TV-Tipp für den 17. Oktober: Der See der wilden Gänse

Oktober 16, 2022

Arte, 22.10

Der See der wilden Gänse (Nánfāng Chēzhàn de Jùhuì, Frankreich/China 2019)

Regie: Diao Yinan

Drehbuch: Diao Yinan

Mit seiner Bande klaut Zhou Zenong in Wuhan Motorräder. Nach einem Streit mit einer anderen Bande tötet er einen Polizisten. Auf der Flucht taucht er am See der wilden Gänse, einem gesetzlosem Ort, unter.Weil er weiß, dass er der Polizei nicht entkommen kann, möchte er, dass seine Frau die Belohnung erhält.

TV-Premiere. „Bestechende, extrem zeichenhafte Mischung aus knallhartem Action-Neo-Noir, Bikerfilm und dem Porträt einer heruntergekommenen Gesellschaft.“ (Lexikon des internationalen Films; dort steht er auch in der Liste der 20 besten Kinofilme des Jahres 2020)

mit Hu Ge, Gwei Lun-Mei, Liao Fan, Wan Qian, Qi Dao, Huang Jue

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der See der wilden Gänse“

Wikipedia über „Der See der wilden Gänse“

Meine Besprechung von Diao Yinans „Feuerwerk am helllichten Tag“ (Bai Ri Yan Huo, China/Hongkong 2014)


TV-Tipp für den 16. Oktober: Edward mit den Scherenhänden

Oktober 15, 2022

Disney Channel, 20.15

Edward mit den Scherenhänden (Edward Scissorhands, USA 1990)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Tim Burton, Caroline Thompson

Zwischen seinen beiden „Batman“-Filmen drehte Tim Burton, der hier erstmals Carte Blanche hatte, dieses dunkle, romantische Märchen über den einsam in einem Schloss auf einem Hügel lebenden „Edward mit den Scherenhänden“. Als eine Kosmetikvertreterin ihn trifft, ist sie fasziniert von ihm und nimmt ihn mit in die typisch amerikanische Vorstadt. Dort ist Edward wegen einer motorischen Fähigkeiten zuerst sehr beliebt.

Ein schöner trauriger Film voller Humor und Skurrilitäten.

„ein Märchen. Und das erzählt er einem Publikum, das schon alle Märchen kennt, an keins mehr glaubt und sich doch danach sehnt. Und er erzählt es mit allen Emotionen, aller Naivität, aller Grausamkeit und auch aller Komik, die das Publikum erwarten darf.“ (Fischer Film Almanach 1992)

mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Vincent Price (seine letzte Rolle in einem Spielfilm), Alan Arkin

Wiederholung: Montag, 17. Oktober, 22.35 Uhr

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Edward mit den Scherenhänden“

Wikipedia über „Edward mit den Scherenhänden“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Dumbo“ (Dumbo, USA 2019)

Tim Burton in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 15. Oktober: Black Far West – Nicht alle Cowboys waren weiß

Oktober 14, 2022

Arte, 20.15

Black Far West – Nicht alle Cowboys waren weiß (Black Far West – Une contre-histoire de l’Ouest, Frankreich 2022)

Regie: Cécile Denjean

Drehbuch: Cécile Denjean

Brandneue spielfilmlange Doku, die ein bislang ziemlich unbekanntes Bild des Wilden Westens zeichnet. Denn nach dem Ende des Bürgerkriegs war jeder vierte Cowboy ein Schwarzer. Cécile Denjean erzählt die Geschichte dieser Männer und Frauen.

Hinweis

Arte über die Doku


Neu im Kino/Filmkritik: „Delia’s gone“, aber wer hat sie ermordet?

Oktober 14, 2022

Für den Mord an seiner Schwester Delia saß Louis in Ohio fünf Jahre im Gefängnis. Seitdem lebt er freiwillig in einem Pflegeheim. Besuche erhält er keine. Das ist dem nach einem Unfall psychisch und auch physisch behindertem Louis ganz recht. Er lebt in seiner Welt. Er braucht Ruhe und geordnete Abläufe.

Als Stacker ihn besucht, verändert sich alles. Stacker war in der Kleinstadt, in der Louis mit Delia lebte, einer von Delias Freunden. Stacker weiß, dass Delias Mörder noch nicht bestraft wurde. Bevor er Louis mehr verraten kann, rastet Louis aus. Sie werden getrennt.

Kurz darauf macht Louis sich auf den Weg in seine alte Heimatstadt. Er will Delias Mörder finden.

Delia’s gone“ ist ein okayer Country-Noir. „Born to be Blue“-Regisseur Robert Budreau erzählt in seinem neuem Film eine ziemlich einfache Kriminalgeschichte mit einem ungewöhnlichem Helden; überzeugend gespielt von Stephan James („Beale Street“). Dieser ist nach einem Unfall auf dem Niveau eines Kindes stehen geblieben. Er stolpert, oft tollpatschig, durch die Welt. Er überblickt nie die Folgen seiner Handlungen. Deshalb kann ein harmloses Gespräch schnell handgreiflich werden und der Gespächspartner am Ende tot sein.

Die Lösung ist, immerhin muss Louis in der Lage sein, Delias Mörder zu finden, wenig überraschend, aber glaubwürdig. Und einige Szenen bringen die Geschichte nicht voran, verschaffen aber Marisa Tomei (zuletzt May Parker in den „Spider-Man“-Filmen) und Paul Walter Hauser („Richard Jewell“) zusätzliche Screentime als ungleiches Polizistenpaar. Sie spielen die zwei Provinzpolizisten, die Louis jagen und sich dabei kabbeln. Denn Tomei erteilt Hauser gerne Befehle.

