Neu im Kino/Filmkritik: „Passengers“ – Jennifer Lawrence und Chris Pratt auf Weltraumurlaub

Januar 5, 2017

Die Avalon befördert über fünftausend Siedler und Besatzungsmitglieder zu einem neuen Planeten. Weil die Reise nach Homestead II 120 Jahre dauert, wurden die Menschen in einen Tiefschlaf versetzt, während Roboter das wirklich gut aussehende Schiff putzen, fliegen und auch anfallende Reparaturen erledigen. Während eines Asteroideneinschlags kommt es zu einer Fehlfunktion und Jim (Chris Pratt) wird geweckt. Neunzig Jahre zu früh. Seine ersten Versuche, sich aus seiner misslichen Situation zu befreien, scheitern. Zu bestimmten Bereichen des Schiffes hat er keinen Zugang. Die Beantwortung eines Hilferufs würde Jahrzehnte dauern und sein Vermögen sprengen. Denn die Avalon ist ein privates Schiff und die Hotline hat die bekannten irdischen Qualitäten. Als Maschinenbauingenieur versucht er, den Defekt an seinem Hibernation Pod zu beheben. Allerdings sind die Pods nur für eine einmalige Benutzung gedacht.

Immerhin gibt es in der Bar einen immer freundlichen Barkeeper. Arthur (Michael Sheen) ist ein Androide, der programmiert als der beste Barkeeper des Universums für den Humor des Films zuständig ist. Was dank der grandiosen Understatement-Leistung von Michael Sheen auch bestens gelingt.

Nachdem Jim das übliche Freizeitprogramm für Alleinreisende – Solo-Sport, Weltraumspaziergänge, überbordender Bartwuchs, lustvolles Zerstören der Einrichtung und kostenloses Upgrade in ein besseres Zimmer – durch hat, entdeckt er unter den sich im Tiefschlaf befindenden Personen eine Frau, in die er sich verliebt.

Irgendwann reicht ihm das stille Bewundern nicht mehr. Er weckt die Journalistin und erzählt ihr, dass es leider eine Fehlfunktion gegeben habe. Aurora (Jennifer Lawrence) glaubt ihm. Sie beginnen beide, mangels Alternativen, das Luxusleben im Raumschiff zu genießen – und jetzt habe ich schon ungefähr den halben Film verraten.

Dabei hat Aurora noch nicht erfahren, dass sie von Jim geweckt wurde (das ist jetzt keine echte Überraschung) und Laurence Fishburne, der als vierter Hauptdarsteller schon im Trailer gezeigt wird, ist noch nicht aufgetaucht.

Passengers“, der neue Film von „The Imitation Game“-Regisseur Morten Tyldum sieht gut aus. Das Raumschiff ist innen und außen eine wahre Augenweide und bei den Bildern aus dem Weltraum möchte man wirklich einen kleinen Spaziergang in ‚outer space‘ unternehmen. Auch die beiden Hauptdarsteller, Chris Pratt und Jennifer Lawrence (weniger Leinwandzeit, aber die erste Nennung und die höhere Gage), sehen gut aus und sind grundsympathisch. Allerdings herrscht zwischen ihnen eine ziemliche Funkstille, die vor allem am Drehbuch von Jon Spaihts liegt. Nach „Prometheus“ und „Dr. Strange“ und vor „The Mummy“ (der Tom-Cruise-Actionfilm ist in der Post-Produktion) gehört er zur Top-Liga der Drehbuchautoren. „Passengers“ schrieb er bereits vor über zehn Jahren. 2007 stand es auf der „Black List“, der jährlichen Liste guter, bis dahin nicht verfilmter Hollywood-Drehbücher. Es ist also eines seiner frühesten Werke. Er konnte es unbeeinflusst von Studiowünschen schreiben und selbstverständlich war es gedacht als Türöffner. Deshalb konzentriert sich die Geschichte auf wenige Personen (es gibt nur vier Rollen) und wenige Sets (einige Räume in einem Raumschiff). Das kann sehr günstig gedreht werden. Auch wenn „Passengers“ jetzt doch einen dreistelligen Millionenbetrag, der sich in beeindruckenden Sets und Bilder niederschlägt, kostete.

Wichtig ist bei einem ohne Auftrag geschriebenem Drehbuch, das zu Aufträgen führen soll, die Konstruktion des Drehbuchs und die stimmt; irgendwo zwischen Lehrbuch und TV-Vierteiler (also vier Episoden à 25 Minuten, in denen pro Episode ein Problem gelöst wird). Das hat Jon Spaihts wirklich gut, immer wieder mit viel Witz, aber auch ohne jemals auch nur im Ansatz die Tiefen der Geschichte auszuloten gemacht.

Denn die zahlreichen potentiellen Konflikte (die einem beim Ansehen des Trailers einfallen) werden entweder ignoriert (sorry, keine Aliens), schnell gelöst oder umgangen.

Das gilt vor allem für den im Zentrum des Films stehenden Konflikt zwischen Jim und Aurora. Immerhin hat er sie als sein Objekt des Begehrens geweckt und, weil sie jetzt das Ziel ihrer Reise niemals erreichen wird, zum Tod verurteilt. Er muss also unbedingt seine Tat vor ihr verheimlichen. Allerdings ahnt sie auch nichts davon. Sie akzeptiert sofort, dass sie durch eine dumme Fehlfunktion geweckt wurde. Das ist halt Schicksal. Dafür kann man niemand verantwortlich machen.

Erst durch Arthur erfährt sie den wahren Grund. Er sagt es ihr nebenbei. Nachdem ihm Jim einige Minuten früher sagte, dass er Aurora jetzt sagen wolle, dass er sie geweckt habe.

Sie ist darüber nicht begeistert und ehe es zu einigen dramatischen Ereignissen kommt, wird sich erst einmal in bester Pilcher-Manier angeschwiegen. Bis Laurence Fishburne plötzlich im Raumschiff steht und es zu einigen dramatischen Ereignissen kommt, die die letzte halbe Stunde fotogen füllen.

Passengers“ ist ein optisch beeindruckender Science-Fiction-Film, der mit seiner klaren Konstruktion der Geschichte gefällt, aber immer an der Oberfläche bleibt. Er ist ein Werbeclip für Weltraumreisen (allein schon das Schwimmbad) und kein existentialistisches Drama.

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Passengers (Passengers, USA 2016)

Regie: Morten Tyldum

Drehbuch: Jon Spaihts

mit Chris Pratt, Jennifer Lawrence, Michael Sheen, Laurence Fishburne

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Passengers“

Metacritic über „Passengers“

Rotten Tomatoes über „Passengers“

Wikipedia über „Passengers“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „Headhunters“ (Hodejegerne, Norwegen/Deutschland 2011)

Meine Besprechung von Morten Tyldums „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ (The Imitation Game, USA/Großbritannien 2014)


TV-Tipp für den 5. Januar: Im Schatten des Zweifels/Saboteure

Januar 5, 2017

Zwei immer wieder sehenswerte Filme vom Meister

3sat, 20.15

Im Schatten des Zweifels (USA 1943, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Thornton Wilder, Alma Reville, Sally Benson (nach einer Story von Gordon McDonnell)

Die junge Charlie ist begeistert: Ihr Lieblingsonkel kommt zu Besuch in die verschlafene Kleinstadt. Aber dann fragt sie sich, ob ihr Onkel ein mehrfacher Frauenmörder ist.

Suspense – und das gelungene Porträt einer US-amerikanischen Kleinstadt. Einer von Hitchcocks Lieblingsfilmen.

mit Joseph Cotten, Teresa Wright, MacDonald Carey, Patricia Collins, Hume Cronyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Im Schatten des Zweifels“

Wikipedia über „Im Schatten des Zweifels“ (deutsch, englisch)

nach eine kurzen Erholungspause:

3sat, 22.25

Saboteure (USA 1942, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Peter Viertel, Joan Harrison, Dorothy Parker (nach einer Story von Alfred HItchcock)

Mechaniker Barry wird von der Polizei verdächtigt, einen Anschlag auf eine Flugzeugfabrik verübt zu haben.

Eher unbekanntes und daher grundlos unterschätztes Werk des Meisters, mit einem grandiosen Finale auf der Freiheitsstatue. In „Der unsichtbare Dritte“ ließ Hitchcock seine Hauptdarsteller auf einem anderen Nationalheiligtum herumkraxeln.

mit Robert Cummings, Priscilla Lane, Otto Krüger, Alan Baxter, Alma Kruger

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Saboteure“

Wikipedia über „Saboteure“ (deutsch, englisch) über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


DVD-Kritik: Die neue Japrisot-Verfilmung „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“

Januar 4, 2017

Da hat sich Sébastien Japrisot vor Jahrzehnten einen genialen Titel – „Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr“ (alter deutscher Romantitel) oder „Die Dame im Auto mit Brille und Gewehr“ (deutscher Titel der ziemlich verschollenen Erstverfilmung von 1970) – und eine geniale Prämisse ausgedacht.

Denn die titelgebende Dame, die Anfang-Zwanzigjährige Sekretärin Dany (Freya Mavor), soll den Thunderbird ihres Chefs vom Flughafen zurück in die Garage fahren. Spontan entschließt sie sich, in Richtung Süden zu fahren. Sie war noch niemals am Mittelmeer und jetzt, mit dem Sportwagen ihres Chefs und einer kleinen Extra-Entlohnung in der Tasche, will sie ihren Traum verwirklichen. Während der Fahrt sprechen sie mehrere Leute an, die behaupten, sie vom Vortag zu kennen. Aber das ist unmöglich. Dann zu dem Zeitpunkt war sie in Paris in der Werbeagentur.

Ein Unbekannter überfällt sie im Waschraum einer typisch französischen Tankstelle und verstaucht ihre Hand. Aber niemand hat den Unbekannten gesehen.

Ein aufdringlicher, aber auch charmanter Anhalter, Typ „der junge Belmondo“, steigt ungefragt zu ihr in den Thunderbird. Immerhin behauptet er nicht, sie von früher zu kennen. Dafür belügt er sie, verführt sie, lässt sich von ihr aushalten und klaut das Auto.

Und, als ab das alles noch nicht genug sei, entdeckt Dany im Kofferraum des Thunderbird eine Leiche. Der Ermordete muss irgendwo zwischen Paris und seiner Entdeckung in südlichen Gefilden in den Kofferraum gelegt worden sein.

Dany fragt sich, in welchen Alptraum sie geraten ist. Dabei ist sie mit ihren Selbstgesprächen und ihrer blühenden Fantasie, der Archetyp des unzuverlässigen Erzählers.

Joann Sfar („Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte“, „Die Katze des Rabbiners“) verfilmte Sébastien Japrisots Kriminalroman nach einem Drehbuch von Gilles Marchand („Lemming“, „Black Heaven“ [auch Regie]) und Patrick Godeau (Produzent mehrerer Claude-Chabrol-Filme) als flirrenden Psycho-Thriller mit viel Siebziger-Jahre-Flair in der Mode und der Ausstattung. Er lässt die Geschichte auch damals spielen. Einerseits weil der Roman bereits 1966 erschien, andererseits weil einige wichtige Teile des, zugegeben, ziemlich weit hergeholten Komplotts heute so nicht mehr funktionieren. Wer, um nur ein Beispiel zu nennen, benutzt heute noch Schreibmaschinen und lässt Sekretärinnen seitenlange Berichte abtippen?

Auch stilistisch orientieren Sfar und sein Kameramann Manuel Dacosse („Amer“, demnächst „Axolotl Overkill“) sich an den französischen Krimis der sechziger und siebziger Jahre. Allerdings schneidet Sfar schneller und er erzählt auch freizügiger als es in Sechzigern möglich war.

Neben all den seltsamen Ereignissen, mit denen Dany auf ihrer sommerlichen Fahrt in den Süden konfrontiert wird, geht es auch immer um ihre Sexualität, ihre sexuellen Wünsche, ihre Fantasien und ihre psychische und physische Unterdrückung durch die Männer, denen sie auf ihrer Reise begegnet. Sie selbst ist als extrem kurzsichtige Person. Ohne ihre Brille (mit riesengroßen Gläsern, die fast größer als ihr Gesicht sind) ist sie blind. Im Finale wird das ignoriert; was ärgerlich wäre, wenn man „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ als strickt realistischen Film betrachten würde. Bis dahin wirkt Dany wie eine mehr oder weniger verpeilte junge Frau, die sich nach der starken Hand eines sie führenden Mannes sehnt und kaum zwischen Jungmädchenschwärmereien und Realität trennen kann. Im Finale ändert sich das. Sie hat jetzt den Durchblick und braucht deshalb keine Brille mehr.

Sfar folgt Japrisots Geschichte bis zum Finale, das im Film anders als im Roman ist, sehr genau. Teilweise übernimmt er sogar die Dialoge aus dem Roman. Im Gegensatz zum Roman erzählt er Danys Geschichte chronologisch, aber mit zahlreichen Flashbacks, deren Stellung zwischen Fantasie, Realität, Vergangenheit und Zukunft, erst rückblickend deutlich wird (was zur irrealen Stimmung beiträgt) und kunstvollen Überblendungen, die mal etwas enthüllen, mal verschleiern.

The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ ist ein feiner, extrem stylischer Franco-Retro-Krimi, bei dem man letztendlich nicht zu sehr auf die Logik achten sollte. Das gilt allerdings auch für Japrisots Roman.

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The Lady in the Car with Glasses and a Gun (La dame dans l’auto avec des lunettes et un fusil, Frankreich/Belgien 2015)

Regie: Joann Sfar

Drehbuch: Gilles Marchand, Patrick Godeau

LV: Sébastien Japrisot: La Dame dans l’auto avec les lunettes et un fusil, 1966 (Porträt einer Dame im Auto mit Brille und Gewehr, Die Dame im Auto im Sonnenbrille und Gewehr)

mit Freya Mavor, Benjamin Biolay, Elio Germano, Stacy Martin

DVD

Tiberius Film

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Französisch (

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

AlloCiné über „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“

Moviepilot über „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“

Metacritic über „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“

Rotten Tomatoes über „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“

Wikipedia über „The Lady in the Car with Glasses and a Gun“ (englisch, französisch) und Sébastien Japrisot (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über Sébastien Japrisot

Sébastien Japrisot in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Januar: Die 27. Etage

Januar 4, 2017

3sat, 22.25

Die 27. Etage (USA 1965, Regie: Edward Dmytryk)

Drehbuch: Peter Stone

LV (ungenannt): Walter Ericson (Pseudonym von Howard Fast): Fallen Angel, 1952 (Die 27. Etage)

Atomwissenschaftler David Stillwell (Gregory Peck) beobachtet während eines Stromausfalls in einem New Yorker Wolkenkratzer, wie ein Mann aus der titelgebenden 27. Etage stürzt. Durch den Schock verliert er sein Gedächtnis und er fragt sich, warum er plötzlich von mehreren Bösewichtern verfolgt wird. Mit einem Privatdetektiv versucht er die Wahrheit herauszufinden.

Atmosphärisch stimmiger und spannender Paranoia-Thriller für den „Charade“-Drehbuchautor Peter Stone ein weiteres Hitchcock-Skript schrieb.

Quincy Jones schrieb die Musik.

mit Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, Leif Erickson, George Kennedy, Anne Seymour

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die 27. Etage“

TCM über „Die 27. Etage“

Wikipedia über „Die 27. Etage“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Die 27. Etage“


DVD-Kritik: Nordisch mordend: „Modus – Der Mörder in uns“ und „Kommissar Beck“

Januar 3, 2017

Der skandinavische Krimi, und da ist der Unterschied zwischen Buch und Film nicht so weltbewegend, ist wie Ikea: immer gleich, vertraut depressiv und nie eine bestimmte Qualität unterschreitend, egal ob es um Serienmorde oder Morde in Serie geht. Das gilt auch für den zweiten Teil der fünften Staffel von „Kommissar Beck“, in dem vier Fälle des Ermittlers geschildert werden, und die Miniserie „Modus – Der Mörder in uns“, nach einem Roman von Anne Holt.

Kommissar Beck“ ist inzwischen die älteste und langlebigste Serie, die aus dem hohen Norden zu uns kommt. 1997 ermittelten Martin Beck (Peter Haber), Gunvald Larsson (Mikael Persbrandt) und ihr Team erstmals. Erfunden wurden sie von Maj Sjöwall und Per Wahlöö bereits 1965. Sie schrieben zehn Kriminalromane, die zunehmend politischer wurden und die Veränderungen der schwedischen Gesellschaft reflektierten. Die Krimis waren und sind ein weltweiter Erfolg. Sie beeinflussten zahlreiche Autoren und ihr Einfluss auf den skandinavischen Kriminalroman kann nicht überschätzt werden (daran ändert auch Henning Mankells ebenfalls überaus einflussreicher Kommissar Wallander nichts). Es gab auch einige Verfilmungen. Am bekanntesten ist der spannende US-Thriller „Massenmord in San Francisco“ (1973), nach dem Roman „Endstation für neun“, mit Walter Matthau als Martin Beck. Aber erst ab 1997 gab es, teils mit längeren Pausen, eine kontinuierliche Serie, in der die einzelnen Fälle schon lange nichts mehr mit den Romanen zu tun haben.

Inzwischen ist „Kommissar Beck – Staffel 5, Episoden 5 – 8“ erhältlich. Die Box enthält auf 2 DVDs (ohne Bonusmaterial) die neuesten vier spielfilmlangen Folgen, die manchmal auch als sechste Staffel gezählt werden und sich kaum von den vorherigen „Kommissar Beck“-Krimis unterscheidet.

Mikael Persbrandt, der seit der ersten Folge Martin Becks oft die Gesetze dehnenden, manchmal überschreitenden Kollegen und Freund Gunvald Larsson spielt, sagte, dass er nach dieser Staffel aus der Serie „Kommissar Beck“ aussteigen werde – und wer nicht wissen möchte, wie das geschieht, der sollte jetzt mit dem Lesen aufhören.

Im ersten Fall „Schüsse auf Gunvald“ (also Episode 5) wird während eines Routineeinsatzes auf Gunvald Larsson geschossen. Danach liegt er im Koma und stirbt am Ende der Episode. Er wollte eine Nachbarin des ermordeten investigativen Journalisten Wivel befragen. Dabei traf er auf Wivels Mörder.

Kommissar Beck und sein Team wollen jetzt herausfinden, wer die titelgebenden „Schüsse auf Gunvald“ abfeuerte und den Journalisten ermordete und was der notorische Verbrecher Risto Kangas damit zu tun hat.

In „Der Neue“ begrüßt Becks Team Steinar Hovland (Kristofer Hivju aus und mit „Game of Thrones“-Frisur), der erkennbar als Gegenentwurf zu Gunvald Larsson angelegt ist und der in der ersten Episode in fast jedem Gespräch von sich und seiner Familie erzählt. Darauf wurde, zum Glück, in den nächsten beiden Episoden verzichtet. Gunvald Larsson wird auch nicht mehr erwähnt. Nur Martin Beck wird noch trauriger und introvertierter.

Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wer warum in einem Campingwagen ermordet und verbrannt wurde. Dabei sind die sozial schwachen Bewohner des Campingplatzes, der von Nachbarn, die auch eine Bürgerwehr gegen die Drogenhöhle gegründet haben, keine große Hilfe.

In „Tödliche Sackgasse“ werden ein Ex-Polizist und seine Familie in seinem Haus ermordet. Bei ihren Ermittlungen stellen Beck und sein Team fest, dass der Ermordete keine weiße Weste hatte. Sie fragen sich, was an den Vorwürfen dran ist (viel) und ob das der Grund für den Mord war (na, selbstverständlich!).

In „Zahltag“ bringt ein Mann, der zu schnell fuhr, eine Polizistin um. Während der anschließenden, betont unspektakulär geschilderten Jagd nach dem Polizistenmörder begeht dieser weitere Verbrechen, die anscheinend Teil eines größeren Plans sind.

Der Mörder wird von Simon J. Berger gespielt, der in „Modus – Der Mörder in uns“ den leicht schusseligen Ex-Mann von Inger Johanne Vik spielt.

Das ist, wie gesagt, mit dem vertrauten Personal unspektakulär im gewohnten Rahmen.

 

Modus – Der Mörder unter uns“ ist eine aus vier spielfilmlangen Episoden bestehende Miniserie (bzw. im Original acht 45-minütige Episoden), die durchaus fortgesetzt werden kann. Immerhin schrieb die Norwegerin Anne Holt bislang fünf Vik/Stubø-Romane.

Für den Film wurde „Gotteszahl“, der vierte Roman der Serie, gewählt und teilweise verändert.

Inger Johanne Vik (Melinda Kinnaman) ist eine Wissenschaftlerin, die für die Polizei als Profilerin arbeitete und sich jetzt auf ihre beiden Kinder und die Wissenschaft konzentrieren will. Sie wird von Kommissar Ingvar Nyman (Henrik Norlén, im Roman Yngvar Stubø) gebeten, ihr bei einem Fall zu helfen. Nach anfänglichem Zögern erklärt sie sich bereit und beide versuchen herauszufinden, warum ein Mörder mehrere bekannte Personen kurz vor Weihnachten so umbringt, dass sie sofort als Mordfälle auffallen.

Als Zuschauer kennen wir zwar von der ersten Minute das Gesicht des Mörders und wir wissen auch, dass er über sechs verschiedene Smartphones (was uns dann auch schnell vermuten lässt, dass er sechs Menschen umbringen will) Informationen über seine Opfer erhält. Warum er allerdings die Morde ausführt, bleibt sehr lange vollkommen im Dunkeln.

Das lässt sich über die vier Folgen flott wegsehen. Allerdings streckt der Vierteiler die sehr überschaubare Krimihandlung mit etlichen privaten Plots bis zum Gehtnichtmehr. Während wir viel über das Privatleben der Haupt- und Nebenfiguren erfahren und Nebenfiguren, die später nicht mehr auftauchen und einen nur marginalen Input auf die Ermittlungen haben, viel Bildschirmzeit bekommen, bewegen sich die Ermittlungen von Vik und Nyman im Schneckentempo voran. Immerhin schlägt unser in einem Wohnwagen im Wald lebender Serienmörder immer wieder, so alle 45 Minuten, zu.

Insofern hat das Ansehen von „Modus – Der Mörder in uns“ schon etwas Meditatives. Wenn man sich nicht gerade damit beschäftigt, aus dem sechsstündigem Epos einen zweistündigen Thriller herauszudestillieren. Das wäre problemlos möglich gewesen. So ist „Modus“ ein TV-Krimi, der das liefert, was die Fans von skandinavischen Krimis erwarten. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

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Kommissar Beck – Staffel 5: Episoden 5 – 8 (Beck, Schweden/Deutschland 2016)

LV: Charaktere von Maj Sjowall und Per Wahlöö

mit Peter Haber (Martin Beck), Mikael Perbrandt (Gunvald Larsson), Kristofer Hivju (Steinar Hovland), Ingvar Hirdwall (Nachbar), Rebecka Hamse (Inger Beck), Måns Nathanaelson (Oswald Bergman), Anna Asp (Jenny Bodén), Elmira Arikan (Ayda Cetin), Jonas Karlsson (Klas Fredén), Åsa Karlin (Andrea Bergström)

DVD

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Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)

Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: –

Länge: 354 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die 5.2-Fälle

Schüsse auf Gunvald (Gunvald, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Mårten Klingberg

Drehbuch: Mikael Syrén

Der Neue (Steinar, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Mårten Klingberg

Drehbuch: Josefin Johansson, Mårten Klingberg (Adaptation), Stefan Thunberg (Adaptation), Mikael Syrén (Adaptation)

Tödliche Sackgasse (Vägs Ände, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Stefan Thunberg

Zahltag (Sista dagen, Schweden/Deutschland 2016)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Antonia Pyk

Hinweise

ZDF über „Kommissar Beck“

Wikipedia über „Kommissar Beck“, Maj Sjöwall, Per Wahlöö und ihre Romane

Meine Besprechung von „Kommisar Beck – Staffel 5: Episoden 1 – 4“

 

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Modus – Der Mörder in uns (Modus, Schweden/Deutschland 2015)

Regie: Lisa Siwe, Mani Maserrat Agah

Drehbuch: Mai Brostrøm, Peter Thorsboe

LV: Anne Holt: Pengemannen, 2009 (Gotteszahl)

mit Melinda Kinnaman (Inger Johanne Vik), Henrik Norlén (Ingvar Nyman), Marek Oravec (Richard Forrester), Simon J. Berger (Isak Aronson), Esmeralda Struwe (Stina Vik), Magnus Roosmann (Marcus Ståhl), Peter Jöback (Rolf Ljungberg), Johan Widerberg (Lukas Lindgren), Lily Wahlsteen (Linnea Vik), Krister Henriksson (Erik Lindgren), Liv Mjönes (Patricia Green), Cecilia Nilsson (Elisabeth Lindgren), Josefine Tengblad (Sophie Dahlberg)

Blu-ray

edel:motion

Bild: 1080/50i HD 16:9

Ton: Deutsch, Schwedisch (DTS-HD Master Audio 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Mini-Featurette, 8-seitiges Booklet

Länge: 364 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

ZDF über „Modus – Der Mörder in uns“

Wikipedia über „Modus – Der Mörder in uns“ und Anne Holt (deutsch, englisch, norwegisch)


TV-Tipp für den 3. Januar: Ein Köder für die Bestie

Januar 3, 2017

3sat, 22.25

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, Regie: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Ein Köder für die Bestie“

Wikipedia über „Ein Köder für die Bestie“ (deutsch, englisch) und John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


TV-Tipp für den 2. Januar: Ein glückliches Jahr

Januar 2, 2017

Arte, 20.15

Ein glückliches Jahr (Frankreich/Italien 1973, Regie: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch

Am Silvesterabend wird Juwelendieb Simon vorzeitig aus der Haft entlassen. Im neuen Jahr will er mit seiner früheren Geliebten Françoise wieder an alte Zeiten anknüpfen. Aber sie will nicht.

Wunderschöne Krimiromanze, die mehr Romanze als Krimi ist.

Der gelungene Auftakt einer kleinen Claude-Lelouch-Reihe, in der Arte vier seiner Filme in restaurierten Fassungen zeigt. Weitere Informationen hier.

Anschließend, um 22.10 Uhr, läuft Lelouchs damals unglaublich erfolgreiche Edelschnulze „Ein Mann und eine Frau“ (Frankreich 1966), die auch am Anfang von „Ein glückliches Jahr“ zitiert wird.

Mit Lino Ventura, Françoise Fabian, Charles Gérard, André Falcon

Wiederholung: Dienstag, 10. Januar, 13.50 Uhr

Hinweise

Arte über die Claude-Lelouch-Filmreihe

AlloCiné über „Ein glückliches Jahr“

Rotten Tomatoes über „Ein glückliches Jahr“

Wikipedia über „Ein glückliches Jahr“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 1. Januar: Only Lovers left alive

Dezember 31, 2016

ARD, 23.40

Only Lovers left alive (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

Jim Jarmuschs wundervoller, grandios besetzter Film über die Welt der Vampire, der seine TV-Premiere zu einer vampirfreundlichen Uhrzeit erlebt.

Im Mittelpunkt des Films stehen die in Tanger lebende Eve (Tilda Swinton) und ihr in Detroit lebender Mann Adam (Tom Hiddleston), der mal wieder die Lust am Leben verloren hat. Eve will ihm helfen – und wir bekommen eine der schönsten Liebesgeschichten des Kinos, trockenen Humor und etliche popkulturelle Anspielungen. Einer von Jarmuschs schönsten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung (mit etlichen Interviews).

mit Tilda Swinton, Tom Hiddleston, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Only Lovers left alive“

Moviepilot über „Only Lovers left alive“

Metacritic über „Only Lovers left alive“

Rotten Tomatoes über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über „Only Lovers left alive“

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)


TV-Tipp für den 31. Dezember: Pop around the Clock

Dezember 30, 2016

3sat, 06.30

Pop around the Clock

Wie in den vergangenen Jahren besteht das 3sat-Silvesterprogramm aus 24 Stunden Rockmusik. Gezeigt werden, oft als erste und einzige TV-Ausstrahlung, unter anderem mehr oder weniger große Konzertausschnitte von Auftritten von

07.00 Uhr: Joan Baez (in New York, 2016, zu ihrem 75. Geburtstag)

07.45 Uhr: Joe Bonamassa (in Los Angeles, 2015, ein bluesrockender Stammgast)

09.30 Uhr: Bruce Springsteen (in Tempe, 1980, während seiner „The River“-Tour)

10.15 Uhr: Niedeckens BAP (Live im Heimathafen, 2016 in Berlin)

14.15 Uhr: Ed Sheeran (im Wembley Stadium, Juli 2015)

15.15 Uhr: Mumford & Sons (in Pretoria, 2016)

18.00 Uhr: Eric Clapton (in San Diego, 2007; erschien vor einigen Tagen auch als Doppel-CD)

20.15 Uhr: The Rolling Stones (mit knapp zwei Stunden dürfte hier das komplette Havanna-Konzert vom März 2016 präsentiert werden. Natürlich mit den allseits bekannten Songs)

23.15 Uhr: Adele (in New York, 2015, als Überbrückung bis zur Geisterstunde)

00.00 Uhr: U2 (in Paris am 7. Dezember 2015, Konzert zum Zeichen gegen den Terror, mit den Eagles of Death Metal als Gast – mit deutlich über zwei Stunden dürfte es hier wieder ein ziemlich vollständiges Konzert geben)

06.30 Uhr: Eagles of Death Metal (in Paris am 16. Februar 2016, drei Monate nach dem Anschlag auf den Konzertsaal Bataclan, während eines Konzertes der Band)

Das vollständige Programm gibt es hier. Die Konzerte können 14 Tage in der Mediathek angesehen und angehört werden.


