TV-Tipp für den 4. Juli: Das Märchen der Märchen

Juli 4, 2018

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Leider zerstören bei der heutigen TV-Premiere die Werbepausen die Märchenstimmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)


Cover der Woche

Juli 3, 2018


TV-Tipp für den 3. Juli: Kein Sterbenswort

Juli 3, 2018

Tele 5, 20.15

Kein Sterbenswort (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Regie: Guillaume Canet

Drehbuch: Guillaume Canet, Philippe Lefebvre

LV: Harlan Coben: Tell no one, 2001 (Kein Sterbenswort)

Acht Jahre nach dem Tod seiner Frau erhält der Arzt Alexandre Beck eine Nachricht von ihr. Er will herausfinden, ob sie noch lebt. Dabei gerät er in eine Intrige und unter Mordverdacht.

Spannender, wendungsreicher Thriller, der überall abgefeiert wurde und die deutsche Premiere auf DVD erlebte.

Das Drehbuch war für den Edgar nominiert. Der Film war für neun Césars nominiert und erhielt vier. Unter anderem für die beste Regie und beste Hauptrolle.

mit Francois Cluzet, Kristin Scott Thomas, André Dussolier, Nathalie Baye, Jean Rochefort, Harlan Coben (Cameo als Mann auf dem Bahnhof)

Bonushinweis

Harlan Coben ist ja ein emsiger Autor, der jedes Jahr einen Thriller veröffentlicht, und seine älteren Myron-Bolitar-Romane müssen auch übersetzt werden. Denn der Goldmann-Verlag begann (nachdem die ersten beiden Bolitar-Romane sich nicht so toll verkauften und dann keine weiteren Romane übersetzt wurden) mit Cobens Einzelromanen, die sich gut verkauften, und flocht, mit Pausen, seine älteren Romane ein. Mit „Seine dunkelste Stunde“ (Darkest Fear, 2000) liegt jetzt die spannende, witzige und mit dem Edgar-, Shamus- und Anthony-Preis ausgezeichnete Bolitar-Serie vollständig auf Deutsch vor. Myron Bolitar ist ein Sportagent, der immer wieder auch als Privatdetektiv arbeitet. Meistens weil seine Schützlinge in Schwierigkeiten geraten.

In „Seine dunkelste Stunde“ taucht Bolitars große Liebe wieder auf. Sie bittet ihn, ihr bei der Suche nach einem Knochenmarkspender für ihren Sohn zu helfen. Die Suche wird schnell sehr gefährlich.

Nach dem siebten Bolitar-Roman „Seine dunkelste Stunde“ legte Coben eine sechsjährige Bolitar-Pause ein, die er 2006 mit „Ein verhängnisvolles Versprechen“ (Promise Me) beendete. Seitdem schiebt er zwischen seine Einzelromane immer wieder eine Bolitar-Geschichte.

Vor einigen Tagen erschien sein neuester Einzelroman „In deinem Namen“ (Don’t let go, 2017), der bei mir noch nicht eingetroffen ist, auf Deutsch.

Harlan Coben: Seine dunkelste Stunde

(übersetzt von Gunnar Kwisinski und Friedo Leschke)

Goldmann, 2018

384 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Darkest Fear

Delacorte Press, 2000

Hinweise

Homepage von Harlan Coben

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)

Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)

Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (Ne le dis à personne, Frankreich 2006)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „In seinen Händen“ (Caught, 2010)

Meine Besprechung von Harlan Cobens “Sein letzter Wille” (Live Wire, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Nur zu deinem Schutz“ (Shelter, 2011)

Meine Besprechung von Harlan Cobens „Ich finde dich“ (Six Years, 2013)

Harlan Coben in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Guillaume Canets „Blood Ties“ (Blood Ties, Frankreich/USA 2013)


TV-Tipp für den 2. Juli: Making Judith! (+ drei weitere Filme von Klaus Lemke)

Juli 2, 2018

Tele 5, 22.00

Making Judith! (Deutschland 2017)

Regie: Klaus Lemke

Drehbuch: Klaus Lemke

Keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist: Tele 5 zeigt heute vier (!) Filme von Klaus Lemke, zwei davon erstmals im TV und keiner dürfte in eine endlose Wiederholungsschleife geraten.

Um 20.15 Uhr geht es mit „Das Flittchen und der Totengräber“ (Deutschland 1995) los. Elf Jahre nach ihrer Trennung treffen sich das Flittchen (Cleo Kretschmer) und der Totengräber (Wolfgang Fierek) in Las Vegas wieder.

In der TV-Premiere „Making Judith!“ erzählt er mit sich Hauptrolle, wie er herausfinden will, ob Judith die Hauptdarstellerin oder Produzentin seines nächsten Films werden soll. Und wir sehen, wie ein Klaus-Lemke-Film entsteht.

Anschließend, um 23.50 Uhr, läuft „Die Ratte“ (Deutschland 1993). Da stromern zwei Kleinganoven (u. a. Thomas Kretschmann) durch St. Pauli.

Danach, um 01.35 Uhr, läuft – erstmals im TV! – „Negresco – Eine tödliche Affäre“ (Deutschland 1968), ein Frühwerk des Enfant Terrible. Ein Fotograf will unbedingt eine gutaussehende Millionärsgattin (Ira von Fürstenberg) treffen.

Lemke inszenierte „48 Stunden bis Acapulco“ (1967), „Rocker“ (1972) und „Amore“ (1978).

