TV-Tipp für den 5. Mai: Sin City

Mai 5, 2017

RTL II, 23.00

Sin City (USA 2005, Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Die Fortsetzung „Sin City: A Dame to kill for“, neun Jahre später, war dann eine ziemlich reizlose Angelegenheit. RTL II zeigt sie, als TV-Premiere, am kommenden Freitag, den 12. Mai, um 23.30 Uhr.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Montag, 8. Mai, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Sin City“

Metacritic über „Sin City“

Rotten Tomatoes über „Sin City“

Wikipedia über „Sin City“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons‘ „Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)“ (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams‘ „All-Star Batman“ (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers „Holy Terror“ (Holy Terror, 2011)

Meine Besprechung von Robert Rodriguez‘ „Machete Kills“ (Machete Kills, USA 2013)

Meine Besprechung von Frank Miller/Robert Rodriguez‘ „Sin City 2: A Dame to kill for (Frank Miller’s Sin City: A Dame to kill for, USA 2014)


Neu im Kino/Filmkritik: Kluger Ratschlag für Besuche bei künftigen Schwiegereltern: „Get out“

Mai 4, 2017

Viele Blumhouse-Filme sind Mist. Billig produzierte Found-Footage-Horrorfilme, die finanziell einträglich sind. Aber dann gibt es – und deshalb lohnt sich immer ein Blick auf eine Blumhouse-Produktion – diese Perlen, in denen das geringe Budget die Chance für Experimente ist. In diesem Fall auch für eine ätzende Gesellschaftskritik, die keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten und kommerziellen Erwägungen machen muss. Bei den „The Purge“-Filmen gelang das. Und jetzt bei „Get out“, dem Debütfilm von Jordan Peele. In den USA ist er vor allem als Komiker bekannt.

Chris Washington (Daniel Kaluuya), ein aufstrebender New Yorker Fotograf, fährt mit seiner neuen Freundin Rose Armitage (Allison Williams), einer Krankenschwester, für ein Wochenende zu ihren Eltern. Sie leben im Wald in einem einsam gelegenem, noblen Familiensitz im Norden des Staates New York.

Auf dem Weg zu ihren Eltern betont Rose, eine Weiße, die Liberalität ihrer Eltern. Er ist ein Schwarzer – und schon von der ersten Minute an zeichnet der Afroamerikaner Jordan Peele ein düsteres Bild der Vereinigten Staaten von Amerika als eine zutiefst gespaltene Gesellschaft zwischen mehr oder weniger offen unterdrückten Schwarzen und Weißen, die sich als Herrenmenschen sehen und auch so agieren. Andere Ethnien gibt es in „Get Out“ nicht; was natürlich zur bedrückenden Atmosphäre und der klaren Zeichnung des Konflikts beiträgt.

Auf dem abgelegenem Wohnsitz der Armitages wird Chris freundlich von Roses Eltern empfangen. Aber sie sind eine Spur zu freundlich. Ihre beiden Hausangestellten, natürlich Schwarze, verhalten sich auch seltsam. So als stünden sie immer etwas neben sich und als ob sie noch – mental – in der Zeit vor dem Bürgerkrieg lebten.

Und mehr soll nicht verraten werden. Außer dass Chris besser spätestens nach dem ersten Gespräch mit dem ach so liberalen, pensionierten Chirurgen Dean Armitage (Bradley Whitford) und seiner ebenso liberalen Frau Missy (Catherine Keener), einer Psychiaterin, abgereist wäre. Denn ihre Liberalität, Weltgewandtheit und Freundlichkeit ist keine gewöhnliche Bigotterie, sondern die Fassade für etwas viel schlimmeres.

Peele verpackt seine ätzende Analyse der gegenwärtigen USA und ihrer Rassenverhältnisse in einen packenden Horrorthriller voller überraschender Wendungen und zunächst verborgener Bedeutungsebenen und Interpretationsmöglichkeiten. Dabei bleibt er immer erkennbar nah an der Wirklichkeit und er behandelt sein Thema Rassismus äußerst facettenreich.

In den USA wird „Get out“ seit seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival von der Kritik nahezu einhellig abgefeiert und an der Kinokasse ist er ebenfalls ein Hit.

Daher: Reingehen in „Get out“.

Und jetzt der Trailer, der – jedenfalls wenn man den Film kennt – viel von dem Film verrät. Daher: ansehen auf eigene Gefahr:

Get out (Get out, USA 2017)

Regie: Jordan Peele

Drehbuch: Jordan Peele

mit Daniel Kaluuya, Allison Williams, Catherine Keener, Bradley Whitford, Caleb Landry Jones, Marcus Henderson, Betty Gabriel, Lakeith Stanfield, Stephen Root, Lil Rel Howery

Ashley LeConte Campbell

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Get out“

Metacritic über „Get out“

Rotten Tomatoes über „Get out“

Wikipedia über „Get out“ (deutsch, englisch)

Auch hier: ansehen auf eigene Gefahr

das Q & A beim Sundance Film Festival

ein Gespräch über den Film mit Jordan Peele, Allison Williams und Daniel Kaluuya im AOL Gebäude

 

 


DVD-Kritik: Dolph Lundgren ist „The Demon Hunter“

Mai 4, 2017

In einer Mississippi-Kleinstadt sterben innerhalb weniger Stunden neun Menschen. Sie waren von einem Dämon besessen, der immer von der Person, die seinen Wirtskörper tötet, Besitz ergreift.

Der professionelle Dämonenjäger Jebediah Woodley (Dolph Lundgren), immer absolut unmodisch im Großwildjäger-Outfit gekleidet, macht sich auf den Weg in das Kaff. Denn er kennt den Dämon von früher.

Dort trifft er auf die junge FBI-Agentin Evelyn Pierce (Kristina Kiebe), die anscheinend ebenfalls eine Verbindung zur Geisterwelt hat. Gemeinsam jagen sie den Dämon, während um sie herum die Menschen sterben. In geschlossenen Räumen mit vielen Menschen und Waffen – benutzt werden Hieb- und Stichwaffen, Schusswaffen und auch mal eine Axt – entfaltet das Treiben des Dämons eine ungeahnte Dynamik.

The Demon Hunter“, im Original „Don’t Kill It“, ist der neue Film von „Big Ass Spider“-Regisseur Mike Mendez und es ist ein wirklich blutiger, haarsträubender Funsplatter, der Genrefans genau das liefert, was sie erhoffen: viel Blut, zusammengehalten von einer zweckdienlichen Geschichte, die mehr bekannt als innovativ ist, und einer gehörigen Portion Selbstironie, die einen problemlos über die Mängel und das begrenzte Budget hinwegsehen lässt.

Als Bonus gibt es das zwanzigminütige, untertitelte Publikumsgespräch vom 2016er Fantasy-Filmfest in Berlin mit Mike Mendez und Kristina Kiebe.

The Demon Hunter (Don’t Kill It, USA 2016)

Regie: Mike Mendez

Drehbuch: Dan Berk, Robert Olsen

mit Dolph Lundgren, Kristina Kiebe, Billy Slaughter, James Chalke

DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Q & A mit Mike Mendez und Kristina Kiebe, Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 89 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Demon Hunter“

Metacritic über „The Demon Hunter“

Rotten Tomatoes über „The Demon Hunter“

Wikipedia über „The Demon Hunter


TV-Tipp für den 4. Mai: Der Schakal

Mai 4, 2017

3sat, 22.25

Der Schakal (Großbritannien/Frankreich 1973, Regie: Fred Zinnemann)

Drehbuch: Kenneth Ross

LV: Frederick Forsyth: The Day of the Jackal, 1971 (Der Schakal)

Der Schakal (Edward Fox) plant einen Anschlag auf Charles de Gaulle. Ein braver Polizist verfolgt ihn.

Auch wenn der Film inzwischen als Klassiker gelabelt wird, ist er eine ziemlich langweilige Angelegenheit – obwohl das vermurkste Remake von 1997 mit Bruce Willis noch langweiliger ist.

Frederick Forsyths weltweit erfolgreiches Debüt wurde mit dem Edgar als bester Roman des Jahres ausgezeichnet und ermöglichte ihm den Berufswechsel vom Journalisten zum Schriftsteller.

Mit Edward Fox, Terence Alexander, Michel Auclair, Alan Badel, Tony Britton, Denis Carey, Adrien Cayla-Legrand, Cyril Cusack

Wiederholung: Samstag, 6. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Schakal“

Wikipedia über „Der Schakal“ (deutsch, englisch)


Zur Neuauflage von Robert A. Heinleins „Die Invasion“ der Schleimwesen

Mai 3, 2017

Seien wir ehrlich: Der Science-Fiction-Roman „Die Invasion“ von Robert A. Heinlein ist ein klassischer Pulp-Roman, der aus der heutigen Perspektive eher interessant als wirklich gelungen ist. Im Original erschien „Die Invasion“ 1951, mitten in den ersten Jahren des Kalten Krieges und lange vor der Eroberung des Weltraums.

In dem Roman erlebt die Erde eine Invasion von quallenartigen außerirdischen Wesen, die sich auf dem Rücken von Menschen festsetzen und sie zu willenlosen Werkzeugen der Außerirdischen machen. Sam Cavanaugh, eine James-Bond-Kopie (auch wenn James Bond seinen ersten Auftritt 1953 hatte), die gutaussehende, taffe Agentin Mary, die er später heiratet, und ihr Vorgesetzter, der väterliche Chef einer ultrageheimen, offiziell nicht existierenden Behörde, beginnen den Kampf gegen die Invasoren.

Die Geschichte bewegt sich flott voran und ich hatte den Eindruck, dass Robert A. Heinlein sie erfand, während er sie schrieb und er immer wieder neue Wendungen einbaute, um auf die nötige Länge zu kommen. Wobei, das muss der Ehrlichkeit halber erwähnt werden, er am Ende so viel geschrieben hatte, dass der Roman wieder gekürzt werden musste. Unter anderem um einige Stellen die damals – wir reden von 1951! – viel zu gewagt waren. So begegnen wir Cavanaugh erstmals, als er mit einer ihm fremden Frau im Bett liegt. Er will ihren Namen nicht wissen. Er will sowieso nichts über sie wissen und er ist dankbar, dass er ihr nichts schuldet.

Auch die Methoden, die Cavanaugh und seine Verbündete gegen die Invasoren anwenden, beflügeln mühelos die Fantasie von Teenagern und „Men’s Adventure“-Lesern. Außerdem machten und machen sie eine wirklich werkgetreue Verfilmung unmöglich. Weil die schleimigen Invasoren sich auf dem Rücken der Menschen festsetzen, müssen alle Menschen oben herum nackt herumlaufen. Frauen, das gesteht Heinlein ihnen zu, dürfen einen BH tragen. Als die Parasiten sich weiterentwickeln und sie sich nur noch irgendwo am menschlichen Körper festsetzen müssen, werden alle Menschen aufgefordert, vollkommen nackt herumzulaufen.

Die von Heinlein entworfene Zukunftswelt ist, aus heutiger Sicht, reinste Retro-SF, die mehr über die frühen Fünfziger als über die Zukunft verrät. Nach einem dritten Weltkrieg, der anscheinend nicht mehr Schäden als die beiden vorherigen Weltkriege hinterließ, ist die Welt immer noch in den Kalten Krieg bestimmenden zwei Blöcke geteilt. Es gibt Mobil- und Ohrtelefone, fliegende Autos, Kolonien im Weltraum und Holofernsehen, das allerdings nur von Horizont zu Horizont übertragen und weitergeleitet werden kann.