TV-Tipp für den 30. Dezember: Sherlock – Die Braut des Grauens

Dezember 30, 2016

RBB, 22.45

Sherlock: Die Braut des Grauens (Sherlock: The Abominable Bride, Großbritannien 2016)

Regie: Douglas Mackinnon

Drehbuch: Mark Gatiss, Steven Moffat

Um die Wartezeit zwischen der dritten und vierten „Sherlock“-Staffel (in einigen Tagen im Original, in einigen Monaten in Deutschland zu sehen) zu verkürzen, schrieben die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat ein am Neujahrstag in England ausgestrahltes „Special“, das von zwölf Millionen Zuschauern gesehen wurde und Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Dr. John Watson (Martin Freeman) ins viktorianische London führt. Also die Zeit, in der die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Sherlock-Holmes-Geschichten spielen.

Inspektor Lestrade bittet Holmes in einem schwierigen Fall um Hilfe: Emilia Ricoletti, die titelgebende Braut des Grauens, hat sich am helllichten Tag in aller Öffentlichkeit erschossen. Einige Stunden später bringt sie, obwohl ihre Leiche im Leichenschauhaus liegt, ihren Mann um.

Der Fall wird noch mysteriöser, weil die tote Emilia Ricoletti fortan weitere Morde verübt haben soll. Nur, und ist sich Sherlock Holmes sicher, Geister gibt es nicht und Emilia Ricoletti ist tot.

Und dann taucht auch noch Professor Moriarty in der Wohnung von Sherlock Holmes auf.

Nach der enttäuschenden dritten „Sherlock“-Staffel, die zwar gute Zuschauerquoten hatte, sich aber zu sehr auf die Hauptcharaktere und ihre Befindlichkeiten konzentrierte, während die Fälle noch nicht einmal als Nebensache wichtig und erinnerungswürdig waren, ist „Die Braut des Grauens“ eine wohltuende Rückkehr zu einem starken Fall, garniert mit vielen Anspielungen auf die vorherigen „Sherlock“-Filme (auch weil alle bekannten und wichtigen Charaktere, teils in veränderter Erscheinung, auftreten) und einem herrlichen Spiel zwischen Fakt und Fiktion und zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Denn obwohl „Die Braut des Grauens“ im viktorianischen London spielt, schließt sie auch unmittelbar an „Sein letzter Schwur“, die letzte Folge der dritten „Sherlock“-Staffel an.

Und die einfallsreiche Regie tut ihren Teil dazu.

Absolut sehenswert! Für alte „Sherlock“-Fans und auch für neue „Sherlock“-Fans, die allerdings etwas verunsichert von den vielen eingestreuten Anspielungen und dem wilden Spiel mit und im Holmes-Kosmos sein könnten.

Die vierte Staffel wurde im Frühjahr/Sommer 2016 gedreht werden und wird Anfang 2017 ausgestrahlt werden. Die Gründe für den großen Abstand zwischen der dritten Staffel, die Anfang 2014 gezeigt wurde, und vierten Staffel sind ziemlich banal: die Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat brauchen Zeit, um die Drehbücher zu schreiben und Benedict Cumberbatch und Martin Freeman sind seit dem weltweiten Erfolg von „Sherlock“ gefragte Schauspieler mit einem vollen Terminkalender. D. h.: die vierte Staffel könnte auch die letzte Staffel sein.

Mit Benedict Cumberbatch, Martin Freeman, Una Stubbs, Rupert Graves, Mark Gatiss, Andrew Scott, Louise Brealey, Amanda Abbington, Jonathan Aris, Catherine McCormack, Tim McInnerny, Natasha O’Keeffe

Wiederholung: BR, Sonntag, 1. Januar, 23.20 Uhr

Die DVD

Sherlock - Die Braut des Grauens - DVD-Cover 4

Parallel zur ersten TV-Ausstrahlung erschien (offiziell erschienen am 29. März 2016) die DVD/Blu-ray als „Special Edition“. Neben dem Film gibt es eine zweite DVD mit neunzig Minuten sehenswertes Bonusmaterial, das hauptsächlich von den beiden „Sherlock“-Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat bestritten wird.

Und weil jedes Eingehen auf das Bonusmaterial auch Details der vertrackten Handlung verrät, hülle ich den Mantel des Schweigens darüber.

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (mit deutschen Untertiteln, 86 Minuten): Mark Gatiss: A Study in Sherlock, Mark Gatiss: Production Diary, Writer’s Interview, Creating the Look: 8 inside looks at how this unique Special was created, The creators of Sherlock answer questions from Sherlock’s ‚1 fan site, 12-seitiges Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

 

Hinweise

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „Der Fall Moriarty“ (Moriarty, 2014)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von “Sherlock: Eine Legende kehrt zurück -Staffel 2″ (Sherlock, GB 2012)

Meine Besprechung von „Sherlock – Staffel 3“ (Sherlock, GB 2014)

Meine Besprechung von “Sherlock: Ein Skandal in Belgravia” (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Dezember: Inside Man

Dezember 29, 2016

ZDFneo, 20.15

Inside Man (USA 2006, Regie: Spike Lee)

Drehbuch: Russell Gewirtz

Dalton Russell überfällt eine Wall-Street-Bank. Schnell wird sie von der Polizei umzingelt und Detective Keith Frazier beginnt mit den Verhandlungen. Spätestens als Madaline White als Unterhändlerin des Bankgründers auftaucht und sich in die Verhandlungen einmischt, weiß er, dass er es nicht mit einem normalen Banküberfall zu tun hat.

„‘Inside Man’ ist ein typischer Spike-Lee-Film, insofern er in jeder Sekunde ein bisschen mehr ist al ein reiner Genrefilm. Er macht böse Witze ebenso über den kulturellen Reichtum New Yorks wie über Post-9/11-Paranoia und War-on-Terror-Vorurteile. Er analysiert die Mechanik der Macht, verbindet sie mit gesellschaftlicher Hierarchie und bricht sie an der Politik der Hautfarben.“ (Alexandra Seitz: Inside Man, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)

Ein feiner Thriller

mit Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Chiwetel Ejiofor, Christopher Plummer

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Inside Man“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Inside Man“

Rotten Tomatoes über “Inside Man”

Drehbuch “Inside Man” von Russel Gewirtz (Fassung vom 17. Januar 2005)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/Italien 2008)

Meine Besprechung von Spike Lees “Oldboy” (Oldboy, USA 2013)


TV-Tipp für den 28. Dezember: Aus der Mitte entspringt ein Fluss

Dezember 28, 2016

BR, 23.30

Aus der Mitte entspringt ein Fluss (USA 1992, Regie: Robert Redford)

Drehbuch: Richard Friedenberg

LV: Norman MacLean: A River runs through it, 1976 (Aus der Mitte entspringt ein Fluss)

In poetischen Bildern (Philippe Rousselot erhielt dafür einen Oscar) erzählt Robert Redford in seiner dritten Regiearbeit die Geschichte zweier ungleicher Brüder, die in Montana vor ungefähr hundert Jahren aufwachsen und von ihrem Vater, einem presbyterianischen Pfarrer, zu passionierten Fliegenfischen erzogen werden. Dabei steht das Fliegenfischen für eine bestimmte Geisteshaltung.

Ein Plädoyer für eine natürliche Ordnung und eine Abkehr von materieller Raffgier. Ein schöner Gegenentwurf zur inhaltsleeren Konsumware Hollywoods.“ (Fischer Film Almanach 1994). Inszeniert von einem Hollywood-Star, mit einem Hollywood-Star am Anfang seiner Karriere in der Hauptrolle.

mit Brad Pitt, Craig Sheffer, Tom Skerritt, Brenda Blethyn, Emily Lloyd

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“

Wikpedia über „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Assassin’s Creed“, vom Stehen auf Häuserdächern

Dezember 27, 2016

Nach der gar nicht so schlechten Computerspielverfilmung „Warcraft: The Beginning“ von Duncan Jones, die vor einem halben Jahr in den Kinos lief, schien der Bann, dass Computerspiele die Grundlage für schlechte Filme sind, gebrochen zu sein. Justin Kurzels „Assassin’s Creed“ sollte die nächste gute Computerspielverfilmung werden.

Mit einem mehr als ordentlichem Budget von 125 Millionen US-Dollar (frühere Zahlen waren teilweise deutlich höher), einem Regisseur, dessen bisherige Werke Kritikererfolge waren und der mit seinem „Macbeth“-Team (vor und hinter der Kamera) „Assassin’s Creed“ inszenieren durfte, und einer Top-Besetzung (Michael Fassbender, Marion Cotillard [beide „Macbeth“], Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael K. Williams) standen die Zeichen äußerst günstig für eine gute Spieleverfilmung, die Fans des Spiels und Filmfans gefallen könnte. Immerhin wurde der Film, unter anderem, von dem „Assassin’s Creed“-Spielehersteller Ubisoft, die sich anscheinend auf dem „Marvel“-Weg sahen, und Hauptdarsteller Michael Fassbender produziert. Er war vorher Executive Producer des schönen Western „Slow West“.

Er spielt Cal Lynch, einen aus den bisherigen „Assassin’s Creed“-Computerspielen unbekannten Charakter. Lynch ist ein zum Tod Verurteilter (warum und weshalb wird vielleicht in einem Extended Cut erklärt), der nach seinem Tod in einem pompösen Forschungslabor/Krankenhaus/Gefängnis von Abstergo Industries mit Erinnerungen von Aguilar de Nerha gefüttert wird. De Nerha war im 15. Jahrhundert in Spanien ein Mitglied der Assassinen. Sie kämpfen gegen die Tempelritter um den aus der Bibel bekannten „Apfel von Eden“, der in dem Film wirklich ein Apfel und der klassische, in diesem Fall mit Scheinbedeutung hoffnungslos überladene MacGuffin ist. Dabei hätte man aus der hinter dem Apfel der Erkenntnis stehenden Idee wirklich etwas machen können.

Denn in der Filmlesart steht der Apfel als Symbol des freien Willens für Mord und Totschlag, Chaos und Anarchie. Die Tempelritter wollen die Menschheit davor beschützen. Und damit stellt sich die Frage, ob die im Film bösen Tempelritter nicht in Wahrheit die Guten sind.

Aber an solchen philosophischen Diskursen hatten die Macher kein Interesse.

Stattdessen gibt es, wenn nicht gerade endlos irgendetwas erklärt wird, unzusammenhängende Kampfszenen, in denen meistens unklar ist, wie die Leute in die Situation kamen und worum es geht. Außer dem Offensichtlichstem, wie „Kind retten“ oder „Apfel klauen“. Und halt Mord und Totschlag, Chaos und humorlose Endloskloppereien und Verfolgungsjagden.

Diese Szenen sind, auch wenn sie nicht gerade im Mittelalter und parallel in der Gegenwart spielen (Lynch spielt die Erinnerungen seines Urahnen nach), so konfus inszeniert, dass man zwischen wild entfesselter Kamera, Sekundenschnitten und 3D-Pixelgewitter jeden Überblick verliert. Entsprechend gelangweilt folgt man den Kämpfen von schwarz gekleideten Menschen, die mit anderen schwarz gekleideten Menschen kämpfen und über Dächer flüchten oder auf Dächern bedeutungsschwanger warten, weil Menschen auf Dächern immer wichtig aussehen.

In diesen Momenten sieht man, dass Justin Kurzel sich stilistisch an seiner optisch beeindruckenden Shakespeare-Verfilmung „Macbeth“ orientiert. „Macbeth“-Kameramann Adam Arkapaw half ihm dabei. Die erste Staffel von „True Detective“ und „The Light between Oceans“ (ebenfalls mit Michael Fassbender) gehen ebenfalls auf sein Konto.

Aber was in „Macbeth“ bildgewaltig und entsprechend beeindruckend ist, versumpft in „Assassin’s Creed“ – jedenfalls in der von mir gesehenen Vorführung – in viel zu dunklen Bildern und schlechtem 3D, das in dieser Form schon lange Vergangenheit sein sollte.

Dazu kommt eine wirre und konfuse Story, die Nicht-Kenner des Spiels ratlos zurücklässt. Über lose Enden, Logiklöcher und Unplausibilitäten muss hier nicht gesprochen werden. Denn all das setzt ein Mindestmaß an Plausibilität und Nachvollziehbarkeit voraus. „Assassin’s Creed“ ist dagegen nur eine Ansammlung von unzusammenhängenden Szenen, die vielleicht für die Kenner des Spiels verständlich sind.

Für alle anderen ist „Assassin’s Creed“ in jeder Beziehung Zeitverschwendung.

assassin-s-creed-plakat

Assassin’s Creed (Assassin’s Creed, USA 2016)

Regie: Justin Kurzel

Drehbuch: Michael Lesslie, Adam Cooper, Bill Collage

mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Charlotte Rampling, Michael K. Williams, Ariane Labed, Matias Varela, Denis Menochet

Länge: 116 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Assassin’s Creed“

Metacritic über „Assassin’s Creed“

Rotten Tomatoes über „Assassin’s Creed“

Wikipedia über „Assassin’s Creed“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Kurzels „Die Morde von Snowtown“ (Snowtown, Australien 2011)

Meine Besprechung von Justin Kurzels „Macbeth“ (Macbeth,Großbritannien 2015)

Cast und Crew stellen den Film vor


TV-Tipp für den 27. Dezember: Gutes Wedding, schlechtes Wedding

Dezember 27, 2016

Der lokalpatriotische TV-Tipp

RBB, 22.15

Gutes Wedding, schlechtes Wedding

Gestern Wedding, morgen auch. Denn Wedding ist die Welt. Jedenfalls für die Macher des Prime Time Theater, die seit Ewigkeiten sehr erfolgreich in ihrem eigenen Theater über Wedding, Berlin und den Rest der Welt ulken. Ob der Theaterklamauk auch im Fernsehen, mit einer eigens für das Fernsehen erdachten Soap-Comedy, funktioniert, können wir heute, morgen, übermorgen und am Freitag im RBB (Deutschlands bester Hauptstadtsender) überprüfen.

Hinweis

Prime Time Theater und sein YouTube-Kanal

Wikipedia über das Prime Time Theater


TV-Tipp für den 26. Dezember: Der Untergang des Römischen Reiches

Dezember 26, 2016

Arte, 20.15

Der Untergang des Römischen Reiches (USA 1964, Regie: Anthony Mann)

Drehbuch: Ben Barzman, Basilio Franchina, Philip Yordan

Römisches Reich, 180 n. Chr.: Marc Aurel will das Römische Reich erhalten, indem er seine Tochter mit dem König von Armenien verheiratet. Aber sie liebt einen anderen und sein Sohn ist ein wenig weitsichtiger Herrscher.

Unter der Vielzahl von Monumentalfilmen ist ‚Der Untergang des Römischen Reiches‘ einer der unterhaltsamsten und intelligentesten und lässt neben den üblichen Ausstattungseffekten auch die politischen Hintergründe nicht zu kurz kommen. (…) ein Muss für Freunde des Genres.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Trotzdem gehört Anthony Manns dreistündiges Epos zu den unbekannteren Monumentalfilmen, die vor allem mit gigantischen Zahlen (Das Budget! Die Statistenheere! Die Kulissen!) und Stars prunken.

mit Sophia Loren, Stephen Boyd, Alec Guiness, James Mason, Christopher Plummer, Anthony Quayle, John Ireland, Omar Sharif, Mel Ferrer

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Untergang des Römischen Reiches“

TCM über „Der Untergang des Römischen Reiches“

Wikipedia über „Der Untergang des Römischen Reiches“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alfred L. Werker und Anthony Manns (ungenannt) „Schritte in der Nacht“ (He walked by Night, USA 1948)

Meine Besprechung von Anthony Manns „Das schwarze Buch“ (Reign of Terror/The Black Book, USA 1949)

Meine Besprechung von Anthony Manns „Der Mann aus dem Westen“ (Man of the West, USA 1958)


TV-Tipp für den 25. Dezember: Quo Vadis

Dezember 25, 2016

Arte, 20.15

Quo Vadis (USA 1951, Regie: Mervyn LeRoy)

Drehbuch: John Lee Mahin, S. N. Behrman, Sonya Levien

LV: Henryk Sienkiewicz: Quo Vadis, 1895 (Quo Vadis)

Rom, 64 n. Chr.: ein Feldherr verliebt sich in eine Christin (schwerer Fehler) und Nero (Peter Ustinov!) lässt Rom abfackeln.

einer der Könige des Monumentalfilms“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon), bei dem 30.000 Statisten für ein gut gefülltes Bild sorgten. Heute unvorstellbar.

Morgen geht die monumentale Geschichtsstunde bei Arte um 20.15 Uhr mit dem „Untergang des römischen Reiches“ (USA 1964, Regie: Anthony Mann) weiter.

mit Peter Ustinov, Deborah Kerr, Robert Taylor, Finlay Currie, Leo Genn, Patricia Laffan

Wiederholung: Freitag, 30. Dezember, 13.55 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Quo Vadis“

TCM über „Quo Vadis“

Wikipedia über „Quo Vadis“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 24. Dezember: Jenseits von Afrika

Dezember 23, 2016

Besinnliche Feiertage wünscht die Kriminalakte mit

ZDFneo, 20.15

Jenseits von Afrika (USA 1983, Regie: Sydney Pollack)

Drehbuch: Kurt Luedtke

LV: Isak Denisen (aka Karen Blixen): Out of Afrika; Shadows on Grass; Letters from Africa; Judith Thurman: Isak Denisen – The Life of a Storyteller; Errol Trzebinski: Silence will speak

Mit sieben Oscars (u. a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch), an der Kinokasse enorm erfolgreiche, vor Ort gedrehte Edelschmonzette über Karen Blixen, die zwischen 1913 und 1931 in Kenia lebte, mit dem ehebrechendem, geschäftsunfähigen Bror von Blixen-Fineckel verheiratet war, deshalb dessen Kaffeeplantage managte und in den Großwildjäger Denys Finch Hatton verliebt war.

mit Meryl Streep, Robert Redford, Klaus Maria Brandauer, Michael Kitchen, Malick Bowens

Hinweise

3sat über die Robert-Redford-Reihe

Rotten Tomatoes über „Jenseits von Afrika“

Wikipedia über „Jenseits von Afrika“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ in der Disney-Welt

Dezember 23, 2016

Es ist Weihnachten. Es ist Disney-Zeit. Auch wenn es in dem neuesten Disney-Film „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ keine Weihnachtsbäume und keinen Schnee gibt. Denn die Geschichte spielt vor langer, langer Zeit in der malerisch-traumhaften Südsee. Vaiana (im Original „Moana“ [hier gibt es eine Erklärung für die Namensänderung]) ist die sechzehnjährige Tochter des Häuptlings. Seit ihrer Geburt ist sie vom Meer fasziniert und auch vom Meer für ihre künftige Reise, die sie in dem Film unternehmen muss, auserwählt. Ihre Eltern wollen allerdings, dass sie auf der Insel bleibt. Sie soll später auch der neue Häuptling der Motunui werden.

Aber seit einiger Zeit ist das Inselparadies bedroht. Ernten werden unfruchtbar. Die Fischgründe sind aus unerklärlichen Gründen leergefischt.

Vaiana glaubt, dass hinter dem die Insel umgebendem Riff neue Fischgründe sind. Mit dem dummen Hahn HeiHei (der Running Gag des Films) macht sie sich auf den Weg um ihr Volk, ihre Insel und damit die Welt zu retten.

Auf ihrer Reise trifft sie als erstes Maui, einen Halbgott mit dem großspurigen Gehabe des vorpubertären Klassenclowns, der in diesem Fall zwar etwas doof ist (er hält sich für den Größten), aber auch einiges über das Meer weiß und kämpfen kann. Außerdem hat er den ganzen Schlamassel, der auch Vaianas Welt bedroht, verursacht, als er das Herz von Te Fiti stahl und so eine schreckliche, langsam alles verschlingende Dunkelheit entfesselte. In einem Kampf mit dem Lava-Monster Te Ka verlor er das Herz von Te Fiti.

Um seine Schuld zu begleichen soll Maui ihr jetzt bei der Suche helfen und das Herz von Te Fiti an seinen ursprünglichen Ort zurückbringen. Was natürlich leichter gesagt, als getan ist.

Für Kinder ist „Vaiana“ ein bunter Abenteuerfilm, der alles hat, was das Herz begehrt: eine taffe, optimistische Heldin, ein ihr helfenden Halbgott, Tiere, Abenteuer, flotte Sprüche und sieben Originalsongs, von denen zwei in verschiedenen Fassungen präsentiert werden.

Für Erwachsene fehlt bei all den Abenteuern doch die erzählerische Geschlossenheit. Die Disney-Urgesteine Ron Clements und John Musker („Arielle, die Meerjungfrau“, „Aladdin“) erzählen vor allem eine Reisegeschichte, in der sich, inspiriert von alten Legenden der Völker Ozeaniens, ziemlich beliebig austauschbare Episoden aneinanderreihen, die nach dem Ende der Episode in sich abgeschlossen sind. So tauchen die Kokomora, kleine, wilde Piraten mit Rüstungen aus Kokosschalen, nur einmal auf.

Es fehlt auch die zweite Ebene, ein Sub- und Metatext, der über das offensichtliche hinausgeht. Entsprechend eindimensional sind die Charaktere geraten. Das zeigt sich besonders deutlich an Vaiana. Die Protagonistin hat keinen inneren Konflikt und auch der äußere Konflikt ist nicht wirklich vorhanden.

Ein weiteres Problem des Films ist, was auch an der Geschichte liegt, das arg verklärende Bild, das von der Südsee und den Südseebewohnern gezeichnet wird. Sie sind ein immer fröhlich-singendes Volk, das keine Probleme hat und im Einklang mit der Natur lebt. Das ist das während des Kolonialismus von ihnen gezeichnete pittoreske Bild, das heute mindestens einen rassistischen Beigeschmack hat. Immerhin rettet kein weißer Mann, sondern ein Mädchen das Paradies.

Diese Punkte fallen vor allem im Vergleich zu „Zoomania“ auf. Der kommerziell und bei den Kritikern sehr erfolgreiche Film wird ausdrücklich auf dem Plakat genannt und Drehbuchautor Jared Bush war auch einer der Autoren von „Zoomania“. Dieser Disney-Blockbuster hatte alles, um auch einem älteren Publikum Stoff zum Nachdenken zu geben und war politisch progressiver. Auch weil die Geschichte in einer bunten, in jeder Hinsicht vielfältigen Großstadt spielt. In „Vaiana“ gibt es nur die Insulaner, Götter und Monster.

Vaiana“ ist nicht so gut wie „Zoomania“. Aber das hat, zugegeben, auch etwas von dem Vorwurf, dass das Vier-Sterne-Menü heute nicht so gut wie gestern ist.

Als Vorfilm gibt es den witzigen Animationsfilm „Herz oder Kopf: Inner Workings“ von Regiedebütant Leo Matsuda. Er war Story Artist bei „Baymax“ und „Ralp reicht’s“.

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Vaiana – Das Paradies hat einen Haken (Moana, USA 2016)

Regie: Ron Clements, John Musker, Don Hall (Ko-Regie), Chris Williams (Ko-Regie)

Drehbuch: Jared Bush (nach einer Geschichte von Ron Clements, John Musker, Chris Williams, Don Hall, Pamela Ribon, Aaron Kandell und Jordan Kandell)

mit (im Original den Stimmen von) Auli’i Cravalho, Dwayne Johnson, Jermaine Clement, Rachel House, Temuera Morrison, Alan Tudyk, Nicole Scherzinger

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Lina Larissa Strahl, Andreas Bourani

Länge: 107 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Metacritic über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Rotten Tomatoes über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Wikipedia über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 23. Dezember: Cowboys & Aliens

Dezember 23, 2016

Pro 7, 22.05

Cowboys & Aliens (USA 2011, Regie: Jon Favreau)

Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])

LV: Scott Mitchell Rosenberg: Cowboys & Aliens, 2006 (Cowboys & Aliens)

Buch zum Film: Joan D. Vinge: Cowboys & Aliens, 2011

Wilder Westen: Aliens versuchten schon damals, die Erde zu besetzen. Aber dieses Mal legen sie sich mit „James Bond“ und „Indiana Jones“ an. Klarer Fall, wer die besseren Karten hat.

Vergnüglicher, starbesetzter, etwas unterschätzter Western, der gerade in seinen traditionellen Teilen gefällt, und viel besser als die Box-Office-Bombe „Lone Ranger“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Films und der Vorlage.

mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

You Tube: der Kanal zum Film und der Kanal mit den Interviews (Jon Favreau unterhält sich mit den Beteiligten)

Film-Zeit über „Cowboys & Aliens“

Metacritic über “Cowboys & Aliens”

Rotten Tomatoes über “Cowboys & Aliens”

Wikipedia über “Cowboys & Aliens” (deutsch, englisch) und über die Vorlage (deutsch, englisch)

Go into the Story: Interview mit den Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman über “Cowboys & Aliens”

Platinum Studios: Homepage zum Comic

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Cowboys & Aliens“ (Cowboys & Aliens, USA 2011)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „Kiss the Cook – So schmeckt das Leben“ (Chef, USA 2014)

Meine Besprechung von Jon Favreaus „The Jungle Book“ (The Jungle Book USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Tom Fords „Nocturnal Animals“

Dezember 22, 2016

Susan Morrow (Amy Addams) erhält von ihrem Ex-Mann Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal), von dem sie seit Jahren nichts gehört hatte, ein Exemplar seines noch nicht veröffentlichten Debütromans „Nocturnal Animals“. Während die Kunsthändlerin den Kriminalroman liest, erinnert sie sich an ihre Beziehung zu Edward.

Der zweite Spielfilm des bekannten Modedesigners und „A single Man“-Regisseurs Tom Ford „Nocturnal Animals“ ist ein durchgehend elegantes Werk, das sich formschön und funktionell zwischen den verschiedenen Ebenen bewegt ohne jemals zu verunsichern. Alles, jeder Erzählstrang, jede Szene, jedes Bild, ist sauber voneinander getrennt, eindeutig in jeder Beziehung und es überfordert niemanden. Auch wenn Jake Gyllenhaal eine Doppelrolle spielt. Er ist Susans Ex-Mann und der Protagonist des Romans, was verdeutlicht, dass der Roman aus Susans Sicht (aber auch aus Edwards und der Sicht des Zuschauers) eine literarische Verarbeitung ihrer Beziehung ist.

Edward erzählt in seinem Roman letztendlich eine simple Rachegeschichte, für die Stephen King an einem schlechten Tag zwanzig Seiten benötigt hätte. Während einer nächtlichen Autofahrt durch West-Texas werden Tony Hastings und seine Familie von Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und seinen Kumpels bedrängt und zu einem Unfall provoziert. Anschließend entführt Marcus Tonys Familie. Als er sie wieder sieht, sind sie tot und Tony möchte sich rächen.

Dass in der Gegenwart Susans Ehemann fremdgeht und damit ihre Vergangenheit und die Fiktion gespiegelt werden, überrascht dann nicht mehr, bringt aber auch keine neuen Erkenntnisse.

Nocturnal Animals“ ist ein Manufactum-Film, bei dem der Stil, die richtige Geste, die richtige Ausleuchtung und der äußere Schein wichtiger als der Inhalt ist. Alles ist höchst elegant, gut besetzt und in jeder Beziehung gut inszeniert (was ihn unbedingt sehenswert macht), aber auch immer eine Spur zu offensichtlich und zu eindeutig, um wirklich zu verunsichern oder emotional zu bewegen. Im Gegensatz zu den Horrorfilmen von David Cronenberg, zum Beispiel „Crash“ oder sein Hollywood-Film „Maps to the Stars“, und zahlreichen anderen Horrorfilmen, in denen die Protagonisten sich mit ihren Ängsten herumschlagen müssen (Hat Susan überhaupt vor etwas Angst? Will sie überhaupt ihr Leben ändern? Verändert die Lektüre des Romans sie irgendwie?). Man fragt sich auch nie, wie bei Olivier Assayas „Die Wolken von Sils Maria“, wo die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen verlaufen. In „Nocturnal Animals“ sind Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion sauber voneinander getrennte Schubladen.

Dabei ruft Tom Ford in den ersten Filmminuten mit betont ästhetischen Bildern von in Zeitlupe tanzenden, übergewichtigen nackten Frauen beim Zuschauer genau die Verunsicherung hervor, die er später erfolgreich vermeidet.

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Nocturnal Animals (Nocturnal Animals, USA 2016)

Regie: Tom Ford

Drehbuch: Tom Ford

LV: Austin Wright: Tony & Susan, 1993 (Tony & Susan) (manchmal auch „Tony and Susan“ bzw. „Tony und Susan“, US-Neuausgabe unter „Nocturnal Animals“)

mit Amy Adams, Jake Gyllenhaal, Michael Shannon, Aaron Taylor-Johnson, Isla Fisher, Karl Glusman, Armie Hammer, Laura Linney, Andreas Riseborough, Michael Sheen

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Nocturnal Animals“

Metacritic über „Nocturnal Animals“

Rotten Tomatoes über „Nocturnal Animals“

Wikipedia über „Nocturnal Animals“ (deutsch, englisch)

DP/30 unterhält sich mit Tom Ford

Im AOL Building wird Tom Ford von Amy Addams, Michael Shannon und Aaron Taylor-Johnson unterstützt