Druckfrisch durchgeblättert: Das „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“

April 8, 2020

Seit der „Filmdienst“, die 1949 von der Katholischen Filmkommission für Deutschland gegründete Filmzeitschrift, zum Filmkulturportal filmdienst.de umgestellt wurde, wurden auch beim jährlichen „Lexikon des internationalen Films“ einige Kleinigkeiten geändert. So gab es in der Redaktion einen größeren, für den Inhalt unbedeutenden personellen Wechsel und der Teil des Lexikons mit den längeren Berichten wurde deutlich ausgeweitet. Von früher um die hundert Seiten auf um die zweihundert Seiten. Das ‚Lexikon der Filme‘, also die kritisch kommentierte alphabetische Auflistung aller in Deutschland im Berichtsjahr im Kino und TV erstmals gezeigten und auf DVD und bei Streaming-Anbietern erstmals veröffentlichten Spiel- und Dokumentarfilme, bildet immer noch das umfangreiche Herz des Lexikons. Und die fast eintausendvierhundert Kurzkritiken sind gewohnt zuverlässig.

Eine kleine Änderung ist, dass die Jahreszahlen im Titel geändert wurden. Jetzt stehen das Veröffentlichungsjahr („2020“) und das Berichtsjahr („2019“) gleichberechtigt nebeneinander. Das ist in Richtung Verkauf sicher die klügere Lösung. Früher stand das Berichtsjahr groß im Titel und das Erscheinungsjahr klein auf dem Umschlag. Die schon seit Jahren eingestellten Filmlexika des Fischer- und des Heyne-Verlags hatten immer das Erscheinungsjahr groß auf dem Cover stehen gehabt.

Wie jedes Jahr gibt es eine von den Filmdienst-Kritikern ausgewählte Liste mit den besten Kinofilmen des letzten Jahres. Diese Liste umfasst, wie letztes Jahr, zwanzig Werke:

Parasite

Porträt einer jungen Frau in Flammen

The Irishman

Burning

Systemsprenger

La Flor (ein vierzehnstündiges Epos, das auf einigen Festivals und später in wenigen Kinos lief; – aber Arte wird uns das Werk sicher irgendwann in seiner ganzen Pracht zeigen)

The Favourite – Intrigen und Irrsinn

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Border

Ich war zuhause, aber…

The Sisters Brothers

Wir

Joker

High Life

Leid und Herrlichkeit

Vox Lux

Lara

Once upon a time in…Hollywood

Bis dann, mein Sohn

Sunset

Außerdem werden fünfzehn bemerkenswerte Serien vorgestellt. Unter anderem „Chernobyl“, „Der Pass“ und „Catch-22“.

Ergänzt werden diese längeren Kritiken um Porträts von Filmschaffenden (wie Sylvester Stallone, Dino de Laurentis, Lino Ventura [zu seinem hundertsten Geburtstag; das Porträt erinnerte mich daran, mir wieder einen Film mit ihm anzusehen.], Barry Jenkins, Bong Joon-ho, Jan-Ole Gerster, Francois Ozon und Yorge Lanthinos), Nachrufe, aktuelle Trends aus der Filmbranche und Auflistungen wichtiger Filmpreise.

Damit ist die aktuelle Ausgabe des Jahrbuchs des „Lexikons des internationalen Films“ für Filmfans gewohnt essentiell. Auch wenn beim Blättern die Liste der Unbedingt-zu-sehen-Filme wieder wächst.

Zum Glück kenne ich schon fast alle Filme der Top-20-Liste. Das ist schon einmal ein guter Anfang.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2019/2020

Schüren, 2020

544 Seiten

28,00 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2017“


TV-Tipp für den 8. April: Der Überläufer – Teil 1 (+ Buch- und DVD-Hinweis)

April 8, 2020

ARD, 20.15

Der Überläufer – Teil 1 (Deutschland/Polen 2020)

Regie: Florian Gallenberger

Drehbuch: Bernd Lange, Florian Gallenberger

LV: Siegfried Lenz: Der Überläufer, 2016

Zweiteilige Verfilmung von Siegfried Lenz‘ posthum erschienenem Roman „Der Überläufer“, den er schon 1951, ganz am Beginn seines Schriftstellerlebens, schrieb.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Wehrmachtssoldat Walter Proska. Im Sommer 1944 stößt er nach einem Heimaturlaub zu einem einsam im sumpfigen polnischen Niemandsland gelegenem Posten, der die Bahnstrecke an die Front sichern soll. Partisanen belagern sie, während sie selbst sich gegenseitig nerven. Später (in der zweiten Hälfte des Romans und im zweiten Teil des Films) wechselt Proska die Seiten und kämpft auf der Seite der Roten Armee gegen deutsche Soldaten. Nach dem Krieg arbeitet er weiter für sie – und er sucht noch immer seine große Liebe Wanda, eine junge Polin und Partisanin, die er zum ersten Mal traf, als sie einen Zug, in dem er mitfuhr, in die Luft jagen wollte.

Diese Liebesgeschichte nimmt im Film einen größeren Raum als im Roman ein. Dabei wird sie auch unglaubwürdiger. Einerseits weil ich Jannis Niewöhner und Malgorzata Mikolajczak nie das Liebespaar abkaufte, andererseits weil Wanda immer auch etwas als eine nicht von dieser Welt stammende Traumgestalt inszeniert wird. Sie ist mehr eine Fantasie als eine reale Person, die als Partisanin gegen Nazis kämpft.

Bernd Lange (Drehbuch) und Florian Gallenberger (Drehbuch, Regie) folgen vor allem im ersten Teil Siegfried Lenz‘ skizzenhaftem und episodischen Roman sehr genau. Sie übernehmen, bis auf wenige Ausnahmen, alle Szenen und viele Dialoge direkt aus dem Buch. Damit überträgt sich auch der alptraumhafte Stillstand aus dem Roman auf den Bildschirm.

Im zweiten Teil, wenn der Roman noch skizzenhafter wird, füllen sie Lücken aus, erfinden Episoden, legen auch eigene Schwerpunkte und präsentieren ein 1956 in Hamburg spielendes Ende, das sich von dem Romanende unterscheidet.

Am Ende ist „Der Überläufer“ gediegene TV-Unterhaltung, die brav dem Roman und seinem rätselhaftem Protagonisten, der sich durch die einzelnen Episoden treiben lässt, folgt.

Dabei hätte man vor allem aus der ersten Hälfte von „Der Überläufer“ einen experimentellen Alptraum im Geist von „Apocalypse Now“ machen können. Das waren jedenfalls die Bilder, die ich beim Lesen im Kopf hatte.

Der zweite Teil (mit Ulrich Tukur in einem kurzen Auftritt) wird am Freitag, den 10. April, um 20.15 Uhr gezeigt.

mit Jannis Niewöhner, Malgorzata Mikolajczak, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Florian Lukas, Katharina Schüttler, Alexander Beyer, Leonnie Benesch, Ulrich Tukur

Wiederholung: Donnerstag, 9. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Siegfried Lenz: Der Überläufer

Hoffmann und Campe, 2016

368 Seiten

25 Euro

Taschenbuch-Ausgabe, jetzt mit Filmcover

Atlantik, 2020

12 Euro

Die DVD (und Blu-ray)

mit fünfzig Minuten Bonusmaterial angekündigt für den 8. Mai 2020

Pandastorm

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch DD 2.0

Untertitel: –

Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Cast & Crew

Länge: 171 Minuten (2 x 85 Minuten)

FSK: ? (wahrscheinliche ab 12 Jahre)

Hinweise

Das Erste über „Der Überläufer“

Pandastorm über „Der Überläufer“

Filmportal über „Der Überläufer“

Moviepilot über „Der Überläufer“

Wikipedia über „Der Überläufer“ (Verfilmung) und Siegfried Lenz

Hoffman und Campe über Siegfried Lenz

Offizielle deutsche Homepage von Siegfried Lenz

Perlentaucher über Siegfried Lenz‘ „Der Überläufer“

Meine Besprechung von Florian Gallenbergers „Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“ (Deutschland/Luxemburg/Frankreich 2015)

Meine Besprechung von Christian Schwochows Siegfried-Lenz-Verfilmung „Deutschstunde“ (Deutschland 2019)


Über Michael Kraskes „Der Riss – Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört“

April 2, 2020

Nach der Wende machte Michael Kraske sich von Iserlohn auf den Weg nach Osten. In Leipzig studierte er Politikwissenschaft und begann als Journalist zu arbeiten. In den vergangenen Jahren schrieb er für die Zeit, Spiegel Online und Reader’s Digest unzählige Reportagen über den Osten und wie er sich veränderte.

In „Der Riss – Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört“ schreibt er jetzt ein ganzes Buch darüber. Er schreibt eindrücklich über seine Begegnungen mit Menschen, die im Osten leben. Viele von ihnen engagieren sich, oft gegen große Widerstände, in Demokratieprojekten. Andere, die zu Pegida-Aufmärschen gehen oder die AfD wählen, wollen nicht reden. Er schreibt über die bekannten Ost-Personen, deren Positionen entsprechend bekannt sind. Mit einigen traf er beim Schreiben von Reportagen zusammen, mit anderen saß er auf dem Podium.

So entsteht ein durchaus facettenreiches Bild des Ostens, das für den informierten Zeitungsleser nicht frei von Déjà-Vu-Erlebnissen ist.

Michael Kraske: Der Riss – Wie die Radikalisierung im Osten unser Zusammenleben zerstört

Ullstein, 2020

352 Seiten

19,99 Euro

Hinweise

Michael Kraske beim Mediendienst Ost

Michael Kraske twittert

Ullstein über Michael Kraske


„Im Namen der Lüge“ lassen wir die RAF auferstehen

April 1, 2020

Melia Khalid ist Referatsleiterin für Linksextremismus beim Verfassungsschutz und, wie ihr Name verrät, ist sie migrantischstämmig. Das macht sie schon auf den ersten Blick zu einer ungewöhnlichen Beamtin. Vor allem weil der Verfassungsschutz, wie Horst Eckert in seinem neuen Polit-Thriller „Im Namen der Lüge“ mehrmals betont, eine Männerbastion ist und die Mitarbeiter in ihren politischen und gesellschaftlichen Einstellungen alle etwas konservativ sind. Die Gefahr für den Staat kommt für sich notorisch von links. Daher schrillen bei ihnen auch die Alarmglocken, als ein Pamphlet auftaucht, das von einer neuen RAF faselt und zum bewaffneten Kampf aufruft.

Khalid, die von dem Papier erst durch einen Kollegen erfährt, soll herausfinden, ob das Papier echt ist. Also ob sich wirklich, unterstützt von der linksradikalen Szene, eine neue RAF-Generation im Untergrund formiert. Und sie soll Jens Nickel wieder als V-Mann anheuern. Er ist in Düsseldorf inzwischen Inhaber einer finanziell notleidenden linken Buchhandlung. Nickel behauptet, sie mit wertvollen Informationen versorgen zu können. Khalid glaubt das nicht und als sie mehr über Nickels Vergangenheit als Linksradikaler und Spitzel erfahren will, stellt sie fest, dass genau diese über zwanzig Jahre alten Akten verschwunden sind. Ihre Bedenken hindern sie nicht daran, Nickels Buchhandlung als linkes Zentrum aufzubauen und Konflikte zu schüren, die die neue RAF zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung machen.

Zur gleichen Zeit ermittelt Vincent Veih, den langjährige Horst-Eckert-Fans bereits aus mehreren Romanen kennen, in einem neuen Mordfall. Dieses Mal wurde ein Journalist, der undercover in der rechten Prepper- und Reichsbürgerszene ermittelte, ermordet. Veih glaubt nicht, dass es sich um eine Beziehungstat handelt.

Mit 576 Seiten ist Horst Eckerts neuer Polit-Thriller „Im Namen der Lüge“ sein seitenstärkstes Buch. Weil seine früheren Bücher ein anderes Layout haben, ist ein schneller direkter Vergleich nicht möglich. Und auch nicht nötig. Denn ob jetzt dieses oder jenes Buch etwas dicker ist, ist egal. Wichtiger ist der Inhalt. Und der stimmt auch dieses Mal. Gewohnt nah an den Schlagzeilen entwickelt Eckert seinen Thriller, in dem schnell die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Zur Freude langjähriger Eckert-Fans tauchen auch einige aus seinen früheren Romanen bekannte Figuren wieder auf. Die meisten, wie der Boulevardreporter Alex Vogel, haben dabei nur einen kurzen Auftritt. Vincent Veih hat dieses Mal nur die zweite Hauptrolle. Eckert schrieb mehrere Romane mit ihm als Protagonisten und seine ebenso farbenfrohe, wie problematische Biographie wurde zunehmend zu einem Problem. Denn jeder Vincent-Veih-Krimi war auch um diese Biographie herumgestrickt. Jedes Mal ging es um die Beziehung zu seinem Nazi-Großvater, der ihn erzog, und zu seiner Mutter, die als linke Terroristin gegen das System kämpfte, niemals ihre Kameraden verriet, jetzt als Künstlerin Erfolg hat und immer noch viele Freunde aus ihrer Zeit als Terroristin hat. Sie alle tauchen mehr oder weniger ausführlich in jedem Veih-Roman auf. Auch in der zweiten Hälfte von „Im Namen der Lüge“ wird dies wichtig. Denn selbstverständlich gerät sie als ehemalige Terroristin in den Fokus der Ermittlungen. Und ebenso selbstverständlich helfen Veihs Mutter und ihre Kampfgefährten ihren im Untergrund lebenden RAF-Freunden, die sich mit Überfällen auf Geldtransporter über Wasser halten. Als ein Mitglied der RAF-Rentnergang tot im Kofferraum eines Autos gefunden wird, wird diese Ehemaligenhilfe zu einem Fall für Veih.

Wie immer – und das ist die gute Nachricht – verknüpft Eckert gekonnt die verschiedenen Erzählstränge und enthüllt langsam das schon im Klappentext angedeutete Komplott von Rechts. Angesichts der realen Arbeit des Verfassungsschutzes – ich sage nur NSU und Hans-Georg Maaßen – wirkt das von Eckert entworfene Komplott gar nicht so wahnsinnig fiktiv. Eckert benutzt dabei, wie die grandiosen Siebziger-Jahre-Politthriller, Verschwörungstheorien um über Missstände und Fehlentwicklungen aufzuklären. Und das tut er gewohnt spannend.

Horst Eckert: Im Namen der Lüge

Heyne, 2020

576 Seiten

12,99 Euro

Hinweise

Homepage von Horst Eckert

Meine Besprechung von Horst Eckerts „617 Grad Celsius“ (2005)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Königsallee“ (2007)

Meine Besprechung von Horst Eckerts “Sprengkraft” (2009)

Kriminalakte: Interview mit Horst Eckert über „Sprengkraft“

Meine Besprechung von „Niederrhein-Blues und andere Geschichten“ (2010)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzer Schwan“ (2011)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schwarzlicht“ (2013)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Schattenboxer“ (2015)

Meine Besprechung von Horst Eckerts „Wolfsspinne“ (2016)


Böse Frauen (?): In Jodorowsky/Ladrönns „Die Söhne von El Topo: Abel“ trifft Lilith

März 30, 2020

Eine richtig böse Frau ist Lilith in Alejandro Jodorowskys „Die Söhne von El Topo: Abel“ nicht. Sie ist zwar ziemlich böse, herrisch und geldgierig, aber vor allem ist sie eine meist spärlich bis unbekleidete vollbusige Männerphantasie. Und damit passt sie perfekt in die mit christlichen Motiven vollgestopfte Welt einer in einer vulgären Italo-Western-Fantasiewelt spielenden Geschichte, die die Geschichte von „El Topo“ weitererzählt.

In den frühen Siebzigern hatte Alejandro Jodorowsky mit seinem psychedelischen Western „El Topo“ einen weltweiten Erfolg. Vor allem in den sogenannten Mitternachtskinos erfreute er sich großer Beliebtheit. Jodorowsky lieferte einfach die perfekten Bilder zum Trip. Schon damals wollte er eine Fortsetzung von seinem Kultfilm drehen. Im Lauf der Jahre zerschlugen sich alle Pläne. Auch die von ihm lange geplante Comicversion von „Die Söhne von El Topo“ kam erst 2016 zustande, als er José Ladrönn traf.

Im ersten „Die Söne von El Topo“-Comic „Kain“ konzentrierte er sich auf den titelgebende Kain, der als Kind von seinem Vater zurückgelassen wurde und sich als Erwachsener dafür rächen wollte.

Im zweiten Band erzählt Jodorowsky eine überraschend stringente Reisegeschichte, in der die beiden Brüder Kain und Abel zur Heiligen Insel reisen wollen. Abel will dort, am Grab seines Vaters, seine Mutter, eine Heilige, beerdigen. Kain, der böse Bruder, will dagegen die Goldenen Menhire. Und Lilith soll ihm dabei helfen.

Wenn sie die gefahrvolle Reise überleben.

Fortsetzung erbeten.

Alejandro Jodorowsky/José Ladrönn: Die Söhne von El Topo: Abel (Band 2)

(übersetzt von Monja Reichert)

Panini, 2020

72 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Glénat Editions, 2019

Hinweise

Homepage von José Ladrönn

Wikipedia über Alejandro Jodorowsky (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alejandro Jodorowskys „Die Söhne von El Topo: Kain (Band 1)“ (2017)

Meine Besprechung von Alejandro Jodorowskys „Endless Poetry“ (Poesía sin fin, Frankreich/Chile 2016)


„Die Welt braucht den Westen“, braucht sie auch „Neue linke Mehrheiten“?

März 27, 2020

Wie einige Wochen alles verändern können. Katja Kippings „Neue linke Mehrheiten“ erschien vor einigen Tagen. Thomas Kleine-Brockhoffs „Die Welt braucht den Westen“ bereits im Herbst. Die Links zu den zitierten Texten wurden zuletzt am 12. Juli 2019 geprüft. Doch mitten in der Coronavirus-Pandemie scheinen beide Werke Antworten auf Fragen zu geben, die heute niemand mehr interessieren. Das trifft natürlich nur insofern zu, dass gerade ein anderes Problem ganz oben auf der politischen Tagesordnung steht und für die nächsten Wochen die alten Konflikte verdrängt. Dabei können (und sind) die Antworten, die Kipping und Kleine-Brockhoff geben, auch für die unmittelbare Gegenwart wichtig und insgesamt richtig. Es geht um mehr Kooperation, um soziale Absicherung und einen realistischen Blick auf die Welt.

Katja Kipping ist Vorsitzende der Linken, Bundestagsabgeordnete und steht der Emanzipatorischen Linken nah. Ihr Büchlein – es hat nur 96 Seiten und das Format eines Reclam-Buches – nennt sie selbst eine „Flugschrift“. Auf dem Cover wird es, ähnlich bescheiden, „Eine Einladung“ genannt. Es soll eine Einladung für linke parlamentarische Mehrheiten sein, also für das Projekt Rot-Rot-Grün. Diese Koalition von SPD, Linke und Bündnis 90/Die Grünen soll natürlich mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Kippings Analyse bewegt sich dabei in dem von der Linkspartei vertrautem Raster, in dem vor allem der Kapitalismus der Gegner ist. Bekämpft wird er mit den Instrumenten eines ausgebauten Sozialstaats, wie soziale Garantien, bezahlbare Mieten, Arbeitszeitverkürzungen, ein gerechtes Bildungssystem und Steuererhöhungen für die Reichen. Bürgerrechte, Umweltschutz und auch die Veränderungen durch die Digitalisierung erwähnt sie dagegen kaum.

So ist Kippings Aufruf für neue linke Mehrheiten vor allem im alltäglichen politischen Kleinklein verhaftet und deutlich weniger zupackend optimistisch visionär in die Zukunft gerichtet, als es für einen Aufbruch in eine andere Gesellschaft nötig wäre. Es gibt auch kaum eindrückliche, positive Bilder die diese neuen linken Mehrheiten zu einer wünschenswerten Utopie machen.

Die im Moment bekannten Protestgruppen, wie „Fridays for Future“, werden genannt, schon etwas ältere, wie „Occupy Wall Street“, werden dagegen vergessen. Es fehlen selbstverständlich nicht die Spitzen gegen SPD und Grüne. Und die Berliner Rot-Rot-Grüne-Regierung wird gelobt, aus einem Details übersehendem Adlerblick.

Das macht „Neue linke Mehrheiten“ dann weniger zu einer Einladung für neue linke Mehrheiten, sondern mehr zu einer längeren Parteitagsrede, die zu sehr in der Gegenwart (bzw. im Moment in der Vergangenheit) verhaftet ist. Die Zukunft, die sie erreichen möchte, wird dagegen kaum skizziert.

Und, ironischerweise, ist die aktuelle Antwort der Bundes- und Landesregierungen sehr nah an Kippings Forderungen. Am Ende der Coronavirus-Krise könnte, auch befeuert durch Forderungen aus der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft, genau diese Gesellschaft stehen, in der Menschen weniger arbeiten, mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen und der Sozialstaat ausgebaut wird. Es kann auch einen Schub für den Umweltschutz geben. Denn was gibt es schöneres, als an einem lauen Frühlingsabend mit seinem Fahrrad über eine breite Straße zu radeln ohne Angst vor gehirnamputierten Autofahrern zu haben?

Während Kipping die ’neuen linken Mehrheiten‘ primär im Nationalstaat sucht und daher kaum etwas über die Europäische Union und die internationale Politik schreibt, ist das das Thema von Thomas Kleine-Brockhoffs etwas umfangreicherem „Die Welt braucht den Westen“.

Thomas Kleine-Brockhoff, früher lange Jahre Journalist bei der „Zeit“, heute Vizepräsident und Berliner Büroleiter des German Marshall Fund of the United States, knüpft an die populäre Diagnose an, dass die Zeit des Liberalismus und der liberalen Weltordnung vorbei sei. Festgemacht wird diese Diagnose normalerweise an dem Aufstieg Chinas, wo ein steigendes Einkommen nicht zu einer liberaler-demokratischen Gesellschaft führte, und dem Aufstieg nationalistischer Populisten, die ein Zurück zum alten Nationalstaatsmodell predigen. Ihre politische Agenda ist geprägt von Nationalismus, Rassismus, Fremdenhass, dem Abbau von Bürgerrechten, dem Bestreiten universeller Menschenrechte und einer Verachtung internationaler Institutionen und damit verbundener länderübergreifender Regel. Prominentester Vertreter dieser Denkrichtung ist Donald J. Trump. Er ist mit seiner „America first“-Politik auch der emsigste Totengräber der US-amerikanischen Hegemonie.

Liberalismus ist für Kleine-Brockhoff in seinem Buch das Synonym für „liberale Demokratie“, also für eine Regierungsform und einen damit verbundenen Wertekanon, wozu die Rede-, Versammlungs-, Religions- und Pressefreiheit, Minderheitenschutz, freie und geheime Parlamentswahlen, die Gewaltenteilung und das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit, vulgo eine unabhängige Justiz, gehören. Als ‚liberale internationale Ordnung‘ bezeichnet er das Gefüge internationaler Zusammenarbeit, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg etablierte und die internationalen Beziehungen zunehmend verrechtlichte. Staaten gaben Souveränität (die es in der Realität nie gab) zugunsten von Rechtssicherheit ab. Es war eine Abkehr vom ‚Recht des Stärkeren‘.

In den vergangenen Jahren, eigentlich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende des Kalten Kriegs trat diese Ordnungsvorstellung einen Siegeszug an. Die Annahme war, dass der Liberalismus sich weltweit durchsetzt.

Das geschah nicht. Stattdessen kam es in den vergangenen Jahren zu einer Renaissance eines populistisch geprägten Nationalismus, der dieses Modell entschieden ablehnt. Und China entwickelte sich, entgegen den Erwartungen, in den vergangenen Jahren nicht zu einer Demokratie.

In dieser Situation fordert Thomas Kleine-Brockhoff einen „robusten Liberalismus“: „Es denkt den Westen neu, indem es sehr wohl auf den Prinzipien der Freiheitlichkeit besteht, zugleich aber die liberale Überdehnung beendet und den demokratischen Bekehrungseifer einhegt. Robuster Liberalismus setzt auf einen Universalismus, der weniger verspricht und mehr hält. Er zieht gerade aus der Selbstbegrenzung sein Selbstbewusstsein und seine Überzeugungskraft. In einem zunehmend spannungsgeladenen Umfeld stattet er sich mit stabilen Institutionen, soliden Regeln und Instrumenten zur Selbstverteidigung aus.“

Dieser robuste Liberalismus soll mit einem realistischen Blick auf Gegenkräfte und die eigenen Möglichkeiten versuchen liberale Werte durchzusetzen. Es ist ein sowohl-als-auch-Denken mit einem realistischen Blick auf die Durchsetzbarkeit. Also auf die ökonomische, militärische und kulturelle Macht, die ein Staat hat. Und da hat ein Zusammenschluss von Staaten, wie die Europäische Union, ziemlich viel Macht, die sie jetzt einsetzen muss.

Inwiefern diese Macht zur Durchsetzung von Menschenrechten genutzt wird, ist eine andere Frage. Auch hier, also beim Flüchtlingsschutz und bei militärischen Interventionen, die in den vergangenen Jahrzehnten auch an die Durchsetzung von Menschenrechten gekoppelt waren beziehungsweise zur Beendigung von Menschenrechtsverletzungen gefordert wurden, empfiehlt Kleine-Brockhoff seinen robusten Liberalismus. D. h. einen engen Flüchtlingsbegriff und weniger militärische Interventionen. Es geht ihm, wie er auch im Umgang mit der Wirtschaftsmacht China ausführt, darum, liberale und kollektiv verbindliche Regeln gegen Trittbrettfahrer zu schützen und zu verteidigen.

Inwiefern das jetzt geschieht, wird man in einigen Monaten wissen. Aber immerhin gibt es nach ersten, panisch-egoistischen Aktionen von Nationalstaaten (und der aktuellen Verhinderung einer gemeinsamen Erklärung zur Coronavirus-Pandemie durch die USA, weil sie den Virus unbedingt „Wuhan-Virus“ nennen wollte), positive Anzeichen. Die Wissenschaft zeigt, dass ein Gegenmittel nur in internationaler Zusammenarbeit und größtmöglicher Transparenz von Forschungsergebnissen gewonnen werden kann. Staaten, Bundesländer und Städte helfen sich gegenseitig. Auch über Landesgrenzen hinweg. Und die Grenzschließungen für Pendler und Saisonarbeiter werden in der EU kritisiert.

Katja Kipping: Neue linke Mehrheiten – Eine Einladung

Argument, 2020

96 Seiten

8 Euro

Thomas Kleine-Brockhoff: Die Welt braucht den Westen – Neustart für eine liberale Ordnung

Edition Körber, 2019

208 Seiten

18 Euro

Hinweise

Homepage von Katja Kipping

Perlentaucher über „Neue linke Mehrheiten“ und „Die Welt braucht den Westen“

Wikipedia über Katja Kipping und Thomas Kleine-Brockhoff


Böse Frauen: „Young God“ von Katherine Faw

März 25, 2020

Das also ist der erste Band der Taschenbuchreihe des Polar-Verlags, die unter dem Motto „Dark Places“ steht. Das Motto und die Erklärung dafür (‚an die äußeren und inneren dunklen Orte führen‘, ‚an die finsteren Plätze in uns, die über Gut und Böse entscheiden‘, ‚Einblicke in das soziale, moralische und politische Klima der Zeit gewähren‘) trifft auch auf die anderen, durchgehend lesenswerten Bücher des Polar-Verlags zu.

Das erste was bei dem Reihenauftakt, Katherine Faws „Young God“, auffällt, ist das im Vergleich zu den anderen Polar-Büchern lieblos-austauschbare Cover. Es ist ein Cover, das mich an einen BoD-Verlag erinnert, der einen Regiokrimi in der örtlichen Buchhandlung verkaufen will. Dabei ist das Cover von Britta Kuhlmann gestaltet, die auch für die anderen, durchweg gelungenen und einprägsamen Polar-Covers zuständig ist.

Das Buch selbst ist dagegen alles andere als austauschbar und definitiv kein Krimi für Regiokrimifans. Katherine Faw erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte der dreizehnjährigen, in North Carolina lebenden Nikki.

Als ihre Mutter bei einem Badeunfall stirbt, flüchtet Nikki zu ihrem Vater Coy Hawkins. Er war der größte Koksdealer im County. Jetzt, nach einer verbüßten Haftstrafe, lebt er auf einem abgelegenen Hof in einem Trailer. Er ist nur noch ein Schatten seines früheren Ichs. Gerade so hält er sich finanziell über Wasser, indem er den Zuhälter für die minderjährige Angel spielt. Besonders toll ist dieses Leben nicht, aber für Nikki ist es ein bedeutend besseres Leben als in einem Jugendheim.

Schnell überlegt sie, wie sie ihr Leben verbessern kann. Als erstes schlägt sie ihrem Vater vor, der Zuhälter von mehreren Mädchen zu sein. Als das nicht wie geplant funktioniert, will sie, zusammen mit ihrem Vater, einen Drogendealer ausrauben.

Young God“ ist ein Country-Noir, der natürlich sofort an Daniel Woodrells „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006) erinnert. In dem, auch erfolgreich verfilmten Roman sucht die sechzehnjährige Ree ihren untergetauchten, wahrscheinlich toten Vater, der ihr Haus für seine Kaution verpfändete. In „Der Tod von Sweet Mister“ (The Death of Sweet Mister, 2001) erzählte er die Geschichte eines dreizehnjährigen, in den Ozarks lebenden Jungen, der von seinem Vater zu Einbrüchen angestiftet wird. Beide Bücher sind natürlich unbedingte Leseempfehlungen.

Neben dem jugendlichen Protagonisten, dem Handlungsort (das US-amerikanische Hinterland) und dem White-Trash-Milieu gibt es noch eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Woodrell und Katherine Faw. Beide schreiben extrem kurze Bücher. Bei Faw entstand dies aus einer enormen Verknappung. Die erste Fassung von „Young God“ hatte über hunderttausend Worte. Sie war allerdings nicht zufrieden damit und begann alles, was irgendwie unwichtig war, zu streichen. Am Ende blieben, im Original, zweiundzwanzigtausend Worte übrig. Die Sprache ist nüchtern. Lakonisch. Manchmal stehen nur wenige Worte auf einer Seite. Die transportieren dann alle wichtigen Informationen, während der Leser den Rest mühelos ergänzen kann.

Außerdem führt diese Kondensierung dazu, dass Faw Nikkis Geschichte unerbittlich und mit rasender Geschwindigkeit voran treibt. Von der Lesegeschwindigkeit ist „Young God“ ein richtiger Pageturner.

Am Ende der Geschichte hat Nikki eine Zukunft, die keine Zukunft ist.

Kirsten Reimers hat ein lesenswertes Nachwort geschrieben, das allerdings erst nach der Lektüre des schmalen Noirs gelesen werden sollte. Denn sie verrät darin die gesamte Geschichte.

Der zweite Band der „Dark Places“-Reihe, „Preisregen“ von Ron Corbett, ist bereits erschienen. Für den Herbst sind „Eiskalter Abschied“ von Marcello Fois, „Stoneburner“ von William Gay und „Tin Men“ von Mike Knowles angekündigt.

Katherine Faw: Young God

(übersetzt von Alf Mayer)

Polar, 2020

232 Seiten

12 Euro

Originalausgabe

Young God

Farrar, Straus and Giroux, New York, 2014

Hinweise

Wikipedia über Katherine Faw

Polar: Interview mit Katherine Faw (Vorsicht. Es wird auch über das Ende geredet)


Böse Frauen: „Die Alte“ von Hannelore Cayre

März 25, 2020

Patience Portefeux ist eine Übersetzerin bei der Polizei. Für Arabisch. Normalerweise übersetzt sie die Telefonate von Drogenhändlern mit ihren Freunden und Familien. Vom Leben ist sie ziemlich angepisst. Früher hatte sie viel Geld. Ihre Eltern verdienten es unter großzügiger Missachtung aller Gesetze. Steuern wurden nicht bezahlt und im Sozialsystem wurde sich nicht angemeldet. Inzwischen ist das Geld weg. Patiences beiden Töchter sind aus dem Haus, das nur noch eine kleine Mietwohnung ist. Patiences Mutter ist in einem Altersheim, für das Patience ihr sauer verdientes Geld ausgibt. Kurz: ihr gesamtes Leben ist beschissen und es gibt keine Möglichkeit, das in absehbarer Zeit zu ändern.

Bis Patience bemerkt, dass einer der Drogenhändler, der überwacht wird, der Sohn einer Pflegerin ihrer Mutter ist. Und weil ihr diese Pflegerin sympathisch ist, hilft Patience ihr. Sie gibt Khadidja spontan Informationen, die eine geplante Verhaftung von ihrem Sohn Afid mit der großen Drogenlieferung verhindern.

Kurz darauf sitzt Afid im Gefängnis und Khadidja ist tot. Patience sucht und findet die von Afid versteckten Drogen. Sie lagert sie in ihrem Kellerraum zwischen und beginnt sie zu verkaufen. Dank der von ihr übersetzten Telefonate hat ‚die Alte‘, wie sie von jungen Dealern genannt wird, die Namen von potentiellen Käufern, kennt die Preise und weiß, wie die Polizei arbeitet.

Mit „Die Alte“ kehrt Hannelore Cayre furios auf den deutschen Buchmarkt zurück. Vor über zehn Jahren erschienen im Unionsverlag ihre ersten beiden Romane „Der Lumpenadvokat“ und „Das Meisterstück“ mit dem Winkeladvokaten Christophe Leibowitz, der zu unserem Lesevergnügen eine sehr legere Rechtsauffassung hatte.

Dem Milieu der Strafverfolgung bleibt die frühere Strafverteidigerin Cayre in ihrem neuen Roman treu. Auch wenn ihre Erzählerin Patience Portefeux als schlecht bezahlte Übersetzerin die Strafverfolgung nur von der Seitenlinie aus betrachtet. Und so ein richtiger Kriminalroman ist „Die Alte“ auch nicht. Es ist die Lebensbetrachtung einer Mittfünfzigerin, die mehr durch Zufall, in kriminelle Geschäfte verwickelt wird und, teils chronologisch, teils assoziativ in der Zeit springend, ihr Leben erzählt und dabei mit der ungerechten französischen Gesellschaft abrechnet. Dabei zeichnet sie das Bild einer Gesellschaft, in der sich alles um Geld dreht und niemand die Gesetze mehr als unbedingt nötig beachtet.

Inzwischen wurde Cayres Noir von Jean-Paul Salomé („Arsène Lupin“, „Female Agents – Geheimkommando Phoenix“) verfilmt. Das Drehbuch ist von Hannelore Cayre, Antoine Salomé und Jean-Paul Salomé. Isabelle Huppert übernahm die Hauptrolle. Als aktueller französischer Kinostart wird im Moment der 15. Juli genannt. Ein deutscher Kinostart steht noch in den Sternen. Und der internationale Titel ist, nicht unpassend, „Mama Weed“.

Hannelore Cayre: Die Alte

(übersetzt von Iris Konopik)

Argument Verlag, 2019

208 Seiten

18 Euro

Originalausgabe

La daronne

Éditions Métailié, Paris 2017

Hinweise

Wikipedia über Hannerlore Cayre

Perlentauche über „Die Alte“

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“ (Commis d’office, 2004)

Meine Besprechung von Hannelore Cayres „Das Meisterstück“ (Toiles de maitre, 2005)


Frank Göhre kehrt zurück mit „Verdammte Liebe Amsterdam“

März 16, 2020

Zehn Jahre sind seit seinem letzten Roman „Der Auserwählte“ vergangen. In der Zeit überarbeitete und schrieb Frank Göhre Essays über Krimiautoren, Hamburg und das Verbrechen in Buch und Film. Zusammen mit Alf Mayer schrieb er Bücher über die Krimiautoren Ed McBain und Elmore Leonard. Und er wurde älter. Inzwischen ist der 1943 geborene Wahlhamburger und Kiez-Chronist in einem Alter, in dem man, erstens, nicht mehr unbedingt einen neuen Roman erwartet und, zweitens, ihn mit der gebotenen Skepsis zwischen unendlicher Freude über ein neues literarisches Lebenszeichen eines bewunderten Autor, und der Angst, dass das Werk im besten Fall eine nette, aber letztendlich verzichtbare Wiederholung altbekannter Topoi, die noch einmal präsentiert und für die Nachwelt archivarisch sortiert werden, oder, im schlimmsten Fall, ein Totaldesaster ist. In den letzten Jahren quälte ich mich da durch einige Werke. Frank Göhres neuer Roman „Verdammte Liebe Amsterdam“ liegt irgendwo dazwischen. Ein Grund mag die Länge der Geschichte sein. Es könnte sogar sein kürzester Roman sein. Vieles ist nur skizziert oder bleibt im Dunkeln.

Die Geschichte beginnt mit einem nächtlichen Anruf. Der Hamburger Restaurantbesitzer Schorsch Köster erfährt, dass sein Bruder Michael in der Nähe von Köln auf einem Autobahnrastplatz erschlagen und ausgeraubt wurde. Für die Polizei handelt es sich um einen aus dem Ruder gelaufenen Raubüberfall. Schorsch, der zu seinem Bruder kaum noch Kontakt hat, beginnt den Nachlass seines Bruders zu sortieren und wird neugierig. Er will wissen, warum Michael, der neben seinem Beruf als IT-Berater anscheinend mit einem Job als Menschenretter viel mehr Geld verdiente, getötet wurde.

Dabei stößt er auf die mit einem Polizisten liierte Supermarkt-Kassiererin Martina Campmann. Ihre fünfzehnjährige Tochter Susanna ‚Suse‘ ist verschwunden. Die Spur führt nach Amsterdam. Schorsch, der mehr über das Leben seines Bruders herausfinden will, fährt nach Amsterdam und mietet sich, wie sein Bruder, im Prins Hendrik Hotel ein. Es ist das Hotel, in dem Jazz-Trompeter Chet Baker starb; – aber das hat nichts mit der Geschichte von „Verdammte Liebe Amsterdam“ zu tun.

Wie in seinen früheren Noir-Romanen verknüpft Frank Göhre auch in seinem neuesten Roman mehrere Zeitebenen und Handlungsstränge. Beim Lesen fügt sich aus den Andeutungen und Szenen im Kopf langsam ein Bild der Beziehungen der einzelnen Figuren zusammen. Einige überraschende Erklärungen runden dann das Bild ab, über das nicht zu viel verraten werden soll.

Letztendlich ist „Verdammte Liebe Amsterdam“ vor allem ein schönes Lebenszeichen, das gerade durch seine Unaufgeregtheit überzeugt. Der Kriminalroman ist nicht die auf den eigenen Nachruhm zielende laue Wiederholung altbekannter Themen und auch kein Totaldesaster, sondern einfach nur der neue Noir von Frank Göhre. Dieses Mal stehen zwei Geschichten im Mittelpunkt. Die eine Geschichte erkundet die, mit Unterbrechungen, über Jahrzehnte währende (Liebes)beziehung zwischen den beiden Köster-Brüdern und ihrer Sandkastenliebe Jutta Kotzke. Der andere erzählt von der Suche nach einer verschwundenen Fünfzehnjährigen. Beide Geschichte haben nichts mit St. Pauli zu tun.

Frank Göhre: Verdammte Liebe Amsterdam

CulturBooks, 2020

168 Seiten

15 Euro

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Frank Göhre

Homepage von Frank Göhre

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)

Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)

Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)

Meine Besprechung von Frank Göhres “Geile Meile” (2013)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Gut leben – früh sterben: Stories von unterwegs“ (2014)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir – Ein Heimatfilm“ (2014)

Meine Besprechung von Frank Göhres „Die Härte, der Reichtum und die Weite – Ein Heimatfilm, Teil II“ (2014)

Meine Besprechung von Frank Göhre/Alf Mayers „King of Cool – Die Elmore-Leonard-Story“ (2019)

Frank Göhre in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Stefan Ruzowitzkys Herman-Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“

März 12, 2020

Laut der IMDB ist „Narziss und Goldmund“ die, wenn man die TV-Filme mitzählt, achte Hermann-Hesse-Verfilmung. Das ist angesichts der immer noch vorhandenen Popularität des 1962 verstorbenen Literaturnobelpreisträgers erstaunlich. Auch weil viele während ihrer Jugend (so mit 14 Jahren beim Interrail-Fahren durch Europa) eine Hesse-Phase hatten. Die zweite Hesse-Phase soll dann im hohen Alter kommen. Da sollte es in den vergangenen Jahrzehnten doch einige Regisseure gegeben haben, die sich seiner Romane annehmen und daraus einen Film machen. Die bisherigen Verfilmungen, unter anderem „Der Steppenwolf“ mit Max von Sydow, sind weitgehend und aus verschiedenen Gründen obskur. Das kann von Stefan Ruzowitzkys Verfilmung von „Narziss und Goldmund“ nicht behauptet werden. Mit einem ordentlichem Budget, mittelalterlichen Schauwerten und bekannten Schauspielern (Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Matthias Habich und Sabin Tambrea) bearbeitete er Hesses Geschichte für die große Leinwand und für ein Mainstream-Publikum. Und er nahm sich einige Freiheiten.

Im Mittelpunkt der irgendwann im Mittelalter spielenden Geschichte stehen Narziss und Goldmund, die sich zum ersten Mal als Knaben im Kloster Mariabronn treffen. Narziss ist ein sehr begabter Novize, der auch seinen Lehrern widerspricht. Er ist ein Intellektueller, ein Geistesmensch, der mit einem enthaltsamen, von der Welt abgewandtem Leben im Kloster glücklich wird.

Goldmund ist das Gegenteil. Der Zehnjährige wird von seinem Vater ins Kloster gebracht, damit er etwas lernt. Narziss wird vom Abt zu Goldmunds Lehrer ernannt. Der Abt hofft, dass so auch Narziss etwas für sein weiteres Leben lernt.

Nach einer kurzen Zeit, in der die beiden Jungen sich näher kommen (und, ja, im Buch und Film wird einem eine homosexuelle Liebesgeschichte nahe gelegt), verlässt Goldmund das Kloster. Er will die Welt erkunden, Abenteuer erleben und Sex haben. Seine Schule sind nicht Bücher und das Nachdenken in einer stillen Kammer, sondern das eigene Erleben und, später, das Schaffen von Kunstwerken, die aus seinem eigenen Erleben ihre Kraft ziehen.

Während Hesse die Geschichte von Narziss und Goldmund chronologisch erzählt und immer bei Goldmund bleibt, wählt Ruzowitzky eine wesentlich komplizierte Struktur. Bei ihm kommt Goldmund, wie im Roman, fünfzehn Jahre nach seinem Abschied aus dem Kloster zurück. In dem Moment sind ungefähr 25 Filmminuten vergangen. Im Kloster erhält Goldmund von Narziss, der inzwischen zum Abt wurde, den Auftrag, einen Altar zu schnitzen. Während der Arbeit am Altar erzählt Goldmund Narziss, was er in den vergangenen Jahren erlebte. Gleichzeitig regt sich im Kloster Widerstand gegen Goldmunds viel zu offensichtlich von seinen weltlichen Erlebnissen und der Suche nach seiner Mutter inspirierte Arbeit.

Außerdem verlegte Ruzowitzkys Hesses zeitlich nicht genau verorteten Roman in ein Fantasy-Mittelalter, das zeitlich überhaupt nicht mehr zu verorten ist. Es wurde einfach genommen, was gefällt. Auch wenn es aus verschiedenen Jahrhunderten stammt. Ruzowitzkys Hesse-Mittelalter ist sauber. Die Schauspieler haben blendend weiße Zähne, einen akkuraten Haarschnitt und trendige Klamotten. Die Männer dürfen sehr oft ihren nackten Körper präsentieren. Vor allem „Goldmund“ Jannis Niewöhner zeigt mehrmals einen preiswürdigen Waschbrettbauch, der eindeutig aus dem Fitness-Studio um die Ecke stammt. Die Frauen bleiben dagegen züchtig verhüllt.

Die Filmgeschichte wird durch die von Ruzowitzky gewählte Struktur in den Rückblenden schnell redundant. Wie Casanova stolpert Goldmund von dem einen unglücklich endendem Liebesabenteuer zum nächsten, das ebenso unglücklich endet, weil Goldmund sich wieder in die falsche Frau verliebt hat. Außerdem hat er überhaupt kein Interesse an einer längerfristigen Bindung. Deshalb kann er sich umstandslos in die nächste Affäre stürzen.

Zur gleichen Zeit bleibt der von Ruzowitzky erfundene Konflikt um den Altar, den Goldmund für das Kloster anfertigt, an der Oberfläche und über Narziss‘ Aufstieg im Kloster erfahren wir im Film nicht mehr als im Buch. Da verschwindet er allerdings die meiste Zeit aus der Geschichte.

Ruzowitzkys „Narziss und Goldmund“ ist eine gut gemeinte Literaturverfilmung, die immerhin gut genug für den Schulunterricht ist.

P. S.: Fun Fact: Sunnyi Melles, die hier eine Gräfin spielt, hatte ihr Filmdebüt 1974 als Judith Melles in der schon erwähnten Verfilmung von „Der Steppenwolf“.

Narziss und Goldmund (Deutschland 2020)

Regie Stefan Ruzowitzky

Drehbuch: Stefan Ruzowitzky, Robert Gold (Ko-Autor)

LV: Hermann Hesse: Narziss und Goldmund, 1930

mit Jannis Niewöhner, Sabin Tambrea, André M. Hennicke, Henriette Confurius, Emilia Schüle, Uwe Ochsenknecht, Kida Khodr Ramadan, Jessica Schwarz, Sunnyi Melles, Roxane Duran, Matthias Habich

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

(pünktlich zum Filmstart mit einem neuen Cover)

Hermann Hesse: Narziss und Goldmund

Suhrkamp, 2020 (Filmausgabe)

320 Seiten

10 Euro

Erstausgabe

S. Fischer Verlag, 1930

 

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Narziss und Goldmund“

Moviepilot über „Narziss und Goldmund“

Wikipedia über „Narziss und Goldmund“ und Hermann Hesse

Suhrkamp-Sonderseite über Hermann Hesse

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade“ (Deadfall, USA/Frankreich 2012)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Das radikal Böse“ (Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Stefan Ruzowitzkys „Die Hölle – Inferno“ (Österreich/Deutschland 2016)


Mark Millars „Prodigy“ kämpft gegen „Die böse Erde“

März 11, 2020

Edison Crane ist ein Mann, wie er nur in Abenteuergeschichten existiert. Er ist kein klassischer Superheld, sondern ein Mensch, der unglaublich intelligent und fit ist. Nachdem er als Elfjähriger von einigen sechs Jahre älteren Schülern verprügelt wurde, eignet er sich in einer Nacht alles Wissen über Kampfsport und Selbstverteidigung an. Am nächsten Tag verkloppt er die Halbstarken und wenn in dem Moment der unbesiegbare Chuck Norris (oder für die Jüngeren Vin Diesel) als Aufsichtslehrer um die Ecke gekommen wäre, hätte Crane ihn auch auf den Boden geschickt. Später will er sich nach einer lebensgefährlichen Schussverletzung selbst operieren, weil der Arzt noch sechs Jahre zu jung ist, um die Operation richtig durchführen zu können und ein Thoraxchirurg nicht verfügbar ist.

Als Erwachsener ist Crane jedermanns Liebling. Er hat Geld. Er vollführt in seiner Freizeit die unglaublichsten Stunts. Und er ist für alle Regierungen der gefragte Troubleshooter. So wird er um Rat gefragt, als sich plötzlich Autos, die es auf der Erde nicht gibt, mit verkohlten Mäuse und Ratten als Passagieren, und ein Raumschiff mit toten Menschen auf der Erde auftauchen. Er hat für diese Materialisierungen sofort eine Erklärung: es gibt eine Parallelerde, die eine Invasion auf unsere Erde plant.

Um das drohende Unheil abzuwenden, muss er eine Schriftrolle finden, auf der der gesamte Invasionsplan steht. Sie soll in der Kreml-Bibliothek sein. Er macht sich, begleitet von CIA-Agentin Rachel Straks, auf den Weg um die Erde und immer im Wettlauf gegen die Zeit. So beschließt die US-Army gerade dann die IS-Hochburg zu bombardieren, als er dort in einem alten Tempel die Inschriften studieren will, die ihm mehr über die Pläne der Parallel-Erdler verraten könnte.

Sein Gegner bei dieser Hatz ist die Bruderschaft des Drachen. Sie existiert ebenfalls seit Ewigkeiten. Ihre Mitglieder sind mächtige Männer an den Schaltstellen der Macht. Ihr Ziel ist es, die Invasion zu ermöglichen.

Die von „Kick-Ass“ Mark Millar erfundene und „American Vampire“ Rafael Albuquerque gezeichnete Actiongeschichte ist eine weitere Geschichte, die Millar nach seinem lukrativem Netflix-Deal veröffentlichte. Der Deal ermöglicht Millar die weitere Veröffentlichung von Comics, die gleichzeitig als Netflix-Serie optioniert sind. Wobei „Prodigy: Die böse Erde“ mit seiner weltumspannenden Geschichte und den zahlreichen Gebäude-vernichtenden Actionszenen eine sehr teure Angelegenheit wird.

Die Geschichte selbst hat das, was man bei Mark Millar liebt. Die Vorbilder sind erkennbar. Aber Millar dreht alles mindestens zwei Schrauben weiter und würzt es mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor.

Mark Millar/Rafael Albuquerque: Prodigy: Die böse Erde

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini, 2020

172 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

Prodigy: The evil earth # 1 – 6

Netflix, 2019

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Meine Besprechung von Mark Millar/J. G. Jones‘ „Wanted (Mark Millar Collection 1)“ (Wanted # 1 – 6, Dezember 2003 – Februar 2005)

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Nemesis“ (Nemesis, 2010/2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/Grant Morrisons “Vampirella: Heiliger Krieg (Master Series 1)”

Meine Besprechung von Mark Millar/Steve McNivens „Wolverine: Old Man Logan“ (Old Man Logan, 2008/2009)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 1)“ (Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4, Dezember 2010 – November 2011)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Kick-Ass 2 (Band 2)“ (Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7, Januar – Mai 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita, Jr. „Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte“ (Hit-Girl, Issue 1 – 5, August 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yus „Superior – Band 2“ (Superior, Issue 5 – 7, Dezember 2011 – März 2012)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Gibbons‘ „Secret Service“ (Secret Service # 1- 6, Juni 2012 – April 2013)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 1“ (Kick-Ass 3, # 1 – 5, Juli 2013 – Januar 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita jr. „Kick-Ass 3 – Band 2“ (Kick-Ass 3 – # 6 – 7, April – August 2014)

Meine Besprechung von Mark Millar/Leinil Yu/Nacho Vigalondos (Co-Autor/Drehbuch) „Super Croocks – Band 1: Der Coup“ (Super Crooks # 1 – 4, 2012)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)

Meine Besprechung von Matthew Vaughns Mark-Millar-Verfilmung „Kingsman: The Secret Service“ (Kingsman: The Secret Service, USA/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Mark Millar/Dave Johnson/Kilian Plunketts „Genosse Superman (Mark Millar Collection 4)“ (Superman: Red Son # 1 – 3, 2003)

Meine Besprechung von Mark Millar/Rafael Albuquerque/Dave McCaigs „Huck – Held wider Willen“ (Huck # 1 – 6, November 2015 – April 2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Stuart Immonens „Empress“ (Empress # 1 – 7, Juni 2016 – Januar 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Greg Capullos „Reborn“ (Reborn # 1 – 6, Oktober 2016 – Juni 2017)

Meine Besprechung von Mark Millar/Olivier Coipels „The Magic Order“ (The Magic Order # 1 – 6, 2018/2019)

Mein Besprechung von Mark Millar/Wilfredo Torres‘ „Jupiter’s Circle“ (Jupiter’s Circle # 1 – 6, 2015; Jupiter’s Circle 2 # 1 – 6, 2015/2016)

Meine Besprechung von Mark Millar/Ricardo Lopez Ortiz‘ „Hit-Girl in Kolumbien“ (Hit-Girl (2018) # 1 – 4, 2018)

Meine Besprechung von Mark Millar/John Romita Jr. „Kick-Ass: Frauenpower“ (Kick-Ass (2018) # 1 – 6, 2018)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Stephen King/Rafael Albuquerques (Zeichner) „American Vampire – Band 1“ (American Vampire, Vol. 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santoloucos „American Vampire – Band 2“ (American Vampire, Vol. 6 – 11, 2010/2011)

Meine Besprechung von Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezeljs „American Vampire – Band 3“ (American Vampire, Vol. 12 – 18, 2011)

Meine Besprechung von Rafael Scavone/Rafael Albuquerques „Hit-Girl in Rom“ (Hit-Girl (2018) # 9 – 12, Oktober 2018 – Januar 2019)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Die Känguru-Chroniken“ transformieren ins Kino

März 5, 2020

Die erste Begegnung läuft im Film genauso undramatisch wie im Buch ab: ein Känguru klingelt und fragt Marc-Uwe Kling, ob er Eier für einen Eierkuchen habe. Kling, eigentlich Marc-Uwe, gibt sie ihm. Ohne sich über das sprechende Känguru zu wundern. Kurz darauf klingelt das Känguru wieder und fragt nach dem Salz. Marc-Uwe gibt es ihm. Nachdem das Känguru sich alle Zutaten für den Eierkuchen zusammengeschnorrt hat, fällt ihm auf, dass es keinen Herd hat.

Das ist der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Im Buch war diese Begegnung schon vor über zehn Jahren. Den ersten Auftritt hatte das Känguru 2008 in dem wöchentlichen Podcast „Neues vom Känguru“ beim RBB-Radiosender „Fritz“. Seitdem schrieb Kling unzählige weitere Känguru-Geschichten, die er in bis heute vier Büchern veröffentlichte. Die Bücher wurden Bestseller. Die Hörbücher ebenso. Da war eine Verfilmung nur eine Frage der Zeit. Wobei die Känguru-Bücher sich gegen eine Verfilmung sperren. Sie bestehen aus kurzen, meist drei- bis vierseitigen Geschichten, die wenig bis überhaupt nicht miteinander verbundenen sind. Einige Figuren tauchen öfter auftauchen, ohne dass sie nennenswert an Tiefe gewinnen. Die Wirtin der Eckkneipe ist die Wirtin der Eckkneipe. Der tumbe Nazi der tumbe Nazi.

Für den Film musste daher eine Geschichte erfunden werden. Und die geht so: Kleinkünstler Marc-Uwe und das Känguru, das, philosophisch gebildet, Besitz ablehnt und sich daher schamlos am Eigentum anderer Menschen vergreift und durchschnorrt, leben gemütlich in Marc-Uwes Kreuzberger Altbauwohnung vor sich hin. Als der großkotzige Großinvestor Jörg Dwigs, gleichzeitig Vorsitzender der „Nationalkonservative Partei für Sicherheit und Verantwortung“ den Kiez durchsanieren und die Baugrube neben Marc-Uwes Haus mit einem edlen Schicki-Micki-Hochhaus zubauen will, ist Widerstand angesagt.

Neben diesem Hauptplot gibt es zahlreiche Episoden, die mehr oder weniger direkt auf bereits bekannten Känguru-Geschichten basieren. Dabei bediente Marc-Uwe Kling, der das Drehbuch schrieb, sich bei allen Känguru-Büchern. So hat Dwigs seinen ersten Auftritt erst im zweiten Känguru-Buch „Das Känguru-Manifest“.

Damit ist schon einmal klar, dass der Humor des Films dem der Vorlagen ähnelt. Diese sind klassische Lesebühnentexte, zu denen alle beifällig nicken können und sich niemand jemals überfordert fühlt. Es sind humorig-harmlose Schnurren. Niemand wird verletzt. Es wird auf konsensfähige Gegner eingeschlagen. Im Buch Nazis und Kapitalisten. Im Film eine AfD-ähnliche Partei und Kapitalisten. Es gibt Beobachtungen aus dem Großstadtleben, die ebenso konsensfähig sind. Eine satirische Zuspitzung oder auch eine Demaskierung des eigenen Milieus erfolgt nicht. Dafür sind die Geschichten durchgehend zu nett und zu oberflächlich. Marc-Uwe Kling will kein Max Goldt, Georg Schramm oder Wiglaf Droste sein.

Auch der Film überfordert niemals. Episodisch wird sich von einer Situation zur nächsten gehangelt. Der Kampf gegen das Bauprojekt bleibt eine erzählerische Krücke mit einem Ende, das sich in dem Moment vielleicht gut anfühlt, aber das Problem nicht löst. Es noch nicht einmal versucht. Dabei spricht der Kampf gegen Mietwucher, Großinvestoren und Gentrifizierung reale Berliner Probleme an, die auch die Probleme von allen Metropolen sind. In Berlin führte das zu einer Volksinitiative, die eine Enteignung von großen Wohnungsgesellschaften, wie Deutsche Wohnen, fordert, und einem Mietendeckel.

Die Anspielungen und Zitate auf und aus anderen Filmen – Ich sage nur, ergänzend zu den schon im Trailer gezeigten Anspielungen, Bud Spencer, „Pulp Fiction“ (die goldene Uhr), „The Big Lebowski“ (der Teppich) – sind überdeutlich und peinlich schlecht zitiert. Der Rest spielt sich in der Kreuzberger Wohlfühlzone der saturierten Kapitalismuskritik und des Verkloppens bierbäuchiger und sehr dummer Nazis ab.

Von Regisseur Dani Levy hätte ich mehr als diesen rundum harmlos-gefälligen Klamauk erwartet.

Fans der Känguru-Geschichten werden sich allerdings genau darüber freuen.

Die Känguru-Chroniken (Deutschland 2020)

Regie: Dani Levy

Drehbuch: Marc-Uwe Kling

LV: Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken, 2009 (naja, eigentlich eher „lose inspiriert“)

mit Dimitrij Schaad, Rosalie Thomass, Adnan Maral, Tim Seyfi,Carmen-Maja Antoni, Bettina Lamprecht, Henry Hübchen, Oscar Strohecker, Volker Zack, Paulus Manker

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Lesehinweis

 

Wer tiefer in die Welt von Marc-Uwe Kling und seinem Mitbewohner einsteigen will, kann zwischen zwei neuen Ausgaben ihrer Abenteuer wählen. Für den schmalen Geldbeutel erschien der erste Band der Känguru-Geschichten im Filmcover. Der Rest entspricht den früheren Ausgaben.

Als Ostergeschenk eignet sich der Sammelband „Die Känguru-Tetralogie“, der alle bislang erschienenen Känguru-Bücher in einem schicken Schuber enthält. Die Bücher haben einen festen Einband. Ansonsten unterscheiden sie sich nicht von früheren Ausgaben.

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Chroniken

Ullstein, 2020 (mit Filmcover)

272 Seiten

10,99 Euro

Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Tetralogie (Die Känguru-Werke)

Ullstein, 2020

1184 Seiten

36 Euro

enthält

Die Känguru-Chroniken, 2009

Das Känguru-Manifest, 2011

Die Känguru-Offenbarung, 2014

Die Känguru-Apokryphen, 2018

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Känguru-Chroniken“

Moviepilot über „Die Känguru-Chroniken“

Wikipedia über „Die Känguru-Chroniken“

Homepage von Marc-Uwe Kling

Meine Besprechung von Dani Levys „Die Welt der Wunderlichs“ (Deutschland/Schweiz 2016)


„A Walk through Hell“ betritt „Die Kathedrale“

Februar 26, 2020

Die beiden FBI-Agenten Shaw und McGregor stecken immer noch in dem seltsamen Lagerhaus fest. Die vierzigjährige, kurz vor dem Burnout stehende Ermittlerin und ihr jüngerer, idealistischer Partner gingen im ersten „A Walk through Hell“-Band in das Gebäude, weil zwei ihrer Kollegen seit über neun Stunden darin verschwunden sind. Ein Sonderkommando der Polizei betrat kurz vor ihnen das Lagerhaus und verließ es nach einer halben Minute. Die Männer klagten über Unbehagen und Grauen.

Als Shaw und McGregor das Lagerhaus betreten, bricht der Handyempfang ab. Sie haben keinen Puls mehr. Sie können aber auch nicht sterben. Sie verirren sich in einem Labyrinth voller seltsamer und grausamer Ereignisse.

Am Ende des ersten „A Walk through Hell“-Comicbandes trafen sie auf Paul Carnahan. Er ist ein von ihnen gejagter Kindermörder, der anscheinend von höherer Stelle gedeckt wird, und der eigentlich tot ist. Jetzt steht er quicklebendig in einer riesigen Kathedrale vor ihnen und verwickelt sie in philosophisch-religiöse Gespräche.

Für Shaw und McGregor ist das nur ein weiteres seltsames Ereignis in einer Reihe seltsamer und erschreckender Begegnung. Sie sind, wie alle, die das Lagerhaus betreten haben, in einem Alptraum gefangen, in alles gleichzeitig real und irreal ist. Das Lagerhaus ist die Kathedrale ihrer Sünden und Ängste.

Ob es daraus einen Ausweg gibt, ist unklar.

Das liegt auch daran, dass Autor Garth Ennis und Zeichner Goran Sudzuka in ihrem Noir-Horrorcomic munter zwischen verschiedenen Erzählsträngen, damit verbundenen Formen von Schuld und Angst, Gegenwart und Vergangenheit und verschiedenen Formen des Wahns springen. Eine einfache Erklärung wird damit mit jeder Seite unerreichbarer.

Offiziell ist „Die Kathedrale“ der zweite und abschließende Band von „A Walk through Hell“. Aber in diesem Fall fühlt sich, ohne jetzt in die Details des Endes zu gehen, das Ende nicht wie ein Ende an. Eine faszinierende Lektüre ist „A Walk through Hell“ trotzdem.

Garth Ennis erfand die erfolgreichen Comicserien „Preacher“, „The Boys“ und „Crossed“ und schrieb einige legendäre „Punisher“-Geschichten.

Goran Sudzuka zeichnete Geschichte für „Wonder Woman“, „Wolverine“, „Deadpool“ und „Daredevil“.

Garth Ennis/Goran Sudzuka: A Walk through Hell: Die Kathedrale (Band 2)

(übersetzt von Monja Reichert und Christian Heiss)

Cross Cult, 2019

176 Seiten

25 Euro

Originalausgabe

A Walk through Hell # 6 -12

AfterShock Comics, 2019

Hinweise

Wikipedia über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Will Simpson/Steve Dillons “Hellblazer – Gefährliche Laster” (Dangerous Habits, 1991)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandezs “The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8″ (Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), 2006/2007)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 9“ (Widowmaker, Part 1 – 7 [Punisher (MAX) Vol. 43 – 49], Long Cold Dark, Part 1 – 5 [Punisher (MAX) Vol 50 – 54], 2007/2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „The Punisher – Garth-Ennis-Collection 10“ (Valley Forge, Valley Forge, Part 1 – 6 [Punisher (MAX) Vol. 55 – 60], 2008)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner) „Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)“ (Garth Ennis’ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done, 2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis und Mike Wolfers „Stitched: Die lebenden Toten“ (Band 1) (Stitched # 1 – 7, 2011/2012)

Meine Besprechung von Garth Ennis/John McCreas „Dicks – Band 1“ (Dicks # 1 – 4, 2013)

Meine Besprechung von Garth Ennis‘ „Crossed – Monster Edition“ (enthält „Crossed“ und „Crossed Band 2: Familienbande“)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Steve Dillons „The Punisher: Frank ist zurück“ (The Punisher # 1 – 12, 2000/2001)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Goran Sudzukas „A Walk through Hell: Das verlassene Lagerhaus (Band 1)“ (A Walk through Hell # 1 – 5, 2018)

Meine Besprechung von Garth Ennis/Russ Brauns „Jimmys Bastarde: Getriggert (Band 1)“ (Jimmy’s Bastards Volume 1: Trigger Warning, 2018)


„Paper Girls 6“, das Finale

Februar 26, 2020

Im sechsten Band kommen die titelgebenden Paper Girls an das Ende ihrer Reise durch die Zeit. Bei all ihren Sprüngen in die nahe und immer fernere Vergangenheit und die nahe und immer ferner Zukunft blieben sie immer in Stony Stream, einem Vorort von Cleveland, Ohio,

Dort begann in der von Brian K. Vaughn (Autor), Cliff Chiang (Zeichner) und Matt Wilson (Kolorist) erfundenen Serie ihr Abenteuer am 1. November 1988. Die Paper Girls sind die zwölfjährigen Mädchen Erin Tieng, MacKenzie Coyle, Karina ‚KJ‘ J. und Tiffany Quilkin, die frühmorgens in der Kleinstadt die Zeitung austragen. Bei ihrer Runde entdecken sie in einem Keller ein Raumschiff. Außerirdische tauchen auf. Einige sprechen in fremden Sprachen. Andere nicht. Und schon werden sie durch die Zeit geschleudert, wo sie auch auf andere Versionen von sich selbst treffen, einiges über sich und ihre Gefühle lernen und zu einer Gruppe zusammenwachsen.

Antworten auf ihre Fragen, also wer hier warum gegen wen kämpft und warum sie durch die Zeit reisen können (was eigentlich ein dummer Zufall und ein riesiges Problem für alle Beteiligten ist), erhalten sie erst ziemlich spät. Und wenn ich diese teils göttlichen Antworten jetzt gäbe, würde ich natürlich einige große Entwicklungen der vorherigen Bände spoilern.

Im abschließenden sechsten Band der Abenteuer der Paper Girls gelingt es Brian K. Vaughn erstaunlich wenige Fragen zu beantworten und die Geschichte dennoch zu einem befriedigendem Ende zu führen. Mit einer ordentlichen Portion popkultureller Anspielungen.

Im Juli 2019 wurde eine TV-Version des Comics angekündigt.

Brian K. Vaughn/Cliff Chiang/Matt Wilson: Paper Girls 6

(übersetzt von Sarah Weissbeck)

Cross Cult, 2019

128 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Paper Girls, Volume 6

Image Comics,2019

enthält

Paper Girls # 26 – 30

Hinweise

Homepage von Cliff Chiang

Wikipedia über „Paper Girls“, Brian K. Vaughan (deutsch, englisch) und Cliff Chiang

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 1“ (Paper Girls, Volume 1, 2016)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiangs „Paper Girls 2“ (Paper Girls, Volume 2, 2017)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „Paper Girls 4“ (Paper Girls 4, 2018)

Meine Besprechung von Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilsons „ Paper Girls 5″ (Paper Girls 5, 2018)


Ein „Tanz auf dem Vulkan“ mit dem siebten Doctor Who (+ zwei Hinweise auf Romane)

Februar 24, 2020

Inzwischen muss man auch in Deutschland Doctor Who nicht mehr vorstellen. Der vom BBC 1963 als TV-Serie erfundene Doctor Who, ein neugierig-freundlicher Zeitreisender, der sich immer auf neue Entdeckungen, Welten und Wesen freut, ist inzwischen ein weltweiter Erfolg. Im Fernsehen erlebt inzwischen der dreizehnte Doktor seine Abenteuer. Obwohl es jetzt eigentlich ihre heißen muss. Denn der dreizehnte Doktor wird von Jodie Whittaker gespielt und damit ist der Doktor in seiner neuesten Inkarnation erstmals eine Frau. In Deutschland läuft „Doctor Who“ aktuell auf ONE. Für die nimmermüde Fangemeinde gibt es schon seit Ewigkeiten Bücher und Comics, die dann auch Geschichten mit älteren Doktoren erzählen können. So erzählen Ben Aaronovitch und Andrew Cartmel, die auch schon für die TV-Serie arbeiteten, in ihrem neuen Comic „Tanz auf dem Vulkan“ ein Abenteuer des siebten Doktors.

Die Geschichte spielt 1967 in der australischen Wüste und 2029 im Erdorbit. Im Erdorbit taucht plötzlich ein riesiges Raumschiff auf. In dem Schiff ist ein vollbärtiger, langhaariger Mann, der sich Captain Gilmore nennt und als erstes nach einer Tasse Tee verlangt.

1967 wurde in der australischen Wüste im Maralinga-Atomwaffengelände ein Raumschiff entdeckt. Captain Gilmore von der Royal Air Force und der Invasionsabwehrgruppe bittet Doctor Who um Hilfe. Er soll alles über das Schiff und seine Passagiere herausfinden. Vor allem natürlich, ob sie eine Bedrohung für die Menschheit sind.

Mit etwas Kalter-Krieg-Spionage-Zeitkolorit erzählen Aaronivitch und Cartmel ein weiteres spannendes „Doctor Who“-Abenteuer, in dem er mit seiner freundlich-gewitzten Art und Neugierde eine Katastrophe verhindern kann.

Ergänzt wird diese lange Geschichte um die kürzeren, unterhaltsam in fremden Welten spielende Comics „Ein Hügel Bohnen“ (Text: Richard Dinnick, Zeichnungen: Jessica Martin), „Das Armageddon-Spiel“ (Text: John Freeman, Zeichnungen: Christopher Jones) und, mit dem ersten Doktor und in Schwarzweiß, „Zwischen den Zeilen“ (Text: Paul Cornell, Zeichnungen: John Stokes).

Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Christoper Jones/Marco Lesko: Doctor Who – Der siebte Doctor: Tanz auf dem Vulkan

(übersetzt von Claudia Kern)

Panini, 2019

128 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

Doctor Who – The Seventh Doctor: Operation Volcano

Titan Comics, 2018

Neue Texte ohne Bilder von Ben Aaronovitch und Andrew Cartmel

Neben ihrer Arbeit für „Doctor Who“ schreiben die Herren Aaronovitch und Cartmel auch fleißig Kriminalromane. Zuletzt erschienen auf Deutsch die neuen Romane mit Peter Grant und dem Vinyl-Detektiv.

In Ben Aaronivitchs „Die Glocke von Whitechapel“ muss Detective Constable und Zauberlehrling Peter Grant den gesichtslosen Magier finden, bevor dieser ganz London vernichten kann. In dieser Welt gibt es Magier, Geister und all das Zeug, das es laut unseren Eltern nicht gibt.

In Andrew Cartmels „Killer Rock“ sucht der Vinyl-Detektiv das in den Sechzigern verschwundene Kind einer britischen Sechziger-Jahre-Rock-Ikone. In dieser Welt gibt es Schallplatten, bekannte Musiker und viel drogengeschwängerte Rockmusik. Also all das Zeug, das unsere Eltern genossen haben, als sie jung waren.

Andrew Cartmel: Killer Rock

(übersetzt von Susanna Mende)

Suhrkamp, 2020

448 Seiten

10,95 Euro

Originalausgabe

The Vinyl Detective – The Run-Out Groove

Titan Books, 2017

Ben Aaronovitch: Die Glocke von Whitechapel

(übersetzt von Christine Blum)

dtv, 2019

416 Seiten

10,95 Euro

Originalausgabe

Lies Sleeping

Gollancz, London, 2018

Hinweise

Homepage von Ben Aaronovitch

dtv über Ben Aaronovitch

Wikipedia über Ben Aaronovitch (deutsch, englisch) und Andrew Cartmel

Meine Besprechung von Ben Aaronovitchs „Schwarzer Mond über Soho“ (Moon over Soho, 2011)

Mein Besprechung von Ben Aaronivitchs „Geister auf der Metropolitan Line“ (The furthest station, 2017)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerreros „Die Flüsse von London: Autowahn“ (Rivers of London: Body Work, 2016)

Meine Besprechung von Ben Aaronovitch/Andrew Cartmel/Lee Sullivan/Luis Guerrero: Die Flüsse von London – Die Nachthexe (Rivers of London: Night Witch, 2016)

Blog von Andrew Cartmel

BBC über „Doctor Who“ (englisch)

Wikipedia über „Doctor Who“ (deutsch, englisch)

BBC-YouTube-“Doctor Who“-Kanal (zum Abtauchen in den Strudel jenseits von Raum und Zeit)

Meine Besprechung von Stephen Baxters „Doctor Who: Rad aus Eis“ (Dcotor Who: The Wheel of Ice, 2012)

Meine Besprechung des Sammelbandes „Doctor Who: 11 Autoren – 11 Geschichten“ (Doctor Who – 11 Doctors 11 Stories, 2013)

Meine Besprechung von Justin Richards‘ „Doctor Who: Silhouette“ (Doctor Who: Silhouette, 2014)

Meine Besprechung von Terry McDonoughs Spielfilm über die Anfänge von „Doctor Who“ „Ein Abenteuer in Raum und Zeit“ (An Adventure in Space and Time, Großbritannien 2013)

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Zur neuesten Verfilmung von Jack Londons „Ruf der Wildnis“

Februar 20, 2020

Brauchen wir wirklich noch eine Verfilmung von Jack Londons „Ruf der Wildnis“? Auch wenn dieses Mal Harrison Ford mitspielt?

Nun, in jedem Fall schadet es nicht, wenn Indiana Jones sich um einen Hund kümmert. Auch wenn die von ihm gespielte Figur, wie im Roman, erst in der zweiten Hälfte der Geschichte wichtig wird. Davor hat er nur zwei sehr kurze Auftritte, die vor allem die Funktion einer Ankündigung erfüllen und so seinen späteren Auftritt nicht zu einer aus heiterem Himmel kommenden Überraschung machen,

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Buck, ein riesiger Mischling aus Bernhardiner und Schäferhund, der glücklich im herrschaftlichen Anwesen von Richter Miller im sonnigen Kalifornien lebt. Eines Tages wird er von einem Hunderäuber entführt und nach Norden verschifft. 1896 wurde am Klondike Gold gefunden. Jetzt sind alle Glücksjäger (zu denen auch Jack London gehörte) auf dem Weg zu den sagenhaften Goldschätzen.

Die ersten neuen Besitzer von Buck sind Perrault (Omar Sy) und Francois (im Roman ein Halbblut, im Film Francoise [Cara Gee]). In dem Rudel der Post-Schlittenhunde erkämpft Buck sich schnell seinen Platz. In diesen Tagen erwacht, dem titelgebendem Ruf der Wildnis folgend, auch langsam Bucks wahres Wesen.

Als die Postlinie eingestellt wird, erhält Buck neue Besitzer. Dieses Mal handelt es sich um drei Goldsucher, zwei Männer, eine Frau (Dan Stevens, Colin Woodell und Karen Gillan), die von überwältigender Arroganz und Dummheit sind.

Dritter und letzter Besitzer von Buck wird John Thornton (Harrison Ford), der ihn wie ein gleichberechtigtes Wesen behandelt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg in noch nicht auf der Landkarte verzeichnete Gebiete des Yukon Territoriums.

Regisseur Chris Sanders legt mit Ruf nach der Wildnis“ nach Animationsfilmen wie „Drachenzähmen“ leichtgemacht und „Die Croods“ sein insgesamt überzeugendes Realfilmdebüt vor. Er und Autor Michael Green („Mord im Orientexpress“) folgen der Geschichte von Jack London. Für den Film dramatisieren und disneyfizieren sie sie. Die Dramatisierungen sind, obwohl „Ruf der Wildnis“ immer noch ein Episodendrama ist, das Bucks Geschichte vom verantwortungslosen Haushund zum Führer einer Wolfsrudels macht, notwendig, um eine stringente Geschichte zu erzählen. Die Disneyfizierung ist vor allem dem Zielpublikum geschuldet. „Ruf der Wildnis“ ist ein Kinderfilm, der zeigt, wie Menschen zu besseren Menschen werden, weil sie Buck begegnen. Gleichzeitig entdeckt Buck sein wahres Ich. Er wird zu einem Tier, das Verantwortung übernimmt für andere Tiere und Menschen und auch für sie kämpft.

Londons Roman, geschrieben im Duktus der damaligen Zeit und für ein erwachsenes Publikum, ist dagegen oft sehr hart und darwinistisch: „Buck war gnadenlos. (…) Man musste herrschen oder sich beherrschen lassen; und Gnade zu zeigen, war eine Schwäche. Gnade existierte im urwüchsigen Leben nicht. Sie wurde als Furcht missverstanden, und solche Missverständnisse führten zum Tod. Töten oder getötet werden, fressen oder gefressen werden, das war das Gesetz; und er gehorchte diesem Gebot aus der Tiefe der Zeiten.“

Im Film gibt es, was jetzt Erwachsene wahrscheinlich mehr stört als Kinder, einen wahren CGI-Overkill. Viele Landschaften, Hintergründe und eigentlich alle Tiere sind digital animiert. Und hier sehen die digital animierten Tiere immer etwas künstlich aus. Sie basieren auf Aufnahmen realer Tiere und Menschen, die Tiere spielen. So war Terry Notary, ein früherer Artist des Cirque du Soleil, die Live Action Reference Performance für Buck und der Spielpartner von Harrison Ford. Die Kamera ist immer wieder an Positionen und macht Bewegungen, die in der Realität für eine Kamera nicht möglich wären. Es gibt Bilder von Tieren, die eine Kamera in der Realität so niemals einfangen könnte. Buck tut Dinge, die ein echter Hund niemals tun würde. Und die Tiergesichter, vor allem natürlich Buck, können niemals ihre Herkunft aus dem Computerlabor verhehlen können. Dafür sind sie teils zu künstlich, teils zu menschlich.

Für Kinder ist Chris Sanders‘ „Ruf der Wildnis“ ein gelungener Abenteuerfilm mit einem liebenswertem Hund, guten und weniger guten Menschen und einigen schönen Landschaftsaufnahmen.

Ruf der Wildnis (The Call of the Wild, USA 2020)

Regie: Chris Sanders

Drehbuch: Michael Green

LV: Jack London: The Call of the Wild, 1903 (Der Ruf der Wildnis)

mit Harrison Ford, Omar Sy, Dan Stevens, Karen Gillan, Bradley Whitford, Colin Woodell, Cara Gee, Michael Horse, Jean Louisa Kelly, Adam Fergus, Abraham Benrubi, Terry Notary

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

erscheint zum Filmstart mit einem neuen Cover. Es handelt sich um die sehr gelungene Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff, der den Roman um ein informatives Nachwort, Anmerkungen und eine Zeittafel ergänzte.

Jack London: Ruf der Wildnis

(übersetzt von Lutz-W. Wolff)

dtv, 2020 (Filmausgabe)

160 Seiten

9,90 Euro

Erstausgabe der Neuübersetzung

dtv, 2013

Originalausgabe

The Call of the Wild

Macmillan, 1903

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Ruf der Wildnis“

Metacritic über „Ruf der Wildnis“

Rotten Tomatoes über „Ruf der Wildnis“

Wikipedia über „Ruf der Wildnis“ 


Übersetzen? Ken Bruen: Once were Cops

Februar 19, 2020

Nach dem Lesen einer dicken Schwarte, die einem nicht gefallen hat, ist die Lektüre eines kurzen Buches ein willkommener Ausgleich. Vor allem wenn in dem Roman die Geschichte mit atemberaubender Geschwindigkeit und viel schwarzem und trockenem Humor erzählt wird. Ken Bruen ist dafür die erste Adresse. Er ist der Erfinder von Inspector Brant, einem Londoner Polizisten, der jedes Dienstverfahren, das ihm angehängt werden könnte, verdient hat, und Privatdetektiv Jack Taylor, einem Ex-Polizisten und praktizierendem Alkoholiker (Hey, der Mann ist Ire!). Taylor hat auch einen Miniauftritt in „Once were Cops“.

Im Mittelpunkt des Einzelwerks steht der irische Polizist Michael O’Shea. Als er von einem Austauschprogramm mit der New Yorker Polizei hört, beschließt er, daran teilzunehmen und mit einer kleinen Erpressung seines Vorgesetzten gelingt es ihm. In die USA will er, weil die Polizisten dort Schusswaffen tragen und auch benutzen dürfen.

Außerdem ist er ein Soziopath, der in New York schnell zum Serienmörder von Frauen wird.

Sein Partner vom NYPD ist Kurt Browski, genannt Kebar, nach einem Schlagstock, den er oft im Dienst anwendet. Außerdem ist der Einzelgänger Kebar korrupt.

Nach einer kurzen Kennenlernphase – Kebar wirft O’Shea in den Matsch, O’Shea rettet Kebar bei einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt das Leben – werden sie ein Buddy-Team aus der Hölle. Denn Kebar ist im Fokus von Ermittlungen der Internen Ermittler und, nachdem er weiß, dass seine Tage als Cop gezählt sind, hält ihn nichts mehr davon ab, bei der Arbeit gegen alle Vorschriften zu verstoßen. O’Shea beginnt sich fröhlich durch New Yorks junge Frauen zu morden und er zettelt einen Krieg mit dem Mob an.

All das passiert schon auf den ersten Seiten von Ken Bruens „Once were Cops“. Danach nimmt die Geschichte bis zu ihrem Ende noch einige halsbrecherische Wendungen. Bruen erzählt dies in seinem bekannten reduzierten Stil, in dem ganze Konflikte und Lebensgeschichten konsequent auf einige wenige Sätze heruntergebrochen werden:

Thing is, I always loved cop movies. Thing was, being a Guard didn’t jell with the cop movies I watched.

I mean, do you really think you’re going to see a movie titled:

The Guards?

Yeah, like that’s going to happen.

First, the Guards don’t carry guns.

Fuck that.

Right.

Das führt dazu, dass man nicht aufhören kann weiterzulesen, wie zwei Polizisten eine ganz spezielle Verbrechenswelle in New York lostreten und versuchen, mit den Folgen klarzukommen.

Das ist ganz großes Kino.

Ken Bruen: Once were Cops

Minotaur Books, New York, 2008

304 Seiten

20,99 US-Dollar (Paperback)

(Bei Amazon kann die Taschenbuchausgabe aktuell für 16,99 Euro gekauft werden. Die gebundene Ausgabe ist etwas günstiger.)

(Die 304 Seiten sind dem großzügigem Layout geschuldet, das natürlich auch dazu beiträgt, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen.)

Hinweise

Homepage von Ken Bruen

Mein Besprechung von Ken Bruens „Brant“ (Blitz – or… Brant hits the Blues, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Füchsin“ (Vixen, 2003)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruens Jack-Taylor-Privatdetektivromanen

Meine Besprechung von Ken Bruens „Jack Taylor fliegt raus“ (The Guards, 2001)

Meine Besprechung von Ken Bruens “Jack Taylor liegt falsch” (The Killing of the Tinkers, 2002)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Kaliber“ (Calibre, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Flop“ (Bust, 2006)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Crack“ (Slide, 2007)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Jason Starrs „Attica“ (The MAX, 2008)

Meine Besprechung von Ken Bruens „Sanctuary“ (2008)

Meine Besprechung von Ken Bruen/Reed Farrel Colemans “Tower” (Tower, 2009)

Mein Porträt von Ken Bruen und Jason Starr in „Alligatorpapiere [Print] – Magazin für Kriminalliteratur – No. 2/2010“

Meine Besprechung von William Monahans Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie “Jack Taylor” (Irland 2010/2011/2013 – basierend auf den Romanen von Ken Bruen)

Ken Bruen in der Kriminalakte


„Mein Name ist Robicheaux“ und ich mache jetzt viel Lärm um; – ja, was eigentlich?

Februar 17, 2020

Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ steht auf dem Cover. Robicheaux hat als Ich-Erzähler unbestritten die Hauptrolle. Ein Krimi ist der sechshundertseitige Wälzer allerdings nur, wenn man die breitestmögliche Definition von ‚Krimi‘ nimmt, nach der im Mittelpunkt eines Krimis Verbrechen stehen. Wer allerdings eine etwas engere Definition nimmt, wie in einem Krimi stehe die Aufklärung eines Verbrechens im Mittelpunkt, wird schon viele Probleme mit James Lee Burkes neuem und inzwischen 21. Robicheaux-Romans haben.

Nach dem Klappentext wird T. J. Dartez eines Nachts ermordet. Dartez überfuhr Molly, die Frau von Dave Robicheaux. Robicheaux, ein Detective der Polizei von New Iberia, Louisiana, und trockener Alkoholiker, kann sich nicht an die Tatnacht erinnern, weil er betrunken war. Er hat auch keine Ahnung, woher die Wunden an seinen Händen kommen. Damit wird Robicheaux zu einem Tatverdächtigen mit einem überzeugendem Motiv. Robicheaux selbst glaubt, dass ihm jemand den Mord anhängen will. Auch wenn er es nicht für vollkommen ausgeschlossen hält, dass er Dartez getötet hat.

In einem normalen Kriminalroman würde der Ermittler auf den folgen Seiten versuchen, seine Unschuld zu beweisen und, immerhin ist es ein US-amerikanischer Roman und langjährige Robicheaux-Fans wissen, wie wenig Robicheaux sich letztendlich um (Dienst)vorschriften kümmert, der Ermittler würde bei der Mörderjagd über Leichen gehen.

Aber in „Mein Name ist Robicheaux“ lässt Robicheaux einen von ihm verachteten neuen Kollegen mit zweifelhafter Vergangenheit in dem Fall ermitteln, während er selbst Dienst nach Vorschrift verrichtet.

Dazwischen hilft er seinem cholerischen Kumpel Clete Purcel, der sich gerade bei den falschen Leuten extrem verschuldet hat. Er bringt einen vermögenden Großgrundbesitzer mit dem Autor eines im 19. Jahrhundert in Louisiana spielenden Romans zwecks einer Verfilmung zusammen. Er ermittelt in einem merkwürdigem Vergewaltigungsfall und er startet einen Kleinkrieg mit einem in einem Trailer lebenden, gewalttätigen Meth-Dealer über das Sorgerecht für seinen Sohn. Währenddessen beginnt Robicheaux‘ Tochter Alafair einen Drehbuchentwurf zu schreiben. Später ist sie als Autorin in die Dreharbeiten involviert und kurz vor der Mitte des Romans macht sich ein skrupelloser Killer auf den Weg nach New Iberia.

Damit sind, bis auf die Geister, die dieses Mal überhaupt nicht erscheinen, alle Elemente vorhanden, die man aus den vorherigen Robicheaux-Romanen kennt. Die Handlung wird, wieder einmal, in unendlich viele Szenen aufgelöst, die die Handlung kaum bis überhaupt nicht voranbringen. Stattdessen entwickelt sich ein schon aufgrund der vielen beteiligten Personen verwirrendes Netz von Beziehungen. Erst am Ende fügt sich alles halbwegs zu einem Bild. Doch in dem Moment hat Burke, so wirkt es angesichts der lustlosen und arg kryptischen Auflösung, entweder den Überblick oder das Interesse an seinen Figuren und ihren Verbrechen verloren. Bis dahin wurden etliche der Fälle in Nebensätzen aufgelöst. Das gilt auch für den Mörder von Dartez. Dieser Fall ist bereits deutlich vor der Mitte des Romans geklärt.

Die Figuren benehmen sich wie dauerpubertierende Teenager, die sich ständig beleidigen und schlagen. Das ist auf die Dauer ziemlich ermüdend und, gerade bei Robicheaux und seinem Freund Clete Purcel, auch zunehmend unglaubwürdig. Schließlich ist Robicheaux, wie im Roman mehrmals betont wird, Vietnam-Veteran, was ihn (wenn er in den frühen Siebzigern, kurz vor dem Abzug der Truppen, in Vietnam gewesen wäre) zu einem Siebzigjährigem macht; wenn man die in den ersten Robicheaux-Romanen genannten biographischen Daten heranzieht, ist der Detective als alter ego von Burke, gut achtzig Jahre alt. In jedem Fall ist es unglaubwürdig, dass er in diesem Alter immer noch als Polizist arbeitet.

Ein noch größeres Problem ist, dass Robicheaux keinerlei körperliche Gebrechen hat. Er klagt nicht über Schmerzen, er hat keinerlei körperliche Beeinträchtigungen und er benimmt sich wie ein Dreißigjähriger, der immer noch in seiner Halbstarkenphase steckt und nach dem Motto „regelmäßige Prügeleien sind gut für mein seelisches Gleichgewicht“ handelt.

Anderen Autoren, wie Lawrence Block (der mit Matt Scudder erstmals einen fiktiven Ermittler in Echtzeit altern ließ), gelingt es wesentlich besser, ihre Figuren altern zu lassen. Und dabei zu zeigen, wie sich das Leben des Serienhelden verändert, weil er aus seinen Erfahrungen lernt und Beziehungen sich verändern.

In seinen vorherigen Romanen konnte Burke mit seiner poetischen Sprache und den dichten Beschreibungen der Landschaft und des Wetters von diesem Stillstand in Robicheaux‘ Entwicklung ablenken. Dieses Sprachgefühl hat ihn hier vollständig verlassen. Am Übersetzer, dem zuverlässigen Jürgen Bürger, der schon einige Romane von Burke übersetzte, kann es nicht liegen.

Mein Name ist Robicheaux“ ist – und das sage ich als langjähriger Robicheaux-Fans, der viele seiner Romane im Original las, weil es über viele Jahre keine Übersetzungen gab – ein Desaster.

In den USA erschien vor wenigen Wochen der 22. Robicheaux-Roman „The New Iberia Blues“.

James Lee Burke: Mein Name ist Robicheaux

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Pendragon, 2019

600 Seiten

22 Euro

Originalausgabe

Robicheaux

Simon & Schuster, 2018

Hinweise

Perlentaucher über „Mein Name ist Robicheaux“

Bookmarks über „Mein Name ist Robicheaux“

Homepage von James Lee Burke

Thrilling Detective über „the Great Lost P. I.“ Dave Robicheaux

Wikipedia über James Lee Burke (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bertrand Taverniers James-Lee-Burke-Verfilmung „In the Electric Mist – Mord in Louisiana“ (In the Electric Mist, USA 2009)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Neonregen“ (The Neon Rain, 1987)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Blut in den Bayous“ (Heaven’s Prisoners, 1988)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Mississippi Jam“ (Dixie City Jam, 1994)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sumpffieber“ (Sunset Limited, 1998)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Straße der Gewalt“ (Last Car to Elysian Fields, 2003)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Flucht nach Mexiko – Ein Dave-Robicheaux-Krimi“ (Crusader’s Cross, 2005 )

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Sturm über New Orleans“ (The Tin Roof Blowdown, 2007)

Meine Besprechung von James Lee Burkes „Regengötter“ (Rain Gods, 2009)

 


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Intrige“ gegen Dreyfus, aufgearbeitet von Roman Polanski und Robert Harris

Februar 6, 2020

Auch wer nichts über den Fall Dreyfus weiß, weiß, dass es sich um den wahrscheinlich größten Justizskandal in der Geschichte Frankreichs handelt. 1894 wird der junge jüdische Offizier Alfred Dreyfus als Spion verurteilt. Der Landesverräter soll sein restliches Leben am anderen Ende der Welt auf der Teufelsinsel verbringen. Einige Jahre später, nachdem Émile Zola seinen legendären Brief „J’accuse“ (Ich klage an) in der Zeitung „L’Aurore“ veröffentlichte und es zahlreiche weitere Aufrufe, Proteste und Gerichtsverhandlungen gegeben hatte, wird Dreyfus freigesprochen. Die Beweise gegen ihn waren fabriziert worden, weil er ein Jude war.

Die Geschichte von diesem in Frankreich immer noch bekanntem Skandal erzählen jetzt Roman Polanski und Robert Harris in „Intrige“. Die Idee, die Geschichte noch einmal zu erzählen, äußerte Polanski gegenüber Harris Anfang 2012 in Paris bei einem Mittagessen. Davor hatte Polanski mit dem Bestsellerautor, nach seinem gleichnamigem Roman, das Drehbuch für den Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ geschrieben. Nach diesem Mittagessen begann Harris mit den Recherchen. 2013 veröffentlichte er seinen Roman „Intrige“, in dem er aus der Sicht von Oberstleutnant Marie-Georges Picquart die Geschichte des Dreyfus-Skandals nacherzählt. Picquart ist der Mann, der nach der Verurteilung und öffentlichen Degradierung von Dreyfus zum Chef der Statistik-Abteilung (vulgo dem Geheimdienst) befördert wird und bei seiner Arbeit auf Merkwürdigkeiten im Fall Dreyfus stößt. Die Beweise die gegen Dreyfus in nicht öffentlichen Verhandlungen präsentiert wurden, sind dünn. Teilweise sind es auch keine Beweise für seine Schuld und teilweise sind sie fabriziert. Picquart zweifelt immer mehr an der Schuld von Dreyfus. Dazu trägt auch bei, dass er Hinweise auf einen weiteren deutschen Spion stößt, der wahrscheinlich die Taten, die Dreyfus vorgeworfen werden, verübte. Nur: kann er das beweisen und werden seine Vorgesetzten und die Regierung auf ihn hören?

Der mit über sechshundert Seiten etwas zu umfangreich gewordene Roman erzählt die Geschichte nah, sehr nah, an den tatsächlichen Ereignissen entlang.

Schon während des Mittagessens planten Polanski und Harris eine Verfilmung. Der jetzt nach einem Drehbuch von Harris und Polanski entstandene Film folgt dem Roman und, mit einigen Straffungen und einer Konzentration auf Picquart, den historisch verbürgten Ereignissen.

Polanski erzählt Picquarts Geschichte arg gediegen. Sehr ruhig breitet er den sich für Picquart in seiner ganzen Dimension erst langsam erschließenden Skandal aus. Dabei dauert es einige Zeit, bis Picquart sich in seiner neuen Arbeit eingelebt hat und auf die ersten Spuren stößt, die ihn veranlassen, den eigentlich schon abgeschlossenen Fall Dreyfus wieder aufzurollen.

Am Ende wirkt Polanskis Polit-Thriller wie ein bebilderter Wikipedia-Artikel. Die Fakten stimmen. Die Empörung über die Verurteilung von Dreyfus und die anschließende Vertuschung durch die Regierung stellt sich dagegen im Film nicht so sehr ein wie im Roman, wo der damals allgegenwärtige Judenhass auf jeder Seite spürbar ist. Es ist ein Hass, der den gesamten Staatsapparat beherrscht. Für die Militärs, Geheimdienstler und Politiker ist Dreyfus aufgrund seiner Herkunft der ideale Täter. Er ist so ideal, dass sie später skrupellos den wahren Spion beschützen.

Damit ist „Intrige“ nicht nur eine historische Lehrstunde, sondern ein zeitlos aktueller Aufruf zur Zivilcourage und eine Anklage gegen den wieder zu alltäglich werdenden Antisemitismus.

Intrige (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: An Officer and a Spy, 2013 (Intrige)

mit Jean Dujardin, Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Grégory Gadebois, Hervé Pierre, Wladimir Yordanoff, Didier Sandre, Melvil Poupaud, Eric Ruf, Mathieu Amalric, Laurent Stocker, Vincent Perez, Michel Vuillermoz

Länge: 132 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Robert Harris: Intrige

(übersetzt von Wolfgang Mülller)

Heyne, 2020 (Filmcover)

624 Seiten

10,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2013

Originalausgabe

An Officer and a Spy

Hutchinson, London, 2013

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Intrige“

AlloCiné über „Intrige“

Metacritic über „Intrige“

Rotten Tomatoes über „Intrige“

Wikipedia über „Intrige“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Robert Harris

Perlentaucher über „Intrige“

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Venus im Pelz” (La Vénus á la Forrure, Frankreich/Polen 2013)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Nach einer wahren Geschichte“ (D’après une histoire vraie, Frankreich 2017)


Zum Abschluss von „Batman: Damned“ und dem Batman-Jubiläum „Detective Comics 1000“

Februar 6, 2020

Lang, lang ist es hier, als ‚Batman‘ Bruce Wayne seinen ersten Auftritt hatte. Das war im März 1939 in US-Detective Comics # 27. Später wurde er der einzige Ermittler der Detectice Comics und im tausendsten Heft haben bekannte Autoren und Zeichner wie Scott Snyder, Kevin Smith, Warren Ellis, Christopher Priest, Brian Michael Bendis, Greg Capullo, Jim Lee und Becky Cloonan ein gutes Dutzend kurzer „Batman“-Geschichten geschrieben. Während einige der Geschichten auch ohne Vorwissen (oder nur dem Vorwissen aus einem beliebigen Batman-Film) verständlich sind, wird in anderen Geschichten tief in der Batman-Mythologie gegraben und manchmal geht es auch nur um einen Scherz. Insgesamt ist das über hundertseitige Batman-Special damit vor allem ein dickes Heft für den langjährigen „Batman“-Fan.

Das gilt so ähnlich auch für den dritten „Batman: Damned“-Band von Autor Brian Azzarello und Zeichner Lee Bermenjo. Es ist der Abschluss ihrer auf drei Comicalben angelegten Geschichte, die in der neuen DC-Reihe „Black Label“ erschien. In ihr werden, so der Verlag, eigenständige Geschichten für erwachsene Leser präsentiert.

In dieser Geschichte glaubt Bruce Wayne, dass er seinen Erzfeind, den Joker, getötet hat. Schwer verletzt konnte er im ersten „Damned“-Band aus einem Krankenwagen flüchten. Als er halbtot durch Gotham City taumelt, trifft er traf auf den Okkultisten John Constantine. Der entführt ihn in eine Welt, in der Dämonen, Geister und Zauberer existieren.

Die sich dann entspinnende Geschichte ist ein Alptraum, der bildgewaltig und textarm der Logik eines Fiebertraums folgt. Das ist wirklich nicht der Batman, den man aus anderen Batman-Geschichten kennt.

Batman Special: Detective Comics 1000

(übersetzt von Ralph Kruhm)

Panini Comics, 2019

108 Seiten

6,99 Euro

Originalausgabe

Detective Comics # 1000

DC Comics, 2019

Brian Azzarello/Lee Bermejo: Batman: Damned – Band 3

(übersetzt von Josef Rother)

Panini Comics, 2019

60 Seiten

12,99 Euro

Originalausgabe

Batman: Damned 3

DC Black Label, 2019

Hinweise

DC Comics über Batman

Wikipedia über Batman (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs „Loveless 3 – Saat der Vergeltung” (Loveless: Blackwater Falls, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Danijel Zezeljs “Loveless 4 – Stunde der Abrechnung” (Loveless, Vol. 19 – 24, 2008)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos/Eduardo Rissos „!00 Bullets: Das Einmaleins der Macht (Band 11)“ (100 Bullets: Once upon a crime, Volume 76 – 83)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets: Das dreckige Dutzend (Band 12)“ (100 Bullets: Dirty, Volume 84 – 88)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets: Freitag (Band 13) (100 Bullets: Wilt, Volume 89 – 100)

Meine Besprechung von Brian Azzarello (Autor)/Eduardo Risso (Zeichner): Batman – Kaputte Stadt, 2012 (Broken City: Part 1 – 5, Conclusio (Batman # 620 – 625), Dezember 2003 – Mai 2004)

Meine Besprechung von Brian Azzarellos “Wonder Woman: Blut (Band 1)” (Wonder Woman #1 – 6, 2011/2012)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Before Watchmen: Rorschach“ (Before Watchmen: Rorschach – Damntown (Part One – Four), 2012/2013)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Goran Sudžuka/Cliff Chiangs „Wonder Woman: Königin der Amazonen (Band 6)“ (Wonder Woman # 30 – 35, 2014)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Matteo Casalis „Batman: Europa (Batman: Europa, 2016)

Meine Besprechung von Frank Miller/Brian Azzarello/Andy Kubert/Klaus Janson/Brad Anderson/Alex Sinclairs „Batman – Die Übermenschen“ (Dark Knight III: The Master Race # 1 – 9, 2018 )

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Batman: Kaputte Stadt und weitere Abenteuer“ (Batman: Gotham Knights #8, 2000; Batman # 620 – 625, 2003/2004; Flashpoint: Batman – Knight of Vengeance # 1 – 3, 2011; Wednesday Comics # 1 – 12, 2009)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 1“ (Batman: Damned # 1, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Lee Bermejos „Batman: Damned – Band 2“ (Batman: Damned # 2, 2018)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „Moonshine – Band 1“ (Moonshine, Volume 1, 2017)