Und in der einsam gelegenen Waldhütte von Cavanaugh gibt es eine hypermoderne Küche, aber, wie er extra und entschuldigend betont, keine Badewanne, weil seine Hütte eine einfache Hütte sei, in die er keine Frauen mitnehme. Immerhin hat sie eine Dusche, die groß genug für zwei Personen und erotische Nahkämpfe ist.

Sowieso sind die Geschlechterverhältnisse rührend altmodisch. Die Hochzeit von Cavanaugh und Mary und das Gespräch mit dem Standesbeamten ist dann als Vertragsverhandlung reinste Comedy.

Eben dieses ständige Abgleichen zwischen damaliger Gegenwart, technologischen Utopien, gesellschaftlichen Konventionen und Vorstellungen und der heutigen Gegenwart, in der einiges sich bewahrheitet hat, einiges obsolet ist und vieles sich als Unfug herausgestellt hat, macht aus dem Retro-SV-Invasionsroman eine immer wieder interessante und auch erheiternde Lektüre, während der Plot, bei all seinen überraschenden Drehungen und Wendungen, die oft kaum bis überhaupt nicht vorbereitet sind, doch eher konventionell ist und die Invasoren nicht mehr Persönlichkeit als eine Küchenschabe haben. Da merkt man, dass Heinlein seine Leser einfach nur einige Stunden in fremde Welten entführen wollte. Dass „Die Invasion“ so etwas wie die Blaupause für zahlreiche Invasionsgeschichten werden sollte, konnte er damals nicht ahnen.

P. S.: Leider verzichtete der Heyne-Verlag auf ein Nachwort, das die Unterschiede zwischen den verschiedenen Versionen und die Bedeutung des Romans erklärt. Immerhin bewirbt Heyne „Die Invasion“ auf dem Cover mit den Worten „Robert A. Heinleins legendäres Science-Fiction Meisterwerk“ und „Einer der prägendsten Science-Fiction-Romane aller Zeiten“.

Robert A. Heinlein: Die Invasion

(vollständige Neuausgabe; übersetzt von Margaret Auer, überarbeitet und ergänzt von Elisabeth Bösl)

Heyne, 2017

416 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Puppet Masters

World Editions, Inc., 1951

Ungekürzte Neuausgabe 1990

Frühere deutsche Übersetzungen

Weltraum-Mollusken erobern die Erde (Gebrüder Weiß, 1958)

Weltraum-Mollusken erobern die Erde (Heyne, 1965)

Die Marionettenspieler (Bastei-Lübbe, 1994)

Verfilmung

Puppet Masters (The Puppet Masters, USA 1994)

Regie: Stuart Orme

Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rosso, David S. Goyer

mit Donald Sutherland, Eric Thal, Julie Warner, Keith David, Will Patton, Richard Belzer, Yaphet Kotto

Hinweise

The Heinlein Society

Phantastik-Couch über Robert A. Heinlein

Wikipedia über Robert A. Heinlein (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 3. Mai: Victoria

Mai 3, 2017

Arte, 20.15

Victoria (Deutschland 2015)

Regie: Sebastian Schipper

Drehbuch: Sebastian Schipper, Olivia Neergaard-Holm, Eike Frederik Schulz

Eine Nacht in Berlin: vier Jungs treffen eine Spanierin. Sie zeigen ihr ihren Kiez, reden mit ihr, nehmen sie zu einem Banküberüberfall mit, der schiefgeht und müssen flüchten.

Inzwischen dürfte der große Clou von Schippers Film bekannt sein: er drehte die Liebes- und Gangstergeschichte ohne einen einzigen Schnitt.

Dafür hat Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der mit der schweren Kamera die Protagonisten an all die Orte begleiten musste, ein Extra-Lob verdient.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski, Burak Yigit, Max Mauff, André Hennicke

Hinweise
Homepage zum Fillm
Berlinale über „Victoria“
Filmportal über „Victoria“
Film-Zeit über „Victoria“
Moviepilot über „Victoria“
Wikipedia über „Victoria“

Meine Besprechung von Sebastian Schippers „Victoria“ (Deutschland 2015)


Cover der Woche

Mai 2, 2017


TV-Tipp für den 2. Mai: Hitlers Madonna und die Retter der Raubkunst

Mai 1, 2017

Arte, 22.40

Hitlers Madonna und die Retter der Raubkunst (Deutschland/Österreich 2014, Regie: Petra Dorrmann)

Drehbuch: Petra Dorrmann

Gut einstündige Doku über die wahren Hintergründe der Rettung der von Hitler geraubten und in der Salzmine in Altaussee versteckten Kunstwerke. In George Clooneys „Monuments Men“ wird ja die Hollywood-Version der Rettung erzählt und das ZDF zeigt sie einige Stunden später, um 01.50 Uhr (VPS 00.20 Uhr).

Hinweise

Arte über die Doku

Meine Besprechung von George Cloones „Monuments Men“ (The Monuments Men, USA/Deutschland 2013)


TV-Tipp für den 1. Mai: Pop around the Clock

April 30, 2017

3sat, 06.40

Pop around the Clock

Demonstrieren? Konzerte ansehen? Beides miteinander verbinden? Immerhin stehen die Konzerte zwei Wochen in der Mediathek.

Das Programm hat zwar mit den Rolling Stones (ihr Havanna-Konzert, um 22.20 Uhr) und U2 (ihr Paris-Konzert um 00.05 Uhr, beide Male müsste die ungekürzte Fassung gezeigt werden) einige mir sofort auffallende Doppelungen zum Silvesterprogramm, aber gute Musik bleibt gute Musik. Bei den ganzen Bap-Konzerten (um 18.30 Uhr wird das Heimathafen-Konzert gezeigt) habe ich inzwischen den Überblick verloren.

Für Bluesfans beginnt es um 06.40 Uhr furios mit B. B. King (in Montreux 1993) und, um 07.10 Uhr, Eric Clapton (in San Diego 2007). Weiter geht’s um 08.10 Uhr mit einigen Ausschnitten aus dem „George Fest – A Night to celebrate the Musik of George Harrison“. Dann kann man ab 08.55 Uhr mit den Dire Straits etwas entspannen und sich langsam mit einer bunten, für jeden ist etwas dabei Mischung aus Ed Sheeran (um 12.05 Uhr), Coldplay (um 14.05 Uhr) und Peter Maffay (um 17.15 Uhr) auf den Bruce-Springsteen-Doppelschlag vorbereiten. Um 19.30 Uhr gibt es Ausschnitte aus seiner 1980er „The River“-Tour; um 20.15 Uhr Highlights aus dem „A MusiCares Tribute“. Danach rockt „Queen“ um 21.10 Uhr Montreal (Wurde das Konzert nicht auch an Silvester gezeigt?) und nach Mitternacht gibt es um 03.45 Uhr Mötley Crüe (Dito?) und um 04.50 Uhr Def Leppard.

Insgesamt ist, mal wieder, für jeden Musikgeschmack etwas dabei

Das vollständige Programm und weitere Informationen zu den Konzernen gibt es hier.


TV-Tipp für den 30. April: El Dorado (im 3sat-Wilder-Westen-Thementag)

April 29, 2017

Mit dem Sonnenaufgang beginnt der 3sat-Thementag „Wilder Westen„. Erster Höhepunkt ist um 11.55 Uhr „Mein großer Freund Shane„. Ein weiterer ist

3sat, 20.15

El Dorado (USA 1966, Regie: Howard Hawks)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Harry Brown: The Stars in their Courses, 1960

Ein versoffener Sheriff, ein behinderter Gunfighter und ein junger Messerwerfer legen sich mit der Bande eines skrupellosen Viehbarons an. Ihre Chancen den Kampf zu überlegen tendieren gegen Null.

Als Howard Hawks „Rio Bravo“ drehte, hatten sie beim Dreh viele gute Ideen, die allerdings nicht in diesen Film passten. Mit Leigh Brackett schrieb er dann, mit diesen Ideen, „El Dorado“; einen weiteren Western-Klassiker. Der dieses Mal sogar sehr witzig ist.

„‘El Dorado’ ist ein Film gegen ‘Rio Bravo’, wie ‘Rio Bravo’ ein Film gegen ‘High Noon’ war. (…) [‚El Dorado‘ ist] die radikale Entglorifizierung des Westernhelden.“ (Enno Patalas, Filmkritik 10/1967)

mit John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Michele Carey, Arthur Hunnicutt, R. G. Armstrong, Edward Asner

Wiederholung: Montag, 1. Mai, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „El Dorado“

Wikipedia über „El Dorado“ (deutsch, englisch)

Combustible Celluloid über “El Dorado”


Die Edgar-Gewinner 2017

April 29, 2017

Die Mystery Writers of America (MWA) haben in New York City die diesjährigen Edgars verliehen. Die glücklichen Gewinner sind (wobei sich, wie immer, auch ein Blick auf die nominierten, teils schon übersetzten Krimis lohnt):

Best Novel

Before the Fall, von Noah Hawley (Grand Central)

nominiert

The Ex, von Alafair Burke (Harper)

Where It Hurts, von Reed Farrel Coleman (Putnam)

Jane Steele, von Lyndsay Faye (Putnam)

What Remains of Me, von Alison Gaylin (Morrow)

Best First Novel by an American Author

Under the Harrow, von Flynn Berry (Penguin)

nominiert

Dodgers, von Bill Beverly (Crown)

IQ, von Joe Ide (Mulholland)

The Drifter, von Nicholas Petrie (Putnam)

Dancing with the Tiger, von Lili Wright (Marian Wood Book/Putnam)

The Lost Girls, von Heather Young (Morrow)

Best Paperback Original

Rain Dogs, von Adrian McKinty (Seventh Street)

nominiert

Shot in Detroit, von Patricia Abbott (Polis)

Come Twilight, von Tyler Dilts (Thomas & Mercer)

The 7th Canon, von Robert Dugoni (Thomas & Mercer)

A Brilliant Death, von Robin Yocum (Seventh Street)

Heart of Stone, von James W. Ziskin (Seventh Street)

Best Fact Crime

The Wicked Boy: The Mystery of a Victorian Child Murderer, von Kate Summerscale (Penguin Press)

nominiert

Morgue: A Life in Death, von Dr. Vincent DiMaio and Ron Franscell (St. Martin’s Press)

The Lynching: The Epic Courtroom Battle that Brought Down the Klan, von Laurence Leamer (Morrow)

Pretty Jane and the Viper of Kidbrooke Lane: A True Story of Victorian Law and Disorder: The Unsolved Murder that Shocked Victorian England, von Paul Thomas Murphy (Pegasus)

While the City Slept: A Love Lost to Violence and a Young Man’s Descent into Madness, von Eli Sanders (Viking)

Best Critical/Biographical

Shirley Jackson: A Rather Haunted Life, von Ruth Franklin (Liveright)

nominiert

Alfred Hitchcock: A Brief Life, von Peter Ackroyd (Nan A. Talese)

Encyclopedia of Nordic Crime: Works and Authors of Denmark, Finland, Iceland, Norway, and Sweden Since 1967, von Mitzi M. Brunsdale (McFarland & Company)

Something in the Blood: The Untold Story of Bram Stoker, the Man Who Wrote Dracula, von David J. Skal (Liveright)

Best Short Story

Autumn at the Automat,” von Lawrence Block (aus In Sunlight or in Shadow, herausgegeben von Lawrence Block; Pegasus)

nominiert

Oxford Girl,” von Megan Abbott (aus Mississippi Noir, herausgegeben von Tom Franklin; Akashic)

A Paler Shade of Death,” von Laura Benedict (aus St. Louis Noir, herausgegeben von Scott Phillips; Akashic)

The Music Room” von Stephen King (aus In Sunlight or in Shadow)

The Crawl Space,” von Joyce Carol Oates (Ellery Queen Mystery Magazine, September-October 2016)

Best Juvenile

OCDaniel, von Wesley King (Paula Wiseman)

nominiert

Summerlost, von Ally Condie (Dutton Books for Young Readers)

The Bad Kid, von Sarah Lariviere (Simon & Schuster Books for Young Readers)

Some Kind of Happiness, von Claire Legrand (Simon & Schuster Books for Young Readers)

Framed! von James Ponti (Aladdin)

Things Too Huge to Fix, von Saying Sorry von Susan Vaught (Paula Wiseman)

Best Young Adult

Girl in the Blue Coat, von Monica Hesse (Little, Brown Books for Young Readers)

nominiert

Three Truths and a Lie, von Brent Hartinger (Simon Pulse)

The Girl I Used to Be, von April Henry (Henry Holt)

My Sister Rosa, von Justine Larbalestier (Soho Teen)

Thieving Weasels, von Billy Taylor (Dial)

Best Television Episode Teleplay

A Blade of Grass,” Penny Dreadful, Drehbuch von John Logan (Showtime)

nominiert

Episode 1: “From the Ashes of Tragedy,” The People vs. O.J. Simpson: American Crime Story, Drehbuch von Scott Alexander und Larry Karaszewski (FX Network)

The Abominable Bride,” Sherlock, Drehbuch von Mark Gatiss und Steven Moffat (Hartswood Films/Masterpiece)

Episode 1: “Dark Road,” Vera, Drehbuch von Martha Hillier (Acorn TV)

Return 0,” Person of Interest, Drehbuch von Jonathan Nolan und Denise The (CBS/Warner Bros.)

The Bicameral Mind,” Westworld, Drehbuch von Jonathan Nolan und Lisa Joy

(HBO/Warner Bros.)

Robert L. Fish Memorial Award

The Truth of the Moment,” von E. Gabriel Flores (Ellery Queen Mystery Magazine, December 2016)

Grand Master

Max Allan Collins

Ellen Hart

Raven Award

Dru Ann Love

Ellery Queen Award

Neil Nyren

The Simon & Schuster–Mary Higgins Clark Award

The Shattered Tree, von Charles Todd (Morrow)

nominiert

The Other Sister, von Dianne Dixon (Sourcebooks Landmark)

Quiet Neighbors, von Catriona McPherson (Midnight Ink)

Say No More, von Hank Phillippi Ryan (Forge)

Blue Moon, von Wendy Corsi Staub (Morrow)

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 29. April: Schtonk

April 29, 2017

Phoenix, 20.15

Schtonk (Deutschland 1992)

Regie: Helmut Dietl

Drehbuch: Helmut Dietl, Ulrich Limmer

Äußerst unterhaltsame Satire über die gefälschten Hitlertagebücher, die der „stern“ 1983 begeistert aufkaufte und deren Echtheit das Magazin ewig betonte.

Dietl benutzt die Affäre „als Material für eine frivole Farce über die Anfälligkeit der Deutschen, Fakten zu verdrängen und neue Geschichtswahrheiten zu klittern; viele möchten heute noch Adolf Hitler entlastet sehen.“ (Fischer Film Almanach 1993)

Ich befürchte, der über zwanzig Jahre Kassenknüller über eine noch länger zurückliegende Affäre ist heute kein Jota veraltet.

mit Götz George, Uwe Ochsenknecht, Christiane Hörbiger, Rolf Hoppe, Dagmar Manzel, Veronica Ferres, Rosemarie Fendel, Karl Schönböck, Harald Juhnke, Ulrich Mühe, Martin Benrath, Georg Marischka, Hark Bohm, Wolfgang Menge

Hinweise

Filmportal über „Schtonk“

Moviepilot über „Schtonk“

Wikipedia über „Schtonk“


TV-Tipp für den 28. Januar: Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur

April 28, 2017

Arte, 21.45

Tarzan – Dem Affenmenschen auf der Spur (Frankreich 2016)

Regie: Robert de Young, Eric Ellena

Drehbuch: Robert de Young, Eric Ellena

Fünfzigminütige Doku über Tarzan, der als Romanfigur von Edgar Rice Burroughs seinen ersten Auftritt hatte und seitdem, in verschiedenen Medien, mehrmals dem Zeitgeist angepasst wurde.

Hinweis

Arte über die Doku (Mediathek)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Filmtitel, Teil ?: „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

April 27, 2017

Vor drei Jahren waren die Guardians of the Galaxy eine willkommene Abwechslung im Einerlei von Dystopien und Superheldenfilmen, die von Einzelfilmen immer mehr zu zeitintensiven Universen werden. Jedenfalls wenn man alle Spielfilme (okay, kein Problem), etwaige verlängerte Schnittfassungen und alle mehr oder weniger dazu gehörende TV-Serien und Comics genießen will. Da brachte „Guardians of the Galaxy“ mit ihrer kindlichen Neugierde auf fremde Welten, den ungewöhnlichen Figuren und dem spielerischen Umgang mit ihnen wieder den Zauber und die Naivität alter Science-Fiction-Filme ins Kino. Das war ein Mix, der auch in einem „Krieg der Sterne“-Film gut aufgehoben wäre. Wenn die selbsternannten Guardians of the Galaxy nicht eine Rasselbande latent unzurechnungsfähiger Outsider mit Hang zum Verbrechertum wären; – ach, eigentlich war „Guardians of the Galaxy“ der Han-Solo-Film, den wir nie sehen werden.

Das gefiel. Vor allem wie diese Gruppe höchst unterschiedlicher Charaktere in einem mehrere Welten ziemlich demolierendem Abenteuer zusammenfand und zu einer Patchwork-Familie wurde.

Der Film war auch an der Kinokasse enorm erfolgreich. Denn die Guardians of the Galaxy sind eine eher obskure Gruppe im Marvel-Universum, die bis dahin nur die Hardcore-Fans kannten.

Jetzt sind Star-Lord Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Drax (Dave Bautista), Waschbär Rocket (im Original Bradley Cooper) und, als Ersatz für Groot, Baby Groot (im Original Vin Diesel) zurück. Weil Rocket bei der endgültigen Vertragsabwicklung bei ihren Auftraggebern einige Batterien klaut, sind sie quer durch den Weltraum auf der Flucht. Nach einer Bruchlandung auf einem Planeten treffen sie Peter Quills biologischen Vater, der sie zu seinem Planeten mitnimmt.

Er nennt sich Ego (was schon misstrauisch machen sollte), benimmt sich wie ein von seiner eigenen Lehre erleuchteter Guru und er sieht zwar aus wie Kurt Russell, aber in Wirklichkeit ist er ein Planet. Quill und seine Freunde stehen gerade auf ihm. Wenn ihr jetzt schon verwirrt seid, werdet ihr am Schlusskampf verzweifeln, der, ähem, gegen Ego, auf und in dem Planeten Ego stattfindet und der, nun, eine Kombination aus frei flottierendem Luft- und Raumkampf und Wirtshausschlägerei in einer sich ständig verändernden Wirtschaft ist. Das ergibt, wenn man die Kampfchoreographie wirklich nachverfolgen will, wahrscheinlich absolut keinen Sinn, ist aber schön bunt mit all seinen CGI-Explosionen und Katastrophen.

Davor plätschert die Geschichte, nach dem furiosen ersten Akt, auf Egos Planeten vor sich hin. In diesen Minuten ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“, um noch einmal auf „Krieg der Sterne“ zurückzukommen, der Han-Solo-Film, vor dem wir uns fürchten. Quill verschwindet fast aus der Geschichte. Der von der Erde verschleppte Erdenjunge und Weltraumpirat wird zu einem seinen verloren geglaubten Vater abgöttisch bewundernden Sohn. Außerdem ist er, immerhin ist er der Anführer der Guardians, während des gesamten Films erstaunlich passiv. Dafür dürfen wir Drax bei seinen Liebeständeleien mit Mantis (Pom Klementieff), Egos telepathisch begabter Dienerin und Assistentin, beobachten. Gleichzeitig behandelt Gamora die Beziehungsprobleme mit ihrer Schwester Nebula (Karen Gillan), die sie umbringen will.

Und, immerhin geht es in dem Film um echte und falsche Familien, Quills Adoptivvater Yondu (Michael Rooker) hat auch eine wichtige Rolle in dem ganzen Beziehungsgeflecht, das sich doch eher auf dem Niveau einer Teenie-Soap bewegt. Auch wenn die Geschichte auf fremden Planeten spielt.

Am Ende ist „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ein buntes, zu lang geratenes, leicht zerfasertes Science-Fiction-Abenteuer, das sich zu sehr auf vernachlässigbare Beziehungsgeschichten konzentriert. Es gibt wieder eine ordentliche Portion Humor. Auch wenn Baby Groot noch lange nicht die Statur von Groot hat und Rocket etwas sanfter erscheint. Es gibt epische Raumschlachten und Kämpfe. Es gibt neue Planeten und Rassen; wenn auch nicht so viele, wie in „Guardians of the Galaxy“.

Immer noch sind die Guardians-Filme – und das ist gut so – nicht verknüpft mit dem Marvel-Kosmos. D. h. es gibt keine Gastauftritte von irgendwelchen Avengers und es wird auch keine Avengers-Handlung weitererzählt. Dafür hat Stan Lee zwei Auftritte.

Und, erstmals im Marvel Cinematic Universe, gibt es mit Ego eine Bösewicht, der länger als der Abspann im Gedächtnis bleibt. Das liegt allerdings weniger an ihm als Charakter (seine Motivation ist doch eher rätselhaft), sondern an Kurt Russell. Er verleiht ihm als größenwahnsinniger Vater – ich meine, welcher Vater nennt sich schon Ego? – eine imposante Statur und er genießt sichtbar seine Rolle als abgespacter Guru und Planetenerschaffer, der sich jetzt endlich um seinen Sohn kümmern will. Außerdem wird der Bösewicht dieses Mal nicht von einem CGI-Effekt, sondern von einem Menschen, der immer mühelos als Mensch erkennbar bleibt, gespielt.

Schon vor dem Kinostart wurde bekannt, dass James Gunn auch den dritten „Guardians of the Galaxy“-Film schreiben und inszenieren wird. Natürlich wieder mit vielen gut abgehangenen Rock- und Popsongs, die, so der Plan, ab 2020 die Kinos beschallen werden.

Guardians of the Galaxy Vol. 2 (Guardians of the Galaxy Vol. 2, USA 2017)

Regie: James Gunn

Drehbuch: James Gunn

mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Vin Diesel (Stimme, im Original), Bradley Cooper (Stimme, im Original), Kurt Russell, Michael Rooker, Karen Gillan, Pom Klementieff, Elizabeth Debicki, Chis Sullivan, Sean Gunn, Tommy Flanagan, Laura Haddock, Sylvester Stallone (mehr Cameo als Rolle), Rob Zombie, Gregg Henry, Stan Lee

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite von Marvel Deutschland

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Metacritic über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Rotten Tomatoes über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Wikipedia über „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Guardians of the Galaxy“ (Guardians of the Galaxy, USA 2014) und der DVD

Meine Besprechung von mehreren „Guardians of the Galaxy“-Comics

Bonushinweis

Wer sich auf intellektuellem Niveau dem ganzen Marvel Cinematic Universe nähern will, sollte einen Blick in dieses (von mir noch nicht gelesene und daher blind empfohlene) Buch werfen, in dem Peter Vignold die expandierenden Serienuniversen mit dem Konzept der multilinearen Hyperserie analytisch fassen will.

Peter Vignold: Das Marvel Cinematic Universe – Anatomie einer Hyperserie

(Marburger Schriften zur Medienforschung)

Schüren, 2017

176 Seiten

19,90 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „Gimme Danger“, Iggy Pop, The Stooges – One, two, three, go!

April 27, 2017

Wenige Stunden nach dem siebzigsten Geburtstag von Iggy Pop – und niemand hätte in den vergangenen Jahrzehnten gedacht, dass er jemals dieses für seinen früheren Lebenswandel biblische Alter auch nur erreichen könnte, während man in den vergangenen Jahren dachte, dass er schon seit Jahrzehnten ein Alter jenseits von Raum und Zeit hat – läuft in unseren Kinos eine Dokumentation an, die der Regisseur der Doku „eine Liebeserklärung an die womöglich größte Rock-n-Roll-Band aller Zeiten“ nennt.

Damit meint Jim Jarmusch die „Stooges“ oder „Iggy and the Stooges“ oder, inoffiziell, „Iggy Pop and the Stooges“. Sie waren eine Punkband, als es noch keinen Punk gab und sie sind mehr Punk als jede andere Punkband jemals Punk war und ist. Auch wenn die Stooges es in den vergangenen Jahren, nach einer verdammt langen Pause, deutlich ruhiger angehen lassen, sind sie immer noch eine stilprägende Band und wichtige Inspiration für zahllose Kellerbands, die mangelndes Können durch Enthusiasmus kompensieren.

Der Kern des „Stooges“-Kults sind dabei die drei LPs „The Stooges“ (1969, mit „1969“, „I wanna be your Dog“ und „No Fun“), „Fun House“ (1970, mit „TV Eye“ und „Fun House“) und, aufgenommen in London, „Raw Power“ (1973, mit „Search and Destroy“ und „Raw Power“) und die Geschichten, die man über ihre erinnerungswürdigen Auftritte in den USA hörte. Sie waren, und das sieht man schön in Jim Jarmuschs Doku „Gimme Danger“, die Antithese zu einem normalen Rockkonzert und jeder Auftritt hatte eine große Chance, lange vor den obligatorischen Zugaben beendet zu sein. Die Musik war brachial minimalistisch. Die von Iggy Pop geschriebenen Texte ebenso. Die Show anders als alles, was man bis dahin, zwischen Elvis Presley, Bob Dylan und Flower-Power-Musik, sehen konnte.

Damals waren die Platten nicht so wahnsinnig erfolgreich, aber seitdem wurden sie unzählige Male wieder veröffentlicht und ihr Einfluss auf unzählige Bands und Musiker ist unbestritten.

In seiner Musikdokumentation „Gimme Danger“ zeichnet Stooges-Fan Jim Jarmusch chronologisch die Geschichte von Iggy und den Stooges nach. Mit vielen Originalaufnahmen, Animationen und den üblichen sprechenden Köpfen ist das filmisch konventionell, wenig kritisch, aber höchst informativ und unterhaltsam. Iggy Pop erzählt ausführlich, leicht selbstironisch und sehr entspannt über seine Kindheit und Jugend, die Anfänge der Band, Tourneen und, nachdem der kommerzielle Erfolg auf jeder Ebene ausblieb und der Drogenkonsum zu hoch wurde, der Auflösung der Stooges im Februar 1974.

Iggy Pops nicht minder wechselhafte Solokarriere nach dem Ende der Stooges ignoriert Jim Jarmusch in „Gimme Danger“, weil er eine Doku über die Stooges und nicht über Iggy Pop drehte.

Produzent Danny Fields erzählt von seiner ersten Begegnung mit den Stooges bei einem Konzert und wie er ihnen ihren ersten Plattenvertrag verschaffte. Kathy Asheton, die Schwester der Stooges-Gründungsmitglieder Ron und Scott Asheton, erzählt, was die Familie über die Tourneen und den Lebensstil der Band hielt.

2003 kam es zu einer Bühnen-Reunion der Stooges. Sie spielten immer noch laut, aber nicht mehr so selbstzerstörerisch wie in ihren jungen Jahren. Sie traten, weil schon damals nicht mehr alle Mitglieder der Ur-Besetzung lebten, in einer leicht anderen Besetzung auf. Aber der Kern, – Sänger Iggy Pop, Bassist Ron Asheton, Schlagzeuger Scott Asheton und „Raw Power“-Gitarrist James Williamson (der nach den Stooges in Silicon Valley arbeitete) -, waren dabei. Ur-Bassist Dave Alexander ist bereits 1975 gestorben; was in „Gimme Danger“ ausführlich erwähnt wird.

Nach der erfolgreichen Bühnen-Reunion veröffentlichten sie zwei Studio-CDs und bestritten zahlreiche Live-Auftritte, die im Film ausführlicher als nötig gezeigt werden.

Gimme Danger“ ist eine sehr informative Musik-Dokumentation über die Stooges, die dazu anregt, mal wieder die alten Stooges-Platten herauszukramen.

Gimme Danger (Gimme Danger, USA 2016)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Jimmy Osterberg (alias Iggy Pop), Ron Asheton, Scott Asheton, James Williamson, Steve Mackay, Mike Watt, Danny Fields, Kathy Asheton

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gimme Danger“

Metacritic über „Gimme Danger“

Rotten Tomatoes über „Gimme Danger“

Wikipedia über „Gimme Danger“, die Stooges (deutsch, englisch) und über Iggy Pop (deutsch, englisch)

Homepage von Iggy Pop

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016)

Zum Einstimmen: Iggy and the Stooges rocken 2007 Glastonbury


TV-Tipp für den 27. April: Sperling und der stumme Schrei

April 27, 2017

ZDFneo, 20.15

Sperling und der stumme Schrei (Deutschland 2002)

Regie: Marcus O. Rosenmüller

Drehbuch: Ralph Bohn, Christine Book

Während seines Usedom-Urlaubs entdeckt Kommissar Hans Sperling eine brennende Hütte. Und weil ein Kommissar niemals wirklich Urlaub hat, beginnt er sich umzuhören.

Von 1996 bis 2007 ermittelte Kommissar Sperling (Dieter Pfaff) in achtzehn Fällen. Normalerweise in Berlin. Immer abseits der gängigen TV-Krimiklischees, spannend und auf erzählerisch hohem Niveau.

ZDFneo zeigt an den kommenden Donnerstagen weitere „Sperling“-Krimis.

Mit Dieter Pfaff, Renate Krößner, Michael Kind, Julia Palmer-Stoll, Michaela Schaffrath

Hinweise

Fernsehserien über „Sperling“

Wikipedia über „Sperling“


Kurzkritik: Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

April 26, 2017

Am 11. Dezember 1978 klaute die Mafia auf dem John F. Kennedy Airport aus dem Frachtterminal der Lufthansa gebrauchte Dollarscheine im Wert von 10 Millionen D-Mark (bzw., nach heutigem Wert, 20 Millionen Euro). Das war viel mehr, als die Diebe, die über Insider-Informationen verfügten, erwartet hatten. Und während der Überfall unblutig abging, wurde es danach blutig.

Die Beute wurde nie gefunden.

Das ist der wahre Hintergrund des zweiten Crissa-Stone-Romans. In „Geld ist nicht genug“ erhält die Profi-Verbrecherin (kurz gesagt: die weibliche Version von Richard Starks Parker) das Angebot, zusammen mit Benny Roth einen Teil der Beute zu bergen. Benny war damals mittelbar an dem Diebstahl beteiligt. Als immer mehr Männer, die mehr oder weniger an dem Diebstahl beteiligt waren, ermordet wurden, ging er in ein Zeugenschutzprogramm. Jetzt, nachdem Joey Dio gestorben ist, findet ihn der psychopathische Gangster Danny Taliferro in der Provinz.

Benny kann ihn und seine Männer überwältigen. Mit seiner deutlich jüngeren Freundin kehrt er nach Jahrzehnten nach New York zurück. Denn er glaubt zu wissen, wo Dio seinen Anteil von dem Raub versteckt hat. Dummerweise ist er nicht der einzige.

Geld ist nicht genug“ ist, wie Wallace Strobys erster Crissa-Stone-Roman „Kalter Schuss ins Herz“, ein klassischer Hardboiled-Gangsterroman, der sich freudig in die Tradition stellt. Das zeigt sich schon an der schlanken 200-Seiten-Länge. Auch wenn Pendragon den Pulp-Roman layouttechnisch auf 336 Seiten hochpimpte. Stroby erzählt lakonisch, mit einigen kleinen Modernisierungen, eine Geschichte von mehr oder weniger ehrbaren Berufsverbrechern, die sich das Leben schwer machen.

Dabei weht, wie in den späteren Parker-Romanen von Richard Stark oder den Wyatt-Romanen von Garry Disher, ein Hauch von Nostalgie durch die Geschichte. Denn die Zeit der allein, nach einem Ehrenkodex, arbeitenden Berufseinbrecher ist vorbei. Die Technik macht ihnen in jeder Beziehung das Leben schwer. Ebenso die Entwicklungen in der Kriminaltechnik. Und dann findet sich in Geldschränken immer weniger Bargeld.

Bis jetzt hat Wallace Stroby noch zwei weitere Crissa-Stone-Romane geschrieben, die hoffentlich schnell ins Deutsche übersetzt werden.

Wallace Stroby: Geld ist nicht genug

(übersetzt von Alf Mayer)

Pendragon, 2017

336 Seiten

17 Euro

Originalausgabe

King of Midnight

Minotaur Books/St. Martin’s Press, 2012

Hinweise

Homepage von Wallace Stroby

Blog von Wallace Stroby

Wikipedia über Wallace Stroby

Meine Besprechung von Wallace Strobys „Kalter Schuss ins Herz“ (Cold Shot to the Heart, 2011)


TV-Tipp für den 26. April: Ein Prophet

April 26, 2017

Arte, 22.30

Ein Prophet (Un Prophète, Frankreich/Italien 2009)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.

In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, er war den Oscar und Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authentizität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket. In Deutschland war er nicht so erfolgreich und heute ist die TV-Premiere des Knastdramas.

mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb

Hinweise

Film-Zeit über „Ein Prophet“

Moviepilot über „Ein Prophet“

Metacritic über „Ein Prophet“

Rotten Tomatoes über „Ein Prophet“

Wikipedia über „Ein Prophet“ (deutsch, englisch, französisch)


Cover der Woche

April 25, 2017


TV-Tipp für den 25. April: Out of Inferno

April 25, 2017

Tele 5, 20.15

Out of Inferno (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)

Regie: Danny Pang, Oxide Pang

Drehbuch: Tang Nicholl, Danny Pang, Oxide Chun Pang, Szeto Kam-Yuen, Tang Nicholl, Wu Meng Zhang

In einem Hochhaus in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou, bricht an einem heißen Tag ein Feuer aus – und dann passiert das, was in Katastrophenfilmen immer passiert: Katastrophe reiht sich an Katastrophe, Menschen sterben, Menschen werden gerettet und die Stuntmänner müssen Überstunden schieben.

Trotzdem gefällt das Drama der Pang-Brüder („Bangkok Dangerous“) mit etlichen spektakulären Szenen, Explosionen und viel Feuer als flott erzählter, entsprechend kurzweiliger und eher unpathetischer Katastrophenfilm in der Tradition von „Flammendes Inferno“ mit weniger Stars (jedenfalls für uns Westler) und mit hundert Minuten deutlich kürzer als das Hollywood-Dreistundenepos.

mit Louis Koo, Sean Lau, Chen Si Cheng, Crystal Lee, Marc Ma, Jin Qiao Qiao, Crystal Lee, Zang Jin Sheng

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Out of Inferno“

Wikipedia über „Out of Inferno“

Meine Besprechung von Danny und Oxide Pangs „Out of Inferno“ (Táo Chūshēng Tiān, China/Hongkong 2013)