Delia’s gone (Delia’s gone, USA/Kanada 2022)

Regie: Robert Budreau

Drehbuch: Robert Budreau (nach der Kurzgeschichte „Caged Bird Sing“ von Michael Hamblin)

mit Stephan James, Paul Walter Hauser, Travis Fimmel, Marisa Tomei, Genelle Williams

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Delia’s gone“

Metacritic über „Delia’s gone“

Rotten Tomatoes über „Delia’s gone“

Wikipedia über „Delia’s gone“

Meine Besprechung von Robert Budreaus „Born to be Blue“ (Born to be Blue, Kanada/Großbritannien 2015) – mit Bruce Webers Chet-Baker-Doku „Let’s get lost“ und einem Baker-Konzert und der DVD


Neu im Kino/Filmkritik: Der beeindruckende Dokumentarfilm „Nicht verRecken“

Oktober 14, 2022

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs öffneten die SS-Wachmannschaften die Tore der Konzentrationslager. Gefangenen, die über keine militärische Kenntnisse verfügten und die noch gehen konnten, schickten sie in Richtung Westen. Die anderen wurden noch in den KZs ermordet.

Nachträglich nannten die Überlebenden diese Märsche Todesmärsche. Denn wer nicht mehr weitergehen konnte, wurde erschossen. Andere erfroren oder verhungerten.

Für seinen beeindruckenden Dokumentarfilm „Nicht verRecken“ hat Martin Gressmann mit Überlebenden dieser Märsche gesprochen. Vor der Kamera sprechen, teils zum ersten Mal, Karol Gydanietz, Alexander Nesanel Fried, Simcha Applebaum, Roger Bordage, Marcel Souillerot, Wladimir Wojewodchenko, Serge Dimitref, Eduard Michailovich Simowez, Guy Chataigné, Otto Ernst Redner, Josef Tandlich und Zwi Steinitz über die Märsche durch Ostdeutschland. Zuletzt waren sie alle im KZ Sachsenhausen. Sie erzählen auch ausführlich über ihr Leben davor in Freiheit und in den Konzentrationslagern.

Gressmann hört ihnen geduldig zu. Auf formale Experimente, Visualisierungen oder plumpe historische Nachstellungen verzichtet er. Es gibt nur (leider ohne Namensnennungen) deutsch, französisch und polnisch sprechende Köpfe und heute in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt aufgenommene Bilder von den Gegenden, durch die sie damals gegangen sind. Mehr ist nicht nötig.

Nicht verRecken (Deutschland 2021)

Regie: Martin Gressmann

Drehbuch: Martin Gressmann

mit Karol Gydanietz, Alexander Nesanel Fried, Simcha Applebaum, Roger Bordage, Marcel Souillerot, Wladimir Wojewodchenko, Serge Dimitref, Eduard Michailovich Simowez, Guy Chataigné, Otto Ernst Redner, Josef Tandlich, Zwi Steinitz

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nicht verRecken“

Moviepilot über „Nicht verRecken“

Wikipedia über die Todesmärsche von KZ-Häftlingen


TV-Tipp für den 14. Oktober: Undine

Oktober 13, 2022

Arte, 20.15

Undine (Deutschland/Frankreich 2020)

Regie: Christian Petzold

Drehbuch: Christian Petzold

TV-Premiere. Christian Petzolds in die Gegenwart verlegte Interpretation des Undine-Mythos. Das ist gewohnt durchdacht und gut inszeniert. Trotzdem spricht „Undine“ mich weniger an als Christian Petzolds andere Filme.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz, Anne Ratte-Polle, Rafael Stachowiak

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Undine“

Moviepilot über „Undine“

Metacritic über „Undine“

Rotten Tomatoes über „Undine“

Wikipedia über „Undine“ (deutsch, englisch)

Berlinale über „Undine“

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Phoenix“ (Deutschland 2014)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Transit“ (Deutschland/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Christian Petzolds „Undine“ (Deutschland/Frankreich 2020) und der DVD

Christian Petzold in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Ruben Östland spannt ein „Triangle of Sadness“

Oktober 13, 2022

Das könnte Ruben Östlands kommerziell erfolgreichster Film werden. Auch wenn „Triangle of Sadness“ sein schwächstes Werk ist.

Mit „Involuntary“, „Play – Nur ein Spiel?“, „Höhere Gewalt“ und „The Square“ erarbeitete er sich einen guten Ruf. Die Filme liefen auf den wichtigsten Festivals, erhielten zahlreiche Preise und sorgten für Diskussionen.

Jetzt hat er, mit einigen international bekannten Namen, seinen ersten englischsprachigen Film gedreht. Woody Harrelson spielt den trunksüchtigen Kapitän eines Luxuskreuzfahrtschiffes. Mit an Bord sind Iris Berben, Sunnyi Melles, Harris Dickinson, Charlbi Dean (das Model starb am 29. August 2022), Zlatko Burić, Oliver Ford Davis, Amanda Walker und Dolly De Leon.

Seine Premiere hatte das zweieinhalbstündige Werk im Mai in Cannes. Dort erhielt es, wie schon Östlunds vorheriger Film „The Square“, die Goldene Palme.

Triangle of Sadness“ besteht aus drei klar voneinander getrennten Teilen, die chronologisch aufeinander folgen. Im ersten Teil werden uns Carl und Yaya vorgestellt. Im zweiten Teil sind sie auf einem Luxuskreuzfahrtschiff. Im dritten Teil, nachdem das Schiff während eines Sturms kenterte, sind sie mit einigen anderen Passagieren schiffbrüchig auf einer Insel.

Der erste und beste Teil des Films ist klassischer Östlund. Yaya (Charlbi Dean) und Carl (Harris Dickinson) sind ein Paar. Beide modeln und lassen als Influencer die Welt an ihrem schönem Leben teilhaben. In einem Restaurant streiten sich darüber, wer die Rechnung bezahlt. Carl will von Yaya wissen, warum sie das Essen, wieder einmal, nicht bezahlt. Denn vorher sagte sie, sie werde es machen. Außerdem verdiene sie mehr Geld als er. Aus Carls Frage entspinnt sich ein zunehmend eskalierender Streit über den Stand ihrer Beziehung.

Neben den quälend langen Streitgesprächen der beiden Models in Restaurants und anonymen Hotelzimmern, wirft Östlund einen Blick hinter die Kulissen der Modebranche, in der Models einfach nur gut aussehende Kleiderständer sind.

Auch der zweite Teil beginnt mit kleinen Irritationen. Yaya und Carl wurden eingeladen, als Influencer auf einem Luxuskreuzfahrtschiff mitzufahren und über die Reise zu berichten. Die ersten Tage auf dem Schiff entsprechen dann auch ihren Erwartungen an eine langweilige Kreuzfahrt, die viele gute Bilder für ihre Online-Videos produziert. Daneben plaudern sie mit den reichen Gästen über deren Leben und wie sie zu ihrem Vermögen gekommen sind.

Die Millionäre und deren Gattinnen versuchen dabei gönnerhaft, die Stewardessen zu Handlungen bewegen, die sie ihren Job kosten können. Denn hier auf dem Schiff müssen die Angestellten ihnen jeden Wunsch erfüllen. Egal, was von ihnen verlangt wird.

Obwohl ein Sturm aufzieht, wird den Gästen im Rahmen des Captain’s Dinner ein aus mehreren Gängen bestehendes Fünf-Sterne-Menü serviert. Als die ersten Sturmböen das Schiff treffen, klatschen die ersten ausgekotzten Lebensmittel von außen an die Fenster des Bordrestaurants. Beim ersten Mal glaubt man noch, sich versehen zu haben. Doch es passiert öfter und wird mehr. Die Millionäre kotzen ihr Essen in comicreifen Fontänen aus. Einmal. Zweimal. Dreimal. Das ist der harmlose Auftakt für eine minutenlangen Szene, in der die Scheiße aus den Toiletten quillt und durch das Schiff wabert, während die Millionäre darin ausrutschen, sich in ihr wälzen und in ihr durch die Gänge rutschen. Freunde des Pipi-Kacka-Humors dürften sich freuen über diesen nicht enden wollenden Klamauk.

Während das Schiff in Scheiße und Kotze versinkt und untergeht, hat Woody Harrelson seinen großen Auftritt als Kapitän des Schiffes. Stockbesoffen zitiert er Karl Marx, liest über die Schifflautsprecher aus dem Kommunistischen Manifest vor und steigert sich mit dem russischen Waffenhändler Zitate in einen absurden Zitierwettbewerb. Das nennt sich dann wohl Kapitalismuskritik.

Einige Passagiere – der Kapitän gehört nicht dazu – überleben den Untergang des Schiffes. Sie können sich auf eine Insel retten. Dort, fernab der Zivilisation, verändern sich schnell die Herrschaftsverhältnisse. Abigail (Dolly De Leon), die philippinische Toilettenfrau des Schiffes, auf die vorher niemand achtete, wird zur Herrscherin. Sie weiß, was getan werden muss, um in der Wildnis zu überleben. Sie kann Feuer machen. Sie kann Fische fangen. Die anderen Überlebenden, allesamt Millionäre und die beiden Influencer Carl und Yaya, können das nicht. Sie sind hilflos und auch etwas begriffsstutzig. Das zeigt sich beim ersten Abendessen. Abigail verteilt den Fisch so, dass sie ein Stück für sich behält, das nächste an einen der anderen Überlebenden abgibt, das nächste wieder für sich behält undsoweiter. Den Reichen fällt erst am Ende der Verteilung auf, dass Abigails Portion viel größer ist.

Spätestens in diesem Moment dürften Cineasten sich an die kapitalismuskritischen Satiren aus den Siebzigern erinnern. Vor allem für den dritten Teil fällt einem Lina Wertmüllers „Hingerissen von einem ungewöhnlichen Schicksal im azurblauen Meer im August“ (Travolti da un insolito destino nell’azzurro mare d’agosto, Italien 1974) ein. In der Komödie strandet eine schwerreiche Industriellengattin mit einem ihrer Seemänner auf einer Insel. Dort drehen sich die Machtverhältnisse um.

Östlunds Episodenfilm kann als Edelversion von Lina Wertmüllers Film, ergänzt um einen Einblick in die Modebranche, gesehen werden. Er veränderte die Geschlechter. Er vergrößerte die Zahl der Figuren und er lässt einen großen Teil des Films in der Modebranche spielen. Dabei operiert er dieses Mal über weite Strecken nicht mit dem Stilett, sondern mit dem kapitalismuskritischem Holzhammer.

