Neu im Kino/Filmkritik: Seltsame Ereignisse am „Caddo Lake“

November 29, 2024

Caddo Lake ist ein Bayou an der Grenze von Texas und Louisiana.

Caddo Lake“ ist auch der Name eines dort spielenden Horrorfilms, der jetzt im Kino anläuft. Produziert wurde der Film von „The sixth Sense“ M. Night Shyamalan. Sein Name weckt Erwartungen, die das von Celine Held und Logan George geschriebene und inszenierte Werk nur teilweise einlöst.

Im Mittelpunkt des Films stehen Ellie (Eliza Scanlen) und Paris (Dylan O’Brien). Sie sucht ihre im Bayou spurlos verschwundene achtjährige Schwester Anna. Er fühlt sich schuldig am Tod seiner vor Jahren bei einem Unfall im See ertrunkenen Mutter. Beide entdecken, unabhängig voneinander, in der Sumpflandschaft ein Portal durch das sie, scheinbar zufällig, in die Vergangenheit und die Zukunft gelangen können. Was das Portal mit Annas Verschwinden zu tun hat und wie die Geschichten von Ellie und Paris miteinander zusammenhängen, kristallisiert sich erst im Finale halbwegs heraus.

Davor punktet der langsam erzählte Film mit viel authentischer Bayou-Atmosphäre. Die Ausstattung lässt sich, außer man gehört zu den Menschen, die jedes US-amerikanische Auto kennen, zeitlich nicht genau zuordnen. Jeder Gegenstand wirkt, als sei er schon seit mindestens zehn Jahren im Gebrauch. Entsprechend schwierig ist das Zuordnen der einzelnen Episoden zu einer bestimmten Zeit zwischen den fünfziger Jahren und der Gegenwart. Im Bayou ist das noch schwieriger. Bäume und Wasserwege sehen heute wie damals aus. Die Kleider der Einheimischen sind funktional und unmodisch. Handys werden kaum benutzt, weil der gesamte Bayou wahrscheinlich ein einziges Funkloch ist.

Zur gelungenen Atmosphäre tragen auch die Schauspieler mit ihren nicht nach Hollywood aussehenden Gesichtern bei. Das sieht in weiten Teilen wie ein mit Laienschauspielern vor Ort gedrehtes Sozialdrama aus.

Weniger überzeugend gerät dann die Geschichte, die eigentlich nur eine auf Spielfilänge aufgeblasene „Twilight Zone“-Episode ist. Dass Celine Held und Logan George die Geschichte von Ellie und Paris parallel erzählen und sie beide durch das Portal in verschiedene Zeiten gelangen, hilft nicht. Es sind einfach zwei nicht miteinander verbundene Geschichten.

Das Portal selbst bleibt nur ein Gimmick. Held und George interessieren sich nicht für die damit verbundenen Fragen und Probleme, die zum festen Bestandteil jeder Zeitreisegeschichte gehören. Denn in dem Moment, in dem die Menschen durch das Portal gehen und den Bayou verlassen, beginnen die Probleme.

Caddo Lake“ ist ein arg langsam, primär auf Atmosphäre setzender Horrorfilm, der das Potential seiner Idee nie ausschöpft.

Zwiespältig.

Caddo Lake (Caddo Lake, USA 2024)

Regie: Celine Held, Logan George

Drehbuch: Celine Held, Logan George

mit Dylan O’Brien, Eliza Scanlen, Diana Hopper, Caroline Falk, Sam Hennings, Eric Lange, Lauren Ambrose

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Caddo Lake“

Metacritic über „Caddo Lake“

Rotten Tomatoes über „Caddo Lake“

Wikipedia über „Caddo Lake“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 29. November: Die Faust im Nacken

November 28, 2024

3sat, 22.30

Die Faust im Nacken (On the Waterfront, USA 1954)

Regie: Elia Kazan

Drehbuch: Budd Schulberg, Robert Siodmak (ungenannt) (nach einer Originalgeschichte von Budd Schulberg; angeregt durch „New York Sun“-Artikel von Malcolm Johnson)

New York: Gewerkschaftsboss Johnny Friendly (Lee J. Cobb) ist im Hafen der große Zampano. Nichts geht gegen ihn. Jeder, der ihm gefährlich werden könnte, stirbt bei einem Unfall. Als Terry Malloy (Marlon Brando), ein erfolgloser Ex-Boxer mit beschränkter Intelligenz, in einen solchen Mord verwickelt wird, muss er sich entscheiden.

Klassiker, gedreht an Originalschauplätzen und nach ausführlichen Recherchen.

„‚On the Waterfront‘ ist eine unerschrockene Verurteilung des labor rackeering, der Entartung gewerkschaftlicher Organisationen zu Mafia-ähnlichen Gruppierungen, und eine Anklage von Einzelpersonen, die zum Zwecke ihres eigenen Profits die Massen der ungebildeten und unartikulierten Arbeiter, in diesem Fall die Dockarbeiter von New York, manipulieren.“ (Tony Thomas: Marlon Brando und seine Filme)

„Die Faust im Nacken“ war 1955 der große Abräumer bei den Oscars: Bester Film, Beste Haupdarsteller (Marlon Brando), Beste Hauptdarstellerin (Eva Marie Saint), Beste Regie (Elia Kazan), Bestes Drehbuch (Budd Schulberg), Beste Kamera (SW) (Boris Kaufman), Bestes Szenenbild (SW) (Richard Day) und Bester Schnitt (Gene Milford). Nominiert als Bester Nebendarsteller waren Lee J. Cobb, Karl Malden und Rod Steiger und Leonard Bernstein war für seine Musik nominiert. Golden Globes und Baftas gab es auch.

mit Marlon Brando, Karl Malden, Lee J. Cobb, Eva Marie Saint, Rod Steiger, Pat Henning, Leif Erickson

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Faust im Nacken“

AMC Filmsite über „Die Faust im Nacken“

Wikipedia über „Die Faust im Nacken“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Emilia Pérez“, früher Gangsterboss, jetzt Wohltäterin

November 28, 2024

Auf dem Papier kann Jacques Audiards neuer Film nicht funktionieren. Im Kino funktioniert diese Mischung aus Musical, Gangsterfilm, Drama über eine Geschlechtsumwandlung, realistischem Sozialdrama und soapige Geschichte einer Wohltäterin mit dunkler Vergangenheit dann überraschend gut.

