TV-Tipp für den 15. Juni: Womit habe ich das verdient?

Juni 15, 2018

Ric, 22.25

Womit habe ich das verdient? (¿Qué he hecho yo para merecer esto?, Spanien 1984)

Regie: Pedro Almodóvar

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Gloria hat es nicht leicht mit ihrem despotischen Ehemann und ihren missratenen Kindern. Als ihr Mann für einen Besuch bei seiner Ex-Geliebten ein gebügeltes Hemd verlangt, reicht es ihr. Sie erschlägt ihn mit einer Schinkenkeule…

Das Ensemblestück ist ein Frühwerk von Almodóvar, das bei uns sogar 1991 im Kino lief und dann in der Versenkung verschwand. Im Fernsehen wurde die Komödie gut zwanzig Jahre nicht ausgestrahlt.

Obwohl die vorliegende Proletarierstudie von 1984 weder in Tempo noch in satirischer Schärfe mit den neueren Filmen mithalten kann, lässt sie doch schon Almodóvars eigenwillige Handschrift erkennen, so seinen Hang zu schrillen Farben und sexuellen Extravaganzen. Der beste Einfall in dieser lahmen Außenseitergroteske, die ihre Ideenarmut mit zahlreichen Nebenhandlungen zu kaschieren sucht, ist der absurde Plan, gefälschte Hitler-Tagebücher herzustellen.“ (Fischer Film Almanach 1992)

mit Carmen Maura, Angel de Andrés López, Chus Lampreave, Verónica Forqué, Kiti Manver

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Womit habe ich das verdient?“

Wikipedia über „Womit habe ich das verdient?“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars “Fliegende Liebende” (Los amates Pasajeros, Spanien 2013)

Meine Besprechung von Pedro Almodóvars „Julieta“ (Julieta, Spanien 2016)

Pedro Almodóvar in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Wim Wenders porträtiert „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Juni 14, 2018

In den vergangenen Jahrzehnten drehte Wim Wenders neben seinen Spielfilmen etliche Dokumentarfilme über Künstler, die er bewundert. Wie den Regisseur Nicholas Ray in „Nick’s Film – Lightning Over Water“, den Modeschöpfer Yohji Yamamoto in „Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten“, und, zuletzt, den Fotografen Sebastião Salgado in „Das Salz der Erde“. Ein Welterfolg war „Buena Vista Social Club“. In dem Film beobachtet er, wie Ry Cooder und kubanische Musiker eine CD aufnehmen, die sich später wie geschnitten Brot verkauft. Wenders nähert sich in den Filmen immer feinfühlig, respektvoll und abseits jeglicher kritischer oder enthüllender Attitüde den Porträtierten. Mit seinen Dokumentarfilmen will er anderen Menschen von Künstlern erzählen, deren Werk ihn beeindruckt. In der Hoffnung, dass wir uns dann auch für ihn und sein Werk interessieren. Außerdem ist so ein Filmprojekt eine gute Gelegenheit, viele Stunden in der Nähe des Porträtierten zu verbringen. Abgesehen von „Pina“, einer Hommage an Pina Bausch und ihr Tanztheater, und der Sängerin Omara Portuondo in „Buena Vista Social Club“ porträtierte Wenders in seinen Dokumentarfilmen nur Männer.

Auch in „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ porträtiert er einen Mann und dieser Film zeigt auch die Grenzen seines Ansatzes auf. Er begleitet Papst Franziskus, das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche, bei seinen Reisen und führte vier längere Gespräche mit ihm. Dafür stellte er über fünfzig universelle Fragen zusammen, die wahrscheinlich viele Menschen dem Papst stellen würde. Diese Gespräche nahm Wenders mit einem Interrotron auf; einen umfunktionierten Teleprompter der es dem Interviewten ermöglicht, direkt in die Kamera zu blicken. Und so blickt der immer schelmisch lächelnde alte Mann direkt in den Zuschauerraum. Das Material ergänzt Wenders um Aufnahmen aus dem Archiv des vatikanischen Fernsehens Centro Televisivo Vaticano (CTV). Das CTV dokumentiert akribisch, teils mit mehreren Kameras und in guter Qualität, alles, was der Papst tut. Zusätzlich inszenierte Wenders mit Schauspielern einige Szenen aus dem Leben von Franz von Assisi, dem Namenspaten des 1936 in Buenos Aires geborenen Jesuiten Jorge Mario Bergoglio, der Ende 2013 zu Papst Franziskus wurde.

In dem Film entsteht schnell das Bild eines Papstes, der sich, wie Franz von Assisi, wenig um irdische Habseligkeiten kümmert. Er will die Botschaft des Herrn verkünden, den Armen helfen, für Frieden sorgen und die Schöpfung retten. Er ist den Menschen zugewandt. Er predigt. Er redet. Er sagt viele sehr vernünftige Sätze. Er reist rastlos um die Welt. Immer wieder sehen wir ihn mit flatterndem Gewand, von hinten aufgenommen, im fahrenden Papamobil stehend, die vorbeihuschenden Massen segnend, auf seiner rastlosen Reise um die Welt, um diese mit dem Handauflegen und Reden zu einem besseren Platz zu machen. Dabei entdeckt er einmal sogar in der Menschenmenge eine Ordensschwester, die er von früher kennt. Spontan wechselt er einige Worte mit ihr. Für den Film wurde sie ausfindig gemacht und Schwester Eufemia ist jetzt die einzige Person in dem Film, die neben dem Papst etwas sagt.

In „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ ist der Papst ein von seiner Mission getriebener Mann, der offenherzig auf andere Menschen zugeht, der mit dem Wort Gottes für eine bessere Welt predigt, der sich für die Verständigung zwischen den Religionen einsetzt und der die katholische Kirche reformieren will.

Er ist das Oberhaupt einer Weltreligion, eines riesigen Wirtschaftsunternehmens und einer über beträchtlichen politischen Einfluss verfügenden Organisation. Er redet nicht nur, er kann auch Menschen mobilisieren und Veränderungen herbeiführen. Ob und inwiefern er das versucht und wie erfolgreich er dabei ist, wird in „Papst Franziskus“ nicht thematisiert. Der Film interessiert sich auch nicht für die Gegner von Papst Franziskus. Denn Papst Franziskus hat innerparteiliche Kritiker und Feinde. Vor allem unter den konservativen Christen.

Wenders geht in seinem Papstporträt darauf nicht ein. Es interessiert ihn nicht. Jedenfalls nicht im Rahmen eines Wenders-Dokumentarfilms, der sich nicht durch kritische Distanz, sondern durch hemmungslose Empathie für den Porträtierten auszeichnet.

Aber ein Film über den Papst muss auch über den Einfluss der Kirche auf die Welt und die Konflikte innerhalb der Kirche sprechen.

Diese fehlende politische Dimension, die in Wenders‘ anderen Dokumentarfilmen nicht weiter auffiel, ist hier eine Leerstelle, die die Grenzen der Methode Wenders aufzeigt. Ein Papst kann nicht nur als Gläubiger porträtiert werden. Er muss, vor allem ein so politischer Papst wie Papst Franziskus, auch als Homo Politicus gezeigt werden und dann muss gezeigt werden, wie er versucht, seine Ziele zu erreichen (und da sind salbungsvolle Worte, wenn sie nicht mit Taten unterfüttert werden, nur salbungsvolle Worte) und gegen welche Widerstände, vor allem natürlich institutionelle Widerstände, er dabei kämpfen muss und wie er damit umgeht. Denn Franziskus ist wegen seiner liberalen Agenda bei konservativen Katholiken, höflich formuliert, sehr umstritten.

Am Ende ist „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ nur ein Werbefilm der katholischen Kirche für die katholische Kirche ist. Gut gemacht, aber auch absolut kritikfrei, entsprechend oberflächlich und mit beschränktem Erkenntnisgewinn. Jedenfalls wenn man von einem Film über einen Papst mit einer politischen Agenda mehr erwartet als eine zweistündige salbungsvolle Sonntagspredigt.

P. S.: Der Titelsong ist „These are the Words“ von Patti Smith und Tony Shanahan.

Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes (Pope Francis: A Man of his Word, Deutschland 2018)

Regie: Wim Wenders

Drehbuch: Wim Wenders, David Rosier

mit Papst Franziskus, Schwester Eufemia, Ignazio Oliva, Carlo Faconetti, Danielle de Angelis

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Metacritic über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Rotten Tomatoes über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Wikipedia über „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Juni: Kanonenboot am Yangtse-Kiang

Juni 14, 2018

Tele 5, 20.15

Kanonenboot am Yangtse-Kiang (The Sand Pebbles, USA 1966)

Regie: Robert Wise

Drehbuch: Robert Anderson

LV: Richard McKenna: The Sand Pebbles, 1962 (Die Sandjacken, Das Kanonenboot vom Yangtse-Kiang)

China, 1926: ein US-Kanonenboot gerät zwischen die Fronten des beginnenden chinesischen Bürgerkriegs.

Dreistündiges (mit Werbung gut vierstündiges), damals bei der Kritik und dem Publikum erfolgreiches, für je acht Oscars und Golden Globes nominiertes Epos, das seit Ewigkeiten nicht im TV lief.

Eine technisch perfekte, eindrucksvolle Großproduktion mit guten Schauspielern.“ (Lexikon des internationalen Films)

Wise hat den Film so gedreht und den Stoff in so besonders exemplarische Situationen umgesetzt, dass er – sozusagen als Lehrstück – auf Vietnam übertragbar ist. (…) Es gelingt Wise hervorragend, das Lehrstückhafte des Films durch die überzeugende Charakterisierung aller Gestalten, durch einen bestechenden Realismus im Milieu und durch eine völlig entkrampfte Dramaturgie, die nicht von Lehrstück-Situation zu Lehrstück-Situation hastet, mit Leben zu füllen.“ (Eckhart Schmidt, Film 5/1967)

Die nächsten Filme von Steve McQueen waren „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ und „Bullit“.

mit Steve McQueen, Richard Attenborough, Richard Crenna, Candice Bergen, Marayat Andriano, Mako, Larry Gates, Charles Robinson, Simon Oakland, Ford Rainey

Wiederholung: Samstag, 16. Juni, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“

Wikipedia über „Kanonenboot am Yangtse-Kiang“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Robert Wises „Vorposten in Wildwest“ (Two Flags West, USA 1950)

Meine Besprechung von Robert Wises „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, USA 1971)


TV-Tipp für den 13. Juni: April und die außergewöhnliche Welt

Juni 12, 2018

Arte, 23.05

April und die außergewöhnliche Welt (Avril e le monde truque, Frankreich/Kanada/Belgien 2016)

Regie: Franck Ekinci, Christian Desmares

Drehbuch: Frank Ekinci, Benjamin Legrand

LV: Jacques Tardi: L’histoire d’un monde truqué

1941, in einen Steampunk-Europa, verkehrt eine dampfbetriebene Seilbahn zwischen Paris und Berlin und der letzte Krieg ist in dieser von der industriellen Revolution geprägten Welt schon siebzig Jahre her. Weil einige Wissenschaftler verschwanden, wurden saubere Elektroantriebe nie erfunden. Da stoßen die junge April und ihr mutierter Kater auf der Suche nach ihren verschwundenen Wissenschaftler-Eltern auf etwas, das das Verschwinden der Wissenschaftler erklären könnte.

TV-Premiere eines SF-Trickfilms, für den Comickünstler Jacques Tardi die Vorlage schrieb und die Design-Bibel entwarf.

einfallsreiche Ästhetik mit einer vielschichtigen Geschichte“ (Lexikon des internationalen Films)

Davor, um 21.50 Uhr, zeigt Arte den auf der Geschichte von George Orwell basierenden Trickfilmklassiker „Aufstand der Tiere – Animal Farm“ (Großbritannien 1954). Und danach, um 00.45 Uhr, den Trickfilm „Tod eines Genossen“ (Frankreich 2017).

Wiederholung: Sonntag, 17. Juni, 09.25 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „April und die außergewöhnliche Welt“

Metacritic über „April und die außergewöhnliche Welt“

Rotten Tomatoes über „April und die außergewöhnliche Welt“

AlloCiné über „April und die außergewöhnliche Welt“

Wikipedia über „April und die außergewöhnliche Welt“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 12. Juni: Armeen im Griff der Konzerne: Verteidigung als Geschäft

Juni 12, 2018

Arte, 20.15

Armeen im Griff der Konzerne: Verteidigung als Geschäft (Deutschland 2018)

Regie: Jutta Pinzler

Drehbuch: Jutta Pinzler

Als Teil des Arte-Themenabends „Krise als Geschäft“: eine spielfilmlange Doku die Verstrickungen der deutschen und französischen Streitkräfte mit privaten Firmen und welche Folgen das haben kann.

Wie viel Outsourcing verträgt das staatliche Gewaltmonopol und was heißt das für die demokratische Kontrolle militärischer Aktionen? Unsere Autoren hatten Zugang zur französischen Armee und der Bundeswehr, konnten bei Übungen und Auslandseinsätzen wie in Afghanistan drehen und Verantwortliche aus Politik, Armee und Industrie mit ihren Recherchen konfrontieren. Die investigative Dokumentation legt offen, wie weit die Privatisierung bereits fortgeschritten ist, wie eng die Verbindungen zur Rüstungsindustrie sind und welche fatalen Folgen diese Verstrickungen in der Zukunft haben könnten.“ (Arte)

In den USA spricht man schon lange von einem ‚militärisch-industriellem Komplex‘, der einen starken Einfluss auf die Politik hat.

Hinweise

Arte über die Doku (bis zum 9. September 2018 in der Mediathek)


TV-Tipp für den 11. Juni: Phoenix

Juni 10, 2018

One, 20.15

Phoenix (Deutschland 2014)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)

LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)

Deutschland, nach dem 2. Weltkrieg: die Auschwitz-Überlebende Nelly will wieder zurück zu ihrem Mann Johnny, der sie verraten haben soll. Johnny erkennt sie nicht, aber ihm fällt Nellys Ähnlichkeit zu seiner Frau auf und das will er ausnutzen, um an Nellys Vermögen zu kommen. Nelly macht, nicht ohne Hintergedanken, das Spiel mit.

Ein gewohnt sehenswerter Petzold-Film.

Mehr in meiner Besprechung.

mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge, Kirsten Block

Hinweise
Homepage zum Film
Film-Zeit über „Phoenix“
Moviepilot über „Phoenix“
Rotten Tomatoes über „Phoenix“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Christian Petzold in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Juni: Adieu Bulle

Juni 10, 2018

Arte, 20.15

Adieu Bulle (Adieu Poulet, Frankreich 1975)

Regie: Pierre Granier-Deferre

Drehbuch: Francis Veber

LV: Raf Vallet: Adieu Poulet!, 1974 (Adieu, Bulle)

Kommissar Verjeat ermittelt, mitten im tobenden Provinzwahlkampf, gegen einen einflussreichen Politiker, der wahrscheinlich auch ein Mörder ist.

Der „perfekte Actionfilm“ (Lexikon des internationalen Films) bot Lino Ventura, nach einigen untypischen Rollen, wieder eine Glanzrolle. „Fast alle Ingredienzien der von Regisseuren wie Becker, Melville, Sautet und Enrico geprägten Gattung kommen vor, auch jene spröde Männerfreundschaft, die den französischen Unterweltfilm schon immer als europäisches Gegenstück zum Western auswies.“ (Hans Christoph Blumenberg, Kölner Stadt-Anzeiger) Für die Verfilmung wurde die Story kräftig geändert. Daher lohnt sich die Lektüre von Vallets Roman durchaus. Wenn man in einem Antiquariat ein Exemplar auftreibt.