Lemke grenzte sich mit seinem energischen Stil deutlich von der ersten Erneuerer-Generation des „Oberhauser Manifests“ ab, deren Werke er bereits wieder als „Väter-Filme“ empfand. Tendenzen wie die Literaturverfilmungen Schlöndorffs waren ihm zuwider, ebenso bemühtes soziales Engagement. Doch trotz seiner cinephilen Neigung zur Pose und zum Genre, der die Münchner ohnehin von anderen Vertretern des Neuen Deutschen Films unterschied, hatte er sein ganz eigenes Interesse an roher „Wirklichkeit“. Neben dem bewussten Verzicht auf ausgearbeitete Drehbücher und perfekte Inszenierung wurde die Arbeit mit Laiendarstellern zu seinem Markenzeichen – zugespitzt in Lemkes Aussage, er interessiere sich nicht für Schauspieler, sondern für „richtige Menschen“ und ihre Geschichten, die er in seinem direkten Umfeld und „auf der Straße“ finde.“ (Filmportal)

mit Judith Paus, Polina Lapkovskaja, Klaus Lemke, Sina Bianca Hentschel, Raffael Betzler, Miriam Schmidt

Hinweise

Klaus Lemke Filmpage bei Facebook

Filmportal über Klaus Lemke

Wikipedia über Klaus Lemke


Die Krimibestenliste Juli 2018

Juli 2, 2018

Wenige Tage vor der ‚First Purge“ präsentieren die F.A.S. und Deutschlandfunk Kultur ihre monatliche Krimibestenliste:

1. Denise Mina – Blut Salz Wasser (Platzierung im Vormonat: 1)

2. Dominique Manotti – Kesseltreiben (Platzierung im Vormonat: 6)

3. Dan Chaon – Der Wille zum Bösen (Platzierung im Vormonat: 2)

4. Joyce Carol Oates – Pik-Bube (Platzierung im Vormonat: 9)

5. Dietrich Kalteis – Shootout (Platzierung im Vormonat: /)

6. Tom Bouman – Im Morgengrauen (Platzierung im Vormonat: /)

7. Aidan Truhen: Fuck You Very Much (Platzierung im Vormonat: 3)

8. Philip Kerr – Kalter Frieden (Platzierung im Vormonat: 8)

9. Douglas E. Winter – Run (Platzierung im Vormonat: 4)

10. Lisa McInerney – Glorreiche Ketzereien (Platzierung im Vormonat: /)

Einiges, wie Mina, Kalteis (ein Deutscher, der seit seiner Kindheit in Kanada lebt und auf Englisch schreibt) und Truhen, liegen auch bei mir herum. Manottis „Kesseltreiben“ lese ich gerade und selbstverständlich ist es ein gutes Buch. Manotti eben.

Mal sehen, ob ich es schaffe, eine kleine Lesetipps-für-den-Strandkorb-Kolumne zu schreiben. Nach der ersten Purge.


TV-Tipp für den 1. Juli: Über den Dächern von Nizza

Juni 30, 2018

Tele 5, 20.15

Über den Dächern von Nizza (To catch a Thief, USA 1955)

Regie.: Alfred Hitchcock

Drehbuch: John Michael Hayes

LV: David Dodge: To catch a thief, 1952

John Robie hat sich zur Ruhe gesetzt. Als ein anderer Einbrecher Robies Stil nachahmt, will er im wohlverstandenen Eigeninteresse den Nachahmer fangen.

Lockere Krimikomödie von Hitchcock, die zur Blaupause für künftige kultivierte Thriller-Romanzen werden sollte. Hitchcock war besonders an dem Aspekt der fetischistischen Liebe (To catch a thief) interessiert und pfiff – wie so oft – auf die Logik.

Mit Cary Grant, Grace Kelly (die danach den Fürst von Monaco heiratete), Charles Vanel, Jessie Royce Landis, Brigitte Auber, René Blancard

Wiederholung: Montag, 2. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Über den Dächern von Nizza“

Wikipedia über „Über den Dächern von Nizza“ (deutsch, englisch) und über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks “Mr. und Mrs. Smith” (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Meine Besprechung von Thilo Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Robert Blochs “Psycho” (Psycho, 1959)

Meine Besprechung von Robert V. Galluzzos “Psycho Legacy” (The Psycho Legacy, USA 2010 – eine sehenswerte Doku über die “Psycho”-Filme mit Anthony Perkins, mit vielen Stunden informativem Bonusmaterial)

Meine Besprechung von Stephen Rebellos “Hitchcock und die Geschichte von ‘Psycho’” (Alfred Hitchcock and the Making of ‘Psycho’, 1990)

Meine Besprechung von Sacha Gervasis auf Stephen Rebellos Buch basierendem Biopic “Hitchcock” (Hitchcock, USA 2012)

 


TV-Tipp für den 30. Juni: Sleepy Hollow

Juni 30, 2018

Sat.1, 21.50

Sleepy Hollow (Sleepy Hollow, USA 1999)

Regie: Tim Burton

Drehbuch: Andrew Kevin Walker (nach einer Filmgeschichte von Kevin Yagher und Andrew Kevin Walker)

LV (Inspiration): Washington Irving: The Legend of Sleepy Hollow, 1820 (Die Sage von der schläfrigen Schlucht)

1799 soll Constable Ichabod Crane, ein Rationalist vor dem Herrn, in einem kleinen Dorf in der Nähe von New York mehrere Morde aufklären. Die Einheimischen behaupten, die Morde wurden von einem kopflosen Reiter begangen.

Schöner Horrorfilm von Tim Burton.

Hier zwei zeitgenössische Kritiken:

„Die perfekte Mischung aus haarsträubendem Grauen und schwarzem Humor, eine bis ins Detail perfektionistische Umsetzung und eine sichere Hand bei der Führung eines herausragenden Darstellerensembles machen aus ‚Sleepy Hollow‘ eine der ausgereiftesten Regiearbeiten Tim Burtons.“ (Steffen Heinke, Filmecho-Filmwoche)

„ein freudianisches Disneyland erschüttert vom Grand Guignol“ (Mariam Lau, Die Welt)

Die Musik ist von Danny Elfman; Kameramann war Emmanuel Lubezki.

mit Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon, Casper Van Diem, Jeffrey Jones, Christopher Lee

Wiederholung: Sontag, 1. Juli, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Sleepy Hollow“

Wikipedia über „Sleepy Hollow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Tim Burtons “Frankenweenie” (Frankenweenie, USA 2012, nach einem Drehbuch von John August)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Big Eyes“ (Big Eyes, USA 2014)

Meine Besprechung von Tim Burtons „Die Insel der besonderen Kinder“ (Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children, USA 2016)

Tim Burton in der Kriminalakte


Philip Kerr serviert Bernie Gunther einmal „Kalter Frieden“

Juni 29, 2018

Beginnen wir mit der für Philip-Kerr- und Bernie-Gunther-Fans erfreulichen Nachricht: „Kalter Frieden“ ist nicht der letzte Roman des am 23. März 2018 überraschend verstorbenen Kerr. In seiner Heimat sind bereits zwei weitere Gunther Romane erschienen und für nächstes Jahr ist ein weiterer Gunther-Roman, den Kerr vor seinem Tod vollendete, angekündigt.