Alles beginnt damit, dass der gefürchtete mexikanische Kartellboss Manitas del Monte aus dem Verbrecherleben aussteigen möchte. Lebendig. Dafür engagiert er die junge Anwältin Rita Mora Castro (Zoe Saldaña). Sie ist hochintelligent und als kleine Zuträgerin in einer großen Kanzlei sträflich unterfordert. Die dankbare Kundschaft der Kanzlei besteht vor allem aus Schwerverbrechern und Drogenbossen.

Rita organisiert, fürstlich bezahlt und ohne das Wissen ihrer Vorgesetzten, del Montes Ausstieg aus dem Gangsterleben. Sie ordnet Finanzen und organisiert für seine Familie ein neues Leben in der Schweiz.

Außerdem organisiert sie noch die Erfüllung eines speziellen Wunsches von del Monte. Er will sein Geschlecht ändern und so endlich die Person werden, die er schon immer sein wollte. Außerdem: wer würde vermuten, dass sich hinter dem Gesicht einer attraktiven Frau ein brutaler, allseits gefürchteter, hässlicher Macho-Gangster verbirgt? Als zusätzliche Sicherheit für seine Familie und für sich inszeniert er seinen Tod.

Nach der Geschlechtsumwandlung ist Manitas del Monte Emilia Pérez (Karla Sofía Gascón). Aber die Vergangenheit lässt sie nicht los. Sie will wieder Kontakt zu ihren Kindern und ihrer Frau Jessi (Selena Gomez) haben. Rita organisiert das.

Außerdem kehrt Emilia wieder an ihren alten Wirkungsort zurück (was ich für sehr unglaubwürdig halte) und beginnt sich als Wohltäterin für ihre Gemeinschaft einzusetzen. Das halte ich für noch unglaubwürdiger; also nicht, dass sie ihr Geld für Wohltaten ausgibt und für ihre früheren Taten büßen möchte, sondern dass sie ihr Geld für Wohltaten an dem Ort ausgibt, an dem es von alten Bekannten wimmelt und an jeder Ecke mindestens eine Person ist, die del Monte umbringen möchte.

Die Story von „Emilia Pérez“ ist reinster Pulp. Gesang und Tanz sind, auch wenn der Film dann nicht oder nur verschämt als Musical beworben wird, im Moment sehr beliebt bei Regisseuren. Aber Audiard nimmt nicht den Weg in Richtung Fantasie, sondern in Richtung Edel-Telenovela.

Seine Premiere hatte „Emilia Pérez“ im Hauptwettbewerb des 77. Filmfestivals von Cannes. Dort erhielt er unter anderem den Preis der Jury und den für die beste Schauspielerin, der in diesem Fall an Karla Sofía Gascón, Selena Gomez, Adriana Paz und Zoe Saldaña ging. Danach lief er erfolgreich auf mehreren Festivals. Aktuell ist er für mehrere Europäische Filmpreise noniniert, unter anderem als bester Film, beste Regie und beste Darstellerin. Und er ist Frankreichs Einreichung bei den Oscars als bester internationaler Film.

Emilia Pérez (Emilia Pérez, Frankreich 2024)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard

LV (frei nach): Boris Razon: Ecoute, 2018

mit Zoe Saldaña, Karla Sofía Gascón, Selena Gomez, Adriana Paz, Mark Ivanir, Édgar Ramírez

Länge: 133 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Rotten Tomatoes über „Emilia Pérez“

Wikipedia über „Emilia Pérez“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „The Sisters Brothers“ (The Sisters Brothers, Frankreich/Spanien/Rumänien/USA/Belgien 2018)

Meine Besprechung von Jacques Audiards „Wo in Paris die Sonne aufgeht“ (Les Olympiades, Frankreich 2021)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titelwahl, nächster Film: „Vaiana 2“

November 28, 2024

2016 brach in dem sehenswertem Film „Vaiana“ die polynesische Häuptlingstochter Vaiana (im Original Moana) von ihrer Insel Motunui auf, um hinter dem Horizont Nahrung für ihr Volk, das am Verhungern ist, zu finden.

Der Animationsfilm war für Disney ein riesiger Erfolg. Weltweit spielte er fast 700 Millionen US-Dollar ein.

In „Vaiana 2“ muss sie aufbrechen, um einen alten Fluch zu beenden, der sie daran hindert andere Völker zu treffen. Mit einigen Vertrauten, die teils aus dem vorherigen Film bekannt sind, macht sie sich auf den Weg. Ein am Himmel stehender Schweif zeigt ihr den Weg. Auf ihrer Reise trifft sie auch den aus dem ersten Film bekannten Halbgott Maui wieder.

Auf den ersten, zweiten und dritten Blick wiederholt „Vaiana 2“ die Geschichte des erstens Films wieder. Nur ist dieses Mal der Grund für Vaianas Reise weniger überzeugend. Er ist abstrakter, diffuser und weniger drängend. Beim ersten Mal ging es ganz konkret um das Überleben ihres Stammes. Dieses Mal um den Wunsch, andere Menschen zu treffen, und um einen ominösen und sehr alten Fluch, der sie daran hindert. Entsprechend ergebnislos verlaufen ihre Besuche auf anderen Inseln. Das könnte ewig so weitergehen.

Eines Tages sagt ihr eine göttliche Stimme, dass bald ein Signal am Himmel auftauchen werde, dem sie folgen solle. Es werde sie zu dem Ort führen, an dem sie den Fluch, der auf ihrem Volk laste, brechen könne.

Bis dieser Wegweiser am Ende des ersten Filmdrittels aus dem Nichts auftaucht und Vaianas zweite große Reise beginnt, zeigen die Regisseure David Derrick Jr., Jason Hand und Dana Ledoux Miller ausführlich das paradiesische Inselleben und die polynesische Kultur. Die Reise führt sie dann ohne große Umwege schnell an den Ort, an dem Vaiana den Fluch brechen kann.