Triangle of Sadness (Triangle of Sadness, Schweden/Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2022)

Regie: Ruben Östlund

Drehbuch: Ruben Östlund

mit Harris Dickinson, Charlbi Dean, Dolly De Leon, Zlatko Burić, Iris Berben, Vicki Berlin, Henrik Dorsin, Jean-Christophe Folly, Amanda Walker, Oliver Ford Davies, Sunnyi Melles, Woody Harrelson

Länge: 147 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Triangle of Sadness“ 

Moviepilot über „Triangle of Sadness“

Metacritic über „Triangle of Sadness“

Rotten Tomatoes über „Triangle of Sadness“

Wikipedia über „Triangle of Sadness“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ruben Östlunds „Höhere Gewalt“ (Turist/Force Majeure, Schweden 2014)

Meine Besprechung von Ruben Östlunds „The Square“ (The Square, Schweden/Deutschland/Frankreich/Dänemark 2017)


TV-Tipp für den 13. Oktober: Mein Leben als Zucchini

Oktober 12, 2022

WDR, 00.00

Mein Leben als Zucchini (Ma vie de courgette, Schweiz/Frankreich 2016)

Regie: Claude Barras

Drehbuch: Céline Sciamma, Germano Zullo (Mitarbeit), Claude Barras (Mitarbeit), Morgan Navarro (Mitarbeit)

LV: Gilles Paris: Autobiographie d’une Courgette, 2002 (Autobiographie einer Pflaume, Mein Leben als Zucchini)

Nach dem Tod seiner Mutter wird der neunjährige Zucchini in das Kinderheim von Madame Papineua geschickt. Er muss neue Freunde finden und verliebt sich auch ein wenig in Camille. Doch dann soll Camille das Heim verlassen.

Wunderschöner, sehr gelungen sehr viele, sehr ernste Themen ansprechender Trickfilm, der auch für den Oscar als bester Animationsfilms des Jahres nominiert war. Den Preis als Bester Europäischer Animationsfilm und den Preis des Züricher Filmfest als bester Kinderfilm erhielt er. Neben einigen anderen.

Die heutige Nachtausstrahlung dient natürlich nur dazu, dass Erwachsene sich den Film ansehen und ihn dann, so schnell es geht, mit ihren Kindern wieder ansehen.

Hinweise

AlloCiné über „Mein Leben als Zucchini“

Moviepilot über „Mein Leben als Zucchini“

Rotten Tomatoes über „Mein Leben als Zucchini“

Wikipedia über „Mein Leben als Zucchini“ (deutsch, englisch, französisch)


TV-Tipp für den 12. Oktober: Enfant terrible

Oktober 11, 2022

Arte, 22.35

Enfant terrible (Deutschland 2020)

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Klaus Richter, Oskar Roehler

TV-Premiere. Oskar Roehlers Annäherung an Rainer Werner Fassbinder ist natürlich kein 08/15-Biopic, sondern „als sperrige Hommage ein wuchtiges Werk“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Oliver Masucci, Harry Prinz, Katja Riemann, Alexander Scheer, Eva Mattes, Erdal Yıldız, Désirée Nick, Lucas Gregorowicz, Sunnyi Melles, André Hennicke, Ralf Richter, Götz Otto, Antoine Monot, Jr., Isolde Barth, Christian Berkel

Hinweise

Filmportal über „Enfant terrible“

Moviepilot über „Enfant terrible“

Rotten Tomatoes über „Enfant terrible“

Wikipedia über „Enfant terrible“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „Tod den Hippies – Es lebe der Punk!“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Oskar Roehlers „HERRliche Zeiten“ (Deutschland 2018)

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Meine Besprechung von Annekatrin Hendels Doku „Fassbinder“ (Deutschland 2015)

Meine Besprechung von Werner C. Barg/Michael Tötebergs (Hrsg.) „Rainer Werner Fassbinder Transmedial“ (2020)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte


Alter Scheiß? Susan Hill: Die Frau in Schwarz

Oktober 11, 2022

Vor zehn Jahren war James Watkins‘ Verfilmung von Susan Hills Roman „Die Frau in Schwarz“ an der Kinokasse überraschend erfolgreich. Daniel Radcliffe, der damals vor allem und nur als Harry Potter bekannt war, spielt Arthur Kipps. Der Junganwalt wird von seinem Chef nach Crythin Gifford geschickt. Er soll den Nachlass von Mrs. Alice Drablow sichten. Die alte Jungfer lebte allein im Eel Marsh House und war wohl etwas seltsam. Auf den ersten Blick handelt sich um einen einfachen Auftrag, der ihn von November-nebligem Londen in ein einsam gelegenes Dorf im Norden des Landes führt.

Das Eel Marsh House liegt noch einsamer auf einer kleinen Insel, die nur während der Ebbe erreichbar ist. Dort sieht er die titelgebende Frau in Schwarz. Und wie er aus den Andeutungen der Einheimischen erahnen kann, ist das kein gutes Zeichen.

Aber als aufgeklärter Stadtbewohner glaubt Kipps nicht an Geister.

Der Film, ein angenehm altmodischer, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts spielender Geisterhorrorfilm, gefiel mir. Trotzdem habe ich aus mir unbekannten Gründen nie die hochgelobte Vorlage gelesen. Bis jetzt.

Die Frau in Schwarz“ dürfte Susan Hills bekannteste Gothic Novel sein. Sie schrieb auch Jugendbücher und mehrere Kriminalromane mit Detective Chief Inspector Simon Serrailer. Sie erhielt den Somerset Maugham Award, Whitbread Novel Award und den John Llewellyn Rhys Prize. Und sie ist Commander of the British Empire.

Im Original erschien „Die Frau in Schwarz“ 1983. 1989 wurde der Roman für das englische Fernsehen verfilmt. Stephen Mallatratt schrieb eine Theaterversion, die seit 1989 quasi ohne Pause im Londoner West End gespielt wird. Genaugenommen gibt es nur ein Theaterstück mit mehr Aufführungem im West End: nämlich Agatha Christies „Die Mausefalle“. Außerdem gibt es zwei BBC-Hörspielversionen der Geschichte der Frau in Schwarz.

Erst 1993 erschien bei Knaur die deutsche Erstausgabe des Romans. Seitdem veröffentlichte der Verlag ihn mehrmals mit verschiedenen Covers. Jetzt ist er, als gebundene Ausgabe, bei Oktopus/Kampa erschienen.

Der Roman ist eine nette Geistergeschichte, die sich erfolgreich darum bemüht, möglichst altmodisch zu sein. Susan Hill schrieb den ziemlich kurzen Roman vor vierzig Jahren. Er liest sich aber eher so, als sei er schon vor hundert Jahren geschrieben worden. Allzu gruselig ist er auch nicht. An einigen Stellen sorgt er, bis die wenig überraschenden Motive des fürchterlichen Geistes enthüllt werden, immerhin für etwas Gänsehaut.

Das gesagt, vergeht viel Lesezeit bis Kipps, der als alter Mann die Geschichte seiner Erlebnisse in Crythin Gifford und im Eel Marsh House aufschreibt, in dem Dorf ankommt und erstmals das Haus der Verstorbenen betritt. Auch danach nimmt er sich immer wieder die Zeit für die Geschichte nicht voranbringende Schlenker.

Ihr merkt schon: so richtig hat mich der schnell gelesene, zäh und umständlich erzählte Roman nicht begeistert. James Watkins‘ Verfilmung hat mir dagegen gut gefallen.

Susan Hill: Die Frau in Schwarz

(übersetzt von Lore Straßl)

Oktopus/Kampa Verlag, 2022

240 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

The Woman in Black

Hamish Hamilton, London, 1983

Deutsche Erstausgabe

Knaur, 1993

Hinweise

Homepage von Susan Hill

Wikipedia über Susan Hill (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Oktober 11, 2022


TV-Tipp für den 11. Oktober: Tatort: Duisburg-Ruhrort

Oktober 10, 2022

WDR, 23.40

Tatort: Duisburg-Ruhrort (Deutschland 1981)

Regie: Hajo Gies

Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg

Ein ermordeter Binnenschiffer treibt im Hafenbecken von Duisburg-Ruhrort. Die Kommissare Schimanski und Thanner suchen seinen Mörder.

Der erste Auftritt von Götz George als Horst Schimanski. Damals ein Skandal (Seine Manieren! Seine Sprache! Sein Umgang mit den Dienstvorschriften!), heute ein „Tatort“-Klassiker. Schimanski war schnell der beliebteste „Tatort“-Kommissar, der auch zweimal im Kino ermitteln durfte.

mit Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Michael Lech, Michael Rastl, Brigitte Janner, Max Volkert Martens, Barbara Focke

Hinweise

Horst-Schimanski-Fanseite

Wikipedia über „Tatort: Duisburg-Ruhrort“


Neu im Kino/Filmkritik: Über Patryk Vegas „Niewidzialna Wojna – The invisible war“

Oktober 9, 2022

Nennen wir Patryk Vegas neuen Film „Niewidzialna Wojna – The invisible war“ Autofiktion. Denn im Mittelpunkt steht ein Regisseur, der seine Filme auch schreibt und produziert, und der gerade nach Katar geflogen ist. Dort erhofft er sich von den Scheichs das nötige Geld für seinen nächsten Film. Als er gefragt wird, warum er zu ihnen gekommen ist, erinnert er sich an sein Leben.

In den nun folgenden über zwei Stunden geht es, mehr oder weniger fiktiv, einmal durch Patryk Vegas Leben von seiner frühen Kinobegeisterung (für Holllywood-Blockbuster), über seine ersten Versuche, Geld zu verdienen (meist mit desaströsem Ergebnis), seiner Arbeit als True-Crime-TV-Reporter (skrupelloser als Jake Gyllenhaal in „Nightcrawler“) und seinen Exploitation-Spielfilmen. In seinen Erinnerungen ist dieser Patryk Vega ein gewissenloses, empathieunfähiges Arschloch. Vega inszeniert dies über weite Strecken als eine bitterböse Satire auf die Medienwelt, die polnische Gesellschaft und den Kapitalismus. Das ist durchgehend auf die zynische Pointe zugespitzt. Die Schauspieler, vor allem die verschiedenen Inkarnationen von Patryk Vega, spielen so schlecht, dass die satirische Absicht überdeutlich ist.

In der zweiten Hälfte verliert „Niewidzialna Wojna“ merklich an Tempo. Dann erinnert Vega sich an seine Filme, von denen wir nichts sehen und über die wir fast nichts erfahren. Wer Vegas Filmographie kennt, ist hier eindeutig im Vorteil. Dazwischen ist er auf Filmpremieren und Empfängen und er plant sein nächstes Filmprojekt. Er will endlich seinen großen international erfolgreichen Hollywood-Blockbuster drehen und so als Regisseur anerkannt werden. Gleichzeitig will er erlöst werden. Denn als braver polnischer Katholik drückt ihn zunehmend das schlechte Gewissen über seine an der Kinokasse erfolgreichen amoralischen Filme, seine Taten und seine Beziehungen ins kriminelle Milieu.

Am Ende des Biopics fragen wir uns, wie autobiograpisch das Werk ist, und welche Stellung „Niewidzialna Wojna“ in seinem Werk haben soll. Also ob es eine überhöhte, keine Grenzen und Tabus kennende Mediensatire mit der Dampframme ist und Vegas nächster Film als weiterer Exploitation-Thriller an seine vorherigen Filme anknüpft, oder ob der am 2. Januar 1977 in Warschau geborene Vega wirklich eine religiöse Bekehrung erfahren hat und seine nächsten Filme gähnend langweilige Faith-based-Movies sind.

Aus Zuschauersicht hoffe ich auf den nächsten Exploitationfilm.

Niewidzialna Wojna – The invisible war (Niewidzialna Wojna, Polen 2022)

Regie: Patryk Vega

Drehbuch: Patryk Vega

mit Rafal Zawierucha, Justyna Karlowska, Anna Mucha, Pawel Olearczyk

Länge: 138 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Niewidzialna Wojna – The invisible war“

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Bad Boy“ (Bad Boy, Polen 2020)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Small World (Small World, Polen 2021)

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Pitbull – Exodus“ (Pitbull, Polen 2021) 

Meine Besprechung von Patryk Vegas „Love, Sex and Pandemic“ (Milosc, seks & pandemia, Polen 2022)


TV-Tipp für den 10. Oktober: Nachtschicht: Die Ruhe vor dem Sturm

Oktober 9, 2022

ZDF, 20.15

Nachtschicht: Die Ruhe vor dem Sturm (Deutschland 2022)

Regie: Lars Becker

Drehbuch: Lars Becker

Wegen eines herannahenden Sturms wird ganz Hamburg zu einem mehrtägigem Hausarrest verdonnert. Entsprechend leergefegt sind dieses Mal die Straßen der Großstadt, in denen Kommissar Bo Erichsen und sein Team vom KDD einen flüchtigen, extrem gewaltbereiten Killer und zwei ebenso flüchtige Affen suchen. Außerdem ist Kiez-Legende Micky Mommsen extrem sauer. Zwei Jungs haben ihm Drogen geklaut.

Auch in der titelgebenden „Ruhe vor dem Sturm“ ist auf dem Kiez einiges los. Es gibt herrlich schnoddrige Wortduelle und grotesk aus dem Ruder laufende Aktionen. Aber im Gegensatz zu Lars Beckers vorherigen „Nachtschicht“-Filmen ist hier alles mindestens zwei Nummern kleiner als gewohnt.

Dieser „Nachtschicht“-Film ist ein Kammerspiel in einer menschenleeren Polizeistation und ebenso menschenleeren Straßen.

mit Armin Rohde, Idil Üner, Sabrina Ceesay, Özgür Karadeniz, Sina Martens, Roland Koch, Shenja Lacher, Demet Gül, Slavko Popadic, Ben Andrews Rumler, Ercan Durmaz, Oscar Ortega Sánchez

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über den Science-Fiction-Film „Vesper Chronicles“

Oktober 9, 2022

Die Menschheit hat es mal wieder geschafft. Dieses Mal sogar ohne außerirdischen Besuch oder einen Atomkrieg. Mit gentechnisch veränderten Organismen und Pflanzen brachten sie unser Ökosystems endgültig aus dem Gleichgewicht. Seitdem lebt eine kleine Oligarchie in Zitadellen. Die anderen Menschen kämpfen in einem Ödland voller Matsch, Schlamm und glibberiger Wesen und Pflanzen um ihr Überleben. Jonas (Eddie Marsan) ist einer der im Ödland lebenden Menschen. Er hat sich einen kleinen Herrschaftsbereich mit treuen Gefolgsleuten aufgebaut und handelt mit den Zitadellen. Er erhält von ihnen gentechnisch verändertes Saatgut, das nur einmal ausgesät werden kann. Dafür verkauft er ihnen das Blut von Kindern.

Die junge Vesper (Raffiella Chapman), die titelgebende Hauptfigur der Geschichte, verkauft ihm immer wieder ihr Blut. Mit ihrem bewegungslos im Bett liegendem Vater und einer mit ihm verbundenen Drohne lebt sie in einem Bauernhof. Sie forscht an eigenen Pflanzenzüchtungen und streift allein durch den Wald.

Bei einem ihrer Streifzüge entdeckt sie die schwer verletzte, aus der Zitadelle kommende Camellia (Rosy McEwen). Sie könnte Vespers Weg in die Zitadelle sein.

Vesper Chronicles“ ist ein von Kristina Buozyte und Bruno Samper in Litauen gedrehter Science-Fiction-Film, der teurer aussieht als er war. Das liegt an den überzeugenden Spezialeffekten, die vor allem für die Pflanzen und einige Set-Erweiterungen benutzt wurden. Die Bilder der geheimnisvoll aussehenden, sumpfigen und oft nebligen Waldlandschaft und und kleinen Dingen, wie einem auf eine besondere Weise getragenem Umhang oder einem vor dem Gesicht getragenem Tuch, kreieren eine unheimliche Atmosphäre. Dazu kommt eine sich auf wenige Personen konzentrierende Geschichte, die in einer in sich stimmigen Welt spielt. Dabei wird vieles nur angedeutet. Die Geschichte selbst ist klug, aber auch ohne große Überraschungen entwickelt. Vieles kennt man so ähnlich aus anderen Dystopien, in denen die Menschheit nach einer Katastrophe zuverlässig alles erworbene Wissen vergisst und umstandslos in eine mittelalterliche Welt zurückfällt, in der nur das Recht des Stärkeren zählt. In dieser Welt und weil wir ein typisches bombastisches Hollywood-Ende erwarten, überrascht das Ende von „Vesper Chronicles“. Es verweigert sich den Drehbuch-Konventionen zugunsten eines fast schon undramatisch-realistischem Endes.

Letztendlich ist der von Kristina Buozyte und Bruno Samper, die bereits bei „Vanishing Waves“ zusammengearbeitet haben, inszenierte Science-Fiction-Film mehr am Visuellen als an der Story interessiert.

Für Science-Fiction-Fans ist „Vesper Chronicles“ definitv einen Blick wert. Die wissen natürlich auch, dass ein guter Science-Fiction-Film nicht unbedingt ein Multi-Millionen-Dollar-Budget benötigt, um gut zu sein.

Außerdem kann ein Film mit Eddie Marsan nicht schlecht sein. Denn Eddie Marsan spielt mit.

Vesper Chronicles (Vesper, Litauen/Frankreich/Belgien 2022)

Regie: Kristina Buozyte, Bruno Samper

Drehbuch: Kristina Buozyte, Brian Clark, Bruno Samper

mit Raffiella Chapman, Eddie Marsan, Rosy McEwen, Richard Brake, Melanie Gaydos, Edmund Dehn

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Vesper Chronicles“

Metacritic über „Vesper Chronicles“

Rotten Tomatoes über „Vesper Chronicles“

Wikipedia über „Vesper Chronicles“


TV-Tipp für den 9. Oktober: The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten

Oktober 8, 2022

Servus TV, 20.15

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants, USA 2011)

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash

LV: Kaui Hart Hemmings: The Descendants, 2009 (Mit deinen Augen, Neuveröffentlichung unter „The Descendants“)

Auch im Paradies haben die Menschen alltägliche Probleme. So muss Rechtsanwalt Matt King (George Clooney) sich auf Hawaii mit der weiteren Nutzung des Landes, das seit Generationen im Familienbesitz ist und von ihm verwaltet wird, herumschlagen, seine Frau liegt nach einem Bootsunfall im Koma und er muss sich jetzt um seine beiden Töchter kümmern. Da erfährt er, dass seine Frau einen Liebhaber hatte.

Paynes Film ist eine feine, warmherzige und lebenskluge Komödie über Familien und andere alltägliche Probleme.

mit George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer, Matthew Lillard, Nick Krause, Amara Miller, Mary Birdsong, Rob Huebel, Patricia Hastie

Wiederholung: Montag, 10. Oktober, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „The Descendants“

Wikipedia über „The Descendants“ (deutschenglisch)

The Wall Street Journal: Interview mit Kaui Hart Hemmings über “The Descendants” (23. November 2011)

Stuttgarter Zeitung: Mein Interview mit Alexander Payne über „The Descendants“

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Nebraska“ (Nebraska, USA 2013)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „Downsizing“ (Downsizing, USA 2017)

Alexander Payne in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Nat Faxon/Jim Rashs „Ganz weit hinten“ (The Way Way Back, USA 2013)


Die Krimibestenliste Oktober 2022

Oktober 8, 2022

Tagsüber Sonnenschein, Luft schnappen und dann mit einem Buch auf die Couch. Bei mir war es zuletzt Garry Dishers „Stunde der Flut“. Für dien Oktober stehen folgende Empfehlungen auf der von Deutschlandfunk Kultur präsentierten Krimibestenliste:

1) Chuah Guat Eng: Echos der Stille

(aus dem Englischen von Michael Kleeberg)

463 Seiten

28,00 Euro

Wunderhorn

2) Oliver Bottini: Einmal noch sterben

432 Seiten

25,00 Euro

Dumont

3) Yves Ravey: Die Abfindung

(übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller)

110 Seiten

20,00 Euro

Liebeskind

4) Cherie Jones: Wie die einarmige Schwester das Haus fegt

(aus dem Englischen übersetzt von Karen Gerwig)

325 Seiten

25,00 Euro

CulturBooks

5) Garry Disher: Stunde der Flut

(übersetzt von Peter Torberg)

333 Seiten

24,00 Euro

Unionsverlag

6) Friedrich Ani: Bullauge

267 Seiten

23,00 Euro

Suhrkamp

7) Frauke Buchholz: Blutrodeo

264 Seiten

18,00 Euro

Pendragon

8) Christoffer Carlsson: Was ans Licht kommt

(übersetzt von Ulla Ackermann)

492 Seiten

23,00 Euro

Rowohlt

9) Sophie Sumburane: Tote Winkel

198 Seiten

18,00 Euro

Edition Nautilius

10) Karin Slaughter: Die Vergessene

(übersetzt von Fred Kinzel)

528 Seiten

24,00 Euro

HarperCollins


TV-Tipp für den 8. Oktober: Angel Heart

Oktober 7, 2022

Servus TV, 22.15

Angel Heart (Angel Heart, USA 1987)

Regie: Alan Parker

Drehbuch: Alan Parker

LV: William Hjortsberg: Falling Angel, 1978 (Angel Heart)

Privatdetektiv Harry Angel soll einen verschwundenen Jazzmusiker finden. In New Orleans verschwimmen für ihn immer mehr die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit.

Exzellenter Okkultthriller, der die Handlung des Buches von New York nach New Orleans verlegt.

William Hjortsberg zum Film: „Parker wrote an excellent script and went on to make a memorable film.”

Mit Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Brownie McGhee, Dann Florek

Wiederholung: Sonntag, 9. Oktober, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Angel Heart“

Wikipedia über „Angel Heart“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Harry Angel


Neu im Kino/Filmkritik: Das Autorenporträt „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Oktober 7, 2022

Die Fantasie stimmt ja meistens mehr als die Realität.“

Martin Suter

Wie macht man einen Film über einen Schriftsteller? Bei einem Schauspieler ist das ja ziemlich einfach: einige Ausschnitte aus seinen Filmen, bevorzugt die Szenen, in denen er groß aufspielen kann, einige Statements von ihm, einige von Kollegen und ein Kritiker erklärt, warum der Schauspieler so grandios ist. Fertig. Bei Musikern werden die Filmausschnitte durch Konzertausschnitte ersetzt.

Aber bei einem Schriftsteller?

Eine Möglichkeit wird in „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ gezeigt. Nämlch indem man kurze Stellen aus dem Werk des Autors nachinszeniert und den Autor in diese Inszenierung stellt. Dann blickt Suter, immer etwas amüsiert wirkend, auf die von ihm erfundenen Figuren und er kann über ihre Geschichte reden. Daneben erzählt er auch, immer ein wenig selbstironisch und distanziert, über sich. Auch der Titel des Films ist von Martin Suter.

Suter selbst war, bevor er einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Schweiz wurde, unter anderem Werbetexter. Auf die weiteren Stationen Suters vor seinem Romandebüt „Small World“ geht André Schäfer in seinem Film kaum ein. Dieser Teil von Suters Leben ist für seine Romane unwichtig. „Small World“ erschien 1997 bei Diogenes. Seitdem schrieb er fast im Jahrestakt weitere Romane, Theaterstücke, Drehbücher und Liedtexte, die er mit Stephan Eicher vertonte. Alle seine Romane wurden zu Bestsellern, die mehr oder weniger Kriminalromane sind. Einige wurden verfilmt. Am bekanntesten dürften die „Allmen“-TV-Filme mit Heino Ferch sein.

2007 erhielt er für „Der Teufel von Mailand“ den Friedrich-Glauser-Preis. Er stand auch mal auf der Krimibestenliste.

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“ ist ein sehr sympathisches Porträt eines sehr sympathischen und unprätentiösen Menschen, dem es durchgehend gelingt Nähe zu vermitteln und gleichzeitig nichts über sich zu verraten. Deshalb bleibt das Porträt konsequent an der Oberfläche. Auch nach neunzig Minuten, die wie im Flug vergehen, hat man erstaunlich wenig über Martin Suter und sein Werk erfahren.

Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit. (Schweiz/Deutschland 2022)

Regie: André Schäfer

Drehbuch: André Schäfer

mit Martin Suter, Margrith Nay Suter, Ana Suter, Stephan Eicher, Benjamin von Stuckrad-Barre, Bastian Schweinsteiger, Philipp Keel

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Moviepilot über „Alles über Martin Suter. Außer die Wahrheit.“

Wikipedia über Martin Suter

Diogenes über Martin Suter

Homepage von Martin Suter

Meine Besprechung von Ralf Huettners Martin-Suter-Verfilmung „Der Koch“ (Deutschland/Schweiz 2014)


TV-Tipp für den 7. Oktober: Das finstere Tal

Oktober 6, 2022

3sat, 22.25

Das finstere Tal (Österreich/Deutschland 2013)

Regie: Andreas Prochaska

Drehbuch: Martin Ambrosch, Andreas Prochaska

LV: Thomas Willmann: Das finstere Tal, 2010

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts reitet ein einsamer Fremder in ein abgelegenes Alpental, das von dem Patriarchen Brenner und seinen Söhnen beherrscht wird. Der Fremde will, so sagt er, über den Winter bleiben und fotografieren. Schon bald sterben die Leute.

Äußerst gelungener Alpenwestern. Während der Roman mehr in Richtung Ludwig Ganghofer geht, geht der Film mehr in Richtung Sergio Leone.

mit Sam Riley, Tobias Moretti, Paula Beer, Clemens Schick, Erwin Steinhauer, Hans-Michael Rehberg, Carmen Gratl, Helmuth A. Häusler, Martin Leutgeb, Florian Brückner

Die lesenswerte Vorlage

Thomas Willmann: Das finstere Tal
Ullstein, 2014
320 Seiten
9,99 Euro

Erstausgabe
Liebeskind, 2010

Hinweise

Perlentaucher über den Roman „Das finstere Tal“

Moviepilot über „Das finstere Tal“

Wikipedia über „Das finstere Tal“

Meine Besprechung von Andreas Proschaskas „Das finstere Tal“ (Österreich/Deutschland 2013)