Das sage ich, weil „Kalter Frieden“ der schlechteste Roman ist, den ich bis jetzt von Philip Kerr gelesen habe.

1956 arbeitet Gunther als Concierge in einem Grandhotel an der Französischen Riviera. Es ist ein ruhiges Leben, bis er einen der Hotelgäste wieder erkennt. Es ist Harold Hennig, ein Untergebener von Gauleiter Erich Koch und Hauptmann beim SD, dem Geheimdienst der SS.

Hennig verwickelt ihn dann auch in eine arg seltsam aufgebaute Erpressergeschichte. Hennig erpresst W. Somerset Maugham mit eindeutig zweideutigen Fotos, die heute noch nicht einmal eine Boulevardzeitung interessieren würden. Damals hätten sie, in den falschen Händen, zu veritablen Skandalen führen können. Hennig schlägt Maugham Gunther als vertrauenswürdigen Vermittler, Kurier und Abwickler der von ihm initiierten Erpressung vor.

Maugham trifft sich mit Gunther und nachdem er ihm erklärt, dass er Hennig hasse, vertraut der Schriftsteller Gunther. Er geht auf Hennigs Vorschlag ein, Gunther als unabhängigen Vermittler zwischen ihnen zu akzeptierten. Und Gunther versucht Maugham zu helfen.

Zur gleichen Zeit bittet die Engländerin Anne French Gunther darum, ihr einen Kontakt zu Maugham zu vermitteln. Sie möchte nämlich eine Biographie über den Schriftsteller schreiben. Gunther will auch ihr helfen.

Und dann geschehen noch einige Ereignisse, die auch in einem Eric-Ambler-Roman gut aufgehoben wären, während wir viel über den englischen Geheimdienst erfahren. Vor allem über die zum Handlungszeitpunkt des Romans noch unbekannten, inzwischen seit Jahrzehnten allseits bekannten, legendären und vielfach in Buch und Film verarbeiteten Geschichte der Cambridge Five, der Gruppe hochrangiger britischer Geheimdienstler, wie Kim Philby, die auch für den KGB arbeiteten.

Dieser 1956 spielende Teil des Romans wird ergänzt durch viele Seiten füllende, aber nicht besonders inhaltsreiche Rückblenden in die Nazi-Zeit. Gunther erzählt Maugham, warum er Hennig abgrundtief hasst. Die längste Rückblende umfasst, mit kurzen Unterbrechungen, über sechzig Seiten, in denen Gunther Maugham erzählt, wie er sich in Königsberg in eine Frau verliebte, wieder Hennig traf und sie auf der Wilhelm Gustloff mitfuhr. Diese Ereignisse haben mit der aktuellen Geschichte nichts zu tun und die einzige für die Handlung wichtige Information dieser Rückblende ist, ist dass Gunther Henning für den Tod seiner Freundin verantwortlich macht.

Später gibt es, wenn Tonbänder abgehört werden, ähnliche Momente, in denen die Handlung zum Stillstand kommt, weil in epischer Länge Dinge ausgebreitet werden, die für die Haupthandlung egal sind. Es ist höchstens eine mäßig interessante Geschichtsstunde.

Was letztendlich auch auf den gesamten Roman „Kalter Frieden“ des sonst zuverlässigen Philip Kerr zutrifft.

Philip Kerr: Kalter Frieden

(übersetzt von Axel Merz)

Wunderlich, 2018

400 Seiten

22,95 Euro

Originalausgabe

The other Side of Silence

Penguin Random House, New York, 2016

Bonushinweis 1

Schon seit einigen Monaten gibt es Bernie Gunthers vorheriges Abenteuer als Taschenbuch. Kerrs zehnter Gunther-Roman „Operation Zagreb“ spielt im Sommer 1942. Bernie soll, auf Befehl von Propagandaminister Goebbels, den Vater von Goebbels‘ Lieblingsschauspielerin finden. Der hat sich den rechtsextremen Ustascha angeschlossen. Und dann verschwindet die Schauspielerin.

Philip Kerr: Operation Zagreb

(übersetzt von Axel Merz)

rororo, 2018

512 Seiten

10,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Wunderlich, 2017

Originalausgabe

The Lady from Zagreb

Quercus, London, 2015

Bonushinweis 2

Für alle, die während der Fußball-WM zwischen den Spielen und den abertausenden WM-Berichten ein gutes Buch, das irgendetwas mit Fußball zu tun hat, lesen wollen, sollten sich die drei von Philip Kerr geschriebenen Fußballkrimis mit Scott Manson, Fußballtrainer und Amateurdetektiv, besorgen. Sie bieten Fußballfans genug Klatsch und Tratsch aus der Welt des Fußballs für mehrere Abende.

Für die Fußballverächter gibt es einen spannenden Rätselplot und viel schwarzen Humor.

Die ersten beiden Scott-Manson-Krimis „Der Wintertransfer“ und „Die Hand Gottes“ habe ich ja schon abgefeiert. Im dritten Manson-Krimi „Die falsche Neun“ soll der Fußballtrainer und Amateurdetektiv Scott Manson für den FC Barcelona deren spurlos verschwundenen Stürmer Jérôme Dumas finden. Irgendwo zwischen Paris und der Karibik.

Philip Kerr: Die falsche Neun

(übersetzt von Hannes Meyer und Simone Jakob)

Tropen, 2016

368 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

False Nine

Head of Zeus, London, 2015

Die Taschenbuchausgabe ist bei Tropen für den 22. September angekündigt. Sie kostet 9,95 Euro.

Hinweise

Homepage von Philip Kerr

Krimi-Couch über Philip Kerr

Wikipedia über Philip Kerr (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Philip Kerrs „Der Wintertransfer“ (January Window, 2014)

Meine Besprechung von Philip Kerrs „Die Hand Gottes“ (Hand of God, 2015)


TV-Tipp für den 29. Juni: U-Boot in Not

Juni 29, 2018

3sat, 22.30

U-Boot in Not (Gray Lady Down, USA 1977)

Regie: David Greene

Drehbuch: James Whittaker, Howard Sackler, Frank P. Rosenberg

LV: David Lavallee: Event 100, 1971

60 Meilen vor Cape Cod havariert ein Atom-U-Boot. Wasser dringt ein und das U-Boot droht in einen Unterwasser-Canyon abzurutschen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Ein starbesetzter Unterwasserkatastrophenfilm, der mir als Teenager gut gefiel und den ich mir mal wieder ansehen könnte.

Obwohl die Kritiken eher mau sind: „Ohne Interesse für die psychologische Situation der eingeschlossenen Menschen vordergründig inszenierter Katastrophen-Film, der nicht mehr als die schulbuchmäßige Demonstration eines aufwendigen Rettungssystems der Marine bietet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Ein an Langeweile grenzender, vorhersehbarer und fürchterlich konstruierter Katastrophenfilm (…) wurde für die Universal zu einem saftigen Verlustgeschäft.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Jerry Fielding schrieb die Musik.

mit Charlton Heston, Stacy Keach, David Carradine, Ned Beatty, Ronny Coc, Stephen McHatti, Michael O’Keefe, Christopher Reeve

Hinweise

Rotten Tomatoes über „U-Boot in Not“

Wikipedia über „U-Boot in Not“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: „Renegades – Mission of Honor“ ist diese Schatzsuche

Juni 28, 2018

Renegades – Mission of Honor“ ist der mehr oder weniger neue Film aus Luc Bessons Filmfabrik und, wie man es von ihm gewohnt ist, hat er am Drehbuch mitgeschrieben. Die Regie übernahm dieses Mal „Storm Hunters“- und „Final Destination 5“-Regisseur Steven Quale. Die Geschichte ist, wie man es von Besson gewohnt ist, eine sattsam bekannte Geschichte, die er mit viel Action und Humor einfach noch einmal präsentiert und sich dabei nicht sonderlich um Originalität und Plausibilität bemüht. Denn sonst müsste man in diesem Fall überlegen, warum die Nazis 1944 einen Goldschatz und wertvolle Gemälde aus Deutschland nach Jugoslawien befördern. Die Fahrt der Deutschen endet in einem Dorf in der Nähe von Sarajewo. Dort wird der Staudamm gesprengt und das Dorf befindet sich fortan auf dem Grund eines Sees. Die Goldbarren ebenso.

1995 werden fünf Navy Seals nach einem in Sarajewo etwas aus dem Ruder gelaufenem Einsatz vom Dienst suspendiert. Anstatt ihren Auftrag still und heimlich zu erledigen, verballerten sie etliche Magazine und zerstörten mit einem geklauten Panzer, den sie auch als U-Boot benutzten, die kriegsversehrte Stadt weiter.

Während ihrer freien Tage erzählt ihnen die Einheimische Lara von dem Schatz, der seit einem halben Jahrhundert auf dem Boden des Sees liegt und der beim Wiederaufbau des Landes eine entscheidende Rolle spielen könnte.

Die Navy-Seals Matt, Stanton, Ben, Jackson und Duffy wollen ihr helfen und anschließend die Beute fifty-fifty teilen.

Das ist ein Unterschied zu den bekannten Vorbildern von „Renegades – Mission of Honor“. In „Stoßtrupp Gold“ (Kelly’s Heroes, USA 1970) und „Die Glorreichen“ (Les Morfalous, Frankreich/Tunesien 1983) wollten die Soldaten die Goldbarren für sich. Ein weiterer Unterschied ist, dass diese prominent besetzten Filme vom Anfang bis zum Ende Action und Humor haben. „Renegades – Mission of Honor“ hat Action nur am Anfang und danach in homöopathischen Dosen. Humor ist ebenfalls dünn gesät. Da helfen auch nicht die wenigen, kurzen Auftritte von J. K. Simmons als cholerischen Vorgesetzten mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Er poltert zunächst pflichtgemäß und lobt seine Jungs anschließend. Immerhin stimmt das Ergebnis des Einsatzes.

Renegades – Mission of Honor“ ist nicht das versprochene wirklichkeitsferne Actionfeuerwerk, sondern ein ziemlicher Langweiler, der nie auch nur versucht, sein Potential auszuschöpfen.

Da war „Das A-Team“ unterhaltsamer.

Gedreht wurde „Renegades – Mission of Honor“ bereits im Frühjahr 2015 im Studio Babelsberg, Belgien, Malta und Kroatien und danach mehrmals angekündigt. Letztendlich hatte der Film am 31. August 2017 in Taiwan seine Premiere. In Frankreich soll er am 29. August starten.

Renegades – Mission of Honor (Renegades, Frankreich/Deutschland 2017)

Regie: Steven Quale

Drehbuch: Richard Wenk, Luc Besson

mit J. K. Simmons, Sullivan Stapleton, Clemens Schick, Sylvia Hoeks, Charlie Bewley, Joshua Henry, Diarmaid Murtagh, Dimitri Leonidas, Ewen Bremner

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Moviepilot über „Renegades“

Metacritic über „Renegades“

Rotten Tomatoes über „Renegades“

Wikipedia über „Renegades“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Quales „Storm Hunters“ (Into the Storm, USA 2014)


Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: „Love, Simon“, Teenager, weiß, schwul, in Georgia lebend

Juni 28, 2018

Ich bin so wie du.

Im Wesentlichen ist mein Leben völlig normal.

Mein Dad war der gut aussehende Quarterback, der die scharfe Jahrgangsbeste geheiratet hat. Und nein, die Highschool war nicht der Höhepunkt ihres Lebens.

Ich habe eine Schwester, die ich sogar mag. Ich sage ihr das natürlich nicht. Und letztes Jahr, nach 200 Folgen von einer Kochshow, hat sie beschlossen, dass sie Köchin werden will. Das heißt, wir sind jetzt alle ihre Testpersonen.

Und dann sind da meine Freunde.

Zwei von ihnen kenne ich praktisch seit Anbeginn der Zeit. Oder wenigstens seit dem Kindergarten.

Eine kenne ich erst seit ein paar Monaten, aber ich habe das Gefühl, ich kenne sie schon ewig.

Wir machen alles, was Freunde so tun. Wir trinken viel Iced Coffee, sehen uns schlechte Neunzigerjahre-Filme an und träumen im Waffle House vom College und stopfen uns mit Kohlenhydraten voll.

Und wir stehen immer zueinander.

Also, wie gesagt, ich bin genau wie du. Ich habe ein völlig normales Leben.

Nur dass ich ein riesiges Geheimnis habe.

(Simons erste Worte in „Love, Simon“, Voice Over)

 

Ich gehöre nicht zum Zielpublikum von „Love, Simon“ und ich würde meinen erwachsenen Freunden zum Thema andere Bücher und Filme empfehlen, wie „Call me by your Name“.

Aber mit diesem Buch und Film würde das Zielpublikum von „Love, Simon“ wahrscheinlich wenig anfangen können. Denn „Love, Simon“ ist ein Coming-of-Age-Film für Schüler. Der Film erzählt eine typische, an einer US-Highschool spielende Coming-of-Age-Geschichte. Mit einem kleinen Unterschied, der aus dem Film dann etwas Besonderes macht. Der titelgebende Simon ist schwul. Und das ist innerhalb des Genres ein großer Schritt hin zur Realität. Denn Simon ist der gut aussehende Protagonist und er hat mit seiner Homosexualität keine Probleme. Auch wenn er sich, wegen der offensichtlichen, damit verbundenen Probleme, noch nicht öffentlich zu seine sexuellen Orientierung bekannt hat. Im Film gibt es eine schöne Szene viel über unseren Umgang mit Sexualität verrät. Simon fragt sich, warum nicht jeder sich outen müsste und wie es wäre, wenn die Eltern beim Bekenntnis zur Heterosexualität peinlich berührt, entsetzt und schockiert wären.

Simon sucht noch, wie man es aus unzähligen Highschool-Filmen, Romantic Comedies und Schnulzen kennt, die richtige Person für das erste Mal, die die große Liebe und die Frau (den Mann? den Partner?) fürs Leben. Und bis es zum ersten Kuss kommt, muss unser Held einige Abenteuer bestehen.

Greg Berlanti erzählt in seinem, auf Becky Albertallis Jugendbuch-Bestseller basierendem Film diese Geschichte. Mit schönen Menschen in einer schönen Gegend in schönen Bildern, die auch in einer Nicholas-Sparks-Schnulze nicht negativ auffallen würden.

Eines Abends entdeckt Simon im Internet einen Text von „Blue“, der wie er Schüler an der Creekwood High in Shady Creek, einem Vorort von Atlanta, Georgia ist und der ebenfalls schwul ist. Simon legt sich das Pseudonym „Jacques“ zu und sie beginnen sich emsig online auszutauschen. Ohne ihre wahre Identität zu kennen. Simon, ein wahrer Frauenschwarm, fragt sich, wer von den Jungs an der Schule Blue ist.

Sein Leben wird noch komplizierter, als er sich nach einer auf dem Schulcomputer geschriebenen Nachricht an Blue nicht abmeldet. Sein Schulfreund und Klassenclown aus Verzweiflung Martin entdeckt Simons Geheimnis. Weil Martin in Simons Freundin Abby verliebt ist und sie nichts von ihm wissen will, erpresst er Simon. Er soll ihn mit ihr verkuppeln.

Von der Story her ist „Love, Simon“ ein typischer, kitschiger Coming-of-Age-Film über die erste Liebe, garniert mit einigen typischen Schulproblemen, verständnisvollen Eltern und Lehrern und gut aussehenden, höflichen Teenagern. Und etwas Humor der netten Art.

Aber dieses Mal spielt die sattsam bekannte Geschichte über die Suche nach der großen Liebe sich nicht zwischen einem Jungen und einem Mädchen ab. Es geht auch nicht um einen schüchternen Jungen, der sich in die Klassenschönheit (und, ja, das kann verraten werden, Blue ist ein gut aussehender Junge) verliebt, sondern es geht um einen Jungen, der einen anderen Jungen sucht, in den er aufgrund seiner E-Mails verliebt ist und dessen Identität er nicht kennt.

Damit erzählt „Love, Simon“, soweit ich den Überblick habe, zum ersten Mal, in einer Mainstream-Highschool-Komödie eine schwule Coming-of-Age-Geschichte. Und in diesem Genre gehört Berlantis Film zu den gelungenen Vertretern. Wegen Simons im Film bis zu seinem Zwangsouting gegenüber seinem Umfeld lange verschwiegener Homosexualität, haben viele Dialoge eine doppelte Bedeutung. So ist auch das Musical „Cabaret“, das Simon und seine Freunde für eine Schulaufführung proben, bewusst ausgewählt.

Besonders subtil ist das nicht. Aber „Love, Simon“ ist auch nicht der Film für den Cineasten, der endlich einmal eine schwule Liebesgeschichte sehen will, sondern für Jugendliche, die endlich einmal eine schwule Liebesgeschichte sehen sollen – und die ihnen bei der Akzeptanz ihrer Sexualität und ihrem Outing helfen kann. Denn Simon ist ein ganz normaler Junge. Es ist auch ein Aufruf zur Toleranz. Verpackt in eine konventionellen Geschichte mit einem Protagonisten, den niemand von der Bettkante stoßen würde. Wie man so sagt.

Und so ist der Film für die Menschheit noch nicht einmal ein kleiner Schritt (ich sage nur „Call me by your Name“), aber ein großer für das Mainstream-Coming-of-Age-Genre.

Der mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Roman ist allerdings deutlich schwächer als die Verfilmung. Das Buch liest sich mit seinen dürftigen Beschreibungen wie ein Roman zum Film, der einfach nur das Drehbuch nacherzählt und dabei auf jegliche literarische Schnörkel und vertiefende, die Erzählgeschwindigkeit hemmende Beschreibungen verzichtet.

Im Gegensatz zum Film beginnt Albertalli mit der Erpressung von Martin. Damit setzt sie eine vollkommen andere Spannungskurve als der Film, in dem Simon am Anfang auf der schulischen Klatschseite creeksecrets auf den Text seines Seelenverwandten stößt. Im Film geht es daher von der ersten Minute an um die Frage, wie Simon mit seiner Sexualität und seinen Gefühlen umgeht. Im Buch muss er sich dagegen zuerst einmal um eine Erpressung kümmern. Und während der Film ständig, bei jedem Blick, jedem Satz, jedem Gespräch um die Frage kreist, welcher Mitschüler Blue ist, wird dieser Spannungsmoment von Albertalli fast gänzlich ignoriert. Deshalb sind alle Dialoge im Film wesentlich doppeldeutiger als im Buch. So gibt es im Film eine Szene, in der Simon und seine Freundin (früher hätte man sie Sandkastenliebe genannt) darüber reden, wen sie lieben und dabei, ohne dass sie es bemerken, aneinander vorbeireden. So proben die Schüler im Buch das Theaterstück „Oliver!“, basierend auf Charles Dickens‘ „Oliver Twist“. Im Film proben sie für die Schulaufführung das im Berlin in den frühen dreißiger Jahren spielende Musical „Cabaret“, das dann, auf mehreren Ebenen, Simons Geschichte spiegelt.

Love, Simon (Love, Simon, USA 2018)

Regie: Greg Berlanti

Drehbuch: Isaac Aptaker, Elizabeth Berger

LV: Becky Albertalli: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda, 2015 (Nur drei Worte; Love, Simon)

mit Nick Robinson, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg Jr., Logan Miller, Miles Heizer, Kerynan Lonsdale, Josh Duhamel, Jennifer Garner, Tony Hale, Natasha Rothwell

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

(Trivia: In den USA: Rated PG-13 for thematic elements, sexual references, language and teen partying)

Die Vorlage

Zum Filmstart erschien eine Filmausgabe, die ihren Namen wirklich verdient. Denn der Verlag spendierte nicht nur ein neues Cover, sondern auch einen 8-seitigen Bildteil, einen Ausschnitt aus dem Drehbuch und ein sehr kritikloses Gespräch zwischen Becky Albertalli, Simon-Darsteller Nick Robinson und Regisseur Greg Berlanti.

Becky Albertalli: Love, Simon

(Filmausgabe)

(übersetzt von Ingo Herzke)

Carlsen, 2018

336 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Nur drei Worte

Carlsen, 2016

Originalausgabe

Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Balzer + Bray, 2015

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Love, Simon“

Metacritic über „Love, Simon“

Rotten Tomatoes über „Love, Simon“

Wikipedia über „Love, Simon“ (deutsch, englisch)

Homepage von Becky Albertalli

Das Gespräch in der Build Series mit dem Regisseur und den Hauptdarstellern


TV-Tipp für den 28. Juni: The Zero Theorem

Juni 28, 2018

Tele 5, 22.35

The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem (The Zero Theorem, Großbritannien/Rumänien 2013)

Regie: Terry Gilliam

Drehbuch: Pat Rushin

Qohen Leth soll das Zero Theorem, die Formel für den Sinn des Lebens knacken, und er wartet auf einen wichtigen Anruf.

Optisch brillante, inhaltlich leere Dystopie von Terry Gilliam, die in der Tradition seiner Meisterwerke „Brazil“ und „12 Monkeys“ steht, ohne deren Qualität zu erreichen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung der heutigen TV-Premiere.

mit Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Tilda Swinton, Sanjeev Bhaskar, Peter Stormare, Ben Whishaw

Hinweise
Englische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Zero Theorem“
Moviepilot über „The Zero Theorem“
Metacritic über „The Zero Theorem“
Rotten Tomatoes über „The Zero Theorem“
Wikipedia über „The Zero Theorem“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Terry Gilliams „The Zero Theorem – Das Leben passiert jedem“ (The Zero Theorem, Großbritannien/Rumänien 2013)


TV-Tipp für den 27. Juni: Men & Chicken

Juni 27, 2018

Arte, 22.55

Men & Chicken (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)

Regie: Anders Thomas Jensen

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Um ihren Vater, den Genetiker Evelio Thanatos, kennen zu lernen, fahren die Halbbrüder Elias und Gabriel auf die Insel Ork. Das von ihm betriebene Sanatorium ist eine Bruchbude. Ihre dort lebenden Halbbrüder sind bekloppt und wollen Elias und Gabriel nicht zu ihrem Vater lassen.

Ein ziemlicher Klamauk, gedreht in den Beelitz-Heilstätten bei Potsdam.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Mads Mikkelsen, David Dencik, Nikolaj Lie Kaas, Søren Malling, Nicolas Bro, Ole Thestrup, Bodil Jørgensen, Kirsten Lehfeldt, Lisbeth Dahl, Rikke Louise Andersson

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Deutsche Facebook-Seite zum Film
Film-Zeit über „Men & Chicken“
Moviepilot über „Men & Chicken“
Wikipedia über „Men & Chicken“
Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens (Drehbuch) „Zweite Chance“ (Un chance til, Dänemark 2014)

Meine Besprechung von Anders Thomas Jensens „Men & Chicken“ (Mænd & høns, Dänemark/Deutschland 2014)


Cover der Woche

Juni 26, 2018


TV-Tipp für den 26. Juni: Todesfalle Highlands

Juni 26, 2018

3sat, 22.25

Todesfalle Highlands (A lonely place to die, Großbritannien 2011)

Regie: Julian Gilbey

Drehbuch: Julian Gilbey, Will Gilbey

Bei einer Klettertour durch die schottische Highlands entdecken fünf Wanderer in einem Erdversteck ein gefangen gehaltenes serbisches Mädchen. Sie wollen ihr helfen.

Auf dem Fantasy-Filmfest gezeigter Survival-Thriller. Bei der Kritik kam der harte, in Schottland gedrehte Thriller gut an.

Spannender, dicht inszenierter und vorzüglich fotografierter Thriller, der nie seine glaubwürdigen Charaktere aus den Augen verliert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film ist FSK-18. D. h. es wird wahrscheinlich eine um zwei Minuten gekürzte Fassung gezeigt.

mt Melissa George, Ed Speleers, Eamon Walker, Sean Harris, Alec Newman, Karl Roden, Kate Magowan

auch bekannt als „A lonely place to die – Todesfalle Highlands“ (DVD-Titel)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Todesfalle Highlands“

Wikipedia über „Todesfalle Highlands“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte über „Todesfalle Highlands“


Der „Pik-Bube“ ist ein schlimmer Finger – und Joyce Carol Oates ist dafür verantwortlich

Juni 25, 2018

Pik-Bube ist das Pseudonym von Andrew J. Rush, dem „Stephen King für den Bildungsbürger“. Als Pik-Bube schreibt er so richtig dreckige, düstere, amoralische Thriller, in denen er seine niederen Triebe auslebt. Er schreibt sie wie in einem Fiebertraum und sie verkaufen sich zunehmend besser. Trotzdem kennt niemand die wahre Identität von Pik-Bube, seinem bösen Bruder.

Rush lebt glücklich verheiratet mit seiner Frau Irina in der Kleinstadt, in der er vor 53 Jahren geboren wurde. Als er sie kennen lernte, schrieb sie ebenfalls und, so Rushs Meinung, sogar besser als er. Trotzdem hörte sie mit dem Schreiben auf. Seine drei Kinder sind erwachsen und gut geraten. Im Dorf in New Jersey ist der sanftmütige Schriftsteller mit seiner Bilderbuchfamilie allseits geachtet.

Eines Tages erhält er einen Brief vom städtischen Gericht. Er erfährt, dass C. W. Haider ihn beschuldigt, ein Plagiator zu sein. Haider ist eine alte, vermögende Jungfer, die schon etliche Autoren – erfolglos – des Plagiats beschuldigte. Unter anderem Stephen King.

Es kommt zur Gerichtsverhandlung und später klaut Rush aus Haiders Bibliothek einige wertvolle alte Bücher und blättert, aus Neugierde, in einigen ihrer Manuskripte herum. Dabei entdeckt er erstaunlich viele Parallelen zu den später erschienen Bestsellern von Stephen King, John Updike (Die Hexen von Eastwick) und seinen Romanen.

Und Pik-Bube scheint immer mehr Besitz von Rush zu ergreifen.

Woher ein Schriftsteller seine Ideen hat, ist bei Lesungen eine der immer gestellten Fragen. Sie beschäftigt auch Schriftsteller und Krimifans dürften schnell einige Thriller nennen können, in denen ein vermeintlicher oder echter Ideendiebstahl fatale Folgen für den Schriftsteller hat. Manchmal ist ein Fan auch einfach nur sehr verärgert über das neue Werk des bewunderten Schriftstellers und „Sie“ (Misery) versucht ihn zu überzeugen, ein besseres Buch zu schreiben. Der allseits bekannte Horrorautor Stephen King, – um nur einen Namen zu nennen -, schrieb mehrere Geschichten darüber. Als Richard Bachmann veröffentlichte er mehrere Romane und als dieses Pseudonym enttarnt wurde, schrieb er darüber „Stark – The Dark Half“. In dem Horrorthriller mischt sich das Alter Ego mit tödlichen Folgen in das Leben seines Erfinders ein. Stephen King ist auch der von Joyce Carol Oates immer wieder zitierte Schriftsteller, zu dem Rush eine Hassliebe hat und, wer sich ein wenig in Stephen Kings Biographie auskennt, wird in „Pik-Bube“ viele, teilweise sehr offensichtliche, Anspielungen auf Kings Werk und Leben finden. Das Entdecken dieser Anspielungen ist ein Teil des Spaßes beim Lesen dieses kleinen Thriller.

Auch wenn „Pik-Bube“ wie ein Kriminalroman beginnt, wird er schnell zu einer psychologischen Studie eines Schriftstellers, erzählt von ihm selbst, und zu einem Horrorthriller. Ohne Monster und Geister.

Der zweihundertseitige Roman ist ein herrlich fieser, auf mehreren Ebenen funktionierender Spaß einer mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichneten Autorin, die in zahlreichen Genres und auch unter Pseudonym mehrere Romane veröffentlichte. Wie Rosamond Smith und Lauren Kelly.

Joyce Carol Oates: Pik-Bube

(übersetzt von Frauke Czwikla)

Droemer, 2018

208 Seiten

19,99 Euro

Originalausgabe

Jack of Spades

The Myterious Press, New York 2015

Hinweise

Wikipedia über Joyce Carol Oates (deutsch, englisch)

Perlentaucher über „Pik-Bube“

Meine Besprechung von François Ozons Joyce-Carol-Oates-Verfilmung „Der andere Liebhaber“ (L’Amant Double, Frankreich/Belgien 2017)


TV-Tipp für den 25. Juni: Eva

Juni 24, 2018

Arte, 23.10

Eva (Eva, Frankreich/Italien 1962)

Regie: Joseph Losey

Drehbuch: Hugo Butler, Evan Jones

LV: James Hadley Chase: Eve, 1945 (Eva)

Eva warnt den verlobten Waliser Flegel und mit seinem Debüt zum Erfolgsautor avancierten Tyvian, sich nicht mit ihr einzulassen. Er tut es trotzdem.

Drama von Joseph Losey, das vom Produzenten letztendlich um ein Drittel gekürzt wurde. Es existieren verschiedene Fassungen zwischen Loseys Schnitt (155 Minuten, anscheinend verschollen), eine von ihm auf Verlangen des Produzenten hergestellte kürzere Fassung (135 Minuten), eine US-Fassung (115 Minuten), eine britische Fassung (111 Minuten), eine deutsche Fassung (107 Minuten, die dürfte heute Abend laufen) und eine französische Fassung (100 Minuten).

der unerhörte Stilwille einerseits und die objektive Unmöglichkeit, ihn so vollständig einzulösen, dass er im Resultat nicht mehr als Anstrengung zu erkennen wäre, haben ‚Eva‘ letztlich zu einem eher manieristischen Torso werden lassen. (…) Bei aller Kritik und Selbstkritik Loseys bleibt ‚Eva‘ ein zwar überornamentierter, aber thematisch interessanter Ewway über Liebesbeziehungen und Geldbeziehungen.“ (Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Joseph Losey, 1977)

mit Jeanne Moreau, Stanley Baker, Giorgio Albertazzi, Virna Lisi, Peggy Guggenheim, Vittorio De Sica, Joseph Losey

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Eva“

Wikipedia über „Eva“ (deutsch, englisch)

Mordlust über James Hadley Chase

Crimetime über James Hadley Chase

Kirjasto über James Hadley Chase

Wikipedia über James Hadley Chase (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Manfred R. Köhlers James-Hadley-Chase-Verfilmung „Ein Sarg aus Hongkong“ (Schweiz/Deutschland/Frankreich 1964)


TV-Tipp für den 24. Juni: Catch me if you can

Juni 24, 2018

Sat.1, 20.15

Catch me if you can (Catch me if you can, USA 2002)

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Jeff Nathanson

LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)

Spielberg erzählt kurzweilig die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)

Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner

Wiederholung: Montag, 25. Juni, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über “Catch me if you can” (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Catch me if you can”

History vs. Hollywood überprüft den Wahrheitsgehalt der Hochstaplergeschichte

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Lincoln” (Lincoln, USA 2012)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ (Bridge of Spies, USA 2015)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „BFG – Big Friendly Giant (The BFG, USA 2016)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Die Verlegerin“ (The Post, USA 2017)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs „Ready Player One“ (Ready Player One, USA 2018)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Juni: Jenseits von Afrika

Juni 23, 2018

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Klaus Maria Brandauer! (Der war am 22. Juni. Aber da lief kein Brandauer-Film im TV.)

RTL II, 20.15

Jenseits von Afrika (Out of Africa, USA 1983)

Regie: Sydney Pollack

Drehbuch: Kurt Luedtke

LV: Isak Denisen (aka Karen Blixen): Out of Afrika; Shadows on Grass; Letters from Africa; Judith Thurman: Isak Denisen – The Life of a Storyteller; Errol Trzebinski: Silence will speak

Mit sieben Oscars (u. a. Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch), an der Kinokasse enorm erfolgreiche, vor Ort gedrehte Edelschmonzette über Karen Blixen, die zwischen 1913 und 1931 in Kenia lebte, mit dem ehebrechendem, geschäftsunfähigen Bror von Blixen-Fineckel verheiratet war, deshalb dessen Kaffeeplantage managte und in den Großwildjäger Denys Finch Hatton verliebt war.

mit Meryl Streep, Robert Redford, Klaus Maria Brandauer, Michael Kitchen, Malick Bowens

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Jenseits von Afrika“

Wikipedia über „Jenseits von Afrika“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Witzisch geht nicht „Nicht ohne Eltern“

Juni 22, 2018

Eines Tages taucht bei dem bürgerlichen, kinderlosen Ehepaar André (Christian Clavier) und Laurence Prioux (Catherine Frot) ein junger Mann auf, der behauptet ihr Sohn zu sein. Weil André und Laurence seit Ewigkeiten verheiratet sind, kann die Behauptung von Patrick (Sébastien Thiéry) unmöglich stimmen. Trotzdem schließt Laurence den tauben, naiven, in einem Heim aufgewachsenen Patrick in ihr Herz. Er wird für sie schnell zu dem Kind, das sie niemals hatte. Der überängstliche und zur Hysterie neigende André würde den Eindringling, der ein Betrüger sein muss, am liebsten sofort aus ihrem Haus werfen.

Die französische Komödie „Nicht ohne Eltern“ basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück von Sébastien Thiéry, der auch einer der beiden Drehbuchautoren, Co-Regisseur und Hauptdarsteller ist. Für den Film wurde das Stück dann anscheinend kräftig geändert. Trotzdem kann es seinen Ursprung als klamaukige Boulevardkomödie nicht verleugnen. Die funktioniert im Theater immer dann am besten, wenn alle hektisch durcheinander rennen und brüllen und, ausgehend von einer unglaubwürdigen Prämisse, idiotischer Irrtum auf dümmlichen Irrtum folgt, bis der sprichwörtliche Gordische Knoten eine einfach zu lösende Aufgabe ist. Im Theater, wo es eine direkte Kommunikation zwischen den Schauspielern und dem Publikum gibt und auch improvisiert werden kann, funktioniert das gut.

Im Film nicht unbedingt und manchmal, wie in „Nicht ohne Eltern“, funktioniert nichts. „Monsieur Claude und seine Töchter“ Christian Clavier versucht sich als ständig über Gebühr erregter Kleinbürger als Louis-de-Funès-Abbild. Mit dem Ergebnis, dass man sich den verstorbenen de Funès für diesen Film wünscht. Geholfen hätte es allerdings kaum. Die Geschichte ist einfach zu unglaubwürdig, um auch nur eine Zehntelsekunde für auch nur irgendwie plausibel gehalten zu werden. Die Charaktere sind reine Klischees. Die Witze stammen aus der Mottenkiste des Boulevardtheaters, die man irgendwo in den fünfziger Jahren stehen gelassen hat. Heute sind sie nicht mehr witzig.

Und dazwischen gibt es mehrere banale Pop-Songs, die über Gebühr ausgespielt werden.

Nicht ohne Eltern“ ist ein Klamauk ohne einen einzigen Lacher.

Nicht ohne Eltern (Momo, Frankreich 2017)

Regie: Vincent Lobelle, Sébastien Thiéry

Drehbuch: Sébastien Thiéry, Pascale Arbillot (nach dem Theaterstück von Sébastien Thiéry)

mit Christian Clavier, Catherine Frot, Sébastien Thiéry, Pascale Arbillot, Hervé Pierre

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Nicht ohne Eltern“

AlloCiné über „Nicht ohne Eltern“

Wikipedia über „Nicht ohne Eltern“