Vaiana 2“ ist kein schlechter Film. Er ist weitgehend unterhaltsam, immer wieder auf eine einfache Art witzig, er hat fünf neue Songs, eine durchaus sympathische Botschaft und eine liebenswert taffe Heldin. Es ist aber auch kein Film, der nötig gewesen wäre. Denn „Vaiana 2“ füllt die Erfolgsformel des ersten Films ohne erkennbare größere Ambitionen wieder aus. Das Ergebnis ist passable, überraschungsfreie und letztendlich überflüssige Disney-Unterhaltung. „Vaiana 2“ gibt es nur wegen des großen finanziellen Erfolgs von „Vaiana“. Ein anderer Grund ist nicht erkennbar. Denn „Vaiana“ erzählte eine in sich abgeschlossene Geschichte. Wie bei „E. T. – Der Außerirdische“ oder „Titanic“ ist eine Fortsetzung überflüssig.

Das hindert die Macher nicht daran, im Abspann in der Mid-Credit-Scene deutlich einen dritten Film anzuteasern.

Und gibt es noch die bereits für Sommer 2026 angekündigte Realverfilmung in der Dwayne Johnson dann Halbgott Maui nicht nur spricht, sondern auch spielt.

Vaiana 2 (Moana 2, USA 2024)

Regie: David Derrick Jr., Jason Hand, Dana Ledoux Miller

Drehbuch: Jared Bush, Dana Ledoux Miller (nach einer Geschichte von Jared Bush, Dana Ledoux Miller und Bek Smith)

mit (im Original den Stimmen von) Auliʻi Cravalho, Dwayne Johnson, Hualālai Chung, Rose Matafeo, David Fane, Awhimai Fraser, Khaleesi Lambert-Tsuda, Temuera Morrison, Nicole Scherzinger, Rachel House, Gerald Ramsey, Alan Tudyk

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Lina Larissa Strahl, David Mayonga

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Vaiana 2“

Metacritic über „Vaiana 2“

Rotten Tomatoes über „Vaiana 2“

Wikipedia über „Vaiana 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Clements/John Musker/Don Hall/Chris Williams‘ „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (Moana, USA 2016)


TV-Tipp für den 28. November: The Danish Girl

November 27, 2024

RBB, 20.15

The Danish Girl (The Danish Girl, Großbritannien/Deutschland/USA 2015)

Regie: Tom Hooper

Drehbuch: Lucinda Coxon

LV: David Ebershoff: The Danish Girl, 2000 (Das dänische Mädchen)

Einar Wegener (Eddie Redmayne) ist in Kopenhagen in den zwanziger Jahren ein erfolgreicher Landschaftsmaler. Nachdem er für seine Frau Gerda Wegener (Alicia Vikander) für ein Gemälde in Frauenkleidern Modell steht, entdeckt er seine Liebe zu Frauenkleidern. Er verkleidet sich als Frau und besucht als Lili Elbe auch öffentliche Veranstaltungen. 1930/31 unterzieht sie sich als einer der ersten Menschen einer geschlechtsangleichenden Operation.

The Danish Girl“ erzählt eine wahre Geschichte, die immer wie eine aus populären Schlagworten zusammengestellte erfundene Geschichte wirkt. Hooper konzentriert sich in seinem Film auf die Beziehung zwischen Einar/Lili Elbe und Gerda. Gut gespieltes und gut inszeniertes Drama, das nichts wirklich falsch macht, aber auch nicht wirklich begeistert oder, Gott bewahre!, verunsichert.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Amber Heard, Matthias Schoenaerts, Ben Whishaw, Sebastian Koch

Wiederholung: Freitag, 29. November, 23.30 Uhr

Hinweise

Moviepilot über „The Danish Girl“

Metacritic über „The Danish Girl“

Rotten Tomatoes über „The Danish Girl“

Wikipedia über „The Danish Girl“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood über „The Danish Girl“

Meine Besprechung von Tom Hoopers „The Danish Girl“ (The Danish Girl, Großbritannien/Deutschland/USA 2015)


TV-Tipp für den 27. November: Jeanne Dielman

November 26, 2024

Arte, 23.40

Jeanne Dielman (Jeanne Dielman, 23, quai du Commerce, 1080 Bruxelles, Belgien/Frankreich 1975)

Regie: Chantal Akerman

Drehbuch: Chantal Akerman

Chantal Akerman erzählt, minutiös nachgezeichnet, drei fast ereignislose Tage aus dem Leben der Gelegenheitsprostituierten, Mutter und Witwe Jeann Dielman (Delphine Seyring).

Das sperrige 200-minütige Slow-Cinema-Sozialdrama hatte seine Premiere auf der Berlinale und verschwand danach aus dem öffentlichen Bewusstsein. Lobpreisungen von Regisseuren, wie Sofia Coppola, Kelly Reichardt, Céline Sciamma, Todd Haynes und Gus Van Sant änderten daran nichts.

Erst in den vergangenen Jahren änderte sich das. Im Dezember 2022 landete „Jeanne Dielman“ in der alle zehn Jahre von der Filmzeitschrift „Sight & Sound“ unter Filmkritikern durchgeführten Umfrage nach den hundert besten Filmen aller Zeiten auf dem ersten Platz. In der gleichzeitig unter Regisseuren durchgeführten Umfrage landete der Film auf dem vierten Platz.