Mit Lino Ventura, Patrick Dewaere, Victor Lanoux, Julien Guiomar, Francoise Brion, Claude Rich

Wiederholung: Montag, 11. Juni, 14.00 Uhr

Hinweise

AlloCiné über „Adieu Bulle“

Rotten Tomatoes über „Adieu Bulle“

Wikipedia über „Adieu Bulle“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 9. Juni: Panic Room

Juni 8, 2018

RTL II, 23.05

Panic Room (Panic Room, USA 2002)

Regie: David Fincher

Drehbuch: David Koepp

Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.

Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.

David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.

Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)

Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Panic Room“

Wikipedia über David Fincher (deutsch, englisch) und „Panic Room“ (deutsch, englisch)

Die Welt: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Süddeutsche Zeitung: Interview mit David Fincher zu „Panic Room“

Drehbuch „Panic Room“ von David Koepp

The Works and Genius of David Fincher (Fan-Blog – mit einem „Panic Room“-Special)

Meine Besprechung von David Finchers “Verblendung” (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)

Meine Besprechung von David Finchers „Gone Girl – Das perfekte Opfer“ (Gone Girl, USA 2014)

David Fincher in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. Juni: Kölner Treff (u. a. mit Wim Wenders)

Juni 8, 2018

WDR, 22.00

Kölner Treff

Lockere Talkrunde. Heute unter anderem mit Wim Wenders, der sicher vor allem über seinen neuen sehenswerten, aber arg unkritisch-verklärenden Dokumentarfilm „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ (Kinostart: 14. Juni) reden wird. Vielleicht erzählt er auch einiges über „Der Himmel über Berlin“ (auf der Berlinale wurde eine restaurierte Fassung präsentiert, die anschließend im Kino lief und auf DVD/Blu-ray veröffentlicht wurde) und seinen neuen eher missglückten Spielfilm „Grenzenlos“ (Kinostart: 2. August) (Die Filmbesprechungen gibt es zum Kinostart.).

Zu den anderen Gästen gehört Berlinale-Chef Dieter Kosslick.

Hinweise

WDR über die Sendung

Meine Besprechung von Wim Wenders’ “Hammett” (Hammett, USA 1982)

Meine Besprechung von Wim Wenders/Juliano Ribeiro Salgados “Das Salz der Erde” (The Salt of the Earth, Frankreich/Deutschland 2013)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Every thing will be fine“ (Deutschland/Kanada/Norwegen/Schweden 2015)

Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Die schönen Tage von Aranjuez“ (Les beaux jours d‘ Aranjuez, Deutschland/Frankreich 2016)

Wim Wenders in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Juni: GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia

Juni 6, 2018

Kabel 1, 22.50

GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)

Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.

Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.

mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino

Hinweise

Rotten Tomatoes über „GoodFellas“

Wikipedia über “GoodFellas” (deutsch, englisch) und über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „The Wolf of Wall Street“ (The Wolf of Wall Street, USA 2013) und ein Infodump dazu

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: In der Mitte einer neuen Trilogie: „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Juni 6, 2018

Drei Jahre nachdem eine Horde Dinosaurier auf Isla Nublar einen Freizeitpark mit ihnen als Attraktion verwüstete, ist die Insel verwaist. Bis auf die Dinosaurier, die dort ungestört von den Menschen leben. Als auf der Insel ein Vulkan ausbrechen soll, ist ihr Überleben fraglich.

Eli Mills (Rafe Spall), der Geschäftsführer des Lockwood Estate, möchte sie retten. Sein Chef, der kranke Benjamin Lockwood (James Cromwell), war, neben John Hammond, einer der beiden Hauptfinanziers des Freizeitparks. Die Dinosaurier sollen auf eine andere Insel gebracht werden. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) soll dabei helfen. Sie war früher die zahlenfixierte Leiterin des Parks. Jetzt kämpft sie für das Überleben der Dinos. Mills braucht sie, weil nur mit ihrem Handabdruck der Inselcomputer gestartet werden kann, mit dem die Dinos geortet werden können. Owen Grady (Chris Pratt) soll mitkommen, weil er ihnen helfen kann, Blue zu finden. Vor allem diesem besonders intelligenten Dino mit Führungsqualitäten (Dino! Nicht Affe.) gilt das Interesse der Expedition. Begleitet werden sie von einer kleinen Söldnerarmee, die das tut, was Söldnerarmee in solchen Filmen immer tun: schießen und eher illegale Aufträge erledigen.

Deshalb erfahren Grady und Dearing (inzwischen mit besserem Schuhwerk) schon auf der Insel, dass sie hereingelegt wurden. Mills will die Dinos nicht vor dem sicheren Tod retten, sondern sie meistbietend verkaufen.

Als der Vulkan ausbricht, sollen Grady und Dearing zu den Opfern der Katastrophe gehören. In letzter Sekunde gelingt ihnen die Flucht auf das rettende Transportschiff, das die Dinosaurier an einen anderen Ort bringen soll.

In diesem Moment ist noch nicht einmal die erste Stunde von J. A. Bayonas „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ um. Bayona, der Regisseur von „The Impossible“ und „Sieben Minuten nach Mitternacht“, übernahm die Regie, nachdem „Jurassic World“-Regisseur Colin Trevorrow keine Zeit hatte. Er sollte „Star Wars IX“ inszenieren. Das zerschlug sich später. Für „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ schrieb Trevorrow mit Derek Connolly das Drehbuch. Aktuell schreibt er, zusammen mit Emily Carmichael, das Drehbuch für den dritten „Jurassic World“-Film, der unter seiner Regie am 11. Juni 2021 die Trilogie global abschließen soll.

Unübersehbar ist bei Bayonas Film der Charakter eines Übergangswerk, das die Verbindung zwischen dem ersten und dritten Teil herstellen soll. Ohne große Erklärungen werden wir in die Handlung geworfen, die in der ersten Hälfte vor allem auf Isla Nublar, in der zweiten Hälfte auf dem riesigen Lockwood-Anwesen spielt. Es gibt viele Dialoge, die einfach nur Dinge erklären. Das ist nicht so wahnsinnig spannend. Es gibt reichlich Action und Spaß mit den Dinosaurier. Einige altbekannte, einige neue Dinosaurier. Insgesamt sind in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ mehr Dinosaurier zu sehen als in allen anderen „Jurassic“-Filmen zusammen und sie sind in ihrer vollen Pracht schon von der ersten Minute an zu sehen. Aber die reichlich vorhandene Action packt nicht, weil uns die durchgehend ziemlich eindimensionalen Charaktere weitgehend egal sind. Suspense und eine damit verbundene Atmosphäre der Bedrohung. ist ebenfalls dünn gesät. Vor allem wenn man an Bayonas Tsunami-Film „The Impossible“ denkt, der anfangs sehr direkt die bedrohliche Atmosphäre von „Der weiße Hai“ zitiert und der später eindrücklich die Folgen der wahren Katastrophe zeigt. Aber in dem Film geht es um Menschen in einer realen Situation. In „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ geht es um Eskapismus im Blockbuster-Format, bei dem, so lange riesige Tiere aufeinander losgehen, eine persönliche Handschrift und mehrere erzählerische Ebenen nicht benötigt werden.

Es gibt in „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ auch keine richtige, in sich abgeschlossene Geschichte, sondern nur einen Mittelteil, der dazu dient, viele Menschen und Tieren in die richtige Position für die finale Schlacht zu bringen.

In dem Gewusel bleibt dann wenig Zeit, um die verschiedenen Personen genauer zu charakterisieren und sie auf eine emotionale Reise zu schicken. Alles muss immer schnell gehen. Außerdem sind inzwischen auch im „Jurassic World“-Universum so viele wichtige Charaktere dabei, dass, wie bei einer TV-Serie, für den einzelnen Charakter innerhalb des Films kaum Zeit bleibt. So hat Jeff Goldblum im Film als vor dem menschlichen Treiben warnender Wissenschaftler Ian Malcolm nur zwei Szenen, die er sitzend wahrscheinlich innerhalb eines Tages abdrehte.

Es ist auch ein Film, der ständig an andere Filme erinnert. Schießwütige Söldner und die irrwitzige Idee, Dinosaurier auf das Festland zu bringen, kennen wir bereits aus „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“. Anderes aus etlichen Monsterheulern, den neuen „Planet der Affen“-Filmen, „King Kong“, bzw. „Kong“ und, zuletzt, „Rampage“; – – – eigentlich erzählt „Rampage“ eine sehr ähnliche Geschichte, die dank der Konzentration auf wenige Personen und Tiere, deutlich besser und vor allem mit mehr Augenzwinkern, vulgo vergnüglicher, erzählt wird.

Jurassic World: Das gefallene Königreich (Jurassic World: Fallen Kingdom, USA 2018)

Regie: J. A. Bayona

Drehbuch: Colin Trevorrow, Derek Connolly

LV: Charaktere von Michael Crichton

mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Rafe Spall, Justice Smith, Daniella Pineda, James Cromwell, Toby Jones, Ted Levine, Jeff Goldblum, Isabella Sermon, BD Wong, Geraldine Chaplin

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

DEnglische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Metacritic über „Jurassic World: „Das gefallene Königreich“

Rotten Tomatoes über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“

Wikipedia über „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von Juan Antonio Bayonas „The Impossible“ (Lo imposible, USA/Spanien 2012)

Meine Besprechung von J. A. Bayonas „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (A Monster calls, USA/Spanien 2016)


TV-Tipp für den 6. Juni: Jurassic World

Juni 6, 2018

ZDF, 20.15

Jurassic World (Jurassic World, USA 2015)

Regie: Colin Trevorrow

Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly, Colin Trevorrow

LV: Charaktere von Michael Crichton

Jedes Jahr besuchen Tausende die Isla Nublar, um dort lebendige Dinosaurier zu bestaunen. Eines Tages ergänzen die Urviecher ihren Speiseplan um die Inselbesucher und, nun, drücken wir es mal so aus: die Urlauber erleben einen unvergesslichen Urlaub. Wenn sie ihn überleben.

Unterhaltsamer und an der Kinokasse sehr erfolgreicher Dino-Thriller, der die Geschichte von „Jurassic Park“ weiter erzählt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Heute startet die Fortsetzung „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ (Besprechung folgt) und der dritte Film, der die Trilogie abschließen soll, ist bereits in Arbeit.

mit Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Ty Simpkins, Nick Robinson, Vincent D’Onofrio, Judy Greer, BD Wong, Omar Sy, Jake Johnson, Irrfan Khan, Katie McGrath

Wiederholung: Freitag, 8. Juni, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Andere deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Jurassic World“
Moviepilot über „Jurassic World“
Metacritic über „Jurassic World“
Rotten Tomatoes über „Jurassic World“
Wikipedia über „Jurassic World“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „Jurassic World“ (Jurassic World, USA 2015)

Meine Besprechung von Colin Trevorrows „The Book of Henry“ (The Book of Henry, USA 2017)


TV-Tipp für den 5. Juni: The Program – Um jeden Preis

Juni 4, 2018

3sat, 20.15

The Program – Um jeden Preis (The Program, Großbritannien 2015)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: John Hodge

LV: David Walsh: Seven Deadly Sins: My Pursuit of Lance Armstrong, 2012

Die Geschichte von Radler Lance Armstrong, der gedopt sieben Mal die Tour de France gewann und der alle Titel wieder verlor.

Frears erzählt in seinem gelungenem Biopic die vor allem im Radsport allseits bekannten Fakten über den Wunderknaben flott nach.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ben Foster, Chris O’Dowd, Guillaume Canet, Jesse Plemons, Denis Ménochet, Lee Pace, Edward Hogg, Dustin Hoffman

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Program“
Moviepilot über „The Program“
Metacritic über „The Program“
Rotten Tomatoes über „The Program“
Wikipedia über „The Program“ (englisch) und Lance Armstrong (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Meine Besprechung von Stephen Frears “Philomena” (Philomena, GB 2013)

Meine Besprechung von Stephen Frears „The Program – Um jeden Preis“ (The Program, Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Stephen Frears „Florence Foster Jenkins“ (Florence Foster Jenkins, USA 2016)

Meine Besprechung von Stephen Frears‘ „Victoria & Abdu“l (Victoria & Abdul, Großbritannien 2017)


TV-Tipp für den 4. Juni: The Lost World

Juni 4, 2018

Arte, 00.15

The Lost World (The Lost World, USA 1925)

Regie: Harry Hoyt

Drehbuch: Marion Fairfax

LV: Sir Arthur Conan Doyle: The Lost World, 19112 (Die verlorene Welt)

Vor „Jurassic Park“ gab es „The Lost World“: eine von Sherlock-Holmes Erfinder Sir Arthur Conan Doyle ersonnene Welt im Amazonas, wo es noch Dinosaurier gibt. Als Professor davon erfährt, macht er sich mit einer Gruppe Abenteurer auf den Weg in den nicht erforschten Dschungel.

Ein Klassiker des Stummfilms, des Monsterfilms und ein Erlebnis für Fans von Trickfilmen. Sie alle werden beeindruckt sein von dem damaligen, stilprägenden Hit.

Willis H. O’Brien und Marcel Delgado fertigten über fünfzig Tierfiguren an, die mit dem Stop-Motion-Verfahren zum Leben erweckt wurden.

Arte zeigt die restaurierte und um fehlende Szenen ergänzte Fassung des Films, die 2016 erneut digitalisiert wurde.

Mit Wallace Beery, Bessie Love, Lloyd Hughes, Lewis Stone, Arthur Hoyt

auch bekannt als „Die verlorene Welt“

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Lost World“

Wikipedia über „The Lost World“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Mein Hinweis auf „“Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 4“ (Sherlock, GB 2017)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: 10 Cloverfield Lane

Juni 3, 2018

Pro7, 22.40

10 Cloverfield Lane (10 Cloverfield Lane, USA 2016)

Regie: Dan Trachtenberg

Drehbuch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle

Nach einem Autounfall mitten im Nirgendwo erwacht Michelle in einem Bunker und der gewohnt grandios von John Goodman gespielt durchgeknallte (?) Hausherr erklärt ihr, dass die Erde von Außerirdischen überfallen wurde. Sie müsse daher bei ihm bleiben.

Spannender Psychothriller

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mary Elizabeth Winstead, John Goodman, John Gallagher Jr.

Wiederholung: Montag, 4. Juni, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „10 Cloverfield Lane“

Metacritic über „10 Cloverfield Lane“

Rotten Tomatoes über „10 Cloverfield Lane“

Wikipedia über „10 Cloverfield Lane“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Trachtenbergs „10 Cloverfield Lane“ (10 Cloverfield Lane, USA 2016)


TV-Tipp für den 2. Juni: Rock am Ring 2018

Juni 2, 2018

3sat, 20.15

Rock am Ring 2018

One! Two! Three! Let’s Rock!!!

Ab 22.30 Uhr zeigt 3sat live das Konzert von „Muse“. Davor gibt es Ausschnitte aus anderen „Rock am Ring“-Konzerten und weil „Rock am Ring“ der große Gemischtwarenladen unter den Festivals ist, ist für jeden etwas dabei.

Hinweise

3sat über die Sendung

Festival-Homepage


TV-Tipp für den 1. Juni: Out of Inferno

Juni 1, 2018

Tele 5, 20.15

Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)

Regie: Danny Pang, Oxide Pang

Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang

In einem Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, bricht an einem heißen Tag ein Feuer aus – und dann passiert das, was in Katastrophenfilmen immer passiert: Katastrophe reiht sich an Katastrophe, Menschen sterben, Menschen werden gerettet und die Stuntmänner müssen Überstunden schieben.

Trotzdem gefällt das Drama der Pang-Brüder („Bangkok Dangerous“) mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.

mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng

Wiederholung: Samstag, 2. Juni, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Out of Inferno“

Wikipedia über „Out of Inferno“

Meine Besprechung von Danny und Oxide Pangs „Out of Inferno“ (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Charlize Theron ist nicht „Tully“

Mai 31, 2018

Zuletzt trat Charlize Theron in „Atomic Blonde“ und „Fast & Furious 8“ den Männern so kräftig in den Hintern, dass die Begegnung mit ihr für die Männer meistens tödlich endete. In „Tully“, dem neuen Film von Jason Reitman und Diablo Cody (eine der wenigen Drehbuchautorinnen, deren Name einem breiteren Publikum bekannt ist), spielt Theron Marlo, eine vierzigjährige zweifache Mutter, die gerade zum dritten Mal schwanger ist. Ihr Bauch ist so riesig, dass er schon in den ersten Minuten einen Hinweis auf die Perspektive und Interpretation des Films gibt. Reitman inszenierte zwar gewohnt naturalistisch, fast schon dokumentarisch, aber er nimmt von der ersten Minute an vollständig Marlos Perspektive ein. Und da ist der Bauch riesig und die Probleme, die mit dem dritten Kind kommen, sind noch größer. Vor allem weil ihr Mann keine große Hilfe für sie ist. Er verdient das Geld. Nach einer Beförderung noch mehr, aber er ist wenig zu Hause und nach Feierabend starrt er, im Bett, gebannt auf den Fernseher. Ihr fünfjähriger Sohn ist so verhaltensauffällig, dass die Schule ihn nicht weiter unterrichten will. Und sie hat niemand, der ihr bei den Kindern und dem Haushalt hilft.

Da bietet ihr vermögender Bruder ihr an, ihr eine Nacht-Nanny zu bezahlen. Sie kümmert sich in der Nacht, während die Mutter schläft, um das Baby. Sie übernimmt die Aufgaben, die früher die Familie, vor allem die Oma, übernommen hat.

Tully (Mackenzie Davis) heißt die Nacht-Nanny und sie ist ganz anders, als Marlo es erwartet hat. Tully ist jung. Mitte Zwanzig. Sie wirkt wie eine etwas ältere Studentin.Sie erinnert Marlo an ihr jüngeres, freigeistiges Ich. Für Marlo ist sie in dem Moment der perfekte rettende Engel. Tully kümmert sich nämlich nicht nur um das Baby, sondern auch um den restlichen Haushalt. Nur wir wollen nicht an den schönen Schein glauben. Immerhin haben wir spätestens seit „Die Hand an der Wiege“, genug Filme gesehen, in denen Babysitter nicht so Mary-Poppins-harmlos waren, wie sie auf den ersten Blick erschienen.

Diablo Cody verarbeitete in ihrem Drehbuch wieder persönliche Erlebnisse. Sie ist selbst dreifache Mutter und nahm bei ihrem dritten Kind eine Nacht-Nanny. Aus dieser Inspiration schuf sie die Studie einer ausgewachsenen postpartalen Depression (vulgo Babyblues oder Heultage) und einer Beziehung zwischen einer Mutter, die glaubt, alles alleine machen zu müssen, und dem guten Hausgeist, der nach Sonnenuntergang auftaucht und vor Sonnenaufgang wieder spurlos verschwindet.

Jason Reitman verfilmte bereits kongenial zwei Drehbücher der gleich alten Cody. Er verfilmte auch „Tully“ mit der ihm eigenen, immer den Personen zugewandten, sie niemals verurteilenden Feinfühligkeit. In „Juno“ arbeiteten sie erstmals zusammen. Der Film, Codys Oscar-prämiertes Debüt und Reitmans zweiter Film (nach dem Sundance-Hit „Thank you for smoking“), war für sie der große Durchbruch. Sie erzählen die Geschichte einer schwangeren Sechzehnjährigen, die ihr Kind zur Adoption freigeben will. In „Young Adult“ geht es um eine Jugendbuchautorin, die mit Mitte Dreißig plötzlich die Zeit zurückdrehen und ihre Jugendliebe wieder verführen will. Rückblickend betrachtet war ich damals wohl etwas zu harsch gegenüber dem Film. In „Tully“ geht es dann um die Probleme einer mehrfachen Mutter, ihren Alltag zu organisieren.

Jeder dieser Filme wirft einen originären Blick auf das Leben und die Gefühle von Frauen. Sie sind komplexe Charaktere, die versuchen, mit ihrem Leben zurecht zu kommen. Dabei ergibt sich, wenn man die drei Filme als fiktive Chronologie von Diablo Codys Leben und Gefühlswelt betrachtet, eine die Filme überspannende Entwicklung von jugendlicher Unbeschwertheit über Selbstfindungsprobleme hin zu mehrfacher Mutterschaft und Verantwortung für mehrere Menschen. Salopp gesagt: von spitzer Komödie zu düsterem Drama. In „Tully“ gibt es nichts mehr zu lachen. Die Protagonistin denkt nicht mehr daran, wie sie die Welt verändern will, sondern wie sie früher die Welt verändern wollte und wie sie früher ein freier und ungebundener Mensch war. Wie Tully. Heute ist sie, ständig übermüdet, im Gefängnis von drei Kindern, deren Forderungen und den Ansprüchen der Gesellschaft, die im Alltag gerne das Hollywood-Bild einer glücklichen Mutter hätte.

Und Charlize Theron, die schon in „Young Adult“ die Hauptrolle hatte, sieht hier wirklich wie die vierzigjährige, ständig übermüdete und überforderte Mutter aus, die keine Zeit mehr hat, auf ihr Aussehen oder ihren Körper zu achten, aus. Sie will nur noch den nächsten Tag überleben.

Mütter werden in Marlo leicht ein Ebenbild von ihnen erkennen. Männer werden vielleicht besser verstehen, was eine Frau nach der Schwangerschaft durchmacht. Und am Ende haben beide einen Film gesehen, der sehr gelungen und scheinbar mühelos die verschiedenen Themen, Motive und Fährten zu einem Ende zusammenfügt, das nichts von einem typischen Hollywood-Ende hat. 

P. S. für James-Bond-Fans: Kaitlyn und Mady Dever singen als Beulahbelle eine Cover-Version von „You only live twice“.

Tully (Tully, USA 2018)

Regie: Jason Reitman

Drehbuch: Diablo Cody

mit Charlize Theron, Mackenzie Davis, Ron Livingston, Mark Duplass, Lia Frankland, Asher Miles Fallica

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Tully“

Metacritic über „Tully“

Rotten Tomatoes über „Tully“

Wikipedia über „Tully“

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung“ (Men, Women, and Children, USA 2014)

Talks at Google lädt Charlize Theron, Mackenzie Davis, Ron Livingston und Jason Reitman zum Gespräch über den Film

Times Talks mit Charlize Theron und Jason Reitman (ab Minute 4:20)

Und Diablo Cody hat auch etwas zu sagen

 

 

 


TV-Tipp für den 31. Mai: Juno

Mai 31, 2018

Disney Channel, 20.15

Juno (Juno, USA 2007)

Regie: Jason Reitman

Drehbuch: Diablo Cody

Die sechzehnjährige Juno (Ellen Page) ist schwanger. Aber anstatt das mit einem Schulkameraden gezeugte Kind abzutreiben, möchte sie es zur Adoption freigeben. Sie hat auch schon die richtigen Eltern gefunden.

Die herrlich unsentimentale, schnoddrige und immer wieder altkluge Komödie war ein Überraschungserfolg. Diablo Cody erhielt für ihr Buch den Drehbuchoscar.

Juno“ ist die erste Zusammenarbeit von Jason Reitman und Diablo Cody. „Young Adult“ (mit Charlize Theron) und „Tully“ (ebenfalls mit Theron) folgten. In den Filmen reflektiert Cody auch ihr Leben.

Tully“ läuft heute in den deutsche Kinos an – und der Film, auch wenn er keine Komödie ist, einen Blick wert.

Mit Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman, J. K. Simmons

Wiederholung: Freitag, 1. Juni, 23.15 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „Juno“

Metacritic über „Juno“

Rotten Tomatoes über „Juno“

Wikipedia über „Juno“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Wer ist Diablo Cody? (mit Links zum Drehbuch und Interviews)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Young Adult“ (Young Adult, USA 2011)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „Labor Day“ (Labor Day, USA 2013)

Meine Besprechung von Jason Reitmans „#Zeitgeist – Von digitaler Nähe und analoger Entfremdung“ (Men, Women, and Children, USA 2014)


DVD-Kritik: Ethan Hawke hat „24 Hours to Live“

Mai 30, 2018

Zwischen seine anspruchsvollen Filme, die ihm Kritikerlob und Preise bescheren, mischt Ethan Hawke immer wieder kleine Thriller mit mehr oder weniger viel Action. „24 Hours to Live“ hat mehr Action. Trotzdem ist der Hinweis „Vom Produzenten von John Wick“ auf dem Cover etwas irreführend. Brian Smrz‘ Film ist keine Actionorgie, sondern ein gut abgehangener B-Thriller, der dank der Schauspieler, dem Schauplatz Südafrika, der soliden Inszenierung und einiger Anspielungen auf aktuelle Probleme (wie illegale medizinische Experimente und die Umtriebe von privaten Militärunternehmen) über dem Durchschnitt ist. Jedenfalls solange man nicht zu genau über die Prämisse nachdenkt. Denn der von Ethan Hawke gespielte Ex-Söldner Travis Conrad wird nach seinem Tod zurück ins Leben geholt. Für 24 Stunden. Dann wird er endgültig sterben. Und weil er am Anfang dieser 24 Stunden erfährt, dass er von seinen Auftraggebern hereingelegt wurde, begibt er sich auf einen Rachetrip quer durch das fotogene Südafrika, dem Sitz des privaten Militärunternehmens, für das Conrad jahrelang arbeitete und das ihn jetzt töten will.

24 Hours to Live“ ist ein hübscher kleiner Thriller, der früher auch im Kino gelaufen wäre. Mehr oder weniger unter dem Radar der Kritik.

Regisseur Brian Smrz ist ein verdienter Stuntman (seine erste Arbeit war 1981 für „Die Kadetten von Bunker Hill“) und Second Unit Regisseur. Unter anderem bei fast allen „X Men“-Filmen und „Iron Man 3“. „24 Hours to Live“ ist sein zweiter Spielfilm.

24 Hours to Live (24 Hours to Live, LAND 2017

Regie: Brian Smrz

Drehbuch: Ron Mita, Jim McClain, Zach Dean

mit Ethan Hawke, Paul Anderson, Rutger Hauer, Qing Xu, Liam Cunningham, Nathalie Boltt, Hakeem Kae-Kazim

DVD

Universum Film

Bild: 2,40:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „24 Hours to Live“

Metacritic über „24 Hours to Live“

Rotten Tomatoes über „24 Hours to Live“

Wikipedia über „24 Hours to Live“