Neu im Kino/Filmkritik (und ein Buchtipp): „Wonder Woman“ zeigt den Jungs, wo der Hammer hängt

Juni 16, 2017

Schon in „Batman v Superman: Dawn of Justice“ stahl die von Gal Gadot verkörperte Prinzessin Diana, aka „Wonder Woman“, in ihren wenigen Minuten Filmzeit den beiden titelgebenden Superhelden locker die Show. Mit „Wonder Woman“ hat die Comicheldin jetzt ihren überzeugenden Solofilm, der auch als Spielfilm und Einzelfilm überzeugt.

Dass „Wonder Woman“ der mit Abstand beste Film im „DC Extended Universe“ ist, wird hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Denn diese Hürde hätte Regisseurin Patty Jenkins („Monster“) nach den mehr oder weniger desaströsen DC-Filmen „Man of Steel“, „Batman v Superman: Dawn of Justice“ und „Suicide Squad“ auch mit verbundenen Augen im Wachkoma geschafft. Sie erzählt die Origin-Story der Amazonenprinzessin Diana. Allerdings verlegte sie sie vom Zweiten Weltkrieg in die letzten Tage des Ersten Weltkriegs. Deswegen muss Diana im Film nicht (wie in den von ihrem Erfinder William Moulton Marston während des Zweiten Weltkriegs geschriebenen Geschichten) gegen böse Nazis, sondern gegen böse Deutsche kämpfen.

Diese verfolgen den US-Soldaten und Geheimagenten Steve Trevor (Chris Pine) auf die Amazoneninsel Themyscira. Bei einem Kampf am Strand können die Amazonen die Deutschen mit vielen eigenen Verlusten besiegen. Sie haben zwar keine Schusswaffen, aber Schwerter und ein jahrhundertelanges Training.

Trevor erzählt seinen Retterinnen, dass er von den Deutschen verfolgt wurde, weil er von General Ludendorff (Danny Huston) und Dr. Isabel Maru (Elena Anaya) Aufzeichnungen über ein von ihr erfundenes, tödliches Gas stahl und deren Labor zerstörte.

Diana entschließt sich, Trevor in die Welt der Männer zu begleiten und dort den Krieg zu beenden. Hinter dem Krieg kann nur der Kriegsgott Ares stehen.

Über London geht es nach Belgien und zwischen die Kriegsgräben. Dort plant Ludendorff, den sie für die menschliche Verkörperung von Ares hält, mit der Hilfe von Marus Erfindung, den Krieg zu seinen Gunsten zu beenden.

Patty Jenkins erzählt diese Geschichte mit der richtigen Dosis Action, einem leichten Camp-Touch (Dianas Lasso der Wahrheit) und einer ordentlichen Portion sich aus den Situationen ergebenden Humors. Immerhin erlebt Prinzessin Diana in London in der Welt der Männer Sitten, Gebräuche und Gepflogenheiten, die sich doch deutlich von den ihr bekannten unterscheiden. Das beginnt schon mit ihrer kampftauglichen Kleidung und endet bei ihrem respektlosen Umgang mit Männern, die daran gewöhnt sind, dass Frauen still und passiv sind.

Allerdings wird Dianas Origin-Geschichte zu sehr in einem klaren und entsprechend einfachen Gut- und Böse-Schema erzählt, das alle möglichen Grautöne der im Film angesprochenen moralischen und ethischen Fragen ignoriert. Das beginnt schon bei der ersten Begegnung von Diana mit Trevor. Er behauptet, dass er zu den Guten gehört und seine Verfolger die Bösewichter sind. Wir als Zuschauer wissen dank langjähriger Schulung in Hollywood-Konventionen, dass er recht hat, weil er von deutschen Soldaten verfolgt wird und Deutsche immer die Bösewichter sind. Aber Diana wird hier doch als arg naive und leichtgläubige Kriegerin gezeichnet. Auch später, in der Welt der Männer, will sie nur und ohne Umwege den Krieg beenden und so das Böse vernichten. In seiner herzigen Naivität sorgt ihr unbedingter Wille sofort Frieden zu schaffen und ihr Glaube, dass ihr das gelingt, indem sie den Bösewicht besiegt, für erfrischende Momente. Sie (und der Film) verschwendet auch keinen Gedanken an die Komplexität der Situation. Immerhin reden wir hier vom Ersten und nicht vom Zweiten Weltkrieg, in dem die Fronten eindeutig waren.

Diese eindeutige, alle möglichen Grautöne vermeidende Einteilung in Gut und Böse wird während des gesamten Films durchgehalten. Daher ist „Wonder Woman“ durchgehend unterkomplexer und auch apolitischer als nötig. Es ist ein bunter, unterhaltsamer, kurzweiliger, perfekt getimter Abenteuerfilm für die ganze Familie.

Und es ist ein DC-Film, der es locker mit den erfolgreichen Marvel-Filmen aufnehmen kann und sogar bessere Bösewichter hat.

Zum Schluss noch ein paar Fakten und Zahlen: „Wonder Woman“ ist der erste Superheldenfilm mit einer Heldin, der von einer Frau inszeniert wurde. Es ist der erste von einer Frau inszenierte Film mit einem Budget von über 100 Millionen US-Dollar. Er soll 150 Millionen US-Dollar gekostet haben. Und mit einem Einspielergebnis von über hundert Millionen US-Dollar in den USA am Startwochenende ist „Wonder Woman“ der erfolgreichste von einer Frau inszenierte Film. Davor war es „Fifty Shades of Grey“ von Sam Taylor-Johnson.

All die Zahlen sagen selbstverständlich nichts über die Qualität des Films aus. Daher ist es erfreulich, dass „Wonder Woman“ auch ein gelungener Film ist.

P. S.: Wie immer kann man sich bei den verschiedenen Fassungen (2D, 3D, Imax 3D) austoben. Ich habe den Film in 2D in einem normalen Kino gesehen und würde das als die optimale Fassung empfehlen. Wenn die Leinwand groß genug ist.

Wonder Woman (Wonder Woman, USA 2017)

Regie: Pattiy Jenkins

Drehbuch: Allan Heinberg (nach einer Geschichte von Zack Snyder, Allan Heinberg und Jason Fuchs)

mit Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, Robin Wright, Danny Huston, David Thewlis, Said Taghmaoui, Ewen Bremner, Eugene Brave Cock, Lucy Davis, Elena Anaya, Lilly Aspell, Emily Carey, Wolf Kahler

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Deutsche WarnerBros/DC-Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Wonder Woman“

Metacritic über „Wonder Woman“

Rotten Tomatoes über „Wonder Woman“

Wikipedia über „Wonder Woman“ (deutsch, englisch)

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Bonushinweis

Wer nach oder vor dem Kinobesuch tief in die Geschichte von Wonder Woman einsteigen will, sollte sich „Wonder Woman Anthologie“ zulegen. Wie in den anderen Bänden der Anthologie-Reihe (Batman und Deadpool wurden ja hier besprochen) gibt es in dem dicken und schweren Sammelband einen Überblick über den Charakter und seine wichtigsten Auftritte, wie ihrem ersten Auftritt und Geschichten, die für den Charakter große Veränderungen oder einmalige Ausflüge bedeuten. Bei „Wonder Woman Anthologie – Die vielen Gesichter der Amazonenprinzessin“ sind das