Heute Abend, naja eigentlich Nacht, kann dieses extrem selten gezeigte Slow-Cinema-Drama genossen werden. Und danach kann darüber gestritten werden, ob das wirklich der beste Film aller Zeiten ist.

mit Delphine Seyrig, Jan Decorte, Henri Storck, Jacques Doniol-Valcroze, Yves Bical

Hinweise

Arte über den Film (online bis 23. Februar 2025 – dort gibt es aktuell auch weitere Filme von Chantal Akerman)

AlloCiné über „Jeanne Dielman“

Rotten Tomatoes über „Jeanne Dielman“

Wikipedia über „Jeann Dielman“ (deutsch, englisch, französisch)

Chantal Akerman (1950 – 2015) über ihren Film damals und heute (naja, genaugenommen 2009)

Eva Kuhn (damals Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie und Kunstwissenschaft der Universität Lüneburg, heute Vertretungsprofessur für die Kunstgeschichte der Moderne an der Humboldt Universität, Berlin) analysiert 2019 im Deutschen Filmmuseum den Film


TV-Tipp für den 26. November: The Drop – Bargeld

November 25, 2024

Tele 5, 20.15

The Drop – Bargeld (The Drop, USA 2014)

Regie: Michaël R. Roskam

Drehbuch: Dennis Lehane

LV: Dennis Lehane: Animal Rescue, 2009 (erschienen in Dennis Lehane, Hrsg.: Boston Noir, Kurzgeschichte)

Bob ist etwas langsam und arbeitet als allseits beliebter Barkeeper in der Bar von seinem Vetter Marv, die von der Mafia auch als Ablageort für Bargeld benutzt wird. Als einige Gangster die Bar überfallen und das Geld stehlen, beginnen die Mafia und die Polizei die Diebe zu suchen. Zur gleichen Zeit lernt Bob Nadia kennen.

Langsam erzählter, in Brooklyn spielender Gangsterfilm, der sich mit seiner hochkarätigen Besetzung förmlich in der Atmosphäre suhlt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit James Gandolfini, Tom Hardy, Noomi Rapace, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector, Michael Esper, Ross Bickell, James Frecheville, Tobias Segal, Patricia Squire, Ann Dowd

Der Roman zum Film

Dennis Lehane: The Drop – Bargeld

(übersetzt von Steffen Jacobs)

Diogenes, 2014

224 Seiten

19,90 Euro

Originalausgabe

The Drop

William Morrow, New York, 2014

Hinweise

Moviepilot über „The Drop“

Metacritic über „The Drop“

Rotten Tomatoes über „The Drop“

Wikipedia über „The Drop“ (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2003)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes “In der Nacht” (Live by Night, 2012)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „The Drop“ (The Drop, 2014) (Buch und Film)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Ben Afflecks Dennis-Lehane-Verfilmung „Live by Night“ (Live by Night, USA 2016)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes Comic „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008)

Dennis Lehane in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. November: Verbotene Spiele

November 24, 2024

Arte, 20.15

Verbotene Spiele (Jeux interdits, Frankreich 1951)

Regie: René Clément

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, René Clément

LV: Francis Boyer: Les Jeux Inconnus, 1947

Während des 2. Weltkriegs beginnen die fünfjährige Paulette, eine Kriegswaise, und der etwas ältere Michel mit seltsamen Beerdigungsritualen, in denen sie den Krieg nachspielen.

„‚Vergessene Spiele‘ gilt als René Cléments Meisterwerk und als einer der besten Filme über die Auswirkungen des Krieges überhaupt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

„Ein erschütternder Film, der in der Stilisierung und Idealisierung einer ‚heilen‘ Kinderwelt schonungslos die Grausamkeit und Gedankenlosigkeit des alltäglichen Lebens aufzeigt. Zugleich beklagt er eindringlich den Verlust der Unschuld durch den Krieg und denunziert vehement pseudoreligiöses Verhalten.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clément inszenierte auch „Nur die Sonne war Zeuge“, „Der aus dem Regen kam“, „Brennt Paris?“ und „Wie Raubkatzen“.

mit Brigitte Fossey, Georges Poujouly, Lucien Hubert, Suzanne Courtal, Jacques Marin

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Verbotene Spiele“

Wikipedia über „Verbotene Spiele“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 24. November: Die Kairo-Verschwörung

November 23, 2024

Arte, 20.15

Die Kairo-Verschwörung (Boy from Heaven, Schweden/Frankreich/Finnland 2022)

Regie: Tarik Saleh

Drehbuch: Tarik Saleh

Kaum ist der Fischersohn Adam in Kairo an der renommierten Al-Azhar-Universität ankommen, stirbt der Großiman, das geistige Oberhaupt der Universität und des sunnitischen Islams. Ein skrupellos geführter Machtkampf um die Nachfolge entbrennt. Adam gerät zwischen die Fronten.

TV-Premiere. Während wir im Kino gerade erfahren, wie ein Papst gewählt wird, erfahren wir im Fernsehen, wie ein Großiman gewählt wird. Und das ist ein ziemlicher Kuddelmuddel zwischen religiösen und weltlichen Interessen. Tarik Saleh verbindet diese Intrigen mit einer Coming-of-Age-Geschichte. Sehenswerter Thriller.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

Anschließend, um 22.10 Uhr, zeigt Arte die brandneue, knapp einstündige Making-of-Doku „Es war einmal…Die Kairo-Verschwörung“ (Frankreich 2024).

mit Tawfeek Barhom, Fares Fares, Mohammad Bakri, Makram J. Khoury, Sherwan Haji, Mehdi Dehbi

Hinweise

Homepage zum Film

Moviepilot über „Die Kairo-Verschwörung“

Rotten Tomatoes über „Die Kairo-Verschwörung“

Wikipedia über „Die Kairo-Verschwörung“

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Nile Hilton Affäre“ (The Nile Hilton Incident, Schweden/Deutschland/Dänemark 2017)

Meine Besprechung von Tarik Salehs „The Contractor“ (The Contractor, USA 2022)

Meine Besprechung von Tarik Salehs „Die Kairo-Verschwörung (Boy from Heaven, Schweden/Frankreich/Finnland 2022)


TV-Tipp für den 23. November: Vaiana

November 22, 2024

Weil am Donnerstag, den 28. November, im Kino „Vaiana 2“ anläuft

Vox, 20.15

Vaiana – Das Paradies hat einen Haken (Moana, USA 2016)

Regie: Ron Clements, John Musker, Don Hall (Ko-Regie), Chris Williams (Ko-Regie)

Drehbuch: Jared Bush (nach einer Geschichte von Ron Clements, John Musker, Chris Williams, Don Hall, Pamela Ribon, Aaron Kandell und Jordan Kandell)

Weil die für die Bewohner einer Südpazifikinsel die lebensnotwendigen Fischschwärme ausbleiben und die Ernten verdorren, sticht die Häuptlingstochter Vaiana auf eigene Faust in See. Sie will das Rätsel lösen und das überleben ihres Volkes sichern.

Für Kinder ist der Disney-Film „Vaiana“ ein bunter Abenteuerfilm, der alles hat, was das Herz begehrt: eine taffe, optimistische Heldin, ein ihr helfenden Halbgott, Tiere, Abenteuer, flotte Sprüche und sieben Originalsongs, von denen zwei in verschiedenen Fassungen präsentiert werden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit (im Original den Stimmen von) Auli’i Cravalho, Dwayne Johnson, Jermaine Clement, Rachel House, Temuera Morrison, Alan Tudyk, Nicole Scherzinger

(in der deutschen Fassung den Stimmen von) Lina Larissa Strahl, Andreas Bourani

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Metacritic über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Rotten Tomatoes über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“

Wikipedia über „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ron Clements/John Musker/Don Hall/Chris Williams‘ „Vaiana – Das Paradies hat einen Haken“ (Moana, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Bruno Dumonts absurde Weltraumoper „Das Imperium“

November 22, 2024

Wieder einmal wollen Aliens die Erde besetzen, vernichten oder irgendetwas mit ihr machen, was der Menschheit nicht gefällt. Aber dieses Mal ist es anders. Denn die Aliens sind bereits unter uns. Sie haben Körper von Menschen übernommen und sie benehmen sich fast normal menschlich. Und sie haben in Nordfrankreich ein kleines verschlafenes Küstendorf an der Côte d’Opale als zentralen Schauplatz für ihren Kampf um das künftige Schicksal des Universums gewählt.

Hier, in der Provinz, wo jeder jeden kennt, wurde Margat geboren. Das unschuldig aussehende Kind wird alle anderen Rassen vernichten und der künftige böse Herrscher des Universums sein. Beschützt wird er von den dunklen Streitkräfte des finsteren Beelzebub, den Nullen. Die Einsen sind die Streitkräfte der guten Königin. Sie kämpfen gegen die zukünftige Herrschaft des Antichristen. Sie wollen eine positive Zukunft für die Menschen, die Erde und das Universum.

Die Story klingt nach einer fast schon beliebigen Weltraumoper. Aber genau das ist Bruno Dumonts neuer Film „Das Imperium“ nicht. Er ist das Gegenteil von Luc Bessons „Das fünfte Element“; – also ein SF-Film ohne Ausstattungsorgien (obwohl die Raumschiffe der Guten und Bösen prächtig aussehen), Weltraumschlachten (obwohl es am Ende eine epische Schlacht mit vielen Raumschiffen gibt), Humor (obwohl das Verhalten der Außerirdischen schon komisch ist), kreischbunten Auftritten, Spezialeffekte und schnelle Szenenwechsel. Bei Dumont wird dann mal minutenlang nicht geschnitten und viel geschwiegen. Oft passiert nichts oder es passiert etwas vollkommenen rätselhaftes.

Das Imperium“ kann auch als von Quentin Dupieux („Rubber“, „Wrong“, „Die Wache“) inszenierter Science-Fiction-Film beschrieben werden. Nur dass Dumont zwei Stunden braucht, während Dupieux in seinen Filmen seine absurden Geschichten in deutlich unter neunzig Minuten erzählt. Diese Länge macht „Das Imperium“ in jedem Fall zu einem zu lang geratenem Scherz.

Ob man jetzt „Das Imperium“ für einen äußerst langweiligen Langweiler und Anwärter für die nächste SchleFaZ-Runde oder für einen skurrill-absurden, zu lang geratenen Spaß hält, hängt von der Stimmung des Zuschauers und seinem Humor ab. Denn wer mit abseitigem Humor nichts anfangen kann, wird verzweifelt nach wenigen Minuten den Saal verlassen.

Mit absurd schlecht spielenden Schauspielern und hölzernen Sätzen, die einem Provinztheaterensemble kollektiv die Schamesröte ins Gesicht treiben würden, inszeniert Dumont seine Version vom „Krieg der Sterne“, die gleichzeitig alle Konventionen einer Space Opera erfüllt, unterläuft und persifliert. Das Ergebnis ist eine sehr französische und sehr surreale Version vom „Krieg der Sterne“ zwischen Trainings-Schwerkämpfen im Garten, Sex auf der Wiese, pathetischen Reden, überkandidelten Auftritten der Herrscher in den Raumschiffen und eingestreuten Weisheiten, die das Pathos von „Dune“ und ähnlichen Werken einem gnadenlosen Realitätstest unterziehen.

Das Imperium (L’Empire, Frankreich/Italien/Deutschland/Belgien/Portugal 2024)

Regie: Bruno Dumont

Drehbuch: Bruno Dumont

mit Brandon Vlieghe, Anamaria Vartolomei, Lyna Khoudri, Camille Cottin, Fabrice Luchini, Julien Manier, Bernard Pruvost, Philippe Jore

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

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AlloCiné über „Das Imperium“

Metacritic über „Das Imperium“

Rotten Tomatoes über „Das Imperium“

Wikipedia über „Das Imperium“ (deutsch, englisch, französisch)

Berlinale über „Das Imperium“

Meine Besprechung von Bruno Dumonts „France“ (France, Frankreich/Deutschland/Italien/Belgien, 2021)


TV-Tipp für den 22. November: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

November 21, 2024

RTL II, 20.15

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)

In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.

Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.

Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini

Wiederholung: Samstag, 23. November, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Rotten Tomatoes über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Wikipedia über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Godeys „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ (The Taking of Pelham One Two Three, 1973)

„The Taking of Pelham 123“ in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Konklave“, was Sie schon immer über die Wahl des Papstes wissen wollten, sich aber nicht zu fragen trauten

November 21, 2024

Den Namen des Papstes kennt jeder. Aber wie ein neuer Papst gewählt wird, ist nur in groben Zügen bekannt. Nach dem Tod des Oberhauptes der katholischen Kirche versammeln sich die Unter-Achtzigjährigen Kardinäle in Rom im Vatikan. Auf dem Petersplatz versammeln sich Gläubige und die live berichtenden Medien. Aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle steigt in unregelmäßigen Abständen Rauch auf. Ist der Rauch schwarz, wurde kein neuer Papst gewählt. Ist er weiß, wurde ein neuer Papst gewählt, der sich kurz danach der Welt präsentiert.

Anhand einer fiktiven Papstwahl erzählt Robert Harris in seinem 2016 erschienenem Thriller „Konklave“ wie so eine Papstwahl abläuft. Edward Berger („Im Westen nichts Neues“) verfilmte jetzt den Roman nach einem Drehbuch von Peter Straughan („Dame, König, As, Spion“) und mit Starbesetzung. Wichtige Kardinäle werden von Ralph Fiennes, Stanley Tucci und John Lithgow gespielt. Isabella Rossellini spielt Schwester Agnes, die als Leiterin der Casa Santa Marta, zusammen mit ihren Nonnen, für die Unterbringung und Verköstigung der Männer zuständig ist.

Berger schildert detailliert die Abläufe im Vatikan, der während der Wahl vollständig von der Welt abgeschlossen ist. Niemand darf das Gebäude betreten oder verlassen. Briefe, Telefonate und, inzwischen, Computer mit Internetzugang, sind verboten. Nichts soll die Wahl beeinflussen.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich dann das Drama der Papstwahl. Verschiedene Fraktionen und Ansichten über den künftigen Kurs der Kirche stehen sich gegenüber. Es gibt Vertreter der progressiven Richtung, die die katholische Kirche stärker an die Gegenwart anpassen wollen. Es gibt konservative und ultrakonservative Kardinäle, die die Kirche am liebsten wieder zurück ins Mittelalter führen möchten. Jede Fraktion hat ihren Favoriten. Ein aus Afrika kommender Kardinal forciert einen aus Afrika kommenden Papst, weil es bislang noch keinen afrikanischen Papst gab. Es werden, wie in der weltlichen Politik oder einem Verein, Koalitionen geschmiedet und es wird versucht, einzelne Kardinäle zu beeinflussen.

Kardinal Lawrence (Ralph Fiennes), der Dekan des Kardinalskollegiums, versucht als Wahlleiter einerseits das Verfahren ohne Unglücke durchzuführen und er versucht, als er neue Informationen über aussichtsreiche Kandidaten erhält, diese zu überprüfen. Ohne den Kontakt zur Außenwelt, wozu auch ein Telefonat gehört, ist das eine schwierige Aufgabe. Er muss auch überprüfen, ob Kardinal Benítez (Carlos Diehz) wirklich ein Kardinal ist. Denn bis jetzt hat noch niemand von dem aus Kabul kommendem Mann gehört. Er sagt, der gerade verstorbene Papst habe ihn vor kurzem ernannt und es vor seinen Glaubensbrüdern geheim gehalten. Benítez benimmt sich wie ein wahrer Gläubiger, der mit den zwischen den Kardinalen eingespielten Machtspielen nichts zu tun hat – und weil „Konklave“ ein Thriller ist, macht ihn seine offen nach Außen getragene Naivität besonders verdächtig. Jedenfalls für die Zuschauer.

Die Diskussionen innerhalb der katholischen Kirche über die Zukunft der Kirche werden im Film gestreift, aber nicht vertieft. Straughan und Berger konzentrieren sich auf die Wahlgänge und wie sich von Wahlgang zu Wahlgang Mehrheiten verschieben. Garniert wird das Machtspiel spannungssteigernd mit einer fulminant lauten Thrillermusik, die eine Spannung schafft, die die Bilder von alten Männern, die in historischen Gemäuern Zettel ausfüllen, nicht hergeben.

Konklave (Conclave, USA/Großbritannien 2024)

Regie: Edward Berger

Drehbuch: Peter Straughan

LV: Robert Harris: Conclave, 2016 (Konklave)

mit Ralph Fiennes, Stanley Tucci, John Lithgow, Isabella Rossellini, Carlos Diehz, Lucian Msamati, Brían F. O’Byrne, Merab Ninidze

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Die Vorlage

Robert Harris: Konklave

(übersetzt von Wolfgang Müller)

Heyne, 2024 (Filmausgabe)

352 Seiten

12 Euro

Deutsche Erstausgabe

Heyne, 2016

Originalausgabe

Conclave

Hutchinson, London, 2016

Hinweise

Moviepilot über „Konklave“

Metacritic über „Konklave“

Rotten Tomatoes über „Konklave“

Wikipedia über „Konklave“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Edward Bergers „Jack“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Edward Bergers „All my loving“ (Deutschland 2019)

Meine Besprechung von Edward Bergers Erich-Maria-Remarque-Verfilmung „Im Westen nichts Neues“ (Deutschland 2022) (und das Making-of)

Meine Besprechung von Roman Polanskis Robert-Harris-Verfilmung „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Frankreich/Deutschland/Großbritannien 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis Robert-Harris-Verfilmung „Intrige“ (J’accuse, Frankreich/Italien 2019)

Meine Besprechung von Robert Harris‘ „Intrige“ (An Officer and a Spy, 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: „Spiders – Ihr Biss ist der Tod“ in der Banlieue-Siedlung

November 21, 2024

Einige haben „Spiders“ unter dem Titel „Vermin“ vielleicht schon 2023 auf dem Fantasy Filmfest gesehen und sich seitdem gefragt, wann der gelungene Spinnenhorrorfilm denn endlich auf DVD erscheint. Jetzt läuft er erst einmal im Kino – und das ist gut so.

Der in der Wüste spielende Prolog, in dem wir erfahren, wo die Spinne, die Kaleb kauft, herkommt, hätte es nicht gebraucht. Denn Sébastien Vaničeks Debütfilm „Spiders – Ihr Biss ist der Tod“ ist einer dieser gradlinigen Horrorfilme, in denen die Marschrichtung schnell klar ist. Also: Kaleb kauft sich eine besonders prächtig aussehende Spinne. Er lebt mit seiner Schwester in der Banlieue von Paris in Noisy-le-Grand in einem von der Politik vernachlässigten Sozialsiedlungen. Seine sein Zimmer einnehmenden Terrarien sind wahre Stromfresser, die immer wieder für Stromausfälle sorgen. Bis Kaleb das neue Heim für seine neue Mitbewohnerin eingerichtet hat, bringt er sie in einen Schuhkarton unter.

Die Spinne bricht aus der verschlossenen Kiste aus, wächst rapide und zeugt noch schneller viele weitere Spinnen. Sie greifen Menschen an, töten sie und übernehmen atemberaubend schnell den Wohnblock.

Währenddessen riegelt die Polizei das Gebäude ab.

Kaleb, seine Freunde und die Bewohner des Hauses sind auf sich allein gestellt. Sie nehmen, mit den wenigen Mitteln, die sie haben und ihrem Verstand, den Kampf auf. Wohnung um Wohnung. Gang um Gang. Stockwerk um Stockwerk.

Spiders“ ist ein netter kleiner Spinnenfilm, der die Genrekonventionen befolgt, einen ungewöhnlichen Schauplatz und damit verbunden einen ungewöhnlichen Cast hat. Bei Vaniček steht nicht eine stinknormale Mittelstandsfamilie, sondern ein munterer Haufen aus prekär zwischen Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und Verbrechen lebenden Jugendlichen und Habenichtsen aus unterschiedlichen Ethnien im Mittelpunkt. Das verleiht „Spiders“, der im Original doppeldeutig „Vermines“ (Ungeziefer) heißt, eine sozialkritische Note, die Erinnerungen an George A. Romeros „Crazies“ weckt.

Die politische Kritik ist für Vaniček in „Spiders“ nur ein Subtext. Im Zentrum steht der Kampf der Hausbewohner ums Überleben.

Sam Raimi gefiel der Spinnenhorrorfilm so gut, dass er Vaniček, neben Francis Galluppi (The Last Stop in Yuma County), für einen weiteren „Tanz der Teufel“/“Evil Dead“-Film, engagierte. Wir sind gespannt.

Spiders – Ihr Biss ist der Tod (Vermines, Frankreich 2023)

Regie: Sébastien Vaniček

Drehbuch: Sébastien Vaniček, Florent Bernard (nach einer Idee von Sébastien Vaniček)

mit Théo Christine, Sofia Lesaffre, Jérôme Niel, Lisa Nyarko, Finnegan Oldfield, Marie-Philomène Nga, Ike Zacsongo-Joseph

englischer Titel: Infested

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Spiders“

AlloCiné über „Spiders“

Metacritic über „Spiders“

Rotten Tomatoes über „Spiders“

Wikipedia über „Spiders“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 21. November: Pacifiction

November 20, 2024

Arte, 00.00

Pacifiction (Pacifiction: Tourment sur les îles, Frankreich/Spanien/Deutschland/Portugal 2022)

Regie: Albert Serra

Drehbuch: Albert Serra, Baptiste Pinteaux (Dialoge)

TV-Premiere eines Mitternachtsfilms, der kurz vor dem Morgengrauen endet. „Pacifiction“ dauert 160 Minuten. Es geht um die Sichtung eines U-Boots vor der Küste der Insel Tahiti. Das Schiff könnte neue französische Atomtest ankündigen. Diese Gerüchte bringen das entspannte Inselleben des französischen Hochkommissars durcheinander.

Meditativ-surreal mäanderndes Filmepos“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Benoît Magimel, Sergi López, Pahoa Mahagafanau, Marc Susini, Matahi Pambrun, Lluís Serrat

Hinweise

Arte über den Film

Filmportal über „Pacifiction“

AlloCiné über „Pacifiction“

Rotten Tomatoes über „Pacifiction“

Wikipedia über „Pacifiction“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 20. November: Tatort: Zahn um Zahn

November 19, 2024

SWR, 23.30

Tatort: Zahn um Zahn (Deutschland 1985)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg

In einer vom Abriss bedrohten Duisburger Werkssiedlung findet Kommissar Schimanski die Leichen von seinem Schulfreund Krüger und seiner Familie. Während die Polizei den Fall als erweiterten Selbstmord zu den Akten legen will, glaubt Schimanski, dass Krüger umgebracht wurde. Er beginnt seinen Mörder zu jagen und muss dafür auch nach Marseille fahren.

„Zahn um Zahn“ ist der erste „Tatort“, der seine Premiere im Kino erlebte. Weil der Film so erfolgreich war, durfte Schimanski zwei Jahre später mit „Zabou“ wieder im Kino ermitteln. Im Gegensatz zu den meisten Kritikern gefiel mir „Zabou“ besser als „Zahn um Zahn“.

„Hajo Gies und seinem Autorenteam ist ein Actionfilm gelungen, der sich mit den Kinoerfolgen der neuen französischen und amerikanischen Polizeifilme messen will und messen kann. (…) In ‚Zahn um Zahn‘ hat Schimanski zwar seinen Rachefeldzug gewonnen, aber an Profil verloren.“ (Fischer Film Almanach 1986)

„Zahn um Zahn“ „war darüber hinaus ein für das deutsche Kino seltenes Produkt – ein Action-Film mit einem Polizisten ohne Schlips und Kragen, handwerklich professionell inszeniert, spannend und durchaus kinogerecht.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe, 1993)

Tja, diese Einschätzung trifft heute immer noch zu. Ansehbare deutsche Genrefilme sind im Kino immer noch die berühmte Ausnahme.

mit Götz George, Renan Demirkan, Rufus, Eberhard Feik, Charles Brauer, Herbert Steinmetz, Ulrich Matschoss, Martin Lüttge

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über Horst Schimanski und „Zahn um Zahn“

Meine Besprechung von Martin Schüllers Schimanski-Roman „Moltke“ (2010)


TV-Tipp für den 19. November: Diva

November 18, 2024

HR, 22.30

Diva (Diva, Frankreich 1981)

Regie: Jean-Jacques Beineix

Drehbuch: Jean-Jacques Beineix, Jean van Hamme

LV: Delacorta (Pseudonym von Daniel Odier): Diva, 1979 (Diva)

Postbote Jules besitzt zwei Tonbänder, für die einige Menschen morden. Auf dem einen Tonband ist der von ihm heimlich aufgenommene Mitschnitt eines Konzerts einer von ihm verehrten Operndiva, die keine Aufnahmen von ihrem Gesang will. Auf dem anderen Tonband ist das Geständnis eines Callgirls, das einige ihrer Kunden belastet.

Beinix bildgewaltiger, zitatenreicher Debütfilm war in den USA ein Überraschungserfolg und wurde danach auch in Europa zu einem Kultfilm.

„‚Diva‘ ist ein ganz und gar modischer Film für ein Großstadtpublikum. (…) Elegant zwischen Kitsch und Kunstfertigkeit balancierend, macht der Film im Kino großen Spaß.“ (Fischer Film Almanach 1984)

„‚Diva‘ ist ein aufregendes Werk, eine Mischung aus Märchen, Romanze und Thriller: Oper, Pop und schräge Typen in einem höchst stilisierten Kriminalfilm.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

Mit Frédéric Andrei, Wilhelmenia Wiggins Fernandez, Roland Bertin, Richard Bohringer, Gérard Darmon

Hinweise

Homepage von Daniel Odier (aka Delacorta)

AlloCiné über „Diva“

Rotten Tomatoes über „Diva“

Wikipedia über „Diva“ (deutsch, englisch, französisch) und Daniel Odier (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 18. November: Kommissar Maigret stellt eine Falle

November 17, 2024

Arte, 20.15

Kommissar Maigret stellt eine Falle (Maigret tend un piège, Frankreich/Italien 1958)

Regie: Jean Delannoy

Drehbuch: Rodolphe-Marie Arlaud, Michel Audiard, Jean Delannoy

LV: Georges Simenon: Maigret tend un piège, 1955 (Maigret stellt eine Falle)

Maigret sucht einen fünffachen Frauenmörder.

Erster von drei Maigret-Filmen, in denen Jean Gabin den Kommissar spielte. Netter psychologischer Rätselkrimi, der auch eine gelungene kleine Sozialstudie ist.

Delannoy inszenierte diese klassische Kriminalkonstruktion sehr spannend und mit viel Einfühlungsgabe für atmosphärische Details, filmisch beinahe ebenso sorgfältig wie Maigret bei der Arbeit.” (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Intelligenter, gut gespielter, atmosphärisch dichter Kriminalfilm.” (Katholischer Film-Dienst)

Der Film gewann den Edgar-Allan-Poe-Preis in der Kategorie “bester ausländischer Film”.

mit Jean Gabin, Annie Girardot, Jean Desailly, Lino Ventura

Hinweise

AlloCiné über „Kommissar Maigret stellt eine Falle“

Rotten Tomatoes über „Kommissar Maigret stellt eine Falle“

Wikipedia über „Kommissar Maigret stellt eine Falle“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Patrice Lecontes „Maigret“ (Maigret, Frankreich/Belgien 2022)

 


TV-Tipp für den 17. November: Triangle of Sadness

November 16, 2024

Arte, 20.15

Triangle of Sadness (Triangle of Sadness, Schweden/Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2022)

Regie: Ruben Östlund

Drehbuch: Ruben Östlund

TV-Premiere. Eine Seefahrt, die ist, jedenfalls wenn Ruben Östlund der Kapitän ist, nicht besonders lustig, sondern ziemlich schwarzhumorig und gemein. Seine aus drei klar voneinander getrennten Teilen bestehende Satire erhielt zahlreiche Preise, u. a. die Goldene Palme und mehrere Europäische Filmpreise, Kritikerlob und auch einen großen Publikumszuspruch. Dennoch ist „Triangle of Sadness“ sein schwächster Film.

Warum erkläre ich in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Harris Dickinson, Charlbi Dean, Dolly De Leon, Zlatko Burić, Iris Berben, Vicki Berlin, Henrik Dorsin, Jean-Christophe Folly, Amanda Walker, Oliver Ford Davies, Sunnyi Melles, Woody Harrelson

Wiederholung: Freitag, 29. November, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Filmportal über „Triangle of Sadness“ 

Moviepilot über „Triangle of Sadness“

Metacritic über „Triangle of Sadness“

Rotten Tomatoes über „Triangle of Sadness“

Wikipedia über „Triangle of Sadness“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Östlunds „Höhere Gewalt“ (Turist/Force Majeure, Schweden 2014)

Meine Besprechung von Ruben Östlunds „The Square“ (The Square, Schweden/Deutschland/Frankreich/Dänemark 2017)

Meine Besprechung von Ruben Östlunds „Triangle of Sadness“ (Triangle of Sadness, Schweden/Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2022)


TV-Tipp für den 16. November: Inside Llewyn Davis

November 15, 2024

One, 21.45

Inside Llewyn Davis (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich 2013)

Regie: Ethan Coen, Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Meisterwerk der Coen-Brüder über den erfolglosen Folkmusiker Llewyn Davis und die New Yorker Folkmusikszene der frühen Sechziger. Kurz bevor ein Mann in Greenwich Village auftauchte, der 2016 den Literaturnobelpreis erhielt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Oscar Isaac, Carey Mulligan, John Goodman, Garrett Hedlund, Justin Timberlake, Adam Driver, Max Casella, F. Murray Abraham

Wiederholung: Montag, 18. November, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Inside Llewyn Davis“

Metacritic über „Inside Llewyn Davis“

Rotten Tomatoes über „Inside Llewyn Davis“

Wikipedia über „Inside Llewyn Davis“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von Joel Coens „Macbeth“ (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Meine Besprechung von Ethan Coens „Drive-Away Dolls“ (Drive-Away Dolls, USA 2024)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte