TV-Tipp für den 20. September: Scientology: Ein Glaubensgefängnis

September 20, 2017

SWR/SR, 23.45

Scientology: Ein Glaubensgefängnis (USA 2015, Regie: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

LV: Lawrence Wright: Going Clear, 2013

Spielfilmlange Doku über Scientology, die drei Emmys erhielt. Als beste Doku, für die Regie und das Drehbuch.

Scientology war nicht begeistert – und das ist doch eine gute Empfehlung.

Mit Paul Haggis, Jason Beghe, Spanky Taylor, David Miscavige, John Travolta, Tom Cruise, Lawrence Wright, L. Ron Hubbard

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Wikipedia über „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“

Meine Besprechung von Alex Gibneys „We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte“ (We steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013)


Cover der Woche

September 19, 2017


TV-Tipp für den 19. September: Tatort: Schimanskis Waffe

September 18, 2017

WDR, 23.35

Tatort: Schimanskis Waffe (Deutschland 1990)

Regie: Hans Noever

Drehbuch: Hans Noever, Wolfgang Hesse, Uwe Erichsen

Als Horst Schimanski bei einem Überfall auf Giovannis Restaurant den Dirty Harry gibt, erschießt er seine Freundin. Einer der Verbrecher hat sie in die Schusslinie gestoßen. Erschüttert gibt Schimanski seine Dienstwaffe ab. Erst als sein Kollege Thanner bei der Jagd nach den Verbrechern schwer verletzt wird, beginnt Schimanski die Täter zu suchen.

Ein Schimanski-Tatort. Muss ich noch mehr sagen?

mit Götz George, Eberhard Feik, Chiem van Houweninge, Klaus Behrendt, Nina Petri, Remo Remotti, Martin Halm

Hinweise

Tatort-Fundus Kommissar Schimanski 

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Moltke“

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Moltke“ (2010)

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Uwe Erichson


„Deadpool Pulp“ ist immer noch Deadpool

September 18, 2017

Das ist noch nicht „Der Söldner mit der großen Klappe“, den wir aus zahlreichen Comics in verschiedenen Uni- und Multiversen und einem Kinofilm in mehr oder weniger verschiedenen Inkarnationen kennen, sondern ein Deadpool, der in den fünfziger Jahren als schon ziemlich durchgeknallter CIA-Agent eine abtrünnige Agentin und einen von ihr gestohlenen Atomkoffer finden soll. Die Agentin ist Inez Temple, Codename „Outlaw“, und „Deadpool“ Wade Wilsons große Liebe.

Während er sie sucht, fragt er sich, was bei der ganzen Sache faul ist. Denn als erstes soll er Dr. Jackson, den seit einem Jahr untergetauchten, von den Geheimdiensten kaum beschützten Erfinder der Taschenbombe finden.

Die in sich abgeschlossene Miniserie „Deadpool Pulp“ von den Autoren Mike Benson und Adam Glass (sie schrieben auch „Marvel Noir: Luke Cage“) und Zeichner Laurence Campbell ist mehr Pulp als ein normales Deadpool-Abenteuer mit den direkten Ansprachen des Publikums, den popkulturellen Anspielungen und dem latent unzurechnungsfähigen Verhalten des an mehr oder weniger ausufernden Gedächtnisverlusten leidenden Protagonisten. In „Deadpool Pulp“ kann er zwar auch nicht unbedingt seinem Gedächtnis trauen – und das ist wichtig für das Ende der Geschichte -, aber er agiert ziemlich normal als Geheimagent, der verhindern muss, dass während des Kalten Krieges Gegner der USA in den Besitz einer koffergroßen Atombombe kommen.

Das macht Spaß. Als Noir. Als Pulp-Geschichte.

Mike Benson/Adam Glass/Laurence Campbell: Deadpool Pulp

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2017

100 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Deadpool Pulp 1 – 4

Marvel, 2010/2011

Hinweise

 

Wikipedia über Deadpool

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip, 2009/2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2) (Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool; Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville, 2010)

Meine Besprechung von Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1 (Deadpool 13/14: Wave of Mutilation; Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Jason Pearson (Zeichner): Deadpool: Weiber, Wummen & Wade Wilson! (Sonderband 1) (Deadpool: Wade Wilson’s War, Vol. 1 – 4, 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Whilce Portacio/Philip Bond/Paco Medina/Kyle Baker (Zeichner) „Deadpool Corps (Deadpool Sonderband 2)“(Prelude to Deadpool Corps, Vol. 1 – 5, März 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)/Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 2 (Deadpool Sonderband 3)” (Deadpool Corps 1 – 6, Juni 2010 – November 2010)

Meine Besprechung von Victor Gischler (Autor)Rob Liefeld/Marat Mychaels (Zeichner) “Deadpool Corps 3: You say you want a Revolution (Deadpool Sonderband 4)” (Deadpool Corps 7 – 12: You say you want a Revolution (Part 1 – Part 6), Dezember 2010 – Mai 2011)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner): Deadpool: Das Film-Special (X-Men Origins: Deadpool: The Major Motion Picture, 2010)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Ramon Rosanas „Night of the Living Deadpool“ (Night of the Living Deadpool # 1 – 4, März 2014 – Mai 2014)

Meine Besprechung von Cullen Bunn/Nik Virellas „Return of the Living Deadpool“ (Return of the Living Deadpool # 1 – 4, April 2015 – Juli 2015)

Meine Besprechung von „Deadpool: Greatest Hits – Die Deadpool-Anthologie“ (2016, Sammelband mit vielen Deadpool-Geschichten)

Meine Besprechung von Tim Millers „Deadpool“ (Deadpool, USA 2016)

Meine Besprechung von Mike Benson (Autor)/Adam Glass (Autor)/Shawn Martinbrough (Zeichner): Marvel Noir: Luke Cage (Luke Cage Noir, Vol. 1 – 4, 2009)

 

 

 


TV-Tipp für den 18. September: Tatort: Berlin – Beste Lage

September 17, 2017

RBB, 22.15

Tatort: Berlin – Beste Lage (Deutschland 1993, Regie: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Rainer Berg, Matti Geschonneck

Musik: Ulrich Gumpert

Auf einem Laster, der Schrott nach Polen transportieren soll, wird die Leiche eines Tischlers gefunden, der im Scheunenviertel lebte. Das Wohn- und Gewerbegebiet in Berlin-Mitte soll luxussaniert werden. Deshalb wollen der Besitzer des Hauses und ein Makler die alten Mieter aus dem Wohnblock vertreiben. Kommissar Markowitz glaubt, dass der Tote etwas gegen sie in der Hand hatte.

Dichte Milieustudie, die die Veränderungen im Nachwendeberlin reflektiert. Denn schon damals wurde gnadenlos gentrifiziert.

Die acht Markowitz-“Tatorte“ sind immer noch ein Rätsel. Denn der SFB (heute RBB) produzierte von 1991 bis 1995 eine Reihe hochkarätiger „Tatorte“, die die damaligen Veränderungen in Berlin reflektierten. Und das in einer Qualität, die davor und danach nicht erreicht wurde. Denn davor ermittelte Heinz Drache als Kommissar Bülow (Gähn!), danach Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter (Grusel! Zwei Giftschrankfolgen und „Ein Hauch von Hollywood“, der so schlecht war, dass er an einem Montag um 23.00 Uhr versendet wurde).

mit Günther Lamprecht, Hans Nitschke, Claudia Balko, Thomas Schendel, Renate Küster

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Franz Markowitz

Berliner Morgenpost: Interview mit Günther Lamprecht über Kommissar Markowitz


TV-Tipp für den 17. September: Apocalypse Now Redux

September 17, 2017

Arte, 21.00

Apocalypse Now Redux (USA 1979, Regie: Francis Ford Coppola)

Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola

LV: Joseph Conrad: Heart of Darkness, 1899 (Herz der Finsternis)

Während des Vietnamkrieges soll Captain Willard (Martin Sheen) Colonel Kurtz (Marlon Brando), der im Dschungel sein Reich errichtete, suchen und töten.

Klassiker, heute in der längeren und besseren Redux-Fassung.

Anschließend, um 00.15 Uhr, zeigt Arte die spielfilmlange, sehenswerte Doku „Im Herz der Finsternis: Apokalypse eines Filmregisseurs“ (USA 1991) über die Dreharbeiten.

Am Montag, den 25. September, zeigt Arte um 21.55 Uhr, als TV-Premiere, Francis Ford Coppolas „Jugend ohne Jugend“ (USA/D/F/I/Rumänien 2007).

mit Martin Sheen, Robert Duvall, Marlon Brando, Fred Forrest, Sam Bottoms, Albert Hall, Larry Fishburne, Dennis Hopper, Harrison Ford, G. D. Spradlin, Bill Graham

Wiederholung: Donnerstag, 28. September, 23.50 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Apocalypse Now Redux”

Wikipedia über „Apocalypse Now“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich der Kino- mit der „Redux“-Fassung

Awesome Film: Drehbuch “Apocalypse Now” von John Milius (Fassung vom 3. Dezember 1975)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas “Apocalypse Now” (Apocalypse Now, USA 1979 – die “Full Disclosure”-Blu-ray)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Twixt – Virginias Geheimnis“ (Twixt, USA 2011)

Francis Ford Coppola in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Naomi Kawases neuen Film „Radiance“

September 16, 2017

Misako Ozaki liebt Filme und verdient ihr Geld als Schreiberin von Hörfilmfassungen. Ihre Texte werden vorher mit ausgewählten Sehbehinderten besprochen. Was ist verständlich? Was nicht? Sind die Beschreibungen zu genau? Oder zu ungenau, um bei den Hörenden die Bilder heraufzubeschwören, die auf der Leinwand zu sehen sind? Und wie sehr ist die Hörfilmfassung schon eine Interpretation Misakos?

Bei den Besprechungen ihrer Texte übt Masaya Nakamori deutliche Kritik. Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmenden ist er nicht von Geburt an sehbehindert. Er ist ein erfolgreicher Fotograf, der jetzt langsam erblindet. In seiner Wohnung versucht er immer noch, alles alleine zu machen und, selbstverständlich, hadert er mit seinem Schicksal. Immerhin verliert er jetzt gerade die Fähigkeit, die bisher sein Leben, seine Identität, definierte.

In ihrem neuen Film „Radiance“ erzählt Naomi Kawase (zuletzt „Still the Water“ und „Kirchblüten und rote Bohnen“), wie diese beiden Menschen sich während der Arbeit an einer Hörfilmfassung annähern. Viel mehr passiert nicht. Denn Kawase geht es hier nicht um das Erzählen einer vertrackten Geschichte voller Wendungen und Überraschungen, sondern – und das dürfte niemand erstaunen, der ihre früheren Filme kennt – um die Poesie des Moments. Entsprechend ausdauernd beobachtet sie ihre Figuren und der Film ähnelt mehr einem Gedicht oder einer Kurzgeschichte, die immer auf mehr verweist, aber auch viele Fragen offenlässt. Schließlich erzählt sie nur einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben von Misako und Nakamori. Es ist ein Moment, eine Situation, eine Begegnung, die für ihr weiteres Leben bedeutsam sein kann.

Radiance“ ist ein zarter, poetischer, impressionistischer Film, der Interpretation mehr anbietet als vorgibt. In Cannes erhielt er dafür den Preis der Ökumenischen Jury.

Und wenn wir nur eine Sache aus dem Film mitnehmen: jetzt wissen wir, wie Hörfilmfassungen entstehen – und ich sollte mir mal so eine Fassung anhören.

Radiance (Hikari, Japan 2017)

Regie: Naomi Kawase

Drehbuch: Naomi Kawase

mit Ayame Misaki, Masatoshi Nagase, Tatsuya Fuji, Kazuko Shirakawa

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Radiance“

Metacritic über „Radiance“

Rotten Tomatoes über „Radiance“

Wikipedia über „Radiance“

Meine Besprechung von Naomi Kawases „Still the Water“ (Futatsumo no mado, Japan/Frankreich/England 2014)

 

 


TV-Tipp für den 16. September: Training Day

September 16, 2017

Sat.1, 00.15

Training Day (USA 2001, Regie: Antoine Fuqua)

Drehbuch: David Ayer

Düsterer Cop-Krimi über Gangkriminalität und ihre Bekämpfung in Los Angeles: Alonzo Harris zeigt Jake Hoyt am ersten Arbeitstag wie die Arbeit eines Undercover-Cop gegen Drogen- und Gangkriminalität abläuft. Dummerweise ist Harris selbst ein Gangster mit Dienstmarke, der nach dem Motto „Nur wenn du selbst wie ein Wolf bist, kannst du einen Wolf fangen“ arbeitet.

„Ein rasant und konsequent inszenierter Film voll Gewalt und Brutalität. Konsumierbar einerseits als zynisches Actionspektakel, das bloß altbekannte Genretypen weiterentwickelt, aber auch verstehbar als Spiegelung und Reflexion aktueller Debatten über Polizeimethoden, moralische Dilemmata und die Durchsetzbarkeit demokratischer Spielregeln gegenüber Clannormen, die sich freilich potenziellen Missverständnissen aussetzt.“ (Multimedia, 13. Dezember 2001)

Denzel Washington erhielt für seine Rolle als Cop Harris den Oscar für die beste Hauptrolle und einige weitere Preise. David Ayer schrieb danach den ähnlich gelagerten Cop-Thriller „Dark Blue“.

Die in „Training Day“ und „Dark Blue“ angesprochenen Themen werden in der grandiosen Cop-Serie „The Shield“ noch konsequenter und pessimistischer durchbuchstabiert.

Mit Denzel Washington, Ethan Hawke, Scott Glenn, Cliff Curtis, Dr. Dre, Snoop Dogg, Tom Berenger, Eva Mendes, Macy Gray

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Training Day“

Wikipedia über „Training Day“ (deutsch, englisch)

David Ayer: Training Day (Drehbuchfassung vom 18. August 1999)

David Ayer: Training Day (Drehbuchfassung vom April 2001)

IGN: Zehn Fragen an David Ayer

ScreenwritersUtopia: Kurzbio David Ayer (2003)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Southpaw“ (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von David Ayers “End of Watch” (End of Watch, USA 2012)

Meine Besprechung von David Ayers “Sabotage” (Sabotage, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Herz aus Stahl“ (Fury, USA 2014)

Meine Besprechung von David Ayers „Suicide Squad“ (Suicide Squad, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „Porto“ – ein Amerikaner und eine Französin begegnen sich

September 15, 2017

Das Beste, was „Porto“ passieren konnte war Anton Yelchin.

Das Schlimmste, was „Porto“ passieren konnte, war Anton Yelchin.

Denn „Porto“ ist eine der letzten Filme von Anton Yelchin („Green Room“, Pavel Chekov in den neuen „Star Trek“-Filmen). Am 19. Juni 2016 starb er bei einem wirklich bescheuerten Autounfall: er wurde in der Einfahrt seines Hauses von seinem Auto überrollt.

Er spielt Jake, einen in der portugiesischen Hafenstadt Porto mehr oder weniger freiwillig gestrandeten Amerikaner. Eines Tages trifft er die Archäologiestudentin Mati (Lucie Lucas) und sie verbringen die Nacht zusammen.

Der Film hatte seine Weltpremiere nach Yelchins Tod am 19. September 2016 beim San Sebastián International Film Festival und selbstverständlich wird die Rezeption des Films und all seiner Fehler von seinem Tod überschattet. Auf der einen Seite ist faszinierend, wie Anton Yelchin sich in die Rolle hineinsteigert und Jake, abgemagert und mit tiefliegenden Augen, als den introvertierten, manischen Quartalsirren spielt, mit dem man sich in der Kneipe nicht unterhalten will.

Auf der anderen Seite ist durch Yelchins Tod auch vollkommen unklar, wie sehr der Tod den Film beeinflusste. Denn viele Szenen wirken improvisiert, vieles wiederholt sich aus verschiedenen Perspektiven, Realität und Fantasie, Vor- und Rückblenden sind unklar und Gabe Klinger wechselte in seinem Spielfilmdebüt zwischen 35 mm, 16 mm und Super-8-Film, ohne dass ein wirkliches Konzept erkennbar wird. Das kann schon so im Drehbuch, das Klinger mit Larry Gross („48 Stunden“, „Streets of Fire“) schrieb, gestanden haben. Das kann auch daran liegen, dass die Dreharbeiten noch nicht wirklich abgeschlossen waren und jetzt aus den vorhandenen Bildern ein Film zusammengeschnitten wurde, der es durch zahlreiche Wiederholungen und impressionistische Bilder auf 74 Minuten bringt.

Jim Jarmusch ist Executive Producer. Klinger nennt ihn „spirit guide“ und der Jarmusch-Einfluss ist im ganzen Film spürbar. Jake ist ein typischer, zielloser Jarmusch-Charakter, der durch Porto driftet. Er ist auf Permanent Vacation. Und als „spirit guide“ hat Jarmusch Klinger sicher einige Tipps gegeben, was er aus dem vorhandenen Material machen kann. Ein Torso bleibt „Porto“ trotzdem. Ob gewollt oder ungewollt, ist unklar.

Am Ende gibt es nur zwei Gründe, sich „Porto“ anzusehen: eine lange, sich stilistisch fundamental vom restlichen Filmstil unterscheidende, auf der großen Leinwand ihre volle Wirkung entfaltende Plansequenz, in der Jake und Mati sich in einem Diner anscheinend zum ersten Mal begegnen (später wird deutlich, dass sie sich schon vorher gesehen haben) und Anton Yelchins intensives Spiel, das durch seinen Tod eine neue Dimension erhielt. Denn er sieht weniger wie ein Dauerurlauber, sondern wie ein lebender Toter aus.

Porto (Porto, Portugal/USA/Frankreich/Polen 2016)

Regie: Gabe Klinger

Drehbuch: Larry Gross, Gabe Klinger

mit Anton Yelchin, Lucie Lucas, Francoise Lebrun, Paulo Calatré

Länge: 74 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Porto“

Metacritic über „Porto“

Rotten Tomatoes über „Porto“

Wikipedia über „Porto“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Der Auftragsmörder „Mr. Long“ bekocht ehrliche Menschen

September 15, 2017

https://vimeo.com/230596601

Die ersten Minuten von „Mr. Long“ sind nicht repräsentativ für den gesamten Film. Aber grandios. Zuerst tötet ein Auftragskiller in Taiwan in einem Lagerraum eine Gruppe Männer. Dann wird er mit einem neuen Auftrag nach Japan geschickt. In Tokio soll er in einem Nachtclub einen Gangster ermorden. Aber der Anschlag geht schief und, als die Schergen des Gangsters ihn ermorden wollen, kann er flüchten.

In einer verlassenen Wohnsiedlung taucht er unter und ab jetzt verlässt SABU („Unlucky Monkey“, „Monday“, „Happiness“) in seinem neuesten Film „Mr. Long“ die Gefilde des düsteren Hongkong-Thrillers der John-Woo-Schule, die er in den Minuten makellos bediente. Bis zum blutigen Finale porträtiert SABU eine Geheimschaft armer, aber hilfsbereiter und freundlicher Menschen, die den schweigsamen Killer, den sie Mr. Long nennen, in ihre Gemeinschaft aufnehmen und, weil Mr. Long ein begnadeter Koch ist, verhelfen sie ihm zu einer fahrbaren Garküche. Damit eröffnet sich für ihn eine neue berufliche Perspektive und die Möglichkeit auf ein neues Leben. Weil Mr. Long kein japanisch spricht, erfolgt diese Annäherung an einen Jungen, seine Mutter und die Bewohner des Viertels stumm, mimisch und mit Gesten.

Mr. Long beginnt, nachdem er bis jetzt niemals über sein Leben nachdachte, über sein Leben nachzudenken. Gleichzeitig will er zurück nach Taiwan. Das nächste Schiff, das er benutzen kann, verlässt den Hafen erst in fünf Tagen.

Diesen über mehrere Tage anhaltenden Schwebezustand, in dem der Killer sich langsam öffnet, erzählt SABU feinfühlig,mit viel Humor, einem tiefen Humanismus und Glauben an das Gute im Menschen. Das ist dann mehr ein Märchen und weit ab von dem eiskalten Gangsterthriller, den man in den ersten Minuten erwartet.

Mr. Long“ erlebte seine Premiere auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb.

Mr. Long (Mr. Long, Japan/Taiwan/Hongkong, China/Deutschland 2017)

Regie: SABU

Drehbuch: SABU

mit Chen Chang, Runyin Bai, Yiti Yao, Sho Aoyagi, Masashi Arifuku, Taro Suwa, Ritsuko Okusa

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mr. Long“

Rotten Tomatoes über „Mr. Long“

Wikipedia über „Mr. Long“

Berlinale über „Mr. Long“


TV-Tipp für den 15. September: Der Gefangene von Alcatraz

September 15, 2017

3sat, 22.25

Der Gefangene von Alcatraz (USA 1962, Regie: John Frankenheimer)

Drehbuch: Guy Trosper

LV: Thomas E. Gaddis: Birdman of Alcatraz, 1962 (Der Gefangene von Alcatraz)

Frankenheimer inszenierte in einem nüchternen Reportagestil die Lebensgeschichte von Robert F. Stroud, einem Doppelmörder, der sich während seiner Haftzeit charakterlich wandelte und zu einem anerkannten Vogelkundler wurde.

Im Januar 1909 erschoss er in Alaska im Streit einen Menschen, stellte sich danach und wurde zur Höchststrafe, zwölf Jahre Zuchthaus, verurteilt. Später wurde er nach Leavenworth verlegt. Dort brachte er am 26. März 1916 den Wärter Turner (über den gesagt wurde, er habe bereits zwei Häftlinge in Atlanta getötet) um. Innerhalb von vier Tagen kam ein Geschworenengericht zu dem Urteil, dass Stroud des Mordes ersten Grades schuldig sei. Er sollte erhängt werden. Aufgrund von Verfahrensfehlern war allerdings Strouds Berufung erfolgreich und das Todesurteil wurde in Lebenslänglich geändert. In den folgenden Jahren wurde Stroud zu einem zu einem anerkannten Vogelkundler. Im Dezember 1942 wurde Robert Stroud nach Alcatraz verlegt. Er starb im November 1963 im Gefängniskrankenhaus von Springfield, Missouri, im Alter von 74 Jahren.

Mit Burt Lancaster, Thelma Ritter, Karl Malden, Telly Savalas

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Gefangene von Alcatraz“

Wikipedia über „Der Gefangene von Alcatraz“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


Neu im Kino/Filmkritik: „High Society“, Plattenbau und zwei vertauschte Kinder

September 15, 2017

Die Prämisse von „High Society – Gegensätze ziehen sich an“ ist altbekannt und, auch wenn Regisseurin Anika Decker im Presseheft sagt, sie sei vor zweieinhalb Jahren durch die Lektüre eines Zeitungsartikels über vertauschte Babys in Frankreich darauf gekommen, schon in zahlreichen Spielfilmen durchgespielt worden. Denn sie ist ein wundervolles „was wäre wenn“-Gedankenexperiment: Was wäre, wenn du nach deiner Geburt vertauscht worden wärst? Üblicherweise sind die Familien vollkommen gegensätzlich. Üblicherweise ist eine Familie sehr arm und die andere sehr reich. Die Fragen und Konflikte ergeben sich aus dieser Prämisse fast von selbst: Was ist Erziehung? Was Vererbung? Wer sind deine Eltern? Die biologischen oder die, die dich erzogen haben? Soll der Tausch wieder rückgängig gemacht werden? Oder wäre das ein noch größeres Unrecht? Undsoweiter, undsofort. Eigentlich ist es kaum möglich, eine solche Verwechslungsgeschichte zu vergeigen.

Anika Decker gelingt das in ihrem neuen Film „High Society“, den sie eine Familien- und Gesellschaftskomödie nennt, mit einer fast schon beeindruckenden Konsequenz.

In „High Society“ werden Anabel und Aura in der Geburtsklinik vertauscht. 25 Jahre später wird der Tausch entdeckt und, schwuppdiwupp, ist die reiche Anabel (Emilia Schüle) in der Familie von Carmen Schlonz (Katja Riemann) im Plattenbau (mit importiertem Ghetto-Feeling) und die arme Aura (Caro Cult) in der Familie von Trixie von Schlacht (Iris Berben) in der noblen Industrieellenvilla, in der Menschen mit offensichtlichen Geschmacksverirrungen leben dürfen. Wie im Plattenbau am anderen Ende von Berlin.

Beginnen wir mit dem Positiven: Iris Berben und Katja Riemann werfen sich mit einer Verve in ihre Rollen, dass man sich schnell fragt, warum sie das tun. Vielleicht wollten sie einfach ihren Spaß haben. Denn, und schon sind wir beim Negativen, das Drehbuch ist eine willkürliche Aneinanderreihung von Szenen, die höchstens für einen unlustigen Sketchabend taugen. Die gezeigten Milieus und Konflikte stammen dann auch aus genau dieser wirklichkeitsfernen TV-Soap- und Sketch-Welt mit ihren billigen Kulissen und unglaubwürdigen Charakteren. Stringenz in der Geschichte und Figurenzeichnung sind hier Fremdworte. Der Film ist ein einziger Kladderadatsch, der wirkt, als habe man einfach Szenen aus verschiedenen Drehbüchern zusammengeworfen und danach nicht einmal geprüft, ob das irgendwie auch nur halbwegs stimmig ist. Dass keine einzige Pointe zündet, verwundert in dieser kopflosen Fremdschäm-Veranstaltung, nicht. Wegen des Timings, wegen der Qualität der Pointen und wegen der Abwesenheit irgendeiner Idee, wie das Material sinnvoll angeordnet werden kann.

Dass es Anika Decker nicht gelingt, aus der Prämisse eine Geschichte zu entwickeln, verwundert dann doch. Denn bei der Prämisse schreibt sich die Geschichte wie von selbst. Wenn man denn ein Thema hat.

Anika Decker schrieb die Drehbücher für „Keinohrhasen“, „Zweiohrhasen“, „Rubbeldiekatz“ und „Traumfrauen“, ihrem Regiedebüt.

High Society – Gegensätze ziehen sich an (Deutschland 2017)

Regie: Anika Decker

Drehbuch: Anika Decker

mit Emilia Schüle, Jannis Niewöhner, Iris Berben, Katja Riemann, Caro Cult,Jannik Schümann, Manuel Rubey, Marc Benjamin, Rick Kavanian

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „High Society“

Moviepilot über „High Society“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Steven Soderbergh macht „Logan Lucky“

September 14, 2017

Hätte Steven Soderbergh nicht vor vier Jahren, nach „Liberace“, pompös seinen Abschied vom Kino und dem Regieführen verkündet, wäre es niemand aufgefallen. Denn nach „Liberace“ drehte er zwei Staffeln der Krankenhausserie „The Knick“ und er bereitete schon bei „Magic Mike XXL“, der vor zwei Jahren bei uns anlief und bei dem Soderbergh als Peter Andrews Kameramann war, „Logan Lucky“ vor. „Logan Lucky“ wurde dann ab dem 24. August 2016 an 35 Tagen gedreht. Inzwischen sind zwei weiter Filme von Soderbergh, bei denen er Regie führte, in der Postproduktion und ein weiterer Film ist angekündigt. Ein Rückzug von der Regie sieht wahrlich anders aus. Vor allem weil bei anderen Regisseuren der Abstand zwischen zwei Filmen teilweise länger als Soderberghs Rückzug vom Regieführen ist.

In „Logan Lucky“ kehrt der enorm produktive Regisseur in vertrautes Terrain zurück. „Es ist wie ein Cousin der Ocean’s-Filme, gleichzeitig stellt es diese Filme auch auf den Kopf, weil den Hauptfiguren in diesem Fall nicht beliebig viel Geld und keine Technologie zur Verfügung steht. Sie befinden sich wirtschaftlich in prekären Verhältnissen. Ein paar Mülltüten voller Geld würden ihr Leben komplett verändern“, sagt Soderbergh zu seinem Film.

Den Plan für den Diebstahl heckt Jimmy Logan (Channing Tatum) aus, nachdem er wegen seiner alten Beinverletzung von der Baufirma entlassen wird. Bei der Arbeit entdeckte er ein Rohrpostsystem, das unter dem Charlotte Motor Speedway bei Charlotte, North Carolina, liegt und in dem während Rennen das Geld von den Kassen in den Zentralsafe befördert wird. Am meisten Geld wird bei dem Coca Cola Cup 600, einem legendären und prestigeträchtigen NASCAR-Rennen am „Memorial Day“-Wochenende, umgesetzt.

Die Beute würde all seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag beenden.

Den Diebstahl kann er nicht allein durchführen und er möchte, immerhin ist er ein gesetzestreuer Bürger, bei dem Diebstahl niemand verletzten und auch keine Gewalt anwenden. Also überzeugt er seinen einarmigen Bruder Clyde (Adam Driver), der als Barkeeper sein Geld verdient, und den Gangster Joe Bang (Daniel Craig), der allerdings gerade inhaftiert ist, ihm zu helfen. Bang ist einverstanden, wenn seine beiden Brüder Fish (Jack Quaid) und Sam (Brian Gleeson) dabei sind. Dummerweise vereinigen die beiden Meth-Nasen kongenial alle Eigenschaften auf sich, die den Plan zum Scheitern bringen könnten. Und Jimmys Schwester Mellie (Riley Keough) ist auch noch dabei.

Jimmy entwirft einen Plan, den man ihm in dieser Komplexität niemals zugetraut hätte. Immerhin ist er noch nicht einmal fähig, seine Telefonrechnung pünktlich zu bezahlen.

Wie es sich für ein Heist-Movie gehört, gibt es immer wieder neue Probleme, die den perfekten Plan gefährden können und überraschende Wendungen, weil die Verbrecher sich auf alle Eventualitäten vorbereiten und sie sich nicht so richtig trauen können. Aber im Gegensatz zu der smarten Gang um Danny Ocean sind die Logan- und Bang-Geschwister als waschechte Hillbillies keine Geistesgrößen. Pechvögel sind sie, nach Clydes Theorie über den Fluch der Logans, auch. Da scheint nur das sprichwörtliche Deppenglück den Plan vor einem grandiosen Scheitern bewahren zu können.

Aber, und das kann hier verraten werden, so einfach macht Soderbergh es dann doch nicht für die Logan-Bang-Gang.

Mit seiner Kinorückkehr „Logan Lucky“ hat Steven Soderbergh eine wundervoll leichtfüßige und vertrackte Gaunerkomödie inszeniert, die von ihren Charakteren, dem Milieu und dem Plan lebt. Da ist es egal, dass die minutiös präsentierte und durchgeführte Plan für den Diebstahl in der Realität so wahrscheinlich funktionieren würde.

Die Schauspieler hatten jedenfalls ihren Spaß und in der Originalfassung baden sie im fast unverständlichen regionalen Dialekt von West Virginia und den Appalachen.

Und Soderbergh setzt bei den Credits die Flunkereien, die den gesamten Film beherrschen, fort. Als Peter Andrews war er für die Kamera und als Mary Ann Bernard für den Schnitt zuständig. Das sind zwei von ihm oft benutzte Pseudonyme. Ob Rebecca Blunt ein Pseudonym ist und, wenn ja, wer sich dahinter verbirgt, ist noch unklar. Jedenfalls tritt sie nicht öffentlich auf und die Hauptdarsteller kommunizierten nur elektronisch mit ihr. Es wurde vermutet, dass Soderbergh selbst, oder seine Frau Jules Asner oder der Komiker John Henson das Buch geschrieben haben. Im Presseheft wird, was dann aber eine arg dusselige Enttarnung wäre, Reid Carolin, neben Rebecca Blunt, als Drehbuchautor genannt. Carolin schrieb auch die Bücher für „Magic Mike“ und „Magic Mike XXL“.

Wie heißt es so schön? Alles bleibt in der Familie.

Logan Lucky (Logan Lucky, USA 2017)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Rebecca Blunt

mit Channing Tatum, Adam Driver, Daniel Craig, Seth MacFarlane, Riley Keough, Katie Holmes, Katherine Waterston, Dwight Yoakam, Sebastian Stan, Jack Quaid, Brian Gleeson, Farrah Mackenzie, Hilary Swank

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Logan Lucky“

Metacritic über „Logan Lucky“

Rotten Tomatoes über „Logan Lucky“

Wikipedia über „Logan Lucky“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls” (The Girlfriend Experience, USA 2009)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ (Side Effects, USA 2013)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Liberace – Zu viel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra, USA 2013)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. September: Only Lovers left alive

September 13, 2017

Mitternachtskino (und weil heute „Porto“ mit Anton Yelchin anläuft)

RBB, 23.45

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit gezeigt wird.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


DVD-Kritik: „Boston“ – zur Heimkinoveröffentlichung des grandiosen Thrillers über den Anschlag auf den Boston Marathon 2013

September 13, 2017

Vor einigen Monaten schrieb ich (mit weiteren Videoclips) zum Kinostart von Peter Bergs Thriller „Boston“:

Am 15. April 2013 endet der jährliche Boston Marathon in einem Blutbad. Zwei in Rucksäcken versteckte selbstgebaute Bomben explodieren. Drei Menschen werden getötet. 264 Zuschauer und Läufer teilweise schwer verletzt.

In den folgenden Tagen sucht das FBI und die Polizei die Täter. Es sind die Brüder Dschochar (19 Jahre) und Tamerlan Zarnajew (26 Jahre). Sie stammen aus einer tschetschenisch-awarischen Einwandererfamilie, die 2002 Asyl in den USA beantragt hat.

Tamerlan wird nach einem Schusswechsel mit der Polizei von seinem Bruder getötet. Dschochar wird am 19. April 2013 verhaftet. Er hatte sich in einem Hinterhof in einem Boot versteckt.

Die Bilder des Anschlags und der Verhaftung gingen um die Welt.

Jetzt hat Peter Berg mit „Boston“ (wie der eher nichtssagende deutsche Titel von „Patriots Day“ lautet) einen packenden Thriller darüber gedreht. Wie in seinem vorherigen Film „Deepwater Horizon“, ebenfalls mit Mark Wahlberg, bleibt er nah bei den Fakten und er konzentriert sich auf einen kleinen Teil der großen Geschichte.

In „Deepwater Horizon“ waren es die Stunden vor der Explosion und der anschließenden Rettung der Bohrarbeiter von der brennenden Bohrinsel. Die durch die Explosion verursachte Umweltkatastrophe wird nur im Abspann angesprochen.

In „Boston“ ist es die Jagd auf die beiden Täter. Also die Zeit zwischen Anschlag und Verhaftung, erzählt fast ausschließlich aus der Sicht der beteiligten Polizisten. Weil in der Realität über tausend Beamte von Bundesbehörden, dem Staat Massachusetts und der Stadt Boston direkt in die Ermittlungen involviert waren und kein Beamter an allen entscheidenden Orten war, wurde mit dem von Wahlberg gespielten Boston Police Sergeant Tommy Saunders ein waschechter bodenständig-proletarischer Polizist erfunden, der zufällig fast immer am Ort des Geschehens ist. Das verleiht dem Film eine konventionelle Struktur und auch einen durchgehend präsenten Sympathieträger, der durch die gesamte Geschichte führt, ohne den zahlreichen realen Charakteren, die im Film ebenfalls auftauchen, allzuviel Raum zu nehmen. Denn Berg gibt all den anderen Menschen, die zur erfolgreichen Verhaftung beitrugen, und den beiden Terroristen genügend Raum. Sie alle sind dreidimensionale Charaktere, die von Schauspielern gespielt werden, die den realen Vorbildern sehr ähnlich sehen.

Die Action ist gewohnt gelungen. Das gilt vor allem für die nächtliche Schießerei in Watertown, einer kleinen, verschlafenen Vorstadt von Boston, bei der Beamte von über hundert Einheiten beteiligt waren. Es war eine der größten Schießereien in der Geschichte von Boston. In diesem Minuten zeigt Berg, dass er derzeit einer der wenigen Regisseure ist, die Action-Szenen inszenieren können. Ihm gelingt es, das Chaos der Schießerei so zu inszenieren, dass wir niemals den Überblick über das Geschehen verlieren und gleichzeitig einen Eindruck von dem Chaos bekommen, das damals die Schießerei beherrschte.

Der straff erzählte Thriller endet mit Statements von Ermittlern und Opfern des Anschlags, die eine klare, nicht auf Rache oder Vergeltung ausgerichtete Botschaft haben.

 

Diese Statements der Opfer, Ermittler und Politiker über das Gemeinschaftsgefühl von Boston nach dem Attentat gab es, wie ich jetzt erfahren habe, nur in der Originalfassung. In der deutschen Kinoversion wurden diese vier Minuten herausgekürzt. Sie sind jetzt im Bonusmaterial als „Erweitertes Ende“ enthalten. Warum der deutsche Verleih diese sinnlose und auch die Botschaft des Films verändernde Kürzung vornahm, ist unklar und auch nicht wirklich nachvollziehbar. Immerhin geht es den Machern des Films, um es etwas pathetisch zu sagen, nicht um ‚Hass‘, sondern um ‚Liebe‘ und das füreinander einstehen, was in dem Motto „Boston Strong“ versinnbildlicht wurde. Oder weniger pathetisch, um die Ablehnung des „Auge um Auge“-Prinzips, um Rechtsstaatlichkeit und die Werte, die eine Gemeinschaft im Positiven ausmachen.

Das restliche Bonusmaterial ist mit über hundert Minuten ungewöhnlich lang und, mit sehr wenigen Doppelungen (so im Bereich von einer Minute) ungewöhnlich informativ geraten. Es besteht aus der dreiteiligen, insgesamt zwanzigminütigen Dokumentation „Boston Strong“ (in der der Chirurg Jeffrey Kalish, Dun Meng und Watertown-Polizeichef Jeffrey Pugliese vorgestellt werden) und mehreren Featurettes zwischen fünf und einundzwanzig Minuten. In zwei Featurettes reden die Schauspieler mit den realen Vorbildern: John Goodman mit Boston-Polizeichef Ed Davis (der das Projekt von Anfang an unterstüzte und den Filmemachern etliche Kontakte vermittelte), Jimmy O. Yang mit Dun Meng, der in seinem Auto von den Attentätern als Geisel genommen wurde, flüchten konnte und der Polizei den entscheidenden Hinweis für den Aufenthaltsort der Attentäter und deren nächstes Ziel verraten konnte.

In dem mit fünf Minuten kürzesten Featurette „Die Schauspieler erinnern sich“ erzählen die Hauptdarsteller, wo sie während des Anschlags waren. In den drei anderen Featurettes (von elf, neunzehn und einundzwanzig Minuten) geht es um verschiedene Aspekte der Dreharbeiten und wie die Filmemacher vor dem Dreh recherchierten und wie sehr sie sich der Verantwortung für die Betroffenen und die Stadt Boston bewusst waren. Neben den Schauspielern (wobei Hauptdarsteller und Mitproduzent Mark Wahlberg sehr wenig sagt), Produzenten, Drehbuchautoren und Regisseur Berg sind auch einige der im Film porträtierten Personen in den Featurettes vertreten. Insgesamt vermitteln sie einen sehr guten Einblick in die Dreharbeiten und die Botschaft des Films, der auch beim zweiten Ansehen überzeugt.

Boston (Patriots Day, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Peter Berg, Matt Cook, Joshua Zetumer (nach einer Geschichte von Peter Berg, Matt Cook, Paul Tamasy und Eric Johnson)

mit Mark Wahlberg, Kevin Bacon, John Goodman, J. K. Simmons, Michelle Monaghan, Alex Wolff, Themo Melikidze, Jake Picking, Jimmy O. Yang, Rachel Brosnahan, Christopher O’Shea, Khandi Alexander

DVD

Studiocanal

Bild: 2,40:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Dokumentation „Boston Strong“, Featurettes „Die realen Vorbilder“/“Researching the Day – Der Dreh“/“Boston – Die Stadt der Champions“/“Die Schauspieler erinnern sich“/“Die Helden vor Ort“, Erweitertes Ende, Trailer, Wendecover

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Boston“

Metacritic über „Boston“

Rotten Tomatoes über „Boston“

Wikipedia über „Boston“ (deutsch, englisch) und den Anschlag (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Boston“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016)

 

 


TV-Tipp für den 13. September: Der Babadook

September 13, 2017

Tele 5, 22.10

Der Babadook (The Babadook, Australien 2014)

Regie: Jennifer Kent

Drehbuch: Jennifer Kent

Die alleinerziehende Amelia liest ihrem siebenjährigem, extrem verhaltensauffälligem Sohn Samuel das gruselige Kinderbuch „Mister Babadook“ vor – und dann klopft der Unhold an die Tür.

TV-Premiere eines Horrorfilms mit vertraute Geschichte, die Jennifer Kent allerdings vielschichtig und voller Anspielungen inszenierte. Dafür gab es sehr viel, absolut berechtigtes Lob.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Meisterwerks.

mit Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Ben Winspear

Wiederholung: Donnerstag, 14. September, 23.40 Uhr

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Der Babadook“
Moviepilot über „Der Babadook“
Metacritic über „Der Babadook“
Rotten Tomatoes über „Der Babadook“ (Frischegrad: 98 Prozent)
Wikipedia über „Der Babadook“ 

Meine Besprechung von Jennifer Kents „Der Babadook“ (The Babadook, Australien 2014)


Cover der Woche

September 12, 2017


TV-Tipp für den 12. September: Tatort: Moltke

September 11, 2017

WDR, 22.10

Tatort: Moltke (Deutschland 1988)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Axel Götz, Jan Hinter, Thomas Wesskamp

Roman zum Film: Martin Schüller: Moltke, 2010

Moltke, der seine Mittäter nie verriet, saß neun Jahre im Knast. Jetzt will er seinen Teil von der damaligen Beute haben und seinen Bruder rächen. Kommissar Schimanski, der Moltke eigentlich ganz sympathisch findet, will das Schlimmste verhindern.

„Moltke“ ist der neunzehnte Schimanski-Film und, abgesehen von dem Auftritt von Dieter Bohlen und seiner Musik (damals und heute: Würg.), ein guter „Tatort“, der den Sozialarbeiter Schimanski während der Weihnachtstage auf Hochtouren arbeiten lässt und, aus Schimanskis Sicht, eine zünftige Rachegeschichte im Gangstermilieu erzählt. Dafür gab es, erstmals für einen „Tatort“, den Adolf-Grimme-Preis.

Anschließend, um 23.40 Uhr, jagt Kommissar Haferkamp in dem Tatort „Zweikampf“ einen Entführer. Auch sehenswert.

mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Chiem van Houweninge, Hubert Kramar, Iris Disse, Gerd Silberbauer, Wolfgang Preiss, Jan Biczycki, Jürgen Heinrich, Dieter Bohlen, Ludger Pistor

Hinweise

Tatort-Fundus Kommissar Schimanski 

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Moltke“

Meine Besprechung von Martin Schüllers „Moltke“ (2010)


Wer hat „Boston“ gewonnen?

September 11, 2017

Die Frist ist abgelaufen, die Glücksfee hat sich durch die 111 (Schnapszahl!) Einsendungen gewühlt, Doppelungen aussortiert, den Lostopf fünfmal umgerührt und der glückliche Gewinner der „Boston“-DVD (inclusive Poster) ist

Reinhold H. aus Waldkraiburg.

Ein Filmplakat hat

Dagmar D. aus Süßen

gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch! Die Gewinne sind unterwegs.

Der Actionthriller „Boston“ ist nach „Lone Survivor“ und „Deepwater Horizon“ der dritte Film, den Regisseur Peter Berg und mit Schauspieler Mark Wahlberg als Hauptdarsteller inszenierte. „Boston“ erzählt packend, immer entlang der Fakten und mit grandiosen Actionszenen die wahre Geschichte des Bombenanschlags auf den Boston Marathon am 15. April 2013 und der anschließenden Jagd auf die Täter.

Die einzige wirklich große Abweichung von der wahren Geschichte ist der von Mark Wahlberg gespielte Boston-Cop Tommy Saunders. Er verkörpert die Seele von Boston und er führt, als mehr oder weniger passiver Beobachter, durch die Geschichte.

Die DVD hat über zwei Stunden Bonusmaterial.

Boston (Patriots Day, USA 2016)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Peter Berg, Matt Cook, Joshua Zetumer (nach einer Geschichte von Peter Berg, Matt Cook, Paul Tamasy und Eric Johnson)

mit Mark Wahlberg, Kevin Bacon, John Goodman, J. K. Simmons, Michelle Monaghan, Alex Wolff, Themo Melikidze, Jake Picking, Jimmy O. Yang, Rachel Brosnahan, Christopher O’Shea, Khandi Alexander

DVD

Studiocanal

Bild: 2,40:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Dokumentation „Boston Strong“, Featurettes „Die realen Vorbilder“/“Researching the Day – Der Dreh“/“Boston – Die Stadt der Champions“/“Die Schauspieler erinnern sich“/“Die Helden vor Ort“, Erweitertes Ende, Trailer, Wendecover

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Boston“

Metacritic über „Boston“

Rotten Tomatoes über „Boston“

Wikipedia über „Boston“ (deutsch, englisch) und den Anschlag (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „Boston“

Meine Besprechung von Peter Bergs „Battleship“ (Battleship, USA 2012)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Lone Survivor“ (Lone Survivor, USA 2013)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Deepwater Horizon“ (Deepwater Horizon, USA 2016)

Meine Besprechung von Peter Bergs „Boston“ (Patriots Day, USA 2016)

 


TV-Tipp für den 11. September: Tatort: Blutwurstwalzer

September 11, 2017

RBB, 22.15
Tatort: Blutwurstwalzer (Deutschland 1991, Regie: Wolfgang Becker)
Drehbuch: Horst Sczerba
Markowitz (Günter Lamprecht) versucht den Mord an einem Jugendlichen aufzuklären und Alex (Jürgen Vogel), der seinen toten Freund rächen will, von der Tat abzuhalten. Im Zentrum seiner Ermittlungen steht dabei ein Lokal, in dem ehemalige Fremdenlegionäre sich umfassend um erlebnishungrige Jugendliche kümmern.
Dritter, gewohnt überzeugender Auftritt von Kommissar Franz Markowitz, der in den Neunzigern in Berlin ermittelte und dabei auch die Veränderungen Berlins nach der Wiedervereinigung nachzeichnete. Dieses Mal durfte er sogar – heute undenkbar – zwei Stunden ermitteln.
Wolfgang Becker inszenierte auch „Kinderspiele“, „Das Leben ist eine Baustelle“ und „Good Bye Lenin!“.
mit Günter Lamprecht, Hans Nitschke, Jürgen Vogel, Harald Kempe, Ralf Richter, Iris Disse, Heinz Hoenig
Hinweise
Filmportal über „Blutwurstwalzer“
Tatort-Fundus über Kommissar Markowitz

Meine Besprechung von Wolfgang Beckers Daniel-Kehlmann-Verfilmung „Ich und Kaminski“ (Deutschland/Belgien 2015)