Die Geburt von Wonder Woman (The Origin of Wonder Woman, von William Moulton Marston und Harry G. Peter, Wonder Woman 1 [1942])

Frauen der Zukunft( America’s Wonder Woman’s Women of Tomorrow, von William Moulton Marston und Harry G. Peter, Wonder Woman 7 [1943])

Der Schurken-Verbund! (Villainy Incorporated!, von William Moulton Marston und Harry G. Peter, Wonder Woman 28 [1948])

Streng geheim! (Top Secret!, von Robert Kanigher und Ross Andru, Wonder Woman 99 [1958])

Wonder Girl, die junge Amazone! (Wonder Woman: Amazon Teen-Ager!, von Robert Kanigher und Ross Andru, Wonder Woman 107 [1959])

Wonder Womans letzter Kampf (Wonder Woman’s Last Battle, von Dennis O’Neil und Mike Sekowsky, Wonder Woman 179 [1968])

Das zweite Leben der ursprünglichen Wonder Woman (The Second Life of the Original Wonder Woman, von Robert Kanigher und Don Heck, Wonder Woman 204 [1973])

Schwanengesang (Swang Song!, von Roy Thomas und Gene Colan, Wonder Woman 288 [1982])

Die Prinzessin und die Macht! (The Princess and the Power!, von Greg Potter und George Perez, Wonder Woman 1 [1987])

Akte der Gewalt (Violent Beginnings, von William Messner-Loebs und Mike Deodato jr., Wonder Woman 93 [1995])

Spinnst du jetzt völlig?! (Are You out of Your Minds?!, von John Byrne, Wonder Woman 113 [1996])

Der wahre Wert der Seele (The Bearing of the Soul, von Eric Luke, Yanick Paquette und Matthew Clark, Wonder Woman 142 [1999])

Die Entdeckung des Paradieses (Paradise Found, von Phil Jimenez, Wonder Woman 177 [2002])

Die Mission (The Mission, von Greg Rucka und Drew Johnson, Wonder Woman 195 [2003])

Die Mutter der Bewegung (The Mother of the Movement, von Darwyn Cooke und J. Bone, Justice League: The New Frontier Special 1 [2008])

Die Höhle des Minotaurs! (The Lair of the Miotaur!, von Brian Azzarello und Cliff Chiang, Wonder Woman 0 [2012])

Gothamazone (Gothamazone, von Gail Simone, Ethan Van Sciver und Marcelo Di Chiara, Sensations Comics featuring Wonder Woman 1 [2014])

Rettender Engel (Rescue Angel, von Amy Chu und Bernard Chang, Sensation Comics featuring Wonder Woman 7 [2015])

Dazu gibt es kundige Texte über den Charakter, ihre Entwicklung, die Macher und warum gerade diese Geschichten ausgewählt wurden.

Eine Fundgrube für Fans und Neueinsteiger. Mit Suchtfaktor.

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Wonder Woman Anthologie – Die vielen Gesichter der Amazonenprinzessin

(übersetzt von Steve Kups, Mandy Matz und Alexander Rösch)

Panini, 2017

404 Seiten

34,99 Euro

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Hinweise

DC Comics über Wonder Woman

Wikipedia über Wonder Woman (deutsch, englisch) 

Meine Besprechung von Brian Azzarellos Wonder Woman

Meine Besprechung von Meredith Finch/David Finch/Goran Sudzukas „Wonder Woman – Göttin des Krieges“ (Wonder Woman: War Torn, DC Comics, Januar 2015 – August 2015)

Meine Besprechung von Greg Rucka (Autor)/Nicola Scott/Bilquis Evelys (Zeichner) „Wonder Woman: Das erste Jahr (Rebirth – Die Wiedergeburt des DC-Univerums)“ (Wonder Woman: Year One, Part One – Finale, 2016/2017)

Meine Besprechung von Greg Rucka (Autor)/J. G. Jones‘ (Zeichner) „Wonder Woman/Batman: Hiketeia“ (Wonder Woman/Batman: The Hiketeia, 2002)


Neu im Kino/Filmkritik: James Gunn veranstaltet „Das Belko-Experiment“

Juni 15, 2017

Ein normaler Tag in einem normalen Büro.

Naja. Fast. Denn das Büro ist ein einsam gelegenes Hochhaus in Bogotá, Kolumbien. Die Büroarbeiter sind Angestellte der multinationalen, gemeinnützigen Firma Belko Industries, deren genaues Arbeitsfeld unklar bleibt. Für die Filmgeschichte ist es auch nicht weiter wichtig. Denn kurz nach Arbeitsbeginn, nachdem den einheimischen Angestellten der Zutritt zum Gebäude verweigert wurde, werden die achtzig Angestellten zusammengerufen und eine Stimme erklärt ihnen über die firmeninterne Sprechanlage, dass sie innerhalb einer halben Stunde drei Kollegen töten sollen. Wenn nicht, sterben sechs Kollegen.

Natürlich halten die Angestellten das zuerst für einen Scherz.

Als einer der Angestellten stirbt, indem sein Kopf explodiert, beginnt ziemlich schnell genau der rapide Verfall gesellschaftlicher Normen, den man in solchen Filmen erwartet. Schon nach wenigen Minuten kämpft jeder gegen jeden. Das anfangs klinisch saubere Büro wird immer mehr zu einem leichenübersäten Schlachtfeld und wir haben in der Sicherheit unseres Kinositzplatzes unseren Spaß.

Der blutige Thriller „Das Belko-Experiment“, schnörkellos inszeniert von Greg McLean („Wolf Creek“), entstand nach einem schon etwas älterem Drehbuch von „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn. Mit, unter anderem, Michael Rooker, Gregg Henry und Rusty Schwimmer einigen seiner Stamm-Schauspieler.

Gunn schrieb das Buch bereits vor zehn Jahren und sollte es auch verfilmen. Weil er sich damals von seiner Frau scheiden ließ, wollte Gunn keinen so düsteren Film drehen. Er inszenierte stattdessen lieber Comedies für das Fernsehen und das Web. Inzwischen ist er als „Guardians of the Galaxy“-Regisseur gut beschäftigt und sehr, sehr erfolgreich.

„Das Belko-Experiment“ will nicht mehr als ein Schlachtfest sein. Damit das nicht zu sinnfrei daherkommt, wird es hier getarnt als Experiment oder Spiel mit vorgegebenen Regeln, das den Spielern nur die Wahl lässt, zwischen töten oder getötet werden. Bis zum Ende funktioniert das gut als nihilistisches Darwinismus-Experiment ohne weiteren Anspruch und mit bekannter, nie in Frage gestellter Moral. Die absehbare Erklärung am Filmende für das Belko-Experiment, gefolgt von einer Option auf mögliche weitere Filme (yupp, ganz altes Horrorfilmklischee), ist dagegen erschreckend unlogisch und auch überflüssig.

Eigentlich ist „Das Belko-Experiment“ ein typischer Fantasy-Filmfest-Film, der genau das liefert, was er verspricht. In knapp neunzig Minuten. Nach dem Filmfest werden diese Filme ausschließlich auf DVD ausgewertet. Insofern ist es erfreulich, dass der Film vor seinem DVD-Start einen Kinostart erhält. Auch wenn er in Berlin nur in zwei Kinos läuft.

Das Belko-Experiment (The Belko Experiment, USA 2016)

Regie: Greg McLean

Drehbuch: James Gunn

mit John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Melonie Diaz, Owain Yeoman, Sean Gunn, Brent Sexton, Josh Brener, David Dastmalchian, David Del Rio, Gregg Henry, Michael Rooker

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Das Belko-Experiment“

Metacritic über „Das Belko-Experiment“

Rotten Tomatoes über „Das Belko-Experiment“

Wikipedia über „Das Belko-Experiment“


TV-Tipp für den 15. Juni: Dredd

Juni 15, 2017

Vox, 22.45

Dredd (Dredd, Großbritannien 2012)

Regie: Pete Travis

Drehbuch: Alex Garland

LV: Charakter von John Wagner und Carlos Ezquerra

Ein normaler Tag in Mega-City One: Judge Dredd sorgt, begleitet von einer Berufsanwärterin, in einem Hochhaus für Ruhe und Ordnung.

Herrlich kompromiss- und humorloser Actionfilm.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Karl Urban, Lena Headey, Olivia Thirlby, Wood Harris, Domhnall Gleeson

Wiederholung: Freitag, 16. Juni, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Dredd“

Metacritic über „Dredd“

Rotten Tomatoes über „Dredd“

Wikipedia über „Dredd“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pete Travis‘ „Dredd“ (Dredd, Großbritannien 2012)


TV-Tipp für den 14. Juni: Piano Forest

Juni 14, 2017

Arte, 20.15

Piano Forest (Piano no mori, Japan 2007)

Regie: Masayuki Kojima, Ryôsuke Nakamura

Drehbuch: Ryûta Hôrai

LV: Makoto Isshiki: Piano no Mori: The Perfect World of Kai, 1998 – 2015 (Manga)

Der Sohn eines bekannten Dirigenten und der Sohn einer Prostituierten, der im Wald auf einem vergessenen Piano spielt, sind Freunde und sie müssen in einem Wettbewerb gegeneinander antreten.

TV-Premiere eines Anime aus dem Studio Madhouse, der bei uns nur auf DVD erschien.

„Dank der ungewöhnlichen Art, Bilder zu komponieren, die wie Traumszenen scheinbar in Widerspruch miteinander stehen, verdichtet sich die Handlung zu einem der gefühlsbetontesten und musikalischsten Anime-Filme überhaupt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Hinweise

Arte über „Piano Forest“ (bis 21. Juni in der Mediathek)

Moviepilot über „Piano Forest“

Rotten Tomatoes über „Piano Forest“

Wikipedia über die Vorlage


TV-Tipp für den 13. Juni: Erleuchte uns – Vom Aufstieg und Fall eines Selbsthilfe-Gurus

Juni 13, 2017

BR, 22.30

Erleuchte uns – Vom Aufstieg und Fall eines Selbsthilfe-Gurus (Enlighten us, USA/Deutschland 2016)

Regie: Jenny Carchman

Drehbuch: Jenny Carchman

Spielfilmlange Doku über den US-amerikanischen Motivationsguru James Arthur Ray, der mit seiner Lehre Erleuchtung und Glückseligkeit versprach. Nachdem 2009 drei seiner Anhänger bei einem Schwitzritual starben, musste Ray ins Gefängnis. „Erleuchte uns“ begleitet ihn nach dem Gefängnisaufenthalt bei seiner, ähem, Comeback-Tour.

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erleuchte uns“

Wikipedia über James Arthur Ray


Neu im Kino/Filmkritik: Musiker und Drogen: „Whitney – Can I be me“ – eine Doku über Whitney Houston

Juni 12, 2017

Wer war Whitney Houston? Abseits der allseits bekannten Fakten.

In den achtziger Jahren waren ihre Songs allgegenwärtig. Sie hatte hintereinander mehr Nummer-1-Hits als die Beatles. 1992 spielte sie in der Thrillerschmonzette „The Bodyguard“ eine Sängerin, die Drohbriefe erhält und von einem Bodyguard beschützt werden muss. Der Film war ein Hit. Die Songs, gesungen von Whitney Houston, verkauften sich wie geschnitten Brot.

Danach wurde es ruhiger um sie. Sie veröffentlichte nur noch wenige Platten, gab wenige Konzerte und geriet immer wieder wegen ihres Privatlebens und ihres Drogenkonsums in die Schlagzeilen.

Am 11. Februar 2012 starb sie in Beverly Hills, Kalifornien, im Beverly Hilton an einer Überdosis. Sie war 48 Jahre alt.

In ihrem Porträt „Whitney – Can I be me“ werfen die Dokumentarfilmer Nick Broomfield („Kurt & Courtney“, „Aileen Wuornos: The Selling of a Serial Killer“) und Rudi Dolezal (unzählige Musikvideos und -dokumentationen) einen teils voyeuristischen Blick hinter die Kulisse, während sie das Leben der 1963 in Newark, New Jersey, geborenen Sängerin nachzeichnen.

Schon früh trat Houston als Sängerin auf. Gefördert von ihrer Mutter Emily ‚Cissy‘ Houston, die selbst eine Gospel-Sängerin war, sie ausbildete (wie sie auch in der Doku betont) und die in ihrer Tochter ihren Traum von einer großen Karriere verwirklichen wollte. Der Durchbruch kam 1985 mit ihrem Debütalbum „Whitney Houston“ und dieser Rückblick auf die achtziger Jahre, als Whitney Houston der allgegenwärtige Star war, ist der interessanteste Teil des Films. Jedenfalls für Menschen, die nicht an intimen Privatgeschichten interessiert sind.

In diesen Minuten zeigt die Dokumentation, wie aus einer guten Sängerin ein Star für die breiten Massen gemacht wird. Dafür muss ihre Musik für ein weißes Publikum akzeptabel sein und das hieß damals, dass die Sängerin zwar dunkelhäutig sein durfte, aber ihre Songs möglichst keine Elemente afroamerikanischer Musiktraditionen enthalten durfte. Oder in den Worten des „Das neue Rocklexikon“ (1998): „Soul-Platitüden, Disco-Banalitäten und Balladen-Einerlei mit erstaunlich gelenkiger Vokalgymnastik und beachtlicher Anmut, hielt sich aber selbst bei vorgeblich erotischen Stücken immer bedeckt.“

Auch ihre öffentlichen Auftritte und ihr Image mussten für ein weißes Publikum akzeptabel sein. Sie wurde als Prinzessin aus dem Ghetto präsentiert. In den Talkshows, die in „Whitney – Can I be me“ in Ausschnitten gezeigt werden, trat sie als das nette Mädchen von nebenan auf. Und natürlich sollte sie nach diesem Masterplan auch irgendwann einen präsentablen Freund haben. Bi- oder homosexuelle Neigungen wären damals für ein Mainstream-Publikum ein Karrierekiller gewesen. Trotzdem wurde schon damals, weil Houston keinen Freund hatte, in der Regenbogenpresse über ein lesbisches Verhältnis zwischen Houston und ihrer Jugendfreundin, Managerin, Vertrauten und Mädchen für alles Robyn Crawford spekuliert. 1999 zerbrach diese Freundschaft während einer Welttournee.

Als Houston 1989 den Rapper Bobby Brown traf, mit dem sie von 1992 bis 2007 verheiratet war, schien auch dieser Teil des für sie aufgestellten Karriereplans in Erfüllung zu gehen.

In diesem Moment ist der Cocktail angerichtet, der schon andere Karrieren vernichtete und den wir zuletzt in der Amy-Winehouse-Doku „Amy“ sehen durften: ein falscher Freund, von dem sie sich in jeder Beziehung abhängig machte, hoher Drogenkonsum, eine ehrgeizige Mutter und eine Familie, die finanziell von ihr abhängig war und ist. Bei Whitney Houston kam noch eine streng religiöse Erziehung (Baptistisch und Pfingstlerisch) dazu, die konträr zu dem Leben eines Pop-Musikers ist.

All das erzählen Broomfield und Dolezal (von ihm stammen die bislang unveröffentlichten, bei den deutschen Konzerten aufgenommenen Backstage- und Konzert-Aufnahmen von Houstons 1999er Welttournee) chronologisch und kurzweilig in der aus zahlreichen Dokumentarfilmen über Musiker und Bands vertrauten Mischung aus Archivaufnahmen, teils von Auftritten und Interviews, teils aus verschiedenen privaten Archiven, und aktuellen Interviews.

Whitney – Can I be me (Whitney: Can I be me, USA/Großbritannien 2017)

Regie: Nick Broomfield, Rudi Dolezal

Drehbuch: Nick Broomfield

mit Whitney Houston, Robyn Crawford, Bobby Brown, Cissy Houston, John Russell Houston jr., Bobby Kristina Brown, David Roberts (teilweise Archivmaterial)

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Whitney – Can I be me“

Metacritic über „Whitney – Can I be me“

Rotten Tomatoes über „Whitney – Can I be me“

Wikipedia über Whitney Houston (deutsch, englisch)

AllMusic über Whitney Houston


Neu im Kino/Filmkritik und DVD-Tipp: Musiker und Drogen: Chet Baker, „Born to be Blue“ und „Let’s get lost“

Juni 12, 2017

Chet Baker (23. Dezember 1929 – 13. Mai 1988) ist eine der großen tragischen Gestalten der Jazzgeschichte. In den fünfziger Jahren war der Trompeter ein gefeierter Star und eine der stilprägenden Musiker des Westcoast-Jazz, dessen Image als James Dean des Jazz durch die ikonischen SW-Aufnahmen von William Claxton gefestigt wurde. Damals probierte er auch erstmals Heroin und wurde abhängig. Seine Karriere ging den Bach runter. Auch wenn er bis zu seinem Tod auftrat und zahlreiche, teilweise grandiose LPs veröffentlichte, die sich heute immer noch verkaufen.

In seinem fast zwei Jahre nach seiner Weltpremiere auf dem Toronto International Film Festival am 13. September 2015 und über ein Jahr nach dem US-Kinostart endlich auch in Deutschland anlaufendem Biopic „Born to be Blue“ nimmt Regisseur Robert Budreau Teile aus Chet Bakers Biographie und improvisierte darüber mit Ethan Hawke als Chet Baker.

Der Film beginnt 1966. Chet Baker ist inhaftiert. Ein Filmproduzent bezahlt die Kaution, weil er will, dass Chet Baker Chet Baker spielt. Die Dreharbeiten an dem Film ermöglichen Budreau einen SW-Blick in Bakers Vergangenheit als bekannter Cool Jazzer und Westcoast-Trompeter. Im Gegensatz zu den New Yorker Bebop- und Hardbop-Musikern spielten die weißen Jazzer in Kalifornien melodischer und romantischer und Inspirationen von der Ernsten Musik waren erkennbar.

Bei den Dreharbeiten verliebt Baker sich in Jane (Carmen Ejogo), die seine frühere Frau Elaine spielt. Sie bleibt bei ihm. Auch nachdem ihm bei einer Schlägerei die Zähne ausgeschlagen werden und er mühevoll versucht, mit einer Prothese, wieder als Trompeter aufzutreten.

Diese Rückkehr auf die große Bühne (wobei Jazzbühnen eine notorisch überschaubare Größe haben) bildet dann das Rückgrat des Films. Im Zentrum steht – und das macht den Film auch für Nicht-Jazzfans sehenswert – die Beziehung zwischen Chet Baker, einem begnadeten Musiker, Junkie und notorischer Schürzenjäger, und Jane, die sich in ihn verliebt und ihm helfen will.

Budreau erzählt dies sehr stimmig, mit einer ordentlichen Portion Zeitkolorit und einem Hauptdarsteller, der förmlich in seiner Rolle versinkt. Denn Hawke spielt nicht nur Chet Baker, sondern er spielt und singt auch seine Lieder. Deshalb gibt es in „Born to be Blue“ zwar bekannte Baker-Songs, wie „Summertime, „Over the Rainbow“ und „My funny Valentine“ (alles bekannte Jazz-Standards), aber nie in einer von Chet Baker selbst gespielten Interpretation.

„Born to be Blue“ ist das sehenswerte, berührende, sich auf eine kurze Zeitspannende konzentrierendes Porträt eines Süchtigen, der auch Musiker ist. Dass der Film gegen Ende etwas zerfasert verzeiht man ihm gern.

Born to be Blue (Born to be Blue, Kanada/Großbritannien 2015)

Regie: Robert Budreau

Drehbuch: Robert Budreau

mit Ethan Hawke, Carmen Ejogo, Callum Keith Rennie, Tony Nappo, Stephen McHattie, Janet-Laine Greene

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Die Doku über Chet Baker

Eine ideale, bedrückende Ergänzung zu Robert Budreaus Spielfilm ist Bruce Webers Dokumentarfilm „Let’s get lost“. Er hatte am 15. September 1988 seine Premiere beim Toronto International Film Festival und er war für den Oscar nominiert. Chet Baker erlebte die Premiere des Films nicht mehr, weil er bereits am 13. Mai 1988 starb. In Amsterdam fiel er aus dem Fenster seines Hotels; wobei es auch hier verschiedene Versionen über den genauen Ablauf gibt.

In seinem SW-Film begleitet Bruce Weber den Musiker wenige Monate vor seinem Tod und die Bilder zeigen ungeschönt, was aus dem früheren Jugendidol wurde.

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Let’s get lost (Let’s get lost, USA 1988)

Regie: Bruce Weber

Drehbuch: Bruce Weber

mit Chet Baker, Carol Baker, Vera Baker, Dick Bock, William Claxton, Hersh Hamel, Chris Isaak, Lisa Marie

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DVD

Pierrot le Fou/Alive

Bild: 4:3 (Originalformat)

Ton: Englisch (DD 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Looking for Chet again in all the familiar places (exklusiver Kurzfilm von Bruce Weber, 2008), Let’s get lost Kodachrome newsreel, Chet Baker music video (directed by Bruce Weber: Everything happens to me, Almost Blue), Trailer (insgesamt 40 Minuten)

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film „Born to be Blue“

Englische Homepage zum Film „Born to be Blue“

Moviepilot über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Metacritic über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Rotten Tomatoes über „Let’s get Lost“ und „Born to be Blue“

Wikipedia über „Let’s get Lost“, „Born to be Blue“ und Chet Baker (deutsch, englisch)

AllMusic über Chet Baker

All about Jazz über Chet Baker

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Bonus

Chet Baker mit prominenten Gastmusikern in Ronnie Scott’s


TV-Tipp für den 12. Juni: Den Menschen so fern

Juni 12, 2017

WDR, 00.00

Den Menschen so fern (Loin des Hommes, Frankreich 2014)

Regie: David Oelhoffen

Drehbuch: David Oelhoffen

LV (frei nach): Albert Camus: L’Hôte, 1957 (Der Gast, Erzählung)

Algerien, 1954: Der Ex-Soldat und Lehrer Daru soll den des Mordes angeklagten Bauern Mohamed in die nächste Stadt bringen, wo er zum Tod verurteilt wird. Während Daru ihn nicht dorthin bringen will, will Mohamed unbedingt dorthin

TV-Premiere eines tollen existenzialistischem Dramas vor einer menschenleeren Western-Kulisse, musikalisch spärlich untermalt von Nick Cave und Warren Ellis.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Viggo Mortensen, Reda Kateb, Djemel Barek, Vincent Martin Nicolas Giraud, Angela Molina

Hinweise
Deutsche Verleihseite zum Film
Film-Zeit über „Den Menschen so fern“
Moviepilot über „Den Menschen so fern“
AlloCiné über „Den Menschen so fern“
Metacritic über „Den Menschen so fern“
Rotten Tomatoes über „Den Menschen so fern“
Wikipedia über „Den Menschen so fern“ (englisch, französisch)

Meine Besprechung von David Oelhoffens „Den Menschen so fern“ (Loin des Hommes, Frankreich 2014)


TV-Tipp für den 11. Juni: Charade

Juni 11, 2017

Arte, 20.15

Charade (USA 1963, Regie: Stanley Donen)

Drehbuch: Peter Stone

LV: Marc Behm, Peter Stone (Story)

In Paris wollen etliche Gangster etwas von der Witwe Reggie. Sie scheint nur ihrer Urlaubsbekanntschaft Peter vertrauen zu können.

Donens Thrillerkomödie ist einer der besten nie von Hitchcock gedrehten Filme.

Marc Behm schrieb später unter anderem den zweimal verfilmten Kriminalroman „Das Auge“.

Mit Audrey Hepburn, Cary Grant, Walter Matthau, James Coburn, George Kennedy

Wiederholung: Freitag, 16. Juni, 13.35 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Charade“

Wikipedia über „Charade“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Marc Behm.


Neu im Kino/Filmkritik: „Plan B – Scheiß auf Plan A“, Hauptsache Action

Juni 10, 2017

Ältere Semester und Die-hard-Fans von 80er-Jahre-Action- und Hongkongfilmen dürften die meisten Anspielungen in „Plan B – Scheiß auf Plan A“ erkennen und sich darüber freuen. Auch die Story könnte aus einem dieser Filme stammen.

Can (Can Aydin), großer „City Cobra“-Sylvester-Stallone-Fan, Phong (Phong Giang) und Cha (Cha-Lee Yoon), die andere Idole haben, sind Martial-Arts-Kämpfer, die von einer Filmkarriere träumen und, erfolglos, von Casting zu Casting laufen. Auch von ihrem neuesten Vorsprechtermin versprechen sie sich nicht viel.

Weil ihr Manager U-Gin (Eugene Boateng), begabter Tänzer der Michael-Jackson-“Thriller“-Schule, die falsche Adresse aufschreibt, geraten sie in eine Geiselnahme.

Einige Gangster haben Victoria (Julia Dietze) entführt. Sie ist Gabriels Frau. Er ist seit Ewigkeiten der König der Berliner Unterwelt. Über seine Frau wollen die Verbrecher an den Inhalt von seinem legendären Safe gelangen. Denn nur Gabriel kennt den Standort seines Safes. Aber er hat, falls ihm etwas passiert, in Berlin an mehreren Orten Hinweise auf den Safe versteckt.

Als die vier Jungs in der Lagerhalle auftauchen, glauben sie zuerst, in eine Filmszene gestolpert zu sein und sie zeigen auch gleich ihre kämpferischen Qualitäten. Trotzdem können die bewaffneten Entführer sie besiegen und, anstatt die unerwünschten Zeugen umzubringen, haben die grenzdebilen Entführer eine Idee: sie nehmen Phong als Geisel und schicken Can, Cha und U-Ging los, in Berlin die Hinweise zu finden, die zum Safe führen. Wenn sie versagen, stirbt Phong.

Während die drei Jungs sich durch Berlin kloppen, werden sie von zwei Polizisten verfolgt, die es so nur in schlechten US-Actionfilmen gibt.

Gut, die Geschichte ist nur die logikfreie Entschuldigung für endlose Kloppereien, in denen die Schauspieler ihre Qualitäten als Kämpfer und Stuntmen beweisen können. Denn „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ist eine Arbeitsprobe und spielfilmlange Visitenkarte von Reel Deal Action Design, einer Gruppe junger Stuntmänner, die in „James Bond: Skyfall“, „Hitman: Agent 47“, „Die Tribute von Panem“ und „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“ Teil der Stuntteams waren und hier die Hauptrollen übernahmen. Entsprechend überzeugend sind die zahlreichen Actionszenen, die sich meistens in langen Martial-Arts-Kämpfen erschöpfen. Nach der dritten Klopperei wird das dann doch etwas monoton. Da helfen auch die wechselnden Gegner von Can, Cha, Pong und U-Gin (der es nicht so mit dem Kampfsport hat) nicht.

Dazwischen gibt es zahlreiche Anspielungen auf die von ihnen verehrten Schauspieler und Filme, oft auch selbstironisch gebrochen und nicht bierernst präsentiert. Mit „Bumm – Tschack“-Einblendungen im Bild und Synthesizer-lastiger Pseudo-80er-Jahre-Musik auf der Tonspur ist der Film ein Fest für Retro-Fans, die sich über die entsprechenden, maßlos eingestreuten Zitate freuen.

Dank des in jeder Sekunde spürbaren Engagements der Macher ist „Plan B – Scheiß auf Plan A“ ein sympathischer, aber kein guter Film.

Plan B – Scheiß auf Plan A (Deutschland 2017)

Regie: Ufuk Genç, Michael Popescu, Can Aydin (Actionregie)

Drehbuch: Rafael Alberto Garciolo

mit Can Aydin, Phong Giang, Cha-Lee Yoon, Eugene Boateng, Laurent Daniels, Julia Dietze , Gedeon Burkhard, Henry Meyer , Florian Kleine, Frank Richartz, Heidi Moneymaker, Aleksandar Jovanovic, Idil Baydar, Birol Ünel, MC Bogy, B-Lash und Die Atzen und K.I.Z

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Filmportal über „Plan B – Scheiß auf Plan A“

Moviepilot über „Plan B – Scheiß auf Plan A“


TV-Tipp für den 10. Juni: Good Kill – Tod aus der Luft

Juni 10, 2017

ZDFneo, 21.50
Good Kill – Tod aus der Luft (USA 2015, Regie: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
Ruhiges, äußerst intensives Drama über die Gewissenskonflikte von einem Ex-Kampfpiloten (Ethan Hawke), der jetzt Drohnenpilot ist und, wie viele Kollegen, seelische Probleme mit dem Töten per Drohne und seinem normalen Leben, nach Feierabend, in Las Vegas (das hätte Hollywood sich nicht besser ausdenken können: die echten Basen sind in der Nähe des Spielerparadieses) hat.
Das Drehbuch ist straff und facettenreich (auch wenn das Militär etwas nachdenklicher, selbtreflexiver und vernünftiger rüberkommt, als es wohl in der Realität der Fall ist), die Schauspieler überzeugend, und Andrew Niccol („Gattaca“, „Lord of War“, beide ebenfalls mit Hawke) zeigt nach dem Totalausfall „Seelen“, dass er nichts verlernt hat. Für einen Kinostart hat es trotzdem nicht gereicht und der Film (es ist der erste Spielfilm über den Drohnenkrieg) ist aufklärerisch im besten Sinne. Unbedingt sehenswert!
Mit Ethan Hawke, Zoë Kravitz, January Jones, Bruce Greenwood, Jake Abel, Dylan Kenin

Wiederholung: Sonntag, 11. Juni, 04.50 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Moviepilot über „Good Kill“
Metacritic über „Good Kill“
Rotten Tomatoes über „Good Kill“
Wikipedia über „Good Kill“
Meine Besprechung von Andrew Niccols „Seelen“ (The Host, USA 2013)
Andrew Niccol in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Die Mumie“ startet Universals „Dark Universe“ wenig überzeugend

Juni 9, 2017

Marvel machte es vor: mit mehreren, mehr oder weniger zusammenhängenden Kinofilmen ein eigenes Universum erschaffen und so einen steten Strom ein Einnahmen generieren, weil die Zuschauer ja wissen wollen, wie es weiter geht und sie auch die vorherigen Filme kennen sollten, um zu wissen wie es begann. DC versuchte es auch. Bis zu „Wonder Woman“ (startet nächsten Donnerstag in unseren Kinos) war das Projekt allerdings vor allem gruselig. Daran ändern auch die Einspielergebnisse nichts.

Universal will es jetzt auch machen und mit den alten Monsterhorrorfilmen, wie „Die Mumie“, „Frankenstein“, „Der Unsichtbare“ und „Der Wolfsmensch“, haben sie in ihren Archiven auch eine Reihe Klassiker, die einerseits uralt (die Filme entstanden vor allem in den Dreißigern), andererseits immer noch bekannt und beliebt sind. Und sie sind ein fester Teil unserer popkulturellen Gedächtnisses. Da bietet sich eine Neuauflage an. Auch wenn die letzten Reboot/Remake-Aufgüsse enttäuschten. Deshalb ignoriert Universal sie beim Start des „Dark Universe“. „Die Mumie“ ist der erste Film dieses Monsteruniversums. Die nächsten Filme sind schon mehr oder weniger konkret angekündigt. Johnny Depp ist „The Invisible Man“. Javier Bardem ist Doktor Frankenstein in dem für Februar 2019 angekündigten „Bride of Frankenstein“. „The Wolf Man“ und „Phantom of the Opera“ sind auch schon geplant, aber noch ohne Starttermin und Besetzung.

In dem „Dark Universe“ werden die Geschichten der alten Filme, die alle vollkommen unabhängig voneinander waren, in die Gegenwart verlegt und miteinander verknüpft. Mit der im Keller des Londoner Naturkundemuseums residierenden Geheimgesellschaft „Prodigium“, die das Böse erkennen, untersuchen, eindämmen und zerstören soll, gibt es eine Organisation, die in allen Filmen auftreten soll und sich sehr nach einer Kopie von Alan Moores „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ anhört. Geleitet wird sie von Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe; er ist auch der Erzähler des Films).

Im Mittelpunkt von „Die Mumie“ stehen allerdings der leichtfüssig-abenteuerlustige Grabräuber Nick Morton (Tom Cruise) und Ahmanet (Sofia Boutella), eine Pharaonin, deren Machtgier ihr zum Verhängnis wurde. Als Strafe wurde sie lebendig mumifiziert und mit Quecksilber an einem Ort weit weg von Ägypten – ähem – eingelagert.

Der Soldat, Glücksritter und Grabräuber Nick Morton klaut von der Archäologin Jenny Halsey (Annabelle Wallis) eine Schatzkarte. Mit seinem Freund Chris Vail (Jake Johnson) suchen sie im Irak den Schatz, den sie in den ersten Filmminuten finden, weil ein von ihnen angeordneter Luftangriff ein Dorf zerstört und die darunter liegende riesige Grabkammer öffnet. Dort finden sie den Sarg von Ahmanet und Nick hält sich, im Gegensatz zu der Archäologin, nicht lange mit einer Dokumentation der Kammer auf. Er setzt den Mechanismus, der Ahmanet gefangen hält, außer Kraft. Der Sarkophag taucht auf und er wird in einem Flugzeug Richtung England befördert. Auf dem Weg dorthin wird Nicks Kumpel Chris zu einem Besessenen, der von Nick in einer witzig gemeinten, aber unendlich dämlichen Szene erschossen wird und fortan als Ratgeber in Nicks Kopf auftaucht.

Durch einen plötzlich auftauchenden Schwarm Raben wird das Flugzeug zum Abstürzen gebracht. Dabei stirbt Nick – und er wird kurz darauf in der Leichenhalle wieder wach. Wie das ging, interessiert und erstaunt niemanden.

Zur gleichen Zeit gewinnt Ahmanet durch das Aussagen von Menschen immer mehr Kraft und ihre Gestalt wird immer menschenähnlicher.

Nick, der Visionen von ihr hat, beginnt sie zu suchen, während sie, begleitet von ihren Untoten, ihn sucht.

Angesichts des vor und hinter der Kamera versammelten Talents – „Die üblichen Verdächtigen“ Christopher McQuarrie und „Jurassic Park“ David Koepp als Drehbuchautoren, „Star Trek“ Alex Kurtzman als Regisseur und Tom Cruise, der mit ihnen bereits mehrere Filme machte und der eigentlich immer gutes Mainstream-Kino macht, als Hauptdarsteller – enttäuscht „Die Mumie“ als Einzelfilm und als Auftakt eines ‚Universe‘. Zwar ist alles da, um „Die Mumie“ zu einem unterhaltsamen Blockbuster-Film zu machen, aber nie findet der Film seinen Ton oder Rhythmus. Alles wirkt immer verrückt, weil alle Elemente entweder am falschen Ort sind oder falsch präsentiert werden. Das beginnt schon in den ersten Filmminuten, wenn Russell Crowe (bzw. Martin Umbach in der synchronisierten Fassung) erzählt, warum und wie Ahmanet begraben wurde (was ein konventioneller Prolog wäre) und dass jetzt im Londoner Untergrund eine Grabkammer von Kreuzrittern gefunden wurde (was für weite Teile des Films eine vollkommen unwichtige Information ist, die aber Russell Crowe seinen ersten Filmauftritt beschert). Dann springt die Filmgeschichte in den Irak, wo Nick und Chris nach einem typischen, aber erschreckend unstimmig gespieltem und daher unwitzigem Buddy-Comedy-Dialog in das von Rebellen besetzte Dorf, in dem sie einen Schatz vermuten, einreiten und es zu einer Schlacht kommt, die „’Lethal Weapon‘ in der Wüste“ sein will.

Diese Comedy-Elemente und Tom Cruises Rolle als Schatzsucher knüpfen an die 1999er „Die Mumie“ und die beiden Fortsetzungen an. In ihnen spielte Brendan Fraser den Schatzsucher Rick O’Connell, der eine „Indiana Jones“-Kopie ist. Für die 2017er Version des Stoffes wurde dann einiges von dem Humor der Fraser-Filme genommen, aber alles soll gleichzeitig viel ernster und dramatischer sein; und natürlich der Auftakt für eine Reihe von Filmen.

Deshalb wird viel erklärt. Vieles wird sogar öfter erklärt in Dialogen, die einfach nur daran interessiert sind, die Informationen in den Kinosaal zu telegraphieren.

Dazwischen, also immer dann, wenn etwas Suspense angebracht wäre, stürmen Horden Untoter und Viecher auf Nick und Jenny, die ihn bei seinen Abenteuern begleitet. Da muss alles schnell gehen und, dank CGI, beeindrucken diese Szenen mit Vögeln, Untoten und Stürmen kaum. Im Gegensatz zu den Actionszenen, die live entstanden, wie der Kampf in dem abstürzendem Flugzeug.

„Die Mumie“ ist ein Torso. Eine Ansammlung von Teilen und Ideen, die das Potential für einen guten Film gehabt hätten. Immer sieht man, was man mit der Szene erreichen wollte und was aus den Ideen hätte werden können, während man sich fragt, wo in der Produktion alles so schief ging, dass aus einem potentiell unterhaltsamen Horrorfilm ein Langweiler wurde, der noch nicht einmal unfreiwillig komisch ist.

Die Mumie (The Mummy, USA 2017)

Regie: Alex Kurtzman

Drehbuch: David Koepp, Christopher McQuarrie, Dylan Kussman (nach einer Geschichte von Jon Spaihts, Alex Kurtzman und Jenny Lumet)

mit Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Marwan Kenzari, Russell Crowe

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Mumie“

Metacritic über „Die Mumie“

Rotten Tomatoes über „Die Mumie“

Wikipedia über „Die Mumie“ (deutsch, englisch)

–

Damals

Heute

Die Zukunft?


TV-Tipp für den 9. Juni: Helden der Nacht

Juni 9, 2017

ZDFneo, 23.25

Helden der Nacht (USA 2007, Regie: James Gray)

Drehbuch: James Gray

Stilsicherer, an das Kino der Siebziger erinnernder, 1988 in New York spielender Polizeithriller über zwei Brüder: der eine folgt der Familientradition und wird Polizist; der andere Discobesitzer und Verbrecher. Jetzt steht der Discobesitzer vor der Frage, ob er vollständig mit seiner Familie brechen soll.

„Helden der Nacht hat alle Ingredienzien eines Genrethrillers. Mehr noch, Gray scheint einigen dieser Klassiker seine Reverenz erweisen wollen. In seinen besten Momenten ruft Helden der Nacht Erinnerungen an die Korruptionsthriller Sidney Lumets oder die dreckigen kleinen Nachtfilme Scorseses wach.“ (epd Film 2/2008)

Mit Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Tony Musante

Hinweise:

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Helden der Nacht“

Rotten Tomatoes über „Helden der Nacht“

Wikipedia über „Helden der Nacht“ (deutsch, englisch)

Film & Video: Interview mit James Gray über Stuntmen und digitale Bildbearbeitung

Salon Conversations: Podcast mit James Gray

Dark Horizons: Interview mit James Gray

Meine Besprechung von James Grays „Two Lovers“ (Two Lovers, USA 2008)

Meine Besprechung von James Grays „Die versunkene Stadt Z“ (The lost City of Z, USA 2016) (am 17. August erscheint der Film auf DVD und Blu-ray mit, anscheinend, umfangreichem Bonusmaterial. Angekündigt sind ein Making of, ein Behind-the-Scenes-Featurette und ein Special zur Berlinale-Premiere.)


TV-Tipp für den 8. Juni: Departed – Unter Feinden

Juni 8, 2017

Kabel 1, 22.05

Departed – Unter Feinden (USA 2006, Regie: Martin Scorsese)

Drehbuch: William Monahan

Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.

„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.

Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.

Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres

Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser) und zuletzt war DiCaprio für Scorsese “The Wolf of Wall Street”.

Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und Keira Knightley) ab.

Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alec Baldwin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Departed – Unter Feinden“

Metacritic über “Departed – Unter Feinden”

Rotten Tomatoes über “Departed – Unter Feinden”

Wikipedia über “Departed – Unter Feinden” (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Departed“ von William Monahan

Collider: Interview mit William Monahan (Februar 2007)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Meine Besprechung von Martin Scorseses “The Wolf of Wall Street” (The Wolf of Wall Street, USA 2013)

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Silence“ (Silence, USA 2016)

Martin Scorsese in der Kriminalakte

Meine Besprechung von William Monahans “London Boulevard” (London Boulevard, USA/GB 2010)

Meine Besprechung von William Monahans “The Gambler” (The Gambler, USA 2014 – nur Drehbuch)


TV-Tipp für den 7. Juni: Iraqi Odyssey – Meine Familie aus Bagdad

Juni 7, 2017

WDR, 23.25

Iraqi Odyssey – Meine Familie aus Bagdad (Schweiz/Deutschland/Irak 2014)

Regie: Samir

Drehbuch: Samir

Samir erzählt die Geschichte seiner Familie, die aus dem Irak flüchten musste und heute verstreut auf der ganzen Welt lebt, und seines Geburtslandes Irak von den fünfziger Jahren bis in die Gegenwart.

Der WDR zeigt als TV-Premiere die vom Regisseur selbst hergestellte 90-minütige Version.

Dabei langweilt auch die dreistündige Version in keiner Sekunde – und sie eröffnet einen anderen Blick auf das Land.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Samira Jamal Aldin, Sabah Jamal Aldin, Jamal Al Tahir, Tanya Uldin, Souhair Jamal Aldin, Samir

Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „Iraqi Odyssey“
Rotten Tomatoes über „Iraqi Odyssey“
Wikipedia über „Iraqi Odyssey“
Berlinale über „Iraqi Odyssey“

Meine Besprechung von Samirs „Iraqi Odyssey“ (Schweiz/Deutschland/Irak 2014)


TV-Tipp für den 6. Juni: Die letzten Männer von Aleppo

Juni 6, 2017

Arte, 20.15

Die letzten Männer von Aleppo (Last Men in Aleppo, Dänemark/Syrien 2017)

Regie: Firas Fayyad, Steen Johannessen (co-director), Kareem Abeed (co-director), Mujahed Abou Al Joud (co-director), Fadi Al Halabi (co-director), Hassan Kattan (co-director), Khaled Khateeb (co-director), Yaman Khatib (co-director), Thaer Mohamad (co-director)

Drehbuch: Firas Fayyad

Mehrfach ausgezeichnete (u. a. beim Sundance Film Festival) Doku über Khaled und einige weitere Männer mit weißen Helmen, die in Aleppo nach Bomben- und Raktenangriffen versuchen, Überlebende aus den Trümmern zu bergen.

„Die letzten Männer von Aleppo“ lief Anfang März auch im Kino.

„Erschütternder Dokumentarfilm (…) Ein äußerst gekonnt strukturierter, aber stellenweise auch maximal emotionalisierender Film.“ (4 von 5 Sterne, epd Film)

Hinweise

Arte über „Die letzten Männer von Aleppo“

Moviepilot über „Die letzten Männer von Aleppo“

Metacritic über „Die letzten Männer von Aleppo“

Rotten Tomatoes über „Die letzten Männer von Aleppo“

 


TV-Tipp für den 5. Juni: Schock-Korridor

Juni 4, 2017

Arte, 22.15

Schock-Korridor (Shock Corridor, USA 1963)

Regie: Samuel Fuller

Drehbuch: Samuel Fuller

Journalist Johnny Barrett will herausfinden, ob ein Patient einer Nervenheilanstalt ermordet wurde. Also lässt er sich einweisen – und verliert langsam selbst den Verstand. Oder doch nicht?

Düstere Parabel auf die US-Gesellschaft. Ursprünglich schrieb Fuller das Drehbuch für Fritz Lang.

„Ein von Genregisseur Samuel Fuller handfest und überzeugend inszenierter Psychothriller, der über bloße Spannungs- und Schockeffekte hinausgeht, um ein düsteres Panoptikum individueller und sozialer Neurosen der US-Gesellschaft zu entwerfen.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Shock Corridor represents filmmaker Samuel Fuller at his most excessive, but few would have it otherwise.“ (4 von 5 Sternen, AllMovie)

Die deutsche Premiere des verdammt selten gezeigten Films (Wann lief er zuletzt im TV?) war am 24. März 1973 in West 3 (heute WDR).

mit Peter Breck, Constanze Towers, Gene Evans, James Best

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Schock-Korridor“

TCM über „Schock-Korridor“

Wikipedia über „Schock-Korridor“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Samuel Fullers „Der nackte Kuss“ (The naked kiss, USA 1964)


TV-Tipp für den 4. Juni (und DVD-Hinweis): Sherlock: Die sechs Thatchers

Juni 3, 2017

ARD, 21.45

Sherlock: Die sechs Thatchers (The Six Thatchers, Großbritannien 2017)

Regie: Rachel Talalay

Drehbuch: Mark Gatiss

Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss

LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle

Ein Ministersohn wird ermordet. Auf einem Beistelltisch mit Margaret-Thatcher-Devotionalien fehlt eine Thatcher-Gipsbüste. Sherlock Holmes fragt sich, warum die Thatcher-Büste verschwunden ist – und was das Geheimnis der Thatcher-Büsten ist.

Die Inspiration für „Die sechs Thatchers“ ist die Sherlock-Holmes-Geschichte „Die sechs Napoleons“.

Ziemlich furioser Auftakt der vierten „Sherlock“-Staffel, die wieder aus drei spielfilmlangen Episoden besteht. Nachdem bei der dritten Staffel die Fälle so nebensächlich wurden, dass man sie schon während des Sehens vergaß, sind die Fälle jetzt wieder gelungener. Allerdings sind sie wieder kaum nacherzählbar und zunehmend durchgeknallter und immer mehr miteinander und mit den Biographien von Sherlock Holmes und John Watson verknüpft und sie gehen immer mehr in Richtung einer großen, großen Verschwörung. Das ist nicht uninteressant und flott erzählt, aber auch der Stoff, der sich in ungefähr jeder zweiten Serie findet.

Denn auch die brave Haushälterin Mrs. Hudson hat eine Vergangenheit, die wir bis jetzt nicht kannten.

Das Erste zeigt die vierte „Sherlock“-Staffel im gewohnten Turnus. Morgen läuft um 21.45 Uhr „Der lügende Detektiv“ (The lying Detective) und kommenden Sonntag, den 11. Juni, ebenfalls um 21.45 Uhr gibt es „Das letzte Problem“ (The final Problem).

Über eine fünfte Staffel entscheiden die sehr, sehr engen Terminpläne der Macher.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Amanda Abbington, Una Stubbs, Louise Brealey, Rupert Graves, Mark Gatiss, Lindsay Duncan, Simon Kunz, Sacha Dhawan

Wiederholung: Montag, 5. Juni, 01.40 Uhr (Taggenau!)

–

Bonushinweis

Die DVD (und Blu-ray) mit der vierten „Sherlock“-Staffel erscheint am 12. Juni bei Polyband und sie ist, wie die anderen „Sherlock“-DVDs, mit Bonusmaterial vollgepackt. Es gibt „Behind 221B“, „John & Mary’s Flat“, „The Writer’s Chat“, „Mark Gatiss Video Diary – Part 1: On Set“, „Mark Gatiss Video Diary – Part 2: Final Scenes“, „Script to Screen“, (Special Effects Supervisor) „Danny Hargreaves Video Diary“ und „221B Set Timelaps“. Insgesamt 105 Minuten und natürlich mit deutschen Untertiteln.

–

Sherlock – Die Legende kehrt zurück: Staffel 4

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: siehe oben und ein 16-seitiges Booklet

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

BBC über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Mattias Boströms „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Fran Holmes till Sherlock, 2013)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Juni: Die geliebten Schwestern

Juni 3, 2017

ARD, 20.15

Die geliebten Schwestern (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Regie: Dominik Graf

Drehbuch: Dominik Graf

Dominik Grafs wunderschöner Film über die Beziehung von Friedrich Schiller zu den Schwestern Charlotte und Caroline von Lengefeld.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

Das Erste zeigt die gut dreistündige Berlinale-Fassung.

mit Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld, Maja Maranow, Anne Schäfer, Andreas Pietschmann, Michael Wittenborn

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Die geliebten Schwestern“

Moviepilot über „Die geliebten Schwestern“

Wikipedia über Friedrich Schiller

Berlinale über „Die geliebten Schwestern“ (leider gibt es von der Pressekonferenz nur noch Ausschnitte) (und beim RBB sind die Pressekonferenzen inzwischen auch offline)

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) “Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf”

Meine Besprechung von Dominik Grafs “Die geliebten Schwestern” (Deutschland/Österreich 2013/2014)

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juni: Jackie Brown

Juni 1, 2017

Tarantino-Abend bei RTL II mit „Jackie Brown“, „Pulp Fiction“ (um 23.25 Uhr) und „Reservoir Dogs“ (um 02.10 Uhr)

RTL II, 20..15

Jackie Brown (USA 1997, Regie: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)

Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.

Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)

Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.

Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“

Hinweise

Metacritic über “Jackie Brown”

Rotten Tomatoes über “Jackie Brown”

Wikipedia über “Jackie Brown” (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Meine Besprechung von Quentin Tarantinos “Django Unchained” (Django Unchained, USA 2012)

Kriminalakte über Quentin Tarantino und „Django Unchained“ (Bilder,Pressekonferenz und Comic)

Meine Bespechung von Quentin Tarantinos „The Hateful 8“ (The Hateful Eight, USA 2015)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leoanrds “Raylan” (Raylan, 2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards “Raylan” (2012)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte