Kampf zwischen den beiden Familien zu einem Krieg eskaliert, Dieser Teil ist poppiger geraten, weil sich optisch und erzählerisch an neuen westlichen Gangsterfilmen orientiert und die Geschichte mit viel Bollywood-Musik unterlegt wird, der indischen Variante von Ethno-Euro-Disco, was für meine Ohren eine ziemlich gruselige Musik ist und weshalb ich auch kein Bollywood-Fan bin.

In der zweiten Hälfte fällt auch auf, wie lange Wasseypur von der westlichen Kultur verschont blieb. Bis vor wenigen Jahren schien dort seit den Dreißigern die Zeit stehen geblieben zu sein.

Die Teilung des dreihundert minütigen Films in zwei gleich lange Teile ist sinnvoll, denn jeder Teil erzählt eine durchaus eigenständige, stilistisch klar unterscheidbare Geschichte. Aber seine volle Pracht entfaltet „Gangs of Wasseypur“ nur, wenn man beide Teile sieht, die sich auch gar nicht wie fünf Stunden anfühlen.

Für uns Genrejunkies ist das Epos ein feiner Blick in eine fremde Verbrecherwelt. Denn es muss ja nicht immer die italienische Mafia in God’s own Country sein.

Gangs of Wasseypur - Teil 1

Gangs of Wasseypur – Teil 1 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)

Regie: Anurag Kashyap

Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri

mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (2,35:1)

Ton: Deutsch, Hindi (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 154 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Gangs of Wasseypur - Teil 2

Gangs of Wasseypur – Teil 2 (Gangs of Wasseypur, Indien 2012)

Regie: Anurag Kashyap

Drehbuch: Akhilesh Jaiswal, Anurag Kashyap, Sachin K. Ladia, Zeishan Quadri

mit Manoj Bajpayee, Tigmanshu Dhulia, Piyush Mishra, Rhicha Chadda

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (2,35:1)

Ton: Deutsch, Hindi (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 154 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film 

Moviepilot über „Gangs of Wasseypur“

Rotten Tomatoes über „Gangs of Wasseypur“

Wikipedia über „Gangs of Wasseypur“ (Teil 1, Teil 2)

BFI über „Gangs of Wasseypur“ (Film der Woche)


TV-Tipp für den 12. Januar: Der blaue Engel

Januar 12, 2014

BR, 23.25

Der blaue Engel (D 1930, R.: Josef von Sternberg)

Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller

LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905

Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.

Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.

„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)

Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.

Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu “Der Untertan”) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:

„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“

Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers

Hinweise

Wikipedia über “Der blaue Engel”

Die Zeit: Volker Schlöndorff über “Der blaue Engel”

Deutsche Marlene-Dietrich-Seite über “Der blaue Engel”

Englische Marlene-Dietrich-Seite über “Der blaue Engel”

Filmstarts über “Der blaue Engel”

Kindlers Neues Literaturlexikon über Heinrich Manns “Professor Unrat”


TV-Tipp für den 11. Januar: Der Pate II

Januar 11, 2014

ZDFneo, 23.15
Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber) “Mythos ‘Der Pate’ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)” (2011)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Jack Taylor“, Trinker, Privatdetektiv, Galway

Januar 10, 2014

Als 2001 der erste Jack-Taylor-Roman „The Guards“ von Ken Bruen erschien, wurde er in der angloamerikanischen Krimigemeinde euphorisch aufgenommen. „The Guards“ und der Folgeband „The Killing of the Tinkers“ räumten die wichtigen Krimipreise ab. Unter anderem Edgar- und Anthony-Nominierungen, Shamus- und Macavity-Gewinner. Seinen zweiten Shamus erhielt er für „The Dramatist“.

Und obwohl es auch in Deutschland schon damals einige bekennende Ken-Bruen-Fans gab, erschien erst 2009 die Übersetzung von „The Guards“ als „Jack Taylor fliegt raus“. Übersetzt von Harry Rowohlt, einem der wenigen Übersetzer, dessen Name es auch auf den Buchumschlag schafft und der Käufer anlockt. Dummerweise ist er auch ein Übersetzer mit einem beträchtlichen Ego und entsprechend umstritten sind die Übersetzungen; – wobei die echten Ken-Bruen-Fans seine Noirs eh im Original lesen, weil seine lyrisch-knappe Sprache eben nur im Original (auch wenn man nicht jede Anspielung und jedes Wortspiel versteht) ihren wirklichen Reiz entfaltet. Die Geschichten sind nebensächlich. Denn in einem Jack-Taylor-Roman geht es immer um Jack Taylor, Ex-Polizist, Trinker, Privatdetektiv, der seine Fälle nicht löst, weil er gut ermittelt, sondern trotz seiner Ermittlungen. Er ist ein herumstreifendes Katastrophengebiet, das sich bevorzugt auf die heiligen Kühe von Galway stürzt: Schwäne, die Kirche (die späteren Taylor-Romanen sind undenkbar ohne die Religion; in „The Devil“ trifft er sogar den Leibhaftigen) und den Hass gegen die Tinker, dem herumfahrenden Volk, das dort ungefähr so beliebt ist, wie bei uns die Sinti und Roma (beziehungsweise früher Zigeuner). Seine Freunde sind letztendlich die lesbische Polizistin Ridge, der zum Zen-Meister halbwegs konvertierte Drogenhändler Stewart und Father Malachy, seine Nemesis, Fluch seines Lebens und enger Freund von Jack Taylors Mutter.

Für die Verfilmung durfte Jack Taylor erstaunlich viele Ecken und Kanten behalten. Trotzdem wurde einiges geändert. So hat Taylor in der TV-Serie zwar auch eine Freundin bei der Polizei. Aber seine Vertraute bei der Polizei, Kate Noonan, erscheint nicht besonders lesbisch, eher schon asexuell. Und Cody ist als Privatdetektiv-begeisterter Jüngling, der in der Serie immer dabei ist, der typische Sidekick des Helden, der vor allem die Laufarbeit erledigen darf und mehr schlecht als recht die Detektei von Jack Taylor am Laufen hält.

Außerdem wurden, was bei den Taylor-Fans von der Insel für Kritik sorgte, die Innenaufnahmen in Bremen im Studio gedreht, weil auch die deutsche Firma Molten Rock Media mitproduzierte und es einen Zuschuss von Nordmedia gab. Und mit den Dialekten scheint es auch zu hapern, aber das kann auf der jetzt veröffentlichten DVD-Box mit den ersten sechs Jack-Taylor-Filmen nicht überprüft werden, weil auf die englische Tonspur verzichtet wurde.

Aber der wichtigste Unterschied zwischen Bruens Romanen und den Verfilmungen ist, dass in den Romanen der Ich-Erzähler Jack Taylor der Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ist, die vor allem Charakterstudien sind und Taylor die Fälle normalerweise nicht aufgrund eigener Ermittlungen löst. Ken Bruen meinte mal: „He is the world’s worst detective. Cases get solved not because of him but despite him.“

Für die Verfilmungen wurde das geändert. Die Geschichten sind geradliniger und konventioneller, aus verschiedenen Perspektiven erzählt (obwohl Ken Bruen in den späteren Jack-Taylor-Romanen mit verschiedenen Perspektiven experimentiert) und Taylor ist der Ermittler, der die Fälle löst. In den Filmen werden die Fälle wegen Jack Taylor gelöst.

Und natürlich fehlt, auch wenn es etwas Voice-Over gibt und Dialoge übernommen wurden, Ken Bruens knappe, schwarzhumorig-lakonische Sprache, die Zitate und die Leselisten der Leseratte Jack Taylor, die veritable Einkaufslisten sind.

In „Der Ex-Bulle“ soll er ein spurlos verschwundenes Mädchen suchen. Weil kurz vorher vier Mädchen, deren Leichen aus dem Wasser gezogen wurden, sich angeblich selbst umbrachten, befürchtet Taylor, dass bald eine fünfte Wasserleiche gefunden wird.

In „Auge um Auge“ gerät Jack Taylor an die Pikemen, eine Bürgerwehr, die Verbrecher, die vor Gericht nicht verurteilt wurden, final bestraft.

In „Gefallene Mädchen“ wühlt Jack Taylor in der Vergangenheit von Galway. Denn er soll eine Nonne finden, von der er nur ihren Spitznamen „Lucifer“ kennt, und die in einem Magdalenen-Heim, in dem „Gefallene Mädchen“ wieder auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden sollten, ein besonders drakonisches Regime führte.

In „Königin der Schmerzen“ beauftragt ein sich merkwürdig verhaltender Literaturprofessor Jack Taylor den Tod einer Studentin aufzuklären. Am Ende gerät Taylors Freundin Kate Noonan in Lebensgefahr.

In „Tag der Vergeltung“ wird Father Royce, der lange in den USA war, ermordet. Father Malachy möchte, dass Taylor den Fall aufklärt. Denn Father Royce verging sich an Messdienern – und das könnte das Motiv sein.

In „Das schweigende Kind“ wird Jack Taylor von einem Tinker-Clan beauftragt, den Mörder von Rosies Mutter zu finden. Rosie, die den Mord beobachtete, schweigt und die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für diesen Streit unter Tinkern.

Letztendlich sind die Jack-Taylor-Filme ordentliche Privatdetektiv-Filme mit einem kantigen Helden und Fällen, die sich tief in die unschönen Seiten der irischen Geschichte begeben. Aber die Bücher sollte man trotzdem lesen. Denn sie sind etwas ganz anderes.

Die DVD-Ausgabe

Eigentlich ist die deutsche DVD-Ausgabe der ersten sechs Jack-Taylor-Filme ein Fall für die Mülltonne. Denn es gibt keine Untertitel und keinen Originalton. Beides gehört für mich zur Standardausstattung.

Es gibt Interviews mit Hauptdarsteller Iain Glen, Noonan-Darstellerin Nora Jane Noone, Cody-Darsteller Killian Scott, Regisseur Stuart Orme, Produzent Ralph Christians, Drehbuchautor Marteinn Thorisson und Kameramann John Conroy, teils untertitelt, teils mit Voiceover, teilweise auch ohne Nennung des Interviewten.

Nein, einen besonders liebevollen Eindruck hinterlässt die „Jack Taylor“-Box nicht.

Dummerweise sieht die Situation in anderen Ländern nicht viel besser aus. In England gibt es nur die ersten drei Filme auf DVD.

Es gibt außerdem eine „Complete Collection One & Two“ mit den ersten fünf Fällen. Denn „Das schweigende Kind“ wurde bislang in Irland noch nicht gezeigt.

Jack Taylor - DVD-Cover - 4

Jack Taylor (Irland 2010/2011/2013)

mit Iain Glen (Jack Taylor), Nora Jane Noone (Kate Noonan), Killian Scott (Cody), Frank O’Sullivan (Superintendent Clancy), Paraic Breathnach (Father Malachy)

DVD

Edel

Bild: Pal 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit den Darstellern und Machern der Serie

Länge: 540 Minuten (6 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Jack Taylors Ermittlungen

Der Ex-Bulle (The Guards, Irland 2010)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Tom Collins, Anne McCabe, Ralph Christians

LV: Ken Bruen: The Guards, 2001 (Jack Taylor fliegt raus)

Auge um Auge (The Pikemen, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

Gefallene Mädchen (The Magdalen Martyrs, Irland 2011)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: The Magdalen Martyrs, 2002 (Jack Taylor fährt zur Hölle)

Königin der Schmerzen (The Dramatist, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marcus Fleming

LV: Ken Bruen: The Dramatist, 2004 (Ein Drama für Jack Taylor)

Tag der Vergeltung (Priest, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Priest, 2006 (Jack Taylor und der verlorene Sohn)

Das schweigende Kind (Cross; Shot Down, Irland 2013)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Marteinn Thorisson

LV: Ken Bruen: Cross, 2007 (Jack Taylor auf dem Kreuzweg)

Die Jack-Taylor-Romane

1) Jack Taylor fliegt raus (The Guards, 2001)

2) Jack Taylor liegt falsch (The Killing Of The Tinkers, 2002)

3) Jack Taylor fährt zur Hölle (The Magdalen Martyrs, 2003)

4) Ein Drama für Jack Taylor (The Dramatist, 2004)

5) Jack Taylor und der verlorene Sohn (Priest, 2006)

6) Jack Taylor auf dem Kreuzweg (Cross, 2007)

7) Jack Taylor gegen Benedictus (Sanctuary, 2008)

8) Jack Taylor geht zum Teufel (The Devil, 2010)

9) Ein Grabstein für Jack Taylor (Headstone, 2011)

10) Purgatory, 2013

Hinweise

Homepage zur TV-Serie

ZDF über Jack Taylor (und, unschöner, hier)

Wikipedia über die Jack-Taylor-Filme

Thrilling Detective über Jack Taylor

Deutschsprachige Ken-Bruen-Seite (Atrium-Verlag)

Homepage von Ken Bruen

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Ken Bruen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Januar: Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter

Januar 10, 2014

RTL Nitro, 22.05

Longmire: Ehrlichkeit und Integrität/Emanzipierte Töchter (USA 2012, R.: Christopher Chulack, Michael Uppendahl)

Drehbuch: Hunt Baldwin, John Coveny, Sarah Nicole Jones

Erfinder: Hunt Baldwin, John Coveny

LV: Charakter von Craig Johnson

Wyoming, wo sich seit den Tagen des Wilden Westens wenige änderte: Sheriff Walt Longmire sorgt für Recht und Ordnung – und wir können eine in den USA hochgelobte Krimiserie genießen.

RTL Nitro zeigt die erste Staffel in Doppelfolgen.

In den USA wird dieses Jahr die dritte Staffel gezeigt.

Die Serie basiert auf Craig Johnsons Longmire-Romanen, die bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurden.

Die Pilotfolge wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.

Die Serienerfinder Hunt Baldwin und John Coveny waren vorher bei „The Closer“ beschäftigt.

mit Robert Taylor, Katee Sackhoff, Lou Diamond Phillips, Bailey Chase, Cassidy Freeman, Adam Bartley, Louanne Stephens

Hinweise

A&E-Homepage zu „Longmire“

Wikipedia über „Longmire“

Fantastic Fiction über Craig Johnson

Homepage von Craig Johnson

Mysterious Musings: Interview mit Craig Johnson über Walt Longmire (2007)

Und noch ein längeres Gespräch mit Craig Johnson, in dem er über die Entstehung der TV-Serie spricht


Neu im Kino/Filmkritik: Über das grandiose Robert-Redford-Solo „All is lost“

Januar 9, 2014

 

Zwei Menschen werden „All is lost“ hassen: der Autor des deutschen Dialogdrehbuchs und Robert Redfords Synchronsprecher. Denn mehr als ein paar Sätze werden in J. C. Chandors Film nicht gesprochen. Neben einem „Fuck“ (Oder waren es sogar zwei?) und einem Notruf gibt es am Filmanfang ein etwas längeres Statement, in dem der von Robert Redford gespielte namenlose Segler sagt, dass er bis zum Ende gekämpft habe. Aber das Statement hätte man auch streichen können. Denn das sehen wir ja in dem Ein-Personen-Stück, das unmittelbar nach der Kollision zwischen einem Segelboot und einem auf dem Indischen Ozean herumschwimmendem Frachtcontainer beginnt. Der Segler kann den Container, der die Schiffswand durchbrach und sich in seinem Boot verhakte, entfernen und das Leck notdürftig abdichten. Dennoch dringt Wasser in sein Boot, sein Funkgerät funktioniert nicht und es kommt noch schlimmer. Ein Sturm zieht auf, er muss sein Segelboot verlassen und in ein Rettungsboot steigen.

J. C. Chandor, der vorher „Der große Crash – Margin Call“ über die Bankenkrise inszenierte, verlässt sich in seinem zweiten Spielfilm, der trotz der Weite des Ozeans, auch weil der Segler immer weniger Optionen hat, sehr klaustrophobisch wirkt, vollkommen auf seinen Hauptdarsteller, der als schweigsamer Segler tut, was getan werden muss. Gerade in seiner Reduktion auf einen Charakter und eine Situation liegt die Stärke von Chandors Parabel.

Schon jetzt wurde der 77-jährige Robert Redford für mehrere Preise, unter anderem den Golden Globe, als bester Schauspieler nominiert – und es ist wirklich beeindruckend, wie er mit seinem minimalistischen Spiel den gesamten Film trägt. Denn alles, was wir über den Segler erfahren, erfahren wir über seine Handlungen oder über die Gegenstände, die es auf dem Boot gibt. Das lässt zwar fast alle Fragen zu seinem bisherigen Leben offen, aber dafür lenkt auch nichts von der Frage ab, wie sehr wir um unser Leben kämpfen sollen und wann, falls überhaupt, wir den Kampf aufgeben sollen, auch wenn anscheinend alles verloren ist.

Der Segler ist jedenfalls der Mann, der niemals aufgibt.

All is lost - Plakat

All is lost (All is lost, USA 2013)

Regie: J. C. Chandor

Drehbuch: J. C. Chandor

mit Robert Redford

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „All is lost“

Moviepilot über „All is lost“

Metacritic über „All is lost“

Rotten Tomatoes über „All is lost“

Wikipedia über „All is lost“ (deutsch, englisch)

Und ein Gespräch mit dem Filmkomponisten Alex Ebert, der für seinen „All is lost“-Soundtrack eine Golden-Globe-Nominierung erhielt:


Die KrimiZeit-Bestenliste Januar 2014

Januar 9, 2014

 

Neues Jahr, neue KrimiZeit-Bestenliste, wegen Silvesterkater der Ersteller nicht am ersten Donnerstag des Monats, mit vielen alten Bekannten:

1 (3) John le Carré: Empfindliche Wahrheit

2 (1) Friedrich Ani: M

3 (7) Dennis Lehane: In der Nacht

4 (5) Martin Cruz Smith: Tatjana

5 (4) Garry Disher: Dirty Old Town

6 (2) Lee Child: 61 Stunden

7 (-) Ulrich Ritzel: Trotzkis Narr

8 (-) Zoë Beck: Brixton Hill

9 (-) Jesper Stein: Unruhe

10 (8) Jo Nesbø: Koma

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

Einige der gelisteten Romane habe ich schon gelesen. Einiges liegt immer noch auf meinem Zu-lesen-Stapel – und dann hab ich jetzt auch noch die Vorlage für Martin Scorseses „Der Wolf der Wall Street“, Jordan Belforts 640-seitige, eng bedruckte Biographie, bekommen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Zwei vom alten Schlag“ kloppen sich

Januar 9, 2014

 

Verkauft wurde „Zwei vom alten Schlag“ wahrscheinlich als „Rocky“ trifft „Wie ein wilder Stier“ Jake La Motta mit Sylvester Stallone und Robert De Niro in den Hauptrollen. Nach diesem Besetzungscoup ist die Sache dann ein Selbstläufer: andere bekannte Schauspieler machen gerne mit und bei der geballten Starpower winkt dann auch ein gutes Einspielergebnis. Diese Rechnung ging in den USA an der Kinokasse nicht auf; – was durchaus verständlich ist. Denn außer dem Besetzungscoup, der sich wie ein Gag in einer TV-Show liest, hat das Starvehikel nichts zu bieten.

Die banale Filmgeschichte wird überraschungsfrei und ziemlich nachlässig bis zum abschließenden Boxkampf erzählt: Henry ‚Razor‘ Sharp (Sylvester Stallone) und Billy ‚The Kid‘ McDonnen (Robert De Niro) sind zwei Boxer aus Pittsburgh. In den frühen Achtzigern kämpften sie zweimal gegeneinander. Weil jeder einen Kampf gewann, sollte ein dritter Kampf endgültig zeigen, wer der bessere Boxer ist. Aber noch vor dem Kampf zog sich Razor zurück und wurde zu einem Stahlschweißer in einer Fabrik. Kid ging es finanziell besser, aber wirklich glücklich ist er als Unternehmer und Kneipier mit seiner unwitzigen Stand-Up-Comedy-Show auch nicht.

Dreißig Jahre später soll jetzt dieser Kampf ausgetragen werden. Vor dem Kampf muss dann noch etwas Ballast aus dem Weg geräumt werden: einerseits Gewichtsballast, weil beide nicht mehr sonderlich fit sind, andererseits emotionaler Ballast, weil natürlich eine Frau der Grund für Razors Rückzug war. Sally (Kim Basinger, anscheinend seit „9 1/2 Wochen“ nicht gealtert) war Razors Freundin, sprang aber auch einmal mit Kid ins Bett und aus diesem One-Night-Stand entstand ein Sohn (Jon Bernthal, gewohnt zuverlässig), der sich jetzt bei Kid meldet und dann sein Trainer wird.

Und beide Boxer sind spinnefeind, was dazu führt, dass jede ihrer Begegnungen schnell von einem Wortgefecht zu einer Schlägerei führt.

Alle drei Geschichten plätschern, garniert mit einigen halbgaren Witzen, meist zwischen Kalauer und Zote, lustlos die Plot-Points abhakend, bis zu ihrem absehbaren Ende vor sich hin. Dass, zum Beispiel, der verantwortungslose Single Kid, wenn er auf seinen Enkelsohn aufpassen soll, dann nicht mit ihm ins Kino geht, sondern sich in seiner Kneipe hoffnungslos betrinkt und mit der erstbesten Schönheit ins Bett springt (auch wenn das Bett die Rückbank von seinem Auto ist), dürfte nur die überraschen, die noch nie eine Familienkomödie gesehen haben. Dass Razor und Sally wieder zusammenkommen, dass Kid und sein Sohn, den er noch nie gesehen hat, zusammenkommen, ist ebenso vorhersehbar.

Eigentlich gibt es nur eine Überraschung in dem Film: während des finalen Boxkampfes zwischen Razor und Kid, die beide für ihr Alter in überraschend guter Form sind, kommt es dann zu einer überraschenden Wendung, die vielleicht Harmoniegefühle befriedigt, aber vollkommen out of character ist.

Sowieso vermeidet der Film konsequent jeden Konflikt und jeden Anschein von Realismus. So ist die romantisierte Blue-Collar-Arbeiterwelt mit dampfenden „Flashdance“-Stahlwerken, die in Bruce-Springsteen-Songs besungen wird, inzwischen hemmungslos anachronistisch. Nach der Stahlkrise der siebziger Jahre und dem auch in Pittsburgh seitdem stattgefundenem Strukturwandel wird dort in anderen Branchen Geld verdient. Aber ein echter Razor hält die Zeit einfach bei 1983 an.

Zwei vom alten Schlag“ überzeugt weder als Drama, noch als Komödie. Es ist das filmische Äquivalent zum Junk TV, das als anspruchsloser Zeitvertreib spätestens mit dem Verlassen des Kinosaals vergessen ist.

Zwei vom alten Schlag - Plakat

Zwei vom alten Schlag (Grudge Match, USA 2013)

Regie: Peter Segal

Drehbuch: Tim Kelleher, Rodney Rothman (nach einer Geschichte von Tim Kelleher)

mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Kevin Hart, Allan Arkin, Jon Bernthal, Kim Basinger, Camden Gray, LL Cool J, Barry Primus

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zwei vom alten Schlag“

Moviepilot über „Zwei vom alten Schlag“

Metacritic über „Zwei vom alten Schlag“

Rotten Tomatoes über „Zwei vom alten Schlag“

Wikipedia über „Zwei vom alten Schlag“ (deutsch, englisch)

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Prinzessin „Diana“ ist verliebt

Januar 9, 2014

 

Nach der Trennung von Prinz Charles langweilt Prinzessin Diana sich im Kensington Palast, wartet auf die Scheidung und wird von Fotografen verfolgt. Da begegnet sie im Krankenhaus Hasnat Khan, einem jungen pakistanischen Herzchirurgen, der sie nicht als Berühmtheit, sondern als ganz normale Frau behandelt. Sie verliebt sich in ihn, er in sie und Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) konzentriert sich in seinem Biopic „Diana“ auf diese Liebesgeschichte, die er mit ihrem Unfalltod zu einer Geschichte über ihre letzten beiden Jahre aufplustert und ihr so wohl eine größere Bedeutung verleihen will.

Dennoch bleibt der Film reinstes, strunzdoofes Kitschkino: Das von allen verfolgte It-Girl, das in den starken Armen eines aus dem fernen Orient kommenden Arztes ihr Glück findet. Das ist der Stoff, aus dem eindimensionale Soaps gestrickt sind und genau das ist „Diana“.

Dabei hätte es durchaus viele Aspekte im Leben von Lady Di gegeben, die man in einem Biopic hätte ansprechen können. Aber das Königshaus kommt überhaupt nicht vor. Die Rolle der Medien, die Einsamkeit einer von allen verfolgten Person, die Suche nach einem Lebensinhalt, ihr Engagement gegen Landminen, ihr Verhältnis zu Männern – das alles kommt in dem Kitschfest nur in Nebensätzen vor, um noch einmal, allerdings nie den richtigen Ton treffend, die Geschichte von der Prinzessin und dem Bürgerlichen zu erzählen, während die Macher alle auch nur halbwegs interessanten Aspekte im Leben von Diana weiträumig umschiffen.

Aber dafür hätten sie auch eine Haltung zu dem Leben von Prinzessin Diana finden müssen. Sie hätten sich darüber verständigen müssen, was sie an ihrem Leben besonders fasziniert, warum sie gerade diese Geschichte erzählen wollen und was wir daraus lernen können. Kurz: wir müssten irgendetwas Neues aus dem Leben von Prinzessin Diana erfahren. Eine austauschbare Liebesgeschichte, die schon vor einem halben Jahrhundert mehr als abgenudelt war, kann es nicht sein.

Diana - Plakat

Diana (Diana, GB/USA 2013)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Stephen Jeffreys

mit Naomi Watts, Naveen Andrews, Douglas Hodge, Geraldine James, Charles Edwards, Cas Anvar, Juliet Stevenson

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Diana“

Moviepilot über „Diana“

Metacritic über „Diana“

Rotten Tomatoes über „Diana“

Wikipedia über „Diana“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Oliver Hirschbiegels „Five Minutes of Heaven“ (Five Minutes of Heaven, Großbritannien 2009)

 

 


TV-Tipp für den 9. Januar: Young Adam – Dunkle Leidenschaft

Januar 9, 2014

3sat, 22.25

Young Adam – Dunkle Leidenschaft (F/GB 2003, R.: David Mackenzie)

Drehbuch: David Mackenzie

LV: Alexander Trocchi: Young Adam, 1954/1957 (Wasserläufe)

Glasgow, um 1950: Der gescheiterte Schriftsteller Joe heuert auf Les Lastkahn an. Schnell beginnt er ein Verhältnis mit dessen Frau. Als Joe und Les eine tote Frau im Wasser entdecken, verschweigt Joe, dass er die Tote kennt.

David Mackenzie beschreibt „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ als eine unmoralische Parabel über die Moral. Über den innerlich zerrissenen Helden Joe sagt er: “Von reiner Unschuld ist er so weit entfernt wie man nur sein kann, und doch trifft ihn andererseits keine Schuld.”

Düstere Erotiktragödie, bei der die Sexszenen in den USA für den erwarteten Skandal sorgten, während auf dem Kontinent das Interesse mehr der Geschichte galt.

„Der Film lebt von seiner atmosphärischen Dichte und einem erstklassigen Ensemble, das dem unnachgiebigen Blick der Kamera standhält.“ (Martin Schwickert, AZ, 9. Dezember 2004) oder “Ein wunderschöner, trauriger, lyrischer Film, ein kleines Meisterstück.” (film-dienst)

Die Musik schrieb David Byrne.

Mit Evan McGregor, Tilda Swinton, Peter Mullan, Emily Mortimer, Jack McElhone, Therese Bradley

Wiederholung: Samstag, 11. Januar, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Alexander Trocchi

Homepage zum Film

Film-Zeit über “Young Adam”

Moviepilot über „Young Adam“

Metacritic über „Young Adam“

Rotten Tomatoes über „Young Adam“


DVD-Kritik: Ein Blick auf sechs Filme von Jess Franco

Januar 8, 2014

 

Ob sich das heutige Jugendliche noch vorstellen können? Immerhin können sie auf solche Seiten klicken.

Aber damals in den siebziger Jahren gab es noch kein Internet. Es gab aber eine Explosion von, hm, Freizügigkeit, die in Deutschland zu den Aufklärungsfilmen, wie dem „Schulmädchenreport“ führte. Natürlich war die postulierte Aufklärung nur der verlogene pädagogische Mantel für das Ansehen von höchstens spärlich bekleideten jungen Frauen, deren Dialoge eine Mischung aus Stöhnen („Ah! Aah! Aaaah!“) und wenigen Worten („Ja! Jaa! Jaaa! Mehr! Du bist so gut!“) war. Und die billig produzierten Filme waren an der Kinokasse – auch wenn sie jetzt keiner gesehen haben will – erfolgreich.

Irgendwann ließ man auch das Aufklärungsmäntelchen weg und die meisten dieser pornographischen Filme waren billig produzierter Mist, der sich erfolgreich jeder Kritik entzog und im Bahnhofskino die Bedürfnisse der jüngeren Zuschauer befriedigen sollte, während die noch Jüngeren sich überlegten, wie sie in diese Erwachsenenfilme kommen konnten. Immerhin sahen die Plakate (Titten!), die Aushangbilder (Titten!) und die Trailer (Titten! Stöhnen! Gern auch etwas Gewalt.) vielversprechend aus.

Einer, vielleicht sogar der Meister des Euro-Trashs war der Spanier Jess Franco, der für ein Taschengeld in atemberaubender Geschwindigkeit und ohne jeden Kunstanspruch Filme herunterdrehte, die so eindeutige Titel wie „Voodoo Passion“, „Das Haus der mannstollen Frauen“, „Ilsa, the Mad Butcher“ und „Frauen für Zellenblock 9“ (das war dann Sex und Gewalt im Gefängnis) hatten.

Jetzt veröffentlicht Ascot-Elite in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ die Filme, die Jess Franco für Erwin C. Dietrich (ein Meister des billig produzierten Schund) drehte, mit originalgetreuen Covers in den ungekürzten Fassungen wieder auf DVD und erstmals auf Blu-ray und man kann überprüfen, ob die damaligen Urteile noch stimmen. Immerhin hat Jess Franco inzwischen eine Schar von Jüngern und er gehört zu den wenigen Regisseuren, dessen Filme heute noch bekannt sind, währen die „Schulmädchen-Report“-, „St.-Pauli-Report“- und Dirndl-und-Jodel-Filme heute ziemlich erfolgreich aus dem öffentlichem Bewusstsein verschwunden sind.

Damals verrissen Kritiker unisono die Filme, wie auch ein Blick in das „Lexikon des internationalen Films“ zeigt:

Ein Hintertreppen-Produkt, teils läppischer Krimi, teils Sexfilm.“ (Down Town – Die nackten Puppen der Unterwelt)

Der politische Hintergrund dient lediglich als Vorwand für eine Mischung aus Sadismus, Sex und KZ-Mentalität.“ (Greta – Haus ohne Männer)

Sexfilm mit lustlos abgefilmten Stellungsnummern am Strand, im Auto, im Bett, zu zweit oder als Trio, verpackt in eine schwachbrüstige Handlung. (…) Ein in jeder Hinsicht klägliches Machwerk. – Wir raten ab.“ (Die teuflischen Schwestern)

Alberne Mischung aus Erotik und Voodoo-Hokuspokus, blutrünstig und voyeuristisch.“ (Ruf der blonden Göttin)

Schundprodukt.“ (Frauen ohne Unschuld)

Eine Sadistin und ihr Berater, ein Arzt, foltern in einem Lager drei junge Frauen – was der Film mit unverhohlenem Genuss ausspielt. – Wir raten ab.“ (Frauen für Zellenblock 9)

Aber damals fanden auch einige Filme und Regisseure keine Gnade bei den Kritikern, die heute einen deutlich besseren Ruf genießen. Ich sage nur Russ Mayer.

Sehen wir uns, ordentlich vorgewarnt, in einer verwegenen Mischung aus Tapferkeit und Lüsternheit, die bis jetzt erschienenen sechs Veröffentlichungen der „Jess Franco Golden Goya“-Collection an.

In „Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt“ (1975) soll der Privatdetektiv Al Perreira die bildschöne Frau eines Politikers in einer kompromittierenden Situation fotografieren und gerät in ein Intrigenspiel, das sicher von „Chinatown“ (1974) und ungefähr jedem zweiten Privatdetektiv-Krimi, einem damals ungeheuer populärem Genre, inspiriert ist, aber – wie auch die fünf anderen Filme der „Jess Franco Golden Goya Collection“, die hier besprochen werden – die Story nur als vernachlässigbare Klammer für lange Sexszenen ignoriert.

In „Wicked Woman – Das Haus der mannstollen Frauen“ (1977) werden in einer Villa am Lago Maggiore die nackten Leichen eines jungen Ehepaars (dekorativ mit Blut besudelt) gefunden. Die einzige Zeugin der Tat, die junge Margeritta, ist von der Tat so schockiert, dass sie verstummt. Sie wird in die Psychiatrie eingeliefert – und dort beobachtet Margeritta weitere Morde. Oder ist sie inzwischen komplett durchgedreht? Naja, egal. Denn die meiste Zeit beobachtet Jess Franco die spärlich bekleideten Insassinnen, die sich endlos befummeln und stöhnen.

In „Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters“ (1977) erzählt Jess Franco wieder eine Kriminalgeschichte. Denn die eine der titelgebenden Schwestern will die andere wegen des Geldes in den Wahnsinn treiben und diese leidet – immerhin sind wir in einem Jess-Franco-Film – an einer unbezähmbaren Sexsucht, deren Befriedigung – nackte Leiber und Gestöhne – uns ausführlich gezeigt wird. Genrejunkies können jetzt, wie bei „Downtown“, die wesentlich gelungeneren Vorbilder heraussuchen.

In „Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin“ (1977) geht es nach Haiti, wo die frisch vermählte Susan (jung und Franco-knackig) in den Bann des Voodoo gerät, der sich hauptsächlich in ekstatischen Blicken und wild nach dem Klang der Trommeln bewegenden nackten Leibern manifestiert. Am Ende erfahren wir, dass es bei dem ganzen Gestöhne auch eine Kriminalgeschichte gab, die wahrscheinlich von Jess Franco am Ende schnell als Erklärung für den ganzen Mist (jedenfalls wenn man von einem Film mehr als hüpfende Titten und wackelnde Popos erwartet) herhalten muss. Denn auch beim zweiten Sehen sind die Hinweise auf das Komplott so versteckt, dass man sie unmöglich finden kann.

In „Frauen für Zellenblock 9“ (1977) geht es dann – entsprechend des Titel – ins „Women in Prison“-Subgenre, das uns eine Gefängniswelt aus Sadismus, Sex und Gewalt unter und gegen weibliche Gefangene zeigt. Garniert wird es hier, weil der Film irgendwo in Südamerika spielt, mit etwas Revolutionsromantik und einem komplett gehirnentkernten Plot, der wahrscheinlich aus übriggebliebenen Filmschnipseln von einem anderen Film und einigen Restdrehtagen zusammengeschustert wurde. Immerhin hält der Unglaube das Interesse wach: so flüchten einige der jungen, spärlich bekleideten Gefangenen aus dem besonders gruseligem Zellenblock 9 und anstatt möglichst schnell möglichst weit abzuhauen, nehmen sie zuerst ein Bad in einem Gewässer und vergnügen sich dann miteinander. Naja: Sex geht immer.

Ilsa, the Mad Butcher“ (1977) ist dann der beste und auch der geschmackloseste Film in diesem Sextett. Mit Dyanne Thorne hatte Franco sogar einen echten Hollywood-Star, Unterkategorie Trash an Bord. Für sie sprechen eine beeindruckende Oberweite und, dass sie vorher „Ilsa: She Wolf of the SS“, „Ilsa – Haremswächterin des Scheichs“ und „Ilsa – Die Tigerin“ war.

In „Ilsa, the Mad Butcher“ leitet sie in Südamerika eine Irrenanstalt, in der die Insassinnen, wegen der tropischen Temperaturen höchst spärlich bekleidet, sich die meiste Zeit selbst befriedigen (Klingt bekannt?). Daneben werden sie von der Leiterin Ilsa gequält – und Jess Franco verziert das mit einer Geschichte, die schamlos die Umtriebe von damaligen Folterregimes ausbeutet.

Bei diesem und auch den meisten der hier besprochenen Filme geht die Geschichte für die Protagonistin oder den Protagonisten schlecht aus; was uns dann wieder einiges über die damalige Zeit, als Anti-Helden und ein negatives Ende trendy waren, sagt.

Davon abgesehen entsprechen die schauspielerischen Qualitäten der Schauspieler normalerweise der unterirdischen Qualität der Drehbücher. Vor allem die jungen Damen sind doch allesamt von ihrem Aussehen nicht Playmate-tauglich, aber was macht man nicht alles für einen Südsee-Urlaub.

Irgendwie fühlt man sich nach den Jess-Franco-Filmen schmutzig. Als hätte man etwas verbotenes getan; – naja, wie früher, als man sich in die Filme schlich.

Und nun zum Positiven: Walter Baumgartner schrieb für alle Filme die Musik, die ein herrlich durchgeknallter, angenehm respektloser Mix aller möglichen Stile, oft mit einem starken Jazz- und Easy-Listening-Touch, ist. Da würde sich eine ordentliche CD-Veröffentlichung lohnen.

Downtown - DVD-CoverVoodoo Passion - DVD-Cover

Downtown – Die nackten Puppen der Unterwelt (Schweiz 1975)

Regie: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

Drehbuch: Jess Franco (als Wolfgang Frank)

mit Lina Romay,Paul Müller, Martine Stedil

auch bekannt als „Miezen der Unterwelt“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Voodoo Passion – Ruf der blonden Göttin (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Ada Tauler, Jack Taylor, Karine Bambier, Rita Morena

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Frauen für Zellenblock 9 - DVD-CoverIlsa - The Mad Butcher - DVD-Cover

Frauen für Zellenblock 9 (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Jess Franco

mit Karine Gambier, Howard Vernon, Susan Hemingway, Aida Gouveia

auch bekannt als „Flucht von der Todesinsel“ (Wo war da eine Insel?) und „Tropical Inferno“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Italienisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 75 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Ilsa – The Mad Butcher (Schweiz/Deutschland/USA 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor (Pseudonym von Erwin C. Dietrich), Jess Franco

mit Dyanne Thorne, Lina Romay, Eric Falk, Tania Busselier, Esther Studer, Jess Franco

auch bekannt als „Greta – Haus ohne Männer“ und „Ilsa, the wicked Warden“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Italienisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch, Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Interview, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Die teuflischen Schwestern - DVD-CoverWicked Women - DVD-Cover

Die teuflischen Schwestern – Sexy Sisters (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Manfred Gregor

mit Karine Gambier, Pamela Stanford, Jack Taylor, Eric Falk

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0), Spanisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Japanisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Wicked Women – Das Haus der mannstollen Frauen (Schweiz 1977)

Regie: Jess Franco

Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Jess Franco

mit Lina Romay, Monica Swin, Nanda van Bergen

auch bekannt als „Frauen ohne Unschuld“

DVD

Ascot Elite (Jess Franco Golden Goya Edition)

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch, Niederländisch

Bonusmaterial: Fotogalerie, Wendecover

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Jess Franco (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Jess Franco

Meine Besprechung von Jess Francos „Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London“ (Jack, the Ripper, Deutschland/Schweiz 1976)